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Erasmus

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Forschung und Familie

Mitten in meiner Leukämie-Behandlung habe ich meinem Opa die Zusammensetzung meiner Chemotherapie geschickt. Er war Biologie-Professor und viele Jahre in Forschung und Entwicklung tätig. Er schrieb mir, dass einer meiner Wirkstoffe — Daunorubicin — mit seiner eigenen Arbeit verbunden war.

Plötzlich ging es für mich nicht mehr nur um Chemotherapie, Stammzelltransplantation und Nebenwirkungen. Plötzlich ging es auch um Wissenschaft, Forschung und die Frage, wie viel Geschichte manchmal in einem einzigen Wirkstoff steckt.

Erasmus, Audioingenieur

Und irgendwann wurde mir klar: Ein Teil seiner Forschung floss nun als Teil meiner Krebsbehandlung durch meinen eigenen Körper. Für mich ist das bis heute kaum zu greifen. Dass sich Leukämie, Chemotherapie, persönliche Familiengeschichte und wissenschaftliche Arbeit auf diese Weise kreuzen, hätte ich nie erwartet.

LEUKÄMIE MUSS HEILBAR WERDEN. IMMER UND BEI JEDEM.“

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José Carreras

Am 01.01.2025 bekam Erasmus die Diagnose Leukämie. Heute fühlt sich dieses Datum für ihn wie eine Grenze zwischen zwei Leben an. Sein Rückblick: „An Weihnachten 2024 hatte ich Kopf- und Gliederschmerzen. Die Theaterproduktion, die ich betreute, lief noch bis 30. Dezember. Ich wollte sie unbedingt zu Ende bringen, durchhalten, wie man es eben macht. Für eine diagnostizierte Mandelentzündung verschrieb mir der Hausarzt Penicillin, und ich dachte, damit wäre die Sache erledigt. Doch am gleichen Tag begann ein Ziehen in meinen Schienbeinen. Die Schmerzen wurden so stark, dass ich kaum noch laufen konnte. An Neujahr sagte ich zu meiner Frau: ,Diese Schmerzen kenne ich nicht. Bitte fahr mit mir ins Krankenhaus'. Erst wirkte dort alles wie Routine, doch nach doppelter Prüfung meiner Blutwerte sagte mir der Arzt: Es besteht der Verdacht auf Blutkrebs. Wir bringen Sie sofort mit Blaulicht in die Uniklinik nach Ulm. In diesem Moment wurde alles surreal. Anfang Dezember war ich noch beim Check-up gewesen. Das große Blutbild war völlig unauffällig, keine Warnzeichen. Und plötzlich sitze ich mit 42 Jahren im Krankenhaus und höre diese schreckliche Nachricht. Wie konnte mein Leben innerhalb von vier Wochen so kippen“, so der dreifache Familienvater, dessen Gefühle zwischen großer Angst und kompletter Leere schwankten.

DIE MACHTLOSIGKEIT WAR OFT SCHWER AUSZUHALTEN

„Meine Zeit in der Klinik war geprägt von endlosem Warten, Ängsten, Tränen und der ständigen Sorge um meine Familie, nachdem sich der Diagnoseverdacht dort bestätigte. Die Zeit der Chemotherapie hatte ich eigentlich gut überstanden, doch es war die Chemotherapie zur Vorbereitung auf die Transplantation, welche mich zum Erliegen brachte. Ich kämpfte mit Fieberschüben, starkem Nachtschweiß, Übelkeit, Schmerzen und einer lähmenden körperlichen Schwäche. Immer wieder war ich auf Blutkonserven und Thrombozyten angewiesen. Als weitere Komplikationen, wie ein entzündeter zentraler Venenkatheter und eine Thrombose hinzukamen, fühl-

te sich mein Körper endgültig wie im Ausnahmezustand an. Ich wollte aufstehen, doch mein Körper sagte kompromisslos „Nein“. Für mich war die Machtlosigkeit oft schwer auszuhalten.“

ES SIND VIELLEICHT KLEINE DINGE, ABER SIE HELFEN

Es gab in der schlimmen Zeit tatsächlich auch gute Momente. Einer der ersten war, als die Ärztin mir sagte, dass meine Leukämie prinzipiell heilbar ist. Dass für mich sehr schnell ein passender Spender gefunden wurde, fühlte sich wie ein kleines Wunder an, ein unbeschreibliches Geschenk. Besonders getragen hat mich auch das Pflegepersonal, welches mich zum Teil von allem einfach abgelenkt hat, sei es der neue Disneyfilm, ein guter Soundtrack oder ein witziger Spruch beim Verlassen des Zimmers. Es sind vielleicht kleine Dinge, aber sie helfen, nachts im Krankenhaus gut schlafen zu können“, so Erasmus dankbar.

MEIN WEG, UM NICHT KOMPLETT DARAN ZU ZERBRECHEN

Geschmacksverlust und die Nebenwirkungen bei 35 Tabletten am Tag, große Herausforderungen. Während von außen vielleicht alles nach ‚überstanden‘ aussah, kämpfte mein Körper innerlich jeden einzelnen Tag weiter. Genau das versteht man oft erst, wenn man selbst erlebt hat, wie schwer der Weg zurück ins Leben wirklich sein kann. Gleichzeitig war zu Hause aber auch der Ort, an dem ich Kraft tanken konnte — bei meiner Frau, meinen Kindern, und allem, was sich einmal nach echtem Leben angefühlt hat. Mein Familien- und Freundeskreis war gigantisch. So viel Zuneigung, Anteilnahme und Unterstützung hatte ich noch nie erlebt“, so Erasmus bewegt.

MOMENTE DIE MIR ZEIGTEN, WOFÜR ICH WEITERGEHE

„Meine Frau Kathrin hat mich in der Zeit sehr unterstützt. Sie ist jeden Tag nach Ulm gefahren und hat trotzdem unseren Kindern Sion (15), Samuela (12) und Soraya (6) einen Alltag geboten, damit sie von dem Schlimmen, was gerade um sie herum passiert, einigermaßen abgelenkt waren. Mein Alltag in der Klinik war einerseits sehr medizinisch bestimmt, andererseits aber auch geprägt von Momenten, die geholfen haben, nicht daran kaputtzugehen. Kathrin und ich haben viel gespielt, geredet und versucht, irgendwie ein Stück Normalität zu bewahren. Auch Humor war für mich wichtig. Manchmal trocken, manchmal schwarz, manchmal auch makaber. Das war mein Weg, nicht komplett an der Situation zu zerbrechen.“

DER KÖRPER KÄMPFT INNERLICH JEDEN TAG WEITER

„Zu Hause war nach den Klinikaufenthalten längst nicht sofort wieder alles normal. Gerade nach der Transplantation bedeutete das nicht einfach Freiheit, sondern vor allem Vorsicht. Neben viel Isolation waren Virusinfektionen, Wassereinlagerungen,

„Die Diagnose hat mich in vielerlei Hinsicht verändert. Vieles, was früher normal war, fühlt sich heute wie ein Geschenk an. Ich bin geduldiger geworden, aber auch sensibler für meine Grenzen. Die Krankheit hat mir viel genommen, aber sie hat mir auch gezeigt, was wirklich trägt: Familie, Zusammenhalt, Hoffnung und die kleinen Momente, die plötzlich eine riesige Bedeutung bekommen. Unbeschwert durchs Leben zu gehen und etwas weiter im Voraus planen zu können, ist gezwungenermaßen etwas verloren gegangen. Meine Frau und meine Kinder sind immer in Habachtstellung. Natürlich habe ich durch die Krankheit auch Dinge verpasst, Zeit mit meinen Kindern, Leichtigkeit im Alltag, Normalität und viele Momente, die man sich eigentlich ganz anders vorgestellt hätte. Gerade als Familienvater tut das weh, weil ich merke, dass mir Zeit verloren geht, die ich nie ganz zurückholen kann. Auch beruflich spielte vieles plötzlich keine Rolle mehr, weil es nur noch darum ging, gesund zu werden. Dieses Jahr war alles. Hart. Leise. Überfordernd. Aber auch voller Momente, die mir gezeigt haben, wofür ich weitergehe.“ Die Familie hält fest zusammen

Erasmus in der Klinik mit Ehefrau Kathrin
Erasmus – sein Körper braucht Kraft
Erasmus mit Tochter Samuela
Erasmus –Ablenkung tut gut
Erasmus und Kathrin

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