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Von wegen sprachlos! Unterstütze Kommunikation (Diakonie Themen 01/2013)

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Diakonische Information Nr. 170-5/13

Themen

Unterst端tzte Kommunikation

Von wegen sprachlos!

WORD Interview

Wordrap mit

Seite 10

Seite 14

David Hofer, LIFEtool

Josef Zotter

RAP

Projekt

Literaturpreis

Seite 20

Seite 22

Facebook-Freunde

Ohrenschmaus


EDITORIAL

Im Anfang war das Wort Im Anfang war aber nicht nur das Wort allein, sondern war die Kommunikation, der Austausch, die Begegnung. Heute müssen möglichst alle die Möglichkeit bekommen, für sich selbst zu sprechen. Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. In einem Satz wird so zusammengefasst, was später Kommunika­ tionstheorien entfalten müssen: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Am Anfang des Menschseins, im Zentrum allen Menschseins steht die Kommunikation, steht der Austausch zwischen Gott und den Menschen und zugleich auch der Austausch der Menschen untereinander und wieder mit Gott. Da aber sehen wir schon, wie vertrackt Kommunikation sein kann. In dem Satz „Im Anfang war das Wort“ steckt ein Übersetzungsproblem. Im Griechi„Kommunikation ist ein schen heißt es nicht „Im AnMenschenrecht und Gottes fang war das Wort“, sondern gute Gabe, die niemandem „„Im Anfang war der Logos“, und der Logos bezieht sich verwehrt werden darf“ nicht nur auf das Wort, nicht nur auf die Sprache, nicht nur auf die verbal vermittelte Welt, sondern auf die ganze Vernunft, auf alles, was den Menschen ausmacht, die Glaubwürdigkeit, die Autorität des Menschen, auch auf die rednerische oder expressive Gewalt, und auch auf die Emotionen. Im Anfang war die Kommunikation, war der Austausch, war die Begegnung, nicht nur das Wort allein. Der Logos, die Vernunft, wird auch gesehen als das Vernunftprinzip des Weltalls, das überall ist und alles durchdringt. In ihm geschieht die Begegnung von Gott und den Menschen und den Menschen untereinander als Schöpfung aus der göttlichen Vollkommenheit. Es wurde sogar von einem eigenen Wesen gesprochen, von einem Fünklein, das zwischen Gott und den Menschen hin- und herspringt und das sich in jedem Menschen wiederfindet. Man könnte auch sagen, die Kommunikation ist der

AN DIESEM HEFT MITGEARBEITET HABEN 2

Themen

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göttliche Funke, der sich in jedem Menschen, der als Gottes Ebenbild geschaffen wurde, wiederfindet. Der Logos ist ein Schöpfungsgeschenk. Ist die Gabe der Kommunikation aber ein Gottesgeschenk für alle Menschen, dann ist sie auch ein Recht, das allen Menschen gleichermaßen zusteht. Zu kommunizieren ist nicht nur das Recht der Stimm- und Sprachgewaltigen, sondern auch der Leisen und derer, die sich sprachlich nicht auszudrücken vermögen. Im Alten Testament heißt es ausdrücklich: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.“ Heute muss es allerdings darum gehen, nicht für jemanden zu sprechen, sondern möglichst allen die Möglichkeit zu geben, für sich selbst zu sprechen, selbst das Wort zu ergreifen und für die eigene Sache einzutreten. Assistierende Technologien und Unterstützte Kommunikation können hierbei wertvolle Hilfen sein. Jedoch sind sie immer noch nicht für alle zugänglich und schon gar nicht für jede und jeden leistbar. Dieses Heft zeigt technische Möglichkeiten auf, weist aber auch darauf hin, was noch zu tun bleibt, um allen die Chance zu geben, am lebendigen Strom der Kommunikation, am Austausch der Gedanken und Ideen teilzunehmen. Denn Kommunikation ist zum einen ein Menschenrecht, zum anderen aber Gottes gute Gabe, die niemandem verwehrt bleiben darf.

Pfarrer Mag. Michael Chalupka, Direktor Diakonie Österreich

Karin Brandstötter, Thomas Burger, Karin Hartmann, David Hofer, Joanna Kinberger, Hannelore Kleiss, Josef Lengauer, Gernot Mischitz, Irmgard Steininger


INHALT

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Was ich gern besser verstehen würde ... Was Menschen in der Diakonie in ihrem Alltag unverständlich finden.

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Sprechen können ohne Bevormundung

Am Martinstift-Symposion in Linz präsentierte sich die Vielfalt der Unterstützten Kommunikation.

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Was ist Unterstützte Kommunikation?

Glossar zum Schwerpunktthema.

Inhalt 16

Bedeutet Inklusion Nivellierung nach unten?

Stimmt’s? Mythen, Märchen und Pauschalansichten.

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Frühe Kommunikationsförderung

Ein von der Diakonie in Oberösterreich entwickeltes Konzept.

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Die Welt in Zahlen

Wie weltweit und in Österreich kommuniziert wird.

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Facebook-Freunde vom Verbund

Interview mit David Hofer, Geschäftsführer von LIFEtool.

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„Intelligenz kann man nicht sehen“

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Projekte

„Open the Windows“, EDV-Werkstätte Hagenberg, LIFEtool Beratungsstelle Wien.

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Immer miteinander reden ...

Mehr als nur ein Social Network.

Kurz gemeldet

10 Jahre AmberMed und Ankyra, Projekt „eine von vier“, Fachtagung „Sucht im Wandel der Zeit“.

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Selbst gedacht, selbst gemacht

Textproben vom „Ohrenschmaus“-Literaturpreis.

Wordrap mit Chocolatier Josef Zotter.

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In meiner Sprache

Drei Menschen mit eingeschränkter Lautsprache erzählen von sich.

Spendenkonto Diakonie: IBAN AT492011128711966399 BIC GIBAATWWXXX

IMPRESSUM: Medieninhaber, Herausgeber und Redaktion: Diakonie Österreich. Redaktion: Dr.in Roberta Rastl-Kircher (Leitung), Mag.a Katharina Meichenitsch, Mag. Martin Schenk, Mag.a Magdalena Schwarz. Alle: 1090 Wien, Albert Schweitzer Haus, Schwarzspanierstraße 13. Tel.: (0)1 409 80 01, Fax: (01) 409 80 01-20, E-Mail: diakonie@diakonie.at, Internet: www. diakonie.at. Verlagsort: Wien. Geschäftsführer Diakonie Österreich: Pfr. Mag. Michael Chalupka, Mag. Martin Schenk. Grafik-Design: Info-Media Verlag für Informationsmedien GmbH, Volksgartenstraße 5, 1010 Wien. Druckerei: AV + Astoria Druckzentrum GmbH, Faradaygasse 6, 1030 Wien. Fotos: LIFEtool (S. 1/2, 3, 7/2, 8, 13/2, 17, 18/2, 20), Nadja Meister (S. 1, 10–12), Herbert Lehmann (S. 1, 14), Ingrid Fankhauser (S. 1, 22, 23), Barbara Krobath (S. 2), Diakoniewerk (S. 3, 5, 7, 13, 15, 16), Jacqueline Godany (S. 3), Diakonie Zentrum Spattstraße 3 (5/2, 17/2), Diakonie Österreich (S. 9, 20), Elmar Schwarze (S. 14), Brot für die Welt (S. 19), Regina Hügli (S. 21), Diakonie de La Tour (S. 21), Fotolia.com (S. 21), privat (S. 4, 5, 6, 15/2, 23/2). Die Diakonische Information bringt Sachinformationen und Nachrichten zur Diakonie der Evangelischen Kirchen. Die gendersensible Schreibweise ist uns ein wichtiges Anliegen. Der Bezug ist kostenlos. DVR: 041 8056 (201). Gedruckt nach der Richtlinie „Schadstoffarme Druckerzeugnisse des Österreichischen Umweltzeichens“. Umweltzeichen (UWZ 734)

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PORTRÄTS

Was ich gerne besser verstehen würde … Menschen in der Diakonie finden manches in ihrem Alltag unverständlich. Wir haben sie danach gefragt.

IRMGARD STEININGER

KARIN HARTMANN Irmgard Steininger ist Beraterin bei LIFEtool. Dabei kann sie die Beschäftigung mit neuester Technik und die Beratung von Menschen vereinen. Immer wieder erlebt sie, wie sich Betroffenen durch technische Mög­lich­­keiten mit einem Schlag eine neue Welt eröffnet.

Karin Hartmann ist seit mehr als 25 Jahren als Elementarpädagogin tätig, seit 2008 leitet sie den Diakonie Kindergarten Neue Donau in Wien. Ihr ist es wichtig, den Kindergarten als erste Bildungsinstitution im Leben eines Menschen zu begreifen.

„Ich kann nicht verstehen, dass Menschen in Österreich bei einer körperlichen Behinderung einen Rollstuhl zur Verfügung gestellt bekommen, damit sie von einem Ort zum anderen kommen, aber kein Kommunikationshilfsmittel, wenn sie zusätzlich unter einer sprachlichen Beeinträchtigung leiden. Sie brauchen das, um ausdrücken zu können, wo sie hinmöchten, um ihren Protest oder ihre Freude auszudrücken. Zumindest die finanziellen Hürden, so ein Hilfsmittel anzuschaffen, sollten durch gesetzliche Bestimmungen verringert werden.“

„... warum wir es in Österreich im 21. Jahrhundert immer noch nicht geschafft haben, eine Bildungslandschaft zu errichten, in der ALLE die gleiche Chance bekommen, obwohl es in anderen EU-Ländern bereits Modelle und Ansätze gibt, die funktionieren. Und obwohl wir schon seit Langem wissen, dass Bildung eines frühestmöglichen Beginns und eines größtmöglichen Spektrums bedarf. Und obwohl wir das Potenzial der daraus resultierenden Wertschöpfung erkannt haben ...“

CHRISTIAN SEIBEZEDER Christian Seibezeder studierte Soziale Dienstleis­tungen für Menschen mit Betreuungsbedarf und ist im Kompetenzmanagement Behindertenarbeit des Diakoniewerks für Unterstützte Kommunikation zuständig. An der Schu­le für Sozialbetreuungsberufe in Gallneukirchen unterrichtet er Kommunikation. Persönlich bevorzugt er Gespräche von Angesicht zu Angesicht. „Manchmal wünsche ich mir, ich würde verstehen, was in den Köpfen anderer Menschen vorgeht. Vielleicht könnte ich dann ihre Bedürfnisse erkennen und besser auf ihre Wünsche eingehen. Schön wäre es auch, fremde Sprachen zu verstehen, um Kommunikation unkomplizierter gestalten zu können.“

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PORTRÄTS

JASMIN BAIER Jasmin Baier ist 18 Jahre alt, kommt aus der Nähe von Linz und macht gerade ihr freiwilliges Sozialjahr in einem Flüchtlingshaus der Diakonie in Wien.

ULRIKE HAIN UND JULIA SONNLEITNER Ulrike Hain (l.) arbeitet seit zwölf Jahren, Julia Sonnleitner seit sechs Jahren als Logopädin im Diakonie Zentrum Spattstraße. Sie betreuen dort Kinder im Alter von drei bis 13 Jahren. „Mit Kindern zu arbeiten ist immer wieder eine Freude und Herausforderung. Auch nach so vielen Jahren in diesem Beruf stoßen wir an Grenzen, wenn es darum geht, Kinder mit massiven Sprach- und Sprechstörungen zu verstehen. Die Erfahrungen, die wir gesammelt haben, helfen natürlich. Trotzdem: Jedes Kind ist anders und zeigt seine Bedürfnisse anders. Offen zu bleiben und sensibel zu sein für jedes Kind ist unabdingbar und führt meist zu Erfolgserlebnissen und Glücksmomenten für alle Beteiligten.“

„Ich würde wirklich gerne verstehen, wie es einem wohl geht, wenn man in Österreich in einem kleinen Zimmer sitzt, es einem absolut langweilig ist und man – obwohl man motiviert dazu wäre – einfach nicht arbeiten darf. Wenn man ein guter Schüler war, eventuell sogar schon auf der Uni, und das hier einfach nicht angerechnet wird. Wenn man drei oder sogar vier Sprachen kann und trotzdem bei Deutsch von vorne anfangen muss. Wenn man unbedingt etwas erreichen möchte, aber einfach nicht die Möglichkeit dazu hat. Kurz gesagt: wenn man sich einfach wünscht, man hätte nicht flüchten müssen, sondern wäre normal und friedlich aufgewachsen.“

MATTHIAS FRÖSCHL

LENA, 4 JAHRE Lena besucht den Integrations- und heilpädagogischen Kindergarten „Für Dich und Mich“ im Diakonie Zentrum Spattstraße und erhält dort einmal pro Woche logopädi­ sche Therapie. „Ich kann nicht sprechen, nehme aber meine Umwelt sehr bewusst wahr. Ich möchte vieles ausprobieren, meine Hände tun aber nicht immer das, was ich gerade will. Manchmal können die Erwachsenen erraten, womit ich spielen will. Oft bekomme ich aber etwas ganz anderes in die Hand, und dann ist es schwer für mich, zu zeigen, wie unzufrieden ich bin. Das Gesicht zu verziehen oder zu weinen hilft. Je besser mich die anderen kennen, desto eher verstehen sie mich. Meine Mama kann das gut!“

Matthias Fröschl, 24, lebt in Ried in der Riedmark. „Ich habe Spaß am Leben und mag es, wenn man mich ein wenig veräppelt“, sagt er über sich. Matthias arbeitet in der Mediengruppe der Werkstätte Linzerberg des Dia­ koniewerks. Dort schreibt er Berichte für die Zeitschrift „Ich + Wir“. Zum Sprechen nutzt er ein Sprachausgabegerät mit Tastatur. „Was ich gerne besser verstehen würde, ist die Art, wie PolitikerInnen reden. Vor der Wahl habe ich mir im Fern­ sehen verschiedene Sendungen angeschaut. Leider sprechen PolitikerInnen ziemlich kompliziert. Deshalb wünsche ich mir, dass Politikerinnen und Politiker einfacher und verständlicher sprechen.“

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SCHWERPUNKT

Sprechen können ohne Bevormundung Welchen Unterschied es macht, ob Menschen kommunizieren können oder nicht. Ein Bericht vom 41. Martinstift-Symposion.

E Selbstbefähigung ist das neue Schlagwort.

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VON KATHARINA MEICHENITSCH

s ist der 11. Oktober 2013, neun Uhr morgens in Linz. Das Verkehrschaos hat noch nicht seinen Höhepunkt erreicht, obwohl es schon seit dem frühen Morgen schneit. Knapp 1.000 BesucherInnen strömen in das Brucknerhaus, sie finden bequem Platz im Veranstaltungszentrum. Die Architektur erinnert daran, dass dieses Gebäude aus einem anderen Jahrhundert stammt. Die übergroßen RollstuhlRampen hingegen verraten bereits, wer heute im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen wird. „Von wegen sprachlos! Die Vielfalt der Unterstützten Kommunikation entdecken und einsetzen“ ist der Titel des 41. Martinstift-Symposions. Eine Veranstaltung, die seit den frühen 1970erJahren ein jährlicher Treffpunkt für nationale und internationale Expertinnen und Experten in der Behindertenarbeit ist. Auch heuer sind wieder besonders viele SchülerInnen aus den Schulen für Sozialbetreuungsberufe unter den Besucherinnen und Besuchern. Bunte Pullover, Jeans und Turnschuhe prägen das Bild. Sie sind gekommen, um sich auch abseits ihrer Ausbildung zu aktuellen Themen zu informieren und damit eine Grundlage für moderne Behindertenarbeit zu schaffen. Unterstützte Kommunikation betrifft etwa 63.000 Menschen in Österreich. Das sind all jene, die in ihrer Lautsprache eingeschränkt sind. Sie sind in ihrem Alltag auf Gebärden, Mimik, Zeigebewegungen oder technische Geräte angewiesen, um sich ausdrücken zu können.

Sie brauchen entsprechende Unterstützung und Menschen, durch die sie im Alltag ohne Bevormundung sprechen können.

Mechanische Stimme Kathrin Lemler betritt die Bühne. Vielmehr fährt sie auf der übergroßen Rampe zur Bühne hoch, mit Hilfe ihres Assistenten David, der den Rollstuhl schiebt. Kathrin Lemler ist aufgrund einer infantilen Cerebralparese seit ihrer Geburt auf Unterstützung und 24-Stunden-Assistenz angewiesen. Heute spricht sie als Referentin beim Martinstift-Symposion und erzählt von ihren Erfahrungen mit der Nutzung von Assistierenden Technologien und Unterstützter Kommunikation. Kathrin Lemler hat eine lange Reise auf sich genommen, um nach Linz zu kommen. Am Tag zuvor war sie zwölf Stunden im Zug unterwegs, und obwohl sie sich über ihre eigene Lautsprache nicht ausdrücken kann, scherzt sie abseits der Bühne, dass sie während der Verspätung des Zuges viele nette Leute kennengelernt hat. Ihre Stimme klingt mechanisch, es ist eine Frauenstimme aus dem Computer, wie man sie aus der Sprechanlage der U-Bahn kennt. Kathrin Lemler benutzt nicht nur ein Sprachausgabegerät, mit dem sie mit ihrer Umwelt in Kontakt tritt. Sie beschäftigt auch Assistentinnen und Assistenten, die mit Hilfe einer Buchstabentafel für sie kommunizieren. Konkret sieht das so aus, dass Kathrin Lemler auf einen Buchstaben blickt, der Assistent verfolgt ihre Augenbewegungen und spricht den Buchstaben aus,


SCHWERPUNKT

Anna geht in Peuerbach zur Schule. Die Cleavy-Tastatur ermöglicht ihr das Schreiben

dann den nächsten, dann den nächsten. Das hört sich langwierig an, doch die Kommunikation funktioniert erstaunlich schnell. Der Assistent vervollständigt halbe Wörter, wie ein Sprachprogramm im Computer. Auf die Frage, wie lange er gelernt hat, damit diese Form der Kommunikation für Kathrin Lemler eine adäquate Möglichkeit zu sprechen darstellt, meint David lapidar: „Sechs Monate habe ich schon gebraucht, damit so etwas wie ein effektiver Betrieb möglich ist.“

Selbstbefähigung statt Teilhabe Kathrin Lemler erläutert in der Zwischenzeit, warum die Versorgung mit Assistierenden Technologien bzw. elektronischen Hilfsmitteln so wich­ tig ist. Denn nur so kann sie sich ausdrücken, und nur so kann sie ihren Beruf ausüben: Sie ist Studentin und Mitarbeiterin am Forschungsinstitut für Unterstützte Kommunikation der Universität zu Köln. Eindrucksvoll vermittelt sie anhand der Schilderungen ihres Alltags, wie wichtig die Technik in ihrem Leben ist und wie schwierig es sein kann, wenn der Akku des Sprachausgabegeräts leer ist, bevor der Ersatzakku zur Hand ist. Doch auch hier zeigt sich die positive Sichtweise von Lemler: „Hauptsache, mein eigener Akku macht nicht schlapp.“ Die letzte Folie, die Kathrin Lemler mit Hilfe ihres Computers an die übergroße Leinwand wirft, zeigt sie beim Tandem-Paragleiten – tosen­ der Applaus setzt ein. Der zweite Referent, ebenfalls ein Betroffener,

Diagnose Querschnittlähmung. Als Deejay Ridinaro bringt Mario Partygäste zum Tanzen

ist Darryl Sellwood. Er ist eigens aus Australien angereist, um die ersten Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten zum Thema Sexualität bei Menschen, die Unterstützte Kommunikation anwenden, vorzustellen. Darryl spricht Englisch, aber für den heutigen Vortrag hat er sich extra eine deutsche Stimme gekauft, und so spricht sein Sprachausgabegerät für die 1.000 ZuhörerInnen in Deutsch. Auch seine Stimme ist elek­ tronisch und spricht etwas schneller als die von Kathrin Lemler. Die Gebärdendolmetscherinnen kommen kaum nach und wechseln sich schneller ab, um nicht zu ermüden und doch für ihr Publikum richtig übersetzen zu können. Darryl Sellwood steht in seinem Rollstuhl in der Mitte der Bühne. Er steuert seine Präsentation über einen kleinen Computer, der auf seinem Rollstuhl montiert ist. Er hat sichtlich Spaß daran, sein Publikum mit seinen betont lockeren Ausführungen etwas zu schockieren und so die ernste Stimmung aufzulockern. Doch letztlich geht es ihm darum, dass Menschen befähigt werden, Dinge selbst zu tun. Darryl Sellwood spricht dabei davon, dass Teilhabe nicht genug ist – Selbstbefähigung ist das neue Schlagwort. Die beiden Referierenden zeigen vor, wie ein selbstbestimmtes Leben mit einer Behinderung möglich ist und welche Erfolge sie feiern konnten.

KATHRIN LEMLER war Vortragende am Martinstift-Symposion. Sie ist Studentin an der Universität zu Köln und Expertin in Unterstützter Kommunikation.

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SCHWERPUNKT

Assistierende Technologien ermöglichen Lesen, Schreiben, Rechnen

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Doch nicht nur für die „Heroes“, auch für die „Normalos“ ist am Martinstift-Symposion Platz. Wie für Isabella, aus deren Alltag ihre Mutter Romana Malzer erzählt. Sie ist seit einigen Jahren Beraterin bei LIFEtool und hat damit ihre persönlichen Erfahrungen in den Beruf eingebracht. Mit Hilfe von Tastern spricht Isabella und kann sich damit trotz Rett-Syndrom verständlich machen. Denn die Taster erlauben ihr, vom Alltag im Kindergarten zu berichten. Das Motto im Haushalt Mal„Was die anderen können, zer lautet: „Was die anderen können, das können wir auch, das können wir auch – nur eben anders.“ nur eben anders“ Und so bläst Isabella schon einmal ihre Kerzen auf der Ge­ burts­tags­­torte mit einem Fön aus, den sie mit einem breitflächigen Taster einschaltet. Oder sie nimmt ihr iPad und kann auf einem scheinbar normalen Gerät ihrem Spiel „puzzle klick“ nachgehen.

Anträge sind Spießrutenläufe Locker-leicht scheint es zu gehen, schöne Geschichten von aufregenden Erlebnissen werden erzählt. Doch zwischendurch schwingt immer mit: Einfach wird es Betroffenen nicht gemacht. Wenn sie von Stelle zu Stelle geschickt werden, wenn sich niemand zuständig fühlt, wenn das Geld nicht reicht und man doch noch ein Jahr 8

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auf den Kauf eines Sprachausgabegeräts warten muss. Vor allem die unterschiedlichen Zuständigkeiten führen in Österreich dazu, dass Anträge auf elektronische Hilfsmittel eher Spießrutenläufe als Behördengänge sind. Nicht nur die Krankenund Unfallversicherung, auch die Pensionsversicherung, die Sozialabteilungen der Bundesländer sowie das Bundessozialamt sind für die Bewilligung und Beschaffung von Hilfsmitteln zuständig. Bei der Finanzierung wird zudem noch von freien Trägern oder sozialen Wohlfahrtsorganisationen geholfen. Nicht nur die unterschiedlichen Zuständigkeiten machen den Betroffenen und ihren Angehörigen zu schaffen. So sind im Hilfsmittelkatalog der medizinischen Rehabilitation, den Versicherungsträger heranziehen, um Leistungen zu bewilligen, keine neuen Geräte verzeichnet. Das verwundert nicht, ist die letztgültige Fassung doch aus dem Jahr 1994. In erster Linie finden sich darin Prothesen und Bandagen, Schienen und Gehhilfen. Elektronische Hilfsmittel, die unverzichtbar sind für Menschen wie Kath­rin Lemler oder Isabella Malzer, kommen nicht darin vor, weil sie damals noch nicht erfunden waren. Schließlich beschäftigt die BesucherInnen vom Martinstift auch die Frage nach den Geräten selbst. In der Mittagspause besuchen viele den Stand von LIFEtool, einer Diakonie-Organisation, die sich ausschließlich mit elektronischen Hilfsmitteln und Unterstützter Kommunikation beschäftigt. Die SchülerInnen berühren Geräte, machen Fotos und sagen Dinge wie „So einfach geht das?“ oder „Cool, so einen Taster hätte ich gern“.

Locker-leicht? Darryl Sellwood hat in seinem Vortrag darauf hingewiesen, dass der Blickwinkel entscheidend ist. Denn es hat keinen Sinn, Dienste oder Produkte zu entwickeln, die nicht verwendet werden können. Dementsprechend wichtig ist es, Betroffene in die Entwicklung von Hilfsmitteln miteinzubeziehen. Aber auch hier gibt es Defizite, vor allem in der Finanzierung von aufwendigeren Geräten. Dennoch werden die BeraterInnen von LIFEtool nicht müde, zu erzählen, wie ein Gerät funktioniert. Wie wichtig die Geräte für die Menschen sind. Wie entscheidend es ist, sich mit­teilen zu können. Und dass das Menschenrecht auf Kommunikation in Österreich noch lange nicht verwirklicht ist. diakoniewerk.at/de/martinstift_symposion


WISSEN

EN S S I W

Taster zum Ein- und Ausschalten von Spielzeug und Haushaltsgeräten

Sprachausgabegerät (l.), Mausersatz und Spezialtastatur (o.)

sagt die UN-Konvention zu Unterstützter g Was ist Unterstützte Kommunikation (UK)? g Was Kommunikation? UK geht davon aus, dass jeder Mensch ein Bedürfnis nach Kontakt und Kommunikation sowie das Recht auf Selbstbestimmung hat. UK beschreibt daher verschiedene Methoden, die Kommunikation ermöglichen können, auch unter Zuhilfenahme von Hilfsmitteln. Elemente der Unterstützten Kommu­nikation können Blickbewegungen, Mimik, Zeigebewegungen, Körperbewegungen, Gebärden, Fingeralphabete sein. Nichtelektronische Hilfsmittel, die in der Unterstützten Kommunikation verwendet werden, sind etwa Kommunika­tions­tafeln, Thementafeln, einzelne Bild- oder Wortkarten.

g Was sind Assistierende Technologien (AT)?

AT sind technische Hilfsmittel, die zur Aufrechterhaltung bzw. Verbesserung der Ausdrucksmöglichkeiten eines Menschen führen und Funktionseinschränkungen ausglei­ chen helfen. Solche Technologien sind spre­chende Tasten, Pupillensteuerungen, Sprachausgabegeräte, schrif­t­ sprachbasierte Kommunikationshilfen oder auch iPads bzw. Tablet-PCs. AT dienen dazu, Lebensqualität und Selbst­bestimmung durch Barrierefreiheit zu ermöglichen. Wesentlich ist, dass Betroffene in die Entwicklung von AT einbezogen werden müssen, um zu gewährleisten, dass Geräte sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen.

g Wer ist betroffen?

Laut dem österreichischen Behindertenbericht leben etwa 63.000 Menschen mit Einschränkungen in der Lautsprache. Die Ursachen für die Beeinträchtigungen sind vielfältig. Sie können angeboren sein, etwa durch infantile Cerebralparese, fortschreitend wie bei multipler Sklerose, erworben wie bei einer Lähmung durch Schlaganfall, oder es handelt sich um eine vorübergehende Sprachbeeinträchtigung nach einem Unfall. Betroffen sind auch die rund 190.000 Angehörigen, die meist unterstützend im Alltag tätig sind. Die Herausforderungen, um überhaupt zu Geräten zu kommen, liegen dabei immer wieder in den vielfältigen Zuständigkeiten.

Die „UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung“ wurde in Österreich im Jahr 2008 ratifiziert und geht in mehreren Artikeln auf die Verpflichtung der Staaten zur Förderung von Kommunikationstechnologien ein. Dabei stellt die UN-Konvention klar, dass Kommunikation nicht nur Sprache, Textdarstellungen und Brailleschrift einschließt, son­dern auch durch Informations- und Kommunikationstechnologien gewährleistet werden kann. Der Anspruch darauf zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Vertragstext und hat auch den österreichischen Moni­toring­ausschuss dazu veranlasst, eine Stellungnahme abzugeben.

g Was ist der Monitoringausschuss?

Der Monitoringausschuss überwacht die Umsetzung der UN-Konvention in Österreich. Die Stellungnahme des Monitoringausschusses kann heruntergeladen werden unter www.monitoringausschuss.at.

g Wie geht es weiter?

Die österreichische Bundesregierung hat sich im Jahr 2012 mit einem „Nationalen Aktionsplan Behinderung“ (NAP) insgesamt 250 Maßnahmen verordnet, um den Vorgaben der UN-Konvention zu entsprechen. Darunter finden sich Maßnahmen wie die Verwirklichung einer einheitli­ chen Anlaufstelle für Betroffene, eine stärkere Zusammenarbeit aller öffentlichen Kostenträger und die bessere Finanzierung von Hilfsmitteln. Der Zeitraum für die Umsetzung dieser Maßnahmen ist knapp bemessen: Viele davon sollen bereits 2015 umgesetzt sein. Der NAP kann unter www.bmask.gv.at heruntergeladen werden.

www.monitoringausschuss.at www.bmask.gv.at

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INTERVIEW

„Intelligenz kann man nicht sehen“ Warum das iPad für die Unterstützte Kommunikation nicht reicht, erklärt David Hofer, Geschäftsführer von LIFEtool. INTERVIEW: KATHARINA MEICHENITSCH FOTOS: NADJA MEISTER

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INTERVIEW

DiakonieThemen: Wie ist es zur Gründung von

LIFEtool gekommen? David Hofer: Ich glaube, das waren einfach die Zeichen der Zeit. Computertechnologien waren etwa in den skandinavischen Ländern, den USA und Kanada schon lange vorher verfügbar, 20 Jahre bevor LIFEtool gegründet wurde. Und bei uns hat es keine Anlaufstelle dafür gegeben. LIFEtool ist jetzt der erste Ansprechpartner, wenn es um Unterstützte Kommunikation geht.

? Was hat sich in den letzten 15 Jahren am stärksten verändert? Das Bedürfnis nach Kommunikation ist jedenfalls unverändert. Neu sind die starken Menschenrechtsbewegungen und die Ratifizierungen der UN-Konvention. All das hat es vor 15 Jahren in Österreich noch nicht gegeben. Das unterstützt letztendlich all unsere Bemühungen und gibt dem Ganzen einen rechtlich verbindlichen Rahmen. Das freut mich sehr, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es in Kanada oder den USA schon seit Langem selbstverständlich ist, Kommunikation als ein Menschenrecht zu sehen. Das Bewusstsein ist dort einfach stärker. Die Situa­ tion wird aber auch bei uns immer besser.

Zeitplaner für Wochenaktivitäten in Unterstützter Kommunikation

DAVID HOFER ist seit knapp elf Jahren Geschäftsführer von LIFEtool, der Organisation für Unterstützte Kommuni­ kation und Assistierende Technologien der Diakonie. Das Beratungsnetzwerk von LIFEtool spannt sich über ganz Österreich sowie benachbarte Länder wie Serbien und Tschechien. Vor Kurzem wurde im Rahmen des MartinstiftSymposions das 15-jährige Bestehen von LIFEtool gefeiert. David Hofer hat durch seine gehörlosen Eltern Zugang zum Thema Unterstützte Kommunikation.

den, irgendwohin zum Reparieren, und man ist wochen­lang von der Kommunikation abgeschnitten.

? Gibt es viele Menschen, die sich etwas im Internet gekauft haben, aber erst danach zu euch kommen? Natürlich, es werden immer mehr und mehr. Da gibt es eine große Bewegung, die sagt, warum soll ich ? Können massentaugliche Geräte wie das iPad 6.000 oder 7.000 Euro für ein Gerät ausgeben, wenn es das Gleiche auch um ein Zehntel gibt? Das führt helfen, Kommunikation zu ermöglichen? aber dann auch oft dazu, Das Beispiel iPad oder Tabletdass die Kommunikation nur PC zeigt sehr gut, wie viel Be„In Kanada oder den zu einem Zehntel ausgedarf an Beratung da ist. Die USA ist es seit Langem Touch-Technologie ist schon schöpft wird, weil das Gerät selbstverständlich, längst vor der Einführung des nicht das richtige ist oder die Kommunikation als iPad verwendet worden, allerfalschen Möglichkeiten bietet. Aber mich freut es natürlich, dings auf sehr speziellen GeMenschenrecht zu sehen“ wenn sich die Menschen räten. Wichtig ist, dass alle Faktoren berücksichtigt werden, die ein unterstützt auch selbst im Internet informieren, weil es zeigt, wie kommunizierender Mensch braucht, also zum Bei- hoch der Bedarf ist. spiel starke Lautsprecher, ein gutes Mikrofon, lange Laufzeiten der Batterien, die richtige Software und ? Und nach der Beratung? schließlich die Kommunikationsstrategie, die gelernt Wichtig ist, dass das Gerät oder die Lösung – das werden muss. Dieses ganze Drumherum kann ein muss ja nicht immer technisch sein – angenommen Tablet-PC mitunter nicht leisten. wird, auch vom Umfeld. Da sehen wir, dass wir umfassender planen müssen, Stichwort Case Manage? Ohne individuelle Beratung geht es also nicht? ment: Wir können derzeit aufgrund fehlender finan­ Genau, und wir schauen eben gemeinsam mit den zieller Mittel einen Menschen oft nicht über mehrere Menschen, was für die Person passt. In der Entwick- Jahre begleiten. Dabei wäre es so wichtig, in regellung berücksichtigen wir die Bedürfnisse, damit das mäßigen Zeitabständen nachzufragen: Wie geht’s? Maximale an Kommunikationsmöglichkeiten ausge- Wo sind Probleme? Woran scheitert etwas? schöpft wird. Andererseits bieten wir Unterstützung, wenn das Kommunikationsgerät nicht funktioniert, ? Der Zustand eines Menschen kann sich mit wenn ein technisches Problem auftritt. Wir sind die der Zeit verändern, und damit seine Bedürfnisse. Anlaufstelle, die erreichbar ist, die das Gerät reparie- Genau. Man muss Rücksicht darauf nehmen, dass ren und die Software warten kann. Das ist der Unter- unterstützt kommunizierende Menschen aus einem schied zu einem Gerät, das ich mir selbst kaufe. Gerät „herauswachsen“ können. Gleichzeitig hat sich Wenn da etwas kaputt ist, muss es eingeschickt wer- die Recherche nach Lösungen durch das Internet

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INTERVIEW

„Ich hoffe, dass Unterstützte Kommunikation für jedes Kind mit Behinderung selbstverständlich wird“

David Hofer sieht LIFEtool auf dem Weg zur virtuellen Organisation

wesentlich vereinfacht, und es gibt heute fast nichts, was nicht schon entwickelt worden ist. Oft scheitert man dann nur mehr an der Verfügbarkeit. Wenn zum Beispiel ein kanadischer Hersteller sein Produkt für den europäischen Markt nicht zulassen möchte, weil das für ihn zu viel Aufwand bedeutet. Oder weil Software nicht in den Sprachen von kleineren Ländern verfügbar ist, in südosteuropäischen Sprachen etwa. Da ist der Markt einfach zu klein. Da möchten wir eingreifen.

? Werden Kommunikationstechnologien auch von älteren Menschen verwendet? Menschen im Alter haben einen Fernseher, einen Geschirrspüler oder die Waschmaschine, das ist oft schon das Maximum an technischen Geräten. Die Scheu davor, etwas kaputtzumachen, ist sehr groß. Deswegen ist es auch ganz schwierig, jemanden mit Kommunikationsgeräten zu erreichen, auch nach einem Schlaganfall zum Beispiel. Und im Bereich des AAL, des „Active Assisted Living“, wo das Eigenheim mit Technik ausgestattet wird, wird sich das auch mit einem Generationenwechsel, also bei technikaffinen Menschen nicht ändern. Wer wohnt schon gern in einer Umgebung, wo in den eigenen vier Wänden überall Sensoren angebracht sind, damit die Sturz­ gefahr vermindert wird? Was bedeutet das in Bezug auf Datenschutz? Für diese Situationen gibt es noch kein Konzept, das diese unterschiedlichen Strömungen unter einen Hut bringt. 12

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? Was erwartest du für die Zukunft? Ich bin der festen Meinung, dass Inklusion ohne Unterstützte Kommunikation und Assistierende Technologien nicht gelingen wird. Und ich habe die Hoffnung, dass die Umsetzung der UN-Konvention, des Nationalen Aktionsplans und der Gleichstellungsgesetze in den einzelnen Bundesländern dazu führen wird, dass Unterstützte Kommunikation für jedes Kind mit Behinderung selbstverständlich wird. Allerdings hoffe ich auch, dass man in Zukunft nicht mehr zuerst durch einen Spießrutenlauf in der Versorgung muss, weil nicht klar ist, welche Stelle welches Hilfsmittel finanziert. ? Wohin wird die Reise für LIFEtool gehen? Was LIFEtool betrifft, so glaube ich, dass wir in den nächsten zehn bis 15 Jahren eher eine virtuelle Organisa­tion sein werden und dass wir so auch Menschen, die nicht mobil sind, erreichen können. Zum Beispiel durch Home-Office-ähnliche Beratungssituationen oder mit Skype. ? Und was wäre dir persönlich sehr wichtig? Dass wir den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Äußerlichkeiten, der immer wieder hergestellt wird, aufbrechen. Daran arbeite ich sehr stark mit meinem Team. Ich wünsche mir, dass in Zukunft zuerst auf die Intelligenz oder die kommunikativen Fähigkeiten geschaut wird und dann erst auf die Äußerlichkeiten.


PROJEKTE

Open the Windows

„Brot für die Welt“ in Mazedonien.

Arbeit am Computer ist hier tägliche Routine

Profis unterstützen Leichter Lesen Zugang zu Bildung und Beschäftigung durch Unterstützte Kommunikation

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pen the Windows“ ist eine gemeinnützige NGO in Mazedonien, die seit 2004 besteht. Die Organisation ist auf Assistierende Technologien für Menschen mit Behinderung spezialisiert. „Open the Windows“ ermöglicht Klientinnen und Klienten den Zugang zu Bildung und Beschäftigung. Brot für die Welt Österreich unterstützt „Open the Windows“ bei der Herstellung von Lern- und Sprachsoftware für Menschen mit Behinderung in Mazedonien. Kulturell angepasst und kontextabhängig wird die LIFEtoolLern­­software ins Mazedonische übersetzt. Die Lern- und Sprachprogramme werden an ausgewählte private und öffentliche Einrichtungen verteilt. http://brot-fuer-die-welt.at

Technologie zu Hause ausprobieren

Ein Angebot der LIFEtool-Beratungsstelle Wien.

Unterstützung bei der Auswahl erprobter Hard- und Software

EDV-Werkstätte Hagenberg als Hardware-Tester.

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wölf Menschen mit Behinderung arbeiten in der EDVWerkstätte Hagenberg des Diakoniewerks. Die Arbeit mit Computern ist für die betreuten MitarbeiterInnen tägliche Routine. Eine wichtige Aufgabe ist die Erstellung von Symbol­ tafeln für die Unterstützte Kommunikation der Be­hinder­ten­ arbeit des Diakoniewerks. Für das Land Oberösterreic­ h prüfen die Hagenberger Texte in „leichter Sprache“, wie das Oberösterreichische Chancengleichheitsgesetz. Eine besondere Kooperation hat sich mit Studentinnen und Studenten des Softwareparks Hagenberg ergeben, wo sich die Werkstätte befindet: Die Studierenden entwickeln berührungslose Eingabegeräte – die MitarbeiterInnen der EDV-Werkstätte testen sie und geben Feedback. www.diakoniewerk.at/wshagenberg

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ie LIFEtool-Beratungsstelle in Wien wurde im Jahr 2002 gegründet und hat ihren Sitz im Albert Schweitzer Haus. Das Beratungsangebot umfasst kostenlose Einzelberatungen, Informationsveranstaltungen und Workshops. Es geht um Arbeitsplatzanpassung, Unterstützte Kommunikation und Assistierende Technologien. Die Betroffenen werden bei der Auswahl erprobter Hardund Software begleitet. Diese orientiert sich an den Bedürf­ nissen von Menschen mit angeborenen oder erworbenen Beeinträchtigungen. Die Betroffenen können die Geräte kostenlos ausborgen, um sie in ihrem persönlichen Umfeld zu erproben. Dank einer Kooperation mit dem Stromanbieter Verbund können auch verstärkt Kinder mit Behinderung von der Be­ratung profitieren. Dabei werden auch die inklusiven Schulen, sonderpädagogischen Zentren, Kindergärten und Tagesstätten, wo die Kinder betreut werden, mitberaten. www.lifetool.at

Themen

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WORDRAP

WORD RAP

MIT CHOCOLATIER JOSEF ZOTTER

Immer miteinander reden ... LUXUS? Für mich unbrauchbar JOSEF ZOTTER geboren 1961 in Feldbach/ Steiermark, beginnt 1992 im Hinterstübchen seiner Grazer Konditorei Schoko­ lade zu produzieren. 1999 beschließt er, ganz auf die handgeschöpfte Schokolade zu setzen. Im ehemaligen Stall am elterlichen Hof wird die Zotter-SchokoladenManufaktur eröffnet. 2001 beginnt er, in die Kakao-Anbauländer Nicaragua, Peru, Bolivien, Brasilien zu reisen. Er sucht den direkten Kontakt zu den Bauern. 2004 stellt Zotter das gesamte Sortiment auf Fairtrade um, 2006 auch auf Bio.

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Themen

TYPISCH ÖSTERREICH? Apfelstrudel und Raunzen

BEHINDERUNG? Gibt es nicht ... nur eine Einschränkung ... höchstens ... Behinderung existiert nur im Kopf.

DIAKONIE? Setzt sich für Menschen ein, die es nicht so toll erwischt haben, und gleicht durch menschliche Zuneigung aus.

SÜCHTIG NACH? Gerechtigkeit und Vanillekipferln

SPRACHLOS? Über Ausländerhetze

HILFS-MITTEL? Kopf und Hände

KOMMUNIKATION? Immer miteinander reden ... und Facebook

LIEBLINGSWORT? Superlässig oder ... Das geht sicher!

VISION? Dass der faire Handel in 50 Jahren abgeschafft werden kann, weil alle fair handeln.

ENTBEHRLICH? Atomkraftwerke

ERSTREBENSWERT? In unseren Kindern weiterleben

LEBENSMOTTO? Gibt es keines ... außer: anpacken!


DIAKONIE WÖRTLICH

In meiner Sprache

Drei Menschen, die in ihrer Lautsprache eingeschränkt sind, treten mit ihrer Umwelt über technische Hilfsmittel in Kontakt. Hier erzählen sie von sich. Carina Metka

„Ich sehe mich nicht als behindert“ „Ich heiße Carina Metka und bin 1982 in Linz geboren. Ich habe Tetraspastik mit Athetose, was vereinfacht heißt, dass ich im Rollstuhl sitze, ausfahrende Bewegungen habe und nicht sprechen kann. Ich sehe mich nicht als behindert, die Gesellschaft sieht mich als behindert, für mich sind meine Einschränkungen ganz normal. Sie sind schon immer in mir, sind ein Teil meines Lebens. Es ändert sich nichts, wenn jemand seine/ihre Beeinträchti­ gung(en) nicht akzeptiert, es äußert sich in Depressionen und/oder Selbstzweifel. Ich lebe mit meinem Freund zusammen. Meine Hobbys sind Homepage bearbeiten, einkaufen und Ö3 hören. Meine

Wünsche für die Zukunft: Ich möchte einen Partner haben, der in allen Lebenslagen zu mir hält, dass sich Österreich nie in einen Krieg einmischt und dass ich nie in ein ,betreutes Wohnen‘ ziehen muss. Seit Ende des Jahres 2001 habe ich persönliche Assistenz. Diese Art von Unterstützung ist meiner Meinung nach die beste. Ich kann sagen, wer die Assistenz ausführt und wann ich die Unterstützung haben möchte.“

Lukas Binder

„Grenzenlose Selbstständigkeit“

Lukas Binder schreibt mit den Augen schneller als manch einer mit zehn Fingern

„Ich lebe derzeit bei meiner Mutter. Meine berufliche Aufgabe ist die Kontrolle eingescannter Patientenakten und das Ausdrucken von Patientenbarcodes. Meine Betreuer sagen, ich

schreibe mit den Augen schneller als so mancher auf der Tastatur. Unterstützte Kommunikation bedeutet für mich grenzenlose Selbstständigkeit. Ich kann viel schneller arbeiten als mit den Joy-Tasten. Derzeit schreibe ich mit 150 Milli­ sekunden am PCEye. Wenn ich aufgeregt bin, spreche ich oft undeutlich, und da kann ich mit dem PCEye meine Wünsche und Beschwerden besser und schneller ausdrücken.“ PCEye: Bedienung des PCs durch Steuerung mit den Augen Joy-Tasten: Mit dem Kopf steuerbare Tastatur und Maus

Isabella M.

„Ich weiß, was ich will“ „Auf einem meiner X-Chromosomen gibt es eine ungewöhnliche Struktur (vielleicht bin ich deshalb so wunderbar), die Ärzte nennen das Rett-Syndrom. Obwohl ich nicht sprechen kann und viel Hilfe brauche, bin ich eine fröhliche und selbstbewusste junge Dame, die sehr genau weiß, was sie will ... Eines meiner liebsten Hobbys ist das Spielen mit dem iPad. Da gibt’s ja sooo viele tolle Apps. Meine Lieblingsapp ,TouchMe HokusPokus‘ ist ein einfaches, aber spannendes Spiel, sehr motivierend und witzig. Das Drücken (na ja, eher Hauen) auf den Bildschirm ist ganz schön schwierig für mich, aber

ich bemühe mich sehr. Bei dieser witzigen App ist meine Die Schwimmtherapie macht Isabella viel Spaß Motivation wirklich und wird manchmal zur „Anspritztherapie“ so groß, sie auch ohne Taster direkt am iPad zu spielen. Mama hat mir letztens bei HokusPokus auch einen Taster angeschlossen. Auch so kann man diese App spielen – eine klasse Sache, da kann dann der Taster genau dort positioniert werden, wo er am einfachsten auszulösen ist.“

Themen

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MYTHEN & MÄRCHEN

?

STIMMT´S MYTHEN & MÄRCHEN

Bedeutet Inklusion Nivellierung nach unten?

Wenn Kinder mit Behinderung in der Klasse sind, sinkt dann das Niveau der ganzen Klasse? VON MARTIN SCHENK

W

Gelebte Inklusion in Schulen bringt Vorteile für alle Lernenden

enn Kinder mit Behinderung in der Klasse sind, dann sinkt das Niveau der ganzen Klasse“, heißt es, und: „Alles gut und schön mit der Inklusion, aber insgesamt bedeutet das, dass das Niveau nach unten geht.“ „Mein Kind gebe ich dort nicht hin, denn dann lernt es nichts“, befürchten die Eltern. Was den Schwachen hilft, nützt auch den Star­ ken – wenn die Bedingungen stimmen. Wenn es zu wenig IntegrationslehrerInnen für Kinder mit Behinderungen gibt, wenn geschlossene „Ausländerklassen“ zum Deutschlernen errichtet werden, wenn zweisprachige BegleitlehrerInnen fehlen, wenn leistungshomogene Restklassen entstehen, wenn die Klassen überfüllt sind, wenn die Architektur flexible Lernformen nicht zulässt – dann gibt es keinen Nutzen für alle.

System mit abschiebender Wirkung Sozial benachteiligte Kinder, Kinder, die aufgrund ihrer Herkunftsfamilie Probleme haben, Kinder mit Behinderungen oder Kinder, die die Unterrichtssprache noch nicht gut beherrschen: Wie kann man ihnen helfen? – Die Idee, homogene Gruppen von Schwächeren zu bilden und 16

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sie im Namen der Integration von den Stärkeren zu trennen, ist nicht neu. Zuerst forderte man von den Schwächeren „Integration“, um sie dann in Segregationsmodelle zu stecken. „Wer nicht in das Schema passt, wird von Spezialistinnen und Spezialisten unterrichtet. Das ist ein System mit abschiebender Wirkung“, sagt der Erziehungswissenschafter Werner Specht von der Universität Salzburg. Inklusion von benachteiligten Kindern und Jugendlichen heißt soziale Teilhabe ermöglichen, ihre Ressourcen und Fähigkeiten stärken. Sie setzt ein institutionelles Umfeld voraus, das mit Unterschieden produktiv umgehen kann. Das gilt für Kinder mit Behinderungen genauso wie für Jugendliche mit Förderbedarf und Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen.

Die Starken verlieren nicht Inklusion kann allen nützen. Die Starken verlieren nicht. Sie profitieren von den Lernbedingungen, die den Schwachen helfen. Das zeigen alle Schulvergleichsstudien. Schulsysteme können ihre Besten für Spitzen­leistungen qualifizieren und gleichzeitig dafür sorgen, dass der Abstand der schwächsten Schüler zu den besten gering ist. Schulsysteme, die Risikogruppen klein halten, bieten allen Kindern bessere Möglichkeiten. Die Förderung von Kindern aus einkommensarmen Haushalten geht nicht auf Kosten der Ent­wicklung aller Kinder. Das zeigen die Schulsysteme in Finnland oder in Kanada. Der Abbau der Leistungsdifferenzen wird durch bessere Leistungen der schwachen SchülerInnen bewirkt. Dafür braucht es Lernbedingungen, die allen Vorteile bringen. Schon die Pädagogin Maria Montessori wusste es: „Der Weg, auf dem die Schwachen sich stärken, ist derselbe Weg, auf dem die Starken sich vervollkommnen.“


FACHKOMMENTAR INHALT

Kommunikation muss gelebt werden Ein möglichst früher Start ist bei der Kommunikationsförderung für Kinder besonders wichtig. In Oberösterreich funktioniert das gut. Dort hat die Diakonie dafür ein Konzept entwickelt.

I

m Jahr 2004 wurde das von Andrea Box­ hofer initiierte Pilotprojekt „Frühe Kommunikationsförderung“ im Diakonie Zentrum Spattstraße gestartet. Das Konzept der Unterstützten Kommunikation sollte in Familien mit nichtsprechenden Kindern ab dem zweiten Lebensjahr umgesetzt werden. Finanziert wird das Angebot durch das Land Oberösterreich.

Fördern in der Familie Seit 2008 ist die frühe Kommunikationsförderung im oberösterreichischen Chancengleichheitsgesetz als Hauptleistung festgeschrieben. Ziel ist es, für das jeweilige Kind geeignete Kommunikationsstrategien zu finden. Die Eltern werden dabei intensiv begleitet, damit diese Strategien gut in den Alltag integriert werden können. Der größte Teil der Fördereinheiten wird dabei zu Hause in der Familie geleistet. Im Zug der frühen Kommunikationsförderung lernen die Kinder alternative Kommunikationsmittel kennen. Diese können Gebärden, Fotound Symbolkärtchen, Kommunikationsmappen, Apps für Tablet-PCs und Computersoftwares sein. Diese können per Touchscreen, Kopf- oder Augensteuerung bedient werden. Vorher ist es notwendig, ein Ursache-Wirkungs-Verständnis aufzubauen. Dabei werden Hilfsmittel eingesetzt, deren Ziel es ist, durch Drücken einer Taste bestimmte Aktivitäten oder Handlungen des Gegenübers auszulösen. Die

Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation sollen die Lautsprache nicht ersetzen, sondern ergänzen. So kann eine Auswahl getroffen, eine Situation kommentiert oder auch Protest ausgedrückt werden. Die unterstützt kommunizierende Person kann einen Dialog starten. Ziel der Unterstützten Kommunikation ist das Fördern des Interesses an Kommunikation und des Sprachverständnisses. Deshalb soll so früh wie möglich damit begonnen werden.

Teilhabe am Alltag Das Bedürfnis nach Kommunikation ist in je­dem Menschen – mit oder ohne Beeinträchtigung – vorhanden. Deshalb ist es wichtig, mit den Betroffenen ein mehrdimensionales Kommunikationssystem zu erarbeiten, das mehrere Sinne und Ebenen anspricht und so über die Grundversorgung hinaus eine Teilhabe am Alltag ermöglicht. Dies erfordert auch Kompetenzen beim Kommunikationspartner, um ein Verstehen zu garantieren. Eine entsprechende Anpassung des Umfelds zum Beispiel durch Symbolkarten, die am Kühlschrank, im Bad, am Kleiderkasten usw. angebracht sind, erleichtern und ermöglichen eine rasche, effektive Kommunikation. Erst wenn die Unterstützte Kommunikation in den Alltag integriert ist, wird eine aktive und selbstbestimmte Teilnahme am sozialen Leben möglich.

Mag.a (FH) Andrea Boxhofer, Geschäftsführerin Diakonie Zentrum Spattstraße

Mag.a Andrea Leonharts­ berger, Leiterin frühe Kommunika­tionsförderung

Themen

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ZAHLEN

Die Welt in Zahlen SMS weltweit und in Österreich

Telefoni weltwei eren t Von 7,7 Milliarde n Mensch en auf d e r Erde bes it 4,3 Millizen 2013 arden ein Hand y.

6.100.000.000.000 SMS werden pro Jahr weltweit verschickt,

5.700.000.000 davon in Österreich.

Weltweite Verkaufszahlen Tablets – PCs – Smartphones 197.000.000

2.400.000.000

davon sind Tablets.

Tablets, PCs und Mobiltelefone werden weltweit pro Jahr abgesetzt.

1.900.000.000

davon sind Handys und Smartphones.

100% 80%

Internet in Österreichs Haushalten 73%

60% 40% 20% 0%

81%

47% 33% 2002

2005

2010

Kosten für Unterstützte Kommunikation 7.400 Euro kostet ein Sprachausgabegerät für Kinder. Durchschnittlich 2.000 Euro kostet ein Rollstuhl für Kinder. Durchschnittlich 500 Euro kostet ein iPhone.

2013

Hilfsmittel in Deutschland

5.250.000.000 Euro wurden 2012 von den

deutschen Krankenkassen für Hilfsmittel ausgegeben.

Mehr Infos zur Schweiz

73.000 Personen bezogen im Jahr 2012 Hilfsmittel. 32.258 davon bezogen Hörgeräte. 10.549 davon bezogen Rollstühle. 2.094 davon bezogen Hilfsmittel für den Kontakt mit der Umwelt.

Für Österreich sind leider keine Zahlen verfügbar.

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Themen

Hilfsmittel in der Schweiz

179.500.000 Euro wurden 2012 von der Schweizer Invalidenversicherung für Hilfsmittel ausgegeben.

Hilfsmittel in Österreich

240.000.000 Euro wurden 2012 von der österreichischen Krankenversicherung für Hilfsmittel ausgegeben.

Quellen: Eurostat, Statistik Austria, Statistik Schweiz, Hauptverband der österreichischen Sozial­versicherungsträger, www.statista.com, www.futurezone.at, www.faz.net, www.hilfsmittelinfo.gv.at


BÜCHER | EUROPA

Buchempfehlung

Best of EUrope

Living in the State of Stuck How Assistive Technology Impacts the Lives of People with Disabilities

Marcia J. Scherer, Brookline 2000

g Die US-amerikanische Professorin

Marcia Scherer, Expertin auf dem Gebiet der Assistierenden Technologien, hat viele Publikationen zu diesem Thema veröffentlicht. „Living in the State of Stuck“ ist jedoch einzigartig – es verbindet grundlegende Informationen zu (elektronischen) Hilfsmitteln mit Beispielen ausgewählter Personen, die für das Buch seit dem Jahr 1985 begleitet wurden. Daraus lassen sich Handlungsempfehlungen für die Politik ableiten, die Scherer vor allem in einem personenzentrierten Ansatz sieht. Das Buch ist nur in englischer Sprache erschienen.

Jetzt sag ich’s dir auf meine Weise! Erste Schritte in Unterstützter Kommunikation mit Kindern

Annette Kitzinger, Ursi Kristen, Irene Leber, Loeper 2003 Dieser neue, ganz auf die Praxis abgestimmte Band zeigt an vielen Beispielen, wie glücklich Unterstützte Kommunikation machen kann, wenn etwa ein Kind das erste Mal prustet, um auf seine Weise zu sagen, dass es noch einmal Seifenblasen sehen möchte. Das Buch will eine gemeinsame Grundlage der Bezugspersonen schaffen. Unterstützte Kommunikation soll keine zusätzliche Aufgabe sein, sondern das Leben erleichtern und bereichern.

g

Kathrin spricht mit den Augen Wie ein behindertes Kind lebt

Kathrin Lemler, Stefan Gemmel, Zweihorn 2005 Dieses Buch schildert den Alltag eines zehnjährigen Mädchens mit Behinderung. Nicht nur die Fotos machen diesen Bericht sehr anschaulich, auch das Interview – acht Jahre danach – ergänzt die Sichtweise der jungen Frau, die aufgrund ihrer Behinderung oft unterschätzt wird. Das Buch hilft zu verstehen, warum Selbstbestimmung und eigenständige Kommunikation notwendig sind.

g

Trotzdem reden – Unterstützte Kommunikation

Tula Roy, Christoph Wirsing; Bestellung: www.trotzdem-reden.de Dokumentar- und Lehrfilm mit Menschen, die Beeinträchtigungen in ihrer Lautsprache haben, sowie deren Angehörigen und Bezugspersonen. Der Film zeigt das breite Spektrum der Methoden zu Hause, in der Schule oder am Arbeitsplatz und richtet sich auch an Fachpersonen.

g

Bojana unterrichtet Gebärdensprache in Novi Sad

SERBIEN

Von den Lippen gelesen

B

ojana ist 30 Jahre alt und gehörlos. Als Frühchen verlor sie infolge von Sauerstoffmangel 80 Prozent ihres Gehörs. Nach der Sonderschule besuchte sie in Belgrad eine Realschule und machte eine Ausbildung als Buchbinderin. Diese Bildungskarriere im Bereich Handwerk ist sehr häufig für Menschen mit einer Hörbehinderung. Nur selten können gehörlose Menschen in Serbien höhere Ausbildungen machen, auch aufgrund der oft fehlenden Hilfsmittel. Bojana ist seit fünf Jahren bei EHO (Ecumenical Humanitarian Organisation) beschäftigt, einer Diakonie-Organisation in Novi Sad. Sie ist als Projektassistentin beim Ressourcenzentrum für Menschen mit Behinderungen an­ gestellt. Dabei arbeitet sie in der Unterstützung für Klientinnen und Klienten oder unterrichtet in Gebärdensprache.

Beitrag zur Zivilgesellschaft EHO ist es wichtig, zu einer zivilgesellschaftlichen Bewegung beizutragen. Außerdem stärkt die Organisation Friedensarbeit und die Vermittlung zwischen ethnischen und religiösen Gemeinschaften. Dies drückt sich in ihren Ar­ beits­­feldern aus. Das Engagement reicht von der Armuts­ vermeidung über die Arbeit mit Menschen im Alter, Menschen auf der Flucht bis zu Menschen mit Behinderungen. Im Ressourcenzentrum, das seit 2002 existiert, sollen Grundsteine für die Inklusion gelegt werden. Weil EHO eine der wenigen Behindertenorganisationen in der Vojvodina ist, ist das Spektrum der Leistungen breit und reicht von Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich der Computerkennt­ nisse über Informationsaustausch bis zu Advocacy-Maßnahmen. Im eigenen Computerraum ist es möglich, mit Assistierenden Technologien zu arbeiten. Ziel ist es, dass jedes Jahr 100 Menschen mit Hilfe von elektronischen Hilfsmitteln aktiv am Erwerbsprozess teilnehmen können. Bojana hat den Einstieg in die Arbeitswelt geschafft. Im Zug ihrer Arbeit hat sie auch die Fertigkeit des Lippen­ lesens erlernt. Dadurch hat sie Kontakt mit zahlreichen Menschen, die der Gebärdensprache nicht mächtig sind. Dies steigert ihre Selbstbestimmung und zeigt, dass Inte­ gration am Arbeitsmarkt nicht ausreicht – Inklusion muss in allen Lebenslagen ermöglicht werden.

Themen

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DIAKONIE HAUTNAH

Freunde virtuell und ganz real Die Facebook-Gruppe „Freunde bei Verbund“ wird dem Begriff „Social Network“ in besonderer Form gerecht: Hier tauschen sich Menschen mit und ohne Behinderung aus und geben einander Einblick in ihre unterschiedlichen Welten.

P

Jahrestreffen der Facebook-Gruppe „Freunde bei Verbund“ im Rahmen der barrierefreien Besichtigung des Donaukraftwerks Abwinden

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Themen

VON ROBERTA RASTL-KIRCHER

atrick kann sich über seine Lautspra- nenlernen, sondern auch, dass Verbund-Mit­ar­ bei­terIn­nen erleben, wie Menschen mit Behinche kaum ausdrücken. Er benutzt ein bestimmt meistern. elektronisches Sprachaus­gabegerät derung ihr Leben selbst­ und ist in einer EDV-Werkstätte der Diakonie in „Kurz nach der Gründung der Facebook-Plattform und einigen Vorstellungs-Postings liefen schon Oberösterreich tätig. Seit einiger Zeit ist er in die ersten Threads zu Themen des Alltags ohne einer Facebook-Gruppe aktiv. Er teilt seinen und mit Behinderungen. Von Anfang an zog sich Facebook-Friends seine Vorhaben mit und kommentiert Beiträge anderer Gruppenmitglie- ein positiver Grundton durch alle Wortmeldungen. Hobbys und Faibles wurden ausgetauscht, der. Besonders vor und nach Sportevents und Kinobesuchen hat er Lust, sich öffentlich zu äu- Vorlieben für Essen, Musik und Jahreszeiten“, erzählt Bernhard Heiller, einer der Pro­tagonisten ßern. Er schreibt meist nur wenige Wörter, doch des Volunteering-Projekts beim Verbund, in das dass er sie schreibt, damit sie von anderen rund 90 Menschen involviert sind. wahrgenommen werden, bedeutet mehr, als sich Außenstehende vorstellen können. Von Facebook zum realen Treffen Peter hingegen ist sehr mitteilsam. Seit er ein iPad hat, meldet er sich noch öfter, aus der Ar- „Dass auch TechnikberaterInnen für Assistierenbeit in der Diakonie-Werkstätte wie auch am de Technologien und Unterstützte KommunikaFeierabend oder tion in der Gruppe sind, hat am Anfang bei der vom Urlaub. Annäherung geholfen. Jetzt sind alle auf gleicher Ulla zeigt uns Fo- Augenhöhe unterwegs“, betont Josef Lengauer, tos von ihren Besor- Leiter der EDV-Werkstätte der Dia­ko­nie in Hagungen, von ihrer genberg. Dort sind zehn MitarbeiterInnen mit Betreuerin und der Behinderung – manche mit ihren Betreu­erinnen Verkäuferin, mit der bzw. Betreuern – in der Face­book-Grup­pe aktiv. sie mit dem Gerät „Dass die BetreuerInnen eingebunden sind, ist Smalltalker kommu- wichtig“, sagt Josef, denn „erstens ist Faceniziert. Das junge book nicht barrierefrei und die Bedienung mit Mädchen im Rollstuhl lacht auf vielen Fotos und den Endgeräten unserer Klientinnen und Klienvermittelt ihren Freundinnen und Freunden auf ten nicht einfach. Zweitens ist es wichtig, dass Facebook, dass sie trotz Einschränkungen recht sie sich darüber austauschen, was sie in Facemobil und überall dabei ist. book von sich zeigen möchten und was nicht.“ Patrick, Peter und Ulla sind Mitglieder der Was die Facebook-Gruppe darüber hinaus Facebook-Gruppe „Freunde bei Verbund“, die besonders macht, ist der Umstand, dass die der Stromanbieter mit der Diakonie im Jahr 2011 Freundschaften nicht nur im Web existieren. So ins Leben gerufen hat. Diese Facebook-Gruppe haben sich die Freundinnen und Freunde bei ermöglicht, dass sich Verbund-MitarbeiterInnen Verbund vor Kurzem in einem Verbund-Kraftabseits vom Engagement des Unternehmens werk getroffen, gemeinsam gesehen, wie Strom mit Menschen mit Behinderung vernetzen kön- entsteht, und ihre Facebook-Freundschaften nen. Dabei geht es darum, dass nicht nur vertieft. So ist aus der virtuellen „Vernetzung“ Klientinnen und Klienten neue Menschen ken- ein reales soziales Netzwerk geworden.


KURZ GEMELDET

2 x 10 erfolgreiche Jahre Die Zentren AmberMed und Ankyra.

I

m Jahr 2014 werden das medizinische Zentrum AmberMed in Wien und das interkulturelle Psychotherapiezentrum Ankyra in Innsbruck zehn Jahre alt. Die Einrichtungen verbindet die Sorge um die Gesundheit von Men­schen mit Flucht- und Migrationsgeschichte in Österreich. AmberMed wurde zur Versorgung kranker, unversicherter AsylwerberInnen gegründet. Inzwischen hat Amber­Med die medizinischen Leistungen und soziale Beratung auf alle Menschen ohne Krankenversicherung ausgeweitet. Über die Jahre haben sich Ärztinnen und Ärzte, DolmetscherInnen, Assistentinnen und Assistenten sowie Therapeutinnen und Therapeuten eh­ren­amtlich zur Verfügung gestellt. Allein im vergangenen Jahr sind über 1.500 von Armut betroffene Menschen betreut worden. Ankyra begleitet seit zehn Jahren Flüchtlinge sowie Migrantinnen und Migranten bei der Bewältigung von Krisen und Traumatisierungen. Im Vorjahr waren es über 300 Frauen, Männer und Kinder, die im Rahmen von Einzeltherapien und Gruppenangeboten

AmberMed versorgt Menschen ohne Krankenversicherung

Raum für ihre Verletzungen fanden und ihre Ressourcen stärken konnten. www.amber-med.at • www.diakonie-tirol.at/ankyra

Sucht im Wandel der Zeit Fachtagung im Krankenhaus de La Tour.

Altersarmut trotz Pension: Lebensmittelgutscheine helfen

eine von vier

Frauen von Altersarmut bedroht.

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ine von vier allein lebenden Frauen mit Pension ist von Altersarmut bedroht. Elke Merl, Geschäftsführerin der Diakonie Miteinander leben, kennt viele dieser Fälle aus dem betreuten Wohnen für Seniorinnen und Senioren. Teilzeitarbeit, Kinderbetreuungszeiten und schlecht bezahlte Berufe lassen Frauen im Alter unverschuldet in die Armutsfalle geraten. Das Projekt „eine von vier“ soll das Thema nun in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken und Bewusstsein schaffen. Außerdem wird konkrete Hilfe geleistet: Spenden werden in Form von Lebensmittelgutscheinen an Betroffene weitergegeben. www.miteinander-leben.at

Auf Suchtkrankheiten spezialisiert: das Krankenhaus de La Tour in Treffen

M

it einer Fachtagung am 4. und 5. Oktober feierte das Krankenhaus de La Tour sein 30-jähriges Bestehen. Unter dem Motto „Sucht im Wandel der Zeit“ wurde über zeitgemäße Therapien für Abhängigkeitserkrankungen diskutiert. Suchterkrankungen betreffen Frauen und Männer jeden Alters. Therapiekonzepte müssen daher der Komplexität der Krankheitsbilder gerecht werden. Das Krankenhaus de La Tour ist auf die Behandlung von Alkohol-, Medikamenten- und Spielsucht sowie anderen Verhaltensabhängigkeiten spezialisiert. 400 Menschen mit Suchtproblemen werden jährlich behandelt. www.diakonie-delatour.at

Themen

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AUF DEN PUNKT GEBRACHT

Selbst gedacht, selbst gemacht

Julian Messner mit „Ohrenschmaus“-Schirmherr Felix Mitterer

Der „Ohrenschmaus“-Literaturpreis für Menschen mit Lernbehinderungen: drei PreisträgerInnen mit Textproben.

D

er „Ohrenschmaus“-Literaturpreis für Menschen mit Lernbehinderungen wurde heuer im Dezember zum 7. Mal vergeben. Er versteht sich als Förderpreis, der Texte von Menschen mit Lernbehinderungen prämiert und ihnen den Zugang zur Literatur ermöglicht. Das heurige Motto lautet „selbst gedacht, selbst gemacht“. Die Diakonie Themen präsentieren drei der PreisträgerInnen.

Julian Messner über seinen Alltag: „Ich bin gern in die Schule gegangen. Früher habe ich keine Ferien gemocht, darum habe ich geweint, wenn sie angefangen haben. Jetzt liebe ich die Ferien genauso wie die Arbeit. Ich habe immer gern ferngeschaut und gelesen, aber auch gut gegessen und getrunken. Ich

JULIAN MESSNER 1986 in Bruneck/Südtirol geboren. Ausbildung in der Berufsschule. Arbeit ab 2006 im „Integrierten Kunstatelier“ in Bruneck. Seit 2010 ist Julian Messner in der Kunstwerkstatt „Akzent“ der Lebenshilfe in Bruneck tätig.

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Themen

ich denke ich denke mir so wie ich bin so und nicht anders soll ich sein und so hätte ich mich auch selbst gemacht ich habe augen nase mund und ein schönes gesicht habe eine brille zum sehen und hände zum streicheln und beine zum gehen habe ohren zum hören einen hals zum recken und hüften zum kreisen mein körper ist ganz aufrecht

kann gut die ganzen Geburtstage der Verwandten, der Familie, der Freundinnen und Freunde auswendig. Ich schaue keine Nachrichten, die gefallen mir nicht. Ich habe in meinem Heimatdorf oder in Bruneck beim ,kleinen Theater‘ mitgespielt, habe wunderbare Rollen gehabt und sie auch gut gespielt. Ich koche für mich selbst, wenn meine Mutter mal unterwegs ist, ich koche gerne wunder­bare Sachen. Ich schreibe ganz besonders gern. In der Kunstwerkstatt ,Akzent‘ schreibe ich Gedichte und anderes mit der Elfriede, und ich male Bilder, für die ich Geld bekomme. Das Geld brauche ich für meine Hochzeit, ich möchte meine liebste Freundin Annemarie bald zur Frau nehmen. Darauf freue ich mich schon sehr.“

habe zähne zum beißen eine zunge zum schlecken und schmecken und rote lippen zum küssen ein herz um zu lieben eine lunge zum atmen einen kopf zum denken und zum entscheiden das alles brauche ich nur EINS hätte ich anders gemacht ich hätte mir ganz bestimmt nicht das down-syndrom verpasst – ich will nicht behindert sein von Julian Messner Literarische Begleitung: Elfriede Kehrer


AUF DEN PUNKT GEBRACHT

DIchterInnen der Ehrenliste bei der Ohrenschmaus-Preisverleihung 2012

Wolkenblasen Ich schob bei einem dunklen, garstigen Wetter ein Wolkenblasgerät den weiten Hügel hinauf. Mein guter Freund half mir ein wenig, dann schob er mich an und wir waren droben! Wir zogen es mit einer Schnur hinauf! Ich setzte mich hinein und er zeigte mir noch, wie man eine dunkle Wolke wegbläst! Ein Hebel vorwärts, einen zurück, den Knopf drücken! Es schaut aus wie eine riesengroße Trompete in der Mitte! Man muss sie nur steuern, suchen und aktivieren! [...] Jetzt ging mein Freund ins Büro zurück, und ich war allein. Ganz allein! Als ich viele Wolken wegblies, war es wieder wunderbar hell und klar! Viele Stunden vergingen. Als ich ins Büro zurückging, war mein Freund sehr aufgeregt, er konnte nicht darüber sprechen. Als ich ihn beruhigte, ging

Die Weihnachtsfeier Ich freue mich schon auf meinen Auftritt Um 9 Uhr habe ich Probe Um halb 10 – ab jetzt wird nicht mehr gesprochen Um 10 Uhr – der Kopf ist leer Um 11 Uhr – jetzt ist mein Auftritt Ich tanz zum Lied von der Shakira – waka waka Ich bin voller Zuversicht, dass ich meinen Auftritt schaffe Bevor mein Auftritt beginnt, zähle ich immer die Sekunden runter

plötzlich die Tür auf und zwei schwarz gekleidete Männer nahmen ihn in einem dunklen Oldtimer mit! Ich war entsetzt! Ich rannte auf den Hügel, setzte mich in die Maschine und versuchte dunkle Wolken anzulocken! Man sah, wie sie schnell vergingen, die schönen blauen Wolken. Es wurde dunkel, es regnete, als die Männer mit meinem Freund unter dem Hügel plötzlich vorbeifuhren, ließ ich es ein paar Mal so stark blitzen, dass die Männer entschieden, wieder umzukehren! Bald waren sie im Büro und ich hatte wieder meinen Freund! Er wäre sonst erschossen worden wegen Schulden! Ich habe ihn gerettet. Die Männer hauten ab. Aber was wäre, wenn man immer alleine wäre? Man finge zu weinen an vor lauter Einsamkeit! von Alfred Lanner

Noch 10, noch 9, noch 8, noch 7, noch 6 noch 5, noch 4, noch 3, noch 2, noch 1 noch 0 Mein Outfit ist gut ausgesucht, mein Auftritt kann beginnen. Ich werde alles richtig machen, so einen Hüftschwung wie die Shakira kann ich doch schon längst. Für einen kurzen Moment wie die Shakira zu sein freut mich jetzt schon. Ich weiß nur eins: Dieser Auftritt wird nicht leicht sein für mich. von Jessica Rosenfeld www.ohrenschmaus.net

ALFRED LANNER 1974 in in Tirol geboren. Alfred Lanner arbeitete als Gas- und Wasserleitungsinstallateur, in einer Gärtnerei und als Fabriksarbeiter. Heute lebt er im Waldviertel und ist in der Tagesstätte Zuversicht tätig.

JESSICA ROSENFELD ist 1991 in Wien geboren. Sie arbeitet in einer Werkstätte, malt dort Leinwandbilder und arbeitet mit Ton. Sie singt und tanzt gerne und schreibt auch Liedtexte. Sie liebt Pferde und Katzen, und ihr „allergrößtes Lieblingstier“ ist der Maulwurf.

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Österreichische Post AG / Sponsoring.Post GZ 02Z033615 S

Hoffnungsträger

Hilfe für Kinder und Jugendliche in Not. Seit es den Adventkranz gibt.

Geschichte des Adventkranzes:

www.diakonie.at

IBAN: AT492011128711966399 BIC: GIBAATWWXXX


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Von wegen sprachlos! Unterstütze Kommunikation (Diakonie Themen 01/2013) by Diakonie Österreich - Issuu