magazin Deutsche Umwelthilfe e.V. und Global Nature Fund
www.duh.de, www.globalnature.org
3|2026
Giftiger Chemie-Cocktail in unserer Kleidung Hochwasser-Risiko in Ihrem Landkreis
Gas, Öl, Schleppnetze: Wattenmeer in Seenot
Rückwärtsgang bei der Antriebswende
Auf ein Wort
Foto: Erdmann/DUH
Liebe Leserin, lieber Leser,
Prof. Dr. Margit Mönnecke Bundesvorsitzende
unter den verheerenden Folgen von Fast-Fashion leiden vor allem die Menschen und die Umwelt in Produktionsländern wie China, Bangladesch und Indien, in denen giftiges Abwasser oft ungefiltert in den Flüssen landet. Wer die schnell produzierte Mode trägt − Sie selbst, Ihre Kinder oder Enkel − kann davon krank werden. Das belegen unsere unabhängigen Labortests von Kleidungsstücken, die wir bei SHEIN, dem weltweit größten Online-Portal bestellt haben. Sogar in Kinderkleidung konnten wir toxische Chemikalien nachweisen, die die geltenden Grenzwerte um mehrere tausend Male überschreiten.
Deutsche Umwelthilfe e.V.
Die Kurzlebigkeit von Fast-Fashion ist geplant, kaum getragen wird die billig produzierte Wegwerfmode entsorgt. Mit seinem Kleidermüll exportiert Europa dramatische Umweltprobleme in afrikanische und asiatische Länder. Gleichzeitig ist das Ausmaß der durch die Textilindustrie weltweit verursachten Treibhausgasemissionen immens. Hitze, Dürre, Waldbrände, ausgetrocknete Flüsse oder Hochwasser – wir erleben immer stärkere klimabedingte Veränderungen unserer Lebenswelt, konservative Spitzenpolitiker sprechen aber lieber vom „Wetter“. Die Konsequenzen sind nicht nur enorme volkswirtschaftliche Schäden und sinkende Produktivität, weit schlimmer ist: Der Klimawandel kostet Menschenleben, nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts waren es allein in Deutschland 16.300 hitzebedingte Todesfälle in diesem Sommer. Statt jetzt die Ursachen zu bekämpfen und konsequent in den dringend notwendigen Klimaschutz zu investieren, bleibt die Bundesregierung weiter die längst überfälligen Anpassungsmaßnahmen schuldig. Wenn es aber darum geht, den klimaschädlichen Verbrenner noch über viele weitere Jahre zu „retten“, wird sie einfallsreich und macht sich sogar die Narrative der fossilen Lobby zu eigen. An welchen Stellschrauben wir für eine Textilwende drehen, welches Hochwasserrisiko für Ihren Landkreis besteht und wie wichtig alte Bäume für Städte sind, lesen Sie in dieser Ausgabe. Wir kämpfen für eine Politik, die Klimaschutz und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen ernst nimmt − in Deutschland, Europa und der Welt. Danke, dass Sie dabei sind! Ihre
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DUH welt 3|2026
Inhalt
Editorial Auf ein Wort
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Aktuell Neues Recht auf Reparatur greift zu kurz Greenwashing von Dr. Oetker gestoppt
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Wir würdigen besonderes Umwelt-Engagement
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PFAS-Risiko in der Autoklimaanlage
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Impressum
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Titel Tatort Kleiderschrank: Gift auf der Haut
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Der weltweit größte Anbieter von Ultra-Fast-Fashion ist der chinesische Mode-Händler SHEIN. Mit dessen Shirts, Jeans und Hoodies kommen Weichmacher, Blei und PFAS in unseren Kleiderschrank. Wir haben Stichproben im Labor untersucht und aufgedeckt: Manche Textilien sprengen die Grenzwerte für giftige Chemikalien um ein Vielfaches, sie sind schlicht illegal. Deshalb fordern wir ein Textilgesetz, das solch ein Geschäftsmodell verhindert.
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In Zahlen 10
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Fotos: Kiel (o), Kevin McElvaney (Mitte), MarharytaHanhalo/stock.adobe.com (u.l.), ECOA (u.r.)
Themen Rückwärtsgang bei der Antriebswende
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Segel setzen für den Meeresschutz
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Wir klagen für Schutz im Wattenmeer
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Wärmewende ohne Zwang und Kostenfalle
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Verteilnetze müssen fit werden
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Grüne Lebensretter unter Druck
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Hochwasserschutz braucht Fläche
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Buchtipp: „Tage am Fluss“
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Ran an die krummen Gurken!
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Setzen Sie ein Zeichen!
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Auch als Unternehmen starten Sie unkompliziert ein Spendenprojekt
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Mehr feiern. Weniger Müll.
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Das Pantanal: Lebensraum und Klimaschützer
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See des Jahres 2026
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28 magazin
Fast-Fashion frisst Zukunft
Deutsche Umwelthilfe e.V. und Global Nature Fund
www.duh.de, www.globalnature.org
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Titel:
Unbekannte Tierart
Bei der Textilherstellung werden oft
Echt, ein Specht?
umwelt- und gesundheitsschädliche
In der Familie der Spechte fällt der Wendehals nicht nur durch seinen zierlichen Schnabel auf. Er ist auch der einzige Langstreckenzieher unter den europäischen Verwandten.
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Chemikalien eingesetzt.
Giftiger Chemie-Cocktail in unserer Kleidung Hochwasser-Risiko in Ihrem Landkreis
Gas, Öl, Schleppnetze: Wattenmeer in Seenot
Rückwärtsgang bei der Antriebswende
© IMAGO/Pacific Press Agency/Mubashir Hassan
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Aktuell
Neues Recht auf Reparatur greift zu kurz
Die DUH kritisiert hohe Kosten für Reparaturen und fehlende Sanktionierung von Verstößen.
Die DUH bewertet das neue Recht zur Förderung von Reparaturen als wichtigen Schritt hin zu besseren Reparaturbedingungen für Elektrogeräte.
Doch aus unserer Sicht ist das Gesetz unzureichend ausgestaltet. Wir fordern Maßnahmen zur Senkung von Reparaturkosten, wirksame Kontrollen und Sank-
tionsvorschriften, wenn Unternehmen die Reparaturpflichten missachten. Damit Reparaturen für alle bezahlbar werden, fordern wir einen herstellerfinanzierten Reparaturbonus, durch den Verbraucherinnen und Verbraucher einen Teil der Reparaturkosten erstattet bekommen können. Ersatzteilpreise müssen begrenzt und die Mehrwertsteuer auf Reparaturdienstleistungen abgesenkt werden. Zudem braucht es eine zuständige Durchsetzungsbehörde. Pflichten für Onlinemarktplätze müssen sicherstellen, dass geltendes Recht auch dann durchgesetzt werden
kann, wenn die verantwortlichen Unternehmen im Ausland sitzen. Das Gesetz zur Förderung der Reparatur von Waren wurde am 25. Juni 2026 beschlossen. Damit gelten verbesserte Reparaturbedingungen für bestimmte Elektrogeräte wie Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühlschränke, Staubsauger, Smartphones und Fernseher. Beispielsweise erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher künftig das Recht, ihre Geräte von Herstellern oder unabhängigen Reparaturbetrieben reparieren zu lassen. Zusätzlich werden technische Reparaturbarrieren wie Softwareblockaden verboten. (jk)
Mit einer Klimaklage haben wir einen weiteren Erfolg gegen Greenwashing erzielt: Dr. Oetker hat uns gegenüber eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben. Damit verpflichtet sich der Lebensmittelkonzern, den irreführenden Werbeclaim „bis zum Jahr 2050 vollständige Klimaneutralität zu erreichen“ künftig zu unterlassen, wenn nicht ausreichend belegt wird, wie dieses Versprechen eingehalten werden soll. Die DUH hatte Dr. Oetker Verbrauchertäuschung durch
das intransparente Zukunftsversprechen vorgeworfen. Bislang fehlt ein nachvollziehbarer Reduktionsplan mit überprüfbaren Zwischenzielen und konkreten Maßnahmen. Die DUH fordert Dr. Oetker nun auf, das Unternehmen durch ein wirksames Konzept nachprüfbar klimaverträglicher auszurichten. Dazu müsse der Konzern die Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Lieferkette reduzieren. Ein erheblicher Anteil des Produktportfolios von Dr. Oetker
besteht aus Milchprodukten und ist damit auf Lieferketten angewiesen, die mit Methanemissionen aus der Milchkuhhaltung verbunden sind. Wie diese Emissionen verringert werden sollen, blieb bislang unklar. Das Klimagas Methan ist für rund ein Drittel der globalen Erderwärmung verantwortlich und über 20 Jahre betrachtet mehr als 80-mal so klimaschädlich wie CO2. Um Greenwashing von Unternehmen zu stoppen, setzen wir neben unseren recht-
lichen Verfahren auch auf die Ende September 2026 in Kraft getretenen Regelungen der EU-Verbraucherschutzrichtlinie. Die neue EU-Richtlinie enthält strenge Vorgaben für Werbung mit Umweltleistungen. Zukunftsversprechen müssen durch einen detaillierten, realistischen und offen einsehbaren Umsetzungsplan belegt werden, der regelmäßig extern überprüft wird. Der Plan muss konkrete, messbare und zeitgebundene Ziele und Maßnahmen enthalten. (jk)
In unseren Artikel "Kaffee besser machen" in der DUHwelt 2/2026 hat sich ein Fehler bei der Anbaulage eingeschlichen. Richtig ist: In der Regel wird Kaffee in Höhenlagen von 600 bis 2.000 Metern (Arabica) und von 0 bis 900 Metern (Robusta) über dem Meeresspiegel angebaut.
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Foto: IMAGO/epd/Paul-Philipp Braun
Greenwashing von Dr. Oetker gestoppt
Aktuell
Wir würdigen besonderes Umwelt-Engagement Überall in Deutschland kämpfen Menschen für intakte Natur, mehr Klimaschutz und eine lebendige Demokratie. Sie gründen Initiativen, überzeugen ihre Gemeinden oder setzen sich vor Behörden und Gerichten durch. Diesen Mut würdigen und stärken wir mit unserem Bürgerschafts- und Engagementpreis „DRUCK MACHEN – Für die Umwelt!“ Über 500 Vorschläge für Preisträgerinnen und Preisträ-
ger haben uns in der aktuellen Ausschreibungsrunde erreicht. Daraus hat die Jury insgesamt 20 Menschen für die Shortlist nominiert – zehn Umweltheldinnen und -helden aus der Zivilgesellschaft, fünf Umweltjuristinnen und -juristen und fünf Umweltschützerinnen und -schützer im Staatsdienst. Ab Ende September stellen wir Ihnen diese 20 engagierten Menschen auf unserer Website vor. (jd)
Wir freuen uns auf Ihre Stimme! In der Kategorie „Umweltheld*in des Jahres“ ist der Preis mit 50.000 Euro dotiert, die von Ecosia gestellt werden. In dieser Kategorie können Sie ab Ende September im Online-Voting für Ihre Favoritin oder Ihren Favoriten abstimmen. Die Ergebnisse des Votings fließen in die finale Juryentscheidung ein.
www.l.duh.de/voting
PFAS-Risiko in der Autoklimaanlage Ein Großteil der Autohersteller verweigert Auskünfte und konkrete Schritte zum Ausstieg aus dem PFAS-Kältemittel 1234yf. Das zeigt ein im August veröffentlichter DUH-Check. Wir hatten bei 16 führenden Herstellern abgefragt, wann sie den Einsatz
des gefährlichen Kältemittels in Klimaanlagen beenden und auf welche Alternativen sie umstellen wollen. Zehn von 16 Herstellern haben nicht reagiert, vier weitere Unternehmen antworten nur unverbindlich, indem sie auf laufende Prüfungen, technische
Entwicklungen oder zukünftige regulatorische Anforderungen verweisen, ohne konkrete Ausstiegspläne vorzulegen. Dass es auch anders geht, zeigen ansatzweise Volkswagen und BYD. PFAS-freie Alternativen wie CO2 sind längst technisch ausgereift.
Das Kühlmittel 1234yf baut sich in der Atmosphäre nahezu vollständig zu Trifluoressigsäure (TFA) ab. TFA ist extrem persistent und reichert sich in der Umwelt an. Das Bundesinstitut für Risikobewertung stuft TFA als fortpflanzungsgefährdend ein. (jk)
IMPRESSUM Zeitschrift für Mitglieder und Förderer der Deutschen Umwelthilfe e.V. und des Global Nature Fund Herausgeber: Deutsche Umwelthilfe e.V., Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell, Tel.: 07732 9995-0, Fax: -77, info@duh.de, www.duh.de V.i.S.d.P.: Jürgen Resch Redaktion: Jutta Kochendörfer (jk), Andrea Kuper (ak) Autorinnen und Autoren: Johanna Büchler (jb), Julia Dade (jd), Carina Darmstadt (cd), Tina Feil (tf) Katharina Gehrig (kg), Judith Grünert (jg), Ben Haacke (bh), Marcel Hoß (mh), Nele Janssen (nj), Regina Kimmerle (rk), Florian Koch (fk), Meike Metz (mm), Lilli Reinkensmeier (lr), Hanna Rhein (hr), Josefin Schmidt (js), Gaby Schneider (gs), Lioba Schwarzer (ls), Daniel Voges (vg), Lennart Wenning (lw), Viola Wohlgemuth, Rupert Wronski (rw) Gestaltung: Anke Thiele-Janzen In DUHwelt-Artikeln verwenden wir in Bezug auf Personen oder ihre Funktionen nicht immer das grammatische Femininum und Maskulinum (z.B. Naturschützerinnen und Naturschützer) nebeneinander. Dort, wo aus Gründen der Vereinfachung nur die männliche Form gewählt wurde, sind aber dennoch alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht gemeint. Druck: F&W Druck & Mediencenter, Kienberg Anzeigen: Jutta Kochendörfer; es gilt die Anzeigenpreisliste 2026 Verlag und Vertrieb: DUH Umweltschutz-Service GmbH, Fritz-Reichle-Ring 4, 78315 Radolfzell Gedruckt auf 100 % Recycling-Papier Heftpreis: 2,00 Euro Spendenkonto: SozialBank Köln | IBAN: DE45370205000008190002 SWIFT/BIC: BFSWDE33XXX Deutsche Umwelthilfe und Global Nature Fund werden von zahlreichen Förderern finanziell unterstützt. Die Artikel der DUHwelt geben nicht in jedem Fall die Meinung der Förderer wieder.
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Titel
Tatort Kleiderschrank: Gift auf der Haut Ultra-Fast-Fashion verspricht den Trend von morgen schon heute. Hauptsache billig, koste es, was es wolle für Umwelt, Klima, Mensch und Gesundheit. Labortests im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe zeigen: Die Kleidung von SHEIN ist ein giftiger Chemiecocktail – mit Blei, PFAS und Weichmachern, vieles weit über den Grenzwerten, oft schlicht illegal. Wir gehen rechtlich gegen SHEIN vor und fordern ein Textilgesetz, das diesem Geschäftsmodell den Boden entzieht. n
von Viola Wohlgemuth
Titel Titel
o eine H&M-Filiale früher eine Unterkollektion pro Woche präsentierte, bringt SHEIN heute pro Tag mehr als 10.000 neue Designs auf den digitalen Markt – Mode, billig produziert, verpackt in bunten Farben und schönem Werbelook. SHEIN, das ist Fast-Fashion auf Steroiden: Als Erfinder von Ultra-Fast-Fashion hat der weltweit größte Online-Modehändler in wenigen Jahren ein zerstörerisches Geschäftsmodell geschaffen. Jedes Jahr wächst der Kleiderberg weiter, während die einzelnen Teile immer kürzer getragen werden. Rund 70 Prozent aller rund um den Globus hergestellten Textilfasern sind synthetische Chemiefasern aus Erdöl – im Grunde tragen die meisten von uns täglich bunte Plastiktüten voller Chemie auf der Haut. Die Textilindustrie ist inzwischen einer der größten Klima- und Ressourcenkiller unserer Zeit.
Chemiecocktail statt Mode Jede Sekunde landet weltweit eine ganze Lkw-Ladung dieses Textil-Plastikmülls auf einer Deponie oder wird verbrannt, weniger als ein Prozent aller Textilien wird recycelt. Von „kreislauffähiger Mode" also keine Spur. Die Farbe der Flüsse in China und Bangladesch gleicht auffällig oft der Trendfarbe der aktuellen Modesaison – nur ein Beleg dafür, wie viel Chemie am Ende auch in der Kleidung steckt, die wir selbst
auf der Haut tragen. Kaum eine Branche verbraucht so viele Ressourcen und bleibt dabei bisher politisch so unbehelligt wie die Textilindustrie. Denn Mode ist nicht nur ein Rohstoff- und Klimaproblem, sondern auch ein Chemieproblem: Rund 2.450 Chemikalien kommen in der textilen Produktion zum Einsatz, mindestens 750 davon sind gesundheitsgefährdend. Rund ein Drittel aller in Europa verwendeten PFAS-Ewigkeitschemikalien entfällt allein auf den Textilsektor. Für unsere aktuelle Untersuchung hat das unabhängige Bremer Umweltinstitut in unserem Auftrag 18 über die deutsche SHEIN-Plattform bestellte Textilien geprüft – von Jacken bis Schuhen, auch Kinder- und Jugendmode. Das Ergebnis ist erschütternd: In 15 von 18 Produkten fanden sich problematische Chemikalien. Sieben von 18 Textilien überschritten die geltenden EU-Grenzwerte so deutlich, dass sie in Deutschland niemals hätten verkauft werden dürfen. In einem Damenstiefel überschritt der fortpflanzungsschädigende Weichmacher DEHP den zulässigen Grenzwert um das 179-Fache. Der schlimmste Fall: eine Kapuzenjacke für Jugendliche. Dort wurde der in der EUChemikalienverordnung festgelegte Grenzwert für die PFAS-Ewigkeitschemikalie um mehr als das Zwölftausendfache überschritten – Werte, die selbst das renommierte Labor in dieser Höhe noch nie gemessen hatte. Warum das so gefährlich ist: Diese Textilien werden direkt auf der Haut getragen –
Fotos: Erdmann/DUH (l.), Kiel (r.)
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Laborantin des Bremer Umweltinstituts testet eine SHEIN-Schuhprobe mit der Flamme auf wasserund fettabweisende Ausrüstung – ein Hinweis auf den möglichen Einsatz von PFAS.
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Titel
Bei der Labor-Untersuchung von SHEIN-Produkten: DUH-Textilexpertin Dr. Viola Wohlgemuth (re.) mit den Fair-Fashion-Botschafterinnen und Content Creatorinnen Marie Nasemann, Christin alias Designerella.bella und Anke alias Wastelesshero (v.l.n.r.).
stundenlang, täglich, oft von Kindern. PFAS bauen sich über Jahrzehnte kaum ab und stehen im Verdacht, Krebs auszulösen, das Immunsystem zu schwächen, die Fruchtbarkeit sowie die kindliche Entwicklung zu beeinträchtigen. Hinzu kommen Schwermetalle wie Blei und Cadmium, außerdem das lebertoxische Lösungsmittel Dimethylformamid, das zur Herstellung von Kunstfasern eingesetzt wird. Über Waschwasser, Abrieb und Ausdünstung gelangen diese Gifte in Böden, Flüsse und Grundwasser – man findet sie längst sogar im menschlichen Blut. Damit für ein paar Regentage eine Kapuzenjacke billig schmutz- und wasserabweisend ausgerüstet werden kann, werden hier Chemikalien freigesetzt, die Generationen überdauern. Grenzwerte der EU-Chemikalienverordnung sind keine Empfehlung, sondern Gesetz – SHEIN scheint das offenbar nicht ernst zu nehmen.
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Als erster deutscher Umwelt- und Verbraucherverband sind wir bereits Anfang des Jahres erfolgreich rechtlich gegen SHEINs Klimalügen vorgegangen. Jetzt gehen wir den nächsten Schritt – gegen die illegalen, gesundheitsgefährdenden Textilien: Auf Grundlage unserer Laboranalysen haben wir SHEIN im Juni abgemahnt und per strafbewährter Unterlassungserklärung dazu aufgefordert, das Angebot solcher belasteten Produkte in Zukunft auszuschließen. Die betroffenen Produkte hat SHEIN sofort vom Markt genommen, gleichzeitig versucht der chinesische Konzern, mit einem juristischen Winkelzug seine Verantwortung für die Produkte abzuwehren, indem er sich lediglich als Plattformbetreiber darstellt – wohl auch, um während des MilliardenBörsengangs in Hongkong keine schlechte Publicity zu riskieren. Doch nicht mit uns. Wir werden SHEIN juristisch zur Verantwortung ziehen, denn der Vertrieb von Textilien mit derart massiven Überschreitungen geltender Grenzwerte für gesundheits- und umweltgefährdende Stoffe darf nicht folgenlos bleiben. Ein solches Verfahren kann weit über den Einzelfall hinaus Bedeutung entfalten – für den Schutz von Umwelt, Ressourcen, Verbraucherinnen und Verbrauchern vor den
Vielerorts werden hochgiftige Abwässer ungefiltert in Flüsse geleitet.
Fotos: Kiel (o.), obs/3sat/David McIlvride (u.)
Wir ziehen SHEIN juristisch zur Verantwortung
Fotos: Kevin McElvaney (o.), Stefan Wieland (u.)
Titel
Die EU exportiert riesige Mengen an Altkleidern nach Ghana (Foto). 2019 waren es fast 1,8 Mio. Tonnen
DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz
laut Europäischer Kommission. Doch davon ist nur ein Teil auf den lokalen Märkten verkäuflich; der
fordert ein Textilgesetz, das Fast-Fashion wirt-
andere landet auf offenen Deponien oder wird verbrannt.
schaftlich unattraktiv macht.
Folgen solcher zerstörerischen Ultra-FastFashion-Geschäftspraktiken. Die Ergebnisse unserer Tests auf Chemie in der Kleidung fließen zudem in das laufende EU-Verfahren gegen SHEIN nach dem Gesetz über digitale Dienste, dem Digital Services Act, ein, das auch Online-Plattformen und -Marktplätze verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Nutzer vor illegalen Waren zu schützen. Genau dafür liefern wir die Beweise. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Wie ernst es die EU meint, zeigen die jüngst der chine-
sischen Online-Plattform Temu auferlegten Strafzahlungen von 200 Millionen Euro, unter anderem wegen Chemikalien in Kinderspielzeug. AliExpress muss ein Bußgeld in Höhe von 550 Millionen Euro zahlen. Bei wiederholten Verstößen kann dann sogar der Zugang zum EU-Markt entzogen werden.
Für ein wirksames Anti-FastFashion-Gesetz Auch politisch ist jetzt der Moment der Wahrheit: Bundesumweltminister Carsten Schneider wettert in der Öffentlichkeit gern gegen SHEIN. Doch der Schlüssel, das Problem zu lösen, liegt längst in seiner Hand: Die EU hat mit der Abfallrahmenrichtlinie sämtliche rechtlichen Grundlagen für ein wirksames nationales Anti-Fast-FashionGesetz bereits geschaffen. Schneider kann − und genau das fordern wir von ihm − diese Regelung jetzt in Deutschland umsetzen. Es wäre sträflich, diese einmalige Chance verstreichen zu lassen. Wie dringend das ist, zeigt sich auch hier: Allein in Europa werden jährlich so viele nie getragene Textilien vernichtet, dass sie nebeneinander gelegt, konservativ geschätzt, 20-mal um die Erde reichen würden. Seit Juli 2026 ist genau das den großen Unternehmen verboten. Doch Ausnahmen wie „Spende erfolglos angeboten" oder „Reparatur zu teuer" drohen, das Verbot zu entwerten. Wir kämpfen deshalb für eine verbindliche Ökomodulation im deutschen Textilgesetz, bei der die finanziellen Abgaben von Herstellern für das Entsorgen und Recyclen
ihrer Produkte nicht pauschal, sondern nach deren Umweltfreundlichkeit gestaffelt werden. „Wenn Unternehmen giftige, kurzlebige und schwer recycelbare Fast-Fashion-Produkte auf den Markt bringen, dann sollten sie drastisch höhere Beiträge zahlen müssen als Hersteller langlebiger, schadstoffarmer und kreislauffähiger Textilien“, fordert DUHBundesgeschäftsführerin Barbara Metz. „Ein Transformationsfonds muss zudem in Reparatur- und Second-Hand-Angebote fließen.“ Wir machen Druck auf das Ministerium, damit das geplante deutsche Textilgesetz wirksam ausgestaltet wird. n
Jetzt mitmachen: Für ein wirksames Textilgesetz Fast-Fashion darf sich nicht länger lohnen. Unterzeichnen Sie unsere Petition und fordern Sie Bundesumweltminister Carsten Schneider auf, aus dem geplanten Textilgesetz ein echtes Anti-Fast-FashionGesetz zu machen – mit verbindlicher Ökomodulation und einem Transformationsfonds für Reparatur, Second-Hand und Textil-Leihmodelle. Jetzt unterschreiben:
www.l.duh.de/fastfashion
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In Zahlen
Fast-Fashion frisst Zukunft In der EU ist privater Textilkonsum nach Ernährung, Wohnen und Verkehr die viertgrößte Ursache für Umweltbelastungen. Der Löwenanteil der ökologischen und sozialen Auswirkungen entsteht außerhalb Europas – vor allem in den Textilproduktionsregionen Asiens. Immer mehr kurzlebige Mode drängt auf den Markt. Hingegen sind Reparatur- und Sharing-Modelle noch kaum verbreitet.
Klimakiller Mode-Industrie Die Mode-Industrie verursacht bis zu 10 % der weltweiten Treibhausgasemissionen.
Mikroplastik in unseren Meeren Textilien verursachen aktuell den größten Eintrag an Mikroplastik im Meer: rund 500.000 t pro Jahr.
Synthetische Textilien 35 % ( Das entspricht rund 500.000 t Mikrofaser pro Jahr.)
10 % 5% Mode-Industrie
gesamte Flug- und Schifffahrt
Reifenabrieb 28 % (Abrieb beim Fahren auf Straßen)
Quellen: Ellen MacArthur Foundation (2017), ClimateWorks Foundation/Quantis (2018)
© Icons: Vector Saga, Oscar N. Erwin, Taewon, HARAHi, Israful/alle stock.adobe.com
Plastik auf der Haut
Stadtstaub 24 %
80 % der weltweiten Polyester*-Produktion fließen in Textilien. Fahrbahnmarkierungen 7%
Schifffahrt und Fischerei 3,7 %
20 % fließen in Lacke, Folien, PET-Flaschen, industrielle Hilfsstoffe * Ausgangsstoff von Polyester ist Erdöl. Quelle: Textile Exchange (2025)
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Kosmetik und Körperpflege 2% Plastik-Pellets 0,3 % Quelle: Europäisches Parlament (2021)
In Zahlen
Nur für die Tonne
Durstige Kleidung
Mehr als 25 % aller weltweit produzierten Kleidungsstücke bleiben unverkauft. Der Großteil davon landet auf dem Müll.
Ein einziges Baumwoll-T-Shirt verbraucht in der Herstellung rund 2.700 Liter Wasser – so viel, wie ein Mensch in etwa 2,5 Jahren trinkt.
2.700 Liter
2026
2027
Weniger als 1 % aller Kleidungsstücke wird zu neuen Textilien recycelt.
Der durchschnittliche Textilkonsum pro Kopf in der EU verursacht jährlich einen Verbrauch von rund 100.000 Litern Wasser.
Quellen: Business of Fashion/McKinsey & Company (2021), Ellen MacArthur Foundation (2017)
Quelle: European Environment Agency (2019)
Müllexport ist keine Lösung Die Exporte von Altkleidern aus der EU stiegen innerhalb von knapp 20 Jahren um mehr als das Vierfache: 1.783.000 t
Jede Sekunde landet weltweit 1 LKW-Ladung Textilien auf offenen Deponien oder wird verbrannt – umgerechnet 83 Mio. t pro Jahr.
101.000 Tonnen importiert allein Ghana. 40 % dieser Altkleider sind auf den lokalen Märkten unverkäuflich und werden direkt zu Abfall.
384.000 t
2000
2019
Quellen: Europäische Kommission (2023), eigene Berechnung auf Basis von: The Or Foundation (2023), Ellen MacArthur Foundation (2017)
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© Icons: Vector Saga, Yeasir Arafat Rasel, Amir, Tania, Good Studio, Rownok/alle stock.adobe.com, Bima/alle stock.adobe.com
2025
Verkehr
Rückwärtsgang bei der Antriebswende Seit Jahren ist das Verbrenner-Aus ein Streitthema. Dabei war längst beschlossen: Ab 2035 sollten in der EU nur noch emissionsfreie Neuwagen zugelassen werden. Die Autoindustrie schert sich jedoch wenig um ausgehandelte Kompromisse und hat die Debatte seitdem mithilfe ihres Lobbyapparates gedreht.
ährend die Autolobby klagt, sie brauche mehr Zeit und Flexibilität für die Transformation, zeichnet der Markt ein gegenteiliges Bild: In Deutschland stiegen die Zulassungen batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) im Mai 2026 gegenüber dem Vorjahr um fast 40 Prozent. Auch EU- und weltweit steigt ihr Anteil rasant. Die von der EU geplante Abschwächung der CO2Flottengrenzwerte droht, den dynamischen Markthochlauf von BEV und damit die Klimaziele auszubremsen.
Politik übernimmt fossile Narrative der Industrie Ungeachtet der sich verändernden Marktrealitäten fordert die Bundesregierung im EU-Rat weitere Abschwächungen der CO2Flottengrenzwerte, die über die Aufwei-
chungen aus dem Kommissionsvorschlag deutlich hinausgehen: Unter anderem sollen die Zielvorgaben für die Autohersteller künftig nur im Mehrjahresschnitt gelten, zudem soll das 2035-Ziel auf 90 Prozent sinken. Im Europa-Parlament (EP) fordert der zuständige EVP-Berichterstatter Massimiliano Salini sogar noch weitergehende Aufweichungen: Die Emissionen von Neufahrzeugen sollen bis 2035 faktisch nur um 73 Prozent sinken, was den Umstieg auf Elektromobilität massiv ausbremsen würde. Doch damit nicht genug: Salini will durchsetzen, dass Verbrenner künftig als komplett emissionsfrei gezählt werden, wenn sie statt mit fossilem Sprit beispielsweise mit Agrokraftstoffen aus Soja, Raps & Co. betankt werden. Geht dieser Vorschlag durch, ist massiver Betrug vorprogrammiert, denn technisch wäre kaum sicher-
Die Bundesregierung setzt sich auf EU-Ebene für Regelungen ein, die den Verbrenner-Ausstieg bremsen.
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zustellen, dass nicht doch – billiger – fossil getankt wird: Es ist praktisch unmöglich, ein Auto zu bauen, das sich zwar mit biogenem, aber nicht mit fossilem Kraftstoff betanken lässt. Die Produktion von Agrosprit bedeutet zudem rund um den Globus riesigen Flächenverbrauch, Entwaldung und sonstige Umweltzerstörung: Dieser Vorschlag ist Verbrenner-Greenwashing der schlimmsten Art.
Neue Schlupflöcher für Plug-in-Hybride Parallel fordern Bundesregierung und Autoindustrie, dass die Emissionen von Plugin-Hybriden (PHEV) weiter schöngerechnet werden. Der sogenannte Utility Factor (UF) legt fest, wie viele Kilometer ein PHEV rechnerisch elektrisch fährt – und damit seinen CO2-Wert auf dem Papier. Für einen typischen PHEV mit 60 Kilometern elektrischer Reichweite unterstellte die Berechnung bis 2024 rund 80 Prozent elektrischen Fahranteil. Die Auswertung von Daten einer Million PHEV zeigt jedoch: In der Praxis ist der elektrische Fahranteil gerade mal 25 Prozent. Seit Jahren ist belegt, dass PHEV real bis zu fünfmal so viel Kraftstoff verbrauchen und CO2 emittieren wie beworben. Selbst die für 2027 vorgesehene Korrektur des UF bleibt zu optimistisch. Die Bundesregierung fordert dennoch ein unbefristetes Aussetzen der geplanten Korrektur, um PHEV weiter schönzurechnen. Die eklatante Lücke zwischen Papierwerten und Realemissionen erinnert stark an den Diesel-Abgasskandal. Der Unterschied: Damals brauchte es dafür illegale Abschalteinrichtungen, heute reichen unrealistische UF-Annahmen – ganz legal, solange die Berechnung nicht geändert wird.
Foto: olando/stock.adobe.com
W
Verkehr
Ohne eine Antriebswende sind Deutschlands Klimaziele im Verkehrssektor nicht erreichbar.
DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch kämpft seit vielen Jahren für ein Verbrenner-Aus.
„Die Verbrenner-Lobby versucht, die CO2Flottengrenzwerte zu zerstören und uns langfristig an den Verbrennungsmotor zu ketten. Die europäischen und deutschen Klimaziele im Verkehr lassen sich so auf keinen Fall einhalten“, warnt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. „Das Festhalten an überholter Verbrennerund Hybridtechnologie führt außerdem in eine industriepolitische Sackgasse. Um mit schweren Luxus-Hybriden schnelle Profite zu erzielen, riskiert die Autoindustrie ihre Zukunftsfähigkeit.“
Fotos: InfiniteFlow/stock.adobe.com (o.l.), Stefan Wieland (o.r.)
Zu wenig echte Vorbilder in der Politik Die schleppende Transformation zeigt sich auch in den Ergebnissen unserer Dienstwagenabfrage, die wir Anfang September veröffentlicht haben: Zwar ist der Verbrenner in den Fuhrparks von Bund und Ländern auf dem Rückzug, doch der Kurswechsel hin zu klimaschonender Mobilität bleibt halbherzig. Nur noch 22 Prozent der Spitzenpolitikerinnen und -politiker fahren reine Verbrenner. Die größte Gruppe sind jedoch PHEV, die 42 Prozent aller gemeldeten Dienstwagen ausmachen. Besonders schädlich: Die PHEVAudi-A8 von sechs Ministern emittieren nach unserer Berechnung im realen Betrieb jeweils 202 Gramm CO2 pro Kilometer – mehr als doppelt so viel wie der aktuelle EU-Flottengrenzwert. Im Kontrast dazu ist der BEV-Anteil lediglich 36 Prozent. Hier zeigt sich innerhalb der Range, dass die besonders effizienten
E-Dienstwagen mit dem deutschen Strommix 50 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren, während schwere elektrische Oberklassefahrzeuge mit bis zu 82 Gramm deutlich schmutziger unterwegs sind. Im November stehen die Abstimmungen zu den Flottengrenzwerten im EP an. Besonders brisant: Es verdichten sich die Anzei-
chen, dass die EVP dafür eine Mehrheit mit rechtsradikalen Fraktionen suchen könnte – wie bereits bei der Lieferkettenrichtlinie. Wir halten dagegen und kontern die Märchen der fossilen Lobby mit Fakten, Expertenbriefings für Abgeordnete des EP und durch Unterstützung von Journalisten bei Recherchen zu PHEV-Emissionen. (mh, fk, jb) n
Neues Handbuch „Pop-up Mobilitätswende“ Während in Brüssel um die Flottengrenzwerte gerungen wird, entscheidet sich die Mobilitätswende auch maßgeblich direkt vor Ort. Doch wie können sichere Schulwege, mehr Platz für Fuß- und Radverkehr und ein attraktiverer ÖPNV schneller umgesetzt werden? Das Handbuch der DUH bündelt rechtliche Grundlagen, Faktenchecks und praktische Werkzeuge, besonders hilfreich für lokal engagierte Menschen, Initiativen und Verbände, die die Mobilitätswende vor Ort voranbringen wollen. (hr)
www.l.duh.de/popuprepublik
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Gemeinsam für die Nordsee
Segel setzen für den Meeresschutz Mit einer dreitägigen Segel-Tour entlang der fossilen Infrastruktur haben wir Mitte Juni auf der „Malizia Explorer“ gegen die Ausbeutung und Zerstörung der Nordsee protestiert. Begleitet wurde das fünfköpfige Team von der Klimaaktivistin Luisa Neubauer, Influencerinnen und Influencern. Josefin Schmidt, Referentin für Energie und Klimaschutz bei der Deutschen Umwelthilfe, nimmt uns mit an Bord.
Kurz vor dem Ablegen treffen Reiseteam und Crew Unterstützerinnen aus Bürgerinitiativen am Anleger in Emden. V.l.n.r. unten: Jonas Ems, Content Creator (CC), Stefanie Eilers, NABU Wilhelmshaven, Josefin Schmidt, DUH, Nathan Goldblat, CC, Crewmitglied, Luisa Neubauer, Sandra Koch, Bürgerinitiative Saubere Luft Ostfriesland. V.l.n.r. oben: Nele Evers, DUH/FFF, Alex Wolf, DUH, Crewmitglied, Lioba Schwarzer, DUH, Crewmitglieder, Sarah Tonin, CC, Clara Winkler, DUH.
Schon vor dem Ablegen bestimmt das Wetter unseren Takt. Ausläufer eines Sturms haben die See aufgewühlt, die Wellen vor der Hafenausfahrt sind zu hoch. Der geplante Start am Nachmittag muss abgesagt werden – zunächst ein Schock. Aber nach einer Lagebesprechung mit der Crew steht der neue Plan: Wir laufen nachts um 1:30 Uhr aus. Die Wartezeit nutzen wir, um das Schiff kennenzulernen, der Presse Interviews zu geben und als Gruppe zusammenzuwachsen. Für mehr Druck auf die Politik und echten Meeresschutz wollen wir gemeinsam mit Luisa Neubauer, den Influencerinnen und Influencern Nathan Goldblat, Jonas Ems und Sarah Tonin in den Sozialen Medien sichtbar machen, was bei den fossilen Pro-
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jekten auf dem Spiel steht: Meere, Artenvielfalt und das Klima. Deshalb geben unsere DUH-Expertinnen den Mitreisenden schon jetzt und auch später auf See Input zu fossiler Infrastruktur, Unterwasserlärm, Schadstoffen und den Folgen für die Meeresnatur. Unsere Route wird uns von Emden zur Gasplattform N05-A vor Borkum führen, vorbei an den LNG-Terminals in Wilhelmshaven, weiter zur Ölplattform Mittelplate und schließlich bis zum LNG-Terminal in Brunsbüttel. Als wir nachts die Leinen lösen, ist die See noch immer rau. Einige an Bord werden seekrank, doch später, vor den fossilen Anlagen, sind alle an Deck: für Banneraktionen, Interviews und die Fahrten im Schlauchboot.
Gasförderung neben dem Weltnaturerbe Zweiter Tag, 4:50 Uhr: Hinter Borkum geht die Sonne auf. Der Himmel leuchtet orange und rosa, wenig später ragt die Gasplattform N05-A aus dem Meer – ein industrieller Fremdkörper unmittelbar neben dem UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Bevor wir das Schlauchboot zu Wasser lassen, befestigen wir unser Banner an der Reling des Segelschiffs. Aus nächster Nähe können wir filmen, wie giftiges Abwasser in die Nordsee gelangt. Weitere Plattformen und Bohrungen sind geplant, auch in deutschen Meeresschutzgebieten. Dagegen gehen wir mit allen rechtlichen Mitteln vor. Für N05-A und ihr Stromkabel wurde eines der
Foto: Kevin McElvaney
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Gemeinsam für die Nordsee größten verbliebenen Steinriffe Deutschlands vor Borkum bereits teilweise zerstört. Dann taucht nahe der Plattform eine Robbe auf. Nur kurz ist ihr Kopf zwischen den Wellen zu sehen. Diese Begegnung zeigt: Hier wird mitten in einem hochsensiblen Lebensraum gebohrt und gefördert.
Schweinswale und Chlor im Wattenmeer
Fotos: Kevin McElvaney
Entlang der Ostfriesischen Inseln fahren wir weiter in die Jade. Thea Hamm von der niedersächsischen Nationalparkverwaltung berichtet an Bord über Schweinswale, Seehunde und Kegelrobben. Kurz darauf durchbrechen tatsächlich zwei Schweinswale die Wasseroberfläche. Ein Glücksmoment und zugleich eine Erinnerung daran, dass zahlreiche Arten durch Lärm, Schiffsverkehr und Schadstoffe bedroht sind. Vor Wilhelmshaven erreichen wir die LNG-Infrastruktur. Aus einem Terminalschiff fließt in einem breiten Strom Abwasser in die Jade. Die Regasifizierungsschiffe setzen Chlor ein, um ihre Rohrsysteme von Bewuchs freizuhalten. Dass solche Einleitungen mitten in der sensiblen Wattenmeer-Region zugelassen werden, ist skandalös – erst recht, weil Deutschland fossile Überkapazitäten schafft, statt konsequent den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas zu beschreiten. Bei Hooksiel erwarten uns Anti-LNGAktive an Land und auf zwei Segelbooten. Gemeinsam zeigen wir Flagge für den Meeresschutz.
Ein besonderer Anblick: Ein Seehundjunges mit seiner Mutter auf einer Sandbank im Wattenmeer.
Die DUH-Crew zeigt Haltung vor der Ölbohrinsel Mittelplate bei Sonnenaufgang.
Ölplattform im Morgenlicht Über Nacht nimmt die „Malizia Explorer“ Kurs auf die Mittelplate. Noch vor Sonnenaufgang weckt uns der Skipper, „Wake up – we have reached our destination.“ Draußen zeichnet sich Deutschlands größte Ölplattform im ersten Licht ab. Der Himmel glüht, das Watt liegt still – und mitten in dieser malerischen Szenerie steht eine Anlage, die seit 1986 fossiles Öl aus dem Nationalpark fördert. Wir bringen erneut Banner aus und fahren mit dem Schlauchboot durch die seichten Gewässer. Dabei begegnen uns zahlreiche Seehunde, darunter Mütter mit ihren Jungtieren. Gerade diese Bilder von verletzlichem Leben in unmittelbarer Nähe einer fossilen Industrieanlage prägen sich ein. Schließlich laufen wir in die Elbe ein und beenden den Törn am Nord-OstseeKanal, kurz vor dem schwimmenden LNGTerminal in Brunsbüttel. Hinter uns liegen schlaflose Nächte, hohe Wellen, atemberaubende Sonnenauf- und -untergänge. Zwischen Robben, Schweinswalen und See-
vögeln erlebten wir, wie nah Schönheit und Bedrohung hier beieinanderliegen. Die Nordsee darf nicht weiter zum Industriegebiet ausgebaut werden. Neue Öl- und Gasprojekte haben dort keinen Platz – schon gar nicht in oder neben Meeresschutzgebieten. Mit unserem Segeltörn konnten wir viele Menschen erreichen: Gemeinsam machen wir mehr Druck für den Schutz der Meere und die Energiewende." (js) n
Jetzt Meere schützen! Fordern Sie mit uns von der Bundesregierung, die Öl- und Gasbohrungen in der Nordsee stoppen!
www.l.duh.de/meereschuetzen
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Gemeinsam für die Nordsee
Wir klagen für Schutz im Wattenmeer Im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer zerstören Krabbenkutter mit Grundschleppnetzen den Meeresboden und gefährden die Kinderstube der Nordsee. Weil die Landesregierung diesen Rechtsverstoß weiter duldet, gehen wir nun den nächsten Schritt.
Schutz, den der Status als Natura 2000-Gebiet garantieren soll, nicht erhalten.
Vom Rechtsbruch zur Klage Seit Jahren ist bekannt, dass die Schutzvorgaben für das Wattenmeer nicht wirksam umgesetzt werden. Bereits 2025 haben wir deshalb gemeinsam mit Environmental Justice Foundation eine Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Die Klage gegen Schleswig-Holstein ist nun der nächste logische Schritt. Denn mobile grundberührende Fischerei findet im Na-
tionalpark weiterhin ohne die gesetzlich erforderliche Fauna-Flora-Habitat-Verträglichkeitsprüfung statt. Unsere Klage richtet sich gegen politische Untätigkeit, nicht gegen einzelne Fischerfamilien. Wer Schutzgebiete ausweist, muss dort auch geltendes Recht einhalten, Lebensräume wirksam schützen und den Umbau zu naturverträglicher Nutzung politisch begleiten. Von einem gesunden Wattenmeer profitiert langfristig auch der Fischereisektor der gesamten Nordsee – genauso wie alle Meereslebewesen und -vögel, die dort zu Hause sind. (ls) n
Unterschreiben Sie jetzt unsere Petition Fordern Sie mit uns ein Ende der Grundschleppnetzfischerei im Wattenmeer:
www.l.duh.de/grundschleppnetzestoppen
Krabbenkutter im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer: Über Wasser wirkt die Fangmethode idyllisch, unter Wasser ist sie verheerend.
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Foto: Kevin McElvaney
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as Wattenmeer gehört zu den wertvollsten Naturräumen Europas, es ist UNESCO-Weltnaturerbe, Nationalpark und europäisch geschütztes Natura-2000Gebiet − ein „Schutz“, der allerdings nur auf dem Papier besteht. Millionen Zugvögel rasten hier, im Boden leben Muscheln, Würmer und Krebse, Grundlage eines empfindlichen Nahrungsnetzes und für zahlreiche Fischpopulationen die Kinderstube der Nordsee! Umso gravierender, was dort bis heute geschieht: Krabbenfischerei mit Grundschleppnetzen bleibt in nahezu dem gesamten Schutzgebiet erlaubt. Hier werden die zerstörerischen Netze an mehr als 36.000 Stunden im Jahr über den Meeresboden gezogen. Sie wirbeln Sedimente auf, schädigen empfindliche Lebensräume und fangen zahlreiche Tiere mit, die nie im Netz landen sollten. Seegraswiesen, Sandkorallenriffe, Austern- und Miesmuschelbänke sind bereits verschwunden oder gehen stark zurück, weil sie genau den
Verbraucherschutz
Wärmewende ohne Zwang und Kostenfalle Deutschlands Wärmenetze sind nicht ausreichend klima- und verbraucherfreundlich. Allem voran fehlt es an Transparenz, wie sich Fernwärmepreise zusammensetzen und an übersichtlichen Daten zu Wärmequellen und Netzverlusten. Wir fordern, Licht ins Dunkel zu bringen, damit Politik sowie Verbraucherinnen und Verbraucher fundierte Entscheidungen treffen können.
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ern- und Nahwärmenetze gelten neben Wärmepumpen als zen trale Lösungen der Wärmewende. Derzeit beziehen etwa 15 Prozent der Haushalte Fernwärme. Nach dem Willen der Bundesregierung soll sich die Zahl der angeschlossenen Gebäude verdreifachen. Städte und Gemeinden stellen kommunale Wärmepläne auf. Darin sollen sie empfehlen, welche Gebiete sich für ein Wärmenetz eignen.
Nicht jedes Wärmenetz dient der Wärmewende Die Wärmeplanung setzt eine entscheidende Prämisse: Die Planer gehen davon aus, dass Wärmenetze bis 2045 vollständig aus klimafreundlichen Wärmequellen versorgt werden. Doch aktuell wird Wärme weit überwiegend durch das Verbrennen fossiler Energieträger wie Erdgas erzeugt und die Pläne zur Umstellung auf klimafreundliche Quellen sind teils wenig überzeugend. Beliebte Alternativen sind Holz und Wasserstoff. Wo so viel nachhaltiges Holz und grüner Wasserstoff herkommen sollen, bleibt bisher unbeantwortet. Gebäudeeigentümer sollten genau hinterfragen, wie realistisch eine Versorgung aus klimafreundlichen Quellen ist. Allerdings hat nicht jeder die Wahl. Es gibt Gebiete, in denen eine kommunale Satzung den Anschluss an Fernwärme vorschreibt − egal wie teuer oder klimaschädlich die Wärme ist. Auch in Grundbucheinträgen finden sich solche Nutzungsverpflichtungen. Aus Sicht der DUH darf niemand gezwungen werden, Fernwärme zu nutzen, nur damit sich das Geschäftsmodell des Anbieters lohnt. Stattdessen sollten Anbieter die Gebäudeeigentümer durch ein attraktives Angebot überzeugen.
Foto: fottoo/stock.adobe.com
Faire Vertragsbedingungen Auch ohne explizite Nutzungspflicht sind Fernwärmekunden viele Jahre vertraglich gebunden. Ein Wechsel auf eine andere Technologie ist häufig kurzfristig gar nicht möglich, da größere Baumaßnahmen im Haus notwendig würden. Die Wahl eines anderen Anbieters wie bei Strom- und Gasverträgen ist ebenfalls ausgeschlossen. Der Versorger hat deshalb ein Monopol inne. Eigentlich sollte der
Verlegung von Fernwärmerohren: Der Anschluss an ein Wärmenetz kann zur Klima- und Kostenfalle werden.
Staat in solchen Fällen regulierend eingreifen und faire Konditionen sicherstellen. Bei der Fernwärme hat er aber jahrzehntelang weggeschaut. Nun machen die Fernwärmeanbieter sogar Druck und rufen nach weiteren Vorteilen für die Branche. Sie wollen mehr Sicherheiten für Investitionen in neue Netze und Wärmequellen und noch bessere Möglichkeiten, die Kosten auf die Kunden umzulegen. Wir fordern auf Kundenseite ein faires Gegengewicht: Preissteigerungen müssen behördlich kontrolliert und gedeckelt werden. Wird das Gebäude saniert, muss die Anschlussleistung uneingeschränkt reduziert werden können – mit verpflichtender Senkung des Grundpreises.
Neue Privilegien für die Fernwärme verhindern Die Fernwärme profitiert seit Jahrzehnten von Privilegien wie dem Anschlusszwang oder der üppigen Förderung von Kraft-WärmeKopplungs-Anlagen. Vorgaben für den effizienten Betrieb eines Wärmenetzes und die Minimierung von Kosten gibt es dagegen nicht. Statt Fernwärme endlich besser zu regulieren, wurde kürzlich ein neues Privileg eingeführt: Fernwärmekunden, die auf eine Wärmepumpe umstellen wollen, erhalten keine Fördergelder mehr. Das Ziel: die Kunden bei der Fernwärme halten und das Geschäftsmodell weiter absichern. Wir kritisieren diese skandalöse Ungleichbehandlung. Jeder sollte die gleiche Chance haben, schon heute klimafreundlich zu heizen. (jg) n
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Dezentrale Energiewende
Verteilnetze müssen fit werden Kennen Sie den für Ihren Haushalt zuständigen Verteilnetzbetreiber? Vermutlich nicht. Keine Sorge: So geht es den meisten Menschen in Deutschland. Das schmälert seine Bedeutung für die Energiewende vor Ort aber keineswegs.
Übertragungsnetz Großspannwerk
Verteilernetz Industrielle Abnehmer
Industrielle Kraftwerke
Industrielle Abnehmer
Industrielle Kraftwerke
Ortsnetz
Smart Meter
OffshoreWindparks
Höchstspannung
Hochspannung
220 kV und 380 kV
110 kV
Mittelspannung
Umspannwerk
10 kV und 20 kV
Niederspannung
Digitale Ortsnetzstationen
230 V und 400 V
Smart Meter
V
erteilnetzbetreiber sind für die Versorgungssicherheit, die Stromnetzstabilität und den Anschluss von Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen, Wallboxen und Speichern zuständig. Auch beim Einbau intelligenter Stromzähler, sogenannter Smart Meter, spielen sie eine zentrale Rolle. Wer als Privatperson, Unternehmen oder Bürgerenergie-Genossenschaft ein Energiewende-Projekt umsetzen möchte, kommt um den zuständigen Verteilnetzbetreiber nicht herum. Wir arbeiten daran, die Rolle dieser Möglichmacher der Energiewende zu stärken.
Raus aus der Warteschlange Die mehr als 800 Verteilnetzbetreiber in Deutschland arbeiten mit sehr unterschiedlicher Qualität. Manche treiben die Energiewende voran, indem sie Netzkapazitäten transparent ausweisen, Anschlussanfragen zügig bearbeiten und ihre Netze digitalisieren und modernisieren. Andere bremsen sie durch fehlende Transparenz und verzögerte Anschlüsse aus. Die Folgen sind erheblich: Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens AFRY beziffert die verzögerten Investitionen in Erneuerbare und Speicher in Deutschland auf 45 Milliarden Euro. Gleichzeitig
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Windparks
Solaranlagen
Windparks
ist für Verbraucher, Kommunen und Politik bislang kaum erkennbar, welche Verteilnetzbetreiber gut arbeiten, wo Probleme bestehen und warum.
Von Best Practice lernen Wir setzen uns dafür ein, dass Verteilnetzbetreiber die Energiewende als Chance und klaren Handlungsauftrag begreifen. Aktuell verfolgen wir zwei sich ergänzende Ansätze: In einem bundesweiten Projekt schauen wir genau hin: Wir vergleichen den Energiewendebeitrag einzelner Betreiber untereinander, prüfen das Engagement für Verbesserung und analysieren die Rolle von Eigentumsverhältnissen sowie gesetzliche Rahmenbedingungen. Ziel ist es, die Leistung in den Vordergrund zu rücken, strukturelle Probleme aufzudecken und im Dialog Handlungsempfehlungen für die Politik zu entwerfen. Im Projekt „Dein Netz vor Ort“ hingegen erzählen wir Erfolgsgeschichten, um Mut zu machen und gegenseitiges Lernen zu fördern. Wir identifizieren Verteilnetzbetreiber, bei denen Netzanschlüsse, SmartMeter-Rollout und die Integration neuer Energietechnologien gut funktionieren und bereiten ihre Erfolgsfaktoren für andere Be-
Solaranlagen
Solaranlagen
treiber und Kommunen auf. Ab Ende des Jahres werden wir auch den „Verteilnetzbetreiber des Monats“ küren. Unser Ziel sind transparente, zukunftsfähige und verbraucherorientierte Verteilnetze. Dafür braucht es klare Standards, digitale Prozesse, intelligente Netze und vorausschauende Netzmodernisierung. Schauen Sie doch einmal im Internet im Smart-Meter-Atlas nach, welcher Verteilnetzbetreiber an Ihrem Wohnort zuständig ist und wie weit der Ausbau dort vorangeschritten ist. Eine Auskunft über die Versorgungsqualität Ihres Verteilnetzbetreibers finden Sie auf einer Deutschlandkarte, ebenfalls im Internet. Nutzen Sie diese Informationen, um gemeinsam mit uns Verbesserungen einzufordern und gute Verteilnetzpraxis zum neuen Standard zu machen. Denn ohne gute Verteilnetze wird es nichts mit der Energiewende. (rw, bh) n Förderer: Das Projekt „A Watchdog for Distribution Grid Transformation in Germany“ wird gefördert von:
Das Projekt „Dein Netz vor Ort“ wird gefördert von:
Icons: Icons Studios/stock.adobe.com, anatolir/stock.adobe.com
Großspannwerk
Klimaanpassung
Grüne Lebensretter unter Druck Laut Schätzung des Robert-Koch-Instituts sind in diesem Jahr bis Ende August fast 16.000 Menschen durch extreme Hitze wellen in Deutschland gestorben. In Städten sind die Menschen der Sommerhitze in besonderem Maß ausgesetzt. Bäume mit großem Grünvolumen tragen dort wesentlich zur Abkühlung bei. Doch unser diesjähriger Hitze-Check belegt: Vielerorts sind alte Bäume verschwunden.
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ie sind weit mehr als grüne Deko. Studien zeigen, dass Stadtbäume dank Schattenwurf und Verdunstung ihre direkte Umgebung um bis zu zwölf Grad abkühlen. Besonders in dicht bebauten Quartieren können sie vor lebensbedrohlicher Hitze schützen – das ist zentral für besonders Betroffene wie Kinder und ältere Menschen. Zudem fördern Stadtbäume die Biodiversität, binden Feinstaub, halten Wasser zurück und steigern die mentale Gesundheit – keine technische Maßnahme bietet solche Vorteile. Wirksamer Hitzeschutz und eine adäquate Grünversorgung bleiben ohne Baum-Neupflanzungen unerreichbar. Priorität muss aber der Erhalt des vorhandenen Baumbestands haben. Denn die Leistung alter Bäume ersetzen Neupflanzungen erst nach vielen Jahren. So hat eine 80 Jahre alte Winterlinde eine zehnfach höhere Kühlleistung als eine 20-jährige. In deutschen Städten mit über 50.000 Einwohnern wurden zwischen 2018 und 2025 jedoch über 900.000 Bäume gefällt. Diesen erschreckenden Fakt zeigt unser Hitze-Check.
Rechtliche Optionen für den Baumschutz Gemeinsam mit der Kanzlei Geulen & Klinger haben wir ein Rechtsgutachten erarbeitet, das Schritte zeigt, die Initiativen und Bürger gegen Baumfällungen gehen können. Wer eine kommunale Baumschutzsatzung erwirkt, sichert den Baumbestand langfristig. Außerdem können Bürgerinnen Informationen über anstehende Fällungen und eventuelle Genehmigungspflichten bei der Gemeindeverwaltung oder bei der Unteren Naturschutzbehörde gemäß Umweltinformationsgesetz einholen. Wurde eine Genehmigungspflicht umgangen, kann dies bei den Naturschutzbehörden oder Ordnungsamt und Polizei gemeldet werden. Gegen geplante Fällungen können in bestimmten Fällen anerkannte Naturschutz- oder Umweltverbände rechtlich vorgehen. Über unseren Baumfällmelder machen Bürgerinnen und Bürger sichtbar, wo Bäume bedroht sind. Bereits mehr als 350 Meldungen geplanter Fällungen sind eingegangen.
Bäume als Daseinsvorsorge Die Politik muss Bäume als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge begreifen und ihnen mehr Platz in Städten einräumen. Wir fordern verbindliche Mindeststandards für Stadtgrün, den konsequenten Schutz bestehender Bäume und Grünflächen, gute Pflege sowie ein Umdenken in der Stadtund Verkehrsplanung. Auch wenn die Umsetzung bei den Kommunen liegt, tragen Bund und Länder die Verantwortung dafür, verlässliche rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen zu schaffen. Kommunen müssen ihre Möglichkeiten konsequent nutzen. (lr, lw) n
Werden Sie aktiv! Unterzeichnen Sie unsere Petition: Bäume retten Leben
www.l.duh.de/stadtgruen Auf derselben Seite finden Sie unsere Informationsangebote: » Positionspapier Stadtnatur » Rechtsgutachten Baumschutz
Foto: IMAGO/Schöning
Machen Sie bedrohte Bäume sichtbar:
Ein alter Baum sorgt für mehr Lebensqualität in der Stadt. Bei Hitzewellen ist seine Kühlleistung
www.l.duh.de/baummelder
unersetzlich.
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Naturschutz
Hochwasserschutz braucht Fläche In weiten Teilen Deutschlands besteht Handlungsdruck in Bezug auf Hochwasser. Knapp ein Viertel aller Landkreise und kreisfreien Städte hat ein hohes Risiko für schwere Schäden durch ein sogenanntes Jahrhunderthochwasser. Details zu den Risiken sowie Lösungsansätze stellen wir in unserem Hochwasser-Check dar.
Sehr gering (0,0 -1,49) Gering
(1,5 - 2,99)
Mäßig
(3,0 - 4,49)
Hoch
(4,5 - 5,99)
Sehr hoch
(6,0 - 7,49)
Quelle: Eigene Berechnung aus Daten BfG 2025 und IÖR 2026 Karte: DUH
Auszug aus dem DUH-Hochwasser-Check 2026
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ochwasser kann an jedem Fluss und jedem Bach in Deutschland auftreten. „Die mit der Klimakrise immer häufigeren Starkregen können ruhige Gewässer in reißende Ströme verwandeln“, erklärt DUHGeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Für 98 Landkreise und kreisfreie Städte ist der Risikograd laut Hochwasser-Check der DUH hoch, für 184 Kreise mäßig. Besonders gefährdet sind dicht besiedelte Regionen entlang großer Flüsse wie Rhein, Donau und Elbe.
So haben wir die Risikograde ermittelt Unser Hochwasser-Check stützt sich auf bestehende Daten der Bundesanstalt für Gewässerkunde und des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR). Anhand dieser haben wir einen Risikograd errechnet und das Hochwasserrisiko von „sehr gering“ bis „sehr hoch“ bewertet. Berücksichtigt haben wir dabei zwei Faktoren: die Anzahl der direkt betroffenen Adressen sowie die Größe der Flächen, auf denen ein sogenanntes Jahrhunderthochwasser große Schäden anrichten würde. Solche poten-
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Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner ist die Finanzierung von ökologischem Hochwasserschutz ein wichtiges Anliegen.
ziellen Schäden könnten die menschliche Gesundheit, Umwelt, Kulturerbe und wirtschaftliche Tätigkeiten betreffen.
Wir brauchen naturbasierte Lösungen Überschwemmungen können das Leben von Menschen oder ihre Existenzgrundlagen bedrohen. Wirtschaftliche Schäden durch Hochwasser sind in den letzten Jahren enorm angestiegen. Die Versicherungswirtschaft hat bereits erkannt, dass naturbasierte Lösungen effektiv sind und Auen geschützt werden müssen. Denn technische Maßnahmen gegen
Schauen Sie nach, wie Ihr Landkreis abschneidet! Alle Ergebnisse des DUH-Hochwasser-Check finden Sie hier:
www.l.duh.de/hochwasserrisiko
Foto: Stefan Wieland
Hochwasser-Risikograd bezogen auf die aktuell gefährdeten Adressen
Hochwasser wie Deicherhöhungen, Polder und Talsperren mindern zwar die Risiken, aber sind teuer und wirken vor allem lokal. Fallen Starkregen oder Flutwellen extrem aus, kann technische Infrastruktur zudem versagen, Deiche etwa brechen. Das erfordert ein Umdenken und Umbauen, nachdem man jahrhundertelang daran gearbeitet hat, das Wasser so schnell wie möglich aus der Landschaft zu entfernen: durch Begradigungen, Drainagen und Entwässerungsgräben. Da Hochwasser-Risiken in allen Einzugsgebieten von Fließgewässern bestehen, muss die Lösung flächendeckend sein: Flüsse brauchen außerhalb der Ortschaften endlich wieder mehr Raum, damit Hochwasser dort in die Aue ausufern kann, wo es keinen Schaden anrichtet. Wir müssen die Schwammfunktion der Landschaft wiederherstellen und Wasser in gesunden Wäldern, feuchten Wiesen, kurvigen Bächen und renaturierten Auen zurückhalten - im gesamten Einzugsgebiet eines Gewässers. Gleichzeitig darf in Überschwemmungsgebieten nicht neu gebaut werden. Müller-Kraenner betont: „Unsere Landschaft gegen die Folgen der Klimakrise zu wappnen, ist eine langfristige Aufgabe und erfordert ein Zusammenwirken aller politischen Ebenen. Die Einrichtung der geplanten neuen Gemeinschaftsaufgabe Naturschutz und Klimaanpassung ist mehr als überfällig.“ (mm, cd) n
Buchtipp
„Tage am Fluss“ – eine Liebes erklärung an Mensch und Natur Im Sommer hat unser langjähriger Unterstützer Jochen Mariss sein Romandebüt „Tage am Fluss“ veröffentlicht. Die Botschaft: Manchmal muss man gegen den Strom schwimmen, um bei sich anzukommen.
Erschienen am 9. Juli 2026 im Verlag Kiepenheuer & Witsch, 320 Seiten, gebundene Ausgabe, 23.- Euro
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Sorge um die Zukunft unseres Planeten und die Widerstände, die engagierten Menschen beim Einsatz für beides entgegenstehen. Jochen Mariss, geboren 1955 in Köln, lebt mit seiner Frau in Bielefeld, ist Vater eines Sohnes und Großvater eines Enkels. Vor seinem Roman „Tage am Fluss“ veröffentlichte der Grafik-Designer und Fotograf bereits zahlreiche Bände mit Kurzgeschichten und Gedichten sowie Bilderbücher für Erwachsene. (jd) n
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ara Harmsen betreibt eine kleine Fähre im Dörfchen Erlengrund, wo sie mit Hühnern, Schafen und einer Hündin lebt. An einem heißen Sommertag taucht ein verletzter Klimaaktivist auf ihrer Fähre auf, Leon. Sara versorgt den jungen Mann und versteckt ihn bei sich – im Gegenzug hilft Leon ihr bei der Arbeit. Zögerlich kommen sich die beiden grundverschiedenen Menschen näher und setzen sich mit ihrer jeweiligen Vergangenheit auseinander. Im Lauf der Geschichte werden sie zu Verbündeten in einem Konflikt um Naturund Umweltschutz. Eine geplante Brücke bedroht Saras Fähre und ihr Grundstück. Sara und Leon wehren sich dagegen und erleben Widerstand und Anfeindungen aus dem Dorf. „Tage am Fluss“ verbindet eine Geschichte über Vertrauen, Heilung und Neuanfang mit Fragen nach Naturverbundenheit, Klimasorge und Engagement. Jochen Mariss erzählt in atmosphärischer Weise über die gemeinsame Liebe zweier Menschen zur Natur,
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Fotos: Portrait: Barbara Nieder, Buchcover: KiWi-Verlag
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Video-Buchlesung Der Roman beschäftigt sich mit der Liebe zur Natur und dem Einsatz für ihren Schutz. Diesen Bogen wollen wir weiterspannen: in einer gemeinsamen Video-Buch lesung von Jochen Mariss mit „Tage am Fluss“ und DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch mit „DRUCK MACHEN!“ Als Unterstützerin und Unterstützer der DUH erhalten Sie von uns via Mail eine persönliche Einladung zu dem Videotermin Ende November. Kontakt: Julia Dade, dade@duh.de
Anzeige
»Warum sollte man nicht mit einem Schmunzeln die Welt verändern können?« Esther Gonstalla 112 Seiten, Broschur, vierfarbig ISBN 978-3-98726-528-0 14 Euro
Machen Sie mit!
Ran an die krummen Gurken! Ein Großteil der Lebensmittelverschwendung in Deutschland ist vermeidbar. Bereits auf dem Acker bleibt wertvolles Obst und Gemüse liegen, nur weil es nicht den Schönheitsvorstellungen des Handels entspricht. Dagegen braucht es verbindliche gesetzliche Vorgaben.
Für einige Sorten gelten zusätzlich spezielle Vermarktungsnormen, die aufgrund von Größe, Form oder Farbe zwischen Handelsklasse Extra, I und II unterscheiden. Handelsklasse II erlaubt leichte Abweichungen bei Form, Farbe oder Schale. Dennoch bevorzugen viele Handelsunternehmen überwiegend Ware der Handelsklasse Extra oder I und legen häufig zusätzliche unternehmenseigene Schönheitsstandards fest wie » e inheitliche Größen in Packstücken oder Anforderung an Mindestgrößen, » k eine Unförmigkeiten, weder krumm, mit Nase oder zwei Beinen, » G leichmäßigkeit der Farbe wie der Rotanteil bei Äpfeln oder Erdbeeren.
Wie kann ich Lebensmittel verschwendung vermeiden?
edes Jahr gehen etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel verloren. Ein großer Teil der Verluste bleibt für Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch unsichtbar, da viele Lebensmittel bereits vor der Vermarktung aussortiert werden. Besonders deutlich wird das bei Obst und Gemüse: Bis zu 30 Prozent der Ernte einzelner Sorten gelangen nicht in den Verkauf, obwohl sie qualitativ einwandfrei sind.
zu realisieren, reichen freiwillige Selbstverpflichtungen nicht aus. Deutschland muss die unnötigen Schönheitsnormen abbauen, durch die genießbares Obst und Gemüse aufgrund von Größe, Form oder Farbe aussortiert wird. Gleichzeitig müssen Lebensmittelverluste entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfasst werden. Kurz: Wir brauchen verbindliche Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung, vom Acker bis zum Teller.
Was muss passieren?
Welche Schönheitsstandards gelten im Handel?
Bis 2030 sollen Lebensmittelabfälle EU-weit in der Produktion um zehn Prozent sinken, in Handel, Gastronomie und privaten Haushalten pro Kopf sogar um 30 Prozent. Um diese Ziele
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Übergeordnetes EU-Recht stellt lediglich Anforderungen an die Unversehrtheit und Genießbarkeit von frischem Obst und Gemüse.
» G emüsekisten von Anbietern beziehen, die sich gegen überzogene Schönheitsstandards einsetzen, » E inkäufe gut planen, Lebensmittel richtig lagern und kreativ werden in der Resteverwertung: zum Beispiel mit Croutons aus altem Brot, Gemüsebrühe aus Gemüseresten, Smoothies und Kuchen aus überreifem Obst. (dv) n
Fotos: jchizhe/stock.adobe.com (o.), Alex/stock.adobe.com (u.)
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» D ort einkaufen, wo krummes Obst und Gemüse zu finden ist, möglichst regional, im Hofladen, auf dem Wochenmarkt oder in Supermärkten, die dies berücksichtigen,
Machen Sie mit!
Gemüsekisten-Gewinnspiel gegen den Schönheitswahn Anbieter wie die „Ökokiste“ zeigen, dass auch krummes, kleines oder ungewöhnlich geformtes Obst und Gemüse seinen Weg auf den Teller finden kann. Das schont Ressourcen, vermeidet Lebensmittelverluste und stärkt regionale Erzeugerinnen und Erzeuger. Setzen Sie mit uns ein Zeichen gegen unnötige Schönheitsstandards für Obst und Gemüse im Handel! Alle können mitmachen! Die zehn glücklichen Gewinnerinnen und Gewinner erhalten ein Jahr lang jeden Monat eine Bio-Obst- und -Gemüsekiste von der Ökokiste.
Jetzt teilnehmen und mit etwas Glück gewinnen: www.l.duh.de/lebensmittelduhwelt
AB IN DIE KISTE! Gewinne 1 von 10 BioJahresvorräten an Obst und Gemüse.
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Ihre Spendenaktion
Setzen Sie ein Zeichen! Machen Sie einen feierlichen Anlass zur guten Tat: Starten Sie eine Online-Spendenaktion für den Schutz unserer Natur. Oder legen Sie jederzeit los – das geht natürlich auch ohne konkreten Anlass.
Mit Ihrer Hilfe setzen wir uns für Klimaschutz und gesunde Landschaften mit einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt ein. Foto: Blauflügelige Prachtlibelle
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Gemeinsam erreichen wir mehr Oft sind es viele kleine Beiträge, die am Ende Großes bewirken. Indem Sie Ihre Spendenaktion über soziale Netzwerke, Messenger oder per E-Mail teilen, motivieren Sie Menschen aus Ihrem Umfeld, Teil der Bewegung zu werden. So entsteht aus einer persönlichen Idee ein gemeinschaftliches Engagement für eine lebenswerte Zukunft. Gestalten Sie Ihre Spendenaktion individuell mit persönlichen Fotos, schildern Sie Ihre Geschichte oder berichten Sie regelmäßig über den aktuellen Stand. Das macht Ihre Motivation sichtbar und inspiriert andere, sich Ihrem Ziel anzuschließen. Mit Ihrer Unterstützung können wir Umweltprojekte langfristig voranbringen, die die Lebensqualität kommender Generationen sichern. Starten Sie noch heute Ihr persönliches Spendenprojekt, laden Sie Ihr Umfeld ein
und setzen Sie damit ein Zeichen für unsere Umwelt. Denn echter Wandel beginnt dort, wo Menschen sich zusammenschließen und Verantwortung übernehmen. (nj) n
So einfach geht’s Folgen Sie den Schritten auf dieser Seite und gestalten Sie Ihre Spendenaktion:
www.l.duh.de/spendenaktionen Kontakt: Philipp Herrberg unterstuetzerservice@duh.de
Foto: Vitaly Ilyasov/stock.adobe.com
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ede Veränderung beginnt mit einem Menschen, der den ersten Schritt macht. Mit unserer Online-Spendenaktion können Sie Ihr persönliches Spendenprojekt ins Leben rufen und gemeinsam mit Freunden, Familie, Kolleginnen und Kollegen oder Ihrem Verein Spenden für den Umwelt- und Naturschutz sammeln. Ob zum Geburtstag, Jubiläum, Feiertag oder einfach aus Überzeugung – Ihre Aktion macht den Unterschied. Eine eigene Online-Spendenaktion zu erstellen, ist ganz einfach. In wenigen Minuten gestalten Sie Ihr persönliches Spendenprojekt und erzählen, warum Ihnen der Schutz unserer Umwelt am Herzen liegt, legen ein Spendenziel fest und teilen die Aktion in Ihrem Netzwerk. Jede Spende fließt direkt und zu hundert Prozent in die Arbeit unserer Organisation und unterstützt konkrete Projekte für den Erhalt wertvoller Lebensräume, den Schutz bedrohter Arten oder des Klimas.
Ihre Spendenaktion
Auch als Unternehmen starten Sie unkompliziert ein Spendenprojekt Sie möchten als Unternehmen gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden, Kundinnen und Kunden oder Ihrem Netzwerk etwas für den Umwelt- und Naturschutz bewegen? Mit einer eigenen Online-Spendenaktion geht das schnell und ohne großen Aufwand.
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n wenigen Minuten gestalten Sie Ihr eigenes Spendenprojekt: Sie erzählen, warum Ihrem Unternehmen der Schutz unserer Umwelt am Herzen liegt, laden auf Wunsch ein Profilfoto hoch, wählen ein Spendenthema und legen ein Spendenziel fest. Ob Klimaschutz, Mobilitätswende, Wildbienen oder ein anderes Anliegen, das zu Ihrem Unternehmen passt – Sie entscheiden, wofür Sie gemeinsam Spenden sammeln möchten. Anschließend erhalten Sie direkt einen Link zu Ihrer persönlichen Aktion, den Sie unkompliziert mit Mitarbeitenden, Kundinnen und Kunden, Geschäftspartnern oder Ihrem gesamten Netzwerk teilen können.
Ideal für die Weihnachtszeit Statt klassischer Kundengeschenke oder als Ergänzung dazu können Sie gemeinsam mit
Ihrem Umfeld ein Zeichen für den Umweltund Naturschutz setzen. Die Aktion lässt sich natürlich jederzeit starten – zum Beispiel zu einem Firmenjubiläum, als Dank an Mitarbeitende, zu einem Spendenlauf oder zu einem anderen Anlass. Hierfür braucht es weder ein großes Unternehmen noch ein großes Budget. Auch kleine Unternehmen können mit wenigen Schritten eine eigene Spendenaktion starten und etwas bewirken.
Steuerlich interessant
und so rechtzeitig erfolgen, dass der Betrag bis zum letzten Banktag, dem 30. Dezember 2026, bei uns eingeht. Sie erhalten dann eine Zuwendungsbestätigung zur Vorlage beim Finanzamt. Sie möchten wissen, welches Spendenthema oder welche Form der Aktion zu Ihrem Unternehmen passt? Wir beraten Sie gerne. Kommen Sie bei Fragen und für die ersten Schritte auf uns zu! (gs) n
Kontakt:
Spenden an gemeinnützige Organisationen können von Unternehmen grundsätzlich steuerlich geltend gemacht werden. Damit Ihre Spende noch für das Steuerjahr 2026 berücksichtigt werden kann, sollte die Überweisung die Banklaufzeiten beachten
Gaby Schneider Leitung Partnerschaften und pro bono Marketing schneider@duh.de
Spenden Sie jetzt für unsere Projekte im Natur- und Klimaschutz! Auf diesen Wegen ist Unterstützen ganz einfach: Banküberweisung
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Online-Spende
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Deutsche Umwelthilfe SozialBank IBAN DE45 3702 0500 0008 1900 02 BIC BFSWDE33XXX
www.l.duh.de/ppspende
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Empfänger und Verwendungszweck sind voreingestellt
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Ihre Spende an uns ist von der Steuer absetzbar. Ab einem Betrag von EUR 50.- stellen wir Ihnen automatisch eine Spendenquittung aus.
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Abfallmanagement
Mehr feiern. Weniger Müll. Mehrwegbecher, saubere Mülltrennung, kein unnötiger Merch und nachhaltige Toiletten: Das ist bei vielen Großveranstaltungen längst gelebte Praxis. Und wie sieht es bei den Musikfestivals aus? Wir haben zehn der größten Festivals in Deutschland gecheckt.
ommernächte, Lieblingsbands und Camping mit Freundinnen und Freunden: Für rund vier Millionen Menschen gehören Musikfestivals jedes Jahr zu den Höhepunkten des Sommers. Wo Tausende zusammenkommen, entstehen auch große Mengen Abfall. Foodmeilen mit Gemüsecurry im Wegwerfteller, Bierdosen und Chemie-Dixies gehören auf vielen Festivals leider dazu.
» Festivals sind Orte für Freiheit und Community, die ich allen wünsche. Deshalb sollten wir sie sauber halten und respektvoll mit der Natur umgehen, in der wir hier feiern. So haben wir alle noch lange was davon. « Leonie Löwenherz Influencerin und Creatorin
Gerade große Festivals tragen Verantwortung: Sie setzen Standards für Gastronomie, Dienstleister, Sponsoren und hunderttausende Besucherinnen und Besucher. Solange die Festivalveranstalter kein nachhaltiges Abfallmanagement umsetzen, gelten Müllberge weiter als „normal“. Bei unserem Festival-Müll-Check haben wir zehn große Festivals befragt, welche
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Verpackungs- beziehungsweise Geschirrsysteme sie für Getränke und Essen verwenden, ob sie Müll getrennt sammeln und wie ihr Toiletten-Konzept aussieht. Acht der befragten Festivals setzen bei Kaltgetränken auf Mehrwegbecher. Das Parookaville und das Nature One Festival bieten weiterhin in großem Umfang Einwegbecher und -flaschen sowie Getränkedosen an. Beim Verkauf von Essen ist Mehrweg auf den befragten Festivals selten. Rock am Ring und Rock im Park nutzen Mehrweg immerhin bei einem kleinen Teil ihrer Essensstände, bei den anderen Festivals in unserem MüllCheck fehlt es für Food komplett.
23 Tonnen vermeidbarer Müll in drei Tagen Wie groß das Einsparpotenzial ist, haben wir anhand des Beispiels Parookaville berechnet: Demnach fallen dort an den drei Festivaltagen rund 600.000 Einwegbecher, 250.000 Getränkedosen und etwa eine halbe Million Einwegteller und -bowls für Essen an. Insgesamt würde Mehrweg rund 23 Tonnen Müll und etwa 71 Tonnen CO₂ vermeiden. Geeignete Becher und Teller spülen und wieder verwenden schont die Umwelt. Wer auf Einwegbecher Pfand erhebt, verhindert unter Umständen Littering, aber nicht den hohen Ressourcenverbrauch und die Umweltverschmutzung in der Produktion. Auch bei der Mülltrennung deckt unser Check deutliche Defizite auf. Auf sieben der Festivals landet der Abfall in den öffentlich
» Die Musikszene spricht viele wichtige gesellschaftskritische Themen an. Aber Umweltschutz darf dabei nicht hinten runterfallen. Mehrweg ist das beste Beispiel: super einfach umzusetzen und trotzdem mit riesiger Wirkung. « Lea aka The Jakob SisterDJ bei Sachsentrance
zugänglichen Bereichen unsortiert im Restmüll. MS Dockville und Nature One bieten nicht einmal auf den Campingflächen Behälter für eine getrennte Sammlung an. Ein Müllpfand könnte Besucher dazu motivieren, ihre Abfälle vollständig zurückzugeben. Doch das Müllpfand gibt es nur bei der Hälfte der gecheckten Festivals.
Müll und Abwasser immer mitdenken Nachholbedarf gibt es auch bei den Sanitärkonzepten. Die Hälfte der Festivals in unserem Check setzen teilweise Kompost- und Trockentrenntoiletten ein. Diese kommen ohne Wasserspülung und Chemie aus, reduzieren also Abwasser. Positiv fallen Fusion und MS Dockville auf, die überwiegend Komposttoiletten nutzen. Beim Wacken Open Air liegt ihr Anteil dagegen bei rund einem
Fotos: DUH (o.), sachsentrance (Mitte r.), PTO-Media (Mitte l.)
S
Abfallmanagement Prozent. Bei Lollapalooza, Nature One und Parookaville trifft man vor allem klassische Mobiltoiletten an. Gratis-Merchandise-Artikel sind uns bei drei der zehn untersuchten Festivals aufgefallen. Was als nette Zugabe gedacht ist, ist aber meist kurzlebig und landet schnell im Müll.
Wie sauber feiern zehn der größten Musikfestivals? Mehrweg für Getränke
Festival
Mehrweg für Speisen
Müll trennung
Maßnahmen gegen Vermüllung
Vermeidung EinwegMerch
Einsatz Komposttoiletten
Gesamt
Rock am Ring Rock im Park Fusion MS Dockville
Festivalveranstalter müssen Verantwortung übernehmen
Hurricane Southside
Volksfeste und andere Großveranstaltungen zeigen längst, dass vollständiger Mehrweg für Speisen und Getränke, konsequente Mülltrennung und nachhaltige Sanitärsysteme praktisch umsetzbar sind. Unser Ziel: Lasst uns auf den Musikfestivals ausgelassen feiern – mit weniger Müll! (rk) n
Wacken Open Air
*
Lollapalooza
*
Parookaville Nature One Glücksgefühle
Keine Antwort erhalten.
Airbeat One
Keine Antwort erhalten.
Deichbrand
Keine Antwort erhalten.
Die DUH hat von Dezember 2025 bis Februar 2026 unter den gelisteten Musikfestivals mithilfe eines Fragebogens eine Umfrage durchgeführt.
Grüne Karte = Vorbildliche Umsetzung jeder Kategorie: 100 Prozent Mehrwegbecher bzw. -geschirr, Mülltrennung
Schließen Sie sich an! Unterzeichnen Sie unsere Petition für saubere Festivals mit weniger Müll!
auf Public Areas und Campingflächen, ausschlaggebende Maßnahmen gegen Vermüllung (Müllpfand, Aschenbecher, Wiederverwendung von Zelten, Entsorgung RFID-Chips), kein kostenfreier Einweg-Merchandise, Anteil Komposttoiletten über 80 Prozent.
Gelbe Karte = Umsetzung jeder Kategorie verbesserungswürdig: Mischsystem aus Mehrweg- und Einwegbechern
bzw. -geschirr, Mülltrennung nicht in allen Bereichen, verbesserungswürdige Maßnahmen gegen Vermüllung (nur 1 Merkmal, andere fehlen), Anteil Komposttoiletten zwei bis 80 Prozent.
Rote Karte = Mangelhafte oder fehlende Umsetzung der Kategorie: Mehrwegbecheranteil unter 50 Prozent, kein
www.l.duh.de/festival
Mehrweggeschirr für Speisen, keine Mülltrennung in Restmüll, Kunststoffe, Papier, ggf. Glas, keine (ausreichenden) Maßnahmen gegen Vermüllung (kein Müllpfand, keine Wiederverwendung der Zelte, keine Maßnahmen für RFDIChip-Entsorgung), keine/sehr geringer (ein Prozent) Anteil an Komposttoiletten. *) ohne Camping
N°38 2026
Circe zu Odysseus, in Schweine verwandelt hat: nachdem sie seine Männer
„They were always pigs. form.“ I only gave them their true
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N° 38 | 2026
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POLITIK
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Mit: Güner Balci, Christina Clemm, Heike-Melba Fendel, Marcel Fratzscher, Wolf Lotter, Luisa Neubauer, Rainer Prohaska, Christian Schneider, Caroline Wahl und Harald Welzer
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Entwicklungszusammenarbeit
Das Pantanal: Lebensraum und Klimaschützer Das Pantanal ist das größte tropische Feuchtgebiet der Welt. Brandrodung, wachsende Viehhaltung und die Auswirkungen des Klimawandels bedrohen dieses einzigartige, größtenteils in Brasilien liegende Naturparadies. Unter den Folgen leiden auch die indigenen Gemeinden.
‹
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Unterwegs im Pantanal mit Projektpartnern vor Ort: Wasserhyazinthen bilden große schwimmende Teppiche, die getrockneten Stängel werden zu Körben, Taschen, Matten, Hüten und Möbeln verflochten.
‹ Die heimische Baru-Nuss dient als alternative Einkommensquelle.
Neue Perspektiven dank Honig und Baru Seit 2025 engagiert sich der Global Nature Fund (GNF) gemeinsam mit der brasilianischen Partnerorganisation Ecologia e Ação (ECOA) für den Schutz und die Wiederherstellung des Pantanal. Ziel ist es, die Lebensbedingungen von sechs indigenen Gemeinden im Bundesstaat Mato Grosso do Sul im Südwesten Brasiliens zu verbessern und gleichzeitig die Ökosystemleistungen zu stärken. Ein Schwerpunkt ist das Schaffen
nachhaltiger Einkommensquellen. Das Sammeln und Verarbeiten einheimischer Früchte wie Baru, eine nussartige Frucht mit harter Schale und süßem Fruchtfleisch, sowie die Honigproduktion eröffnen neue Perspektiven. In Zusammenarbeit mit der Stadt Miranda entsteht derzeit ein Honigverarbeitungszentrum, das dazu beträgt, Qualität und Vermarktung des Honigs zu verbessern. Ein weiterer Projekt-Schwerpunkt ist die Wiederaufforstung. In einer neu errichteten Baumschule werden jährlich bis zu 7.000 Setzlinge aufgezogen. Bereits dreizehn
Fotos: ECOA (o.), GNF/Gehrig (u.)
Wie ein riesiger Schwamm speichert das weltweit größte Binnenland-Feuchtgebiet und Biosphärenreservat große Mengen Wasser aus den umliegenden Regionen. Gleichzeitig bindet es viel Kohlenstoff und trägt so zum Klimaschutz bei. Im Pantanal leben zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und viele indigene Gemeinschaften. Die Menschen vor Ort verdienen ihren Lebensunterhalt vor allem durch Landwirtschaft, Fischerei, Viehzucht und Tourismus. In den letzten Jahren haben Waldbrände Millionen Hektar Land vernichtet und unzählige Wildtiere getötet. Viele der Brände wurden gelegt, um Platz für industrielle Viehzucht und Landwirtschaft – vor allem Soja – zu schaffen. Aufgrund einer weltweit steigenden Nachfrage wächst der Anreiz, immer mehr Soja zu produzieren. Auch die Viehhaltung, wenn sie nicht nachhaltig betrieben wird, trägt zur Schädigung und Zerstörung des Pantanal bei. Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich. Steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster machen die Region noch anfälliger für Waldbrände, die schnell unkontrollierbar werden können.
Entwicklungszusammenarbeit Gemeinsam schaffen wir so starke Perspektiven für Mensch und Natur im Pantanal. (kg) n
Durch Bildungsangebote und Netzwerkarbeit sensibilisiert ECOA die Bevölkerung
für den Wert der einzigartigen Biodiversität des Pantanal und die Auswirkungen des Klimawandels. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Förderung von Frauen und Frauengruppen als wichtige Akteurinnen in ihren Gemeinden. Das Pantanal-Netzwerk entwickelt lokale Lösungsansätze und setzt gezielte Maßnahmen zum Schutz der natürlichen Ressourcen und zur Anpassung an den Klimawandel um.
In einer Baumschule werden Setzlinge heimischer
Katharina Gehrig, Projektmanagerin des GNF, im Gespräch mit einer Mutter, die auf dem Familiengrund-
Arten für die Wiederaufforstung gezogen.
stück zahlreiche Obstbäume und Gemüse zum Eigenverbrauch anbaut und stolz auf die Ernte ist.
Hektar konnten mit heimischen Baumarten sowie Obst- und Gemüsesorten bepflanzt werden. Die beteiligten Familien sind stolz, aktiv zum Schutz ihres Landes beizutragen.
Bildung und starke Netzwerke für den Naturschutz
Lesen Sie weiter! www.globalnature.org/pantanal
Förderer:
Größtes Mangrovengebiet der Welt ist See des Jahres 2026 Zum UN World Lake Day am 27. August 2026 kürten das Netzwerk Living Lakes und der Global Nature Fund (GNF) die indischen Sundarbans zum See des Jahres. Die Auszeichnung würdigt nicht nur die ökologische Bedeutung der Sundarbans, sondern auch den engagierten Einsatz der Menschen vor Ort.
Fotos: GNF/Gehrig (o.l), ECOA (o.r), NEWS (u.)
D
ie Sundarbans sind das größte Mangrovenfeuchtgebiet der Erde. Das UNESCOWeltnaturerbe mit vielen kleinen Seen und Feuchtgebieten bewahrt eine einzigartige Artenvielfalt, darunter der Bengalische Tiger und der Ganges-Delfin. Ausgedehnte Mangro venwälder schützen das Flussdelta vor Zyklonen und Erosion und sichern das Überleben von viereinhalb Millionen Menschen. Doch der Anstieg der Meere, Versalzung und Stürme bedrohen die Region. Die Nature Environment & Wildlife Society steuert gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung
dagegen: Über 3.500 Frauen engagieren sich für die Wiederaufforstung, ergänzt durch nachhaltige Imkerei und die Ausbildung von Jugendlichen. Seit 2004 zeichnet der GNF einen See des Jahres aus und betont die zentrale Bedeu-
tung von Gewässern für Klima, Biodiversität und Menschen. (tf) n
Erfahren Sie mehr! www.globalnature.org/see-des-jahres-2026
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Unbekannte Tierart
Echt, ein Specht? In bedrohlichen Situationen erschreckt er sein Gegenüber, indem er sein Kopfgefieder zu einer Haube aufstellt und den Kopf dabei um 180 Grad ruckartig dreht. Das hat ihm den Namen Wendehals eingebracht. Natürlich ist das keine Bewertung seiner Aktivitäten – der unscheinbare Vogel hält sich aus der Politik völlig raus. n von Jutta Kochendörfer
A
usgerüstet mit Fernglas, Smartphone und einem kleinen Bluetooth-Lautsprecher wartet Aurelia nur kurz. Sie hat gerade eine Klangattrappe abgespielt, die für das Vogelmonitoring standardisiert ist. Nun lauscht sie der Antwort aus der Heidelandschaft – einer monotonen „wäd“-Serie mit nasaler Stimme, der Balzruf fällt leicht ab und erklingt nach einer Pause erneut. Auf dem sandigen Boden erkennt die Hobbyornithologin einen kleinen, dank Brauntönen gut getarnten Vogel: einen Wendehals. Um sein Vorkommen in einer Datenbank zu erfassen, besucht die ehrenamtliche Naturschützerin den ehemaligen Truppenübungsplatz im Süden von Hessen regelmäßig.
Hat man den Tarnkünstler entdeckt, ist der Wendehals leicht zu bestimmen. Das Gefieder und auch der lange Schwanz sind graubraun gescheckt, über den Rücken und über den Kopf verlaufen braune Bänder. Bei gutem Licht erkennt man drei dunkelbraune Querbinden in den Schwanzfedern sowie die pfeilspitzenförmige Zeichnung der Körperunterseite. Die kurzen Beinchen sind hellgrau und der schlanke Körper misst etwa 17 Zentimeter Länge. Kurz ist auch der Schnabel. Sein Flug ist eher langsam, im Wellental legt der Wendehals die Flügel an. In der Brutzeit schmücken sich die Männchen häufig mit einem rötlich-braunen Ton im Bauchgefieder. Ansonsten ähneln sich die beiden Geschlechter stark und auch die Jungvögel unterscheiden sich kaum von den Eltern.
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Hat sich ein Wendehals-Paar gefunden, bleiben die beiden sich während der Brutsaison treu.
Ein Ausnahme-Specht Er gehört zur Familie der Spechte, erinnert auf den ersten Blick jedoch eher an eine Lerche oder eine zierliche Drossel. Nicht allein seine Statur unterscheidet den Mini-Specht von der Verwandtschaft. Das Klettern und Landen an senkrechten Stämmen zählen nicht zu seinen Talenten. Er jagt fast ausschließlich auf dem Boden hüpfend nach Insekten, selten an Bäumen. Denn er besitzt keinen so kräftigen Schnabel
Fotos: IMAGO/UIG (o.), matuty/stock.adobe.com (u.)
Vornehm zurückhaltendes Outfit
Unbekannte Tierart wie andere Spechtarten, die die Borke weghacken können, um darunter nach Beute zu suchen. Zwar brütet der Wendehals in Höhlen, zimmert sie jedoch nicht selbst, sondern bezieht vorhandene Specht- oder natürliche Baumhöhlen sowie Nistkästen. Der kleine Specht macht auch in der kalten Jahreszeit sein eigenes Ding: Als einziger Langstreckenzieher in der Familie fliegt er gen Süden; die mitteleuropäischen Populationen überwintern in Afrika südlich der Sahara. Nur wenige südeuropäische WendehalsPopulationen bleiben das ganze Jahr über im Brutgebiet.
Manche Ameisen sind köstlich Mit seiner langen, klebrigen Zunge sammelt der Wendehals bevorzugt Ameisen-Larven oder -Puppen vom Boden auf, doch auch erwachsene Ameisen verschmäht er nicht. Manchmal öffnet er einen Ameisenbau mit Schnabelhieben, um an die Beute zu gelangen. Nur in geringem Maß ergänzen Blattläuse, Schmetterlingsraupen, kleine Käfer oder Früchte den Speiseplan. Somit ist der Wendehals sehr stark darauf angewiesen, dass „leckere“ Ameisen in seinem Brutgebiet leben: Rasen-, Wiesen- und Wegameisen schmecken ihm; hingegen meidet er die Rote Waldameise und deren engste Verwandte.
In Deutschland ist die Art selten In Mitteleuropa ist der Wendehals-Bestand rückläufig. Da Auwälder, lichte Laub- und Kiefernwälder, extensive Streuobstwiesen und große Parks mit alten Bäumen rar geworden sind, ist dieser Trend gravierend. Als Nahrungsspezialist braucht der Vogel offene Flächen mit lückiger Vegetation, auf denen er Ameisen und ihre Nester gut erreichen kann. Häufig sind dies nährstoffarme und extensiv genutzte Lebensräume. Zugleich müssen Bruthöhlen in Bäumen vorhanden sein, allerdings meidet die Art geschlossene Wälder. Überdüngung und Insektizide gefährden den Wendehals ebenso wie der Verlust an geeigneten Lebensräumen. n Die Elternvögel teilen sich das Brutgeschäft und Füttern der Nestlinge.
Fotos: IMAGO/UIG (0.), heitipaves/stock.adobe.com (Mitte l.), Юрій Балагула/stock.adobe.com (Mitte r.)
Steckbrief Wendehals (Jynx torquilla)
Aussehen: Etwa 17 cm Körperlänge, beide Geschlechter braungrau mit Zeichnungen, kurzer, spitzer Schnabel. Verwandtschaft: Familie der Spechte (Picidae)
Energiereich und leicht zu erbeuten: ein Happen aus Ameisenlarven.
Lebensraum: lichte Laub- und Kiefern- sowie Auwälder, Streuobstwiesen, Friedhöfe, Parklandschaften sowie Heide- und Weinbaugebiete mit alten Einzelbäumen. Ernährung: vorwiegend Ameisen
Eile beim Brutgeschäft Mitte April bis Anfang Mai kehren die Wendehälse aus dem Winterquartier zurück und beginnen sofort mit der Balz. Auch hierbei beeindrucken sie mit wendigen Kopfdrehungen. Die Partner necken sich bei Verfolgungsflügen, zeigen sich Bruthöhlen, rufen den wädGesang gerne auch im Duett und schließlich paaren sie sich – am liebsten auf dem Boden, selten auf Ästen. Das Weibchen legt etwa Mitte Mai meist bis zu zehn weiße Eier. Während der Brutsaison bleiben die Eltern ein Paar und wechseln sich beim Brüten ab. Sind die Jungvögel flügge, bleiben sie nur etwa zwei Wochen bei den Eltern. Wenn sie das Nistquartier verlassen, fliegen sie in der Regel gen Süden, in Zugrichtung. Nur selten bebrüten die Altvögel im selben Jahr ein Zweitgelege.
Brutverhalten: brütet Ende April bis Juli, nistet in natürlichen Baum- oder vorhandenen Spechthöhlen oder in Nistkästen. Zugverhalten: Langstreckenzieher, Überwinterung in Afrika oder Asien. Bestand in Deutschland: 10.000 bis 20.000 Brutpaare, vielerorts verschwunden oder vom Aussterben bedroht. Rote Liste: gefährdet. Schutzmaßnahmen: Erhalt alter Bäume, extensives Bewirtschaften von Streuobstwiesen, Nährstoffeintrag reduzieren.
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