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Deutsche Oper Berlin: Libretto #9 (Juni / Juli 2026)

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Juni / Juli 2026

Deutsche BerlinOper Libretto #9

Deutsche Oper Berlin, Juni / Juli 2026

Liebe Leserinnen und Leser, mit dieser Ausgabe von Libretto verabschieden wir uns von Ihnen. In siebenundsiebzig Ausgaben haben wir unsere Begeisterung für Musiktheater mit Ihnen geteilt und Geschichten über Opern und Inszenierungen erzählt. Stets aus der Perspektive der Menschen, die dafür arbeiten, dass Sie hier jeden Abend mitreißende und erfüllende Vorstellungen erleben. Die größte Überraschung war für uns selbst die schier unendliche Anzahl an spannenden Geschichten, die wir im Laufe der Jahre im Kosmos Opernhaus entdeckt haben. Auch das neue Leitungsteam wird ab der kommenden Spielzeit alles tun, um Sie für das vielfältige Programm der Deutschen Oper Berlin zu begeistern. Zukünftig wird die Kommunikation stärker auf digitalem Weg stattfinden, für den ein neues Team arbeiten wird. Zuvor aber gibt es dieses letzte Heft in gewohnter Form mit Geschichten um und über Oper: Auf diesen Seiten erfahren Sie mehr über unsere Neuproduktion ZAR UND ZIMMERMANN, über Christof Loys Leidenschaft für die spanische Zarzuela und über all das, was wir für Sie vorbereitet haben.Viel Vergnügen wünscht Ihr Redaktionsteam von Libretto und Libretto plus

Hefte hoch! Marketing, Presse, Dramaturgie, Gestaltung und Online: Acht Jahre, acht Spielzeiten lang erzählten Menschen aus allen Bereichen unseres Hauses mit dem Team von Grauel Publishing spannende Geschichten um die Welt der Oper. Nun ist Schluss. Wir sagen: Tschüss

ZAR UND ZIMMERMANN im Juni / Juli > 4 im Spielplan

3 Fragen

Nadja Mchantaf sang im Ensemble der Komischen Oper. Nun kommt sie endlich auch zu uns: als Marie in ZAR UND ZIMMERMANN

Ist ZAR UND ZIMMERMANN nicht eine Klamotte?

Jetzt nicht mehr. Regisseur Martin G. Berger hat Lortzings Libretto komplett überarbeitet und radikal aktualisiert. Ich habe die neuen Texte gelesen, dachte sofort, das möchte ich unbedingt machen. Das Stück ist plötzlich ganz nah an unserer Gegenwart.

Wie hat Berger die Figur der Marie modernisiert?

Ich dachte sofort an Luisa Neubauer. Die neue

Marie ist eine aktive junge Frau, sie stellt sich gegen die Politik ihres Onkels, des Bürgermeisters, engagiert sich für Geflüchtete und gründet eine Initiative.

Also eine Aktualisierung auch für Lortzing?

Ich fand ihn vorher schon spannend. Er kombiniert alles: Schauspiel, Gesang, Oper; war ein typischer Theatermensch, aber hat sich Zeit seines Lebens in keine Schublade pressen lassen. Das finde ich gut. Lortzing war ein Allrounder des Musiktheaters.

Online: Leseprobe und Vorsingen. Mchantaf über die Probenarbeiten

Gleich passiert’s Benjamin

A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM, 3. Akt

Verbotene Liebe, wilde Bestien, unglückliche Verstrickungen und ein tödlicher Ausgang: »Pyramus und Thisbe« hat alles, was eine antike Tragödie braucht!

Nur läuft nicht alles nach Plan – und das Theater auf dem Theater wird zum komödiantischen Höhepunkt von Brittens Vertonung des »Sommernachtstraums«.

A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM im Juni > 1 im Spielplan

Wieder an unserem Pult

Zuletzt stand Carter für NIXON IN CHINA an unserem Pult. Nur der Komponist John Adams selbst hat die Oper öfter dirigiert als Carter

TURANDOT im Juni > 2 im Spielplan

Daniel Carter ist Musikdirektor des Deutschen Nationaltheaters Weimar. An der Deutschen Oper Berlin dirigiert er TURANDOT, Puccinis letzte Oper

Sie ist Puccinis unfertige Oper und von allen PucciniOpern ist TURANDOT die modernste. Kompliziert, interessant dissonant, gibt rhythmisch selten nach, steht ständig auf dem Gaspedal. In einer Szene mit den Ministern Ping, Pang und Pong setzt das Ensemble durchweg musikalische Stiche. Die zweiten Geigen spielen Sextolen im Tremolo, verstärken die nervöse Stimmung. Das muss so sein, denn es gibt so viele Figuren in dieser Oper, dass zu frühe Entspannung ihr nicht guttun würde. Im dritten Akt ändert sich die musikalische Sprache, ich werde oft gefragt, ob man als Dirigent nicht in Versuchung geriete einzugreifen, etwa im Sinne Puccinis. Aber dieser Teil spricht ohnehin die Sprache von Franco Alfano, der die Oper ja vollendet hat. Die Musik duftet schon nach Hollywood und Korngold. Manchmal ist sie nur ein, zwei Schritte von Ravel entfernt. Auf diese musikalische Reise mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin zu gehen, ist stets ein Genuss. Dieser volle, warme, schöne Klang von höchster Qualität. Ein Jahr nach NIXON IN CHINA ist es, wie nach Hause zu kommen.

Lucero Tena spielt Kastagnetten aus Grenadill – ein afrikanisches Schwarzholz, das vor allem in Mosambik wächst. Es sorgt für einen besonders klaren, hellen Klang

Mein Instrument

Die Flamencotänzerin Lucero Tena gilt als Legende. In der »Gran Gala de Zarzuela« zeigt sie, was in ihren Kastagnetten steckt

Meine ersten Kastagnetten spielte ich in der Schule in Mexiko. Damals war ich vier Jahre alt. Heute, im Alter von achtundachtzig Jahren, liebe ich mein kleines Instrument noch immer. Kastagnetten sind meine Seele –mit Rhythmus. Als Jugendliche brachte mir die berühmte spanische Tänzerin Carmen Amaya bei, sie zum Flamenco zu spielen. Später ließ ich den Tanz hinter mir und beschloss, mir ein Repertoire für Kastagnetten als Soloinstrument aufzubauen: Mit Sonaten von Domenico Scarlatti, mit Konzertstücken, Opern –und natürlich mit Zarzuelas, dieser besonderen Form der spanischen Operette, um die sich der Regisseur Christof Loy so verdient macht. Er stellt sie in vielen Ländern vor, inszeniert sie modern, doch voll Respekt und Liebe für die Musik. Die Zarzuelas aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert vermitteln das Lebensgefühl des einfachen Volkes. Die Kastagnetten sind dabei ein Ausdruck von Glück und Ausgelassenheit. Dafür liebe ich mein kleines Instrument: Es schenkt Freude.

»Grand Gala de Zarzuela« im Juli > 7 im Spielplan

Dr. Takts Zeitreisen

Dr. Takt ist ein Zeitwanderer durch die Opernwelt. So manchen Komponisten besucht er. Wer weiß, ob er hier und da nicht sogar ein bisschen nachhilft?

Diesmal reist Dr. Takt ans Sterbebett von Giacomo Puccini, um mit dem Komponisten dessen letzte Oper TURANDOT zu vollenden – und verliert sich in den Zeiten

Neulich kam ich nach langer Dienstreise wieder mal ins Büro, da begrüßte mich die Pförtnerin: Ich sähe ja blendend aus, viel besser als in den Tagen zuvor. Auch sei ich wohl beim Friseur gewesen – und es sei okay, sich die grauen Haare zu färben. Mir war sofort klar, was passiert war, ich hatte mich selbst knapp verfehlt. Auf meinem Schreibtisch fand ich eine Notiz: Ich war am 25. April 1926 in Mailand zur posthumen Uraufführung von TURANDOT, Toscanini brach die Aufführung an der Stelle ab, wo die Partitur nicht mehr vollständig von Puccini ausgearbeitet war. Und ich war aber auch bei der zweiten Aufführung, mit dem Schluss, den Franco Alfano auf Basis von Puccinis Skizzen vollendet hatte. Alfano selbst war nicht wirklich glücklich, daher habe ich mich entschlossen, in den November 1924 zu Puccini ans Sterbebett zu reisen, um mit ihm gemeinsam die Oper zu vollenden – und diesen Schluss zum hundertsten Jubiläum der Uraufführung in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Und das, obwohl ich wüsste, wie groß das Risiko sei, Musik mit auf Zeitreisen zu nehmen. Um mich abzusichern daher wohl diese kurze Nachricht aus Zukunft und Vergangenheit ins Jetzt. Denn: Ich werde zwischen den Zeiten verloren gegangen worden sein. Und mit mir das Finale der TURANDOT.

TURANDOT im Juni > 2 im Spielplan

Christof Loy Los Austrias in Madrid

Wo das alte Madrid lebendig ist: Christof Loy über das Viertel

Los Austrias – und über seine Liebe zur spanischen Operette: der Zarzuela

Mein Seelenort ist »El Madrid de los Austrias«, also das Madrid der Österreicher. Der Name passt perfekt: Mein Lebensmittelpunkt ist nach wie vor Salzburg, in letzter Zeit bin allerdings beruflich immer wieder in Madrid, mit großer Freude. Das Viertel wurde nach seinen Erbauern benannt: Von der Mitte des 16. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts regierten die Habsburger in Spanien, machten Madrid zur Hauptstadt und prägten Stadtentwicklung und Architektur. Eine kulturelle Glanzzeit, das sieht man heute noch.

Los Austrias ist das alte Zentrum der Stadt, südlich der Gran Vía, nahe dem Teatro Real. Was mich hier sofort fasziniert hat, ist die besondere soziale Durchlässigkeit. Hier leben Arbeiter, Bürger und Großbürger Tür an Tür; aus der Mischung entsteht ein Lebensgefühl, das die Madrilenen »castizo« nennen. Es steht für den Stolz auf die eigene Tradition, die Verbundenheit mit der Geschichte, eine bestimmte Haltung, bestimmte

Umgangsformen. Das mag konservativ klingen, ist aber überhaupt nicht rückwärtsgewandt. Im Gegenteil. Man lebt aus einer Vergangenheit heraus und ist zugleich offen für die Gegenwart.

Vielleicht ist das deutsche Wort, das man verwenden könnte, ein altmodisches: Würde. Die umsichtige Art, auf sich selbst zu achten und zugleich auf den anderen. Diese Würde kann sehr direkt sein. Was ich an den Madrilenen schätze, ist ihre Fähigkeit zu streiten, offen und unmittelbar, ohne daraus gleich eine lebenslange Feindschaft zu machen. Man gerät heftig aneinander, fünf Minuten später ist alles wieder gut. Davon kann man viel lernen. Man wird hier schnell Teil eines Gefüges, wird eingeladen, aufgenommen, fast selbstverständlich in familiäre Strukturen integriert. Die Familie hat in Spanien einen anderen Stellenwert, sie ist unhinterfragbares Zentrum. Dieses Prinzip überträgt sich auf Freundschaften. Darin liegt etwas sehr Entlastendes, man muss nicht alles ständig infrage stellen. Wenn ich in Los Austrias bin, habe ich keine täglichen Rituale. Der Weg vom Theater in meine Wohnung reicht, um Teil des Stadtlebens zu werden. Ich lasse mich treiben, setze mich auf eine Terrasse oder verschwinde in einen der Second­Hand­Läden für VinylSchallplatten, die es hier noch gibt. Die Gran Vía mit ihren Handelsketten und Touristenmassen ist nur zwei Blocks entfernt – und scheint doch weit weg.

In Madrid begann meine Beschäftigung mit der Zarzuela. Die Gattung entstand im 17. Jahrhundert in der Nähe der Stadt, verbreitete sich bald über ganz Spanien bis nach Lateinamerika. In ihrer Blütezeit war sie echtes Volkstheater, warm, unmittelbar, voller Energie. Allein in Barcelona gab es im 19. Jahrhundert mehr

als dreißig Zarzuela­Theater. Nach meiner ersten Zarzuela­Aufführung war ich überwältigt, erinnerte mich an die Operetten, die ich als kleiner Junge mit meiner Großmutter besucht hatte. Die Identifikation, die Nähe, die Selbstverständlichkeit, mit der Bühne und Zuschauer einander tragen – das hat mich tief berührt. Umso erstaunlicher, dass selbst in Spanien viele mit der Gattung kaum noch etwas anfangen können.

Dabei ist die Zarzuela viel mehr als Musiktheater. Sie ist subversiv, hinterfragt soziale Strukturen, spielt mit Geschlechterrollen, macht sich lustig über Machismo und männliche Selbstgewissheiten. Frauen sind meist die Klügeren. Dass davon so viel verschüttet wurde, hat auch mit dem Franco ­Regime zu tun, das die Zarzuela für einen falschen Nationalstolz vereinnahmte und sie damit ihres Kerns beraubte. Man reduzierte sie auf das Eingängige, Behagliche, obwohl in ihr von Anfang an viel mehr steckte.

Diese Vielfalt möchte ich mit unserem Abend zeigen: die Lebensenergie, aber auch die Melancholie, die Tiefe, die Traurigkeit. Bekanntes neben Verschüttetem, Raritäten, die wir erst wieder freilegen mussten. Es soll ein Kaleidoskop entstehen, wir wollen zeigen, wie reich die Zarzuela ist. Mit sieben Sängerinnen und Sängern erzählen wir keine lineare Geschichte, sondern wir gehen auf eine emotionale Reise: Begegnungen, Trennungen, Wiederannäherungen, wie im »Reigen« von Arthur Schnitzler. Ich werde selbst ein paar Worte zu einzelnen Stücken sagen – in der Hoffnung, dass sich an diesem Abend etwas von jenem Zauber zeigt, der die Zarzuela für mich so besonders macht.

»Gran

Los Austrias ist das alte Zentrum, benannt nach den österreichischen Habsburgern, die einst in Madrid residierten. Von hier aus erkundet Christof Loy die Welt der spanischen Operette

Gala de Zarzuela« im Juli > 7 im Spielplan

Wusstest du, dass

Teenager hier ’ne Szene machen?

Danielle war bei vielen partizipativen Projekten der Jungen Deutschen Oper dabei. Diesmal geht es um pure Emotion Bei »Teenie Times« entwickeln wir – zwölf Jugendliche von dreizehn bis achtzehn Jahren, mit und ohne Behinderung – unser eigenes Stück. Wir schreiben Texte, machen Musik, erfinden Theaterszenen, singen, tanzen und diskutieren ständig: Was heißt eigentlich Macht? Und was wäre, wenn Jugendliche mehr davon hätten? Manchmal denken alle sofort an Politik oder Erwachsene, die entscheiden dürfen. Aber bei uns geht es auch um kleinere Dinge: Wer wird ernst genommen? Wer darf bestimmen, was »normal« ist? Und wer bekommt überhaupt die Chance, sich zu zeigen? Macht kann bedeuten, dass jemand dir zuhört, dass du nicht unterbrochen wirst oder dass du Raum hast, laut oder leise zu sein. In der Pubertät wird im Kopf alles umgebaut: Unsere Gefühle sind schneller als unsere Gedanken –Angst, Wut, Freude, alles kommt auf einmal. Genau dieses Chaos, das ein Teil von uns ist, machen wir zu Musiktheater.

»Teenie Times« im Juni > 6 im Spielplan

ZAR UND ZIMMERMANN: Bei der letzten Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin, 1985, führte Winfried Bauernfeind Regie. Den Zar sang Wolfgang Brendel

Oper von unten Was mich bewegt

Kein deutscher Komponist kannte sein Publikum so genau wie Albert Lortzing. Seine Opern sind Meisterwerke aus dem Geist der Theaterpraxis. Jörg Königsdorf erklärt den Klassiker

Wahrscheinlich war Albert Lortzing in seinem knapp 50jährigen Leben selten so glücklich wie in den Tagen nach dem 4. Januar 1839. Auch der damals in Berlin ungewöhnlich strenge Winter dürfte sein Hochgefühl kaum beeinträchtigt haben. Nach der umjubelten Premiere seiner zweiten Oper wähnte er sich am Ziel: Die Berliner Aufführung von ZAR UND ZIMMERMANN an der Königlichen Hofoper Unter den Linden markiert das Datum, an dem die Weltöffentlichkeit auf einen Schlag von dem Opernkomponisten Lortzing Notiz nimmt. Und nicht nur das, kurz darauf schreibt der Kritikerpapst Ludwig Rellstab, er halte diese Oper »für unbedingt das beste Werk, das von einem jüngeren deutschen Komponisten auf die Bühne gebracht wurde, seit ich die kritische Feder über Musikaufführungen in Berlin geführt habe«. Mit 38 Jahren ist Lortzing der Mann der Stunde, der Hoffnungsträger der deutschen Opernszene.

Der Sensationserfolg ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zunächst ist die Berliner Premiere von ZAR UND ZIMMERMANN keineswegs die Uraufführung. Die fand ein Jahr zuvor in Leipzig statt, dort wurde die Oper freundlich aufgenommen, löste aber keineswegs jenen Taumel aus, in dessen Folge das Werk seinen Siegeszug rund um die Welt antreten wird. Und dann ist der Komponist auch noch ein quasi Unbekannter: Vor dem ZAR trat Albert Lortzing nur mit einer Oper an die Öffentlichkeit. Auch die war schon eine Verwechslungskomödie, leichte Unterhaltung fürs breite Publikum, reichte aber (noch) nicht für einen Platz unter den Großen seiner Zunft.

Tatsächlich wirkt der Erfolg Lortzings wie eine Antithese zum romantischen Geniekult jener Tage.

Während der berühmteste deutsche Komponist der Zeit, Felix Mendelssohn Bartholdy, vor lauter Grübelei über das Wesen des Musiktheaters und unter dem Druck, etwas grundsätzlich Neues schaffen zu müssen, in Skizzen und Entwürfen steckenbleibt, kommt Lortzing einfach daher und zeigt, wie es geht. Zeigt, dass gutes Musiktheater aus der Praxis entsteht und daraus, dass einer mit offenen Ohren und Augen das Geschehen auf der Bühne aufsaugt.

Von dieser Praxiserfahrung nämlich besitzt kein deutscher Komponist mehr als Lortzing. Er wächst in die Welt der Bühne buchstäblich hinein, seit die theaterbegeisterten Eltern nach dem Bankrott ihres Berliner Lederwarengeschäfts ihr Hobby zum Beruf gemacht und sich einer Schauspieltruppe angeschlossen haben. Lortzing lernt das Metier des Theaters als Schauspieler und Sänger, als Mozarts Don Giovanni, als jugendlicher Liebhaber in den populären Lustspielen August von Kotzebues und als Komiker in schlichten Possen. Jeden Abend bekommt er auf der Bühne selbst zu spüren, wann sein Publikum in Düsseldorf, Detmold oder Leipzig lacht, wann es gerührt oder gespannt ist, wann

ZAR UND ZIMMERMANN von Albert Lortzing

Musikalische Leitung

Antonello Manacorda Inszenierung

Martin G. Berger

Premiere 20. Juni 2026

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es sich langweilt.Was das Musikalische angeht, ist er weitgehend Autodidakt, lernt von den Opern Mozarts, Rossinis und Bellinis – auch daher traut er sich wohl erst vergleichsweise spät als Komponist an das Licht der Öffentlichkeit.

Das Besondere an Lortzing ist vielleicht, dass ein Künstler seine Werke nicht in erster Linie als Selbstverwirklichung begreift, sondern vom Publikum her denkt, unterhalten will, im besten Sinne. Auch deshalb schreibt Lortzing die Texte zu seinen Opern meist selbst, als einziger deutscher Komponist vor Wagner. Und wie sicher er Pointen setzen kann, zeigt kein Stück besser als ZAR UND ZIMMERMANN, dessen Erfolg nicht nur auf eingängige Melodien wie den berühmten Holzschuhtanz zurückgeht, sondern vor allem auf eine Verschmelzung von Wortwitz und musikalischer Komik. Kein Wunder, dass der notorisch überforderte Bürgermeister van Bett, der in seiner Auftrittsarie »O sancta justizia!« genau diese Register bedient, sofort zur populärsten Figur der Oper wird.Um das geniale Spiel aus Witz und Musikalität in die Gegenwart zu holen, präsentieren wir fast zweihundert Jahre später einen ZAR, dessen Libretto von Regisseur und Autor Martin G. Berger aktualisiert wurde.

Lortzings Hoffnungen nach der Berliner Premiere indes sollten sich nicht erfüllen: Während seine Opern überall gespielt werden, profitiert er selbst kaum. Als er 1851 im Alter von fünfzig Jahren stirbt, hinterlässt er Frau und Kinder in Armut. Immerhin errichten die Berliner ihrem wortgewandten Komponisten im großen Tiergarten später ein Denkmal.

ZAR UND ZIMMERMANN im Juni / Juli > 4 im Spielplan

Albert Lortzing (rechts) mit seinen Freunden, dem Journalisten Carl Herloßsohn (Mitte) und dem Zeichner Carl Ferdinand Berthold

Die Verwandlung

In Benjamin Brittens A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM singt der Bass Patrick Guetti den Nick Bottom. Egal ob als armer Weber, naiver Laienschauspieler oder als hässlicher Esel: Nick Bottoms gute Laune bleibt stabil

Dieses Kostüm ist so bequem und angenehm zu tragen, Hut, Mantel, Weste, die weit geschnittene Hose, ich könnte damit in der U8 sitzen und würde kaum auffallen. Gleichzeitig hilft mir der Look, in meine Rolle zu schlüpfen. Der Weber Nick Bottom ist einer der Laienschauspieler, die ein Theaterstück einstudieren. Er ist komplett mit sich im Reinen, würde am liebsten alle Rollen spielen – seine naive Selbstüberschätzung macht die Figur so komisch. Irgendwann wird er in einen Esel verwandelt, mit Hufen und langen Ohren, entsetzt flüchten seine Mitspieler vor ihm. Mein Eselskostüm ist das Gegenteil des Anzugs, aber Bottom bleibt auch als hässliche Kreatur super entspannt, denn die verzauberte Tytania ist ihm ja in Liebe verfallen. Auch die Komik hilft, in die Rolle zu finden. Und wenn der Text dann auch noch original von Shakespeare stammt, also in meiner Muttersprache verfasst ist, dann ist es ein besonderer Genuss, auf der Bühne zu stehen.

MIDSUMMER NIGHT’S DREAM im Juni > 1 im Spielplan

Guetti im Garderobentrakt: Vielleicht einfach alles nehmen? Ganz wie seine Figur Nick Bottom, der am liebsten jeden Part des Schauspiels, das er mit seinen Kollegen einstudiert, selber spielen will

Hinter der Bühne

Kampftrainer Mark Ruddick (r.) leitet die Sänger beim Schwerttraining für die Händel ­ Oper

GIULIO CESARE IN EGITTO an

Meine Aufgabe war es, 2018 die Kämpfe dieser Inszenierung neu zu choreografieren und sie heutigen Sehgewohnheiten anzupassen. Wir sind aus Fantasyfilmen recht brutale Schwertkämpfe gewohnt, auch das ist Teil des Jobs: die schiere Gewalt, den archaischen Horror auf die Bühne zu bringen, der im Kampf steckt. Die Inszenierung von David McVicar ist leichtfüßig, aber im Kern dreht sie sich um Macht und Gewalt. Ich studiere seit vielen Jahren HEMA (Historic European Martial Arts); viele Forscher, Waffenschmiede, Kampfkünstler und Stuntmen restaurieren gerade die mittelalterlichen Kampftechniken. Und die wird es auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin zu sehen geben. Rund zwei Wochen dauert es, bis das Muskelgedächtnis die acht grundsätzlichen Stich­, Hieb ­ und ParierTechniken lernt, inklusive der Schritte. So entsteht Sicherheit – und Wucht. Wenn ich bei den Proben irgendwann Ärger mit dem Dirigenten bekomme, weil wir zu laut sind, weiß ich: Alles richtig gemacht.

GIULIO CESARE IN EGITTO im Juli > 8 im Spielplan

Der Operntherapeut

Patienten: Musetta und Marcello

Sie lieben einander mit großer Geste, verletzen einander mit Präzision. Zwischen Eifersucht, Provokation und Geldmangel gelingen Musetta und Marcello weder Trennung noch Vertrauen. Sie suchen Hilfe: beim Operntherapeuten

Fachärztlicher Bericht:

Überweisungsgrund Wiederkehrende Beziehungseskalationen, Eifersucht, Kränkungskaskaden

Anamnese Patienten erscheinen getrennt. Musetta habe nach erneutem »Eifersuchtsanfall« Abstand gebraucht. Marcello beklagt demonstratives Flirten, »ständige Schauspielerei«, sodass »immer ein halbes Café« zusehe. Beide stecken in chronisch überhitzter Beziehung. Puccini zeichnet das präzise. Musettas Walzer »Quando me’n vo’« ist Selbstinszenierung als Beziehungswaffe; Marcello stört die Linie mit gereizten Einwürfen, übernimmt dann doch ihre Melodie. Im dritten Akt prallen zwei Liebeswelten aufeinander: Mimì und Rodolfo im Legato, Musetta und Marcello in scharfen Gesten. Die kalte Klanglandschaft macht hörbar, wie sehr Armut, Enge die Nerven angreifen.

Diagnostische Einschätzung Z63.0 Partnerschaftskonflikt mit Trennungs ­ und Versöhnungszyklen, Z59.6 Geldmangel als Belastungsfaktor

Therapieplanung und Zielsetzung Keine Eifersuchtsdebatten im Affekt, keine Vergeltungsflirts. Auswege aus dem bohèmistischen Lebensstil entwickeln. Paartherapie ist Selbstzahlerleistung: Marcello bietet an, als Gegenleistung das Wartezimmer zu bemalen.

Prognose Verhalten optimistisch. Patienten sind grundsätzlich bindungsfähig, emotional beweglich. Rückfallgefahr bei Tavernenbesuch und jeglicher Form von Walzer oder anderen Tanzvergnügen.

BOHÈME im Juni / Juli > 5 im Spielplan

Da war was los!

Große Gefühle, Intrigen, Neid, Missgunst. Wir blicken zurück auf die spektakulärsten Aufreger an der Deutschen Oper Berlin. Diesmal, 1958: eine »schwarze Carmen« auf der Bühne

Am 6. Februar 1958 erhalten die Bemühungen Westberlins, sich als weltoffene Metropole zu präsentieren, einen Dämpfer. Noch zwanzig Minuten nach Ende der CARMEN­Premiere protestieren Teile des Publikums gegen den regieführenden Intendanten Carl Ebert und die Interpretin der Titelpartie, die junge Schwarze Mezzosopranistin Vera Little. »Little, go home«, »Ami, go home« skandieren die meist jungen Leute im Theater des Westens; die Premiere gerät zum Politikum. Dabei steht – anders als in den USA, wo sich Schwarze Opernsänger und ­ sängerinnen gerade den Zugang zur Opernbühne erkämpfen – weniger die Hautfarbe als die Nationalität Littles im Zentrum des Protests. In weiten Kreisen herrscht die Sorge, die neuen Impulse aus den USA könnten die deutsche Kultur verdrängen. Das betrifft Film, Jazz und Musik und so auch die Opernhäuser, deren Ensembles gerade durch viele junge Sänger und Sängerinnen aus Amerika bereichert werden. Der mächtige Volksbildungssenator Joachim Tiburtius signalisiert Ebert, doch bitte mehr deutsche Kräfte zu engagieren. Doch Ebert bleibt standhaft. Vera Little wird bald das Publikum für sich gewinnen und bis zu ihrem Lebensende 2012 in Berlin bleiben.

Mehr Unerhörtes in der Foyer­Ausstellung »Skandal!«

Meine Liste

Es gibt Träume jenseits der Oper: Was Opernstars unbedingt noch schaffen wollen

Christoph Seuferle ist Talentscout und Förderer, sein Adress buch: heiß begehrt. Fast zwanzig Jahre lang holte der Operndirektor Sängerinnen und Sänger aus aller Welt an unser Haus. Diese Spielzeit hat er als Interimsintendant geleitet. Nun verabschiedet er sich in den Ruhestand. Wir fragen: Was kommt nach der Oper?

1.

Berlin und Paris erkunden

Ich habe acht Jahre in Paris gelebt, von 1994 bis 2002, aber die Stadt nur aus Opernperspektive erlebt. In Berlin ist das nicht anders. Während der Pandemie habe ich immerhin die Berliner Friedhöfe erkundet –das war überraschend wie bereichernd. Nun bricht die Zeit der Exkursionen an, in zwei herrlichen Städten.

2.

Ein Haus in der Normandie finden

Bald werde ich nicht mehr jeden Morgen bangen müssen, ob alle für die Vorstellung gesund und bereit sind. Dann geht es nur um mich. Mein Partner wohnt in Paris, ich bin also schon immer viel zwischen Berlin und Frankreich gependelt. Unser gemeinsamer Traum ist schon lange ein Haus am Meer, an der französischen Atlantikküste mit ihren weiten Stränden, dem Wind und dem ehrlichen Wetter. Nachdenken, wann immer man möchte, Ruhe finden, auf die Wellen schauen und mit der Weite des Blicks tief ins eigene Ich blicken. Wundervoll, ich freu mich schon sehr!

3. Die ehemaligen Rivalen besuchen

Meist habe ich unter der Woche nur zwei, drei Abende frei, und die widme ich, wie manche bestimmt verstehen können, gern anderen Dingen als Oper, Freunden zum Beispiel. Wir haben in Berlin diesen super Luxus von drei Opernhäusern, ich habe die Kollegen und Kolleginnen zu selten besucht. Das wird sich ändern.

Rätselhaft

Ihnen ist Oper kein Geheimnis? Dann raten Sie mal, was wir hier suchen (von oben): Komponist*in, Werk, Regisseur*in. Ein Tipp: Beachten Sie, wie sich das, was Sie sehen, anhört – auch in unter schiedlichen Sprachen!

Bitte senden Sie die Lösungen bis zum 15. Mai 2026 an diese Adresse: libretto@deutscheoperberlin.de. Unter allen Einsendungen verlosen wir zwei Eintrittskarten für die Premiere von ZAR UND ZIMMERMANN am 20. Juni um 18 Uhr in der Deutschen Oper Berlin. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Auflösung aus Libretto #8: Benjamin Britten, A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM, Ted Huffman

Herausgeber Deutsche Oper Berlin – Stiftung Oper in Berlin

Intendant Christoph Seuferle

Geschäftsführender Direktor Thomas Fehrle

Generalmusikdirektor Sir Donald Runnicles

Konzept Grauel Publishing / Redaktion Ralf Grauel; Tilman Mühlenberg Texte und Redaktion für die Deutsche Oper Berlin Jörg Königsdorf [verantwortlich], Kirsten Hehmeyer, Marion Mair, Wenke Vendt, Dramaturgie, Marketing / Gestaltung und Satz Sandra Kastl

Anzeigen und Vertrieb anzeigen@deutscheoperberlin.de

Druck PIEREG Druckcenter Berlin GmbH

Libretto erscheint zehnmal pro Spielzeit

Bestellung und Anregungen libretto@deutscheoperberlin.de

Bildnachweise Impressum

Cover Bettina Stöß / Editorial Nancy Jesse / Drei Fragen Jan Windszus / Gleich passiert’s Bettina Stöß [2] / Wieder an unserem Pult Annemone Taake / Mein Instrument Agentur / Dr. Takts Zeitreisen Eva Hartmann / Mein Seelenort Michal Novak / Wusstest Du schon? Dora Csala / Was mich bewegt kranichphoto, Nancy Jesse, Alamy / Die Verwandlung Peter Adamki, Nancy Jesse / Hinter der Bühne Nancy Jesse / Operntherapeut Bettina Stöß [2] / Da war was los Bart Sparnaaij / Meine Liste Nancy Jesse / Das muss ich nochmal sehen privat, Marcus Lieberenz

Cover: Szenenfoto A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM

Wir danken unserem Medienpartner.

Das muss ich nochmal sehen!

Chefdramaturg Jörg Königsdorf hat die Inszenierung von CARMEN betreut. Bevor er das Haus verlässt, will er von ihr Abschied nehmen

An unserer CARMEN hängt mein Herz besonders. Sicher auch, weil die Produktion unter dramatischen Umständen entstand: Während der Proben wurde am Heiligabend 2017 der Bühnenraum durch einen Wasserschaden geflutet, so dass lange infrage stand, ob die Premiere im Januar überhaupt stattfinden würde. Für mich trifft die Inszenierung die Mischung aus schräger Operette, großer Oper und realistischem Drama, die CARMEN so einmalig macht. Und wenn der Torero Escamillo Carmen als Zeichen seiner Verehrung Stierhoden anbietet, ist immer Leben in der Bude. Bei Carmen hat er zwar keinen Erfolg, aber bei den Tastführungen, die wir für Sehbehinderte anbieten, greifen alle gern zu.

CARMEN im Juni > 3 im Spielplan

JuniSpielplan / Juli 2026

Premieren, Repertoire, Uraufführungen –Musiktheater im großen Saal und in der Tischlerei

Das rote Kleid ist da und der Stier ebenfalls ­ doch unsere CARMEN hat auch eine Menge Überraschungen zu bieten

20., 25., 27. Juni; 2., 9., 11. Juli 2026

Opernwerkstatt: 15. Juni 2026 *

Zar und Zimmermann

Albert Lortzing

Dirigent Antonello Manacorda

Regie Martin G. Berger

Mit Artur Garbas, Philipp Kapeller, Patrick Zielke / Tobias Kehrer, Nadja Mchantaf, Jared Werlein, Padraic Rowan, Kieran Carrel, Stephanie Wake ­ Edwards u. a.

Dauer 2:45 | Eine Pause | 12+

Nahezu beispiellos ist das Verschwinden der Opern Lortzings von den Bühnen. Dieses Schicksal teilt auch sein größter Erfolg ZAR UND ZIMMERMANN – und das trotz Evergreens wie dem »Holzschuhtanz« und der Arie »Lebe wohl, mein flandrisch Mädchen«. Der Regisseur Martin G. Berger möchte dies jetzt ändern und holt die Verwechslungskomödie ins Heute: Der Stolz des imaginären Zarentum Tschirikistan sind seine Kanuwerkstätten, die aber gegenüber der Konkurrenz anderer Länder zusehends ins Hintertreffen geraten. So betreibt der Zar Industriespionage im Westen und begegnet dabei nicht nur einem Deserteur, sondern auch einer Aktivistin namens Marie.

Lesen Sie auch S. 5, 22-27

4. Juli 2026

Gran Gala de Zarzuela

Christof Loy und Los Paladines

Dirigent José Miguel Pérez­Sierra Regie Christof Loy Mit Lucero Tena, Mané Galoyan, Rolando Villazón u. a.

Dauer 2:00 | Eine Pause

Christof Loy hat mit Werken wie DAS WUNDER DER HELIANE, DER SCHATZGRÄBER, LA FIAMMA oder FEDORA unerhörte Opernwelten der Jahrhundertwende erschlossen. Doch seine Liebe gehört auch der spanischen Zarzuela. Er gründete für dieses Herzensprojekt die Kompagnie Los Paladines und wurde im Februar 2026 für dieses Engagement als »Bester Entrepreneur«, als Botschafter eines »immateriellen Kulturguts«, mit dem Oper! Award geehrt. Lassen auch Sie sich begeistern!

Lesen Sie auch S. 11, 14-19

* Opernwerkstatt Lernen Sie schon einige Tage vor der Premiere die Inszenierung und Musik kennen. Nach einer Einführung ins Werk besuchen Sie eine Bühnenorchesterprobe. Moderation Jörg Königsdorf

Im Repertoire

4., 6. Juni 2026

A Midsummer

Night’s Dream

Benjamin Britten

Dirigentin Dalia Stasevska

Regie Ted Huffman

Mit Iestyn Davies, Alexandra Oomens, Jami Reid­ Quarrell, Padraic Rowan, Lucy Baker, Thomas Cilluffo, Tom Nicholson, Stephanie Wake ­ Edwards, Maria Vasilevskaya, Patrick Guetti, Jared Werlein, Kangyoon Shine Lee, Joel Allison, Jörg Schörner, Benjamin Dickerson u. a.

Dauer 3:00 | Eine Pause | 14+

Brittens Werk beschwört auf märchenhaft komödiantische Weise eine Gegenwelt zum Alltag. In der Inszenierung Ted Huffmans ist das Zauberreich des Elfenkönigs ein Ort der Poesie und des Geheimnisses, der Träume und des Theaters zugleich. Hier braucht es oft nur einfache Mittel, um die Fantasie zu wecken: einen Mond, eine Leiter oder auch den skurrilen dienstbaren Geist namens Puck, der in kurzen Hosen und Zylinder durch die Luft fliegt.

Lesen Sie auch S. 7, 28

5., 13., 23. Juni 2026

Turandot

Giacomo Puccini

Dirigent Daniel Carter

Regie Lorenzo Fioroni

Mit Catherine Foster, Clemens Bieber, SeokJong Baek, Maria Motolygina, Byung Gil Kim, Michael Bachtadze, Kangyoon Shine Lee, Thomas Cilluffo, Volodymyr Morozov u. a.

Dauer 2:30 | Eine Pause | 15+

Mit seiner letzten Oper beschritt Puccini neue Wege und schuf einen in dieser Form und Prägnanz nie dagewesenen Typus von Choroper. Zugleich entstanden darin Arien für die Ewigkeit, allen voran das weltberühmte »Nessun dorma«. Die Inszenierung von Lorenzo Fioroni verweigert sich nicht nur konsequent musikalischen Schwelgereien, Schnörkeln und Exotismen, sondern konterkariert auch das nach dem Tod Puccinis notdürftig vervollständigte Ende.

Lesen Sie auch S. 9, 13

Im Repertoire

7., 12. Juni 2026

Carmen

Georges Bizet

Dirigentin Anna Handler

Regie Ole Anders Tandberg

Mit Aleksandra Meteleva, Lilit Davtyan, Martina Baroni, Maria Motolygina, Andrei Danilov, Thomas Lehman, Jared Werlein, Byung Gil Kim, Kieran Carrel, Philipp Jekal u. a.

Dauer 3:00 | Eine Pause | 14+

Die von Georges Bizet so bezeichnete »Operette mit bösem Ende« forderte 1875 das romantische Paradigma der passiven Frauenrolle heraus, indem sie weiblicher Selbstbestimmung und Freiheitsliebe eine Bühne bot. Der norwegische Regisseur Ole Anders Tandberg greift dieses emanzipatorische Frauenbild auf und siedelt das Geschehen in einem Raum zwischen brutalster Realität und einer surrealen, mit CARMENKlischees spielenden Fantasiewelt an.

Lesen Sie auch S. 40

14. Juni 2026

Die Zauberflöte

Wolfgang Amadeus Mozart

Dirigentin Anna Handler

Regie Günter Krämer Mit Tobias Kehrer, Andrei Danilov, Michael Bachtadze, Benjamin Dickerson, Jörg Schörner, Hye ­Young Moon, Lilit Davtyan, Maria Motolygina, Martina Baroni, Aleksandra Meteleva, Meechot Marrero, Philipp Jekal, Burkhard Ulrich, Thaisen Rusch, Volodymyr Morozov, Solist*innen des Kinderchores u. a.

Dauer 3:00 | Eine Pause | 10+

In der Mischung aus Volkstheater, Freimaurermysterium und Märchen ist diese Oper die wohl meistgespielte im deutschen Sprachraum und in der farbenfroh­bildstarken Inszenierung von Günter Krämer ein Favorit unseres Publikums und ein sinnlich­heiteres Einstiegswerk in die Welt der Oper.

26., 28., 30. Juni; 3. Juli 2026

La bohème

Giacomo Puccini

Dirigent*in Juraj Valčuha / Anna Handler [Juli]

Regie Götz Friedrich

Mit Attilio Glaser, Philipp Jekal, Thomas Lehman, Joel Allison, Jörg Schörner, Maria Motolygina, Alexandra Oomens, Michael Dimovski, Burkhard Ulrich u. a.

Dauer 2:30 | Eine Pause | 12+

Puccinis Vertonung der »Szenen aus dem Leben der Bohème« ist die wohl berühmteste aller Künstleropern und zugleich das Porträt einer Gruppe junger Menschen, die in den Tag hineinleben, ohne die Folgen ihres Tuns zu bedenken: Puccinis Meisterwerk in einer klassisch­zeitlosen Inszenierung, dargestellt mit der Spielfreude der jungen Sänger*innen unseres Ensembles.

Lesen Sie auch S. 33

5., 8. Juli 2026

Giulio Cesare in Egitto

Friedrich Händel

Dirigent Alessandro Quarta Regie David McVicar Mit Christophe Dumaux, Elena Tsallagova, Stephanie Wake ­ Edwards, Martina Baroni, Cameron Shabazi, Michael Sumuel, Edu Rojas, Jared Werlein u. a.

Dauer 4:30 | Zwei Pausen | 13+

Tiefste moralische Entrüstung steht direkt neben strategisch eingesetzter Koketterie, die Verzweiflung von schutzlosen Flüchtlingen ist verstrickt in das Ränkespiel der Mächtigen. Wir präsentieren Ihnen dieses Meisterwerk in der gefeierten Produktion David McVicars. Er nutzt die Elemente des barocken Soffittentheaters, um ein abwechslungsreiches Spiel zu entfalten, in dem Raum für die großen tragischen Gefühle ist, das aber auch mit Charme und Humor die Avancen Cleopatras gegenüber dem starken Mann aus Rom auskostet.

Lesen Sie auch S. 31

In Tischlerei und Foyer

6., 7. Juni 2026 | Foyer

WERTschätze

Generationenchor x Kinderclub

Ltg. Kinderclub Niklas Brubach

Ltg. Generationenchor Senta Aue

Dauer 1:00 | Keine Pause | 9+

»Was ist wem wie viel wert?« Vor dem Hintergrund aktueller Sparmaßnahmen nähern sich unser Kinderclub und Generationenchor in einem generationsübergreifenden Chorund Theaterprojekt dieser Frage. Eine Erkundung, ob die Generationen Wert auf unterschiedliche Dinge legen – oder ob sie vielleicht sogar mehr verbindet, als sie trennt.

26., 27., 28. Juni 2026 | Tischlerei

Teenie Times

Inklusives Musiktheater

Dauer 1:30 | Keine Pause | 13+

TEENIE TIMES ist ein Zustand, ein Umlernen für eine neue Zeit. In einer Versuchsanordnung für Selbstermächtigung, Ausdruck und Austausch widmen sich 20 Jugendliche und eine Teenieband dem Thema Umbau — im Kleinen wie im Großen, in Köpfen, Körpern, Zimmern und (in einer beängstigend erfreulichen Dimension) der Welt.

Lesen Sie auch S. 20

11. Juni 2026 | Tischlerei

Quergeister

6. Tischlereikonzert

Mit Akademist*innen des Orchesters

Dauer 2:00 | Eine Pause

Um vom Komponieren zu leben, mussten sich Komponisten sehr oft den Vorstellungen ihrer Auftraggeber unterordnen, Auftragswerke schreiben, stilistische oder besetzungstechnische Vorgaben erfüllen. Manche widersetzten sich. Hören Sie Werke u. a. von Ludwig van Beethoven, George Antheil, Dmitri Schostakowitsch, Aleksey Igudesman und Charles Ives.

8., 9. Juli 2026 | Tischlerei

Scheherazade

Jazz & Lyrics IV

Dirigent Martin Auer

Mit dem Wilden Jazzorchester

Dauer 1:30 | Keine Pause | 6+

Das Wilde Jazzorchester und sein Leiter Martin Auer verwandeln die Geschichten von »1001 Nacht« in Jazzmärchen. Live präsentieren sie hier an diesen beiden Terminen ihr neuestes Erzählkonzert und knüpfen damit an »Das Gespenst von Canterville«, »Die Ballade von Robin Hood« u. »Das Dschungelbuch« an.

Staatsballett Berlin

21. [2x], 22., 24. Juni; 1., 7., 10., 12. Juli 2026

Ein Sommernachtstraum

Edward Clug / Milko Lazar

Dirigent Robert Reimer

Mit Tänzer*innen der Staatsballetts Berlin, Orchester der Deutschen Oper Berlin Dauer 2:20 | Eine Pause

Diese Komödie, die die Macht der Liebe, die Verwirrungen menschlicher Gefühle und die Magie der Fantasie erkundet, ist eines der bekanntesten Werke Shakespeares.

Edward Clug entführt mit seiner Bühnenvision dieses Klassikers in eine Welt voller Magie und tiefer Emotionen. Seine choreografische Interpretation zu der eigens für dieses Stück komponierten Musik von Milko Lazar erzählt Shakespeare mit dem Blick von heute –eine Geschichte, die die Tiefen der menschlichen Natur erforscht und dabei humorvoll und verzaubernd bleibt.

7. Juli 2026

Helden

Konzept Tanzpädagog*innen des Staatsballetts

Mit über 100 Kindern und Jugendlichen aus vier verschiedenen Schulen Berlins sowie 30 erwachsenen Hobbytänzer*innen

»Heroes, (if) just for one day«? In einer fesselnden Tanzperformance entfaltet sich eine Reise durch fremde Welten – und das eigene Ich. Eine Gruppe Reisender bewegt sich zwischen Identitäten, zwischen Wahrheit und Täuschung. Mit jeder Bewegung verwandeln sie sich, verlieren und erfinden sie sich neu. Was bleibt, wenn Masken fallen und Rollen zerbrechen? Put your helmets on und erkundet mit uns den Planeten des eigenen Selbst!

27. Juni 2026

Training zum Zuschauen

Vorhang auf für einen Ausschnitt aus der täglichen Arbeit, die sonst nur im Verborgenen geschieht! Denn was auf der Bühne leicht und schwerelos aussieht, erfordert harte Arbeit und unerbittliche Disziplin.

Karten, Preise, Adressen

Unsere Adressen

Großes Haus

Bismarckstraße 35, 10627 Berlin

Tischlerei

Richard­Wagner­Straße / Ecke Zillestraße, 10585 Berlin [direkt an der Rückseite der Deutschen Oper Berlin]

Kartenverkauf

Webshop www.deutscheoperberlin.de

Am Telefon

T +49 30 343 84 343

Mo – Sa 9.00 – 20.00 Uhr

So, feiertags 12.00 – 20.00 Uhr

An der Tageskasse

[Bismarckstraße 35]

Fr – Sa 12.00 – 19.00 Uhr

So – Do, feiertags geschlossen

Abendkasse

[Bismarckstraße 35]

Für Vorstellungen im großen Haus ab 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn.

Für Vorstellungen in der Tischlerei gibt es keine Abendkasse.

Sie wollen generelle Ermäßigungen nutzen?

Deutsche Oper Card

Die Deutsche Oper Card 25/26 kostet einmalig € 75,00 und berechtigt Sie zum Kauf von bis zu zwei Karten für sich und Ihre Begleitung mit einer Ermäßigung von 30% je Vorstellung der Preiskategorien A bis E (ausgenommen Fremd­ und Staatsballettveranstaltungen und Vorstellungen mit Einheitspreisen im Saal sowie in Tischlerei und Foyer).

Die Deutsche Oper Card können Sie an der Tageskasse, am Telefon oder im Webshop erwerben.

Unsere Operntage!

Oper zum Einheitspreis: Karten für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren kosten € 10,00, für alle anderen – unabhängig von der Platzwahl – € 34, 00. Die Operntage finden Sie in den Monatskalendarien vermerkt.

ClassicCard App

Für alle bis 30 Jahren: Im Vorverkauf kosten Karten für Oper und Ballett € 18,00, für Konzerte

€ 16,00 / an der digitalen Abendkasse Oper und Ballett nur

€ 13,00, Konzerte € 11,00. Die Jahresmitgliedschaft kostet einheitlich € 28,00: classiccard.de

Besucher*innen mit Behinderung

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7., 13., 20., 28. Juni; 4., 5., 12. Juli 2026, jeweils 13.00 Uhr Dauer 1:30 | Kosten € 10,00

Familienführungen (speziell für Kinder ab 6 Jahren)

7., 13., 20., 28. Juni; 4., 5., 12. Juli 2026, jeweils 14.30 Uhr Dauer 1:00 |

€ 5,00

Unsere Kartenpreise

Im Großen Saal

Im Kalendarium finden Sie in der letzten Spalte jeweils einen Buchstaben, der auf das geltende Preisgefüge verweist. Für den Saal erwerben Sie ein Ticket, das Ihren Sitzplatz präzise bezeichnet. Die Preise der jeweiligen Kategorien belaufen sich auf:

A: € 18,00–€ 74,00

B: € 24,00–€ 92,00

C: € 26,00–€ 108,00

D: € 30,00–€ 144,00

In Foyer und Tischlerei

In der Tischlerei gelten Einheitspreise, wobei in der Darstellung des Kalenders der reguläre Preis zuerst genannt ist. Den niedrigeren Preis erhalten Ermäßigungsberechtigte. Mehr dazu auf unserer Website oder im telefonischen Kartenservice. In der Tischlerei sowie bei der Opernwerkstatt gilt freie Platzwahl.

26/27 — Die neue Vorschau

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