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Seismische Stellen

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Helga

Blocksdorf Seismische Stellen Über das Ausloten des Spannungsfeldes zwischen Entwurf und Konstruktion

Miller & Maranta, Basel.

Schulhaus Volta, Basel, 1996–2000. Architektur: Miller & Maranta. Klassenzimmerfenster, Horizontalschnitt. Ausführungsplanung M 1: 2 ,5, Fenstersystem Gerber-Vogt AG, Allschwil. Plandatum 06.12.1999.

1.1 Thema / Ausgangslage

1.1.1 Beobachtung / Präokkupation im Werk

1.1.3

1.1.4 Arbeitsweise

1.1.5

1.2

1.3.1

2 Werkeinsicht in drei Einzelfällen

2.1 Rieckshof

2.1.1 Projektvorstellung

2.1.2

2.1.5 Anvisierte Qualität ............................................... 89

2.2 Wald 93

2.2.1 Projektvorstellung ................................................ 95

2.2.2 Auswahlkriterium für die Untersuchung .... 104

2.2.3 Konstruktive

2.2.4

2.2.5

2.3 Weimar .....................................................................

2.3.1 Projektvorstellung

2.3.2 Auswahlkriterium für die Untersuchung

2.3.3 Konstruktive Entwurfsstrategie

2.3.4 Fokus der Betrachtung

4.1 Ansätze zur Definition

Strategien

4.5 Kuehn Malvezzi Architects

4.5.1 Projektvorstellung

(Abb. 03) Installation la gomera, Berlin, 2008. Koordinaten: 52.530013, 13.407574. Material: Erde, 300 Bambusstäbe, Neonfarbe. Foto © après-nous, Berlin.

Wer gerade entwirft, dem ist die Frage, wie eine Idee entsteht, im Tun eher hinderlich als hilfreich. Das heißt, dass ich mich im Prozess des Machens darin vor allem ungestört versenken können möchte. Es überwiegt die Vorfreude am schöpferischen Moment ohne Analyse der Entstehung, so wie von Friedrich Nietzsche skizziert: „dass man weiss, wie auch die größten und höchsten Geister unseres menschlichen Geschlechtes nicht wissen, wie zufällig ihr Auge die Form angenommen hat, wodurch sie sehen und wodurch zu sehen sie von Jedermann gewaltsam fordern, gewaltsam nämlich, weil die Intensität ihres Bewusstseins ausnehmend groß ist“ (Nietzsche 1996, 15). Für viele EntwerferInnen geht es im Prozess einer Ideenfindung vor allem darum, Raum für diesen Moment des zufälligen Sehens zu erschaffen.

In aktuellen Texten zum Prozess des Entwerfens und dem Moment der Idee findet sich das von Nietzsche benannte Sehen bei Hille von Seggern als understanding wieder: “Understanding something is revealing and illuminating: it comes to us as a moment of sudden clarity, in which we are quite taken away with it, almost swept away by it, and it is only ‘after the event’ that we can explain it” (von Seggern 2019, 14).

Diese Beschreibung enthält ebenso wie bei Nietzsche ein gewisses Maß an Vehemenz im Moment der Eingebung. Von Seggern liefert aus der Annahme heraus, dass Kreativität Verstehen bedeute, eine Handlungsempfehlung: “To understand something complex, one must ‘penetrate it, read it, ruminate on it’ and allow it ‘to ferment’” (von Seggern 2019, 14).

Aus den Entwurfsdiskussionen der eigenen Studienzeit erinnere ich mich an Begrifflichkeiten von Adolf Krischanitz wie „Verdauen, Vergessen und Ablagern im Unterbewusstsein“ (mündliche Überlieferung), welche die Lesart und Handlungsempfehlungen von Seggerns entwurfsvorbereitend ähnlich denken. Jedoch, wenngleich von Seggerns eigene Schritte dahin beschrieben sind, wie auch die vieler weiterer ForscherInnen des Feldes um den Ansatz des design research, gibt es in der Lehre wie in der Praxis den Fall, dass jemand mechanisch all diesen Anweisungen folgen kann und dennoch keine tragfähige architektonische Idee hervorbringt. Aus dieser Beobachtung entsteht die Frage, ob es für die Qualität der architektonischen Ergebnisse unter Umständen sinnvoller sein kann, sich im Heben entwerferischen Wissens vom Ende her zu nähern, vom gebauten Werk. Somit grenzt sich die vorliegende Arbeit als Entwurfsforschung wissentlich vom Feld der Untersuchungen zum Prozess der Ideenfindung ab und schaut mittels entwickelter Forschungspraktiken

vom Entwurfsergebnis aus auf den Entwurfsprozess.

Diese Art der Herangehensweise charakterisiert das Resultat als Eigenschaftsanordnung, die eine „komplexe und unauflösliche Durchdringung ästhetischer, ethischer und technischer Aspekte“ darstellt und in ihrer ganzheitlichen räumlichen Präsenz nicht ausreichend durch Zahlenangaben und Text darstellbar ist (Pasel u. a. 2016a, 1). Das spezifische Arbeitsverständnis dafür geht vom Körper des gebauten Werkes selbst aus und erschließt diesen als epistemisches Artefakt (Ballestrem und Gasperoni 2023).

Dieser Ansatz wird seit 2016 im Programm Entwurfsbasierte Promotion an der Technischen Universität Berlin methodisch durch das Machen praktiziert, befragt und getestet. Die vorliegende Untersuchung, hier gekürzt und überarbeitet, entstand ab 2019 in diesem Rahmen. Formatspezifische Praktiken werden darin weiterentwickelt unabhängig davon, ob der Begriff des epistemic artefact bereits wissenschaftlich abgesichert ist oder sich noch in der Untersuchung befindet, wie es beispielsweise Marcelo Stamm fordert (Stamm 2023, 137–59) . Das Programm fördert damit das strukturierte „‚Herausheben‘“ von Entwurfswissen (Pasel u. a. 2016b), um es nachvollziehbar und anschlussfähig für die Gemeinschaft der Entwerfenden und Forschenden zu öffnen und so für die community of practice (Blythe und Stamm 2017, 338) zugänglich zu machen.

Insbesondere die Arbeiten reflektierender und bauender ArchitektInnen bilden hierbei für mich Anschlussebenen, da sie die grundsätzliche Frage berühren, wie wir im spezifischen Interessenfeld zwischen Entwurf und Konstruktion über den Wert des gebauten Werkes sprechen können. Es interessiert mich insbesondere, auf welche Weise praktizierende KollegInnen ihre Ergebnisse von den frühen Entwurfsphasen bis in die Realisierungen in einen qualitativ geleiteten Architekturdiskurs einbringen. Hierzu erscheint mir eine Erklärung zur Frage der hohen Qualität schweizerischer Architektur von Andrea Deplazes von Relevanz. Er ist davon überzeugt, dass die enge Verbindung aus theoretischer Bildung und praktischer Anwendung als eine in beide Richtungen begehbare Brückenverbindung bereits in der Universität angelegt wird. Dementsprechend wird dies als Voraussetzung für die Lehre postuliert: “The success of architecture in Switzerland comes down to the fact that there is a close connection between theoretical education and application in practice. This relationship bridges in both directions, and it is a precondition for teachers at our university to be engaged in a practice at a high level. We are concerned that our

teachers are good architects as well as being theoretically acute” (Deplazes 2019, 169).

Diese Verbindung ist insofern für die vorliegende Arbeit wichtig, als dass die textlichen Überlegungen praktizierender ArchitektInnen direkt oder indirekt vielfach um die Fragen der architektonischen Qualität kreisen und dabei intrinsisch motiviert erwägen, wie diese erreicht werden kann. Das Programm Entwurfsbasierte Promotion eröffnet die Option, sich aus der eigenen Praxis heraus diesen Fragen strukturiert zu widmen und die anvisierten Qualitäten mit in den Diskurs einzubringen.

Intensiv bewegt die qualitative Einordnung des gebauten Werkes unter anderem Louis Kahn. Er betont in einem Vortrag an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich 1969: „das allerwichtigste der Lehre ist, zu wissen, dass Architektur keine fassbare Erscheinung ist. Sie können Architektur nicht fassen. Sie selbst hat keine Präsenz. Nur ein Werk der Architektur hat Präsenz; und ein Werk der Architektur ist eine Hingabe an die Architektur“ (Kahn 2013, 64). Im Originalton wird das Lesen eines Planes als Erklingen einer Symphonie interpretiert und vom “realm of spaces in the construction and light” (Kahn 2013, 25) gesprochen, wodurch die Vorstellung eines immateriellen ‚Königreiches‘, dem die eigene Arbeit –das gebaute Werk – diene, aufscheint.

Eine zeitgenössische Vorstellung zur Kategorie des Höheren in der Architektur findet sich unter anderem bei Valerio Olgiati, gemeinsam formuliert mit dem Architekturtheoretiker Markus Breitschmid. Sie fordern, dass einem Gebäude eine architektonische Idee zugrunde liegen müsse, die zusätzlich sinnstiftend sei. Sie definieren diesen Zusammenhang wie folgt: „Es handelt sich nur dann um eine architektonische Idee, wenn eine Form impliziert wird“ (Olgiati und Breitschmid 2018, 47). Gleichzeitig stehen sie dafür ein, dass diese Idee lediglich eine prinzipielle Absicht formuliere und insofern auf zahlreiche Arten ausformuliert werden könne. Wie die Idee qualitativ zu bewerten sei, hänge mit davon ab, ob sie von Anfang an eine tiefere Erkenntnis erlaube. Dahinter steht die Erfahrung, dass nicht jedes Konzept eine tragfähige architektonische Idee darstelle und hier respektive qualitativ gewichtet werden dürfe und müsse. Qualitative Eigenschaften und genaue Handlungsanweisungen liefern die Prinzipienkapitel ihres Manifestes, sowie das Studium präferierter Referenzen und weiterer Vorträge (Olgiati 2011). Zum Verständnis dessen, was Olgiati und Breitschmid als sinnstiftend erachten, wirkt die Bemerkung im 6. Prinzip Ordnung erklärend: „Die Suche nach den Rätseln des Lebens und der Welt ist heute

nicht weniger ein Enigma als je zuvor. Nur weil wir nicht mehr bereit sind, an die eine oder andere Ideologie zu glauben, bedeutet das nicht, dass die architektonische Ordnung nicht stets Teil des Lebens ist. Architektur hat die Aufgabe, das Leben in räumliche Ordnung zu übersetzen. Kurzum: Architektur destilliert die Idee des Lebens heraus und sublimiert sie auf die eine oder andere Weise. Ein Gebäude ist nicht die mechanische Umsetzung einer abstrakten Ordnung, sondern deren sinnstiftende Ausformulierung“ (Olgiati und Breitschmid 2018, 112).

Eine ähnlich gesellschaftlich-politische Einbettung ihrer architektonischen Haltung formulieren Alison und Peter Smithson 1977: „Zu einer Zeit, als unsere Werteskala noch durch Kirche oder Könige, später durch Stadtverwaltungen und Banken festgelegt wurde, da ging es darum, Bauten zu erstellen, die mit lauter Stimme Macht verkünden. Heute, wo wir von vielen Mächten gleichzeitig beeinflusst werden, ist die Zeit für irgendwelche Rhetorik in Einzelbauten vorbei“ (Smithson und Smithson 1977, 11). Sie plädieren für eine spezifische Ruhe als ihr Ideal, welches sie „Lyrismus der Kontrolliertheit“ nennen (Smithson und Smithson 1977, 11) . Abgeleitet von ihrer gesellschaftlichen Analyse positionieren sie ihre eigene Arbeit im Feld zwischen Le Corbusier, Aldo van Eyck, Max Bill, Mies van der Rohe in Amerika und den besonderen amerikanischen Einflüssen, ausgehend von der Chase Manhattan Bank als Gebäude von Skidmore, Owings & Merrill mit dem selbst gesuchten Anspruch an ihr Bauen, der verschriftlicht als Titel ihres Textes Ohne Rhetorik (Smithson und Smithson 1977) wiederum wie eine Handlungsanweisung wirkt.

Obgleich sich mir persönlich dringende konstruktive Fragen zur Ressourcenverantwortung an die aktuelle Ausformulierung der Bauten Valerio Olgiatis stellen, verweise ich stellvertretend auf die Gedanken von Kahn, den Smithsons und Olgiati, um damit zu markieren, dass das gebaute Werk neben handwerklich erlernbaren Schritten zum Entwerfen und Konstruieren ein gewisses Maß an nicht messbaren Bedeutungen enthält. Anhand von qualitativen Fragen zum Werk, entscheidet sich, ob dieses in den sich stetig verändernden architektonischen Kanon Einzug erhalten kann. In der vorliegenden Untersuchung des eigenen Werkes benenne ich, den Beispielen zugeordnet, die architektonischen Qualitäten methodisch als anvisiert. Dabei scheinen Verweise auf Eigenschaften im Sinne des Sublimen, spekulativ formuliert im Kapitel 5.2 zur qualitativen Anschlussfähigkeit, mit auf. Der Kern der vorliegenden Arbeit zielt jedoch darauf ab, das persönliche Spannungsfeld zwischen Entwurf

(Abb. 04) Studio Jeppe Hein, Berlin, 2012. Koordinaten 52.505860, 13.377780. Umbau mit Catharina Förster. Grundriss M 1: 200. 5 m

Ruben Beilby, Berlin.

(Abb. 41) Treppengeometrie Wettbewerbsstand (oben) und Justage (unten), Zeichnungen emphasis­ on - diagram, maßstabslos. Postproduktion.

Stift

1 0,08pt

Fokus der Betrachtung: Justagen innerhalb der ‚seismischen Stelle‘

In den zwei Abbildungen, welche die ‚seismische Stelle‘ als Zeichnungen der zu betonenden Stellen – emphasis­ on­ diagram – zeigen (Abb. 41), ist das Potential für Justagen innerhalb der ‚seismischen Stelle‘ ablesbar. Die erste projektbegleitende Zeichnung (Abb. 41 oben) ist im Rahmen des Programms Entwurfsbasierte Promotion als Postproduktion entstanden. Sie versucht mit zeichnerischen Mitteln herauszuarbeiten, was abstrahiert das erste analytische Modell als emphasis­ on­maquette leistet (Abb. 12): das Hinweisen auf die ‚seismische Stelle‘ als konkreten Ort in der Konstruktion.

Dass die Ausführung schlussendlich abweichend umgesetzt wurde, liegt an einer Justage, welche während der laufenden Bauphase auf speziellen Wunsch des BauherrInnenpaares notwendig wurde. Nach dem erfolgten Diamantschnitt im November 2019 hat sich nach dem Winter beim BauherrInnenpaar eine Gewohnheit eingestellt, welche diese über die Anordnung der Treppe nachdenken ließ. Jeden Morgen wurde bei gutem Wetter zuerst das Stalltor geöffnet, um den Durchblick in die Landschaft in den Hofraum zu holen. Die Lage der Treppe vor dem Fenster hätte, axial geschaut, aus Sicht der BauherrInnen vom Haupthaus aus, diesen Durchblick um die Treppenspur von ca. 90 cm verengt. Da das Haupthaus im rechten Winkel zum Stall steht, bildet dies genau die Blickachse ab. Der Anruf der BauherrInnen und die Bitte, die Treppe trotz laufender Bauarbeiten neu anzuordnen, kam im Juli 2020. Es war klar, dass dies das Grundmotiv der ‚seismischen Stelle‘ berührt und mit einer Änderung an dieser Stelle der gesamte Entwurf zu scheitern drohte oder zumindest in seiner Grundidee zur Disposition stand. Gleichzeitig konnten wir der Sicht der BauherrInnen auch zustimmen, denn ein großzügiger Landschaftsblick von 2,38 × 2,25 m (B × H) gerahmt von einem beeindruckend sauber gelungenen Schnittbild, sollte möglicherweise nicht substanziell gestört werden.

Sich prozesshaft einer solchen Ambivalenz der räumlichen Anforderungen auszusetzen charakterisiert das Spannungsfeld aus Entwurf und Konstruktion wesentlich. Denn in der gesamten Entwicklung der Projektidee war das Bild des ‚Schultergelenkes‘ an dieser Stelle außerordentlich stark verwurzelt, so dass der Anruf des BauherrInnenpaares neue Fragen auslöste: Wie kann das Bild gehalten werden, wenn die Treppe woanders im Raum anzuordnen wäre? Wo genau wäre eine geeignete Möglichkeit dafür? Wie kann diese neue Verortung konstruktiv genauso selbstverständlich ausgebildet werden, wie die bislang entwickelte Treppengeometrie (Abb. 22 unten)?

Ausgehend von der körperlichen Erinnerung an das dicke, braune, exakt gefaltete Leder bzw. den grauen Kunststoff im Gelenk einer Tram oder größerer Busse untersuchten wir Formen, welche die Treppenspur hinter die Mittelachse des Raumes legten und gleichzeitig mit einem gefalteten Ausläufer eine Sitzoption am Fenster gewährleisteten. Einige als übertrieben empfundene Formen kamen heraus; die Reduktion des Fußpunktes wurde in Folge genauer im Zusammenhang mit der Treppengeometrie betrachtet. Die Lösung ergab sich aus dem Zusam-

3010-G60Y.

terialintensiv, so dass diese Fertigungstechnik nicht automatisch in Regionen mit weniger Holzvorkommen und importiertem Holzbau übertragbar erscheint. Als Fußnote dazu klärt der Hersteller auf, „dass für die nicht sichtbaren Schichten des Elements minderwertiges Holz verwendet wurde, das sonst geschreddert oder ins Ausland exportiert würde“ (Klopfenstein 2021, 80).

4.6.2

Konstruktive Entwurfsstrategie

Für die Einordnung in den Kontext zum Konzept der ‚seismischen Stelle‘ fokussiere ich auf die Abhängung der Laubengangschicht, da sie das gestaltprägende Merkmal des Gebäudes bildet. Dort wirkt eine relevante konstruktive Frage formbildend. Die vom Grundkörper abgehängte Laubengangfassade umkreist im Anschluss der hölzernen Zugstangen eine Stelle, welche es technisch wie entwurflich zu lösen galt. Das V-förmige Zusammenbinden der Zugstangen von einer Geschossebene zur anderen ist aus meiner Sicht besonders schön gefügt, da das schräg fließende Zusammenlaufen der rechteckigen Eichenhölzer nur durch die Materialstärke am Anbindungs- und Fügepunkt entsteht. Ein Rücksprung je Laubengangetage entsteht durch die Dimensionierung der 10 cm Zugstangen zuzüglich 2 cm Fuge im Anschluss an die Tragbalken, an welche um ca. 12 cm rückversetzt die darunter liegende Ebene Zugstangen anbindet. Durch die Schrägstellung der Zugstangen beläuft sich der räumliche Rücksprung in der lichten Gangbreite auf ca. 29 cm je Etage. Aus dieser handwerklichen Schichtung ergibt sich gemäß Ausführungsplanung und Angabe der Architekten vom 15.04.2024 eine Kaskade vom 3. bis zum 1. Obergeschoss von Laubenbreiten mit 1,58 m, 1,29 m und 1,00 m im Süden und Westen und von oben nach unten und 0,98 m, 0,69 m und 0,40 m Gangbreiten im Norden und Osten. Die unterschiedlichen Tiefen der Laube resultieren aus dem analysierten Schattenwurf für den Einsatz des Bauteils als Sonnenschutz (Rutishauser 2023, 60).

Anhand eines Analysemodells (Blocksdorf, Barckhausen und Beilby 2023, 23) und der Detailaufnahme vor Ort (Abb. 146) wird sichtbar, welche Bauteile genau zu betrachten sind und welche Frage sich in der Betrachtung eröffnet. Wie wurde der konstruktive Holzschutz gelöst? Die bislang veröffentlichten Texte, Fotos und Zeichnungen (Mettler, Studer und Meiss-Leuthold 2021, 10), (Abb. 144) erschließen sich mir nicht zweifelsfrei dahingehend, wie es genau konstruiert ist, dass Schlagregen, der in die V-förmige Zange gerät, ablaufen und abtrocknen kann.

Meine Nachfrage ergibt folgendes Detail, welches direkt vom Zeichentisch geteilt wird (Abb. 147). Søren Linhart schreibt in der Mail vom 18.02.2023 dazu: „Wie Sie sehen werden, ist die Laube zu 100 % aus Eiche konstruiert. Auf Metallteile haben wir gänzlich verzichtet. Das Detail ist so gelöst, dass die Enden der Zangen jeweils das heikle Hirnholz der „Stiche“ (der Balkenköpfe) abdecken und sich zudem nicht berühren. So kann allfälliges Wasser ungehindert ablaufen oder durch den Wind wieder trocknen.“ Auf die erneute Nachfrage zu den Verbindungsmitteln antwortet er am 20.02.2023 genauer: „Die Holzverbindungen an den Balken sind mit CNC herausgefräst und so weitaus stabiler und tragfähiger, als wenn es [eingeleimte] Lamellos wären. Zu detaillieren war es nicht

Sophia Begun, © BUK, ETH Zürich.

Rasmus Norlander, Zürich.

Bürohaus Küng, Alpnach, Schweiz, 2016–20.

Es handelt sich um eine gekürzte, leicht überarbeitete Version der Dissert ationsschrift, eingereicht 12/2024, verteidigt am 20.06.2025 mit dem zusätzlichen Prüfungsteil einer Ausstellung und veröffentlicht am 06.11.2025.

Methodisch ergänzend sind alle Mailund Protokollauszüge genau datiert und nicht in der Literaturliste als Quellen erwähnt, wenngleich das technisch möglich ist. Die Mail- und Protokollauszüge sind auf Rechtschreibung geprüft und gegebenenfalls korrigiert.

Zum Modellbaumaterial des Büros sei dokumentiert, dass wir die Volumenmodelle aus Baustellenabfällen bauen, um auch hiermit einen Wandel im Bewußtsein zu erwirken.

Alle Abbildungen, die nicht mit gesonderten © versehen sind, stammen aus der UrheberInnenschaft von Helga Blocksdorf © HB/A, Berlin.

Übersetzungen

strategies of constructive design: Thomas Skelton-Robinson, Zürich.

Autorin: Helga Blocksdorf

Redaktion:

Jeanette Kunsmann, Anne Schäfer-Hörr (Projektleitung)

Lektorat und Schlusskorrektur: Kyra Mootz, Berlin (DE)

Gestaltung: Any Studio, Berlin (DE) Katerina Trakakis, Jakob Kornelli

Herstellung/DTP: Simone Soesters

Repro: ludwig:media, Zell am See (AT)

Druck und Bindung: Gutenberg Beuys Feindruckerei, Langenhagen (DE)

Papier:

Peydur Neuleinen (Umschlag), Munken Lynx Rough (Innenteil)

Abbildung Umschlag: Ausschnitt aus der Ausstellung zur Disputation, 20.06.2025, TU Berlin, Halle 7. Foto: © Ruben Beilby

© 2026, erste Auflage

DETAIL Architecture GmbH, München (DE) detail.de books@detail.de

ISBN: 978-3-95553-686-2 (Print)

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder der Vervielfältigung auf anderen Wegen und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Vervielfältigung dieses Werks ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes in der jeweils geltenden Fassung zulässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechts.

Bibliografische Information der deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb-nb.de abrufbar.

Die für dieses Buch verwendeten FSC® zertifizierten Papiere werden aus Fasern hergestellt, die nachweislich aus umwelt- und sozialverträglicher Herkunft stammen.

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