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Spektrum Sommer 2021

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Im Fokus

Übergänge – wie durch Wendepunkte Entwicklung möglich wird

Spektrum

Die Mitteilungen der Rudolf Steiner Schule Zürich

Innen und Aussen

Frühling/ Sommer

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Resignation oder Begeisterung?

3600 um die Schule

Aus dem Schulleben

Eine neue Heimat für anthroposophische Bücher

Bei den schönen Schafen


... wir haben nicht die Aufgabe, unserer heranwachsenden Generation Überzeugungen zu überliefern. Wir sollen sie dazu bringen, ihre eigene Urteilskraft, ihr eigenes Auffassungsvermögen zu gebrauchen. Sie soll lernen, mit offenen Augen in die Welt zu sehen. Ob wir an der Wahrheit dessen, was wir der Jugend überliefern, zweifeln oder nicht: Darauf kommt es nicht an. Unsere Überzeugungen gelten nur für uns. Wir bringen sie der Jugend bei, um ihr zu sagen: So sehen wir die Welt an; seht zu, wie sie sich euch darstellt. Fähigkeiten sollen wir wecken, nicht Überzeugungen überliefern. Nicht an unsere «Wahrheiten» soll die Jugend glauben, sondern an unsere Persönlichkeit. Dass wir Suchende sind, sollen die Heranwachsenden bemerken. Und auf die Wege der Suchenden sollen wir sie bringen. Steiner 1989; GA 31, S. 233f.


Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser !

«Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne», so schreibt es Hermann Hesse in seinem bekanntesten Gedicht «Stufen». Auch Sie haben sicher schon einmal die Magie, aber auch die Unsicherheit und den Zweifel beim Beschreiten eines neuen Weges erlebt. Doch vor einem solchem Anfang steht meist eine Übergangsphase, in der wir uns auf das Kommende vorbereiten. Im Gegensatz zum bewussten Erleben eines Neuanfangs zeichnet sich der Übergang «dadurch aus, dass er sich fast unbemerkt vollzieht und uns dadurch oft als unwesentlich erscheint» – wie es Franziska Spalinger in ihrem Artikel «Vom Kindergarten in die Schule» treffend ausdrückt. Die Entwicklung des Kindes, des Jugendlichen zum Erwachsenen ist nicht nur durch körperliche Umbrüche gekennzeichnet, sondern auch durch äussere Konventionen. Wie sich die körperlichen Veränderungen auf die Seele des Kindes, des Jugendlichen auswirken, wird im Interview mit Monika Kiel-Hinrichsen, Sozial- und Waldorfpädagogin sowie Autorin des Buches «Wackeln die Zähne, wackelt die Seele», und in den Ausführungen unseres 6.-Klasslehrers Urs Wiedenmann, der eindrücklich «seine» Jugendlichen vor ihrem Eintritt in die Oberstufe beschreibt, deutlich. In den Interviews mit ehemaligen SchülerInnen der RSS Zürich, von denen zwei bereits nach der 9. und 10. Klasse für eine Lehre die Schule verlassen haben, sprechen diese jungen Menschen darüber, wie sie im Rückblick die Übergänge und Neuanfänge erlebt haben. In den Gesprächen zeigt sich, wie die äusseren Gegebenheiten – Wechsel von der Mittelstufe in die Oberstufe in der 6. Klasse, Wechsel nach der 9. Klasse an die Atelierschule oder in die Lehre – die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen beeinflusst

haben. Im Gespräch mit Birgit Purainer und Stefanie Wolff-Heinze kommen die jungen Menschen immer wieder darauf zurück, dass unsere Schulen – RSS Zürich und Atelierschule Zürich – ihre Kreativität und ein Denken gefördert haben, das «über den Horizont» hinausführt. Diese gestalterische Kraft zeigt sich auch schon in den Kurzgeschichten zweier 8.-Klässler, die Sie hier exklusiv lesen dürfen. Wir als LehrerInnen, ErzieherInnen und Eltern haben die Aufgabe im Sinne Steiners, solche «Fähigkeiten zu wecken» und die SchülerInnen auf «die Wege der Suchenden» zu bringen. Cornelius Bohlen zeigt ebenfalls in seinem erhellenden Artikel «Schwellen zur Freiheit», dass nicht die «Pädagogik (an sich, Anm. der Verfasserin), der Staat oder eine Schule etwas aus dem Menschen zu machen habe (...)», sondern dass die Frage ist, «wie der junge Mensch seine ureigenen Impulse entfalten kann». Langjährige KollegInnen wie Franziska Spalinger, Bernadette Ilari und Axel Boos haben viele SchülerInnen in diesem Sinne begleitet und sind nun selbst wieder an einer Schwelle angelangt. Sie werden in diesem Jahr in den Ruhestand verabschiedet. Wir wünschen ihnen als Kollegium alles Gute beim Übertreten dieser Stufe! Auch Ihnen, liebe Leserinnen und liebe Leser, wünsche ich in dieser krisenhaften Zeit Übergänge und Anfänge, die gemeistert und hoffentlich magisch erlebt werden können. Bleiben Sie gesund und unverzagt! Sibylle Rohdich 3


t l a h n I

Spektrum

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Rudolf Steiner Schule Zürich


Im Fokus

Menschen an unserer Schule

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Schwellen zur Freiheit Pädagogik soll Kinder nicht in einer gewissen Weise prägen, sondern ihre ureigenen Impulse entfalten, unterstreicht Cornelius Bohlen, Mitbegründer und Schulleiter der Atelierschule. Vom Kindergarten in die Schule Wie Übergänge gelingen und den individuellen Entwicklungsweg unterstützen können, weiss Franziska Spalinger aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung bei der Begleitung von Kindergartenkindern. Wackeln die Zähne, wackelt die Seele Die Zahnlücken-Pubertät ist ein wichtiger Meilenstein in der kindlichen Autonomieentwicklung – und zugleich eine Herausforderung für die Eltern. Ein Gespräch mit der Sozial- und Waldorfpädagogin Monika Kiel-Hinrichsen. Der Übertritt von der Mittelstufe zur Oberstufe Wenn in der Vorpubertät die Gefühle zu Wolkentürmen werden und der Drang zur Selbstbestimmung steigt, ist ein freies Geistesleben besonders wichtig, findet der Klassenlehrer Urs Wiedenmann. «Es brauchte Zeit, bis ich wirklich angekommen war» Der Schritt von der Schule ins Berufsleben ist anspruchsvoll, beschert aber auch viele Momente der Freude und Bestätigung. Ein Gespräch mit den Auszubildenden Luna Pizzolato und Leon Paczkowski

Das Kollegium verabschiedet sich von Franziska Spalinger, Bernadette Ilari und Axel Boos.

Innen und Aussen

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esignation oder Begeisterung? R Warum gerade in der heutigen Zeit pädagogische Impulse für die junge Generation so wichtig sind, beschreibt der Erziehungswissenschaftler und Dozent Thomas Stöckli.

Aus dem Schulleben

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Es geht ums Schreiben: Literarisches aus dem Unterricht Ein Bild, zwei Geschichten: Die «Nachtschwärmer» von Edward Hopper haben zwei 8.-Klässler zu berührenden Erzählungen inspiriert.

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Bei den schönen Schafen Über einen unvergesslichen Tag mit viel Schafswolle für die 3. Klasse.

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Gedanken zum Tode von Henning Köhler «Gebt den Kindern Raum, damit sie eine innere Führung entwickeln können!» Birgit Purainer erinnert sich an einen «unglaublich engagierten Pädagogen».

Aus dem Vorstand

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Die Geschäftsstelle der Rudolf Steiner Schule Zürich Vorstandsmitglied Matthias Jordi zur Bedeutung der Geschäftsstelle als gemeinsame Drehscheibe für Kollegium und Vorstand.

360 o um die Schule

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«Wir haben gelernt, über den Horizont zu denken» Babett Kiepenheuer und Gilles Kuhn schildern ihren Weg von der Plattenstrasse an die Universität Zürich. Was haben sie aus der Steinerschulzeit in ihr Studentenleben mitgenommen?

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Eine neue Heimat für die Buchhandlung Beer Anett Bieli öffnet die Türen zum neuen anthroposophischen Bücher-Paradies in der Zürcher Napfgasse.

Impressum

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Im Fokus

Schwellen zur Freiheit Text: Cornelius Bohlen (Lehrer für Deutsch und Geschichte, Mitgründer und Schulleitungsmitglied der Atelierschule Zürich und Präsident der Stiftung Rudolf Steiner Nachlassverwaltung)

g n u h ie z r E d n u t ei Freih «Da muss man den einzelnen Menschen, die Individualität anschauen und muss voraussetzen: In diesem Herzen, in dieser Seele sind moralische Intuitionen. Darauf muss alle Erziehung hinauslaufen, diese moralischen Intuitionen zu wecken ... Frei werden als Mensch – das heisst: Nur bauen auf dasjenige, was in dem Menschen selber drinnen ist.» Rudolf Steiner, Die geistig-seelischen Grundkräf te der Erziehungskunst. Spirituelle Werte in Erziehung und sozialem Leben, Vortrag Oxford, 29. August 1922, GA 305, S. 225

Im Gegensatz zur verbreiteten Auffassung und noch mehr verbreiteten Praxis zahlreicher Bildungsziele, dass die Erziehung den Menschen über die Vermittlung entsprechender Kompetenzen an die Gesellschaft anzupassen habe, ist der wahre Sinn der Erziehung eine oft wiederholte Wahrheit: Es geht darum, den Menschen zu befreien und zu sich selbst kommen zu lassen. Es ist nicht die Frage, wozu der Mensch erzogen werden soll. Denn jeder Mensch ist von selbst ein schöpferisches Rätsel, dem das Leben, die Erde und sogar der Kosmos aufgegeben ist. Das Problem ist nicht das Ziel der Erziehung, sondern seine Konsequenzen. Das Geschehen der Freiheit umfasst drei Dimensionen: das Aufsteigen freier ideeller Motive im Bewusstsein, die dem Leben zugrunde gelegt werden; die Hingabe und Liebe, die sich mit der

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Aufgabe oder Arbeit vereinen möchten; die tätige Realisierung innerhalb der Bedingungen der Welt, die noch unsere höchsten Träume als bescheidenes Stückwerk erscheinen lässt. Das Einzigartige an der Pädagogik Rudolf Steiners ist, eine geisteswissenschaftliche Psychologie und Anthropologie entwickelt zu haben, die zu zeigen versucht, wie sich die drei Elemente der Welten des Denkens, Fühlens und Wollens, welche die menschliche Seele ausmachen, vom Kindsein bis zum Erwachsenen phasenweise entfalten. Das Seelenleben baut sich auf aus den gegensätzlichen Funktionen des bewussten Vorstellens und der unbewussten Willenstätigkeit, mit dem Fühlen als mittleren Bereich, der sich nach beiden Seiten erstreckt. Zugleich wirken dieselben Kräfte, die das Seelenleben bilden, in den Grundfunktionen von

Aufbau und Abbau des leiblichen Organismus und im geistigen Dasein des Menschen mit seinen Schwellen von Geburt und Tod. Diese Grundidee führte Steiner in seinem pädagogischen Werk in mannigfaltiger Weise bis in die Einzelheiten der Erziehungspraxis aus und gründete darauf eine pädagogische Methodik, die den realen Entwicklungsvorgängen des Menschen zu folgen sucht. Die jahrelangen Umwandlungen beim Vorgang der Geschlechtsreife erscheinen dabei als Kulminationspunkt, an dem sich die Seele freisetzt, in dem sich die Kräfte des Vorstellens mit den Kräften des Wollens kreuzen, um das Leben einer unbekannten Zukunft zu öffnen.

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Gesta ltung

«Ein Kind, das im Dunkeln Angst bekommt, beruhigt sich, indem es singt. Im Einklang mit seinem Lied geht es weiter oder bleibt stehen. ... Dieses Lied ist so etwas wie der erste Ansatz für ein stabiles und ruhiges, für ein stabilisierendes und beruhigendes Zentrum mitten im Chaos. Es kann sein, dass das Kind springt, während es singt, dass es schneller oder langsamer läuft; aber das Lied selber ist bereits ein Sprung: es springt aus dem Chaos zu einem Beginn von Ordnung im Chaos, und es läuft auch jederzeit Gefahr zu zerfallen.» Gilles Deleuze / Félix Guattari, Kapitalismus und Schizophrenie. Tausend Plateaus, Berlin 1992, S. 424

Im bewussten Vorstellen werden Begriffe und Wahrnehmungen konstruiert, getrennt und zusammengefügt. Die Welt ist Vorstellung, nicht weil sie nicht wirklich ist oder weil wir die Wirklichkeit nicht vorstellen können, sondern weil die Wirklichkeit selbst eine Vorstellung ist. Ein unablässiges Reflektieren, Gestalten, Formen, Bestimmen. Losgelöst und herabgelähmt zur abstrakten, unwirklichen Denktätigkeit, so hat Steiner dargelegt, lebt in dieser Tätigkeit des Vorstellens dieselbe Kraft, die das kleine

Kind wachsen lässt und von der Plastizität der Gehirnbildung aus die Organe seiner Leiblichkeit gestaltet. Das Kind lebt nicht deshalb vorwiegend unbewusst und willenshaft, weil es nicht denken könnte, sondern es sprudelt vor Ideen, indem es wächst, sich ernährt, Organe bildet, wahrnimmt, spielt, Lust und Schmerz empfindet. Selbsttätig erwachend errichtet es das Wunder seines beseelten Organismus, der sich nach allen Richtungen des leiblichen Universums erstreckt. Es baut an die-

sem Pol bildsamer Lebensgestaltung eine umfassende Welt von Bestimmungen auf, die nicht nur die Gestaltung seiner eigenen Körperlichkeit enthält, sondern ebenso alle Bestimmungen der Vererbung, Familie, Heimat und sozialen Umgebung mit sich verbindet, die seine Anlagen, seine Vergangenheit und zugleich die leibliche Grundlage seines Gedächtnisses bilden.


g n u s ö l Auf

«Jetzt öffnet man den Kreis ein wenig, man öffnet ihn ganz, lässt jemand eintreten, ruft nach jemandem oder tritt sogar selbst aus dem Kreis heraus, stürzt nach aussen ... Und diesmal geschieht das, um sich mit den Kräften der Zukunft, mit kosmischen Kräften zu vereinen. Man bricht aus, wagt eine Improvisation. Aber Improvisieren bedeutet, sich mit der Welt zu verbinden und zu vermischen. Am Leitfaden eines Liedchens geht man aus dem Haus.» Gilles Deleuze / Félix Guattari, a.a.O., S. 425

Die Kindheit geht vorüber, obgleich ihre Kräfte in anderer Form bestehen bleiben. Damit sie vorübergeht und die Zukunft des Erwachsenen entstehen kann, muss von einer anderen Seite her eine Kraft in neuer Stärke wirksam werden, die imstande ist, die plastischen Bestimmungen der Vergangenheit aufzulösen und einzuschmelzen. Während die organischen Gestaltungen bei der Geschlechtsreife mit der Differenzierung in Mann und Frau einen gewissen Abschluss erreichen, beginnt der Mensch, sich der Welt in allen ihren Möglichkeiten zu öffnen. Der Mensch, wie er sich

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bisher gestaltet hat, löst sich auf. Todeskräfte werden wirksam. Die Kindheit mit ihrem Hingegebensein an das Leben der Mitmenschen versinkt, ein radikales Wollen, der Welt gegenüberzustehen und das grosse unbekannte Leben zu betreten, bricht durch. Ein Abstossen von aller gestalteten Vergangenheit setzt ein. Die einstigen Bestimmungen der Welt lösen sich auf, Familie, Leib, Autoritäten, Tradition werden fragwürdig, um nur noch Bruchstücke im Schmelztiegel des individuellen Lebens zu sein. Die Zersplitterung der Welt in Vorstellungen und Urteile, die Auflösung

und Umwandlung der ehemals kindlichen Leiblichkeit und Gesichtszüge, die jugendliche Lebenskraft ebenso wie Vereinzelung, Sehnsucht und Todesgefühle zeugen vom Betreten der Bahn, die das eigene Leben werden wird. Hier manifestiert sich der andere Pol des Lebens; der Mensch kann alles Gestaltete auflösen und einschmelzen, um kraft seines Wollens und seiner Fantasie eigene Welten zu erbauen, die in eine unabsehbare und noch dunkle Zukunft führen.

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Liebe

«Denken Sie einmal darüber nach, was gerade aus diesen beiden fliesst: liebevolle Hingabe an die eigenen Handlungen, verständnisvolles Eingehen auf die Handlungen des andern. Dass die Menschen sozial zusammenarbeiten können, das folgt nur aus diesem. Aber das können Sie äonenlang tradieren: Auf keine äusserliche Weise werden Sie das hervorbringen, Sie müssen es aus den Tiefen der Menschennatur hervorholen.» Rudolf Steiner, Die pädagogische Praxis vom Gesichtspunkte geisteswissenschaf tlicher Menschenerkenntnis, Vortrag Dornach, 20. April 1923, GA 306, S. 132

Zwischen der Welt von Geburt, Gestaltung und Vorstellen und der Welt von Tod, Auflösung und Wollen steht auf allen Ebenen das Gefühlsleben mit seinem Wechselspiel von Antipathie und Sympathie, Lust und Schmerz, Liebe und Hass, Idealbildung und Kritikfähigkeit. Sich ablösen, Distanz gewinnen, Abstand nehmen, betrachten – oder sich mit etwas verbinden, in etwas aufgehen, sich auflösen, um sich zu vereinigen. Immer wieder von Neuem hat Steiner gezeigt, wie zwischen der Phase der Gestaltbildung des kindlichen Organismus und der Phase des nach der Geschlechtsreife urteilsfähig gewordenen Heranwachsenden in der Zeit des Schulalters die Phase der Gefühlskräfte liegt und alles Erziehen vom Ansprechen des Gefühlslebens auszugehen hat. Für das Kind ist es die Epoche der werdenden Gefühls- und Liebeswelt. Es will in dieser Phase vor der Geschlechtsreife weder abstrakt denken noch selbstständig wollen, sondern in gefühlsmässiger Anlehnung an es umgebende Menschen Welt, Leben, Mensch, Moral und Natur erfahren lernen in Bewegung, Rhythmus, beseelten Bildern, Dramen, Worten, Klängen und Farben. Durch verfrühtes nur begriffliches Lernen schwächt sich die Kraft des Kindes, indem die Ausbildung seiner emotionalen Kräfte in der Zeit beeinträchtigt wird, in der gerade die Gemüts- und Liebeskräfte heranreifen, während die organbildenden Kräfte noch wirksam sind und die Vorstellungskräfte sich erst sukzessiv emanzipieren. Dabei geht es nicht um ein Abhalten der Intelligenzkräfte, sondern darum, diese im ganzen Menschen zu verankern, um sie ihm zum freien Gebrauch und zur Erfüllung mit seiner Motivation, seiner Liebe und seinem Wollen zu überliefern.

In einem bemerkenswerten pädagogischen Vortrag über Erziehung und Selbsterziehung für Lehrerinnen und Lehrer aus der Schweiz und anderen Ländern, der vielschichtige ethische und psychologische Dimensionen enthält, differenzierte Steiner drei Phasen der Liebe über die ersten drei Jahrsiebte des Lebens: Gottesliebe, Menschenliebe, Werkliebe.* Das wachsende Kind wurzele in der Welt, der es mit natürlicher Gottesliebe entgegenkomme. Im Volksschulalter erwache in Stufen die Liebe als universelle Seelenkraft, von der sich nur ein spezieller Strom in der äusseren Geschlechtsreife zeige. Nach der grossen Umwandlung durch die Zeit der Pubertät stehe der Jugendliche dann abgelöst mit seinem Intellekt und seiner Werkliebe als frei handelndes Individuum in der Welt, an die er nun viele Jahre lang bis ins jüngere Erwachsenenalter seinen individuellen Anschluss suche. Welchen Sinn haben das Leben, die ganze Erde und die Sterne? Welchen Sinn machen dieses Tun oder jene Arbeiten? Mit welchen Mächten, Aufgaben, Zielen, Pflichten, Arbeiten, Partnern und Gemeinschaften will ich mich verbinden? Wie will ich welche

begreifen? Welche will ich abwehren und zurückweisen? Was aufbauen, was zerstören? Wie handeln andere und welcher Liebe folge ich in meinen Handlungen? Es ist eine schreckliche und letztlich gewalttätige Vorstellung, dass die Pädagogik, die Gesellschaft, der Staat oder eine Schule etwas aus dem Menschen zu machen habe. Die Frage ist nicht, wie der Mensch geprägt werden soll, sondern wie er seine ureigenen Impulse entfalten kann.

* Rudolf Steiner, Erziehung und Selbsterziehung des Kindes und Jugendlichen. Von der Gottesliebe zur Werkliebe, Basel 2019

Eine frühere Fassung dieses Beitrages erschien in Der Schulkreis. Zeitschrift der Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz, Nr. 3, 2004.


Vom Kindergarten in die Schule Text: F ranziska Spalinger (Leiterin des Kindergartens an der Dolderstrasse)

Alles Lebendige muss sich mit Übergängen auseinandersetzen. Der menschliche Lebenslauf ist geprägt von Übergängen: Geburt und Tod stehen als Anfang und Ende des Erdenlebens. Wir werden von Tag und Nacht, Ebbe und Flut, von den Jahreszeiten, vom Ein- und Ausatmen geprägt und umgeben. Der Wechsel vom Tag zur Nacht mit dem Übergang der Dämmerung vollzieht sich täglich. Doch wann erleben wir diesen Übergang bewusst? In Gebäuden brennt in der Regel von frühmorgens bis abends das Licht. Es kann aber durchaus vorkommen, dass zwei Menschen in ein Gespräch vertieft sind oder wir arbeitend am Schreibtisch sitzen und erst dann bemerken, dass es ja dunkel geworden ist, wenn die Redenden sich kaum mehr sehen können oder sich das Licht des Bildschirms unangenehm vom Dunkeln im Zimmer abhebt. Werden wir morgens nicht vom Wecker oder von den eigenen Kindern geweckt, was meist abrupt geschieht, können wir den Übergang vom Schlafen zum Wachen erleben. Und wir erfahren, dass dieses Aufwachen ein geheimnisvoller Moment ist, in dem wir langsam wieder in Besitz unseres Körpers und Bewusstseins kommen. Eine Weile der Ruhe, in der wir uns der Atmung widmen können – vor allem dem Wendepunkt, wo die Ausatmung nach einem Moment des Stillstandes in die Einatmung wechselt.

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«Die Momente des Zweifels gehören zum Übergang vom Alten zum Neuen – und er kann beim Menschen grosse Verunsicherungen wie auch Krisen auslösen: In jeder Biographie wird erfahren, dass durch Krisen und Veränderungsprozesse Entwicklung möglich wird.» Ein Übergang zeichnet sich dadurch aus, dass er sich fast unbemerkt vollzieht und uns dadurch oft als unwesentlich erscheint. Etwas wird verlassen – das kann eine Lebensphase, ein Ortswechsel, eine Ernährungsumstellung sein. Immer geht voraus, dass das Alte nicht mehr standhält und sich etwas Neues anbahnt, was schon greifbar, aber noch nicht ganz da ist. Eine klare Entscheidung kann einen Übergang ebenso herbeiführen. So wird zum Beispiel entschieden, dass ein eigenes Haus gebaut werden soll. Auch wenn dieser Entscheid gefällt und die Planung weit fortgeschritten ist, können sich hie und da Zweifel einstellen, ob der Wasserhahn richtig ausgewählt wurde oder ein anderes Modell vielleicht doch schöner wäre. Die Momente des Zweifels gehören zum Übergang vom Alten zum

Neuen – und er kann beim Menschen grosse Verunsicherungen wie auch Krisen auslösen: In jeder Biographie wird erfahren, dass durch Krisen und Veränderungsprozesse Entwicklung möglich wird. Befinden wir uns nun selbst in einer Krise, dann können Formulierungen wie «Krise als Chance» als blanker Hohn empfunden werden. Haben wir die Krise überwunden und schauen die durchgemachte Entwicklung an, dann kann der Krise als Chance durchaus etwas Positives abgewonnen werden. Eine manifeste Krise ist, wenn sie in Bezug zu einem Übergang auftritt, immer der Höhepunkt, der zugleich zum Wendepunkt wird, da Höhepunkte zeitlich gesehen nur einen Bruchteil des Geschehens darstellen. Krisen geben immer auch Denkanstösse für anderes Handeln, für Verbesserungen, für Änderungen und Fortschritte. Das in der Krise verlorengegangene innere Gleichgewicht muss wieder errungen werden, um gestärkt in die nächste Phase der Entwicklung eintreten zu können. Übergänge können gelingen und den weiteren Entwicklungsweg positiv unterstützen. Misslingen sie, müssen sie in die darauffolgende Entwicklungsphase, in der sich eigentlich andere Herausforderungen ereignen sollten, mitgenommen werden. Das kann beschwerlich sein und bedarf grosser Aufmerksamkeit und Unterstützung. Rudolf Steiner Schule Zürich


Die Variabilität der Übergänge ist riesig und jeder Mensch muss sein ihm gemässes Mass darin finden, damit sich sein Potenzial entfaltet und ihn nicht hemmt. Im Vorschulalter durchlaufen die Kinder mehrere markante Entwicklungsschritte, die die Eltern und Erziehenden in der Regel stark herausfordern und prüfen. Immer mit dabei ist der Moment des Übergangs. Die Trotzphase, in der sich das Kind vehement gegen die Welt stellt, ist einer der wichtigen Momente, wo Widerstand erfahren werden kann. Bieten wir dem Kinde keinen Widerstand an, an dem es sich abstossen und reiben kann, wird es andere Wege suchen müssen, um sich als eigenständiges und autonomes Individuum erleben zu können. Die verschiedenen Entwicklungsphasen sind in unserem Lebensplan zeitlich eingegrenzt, obschon sich das Individuelle in einer grossen Bandbreite ereignet. Auch wenn sich Erwachsene durchaus auch trotzig oder pubertär verhalten können, werden diese Äusserungs- und Verhaltensformen einem anderen Lebensalter zugesprochen, wo sie ihren Platz einnehmen sollten, um ausgelebt zu werden. Trotzalter, Schulreife und Pubertät weisen gewisse Ähnlichkeiten auf. Immer steht die Suche nach sich selbst und die sich entwickeln wollende Autonomie im Zentrum. Wer bin ich? Wer möchte ich werden? Und wie möchte ich gesehen werden? Das sind grosse innere Fragen, die in diesen Übergängen manifest werden. Im Vorschulalter noch auf einer ganz unbe-

tauscht, wie dieser Zahn herausgerissen werden könnte, und wenn er dann endlich herausgefallen ist, herrscht eine grosse Freude, wenn ein Edelstein als «Zahnstein» ausgesucht werden darf. Findet der Zahnwechsel noch nicht im Kindergarten und erst in der Schule statt, kann dies ein Kind stark verunsichern und auch traurig machen, da es fast wöchentlich zusehen und aushalten muss, wenn ein anderes Kind seinen Zahn stolz in der Runde herumzeigen darf. In beiden Entwicklungsphasen ereignet sich ein Verlust des inneren und äusseren Gleichgewichts, was eine verunsichernde und destabilisierende Wirkung auf das Kind und auf den Jugendlichen hat.

wussten Ebene, da der Antrieb, gross werden zu wollen, von der impliziten Fähigkeit der Nachahmung abhängt und noch nicht bewusst gesteuert werden kann wie in der Pubertät. Nicht von ungefähr, wird die Schulreife als die «kleine Pubertät» bezeichnet, da sich im Kern Ähnliches ereignet.

«So wie wir dem Kinde das Einschlafen nicht abnehmen, wohl aber erleichtern können, muss die Krise selbst überwunden werden. Die dadurch gestärkte Autonomie wird viel tragfähiger und unterstützt die Resilienz.»

Der Entwicklungsschritt zur Schulreife ist zurzeit in den Kindergärten stark erlebbar. Plötzlich stösst sich ein Kind an einem Gegenstand oder fällt um ohne wirklichen Grund. Treten solche Situationen auf, dann ist der Gestaltwandel im Gange, in dem sich die gesamte Proportionalität im Körperlichen verändert. Im Umfallen und Anstossen kann der Verlust des Körperimagos erlebt werden: Das Kind wird unsicher, ungeschickt in seinen Bewegungsabläufen, es hat seinen Körper nicht mehr «im Griff». In der Pubertät geschieht Ähnliches, wenn das Wachstum, vor allem bei männlichen Jugendlichen, rasant einschiesst. Das «Herumlümmeln» ist ein wunderbarer Ausdruck von diesem Übergang, wenn nicht mehr gewusst wird, wo die Beine und Arme eigentlich hinwollen; auch da geht das Körperimago verloren. Der Zahnwechsel (siehe auch der folgende Artikel «Wackeln die Zähne, wackelt die Seele») als weiteres Merkmal der schulreif werdenden Kinder ist zurzeit ebenso aktuell in den Kindergärten. Wie wird mitgefiebert und mitgelitten, wenn ein Zahn schon ganz quer liegt, aber immer noch festsitzt. Ideen werden ausge-

Wie können die Erziehenden diese Übergänge unterstützend begleiten? Im Anerkennen dieser Phase und im Wissen, dass die Krise nötig ist, um sich weiterentwickeln zu können, liegt bereits eine grosse Unterstützung. Abnehmen können wir sie dem Kinde nicht, wohl aber begleitend zur Seite stehen und den Dialog mit ihm immer aufrechterhalten. Das sind beziehungsfördernde und -stärkende Momente, die in diesen Übergängen einen wertvollen Dienst leisten. Wie gerne würden die Erziehenden den Kindern die Krise abnehmen und erleichtern, was zu einem gewissen Grad auch immer wieder geschieht. Dadurch kann aber dasjenige, was errungen werden muss, nur teilweise geschehen. So wie wir dem Kinde das Einschlafen nicht abnehmen, wohl aber erleichtern können, muss die Krise selbst überwunden werden. Die dadurch gestärkte Autonomie wird viel tragfähiger und unterstützt die Resilienz. Die Resilienz bzw. psychische Widerstandskraft befähigt den Menschen, schwierige Lebenssituationen zu überstehen und im besten Fall auch kreativ zu bewältigen. Diese kostbare Kraft wird viel

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beitragen können, denn in Zukunft werden grosse und existenzielle Herausforderungen an die heutigen Kinder und Jugendlichen gestellt. Die Autonomiebestrebungen mit der grösser werdenden Selbstständigkeit können wir durch Anregungen von Seiten der Erziehenden fördern und dabei Impulse setzen, die dem Kind und Jugendlichen zu seiner Weiterentwicklung verhelfen. In der Ausbildung zur Kindergärtnerin nimmt das Thema des Übergangs einen hohen Stellenwert ein, da es zur «Königsdisziplin» einer Kindergartenführung gehört. Werden die Übergänge gut gegriffen, ist alles Weitere entlastet. Wie kann dies angegangen werden? Im pädagogischen Handeln bedienen wir uns der bekannten Methode von Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung/Reflexion.

«Beim Reflektieren über das Entstehen von schwierigen Situationen wird klar, dass meist der Moment des Übergangs die Ursache der Schwierigkeiten war, da er viel zu wenig beachtet wurde oder viel zu schnell und abrupt erfolgte.» Die Vorbereitung geschieht gedanklich oder auch schriftlich, indem zum Beispiel der Waldmorgen minutiös durchdacht wird. Da tauchen plötzlich Fragen auf, ob die Erste-Hilfe-Tasche mit genügend Pflastern ausgestattet ist oder ob das lange Seil, das das letzte Mal im Wald schmutzig wurde, gesäubert ist. Gerade für Berufseinsteigende kann eine minutiöse Vorbereitung dazu verhelfen, dass die konkrete Durchführung entspannter und stressfreier angegangen werden kann. Die Durchführung ist der Teil, der einerseits von der Vorbereitung profitiert und andererseits frei sein sollte, um auf den Stundenaufbau und die momentane Situation der Klasse oder einzelner Kinder eingehen zu können. In der Nachbereitung wird – wie bei der Vorbereitung – das Geschehene gedanklich reflektiert. Auch da können uns Details bewusst werden, die vielleicht in der Durchführung etwas untergegangen sind. Vor allem aber wird

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beim Reflektieren über das Entstehen von schwierigen Situationen klar, dass meist der Moment des Übergangs die Ursache der Schwierigkeiten war, da er viel zu wenig beachtet wurde oder viel zu schnell und abrupt erfolgte. Der Rückblick kann auch reinigenden Charakter haben, da die reflektierten Ergebnisse abgelegt werden können, um im nächsten Unterricht verbessert, verfeinert oder gar ganz verändert wieder aufgegriffen werden zu können. Im Familienalltag, der in der Regel vielschichtig zu bewältigen ist, fehlt aus verständlichen Gründen oftmals der Moment des Innehaltens von Seiten der Erwachsenen. Treten zum Beispiel am Abend Schwierigkeiten auf mit dem Aufräumen, Nachtessen und Einschlafen, könnte dies Anlass sein, um über die Schwierigkeiten zu reflektieren. Nehmen wir uns täglich fünf Minuten Zeit, um über Dinge zu reflektieren, die belasten oder bedrängen! Indem sie gedanklich durchgegangen werden, erscheint oftmals eine Lösung oder ein neuer Ansatz am nächsten Tag, der die Dinge zu verändern vermag. «Die Nacht ist klüger als der Tag» heisst es so schön in einem Märchen, in dem die Hilfe im Schlaf erscheint. Im Schlaf gehen wir in den Rückzug von den aktiven Handlungen, die wir täglich vollziehen, um daraus gestärkt wieder herauszutreten.

in Ruhe gelassenen Erde so viel Grün, so viele Blumen und Gräser spriessen. Dies zeigt im übertragenen Sinn sehr schön den Zusammenhang zwischen Rückzug und Annäherung auf, zwei sich bedingende Elemente, die im Übergang von einer Entwicklungsphase in die nächste vonnöten sind, auf dass diese einen tragfähigen Boden findet, auf dem das Neue sich begründen kann. Das französische Sprichwort «Reculer pour mieux sauter» veranschaulicht zudem diesen Prozess, dem Achtsamkeit und Sorgfalt entgegengebracht werden muss. Zuversicht und Vertrauen sind Kräfte, die Übergänge zu begleiten und unterstützen vermögen.

In der Natur haben wir vor wenigen Monaten den Übergang vom Winter zum Frühling erleben können. Immer wieder aufs Neue kann gestaunt werden über die fast explosive Kraft, die im Ausbrechen der Blätter steckt. Auch macht uns staunen, dass aus der lange Rudolf Steiner Schule Zürich


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Wackeln die Zähne, wackelt die Seele Text & Interview: Stefanie Wolff-Heinze

Neben der Autonomiephase und der Pubertät zählt auch die sogenannte Wackelzahn-Pubertät zu den herausfordernden Umbrüchen in der kindlichen Entwicklung: «Der Zahnwechsel ist ein körperliches Geschehen, das sich aber auch seelisch-geistig bemerkbar macht», erläutert die Sozial- und Waldorfpädagogin Monika Kiel-Hinrichsen. So durchlebt das Kind beim Übergang vom Kindergarten in die Schule eine Entwicklungskrise, in der es um seine äussere und innere Haltung ringt. Eltern rät die Autorin in dieser Umbruchphase zu Gelassenheit und achtsamem Verständnis für die Verunsicherung des Kindes. Frau Kiel-Hinrichsen, die Wackelzahn-Pubertät markiert einen wichtigen Übergang in der Kindheit. In welchem Alter beginnt sie?

Monika Kiel-Hinrichsen ist staatlich anerkannte Erzieherin und studierte Sozial- und Waldorfpädagogin. Die Mutter von fünf Kindern hat in Hersel bei Bonn eine Praxis für Familien- und Paarberatung, Supervision und Mediation. Sie ist Autorin verschiedener Sachbücher und Ratgeber (u.a. «Warum Kinder trotzen», «Über die Patchwork-Familie», «Pubertäts-Sprechstunde» sowie «Wendepunkte – Biografie bewusst gestalten»). Ihr Buch «Wackeln die Zähne, wackelt die Seele», das sie zusammen mit der Zahnärztin Renate Kviske geschrieben hat, ist bereits in der 18. Auflage erschienen. Zurzeit setzt sie sich nach langjähriger Pause wieder für eine erneuerte Familienkulturarbeit am Goetheanum in Dornach ein. Mehr über Monika Kiel-Hinrichsen unter: www.kiel-hinrichsen.de

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Mit etwa fünf bis sieben Jahren beginnt das, was man auch als Zahnlücken-Pubertät bezeichnen kann. In dieser Phase zeigen die Kinder Verhaltensweisen, die der Pubertät ähneln. Es ist eine Zeit, in der sich die Autonomie des Kindes verstärkt. Aus freimütigen, offenen, gutgläubigen Kindern werden eigene Persönlichkeiten, die langsam beginnen, sich abzunabeln.

Autonomie ist ja auch schon in der Trotzphase, die ungefähr im dritten Lebensjahr einsetzt, ein ganz wichtiges Momentum; gibt es da ebenfalls eine Parallele bei der Zahnentwicklung? Das ist generell ein sehr spannender Aspekt: Wir können in der Tat die Entwicklungsphasen eines Kindes an seinem individuellen Zahnentwicklungs- und Zahnwachstums-Geschehen ablesen. Im Trotzalter beispielsweise kommt zum vorhandenen Milchgebiss des Kindes ein vierter Backenzahn, der für «Zubeissen» und «mehr Willenskraft» steht. Bis das Kind in die Schule kommt, hat es links und rechts im Ober- und Unterkiefer jeweils fünf Milchzähne. Und je nach Entwicklungsreife setzt dann der Zahnwechsel ein – bei manchen Kindern

bereits mit fünfeinhalb Jahren, bei anderen erst mit sieben Jahren. Und dieser Zahnwechsel bedeutet in der Regel nicht nur, dass die Zähne herausfallen, sondern auch, dass jetzt der erste bleibende Backenzahn, der sogenannte 6er, durchtritt. Übrigens geschieht dieser Zahnwechsel durchaus unterschiedlich: Manche Kinder entwickeln den Wechsel von hinten nach vorne, bei anderen fängt er vorne im Bereich der Schneidezähne an.

Kündigt sich der Zahnwechsel an? Ja, durchaus: Die Kinder sind in dieser Zeit latent gereizt; manchmal fallen sie in frühkindliche Verhaltensweisen zurück, stecken oft die Finger in den Mund. Das Vorschulkind merkt, dass jetzt ein wichtiges Geschehen in seinem Körper stattfindet. Das Kind spürt den Druck, auch ein bisschen Schmerz. Dabei korrelieren – ähnlich wie im Kleinkindalter – körperliche und seelische Symptome. Der sich ankündigende Zahnwechsel kann mit Fiebermomenten einhergehen – eben auch mit einem «seelischen Fieber».

Was genau passiert auf der körperlichen Ebene? Das Durchdringen des Backenzahnes ist für das Kind nicht unbedingt krisenreich. Hingegen ist das Wackeln der 1er und 2er-Zähne viel Rudolf Steiner Schule Zürich


stärker spürbar; dabei lösen sich in einem Stoffwechselprozess die Wurzeln der Milchzähne auf. Es entsteht also eine Lücke in der Mitte des Gebisses – und zugleich auch etwas Einschneidendes auf der seelischen Ebene: Denn das Kind verliert mit den herausfallenden Milchzähnen nicht nur seine physische, sondern auch seine seelische Mitte. Und diesen Verlust der seelischen Mitte kann man durchaus gleichsetzen mit dem Begriff «Das Rückgrat verlieren»; man kann in dieser Phase wirklich beobachten, dass die Kinder in sich zusammensacken und häufig auf dem Boden lümmeln.

Wie wirkt sich die Zahnlücken-Pubertät auf der seelischen Ebene aus? Die Kinder sind verunsichert und schweben zwischen «himmelhochjauchzend» und «zu Tode betrübt». Es geschieht mitunter eine Regradierung in die Kleinkindphase: Das Kind versucht, mit der Zunge oder mit dem Daumen die Lücke zu füllen. Es tröstet sich damit über die seelische Verunsicherung hinweg. In dieser Phase sind viele Kinder unzufrieden, langweilen sich und hinterfragen auch ihre Beziehung zu den Eltern. Diese Geste kann wiederum die Eltern verunsichern, die sich fragen: Warum ist unser Kind plötzlich so anhänglich? Oder im Gegenteil: Warum ist es so wütend und abwehrend?

Wo genau liegen die Ursachen für die von Ihnen angesprochene Verunsicherung? Diese Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass das Neue noch nicht da ist und das Alte nicht mehr trägt. Das Kind ist noch im Kindergarten, aus dem es fast schon herausgewachsen ist, und es steht ein grosser Übergang in die Schule an. Es spürt: «Die Kleinen genügen mir nicht mehr und an die Grossen reiche ich noch nicht heran.» In so einem Krisengeschehen passieren dann natürlich unbewusst mehrere Schritte. Der erste Schritt ist die Bagatellisierung: «Ich will es nicht wahrhaben, ich halte meine Stellung.» Dann kommt der zweite Schritt mit Verärgerung, Wut und überschäumenden Gefühle, die sich beispielsweise in einer aggressiven

Haltung gegenüber den Regeln, die im Elternhaus gelten, äussern. Und im nächsten Schritt, der kurz vor dem Tiefpunkt kommt, setzt das Feilschen ein: «Ich strenge mich ganz doll an und bleibe möglichst klein, dann muss ich nicht gross werden.» Und dann kommt das Loch, die Lücke – die Trauer über den Abschied. Die Kinder sind in diesem Moment sehr zuwendungsbedürftig. Und dann geht die Kurve wieder nach oben, es folgt der Schritt des Experimentierens: Die Kinder schlagen über die Stränge und probieren Dinge aus, für die sie eigentlich noch nicht reif genug sind.

Zahnwechsel nun als Bilde- oder auch Formkräfte zur Verfügung – beispielsweise zum Schreiben von Buchstaben und Zahlen, zum Malen von Formen und zum Bilden von abstrakten Gedanken.

Wie sollten Eltern auf dieses Verhalten reagieren? Am besten gelassen. Kinder brauchen in dieser Phase keinen Widerstand, sondern Halt, Verständnis und Gleichgewicht – eben weil die Zähne und die Seele wackeln. Da in dieser Zeit vermehrt bedrohliche Träume und neue Ängste kommen können, sollte man das Kind auf keinen Fall loslassen. Und auch wenn ihm gerade nicht so nach Kuscheln zumute ist, können Eltern auf eine andere Art Nähe und Körperkontakt herstellen: zum Beispiel durch liebevolles Haarebürsten oder sanfte Körpermassagen. Das stärkt den Lebenssinn, der ja durch das Zahnwechsel-Geschehen geschwächt ist!

Und was tut den Kindern sonst noch gut? Kinder brauchen in dieser Phase viel Bewegung; das schult den Bewegungs-, Gleichgewichts- und Tastsinn und lässt sie sich in ihrer Mitte spüren. Klettern und Balancieren wirken stärkend, aber auch wohlriechende Bäder und Öleinreibungen, das Werkeln von Dingen oder gemeinsames Backen. Die Hände wollen jetzt etwas zu tun bekommen.

Was genau hat der Zahnwechsel eigentlich mit der Schulreife zu tun? Die Kräfte, die vor dem Zahnwechsel die Organe des Kindes wie Nieren, Leber, Lunge und Herz sowie auch die bleibenden Zähne in ihrer individuellen Formung ausgebildet haben, stehen dem Kind mit dem

Spielen und malen die Kinder in der Wackelzahn-Pubertät anders als vorher? Beides trifft zu! Bis zum Alter von fünf Jahren ist das kindliche Spiel sehr phantasiegeprägt: Wenn der grosse Lastwagen nicht durch den Tunnel passt, fährt ihn das Kind halt am Tunnel vorbei und tut so, als sei er durch den Tunnel gefahren. In der Zahnwackel-Pubertät müssen jedoch Bedürfnis und Realität zusammenkommen können. In dieser Phase kann die Welt dann durchaus zusammenbrechen, wenn das kleine Geschwister den Sandtunnel kaputtmacht. Auch an den Zeichnungen kann man den Entwicklungsschritt ablesen, den die Kinder in diesem Alter vollziehen: So fangen die Kinder – parallel zum Prozess des Wechsels der Frontzähne – an, symmetrische Bilder zu malen, bei dem sich die rechte und die linke Seite spiegeln. Sie entwickeln ein Bewusstsein für rechts und links und auch für ihre Händigkeit. Und das ist wiederum eine wichtige Voraussetzung für die Schulreife eines Kindes!

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Der Übertritt von der Mittelstufe zur Oberstufe Text: Urs Wiedenmann (Klassenlehrer 6. Klasse)

Der Übertritt von der Mittelstufe in die Oberstufe findet an der Rudolf Steiner Schule Zürich nach der 6. Klasse statt. Die Schülerinnen und Schüler sind am Ende der 6. Klasse ungefähr 13 Jahre alt und befinden sich somit bereits in der Vorpubertät. Sie verlassen die Obhut der Klassenlehrperson, die sie oftmals seit der 1. Klasse begleitet hat; zugunsten der Fachkompetenz beginnen nun auch Fachlehrpersonen, den Epochenunterricht zu vermitteln. Mehr und mehr wird Selbstständigkeit vorausgesetzt, das eigenverantwortliche Arbeiten wird wichtig. In meinem Fall durfte ich die aktuelle 6. Klasse seit der 4. Klasse führen und konnte in diesem Jahr wieder eindrücklich miterleben, wie das Bedürfnis, sich abzugrenzen, bei den Jugendlichen entsteht. Der Drang, sich selbst zu bestimmen, wird stark. Da jedoch die Fähigkeit zur Reflexion nicht immer proportional verläuft, entstehen dabei auch immer wieder Leiden und Auseinandersetzungen. Die Bedürfnisse nach privatem Innenleben und persönlichen Vorstellungen entstehen und das Erleben der eigenen Urteile und Anschauungen wird oft intensiv dargestellt. Die

Urteile sind dabei oft von subjektivem Erleben geprägt und die Reflexionen manchmal nicht objektiv oder sozial. Folgendes Muster kann ich dabei jeweils beobachten: Das starke Selbsterleben verschafft sich Ausdruck und sobald Konflikte eintreten, wird das eigene Verhalten oft geschickt und impulsiv verteidigt. Wer erinnert sich nicht gerne an die Sturm- und Drang-Zeit, in der sich die Emotionen überschlagen und der ganze seelische Innenraum entdeckt wird? Im Lehrplan werden in dieser Zeit «bodenständige» Dinge behandelt – wie beispielsweise u.a. Geologie, Römertum, perspektivisches oder Schwarz-WeissZeichnen, die die angehenden Jugendlichen auf festen Boden stellen sollen. In der Waldorfschule wird gemäss dem entwicklungsmässigen Geschehen im ersten Jahrsiebt nach dem Prinzip der Nachahmung, im zweiten Jahrsiebt nach dem Prinzip der liebevollen Autorität (Schönheit) und im dritten Jahrsiebt nach dem Prinzip der Wahrheit (Kraft der eigenen und allgemeinen Erkenntnis) unterrichtet. Die SchülerInnen sollen also in der Pubertät mehr und mehr da-

zu kommen, die eigene Handlungsweise am eigenen Denken und nicht nur am Fühlen zu orientieren, und so zu sozialen Wesen erzogen werden. Das «Seelenklima» ändert sich. Wie wenn sich Wolken bilden, türmen sich in der Seele Vorstellungen und Gefühle zu Wolkentürmen auf. Die Metaebene des Denkens ist noch nicht erreicht, wo Logik unabhängig von Sympathie oder Antipathie ihre Kraft entfaltet; vielmehr webt Gefühl im Gefühl. Im Bild des Wetters verliert die aufsteigende Wärme in der feuchten Luft den Bezug zum praktischen Boden, verliert die Erdung. Erst der Blitz oder die objektive Kraft logischen Denkens schafft wieder den Bezug zur Realität oder zum Weltgeschehen. Die in der Pubertät stark auftretenden Bedürfnisse haben zunächst absolut kein Verständnis für die Abstraktion der Gesetze wie zum Beispiel das Gesetz der Kausalität. Dies zeigt ein Dialog, der sinnbildlich für viele Gespräche steht, die ich mit den Jugendlichen meiner Klasse führte. Dieser liesse sich etwa so abfassen:

Regel: Auf dem Schulgelände darf man nicht skaten. Lehrer: Du darfst auf dem Schulgelände nicht skaten, sonst nehme ich dir das Skateboard weg. Schüler: Ich habe die Regel gehört.

Schüler skatet trotzdem. Lehrer: Ich nehme dir das Skateboard weg, weil du auf dem Schulgelände Skateboard gefahren bist. Schüler: Das dürfen Sie nicht! ...


Durch die stark wahrnehmbaren Bedürfnisse möchte sich das Kind aus seinem inneren Reichtum am liebsten seine eigene Welt bauen (und kann dies auch), wie die Wolkentürme. Somit wird das «kindliche» Gesetz ständig den eigenen Bedürfnissen angepasst. Die Macht der Urteile wird somit stark erlebt, aber es besteht noch nicht die Möglichkeit, die eigenen Bedürfnisse in

einen sozialen oder gesetzlichen Kontext einzuordnen. Wären wir ständig pubertierend, wären wir ja nur noch egoistisch. Jede Mutter oder jeder Vater kennt die «faulen Lieblinge», denen es eventuell zu schwer ist, das Geschirr in die Küche zu tragen, das Zimmer aufzuräumen oder die Eltern am Seelenleben teilha-

ben zu lassen, oder die sonst «dramatisch» reagieren usw. Die Wolkentürme steigen auf und im ständigen Streben nach Höhe und im Verlassen der Erde durchzuckt der Blitz die Atmosphäre und reinigt die schwülstig gewordene Luft. Johann Wolfgang von Goethe drückt dieses Geschehen so aus:

«Ist um mich her ein wildes Brausen, Als wogte Wald und Felsengrund, Und doch stürzt, liebevoll im Sausen, Die Wasserfülle sich zum Schlund, Berufen, gleich das Tal zu wässern; Der Blitz, der flammend niederschlug, Die Atmosphäre zu verbessern, Die Gift und Dunst im Busen trug.»

Während uns nun die Corona-Frage beschäftigt, werden Vorstellungen und Argumentationsgebäude oft von starkem Empfinden be- oder geleitet. Und in dieser Atmosphäre der Emotionen leben auch die Kinder. Was müssen wir entwickeln, um diese Atmosphäre zu verbessern? Aus den geschilderten Gründen ist es mir wichtig, dass das Geistesleben stets frei bleibt! Denn Erkenntnis ist ein Erleuchtungs-Prozess im Seelenklima und kann Brücken schlagen von Mensch zu Mensch. Geht das

Denken aber am Gängelband von Vorurteilen oder Gefühlen, entstehen Zwist und Zwietracht. Nun wollen wir ja alle, dass unsere Kinder soziale, liebefähige und glückliche Wesen werden, und dies geschieht nicht durch die «richtige Meinung», sondern durch die Freiheit des Denkprozesses. Für die Oberstufe wünsche ich meiner Klasse die Seelenruhe, die durch Reflexion und durch die Ruhe, die das Denken bringt, entstehen kann!

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«Es brauchte Zeit, bis ich wirklich angekommen war!» Interview: Birgit Purainer und Stefanie Wolff-Heinze

Luna und Leon – zwei junge Menschen zwischen zwei wichtigen Übergängen: Der Schritt von der Schule in die Ausbildung ist geschafft, nun stehen der Abschluss der Lehrzeit und der Wechsel ins erwachsene Berufsleben bevor. Luna und Leon haben sich für Ausbildungsberufe entschieden, die mit grosser Verantwortung, hohem Druck und anspruchsvollen Arbeitszeiten verbunden sind. Wie blicken sie heute auf ihren herausfordernden Start in die Lehrzeit zurück, haben sich ihre Hoffnungen an den Traumjob erfüllt und wie geht’s nach der Ausbildung weiter?

Liebe Luna, lieber Leon, bald werdet ihr eure Lehrzeit mit den Abschlussprüfungen beenden. Das ist ja schon in normalen Zeiten eine spannende Phase, aber ihr müsst das noch dazu in der Corona-Pandemie bewerkstelligen. Hat das für euch Auswirkungen?

Die 18-jährige Luna Pizzolato arbeitet im Alterszentrum Wildbach und wird diesen Sommer ihre dreijährige Ausbildung zur Fachfrau Betreuung im Betagtenbereich abschliessen. Vor ihrer Ausbildung besuchte sie die Rudolf Steiner Schule an der Plattenstrasse und ein Jahr lang die Atelierschule.

Ihr ehemaliger Klassenkamerad Leon Paczkowski (19 Jahre) absolvierte nach seiner Schulzeit ein einjähriges Austauschjahr in England und Frankreich, bevor er seine dreijährige Lehre zum Koch im Zürcher 5 Sterne-Hotel Baur au Lac startete.

Leon: Das Hotel, in dem ich arbeite, konnte zu meinem Glück immer offenbleiben. Es ist natürlich weniger Betrieb und alle Mitarbeiter – ausser uns Lehrlingen – sind in Kurzarbeit. Luna: Bei uns wurde die praktische Prüfung im Betrieb bereits abgesagt. Die schriftliche Prüfung wird jedoch voraussichtlich stattfinden. In der Berufsschule sind wir abwechselnd im Homeschooling und vor Ort. Leon: Bei uns werden die Prüfungen wie vorgesehen stattfinden, im letzten Jahr wurden sie etwas vereinfacht. Und in der Berufsschule waren wir nur jeweils nach den Weihnachts- und den Sportferien eine Woche lang im Homeschooling.

Habt ihr das Gefühl, dass euer Abschluss aufgrund dieser speziellen Umstände minderwertig ist? Luna: Nein, ich arbeite ja schliesslich seit drei Jahren in diesem Be-

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ruf; ich wurde und werde ständig bewertet, ich kann Zeugnisse und Bildungsberichte vorweisen – für mich ist die Prüfung nur eine zusätzliche Bewertung. Ich fühle mich eigentlich nicht benachteiligt. Leon: … ich auch nicht. Aber ich habe Kollegen, die in Restaurants lernen und seit drei Monaten zuhause sind. Für die ist die praktische Abschlussprüfung sicherlich sehr schwierig.

Machen wir einen kleinen Zeitsprung: Wie war euer Lebensgefühl am Ende der Schulzeit? Wusstet ihr damals schon, wohin euer Ausbildungsweg führen soll? Luna: Eigentlich wollte ich schon nach der 9. Klasse in die Ausbildung gehen, denn ich hatte überhaupt keine Lust mehr auf Schule. Mir war klar, dass es ein sozialer Beruf sein soll. Aber wo und wie genau, da hatte ich keine Ahnung. Also habe ich noch ein Jahr Atelierschule rangehängt, um mehr Zeit zu haben, mich zu orientieren. Aus meiner Sicht hätte uns die Schule bei der Berufswahl etwas mehr unterstützen können. Leon: Ich war auch sehr froh, als meine Schulzeit vorbei war. Aber mit der Zeit habe ich auch gemerkt,


wie sehr ich die Schule vermisse, und habe mich gefragt, warum ich nicht hier an der Platte geblieben bin. Dass ich wie mein Onkel einmal Koch werden will, wusste ich schon seit früher Kindheit. Ich habe es geliebt, mit ihm zusammen bei Familienfesten zu kochen. Wir hatten dann in der 7. und 8. Klasse insgesamt drei Schnupperwochen – und ich bin immer in einer Küche gelandet.

War die Suche nach einem Ausbildungsplatz schwierig? Luna: Nein, überhaupt nicht. Ich habe in der 10. Klasse das Berufspraktikum in einem Altersheim absolviert. Und nach diesen drei Wochen wusste ich «Das will ich unbedingt machen» und habe mich gleich dort für einen Ausbildungsplatz beworben; die Zusage kam dann sehr schnell.

Warum hast du dich für die Betreuung von alten Menschen entschieden? Luna: Ich unterstütze sehr gerne andere Menschen, ich mag das einfach. Ich hatte vorher auch eine Schnupperwoche in einer Kinderkrippe absolviert, aber da hat es mir einfach nicht so gefallen wie später im Seniorenheim.

Leon, ging die Suche nach einer Lehrstelle bei dir genauso leicht wie bei Luna? Ja, bei mir lief es ganz ähnlich: Ich durfte in der 8. Klasse eine Schnupperwoche im Hotel Baur au Lac absolvieren; dort wurde man auch schon intensiv beobachtet, es wurden Lernjournale erstellt. Ich habe mich einfach so verhalten, wie ich bin – und nach der Woche hat man mir dann einen Lehrvertrag angeboten. Voraussetzung war jedoch, dass ich nach dem Schulabschluss ein Jahr ins Ausland gehe, um Französisch und Englisch zu lernen. Wenn man in einem internationalen Hotel arbeitet, ist es so, dass viele Kolleginnen und Kollegen kein Deutsch können. Bei uns imHotel wird hauptsächlich Französisch gesprochen.

Wo hast du während deines Auslandsjahres gelebt? Zunächst in Vichy, dann für mehrere Monate in England: In Forrest Row – einem kleinen Ort circa eineinhalb Autostunden von London entfernt – habe ich nochmals eine Steinerschule besucht. Die Michael Hall School bietet ein Austauschprogramm an. Es hat mir dort so gefallen, dass ich mit meinem Lehrbetrieb vereinbarte, länger dortblei-

ben und in einem Café arbeiten zu dürfen. Und dann ging es nochmals nach Vichy, bevor ich meine Lehre startete.

Ihr wart also beide durch eure Schnupperpraktika gut vorbereitet auf den Ausbildungsstart – oder gab es doch die eine oder andere Überraschung? Luna: Ich empfand es gerade am Anfang als sehr herausfordernd: Man ist alleine unter all den Kolleginnen und Kollegen, die schon lange im Beruf sind, und muss mitmachen, irgendwie den Einstieg finden. Da steht niemand ständig an deiner Seite und fragt, ob du Hilfe brauchst. Man muss schnell Verantwortung übernehmen. Es hat schon ein Jahr lang gedauert, bis ich wirklich angekommen war und eine Routine entwickelt habe. Leon: Das Schwierigste war für mich zu Beginn, dass ich aufgrund meiner Arbeitszeiten meinen Hobbys wie Fussballspielen nicht mehr nachgehen konnte. Wir haben in unserer Küche die sogenannten Zimmerstunden zwischen 14.00 und 18.00 Uhr. Ich arbeite also von 9.00 bis 14.00 Uhr und von 18.00 bis 22.00 Uhr. Und selbstverständlich müssen wir auch am Wochenende arbeiten. Ich bin also für meinen

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Freundeskreis zunächst etwas von der Bildfläche verschwunden – das war eine riesige Umstellung für mich. Ich musste auch schon in den ersten Monaten viele Überstunden leisten und wurde ins kalte Wasser geworfen. Ich habe mir damals oft überlegt, abzubrechen. Aber irgendwann habe ich mich an diese Anforderungen gewöhnt.

nach unten. Aber ich habe mich schnell dran gewöhnt – und die Schule ist eigentlich kein Problem, wenn man im Unterricht aufmerksam ist und mitarbeitet.

Leon, in so einer anspruchsvollen Küche wie bei dir gibt es ja viel Zeitdruck, manchmal ist auch der Ton recht ruppig. Warst du darauf vorbereitet?

Wer oder was hat dich davon abgehalten, den Bettel hinzuwerfen?

Ich habe es noch gerne, wenn es stressig und laut hergeht. Ich kann mir gar nicht vorstellen, in einem stillen Büro zu sitzen. Was mich anfangs gestört hat, war, dass man alles, was man tut, möglichst schnell erledigen muss. Aber mittlerweile kann ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen.

Ich wollte einfach durchziehen, was ich angefangen hatte, und hatte zum Glück auch zwei Kollegen, die genau in derselben Situation waren wie ich; wir konnten uns gegenseitig gut motivieren. Und letztlich ist es halt ein Superjob, der mir sehr viel Spass macht.

Ihr habt beide spezielle Arbeitszeiten, inklusive Wochenenden … Luna: Ich habe durchschnittlich an zwei Wochenenden pro Monat Dienst. Aber manchmal kommt es auch vor, dass ich in einem Monat kein einziges freies Wochenende habe. Auch die Feiertage sind nicht selbstverständlich arbeitsfrei. Leon: Bei uns sind die Zimmerstunden, die es mittlerweile nur noch in den traditionellen Gastronomiebetrieben gibt, eher ungewöhnlich und nicht optimal für einen Menschen. Ich nutze die Zwischenzeiten zwischen 14.00 und 17.00 Uhr, um nach Hause zu gehen, zu schlafen, für die Schule zu arbeiten oder etwas zu erledigen. Meine Freunde sind in der Zeit natürlich nicht verfügbar. Und es war am Anfang auch ein seltsames Gefühl, wenn ich um 17.00 Uhr aufs Tram Richtung Arbeit zurückging und alle anderen um mich herum in den Feierabend fuhren. Luna: Ich arbeite im Schichtbetrieb von 7.00 bis 16.00 Uhr, und der Spätdienst geht von 13.00 bis 22.00 Uhr. Nachtschichten müssen wir Auszubildenden zum Glück nicht übernehmen. Leon: Bei mir kommen die Arbeitspläne jeweils sehr kurzfristig. Und

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ich habe nie zwei Wochen, in denen ich genau dieselben Arbeitszeiten habe. Da ist viel Flexibilität in der Freizeitplanung gefordert.

Leon, hat sich dein Freundeskreis infolge dieser ungewöhnlichen Arbeitszeiten verändert? Nein, denn ich achte darauf, das berufliche vom sozialen Umfeld zu trennen. Ich habe viele Kollegen, die aus dem Ausland kommen und hier kaum jemanden kennen; die sind dann oftmals in der Freizeit mit genau denselben Menschen zusammen wie im Job. Aber ich möchte eigentlich nicht in so einer Blase leben.

Wie war denn für euch die Umstellung von der Steinerschule in die Berufsschule? Luna: Ich kannte das Notensystem schon ein bisschen aus der Atelierschule. Der Notendruck in der Berufsschule war also für mich nicht ganz neu. Aber ich bin im Rückblick wirklich sehr dankbar dafür, dass es hier in der Steinerschule keine Noten gab. Leon: Für mich war es zunächst schon schwierig: Man ist an der Berufsschule viel mehr unter Druck. Wenn man einmal keinen guten Tag hat und eine Prüfung verhaut, dann zieht es den gesamten Notenschnitt

Luna, welche Momente findest du in deinem Beruf herausfordernd? Vor allem der Umgang mit Menschen mit einer dementiellen Entwicklung ist immer wieder eine Aufgabe; darauf kann man sich nicht vorbereiten, da braucht man Erfahrung. Das gilt auch für die körperliche Pflege; diese Nähe ist ja für beide Seiten, die Pflegenden und die Gepflegten, nicht selbstverständlich und normal. Da muss man lernen, wie man gut kommuniziert. Und natürlich ist auch das Lebensende ein Thema: Wir betreuen Menschen von der Selbstständigkeit bis zum Tod; da gehört es dazu, dass man ihnen einen schönen Abschied bereitet. Das erste Mal, als ich einen sterbenden Menschen begleitet habe, war jedoch schon sehr heavy.

Gibt es Fähigkeiten, die ihr in der Schule erlernt habt und die euch jetzt auch im Beruf nützlich sind? Leon: Die Schule kann aus meiner Sicht nur bei der Berufswahl helfen, aber nicht viel zur Vorbereitung beitragen. Man muss einfach loslegen, denn die Lehre ist ja zum Lernen und zur Vorbereitung auf den Beruf da. Was ich aber durchaus in meinem Beruf anwenden kann, ist die Kreativität, die wir in der Schule ausleben durften. Manchmal explodiert mein Kopf fast, weil ich so viele kreative Ideen habe. Rudolf Steiner Schule Zürich


Findet ihr, dass eure Berufe von der Gesellschaft wertgeschätzt werden?

Luna: Ich habe an der Schule vor allem den sozialen Umgang gelernt. Wie verhalte ich mich gegenüber anderen Menschen, wie wirke ich auf sie? Und das Kreative kann ich sehr gut anwenden, wenn es um die Aktivierung von älteren Menschen geht.

Luna: In der Seniorenbetreuung fehlen überall Fachkräfte. Wir sind total unterbezahlt für das, was wir leisten, und für die Verantwortung, die wir tragen. Ich denke, es muss sich in diesem System viel ändern, denn so kann es nicht weitergehen: Das Menschliche kommt viel zu kurz. Man hat gar keine Zeit, um auf das Gegenüber einzugehen. Ich würde unter solchen Umständen jedenfalls nicht in einem Altersheim leben wollen.

Wird von euch vor allem erwartet, dass ihr Dienst nach Vorschrift macht und euch an die Regeln haltet? Oder wird es wertgeschätzt, wenn ihr kreativ und eigeninitiativ seid? Luna: Ich bin anfangs mit vielen Vorschlägen gekommen, wie und was man an meinem Arbeitsplatz anders machen könnte. Aber da hiess es halt, dass es immer so gelaufen sei und daher auch so bleibe, wie es ist. Leon: Im ersten Lehrjahr als Koch musst du die Basics erlernen, da ist alles reglementiert. Aber wenn du Routine hast, wird erwartet, dass du lieferst. Bei uns ist die Fluktuation recht hoch, so dass ich mittlerweile Leute einarbeite.

Wir haben viel über eure Herausforderungen gesprochen; aber was ist denn eure grösste Freude am Arbeitsplatz? Luna: Dass ich Menschen betreuen, ihnen im letzten Lebensabschnitt Freude bereiten und sie unterstützen darf. Und wenn sie einen anlächeln, ist das eine wunderschöne Bestätigung! Leon: Dass ich mit Lebensmitteln arbeiten darf und dabei noch Geld verdiene. Ich liebe es, wenn es in Servicezeiten stressig ist, die Stunden wie im Flug vergehen und ich nach der Arbeit total müde bin.

Nun steht für euch schon bald der nächste Übergang an: Ihr werdet eure Ausbildung abschliessen. Und dann? Luna: Ich habe noch keinen Plan; ich möchte erst einmal den Abschluss und somit den ersten wichtigen Schritt gemacht haben. Ich kann mir vorstellen, noch eine weitere Ausbildung zur Aktivierungstherapeutin oder einen Kurs zur Fachfrau Gesundheit zu absolvieren. Leon: Bei mir gibt es auch noch keinen festen Plan. Momentan kann man sich sowieso nirgendwo in der Gastronomie bewerben. Für einen Koch ist natürlich Reisen immer eine gute Option. Vielleicht arbeite ich mal in einem Restaurant, wo es geregeltere Arbeitszeiten gibt. Und ich möchte durchaus Karriere machen – zunächst Commis werden, dann Demi Chef de Partie, Souschef und so weiter. In grossen Küchen geht es extrem hierarchisch zu, aber für mich ist das eine Motivation. Ein Koch fängt immer unten an und schafft sich dann nach oben.

Leon: In meiner Schulklasse hat bereits mehr als die Hälfte der Lehrlinge die Ausbildung abgebrochen, in manchen Betrieben bewerben sich keine jungen Menschen mehr um einen Ausbildungsplatz. Hinzu kommt: In der Gastronomie arbeiten viele am Limit; manche nehmen sogar Drogen oder trinken zu viel Alkohol. Die Bezahlung ist auch schlecht. Aber um das zu ändern, müssten die Preise erheblich angehoben werden. Ob dies die Gäste akzeptieren würden, bezweifle ich sehr.

Wohnt ihr noch bei euren Familien? Leon: Ich bin sehr froh, dass ich noch zu Hause lebe. Meine Mutter hat mich immer unterstützt, beispielsweise bei schulischen Aufgaben. Luna: Mir geht’s genauso. Ich habe von meiner Familie sehr viel Unterstützung erhalten – in der Schule oder auch mal nach einem schwierigen Tag.

Liebe Luna, lieber Leon, herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für eure Abschlussprüfungen!

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«Wir haben gelernt, über den Horizont zu denken!» Interview: Birgit Purainer Text: Maya Killer und Birgit Purainer

Babett und Gilles – zwei Ehemalige unserer Schule haben sich nach ihrem Schulabschluss dazu entschlossen, ein Studium an der Universität Zürich zu beginnen. Beide waren vom Kindergarten bis zum Abschluss ihrer Schulzeit an unserer Schule und in einer Klasse. Wie blicken sie heute auf ihre Schulzeit zurück, welche Übergänge haben sie als prägend erlebt? Haben sich ihre Hoffnungen an die Studienzeit erfüllt – und was planen sie für die Zukunft?

Eure Zusage für das heutige Gespräch hat mich sehr gefreut. Wir haben uns jetzt doch einige Jahre nicht mehr gesehen – was habt ihr nach dem Schulabschluss gemacht und wie habt ihr die Zeit bis heute gestaltet?

Die 23-jährige Babett Kiepenheuer studiert Jura an der Universität Zürich und wird ihr Master-Studium voraussichtlich in einem Jahr abschliessen. Vor ihrem Studium besuchte sie die Rudolf Steiner Schule an der Plattenstrasse sowie die Atelierschule Zürich und hat ihre Schulzeit mit der Matura abgeschlossen.

Ihr ehemaliger Klassenkamerad Gilles Kuhn (24 Jahre) hat nach seiner Schulzeit und abgeschlossener Matura das Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Zürich begonnen. Inzwischen hat er das Bachelorstudium erfolgreich abgeschlossen und absolviert zurzeit ein Praktikum bei einer Unternehmensberatungsfirma.

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Babett: Während der Matura habe ich noch an der Numerus Clausus-Prüfung teilgenommen, aber leider nicht bestanden. Danach habe mich entschieden, ohne Zwischenjahr an der Universität Zürich Jura zu studieren. Zunächst war dies eine Alternative für mich und ich wollte sehen, ob es mir gefällt. Ansonsten hätte ich den NC nochmals versucht. Das Studium hat mir aber schnell sehr gut gefallen. Meinen Bachelor habe ich nun bereits abgeschlossen. Währenddessen habe ich in einer Kanzlei gearbeitet, ein Praktikum absolviert und bin auch auf Reisen gewesen. Jetzt bin ich im Masterstudiengang und arbeite nebenbei immer noch; in einem Jahr sollte ich mit meinem Studium fertig sein. Gilles: Nach der Matur brauchte ich erstmal etwas Veränderung, etwas Praxis und Zeit, mir Gedanken über meine Zukunft zu machen. Ich habe bei Globus in der Gastronomie gearbeitet und anschliessend an der Universität Zürich BWL und Banking & Finance studiert. Wäh-

rend des Bachelorstudiums habe ich als Ausgleich und zum Ausweiten meiner finanziellen Möglichkeiten stets nebenbei in der Gastronomie gearbeitet. Jetzt absolviere ich – nach meinem ersten Praktikum bei der Credit Suisse – ein zweites Praktikum bei einer Unternehmensberatungsfirma; dann werde ich schauen, ob und wie es mit dem Masterstudium weitergehen soll.

Seid ihr beide zufrieden mit eurer Studienwahl? Babett: Mit meiner Studienwahl selbst bin ich sehr zufrieden. Das Studium gefällt mir; ich finde es sehr viel reichhaltiger und vielfältiger, als ich es mir vorgestellt habe. Die Gestaltung, der Lernrhythmus und die alltägliche Anwendbarkeit des Faches entsprechen mir sehr. Ich habe eher Respekt davor, danach den richtigen Berufseinstieg und die mir entsprechende Richtung zu finden. Gilles: Ich denke, es war «eine richtige» Wahl, eine der besseren von vielen möglichen.

Es ist heutzutage vermutlich doch eine andere Form des Studierens als vor der Corona-Krise – seid ihr sehr eingeschränkt durch die Corona-Massnahmen?

Rudolf Steiner Schule Zürich


Babett: Ja, momentan findet alles online statt und man studiert vom Schlafzimmer aus. Der Austausch mit den anderen Studierenden, zufällige Begegnungen, «Käffele», gemeinsames Lernen oder Fallbesprechungen fallen weg und fehlen mir persönlich sehr. StudienkollegInnen immer wieder zu sehen, gibt mir auch gerade in einem solchen Massenstudiengang Halt und Motivation. Von den Vorlesungen selbst sind wir aber nicht einschneidend betroffen, da diese ohnehin relativ anonym sind und die Beteiligung während der Vorlesungen gering ist. Meine Hoffnung war es aber, dass sich das dann im Master ändern würde und sich kleinere Arbeitsgruppen bilden würden, damit man mehr Austausch hat. Diese Hoffnung ist jetzt aber mit den Online-Vorlesungen untergegangen. Gilles: Ich denke, dass wir beide den Vorteil haben, mit dem Studium begonnen zu haben, als alles noch normal gelaufen ist. Wir haben unsere Kontakte aus der Uni, ein gewisses Netzwerk für Austausch; wir wissen, wie es funktioniert, und konnten uns zusammen durch die ersten Semester kämpfen. Aber jeder, der jetzt mit dem Studium anfängt, tut mir ein bisschen leid. Es ist alles mühsamer und unpersönlicher – sich zu organisieren und neue Beziehungen einzugehen, ist schwieriger. Fachlich gesehen ist es recht erschreckend, zu sehen, wie wenig eine Live-Vorlesung im Hörsaal bringt. Wir hatten viele Podcasts und da gibt es, zumindest in meiner Studienrichtung, kaum nennenswerte Nachteile. Babett: Unsere Studiengänge leben im Wesentlichen nicht davon, dass wir während der Vorlesung viel diskutieren; das ist beispielsweise bei geisteswissenschaftlichen Studiengängen sicher anders.

Jetzt würde ich mit euch gerne einen Sprung in die Vergangenheit machen: Ihr habt beide an unserer

Schule den Kindergarten besucht und alle Stufen bis zum Matura-Abschluss an der Atelierschule absolviert. Was sind eure Erinnerungen an die ersten Jahre im Kindergarten und an der Schule? Babett: Gilles und ich haben uns immer ein bisschen gestichelt, wenn wir vom Kindergarten abgeholt und gemeinsam in den Kinderhort gebracht wurden. Gilles: Das ist eine selektive Wahrnehmung. Ich habe das alles verdrängt. Ich kann mich an den Kindergarten gar nicht mehr erinnern. Babett: Ich habe den Kindergarten als eine sehr freudige Zeit in Erinnerung. Meine Mutter hat mir kürzlich erst gesagt, sie habe es schön gefunden, dass ich stets so fröhlich und lachend nach Hause kam. Ich mag mich auch noch daran erinnern, dass es bis zur 6. Klasse immer eine starke Trennung von Mädchen und Jungs gab.

Wenn ihr an die RSS zurückdenkt, welche Erinnerung kommt dann? Gilles: Die 1. bis 4. Klasse ist mir sehr gut in Erinnerung. Meine Mutter sagt auch, dass ich immer gerne in die Schule gegangen sei und nie ein schlechtes Wort verloren habe. In der 5. bzw. 6. Klasse ist es etwas anders geworden; aber bis hoch zur Atelierschule bin ich immer gerne zur Schule gegangen.

Gibt es Fähigkeiten, die speziell an der RSS gefördert wurden und euch nun im Studium oder auch in den Praktika, die ihr jetzt absolviert, zugutekommen? Gilles: Definitiv. In meinem und Babetts Studienfach fällt das auf. Wenn wir an der Zürcher Hochschule der Künste wären, wahrscheinlich nicht. Wenn man einen konventionellen Studiengang wählt, ist das Kreative, das freie und von Konventionen losgelöste Denken wirklich etwas, was andere nicht oder weniger mitbringen. Das hat

meiner Meinung nach viel mit der Steinerschule zu tun. «Out of the box thinking» ist in der Realwirtschaft gefragt und geschätzt. Doch hat das immer zwei Seiten: Du fängst die Uni an – und plötzlich ist und funktioniert alles ganz anders, als du es kennst. Die Welt ist doch grösser als geglaubt. Aber ich denke, dieses «In-einer-Blase-Dahingedeihen» hat natürlich auch seine Vorteile. Wir Steinerschüler sagen vielleicht eher das, was wir denken – egal, ob es möglich ist oder nicht. Diese Naivität kann bereichernd sein! Babett: Mir ist aufgefallen, dass ich vor allem mit Freunden von der Steiner Schule und der Atelierschule ein vielseitige und tiefgründige Gesprächskultur habe. Und ich denke auch, dass wir gelernt haben, über den Horizont zu denken. Die Steinerschule und auch die Atelierschule haben bei den Schülerinnen und Schülern sehr viel mit Lob und wenig mit Kritik gearbeitet. Das könnte zwar kritisiert werden; bei mir hat dies aber ein starkes Selbstbewusstsein bewirkt – und das hilft mir sehr in meinem Studium.

Wie ist es euch mit dem Lernen im Studium gegangen? Wie habt ihr den Übertritt ins Studium erlebt? War es schwierig für euch in Bezug auf die Lerntechniken und die Stoffbewältigung? Gilles: Das ist sehr individuell. Ich hatte keine grosse Mühe, aber ich weiss von Leuten, denen es schwerfiel. Es ist ein anderer Leistungsdruck. Man muss alles in einer gewissen Form und Frist liefern. Dies war in den 13 Jahren Schule immer eine eher dehnbare Angelegenheit: Man konnte Prüfungen nachholen oder Arbeiten später abliefern. Das geht an der Uni nicht mehr. Da musst du einfach zum Zeitpunkt X liefern, sonst reicht es nicht. Dazu muss man erst einmal lernen, zu lernen. Während der Atelierschule musste ich wenig tun fürs Schulische. Das ist auch ein bisschen das Problem der Atelierschule.

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Ihr seid beide in sehr strukturierten Studiengängen. Was denkt ihr: Wo könnt ihr in eurem Studienfach eure Individualität und Kreativität ausdrücken?

Babett: Ich war erstaunt: Es gab sehr viel zu lernen und es bestand ein grosser Druck, jedoch ist es mir wohl vergleichsweise leichtgefallen. Ich bin an der Uni sehr motiviert und ehrgeizig. Das war in der Atelierschule nicht der Fall; dort waren mir gute Noten nicht so wichtig.

Babett: Das Jura-Studium hat sehr viel mit Sprache zu tun. Und in der Argumentation kann man das Kreative und Individuelle gut einfliessen lassen. Ich habe nicht das Gefühl, dass mir im Studium ein grosser Teil fehlen würde. Es ist zwar nicht jene Kreativität, die wir aus der Schulzeit kennen, aber es stimmt so für mich.

Wenn ihr auf die gesamte Zeit an der RSS und Atelierschule zurückblickt: Welcher Übergang war aus eurer Sicht der prägendste Übergang innerhalb der verschiedenen Stufen? Babett: Ich finde, es war der Übergang von der 6. in die 7. Klasse. Bis zur 4. Klasse waren wir fröhliche Kinder. Ab der 5. Klasse haben wir nicht mehr richtig zur Unterstufe und noch nicht in die Oberstufe gepasst. Erst in der 7. Klasse sind wir wieder an einem guten Punkt abgeholt worden. Ab da wurde man nicht mehr so stark als Kind behandelt; das hat einen grossen Unterschied für mich gemacht. Gilles: Das würde ich unterschreiben. Der Übertritt in die Oberstufe war einfach auch vom Zeitpunkt in der persönlichen Entwicklung prägend. Aber der krasseste Übergang war dann schon der Weggang von der Schule, weil man gewissermassen – raus aus der «Bubble» – eine neue Welt betritt und viele neue, andere Menschen trifft.

An unserer Schule hat der künstlerische Unterricht einen grossen Wert. Gestalten, Zeichnen, Werken und das Musikalische werden intensiv gefördert. Gibt es Dinge, die ihr auch nach der Schule weiterhin ausgeübt habt? Babett: Eine Zeit lang habe ich noch gemalt, doch dann wieder aufgehört. Aber vor etwa drei Wochen habe ich wieder damit begonnen, etwas zu zeichnen. Eigentlich finde ich es sehr schön, aber ich komme nicht oft dazu. Wenn mir mal wieder langweilig wäre, würde ich mich wohl häufiger mit dem Malen und Zeichnen beschäftigen. Gilles: Ich habe kürzlich mein Portfolio aus der 12. Klasse gefunden. Ich bin erschrocken und habe mir gedacht, warum ich eigentlich nicht Kunst studiert habe (lacht). Es ist etwas, was man doch irgendwie vergisst; man hat so viele andere Dinge um die Ohren. Aber mein Interesse fürs Gestalterische und für Ästhetik versuche ich doch, überall wo möglich in meinen Alltag einfliessen zu lassen. Babett: Ich habe es sehr positiv in Erinnerung und habe es sehr genossen, dass wir gegen Ende der Schulzeit drei Nachmittage im Atelier verbringen durften und eigene Projekte selbstständig erarbeiten konnten.

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Gilles: Im Wirtschaftsbereich kann man Kreativität erstaunlicherweise sehr gut einbringen; zudem ist es eine sehr gefragte Perspektive. Mein etwas unkonventioneller und individueller Ansatz kommt auch bei Vorstellungsgesprächen an. Ich würde das schon als eine Art Differenzierungsmerkmal sehen. Das hat nicht nur, aber auch mit der Steinerschule zu tun. Vernetzt zu denken, etablierte Dinge zu hinterfragen, über den Tellerrand zu sehen, das grosse Bild zu verstehen und nicht nur die Formeln richtig anzuwenden – das sind durchaus Qualitäten, die von der Steinerschule mitgenommen werden können. Meinen individuellen oder teils kreativen Ansatz empfinde ich in der Berufswelt als begehrt.

Gibt es etwas, das ihr rückblickend in eurer Schulzeit vermisst? Gilles: Ich möchte zwei Aspekte nennen: Was ich wirklich speziell finde, ist, dass wir die Steinerschule besuchten und nicht wussten, welches Konzept dahintersteht. Das hat uns nie jemand erzählt. Wir werden danach gefragt und können gar nichts darüber sagen. Klar, man weiss ein paar Sachen, aber das wird nie im Unterricht besprochen. Ich finde, das müsste man mit den Schülerinnen und Schülern thematisieren. Man muss ja nicht ins Detail gehen, aber über gewisse Sachen sollte man doch sprechen. Zum Beispiel, wie Anthroposophie im digitalen Zeitalter gelebt wird, welche Vorstellungen es gibt, was

Rudolf Steiner Schule Zürich


nicht funktioniert und wo es Konfliktpunkte gibt. Ich weiss nicht, ob ich es damals spannend gefunden hätte; aber rückblickend sage ich: Das habe ich vermisst. Das Zweite, was mir gefehlt hat: An der Staatsschule gibt es das Fach «Mensch und Umwelt», durch das man sich stärker mit realitätsnahen Themen beschäftigt – beispielsweise Freiheit, Religion und das Zusammenleben der Menschen in der Schweiz; ebenso mit Wirtschafts- und Rechtsaspekten, die bei uns nicht oder kaum vorkamen. Ich denke, da würde sich ein Blick nach aussen, in die Realität, auf alle Fälle lohnen. Babett: Wirtschaftliche Thematiken, Sexualität und auch Gleichstellung: Solche Themen wurden meiner Meinung nach nicht ausreichend diskutiert. Und natürlich hat Informatik gefehlt. Ich hätte mir auch immer einen Schulball gewünscht (Anmerkung der Redaktion: Seit ein paar Jahren gibt es einen Oberstufenball). Gilles: Ich glaube nicht, dass es der Auftrag der Schule ist, mir Power-

Point beizubringen. Was ich jedoch bedaure, ist, dass ich nie «gezwungen» wurde, es mir anzueignen. Striktere formelle Vorgaben und Kontaktpunkte mit Excel würden den Einstieg ins Studium erleichtern.

Es ist sehr interessant, was ihr als «Vermisstes» rückblickend aufgezählt habt. Auch wir im Kollegium haben die Bedürfnisse wahrgenommen und uns überlegt, wie wir diese mit den SchülerInnen bearbeiten können. Wir haben viele dieser Themen in die neuen fächerübergreifenden Epochen in der Oberstufe aufgenommen. Eine allerletzte Frage habe ich noch an euch: Wie ist eure heutige Verbindung zur Schule? Babett: Ich habe kaum noch eine Verbindung zur Schule. Ich war bisher zweimal am Weihnachtsbazar und an einem Konzert. Gilles: Ich musste tatsächlich eine Auszeit von der Schule nehmen. Ich brauchte erstmal Abstand. Neues Kapitel, neue Welt – darauf wollte ich mich fokussieren. Vielleicht auch ein wenig Ernüchterung und Ent-

täuschung darüber, dass die Welt da draussen doch ganz anders ist. Ernüchtert aber nicht etwa über diesen Fakt, sondern vielmehr darüber, dass mir in 13 Schuljahren ein doch etwas verzerrtes Bild von der Realität gezeichnet wurde. Ich kann diese Gefühle mittlerweile gut handeln. Es besteht also eher ein loser Kontakt zur Schule, aber viele gute Freunde von damals darf ich noch immer als solche bezeichnen. Babett: Meine Freundschaften sind geblieben und das finde ich sehr schön. Ich denke, das ist auch nicht selbstverständlich. Auch mit Schulbekanntschaften, die ich nicht so oft sehe, ist es immer herzlich, man findet schnell wieder zueinander. Meine SchulfreundInnen gehören bis heute noch zu meinen engsten Freunden. Gilles: Wir haben doch eine grosse gemeinsame Basis, viele Erinnerungen und Erlebtes!

Liebe Babett, lieber Gilles, ich danke euch herzlich für das Gespräch!

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Menschen an unserer Schule

Axel

Fra nz is ka

Berna d et te

liebe Franziska! Auf Wiedersehen,

Text: Birgit Purainer

Franziska Spalinger geht in den Ruhestand? Unvorstellbar für uns alle! Franziska hat die Schule in all ihren Facetten durchlebt, verantwortlich geführt und prägend mitgestaltet. Wie schaffen wir es, unsere liebe und engagierte Kollegin und ihr reichhaltiges, freudiges sowie

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fachkundiges Schaffen ausreichend zu würdigen? Es kann und wird nur ein Versuch bleiben: Schon Franziskas Eltern waren prägende Lehrpersonen an unserer Schule, und sie selbst war zusammen mit ihren Schwestern vom Kindergarten an Schülerin an der Rudolf Steiner Schule

Zürich. Somit hat sie von Kindesbeinen an einen Grossteil ihres Lebens und später auch ihr Berufsleben als Kindergärtnerin an unserer Schule verbracht. Mit ihren Kindergärten ist Franziska immer ausserhalb des Schulgeländes Rudolf Steiner Schule Zürich


gewesen. Dadurch war sie während der Unterrichtszeiten auf sich selbst gestellt und hatte im Arbeitsalltag wenige Ansprechpersonen um sich. Durch ihre sichere, verantwortungsvolle und hochprofessionelle Arbeitsweise konnte sie diese Herausforderung problemlos bewältigen. Ihren ersten eigenen Kindergarten hat sie mehrere Jahre an der Carmenstrasse geführt. Der Abschied von diesen Räumlichkeiten ist ihr schwergefallen, denn sie fühlte sich dort sehr wohl und war enorm verbunden mit diesem Ort. Der Umzug des Kindergartens an die Sonnenbergstrasse führte sie zurück an den Ort, an dem sie selbst aufgewachsen ist: Einige Jahre hat Familie Spalinger im Haus an der Sonnenbergstrasse gelebt. Viele lustige «Dummheiten-Geschichten» konnte sie ihren Kindergartenkindern von ihrer Zeit als Kind in diesem Haus erzählen. Auch der erneute räumliche Wechsel des Kindergartens letztes Jahr zur Dolderstrasse bedeutete für Franziska Spalinger wieder eine «Reise zurück», ist sie doch als Kind in diesen Räumlichkeiten selbst in den Kindergarten gegangen. Das sind wirklich schicksalshafte Windungen – und letztendlich zeigt sich in diesen Umständen ein stimmiger und intensiver Lebensfaden. Die Gruppenräume im Kindergarten von Franziska sind stets sehr liebevoll eingerichtet, bieten ein üppiges Spielangebot für Mädchen sowie Jungen und verströmen eine Atmosphäre der Wärme. Sie liebt es, grosse Gruppen zu führen, und war oftmals bereit, Kinder aufzunehmen, die eine besondere Aufmerksamkeit und Betreuung benötigen. Ihre liebevolle, respektvolle und dem Kinde zugewandte Arbeitsweise beeindrucken nachhaltig. Künstlerisch ist

Franziska mit einer grossen Begabung beschenkt. Sie ist immer kreativ tätig und beschäftigt. Selbst wenn sie im Zug sitzt, hat sie immer etwas zum Stricken oder Nähen dabei – meist Geburtstagsgeschenke für Kinder, die sie besonders schön gestaltet. Auch kleine Büchlein mit Sprüchen für die Kinder hat sie gerne gestaltet. Ihre musikalische Begabung zeigte sich nicht nur im Gesang beim Puppenspiel, sondern auch beim Flöteund Harfespiel. Viele Jahre hat sie das Sommerspiel und das Adventsgärtlein musikalisch begleitet. Im ErwachsenenChor fehlten einmal Männerstimmen und so hat sie – wie es Franziska eigen ist – ganz selbstverständlich mit Leib und Seele bei den Männern mitgesungen und den Ton angegeben. Ein herrliches Beispiel ihrer Tatkraft und Offenheit. Beim Schreiben dieses Textes wieder ein Moment zum Schmunzeln. Die Elternzusammenarbeit ist Franziska sehr wichtig. Die Elternabende sind fachlich tiefgreifend gestaltet und für die Eltern eine enorme Unterstützung, um die Entwicklungsschritte ihrer Kinder zu erkennen und zu verstehen. Franziska Spalinger zeichnet sich durch eine besondere Beobachtungsgabe aus und wird deshalb im Kollegium und auch von der Elternschaft oft zu Rate gezogen. Bei all ihren Kindergartenkindern hat sie Hausbesuche gemacht, um zu spüren, wo das Kind lebt und mit welchem Umfeld es täglich umgeben ist. Dies war schon allein aufgrund der grossen Kindergartengruppen, die Franziska führte, ein enormer Aufwand. Sie hat es als grosse Bereicherung und Hilfe für ihre eigene Tätigkeit empfunden. Ihren umfassenden Erfahrungsschatz und ihr fundiertes fachliches Wissen gibt sie seit vielen Jahren in unserer Kollegiumsarbeit und als Dozentin an der AfaP im Kindergarten-

seminar weiter. Es ist ihr ein wichtiges Anliegen, die anthroposophische Pädagogik lebendig zu halten. Franziska Spalinger ist eine unglaublich aktive, wissbegierige, mutige und neugierige Frau und deshalb erstaunt es nicht, dass sie auch ausserhalb der Schweiz noch tätig ist. So bietet sie mitunter für angehende Kindergärtnerinnen in Japan Weiterbildungskurse an. Sie ist fasziniert von der Schönheit des Landes, vom starken anthroposophischen Impuls und Engagement der Menschen in Japan. Franziska Spalinger besitzt ein besonders ästhetisches Empfinden; das zeigt sich nicht nur in ihren künstlerischen Arbeiten, sondern auch in ihrem Auftreten. Man trifft Franziska immer sehr stil- und geschmackvoll angezogen und mit einer äusseren und inneren Eleganz an. Es wäre noch so viel zu erwähnen: ihre immense Einsatzbereitschaft, ihr Ehrgeiz, genaues analytisches Denken, umfassendes pädagogisches Wissen, ihre Zukunftsvisionen und Bemühungen um individuelle Lösungen, enormes Verantwortungsgefühl, ihr Wirken als gute Rhetorikerin, Fachautorin, Lehrplan-Entwicklerin (Elementarstufe und Übergangsbegleitung) …, aber der Platz geht zu Ende. Franziska Spalinger wird eine grosse Lücke in unserem Kollegium hinterlassen; um so dankbarer sind wir, dass sie uns weiterhin mit Rat und Unterstützung zur Seite stehen wird. Liebe Franziska, für Dein unermüdliches, prägendes, visionäres und kollegiales Wirken an unserer Schule danken wir Dir von Herzen! Wir wünschen Dir viel Freude, neue kreative Ideen, schöne Theaterabende und alles Gute für Deinen neuen Lebensabschnitt!

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Goodbye, au revoir und arrivederci,

liebe Bernadette! Text: Birgit Purainer

Unsere liebe Kollegin Bernadette Ilari wird Ende dieses Schuljahres ihren verdienten Ruhestand antreten. Eine tragende und prägende Kollegin wird uns somit verlassen. Bernadette Ilari hat ihre berufliche Laufbahn als Fremdsprachenlehrerin an der Rudolf Steiner Schule Albisrieden begonnen und seit deren Schliessung – vor mehr als 17 Jahren – an unserer Schule in der Mittelstufe die Fremdsprachen Englisch und Französisch unterrichtet. Mit grossem persönlichen Einsatz und ausgeprägter Verlässlichkeit hat sie diese Aufgabe übernommen und ausgeführt. Es ist stets zu spüren, dass es ihr wichtig ist, dass alle Kinder in den Fremdsprachen Fortschritte machen, dass sie Freude an der Sprache und auch eine gute Arbeitshaltung entwickeln. Klar und verständlich strukturiert ist ihr Unterricht. Für eine besonders intensive und gute Unterrichtsvorbereitung ist Bernadette im Kollegium bekannt und geschätzt. Ihr Fremdsprachenzimmer pflegte und gestaltete sie liebevoll, wunderschön sowie mit Sorgfalt und schaffte somit eine lernfreundliche Atmosphäre für die Kinder. Mit eindrücklicher und spürbarer Präsenz, grosser Kompetenz und Zugewandtheit steht sie vor den SchülerInnen und bleibt während der ganzen Unterrichtseinheit stets eng mit den Kindern in Verbindung. Schöne und saubere Heftführung, gutes Üben der Vokabeln und das Erledigen der Hausaufgaben werden verbindlich von ihr eingefordert. Falls

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einmal der «Schlendrian» bei einem Kind drin ist, scheut sie sich auch nicht davor, die Eltern telefonisch aufzufordern, hier mehr Unterstützung zu bieten und die Hausaufgaben verbindlich zu begleiten. Aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen. Bernadette Ilari ist sehr beliebt bei den Kindern, gerade die klare Unterrichtsführung und die geforderte Disziplin werden von ihnen sehr geschätzt. Sie strahlt als Lehrperson und Kollegin eine natürliche Autorität und Klarheit aus. Ein weiteres grosses Anliegen war Bernadette die Finanzsituation der Schule. Sie kämpfte dafür, dass auch Familien mit geringerem Einkommen ihren Kindern den Besuch unserer Schule ermöglichen können. An Diskussionen zu finanziellen Belangen der Schule rief sie uns immer die soziale Verantwortung als Steinerschule ins Bewusstsein. Eine sozial gerechte und weltoffene Schule ist ihr Bestreben; hierfür hat sie nicht nur in den Konferenzen und Mitgliederversammlungen leidenschaftliche Beiträge geleistet, sondern auch durch ihr Engagement in Mandatsgruppen, vor allem in der WzQ-Gruppe (Wege zur Qualität). Bernadette ist ein unglaublich loyaler, verantwortungsvoller und kollegialer Mensch, scheut sich zugleich nicht davor, Kritik offen und direkt zu äussern – selbstverständlich immer in ihrer gewohnten respektvollen Art und Weise. Es ist vorbildlich, wie Bernadette Konflikte direkt angeht und versucht, diese

ohne «um den heissen Brei herumzureden» zu lösen. Bernadette verfügt über eine grosse Beobachtungsgabe und pädagogisches Feingespür. Sie ist nie für schnelle Urteile oder das Öffnen von «Schubladen» zu haben. Dem Kinde zugewandt, gut vorbereitet, überlegt und sorgfältig formulierend hat sie sich an Kinder- und Klassenbesprechungen beteiligt. Ihre pädagogische Kompetenz, die Unterrichtsgestaltung, ihre Reflektionsfähigkeit und der Umgang mit den Kindern werden im Kollegium sehr geschätzt und gewürdigt. Bernadette ist eine stille, fleissige und zuverlässige «Schafferin». Sie stellte sich nie in den Vordergrund, obwohl sie es oft verdient hätte. Mit ihrer Loyalität und Authentizität ist sie uns allen ein Vorbild. Abschliessend bleibt noch der Wunsch einer Kollegin zu vermerken: «Ich wüsste doch gerne noch ihr Geheimnis, wie sie es schafft, immer alle Klassen im Griff zu haben.» Liebe Bernadette, vielleicht verrätst Du uns das Geheimnis in den verbleibenden Schulwochen ja doch noch. Wir danken Dir von Herzen, dass Du mit Deiner Schaffenskraft und Deinem Engagement an unserer Schule so prägend gewirkt hast. Wir wünschen Dir alles Gute, Gesundheit und viel Freude in Deinem Ruhestand.

Rudolf Steiner Schule Zürich


Auf Wiedersehen,

lieber Axel!

Text: Birgit Purainer

Axel Boos kam vor 24 Jahren von der Freien Waldorfschule Schopfheim als Eurythmist nach Zürich an unsere Schule. Seit der Gründung der Atelierschule Zürich ist er auch dort als Eurythmie-Lehrer tätig. Neben der Eurythmie unterrichtete Axel Boos zudem Geographie- und Geologie-Epochen in der Oberstufe; nun darf er im Sommer in den Ruhestand gehen. Axel absolvierte eine Eurythmie-Ausbildung in Deutschland an der Schule für Eurythmische Art und Kunst in Berlin sowie eine Heileurythmie-Ausbildung in East Grinstead (England). Diese beiden Stationen sind wichtig, um sich dem Menschen Axel Boos anzunähern: Axel ist intuitiv schon immer ein «Weltbürger» und denkt nicht in Landesgrenzen. Er hat ein tief verankertes und grosses Interesse an der Welt und den Menschen. Fremde Kulturen, Religionen, Politik und Gesellschaften faszinieren ihn. So führten ihn seine vielen Reisen in die verschiedensten Länder unserer Erde. Seine Erfahrungen und Eindrücke hat er seinen SchülerInnen lebhaft und authentisch weitergegeben. Durch seine sprachlich faszinierenden Schilderungen konnten die Jugendlichen in andere Welten und Kulturen eintauchen und ein Interesse daran aufbauen. Axel Boos zeichnet sich durch eine grosse Menschenliebe, Toleranz und Offenheit aus. Diese Werte hat Axel auch stets im Unterricht vermittelt. Viele Gespräche über soziale Verantwortung und soziales Handeln hat er mit ihnen einzeln oder

in der Klasse geführt. Die Kinder und Jugendlichen spüren sein wahrhaftes Interesse am Einzelnen und respektieren und schätzen ihn sehr. Aufgrund seiner Belesenheit und seinem grossen Interesse an alten und neueren kulturellen Epochen kann er auch zu vielen Fragen der Jugendlichen etwas beitragen und ist ein beliebter Gesprächspartner. Viele Sommerspiele hat Axel begleitet und betreut. Auch in die Rolle des Pan ist er hin und wieder geschlüpft. Seine Bühnenpräsenz und seine wunderbare Sprachkunst bleiben uns nachhaltig in schöner Erinnerung. Auch seine Kenntnisse der Geologie und sein Interesse an schönen Kristallen hat er an die SchülerInnen weitergegeben; äusserst beliebt ist auch sein traditioneller Steine-Stand am Weihnachtsbazar. Liebevoll und mit einer gewissen Strenge leitete er seine Eurythmie-Stunden. Die Wahl der Übungen und der Begleitmusik entsprach den jeweiligen Bedürfnissen der menschenkundlichen Situation der SchülerInnen und hatten immer das Ziel, Freude an der Bewegung und Sprache zu vermitteln. Mit seiner starken Persönlichkeit, seiner ausserordentlichen Einfühlungs- und Leitungsgabe kann Axel die lebhaften Klassen in diesem bewegten Unterrichtsfach immer gut führen. Unzählige, wunderbare und bewegende Aufführungen der SchülerInnen hat er auf unsere Bühne gebracht und somit die gesamte Schulgemeinschaft beschenkt.

Axel Boos hat sich in mehreren Mandatsgruppen engagiert. Viele Jahre hat er im Festeskreis die Schulfeste und Quartalsfeiern mitgestaltet. Die letzten Jahre arbeitete er in der Präventionsgruppe und im Elternrat mit. Ein aufrechter, ehrlicher und direkter Dialog mit den Eltern und die Vermittlung eines Verständnisses für die Anthroposophie waren und sind ihm wichtig. Viele Jahre hat er für Eltern einen Eurythmie-Kurs angeboten und die Einnahmen einem sozialen Projekt gespendet. Seine Verankerung in der Anthroposophie und seine umfangreiche Kenntnis der Menschenkunde werden im Kollegium sehr geschätzt; seine Beiträge und Meinungen werden in der Konferenz sicherlich sehr vermisst werden. Lieber Axel, wir danken Dir für Deinen Einsatz und wünschen Dir, dass Du Deinen Ruhestand schwungvoll und mit dem Dir gewohnten Elan geniessen kannst. Wir sind gespannt, ob nicht einige Postkarten aus fernen Ländern bei uns ankommen.

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Innen und Aussen

Resignation oder Begeisterung? Pädagogische Impulse angesichts der heutigen Weltlage Text: Thomas Stöckli

Viele empfinden die momentane Zeit so, dass einem fast nichts anderes übrigbleibt, als zu resignieren. Es brechen nach und nach die Sicherheiten weg, alles wird unverlässlicher und verwirrend. Zu den einschneidenden «Corona-Massnahmen» kommen nun die seelischen Probleme wie Depressionen, Ängste, Einsamkeit, Ohnmacht und Gewalt. Wie finden wir vor diesem Hintergrund die Kraft, als Erwachsene der nachfolgenden Generation Lebensmut vorzuleben?

Dr. phil. Thomas Stöckli ist Erziehungswissenschaftler und Dozent; er forscht an der Akademie für anthroposophische Pädagogik (AfaP, www.afap.ch) und am Institut für Praxisforschung (www.institut-praxisforschung.com).

Wir wissen, wie schädlich sich in der Pädagogik negative Gedanken, Resignation und Perspektivenlosigkeit auswirken. Die drängende Frage ist heute, wie wir unsere eigene Ohnmacht und resignative Kraftlosigkeit überwinden können. Ja noch mehr: Wie finden wir sogar zu einer inneren Begeisterung, die Steiner in einer Pädagogik erwartete, die in der nachfolgenden Generation Zukunftskräfte wecken sollte? Vielleicht ist es eine Frage der eigenen Haltung. Denn es gibt eine Form der Begeisterung, des inneren Feuers, die mit wachsenden Krisen wächst. Was Rudolf Steiner bei der Eröffnung der ersten Waldorfschule (im August 1919) den Lehrkräften ans Herz legte, kann auch heute noch ein Leitmotiv für jede Erzieherin und jeden Erzieher sein:

«Durch das Interesse für die Welt müssen wir erst den Enthusiasmus gewinnen, den wir gebrauchen für die Schule und für unsere Arbeitsaufgaben. Dazu sind nötig Elastizität des Geistigen und Hingabe an unsere Aufgabe. Nur aus dem können wir heute schöpfen, was heute gewonnen werden kann, wenn Interesse zugewendet wird: erstens der grossen Not der Zeit, zweitens den grossen Aufgaben der Zeit, die man sich beide nicht gross genug vorstellen kann.» 30

Was für eine Herausforderung – den Enthusiasmus aus grosser Not und grossen Aufgaben gewinnen! Doch genau diese Form der Begeisterung, diese Art von Idealismus wirkt ansteckend auf die junge Generation. Denn sie suchen Erwachsene, die die Wirrnisse und Krisen unserer Zeit nicht nur von Büchern kennen, sondern selbst durchleben und durchleiden – und sich dabei nicht unterkriegen lassen. Denn durch dieses «Aufrechtschreiten durch das Nichts» werden Kräfte freigesetzt, die den Widerständen trotzen können. Ist es nicht so, dass wir alle immer von Neuem durch die Ohnmachtserfahrung gehen müssen? Dass neue Kräfte erst gefunden werden, wenn die alten Kräfte am Ende sind? Dass es doch immer wieder die Erfahrung braucht, dass es nicht das kleine «Ich» ist, das inmitten von Krisen und Nöten «Be-Geisterung» (d.h. einen neuen Geist) findet, sondern das «höhere Ich in mir». Viele Menschen suchen heute eine zeitgemässe Spiritualität, die sie frei lässt von religiöskonfessionellen Traditionen. Ein neuer Weg wird gesucht: Die Suche nach einer inneren Auferstehung aus der Ohnmacht lebt dabei – wenn auch oft ganz unbewusst – im Herzen, wie es der Künstler Beuys formulierte: «In der Tiefe der Nacht, in der Tiefe der Isolation, in der völligen Abgeschiedenheit von jedem Spirituellen vollzieht sich ein Mysterium im Menschen. Erst wenn man ein ganz neuer Mensch geworden ist, wird man auch zu Dingen fähig werden, die bisher dem Menschen unmöglich Rudolf Steiner Schule Zürich


erschienen sind. Diesmal muss die Auferstehung durch den Menschen selbst vollzogen werden. Der Mensch muss sich gewissermassen selbst mit seinem Gott aufraffen. Er muss Bewegung vollziehen, Anstrengungen machen, um sich in den Kontakt zu bringen mit sich selbst. Und das ist ja der wahre Sinn des Wortes Kreativität. Inkarnation des Christuswesens in die physischen Verhältnisse der Erde. Dadurch hat sich ein kosmisches Ereignis vollzogen, kein nur historisches. Da hat sich ein Kraftfluss von absoluter Realität vollzogen.» Joseph Beuys lebte diese Kreativität vor – als ein sozialer Künstler, der sich «durch Kraftverschwendung ernährte», wie er es nannte. Und darauf sprechen heute besonders die Jugendlichen an. Sie sehen die grossen Probleme und beobachten sehr genau, ob sich die ältere Generation mit innerer Begeisterung für Veränderungen einsetzt und mutig in jedem Moment versucht, aus dem «Nichts» heraus kreativ zu wirken. Und ob sie einen Bezug finden, jenseits von ihrem kleinen «Ego», zu einer Dimension, die im Menschen neue Kräfte generieren kann. Es ist heute so, dass sich alles umwandeln und weiter entwickeln muss. Oder es fault und stirbt ab. Der Begründer der Waldorfschule, Rudolf Steiner, formulierte es anlässlich einer Jugendtagung im Juni 1924 sehr deutlich:

«Das Wichtigste ist, dass man im Wachstum bleibt. Jeden Tag ist die Gefahr vorhanden, dass die Dinge sauer werden. Das ist es, worauf es ankommt, dass man nicht vom Kleben an den Gewohnheiten einschläft, wenn man etwas tun soll, wenn man etwas bereiten soll.» Nachhaltige Veränderungen müssen sich immer auch im Inneren des Menschen ereignen. Denn ist nicht ein Mensch, der seine ureigene «Institution», seine Persönlichkeit umwandelt, ein revolutionäres Ereignis? Dieses wird dann auch Wirkungen auf die direkte Umgebung zeigen. Ohne diese inneren Kräftequellen ist der Einzelne sowieso zu schwach. Dazu gibt es den Weg der Meditation, in der einen dieser innere Lebensstrom wieder neu auf-

bauen kann – weil sich heute alles durch die Auferstehungskräfte neu konstituieren möchte, wenn wir ihnen Raum geben. Dazu eine Meditation von Rudolf Steiner (in GA 245):

Sieghafter Geist Durchflamme die Ohnmacht Zaghafter Seelen. Verbrenne die Ichsucht, Entzünde das Mitleid, Dass Selbstlosigkeit, Der Lebensstrom der Menschheit, Wallt als Quelle Der geistigen Wiedergeburt. Die neue Welt gibt es bereits: Mitten in den Dekadenz-Erscheinungen, die wir in uns und um uns herum erleben. Diese neue Welt gilt es zu stärken, sie ist bereits zu einer Grösse angewachsen, die einem Hoffnung gibt und Begeisterung schenkt. Überall gibt es Möglichkeiten, sich mit diesen Kräften zu verbinden, sie weiterzuentwickeln und dadurch eine ansteckende seelische und soziale Gesundheit zu verbreiten. Und eben dazu braucht es diese innere Kraft der Begeisterung. Die Leitidee Steiners dazu aus der Jugendansprache 1924 gilt auch heute noch:

«Wir haben es wirklich nötig, wirklich in Begeisterung zu kommen. Begeisterung wird alles machen. Dann wird das Wort einen Sinn haben: Begeisterung trägt den Geist in sich. — Das ist etwas, was sehr natürlich ist. Enthusiasmus braucht man. Enthusiasmus trägt den Gott in sich …» Solche Begeisterung aus der grossen Not der Zeit und den grossen Aufgaben der Zeit zu schöpfen, das ist eine wirksame Therapie gegen Resignation und gegen Ohnmachtsgefühle angesichts der Wirrnisse unserer Zeit. Zum Nachlesen: Rudolf Steiner in: Allgemeine Menschenkunde, GA 293, Ansprache vom 20.8.1919, Dornach 1993, Rudolf Steiner Verlag Joseph Beuys in: Christus in der bildenden Kunst, München 1989, Kösel Rudolf Steiner: Jugendansprache in Breslau, 9.6.1924

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Aus dem Schulleben

Es geht ums Schreiben: Literarisches aus dem Unterricht Text: Sibylle Rohdich

Im Unterricht werden sehr viele Texte geschrieben, die in erster Linie nur eine Leserin bzw. einen Leser haben: die Lehrperson. Wenn die Zeit reicht, dann hören einmal auch die MitschülerInnen die literarischen Versuche der KollegInnen. Da sich Texte immer an ein Publikum wenden, ist es von Zeit zu Zeit wichtig, Einzelnen dieses Forum zu ermöglichen und ihre grossartigen Bemühungen um eine eigene Sprache und Ausdrucksweise einer grösseren Leserschaft vorzustellen.

Alte Zeiten kann man nicht zurückbringen Autor: Lino Battaini (8. Klasse) Ich schaue aus dem Fenster auf die nassen Strassen, die von dem Licht der Laternen glänzen. Wenn Autos durch die Pfützen fahren, rauscht es. Der Abendverkehr dröhnt in den Strassen, während der schon nächtliche Himmel über London schläft. «Dong! Dong! Dong! Dong! Dong! Dong! Dong!», schlägt es vom Big Ben. Sieben Uhr. Ich erhebe mich aus meinem Sessel, nehme meinen Mantel und den Hut, ziehe den Regenschirm mit dem verzierten Holzgriff aus dem Schirmständer. Nun trete ich ins grosse, gähnend leere Betontreppenhaus mit den Eisengeländern. Ich schliesse die Tür doppelt ab, setze meinen Hut auf und steige in den Lift. Wie jeden Tag um sieben. «6, 5, 4, 3, 2, 1» lese ich auf dem goldverzierten Anzeigedisplay. Die Tür geht vor mir auf. Zigarrenrauchende Männer in Anzügen, edel gekleidete Frauen, Taxen und Busse rauschen an mir vorbei. Ich setze mich in Richtung Prince Avenue in Bewegung, laufe die Central Street hinunter wie jeden Tag um diese Uhrzeit. Um fünf nach sieben komme ich wie jeden Tag im Big Ben Pub an. Ob Tom und Andrew schon da sind? Ich gehe auf die Tür zu und stosse sie auf. Ein angenehmer Geruch und der sanfte Musikpegel umarmen mich. «Hi», höre ich Millie vom Tresen aus sagen. «Nicht viel los!», höre ich. Wie immer gehe ich zum hintersten Tisch ganz links in der Ecke. Seit dreissig Jahren sitze ich hier jeden Tag um sieben Uhr mit Tom und Andrew. Millie kommt zu mir: «Darf ich dir etwas bringen?» «Ein Bier bitte», sage ich. Ich schaue auf die Uhr. Haben sich Tom und Andrew verspätet? Kann ja sein, bei dem Gewusel auf der Strasse. Ich schaue aus dem grossen Glasfenster hinaus: Junge Gesellen, die miteinander plaudern, Frauen mit Kinderwagen, die aufgeregt miteinander diskutieren. Sie alle gehen bestimmt noch etwas trinken oder essen mit ihren Familien. Ich schaue wieder auf die Uhr. Heute verspäten sich die zwei aber! Ich trinke einen kräftigen Schluck von meinem Bier. Es ist die beste Zeit des Tages. Sonst sitze ich nur in meiner Wohnung und schaue auf die Strasse. Ich zünde mir eine Pfeife an und warte, geniesse den Duft meiner Pfeife und warte. Ich warte den ganzen Abend. Um kurz vor zehn zahle ich und gehe. Andrew und Tom sind nicht gekommen. Ich werde morgen wieder hier sein, auch wenn ich weiss, dass sie nicht kommen werden und ich umsonst auf sie warte.

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Die Familie Autor: Simon Kurath (8. Klasse) Seine Freundin redete mit dem Barkeeper, aber er verspürte kein Interesse, sich am Gespräch zu beteiligen. Er nickte nur ab und zu oder schüttelte den Kopf. Seine Freundin und der Barkeeper redeten über den kürzlich ausgebrochenen Krieg in Europa. Konnte man dieser Nachricht wirklich Glauben schenken? Wenn es wirklich so war, was würde aus seinen Eltern und seinen Geschwistern in Frankreich? Wenn er daran dachte, was er schon über die Nazis gehört hatte, wurde ihm speiübel – trotz des guten Drinks, den ihm sein bester Freund in der wohl schönsten Bar Amerikas zubereitet hatte. Aber Grund zur Sorge bestand noch nicht, da Frankreich ein eigenständiges Land war, mit dem wohl stärksten Militär Europas. Trotzdem machte er sich immer mehr Sorgen. Seine Freundin mochte noch so unbeschwert wirken und sprechen. Sie wusste nichts von seiner Vergangenheit, seiner Familie in Europa. Er hatte es ihr immer verschwiegen. Auch seinen wahren Glauben hatte er ihr verheimlicht, aus Angst, sie wolle ihn dann nicht mehr zum Freund. Auch in seinem Freundeskreis hatte er es niemandem gesagt, nicht einmal seinem besten Freund, dem Barkeeper. Er hatte immer und ständig Angst vor Antisemitismus. Plötzlich verstummte das Gespräch neben ihm. Der Barkeeper drehte sich um und wusch ein paar Gläser ab. Die Bar war fast leer. Nur noch ein anderer Mann war anwesend, der still seine Zeitung las. Um auf andere Gedanken zu kommen, dachte er daran, dass seine Freundin heute zum ersten Mal übers Wochenende zu ihm in die Wohnung kommen wollte. Bis jetzt wusste sie nämlich noch nicht, wo er wohnte. Sein Freund hatte die Gläser abgetrocknet und schlurfte wieder zu ihnen. Als er wieder bei ihm und seiner Freundin angekommen war, wusste er erst gar nicht, wie ihm geschah. Der Barkeeper lehnte sich zu ihnen herüber, holte tief Luft und begann, über die Juden zu schimpfen und ihren Glauben in den Dreck zu ziehen. Zu allem Übel stimmte ihm seine Freundin noch zu. Das war eindeutig zu viel für ihn. In seinem Magen begann es zu brodeln, ja fast zu kochen. Die blanke Wut stieg in ihm auf. Er sprang von seinem Hocker, schlug auf den Tisch und schmiss sein Glas auf den Boden. Dann packte er seine Tasche und rannte aus der Bar. Er rannte ohne Unterbrechung zum Bahnhof, wo er gerade den Zug in den Vorort der Stadt erwischte, in dem seine Wohnung lag. Im Zug bemühte er sich, an nichts zu denken. Als er bei dem Mehrfamilienhaus ankam, brannte auf der Höhe seiner Wohnung schon Licht. Da er das komisch fand, hechtete er die Treppe hoch bis in den Dachstock, in dem seine Wohnung lag. Hatte er das Licht brennen lassen? Als er die Tür aufschloss, war darin seine Familie versammelt – angereist aus Frankreich.

Thema im Unterricht der 8. Klasse war die klassische Kurzgeschichte, deren besonderer Merkmale sich die Jugendlichen durch Lesen entsprechender Lektüre oder durch eigenes Schreiben anzunähern versuchten. Am Ende sollte eine eigene Kurzgeschichte zu einem von sieben zur Verfügung gestellten Bildern entstehen. Zum grossartigen Gemälde «Nighthawks (Nachtschwärmer)» von Edward Hopper sind diese zwei Kurzgeschichten entstanden. Beide Autoren haben sich intensiv mit dem Bild auseinandergesetzt und zwei Geschichten geschrieben, die wunderbar die Leere und Melancholie des Bildes einfangen.

Dabei haben sie versucht, das Formale einer Kurzgeschichte zu beachten und trotzdem ihre ganz persönliche Sprache zu finden.

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Bei den schönen Schafen Text: Vera Torriani und die 3. Klasse

Im Rahmen des Handwerker-Themas in der 3. Klasse durften wir im letzten Herbst Schafe scheren. Am Dienstag, den 20. Oktober 2020, machten wir uns zu Fuss bei kühlem, strahlendem Wetter auf den Weg zum Toblerplatz. Die 3. Klasse durfte unter der fachkundigen Leitung von Frau Homeyer und Frau Reisinger zwei Schafe scheren. Mit tatkräftiger Hilfe unserer Handarbeitslehrerin, Frau Schumacher, und Müttern aus der Elternschaft wurde die gewonnene Wolle mit Handkarden, einer Kardmühle sowie Handspindeln bearbeitet. Herzlichen Dank an alle Helferinnen, die uns diesen wunderbaren, unvergesslichen Tag ermöglicht haben!

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SINNSTIFTEND ZUSAMMEN WIRKEN


Gedanken zum Tode von Henning Köhler Text: Birgit Purainer

Henning Köhler – Heilpädagoge, Kinder- und Jugendtherapeut, Dozent und Autor – ist am 08. April 2021 verstorben. Viele Sachbücher hat er geschrieben und darin aufgerufen, sich für eine psychisch und physisch stärkende Begleitung von Kindern einzusetzen. «Von ängstlichen und traurigen Kindern», «Schwierige Kinder gibt es nicht» und «War Michel aus Lönneberga aufmerksamkeitsgestört?» ist nur eine kleine Auswahl aus der Vielzahl von Sachbüchern, die er verfasst hat. Henning Köhler kam an unsere Schule, um mehrere Vorträge vor Eltern, Kollegium und an der anthroposophischen Sommertagung zu halten. Im Kollegium hat er vor vier Jahren eine intensive Arbeit zu Kindern mit ADHS gestaltet. Seine starke Präsenz, sein Fachwissen, seine Offenheit, seine Erzählkunst und das grosse Interesse an den Menschen waren faszinierend.

Mit seinen Kolumnen in der Erziehungskunst ist er manchmal angeeckt, hat Kritik offen geäussert und uns PädagogInnen den Spiegel vorgehalten. Unbequeme Meinungen hat er nicht zurückgehalten. Besonders in Erinnerung bleibt mir das letzte Interview, das Dirk Dietz, Stefanie Wolff-Heinze und ich mit ihm im Frühjahr 2019 führen durften: Henning Köhler war im Rahmen der Vortragsreihe «Gesundheit, Bildung, Erziehung» anlässlich des Jubiläums «100 Jahre Waldorf» nach Zürich gekommen und sprach im Volkshaus über das Geheimnis der pädagogischen Beziehung. Im Vorgespräch in unserem Büro und während des anschliessenden Interviews war bei ihm ein unglaubliches Engagement und eine starke Vehemenz zu spüren. Er appellierte an uns, den Ur-Impuls der Waldorfbewegung neu zu ergreifen und jenen Kindern eine Heimat zu bieten, die es schwer haben, in

die herrschenden Verhältnisse hineinzuwachsen. Der soziale Auftrag der Steinerschulen müsse bewahrt werden. Er betonte mehrmals, dass die Entwicklung und Förderung seelischer und körperlicher Gesundheit von gelingenden gesunden Beziehungen abhängt – und nicht von der Lernstoffvermittlung. «Pädagogik ist Beziehungsarbeit» war seine Grundaussage. Pädagogik habe die Aufgabe, Kinder auf dem Weg zu begleiten und nicht zu formieren. Schule müsse ein Ort der sozialen Wärme sein und jedem Kinde eine bewertungsfreie Aufmerksamkeit zukommen lassen. Mit dem Tod von Henning Köhler ist ein grosser Kämpfer für das Kind von uns gegangen. Wir blicken dankbar auf die Zusammenarbeit mit ihm, die unserem Kollegium und der Schulgemeinschaft wichtige Impulse gegeben hat, zurück.

«Wir sollten Räume zur Verfügung stellen, in denen Kinder ihrem tiefen, elementaren Bedürfnis nach Freiheit nachgehen und eine innere Führung entwickeln können.»

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Rudolf Steiner Schule Zürich


«Wenn Pädagogik als Beziehungsarbeit verstanden wird, kann ein Kind daraus Mut- und Gestaltungskräfte als Basis für ein gelingendes Leben schöpfen.»

«Nicht wir Erwachsene erziehen die Kinder, sondern die Kinder erziehen sich selbst an uns.»

Das im Text erwähnte Interview mit Henning Köhler wurde in der SPEKTRUM Frühlingsausgabe 2019 veröffentlicht. Sie finden es online unter: www.steinerschule-zuerich.ch/ publikationen/mitteilungen


Aus dem Vorstand

Die Geschäftsstelle der Rudolf Steiner Schule Zürich – eine gemeinsame Drehscheibe für Kollegium und Vorstand Text: Matthias Jordi (Mitglied des Vorstandes der Freien Schulvereinigung an der Rudolf Steiner Schule Zürich)

Die Rudolf Steiner Schule Zürich fühlt sich den Kindern verpflichtet, sie als Individuen im ganzheitlichen Sinne mit Kopf, Herz und Hand zu fördern. Dabei spielen insbesondere die Lehrerinnen und Lehrer eine zentrale Rolle, um den Kindern diese Entwicklung und Entfaltung zu ermöglichen. Neben ihrer anspruchsvollen Tätigkeit als Lehrpersonen an der Schule sind die Mitglieder des Kollegiums selbstständig als eigene Unternehmer und in einer einfachen Gesellschaft verbunden. Langjährig und bis anhin mussten die Lehrpersonen zusätzlich zu ihren pädagogischen Verpflichtungen teilweise auch Aufgaben der Verwaltung und Administration der Schule übernehmen oder diese beaufsichtigen.

der auf den Wartelisten steigen weiter stetig an. Es sind Strategieplanung und Entwicklungsmodelle für die Zukunft gefragt, die gemeinsam geplant, entwickelt und umgesetzt werden müssen. In der Praxis zeigte sich, dass von der Geschäftsstelle insbesondere zur zeitlichen Entlastung der Lehrpersonen beigetragen werden könnte, indem den Lehrpersonen jene Verwaltungs- und Administrationsaufgaben, die nicht unmittelbar mit dem pädagogischen Auftrag und dem Kerngeschäft zusammenhängen, abgenommen werden. Für die Pädagoginnen und Pädagogen würde dies u.a. die Rückgewinnung von Zeitressourcen bedeuten, in denen sie sich ihrem Kerngeschäft oder u.a. auch vermehrt Projekten für Schülerinnen und Schüler widmen können.

In der Geschäftsstelle laufen seit einigen Jahren viele Verantwortungs- und Aufgabenbereiche aus dem Schulbetrieb zusammen; sie hat als Drehscheibe für Kollegium, Vorstand und Eltern eine wichtige Funktion. Es gibt Schnitt- und Anknüpfungsstellen in vielen relevanten Bereichen.

Im engen Kontakt zwischen Vorstand und der einfachen Gesellschaft des Kollegiums wird gemeinsam diskutiert, diese Ressource zu nutzen und die Geschäftsstelle in ihren Aufgabenbereichen für die Rudolf Steiner Schule bedarfsgerecht für Kollegium und Vorstand zu erweitern.

Die Rudolf Steiner Schule Zürich ist gewachsen und die Anmeldungs- und Schülerzahlen sowie die Zahlen der Kin-

Carmen Silbermann (dipl. Schulverwaltungsleiterin) leitet seit einiger Zeit das EBK-Sekretariat und hat bereits seit

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August 2020 einige Aufgabenbereiche der Geschäftsstelle übernommen. Kollegium und Vorstand schätzen die bisherige Arbeit von Carmen Silbermann sehr. Es ist durchaus denkbar, ihr auch neue bzw. weitere Aufgaben- und Verantwortungsbereiche rund um die Geschäftsstelle zu übertragen. Sie würde weiterhin mit dem bewährten Team (Schulleitung, Kollegium, Vorstand, Sekretariat, Buchhaltung etc.) eng und bedarfsgerecht zusammenarbeiten und die vielfältigen Aufgaben- und Verantwortungsbereiche der Geschäftsstelle (Verwaltungsaufgaben, Controlling, Führung des Sekretariats der Elternbeitragskommission etc.) übernehmen. Für den Vorstand der Schulvereinigung wäre ein solcher gemeinsamer Entscheid des Kollegiums und des Vorstands, der viel zum Aufbruch in eine strategisch optimal ausgerichtete Zukunft für die Rudolf Steiner Schule Zürich beiträgt, sehr erfreulich!

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360° um die Schule

Eine neue Heimat für die Buchhandlung Beer Text: Anett Bieli (Leiterin der Buchhandlung Beer)

Ein besonderer Übergang von der Buchhandlung Beer an der Peterhofstatt 10 zur Buchhandlung Beer in der Napfgasse 3 in Zürich nahm seinen Lauf, als die Inhaberin Ursula Piffaretti den Entschluss fasste, ihre Buchhandlung auf Ende 2020 zu schliessen.

Mit dem Ziel und ihrem grössten Wunsch, eine Lösung für das anthroposophische Buch mit Standort Zürich zu erhalten und auch für die Verlage und Autoren eine neue Heimat zu finden, sollte geraume Zeit vergehen – bis bei einem Gespräch zwischen Frau Piffaretti und Beat Hutter, dem Leiter der Buchhandlung am Goetheanum, die Frage aufkam, ob nicht er selbst sich der Gründung einer neuen Buchhandlung in Zürich annehmen könnte. So wurde mit seiner erfreut entgegengenommenen Zusage seit dem Sommer 2020 in kürzester Zeit die Gründung der neuen Buchhandlung Beer für alle

Beteiligten in wunderbar aufeinander abgestimmter Zusammenarbeit mit dem Einzug am neuen Ort an der Napfgasse 3 im Januar 2021 besiegelt. Was in diesem Satz auf die Schnelle zusammengefasst ist, beinhaltete einen riesengrossen, beherzten Einsatz auf beiden Seiten: Ursula Piffaretti und ihre Tochter Laura Piffaretti haben zusammen mit Beat Hutter die verschiedensten administrativen Vorbereitungen sowie die Planung, Organisation, den Ablauf und Zeitpunkt des Umzuges vorbereitet und in die Wege geleitet.

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Beginnend mit der Gründung der Buchhandlung Beer als Buchhandlung des Trägervereins «Buchhandlung am Goetheanum» lagen schon bald die Pläne für die Ladeneinrichtung und die Ideen der Beleuchtung im Raum vor; bald darauf standen dort die gefüllten Umzugskisten parat. Dazwischen mit vielen kleinen und grösseren Aufgaben und Herausforderungen gefüllt, bis sich der Kreis, der im April 2020 seinen Anfang nahm, im Januar 2021 mit der Eröffnung der neuen Buchhandlung Beer schloss. Die vielen positiven, freudigen und wertschätzenden Rückmeldungen ehemaliger Stammkunden der «alten» Buchhandlung Beer und auch

mit seinem Wissen zur Anthroposophie unterstützen und behilflich sein. Wir sind als kleines Team für alle Fragen und Wünsche für unsere Kundschaft im Einsatz und sind für die viele geleistete wunderbare Arbeit und Unterstützung aller Beteiligten rund um die Buchhandlung Beer sehr dankbar. An diesem für uns besonderen Ort in dieser wunderschönen Buchhandlung tätig zu sein, hat mit einer Idee für einen Neuanfang oder eben Übergang in etwas Neues begonnen. Diesem und dem diesjährigen Frühlingsanfang wohnt, um es sinngemäss mit den Worten von Hermann Hesse zu sagen, ein Zauber inne.

vieler neuer Besucher aus dem Quartier oder der näheren Umgebung haben uns beim Start mit viel Freude und Zuversicht erfüllt. Trotz der verzögerten Eröffnung, die sich auf den März 2021 verschob, hatten wir einen sehr guten Start. Wir – das sind Anna Rusterholz, die in der Buchhandlung Beer Peterhofstatt bereits ihre BuchhändlerInnen-Lehre absolvierte und heute Buchhändlerin der neuen Buchhandlung ist, und ich, Anett Bieli, als Leiterin; ich war bis vor Kurzem noch in der Buchhandlung am Goetheanum tätig. Beat Hutter wird uns an zwei Tagen in der Woche besuchen und uns

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Rudolf Steiner Schule Zürich


Die Buchhandlung Beer unter der Leitung von Anett Bieli hat folgende Öffnungszeiten: Montag Dienstag bis Freitag Samstag

14:00–18:30 Uhr 10:00–18:30 Uhr 10:00–16:00 Uhr

Der Steiner-Partner-Pool: Jeder Einkauf eine Spende für unsere Schule! Die Buchhandlung Beer ist eines von über 100 Mitgliedern in unserem branchenübergreifenden «Steiner-Partner-Pool». Mit Ihrem Einkauf in den Pool-Läden bzw. mit Ihrem Auftrag an Pool-Unternehmen unterstützen Sie unsere Schule direkt und wirkungsvoll. Wie das funktioniert? Ganz einfach: Sie senden die Quittungen Ihrer bei den «Steiner-Pool-Partnern» getätigten Ein-

Impressum Spektrum

Die Mitteilungen der Rudolf Steiner Schule Zürich Frühling/Sommer 2021 Herausgeber

Rudolf Steiner Schule Zürich & Freie Schulvereinigung In Memoriam Walter Wyssling Plattenstrasse 37, 8032 Zürich Telefon 043 268 20 40 info@steinerschule-zuerich.ch www.steinerschule-zuerich.ch

käufe und Aufträge an unser Schulsekretariat. Die von Ihnen ausgewählten Läden, Firmen und Unternehmen zahlen der Schule dann bis zu 15 Prozent des Betrages aus Ihrem Einkauf bzw. Auftrag als Spende ein. Sie möchten mehr erfahren und mitmachen? Auf der Website www.steinerschule-zuerich.ch finden Sie in der Rubrik

Inserate

Carmen Silbermann ebk@steinerschule-zuerich.ch Druck

Prowema GmbH CH-8332 Russikon © Juni 2021 Die Verantwortung für die einzelnen Beiträge und die Rechte daran liegen bei den jeweiligen Autorinnen und Autoren. Redaktion

Birgit Purainer (verantwortlich) Stefanie Wolff-Heinze

Weitere Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe

Anett Bieli Cornelius Bohlen Matthias Jordi Maya Killer Sibylle Rohdich Franziska Spalinger Thomas Stöckli Vera Torriani Urs Wiedenmann

Konzeption und Lektorat

Stefanie Wolff-Heinze Zeichnungen

8. Klasse

«Verein» detaillierte Informationen zu den Steiner-Pool-Partnern! Oder möchten Sie selbst mit Ihrem Laden oder Unternehmen Steiner-Pool-Partner werden? Dann melden Sie sich bei uns: Rudolf Steiner Schule Zürich Carmen Silbermann E-Mail: fsv@steinerschule-zuerich.ch Tel: 043 268 20 42

Fotokreation

Werner Eschmann Charlotte Fischer Birgit Purainer Mayk Wendt

Spektrum wird mit grosszügiger Unterstützung der Prowema GmbH produziert.

Kreation und Produktion

DD COM AG Seefeldstrasse 301 CH-8008 Zürich www.ddcom.ch Design:

Daniel Müri Bianca Ugas Druckvorstufe

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