Im Fokus
Aufbruch und Wandel
Spektrum
Die Mitteilungen der Rudolf Steiner Schule Zürich
Frühling
Aus dem Vorstand
Aus dem Schulleben
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Impulse für die Zukunft unserer Schule
Das neue Laborhaus
360° um die Schule
Der Verein Zürcher Eingliederung
In meinem Herzen Strahlt die Kraft der Sonne. In meiner Seele Wirkt die Wärme der Welt. Ich will atmen Die Kraft der Sonne Ich will fühlen Die Wärme der Welt. Sonnenkraft erfüllt mich Wärme der Welt durchdringt mich.
Rudolf Steiner, 1923, GA 268 Meditation von Rudolf Steiner zur Pflege von Atmung und Wärme sowie zur Überwindung der äusserlichen Isolation durch die geistige Beziehung zur Welt
Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser !
In insgesamt 26 Ausgaben der «Mitteilungen» über die letzten neun Jahre durfte ich Ihnen aus unserer Schule berichten, was uns bewegt, was um uns herum läuft, wer geht und wer kommt. Es waren sehr intensive und spannende Jahre: von schwarz-weiss auf farbigen Druck, eine Jubiläumsausgabe, die Nummer 200 und nach unserer Geburtstagsbroschüre zu unserem 90. Jubiläumsjahr die Format- und Namensänderung zu «Spektrum». Viele SchülerInnen-Stimmen kamen zu Wort, Projekte wurden vorgestellt, spannende Interviews erweiterten unseren Horizont und viele Einblicke in den täglichen Unterricht spiegelten unser buntes Schulleben wider. Mir war es stets ein grosses Anliegen, dass Sie, liebe Leser schaft, die Schule «spüren», dass sie die Schule erleben und vor allem merken, dass sich die Schule entwickelt. Ich hoffe, dass mir das über die Jahre hinweg gelungen ist und Sie sich ein Bild unserer Schule machen konnten. Nun ist es an der Zeit, mich von Ihnen zu verabschieden. Anfang dieses Kalenderjahres bin ich aus der Schulleitung ausgetreten und durfte auch meine Aufgabe der redaktionellen Leitung von «Spektrum» abgeben. So will ich danken: Ohne die unendlich grosse Unterstützung von stillen HelferInnen wäre diese Arbeit nie möglich gewesen. Dabei möchte ich einen besonders grossen Herzensdank an Stefanie Wolff-Heinze aussprechen. Sie hat mich die ganzen Jahre mit ihrem unendlichen Engagement unterstützt! Ein weiter inniger Dank geht an unseren ehemaligen Schulvater Daniel Müri: Ohne seine gestalterische Weitsicht wäre die Schule nicht da, wo sie heute steht. Vielen vielen vielen Dank!!!
«Aufbruch und Wandel» – so lautet das Motto für diese Ausgabe, entstanden ist sie in den ersten Wochen der Schulschliessungen durch den Bundesrat. Das Coronavirus hat unser gesamtes Schulleben schlagartig verändert und uns vor neue Herausforderungen gestellt; diese Ausnahmesituation hat aber auch Kräfte geweckt und zu interessanten Impulsen geführt. Ein solcher kommt von Dr. Thomas Stöckli vom Institut für Praxisforschung. Er plädiert für eine neue Form des Lernens und zeigt in seinem Leitartikel auf, wie das «Lebenslernen» zu verstehen ist. In der Rubrik «Im Fokus» stellen wir Ihnen zudem unser Pilotprojekt «Schulsozialarbeit» und die neue Schulsozialarbeiterin Joanna Dal Bosco vor, die vielen Schuleltern und SchülerInnen als Schulmutter und Hortleiterin bestens bekannt und vertraut ist. Ein weiterer Grund zur Freude war auch die Fertigstellung unseres Laborhauses: Cornelius Bohlen, Mitglied der Schulleitung der Atelierschule, ermöglicht uns interessante Einblicke in die spannende Historie dieses frisch erstrahlten Hauses. Um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geht es auch bei der Vorstellung der neu zusammengesetzten Mandatsgruppe Schulleitung und in der Rubrik «Menschen an unserer Schule».
Nun wünsche ich Ihnen weitere spannende Lesemomente sowie eine gesunde und erbauende Zeit.
Viele unserer Schulanlässe und besonders der Weihnachts-Bazar werden von den Vier Linden-Betrieben beliefert und gesponsert. In der Rubrik «360° um die Schule» blicken wir nicht nur in die Backstube des Vereins Zürcher Eingliederung, sondern auch in dessen Werkstätten und Wohnheime. Apropos «Anlässe»: Auf die Rubrik «Vorschau» müssen wir in dieser Ausgabe leider verzichten, da alle Veranstaltungen bis zum Sommer abgesagt sind. Doch ich bin voller Hoffnung und Zuversicht, dass wir spätestens zum Erscheinen der Herbstausgabe wieder gemeinsame Schulfeste geniessen dürfen.
Adieu, Dirk Dietz
Bleiben Sie bis dahin gesund und zuversichtlich! Birgit Purainer 3
Spektrum
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Rudolf Steiner Schule ZĂźrich
Im Fokus
Innen und Aussen
06 Corona – die Welt hält den Atem an Birgit Purainer berichtet, wie sich die Schule der Herausforderung stellt und wo in der Krise auch neue Kräfte entstehen
26 D ie persönliche Begegnung zwischen Lehrperson und Schüler ist unersetzlich! Für den Neurowissenschaftler und Psychotherapeuten Prof. Dr. med. Joachim Bauer ist die Steinerschule ein Leuchtstern am pädagogischen Himmel. Die Gründe erläutert er im Interview.
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L ebenslernen – wie ein neues Lernparadigma entsteht Lasst uns die Corona-Krisenzeit dazu nutzen, um Schule und Lernen neu zu fassen! Ein Appell von Dr. Thomas Stöckli
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as Engagement der Jugend D Warum und wofür sich Jugendliche mit Überzeugung und Herzblut einsetzen, erfährt Birgit Purainer im Gespräch mit Zoè, Klara und Noah.
18 Schulsozialarbeit – ein Pionierprojekt an unserer Schule Joanna Dal Bosco gibt Einblicke, wie sie Kinder und Jugendliche bei kleinen und grossen Problemen unterstützt. 20 F rische Kräfte und Kontinuität Das Schulleitungs-Trio hat sich neu konstituiert: Unsere Lehrkräfte Vera Wohlgemuth und Jean-Claude Baudet freuen sich auf ihre Aufgaben. Menschen an unserer Schule
22 A uf Wiedersehen, Regula, Silvia und Jonathan! Das Kollegium verabschiedet sich von Regula Wyssling, Silvia Dettli und Jonathan Keller.
Aus dem Vorstand
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I mpulse für die Zukunft unserer Schule Warum es Zeit ist, Dinge neu zu denken, und eine grosszügige Alumni-Spende hierzu motiviert, schildert Jon Turnes in seinem Bericht über die Mitglieder versammlung 2020.
Aus dem Schulleben
32 U nser neues Laborhaus Nach der Einweihung im Herbst 2019 erobern nun Lehrer und Schülerschaft voller Dankbarkeit die aufwändig restaurierten Räume mit einer spannenden Historie. 360° um die Schule
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er Verein Zürcher Eingliederung – D ein nachhaltiges Sozialwerk Raphael Stadelmann stellt die Institutionen vor, in denen Menschen mit Einschränkungen gut betreut und zugleich in ihrer Selbstständigkeit unterstützt werden.
39 Impressum
25 H erzlich Willkommen Chantal Seidel stellt sich der Schul gemeinschaft vor. 5
Im Fokus
Corona – die Welt hält den Atem an Unsere Schule stellt sich der Herausforderung von Birgit Purainer, Schulleitung
Am Freitag, den 13. März 2020, hat der Bundesrat der Schweiz, um einer Ausbreitung des Covid 19-Virus entgegenzuwirken, zu einer aussergewöhnlichen und drastischen Massnahme gegriffen: Alle Schulen wurden mit sofortiger Wirkung geschlossen und der Präsenzunterricht verboten. Die Familien waren somit ab diesem Zeitpunkt gezwungen, die Kinder zuhause zu betreuen und ihre Tagesstrukturen komplett neu zu regeln. Auch für unsere Schule bedeutete dies, dass wir schnell reagieren und uns überlegen mussten, wie wir den Lehrauftrag trotz der Schulschliessung erfüllen und die Familien begleiten sowie entlasten können.
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Fr 10. bis Mo 13. Juli Technik–Sucht–Mensch Technik–Sucht–Mensch Technik–Sucht–Mensch Technik–Sucht–Mensch Oberstufe 9. Klasse Oberstufe 7. bis 7.9. bis Klasse mit7. mit Oberstufe bis 9. Klasse mit 7. bis 9. Klasse mit Oberstufe Sommertagung Sommertagung SommertagungSommertagung Alexander Schoeffel, Lehrer der Alexander Alexander Schoeffel, Lehrer der Alexander Schoeffel, Lehrer derSchoeffel, Lehrer der Die Mediengruppe lädt ein zum lädt Die Mediengruppe lädt ein zum Die Mediengruppe zum Dieein Mediengruppe lädt ein zum «Zeitfragen» «Zeitfragen» «Zeitfragen» «Zeitfragen» Rudolf Steiner Schule Sihlau Schule Rudolf Steiner Schule Sihlau Rudolf Steiner Sihlau Rudolf Steiner Schule Sihlau offenen Austausch offenen Austausch mitmitAustausch mit offenen offenen Austausch mit
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Leitung: Initiativkreis Leitung: Initiativkreis Leitung: Initiativkreis Leitung: Initiativkreis Beginn Juli: 18:00 Uhr Beginn amam 10.10. Juli: 18:00 Uhr Beginn am 10. Juli:Beginn 18:00 Uhr am 10. Juli: 18:00 Uhr JohannesGreiner Greiner Johannes Johannes Greiner Johannes Greiner www.sommertagung.ch www.sommertagung.ch www.sommertagung.ch www.sommertagung.ch Schriftsteller,Vorstandsmitglied Vorstandsmitglied Schriftsteller, Schriftsteller, Vorstandsmitglied Schriftsteller, Vorstandsmitglied Sa 09. Mai, 18:00 UhrMai, 18:00SaUhr Sa 09. 09. Mai, 18:00 Uhr der anthroposophischen Gesell- der anthroposophischen der anthroposophischen GesellGesellim Grossen Saal imSchweiz, GrossenLehrer Saal imund Grossen Saal im Grossen Saal Sa Sa11. 11.Juli Julibis bisSo So 16. August Sa16. 11.August Juli bis SoSa 16.11.August Juli bis So 16. August schaft Lehrer schaftder derSchweiz, Schweiz, Lehrer und schaft schaft der und Schweiz, Lehrer und der der Orchesterkonzert der Orchesterkonzert Orchesterkonzert der der Pianist Pianist Pianist Pianist Orchesterkonzert Sommerferien Sommerferien Sommerferien Sommerferien Zürich Atelierschule Zürich Atelierschule Atelierschule Zürich Zürich Severin Dietschi Severin Dietschi Severin DietschiSeverin Atelierschule Dietschi Schulvater und Präsident des und Schulvater und Präsident des Präsident Schulvaterdes und Präsident des Schulvater Mo 14. MoSeptember 14. September Mo 14. September Mo 14. September Vereins «Schutz-vor-Strahlung» Vereins «Schutz-vor-Strahlung» Vereins «Schutz-vor-Strahlung» Vereins «Schutz-vor-Strahlung» Mo 11., Mo18. 11.,und 18.25. und 25. Mai, Mo25. 11., 18. und 25. Mai, MoMai, 11., 18. und Mai, Knabenschiessen Knabenschiessen 19:30 19:30 – 21:30 Uhr19:30 – 21:30 Uhr– 21:3019:30 21:30Knabenschiessen Uhr Uhr – Knabenschiessen Noah Nehrmann Noah Nehrmann Noah Nehrmann Noah Nehrmann schulfrei schulfrei imder Atelierhaus der im Rudolf im Atelierhaus der Rudolfimder Atelierhaus der Rudolf schulfrei schulfrei Atelierhaus Rudolf Maturand der Atelierschule Maturand der Atelierschule Atelierschule Maturand der Maturand Atelierschule Steiner Schule SteinerZürich, Schule Zürich, Steiner Steiner Schule Zürich,Schule Zürich, https://mediengruppe.steinerhttps://mediengruppe.steinerhttps://mediengruppe.steinerhttps://mediengruppe.steinerPlattenstrasse 77, 8032 Zürich Plattenstrasse 77, 8032Plattenstrasse Zürich 77, 8032 Zürich Plattenstrasse 77, 8032 Zürich schule-zuerich.ch/ schule-zuerich.ch/ Sa 26. September Sa 26. September schule-zuerich.ch/ schule-zuerich.ch/ Sa 26. September Sa 26. September Eltern-Lehrer-Abend Eltern-Lehrer-Abend Eltern-Lehrer-Abend Eltern-Lehrer-Abend 09:00 – 15:00 09:00Uhr – 15:00 09:00 09:00Uhr – 15:00 Uhr– 15:00 Uhr Bildnerisches Gestalten inGestalten der Bildnerisches in der Bildnerisches in der Bildnerisches Gestalten inGestalten der Michaeli-Herbstfest Michaeli-Herbstfest Michaeli-Herbstfest Sa 04. April,Sa 04. April, Sa 04. April, Oberstufe 7. Oberstufe bis 9. Klasse mit9. Klasse Sa 04. April, 7. bis 7. bis Oberstufe 7.Oberstufe bismit 9. Klasse mit9. Klasse mit Michaeli-Herbstfest 09:00 – 15:00 Uhr – 09:00 09:00 15:00 Uhr 09:00 –Alexander 15:00 Uhr 10:10 Uhr Grossen Saal 10:10 Uhr10:10 im Grossen – 15:00 Uhr Schoeffel, Lehrer der Schoeffel, Uhr imSaal Grossen Saal Alexander Schoeffel, Lehrer der Uhr 10:10 imSaal Grossen Alexander Schoeffel, der Alexander Lehrer derimLehrer Rudolf Steiner Schule Sihlau Rudolf Steiner Schule Sihlau Rudolf Steiner Schule Sihlau Frühlingsfest Frühlingsfest Rudolf Steiner Schule Sihlau Frühlingsfest Quartalsfeier Quartalsfeier Frühlingsfest Quartalsfeier Quartalsfeier Leitung: Initiativkreis Leitung: Leitung: Initiativkreis Leitung:ab Initiativkreis Initiativkreis 13:00 Uhr ab 13:00 Uhr 10:10 Uhr im Grossen Saal 13:00 Uhr 10:10 Uhr im Grossen Saal Uhr imSaal Grossen Saal ab 13:00ab Uhr 10:10 Uhr10:10 im Grossen auf dem oberen auf Pausenhof demauf oberen Pausenhof demPausenhof oberen Pausenhof dem auf oberen QuartalsfeierQuartalsfeier Quartalsfeier Quartalsfeier Do 21. bis So 24.Do Mai21. Do bis 21. So 24. Mai DoSo 21.24. bis So 24. MaifürMutspiele bis Mai Mutspiele Kinder für Kinder Mutspiele für Kinder Mutspiele für Kinder 13:00 Uhr 13:00 13:00 Uhr Uhr 13:00 Uhr Auffahrt-Brücke Auffahrt-Brücke Auffahrt-Brücke
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Auffahrt-Brücke Führung durchFührung die Führung durch die Führung durch durch die die schulfrei schulfrei schulfrei schulfrei Ausstellung mitAusstellung Erklämit ErkläAusstellung mit ErkläAusstellung mit Erklä-
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17:45 – 18:45 Uhr im Englert-Saal Ton-Eurythmie
18:00 MONTAG MONTAG
– 19:00 Uhr Sternensaal 17:45im 18:45Uhr Uhr 17:45 ––18:45 Eurythmie – imEnglert-Saal Englert-Saal im im Englert-Saal Einführungskurs Ton-Eurythmie Ton-Eurythmie Ton-Eurythmie Axel Boos
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Regelmässige Kurse Regelmässige Kurse Regelmässige Kurse Regelmässige Kurse
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rungen zur Pädagogik rungen zur Pädagogik rungen zur rungen zur Pädagogik Mo 01.Pädagogik Juni Mo 01. 01. Juni MoJuni 01.Mo Juni Weitere Feriendaten finden Ausstellung der Schülerarbeiten Weitere Feriendaten finden Ausstellung der Schülerarbeiten Weitere Feriendaten Ausstellung der Schülerarbeiten Weitere Feriendaten findenfinden Ausstellung der Schülerarbeiten Pfingstmontag schulfrei Pfingstmontag schulfrei Pfingstmontag schulfrei Pfingstmontag schulfrei im Englert-Saal, Bunte Frühlingsim Englert-Saal, Bunte FrühlingsSie unter http://steinerschuleSie unter http://steinerschuleim Englert-Saal, Bunte FrühlingsSie unter http://steinerschuleim Englert-Saal, Bunte FrühlingsSie unter http://steinerschulestände mit feinen Speisenstände mit feinen zuerich.ch/agenda/feriendaten/ zuerich.ch/agenda/feriendaten/ stände mitSpeisen feinen Speisen zuerich.ch/agenda/feriendaten/ stände mit feinen Speisen zuerich.ch/agenda/feriendaten/
DONNERSTAG DONNERSTAG
DieKunst Kunstder der Die Die Kunst der Einstimmungauf auf Einstimmung Einstimmung auf Mensch und Engel Mensch und Engel Mensch und Engel
Axel Boos Axel Boos Axel Boos 19:15 – 19:45 Uhr Meditation 19:15 – 19:45 Uhr Meditation 19:15 – 19:45 UhrUhr Meditation 19:15 – 19:45 Meditation Eintritt nach Vereinbarung Eintritt nach Eintritt nach Vereinbarung 20:00 –Vereinbarung 21:00 Uhr Vortrag und 20:00 20:00 – 21:00 Uhr Vortrag – 21:00 UhrUhr Vortrag undundund 20:00 – 21:00 Vortrag Tel. 076 40 Tel.Tel. 076 783 67783 40 076 783 67 40 Gespräch im 67 Sternensaal Gespräch Sternensaal Gespräch im Sternensaal Gespräch im im Sternensaal DIENSTAG DIENSTAG DIENSTAG Die bisUhr Die Daten Februar DIENSTAG Die Die Daten Februar bis bis bis Daten Februar 19:30 – 21:30 Uhr 19:30 –Februar 21:30 19:30 –Daten 21:30 UhrUhr 19:30 – 2020: 21:30 Oktober Oktober 2020: Oktober 2020: 16:00 – 16:50 Uhr 16:00 – 16:50 16:00 – 16:50 UhrUhrUhr Oktober 2020: 16:00 – der 16:50 Chor Rudolf Steiner Chor Chor der Rudolf Steiner derund Rudolf Steiner Chor der Steiner 20. und 20. 27.Rudolf Februar 20.Februar undFebruar 27. Februar 20. 27. und 27. im Sternensaal im Sternensaal im Sternensaal im Schule Sternensaal 05., 12. und 19. März 05., 12. und 19. März Zürich Schule Zürich 05., 12. und 19. März Schule Zürich 05., 12. und 19. März Schule Zürich Kinderchor – KindergartenKinderchor Kinderchor – Kindergarten – Kindergarten 02., 09. und 30. April 02., 09. undApril 30. April 02., 09. 30. April Musikalische Musikalische Leitung: Kinderchor –Leitung: Kindergarten Musikalische Leitung: 02.,und 09. und 30. Musikalische Leitung: 07., 14. undVoulgari 28. Mai 14.28. und 28. Mai 07., 14.07., und14.07., 28. Mai Ilona Voulgari Ilona Ilona Voulgari bis 3. Klasse 3. Klasse bis 3.bisKlasse und Mai Ilona Voulgari 3.bis Klasse 04., 11.,Anmeldungen 18.Dirk und 25. Juni 04., 11., 18.25. und 25. Juni 18.11., und 25. Juni Anmeldungen an Dirk Dietz anDietz Dirk Dietz 04., 11.,04., Anmeldungen an 18. und Juni Freie Musikschule Zürich Freie Zürich Musikschule Anmeldungen anDietz Dirk Freie Musikschule Freie Musikschule Zürich Zürich 02. Juli info@steinerschule-zuerich.ch 02. Juli02. Juli02. Juli info@steinerschule-zuerich.ch info@steinerschule-zuerich.ch Peter Appenzeller Peter Appenzeller info@steinerschule-zuerich.ch Peter Appenzeller Peter Appenzeller 03., 10., 17. und 24. September 03., 10.,03., 17. 24. September 17. 10., und03., 24.10., September 17. und 24.und September Eintritt nach Vereinbarung Eintritt nach Vereinbarung Eintritt Eintritt nach Vereinbarung nach Vereinbarung 01., 08. und 29. Oktober 08. und 29. Oktober 01., 08. und 29. 01., Oktober MITTWOCH MITTWOCH 01., 08. und 29. Oktober MITTWOCH Tel. 044 923 37 69 oder 044 923 37 69 oder Tel. 044Tel. 923044 37 Tel. 69 oder MITTWOCH 923 37 69 oder peterappenzeller@gmx.ch Kurskosten: Kurskosten: peterappenzeller@gmx.ch Kurskosten: 16:00peterappenzeller@gmx.ch – 18:30 Uhr 16:00 Uhr 16:00 – 18:30 Uhr– 18:30 peterappenzeller@gmx.ch Kurskosten: 16:00 – 18:30 Uhr Fr. 20.- Vortrag Fr. 20.- Vortrag Fr. 20.- Vortrag Fr. 20.- Vortrag Schulmusikseminar Schulmusikseminar Schulmusikseminar Fr. Schulmusikseminar 25.- Meditation und VortragZürich Fr. 25.Meditation und Vortrag Fr. 25.- Meditation und Vortrag 17:00 – 18:00 Uhr 17:00 – 18:00 17:00Freie – 18:00 Uhr Zürich Fr. 25.- Meditation und Vortrag Musikschule Freie Musikschule Freie Musikschule Zürich 17:00 – 18:00 Uhr Uhr Freie Musikschule Zürich Peter Appenzeller Peter Appenzeller Leitung: Thomas G. Meier Leitung: Thomas Peter Appenzeller Leitung: Thomas G. Meier im Sternensaal im Sternensaal im Sternensaal Peter Appenzeller Leitung: Thomas G. Meier G. Meier im Sternensaal Tel. 044 923 37 69 oder Tel. 044 061 361 70 06 Tel.70 061 Tel. 044Tel.923 69 923 oder Tel. 061 361 06 361 Tel.37044 37 69923 oder37 69 oder Tel.70061 06361 70 06 Eurythmie für für peterappenzeller@gmx.ch Eurythmie für Eurythmie Eurythmie für peterappenzeller@gmx.ch peterappenzeller@gmx.ch www.thomasgmeier.ch www.thomasgmeier.ch www.thomasgmeier.ch peterappenzeller@gmx.ch www.thomasgmeier.ch Maria Pezzani Tel. 044 362 05 52
Fortgeschrittene
Maria Pezzani Maria Pezzani Maria Pezzani Eintritt nach 52 Vereinbarung Tel. 04405 362 Tel.Tel. 044 362 5205 044 5267 40 Tel.362 07605 783
Fortgeschrittene Fortgeschrittene Fortgeschrittene
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e zentrale Kontaktstelle Ihre zentrale Kontaktstelle Ihre zentraleIhre Kontaktstelle zentrale Kontaktstelle
lf Steiner Schule Zürich nstrasse 37– 39
Zu unseren ersten Massnahmen gehörte der Versand einer allgemeinen Elterninformation und die bedauerliche Absage aller geplanten Veranstaltungen und Versammlungen. Zudem wurde sofort eine Notbetreuung für die Kinder jener Eltern organisiert, deren Arbeitssituation kein Homeoffice ermöglicht. Im Rahmen einer allgemeinen Konferenz für das gesamte Kollegium am Montag, den 16. März, haben wir alle notwendigen organisatorischen Vorgehensweisen besprochen, Arbeitsgruppen gebildet und die Aufgaben verteilt. In dieser Konferenz haben wir auch die Chance ergriffen, Konzepte, die der Aktualisierung oder intensiveren Überarbeitung bedürfen (beispielsweise das Konzept der Übergangsbegleitung), in Angriff zu nehmen, konkrete Aufträge zu formulieren und die anstehenden Aufgaben zu delegieren.
Öffnungszeiten Sekretariat Rudolf Steiner Schule Zürich Schulsekretariat Öffnungszeiten Sekretariat Öffnungszeiten Sekretariat RudolfSchulsekretariat Steiner Schule Zürich Schulsekretariat Rudolf Steiner Schule Zürich Schulsekretariat Öffnungszeiten Sekretariat Roswitha37Uhlenhoff Montag und Mittwoch Plattenstrasse 37– 39 Roswitha Uhlenhoff Montag und Mittwoch Plattenstrasse – 39 Plattenstrasse 37Roswitha Uhlenhoff Montag und Mittwoch – 39 Roswitha Uhlenhoff Montag und Mittwoch
Ebenso wurde der Umgang mit Unterrichtsmaterial, dessen Versand, die Eltern- und SchülerInnen-Kontakte, die langfristige Organisation der Notbetreuung sowie sonstige wichtige organisatorische Aufgaben besprochen. Natürlich haben wir auch inten-
siv darüber diskutiert, in welcher Form wir für die Oberstufe den Unterricht weiterführen wollen. Wir haben uns bewusst gegen digitale Lernforen entschieden, da unser pädagogisches Menschenbild auf der Präsenz und der Beziehung zwischen Lehrperson und SchülerIn aufbaut. ENGER AUSTAUSCH IM NEU GEGRÜNDETEN KOORDINATIONSTEAM Darüber hinaus wurde eine erweiterte Schulleitung mit Entscheidungskompetenzen – unser sogenanntes Koordinationsteam – einberufen. Wichtig war uns dabei, dass in diesem wichtigen Gremium alle Stufen der Schule vertreten sind. Mitglieder des Koordinationsteams sind Braida Leemann (Elementarstufe), Vera Wohlgemuth (Mittelstufe), Jean-Claude Baudet (Oberstufe), Jonathan Keller und Birgit Purainer (beide Schulleitung). Die Mitglieder dieses Koordinationsteams sind seither täglich miteinander im Austausch und treffen sich einmal wöchentlich zu einer Konferenz. Wichtige Aufgaben sind vor allem, die Anliegen aus der Eltern- und Lehrerschaft zu bearbeiten, die aktuelle Situation mit den entsprechenden Vorgaben des Rudolf Steiner Schule Zürich
https://mediengruppe.steinerschule-zuerich.ch
Bundes zu beobachten und darauf zu reagieren, die Weisungen der Bildungsdirektion umzusetzen, mit unserer Dachorganisation ARGE im Austausch zu bleiben sowie die Koordination der Aufgaben im Kollegium zu übernehmen. Trotz der Schulschliessung werden laufende Prozesse wie beispielsweise Stellenbesetzungen, Bewerbungs- und Finanzgespräche und einige Aufnahmegespräche weitergeführt. Für unsere Angestellten mussten wir Kurzarbeit beantragen, da wir vor allem aufgrund des eingestellten Mensa-, Spielgruppen- und Hortbetriebes grosse finanzielle Verluste erleiden werden. POSITIVE KRÄFTE SCHAFFEN NEUES Nach der Bewältigung des ersten organisatorischen «Kraftaktes» hat sich aber schnell gezeigt, dass eine solche Krise auch positive Kräfte weckt. So wurden wunderbare Klassenprojekte gestartet: In der 4. Klasse wird wöchentlich eine Klassenzeitung mit bunten Beiträgen der Kinder, aber auch des Kollegiums herausgegeben; die Mediengruppe hat auf ihrer Webseite https://mediengruppe.steinerschule -zuerich.ch eine neue Rubrik für Bastelideen eingerichtet. Und innerhalb der Elternschaft sind diverse Unterstützungsangebote in der Betreuung und Lernunterstützung entstanden.
Für unsere Lehrpersonen ist der Fernunterricht selbstverständlich eine grosse Herausforderung und zugleich eine neuartige, lehrreiche Erfahrung. Das Lernmaterial muss nun anders vorbereitet, die Gestaltung der Epochen angepasst und die Rückmeldungen oft per Mail oder Telefon bearbeitet und besprochen werden. Es zeigte sich aber auch hier, dass dies positiv genutzt wird und kreative Wege entstehen. So hat beispielsweise unser Klassenlehrer der 5. Klasse, Urs Wiedenmann, seine Klasse mit einem selbst getexteten und gesungenen «Rap» überrascht.
richtes für den 11. Mai 2020 geplant. Ob der Schulbetrieb in den obligatorischen Schulen dann auch wirklich starten kann und mit welchen Vorgaben, wird der Bundesrat erst in einer Woche entscheiden. Ob wir den «normalen» Schulbetrieb wiederaufnehmen können, in Halbklassen oder mit besonderem Stundenplan unterrichten müssen, erfahren wir somit sehr kurzfristig. Wir haben die verschiedenen
Sowohl die Rückmeldungen der Eltern als auch die Telefonate der Lehrpersonen mit den Schülern und Schülerinnen zeigen uns, dass die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen freudig und gewissenhaft versucht, die Aufgaben und Ideen der Lehrpersonen zu bewältigen. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Textes, am Ende der dritten Woche der ausserordentlichen Massnahmen, ist die Wiederaufnahme des Präsenzunter7
Szenarien im Koordinationsteam und im Kollegium diskutiert und uns – so gut es geht – vorbereitet. Wir werden diese Herausforderung annehmen, die Möglichkeit nutzen, Dinge neu zu greifen und zu gestalten, und uns darüber hinaus bemühen, die Eltern weiterhin zu unterstützen sowie die SchülerInnen gut und liebevoll zu begleiten. Das gesamte Kollegium freut sich unendlich darauf, die Kinder und Jugendlichen wieder an der Schule begrüssen und sie unterrichten zu dürfen.
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Rudolf Steiner Schule Zürich
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Im Fokus
Lebenslernen Plädoyer für ein neues Lernparadigma – auch jenseits der Corona-Krisenzeit von Dr. Thomas Stöckli
Wie verhält sich dieses Lebenslernen nun zum Lernen an sich? Was brauchen wir zu lernen für ein gutes Leben? Und wer ist dafür zuständig? Wir haben heute ein Monopol von neuen Schriftgelehrten – ein Monopol, das viel stärker ist als jede Kirche, die sich um das private Seelenheil kümmert und in unserem Leben ihren Platz behauptet. Wir haben Schulen und Universitäten, in denen das Wissen unserer Zeit nicht nur verwaltet wird, sondern auch gelehrt, und nicht nur gelehrt, sondern mit «Sanktionen» (Selektion, Prüfungen etc.) belegt wird. Wir haben staatlich verwaltete Lehrinstitutionen, die Kinder von der Vorschule bis ins Jugendalter unterrichten und klare Messlatten zur Selektion vorgeben, auch Kernfächer wie Deutsch, Mathe, Naturwissenschaft. Wir haben eine Aufstockung im Tertiärbereich mit den Fachhochschulen und Hochschulen und den Trend zur Akademisierung in ganz Europa mit einem Leistungspunktesystem nach Bologna. DAS POSTULAT DES LEBENSLERNENS Gibt es auch da trotzdem Anzeichen eines neuen Lernparadigmas, eines
Neu ist das Lebenslernen an sich nicht; wir praktizieren es alle. Je bewusster wir es tun, desto effektiver wird es, auch in der Pädagogik und vor allem in der Jugendbildung. Es ist schwer, es in Worte zu fassen, denn es gehört zum Mysterium des Lebens.
Brechens des Monopols? Damit sind nicht nur die fünf Prozent Privatschulen in der Schweiz gemeint, sondern etwas viel Radikaleres: eine «Entschulung der Gesellschaft», wie sie schon von Ivan Illich postuliert wurde. Allerdings gehe ich davon aus, dass dies in der Form Illichs unrealistisch ist, trotz der Homeschooling- und «Freies Lernen»-Bewegung sowie den Aussteiger-Gemeinschaften.
Zu einem neuen Lernparadigma der Gesellschaft wird dies nicht. Doch wie können wir es schaffen, dass trotz des Monopols der Schulen mit ihren Abschlüssen das Lernen aufgrund von Stress für Prüfungswissen nicht ausgetrieben wird? Sondern dass ein Lebenslernen möglich wird, wie es Hermann Hesse in «Kindheit eines Zauberers» beschrieben hat:
«Nicht von Eltern allein wurde ich erzogen, sondern von höheren, verborgeneren und geheimnisvolleren Mächten [...] Zum Glück habe ich, gleich den meisten Kindern, das fürs Leben Unentbehrliche und Wertvollste schon vor Beginn der Schuljahre gelernt, unterrichtet von Apfelbäumen, von Regen und Sonne, Fluss und Wäldern, Bienen und Käfern, unterrichtet vom Gott Pan, unterrichtet vom tanzenden Götzen in der Schatzkammer des Grossvaters. Ich wusste Bescheid in der Welt, ich verkehrte furchtlos mit Tieren und Sternen, ich kannte mich in Obstgärten und im Wasser bei den Fischen aus und konnte schon eine gute Anzahl von Liedern singen. Ich konnte auch zaubern, was ich dann leider früh verlernte und erst in höherem Alter von Neuem lernen musste, und verfügte über die ganze sagenhafte Weisheit der Kinder.» 10
Rudolf Steiner Schule Zürich
EIN NEUES LERNPARADIGMA BAHNT SICH AN Das tönt doch reichlich romantisch heute angesichts der wachsenden Anforderungen des Monopols der Leistungsschule mit ihren Abschlüssen. Und doch, es bahnt sich ein neues Lernparadigma an: einerseits in den Erziehungswissenschaften aufgrund eines neuen Lernverständnisses – das informelles, inzidentelles Lernen genannt wird – für die im Leben beiläufig erworbenen Kompetenzen, die viel wichtiger seien als die im formellen, institutionellen Lernen erworbenen Kompetenzen. Das grösste deutsche pädagogische Institut, das deutsche Jugendinstitut DJI, hat sich in den letzten Jahrzehnten diesen Lernformen im Freizeitlernen, im Service Learning sowie in Lebenswelten ausserhalb der Schule gewidmet. So hatte sich vor Jahren die Stadt Berlin ein neues Lernverständnis auf die Fahne geschrieben: Duales Lernen-Berlin. Die Bildungsverantwortlichen wollten das Grundverständnis von Schule erweitern und viele externe Partner in einem Bildungsnetzwerk verbinden. Ein spannender Anfang einer neuen Idee von Schule.
«Auffälligkeiten wie ADHS zeigen ein Leiden an unserer Gesellschaft, am Menschsein, eine Unfähigkeit, sich einzufügen, mit ihrem dazugehörigen Scheitern und seelischem Leiden.» Doch für eine wirkliche Bildungsrevolution, die das Monopol der Schriftgelehrten-Institutionen bricht, reicht all dies noch nicht. Es gibt aber allerorten starke Reaktionen und stille Revolutionäre, jedoch ganz anders als die 68er-Bewegung. Es sind bereits die kleinen Kinder, die heute revoltieren, es sind Hunderttausende von Schülerinnen und Schülern, von Jugendlichen, die das nicht mehr mitmachen mögen. Von den Monopolträgern bekommen sie, weil sie ja noch Kinder oder Jugendliche sind, nun Labels verpasst, um sich an das System anzupassen, wenn nötig mit Medikamenten: ADHS, ADS, bipolare Asperger, Hochsensitive etc. Falsch sind die Diagnosen nicht, oft mag eine Therapie auch hilfreich und nötig sein, nur sind diese
Auffälligkeiten eben auch als eine Reaktion zu verstehen. Sie zeigen ein Leiden an unserer Gesellschaft, am Menschsein, eine Unfähigkeit, sich einzufügen, mit ihrem dazugehörigen Scheitern und seelischem Leiden1. Man verstehe mich nicht falsch, ich gebe nicht einem System die Schuld oder der Leistungsgesellschaft oder gar den Bildungsverantwortlichen – das wäre zu einfach gedacht. Ich gehe aber davon aus, dass die Prognosen von Rudolf Steiner stimmen, es kämen ab Mitte letztem Jahrhundert, genauer ab 1933 und dann die folgenden Jahrzehnte bis ins 21. Jahrhundert, also heute, eine neue Generation von Kindern und Jugendlichen auf die Erde, die eben hochsensitiv sind, wie das heute genannt wird, und die, wenn diese neuen Fähigkeiten des Lernens und Erfahrens keinen Raum finden, auch seelisch zertrampelt werden könnten. Hochsensitiv heisst: dünnere Haut und Antennen, die «zu viel» wahrnehmen, und ein normales Funktionieren in einer materialistischen und auf Konsum ausgerichteten Gesellschaft sehr erschweren. Und hier kommen wir nun zu der Aufgabe einer zeitgemässen Pädagogik und welche Kernkompetenzen dabei gefördert werden müssen. Es geht um jeden von uns, welche Kernkompetenzen wir selbst entwickeln müssen und welche Institutionen es heute braucht, wo diese neuen Revolutionäre eine Heimat finden können. Welches sind die Perspektiven, die dann auch schrittweise einem neuen Lernparadigma zum Durchbruch verhelfen und das Monopol – also die Alleinherrschaft der Schulinstitutionen, wie sie heute sind – brechen oder zumindest aufweichen?
PÄDAGOGISCHE OASEN UND NEUE GEMEINSCHAFTEN Es braucht heute mehr denn je pädagogische Oasen, ein Daheim für die Kinder, eine pädagogische soziale Gemeinschaft, ein Netzwerk von PädagogInnen mit Herz, von Eltern und von toleranten Schulbehörden, die offen sind für ganz neue Lern-Netzwerke. Der weltweite «Grossversuch», in dem anlässlich der «Corona-Krise» der reguläre Unterricht, die traditionellen Schulen für eine bestimmte Zeit ausser Kraft gesetzt wurden, stellt uns genau vor diese Aufgaben. Nur «online-Learning» genügt eben nicht. Es braucht neue Gemeinschaften und im Sinne Pestalozzis eine Besinnung auf das familiäre Umfeld und das Lernen «zuhause» (eine neue Form des «Home Schoolings»).
«Es braucht eine Besinnung auf das familiäre Umfeld und das Lernen zuhause.» Es gibt nun über dieses Institutionelle hinaus zentrale Kompetenzen, die zuerst bei uns als PädagogInnen entwickelt werden müssen, damit sie dann auch für die neue Bildung förderlich sein können. Hier sind zwei Grundlagen wesentlich, damit die Kernkompetenz, das Können sich daraus entwickeln kann:
Weitere Informationen – auch zu den erziehungswissenschaftlichen Grundlagen des Lebenslernens: www.institut-praxisforschung.com/ forschung-entwicklung/lebenslernen/ «School-is-Closed»-Projekte aus Waldorfschulen und Lebens-Lern-Konzepte von Studierenden der AfaP Dornach werden laufend aktualisiert und sind zu finden auf der Sonder-Website www.netzwerk-projekte.ch.
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1.
Das Lebenslernen verstehen und praktizieren, persönlich, im pädagogischen Beruf und als Institution. Damit ist gemeint, dass wir das Leben wieder in seiner Transzendenz zu verstehen suchen, jeder einzelnen Situation Sinn geben, dass wir nicht einseitig eine romantische Vorstellung des Lebens pflegen oder einseitig nur eine pragmatische Zielsetzung verfolgen. Lernen fürs Leben bedeutet eben viel mehr als ein Fitwerden für gute Jobs und das Erwerbsleben. Es bedeutet, das Leben in seiner Polarität von Lebensbereichen zu verstehen, von Schule und Praxis, von Lernen im Privaten ausserhalb des Schulischen, des Zaubers in der Magie des Lebens (Hesse) einerseits und des leistungsorientierten eindimensionalen Lernens andererseits. Das heisst auch «learning to play the game», also wo nötig, die Abschlüsse zu absolvieren, die heute gebraucht werden, und gleichzeitig das «Ich-bin» in seiner einzigartigen Originalität zu kultivieren. Das ist dann Lernkunst oder Erziehungskunst.
2. Daraus folgt das, was auf allen Stufen als Lebenslernen gelebt werden kann: in Kindergarten und Unterstufe das entdeckende Lernen, dann das forschende Lernen, im Jugendalter das duale Lernen im Mittelschulbereich, wie das an der Waldorf-Mittelschule Jurasüdfuss 20 Jahre lang radikal praktiziert wurde (50 Prozent der Zeit im Schulhaus mit schulisch-konventionellem Lernen inklusive Abschlüssen und 50 Prozent ausserhalb des Schulhauses an externen Lernorten als LangzeitProjektlernen), dann als Studierende und Berufsleute die Praxisforschung – das duale Lernen immer im Verbund von Theorie und Praxis, wie dies an der Akademie für anthroposophische Pädagogik (Dornach) für unsere Studierenden angelegt ist und nun seit 20 Jahren so praktiziert wird.
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Rudolf Steiner Schule Zürich
«Wir müssen zuerst unseren inneren Meister finden, von dem wir das Lebenslernen lernen können.» DIE KOMPETENZ DER INKOMPETENZ Wir nähern uns nun schrittweise dem Kern der Sache, was alles «im Innersten zusammenhält». Wir müssen zuerst unseren inneren Meister finden, von dem wir das Lebenslernen lernen können. Steiner wollte nicht ein Meister im Sinne eines Gurus sein, aber er gab klare Wegweiser zu einer Lebensphilosophie der Befreiung von alten Monopolen und einem Aufbruch zu neuen geistigen Horizonten. Seine wegweisenden Worte dazu waren: Das Leben ist der grosse Meister. Dies ist nicht metaphorisch gemeint, sondern ganz real, im Sinne des Christus-Wortes: «Ich bin das Leben». Dieses Leben lehrt uns allerdings oft auch durch einen Widerstand, eine Krise, durch ein Problem, durch einen Schatten, durch ein Kreuz, das uns auferlegt wird oder das wir als Erzieher auf uns nehmen in Freiheit. Es gibt einen seltsamen Widerspruch, einen unlösbaren, eine Antinomie, es ist die Kompetenz der Inkompetenz, des Nicht-Könnens. Der grosse Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel schrieb dazu eine Kolumne: «Ich bin der, der es nicht kann.» Ich bin der, der ich bin und gleichzeitig der, der es nicht kann, weil ich noch nicht das umfassende Ich-Bin bin. Oder weniger philosophisch ausgedrückt: Nur wenn ich strebe und gleichzeitig erlebe, dass ich auch im Scheitern, in Misserfolgen, im Leiden wertvoll bin, ja dadurch mein wahrer Kern zum Vorschein kommt, erst dann kann ich den neuen Revolutionären, den Gescheiterten, den Gestrandeten, den Heimatlosen ein Daheim geben. Denn sie suchen heute kein Mitleid von oben herab, sondern ein Mit-Leiden, ein Mit-Gefühl, das was wir heute unter Empathie verstehen.
Dr. Thomas Stöckli ist seit 1995 Co-Leiter der Akademie für anthroposophische Pädagogik (AfaP) in Dornach (www.afap.ch) und dort auch als Dozent für die Lehrerbildung tätig. Seit 1999 betreut er internationale Forschungsprojekte auf der Grundlage der Praxisforschung. In diesem Kontext gründete er das Institut für Praxisforschung in Solothurn (www. institut-praxisforschung.com).
Was hält die Welt denn im Innersten zusammen, was meinte Goethe in seinem «Faust», was fand er denn als Antwort? Im Scheitern, im Schuldigwerden im Leben hielt und erlöste ihn eine dauerhafte Liebe, ihn, den grossen Nicht-Könner. So alt diese Sehnsucht auch ist: Sie bleibt der Kern des Strebens, des Strebens nach Empathie, auch ganz unsentimental Liebe genannt. Zum Schluss noch einen tröstlichen und auch erschütternden Gedanken Steiners aus dem Vortrag, den er in höchst dramatischen Krisenzeiten direkt nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieges im Oktober 1918 in Zürich hielt2. Der Titel des Vortrags heisst: Wie finde ich den Christus? Er meinte dies natürlich nicht konfessionell, sondern im Sinne von: Wie finde ich mein wahres, höheres Ich-Bin?
«Keiner, der ehrlich diese Selbsterkenntnis anstrebt, wird sich anderes heute als Mensch sagen können als: Ich kann das nicht fassen, was ich eigentlich anstrebe. Ich bleibe mit meiner Fassungskraft hinter dem, was ich anstrebe, zurück; ich empfinde meine Ohnmacht gegenüber meinem Streben. – Es ist dieses Erleben ein sehr wichtiges. Dieses Erleben müsste jeder haben, der ehrlich mit sich selber, in Selbsterkenntnis zu Rate geht: ein gewisses Ohnmachtsgefühl. Dann, wenn man genügend kräftig diese Ohnmacht empfindet, dann kommt der Umschlag. Dann kommt das andere Erlebnis, das uns sagt: Aber wir können, wenn wir uns nicht an dasjenige hingeben, was zu erreichen wir durch unsere Leibeskräfte alleine imstande sind, wir können, wenn wir uns hingeben an dasjenige, was uns der Geist gibt, überwinden diesen innerlichen Seelentod. Wir können die Möglichkeit haben, unsere Seelen wiederzufinden und an den Geist anzuknüpfen. Wir können erleben die Nichtigkeit des Daseins auf der einen Seite und die Verherrlichung des Daseins aus uns selber, wenn wir hinüberkommen über das Spüren der Ohnmacht.» Dieser Artikel wurde erstmals publiziert in der Wochenschrift «Das Goetheanum», Ausgabe 14, 3. April 2020.
1 Die Suizidrate spricht eine dramatische Sprache. Die Schweiz verzeichnete im Jahr 2019 33’000 Suizidversuche, oder etwa 90 pro Tag und im Schnitt 3 bis 4 suizidbedingte Todesfälle pro Tag. 2 Rudolf Steiner hat dann im August 1919 in Dornach, als Vorbereitung der Gründungskurse für die ersten Waldorflehrer, den dramatischen spirituellen Zeithintergrund dargestellt: Die Kinder, die ins 20. Jahrhundert geboren würden, hätten eine innere Furcht und Angst, in die Welt einzutreten, weil sie spürten, dass die Intelligenz, so wie sie sich im 20. Jahrhundert entwickle, eine Neigung zum Bösen habe. Es gehe bei den Erziehern darum, dies zu erkennen und selber den Sinn der Erdenentwicklung tief innerlich zu erfassen, was in einem Verständnis des Mysteriums von Golgatha bestehe. Dieses habe aber nichts mit Konfessionen und Religionsgemeinschaften zu tun. Er hat dann also die oben angeführte seelische Disposition für die Pädagogik konkretisiert (GA 296, Vortrag vom 16. August 1919).
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Im Fokus
Das Engagement der Jugend
Noah (13.Klasse), Klara (11. Klasse) und Zoè (7. Klasse) setzen viel Zeit und Herzblut ein, um etwas zu bewegen – sei es beim Thema Klimaschutz oder auch für die Schulgemeinschaft.
Im Lehrplan unserer Schule haben wir vermerkt, dass es ein Anliegen der Waldorfpädagogik ist, die Entwicklung des Menschen zu fördern, die Persönlichkeit durch Vermittlung von Sozialkompetenzen zu stärken sowie Initiativkraft und eigenständiges Denken zu fördern. In diesem Beitrag sind wir der Frage nachgegangen: Welche Initiativkraft zeigen unsere Schülerinnen und Schüler und für welche Themen engagieren sie sich? Birgit Purainer im Gespräch mit Zoè (7. Klasse), Klara (11. Klasse) und Noah (13. Klasse). Von euren Klassenlehrpersonen habe ich erfahren, dass ihr euch besonders für gewisse Themen engagiert. Welche Themen sind das?
K LARA: Ich engagiere mich im Moment für die Klimabewegung und den Klimaschutz.
ZOÈ: Ich engagiere mich auch für den Klimaschutz.
bracht wird. Und dass möglichst viel mitgenommen werden kann von der Schule. Wir haben hier so viel Potenzial, um Dinge zu lernen und Erfahrungen zu machen. Das finde ich super. Dafür möchte ich mich engagieren: Dass das alles möglichst gut zusammenspielen kann.
NOAH: Ich engagiere mich für die Schule. Für ein schönes Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern, für einfach alles, was die Schule betrifft. Dass jede Schülerin, jeder Schüler gerne hierherkommt. Dass alle es schön haben. Dass die Schulzeit möglichst angenehm ver14
Seit wann seid ihr so engagiert? Wie hat sich euer Engagement entwickelt?
ZOÈ: Ich engagiere mich, seit ich elf Jahre alt bin. Da habe ich zum ersten Mal Rudolf Steiner Schule Zürich
etwas über die Klimaproblematik mitbekommen. Seitdem beschäftige ich mich mit dem Klimathema und gehe auch an Klimademos.
KLARA: Bei mir war es auch so ähnlich. In der zweiten Klasse, als wir unseren ersten Vortrag halten durften, war mein Thema der Klimawandel. Danach rückte dieses Thema wieder etwas in den Hintergrund. Aber danach, als die ganze Klimabewegung aufgekommen ist, ist es auch bei mir wieder hochgekommen. Im Sinne von: Jetzt kann ich etwas machen, das auch etwas bewirkt, und jetzt habe ich auch Menschen, die sich mit mir zusammen für diese Sache engagieren. Am Anfang bin ich einfach zu Streiks gegangen, dann habe ich mich für das dritte nationale Treffen angemeldet und ging da hin und mache jetzt dort mit. Das nationale Treffen haben wir alle 3 Monate in Bern, es dauert jeweils zwei Tage.
NOAH: Ich war schon immer ein Fan von Engagement. Schon zu Anfang meiner Schulzeit ging ich gerne an Orte, wo ich zum Beispiel Eltern berichten konnte oder mich sonst engagieren konnte. Ich weiss noch: Ich habe Buffets aufgebaut, beim Theater mitgemacht ... wann auch immer man zum Beispiel bei einer Feier Ansprachen halten konnte, habe ich das schon immer gerne gemacht und konnte nicht nachvollziehen, wieso man das nicht gerne machen will: dieses «Sich für etwas engagieren», wo man sich gemeinsam für etwas einsetzt. Als ich hier in die Atelierschule kam und in der elften Klasse ins Schülerforum eintrat, hat man mich jeweils überzeugt. Und nach einem Jahr haben wir beschlossen: Komm, wir machen jetzt etwas aus
«Nicht gefragt soll werden: Was braucht der Mensch zu wissen und zu können für die soziale Ordnung, die besteht, sondern: Was ist im Menschen veranlagt und was kann in ihm entwickelt werden? Dann wird es möglich sein, der sozialen Ordnung immer neue Kräfte aus der heranwachsenden Generation zuzuführen. Dann wird in dieser Ordnung immer das leben, was die in sie eintretenden Vollmenschen aus ihr machen; nicht aber wird aus der heranwachsenden Generation das gemacht werden, was die bestehende soziale Organisation aus ihr machen will.» Rudolf Steiner in: Aufsätze über die Dreigliederung des sozialen Organismus und zur Zeitlage, 1915-1921, GA 24
dieser Sache, wir entwickeln das weiter. Und mittlerweile ist es zu einer Sache geworden, die extrem läuft, extrem viel Potenzial hat und extrem viel bewirkt im Vergleich zu vorher. Ist es schwierig, sich zu positionieren und die eigene Meinung zu äussern? Habt ihr das Gefühl, dass euer Engagement im Freundeskreis oder auch im Klassenverband unterstützt und für gut befunden wird?
Freundes- und Schulkreis eigentlich immer auf positive Rückmeldungen verlassen. Es wird auch geschätzt, das kann ich sagen.
KLARA: Es kommt halt darauf an: Beim Klimastreik beispielsweise ist es ja so, dass ich in der Schule nicht besonders viel dafür mache. Klimaimpuls schon auch, aber noch nicht so aktiv. Es gibt auf jeden Fall Leute, mit denen ich gut darüber sprechen kann und die einem auch die Rückmeldung geben, dass sie es cool finden, dass ich das mache. Aber es gibt auch Leute, die das als nicht bedeutend empfinden. Wie informiert ihr euch über das politische und alltägliche Geschehen?
KLARA: Beim Engagement fürs Klima haben wir verschiedene Chats, in denen Interviews und alle thematisch passenden Nachrichten nachzulesen sind, die die Chatmitglieder finden. Ansonsten schaue ich Nachrichten und lese meistens die Zeitung.
ZOÈ: Ich informiere mich über die Zeitung und ich höre gerne Interviews von Politikern.
NOAH: Für mich geht es eigentlich mehr um den Informationsaustausch als darum,
ZOÈ: Die meisten finden schon, sie würden jetzt gerne mit dem Flugzeug nach Indien fliegen oder so. Und ich bin halt einfach nicht gleicher Meinung. Mit gewissen Leuten kann ich darüber reden, aber nicht mit allen. Aber es geht eigentlich gut, mit meinen Mitschülern zu sprechen.
NOAH: Ich auf jeden Fall. Naja, was ich mittlerweile merken musste: Wenn Du jemand bist, der sich für etwas oder sogar für verschiedene Sachen sehr einsetzt, geben sich die anderen damit zufrieden, dass andere dies tun. Sie geben sich zufrieden damit, einfach zu folgen. Aber ich kann mich im 15
dass ich mich selber informiere. Der persönliche Austausch zwischen den Menschen, zum Beispiel Lehrer und Schüler, sollte gewährleistet sein, und ist ein guter Weg, um zu kommunizieren. Habt ihr das Gefühl, die Schule ist offen genug für eure Anliegen?
gesamten Kollegium nochmals eindringlich gesagt, dass sie doch bitte kommen sollen. «Wir machen das nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für euch. Das ist eine Initiative von uns, kommt doch bitte vorbei und schaut euch das an.» Die eine Hälfte war da, die andere Hälfte hat es nicht interessiert.
NOAH:
Wir Lehrpersonen diskutieren auch viel darüber, wie wir unsere Verantwortung wahrnehmen und unsere SchülerInnen bei ihrem Engagement unterstützen können. Bezüglich der Klimadebatte wollten wir auch ein Zeichen setzen. Ein Schritt war für uns die Umstellung der Mensa und somit das Angebot einer klimafreundlichen Verpflegung. Es gibt nur noch vegetarische Gerichte. Wir kaufen anders ein, verwenden biologisch hergestellte Lebensmittel und generieren kaum Abfall. Aber ich merke, wir erreichen die SchülerInnen noch nicht damit. Ich sehe natürlich das Bedürfnis der SchülerInnen, in der Pause das Schulgelände zu verlassen und etwas Abstand zu bekommen. Aber es macht mich doch traurig, wenn ich sehe, wie die SchülerInnen mit einer Mittagsverpflegung zurückkommen, die oft ein unglaubliches Müllauf kommen bei uns entstehen lässt. Hättet ihr da einen Tipp für uns, was es bräuchte, dass wir die SchülerInnen besser erreichen können?
Also, ich bin generell sehr zufrieden. Es gibt Lehrkräfte, die lassen einen einfach machen, sind aber selbst nicht sehr interessiert, und dann gibt es jene, bei denen man immer Anliegen äussern kann. Ich würde mir wünschen, dass es generell ein bisschen mehr Interesse gäbe. Wir hatten letztes Jahr eine Veranstaltung, zu der wir u.a. Politikerinnen und Politiker vom National- und Kantonsrat eingeladen und spannende Diskussionen geführt haben. Mit der Erfahrung im Hinterkopf, dass bei der Veranstaltung ein Jahr zuvor fast keine Lehrer anwesend waren, haben wir dieses Jahr dem
Ich finde, das ist ein guter Punkt und ein wichtiger. Ich merke das auch. Was bei uns nun anfängt, ist, dass man wenigstens das Papier richtig recyclen kann, dass man PET- und Alubehälter aufstellt. Doch auch wenn überall solche Behälter stehen, bleibt es doch extrem schwierig, jedem klarzumachen, dass er diese Abfalltrennung einhalten soll. Es landen nach wie vor so viele Dosen und PET-Flaschen im Restmüll. Was kann man da machen? Ich sehe das generelle Problem darin, dass es vielen nur um die eigene Kom-
KLARA: Ja, ich denke schon. Wir hatten neulich mit der Schulleitung der Atelierschule eine Besprechung, in der es um das Thema Absenzenregelung ging. Und ich habe das Gefühl, dass man da durchaus auf uns eingeht.
NOAH: Seitens der Schule gibt es da da immer eine Offenheit. Natürlich hat es eine Zeit gebraucht, bis die Leute wussten, wer man ist und was für Sachen man macht. Aber mittlerweile weiss ich, dass ich immer auf Offenheit stossen werde und ich immer meine Meinung äussern darf. Wie man dann damit umgehen will, das ist eine andere Frage. Aber Offenheit ist schon immer der Fall.
ZOÈ: Ja, das geht eigentlich gut. Es gibt manchmal auch in der Klassenstunde oder im Unterricht Zeit dafür, dann sprechen wir auch über die Klimabewegung. Gibt es etwas, was ihr euch von der Schule zur Unterstützung eures Engagements wünschen würdet?
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NOAH:
fortzone geht. Es sind Gewohnheiten, Routinen und etwas, das einfach in den Köpfen der Leute «verhockt» ist. Bis man 300 Schülerinnen und Schüler dazu bringt, sich umzustellen, das braucht einfach Zeit.
KLARA: Ich glaube, es braucht immer wieder Motivation, Aufklärung und Informationen sind da ganz wichtig und das ist das, was wir jetzt versuchen. Wir versuchen, diesen Leuten unter die Arme zu greifen und diese so lange zu bewegen, bis es schlussendlich angekommen ist. Habt ihr das Gefühl, die Schule hat mit ihrer Pädagogik und der Unterrichtsgestaltung in eurer persönlichen Entwicklung etwas dazu beigetragen, um solch ein Engagement zu entwickeln?
NOAH: Das ist eine schwierige Frage, da ich sie selbst nicht ganz beantworten kann. Ich glaube, solche Sachen entstehen durch Erziehung und Bildung. Was genau jetzt der Anteil an Erziehung und der Bildung ist, weiss ich nicht. Ich weiss aber, dass ich in der Schule immer unterstützt wurde und unser Engagement stets auf positive Resonanz getroffen ist. Es hat eine grosse Wirkung, wenn man in dem, was man macht, unterstützt wird.
KLARA: Die Steiner Schule hat mir schon viel beigebracht. Das merke ich, wenn ich vor Leuten sprechen muss. Man hat seit der 1. Klasse bereits die Erfahrung gemacht, auf der Bühne zu stehen. Bei Klimafragen kommt mir schon die Frage: Warum haben wir Klimawandel im Unterricht so wenig thematisiert?
Das gilt übrigens auch für andere aktuelle politische Themen. Wünscht ihr euch von der Schule, dass wir das Thema mehr ins Bewusstsein holen und im Unterricht behandeln?
KLARA: Ja durchaus. Zwar bespricht unsere Geschichtslehrerin das Thema mittlerweile am Morgen. Aber trotzdem habe ich das Gefühl, es fehlt noch etwas. Ich meine: Wir können alle Geschichtsdaten auswendig, aber das nützt auch nicht sonderlich viel, wenn man gleichzeitig nicht weiss, was denn momentan so am Laufen ist.
ZOÈ: Geschichten über berühmte Menschen, die weit vor uns gelebt haben, könnten ruhig weniger sein. Aber über das Thema Klimawandel könnte die Schule viel mehr aufklären. Und auch viel früher, in der Unterstufe schon. Wenn ich so engagierte junge Menschen sehe wie euch, dann fände ich es gut, wenn ihr einfach mal in den Unterricht von anderen Klassen gehen und von euch erzählen würdet. Was bedeutet es eigentlich, hier an die Schule zu gehen? Man kann sich engagieren, man kann etwas erreichen, was tun. Oder auch das Thema der Klimabewegung fände ich sehr spannend für einen vermehrten Austausch.
Hast Du das Gefühl, das Engagement gegen den Klimawandel trägt dich auch langfristig weiter – also auch nach der Schulzeit? Etwas, das auch nach der Schulzeit weitergehen wird? Hast Du das Gefühl, es bewirkt etwas?
Vielen Dank für das Gespräch und eure Offenheit. Ich finde es grossartig, dass ihr euch so engagiert, und wünsche euch viel Freude, Unterstützung durch euer Umfeld sowie Durchsetzungskraft.
KLARA: Ja, durchaus! Ich habe das Gefühl, dass das Thema in den Medien und in der Politik wirklich immer wieder aufgegriffen wird. Somit ist das Bewusstsein bereits geschaffen. Ich glaube eher nicht, dass durch diese Streiks diese Probleme wirklich gelöst werden ... ich glaube das jetzt persönlich eher weniger. Aber ein gutes Ergebnis ist, dass die motivierten und auch engagierten jungen oder auch älteren Menschen so ein bisschen zusammengefunden haben. Es gibt mittlerweile so viele Menschen, die so viel Zeit in diese Bewegung investieren. So viele Leute, die jeden Abend stundenlang daran arbeiten und eine Sitzung nach der anderen haben, und ich glaube, dass diese Menschen sich gegenseitig in so einer Bewegung unterstützen können. Das hat schon extrem viel bewirkt.
NOAH: Dazu kommt mir noch etwas in den Sinn: Ich erinnere mich noch daran, wie ich selbst so in der 8., 9. Klasse an Besuchstage der Atelierschule ging, an denen uns ältere SchülerInnen herumgeführt haben - das fand ich immer extrem beeindruckend und war für mich auch eine grosse Motivation, zu sagen: Das möchte ich auch mal machen. Und seit ich hier an der Atelierschule bin, nehme ich an jedem Besuchstag teil und versuche, so oft es geht, mit den jüngeren Schülern zusammenzusitzen und die Fragen zu beantworten, und sie zu motivieren. Ich finde diese Hilfestellung wichtig und mache das sehr gerne. 17
Im Fokus
Schulsozialarbeit – ein Pionierprojekt an unserer Schule Das neue Beratungsangebot unterstützt Kinder, Jugendliche und ihre Eltern von Joanna Dal Bosco (Schulsozialarbeiterin) und Birgit Purainer (Mitglied Schulleitung)
Im Leitbild unserer Schule haben wir als Grundsatz das Ziel festgehalten, junge Menschen dazu zu befähigen, dass sie nach der Schulzeit als handelnde, fühlende und denkende Menschen Verantwortung in der Gesellschaft und für die Natur übernehmen können und wollen. Die Vermittlung von Sozialkompetenzen sowie die Festigung der Persönlichkeit sind hierzu zentrale Komponenten. Besonders bei diesen beiden Komponenten sind die Lehrpersonen immer mehr gefordert und oft auch überfordert. Entwicklungs- und Lebenskrisen, vermehrt auftretende Hypersensibilität, Identifikationsschwierigkeiten, fehlende innere Standfestigkeit und Identifikationsfiguren und instabile Familiensysteme führen mehr und mehr dazu, dass sich die Kinder und Jugendlichen nicht mehr selbstverständlich mit der Gemeinschaft und dem eigenen Ich verbinden können.
unserem Schulorganismus vertraut ist, besetzen. Wir konnten aus unserem Kollegium Joanna Dal Bosco für diese Aufgabe gewinnen. Als Erziehungswissenschaftlerin, langjährige pädagogische Mitarbeiterin und Leiterin an unserem Kinderhort bringt sie alle gewünschten und geforderten Voraussetzungen mit, um diese Pionierarbeit an unserer Schule zu leisten.
dabei einen Schnittpunkt zwischen den Institutionen Schule und Jugendhilfe dar.
«Dieses Pionierprojekt hilft mit, den Lebensraum ‹Schule› so zu gestalten, dass eine gesunde körperliche, geistige, emotionale und soziale Entwicklung stattfinden kann.»
Allgemeine Arbeitsfelder für unsere Schulsozialarbeiterin sind sowohl die Einzelberatung als auch die Unterstützung der Klassen beim Entwickeln eines positiven, sozialen Miteinanders sowie die Krisenintervention, Präventionsarbeit und Vernetzung mit externen Fach- und Beratungsangeboten. Wichtige Grundsätze für die Schulsozialarbeit sind Vertraulichkeit, Niederschwelligkeit und eine Lösungs- und Prozessorientierung.
Diese Schwierigkeiten können nicht nur im Klassenverbund bewältigt werden, sondern benötigen eine intensivere Begleitung. Unser Kollegium hat sich bereits mehrere Jahre mit den wachsenden sozialen und familiären Problemen an unserer Schule auseinandergesetzt und im letzten Jahr darauf reagiert. Seit August 2019 haben wir nun eine 50 Prozent-Stelle für Schulsozialarbeit neu an unserer Schule eingeführt und die Finanzierung dieses Projektes für mindestens zwei Jahre bewilligt.
Das anthroposophische Menschenbild, die bewusste Beziehungspflege und die Betonung der Erziehungsgemeinschaft von Eltern und Lehrpersonen schaffen eine vertiefte Wahrnehmung und aufmerksame Begleitung der SchülerInnen in ihrer individuellen, sozialen und schulischen Entwicklung. Sie hilft mit, den Lebensraum «Schule» so zu gestalten, dass eine gesunde körperliche, geistige, emotionale und soziale Entwicklung stattfinden kann. Die Schulsozialarbeit unterstützt Kinder und Jugendliche und ihre Erziehungsberechtigten dahingehend, dass Herausforderungen und Problemstellungen auf verschiedenen Ebenen angegangen werden können. Sie stellt
Es war uns wichtig, dass wir diese Stelle mit einer fachkompetenten Person, die mit der Steinerpädagogik und 18
Die Schulsozialarbeit ist ein vorrangig auf Freiwilligkeit basierendes Beratungs- und Unterstützungsangebot für alle Kinder und Jugendlichen an der Rudolf Steiner Schule Zürich.
«Wichtige Grundsätze für die Schulsozialarbeit sind Vertraulichkeit, Niederschwelligkeit und eine Lösungs- und Prozessorientierung.»
Explizit betonen möchten wir, dass die Schulsozialarbeit an unserer Schule nicht therapeutisch arbeitet und Konflikte zwischen Erwachsenen nicht in ihr Arbeitsfeld fallen. Zur Unterstützung bei Konflikten zwischen Schuleltern oder Schuleltern und Lehrpersonen kann die Vermittlungsstelle beigezogen werden. ERSTE EINDRÜCKE AUS MEINEM SCHULALLTAG ALS SCHULSOZIALARBEITERIN «Mal sind es nur neugierige Blicke, mal wird im Türrahmen gestanden und fröhlich geplaudert, of t sind es aber auch belastete Kinder- und Jugendseelen, die den Weg zu mir ins Büro der SchulRudolf Steiner Schule Zürich
sozialarbeit finden. Es scheint, als würde das niederschwellige Gesprächsangebot ein grosses Bedürfnis stillen. So ‹ f lattern › aus den verschiedenen Klassenstufen ganz unterschiedliche Themen, Probleme und Fragen an mich heran. Immer wieder bin ich berührt über die Offenheit und das Vertrauen, das mir von den Schülerinnen und Schülern entgegengebracht wird, und ich freue mich über den Mut und die Bereitschaf t, gemeinsam Lösungswege zu entwickeln und diese zu beschreiten. Mit den Lehrpersonen bespreche ich regelmässig spezifische Anfragen oder Themen, die eine Klasse bewegen. Die Vernetzung, das Mehraugenprinzip und die damit einhergehende Entlastung schaffen wertvolle Ressourcen und ermöglichen, gemeinsam wichtige Impulse in die Klassen hineinzutragen und Prozesse zu begleiten. Auch kann ich im Kollegium dazu beitragen, dass neue Anregungen bezüglich der Prä-
ventionsarbeit an unserer Schule gesetzt werden. Zudem tragen auch Eltern Themen an mich heran und suchen gemeinsam mit mir nach guten Wegen, ihre Kinder durch Krisen zu begleiten und neue Unterstützungsmöglichkeiten zu erschliessen. Meine Präsenz am Mittagstisch im Hort ermöglicht ergänzend zu meiner Tätigkeit in der Schulsozialarbeit, viele Kinder schon im Kindergartenalter kennenzulernen, wahrzunehmen und eine kontinuierliche Beziehung zu ihnen aufzubauen. Meine Arbeit als Schulsozialarbeiterin ist erfüllend. Erfüllend vor allem deshalb, weil sie im Netz unserer Schulgemeinschaf t tragend mitwirken kann und für Schülerinnen und Schüler, Eltern und das Kollegium als Bereicherung wahrgenommen wird.»
Joanna Dal Bosco steht für ihre Tätigkeit als Schulsozialarbeiterin ein eigener Raum im Haus 37 a (Eingang neben dem Ping Pong-Tisch) zur Verfügung. Sprechstunden können per Mail unter schulsozialarbeit@steinerschule-zuerich.ch vereinbart werden.
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Im Fokus
Frische Kräfte und Kontinuität Die neue Schulleitung stellt sich vor
Zu Beginn dieses Jahres hat Dirk Dietz sein Mandat der Schulleitung abgegeben, um sich wieder mehr der pädagogischen Arbeit zuwenden und eine Klassenführung übernehmen zu können. Neben seinen Aufgaben in der Schulleitung hat er sich vielfach weitergebildet und letztes Jahr eine medienpädagogische Ausbildung absolviert. Dies wiederum mit Weitsicht und im Hinblick darauf, was für unsere Schule in der Weiterentwicklung förderlich ist. Das Leben hält sich jedoch nicht immer an Planungen: Leider wird Dirk Dietz Ende dieses Schuljahres unsere Schule verlassen. Er war über die vergangenen 15 Jahre eine sehr bedeutsame Stütze und hat seine Aufgaben als Mitglied der Schulleitung mit unglaublichem Einsatz und umfassendem Fachwissen wahrgenommen. Es wird eine grosse Herausforderung für uns, die Lücke, die er hinterlässt, zu füllen. Da sich nun Jonathan Keller Ende dieses Schuljahres, im Juli 2020, beruflich verändern und eine 1. Klasse an der Rudolf Steiner Schule Wetzikon übernehmen wird, waren in der Schulleitung sehr starke Bewegun20
gen im Gange. In vielen Gesprächen und Sitzungen haben die Personalgruppe, die aktuelle Schulleitung und das Kollegium der Einfachen Gesellschaft die Bedürfnisse der Schule und der betroffenen Personen diskutiert, Stellenprofile erstellt und eine gute Übergabe der Aufgaben und Verantwortungen geplant und teilweise schon vollzogen.
Birgit Purainer
Um die notwendige Kontinuität in der Schulleitung zu wahren, habe ich meinen Wunsch, hauptsächlich pädagogisch an der Schule tätig zu sein, zurückgestellt und mich gerne dazu bereiterklärt, mein Mandat der Schulleitung weiterhin wahrzunehmen. Das gesamte Kollegium freut
sich sehr, dass wir – ganz nach dem Impuls von Rudolf Steiner – für die beiden vakanten Stellen eine interne Lösung und somit aktive Lehrpersonen aus unserem Kollegium für diese Aufgabe gewinnen konnten: Vera Wohlgemuth und Jean-Claude Baudet. Vera Wohlgemuth wird ihre 6. Klasse bis zum Sommer weiterführen und dann mit der Abgabe an die Oberstufe vor allem in der Schulleitung sowie im Rahmen der Sprachgestaltungs- und Theaterarbeit tätig sein. Jean-Claude Baudet wird die Klassenbetreuung seiner jetzigen 8. Klasse bis zum Ende der 9. Klasse weiter übernehmen. Nach dem Weggang von Jonathan Keller im Juli 2020 wird er zusätzlich die Verantwortung für die Schulfinanzen und weitere Schulleitungsaufgaben tragen. Ich werde weiterhin meine Aufgaben in der Schulleitung wahrnehmen und im Förderbereich unserer Schule arbeiten. Über die genaue Aufteilung der Schulleitungsaufgaben innerhalb des neuen Schulleitungsteams werden wir zu gegebener Zeit im Newsletter informieren. Rudolf Steiner Schule Zürich
Jonathan Keller
Die Rudolf Steiner Schulen entstammen dem Impuls, aus einer umfassenden Einsicht in die Welt- und Menschheitsentwicklung – wie sie durch die Anthroposophie gegeben wird – einen Beitrag zu dieser Weiterentwicklung zu leisten. Die Grundrichtung dieses Impulses besteht darin, das Geistige im Menschen wieder mit dem in der Weltentwicklung wirkenden Geist zu verbinden. Die Bedeutung dieses Impulses kann nur dadurch aufrechterhalten werden, dass alle Lebensbereiche des praktischen Lebens aus der ihm zugrundeliegenden Geisterkenntnis immer wieder neu gestaltet werden. Wird in den Rudolf Steiner Schulen dieser ganzheitliche Ursprungsimpuls nur auf die Arbeit im Klassenzimmer, auf den Unterricht, reduziert und nicht immer wieder versucht, auch die rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Belange aus dieser Erkenntnis heraus zu gestalten, verlieren die Rudolf Steiner Schulen ihren Zusammenhang mit den der Gründung zugrundeliegenden Absichten. Weit mehr als die Vermittlung der Inhalte wirkt auf die Kinder die geistig-seelische Verfassung der Erwachsenen, ihre Weltanschauung und ihr daraus resultierendes Fühlen und Handeln, aber auch die durch die Erwachsenen eingerichteten Verhältnisse. Ob diese Verhältnisse vorwiegend aus einem kausalen Nützlichkeitsdenken eingerichtet sind oder aus dem Bestreben, die real bestehenden, erkenntnismässig erfassbaren Zusammenhänge Wirklichkeit werden zu lassen, hat einen prägenden Einfluss auf die konstitutionelle Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. So gesehen macht es zum Beispiel einen Unterschied, ob
eine Schule sich darum bemüht, bei der Einkommensgestaltung die Lebenssituation und den Bedarf der Lehrpersonen zu berücksichtigen oder ob sie nur die einfach umsetzbare, heute übliche Entlöhnung nach Ausbildung und Alter implementiert. Ich wünsche der Rudolf Steiner Schule Zürich, dass auch weiterhin genügend Menschen an ihr tätig sind, die sich um eine Anbindung an die der Gründung zugrundeliegenden Quellen bemühen, um aus dieser Beschäftigung die richtigen Antworten auf die heutigen Fragen in den verschiedenen Bereichen der Schule zu finden.
rer Schule jederzeit erkennen, pflegen, bedenken (meditieren!), zeigen und weiterentwickeln. Auch wenn ich als Ich die Finanzverantwortung übernehmen werde, möchte ich dies doch immer im Sinne des Wir tun und freue mich über jegliche Anregungen, Zusprüche, Hinweise und Inspirationen aus allen Ecken der Schulgemeinschaft!
Vera Wohlgemuth
Jean-Claude Baudet Als Steinerschul-Lehrer mit den Unterrichtsschwerpunkten Mathematik, Naturwissenschaften und Musik bringe ich für meine zukünftige Aufgabe als Finanzverantwortlicher der Schule nicht nur ein Interesse und ein Gespür für Zahlen, sondern auch ein vernetztes Denken sowie viel Freude am Erwecken der Inspirationsgabe mit. Ich möchte mich dafür erwärmen, dass wir das Schulgeschehen nicht in vereinzelnde Bereiche wie hier Pädagogik, da Menschen und dort Zahlen differenzieren, sondern auch die Zusammenhänge und die ihnen innewohnenden Wirkungen und Kräfte aufzeigen und ins Bewusstsein bringen. An unserer Schule – und das ist ja auch eine unserer grossen Besonderheiten in der heutigen Bildungslandschaft – stehen hinter jeder Zahl denkende, handelnde und auf irgendeine Art inspirierte (und inspirierende) Menschen. Gerade in der aktuellen Situation eines Stillstandes, eines Schwebezustandes, fordert der Blick in die Zukunft umso mehr, dass wir das (analoge!) Lebendige an unse-
Viele von Ihnen kennen mich aus anderen Schulzusammenhängen, vor allem als Klassenlehrerin der nun 6. Klasse und aus der Theaterarbeit im 8. Klass-Spiel in den vergangenen Jahren. Seit dem Schuljahr 19/20 bin ich ebenfalls Mitglied der Schulleitung und arbeite mich peu à peu in diese neue Aufgabe ein, die mir das Kollegium anvertraut hat. Ab dem kommenden Schuljahr, wenn ich meine Klasse in die Hände der Kolleginnen und Kollegen der Oberstufe übergeben habe, werde ich mit einem grösseren Pensum in der Schulleitung tätig sein und mich zudem mehr der Theaterarbeit und der Sprachgestaltung widmen, die mir sehr am Herzen liegen. Zu meinem Aufgabenbereich werden nach wie vor die Arbeit in der Personalgruppe und Mentorate von neuen Lehrkräften gehören sowie die Elternkontakte, die Schnittstelle zum Elternrat und die Kontakte zu Behörden. Weiteres wird sich aus der Arbeit heraus ergeben. Auf die Arbeit im Team mit meiner Kollegin Birgit Purainer und meinem Kollegen Jean-Claude Baudet blicke ich mit grosser Vorfreude. Ich bin gespannt auf die neuen Begegnungen und Aufgaben und freue mich, dass ich aus dieser neuen Position heraus weiterhin meinen Beitrag zum Gelingen der Rudolf Steiner Schule Zürich leisten kann. 21
Menschen an der Schule
Auf Wiedersehen,
liebe Regula! von Dirk Dietz
The time is over now ... es ist fast nicht vorstellbar, dass deine Zeit als Lehrerin nun vorbei sein soll, insbesondere als Lehrerin unserer Schule, mit deinem doch sehr geschichtsträchtigen Namen «Wyssling». Vor mehr als 16 Jahren sind wir gemeinsam an die Schule gekommen. Ich als junger Lehrer und du bist als Handarbeits- und Zeichenlehrerin wieder eingestiegen, nachdem du schon als Werklehrerin an der Platte tätig warst und einige Jahre an der öffentlichen Schule in Zollikon gearbeitet hattest. Dein fachliches Können in deinem Unterricht zeigte sich immer in der wundervollen Gabe, dass alles, was durch deine Hände ging, von unglaublicher künstlerischer Hingabe zeugte, alles war wunderschön gestaltet und mit grosser Liebe durchdrungen. Mit diesem hohen Anspruch an Qualität auf allen Ebenen bist du auch stets den SchülerInnen begegnet: mit Ehrfurcht und Respekt, nie aber mit Furcht gegenüber den heranwachsenden Kindern, sowohl den ganz kleinen als auch den grossen.
Beim Bazar war der Ruf um dein Schaffen längst über die Stadtgrenzen bekannt, oft sind die Leute gleich nach der Türöffnung zu deinem Filzstand gestürmt und kauften ihn schon leer, bevor andere Stände überhaupt erst richtig mit dem Verkauf begonnen hatten. Glücklicherweise hattest du immer noch einen kleinen Vorrat für den Sonntag parat! In den letzten Jahren hast du dich von deinen «Kernfächern» verabschiedet und nochmals eine grosse Aufgabe ergriffen – diejenige der Klassenlehrerin. Die Schule war zu der Zeit in Not, eine geeignete Lehrperson zu finden, und ich mag mich noch sehr gut erinnern, wie du zu mir gesagt hast: «Ich weiss, es ist meine Aufgabe, diese Klasse zu übernehmen und diese Kinder zu begleiten.» Du hast das mit einer tiefen Selbstverständlichkeit und absoluten Sicherheit gesagt, im Wissen, den richtigen Schritt zu tun. Auch diese Aufgabe hast du künstlerisch durchdrungen, du hast die Kinder auf liebevolle, ehrfürchtige und konsequente Weise begleitet und wurdest für sie mit deiner Herzenswärme
und deinem wunderbaren Humor zu einer wichtigen Bezugsperson. Immer wieder hast du auch in anderen Notsituationen im Kollegium ausgeholfen oder standest beratend zur Seite, wenn es notwendig war. Nun scheint es also Wirklichkeit zu werden, dich aus dem Kollegium verabschieden zu müssen und in den schulischen Ruhestand übertreten zu lassen. Dein Garten und dein künstlerisches Schaffen werden es uns sicher danken – wir aber verlieren eine Kollegin, die über all die Jahre die Schule mit viel Weitsicht, Vernunft, Verantwortungsbewusstsein und Wärme getragen und vielen SchülerInnen einen wunderbaren künstlerischen Schatz in ihrem Rucksack mitgegeben hat. Auch das Kollegium wurde durch die Schönheit deines Wirkens immer wieder inspiriert und ermutigt, sich weiterzuentwickeln und die Schönheit auch in den alltäglichen Dingen zu suchen und zu sehen ... vielen herzlichen Dank für alles. Alles Gute, liebe Regula – und auf ein baldiges Wiedersehen!
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Rudolf Steiner Schule Zürich
Auf Wiedersehen,
liebe Silvia! Ein langes und vielseitiges Berufsleben geht im Sommer zu Ende. Silvia Dettli wird in ihren Ruhestand treten, der bestimmt nicht ruhig, sondern weiterhin aktiv sein wird. So hat sie zum Beispiel bereits im Januar begonnen, intensiv Spanisch zu lernen. Ihr grosser Garten, den sie mit viel Engagement aufgebaut hat und pflegt, wird sicherlich auch von der bald zur Verfügung stehenden Zeit profitieren können. Ende der 1970er-Jahre traf ich Silvia Dettli zum ersten Mal, beide waren wir jung ausgebildete Kindergärtnerinnen, sowohl staatlich wie anthroposophisch, zeitgleich begannen wir unser Berufsleben in Steiner Schulen. In der damaligen Zeit, ohne Internet oder andere digitale Medien bedeutete Zusammenarbeit noch etwas ganz anderes als heute. So trafen wir uns regelmässig an den regionalen Konferenzen und an den Pfingsttagungen in Hannover, tauschten uns aus und konnten von den Erfahrungen anderer profitieren.
Unsere Wege kreuzten sich immer wieder, und im Oktober 1983 übernahm ich für drei Monate Silvias Kindergarten in Ennetbaden, da sie sich auf eine lange Reise nach Afrika begab. Übernimmt man einen Kindergarten, kommt einem manches entgegen – wie die Räume eingerichtet sind, welches Material den Kindern zur Verfügung gestellt wird, welche Kulturen im Zusammenleben gepflegt werden und vieles
mehr. So hatte ich die Möglichkeit, Silvia noch von einer ganz anderen Seite kennenzulernen: Ihre Begabung, Räume zu gestalten, für gepflegte Gegenstände und Spielmaterialien zu sorgen, die Eltern aktiv am Kindergartengeschehen zu beteiligen – in allem war Silvias Handschrift sichtbar. Später, als es zu einem personellen Wechsel im «Häxehüsli», wie sie es gerne nannte, an der Platte kam, fragte ich Silvia an, ob sie nicht vom Aargau nach Zürich wechseln möchte. Der Zeitpunkt dafür war noch nicht gegeben, aber schon bald danach zeichnete sich erneut ein Wechsel an, dem sie gerne zustimmte. 2002 übernahm sie den Kindergarten an der Platte. Sie verwandelte die durch die Wechsel etwas heruntergekommenen Räume in ein kleines Bijou; auch begann sie, den Garten zu gestalten und zu pflegen. Das Reisen an nahe und ferne Orte gehört nach wie vor zu Silvias Leben; dabei hat sie zu Südamerika eine ganz besondere Beziehung, da sie und ihr Mann zusammen ein Kind, ihre Tochter Selina, aus Ecuador adoptierten. Nach den Ferien, wenn sie jeweils ausgeruht und braungebrannt zurück in den Kindergarten kehrte, nahm sie mit viel Herzblut ihre Arbeit mit den Kindern wieder auf. Dieses Herzblut für die Kinder ist ein tief verankertes Bedürfnis von Silvia, ihnen einen Lebensraum zu bieten, sie zu unterstützen und ihnen auch mit viel Humor zu begegnen. Zurückhaltend wie auch temperamentvoll zugleich hat sich Silvia in das langjährige Kindergartenteam eingebracht, war uns eine zuverlässige und treue Kollegin. Diejenigen Kinder, die vom Kindergarten in unsere erste Klasse übertreten, werden von uns Kindergärtnerinnen in der Konferenz vorgestellt. Silvias Schilderungen waren farbig, treffend und humorvoll, man hörte ihren Ausführungen gerne zu. Temperamentvoll
konnte sie werden, wenn im Garten Veränderungen vorgenommen wurden, die nicht mit ihr abgesprochen waren. Da konnte man erleben, mit wieviel Einsatz sie den Kindergartenraum verteidigte. Das Teilen des Gartens mit der Spielgruppe und dem Hort erforderte immer wieder eine flexible und grosszügige Seite, die Silvia konstant aufbrachte. Ihrer Grossmütigkeit ist es sicher zu verdanken, dass dieses Miteinander möglich wurde. Ein grosses Anliegen im Schulganzen war ihr der Hort, den sie auch tatkräftig unterstützte, indem sie wöchentlich einmal mit den Kindern zusammen das Mittagessen einnahm, um die Hortnerinnen damit etwas zu entlasten. Neben dem zuverlässigen und zupackenden Einsatz für die Schule erlitt Silvia zwei grössere Unfälle, die sie für eine längere Zeit ans Bett und die Reha fesselten. Kam sie wieder zurück, so nahm sie ihre Arbeit mit derselben Energie und Freude auf, die ihr eigen sind. Letzten Bazar führten wir Kindergärtnerinnen das Marionettentheater der Bremer Stadtmusikanten auf. Silvia übernahm den Part der Erzählerin, was sie wiederum mit viel Herzblut erfüllte, indem sie unsere Sprachgestalterin beizog, die sie in der Diktion des Vortragens unterstützte. Dass sich eine langjährige, versierte und erfahrene Kindergärtnerin nochmals einer Schulung unterzog, ist ein charakteristischer Zug von Silvia, der auch von Neugierde für Neues und Unbekanntes angetrieben wird. Nun wünschen wir Silvia alles Gute für ihre Zukunft und dass sie noch manch weitere Lebensbereiche zu erschliessen vermag, die bisher von ihr noch nicht entdeckt worden sind. Für das Kollegium Franziska Spalinger
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Auf Wiedersehen,
lieber Jonathan!
hefte, die Zeugnisbücher – einfach alles, was der Gestaltung bedarf, wurde von ihm mit dem Anspruch der ästhetischen Bildung des Kindes vorbereitet und gepflegt. Ein unglaubliches Engagement für seine SchülerInnen war immer sicht- und spürbar. Probleme hat er direkt angesprochen und er war stets um deren Lösung bemüht. Es war ihm ein Anliegen, dass sich alle Kinder in der Klasse wohlfühlten, wahrgenommen wurden und ihr Potenzial entfalten durften.
Jonathan Keller ist vor ca. 14 Jahren als junger Lehrer an unsere Schule gekommen und hat gleich die schwierige Aufgabe ergriffen, eine «verwaiste» 5. Klasse als Klassenlehrer zu übernehmen. Nach der Übergabe dieser Klasse an die Oberstufe begann er mit einer 1. Klasse und hat diese bis zum Ende der 6. Klasse geführt. Es war schnell erkennbar, welch engagierter, tatkräftiger und künstlerisch begabter Mensch hier an unsere Schule kam. Jonathan Keller hat mit grosser Liebe zum Kinde und der Waldorfpädagogik seine Klassen geführt. Sein Interesse an der Sprachgestaltung und die Pflege derselben waren gut erlebbar, während er Geschichten erzählte oder Ansprachen hielt; Kinder wie auch Erwachsene hörten ihm gebannt zu. Seine künstlerische Begabung hat sich durch alle seine Aufgabenbereiche gezogen: die Vorbereitung des Unterrichtes und dessen Durchführung, die Gestaltung des Klassenzimmers, die kunstvollen Tafelbilder, die Epochen24
Jonathan legte grössten Wert auf seine eigene anthroposophische Schulung und deren Vertiefung und hat hier als mitverantwortlicher Konferenzleiter die Grundlagenarbeit im Kollegium mitgestaltet, getragen und auch eingefordert. Als Mentor hat er sein pädagogisches Wissen immer wieder auch an neue KollegInnen weitergegeben. Neben der Pädagogik und der Anthroposophie galt und gilt sein Interesse dem Wirtschaftsleben im Sinne der Sozialen Dreigliederung. So hat Jonathan Keller vor fünf Jahren das Mandat der Schulleitung für den Bereich Finanzen übernommen. In dieser Zeit hat er zukunftsweisend die Finanzen, die Buchhaltung sowie die finanziellen Abläufe verantwortet und gestaltet. In Mitgliederversammlungen und Konferenzen setzte Jonathan viele wichtige Impulse bezüglich der finanziellen Belange unserer Schule, aber auch der Gesellschaft. Jonathan Keller übernimmt nun eine 1. Klasse an der Rudolf Steiner Schule Wetzikon, der er als Schulvater seiner vier Kinder schon seit vielen Jahren verbunden ist. Wir freuen uns für diese Kinderschar, dass sie einen solch engagierten, liebevollen und künstlerisch begabten Lehrer bekommt, und sind gleichzeitig unglaublich traurig, dass wir einen vertrauten, beliebten und hochanständigen Kollegen verlieren.
Die Zusammenarbeit mit Jonathan Keller hat mir immer sehr viel Freude bereitet. Er ist stets in der Sache kompetent, mit tiefen Dossierkenntnissen, gleichzeitig mit viel Herz und dem anthroposophischen Gedankengut von Rudolf Steiner im Rucksack. Eindrücklich sind seine Inputs zur Anthroposophie an unseren Vorstandssitzungen und den Retraiten des Schulrats. Es ist ihm ein Anliegen, dass die Rudolf Steiner Schule für alle Bevölkerungsschichten zugänglich ist. Er setzt sich für gute, ausgewogene Lösungen ein. Jonathan Keller sieht die Aufgabe, die es zu erledigen gilt, und packt sie an. Sein Einsatz für unsere Schule und somit immer auch für die Kinder ist vorbildlich und äusserst motiviert. Im Namen des ganzen Vorstands bedanke ich mich herzlich bei Dir, lieber Jonathan, und wünsche Dir alles Gute für die Zukunft! Clemens Gubler, Quästor Freie Schulvereinigung in Memoriam Walter Wyssling
Lieber Jonathan, wir freuen uns für Dich, dass Du wieder die Gelegenheit hast, Deine pädagogische Begabung auszuleben. Selbstverständlich hätten wir uns gewünscht, dass dies an unserer Schule geschieht, aber wir alle verstehen Deine Beweggründe und wünschen Dir Freude und Erfüllung an Deinem neuen Wirkungsort. Im Namen des Kollegiums Birgit Purainer
Rudolf Steiner Schule Zürich
Herzlich Willkommen,
Chantal Seidel Ich heisse Chantal Seidel und bin 35 Jahre alt. Aufgewachsen in Zürich wohne ich seit ein paar Jahren mit meiner sechsjährigen Tochter in Wettingen. Durch sie rückte mein Interesse an Alternativpädagogik wieder in den Vordergrund und meine Zweifel an der Sinnhaftigkeit meiner Aufgabe an der Volksschule wurden immer grösser.
Umso mehr freut es mich jetzt, dass ich diese Aufgabe annehmen durfte und die Schätze der Walddorfpädagogik, der Anthroposophie und der bereichernden Gemeinschaft dieser Schule entdecken darf!
Nach zehn Jahren Unterrichten an der Volksschule in verschiedenen Stufen, mit verschiedenen Aufgaben und privaten Veränderungen kam für mich der Zeitpunkt einer Neuorientierung. Eine befreundete Lehrerin machte mich damals darauf aufmerksam, dass die RSS Zürich eine Lehrperson für die 1. Klasse suche und dass dies der Ort sei, an den ich in ihren Augen genau hinpassen würde. Meine Mutter wollte mich ursprünglich in eine Waldorfschule schicken, da ich aber weiterhin mit meinen Gspänlis aus dem Kindergarten in die Schule wollte, entschied sie sich dagegen. Und nach meiner Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule in Zug merkte ich, dass meine Vorstellung von gutem Unterricht mehr mit der Philosophie der Waldorfschule als mit derjenigen der Volksschule übereinstimmte. Trotzdem entschied ich mich, an der öffentlichen Schule zu unterrichten, da ich zunächst einmal Unterrichtserfahrung sammeln wollte.
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Innen und Aussen
Die persönliche Begegnung zwischen Schüler und Lehrperson ist unersetzlich! Interview: Stefanie Wolff-Heinze
Netzwerke sind heute sozusagen die neuen Erzieher. Sie sind dabei, unsere Kinder und Jugendlichen mit Hasssprache und Gewaltverherrlichung zu vergiften. Digitale Endgeräte, insbesondere die Smartphones, sind Suchtdrogen. Interessant ist, dass die Chefs der Konzerne, die im Silicon Valley das digitale Cocain herstellen, mit dem sie weltweit die Jugend süchtig machen und vergiften, ihre Kinder in Waldorf-Schulen schicken, weil sie Wert darauf legen, dass ihre eigenen Kinder nicht vergiftet werden.
Prof. Dr. med. Joachim Bauer ist Arzt, Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Autor viel beachteter Sachbücher. Er hat das «Lehrercoaching nach dem Freiburger Modell» entwickelt, das – basierend auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen – schulische Lehrkräfte für Beziehungsaspekte ihres Berufes sensibilisiert und ihre Beziehungskompetenz stärkt. Mit seiner Frau hat er zwei erwachsene Kinder und einen Enkel. Professor Bauer lebt, lehrt und forscht in Berlin.
HERR PROFESSOR BAUER, SIE HABEN BEI IHREM LETZTJÄHRIGEN VORTRAG ZUM WALDORF 100-JUBILÄUM IN ZÜRICH BETONT, WIE VERBUNDEN SIE SICH DER STEINER-PÄDAGOGIK FÜHLEN. SIE SEI EIN «LEUCHTSTERN AM PÄDAGOGISCHEN HIMMEL». WAS IST FÜR SIE DAS BESONDERE? An der Steiner-Pädagogik beeindruckt mich zweierlei: Erstens sieht sie den jungen Menschen nicht – wie die meisten staatlichen Schulen – eingeengt auf seine kognitiven Fähigkeiten, sondern dreidimensional: Die handwerklich-praktische Dimension steht in Waldorf-Schulen gleichberechtigt neben der künstlerisch-kreativen und der intellektuell-kognitiven Dimension. Der zweite Punkt ist die durchgängige Beziehungsorientierung der Steiner-Pädagogik. Viele Lehrkräfte in staatlichen Schulen unterliegen dem Irrtum, man könne einem jungen Menschen Wissen vermitteln, ohne
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mit ihm in eine pädagogische Beziehung zu kommen. WaldorfSchulen verfolgen eine beziehungsorientierte Pädagogik. Sehr klug ist auch, wie die Entwicklung der pädagogischen Beziehung – entlang von drei Phasen mit jeweils sieben Jahren – konzipiert ist. SIE HABEN ALS NEUROWISSENSCHAFTLER, PSYCHIATER, PSYCHOTHERAPEUT UND INTERNIST EINEN FUNDIERTEN BLICK AUF DIE BEFINDLICHKEIT UNSERER GESELLSCHAFT. IST DIE STEINER-PÄDAGOGIK AUS IHRER SICHT EIN ZUKUNFTSMODELL? Die beiden von mir genannten Merkmale – also die Beachtung der menschlichen Mehrdimensionalität und die Beziehungsorientierung – könnten ein pädagogisches Zukunftsmodell für alle sein. Das Problem ist die Entwicklung der Gesellschaft. Digitale Endgeräte und soziale
BEDINGT DURCH DIE CORONAVIRUS-PANDEMIE WURDEN, UM DIE AUSBREITUNG DER INFEKTION ZU BREMSEN, IM MÄRZ IN VIELEN LÄNDERN DIE SCHULEN GESCHLOSSEN. ERSATZWEISE WURDE UND WIRD VERSUCHT, DEN UNTERRICHT MIT DIGITALEN HILFSMITTELN – ÜBER MESSENGERDIENSTE ODER VIDEOTELEFONIE – DURCHZUFÜHREN. IST ES AUS IHRER SICHT MÖGLICH, DASS DIE LEHRPERSONEN TROTZ RÄUMLICHER TRENNUNG IN ENGER VERBINDUNG ZU DEN SCHÜLERINNEN BLEIBEN? Tatsächlich konnte man zu Beginn der Krise beobachten, wie Leute, die mit der Digitalisierung der Schule seit einigen Jahren ihre Geschäfte machen, nun ihre grosse Stunde kommen sahen. Die tatsächlichen Erfahrungen sind ernüchternd. Sowohl Kinder und Jugendliche als auch ihre Lehrkräfte berichten, dass ein rein digitaler Unterricht zu keinen guten Lernergebnissen führt. Als Neurowissenschaftler überrascht mich das nicht. Die persönliche Begegnung zwi-
Rudolf Steiner Schule Zürich
schen Lehrenden und Lernenden ist durch nichts zu ersetzen. KOMMEN WIR VON DER VIRTUELLEN BEZIEHUNG WIEDER ZUM NORMALEN SCHULALLTAG IM KLASSENZIMMER: JEDE LEHRPERSON WÜNSCHT SICH, DASS IHR UNTERRICHT «AUF FRUCHTBAREN BODEN FÄLLT». INWIEFERN KANN SIE DAS BEEINFLUSSEN? Sie kann durch ihr Auftreten entscheidend dazu beitragen, dass die Klasse aufmerksam zuhört und sich aktiv beteiligt. Mit ihrer Sprache und Körpersprache kann die Lehrkraft etwas erzeugen, was man «Präsenz» nennt. Präsenz bedeutet, dass die Klasse spürt: Hier im Klassenzimmer spielt jetzt die Musik. SIE RATEN LEHRKRÄFTEN, IMMER WIEDER IHRE HALTUNG ZU REFLEKTIEREN UND ZU VERSUCHEN, NICHT IN ROUTINE ZU FALLEN. WAS SIND AUS IHRER SICHT DIE ZENTRALEN ASPEKTE FÜR EINE GUTE PÄDAGOGIK? Entscheidend für das Gelingen einer Unterrichtsstunde sind die zwischen Lehrkraft einerseits und Schülerinnen und Schülern andererseits ablaufenden Resonanzprozesse. Stellen Sie sich zwei Gitarren vor: Sie zupfen die E-Saite der einen Gitarre an, dann werden die von ihr jetzt ausgehenden Schallwellen die E-Saite der zweiten Gitarre zum Klingen bringen. Ein solches Mit-Klingen bezeichnet man als Resonanz. Etwas im Prinzip Gleiches passiert auch zwischen zwei Menschen: Die von einem Menschen ausgehende Sprache und Körpersprache ist in der Lage, einen zweiten Menschen emotional anzustecken. Im Klassenzimmer kommt es darauf an, ob die Lehrkraft so auftritt, dass sie mit ihrer Sprache und Körpersprache in den Schülerinnen und Schülern eine positive Resonanz auslöst. VON IHNEN STAMMT IN DIESEM ZUSAMMENHANG DER SCHÖNE SATZ «DER KÖRPER IST NICHT NUR
EIN STATIV DES KOPFES». WAS GENAU MEINEN SIE DAMIT? Viele Lehrkräfte unterschätzen die Bedeutung der Körpersprache und meinen, entscheidend für guten Unterricht sei einzig und allein, was eine Lehrkraft an Wissen im Kopf habe. Der Körper der Lehrkraft sei sozusagen nur das Stativ, um den Kopf in die Klasse zu tragen. Diese Sichtweise verkennt, dass – wenn wir das Ganze einmal aus der Perspektive der Schülerinnen und Schüler betrachten – der Körper des Lehrers von entscheidender Bedeutung ist. Dabei kommt es nicht etwa darauf an, ob der Lehrer oder die Lehrerin «schön» ist – das spielt keine Rolle – , sondern ob die vom Körper der Lehrkraft ausgehenden Signale die Schülerinnen und Schüler spüren lassen: Hier ist jemand, der präsent ist, der uns im Blick hat und voller Energie steckt. WELCHE ROLLE SPIELT IN DER PÄDAGOGISCHEN BEZIEHUNG GEGENSEITIGE SYMPATHIE? Der Lehrkraft sollte es nicht primär darum gehen, bei ihren Schülerinnen oder Schülern Sympathien zu gewinnen. Die Lehrkraft sollte freundlich zugewandt sein und keine schlechte Laune verbreiten, das reicht. Mit der Sympathie ist es wie mit dem Glück: Wer ehrgeizig danach strebt, wird es nicht erreichen. Wenn, dann stellt sich Sympathie von ganz allein ein. Wenn nicht, dann ist es auch nicht schlimm. Wichtig ist stattdessen, dass die Schülerinnen und Schüler merken: Die Lehrkraft nimmt uns ernst und ist leidenschaftlich daran interessiert, dass wir Fortschritte machen. Wenn das spürbar wird, dann kommt die Sympathie von ganz allein. ZUR REALITÄT IM KLASSENZIMMER GEHÖRT ABER AUCH, DASS EINE LEHRPERSON IMMER WIEDER MÜHE HABEN KANN, MIT EINEM BESTIMMTEN KIND BZW. JUGENDLICHEN IN RESONANZ ZU KOMMEN.
WIE KANN ES TROTZDEM GELINGEN, EINE GUTE PÄDAGOGISCHE BEZIEHUNG AUFZUBAUEN UND DAS POTENZIAL DES KINDES OPTIMAL ZU FÖRDERN? Wenn es mit bestimmten Schülerinnen oder Schülern nicht so gut läuft, dann sollte man das als Lehrkraft zunächst einfach so sein lassen wie es ist. Lehrkräfte sollten nicht den Fehler machen, dann nervös zu werden oder um Schüler zu buhlen. Gelassenheit ist das Wichtigste. Auf dieser Basis kann die Lehrkraft dann aber durchaus geduldig und diskret schauen und beobachten: Worauf springt dieser Schüler oder diese Schülerin an? Gibt es in bestimmten Situationen bestimmte Reaktionen, die mir einen Hinweis geben können, wie ich speziell dieses Kind oder diesen Jugendlichen erreichen kann? IST ES EIGENTLICH MÖGLICH, EINEM MENSCHEN KOMPLETT NEUTRAL – ALSO OHNE JEGLICHE RESONANZ – ZU BEGEGNEN? Nein. Man kann nicht Nicht-inResonanz-Gehen. Auch von demjenigen, der versucht, neutral aufzutreten oder sich – salopp gesagt – emotional steif zu stellen, wird eine Resonanzwirkung ausgehen; allerdings eine ziemlich dysfunktionale, denn alle anderen werden sich in der Gegenwart eines solchen Menschen unwohl fühlen. KINDER HABEN BEKANNTLICH FEINE ANTENNEN. WIE NEHMEN SIE ES AUF DER NEURONALEN EBENE WAHR, WENN SIE IMMER WIEDER AUF VORBEHALTE ODER AUCH ABLEHNUNG STOSSEN ODER GAR BEFÜRCHTEN MÜSSEN, AUS EINER GRUPPE AUSGESCHLOSSEN ZU WERDEN? Bei einer solchen Konstellation passieren zwei Dinge: Zum einen kommt es im Kind zu einer Aktivierung der neuronalen Schmerzsysteme, denn soziale Ausgrenzung wird vom Gehirn wie körperlicher Schmerz wahrgenommen. Und wenn die
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Schmerzsysteme aktiviert sind, steigt die Wahrscheinlichkeit für aggressives Verhalten. Doch es passiert noch etwas Zweites: Kinder oder Jugendliche, denen von allen Seiten eine Resonanz entgegenschlägt «Ach der schon wieder!», verlieren den Glauben an sich selbst. Resonanzen, die auf ein Kind oder auf einen Jugendlichen einwirken, haben generell die Kraft einer self-fulfilling prophecy: Sie können die Möglichkeits- und Entwicklungsräume, die das Kind in sich fühlt, öffnen oder schliessen. VIELE ELTERN FRAGEN SICH, WIE SIE «LOB UND TADEL» RICHTIG EINSETZEN UND AUF UNGENÜGENDE LEISTUNGEN IN DER SCHULE AM BESTEN REAGIEREN SOLLTEN. HIER WARNEN SIE EINERSEITS VOR ZU VIEL LOB, ABER AUCH DAVOR, DAS KIND MIT KRITIK ZU BESCHÄMEN. Das Wichtigste ist nicht Lob oder Tadel, sondern dass Eltern ein kontinuierliches Interesse an dem zeigen, womit sich das Kind in der Schule gerade beschäftigt. Dass sie Anteil nehmen an den Erfolgen und Schwierigkeiten und dem Kind da, wo es sinnvoll ist, helfen. Anteil nehmen sollten die Eltern aber nicht nur am Stoff, sondern auch daran, wie das Kind mit seinen Kameraden und mit den Lehrkräften zurechtkommt. Und wenn Probleme auftauchen, sollten sich die Eltern immer die Mühe machen, diese gemeinsam mit dem Kind zu besprechen.
tionssysteme zur Folge hat – allerdings nur, solange jemand anderes den jungen Menschen mit Interesse zuhört! Also: Jede Möglichkeit, die sich dem Kind bietet, seinen Gedanken und Gefühlen Ausdruck geben zu dürfen und zu erleben, dass andere sich dafür interessieren, aktiviert die Motivationssysteme. WELCHE ABLÄUFE PASSIEREN IM GEHIRN, WENN MOTIVATION ENTSTEHT? IST MOTIVATION «NUR» EIN SEELISCHER PROZESS? Jeder seelische Prozess ist immer auch ein neurobiologischer. Soziale Erfahrungen werden vom menschlichen Gehirn in neurobiologische Prozesse umgewandelt. Das Gehirn macht aus Psychologie Biologie. Ich habe diesem Thema ein Buch gewidmet: «Das Gedächtnis des Körpers – Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern».
Die grosse Aufgabe der ersten beiden Lebensjahre besteht darin, im Kind ein starkes Selbst entstehen zu lassen, und das Kind dann ab dem dritten Lebensjahr zu befähigen, dem eigenen Selbst die Zügel anzulegen. In den ersten etwa 18 bis 24 Monaten kommt es darauf an, dass der Säugling von seinen Bezugspersonen – idealerweise von Mutter und Vater – Rückmeldungen bekommt, die in ihm ein Selbst entstehen lassen, das spürt: Ich bin willkommen auf dieser Welt, man freut sich über mich. Ab dem dritten Lebensjahr kommt die zweite Aufgabe hinzu: Das Kind muss nun – liebevoll und in altersangemessener Weise begleitet – lernen, die Perspektive anderer Menschen zu berücksichtigen, also zu warten, zu teilen und seine Impulse zu kontrollieren, wenn es das soziale Zusammenleben erfor-
KOMMEN WIR ZU EINEM ZENTRALEN ASPEKT, DER FÜR DAS SEELISCHE GLEICHGEWICHT EINES MENSCHEN SEHR BEDEUTSAM IST: DIE SELBSTSTEUERUNG. WANN GENAU ENTSTEHT DAS SELBST-SYSTEM IM GEHIRN UND WARUM IST FÜR EIN KIND IN DIESEM ZUSAMMENHANG DAS FEEDBACK VON ERWACHSENEN SO WICHTIG?
SICH AUSDRUCK GEBEN ZU DÜRFEN, HAT FÜR KINDER – DAS BETONEN SIE IMMER WIEDER – EINE IMMENSE BEDEUTUNG. HAT MAN DAS NEUROWISSENSCHAFTLICH ERFORSCHT? Ja. Forscher der Harvard-Universität haben junge Menschen gebeten, über ein Thema zu sprechen, das sie bewegt. Dabei zeigte sich, dass dieses SichAusdruck-geben-Dürfen eine massive Aktivierung der Motiva28
Rudolf Steiner Schule Zürich
dert. Beide Schritte bedürfen seitens der Eltern und Pädagogen einer liebevollen Zuwendung und eines hohen Masses an Sensibilität. IM FOKUS DIESER SPEKTRUM-AUSGABE STEHT DAS THEMA «AUFBRUCH UND WANDEL». SEHEN SIE ALS PSYCHIATER IN DER CORONA-KRISE EINE ZÄSUR, DIE IN DER GESELLSCHAFT UND AUCH AN DEN SCHULEN DEN ANSTOSS ZU NEUEM, JA VIELLEICHT ZU BESSEREM GEBEN KANN? Die Schutzmassnahmen gegen eine zu schnelle Ausbreitung der Infektion fordern uns Verzicht und Disziplin ab. Sie bedeuten für viele – vor allem Ältere, aber auch für viele Kinder – ein hohes Mass an sozialer Isolation. Nicht nur der Virus, auch soziale Isolation führt zu einer Erhöhung des Krankheits- und Sterberisikos. Für Millionen Menschen bringt die Krise eine Gefährdung ihrer wirtschaftlichen Existenz mit sich. Die wenigen Privilegierten, die von den negativen Auswirkungen nicht betroffen sind, unter ihnen der eine oder andere Feuilletonist, preisen die Entschleunigung des Lebens. Das beeindruckt mich und die vielen Leidtragenden, ehrlich gesagt, wenig. Ich sehe nicht, woher durch die Krise Besserung kommen soll. Wir werden einige Zeit voll damit beschäftigt sein, die immensen angerichteten Schäden wiedergutzumachen.
WAS DENKEN SIE: WERDEN WIR AUS DIESER PHASE VERZAGTER ODER MUTIGER HERVORGEHEN? Ich sehe das nüchtern. Beides ist möglich, und tatsächlich werden wir wohl beides auch beobachten. Psychisch vorbelastete Menschen und Alte, vor allem Heimbewohner, die sozial über Wochen fast vollständig isoliert sind, werden aus der Krise nicht gestärkt hervorgehen. Ich wüsste auch nicht, warum wir nach der Krise mutiger sein sollten. Wir waren vor der Krise ja eher zu sorglos. Was nottut, ist, dass wir aus der Krise lernen und künftig bessere Vorsorge leisten. Die SARS-CoV2-Epidemie war nicht die erste, und sie wird nicht die letzte gewesen sein. Dass wir
erst dann, wenn eine Epidemie schon angelaufen ist, entdecken, dass wir Millionen Schutzmasken gelagert haben sollten und eine medizinische Reserve brauchen, die wir schnell aktivieren können, darf uns kein zweites Mal passieren. D as Interview basiert auf Gesprächen mit Prof. Dr. med. Joachim Bauer im Sommer 2019 und Anfang April 2020.
Buchtipp: Wie und wann entsteht unser Ich – und wie wird der Mensch zum Individuum? Was passiert mit dem Selbst in Partnerschaften oder in krisenhaften Lebenssituationen, wie zum Beispiel einer Depression? Diesen und anderen spannenden Fragen widmet sich Prof. Dr. Joachim Bauer in seinem 250 Seiten umfassenden Buch. Seine Botschaft: Unser wahres Selbst schlummert nicht in uns, sondern wird durch Resonanzen gebildet – also durch Erfahrungen, Freuden und Ängste, die wir mit anderen Menschen teilen. Somit ist unser «Ich» keineswegs in Stein gemeisselt, sondern bleibt im Prozess ständiger Selbst-Konstruktion ein Leben lang in Wandlung: Es kann wachsen und sich verändern! 29
Aus dem Vorstand
Impulse für die Zukunft unserer Schule Eine grosszügige Alumni-Spende war der Höhepunkt der diesjährigen Mitgliederversammlung von Jon Turnes, Präsident Freie Schulvereinigung in Memoriam Walter Wyssling
Über 60 Jahre! So lange hat sich eine Gemeinschaft ehemaliger Schüler der Rudolf Steiner Schule Zürich regelmässig getroffen und nicht nur Erinnerungen, sondern auch Geld gesammelt. An jedem dieser Treffen wurde Geld gespendet. So konnten sie an der diesjährigen Mitgliederversammlung der Freien Schulvereinigung, vertreten durch Ralph Brem (rechts im Bild), die stolze Summe von über CHF 18’000 als Spende unserer Schule überreichen! Herr Brem berichtete mit viel Humor in Gedichtform von deren Zeit als Schüler in den 50er-Jahren und überreichte dem Präsidenten der Freien Schulvereinigung, Jon Turnes, einen wunderschön gestalteten Scheck. Ein herzliches Dankeschön an Herrn Brem und seine damaligen Klassenkameraden!
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Die grosszügige Spende ist eine Wohltat für die Finanzen unserer Schule, die in den kommenden Jahren stark belastet werden. Langsam, aber stetig werden derzeit die Liegenschaften unserer Schule erneuert. Grössere Erneuerungsschritte stehen unserer Schule u.a. mit dem Umbau der Plattenstrasse 50 und 33 bevor. An der Planung dieser Neu- und Umbauten arbeiten viele Menschen in zahlreichen Gremien der Schule und in der Immobilienstiftung der Rudolf Steiner Schule Zürich. Wir sind zuversichtlich, bald über die Umbau- und Gestaltungspläne berichten zu können. Bei der Planung werden nebst den ästhetischen selbstverständlich auch die pädagogischen Ansprüche berücksichtigt.
Diese Veränderungen erfordern auch neue Ideen zur Finanzierung der Schule. Einen ersten Impuls in Richtung eines möglichen Erneuerungsschrittes der Schulfinanzierung haben wir ebenfalls an der diesjährigen Mitgliederversammlung gesetzt. Wir haben erste Überlegungen angesprochen und angekündigt, dass ein Dialog dazu in der Schulgemeinschaft gestartet wird. Wir möchten zusammen mit der ganzen Schulgemeinschaft erörtern, wie eine Revision des Finanzierungsmodells für die Schule aussehen könnte. Auch an der Organisation der Schule und der Schulvereinigung wird gearbeitet. Das Zusammenspiel zwischen dem Kollegium und der Freien Schulvereinigung, aber Rudolf Steiner Schule Zürich
auch zwischen den verschiedenen Instanzen innerhalb beider Organismen wird neu gedacht und den aktuellen Bedürfnissen angepasst. Dieser Prozess ist auch auf kantonaler Ebene unter den Rudolf Steiner Schulen im Gange. Ist es Zeit für eine Erneuerung der Zusammenarbeit mit der Atelierschule und den beiden weiteren Trägerschulen, der Rudolf Steiner Schule Sihlau und Rudolf Steiner Schule Winterthur? Es scheint heute die Zeit reif zu sein, Dinge neu zu denken. Die Offenheit dazu ist allseits spürbar – getragen vom Bewusstsein, dass wir dabei alle sorgfältig und respektvoll mit der Herkunft und den Errungenschaften unserer Schulbewegung umgehen wollen.
«Es scheint heute die Zeit reif zu sein, Dinge neu zu denken. Die Offenheit dazu ist allseits spürbar.»
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Aus dem Schulleben
Unser neues Laborhaus
Am 4. Oktober 2019 vor den Herbstferien konnte nach mehr als einjähriger Bauzeit das noch in der Endphase des Umbaus befindliche Laborhaus mit den Schülerinnen und Schülern, Ansprachen und Musik von Alumni provisorisch eingeweiht werden. Nach den Herbstferien wurden die während der Ferien mit einem Sonderengagement eingerichteten Geschosse für den Unterricht bezogen, während das Untergeschoss noch weiter bis Ende November fertiggestellt wurde. Am 2. November 2019 wurde das historische und bei der Denkmalpflege inventarisierte Gebäude, das mit besonderem Aufwand für den naturwissenschaftlichen Unterricht umzubauen war, mit zahlreichen Gästen, unter denen sich auch viele Spenderinnen und Spender befanden, festlich eingeweiht. Zu unserer Freude konnte auch Susan Ferenz-Schwartz teilnehmen, für deren Vater eine Gedenktafel an der strassenseitigen Fassade ange-
bracht wurde; mit ihm zusammen hatte sie sich als junges Kind im Haus ihrer Grosseltern auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus aufgehalten.
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von Cornelius Bohlen
Mit dem Laborhaus durften ein längst überfälliges Erfordernis und ein langgehegter Traum der Schulen an der Plattenstrasse in Erfüllung gehen. An
den ersten Konzepten wirkte noch unser im Sommer 2016 überraschend verstorbener Kollege Dr. Ulrich Wunderlin mit, der das projekt- und praxisbezogene Schwerpunktfach Biologie & Chemie an der Atelierschule aufgebaut hatte. Statt der vollständig überalterten und ungenügenden bisherigen Unterrichtsräume für die Naturwissenschaften verfügen die Schulen an der Plattenstrasse ab jetzt über schön ausgestattete naturwissenschaftliche Räume mit modernen Experimentiermöglichkeiten und Laborräumen.
EIN RÜCKBLICK AUF FOLGENREICHE EREIGNISSE AN DER PLATTENSTRASSE 52 Die Geschichte will es, dass unser jetzt zum Laborhaus für den naturwissenschaftlichen Unterricht umgebautes Gebäude an der Plattenstrasse 52, in dem zuvor bis 2013 jahrzehntelang der Rudolf Steiner Schule Zürich
Instrumentalunterricht der Kantonsschulen Rämibühl sein Zuhause hatte, ein reiches Erbe pädagogischer, naturwissenschaftlicher und künstlerischer Impulse birgt. Gleich nach der Errichtung des verzierten Baumeisterhauses wohnte von 1861 bis 1867 der junge Theodor Billroth (1829–94) – der berühmte Erfinder vieler Operationen und Begründer der wissenschaftlichen Chirurgie – mit seiner Familie hier; er arbeitete und lehrte am damals sehr modernen Kantonsspital. Wie eine Gedenktafel am Gebäude festhält, musizierte er hier 1866 mit Johannes Brahms (1833– 97), dem von Robert und Clara Schumann geförderten, nach reiner musikalischer Form strebenden Komponisten aus Hamburg. Was nicht auf der Gedenktafel steht, sich aber einem Brief Billroths entnehmen lässt: Billroth, der täglich als Chirurg, fortschrittlicher Professor und wissenschaftlicher Schriftsteller ein enormes Arbeitspensum bewältigte und zugleich ein ausgezeichneter und geübter Musiker war, versagten beim häuslichen Konzert in Anwesenheit des Komponisten ungewöhnlicherweise die Nerven und er konnte gar nicht spielen … doch wird ihn dann bis in die letzten Wiener Jahre eine tiefe, lebenslange Freundschaft mit Brahms verbinden. Ab 1873 wohnte in dem Haus Otto Möllinger (1814–86), Mathematiker, Naturwissenschaftler, Erfinder und Redakteur, der wegen einer monistischen Schrift über die Gottesidee als Gymnasialprofessor in Solothurn abgesetzt und frühpensioniert wurde. Bei ihm an der Plattenstrasse lebte auch seine Schwester Franziska Möllinger (1817– 80), die frühe Daguerreotypien von Schweizer Landschaften angefertigt hatte und als erste Fotografin in der Schweiz gilt. Möllinger bereitete damals übrigens hier an der Plattenstrasse Schüler für den Besuch der ETH vor. Als junger Student der Agronomie, erfüllt mit sozialen Hoffnungen, kam Ende des 19. Jahrhunderts Sinai Tschulok (1875–1945) aus der Ukraine im damaligen Russischen Reich nach Zürich, wo er ein angesehener Evolutionsbiologe und Pädagoge wurde, der
als Professor an der Universität lehrte. Viele Jahrzehnte führte er in Zürich das «Institut Tschulok» als private Schule zur Vorbereitung zur Maturität und ETH. Nach dem Erwerb der Liegenschaft Plattenstrasse 52 liess er sie 1931 als sein Wohn- und Schulhaus umbauen, wobei er unter anderem – wie wir heute – naturwissenschaftliche Unterrichtsräume für Biologie, Chemie und Physik einbaute. Eine besondere Konstellation ergab sich in diesem Gebäude im Jahr 1933: Nachdem die nationalsozialistische Unrechtsherrschaft in Deutschland systematisch jüdische und andere Wissenschaftler von ihren akademischen Stellen absetzte und verfolgte, flüchtete im März der Pathologe Philipp Schwartz (1894–1977), der als einstmals jüngster Professor Deutschlands an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main arbeitete, in das Haus seines Schwiegervaters Tschulok nach Zürich. In dieser Situation nun handelte Schwartz mit einer folgenreichen Tat: In den nächsten Wochen und Monaten rief er die «Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland» ins Leben, der es durch die Verkettung einer ganzen Reihe sehr besonderer Beziehungen – die vor allem Gerald Kreft historisch erforscht hat – bald gelang, vielen in Deutschland verfolgten Wissenschaftlern neue Stellen im Ausland zu vermitteln. Zunächst insbesondere in die Türkei, wo unter Atatürk qualifizierte Gelehrte für den Aufbau moderner Wissenschaften gesucht wurden. Insgesamt verhalf die Notgemeinschaft im Zeichen der Freiheit der Wissenschaft auf diese Weise vielen Hunderten jüdischen und anderen Wissenschaftlern zu einer neuen Zukunft. Schwartz selber übernahm im Herbst 1933 die Leitung des Pathologischen Instituts an der Medizinischen Fakultät der Universität in Istanbul und wirkte später – immer wieder mit neuropathologischen Studien beschäftigt – in den Vereinigten Staaten. In Frankfurt und der Bundesrepublik Deutschland sollte er auch nach dem Zweiten Weltkrieg nie wieder eine Stelle erhalten. Seit 2014 befindet sich auf dem Friedhof Fluntern ein Ehrengrab für Philipp Schwartz. Mit dem Umbau zum Labor-
haus konnte die Schule den schon länger gehegten Plan verwirklichen, sein weitreichendes menschliches Handeln mit einer Inschrift zu würdigen, die auf einer von den Bildhauern Fenaroli in Witikon hergestellten Gedenktafel an der strassenseitigen Fassade angebracht wurde.
AUF EINEN BLICK – FAKTEN UND DATEN ZUM LABORHAUS Das Raumprogramm: UG:
M ultifunktionaler Unterrichtsraum Naturwissenschaften, Sammlungsraum, Vorbereitungsraum
EG:
K lassenzimmer, Arbeits- und Aufenthaltsraum Kollegium, Besprechungszimmer, Kopierraum
1. OG: Unterrichtsraum Chemie, Laborraum, Sammlungsräume, Vorbereitungsraum 2. OG: Unterrichtsraum Biologie, Laborraum, Sammlungsräume, Vorbereitungsraum 3. OG: Unterrichtsraum Physik, Experimentierzimmer für Gruppen, Sammlungsräume, Vorbereitungsraum DG:
Seminarraum für Workshops und andere Veranstaltungen
Gartenanlage: Aussenaufenthalt für SchülerInnen und Kollegium Architekten: Peter Moor Architekten, Zürich Bauleitung: Kohler + Borner, Thalwil Bauzeit: Juli 2018 bis November 2019 Kosten: 6.6 Mio. Fr. Trägerschaft: Immobilienstiftung Rudolf Steiner Schulen Zürich (ImmoRSS) Nutzung: Atelierschule und Rudolf Steiner Schule Zürich (7.–13. Klasse) Baukommission: Peter Schmid (Präsidium), Cornelius Bohlen, Dirk Dietz, Thomas Eder, Felix Sponagel
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EIN GESCHENK: WIE UNSERE OBERSTUFE DAS LABORHAUS «EROBERT» Betritt man das Laborhaus und wendet sich gleich durchs Treppenhaus nach unten in das Untergeschoss, trifft man auf den sogenannten Multifunktionsraum, der hauptsächlich von unserer Oberstufe belegt wird. Wie in den oberen Stockwerken ist dieser Unterrichtsraum für unsere Verhältnisse von stattlicher Grösse und weist einige Besonderheiten auf. Ein paar (denkmalgeschützte) schlanke, metallene Säulen, mitten zwischen den Schülertischen stehend, zeigen unverblümt, dass sie hier eine grosse Last zu tragen haben. Sie entschädigen ihr trotziges Dasein durch ihre Höhe, ist doch die Decke hier höher als in den oberen Stockwerken. Zusammen mit den vergrösserten Fensternischen ist ein grosszügiger Raum entstanden, der unseren grossen Klassen einen angenehmen und beweglichen Rahmen für den wissenschaftlichen Unterricht bietet. Flexible Tische lassen die frontale Sitzordnung schnell in den Gruppenmodus umstellen. Und für uns Lehrende sind
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die beiden Material- und Vorbereitungsräume Gold wert, lassen sich doch hier die Experimente und die dazugehörigen Materialien in Ruhe vorbereiten, auf Rolltische laden und bei Bedarf schnell in den Unterricht integrieren. Nach der Stunde kann man das Unterrichtsmaterial ebenso schnell wieder wegstellen, so dass die nachfolgende Lehrperson «freie Bahn“ für ihren Unterricht hat. Und wir verfügen endlich über die Infrastruktur, um auch mit unseren grossen Klassen Gruppenexperimente gestalten zu können, da es genügend Raum, Flächen, Kästen, Waschtische und elektrische Anschlüsse für das gleichzeitige praktische Arbeiten gibt.
ist ebenso ein Prozess wie das Unterrichten und Lernen selbst – und wir haben uns mit Freude darauf eingelassen. In tiefer Dankbarkeit für diese grosszügige Raumerweiterung Jean-Claude Baudet, Oberstufenlehrer
Ein grosser Bildschirm erleichtert die Projektion hilfreicher Grafiken, Bilder und Darstellungen, ob nun Kunstgeschichte, Geografie, Chemie oder sonst eine Wissenschaft unterrichtet wird. Somit entfällt auch das mühsame Herumschleppen von Projektionswand, Beamer und Gerätetisch. Noch nutzen wir bei weitem nicht alle Chancen dieser neuen Errungenschaft; dies wird nach und nach erfolgen. Den Wert eines so grossen Geschenks zu erkennen,
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360° um die Schule
Der Verein Zürcher Eingliederung – ein nachhaltiges Sozialwerk von Raphael Stadelmann
Immer noch gilt beim Bundesamt für Sozialversicherung, der Dachorganisation der IV, der Grundsatz: «Eingliederung kommt vor Rente». Auf diesem Felde besteht auch heute noch Nachholbedarf. Es gibt in unserer Gesellschaft viele Menschen, die aufgrund psychischer, intellektueller oder körperlicher Schwierigkeiten den Weg ins Arbeitsleben, aber auch ihren passenden Wohn- und Lebensraum ohne Hilfestellung nicht selbstständig finden können.
Mit der Gründung der Schweizerischen Invalidenversicherung im Jahre 1960 sind in unserem Lande erfreulicherweise zahlreiche Sonderschulen und Sonderschulheime für Kinder mit Unterstützungsbedarf aus privaten Initiativen entstanden. Wenn diese im Alter von 16 bis 18 Jahren ihre Schule verlassen, stellt sich die Frage nach ihrer Inklusion in Gesellschaft und Erwerbsleben. Sie haben Anspruch auf eine berufliche Ausbildung – mit dem Ziel, später für ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft einen Beitrag zu leisten und nicht als jugendliche Rentner ein untätiges Leben zu verbringen.
Der Verein Zürcher Eingliederung wurde im Jahr 1973 gegründet und hat sich zum Ziel gesetzt, intellektuell schwächer begabten Jugendlichen und Menschen mit Einschränkungen eine manuelle Allgemeinbildung zu vermitteln, um ihnen damit eine berufliche Perspektive zu bieten. Diese Menschen wollen wir auf dem Weg ins Arbeitsleben unterstützen und ihnen einen angepassten Wohn- und Lebensraum bieten. Für diejenigen, die innerhalb der Arbeitsbereiche die erforderlichen Leistungen nicht erbringen können, haben wir sinnvolle Tagesstätten eingerichtet. Die dazu gehörenden Be-
triebe – die Werkstätten, die Vier Linden Betriebe, die Bauernhöfe Hof Wagenburg und Triemenhof und das Wohnheim Zürichberg – bieten rund 200 Ausbildungs-, Arbeits- und Wohnplätze an und sind vom Bundesamt für Sozialversicherungen und dem Zürcherischen Amt für Soziales und Sicherheit anerkannt. Allen Betrieben der Zürcher Eingliederung liegt das anthroposophische Menschenverständnis nach Rudolf Steiner zugrunde.
Die Werkstätten Neben unseren Produktions- und Dienstleistungsbetrieben führen wir auch Tagesstätten, in denen die wirtschaftliche Ausrichtung und Produktivität aufgrund der schwächeren Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden mit einer Beeinträchtigung geringer ausfällt. Dennoch sollen alle unsere Erzeugnisse und Dienstleistungen im Wettbewerb mit anderen Anbietern problemlos standhalten können. Es werden hand- und kunsthandwerkliche Produkte aus hochwertigen natürlichen Materialien gefertigt. Hinzu kommen hauswirtschaftliche Tätigkeiten sowie die Pflege öffentlicher Parkanlagen im Auftrag der Stadt Zürich. Am Hauptsitz der Institution 36
befinden sich eine Metallwerkstatt, eine Handweberei und Näherei, eine Lebensmittelabpackerei, eine Parkgruppe und ein Werkatelier. Insgesamt sind fünfzig Arbeitsplätze und zehn Ausbildungsplätze eingerichtet. Im Dachgeschoss leben die BewohnerInnen vom Stöckli, der Alterswohngruppe des Wohnheims Zürichberg.
stellen und montieren. Es werden neun geschützte Arbeits- und fünf Ausbildungsplätze angeboten. In der Binz mitten in Zürich an der Räffelstrasse 10 führen wir für Kunden und Auftraggeber ein kleines Dienstleistungszentrum. Die Gruppe erledigt
In der modern eingerichteten Schreinerei an der Zürcher Forchstrasse 300 werden sämtliche anfallenden Schreinerarbeiten und Reparaturen erledigt, bis hin zu komplexen Innenausbauarbeiten, die wir nach den Wünschen unserer Kunden entwerfen oder in Zusammenarbeit mit Architekten herRudolf Steiner Schule Zürich
Konfektionierungs-, Abfüll- und Verpackungsarbeiten, die Herstellung von Seifen und Kerzen nach Kundenwünschen, Mailings und Massenversände inklusive Postaufgabe sowie einfache Servicearbeiten. Zwölf Arbeits- und vier Ausbildungsplätze sind in den grosszügigen, hellen Räumlichkeiten eingerichtet. Um diese Aufgaben erfüllen zu können, müssen unsere Fachmitarbeiter nicht nur über eine handwerkliche oder berufsspezifische Ausbildung verfügen, sondern auch über die notwendigen sozialen und pädagogischen Qualifikationen für die Anleitung und
Begleitung von Menschen mit Unterstützungsbedarf. Durch die tägliche Arbeit sollen Fähigkeiten und Begabungen der begleiteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geweckt, gefördert und erhalten werden. Wichtig ist dabei, dass die Arbeit mit Freude, möglichst selbstständig und zuverlässig ausgeführt werden kann. Wichtig ist auch eine gute Zusammenarbeit in der Gruppe. In der Gestaltung der Arbeitsbereiche gehen wir davon aus, dass die Arbeit ganz wesentlich zur Entwicklung des Menschen beiträgt.
Die Vier Linden Betriebe Seit 1976 ist unser Reformhaus stadtbekannt für Frischgemüse, das zumeist direkt vom Bauern geliefert wird, sowie für Lebensmittel und Naturprodukte in biologisch-dynamischer oder biologischer Qualität. Wir bieten ein reiches Käsesortiment im Offenverkauf. Dienstags und freitags werden Hauslieferungen im Stadtgebiet gemacht. Am Hottingerplatz steht die einzige Holzofenbäckerei mit direkt beheiztem Holzofen in Zürich. Ausgezeichnete
Brote und Backwaren werden aus biologischen und Demeter Zutaten ohne chemische Zusätze in handwerklicher Tradition hergestellt. Die Kunden erwartet ein grosses, reichhaltiges Sortiment an Broten und Backwaren sowie ein köstlich-süsses Angebot aus der Konditorei. Im Imbiss-Café werden wechselnde vegetarische Menüs, Salate, Suppen, feine Desserts, Quiches und Wähen, Sandwiches etc. aus der Küche im Untergeschoss angeboten. Im Traiteur findet sich ein ausgewogenes und frisches vegetarisches und veganes Angebot «to Go». Auf ein saisonales Angebot sowie die Verarbeitung von Rohstoffen, die direkt vom Bauernhof bezogen werden, legen wir grossen Wert. Alle Gerichte werden von Grund auf in der Küche zubereitet.
Die Geschenkboutique bietet ein vielfältiges Spektrum an Spielwaren aus unseren und anderen sozialen Heimstätten sowie an Kinderkleidern, Kinderbüchern und Geschenkartikeln. Für Gross und Klein überzeugt das Sortiment durch Nachhaltigkeit sowie durch farb- und formschönes Design. Der lebhafte Betrieb am Hottingerplatz und die Verkaufsfiliale am Goldbrunnenplatz bieten 25 Lernenden die Möglichkeit für eine berufliche Grundbildung auf dem Niveau PRA, EBA oder EFZ.
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Die Gutsbetriebe Hof Wagenburg und Triemenhof Der Demeter-Hof Wagenburg beim Pfäffikersee, zu dem behornte Kühe, viele andere Tiere und auch ein eigener Hofladen gehören, produziert seine landwirtschaftlichen Erzeugnisse nach biologisch-dynamischen Richtlinien und ist eine kleine Reise wert. Die Ernte aus dem Acker- und Gemüsebau wird auf dem Hof oder in den Vier Linden Betrieben verarbeitet und verkauft. Im familiären Wohnheim finden 16 Erwachsene ein Zuhause und sinnvolle Arbeit.
Klar strukturierte Abläufe und regelmässige Aufgaben im Rhythmus der Tages- und Jahreszeiten haben einen harmonisierenden Einfluss auf das Gemüt. Der pflegende Umgang mit der Erde, den Tieren und den Pflanzen verlangt Beständigkeit und Ausdauer und stärkt das Verantwortungsbewusstsein ebenso wie das Gefühl der Rücksichtnahme. Die Ernte, die Verarbeitung und der Verkauf all der selbst produzierten Erzeugnisse lassen den Wert und Nutzen unseres Tuns anschaulich erleben.
Der Triemenhof ist ein wunderschöner, biologisch-dynamisch geführter Landwirtschaftsbetrieb auf den hügeligen Anhöhen des Bachtels im Zürcher Oberland. Nebst Jersey-Milchkühen kultivieren wir feine Karotten, Knoblauch und Kartoffeln. Wir bieten sieben bis acht jungen Erwachsenen mit geistiger und psychischer Beeinträchtigung einen sinnstiftenden Wohn-, Ausbildungs- und Arbeitsort mit überschaubarer und reizarmer Umgebung.
Das Wohnheim Zürichberg Das Wohnheim Zürichberg bietet Lebensräume für 46 Wohn- und 24 Arbeitsplätze sowie zwei Ausbildungsplätze für Menschen mit Unterstützungsbedarf im Erwachsenenalter. Ein grosszügiger Ort für das gemeinsame Leben und Erleben soll unser Haus sein. Auf sechs verschiedenen Wohngruppen, die in drei Liegenschaften verteilt sind, bieten wir Platz für 46 Menschen. Das Betreuungsangebot orientiert sich an den Bedürfnissen der Bewohner. Wir haben Wohngrup38
pen mit Rund-um-die-Uhr- und auch Teilzeit-Betreuung. Wichtig ist uns, dass sich auch der Einzelne in der Gemeinschaft einbringen kann. Sinnvolle Freizeitgestaltung und kulturelle Werte prägen unsere Lebensgemeinschaft. Selbstständiges Wohnen an der Zürichbergstrasse 139: In zwei hellen 6-Zimmer-Wohnungen leben je fünf junge Menschen, die sich zum Ziel gesetzt haben, ein weitgehend selbstständiges Rudolf Steiner Schule Zürich
Leben zu führen. Hier wird selbst eingekauft, gekocht, gewaschen, gebügelt und geputzt. In der Attika-Wohnung im 3. Stock befindet sich unser Atelier 139. Acht Menschen mit höherem sozialen Begleitbedarf betätigen sich kreativ und produktiv. Es wird gemalt, gewoben, gefilzt und genäht, gekleistert, gebacken und gekocht. Ein vielseitiges und abwechslungsreiches Angebot führt durch die Woche. Seit 1999 bietet das Wohnheim Zürichberg an der Neumünsterallee 10 acht älteren Menschen mit Unterstützungs-
Impressum Spektrum
Die Mitteilungen der Rudolf Steiner Schule Zürich Frühling 2020 Herausgeber
Rudolf Steiner Schule Zürich & Freie Schulvereinigung In Memoriam Walter Wyssling Plattenstrasse 37, 8032 Zürich Telefon 043 268 20 40 info@steinerschule-zuerich.ch www.steinerschule-zuerich.ch Redaktion
Birgit Purainer (verantwortlich) Dirk Dietz Stefanie Wolff-Heinze
bedarf, die ihren «Lebensspätnachmittag und -abend» in einer weniger turbulenten Umgebung verbringen möchten, ein Zuhause. Wichtig werden andere Werte: Zeit haben, Beschaulichkeit und persönliche Tagesgestaltung. Begleitung, Pflege und Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner bis an ihr Lebensende sind uns ein grosses Anliegen. Der Arbeit unseres Vereins liegt das Menschenbild der Anthroposophie Rudolf Steiners zugrunde. Ausdruck findet dies nicht nur im Umgang untereinander, sondern auch in der Ernährung, dem Anbau, der Herstellung
Weitere Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe
Jean-Claude Baudet Cornelius Bohlen Joanna Dal Bosco Clemens Gubler Jonathan Keller Chantal Seidel Franziska Spalinger Dr. Thomas Stöckli Raphael Stadelmann Jon Turnes Vera Wohlgemuth
Konzeption und Lektorat
Stefanie Wolff-Heinze
sowie dem Verkauf von Lebensmitteln, in der medizinischen Betreuung, in den Therapien wie auch in der Gestaltung des Alltags.
Fotokreation
Silvia Dettli Dirk Dietz Werner Eschmann Birgit Purainer Verein Zürcher Eingliederung Zeichnungen
6. Klasse
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Inserate
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Spektrum wird mit grosszügiger Unterstützung der Prowema GmbH produziert.
Druck
Prowema GmbH CH-8332 Russikon © Juni 2020 Die Verantwortung für die einzelnen Beiträge und die Rechte daran liegen bei den jeweiligen Autorinnen und Autoren.
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Herbst
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