Von Caroline Freigang
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Digitalisierung: «Oft sind Führungskräfte hilflos»
Die Digitalisierung verändert die Schweizer Wirtschaft nachhaltig. Doch nicht alle Branchen sind gleich gut darauf vorbereitet, wie sich beim ersten Digital Insight-Talk zeigte. halten sie ebenfalls im Netz. Andere Bereiche wie etwa das Festnetz hinkten aber hinterher: «Dieses wurde vor Urzeiten gelauncht und ist nicht digital unterwegs.» Sind das Erbsünden? - «Teilweise ja», so Naef. Im Vergleich dazu geht es anderswo nur schleppend voran. «Ich mache zwei Prozent des Umsatzes meines Unternehmens im Internet», sagte etwa André Lüthi, VR-Präsident des Reiseunternehmens Globetrotter. Hat Globetrotter einfach keine Lust auf digital? Nein, hinter seinem beschränkten digitalen Angebot stecke Strategie, so Lüthi: «Es gibt ein Restsegment von Kunden, die persönlich beraten werden wollen. Das ist unsere Markus Naef - Sunrise Communications AG, André Lüthi - Holding Globetrotter Group, Marc Kowalsky - BILANZ, Holger Nische.» Dieses Segment wachse sogar. Spielberg - Credit Suisse AG, Peter Ohnemus - Dacadoo AG (v.l.n.r.) Bilder:Christian Dancker «Wir verdienen nicht an den Produkten, sondern an unserem Wissen, unserem Exas diesjährige World Eco- Spielberg, Leiter der Innovationsabteilung pertentum.» nomic Forum (WEF) stand im Digitalen Private Bank bei der Credit im Zeichen einer vierten Suisse pflichtete ihm bei: «Alle Branchen Lüthi fühlt sich auch von aufstrebenden industriellen Revolution. in der Schweiz wissen, es muss etwas Online-Portalen nicht unter Druck geDie Digitalisierung werde die Gesellschaft passieren. Führungskräfte sind aber oft setzt: «Tripadvisor & Co. können unser in ihren Grundfesten erschüttern, mahnte hilflos.» Die Denkhaltung in der Schweiz persönliches Wissen und unsere Beratungsfähigkeit nicht ersetzen.» Das InWEF-Gründer Klaus Schwab. Besonders müsse sich grundlegend verändern. ternet verzerre, sagte der Travel-Experte. die Finanz- und Dienstleistungsbranche sei betroffen. Auch in der Schweiz ist die «Nur zwei Prozent vom Umsatz im In- «Wenn ein Hotel 200 Bewertungen vom Nachbarshotel erhält, ist das nicht aussaDigitalisierung in vollem Gange. Beim ternet» gekräftig.» Trotzdem sieht er in der Digiersten Digital Insight-Talk von Business Sunrise und «Bilanz» sprach Marc Ko- Wie weit diese Denkmuster in Bezug talisierung eine Chance für Globetrotter: walsky, stv. Chefredaktor der «Bilanz», auf die Digitalisierung noch auseinander «Wir nutzen die Homepage, um Menmit Führungskräften aus vier Branchen klaffen, zeigte sich gleich zu Beginn der schen in unsere Filialen zu holen.» über die Herausforderungen und Chancen Diskussion: Banken preschen in der Digider Digitalisierung. talisierung voran – die beiden Grossban- »Gesundheitsbranche veraltet, ineffiziken Credit Suisse und UBS sind laut einer ent und null digitalisiert» Vielen Schweizer Betrieben dürfte die Studie von Accenture Vorreiter in dem Digitalisierung das Leben schwer ma- Gebiet. Auch der Mobilbereich ist vorne In der Gesundheitsbranche gibt es ebenchen. Der Grund: «Die Schweiz steht in dabei, sagte Naef von Sunrise. Viele Neu- falls noch viel Luft nach oben, so die der Digitalisierung ein bis zwei Jahre hin- erungen würden von den Kunden ange- Einschätzung von Peter Ohnemus. Die ter Deutschland und Österreich», meinte nommen: Sie bezahlen ihre Rechnungen Prognose des Gründers und Chefs der Markus Naef, CCO bei Sunrise. Holger online, Hilfe zu technischen Problem er- Health-Tracking App Dacadoo: «In we-
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Von Caroline Freigang
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nigen Jahren werden alle heutigen ana- Jobkiller Digitalisierung? logen Krankenkassen pleitegehen». Die Branche sei veraltet, ineffizient und null Wie sieht es mit den Mitarbeitern aus? Ist die Digitalisierung der Jobkiller? Brechen digitalisiert. - wie am Wef prognostiziert - sieben MilDa will er ansetzen und die Branche mit lionen Jobs durch die digitale Revolution seiner App in das digitale Zeitalter hinein weg? Mittelfristig ja, meint Sunrise-CCO führen. Auf Interesse ist er bereits beim Naef. Vor allem im mittleren Management Versicherer CSS/Sanagate gestossen: Die würden viele Jobs wegfallen, während im Krankenkasse stellt die App ihren Kunden oberen eher Stellen entstehen würden. zur Verfügung. Motiviert werden Nutzer über ein Punkt-System. Man sammelt Dennoch bleibe die menschliche KomPunkte in einem sogenannten «Health ponente trotz Digitalisierung relevant, Score» und erhält damit Rabatte, etwa in meint Digital-Experte Spielberg von der Form von Cumulus-Punkten. Angedacht CS. «Digitalisierung macht das Business sind laut Ohnemus Prämienreduktionen menschlicher». Anstatt alle Berater rausbei Krankenkassen. Auch andere Unter- zuschmeissen und durch Robo-Advisors nehmen geben den Health Tracker Da- zu ersetzen, wolle die Credit Suisse etwa cadoo bereits an ihre Mitarbeiter heraus: Kundenberater mit digitalen Möglichetwa Roche, Die Post, Migros und Takeda keiten unterstützen. So könne diese ihre Kunden besser verstehen und deren ProEuropa. dukte personalisieren.
Kulturwandel und neue Kollaborationen Was muss die Schweiz tun, um bei der Digitalisierung am Ball zu bleiben? Es brauche in Unternehmen vor allem einen Kulturwandel – auch um die Mitarbeiter vorzubereiten. Da waren sich alle Teilnehmer einig. «Man muss eine Kultur entwickeln, in der man etwas wagt», sagte Naef. Anders als in den USA, in der mehr ausprobiert würde, sei man in der Schweiz sehr sicherheitsgetrieben. CS-Fachmann Spielberg sagt ausserdem neue Kollaborationen voraus: Zwischen Startups (etwa Fintech-Companies), die Ideen bringen und globalen Unternehmen, die die Power haben, diese umsetzen. Das sei eine Chance für die Banken. Denn derzeit liefen viele kleinere Zahlservices, etwa Paypal oder sogar Starbucks, den grossen Anbietern den Rang ab.
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