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Wirtschaftswoche - 2015 Versicherungen

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INNOVATION & DIGITALES

Wenn der Körper auf den Index kommt GESUNDHEIT

: Die ersten Krankenversicherungen belohnen Kunden, die ihre Fitness mit dem Smartphone vermessen. Doch was bringt das? Ein Selbstversuch.

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eit einer Woche brauche ich auf die Frage aller Fragen nicht mehr mit einer Floskel zu antworten, sondern kann endlich Zahlen und Fakten liefern. Wie geht’s? Gut, schlecht, muss ja irgendwie, das waren die Antworten bisher – je nach Gefühl. Schluss damit! Also noch mal: Wie geht’s? Moment, ich schaue nach, jetzt weiß ich es: 647! Die Antwort kennt nicht etwa mein Bauch, sondern mein Smartphone. Es zeigt mein aktuelles Wohlbefinden an, auf einer Skala von 1 bis 1000. Um meinen ganz persönlichen Gesundheitsindex herauszufinden, musste ich nur die App dacadoo des gleichnamigen Schweizer Unternehmens mit ein paar Daten füttern. Geschlecht, Alter, Größe, Körpergewicht. Diese vier Parameter reichen dem Programm fürs Erste, um meiner Gesundheit einen Zahlenwert zu geben. Am Wochenende bin ich an einem Tag 10 000 Schritte gelaufen, das misst dacadoo via der Bewegungssensoren im Smartphone und gratuliert mir zu diesem Erfolg. Schon lus-

tig: wie selbstbewusst die App über so etwas Persönliches wie die Gesundheit urteilt, obwohl wir uns erst so kurz kennen. Ernst wird es aber, wenn sich Krankenversicherer für die Vermessung des Menschen interessieren. Dann geht’s ums Geschäft. Der Gesundheit ihrer Kunden einen Wert zu geben – mit dieser Idee versuchte sich vor rund zehn Jahren erstmals eine deutsche Versicherung auf dem Markt. Damals bot die private Krankenkasse Gothaer einen Tarif an, dessen Prämie sich nach dem Ergebnis eines Fitnesstests richtete. Doch die Kunden hatten keine Lust, sich von ihrer Versicherung mustern zu lassen. Das Produkt floppte. In diesem Jahr starten deutsche Krankenkassen einen neuen, dieses Mal digitalen Anlauf. Mit fragwürdigem Ausgang. Der Schrittzähler motiviert

Für viel Aufsehen hat bereits die Generali gesorgt, einer der größten privaten Krankenversicherer in Deutschland, auch wenn sie erst kommendes Jahr mit einem speziellen Tarif an den Start geht. Er bietet für all jene günstige Konditionen, die ihre Fitness prüfen lassen (siehe WirtschaftsWoche 31/2015) und dann belegen, wie sie diese verbessern. Etwa indem sie mitteilen, wie sie sich bewegen und ernähren. Weil Krankenversicherungen nichts anderes sind als die Wette auf

die Gesundheit der Kunden, wollen die Manager so das Risiko eines Verlustes senken. Obwohl bisher noch gar nicht klar ist, wie das Generali-Angebot genau funktioniert, war der öffentliche Aufschrei groß. Das Schreckgespenst der totalitären Überwachung ging um – und der Diskriminierung, wenn ein Versicherer einen unsportlichen Kunden ablehnen sollte. Doch kaum jemand stellt die Grundthese hinter dem Tarif infrage: Ist es überhaupt möglich, anhand von gezählten Schritten oder erfasstem Pulsschlag auf ein Krankheitsrisiko zu schließen? Der Sportwissenschaftler Ingo Froböse sagt: Nein. Er leitet das Institut für Bewegungstherapie an der Deutschen Sporthochschule Köln und erforscht seit vier Jahren das Messen von Körperdaten. Seine Diagnose lautet: „Es wäre fahrlässig, Gesundheit auf Parameter zu reduzieren.“ Zwar würden Studien zeigen, dass sich sportliche Anfänger, ausgerüstet mit Pulsmesser und Schrittzähler, mehr bewegten. Lauf-Apps oder Fitnessarmbändern motivierten also. „Die Forschung weiß aber nicht, welche Zielgruppe welche Mindestbewegung machen Am Puls des Hypes Die Kassen nutzen den Boom von Fitnessarmbändern

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Beweg dich!

Wie Krankenversicherer Fitnesstracker fördern Versicherung AOK Nordost

Belohnung 50 Euro: alle zwei Jahre als Zuschuss für den Kauf eines Fitnesstrackers wie der Apple Watch

Bedingung Rechnung einreichen und Antrag auf Erstattung ausfüllen

Axa

10 Euro: Gutschrift ab einem Mindestbestellwert von 100 Euro im Online-Shop von Runtastic

Sport-App Runtastic auf dem Smartphone installieren

Barmer GEK

150 Bonuspunkte: sind Teil des Prämienprogramms; erste Prämie wird ab 500 Punkten ausgezahlt

30 Minuten Bewegung an 20 Tagen innerhalb eines Zeitraums von 42 Tagen, erhoben per App Fit2Go

Daimler Betriebskrankenkasse

30 Euro: Kunde erhält den Bonus, wenn er Fitnesspensum nachweist und Mitglied im Sportverein ist

In einem Jahr 100 Kilometer laufen und 250 Kilometer Rad fahren, erhoben per App, etwa Runtastic

DKV

50 Euro: Zuschuss für den Kauf eines Fitnesstrackers wie der Apple Watch

Rechnung einreichen und Antrag auf Erstattung ausfüllen

Generali (Einführung ab 2016)

Rabatte und Gutscheine (Details bisher noch nicht veröffentlicht)

Daten über Sport, Ernährung und Bewegung sammeln; die Versicherung erhält einen Gesamtwert

Techniker Krankenkasse

250 Euro: Zuschuss für den Kauf eines Fitnesstrackers wie der Apple Watch

Neun Präventionsmaßnahmen absolvieren, dazu gehören Vorsorgeuntersuchungen und Kurse

Quelle: eigene Recherche

WirtschaftsWoche 34/14.8.2015

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der Deutschen würden Fitnessdaten an die Versicherung melden

sollte, um gesund zu Millionen Euro bleiben.“ Dahat Adidas für her sei es verRuntastic und desfrüht, Tarife auf Basis sen Lauf-App von Körperdaten einzubezahlt führen. Und dann sagt der Professor noch etwas, das die Macher hinter dacadoo und vergleichbaren Diensten gar nicht gerne hören werden: „Gesundheit hat viel mit subjektiver Wahrnehmung zu tun.“ Auf gut Deutsch: Wer sich gut fühlt, geht weniger zum Arzt. Apps, die Gesundheit auf einen Index reduzierten, könnten dazu führen, dass der Mensch sich von seinem Körpergefühl verabschiede. Auch die Gesetzlichen machen mit

FOTOS: GETTY IMAGES, JOHANN SEBASTIAN KOPP FÜR WIRTSCHAFTSWOCHE; ICON: ZLATKO NAJDENOVSKI

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Trotzdem wollen uns gesetzliche Krankenversicherer gerade jetzt dazu bringen, unsere Gesundheit zu messen. Die AOK Nordost arbeitet als erste deutsche Krankenversicherung mit dacadoo zusammen. Testkunden bekommen die App gratis, die AOK verspricht sich davon eine höhere Aufmerksamkeit für den Körper. Auf Nachfrage sagt ein Sprecher, dass er auch keine belastbaren Studien über die Wissenschaftlichkeit liefern könne. Aber die App sei eine „sinnvolle Präventionsmaßnahme“, die klassische Angebote wie Kurse ergänzen könnte. Im Gegensatz zu den Privaten dürfen gesetzliche Krankenversicherungen keine Tarife anbieten, die sich an Fitnessdaten orientieren. Denn sie sind per Gesetz zum Solidaritätsprinzip verpflichtet. Das bedeutet verkürzt: Junge und Fitte zahlen für Alte und Unsportliche. Gleichwohl sind die Gesetzlichen an dem Wohlbefinden ihrer Kunden interessiert, denn wer selten zum Arzt geht, kostet weniger. Viele belohnen ihre Kunden, wenn sie sich mehr bewegen oder einfach nur Technik kaufen, die Körperdaten misst (siehe Tabelle). Dass mit der Smartwatch von Apple ein Statussymbol zu diesen angeblich gesundheitsfördernden Produkten gehört, macht den Marketing-Gag perfekt. Dacadoo-Gründer Peter Ohnemus profitiert davon. Und ist schon mit weiteren Versicherern im Gespräch, die seine App nutzen wollen. Er hat eine klare Vision für die Unternehmen parat: „Meine Gesundheit wird zu meinem privaten Vermögen“, sagt er, „der Gesundheitsindex zum Aktienkurs.“ Und der darf wie an der Börse nur eine Richtung kennen: nach oben. Bei so viel Leistungsdruck könnte es manchem Versicherten bald gar nicht mehr so gut gehen. n

maximilian.nowroth@wiwo.de

Valley Talk

Das nächste große Los Matthias Hohensee, Korrespondent Silicon Valley

: Samsung will den Lautsprechermarkt erobern. Und gründet dafür ein Start-up im Konzern.

Allan Devantier lebt für den perfekten Sound. Schon als Teenager bastelte der Ka-

nadier eigene Boxen. Sie kamen in seiner Heimatstadt Windsor so gut an, dass er zu Highschool-Zeiten ein eigenes Audiounternehmen startete. „Für mich war es der Jackpot, zu entdecken, dass ich mit dem Entwickeln von Lautsprechern meinen Lebensunterhalt bestreiten kann“, sagt der Elektroingenieur. Ich lernte Devantier vor fünf Jahren in den Forschungslabors des US-Audiospezialisten Harman in Los Angeles kennen, wo er für Tests von Highend-Lautsprechern verantwortlich war. Kürzlich trafen wir uns wieder. Diesmal in einem Bürobau in Santa Clarita, eine Autostunde nördlich von Los Angeles. Hier hat der Forscher nun nach eigenem Bekunden das nächste große Los gezogen. Der koreanische High-Tech-Konzern Samsung hat ihm freie Hand und ein großzügiges Budget gegeben, um ein Weltklasse-Forschungslabor für den Einstieg ins anspruchsvolle Audiogeschäft aufzubauen. Damit es rascher geht, nicht vom Silicon Valley aus, wo Samsung ein großes Forschungszentrum betreibt. „Wegen Hollywood schlägt in Los Angeles das Herz der nordamerikanischen Audiobranche, hier sind die Talente“, sagt Devantier. Seine 15 Mitarbeiter können nun frei von Konzernstrukturen agieren. Und so zeigen, wie künftig in Konzernen neue Ideen entstehen könnten: in außerhalb der Organisation angesiedelten kleinen Einheiten. Damit soll ein wenig Start-up-Atmosphäre dort einziehen. Die Strategie hat auch beim Taxidienstleister Uber aus San Francisco Schule gemacht. Das Start-up hat sein Technikzentrum, das selbstfahrende Autos entwickeln soll, bewusst nicht im Silicon Valley angesiedelt. Uber-Chef Travis Kalanick entschied sich für Pittsburg, weil es dank des renommierten RobotikLab der Carnegie-Mellon-Universität dort jede Menge Experten gibt. So kommt Uber schneller voran, bescherte aber mit der Abwerbe-Aktion der Uni Probleme. Tempo zählt mehr denn je. Deswegen spielen große Konzerne mit Organisations-

und Arbeitsformen, die bisher in ihrer Welt eher selten vorkamen. Devantiers Lab etwa überarbeitet mit seinem Verfahren den Klang aller neuen SamsungFernseher. Das Team simuliert die Boxen zunächst im Computer, bis ihr Klangbild rechnerisch optimal ist. Dann müssen die Geräte in schallgeschützten Kammern beweisen, ob der Sound den Berechnungen entspricht. Anschließend testen Probanden. Die ersten eigenen Produkte aus dem Lab sind zwei ovale Lautsprecher, die Musik rundum abstrahlen. Sie kommen in der Preiskategorie zwischen 300 und 500 Euro auf den Markt. Sie sind der erste Test, ob Samsungs Plan aufgeht, sich bei Lautsprechern innerhalb kürzester Zeit einen Namen zu machen. „Wir wollen die +++ Samsung +++ Nummer eins werden“, sagt Devantier. Große Worte – auch angesichts der reichlich vorhan489 000 Mitarbeiter denen Konkurrenz in der Audiowelt. Doch niemand beschäftigte das südkoreanische Konglomerat sollte Samsung unterschätzen. Der einstige Billigan2014 – in Chipfabriken, bieter wurde auch verlacht, als er in die Produktion Hospitälern oder Raffinevon High-End-Fernsehern, Smartphones oder Digitalrien. Die Erlöse erreichten 230 Milliarden Euro. kameras einstieg. Zu Unrecht, wie man heute weiß. n 14.8.2015/WirtschaftsWoche 34

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