2020 DAS WAR’S Ein Magazin des
Hier ist noch Platz für Ihre Immobilie
Richtig vermarktet – erfolgreich verkauft!
Wann können wir etwas für Sie tun? Rufen Sie uns an: 07121 - 972610 Liebe Leserin, lieber Leser! Zunächst hoffen wir, unser Engel & Völkers Team in Reutlingen, dass es Ihnen und Ihren Liebsten auch während diesen besonderen Zeiten gut geht. Gerade in solchen Momenten bietet das eigene Zuhause Schutz, Wärme und Geborgenheit. „Insgesamt wird aus der Krise ein gestiegenes Bedürfnis nach Sicherheit, Komfort und attraktivem Wohnen resultieren – denn zu Hause ist es doch am schönsten.” – Sven Odia, CEO von der Engel & Völkers AG Unser Team, welches momentan aus neun Mitarbeitern besteht, lebt die Kennwerte von Engel & Völkers: Kompetenz, Exklusivität und Leidenschaft stets mit Herzblut – ganz gleich, wie hochherrschaftlich oder bodenständig eine Immobilie ist. Durch unsere sehr gut gepflegte Kundenkartei ist es uns auch in diesem turbulenten Jahr gelungen die meisten unserer Immobilienangebote direkt an unsere vorgemerkte Suchkunden zu verkaufen und somit konnten wir auch dem oft von Verkäufern gehegten Wunsch nach Diskretion entsprechen. Am Liebsten stehen wir Ihnen mit einer individuellen, persönlichen und professionellen Beratung bei der Vermarktung Ihrer Immobilie beziehungsweise bei der Suche nach Ihrer Wunschimmobilie mit unserer langjährigen Erfahrung zur Seite. Durch unsere ausgezeichnete Kundenbindung, dem täglichen
Lage
Kundenkontakt und einem individuellen Vermarktungskonzept können wir den jeweiligen Bedürfnissen unserer Verkäufer entsprechen. Durch ständige Weiterbildung konnten wir unsere Kenntnisse zusätzlich im Bereich der Digitalisierung gerade während der beiden Lockdowns diesen Jahres sehr gut nutzen um die Kommunikation zwischen Kaufinteressenten, Verkäufern und uns zu best möglichst aufrecht zu erhalten, jedoch steht bei uns nach wie vor der persönliche Kontakt mit Ihnen immer im Vordergrund. Ob Sie auf der Suche nach einem neuen Eigenheim sind oder für Ihre liebgewonnene Immobilie einen Käufer suchen, wir unterstützen Sie gerne auch im neuen Jahr wieder mit viel Engagement. Vielleicht gehören auch Sie beim nächsten Jahreswechsel 2021/2022 zu den Kunden die in dieser Anzeige ihr neues Zuhause im Teilauszug unserer verkauften Objekte wiederfinden. Unser Team in Reutlingen freut sich auf Ihren Besuch oder Ihren Anruf unter 07121 972610! Wir bedanken uns bei allen unseren Kunden für ihr in uns gesetztes Vertrauen und verabschieden uns für dieses Jahr mit dem wichtigsten Wunsch: Bleiben Sie bitte gesund!
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Sehr gute Lage
2.250.000
1.300.000
420.000
Gute Lage
1.400.000
950.000
360.000
980.000
800.000
240.000
Mittlere Lage
Quelle: E&V Residential
Albtorplatz 13 · 72764 Reutlingen · Tel. 07121/972610 · reutlingen@engelvoelkers.com
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
JAHRESRÜCKBLICK 2020
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Alternativlos optimistisch
Editorial – Möge die Coronakrise bald vorbei sein. 2021 als Chance VON CHRISTOPH FISCHER
DAS ZITAT
»Die aktuelle Lage stellt uns alle vor große Herausforderungen. Bitte informieren Sie sich weiterhin durch journalistische Angebote – und bleiben Sie solidarisch mit jedem Betroffenen in der Region« Valdo Lehari jr., Verleger Reutlinger General-Anzeiger
REUTLINGEN. Am Ende von 2020 kann nur die Hoffnung stehen, dass es 2021 anders wird. Die Anzeichen stehen weitgehend gut. In dieser Republik werden aussichtsreich Impfstoffe gegen das Coronavirus entwickelt – und zur Verfügung gestellt. Corona hat 2020 geprägt, und es war nicht immer einfach, die beschlossenen Maßnahmen der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten der Länder zu akzeptieren. Aber sie waren alternativlos, auch wenn das nicht alle verstanden haben. Das liegt in der Natur der Sache. Zum Optimismus gibt es keine Alternative. Und wer ihn sich bewahrt, kommt leichter durch die Zeit. In den USA haben die Menschen an Zuversicht gewonnen, auch wenn Donald Trump lange gebraucht hat, um seine Niederlage gegen seinen demokratischen Konkurrenten einzuräumen. Und das Weiße Haus folgerichtig auszuräu-
men. Diese Phase der US-Politik scheint überwunden, auch wenn die Anzahl seiner Anhänger kaum kleiner wird. Joseph Rubinette »Joe« Biden jr. gewann am Ende mit der Anzahl der Wahlmänner, die auch Trump damals benötigte. In Stuttgart braucht man keine Wahlmänner, da genügten eine zerstrittene SPD und eine suboptimal aufgestellte grüne Partei, um alle Chancen dem politischen Gegner zur Verfügung zu stellen. Trotzdem war der Sieg des CDUPolitikers Frank Nopper denkbar knapp. »Dumm gelaufen«, sagt der Ober-Grüne Cem Özdemir, der seine politischen Ziele weiter nicht regional sondern national und international sieht. In Stuttgart hätte er rauschend gewonnen. Was die Grünen in Stuttgart veranstaltet haben, taugt für einen kritischen Blick auf die Landtagswahlen im März. Winfried Kretschmann ist derjenige, der allein den Erfolg garantieren kann, die Partei an sich scheint dazu kaum in der Lage zu sein. Und wenn die
neue Landesregierung in Baden-Württemberg vereidigt ist, richten sich die Blicke auf die letzte Runde der Bundeskanzlerin Angela Merkel und die neue politische Konstellation nach der Bundestagswahl im Herbst. Der Sport trauert um Diego Armando Maradona und hofft 2021 darauf, dass man zum Normalbetrieb zurückfindet. Nicht nur der im Grunde nie unterbrochene in der Bundesliga, sondern der im Amateurund Breitensport, der den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes mehr fehlt als die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele. Ob beides stattfinden kann, ist nicht sicher, aber diejenigen, die beides ausrichten und organisieren, setzen alles daran, Euro und Olympia Realität werden zu lassen. Das hat in erster Linie und vorwiegend mit dem Geld zu tun. Fragen bleiben. Wir schauen für Sie, liebe Leserinnen und Leser, auf 2020 zurück. Und freuen uns auf 2021. Trotz alledem und alledem. (GEA)
IMPRESSUM
Jahresrückblick 2020 Magazin des Reutlinger General-Anzeigers Verlags GmbH + Co. KG Burgstraße 1–7, Reutlingen Donnerstag, 31. Dezember 2020 Verleger: Valdo Lehari jr. Koordination: Alexander Rabe, Alexander Rist Redaktion: Dr. Christoph Fischer, Gisela Sämann, Armin Zimny Anzeigen: Alexander Rist Grafikdesign: Achim Goller, Larissa Capo Titelfotos: Armin Knauer, Andreas Fink, Markus Niethammer, DPA Druck: Druckzentrum Neckar-Alb, Reutlingen; Chr. Killinger GmbH, Reutlingen
Endspurt-Bundeskanzlerin Angela Merkel (von links), der als US-Präsident abgelöste Donald Trump, sein Nachfolger Joe Biden, Stuttgarts neuer OB Frank Nopper und der gestorbene Diego Armando Maradona stehen für Menschen, die das Jahr 2020 geprägt haben. FOTOS: DPA
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JAHRESRÜCKBLICK 2020
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Inhaltsverzeichnis WELTGESCHEHEN Nothilfen, CDU-Machtkampf
Die Corona-Pandemie bestimmte in Deutschland die politische Agenda. Die Konjunktur- und Hilfspakete, gigantischen die Spitzenrunden im Kanzleramt, bei denen downs ging, die Entscheidung es um Lockim Dreikampf um die CDU-Spitze, die schließlich wegen des Corona-Virus mehrfach verschoben werden musste, Randale und Proteste von CoronaKritikern und -Leugnern, die in verschiedenen Städten ausarteten, hielten Politik und Polizei in Atem. Mit dem Virus rückten Virologen und das Robert Koch-Institut ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Wissenschaft ler aus Deutschland gewannen Nobelpreise und deutsche
CORONA-CHRONOLOGIE
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WELTGESCHEHEN
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und US-Wahl
Unternehmen waren bei der Entwicklung von Corona-Impfstoffen ganz vorn dabei. In einigen Staaten wie Italien, Spanien oder den USA wütete das Virus ganz besonders. Parallel dazu ging es in den USA um den nächsten US-Präsident en. Der demokratische Kandidat Joe Biden triumphierte über den umstrittenen Amtsinhaber Donald Trump, der sich weigerte, den Sieg des Konkurrenten anzuerkenne n. Der gewaltfreie Aufstand der Menschen gegen den belarussische n Diktator und der kurze, aber heftige Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien um Berg-Karabach waren weitere wichtige Ereignisse. (jr) FOTOS: DPA
BADENWÜRTTEMBERG
Politik Inland Politik Ausland
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Weltspiegel
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pf Die Krux mit dem Vorwahlkam die Wirtschaft, FamiCorona stellt nicht nur auf eine harte Probe. lien und Freundschaften ung hat’s nicht leicht, Auch eine Landesregier der nächsten vor allem, wenn der Termin stehen Grün Wahl näherrückt. Im Südwestengroßen Hereiner und Schwarz deshalb vor in der Krise mögausforderung: Sie müssen sich aber gleichlichst geschlossen handeln, r notfalls gegen den zeitig als Einzelkämpfe für den UrnenPartner die beste Startposition Kein Wunder sichern. gang im nächsten März gie für die also, dass bei der Corona-Strate f zwischen MinisSchulen der Vorwahlkamp (Grüne) terpräsident Winfried Kretschmann und Kultusmiund CDU-Spitzenkandidatin
immer wieder nisterin Susanne Eisenmann der fliegende dass aufblitzt. Hinzu kommt, unterwegs Teppich, auf dem die Grünen der OB-Wahl in waren, ausgerechnet bei Stuttgart ins Trudeln kam. brachte Doch nicht nur die OB-Wahl die Schlagzeilen. die Landeshauptstadt in kam es in einer Scheinbar aus dem Nichts Ausbruch Juninacht zu einem beispiellosen zogen an Gewalt. An die 500 Randaliererverletzte durch die Stadt und hinterließen aden. Polizisten und einen Millionenschnicht Dennoch war das Corona-Jahr die zeugt schwarz in schwarz. Davon Löwenbabys. (sel) Geschichte eines weißen
FOTOS: DPA
REUTLINGEN UND REGION
BADEN-WÜRTTEMBERG
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REUTLINGEN UND REGION
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Riesenrad erfreut, Baustellen nerven
Die Coronakrise hat auch in Reutlingen viel verhindert, aber nicht alles. Das pandemiekonforme Öffnungskon zept fürs bad Markwasen – wenngleich Wellenfreilen – hat viel Lob erhalten, 2020 ohne Welein Riesenrad auf dem Marktplatz lockte Tausende Innovationszentrum »Innoport«, an. Das Keimzelle für das Industriegebi das als et »RT unlimited« gilt, wurde eröffnet, die Bebauungsplanänderung fürs Stadthallen-H otel beschlossen und die unendliche Debatte um den Fußgängersteg mit dessen Abriss beendet. Trotzdem wirkte Corona als Bremsklotz: len Auswirkungen belasten Die finanzieldie Stadt und die Reutlinger Stadtverkehrs gesellschaft (RSV).
Der Landkreis Reutlingen wird einen neuen Landrat bekommen: demnächst Zwei Bewerber gibt es. Thomas Reumann, der bisherige Amtsinhaber, hat erklärt, dass er nicht mehr antreten wird. Bleiben werden indes die Herausforderungen in der Region: vor allem jene, die mit dem Verkehr zusammenhängen. Das Projekt Regionalstadt bahn wird weiter vorangetrieben, aber das Jahr 2020 nervte Autofahrer mit wegen Sanierung gesperrten Albaufstiegen, Megabaustell en wie der Bad Uracher Ortsdurchfahrt oder dem B 27Nadelöhr bei Ofterdingen. Wie das behoben werden soll, daran werden sich sicher auch im neuen Jahr die Gemüter erhitzen. (rh/sä) FOTOS: NIETHAMMER/PIET
H/SCHRADE/LEIPPERT/FINK
SPORT Immer weiter
mit Joachim Löw
nach dem 0:6vielen Kritker NaDa haben seine gegen Spanien in der wäre Debakel in Sevilla gedacht, das Thema ein schon nicht einmal tions League war es noch tioren durch. Dabei dest nicht für die Honora Thema, zumin Fußball-Bundes. Der Südbaehen des Deutsc erte dem Südbad Keller versich öchiger Denkdener Fritz nach zweiw iLöw hütterl unersc ner Joachim November seine dem Dauerpause Ende g. Weiter mit nach Katar bis che Unterstützun r, hart am Wind bis 2024, Bundestraine ht auch noch Deutschvielleic Und in 2022. meisterschaft deutwenn die EuropaThomas Bach, erster idet. Olymp n stattfin tionale land nt des Interna scher Präside
von seiner eines (IOC), geht und Olymschen Komite rwahl in Athen Was muss, aus. stimmigen Wiede 2021 in Tokio hat uns pischen Spielen Armando Maradona in der das muss. Diego Stuttgart ist zurück n VfB chende verlassen, der eher enttäus esliga, Aber Fußball-Bund der 2. Liga zum Trotz. in Seven Vorstellungen s Hitzlsperger, präsenThoma von zzo der Kurs Pellegrino Matara chaft Mislintat und rend, die Manns SSV zielfüh als Vom n. tiert sich im Haifischbeckeen und den bewährt sich den Tigers Tübing gen kann gen, Reutlin en der TuS Metzin aber behaupten, Handballerinn durchgehend . (cfi) tlich zuletzt man das nicht stirbt bekann die Hoffnung
Stadt Reutlingen Pfullingen/Eningen/Lichtenstein
30 37
Über die Alb Neckar und Erms Köpfe des Jahres Kreis Tübingen
41 47 52 54
A/WITTERS
FOTOS: PIETH/DP
WIRTSCHAFT
SPORT
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WIRTSCHAFT
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KULTUR
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SCHLUSS-STRICH
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Der exogene Schock und seine Folgen
Die Krise kam nicht von innerhalb der Wirtschaft, sondern im Wesentlichen von außen. Volkswirte ordnen die Coronavirus-Pandemie daher als exogenen Schock ein, der Angebot und Nachfrage kurzfristig verändert hat. Unternehmen haben auf staatliche Anordnung, wegen Unterbrechung der Lieferketten oder aus Vorsichtsgründen ihre Produktion vorübergehend eingestellt. Dies betraf Daimler, Porsche und Bosch ebenso wie Wafios in Reutlingen und Elring Klinger in Dettingen/Erms. Gaststätten, Möbelhäuser und Friseure mussten schließen – erst im Frühjahr, dann gegen Jahresende wieder. In der Folge ist die Wirtschaftsleis-
tung deutlich zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitslosen ist gestiegen, trotz Kurzarbeit in nie da gewesenem Ausmaß. Konjunkturund Hilfspakete der EU, des Bundes und der Länder in beträchtlicher Höhe haben, begleitet von anhaltend ultralockerer Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, Schlimmeres verhindert. Allerdings sind riesige Schuldenberge entstanden. Die Hoffnungen ruhen, auch im Hinblick auf eine konjunkturelle Wende, auf wirksamen Corona-Impfstoffen. Das im ablaufenden Jahr in New York an die Börse gegangene Tübinger Unternehmen Curevac kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. (rog) FOTOS: NIETHAMMER/DPA
KULTUR Zwischen Lockdown
und Maskenspiel
. wird keiner vergessen Das Kulturjahr 2020 , dass erende Erfahrung Erst die traumatisi abdrehen kann. Dann man die Kultur einfach sich nicht einfach sie die Erfahrung, dass im Lockdown wird abstellen lässt. Mitten durchs Netz musiHause fladann eben von zu nger Theatergä ziert. Oder vom Balkon. Stadt mit der Stimme die nieren einzeln durch Ohr. Ganz per Kopfhörer im der Schauspieler erfunden. Auch als neue Formen werden geht, bleibt man erfindelangsam wieder was nie ersinnt eine »Musikrisch. Die Philharmo Man gewöhnt sich an Insel« in ihrem Studio. und DesinfektionsmitMasken und Abstand Laienorchester protelspender am Eingang.
zwischen Bohrgeben in Maschinenhallen rm. Der Sommer räuschen und Motorenlältur wie selten – mit bringt so viel Freiluftku Publikum auf DisLandeshilfe und einem Virus zu leben, aber dem tanz. Man lernt, mit wieder. Infektionszahlen dann steigen die diesem ein zweites Mal in Und die Kultur wird Französischen FilmDie Jahr dicht gemacht. tten. Theater zu, tage mittendrin abgeschni hnen zu. Und wieder sie ihr Museen zu, Konzertbü Internet. Während strebt die Kultur ins et: Der Chefverzeichn Opfer erstes größeres ergischen Philharmo dirigent der Württemb abgeschnitFrancisco San nie, am Wohnort gibt auf. (akr) ten von seinem Orchester, FOTOS: KNAUER/LAN
DESMUSEUM STUTTGART
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
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CORONA-CHRONOLOGIE
Corona beherrscht 2020 den Alltag. Im März fährt das öffentliche Leben herunter, im Sommer kehrt die Normalität zurück. Seit November sind Reutlingen und die Region wieder im Lockdown. Eine Chronologie von Kaya Egenberger und Kathrin Kammerer Erste Corona-Fälle im Kreis Tübingen Die Uniklinik Tübingen bestätigt zwei Infektionen mit dem Coronavirus. Bei den Erkrankten handelt es sich um eine 24-jährige Studentin und ihren Vater, der in der Uniklinik als Oberarzt tätig ist. Die Studentin war gemeinsam mit einem Infizierten aus Göppingen in Italien. Beim Wiedersehen mit ihrem Vater hat sie diesen angesteckt. Beiden Patienten gehe es gut, teilt die Klinik einen Tag später mit.
Neuinfektionen RT: 0 / TÜ: +2
26.02.
Firmen reagieren
Dynamische Lage
• Die Burladinger Firma Trigema verkauft jetzt Masken. Sie sollen auch an die Tübinger Klinik geliefert werden. • Bosch kündigt an, seine Produktion deutschlandweit herunterzufahren. Kurzarbeit steht bevor. • Die Manz AG lässt ihren Betrieb an den Standorten Reutlingen und Tübingen sowie in Italien für drei Wochen ruhen. Betroffen sind rund 550 Mitarbeiter. Eine Minimalbesetzung bleibt bestehen. • Sportwagenbauer Porsche kündigt an, die Produktion in den Werken in Zuffenhausen und Leipzig zu stoppen. Von dem Stopp sind etwa 10 000 Mitarbeiter betroffen.
• Die Stadt Reutlingen verbietet alle Veranstaltungen mit mehr als 200 Teilnehmern. • Landrat Thomas Reumann kündigt an, dass es im Landkreis zwei Abstrichstellen geben wird, eine an der Kreuzeiche in Reutlingen und eine auf dem Schoell-Areal in Münsingen. • Corona-Verdachtsfälle können sich seit heute bei einer Drive-in-Station am Tübinger Festplatz testen lassen. • Metzingens Oberbürgermeister Ulrich Fiedler ist in Quarantäne, weil er im Risikogebiet Südtirol im Urlaub war. • Der Württembergische Fußballverband (WFV) entscheidet, den Spielbetrieb auszusetzen. Die Regelung betrifft alle Ligen unterhalb der Oberliga. Betroffen sind alle Altersklassen.
RT: +5 / TÜ: +6
RT: +5 / TÜ: +2
RT: +12 / TÜ: +27
RT: +25 / TÜ: +19
RT: 0 / TÜ: 0
10.03.
12.03.
15.03.
20.03.
22.03.
Fünf Corona-Fälle im Kreis Reutlingen Landrat Thomas Reumann gibt bei einer Pressekonferenz bekannt, dass es fünf Corona-Fälle im Kreis Reutlingen gibt: Ein 65-jähriger Mann aus Grafenberg, der Anfang März aus Südtirol zurückgekehrt ist und sich offenbar dort angesteckt hat. Außerdem eine Mutter und ihr Sohn aus Reutlingen, eine 44-Jährige aus Reutlingen sowie ein 57-jähriger Mann aus Engstingen. Alle vier Personen hatten Kontakt zu zwei Corona-Fällen aus dem Kreis Heilbronn.
Wirbel um Tübinger Unternehmen Curevac Das Tübinger Pharmaunternehmen Curevac, das an einem Impfstoff gegen das Coronavirus arbeitet, macht bundesweit Schlagzeilen. Zwischen Deutschland und den USA soll es Auseinandersetzungen geben, weil US-Präsident Donald Trump versuche, deutsche Wissenschaftler mit hohen finanziellen Zuwendungen nach Amerika zu locken oder das Medikament für sein Land zu sichern. Einen Exklusiv-Vertrag mit den USA dementiert die Firma allerdings noch am selben Tag. »Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln und nicht für einzelne Staaten«, sagt der Geschäftsführer und Mitbegründer des Hauptinvestors dievini Hopp BioTech Holding, Christof Hettich.
Bund und Länder beschließen Kontaktbeschränkungen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder einigen sich bei einer Telefonkonferenz darauf, Ansammlungen von mehr als zwei Personen grundsätzlich zu verbieten. In der Öffentlichkeit müssen Bürger außerdem einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten. Außerdem darf man draußen nur noch alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands unterwegs sein. Zu diesem Zeitpunkt sind Restaurants, Einzelhandelsgeschäfte, Freizeit- und Sporteinrichtungen sowie Friseure und Kosmetikstudios bereits geschlossen.
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CORONA-CHRONOLOGIE
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Teddy und Palmer sorgen für Aufsehen • Tübingens Oberbürgermeister Boris
Es gilt Maskenpflicht Beim Einkaufen in Läden und Einkaufszentren müssen Bürger in BadenWürttemberg seit diesem Tag einen Mund-Nase-Schutz tragen. Manche Schneider in Reutlingen können sich zu diesem Zeitpunkt vor Aufträgen kaum retten. So zu beobachten in der Burgstraße. Seit zwei Wochen bilden sich hier täglich lange Schlangen vor dem Nähstüble. Von morgens bis abends stehen die Kunden auf dem Gehweg und warten, bis sie einen Tröpfchenfänger aus Baumwolle ergattern können. Neuinfektionen RT: +20 / TÜ: +179
25.03.
Palmer sagt im Frühstücksfernsehen: »Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären.« Nach bundesweiter Kritik entschuldigt er sich. Trotzdem verlangt der Grünen-Landesverband, dass er aus der Partei austritt. Ein Ausschlussverfahren gibt es dann zwar nicht. Viele seiner lokalen Partei-Kollegen können sich trotzdem nicht vorstellen, Palmer im Jahr 2022 bei der Oberbürgermeisterwahl zu unterstützen. • Der in Mössingen aufgewachsene Comedian Tedros Teclebrhan veröffentlicht die Corona-Hymne »Deutschland isch stabil«. Das Video liegt bei Youtube in der Kategorie Trends zwischenzeitlich auf Platz eins und hat mittlerweile knapp 4,5 Millionen Klicks.
Querdenker-Demo und Bundesliga-Start • Stuttgart wird zum Zentrum der Kri-
tiker. Heute versammeln sich auf dem Cannstatter Wasen Tausende Menschen zu einer Demonstration gegen die Beschränkungen. Hinter dem Protest steht die Initiative »Querdenken« des Unternehmers Michael Ballweg. • Trotz viel Gegenwind aus der Bevölkerung rollt in der Fußball-Bundesliga wieder der Ball - ohne Fans und ohne Jubeltrauben nach Toren. Die Spiele haben eher Trainingscharakter, mit der schönsten Nebensache der Welt hat das für viele Fans nichts zu tun.
RT: +19 / TÜ: +2
RT: +12 / TÜ: +4
RT: +3/ TÜ: +3
RT: +2 / TÜ: +2
RT: +1/ TÜ: 0
27.04.
28.04.
11.05.
16.05.
18.05.
Reutlinger Hilfs-Portal geht an den Start
Antikörpertests in Tübingen
Die Corona-Krise löst in der Bevölkerung eine Welle der Solidarität aus. Auch in Reutlingen und der Region werden Nachbarschaftshilfen organisiert, auf Facebook vernetzen sich User, um Hilfsdienste zu vermitteln, Firmen und Vereine starten Aktionen zugunsten von Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiteten. Auf dem Portal abstandnehmen-zusammenstehen.de, das an diesem Tag online geht, werden viele dieser Initiativen gebündelt. Die Website ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Reutlingen, des Stadtmarketings, von „RT-Aktiv“ und der Reutlinger Gastro-Initiative.
Beim Tübinger Biotechnologie-Unternehmen Cegat gibt es seit diesem Tag Corona-Antikörpertests. Cegat hat eine Kapazität von rund 1 000 Tests pro Tag. Für die Registrierung und die Blutabnahme vor Ort wurden zehn Medizinstudenten und auch weitere Mitarbeiter neu eingestellt. An der Station auf dem Parkplatz des Unternehmens stehen zeitweise mehr als 100 Menschen Schlange.
Restaurants öffnen Ende der Durststrecke: Speisegaststätten in Baden-Württemberg dürfen im Innen- und Außenbereich wieder öffnen. Allerdings gelten strenge Hygienevorschriften. So müssen die Tische laut Corona-Verordnung »im Abstand von mindestens 1,5 Metern zueinander« angeordnet werden. Bei sommerlichen Temperaturen sind in der Reutlinger Wilhelmstraße während der Mittagszeit nicht besonders viele Tische belegt. Zögerlich zeigen sich einige Gäste auch, wenn es darum geht, ihre Kontaktdaten in Listen einzutragen.
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
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CORONA-CHRONOLOGIE
WFV-Vorschlag sorgt für Kritik
Schlägerei an Freibadkasse
Der Württembergische Fußballverband (WFV) spricht sich für eine Beendigung der unterbrochenen Saison 2019/20 aus. Alle Tabellen-Ersten sollen aufsteigen, Absteiger soll es keine geben. Auf Relegationsspiele um Auf- und Abstieg wird verzichtet. Das sorgt für großen Ärger bei den Zweitplatzierten, die sich der Chance auf den Aufstieg beraubt sehen. Die betroffenen Clubs, etwa Bezirksligist Croatia Reutlingen, Kreisliga-A-Ligist SV Degerschlacht und BLigist TSV Mähringen, schließen sich zusammen, um vor dem außerordentlichen Verbandstag für den Erhalt der Entscheidungsspiele zu kämpfen.
Die (Frei-)Bäder in der Region dürfen in diesem Jahr zwar öffnen, allerdings deutlich später als sonst und unter erschwerten Bedingungen. Es gilt eine Besucherbegrenzung und Tickets für einzelne Zeitfenster müssen online gebucht werden. Wer allerdings keinen Internet-Zugang hat, für den liegt in den ersten Sommerwochen im Reutlinger Wellenfreibad noch ein kleines Kontingent an Karten vor Ort bereit. Das führt am 21. August zu einem großen Menschenauflauf und schließlich zu einer Rangelei mit Handgreiflichkeiten. Die Polizei muss anrücken. Von diesem Tag an werden keine Karten mehr vor Ort verkauft.
Neuinfektionen RT: +1 / TÜ: 0
20.05.
Testpflicht für Reiserückkehrer Für Reiserückkehrer aus Corona-Risikogebieten gilt jetzt eine Testpflicht. Wer kein negatives Ergebnis vorweisen kann, das höchstens 48 Stunden alt ist, muss sich nach der Ankunft in Deutschland testen lassen. Die Tests sind bis zu drei Tage nach Einreise in Deutschland kostenlos. Schon seit dem 3. August ist das Testzentrum am Stuttgarter Flughafen in Betrieb. Ende August bilanzieren die Landkreise Reutlingen und Tübingen, dass fast alle neuen Corona-Fälle Reiserückkehrer sind. Sie kommen vor allem aus Balkan-Ländern und Spanien.
RT: 0 / TÜ: 0
RT: +1 / TÜ: +1
RT: 0 / TÜ: 0
RT: +8 / TÜ: +6
RT: +8 / TÜ: +5
02.06.
01.07.
08.08.
21.08.
12.09.
Abschluss-Prüfungen in der Turnhalle 448 Schüler an fünf Gymnasien in Reutlingen stecken mitten in den Abiturprüfungen. An diesem Tag steht Deutsch auf dem Programm. Auch für 328 Realschüler in Reutlingen beginnen die Abschlussprüfungen. Damit die Abstandsregeln eingehalten werden können, müssen die Schüler in Turnhallen ausweichen.
Lockerungen und eine Studie • Seit diesem Tag gelten neue Corona-
Regeln in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens in Baden-Württemberg. Unter anderem dürfen sich nun wieder 20 Personen in der Öffentlichkeit treffen, statt wie bislang nur 10. Auch im Bereich Sport gibt es neue Regeln: Fußball und andere Kontaktsportarten sind nun ohne Abstandsregeln möglich, bei Sportwettkämpfen sind vorerst wieder 100 Zuschauer erlaubt. • Die bundesweit angelegte Antikörperstudie des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Reutlingen startet. Rund 3 000 zufällig ausgewählte Reutlinger lassen sich auf Antikörper gegen das Coronavirus testen. Das Helmholtz-Zentrum testet noch in acht weiteren Kommunen.
Corona-Party in Dettingen Bei einer privaten Geburtstagsfeier in Dettingen mit 33 Teilnehmern stecken sich an diesem Tag 14 Personen mit dem Coronavirus an. Das gibt das Reutlinger Landratsamt eine Woche später bei einer Pressekonferenz bekannt. Insgesamt müssen sich in den folgenden Tagen an mehreren Schulen im Ermstal mehr als 350 Kontaktpersonen der Kategorie I in Quarantäne begeben. Außerdem sind vier Fußballvereine mit mehr als 70 Kontaktpersonen der Kategorie II betroffen.
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CORONA-CHRONOLOGIE
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
In Deutschland gilt der „Lockdown light“
Seit heute sind Soldaten der Bundeswehr im Landkreis Reutlingen im Einsatz. Sie helfen im Landratsamt bei der Nachverfolgung der Kontaktpersonen. Der Kreis gilt seit drei Tagen als Corona-Risikogebiet, nachdem die Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche überschritten wurde. Mit den wieder steigenden Fallzahlen ist auch die Nachverfolgung der Kontakte deutlich schwieriger geworden.
Neuinfektionen RT: +37 / TÜ: +17
20.10.
Ausgangsbeschränkungen im Land, Reutlingen ist Hotspot •
Seit heute gelten Ausgangsbeschränkungen in Baden-Württemberg. Nachts, von 20 bis 5 Uhr, darf nur noch das Haus verlassen, wer einen triftigen Grund hat. Einen Tag später einigen sich die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten auf einen harten Lockdown. Vom 16. Dezember an müssen alle Einzelhandelsgeschäfte schließen, die nicht den täglichen Bedarf decken. Auch Schulen und Kitas im Südwesten müssen wieder zumachen. • Am Abend zuvor überschreitet der Landkreis Reutlingen zum ersten Mal die 200er-Inzidenz. Per neuer Definition gilt der Kreis jetzt wieder als Hotspot.
RT: +74 / TÜ: +68
RT: +28 / TÜ: +42
RT: +108 / TÜ: +32
RT: +82 / TÜ: +69
29.10.
02.11.
19.11.
12.12.
Brief, Klage und Ende der Area14 • Für gastronomische Betriebe gilt in
Corona-Hotspots von 23 bis 6 Uhr eine Sperrstunde. Die Klage der Reutlinger Gastronomen dagegen wird an diesem Tag vom Verwaltungsgericht Sigmaringen zurückgewiesen. • Die Corona-Pandemie hat der Area14 in Reutlingen den Todesstoß versetzt. Es wird bekannt, dass die Großraumdiskothek nie mehr öffnen wird. • 35 (Ober-)Bürgermeister aus BadenWürttemberg wenden sich mit einem Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Darunter Thomas Keck (Reutlingen), Boris Palmer (Tübingen), Ulrich Fiedler (Metzingen) und Michael Bulander (Mössingen). Sie sprechen sich gegen einen pauschalen Lockdown für Kultur und Gastronomie aus.
Ausblick
Fawzi Haimor verlässt die WPR Chefdirigent Fawzi Haimor verlässt die Württembergische Philharmonie Reutlingen (WPR) mit sofortiger Wirkung. „Schweren Herzens“ habe er sich zu diesem Schritt entschlossen, erklärt er. Sein Vertrag wäre noch bis zum Ende der Spielzeit 2023/24 gelaufen. »Doch aufgrund der weltweiten Pandemie und der mir dadurch auferlegten Zwangspause, glaube ich, dass es für das Fortkommen und die Vorausplanung des Orchesters das Beste ist, wenn ich diesen Schritt gehe«, sagt Haimor zu seinem vorzeitigen Abschied.
Ausblick • Mit Spannung wird der 5. Januar er-
wartet. An diesem Tag treffen sich Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten, um darüber zu beraten, wie es vom 11. Januar an weitergehen soll. • Anfang 2021 ist die Öffnung des großen Impfzentrums in Tübingen in der Paul-Horn-Arena geplant. Es soll 15 Stunden täglich geöffnet sein, rund 2 300 Menschen sollen hier jeden Tag gegen Corona geimpft werden. • Das Impfzentrum im Kreis Reutlingen im Kreuzeiche-Stadion soll am 15. Januar in Betrieb gehen. Alles rund um das Coronavirus erfahren Sie weiterhin in unserem LiveTicker: www.gea.de/coronavirus
Fotos: Kathrin Kammerer; Stanislav Schitz; Frank Pieth; Jürgen Lippert; dpa
Bundeswehr im Einsatz in Reutlingen
Die Infektionszahlen sind weiter gestiegen, deshalb gilt seit heute der sogenannte „Lockdown light“. Die Kontakte werden wieder beschränkt: Der Aufenthalt in der Öffentlichkeit ist nur mit Personen aus einem weiteren Haushalt erlaubt. Außerdem werden Gaststätten, Kunst- und Kultureinrichtungen wieder geschlossen, ebenso Fitness- und Kosmetikstudios. Am Sonntag davor veröffentlichen Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, Klinikdirektor Michael Bamberg und Notärztin Lisa Federle den „Tübinger Appell“: Ältere Menschen werden unter anderem gebeten, den Bus zu meiden und auf extra bereitgestellte Taxis umzusteigen.
WELTGESCHEHEN
Nothilfen, CDU-Machtkampf und US-Wahl Die Corona-Pandemie bestimmte in Deutschland die politische Agenda. Die gigantischen Konjunktur- und Hilfspakete, die Spitzenrunden im Kanzleramt, bei denen es um Lockdowns ging, die Entscheidung im Dreikampf um die CDU-Spitze, die schließlich wegen des Corona-Virus mehrfach verschoben werden musste, Randale und Proteste von CoronaKritikern und -Leugnern, die in verschiedenen Städten ausarteten, hielten Politik und Polizei in Atem. Mit dem Virus rückten Virologen und das Robert Koch-Institut ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Wissenschaftler aus Deutschland gewannen Nobelpreise und deutsche
Unternehmen waren bei der Entwicklung von Corona-Impfstoffen ganz vorn dabei. In einigen Staaten wie Italien, Spanien oder den USA wütete das Virus ganz besonders. Parallel dazu ging es in den USA um den nächsten US-Präsidenten. Der demokratische Kandidat Joe Biden triumphierte über den umstrittenen Amtsinhaber Donald Trump, der sich weigerte, den Sieg des Konkurrenten anzuerkennen. Der gewaltfreie Aufstand der Menschen gegen den belarussischen Diktator und der kurze, aber heftige Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien um Berg-Karabach waren weitere wichtige Ereignisse. (jr) FOTOS: DPA
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POLITIK INLAND
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Deutschland fährt runter
Leugner und Querdenker BERLIN. Nicht jeder, der Kritik am Umgang mit dem Corona-Virus übt, ist ein Corona-Leugner oder Spinner. Die wenigsten, die bei den »Querdenkern« mitdemonstrieren, sind Extremisten. Doch es gibt regelrechte Leugner und Menschen, die völlig abstrusen Verschwörungstheorien anhängen. »Professionelle« Corona-Leugner, die sich absichtlich nicht an die AHA-Regeln halten, werden zum Jahresende in Sachsen zumindest mitverantwortlich gemacht für die explosionsartige Zunahme der Fallzahlen. Im Laufe des Jahres kam es zu etlichen – manches Mal auch gewalttätigen – Kundgebungen sowie Gegendemos. Einige Teilnehmer versuchten, in den Reichstag einzudringen, andere schafften es mit AfD-Hilfe. (jr)
Demo-Teilnehmer auf den Stufen zum Reichstagsgebäude. FOTO: ABBOUD/DPA
Pandemie – Lockdown, beispiellose Hilfspakete und Impfstoffe VON JÜRGEN RAHMIG BERLIN. Ein Jahr im Zeichen des Corona-Virus. Mit der ersten bestätigten Infektion in Deutschland Ende Januar ging es hierzulande los. Einen Monat später gab es auch erste Fälle in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg und erste Todesfälle dann Anfang März. Im Frühjahr kommt es zu Grenzkontrollen, ersten Fabrikschließungen, zu Diskussionen, wie es mit dem Schulbetrieb weitergehen soll, die das ganze Jahr über andauern. Schließlich fährt ganz Deutschland im harten Lockdown runter und scheint den Atem anzuhalten. Tatsächlich verbessern sich die Zahlen, im Mai wird wieder gelockert. Es wird in Massen auf Corona getestet, die Gesundheitsämter versuchen nachzuverfolgen. Im Juni wird eine Warn-App eingeführt. Die Urlaubszeit beginnt und die Frage stellt sich: »Wer darf noch wohin fahren und was passiert nach der Rückkehr? Ein bislang nicht gekanntes Exekutiv-Gremium aus Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten der Länder ordnet auf der Grundlage des im Laufe des Jahres geänderten Infektionsschutzgesetzes Maßnahmen an. Von einem einheitlichen Vorgehen kann nur selten
Besonders hart treffen die Lockdowns die Gastronomie und das Hotelgewerbe. FOTO: ZINKEN/DPA die Rede sein. Bayerns Ministerpräsident Söder spielt den »Vordenker«, der meint, den anderen sagen zu müssen, wie es richtig gemacht wird. Dabei steht Bayern – was die Pandemiezahlen angeht – bis heute mit am schlechtesten da. Kein Wunder, dass im Laufe des Jahres die Kritik an dem Gremium und am uneinheitlichen Vorgehen und den Maßnahmen überhaupt zunimmt.
Die Bundesregierung versucht, mit finanziell beispiellosen Maßnahmenpaketen Arbeitsplätze zu erhalten und die Wirtschaft zu stützen. Dazu gehört die befristete Senkung der Mehrwertsteuer. Schließlich werden Millionen von Euro in die Impfstoff-Forschung investiert – mit Erfolg. Zum Jahresende laufen die Vorbereitungen für die ersten Immunisierungen. (GEA)
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POLITIK INLAND
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Einheitsfeiern zum 30-Jährigen
Die Bewerber um den Partei-Vorsitz (von links): Friedrich Merz, Norbert Röttgen und Armin Laschet. FOTOS: FISCHER/KAPPELER/GABBERT/DPA
BERLIN. Auch 30 Jahre nach dem historischen Ereignis bleibt die Deutsche Einheit eine Unvollendete. Nach wie vor gibt es nicht nur mentale Unterschiede zwischen Ost und West, doch sie verblassen. An das Ereignis am 3. Oktober 1990 wird jedes Jahr an diesem Tag erinnert. Eine Million Menschen feierte in Berlin. An diesem Tag war die DDR nach 41 Jahren Geschichte.
Der verschobene Machtkampf Partei – Die CDU ist auf der Suche nach einem neuen Vorsitzenden VON KARIN KIEFHABER
BERLIN. Lange schwelte der Unmut über die Führungsschwäche von Annegret Kramp-Karrenbauer, kurz AKK, in der CDU. Konservative und Kräfte der Mitte drifteten immer weiter auseinander. Das Wahldebakel in Thüringen, in dem die CDU mit der AfD den FDP-Mann Kemmerich zum Ministerpräsidenten wählte, brachte schließlich das Fass zum Überlaufen. Kramp-Karrenbauer erklärte am 10. Februar ihren Rücktritt von der CDU-Spitze. Bald schon meldeten drei Männer Anspruch auf das Amt
an. Der ehemalige Fraktionschef Friedrich Merz, der noch im Jahr 2018 gegen AKK im Kampf um die Parteispitze verloren hatte, wurde besonders von konservativen Hardlinern und in der Jungen Union unterstützt. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der im Tandem mit Gesundheitsminister Jens Spahn antritt, war der einzige der Bewerber mit Regierungserfahrung. Er gilt als derjenige, der die Politik Merkels wohl am ehesten fortschreiben würde. Dem Dritten im Bunde, Außenpolitiker Norbert Röttgen, wurden lediglich Außenseiterchancen eingeräumt.
Zuerst schien es so, als würde das Rennen recht schnell beim Bundesparteitag der CDU im April 2020 entschieden. Doch dann kam Corona. Der Parteitag wurde erst in den Dezember verschoben. Schließlich, nach mehreren Krisensitzungen, bei denen Friedrich Merz dem CDU-Vorstand Parteilichkeit zugunsten Laschets vorwarf, entschied man sich, erst im Januar 2021 einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Ob digital oder in Präsenz ist noch unklar. Doch die Zeit drängt. Vermutlich dürfte der neue Parteichef auch Kanzlerkandidat werden. (GEA)
Die Menschen feiern in Berlin die Wiedervereinigung.
FOTO: CARSTENSEN/DPA
Die von Kanzler Kohl versprochenen »blühenden Landschaften« erwuchsen mit einiger Verspätung. Inzwischen aber, sagt der erste frei gewählte und zugleich letzte DDRMinisterpräsident Lothar de Maizière, gebe es gute Gründe, stolz zu sein – auf eine moderne Infrastruktur, sanierte Städte und Dörfer oder auch kulturelle Institutionen. (jr)
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POLITIK INLAND
Die AfD und ihr rechter Flügel BERLIN. Die AfD gerät in schwieriges Fahrwasser. Schuld daran ist nicht nur das Corona-Virus, das sie als Oppositionspartei weitgehend zur Tatenlosigkeit verdammt. Es ist vor allem die Beschäftigung mit sich selbst. Die AfD hat ein Problem mit dem »völkischen« Flügel um den Thüringer Parteichef Björn Höcke. Als der Verfassungsschutz diesen rechten Flügel zum Beobachtungsfall hochstuft, läuten bei Jörg Meuthen in der AfD-Chefetage die Alarmglocken. Die Partei ist nervös, moderatere Mitglieder wollen nicht zusammen mit Höcke und seinen extremen Rechten um Andreas Kalbitz unter einen Hut gesteckt werden. Meuthen will den Flügel auflösen lassen, scheitert aber. Der Dreikampf zwischen Meuthen, anderen Vorstandsmitgliedern der Partei, und dem Flügel selbst zieht sich hin. Der Flügel löst sich selbst auf – oder doch nicht? Im Gegenzug versuchen die AfD-Ultras, in Niedersachsen und anderswo in die Vorstände gewählt zu werden. Auf dem Präsenzparteitag Ende des Jahres wird die Gefahr einer Spaltung nicht ausgeräumt. (jr)
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Thüringer »Dammbruch«
Landtag – AfD wählt FDP-Mann zum Ministerpräsidenten VON KARIN KIEFHABER ERFURT. Ein »Dammbruch« erhitzte Anfang Februar die Gemüter der Bundesrepublik: Am 5. Februar ließ sich der Thüringer FDP-Vorsitzende Thomas Kemmerich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten in Erfurt wählen. Ein Tabubruch, der am Ende nicht nur ihn den Posten kostet. Dem vorausgegangen war die Thüringer Landtagswahl im Oktober 2019, die eine Koalitionsbildung in den üblichen Konstellationen unmöglich machte. Mit der AfD, der zweitstärksten Kraft im Parlament, wollte keine der anderen Fraktionen im Thüringer Landtag in Verhandlungen treten. So beschloss der Wahlgewinner und amtierende Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), die bisherige rotrot-grüne Koalition als Minderheitsregierung fortzuführen und hoffte auf Duldung der CDU. Bei der Wahl im Landtag konnte Ramelow in den ersten beiden Wahlgängen jedoch nicht die nötigen Stimmen erreichen. Daraufhin stellte die Thüringer FDP Thomas Kemmerich als bürgerliche Alternative zur Wahl. Womit die Liberalen nicht gerechnet hatten: Die AfD-Abgeordneten stimmten im dritten Wahlgang
Björn Höcke (AfD, rechts) gratuliert Thomas Kemmerich (FDP) zu seiner Wahl. FOTO: SCHACKOW/DPA nicht für ihren eigenen Kandidaten, sondern geschlossen für Kemmerich. Bundespolitisch schlug das hohe Wellen. Einige Politiker etwa aus der konservativen Werte-Union und der FDP begrüßten die Wahl Kemmerichs. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundeskanzlerin Angela Merkel, sowie SPD, Grüne und die Linke sahen in der Wahl Kemmerichs einen »unverzeihlichen« Vorgang und forderten seinen Rücktritt. Am 8. Februar folgte Kemmerich diesem Wunsch, der schließlich auch von FDP-Chef Lindner geäußert wurde.
Nicht nur Kemmerich verlor seinen Posten. Der Thüringer CDU-Vorsitzende Mike Mohring, der nicht verhindert hatte, dass seine Partei zusammen mit der AfD für Kemmerich stimmte, gab sein Amt ebenso auf wie die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer. Zwar bezog sie sich bei ihrer Rücktritts-Ankündigung nicht direkt auf den Vorgang in Thüringen. Dennoch wurde ihr angelastet, die Partei nicht im Griff zu haben. Am 4. März 2020 wurde Bodo Ramelow schließlich doch zum Ministerpräsidenten gewählt. 2021 soll aber neu gewählt werden. (GEA)
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
POLITIK INLAND
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Die SPD kann noch gewinnen
Schöner Protest: Eine Frau demonstriert in Freiburg für Klimaschutz.
FOTO: SEEGER/DPA
Frischer Wind beim Klima
HAMBURG. Die SPD kann doch noch gewinnen. Bei den Hamburg-Wahlen im Februar erlebt sie ein kleines Zwischenhoch. Der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher kann zusammen mit den Grünen weiterregieren, obwohl die SPD bei ihrem Sieg Verluste hinnehmen musste. So gibt es zwei Wahlsieger, denn die Grünen können ihr Ergebnis der letzten Bürgerschaftswahlen nahezu verdoppeln auf über 24 Prozent.
Umweltschutz – Mit der Klimaliste entsteht eine neue Partei VON DAVOR CVRLJE
BERLIN. In Deutschland reden alle Politiker immer wieder vom Klimaschutz und beteuern, wie wichtig Umweltschutz sei und dass es sich um ein zentrales Zukunftsthema handle. Doch im Jahr 2020 ist das Thema in den Hintergrund gerückt. Das lag daran, dass 2020 ein Krisenjahr war. Es ging um Corona, Hilfspakete und um einen US-Präsidenten, der die gesamte Weltordnung durcheinanderwarf und sich dabei nicht um die Umweltpolitik kümmerte. In Deutschland sind es vor allem junge Menschen, Stu-
denten und die Anhänger der Grünen, die weiterhin an die Forderungen nach einem besseren Schutz der Umwelt erinnern. Das äußert sich in einzelnen Protestveranstaltungen gegen die Rodung von Wäldern oder gegen den Erhalt von Kohlekraftwerken. Aber das große Echo wie bei der Fridays-for-Future-Bewegung bleibt aus. Für die Bevölkerungsmehrheit steht die Coronakrise im Mittelpunkt. Dass Bundestag und Bundesrat am 7. Juli eine epochale Entscheidung trafen und den schrittweisen Ausstieg aus der Kohle beschlossen haben, findet in der Öffentlichkeit nicht
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die Beachtung, die das Thema verdient. Dabei geht es um sehr viel Geld. Um Verwerfungen abzufedern, hilft der Staat mit einer großzügigen Förderung. Das Hilfspaket umfasst 40 Milliarden Euro. Damit will der Staat die Folgen des Strukturwandels in den betroffenen Bundesländern lindern. Gerade weil die Klimadebatte in den Hintergrund rückte, konnte fast unbemerkt eine neue Partei in Deutschland entstehen. Sie nennt sich Klimaliste und will radikal für Umweltschutz kämpfen. Genau das, was viele dieser Aktivisten den Grünen nicht mehr zutrauen. (GEA)
Tschentscher bleibt Bürgermeister. FOTO: HEIMKEN/DPA Schaurig ist dagegen das Ergebnis für die CDU mit 11 Prozent. Es ist das bislang schlechteste Abschneiden in der Elbestadt. Die FDP und die AfD rutschen nach dem politischen Chaos im Anschluss an die Wahl in Thüringen wenige Tage zuvor gerade noch so in die Hamburger Bürgerschaft. (jr)
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POLITIK INLAND
Mit Wumms SPD – Partei legt sich auf Olaf Scholz fest
BERLIN. Während sich in der CDU noch drei Männer über der Frage beharken, wer erst Parteichef und dann Kanzlerkandidat wird, macht die SPD Nägel mit Köpfen. Am 10. August nominiert der Parteivorstand GroKo-Finanzminister Olaf Scholz als Kanzlerkandidaten. Die Partei geht als Frühbucher ins Rennen ums Kanzleramt – allerdings reicht es in Umfragen auch im kurzfristigen Scholz-Hoch nicht zu einer linken Mehrheit mit Grünen, SPD und Linken. Das Verhältnis von Partei und Kandidat ist nicht frei von Spannungen. Im Vorjahr war Scholz beim Mitgliedervotum über den Parteivorsitz den GroKo-Kritikern Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans unterlegen. Die beiden gratulierten zwar artig, machten aber auch sofort klar, wer ihrer Meinung nach die Zügel in der Hand hält. Ein Kanzlerkandidat könne nicht einfach seine Agenda durchdrücken, gab Walter-Borjans Olaf dem 62Jährigen mit auf den Weg. Als Finanzminister hat Scholz an Beliebtheit zugelegt. Das ist seiner Corona-Politik und der Wortwahl geschuldet. Erst griff er in der Coronakrise zur Unterstützung der Wirtschaft zur »Bazooka«, es folgte das Hilfsprogramm mit »Wumms«. (sel)
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Grüne sehen schwarz
Regieren – CDU als Partner im Bund? Die Ökos und die Machtfrage VON BRIGITTE GISEL BERLIN. Für die Jobverteilung zwischen Rot und Grün in der Bundesregierung hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eine klare Vorstellung: Der Größere ist Koch, der Kleinere Kellner. Das war 1998. Heute kellnert die SPD, die CDU kocht – und die Grünen erwägen, bei der nächsten Bundestagswahl im September 2021 Robert Habeck oder Annalena Baerbock ins Rennen um den Job als Küchenchef zu schicken. Umfragen geben zum Jahresende eine grüne Kanzlerschaft nicht her, die Öko-Partei liegt mit 20 Prozent rund 17 Prozentpunkte hinter der CDU. Andererseits sind die Schwarzen für Habeck und Baerbock die einzige Machtoption. Grün-Rot-Rot hätte selbst mathematisch kaum Aussicht auf Erfolg. Ob die FDP überhaupt wieder Zünglein an der Waage spielen darf, ist noch ungewiss. Also sehen die Grünen schwarz, wenn sie in ihre politische Zukunft schauen. Schwarz-grün auf Bundesebene ist eine mögliche Option geworden, schon bevor die Grünen sich in ihrem neuen Grundsatzprogramm Richtung politischer Mitte orientierten und den Willen zur
Seht her, wir sind doch keine Bürgerschrecks: Auf ihrem virtuellen Parteitag gaben sich die Grünen-Chefs Robert Habeck und Annalena Baerbock betont bürgerlich. FOTO: NIETFELD/DPA Macht samt Anspruch auf das Kanzleramt bekundeten. Wie realistisch eine Regierungsbeteiligung ist, hängt unter anderem davon ab, wer künftig an der Spitze der Union stehen wird. Armin Laschet und Norbert Röttgen – beide Kandidaten vom eher liberalen Flügel – sehen die Grünen mehr als Gegner denn als Partner. Allein Friedrich Merz ließ schon früh Sympathien für Schwarz-Grün erkennen. CSU-Guru Markus Söder wiederum ist mit Grünen-Chef Habeck inzwischen
so vertraut, dass dieser ihn liebevoll »Kamel, im positiven Sinn«, nennen darf. Dabei ist für die Grünen das Liebäugeln mit der Union im Bund durchaus riskant. Bei Klimaschutz, Sicherheitspolitik und Migration liegen die beiden Parteien auseinander. Die linke Stammwählerschaft ist überdies nicht überall so flexibel wie in Baden-Württemberg. Hinzu kommt, dass bereits ein leichtes Wanken der CDU im Abgrenzungskurs gegenüber der AfD die Grünen in Nöte bringen könnte. (GEA)
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DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
POLITIK INLAND
Gewalt von rechtsaußen
Polizei-Chats im Visier
Extremismus – Kabinett beschließt Maßnahmen-Paket
Rechts – Affäre um
VON OLIVER JIROSCH
HANAU. Wenn Rassismus, Hass und Wahn zusammentreffen. Zehn Menschen hat Tobias Rathjen im Februar in Hanau erschossen. Wahllos. In Kneipen und Restaurants. Dann fährt er nach Hause, tötet seine pflegebedürftige Mutter. Zum Schluss sich selbst. Die Opfer in den Lokalen hatten allesamt einen Migrationshintergrund. Entsetzen und Anteilnahme machen sich in Hanau breit. Kanzlerin Angela Merkel betrachte es nüchtern. »Rassismus ist ein Gift«, sagt sie. Im Internet hatte der 43-jährige Attentäter geschwafelt, wer nicht reinrassig sei, gehöre ausgelöscht. Rechtsextremistische, rassistische Anschläge sind in Deutschland keine Seltenheit mehr. Nur wenige Monate zuvor hatte ein Rechtsextremist versucht, schwer bewaffnet in eine Synagoge einzudringen. Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke geht auch auf das Konto eines Rechtsextremisten. Der Prozess gegen Stephan Ernst dauert noch an. Anfang Oktober, kurz vor dem Jahrestag des Anschlags von Halle, griff ein Mann in Hamburg mit einem Klappspaten einen Studenten an,
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die KSK-Einheit
Trauer in Hanau. Neun Menschen mit Migrationshintergrund wurden hier von einem Rechtsextremisten getötet. FOTO: ARMER/DPA der eine Kippa trug und gerade aus einer Synagoge kam. Der junge Mann erlitt erhebliche Kopfverletzungen. Unter dem Eindruck all dieser erschütternden Ereignisse hat das Kabinett im November ein umfassendes Maßnahmen-Paket für den Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus beschlossen. Ziel der 89 Einzelmaßnahmen sei
es, »unsere wehrhafte Demokratie zu stärken«, wie Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) erklärte. Zum Paket gehört die Absicht, den Begriff »Rasse« im Grundgesetz zu ersetzen. Außerdem sollen unter anderem die sogenannten Feindeslisten, auf denen Rechtsextreme ihre Gegner aufführen, als Straftat geahndet werden. (GEA)
WIESBADEN/CALW. Paukenschlag bei der hessischen Polizei: Mitte des Jahres tritt Landespolizeipräsident Udo Münch zurück. Er übernimmt die Verantwortung in der Affäre um rechtsextreme Drohmails. Die Adressen der Opfer stammten aus Polizeicomputern und die Briefe waren mit »NSU 2.0« gezeichnet. Um rechtsextreme Chatgruppen bei der Polizei geht es im September in Nordrhein-Westfalen, dann auch in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Bei einem Oberstabsfeldwebel des Kommandos Spezialkräfte KSK werden im Mai im heimischen Garten Munition und Sprengstoff gefunden. Die KSK-Affäre kommt ins Rollen, denn ein KSKHauptmann schreibt einen Brief an Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer und prangert rechtsextreme Tendenzen bei der Elitetruppe an. Die Verteidigungsministerin forderte Konsequenzen, damit solches künftig ausgeschlossen wird. Denn es fehlen auch 62 Kilogramm Sprengstoff und Zehntausende Schuss Munition. Eine Einheit wird aufgelöst, die Truppe umstrukturiert. Die KSK bleibt vorerst erhalten. (jr)
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DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Unruhen nach Floyds Tod USA – »Black Lives
Matter«-Proteste
MINNEAPOLIS. Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd im Mai 2020 in Minneapolis (USStaat Minnesota) durch einen Polizisten kam es in den USA zu Massenprotesten. Nach Plünderungen und Bränden ließ US-Präsident Trump die Nationalgarde auffahren. Mit dem Bekanntwerden weiterer Gewalttätigkeiten gegen Schwarze organisierte die »Black Lives Matter«Bewegung Proteste, die nach Europa, Asien und Australien übergriffen. Die Menschen forderten Gerechtigkeit. Schließlich wurden in vielen Städten Statuen von Personen beschädigt, die irgendwie mit Rassismus in Verbindung gebracht werden konnten. (jr)
Protestmarsch im kanadischen Toronto. FOTO: GUNN/DPA
Joe Biden ist der designierte US-Präsident.
FOTO: KASTER/DPA
Großes Zittern bis zuletzt
USA – Biden schlägt Trump und wird nächster US-Präsident VON JÜRGEN RAHMIG WASHINGTON. Am Ende kam es wie erwartet – oder von vielen erhofft: Der umstrittene US-Präsident Donald Trump hat die Präsidentschaftswahlen gegen den demokratischen Herausforderer Joe Biden verloren, die Niederlage aber nicht eingestehen wollen. Er hatte schon im Vorfeld behauptet, wenn er nicht siegt, dann liege das an Wahlbetrug. Doch zum Jahresende stand Biden letztlich als deutlicher Sieger fest. Zusammen mit Kamala Harris, der dann
ersten Vizepräsidentin, stellte der 78-Jährige sein Regierungsteam zusammen. Der Wahl vorausgegangen war ein unappetitlicher Wahlkampf, in dem es vor allem Trump nicht um Sachthemen, sondern um die Beschimpfung und Beleidigung des Gegners ging. Am Ende waren es wohl mehrere Faktoren, die die Wähler zugunsten von Biden entscheiden ließen. Er gilt als regierungserfahren, er hat mit Harris eine gute Wahl getroffen, er gilt als liberal und einer, der auch zuhören kann. Sein Manko war vor allem sein
hohes Alter. Am Ende wählten ihn viele vor allem deshalb, weil sie weitere vier TrumpJahre verhindern wollten. Für Biden geht es nun darum, die Coronakrise in den Griff zu bekommen und ein zutiefst gespaltenes Land wieder mit sich zu versöhnen. In Europa und auch in China ist man über den Ausgang der Wahl hocherfreut. Die Europäer können wieder mit mehr Kooperation und Einfluss rechnen. Peking wiederum hofft, dass der Handelsstreit mit den USA an Schärfe verliert. (GEA)
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DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
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Parallele zum Fall Soleimani
Die Wucht der Explosion hat den Beiruter Hafen und Teile der Stadt zerstört.
FOTO: AMMAR/DPA
Wie eine Atombombe
Nahost – Libanesen wütend: Schlamperei, Korruption, Unfähigkeit VON JÜRGEN RAHMIG
BEIRUT. Wenige Sekunden haben am 4. August in der libanesischen Hauptstadt alles verändert und in Beirut ähnliche Zerstörungen angerichtet wie der 15-jährige Bürgerkrieg in den 70er- und 80er-Jahren. 191 Menschen kamen ums Leben, über 6 000 wurden verletzt, als im Hafen 2 750 Tonnen Ammoniumnitrat mit der Wucht einer Atombombe explodierten. Die Chemikalie wird vor allem in Düngemitteln verwendet. 300 000 Menschen waren von einem Augenblick auf den anderen obdachlos. Mehr als 9 000 Gebäude wurden völlig oder teilweise zerstört. Die
überholte politische Proporzsystem der Minderheiten im Libanon. Der Krieg im Nachbarland Syrien und die Wut der Libanesen könnten den Zedernstaat wieder in einen Bürgerkrieg hineinrutschen lassen. Das Ammoniumnitrat lagerte schon seit 2013 ohne besondere Absicherung in einem Lagerhaus im Hafen. Es war mit einem havarierten russischen Frachtschiff dorthin gelangt. Die Fracht wurde in die Hallen verbracht und mehr oder weniger vergessen. Obwohl Zollbeamte mehrfach darauf hinwiesen, dass die Chemikalie entsorgt werden sollte, geschah nichts – bis zum 4. August. (GEA)
Schäden gehen in die Milliarden. Die meisten Betroffenen können ihre Häuser nicht mehr instand setzen. Dazu fehlt ihnen das Geld. Der Libanon befindet sich mitten in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Arbeitslosigkeit wächst rasant und überall greift Armut um sich. Dazu kommt die lähmende und belastende Coronakrise. Die Wut der Libanesen auf ihre korrupte Elite ist riesengroß, das Vertrauen in die Politik ganz verloren gegangen. Die Libanesen verurteilen das Versagen der Staatsführung und schimpfen auf die verantwortungslosen Eliten, die sich am Staat bereichern. Mitverantwortlich ist das
TEHERAN. Der iranische Atomwissenschaftler Mohsen Fakhrizadeh leitete das militärische Atomprogramm des Irans. Ende November kam er bei einem Anschlag, der Israel zugeschrieben wird, ums Leben. Der Fall erinnert an den des Generals der Revolutionsgarden, Kassem Soleimani, der zu Jahresbeginn mit einer US-Drohne getötet worden war. Es kam zu Reaktionen, in deren Verlauf eine ukrainische Passagiermaschine mit 176 Menschen an Bord vom Iran versehentlich abgeschossen wurde. Im November gab es Spekulationen, der scheidende US-Präsident plane einen Schlag gegen den Iran, während dessen Führung darauf baut, sich mit dem neuen Präsidenten relativ schnell wieder über das Atomabkommen einigen zu können. (jr)
General Kassem Soleimani.
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POLITIK AUSLAND
Diktator unter Druck MINSK. Alexander Lukaschenko regiert seit 26 Jahren in Belarus. Er gilt als letzter Diktator Europas. Seine Wiederwahl geriet zur Farce. Mögliche Konkurrenten wurden ins Gefängnis gesteckt. Doch im Gegensatz zu früher meldeten einzelne Wahlkommissionen in Minsk, dass bei ihnen Swetlana Tichanowskaja haushoch gewonnen habe, die als Einzige neben Lukaschenko zur Wahl zugelassen war. Die Menschen gingen auf die Straße und protestierten, obwohl das Regime gegen sie vorging. Tichanowskaja flüchtete nach Litauen. Die Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa, die Tichanowskaja unterstützte, blieb mutig im Land. Sie wehrte sich gegen eine Abschiebung und sitzt seitdem in Haft. (jr)
Mutig: Maria Kolesnikowa.
FOTO: LOVETSKY/DPA
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Schleichendes Gift
Kremlkritiker – Alexej Nawalny wird in Deutschland gerettet VON JÜRGEN RAHMIG BERLIN/MOSKAU. Der Fall des russischen Menschenrechtlers und Oppositionellen Alexej Nawalny wurde zum Ausgangspunkt eines heftigen diplomatischen Gefechts zwischen Deutschland und Russland. Moskau wirft Berlin eine politische Intrige vor. Nawalny war am 20. August in Sibirien Opfer eines Giftanschlages mit dem Nowitschok-Nervenkampfstoff geworden. Er wurde in eine Klinik eingeliefert und in ein künstliches Koma versetzt. Die Erklärungen der Ärzte über mögliche Ursachen und die Behandlung waren widersprüchlich. Eine allgemein vermutete Vergiftung schlossen sie aber aus. Kanzlerin Merkel bot an, Nawalny in Deutschland behandeln zu lassen. Tatsächlich ließ Moskau es zu, dass er ausgeflogen werden konnte. An der Berliner Charité deuteten erste Befunde auf eine Vergiftung hin. Russland wies jede Verantwortung für den Anschlag von sich. Als ein Speziallabor der Bundeswehr Anfang September einwandfrei feststellte, dass Nawalny tatsächlich mit Nowitschok getötet werden sollte, forderte Berlin die russische Regierung auf, sich zu den Untersuchungsergebnis-
Kremlkritiker Alexej Nawalny sollte vergiftet werden, überlebte aber, weil er in Deutschland behandelt wurde. FOTO: GOLOVKIN/DPA sen zu erklären. Der russische Botschafter wurde einbestellt. Im Fall Nawalny wollte es die EU nun mitten in der Coronakrise richtig krachen lassen. Besonders Außenminister Heiko Maas forderte eine harte Reaktion. Die Sanktionen waren aber halbherzig und betrafen nur einige Personen. In Moskau war man dennoch erbost.
Die Bundesregierung informierte die EU, Nato und die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW). Nawalny selbst erholte sich zusehends und verließ am 22. September das Krankenhaus. Wer tatsächlich hinter dem Anschlag steckte, wer die Drahtzieher und wer die Ausführenden waren, wird wohl im Dunkeln bleiben. (GEA)
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DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
POLITIK AUSLAND
Moria wird zum Fanal
Feuer – EU-Flüchtlingspolitik gescheitert. Weitere Elendslager VON JÜRGEN RAHMIG
ATHEN. Die EU-Flüchtlingspolitik hat mit dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ihr Fanal erlebt. Mehrere Brände hatten Anfang September große Teile des griechischen Flüchtlingslagers Moria zerstört. Wie es weitergehen sollte, war unklar. Manche Lagerbewohner sprachen von Brandstiftung der Inselbewohner, die die Flüchtlinge endlich wieder loswerden wollten. Wahrscheinlicher waren Vermutungen, dass Flüchtlinge selbst das Feuer im Lager gelegt hatten. Einige leisteten Widerstand, als die Feuerwehr das Feuer löschte.
Eine Frau macht ihrer Verzweiflung Luft. Nach dem Brand mussten viele Flüchtlinge aus Moria mehrere Nächte unter freiem Himmel verbringen. FOTO: LIAKOS/DPA
Nach dem Moria-Brand forderten Menschen, wie hier in Frankfurt, die Aufnahme von Flüchtlingen. FOTO: ROESSLER/DPA
Die Flüchtlinge aus Moria sollten in einem Zeltlager bei Kara Tepe auf Lesbos unterkommen. Viele waren misstrauisch und weigerten sich. Sie wollten aufs Festland. Moria war und ist nicht das einzige Elendslager in Griechenland. Auf den Inseln Samos, Chios, Kos und Leros drängen sich ebenfalls Tausende Migranten in überfüllten Lagern, und auch dort hausen
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viele unter Plastikplanen oder in selbst gezimmerten Hütten aus Holzpaletten. Die Verantwortung für die jüngste Eskalation sieht die Hilfsorganisation medico international bei der EU. Auf den Kanarischen Inseln sammelten sich unterdessen ebenfalls Migranten. Deutschland entschloss sich schließlich, weitere 1 550 Migranten aus Griechenland aufzunehmen. (GEA)
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Die EU und ihre Rebellen BRÜSSEL. Mit dem ungarischen und polnischen Veto gegen den geplanten EUHaushalt und damit auch gegen das 750 Milliarden Euro schwere CoronaHilfspaket hatte kaum jemand gerechnet. Man ging davon aus, dass hier nur mit dem Säbel gerasselt wird, weil sie beide nicht auf die EU-Gelder verzichten würden. Die Corona-Hilfen beispielsweise für Spanien und Italien können nun nicht wie vorgesehen ausgezahlt werden. Budapest und Warschau wollen das sogenannte Rechtsstaatlichkeitsgesetz verhindern – und beide outen sich damit gleichzeitig als die schwarzen Schafe. Für den Rest der EU steht allerdings fest: Sie werden sich nicht erpressen lassen. Auf den Schutz von Demokratie und Rechtsstaat als Grundkonsens der EU werde nicht verzichtet. (jr)
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POLITIK AUSLAND
Dauerkonflikt Berg-Karabach ERIWAN/BAKU. Der kurze, aber heftige Krieg zwischen den Kaukasusstaaten Aserbaidschan und Armenien um die Enklave Berg-Karabach hat 4 600 Menschenleben gekostet. Aserbaidschan, das von der Türkei unterstützt wurde, sieht sich als Sieger und feiert das. Der Konflikt hat in den vergangenen 30 Jahren mehrfach Tote gefordert. Russland vermittelte ein Abkommen, das für Armenien einer Kapitulation gleichkommt. Armeniens Bevölkerung fordert den Rücktritt des eigenen Präsidenten, Nikol Paschinjan, weil dieser dem von Moskau vermittelten Abkommen eingewilligt hatte. Die Voraussetzungen für ein dauerhaftes Ende des Konflikts sind daher schlecht. (jr)
Eine Armenierin, die gegen die Einstellung der Kämpfe protestiert, wird abgeführt.
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DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Bergamo schockt die Welt
Pandemie – Nach Italien und Spanien werden die USA zum Hotspot VON JÜRGEN RAHMIG ROM/WASHINGTON. Die Bilder überfüllter Krankenhäuser, mit Lkw abtransportierter Leichen, über Tod und Leben entscheidender Ärzte aus dem italienischen Bergamo schockten im Frühjahr die ganze Welt. Die Region rund um die lombardische Stadt gehörte zu den absoluten Hotspots der Corona-Pandemie. Eine Reihe von Schlampereien, Ignoranz und Unvermögen nicht nur bei Politikern führten dort zur Katastrophe. Das »Superspreader«-Event war vermutlich das Fußballspiel zwischen Bergamo und Valencia. Die Staatsanwaltschaft hat wegen der in Mailand ausgetragenen Partie eine Untersuchung eingeleitet. Italien und Spanien sind in Europa zusammen mit Belgien zu den Brennpunkten der Corona-Pandemie geworden. Mit harten Lockdowns gelang es, die erste Welle wieder einzudämmen. Schweden wiederum hielt am Prinzip der Herdenimmunisierung fest. Dort ließ die Regierung wesentlich mehr zu als in anderen Staaten, dafür gab es aber vergleichsweise viele Tote. In Europa wurden Grenzen geschlossen, das Reisen stark eingeschränkt – danach kamen die Lockerungen.
S C H WA B E N SCHLAFEN S C H WÄ B I S C H .
Bestatter schieben Mitte März in Bergamo einen Sarg. In der norditalienischen Stadt wurde zu dem Zeitpunkt fast alle 30 Minuten eine Beerdigung abgehalten. FOTO: FURLAN/DPA In den USA schlug das Virus fürchterlich zu. Hier schockten die Bilder aus New York und die gefährlichen Empfehlungen des US-Präsidenten im Umgang mit Desinfektionsmitteln. Lange Zeit leugnete er überhaupt, dass von dem Virus irgendeine Gefahr ausgeht, dann wurde er selbst krank, wobei unklar ist, ob er tatsächlich infiziert
war oder das Ganze nur eine PR-Farce war. Auch in Brasilien gab es sehr viele Tote – und auch dort ignorierte der Staatschef das Virus. Die zweite Welle kam im Spätherbst in Europa und in weiten Teilen der übrigen Welt. In Asien, namentlich in China, Japan, Südkorea oder Taiwan allerdings blieb sie aus. (GEA)
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WELTSPIEGEL
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Das Virus aus Wuhan
Nicht mehr ohne Maske
Medizin – Augenarzt warnte seine Kollegen und starb selbst daran VON EMANUEL K. SCHÜRER
WUHAN. Wenn etwas das vergangene Jahr in fast allen Aspekten geprägt hat, dann ist es das neuartige Corona-Virus, auch Sars-CoV-2 genannt. Sars steht für die englische Formulierung »severe acute respiratory syndrome«, was auf Deutsch ungefähr »schweres akutes respiratorisches Syndrom« heißt. Aufgefallen ist der Erreger der Welt und der Wissenschaft erstmals im Dezember 2019, als in der Notaufnahme des Zentralkrankenhauses der chinesischen Millionenstadt Wuhan viele schwere Lungenentzündungen unbekannter Ursache auftraten. Das Krankenhaus liegt in der Nähe des inzwischen berüchtigten Huanan-Fischmarktes, auf dem lebende Tiere verkauft werden und der inzwischen als wahrscheinlicher Ursprungsort des neuen Coronavirus gilt. Einer der ersten, der seine Kollegen vor dem neuen Krankheitserreger warnte, war der Augenarzt Li Wenliang. Dass er somit quasi an die Öffentlichkeit ging, passte den chinesischen Obrigkeiten, die die Sache gerne unter Verschluss gehalten hätten, nicht ins Konzept. Li bekam Ärger mit den Behörden. Er infizierte sich bei einer Patientin selbst
Diese rasterelektronenmikroskopische Aufnahme zeigt Sars-CoV-2 (orange), das aus der Oberfläche von im Labor kultivierten Zellen (grün) austritt. FOTO: UNCREDITED/NIAID-RML/AP/DPA mit dem Virus und kam auf die Intensivstation. Trotz seiner Krankheit gab er Interviews und nutzte das Internet. Dabei kritisierte der Arzt auch die Machthaber, die versuchten, alle Informationen und Äußerungen im Land zu kontrollieren. »Ich denke, eine gesunde Gesellschaft sollte nicht nur mit einer Stimme sprechen«, zitiert das Nachrichtenmagazin Spiegel den Arzt, der wenige Tage später starb. Li Wenliang hat nicht nur quasi die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem neuen Virus angestoßen, er hat zumindest für kurze Zeit auch die Mei-
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nungshoheit der Staatsmacht aufgebrochen, die alles gerne vertuscht hätte. Seither sorgen Wissenschaftler weltweit in einer bislang wohl einzigartigen Anstrengung dafür, das Wissen über Sars-CoV-2 praktisch täglich zu vergrößern. Von Ansteckungswegen über Symptome, Krankheitsverläufe, Therapiemöglichkeiten bis hin zu Impfstoffen wurde vieles in Rekordzeit erforscht. Doch weiß die Menschheit noch lange nicht genug, um das Virus zu besiegen. Immerhin erscheint es bald möglich, es einzudämmen. (GEA)
REUTLINGEN. Wohl noch nie hat ein derart unbeliebtes Kleidungsstück eine so steile Karriere gemacht, wie der Mund-NasenSchutz, kurz »die Maske«, in diesem Jahr. Früher kannte man als Europäer die Gesichtsverhüllung höchstens von Krankenhauspersonal, muslimischen Frauen, Ostasiaten und Bankräubern. Dann aber kam das neue Coronavirus namens SarsCoV-2 und die Maske war plötzlich vor aller Munde, sobald zwei oder mehr Menschen zusammenkamen. Zunächst stieß die Masken-Empfehlung bei auf Perfektion getrimmten Medizinern auf Skepis, dann aber setzte sich die Erkenntnis durch, dass Masken die Virusverbreitung zumindest bremsen, selbst wenn sie nur aus Stoff sind. Am Kinn getragen nutzen sie freilich nichts. Mit am besten wirken richtig sitzende FFP2Masken. Die werden deshalb in Deutschland seit Mitte Dezember auch im Auftrag der Bundesregierung an Senioren und Menschen mit besonderen Risiken verteilt. Modisch besonders bewusste Menschen können inzwischen sogar zu Designermasken greifen. (eks)
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WELTSPIEGEL
Prominente Patienten REUTLINGEN. Das Coronavirus hat im vergangenen Jahr auch viele Schöne, Reiche und Mächtige erwischt. Der weltweit wohl prominenteste und mächtigste Covid-19-Patienent war der chronische Maskenverweigerer USPräsident Donald Trump, dessen Umgebung im Weißen Haus sich zu einem Infektions-Hotspot entwickelte. Im Dezember infizierte sich auch der TrumpAnwalt Rudy Giuliani. Mit dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro und dem britischen Premier Boris Johnson traf das Virus zwei weitere populistische Politiker. Auch Friedrich Merz (CDU) und Cem Özdemir (Grüne) wurden infiziert. Der US-Schauspieler Tom Hanks gilt als einer der ersten Promis, die von ihrer Infektion mit dem neuen Coronavirus berichteten – bereits Mitte März. Auch der »Big Bang Theory«-Star Jim Parsons, die Opernsängerin Anna Netrebko und ihr Kollege Andrea Bocelli, die Sängerin Pink, der Tennisspieler Novak Djokovic und der britische Thronfolger Prinz Charles sowie viele andere Promis wurden positiv auf das Sars-CoV-II-Virus getestet. (eks)
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Der Virologe als Superstar
Wissenschaftler – Die plötzliche Prominenz des Christian Drosten VON EMANUEL K. SCHÜRER BERLIN. »Christian Drosten? Wer ist das?« Das hätten sich wohl über 99,9 Prozent der Bundesbürger gefragt, wäre der Name vor einem Jahr gefallen. Das hat sich gründlich geändert. Inzwischen weiß fast jeder in Deutschland, dass Drosten Professor in Berlin ist und zu den weltweit renommiertesten Spezialisten für das Coronavirus zählt. Die Corona-Pandemie hat den früher nur in Fachkreisen bekannten Wissenschaftler schlagartig zum Top-Prominenten gemacht, noch mehr als seine Virologen-Kollegen wie Melanie Brinkman, Jonas Schmidt-Chanasit, Hendrik Streeck und Alexander Kekule. »In der Berichterstattung zur Pandemie gehört er zu den in Deutschland am häufigsten erwähnten Wissenschaftlern«, ist im Internet-Lexikon Wikipedia zu lesen. Die Kulturredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) setzte den 1972 geborenen Virologen in ihrem Jahresrückblick bei den »Kulturpersonen des Jahres« sogar auf Platz 3. Die sehr nachvollziehbare Begründung: Drosten habe dieses Jahr mit seinem Podcast zum Corona-Virus auf NDR-Info die Öffentlichkeit »am komplexen
Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité, gilt als einer der weltweit besten Coronavirus-Kenner. Er wurde dieses Jahr vom Fachwissenschaftler zum Super-Promi. FOTO: PEDERSEN/DPA Prozess der Theoriebildung und am Erkenntnisgewinn live teilhaben lassen«. Tatsächlich wurde Drosten im Lauf des Jahres zum großen Erklärer der Pandemie. Er erläuterte die neuen Erkenntnisse der Forschung und erklärte auch, welche Fragen noch offen sind. Für einen deutschen Medizin-Professor spricht Drosten dabei überraschend verständlich und uneitel. Das hat ihm die Sympathien vieler eingetragen.
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Die Berühmtheit und Beliebheit Drostens freilich blieb nicht ohne Folgen. Er wurde plötzlich zur Zielscheibe des Boulevardblatts Bild, das sich auf eine seiner Studien einschoss. Als er mit einstündiger Fristsetzung zur Stellungnahme aufgefordert wurde, veröffentlichte Drosten die Anfrage, kritisierte die Berichterstattung als tendenziös und antwortete dem Blatt mit »Ich habe Besseres zu tun«. (GEA)
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
WELTSPIEGEL
Deutsche Forschung ist spitze Ehre – Nobelpreise für zwei Wissenschaftler in Deutschland VON EMANUEL K. SCHÜRER
BERLIN. Die deutsche Naturwissenschaft hat Grund zum Jubeln. Gleich zwei Nobelpreise gingen dieses Jahr nach Deutschland. Der deutsche Astrophysiker Reinhard Genzel wurde mit dem PhysikNobelpreis ausgezeichnet. Die französische Genforscherin Emmanuelle Charpentier, die in Berlin forscht, erhielt den Nobelpreis für Chemie. Charpentier ist Leiterin der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene in Berlin. Genzel ist Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching bei München. Der sowieso schon weltweit gute Ruf der Max-PlanckGesellschaft als nicht-universitäre Forschungseinrichtung wurde mit den beiden Nobelpreisen glänzend bestätigt. Anfang des vergangenen Jahrhunderts galt Deutschland lange Zeit weitgehend unangefochten als Topstandort der Naturwissenschaften. Die Max-Planck-Gesellschaft setzt nach ihrer Satzung »die Tradition der früheren KaiserWilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften fort«. Sie kann den Triumph der beiden Wissenschaftler aus ihren Reihen auch für sich als Erfolg verbuchen.
Der deutsche Astrophysiker Reinhard Genzel und die in Berlin arbeitende französische Genforscherin Emmanuelle Charpentier wurden dieses Jahr mit Nobelpreisen geehrt. FOTOS: BALK/NIETFELD/DPA Der 68-jährige in Freiburg aufgewachsene Hesse Genzel wurde, gemeinsam mit der USForscherin Andrea Ghez, für die Entdeckung und Erforschung eines Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße ausgezeichnet. Den beiden war unabhängig voneinander aufgefallen, dass ein unsichtbares und extrem schweres Objekt die Umlaufbahnen der Sterne im Zentrum unserer Galaxie beherrscht. Genzel reagierte auf die NobelAuszeichnung mit breitem Grinsen, erklärte, Wissenschaft sei Teamarbeit, und mahnt, man dürfe sich nicht ausruhen und einschlafen. »Von nix kommt nix.« Gestrahlt hat auch die 51-jähri-
ge Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier auf die Nachricht vom Nobelpreis. Sie hatte gemeinsam mit der ebenfalls ausgezeichneten US-Amerikanerin Jennifer A. Doundna die Genschere Crispr/Cas9 entwickelt. Damit lässt sich das Erbgut von Pflanzen, Tieren und Menschen manipulieren. Reinhard Genzel war ein guter Speerwerfer und soll auch gut Tennis gespielt haben. Auch Emmanuelle Charpentier gilt als sportlich. Sie trainiere wöchentlich: Laufen, Schwimmen, Radfahren, Funktionstraining und Boxen. Die vier bis fünf Stunden lasse sie sich nicht nehmen, sagte sie vor einiger Zeit dem »Tagesspiegel«. (GEA)
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Absturz in Pakistan KARATSCHI. Beim Absturz einer Passagiermaschine über einem Wohngebiet der pakistanischen Stadt Karatschi am 22. Mai kamen 97 der 99 Flugzeuginsassen ums Leben. Das Flugzeug hatte eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Ein Überlebender, der sich mit Verbrennungen retten konnte, berichtete von den Schreien vieler Kinder, Erwachsener und Senioren an Bord des brennenden Flugzeugs. (eks)
Brand im Affenhaus KREFELD. Trauriger Jahresauftakt im Krefelder Zoo: In der Neujahrsnacht ging das Affenhaus in Flammen auf. Schimpansen, Orang-Utans und Gorillas, insgesamt über 30 Tiere, starben bei dem Feuer. Ein verletzter Menschenaffe musste von der Polizei erschossen werden. Das Affenhaus wurde abgerissen. Ausgelöst hatten den Brand wohl Krefelderinnen, die es für eine gute Idee hielten, brennende Himmelslaternen aufsteigen zu lassen. Das ist in Deutschland aus guten Gründen verboten. (eks)
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Verstorbene Prominente Veronika Fitz, 83, Schauspielerin; Ferdinand Schmidt-Modrow, 34, Schauspieler; Joseph Hannesschläger, 57, Schauspieler; Katherine Johnson, 101, Mathematikerin; Sam Lloyd, 56, US-Schauspieler; Rüdiger Nehberg, 84, Extremabenteurer und Menschenrechsaktivist; Roy Horn, 75, Magier; Jerry Stiller, 92, Schauspieler; Renate Krößner, 75, Schauspielerin; Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals, 78, Sänger; Ulrich Kienzle, 83, Journalist; Claus Biederstaedt, 91, Schauspieler; Jürgen Holtz, 87, Schauspieler; Georg Ratzinger, 96, Kirchenmusiker und Papstbruder; Tilo Prückner, 79, Schauspieler; Naya Rivera, 33, US-Schauspielerin; Fips Asmussen, 82, Witzeerzähler; Diana Rigg, 82, Schauspielerin; Michael Gwisdek, 78, Schauspieler; Conchata Ferrell, 77, USSchauspielerin; Sabine Zimmermann, 68, Moderatorin; Herbert Feuerstein, 83, Kabarettist, Autor und Entertainer; Kenzo Takada, 81, Modeschöpfer; Dietrich Adam, 67, Schauspieler; Udo Walz, 76, Friseur; Karl Dall, 79, Blödelbarde und Kalauer-König; Shere Hite, 77, Sexualwissenschaftlerin. (GEA)
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Sie sind dann mal weg
Royals – Prinz Harry und seine Frau Meghan fangen neues Leben an VON EMANUEL K. SCHÜRER LONDON. Das Jahr 2020 war grade mal eine Woche alt, da nahm in der bunten Welt des Adels auch schon der Skandal seinen Anfang, der bis heute immer wieder für Schlagzeilen sorgt: Prinz Harry, der Enkel der britischen Königin Elizabeth II. und seine Frau Meghan, das Herzogspaar von Sussex, informierte via Instagramm darüber, dass sie ihre Mitarbeit im Königshaus einzustellen gedenken. Sie wollten eigenes Geld verdienen und viel Zeit in Nordamerika verbringen. Statt dem Brexit war plötzlich der »Megxit« in aller Munde. »Das ist eine Kriegserklärung an die Königsfamilie«, wurde ein Palast-Insider zitiert. Die Queen soll aus dem Fernsehen von der Kündigung erfahren haben. Die Monarchie schien am Ende, schließlich kränkelte der greise Prinz Philip und der 49-jährige Prinz Andrew steckte bis zum Hals im Missbrauchsskandal um den Milliardär Jeffrey Epstein. Die Entfremdung zwischen Harry, Meghan und dem Königshaus war schon zuvor zu ahnen. Harry hatte sich mit seinem Bruder William auseinandergelebt. Harry und Meghan fehlten auch auf Fotos bei der Weihnachtsansprache der
Prinz Harry und seine Frau Meghan treffen Anfang März am Commonwealth-Tag zum Gottesdienst in der Westminster Abbey ein. Es ist der letzte offizielle Auftritt des Paares. FOTO: AUGSTEIN/DPA Queen. Das Adelspaar war zudem im Fadenkreuz der rücksichtslosen britischen Boulevardpresse. Und es gab den Verdacht, die Kritik an Meghan sei auch rassistisch begründet. Jedenfalls befreite die Queen Harry und Meghan von ihren Verpflichtungen für die »Firma«. Königliche Hoheiten sind sie nun nicht mehr. Inzwischen leben die beiden im kalifornischen Santa Barbara. Schlagzeilen machen sie aber noch immer. So wurde im September bekannt, dass sie mit dem Streamingdienst
Netflix zusammenarbeiten. Ein persönlicher Schicksalsschlag, der die beiden im Juli traf, wurde erst Ende November bekannt: Die 39-jährige Herzogin Meghan hatte im Juli eine Fehlgeburt, als sie bei ihrem einjährigen Sohn Archie gerade die Windeln wechselte. »Ich wusste, als ich mein erstgeborenes Kind umklammerte, dass ich mein zweites verliere«, berichtete Meghan in einem Artikel der New York Times. Sie wollte mit ihrer Offenheit anderen Frauen Mut machen. (GEA)
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Aus der Region – für die Region
BADENWÜRTTEMBERG Die Krux mit dem Vorwahlkampf Corona stellt nicht nur die Wirtschaft, Familien und Freundschaften auf eine harte Probe. Auch eine Landesregierung hat’s nicht leicht, vor allem, wenn der Termin der nächsten Wahl näherrückt. Im Südwesten stehen Grün und Schwarz deshalb vor einer großen Herausforderung: Sie müssen in der Krise möglichst geschlossen handeln, sich aber gleichzeitig als Einzelkämpfer notfalls gegen den Partner die beste Startposition für den Urnengang im nächsten März sichern. Kein Wunder also, dass bei der Corona-Strategie für die Schulen der Vorwahlkampf zwischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und CDU-Spitzenkandidatin und Kultusmi-
nisterin Susanne Eisenmann immer wieder aufblitzt. Hinzu kommt, dass der fliegende Teppich, auf dem die Grünen unterwegs waren, ausgerechnet bei der OB-Wahl in Stuttgart ins Trudeln kam. Doch nicht nur die OB-Wahl brachte die Landeshauptstadt in die Schlagzeilen. Scheinbar aus dem Nichts kam es in einer Juninacht zu einem beispiellosen Ausbruch an Gewalt. An die 500 Randalierer zogen durch die Stadt und hinterließen verletzte Polizisten und einen Millionenschaden. Dennoch war das Corona-Jahr nicht schwarz in schwarz. Davon zeugt die Geschichte eines weißen Löwenbabys. (sel) FOTOS: DPA
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Ein Löwe auf Reisen Tierisch – Fellträger in Glück und Leid
WALLDORF. Da staunten die Polizisten nicht schlecht. Bei der Unfallaufnahme am Kreuz Walldorf auf der A 5 mit vier Schwerverletzten stießen die Beamten Anfang September auf ein kleines fauchendes Ungeheuer: Einer der verunglückten Transporter hatte in einer Kiste ein weißes Löwenbaby an Bord. Für das auf den Namen Lea getaufte Tier nahm die Geschichte ein glückliches Ende. Es wurde im Landauer Zoo aufgepäppelt
Eine Schneise der Verwüstung: Auch dieses Geschäft in der Stuttgarter Marienstraße wurde geplündert. Eine Woche später verhinderte starke Polizeipräsenz eine Wiederholung. FOTO: ADOMAT/GOLLNOW/DPA
Randale am Nesenbach
Gewalt – Gewalttätiger Mob sorgt für Chaos in Stuttgarter City VON BRIGITTE GISEL
Löwenbaby Lea hatte Glück im Unglück. FOTO: ANSPACH/DPA
birgit knecht
und durfte wie geplant nach Spanien reisen. Der Transport war übrigens legal. Traurig endete die Geschichte dagegen für den letzten Wilhelmabären: Brillenbär Ambrose ist Ende November gestorben. Der Stuttgarter Zoo nutzt die Gelegenheit, das Bärengehege von 1991 zu erneuern. (sel)
STUTTGART. Am Morgen des 21. Juni trauten die Stuttgarter ihren Augen nicht. Eingeschlagene Schaufenster in der Königstraße und am Schlossplatz, geplünderte Geschäfte, Cafébesitzer, die versuchen zu retten, was zu retten ist. Ein bis zu 500 Personen starker Mob hatte in einer Samstagnacht in der Innenstadt randaliert und dabei vermutlich einen Millionenschaden angerichtet. 32 Polizisten wurden verletzt, Pflastersteine flogen auf Polizeiautos, 40 Geschäfte wurden beschädigt und neun Läden geplündert, wie die
Polizei am nächsten Morgen bilanzierte. 24 Verdächtige wurden noch in der Nacht festgenommen, bis Ende November wuchs ihre Zahl auf 106. Ausgangspunkt war die Drogenkontrolle eines 17-Jährigen im Schlossgarten. 200 bis 300 Mitglieder der Partyszene hatten die Polizisten daraufhin mit Steinen und Flaschen attackiert. Auf dem Weg zum Schlossplatz kamen immer mehr Streitlustige dazu, die ihren Frust abreagierten. Zunder erhielt die Aufarbeitung durch die Debatte um die Staatsangehörigkeit der Täter. 83 der 106 Verdächtigen haben laut Innenministe-
rium einen »migrantischen Hintergrund«, das heißt, sie oder ein Elternteil waren nicht Deutsche von Geburt. 70 Prozent haben aber einen deutschen Pass. Rassismusvorwürfe wurden laut. Am 10. November gab es die ersten Urteile: Ein 18- und ein 19-Jähriger wurden wegen schweren Landfriedensbruchs zu zweieinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Als Konsequenz aus der Randale-Nacht wurde die Polizeipräsenz verstärkt, und es gibt fünf neue StreetworkerStellen. An Wochenenden werden zentrale Plätze per Video kontrolliert.(GEA)
mode für damen Liebe Kundschaft,
wir verabschieden uns aus der Wilhelmstraße 13 in Pliezhausen und sagen Danke für wundervolle gemeinsame 30 Jahre. Es war eine fantastische Zeit in einer lebhaften und wunderbaren Branche. Eine Zeit mit Ihnen − in der aus so manchen Sie ein Du geworden ist. Es ist im Moment leider nicht der ideale Zeitpunkt, um sich nach 30 Jahren mit größeren geplanten Aktionen von Ihnen zu verabschieden – der Covid-Virus nimmt uns alle in die Verantwortung. Über viele Jahrzehnte und gerade auch jetzt in der schwierigen Zeit haben Sie uns gezeigt was Treue heißt. Von ganzem Herzen ein Dankeschön. So ganz können wir es dann doch nicht lassen. Der Ruhestand muss noch etwas warten. Mit einem Re-Opening im Übersbergweg 5 wollen wir mit reduzierten Öffnungszeiten im neuen Jahr weiter für Sie da sein. Wir wünschen Ihnen von ganzem Herzen alles Gute für das Jahr 2021. Bleiben Sie gesund − Ihre Birgit Knecht mit Team
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BADEN-WÜRTTEMBERG
Nopper-Sieg, grünes Debakel
OB-Wahl – Auf den Grünen Fritz Kuhn folgt wieder ein CDU-Mann VON OLIVER JIROSCH
STUTTGART. Die OB-Wahl in Stuttgart war für die Grünen ein Desaster. So groß die Freude bei der Öko-Partei vor acht Jahren war, als mit Fritz Kuhn erstmals ein Grüner zum Rathaus-Chef in einer bundesdeutschen Landeshauptstadt gewählt wurde, so schwach war das Auftreten der Partei bei der diesjährigen Wahl und in deren Vorfeld. Das begann schon damit, dass Amtsinhaber Kuhn nach nur einer Wahlperiode relativ kurzfristig erklärte, nicht mehr zur Wahl antreten zu wollen. Möglichererweise waren ihm angesichts magerer UmfrageErgebnisse die Chancen auf eine Wiederwahl zu gering. Ein wichtiger Posten, eine wichtige Wahl, der vier Monate vor der Landtagswahl besondere Bedeutung zukam. Und die Grünen schaffen es nicht, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aus der ersten Reihe zu präsentieren. Landtagspräsidentin Muhterem Aras und der frühere Parteichef Cem Özdemir wurden angefragt – und winkten dankend ab. Man einigte sich auf Veronika Kienzle, die von ihrer Kandidatur wohl auch selbst nicht so ganz überzeugt war. Ein mitreißender Wahlkampf
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Finanziell auf Sand gebaut STUTTGART/DUBAI. Der Pavillon sollte BadenWürttembergs Aushängeschild bei der Weltausstellung in Dubai werden. Leider kam bei der Finanzierung Sand ins Getriebe. Statt einer Projektgesellschaft mit Spenden aus der Wirtschaft wird wohl das Land den Großteil der Kosten von 15 Millionen Euro übernehmen. Wegen einer Unterschrift des Geschäftsführers der Projektgesellschaft rutschte das Land in die Haftung, Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut (CDU) muss sich rechtfertigen. Genüsslich sezieren SPD und FDP im Untersuchungsausschuss nun Pleiten, Pech und Pannen. (sel)
Quer gedacht Eilends Richtung Stuttgarter Rathaus: Frank Nopper gewann für die CDU den Chefsessel zurück. FOTO: MURAT/DPA sieht jedenfalls anders aus. Sie kam im grün regierten Südwesten in einer Stadt mit grün dominiertem Gemeinderat auf 17,2 Prozent und trat zum zweiten Wahlgang gar nicht mehr an. Als klarer Favorit galt nun CDU-Kandidat Frank Nopper, der im ersten Durchgang auf 31,8 Prozent kam. Er setzte
sich schließlich im zweiten Wahlgang durch, profitierte allerdings davon, dass sich das Mitte-Links-Lager nicht auf einen Kandidaten einigen wollte. Der 30-jährige Marian Schreier konnte seinen Stimmenanteil zwar mehr als verdoppeln (36,9), ganz reichte es aber nicht für Nopper, der auf 42,3 Prozent kam. (GEA)
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STUTTGART. Die erste Stuttgarter Demo gegen die Corona-Auflagen hat sich Organisator Michael Ballweg im April vor dem Bundesverfassungsgericht erstritten. Dann startete »Querdenken 711« bundesweit durch. Doch die Kritik wegen fehlender Abgrenzung zu Rechtsextremisten wurde lauter. Schließlich stellte der Verfassungsschutz im Land die Gruppe unter Beobachtung. (sel)
Gesund beginnt
im Mund!
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Genießerland ohne Genuss Gastro – Schwarz-
waldstube brennt aus BAIERSBRONN. Die »Schwarzwaldstube« in Baiersbronn gilt als eines der Aushängeschilder der deutschen Feinschmecker-Szene. Von hier gehen viele Trends aus. Als das Lokal im Januar ausbrennt, ist das nicht nur eine Katastrophe für die HotelierFamilie Finkbeiner, sondern auch ein Fingerzeig für die gesamte Gastronomie in Deutschland. Nur ahnt das zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Die »Schwarzwaldstube« gibt es zwar noch nicht wieder, aber eine Zwischenlösung, das »Temporaire« auf dem hoteleigenen Parkdeck. Chefkoch Torsten Michel hat dort zu kulinarischen Höhenflügen angesetzt, die jäh gestoppt wurden. Wie die gesamte Gastronomie in Deutschland, die trotz teilweise ausgeklügelter Hygiene-Konzepte vom zweiten Lockdown eiskalt erwischt wurde. Der galt zwar für die gesamte Republik, traf aber den Südwesten, der mit seinem Ruf als Genießerland wirbt, besonders. Das Tourismus-Konzept fußt auf Natur, Wellness-Hotels und feiner Küche. Sicher ist nur, dass die Natur nach der Krise noch dieselbe ist. (oje)
Noch verfügt Ministerpräsident Winfried Kretschmann über das schärfere Profil als seine Herausforderin und Kultusministerin Susanne Eisenmann. Sie will das ändern. FOTO: GOLLNOW/DPA
Corona im Wahlkampf
Gesundheit – Regierung gibt sich uneins, wo Einigkeit Trumpf wäre VON OLIVER JIROSCH
STUTTGART. Wahlkampf mag Winfried Kretschmann nicht. Sagt er jedenfalls. Der Ministerpräsident, der seit 2011 im Südwesten regiert, meint, für vorgezogene Wahlkämpfe hätten die Bürger kein Verständnis. »Ich werde einen vorgezogenen Wahlkampf zu verhindern wissen, indem ich darauf achte, dass wir sachorientiert weiterregieren und die Dinge durchsetzen«, sagt Kretschmann im Januar. Aber da wusste er noch nichts von Corona. In den letzten Monaten des Jahres steckt das Land aber
voll im Wahlkampf für den Urnengang am 14. März. Und das mitten in der Corona-Krise, in der Führung und klare Linie so wichtig sind. Aber Susanne Eisenmann, CDU-Herausforderin des Ministerpräsidenten saß in der Klemme. Kretschmann gab den Krisen-Manager an der Seite von Kanzlerin Merkel. Die Bekanntheits- und Beliebtheitswerte Eisenmanns waren nicht dergestalt, dass die CDU von einem rauschenden Wahlsieg ausgehen konnte. Die Kultusministerin setzte eine erste Duftmarke, als sich Kretschmann mit den anderen Länderchefs auf vorgezogene
Weihnachtsferien geeinigt hatte. »Aber nicht im Südwesten«, sagte Eisenmann kurzerhand und gab als Begründung Betreuungsprobleme an. Verwirrung und Ärger sind die Folge. Corona-Hotspots mit vielen Neu-Infektionen sind zu verzeichnen. Aber lange keine Ansage von der Landesregierung. Die einen wollen lockern, die anderen verschärfen. Während sich die Regierungslager zanken, geben sich die Landkreise selbst die Regeln vor. Wahlstrategische Manöver während der Pandemie verböten sich, sagen die Regierungsmitglieder. Die Botschaft hör’ ich wohl … (GEA)
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REUTLINGEN UND REGION Riesenrad erfreut, Baustellen nerven Die Coronakrise hat auch in Reutlingen viel verhindert, aber nicht alles. Das pandemiekonforme Öffnungskonzept fürs Wellenfreibad Markwasen – wenngleich 2020 ohne Wellen – hat viel Lob erhalten, ein Riesenrad auf dem Marktplatz lockte Tausende an. Das Innovationszentrum »Innoport«, das als Keimzelle für das Industriegebiet »RT unlimited« gilt, wurde eröffnet, die Bebauungsplanänderung fürs Stadthallen-Hotel beschlossen und die unendliche Debatte um den Fußgängersteg mit dessen Abriss beendet. Trotzdem wirkte Corona als Bremsklotz: Die finanziellen Auswirkungen belasten die Stadt und die Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft (RSV).
Der Landkreis Reutlingen wird demnächst einen neuen Landrat bekommen: Zwei Bewerber gibt es. Thomas Reumann, der bisherige Amtsinhaber, hat erklärt, dass er nicht mehr antreten wird. Bleiben werden indes die Herausforderungen in der Region: vor allem jene, die mit dem Verkehr zusammenhängen. Das Projekt Regionalstadtbahn wird weiter vorangetrieben, aber das Jahr 2020 nervte Autofahrer mit wegen Sanierung gesperrten Albaufstiegen, Megabaustellen wie der Bad Uracher Ortsdurchfahrt oder dem B 27Nadelöhr bei Ofterdingen. Wie das behoben werden soll, daran werden sich sicher auch im neuen Jahr die Gemüter erhitzen. (rh/sä) FOTOS: NIETHAMMER/PIETH/SCHRADE/LEIPPERT/FINK
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REUTLINGEN
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DAS ZITAT
»Wenn nächstes Jahr nichts kommt, dann holt uns der Teufel« OB Thomas Keck in den ARD-Tagesthemen zu Coronahilfen für 2021
Neues Management KREIS REUTLINGEN. Die Regionale Klinik Holding RKH aus Ludwigsburg übernimmt im Mai das Management der Reutlinger Kreiskliniken, nachdem die bisherige Geschäftsführung altershalber ausscheidet. Darauf einigen sich Aufsichtsrat und Verwaltungsausschuss im März. Der Kreistag folgt mehrheitlich bei vier Gegenstimmen und sechs Enthaltungen. In zwei Jahren will der Kreistag prüfen, ob man mit dem Management auf dem richtigen Weg ist. (GEA)
Corona beutelt RSV: Defizit 8,6 Millionen Euro höher als erwartet Wenig weihnachtlich war die Botschaft, die von der Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft am 15. Dezember publik gemacht wurde: Hauptsächlich coronabedingte Rückgänge – statt der aufgrund des neuen Stadtbuskonzepts erhoff-
ten Zuwächse – bei den Fahrgastzahlen bescherten der RSV ein Defizit von 14,2 Millionen Euro – 8,6 Millionen mehr als erwartet. Wolfgang Tomek, ein bis Ende 2022 beauftragter externer Sanierer, soll’s nun richten. (rh) FOTO: PIETH
Harter Sparkurs angesagt
Stadthaushalt – Einnahmeausfälle durch Corona verschärft VON ROLAND HAUSER
REUTLINGEN. Schon bevor die Auswirkungen der CoronaPandemie auch den Reutlinger Stadthaushalt beutelten, klaffte in ihm ein Loch: Wegen rückläufiger Gewerbesteuereinnahmen hatte sich bereits Ende 2019 abgezeichnet, dass der Stadt gegenüber den Planungen 22 Millionen Euro fehlten. »Wir sind gezwungen, die Reißleine zu ziehen«, begründete Oberbürgermeis-
ter Thomas Keck Mitte Dezember vorigen Jahres den Erlass einer Haushaltssperre. Und dann entfaltete das Coronavirus im neuen Jahr auch finanziell seine ganze Wucht. Es bescherte der Stadt weitere Gewerbesteuerausfälle im fünfstelligen Bereich. Zeitweise war von 81 Millionen Euro die Rede, keineswegs nur Steuereinnahmen, die der Stadt am Ende fehlen könnten. Ganz so schlimm ist es dann aber nicht gekommen – vor
allem, weil Bund und Land die coronabedingten Gewerbesteuerausfälle für 2020 erstattet hat, und weil die Planung in zwei Nachtragshaushalten angepasst wurde. Jetzt fehlen für 2020 laut OB Keck rund 20 000 Euro in der Stadtkasse – im Endeffekt derselbe Betrag wie zu Beginn des Jahres. Aber die Finanzlage bleibt angespannt, und ein harter Sparkurs steht Reutlingen in den nächsten Jahren bevor. (GEA)
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DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
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Aufatmen und Schnauben am Hotspot
Verkehr – Lederstraße/B 464: Auf der alten Ortsdurchfahrt war auch 2020 wieder viel los VON ANDREA GLITZ
Für immer weg: der Stummelsteg am Oskar-Kalbfell-Platz. FOTO: NIETHAMMER
Vorerst permanent temporär: die Spurreduzierung bei der Messstation. FOTO: NIETHAMMER nete Tempo 40 erhitzt derweil kaum noch Gemüter. Passanten erregen sich weiterhin über den gesperrten Fußgängerüberweg auf Höhe der Schadstoffmessstation. Das Schnauben der Blockierten schaffte es im August sogar bis in die NDR-Satiresendung »extra 3« – als »Irrsinn der Woche«. Zu Jahresbeginn soll der Überweg laut Verwaltung nun wieder geöffnet werden. Weiter vorn auf der alten Ortsdurchfahrt (ent-)fiel nach langem Vorspiel Ende Oktober
Bald wieder auf? Der Fußgängerüberweg bei der Messstation in der Lederstraße. FOTO: LEISTER
vergleichsweise sang- und klanglos ein Bauwerk, das über Jahre hinweg ebenfalls so manche Zeitungskolumne mühelos gefüllt hatte: der Fußgängersteg über die KonradAdenauer-Straße. Den finalen Todesstoß versetzten die Christdemokraten im Gemeinderat dem Projekt. Zuvor hatte die Verwaltung etwas lustlos drei Varianten für einen Nachfolgesteg präsentiert: Doch selbst der Favorit war – obgleich sehr dekorativ – mit so vielen Nachteilen
behaftet, dass die CDUGemeinderatsfraktion Ende April die Bremse für einen millionenschweren Neubau zog. Keiner der Wettbewerbsbeiträge sei »befriedigend«, so ihr Urteil – die Mehrheit im Rat war damit perdu. Ein neuer ebenerdiger Überweg ist in Planung. Ein Jahr lang müssen sich die Fußgänger an der zentralen Passage zur Innenstadt nun mit dem vorhandenen Übergang bei der Wohnungsgesellschaft GWG begnügen. (GEA)
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REUTLINGEN. Die Lederstraße war auch im Jahr 2020 wieder Reutlingens Verkehrs-Hotspot Nummer eins. Das ganz große Aufatmen war im Rathaus und bei den Dieselfahrern Ende Februar vernehmbar: Mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig rutschten die Fahrverbote erst mal von der Agenda. Temporeduzierung, pförtnernde Ampeln, Lkw-Durchfahrtsverbot: Eine ganze Reihe von Luftreinhaltemaßnahmen hatten bereits in den beiden Vorjahren zur Entspannung der Lage beigetragen. Die Richter honorierten das Bemühen von Stadt und Tübinger Regierungspräsidium, sahen eine realistische Chance, dass der Stickstoffdioxid-Grenzwert (40 Mikrogramm) an der Messstation Lederstraße 2020 dauerhaft eingehalten werden. Eine zutreffende Prognose: Das Jahresmittel lag (bis 6.12.) bei 35,5 Mikrogramm. Um die Werte weiter abzusichern, legte die Verwaltung Anfang des Jahres – schon bald permanent – ein Teilstück der Doppelspur bei der Messstation lahm – was bis heute reichlich Diskussionsstoff bietet. Das der Lederstraße bereits im Vorjahr aus Luftreinhaltungsgründen verord-
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REUTLINGEN
Heinzelmann Bau – Okay für Areal REUTLINGEN. Bereits 2017 hatte der Gemeinderat beschlossen, das Heinzelmann-Areal an einen privaten Investor zu verkaufen. Jetzt soll die GIEAG-Immobilien-AG das Areal entwickeln. Die Firma will in das denkmalgeschützte Ensemble zwischen Planie und Urbanstraße 50 Millionen Euro investieren. Entstehen soll ein lebendiges, zukunftsfähiges Quartier mit unterschiedlichen Nutzungen mit Wohnen, Gewerbe, Büro, Praxen, Kunst und Kultur. Es soll zudem Anlaufpunkt für die Oststadt sein. (ass)
Narrenumzug Fest – Voller Erfolg BETZINGEN. Die Organisatoren des zweiten Betzinger Narrenumzugs am 9. Februar sind aus dem Häuschen: Annähernd 10 000 Besucher werden bei der von den Betzinger Krautskräga veranstalteten Gaudi gezählt. 91 Narrengruppen sorgen für ein buntes Spektakel auf den Straßen – und die Zuschauer stehen teilweise in Sechserreihen, um hautnah beim Geschehen dabei zu sein. Schließlich feiern die Krautskräga auch nicht alle Tage ihr 40-jähriges Bestehen. (ass)
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Tragödie in Sickenhausen
Bluttat – Familienmitglieder in Reutlinger Vorort tot aufgefunden VON HEIKE KRÜGER
SICKENHAUSEN. Blutige Tragödie in Sickenhausen: Drei Mitglieder einer Familie werden am Freitag, 17. Juli, in einer Wohnung in der Rheingoldstraße von der Polizei tot aufgefunden. Bei den Toten handelt es sich um den 56-jährigen Vater, die 45-jährige Mutter und den 18-jährigen Sohn. Die Reutlinger Polizei ist um die Mittagszeit vom zweiten Sohn der Verstorbenen alarmiert worden. Er habe sich Sorgen um seine Familie gemacht, wie die Beamten später sagen. Als sie die Wohnung um 13.30 Uhr betreten, finden sie drei Leichen. Staatsanwaltschaft und Kriminal-
Nach der Familientragödie ist das Wohnhaus in Sickenhausen abgesperrt. FOTO: MEYER kommissariat nehmen Ermittlungen wegen des Verdachts eines »innerfamiliären Tötungsdelikts« mit anschließendem Suizid auf. Bestätigt wird diese Vermutung durch eine Obduktion. Danach hat
der Familienvater zuerst Ehefrau und Sohn erschlagen, ehe er sich selbst mit einem Messer umbrachte. Der Mann soll vor der Bluttat Symptome einer psychischen Erkrankung gezeigt haben. (GEA)
Vorläufig vom Tisch
Endlich fertig
Auskreisung – Gericht kippt Beschwerde
Bau – Freie Fahrt
KREIS REUTLINGEN. Die Richter des Stuttgarter Verfassungsgerichtshofs erklären Mitte Februar eine Verfassungsbeschwerde der Stadt Reutlingen für unzulässig. Sie hatte Beschwerde eingereicht, weil der Landtag ihren Auskreisungsantrag abgelehnt hatte. Für OB Thomas Keck ist das Thema Stadtkreis nach dem Urteil aber nicht komplett
ALTENBURG. Nach fast zwei Jahren wird die Altenburger Donaustraße Anfang April wieder für den Verkehr freigegeben. Kanalsanierung, Hochwasserschutz und die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt schlagen mit 8,6 Millionen Euro zu Buche. Die Altenburger sind froh, dass diese Megabaustelle jetzt Geschichte ist. (GEA)
vom Tisch. Einen Tag später sorgt ein offener Brief von Landrat Thomas Reumann für Unmut bei Reutlingens Rathausspitze. Reumann unterbreitet einen Drei-Stufen-Plan zur Verbesserung der kommunalen Zusammenarbeit. Zunächst solle geklärt werden, welche Zuständigkeiten Stadt und Kreis hätten, so die Stadtverwaltung. (GEA)
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DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Einmal richtig Schwung holen Innenstadt – Ein Riesenrad ist Attraktion auf dem Marktplatz
Baugebiet spaltet Ort SONDELFINGEN. Die Zukunft von Bergäckerhalden und Stettert spaltet die Bürgerschaft in Sondelfingen. Weit über hundert Zuhörer verfolgen Anfang Februar die Ortschaftsratssitzung – eine überwältigende Resonanz. Das Baugebiet spaltet den Ort in jene, die sich schon seit Jahren sehnsüchtig wünschen, ihren Traum vom Wohneigentum verwirklichen zu dürfen, und in die, die eine flächendeckende Bebauung des Geländes aus natur-, klima- und artenschutzrechtlichen Gründen ablehnen. (ass)
VON GABRIELE KÜSTER
REUTLINGEN. Es beschert Reutlingen ungewohnte Ausblicke und kleine Auszeiten von der Corona-Tristesse: Das Riesenrad auf dem Marktplatz ist im Spaß-gebremsten Jahr 2020 ab Anfang September ein schönes, romantisches, fast schon aufregendes Highlight. Dabei soll der »White Star« nicht nur für Abwechslung in der Freizeitgestaltung der Bürger und Stadtbesucher sorgen, sondern auch die von der Krise geplagte Gastronomie und den Einzelhandel in Schwung bringen. Das 35 Meter hohe schneeweiße Fahrgeschäft in die Innenstadt zu holen – auch andere Städte kommen auf die Idee – ist nur möglich durch das Verbot von Großveranstaltungen. Normalerweise stehen die Riesenräder von Christian Göbel auf Volksfesten. Zumindest in der relativ entspannten Phase der CoronaPandemie während des Sommers und Frühherbstes tourt er von Stadt zu Stadt. Also eine Win-win-Situation für alle Beteiligte: Schausteller, Unternehmer, Bürger. Den Anschub, so ein großes Rad zu drehen, geben zwei Geschäftsleute: Uwe Grauer, Gastronom und Vorsitzender der Reutlinger Gastro-Initiati-
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Gegen Überbauung Riesenrad, Spätshoppen und Musik: Da herrscht im Frühherbst fast so etwas wie Normalität. FOTO: START ve (RGI) und Optiker Christian Wittel, der für die Interessengemeinschaft »RT aktiv« in Aktion tritt. Und alle machen mit: die Stadtverwaltung mit kurzfristigen Genehmigungen und sogar die Marktleute, die für gut vier Wochen auf die Seite rücken für den neuen Star der Stadt, der Hingucker und Premium-Aussichtsplattform in einem ist.
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Während dieser Zeit geht es auch auf den Terrassen der Gastronomie rund. In den Läden scheint sich der gewünschte Belebungseffekt nicht so recht einzustellen. Überhaupt treten die – nicht nur coronabedingten – Probleme des Einzelhandels und damit der ganzen Innenstadtbelebung zum Jahresende verstärkt zutage. (GEA)
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Jahre
BETZINGEN. Der Betzinger Bezirksgemeinderat ist gegen die Überbauung der ans Ex-Praktiker-Gelände angrenzenden Flächen. Bei einer Ortschaftsratssitzung Anfang Februar votiert der Rat gegen entsprechende Pläne. Die Betzinger befürchten die Zerstörung eines wertvollen Stücks Natur, dazu eine Verkehrszunahme und sie sorgen sich um die Existenz der mitten im Erweiterungsgebiet liegenden Baumschule Leibssle. (ass)
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Die Klimakrise im Blick REUTLINGEN. Ende Juli blockieren 250 »Fridays for Future«-Aktivisten Teile der Karlstraße – und bringt den Menschen wieder ins Gedächtnis, dass die Klimakrise auch in Zeiten von Corona zu den größten Problemen der Menschheit gehört. Zwei Monate später organisieren »Fridays for Future« und »Parents for Future« den Reutlinger Klimastreik. Um das Pariser Klimaabkommen einhalten zu können, fordert die Bewegung parteiunabhängig von der deutschen Regierung den Kohleausstieg bis 2030 und die Klimaneutralität Deutschlands bis 2035. (ass)
Offensiv am Bau
Wohnen – Stadt kauft wieder selbst Bauland VON HANS JÖRG CONZELMANN REUTLINGEN. Und wieder dürfen 500 neue Wohneinheiten gebaut werden. So viel will die Stadt bis 2025 jährlich genehmigen, um der Nachfrage zu begegnen. Um die Strategie zu festigen, hat Oberbürgermeister Thomas Keck einen »Wohnraumbeauftragten« eingestellt – als Zeichen dafür,
Keine neue Kandidatur REUTLINGEN. Ende Juni kündigt Landrat Thomas Reumann an, für die Landratswahl im Frühjahr nicht mehr kandidieren zu wollen. Der 65-Jährige ist »dankbar für ein erfülltes Berufsleben« in den vergangenen fast vier Jahrzehnten, will aber mit seiner Frau in den kommenden Jahren Perspektiven im privaten Bereich haben und andere Schwerpunkte setzen. (ass)
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Blue Village wächst: 22 Prozent sind öffentlich geförderte Mietwohnungen. FOTO: PIETH
wie wichtig ihm die Bekämpfung der Wohnungsnot ist. Erstmals legt das Rathaus in diesem Jahr einen Monitoringbericht vor, in dem die »Wohnbauflächenoffensive« beschrieben wird. Neue Strategie der Stadt ist, wieder verstärkt selbst Bauland zu erwerben, um die Entwicklung gezielt steuern zu können. Zukünftig soll anstatt des verwirrenden Begriffs »Drittelmix« im Rahmen der Wohnungspolitik die Formulierung »Mix im preisgebundenen Wohnraum« verwendet werden, der sich wie folgt darstellt: 25 Prozent der Wohneinheiten dürfen ohne Preisund/oder Belegungsbindungen erstellt werden. Aus den verbleibenden 75 Prozent müssen mindestens 30 Prozent der Wohneinheiten als öffentlich geförderte Mietwohnungen mit der höchstmöglichen Bindungsdauer realisiert werden (30 Prozent entsprechen 22,5 Prozent der Gesamtzahl). Die verbleibenden Wohneinheiten müssen aus einem flexiblen Mix aus preiswertem Wohneigentum, preiswerten Mietwohnungen und öffentlich geförderten Mietwohnungen, den der Investor wählen darf, realisiert werden (entsprechen 52,5 Prozent der Gesamtzahl). (GEA)
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Die Rathausfenster sind zum Teil total marode. FOTO: MEYER
Sanierung vorgezogen Rathaus – Fenster
und Dach zuerst
REUTLINGEN. Auch wenn die Abbruch-Diskussion wieder aufflammte und die CDUGemeinderatsfraktion Anfang April den Antrag stellte, zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen man den Denkmalschutz fürs Rathaus-Ensemble aufheben könne: Der Verwaltungskomplex aus den 1960erJahren sei keineswegs abbruchreif, bezog OB Thomas Keck im September eindeutig Position: »Da wird viel dummes Zeug geredet.« Die Generalsanierung ist mit 80 bis 100 Millionen Euro veranschlagt und soll 2025 beginnen. Im Juli stimmte der Gemeinderat jedoch bereits der vorgezogenen, dringenden Sanierung der maroden Fenster und des undichten Dachs im Gebäude Oskar-KalbfellPlatz 21 zu. (rh)
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Badesaison doch noch erfreulich
Innoport eröffnet: Keimzelle von Reutlingens Zukunft Die Stadt Reutlingen und annähernd 40 Unternehmen eröffnen Anfang Oktober »Innoport«, die Keimzelle von »RT unlimited« auf dem ehemaligen Gelände der Spedition Betz im Industriegebiet In Laisen. Nicht weniger als das »Sili-
con Valley von Deutschland soll das Innovationszentrum werden. Der Gewerbepark stehe Unternehmen, aber auch Tüftlern und Machern zur Verfügung, sagt Oberbürgermeister Thomas Keck. (ass) FOTO: NIETHAMMER
Tempo 40 macht das Rennen Lärmschutz – Konservative Ratsmehrheit setzt sich durch VON ULRIKE GLAGE
REUTLINGEN. Lärm macht krank. Deshalb, so schreibt es die EU vor, müssen Städte bei Werten über 70 Dezibel tags und 60 Dezibel nachts aktiv werden. Das Mittel der Wahl sind Temporeduzierungen: 30 statt 50 Stundenkilometer auf zweispurigen, 40 auf vierspurigen Straßen wie in Reutlingen der Eberhard- und Karlstraße. Bei der zweiten Fortschreibung des Lärmaktions-
Tempo 40 als Lärmschutz, aber nur streckenweise. FOTO: PIETH plans wollte die Stadt ihren Ermessensspielraum nutzen und auch bei den als gesundheitskritisch geltenden Werten
– 65 Dezibel tags und 55 Dezibel nachts – Tempolimits anordnen. Doch ihr Vorschlag, auf den ermittelten Streckenabschnitten Tempo 30 einzuführen, lehnte die konservative Mehrheit im Gemeinderat mit 19 zu 20 Stimmen denkbar knapp ab. Dafür ging der CDUAntrag auf Tempo 40 durch. Wo 30 und 50 km/h die Regel sind, kommen jetzt also noch 40 km/h dazu – ein Flickenteppich, den eigentlich alle vermeiden wollten. (GEA)
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REUTLINGEN. Es ist eine Freibadsaison, die Bäderchef Necdet Mantar und seinen Mitarbeitern logistisch alles abverlangt. Aufgrund der Pandemiebedingungen ist an einen normalen Badebetrieb nicht zu denken. Eintrittskarten werden online verkauft, »Slots« statt der normalen Zugangsmöglichkeiten kanalisieren Besucherströme. Mitte Oktober dann die Bilanz: Mehr als 104 000 Besucher strömten ins Wellenfreibad im Markwasen – eine Bilanz, die sich wahrlich sehen lassen kann. (ass)
Großraumdisco schließt REUTLINGEN. Mit der Area 14 in der Emil-AdolffStraße schließt die letzte Großraumdiskothek in Reutlingen. Wie Bars, Gaststätten oder Restaurants hat auch der Nachtund Tanzclub schon ab Frühjahr mit Corona zu kämpfen. Nichts ging mehr schon ab Mitte März. Corona ist aber nicht der einzige Grund für die Schließung. Das Gebäude soll 2022 abgerissen werden. Der Mietvertrag wäre bis Ende 2021 gelaufen. (ass)
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Verluste für Stadt und Kreis REUTLINGEN. Die Stadt Reutlingen und der Landkreis betrauern den Tod bedeutender Kommunalpolitiker. Ulrich »Luka« Lukaszewitz, Urgestein der Reutlinger Sozialdemokratie, erliegt am 8. November im Alter von 77 Jahren einer schweren Krankheit. Die Stadt verliert mit ihm einen Mann, der sich als Stadtund Kreisrat mehr als 50 Jahre lang in der Kommunalpolitik eingebracht hat. Im Laufe seines kommunalpolitischen und kulturellen Wirkens wird Ulrich Lukaszewitz unter anderem mit der Bürgermedaille in Gold ausgezeichnet. Auch der ehemalige Landrat Gerhard Müller ist tot. Er stirbt am 10. Oktober – drei Monate nach seinem 100. Geburtstag. Schwer krank war auch Rainer Löffler. Der ehemalige CDU-Stadtrat stirbt am 4. März im Alter von 60 Jahren. Er war lange Jahre stellvertretender Vorsitzender im CDU-Stadtverband. (ass)
Ulrich Lukaszewitz. FOTO: KUS
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Die Dauerbrenner Projekte – Grünes Licht für »Parkhotel« VON ROLAND HAUSER
REUTLINGEN. StadthallenHotel, Katherinenhof und Oberamteistraße – gleich bei drei Dauerbrenner-Themen ging’s 2020 teils entscheidende Schritte voran. Trotz immer wieder vorgebrachter Bedenken der örtlichen Hoteliers, die vor Überkapazitäten und Arbeitsplatzvernichtung warnten, machte der Gemeinderat Anfang November den Weg für ein Hotel neben der Stadthalle mit großer Mehrheit frei. Er beschloss die nötige Bebauungsplanänderung, die dem Pforzheimer Hotelier Wolfgang Scheidtweiler Planungssicherheit bietet. Bereits begonnen wurde nach langwierigen archäologischen Grabungen mit dem Bau des »Katharinenhofs« – und der Tübinger Bauträger Exklusiv Wohnwert überraschte im Oktober mit der Nachricht, das mit »tegut« spätestens Ende 2022 wieder ein größeres Lebensmittelgeschäft in der Altstadt eröffnen wird. Auch in der Oberamteistraße sollte es eigentlich voran gehen: Für den Neubau eines »gläsernen Hauses«, das die zerfallende Häuserzeile stützen soll, und dringende Sanierungsarbeiten erhoffte sich die Stadtveraltung vom Gemein-
Geplantes »Parkhotel« neben der Stadthalle. GRAFIK: DUDLER
Im »Katharinenhof« wird’s einen »tegut« geben. GRAFIK: KRAMS
Mauer steht Echaz – Hochwasser BETZINGEN. Baggerbiss für den Hochwasserschutz in Betzingen: Im Juni laufen im »Goosgarten« die Bauarbeiten für die naturnahe Umgestaltung der Echaz an. Die Gewässerökologie wird verbessert, die Echaz wieder erlebbar gemacht. Doch die 6 Millionen Euro teure Maßnahme – eine von sechs im Hochwasserschutzkonzept – soll das leidgeplagte Betzingen vor allem sicherer machen vor Überflutung. Deshalb wird eine Retentionsfläche von 1 200 Kubikmetern geschaffen und – der dickste Brocken – eine ein Meter hohe Mauer zur Steinachstraße hin gebaut. (keg)
Aus die Maus Pomo – Mini-Zoo zu
Wird das stützende »gläserne Haus« gebaut? GRAFIK: WULF derat ein Plazet. Dann fiel das Thema den coronabedingten Kürzungen der Jahresschlusssitzung am 15. Dezember zum Opfer. (GEA)
REUTLINGEN. Aus die Maus – so begann Anfang Mai der GEA-Bericht über das definitive Ende des Exotariums in der Pomologie. Nach über fünfzig Jahren sahen sich die Mitglieder des Trägervereins gezwungen, den rein ehrenamtlichen Betrieb des beliebten MiniZoos einzustellen. Immer wieder hatten Werner Henne und seine Mitstreiter versucht, jüngere Mitglieder zu rekrutieren – was aber nie nachhaltig gelang. (rh)
PFULLINGEN/ENINGEN/LICHTENSTEIN
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Stadt ohne Bürgermeister
Verwaltung – Michael Schrenk ist seit einem halben Jahr krank VON PETRA SCHÖBEL
PFULLINGEN. Mit einem Paukenschlag beim Bürgerempfang der Stadt begann das Jahr: Bürgermeister Michael Schrenk übte öffentlich Kritik am Gemeinderat. Das Gremium und er säßen zwar in einem Boot, ruderten aber in verschiedene Richtungen, bemühte er ein Bild, um seine Sicht der Situation darzustellen. Zuvor hatte es kritische Stimmen aus dem Gremium gegeben über die Führungsqualitäten des Verwaltungschefs. Danach war das Verhältnis eher noch zerrütteter. Aber die Beteiligten bemühten sich um Normalität, damit die anstehenden Projekte – darunter die Neuorganisation der Verwaltungsstruktur – nicht gefährdet würden.
Fink führt Geschäfte Deshalb kam es doch überraschend, dass der Bürgermeister nach seinem Pfingsturlaub nicht an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte. Woche um Woche, Monat um Monat sandte er pflichtgemäß seine Krankmeldungen ins Rathaus. Persönlich erklärt hat er sein Fortbleiben nie, weder seinem ehrenamtlichen Stellvertreter Martin Fink gegenüber noch
Das Amtszimmer des Bürgermeisters im Rathaus I ist seit Monaten verwaist. FOTO: SCHÖBEL dem Gemeinderat noch den Rathaus-Mitarbeitern. Kein Wunder also, dass sich in der Stadt wilde Gerüchte um seine Person und seine Krankheit verbreiteten. Die Ratsfraktionen kritisierten im August in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass der Kontakt zum Bürgermeister komplett abgerissen sei, und machten deutlich, dass Schrenk es aus ihrer Sicht an »ehrlichem Interesse an der Weiterentwicklung der Stadt« fehlen lasse. Sie hatten ihm im Juli einen Brief geschrieben, aber keine Antwort erhalten.
Rein rechtlich gesehen sei das Vorgehen des Bürgermeisters nicht zu beanstanden, hieß es auf Nachfrage aus dem Landratsamt. Laut Beamtengesetz reiche es, regelmäßig die Krankmeldung abzuliefern. Mehr als ein halbes Jahr führt Martin Fink als erster Stellvertreter schon die Amtsgeschäfte und sorgt dafür , dass wichtige Dinge fortgesetzt werden und Neues angestoßen wird. Tatkräftig unterstützt werde er dabei von allen Verwaltungs-Mitarbeitern, deren Engagement er uneingeschränkt lobt. (GEA)
Für das entgegengebrachte Vertrauen in uns und unsere Arbeit bedanken wir uns herzlich. Gesundheit, Glück und Zufriedenheit und viele schöne Momente sollen Sie im neuen Jahr begleiten.
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Demo für den Bäderleiter PFULLINGEN. Wegen Differenzen mit dem Hauptamt hatte der Pfullinger Bäderleiter Lennart Kerkhoff, noch keine zwei Jahre im Amt, im Januar gekündigt. Daraufhin schritten die Badegäste zur Tat: In kürzester Zeit sammelten sie 1 757 Unterschriften für den Verbleib des geschätzten Bademeisters. Mit einer Demo vor dem Beginn einer Ratssitzung in den Pfullinger Hallen unterstützten sie ihr Anliegen und kritisierten, dass Bürgermeister Schrenk nicht den Mut habe, mit ihnen zu sprechen. Kerkhoff erklärte sich bereit, die Kündigung zurückzuziehen. Das wurde vom Bürgermeister aber abgelehnt. Seit dem Herbst organisieren die Bäder-Mitarbeiter den coronabedingt reduzierten Betrieb ohne Chef. (ps)
Zahlreiche Freunde der Pfullinger Bäder demonstrierten im Februar für den Verbleib von Bäderleiter Lennart Kerkhoff. FOTO: PIETH
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PFULLINGEN/ENINGEN/LICHTENSTEIN
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Späte Ehre für Pfullinger Frauen PFULLINGEN. Im April war es 75 Jahre her, dass Pfullinger Frauen sich angesichts des Endes des Zweiten Weltkriegs dafür eingesetzt hatten, die Stadt kampflos an die anrückenden französischen Truppen zu übergeben. Sie bauten Panzersperren ab, demonstrierten vor dem Rathaus und schwenkten weiße Fahnen. Im Februar wurde das Aufbegehren der Frauen für ein TV-Team vor dem Rathaus nachgestellt, zum Teil mit Komparsinnen aus Pfullingen. Im Mai war das historische Geschehen in der Echazstadt dann als eine von mehreren Episoden in einer SWR-Dokumentation über den Widerstand gegen die Nazi-Willkür im Südwesten im Fernsehen zu sehen. In der Folge haben sich auch die Ratsfraktionen des Themas angenommen, das in Pfullingen lang ein Schattendasein geführt hatte. Eine Rats-Arbeitsgruppe mit Stadtarchiv Stefan Spiller hat im November einen Vorschlag für eine Gedenk-Stele am Rathaus im Verwaltungsausschuss vorgestellt, mit der an das heldenhafte Eintreten der Frauen erinnert werden soll. Sie soll 2021 aufgestellt werden. (ps)
Kultur in Coronazeiten: Drei Monate Autokino in Pfullingen Mit dem Lockdown zu Beginn der Corona-Pandemie endete abrupt auch das kulturelle Leben. Das Pfullinger Veranstaltungsunternehmen DSR, seit Mitte März arbeitslos, eröffnete im Mai ein Autokino auf dem ehemaligen SchlachthofGelände. Anfangs waren Comedy-Veranstaltungen, Gottesdienste, Firmen-Events und Kino –
unter anderem der Wunschfilm der GEA-Leser »Spiel mir das Lied vom Tod« – gut besucht. Doch das Interesse schwand, als im Sommer die Kinos wieder öffnen durften. Deshalb war nach 61 Tagen mit 6 300 Besuchern Schluss. Veranstalter Markus Bastian beendete das Projekt mit einer »schwarzen Null«. (ps) FOTO: LEIPPERT
Mitten durch oder am Rande? ÖPNV – Machbarkeitsstudie zur Regionalstadtbahn im Echaztal VON PETRA SCHÖBEL
PFULLINGEN. Möglich wäre beides: Sowohl auf der ehemaligen Trasse der Echaztalbahn könnte die Regionalstadtbahn künftig Fahrgäste in Richtung Engstingen, Reutlingen oder Tübingen umweltfreundlich transportieren wie auch auf einer Strecke durch die Innenstadt über die Marktstraße, die Große Heerstraße und die
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Klosterstraße. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die der Landkreis und der Zweckverband Regionalstadtbahn im Mai vorgestellt haben. Beide Varianten unterscheiden sich auch bei der Kostenschätzung nicht wesentlich: Knapp 90 Millionen Euro werden für den Bau auf der Bahntrasse veranschlagt, gut 96 Millionen Euro für die Innenstadtstrecke.
Bis eine Entscheidung fällt, wird es noch dauern. Erst sollen im Zuge einer Vorplanung wichtige Details als Grundlage für einen Beschluss erarbeitet werden. Das könne ein bis zwei Jahre dauern, hatte Dr. Dirk Seidemann, nebenamtlicher Geschäftsführer des Zweckverbands, im OnlineWerkstattgespräch im November auf eine Bürgerfrage erklärt. (GEA)
PFULLINGEN/ENINGEN/LICHTENSTEIN
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Verzögerter Badespaß
Punktlandung: Schillerhaus
Freizeit – Das Eninger Waldfreibad präsentiert sich komplett saniert VON CLAUDIA HAILFINGER
ENINGEN. Mit Hochdruck auf die Neueröffnung hingearbeitet und dann das: Dunkle Corona-Wolken zogen im April am strahlend blauen Eninger Sommerhimmel auf. Nachdem das schmucke Waldfreibad über drei Jahre in Etappen auf Vordermann gebracht worden war, sollte das Ergebnis stolz präsentiert werden. Nicht nur mit neuem Eingangs-, Umkleide- und Sanitärbereich konnte das idyllisch am Hang gelegene Bad aufwarten, auch das Becken und das Kinderareal wurden saniert und – als großes Highlight – zwei Riesenrutschen aufgestellt. Trotz beharrlicher Zuversicht – mit der Eröffnung im Mai klappte es nicht. Schnell
Bei Klein und Mittelgroß ein Hit: die neuen Rutschen. mussten praktikable, coronakonforme Baderegeln und Öffnungszeiten her. Ende Juni war’s dann so weit: Beigeister-
FOTO: LEIPPERT
te Badehungrige machten erstmals Bekanntschaft mit der neuen Anlage – und mit »Badeslots«. (GEA)
Wieder Ärger ums Feuerwehrgerätehaus Sanierung – Wer ist verantwortlich für steigende Kosten? ENINGEN. Endete das vergangene Jahr mit Unstimmigkeiten zwischen Nutzern und Verwaltung zum Umfang der Sanierung, sorgte das Feuerwehrgerätehaus schon im Februar erneut für erhitzte Gemüter. Immer wieder musste das Budget erhöht werden. Letzt-
lich kommt das Projekt voraussichtlich rund 1,4 Millionen Euro teurer als gedacht. Wer hat Schuld? Der Architekt, der Projektsteuerer, die Nutzer oder die Gemeinde mit nachträglichen Wünschen? Das Vorhaben wurde schlecht geplant und kalkuliert, zu die-
sem Schluss kommt ein eingeschalteter Fachanwalt. Die Verwaltung zeigte sich selbstkritisch, die Räte erarbeiten Anträge, wie das Projekt zum guten Abschluss gebracht werden kann. Was bleibt? Die Erkenntnis: So darf’s nie wieder laufen. (hai)
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ENINGEN. Schön sollte es werden – schön ist es geworden. Ein Projekt, das weitgehend reibungslos über die Bühne ging, ist der Umbau der ehemaligen Schillerschule, die nun Schillerhaus heißt. Mit Fingerspitzengefühl wurde das unter Denkmalschutz stehende Gebäude aus dem Jahr 1914 saniert. Im Frühjahr 2019 hatten die Arbeiten begonnen, schon ein gutes Jahr später konnte die Bücherei und die Kinderbetreuungsgruppen in den aufgehübschten Bau einziehen. Sogar die Kosten blieben im Plan: Die Gemeinde investierte 5,5 Millionen Euro. (hai)
Freie Fahrt ENINGEN. Holpriger Asphalt gehört ebenso der Vergangenheit an wie aufwendige Umfahrungen. Rund ein Jahr lang wurde die Eninger Steige für 3,6 Millionen Euro in Etappen saniert, der talwärts rutschenden Fahrbahn Halt gegeben. Immer wieder musste die Strecke gesperrt werden. Vor versammelter Politprominenz wurde im September dann endlich das Absperrband zerschnitten: Der Verkehr kann wieder rollen. (hai)
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Windkraft contra Schloss
Immer die Albaufstiege
LICHTENSTEIN. Ein Sieg für die Windkraft, eine bittere Entscheidung für die Denkmalschützer und die Bürgerinitiative: Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg hat im Mai den Antrag des Landratsamts Reutlingen abgelehnt, im Verfahren um den Windpark Hohfleck eine Berufung zuzulassen. Der VGH bestätigt damit die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Sigmaringen, das 2019 festgestellt hatte, dass der geplante Windpark das drei Kilometer entfernt liegende Schloss Lichtenstein nicht beeinträchtigt. Nicht gefolgt ist der VGH der Auffassung des Landratsamts, in bestimmten Umgebungen – etwa einer »romantischen Ideallandschaft« – müssten gewandelte Anschauungen zu baulichen Anlagen gänzlich außer Betracht bleiben und sei auf Anschauungen aus früheren Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten abzustellen. Mit großem Bedauern hatte Schlossherr Wilhelm Albert von Urach die Entscheidung zur Kenntnis genommen. Er sieht durch das Urteil die Bedeutung des Denkmalschutzes infrage gestellt. (us)
LICHTENSTEIN. Die großen Schlagzeilen macht der Neubau des Albaufstiegs der B 312 nicht mehr, seit das Regierungspräsidium Ende 2019 in die Planungen eingestiegen ist. Der Verkehr und seine Auswirkungen bleiben gleichwohl ein großes Thema in der Gemeinde. Auch weil Lichtenstein gleich an mehreren Steigen für die Verkehrssicherung verantwortlich ist. Augenfälligstes und teuerstes Beispiel: Der Hubschraubereinsatz an der Honauer Steige im November. Versuche, die Kosten zumindest teilweise auf Land und Bund abzuwälzen, wie der Gemeinderat gefordert hatte, scheiterten. (us)
Mit Spatenstich und Pickelhieb: Start fürs Baugebiet Breitenbohl II in Holzelfingen. FOTO: LEISTER
Es wird gebaut
Infrastruktur – Lichtenstein entwickelt sich VON UWE SAUTTER LICHTENSTEIN. Manche Vorhaben bedürfen offensichtlich eines langen Vorlaufs. Das könnte man, vorsichtig formuliert, im Rückblick auf die Entwicklung der Gemeinde 2020 sagen. Positiv betrachtet stellt sich die Gemeinde gerade für die Zukunft auf. Mit dem Spatenstich für das Baugebiet Breitenbohl II im Juni ist nach jahrelangen Verfahren endlich ein Knopf an die Sache gemacht worden. 24 lang ersehnte Plätze können damit bebaut werden. Angerückt sind die Bagger auch in der Wilhelmstraße 72. Dort stellt sich die Gemeinde ihrer Verpflichtung gegenüber von Obdachlosigkeit bedroh-
ten Bürgern. Das rund 1,3 Millionen Euro teuere Haus mit zehn Wohnungen soll das marode Gebäude in der Panoramastraße in Unterhausen ersetzen. Auf den Weg gebracht hat der Gemeinderat in diesem Jahr auch die Entwicklung einer zukunftsfähigen Grundschule. In den kommenden Jahren soll die Uhlandschule grundlegend saniert und fit für den Ganztagesbetrieb gemacht werden. Ende Oktober hatte der Gemeinderat der Ausschreibung des Teilnahmewettbewerbs für die ersten drei Bauabschnitte zugestimmt. Rund 6,7 Millionen Euro will die Gemeinde in das Gebäude und damit in die Bildung stecken. (GEA)
Wasser marsch! LICHTENSTEIN. Mit Sachverstand und Beharrlichkeit haben die »Gitterbrüder« den Brunnen vor der Oberhausener Kirche wieder zum Plätschern gebracht. Und das trotz anfänglicher Meinungsverschiedenheit mit der Gemeinde. Die Initiative spendete Material, der Schlosser Mark Motschnig seine Arbeitszeit, um das fehlende Schutzgitter einzubauen. (us)
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Tourismus-Chefin im Rathaus
Spot an: Ein unterirdisches Geburtstagskind leuchtet Die Bärenhöhle in Erpfingen ist am 14. Mai 1950 offiziell eingeweiht worden. Ein Fest zum Geburtstag gab es zwar nicht. Aber 2020 wur-
den trotzdem die Lichter angezündet. Künstler Wolfgang Flammersfeld hat die Höhle mit neuen Installationen illuminiert. (cofi) FOTO: FISCHER
Bagger statt Babykleidung
Ortskern – Textilfabrik Wagner in Willmandingen wird abgerissen VON CORDULA FISCHER
SONNENBÜHL. In der Willmandinger Bolbergstraße sind bis 1985 hochwertige Textilien hergestellt worden, in den Baby-Boom-Jahren Säuglingsund Kinderkleidung, Strampelhosen. Nach der Insolvenz kam das, was bei solchen Industriekomplexen häufig der Fall ist: Autowerkstätten, Dienstleister, Wohnungen, Diskotheken. Doch nun ist auch von außen nichts mehr
Abriss des Wagner-Areals in Willmandingen. FOTO: FISCHER von der Firma Wagner zu sehen. Am 5. April ist die Abbruch-Firma angerückt. Zunächst wurden die Gebäude
entkernt. Im Sommer kamen die Bagger, die Mauern fielen. Der Abbruch wurde mit 60 Prozent aus dem Landessanierungsprogramm gefördert. Auf dem 6 500 Quadratmeter großen Areal wird die Bauherrengemeinschaft aus Samariterstiftung Nürtingen und Baugenossenschaft Pfullingen ein Seniorenzentrum als Quartier der Generationen errichten. Anfang 2021 soll das Baugesuch eingereicht werden. (GEA)
SONNENBÜHL. Ulrike Müller ist die Neue im Rathaus: Sie ist seit dem 1. Oktober die TourismusChefin von Sonnenbühl. Sie soll Konzepte entwickeln, um die touristischen Ziele und die einzigartige Landschaft anders zu vermarkten. Sie hat berufliche Erfahrungen im Tourismus und arbeitete 24 Jahre in geschäftsführender Position in einer international tätigen Eventagentur in München. Sie kommt aus der Region. Ihre Stelle beinhaltet auch die Leitung des Ostereimuseums. Sonnenbühl hat zum ersten Mal eine solche Stelle geschaffen. (cofi)
Ortsdurchfahrt ist saniert SONNENBÜHL. Die Ortsdurchfahrt von Willmandingen ist saniert. Im Frühjahr sind die Bauarbeiter angerückt, im November wurde die Straße wieder für den Verkehr freigegeben. Damit ist der dritte von vier Bauabschnitten abgeschlossen. Die überirdische Gestaltung wird über das Landessanierungsprogramm gefördert. 2021 soll Bauabschnitt vier angegangen werden. (cofi)
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Der Albmetzger
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Alb-Bahn mit Startproblemen TROCHTELFINGEN. Die Reaktivierung der Schienenstrecke EngstingenGammertingen lief nicht reibungslos. Zu Verzögerungen bei den Bauarbeiten an den Bahnhöfen und Bahnhalten in Engstingen und Trochtelfingen kamen Probleme mit der Schiene: Von Ende April bis Anfang November waren keine Züge auf der Strecke unterwegs. So lange dauerte es, die Gründe für erhöhten Verschleiß an Schienen und Rädern ausfindig zu machen und zu beheben. Erst seit den Herbstferien fahren die Züge der Schwäbischen Alb-Bahn hier wieder. (dew)
Ade, Martin Herrmann! TROCHTELFINGEN. Nach 40 Jahren in der Kommunalpolitik – davon 30 Jahre als Ortsvorsteher in Mägerkingen – hatte sich Martin Herrmann bereits im Herbst 2019 in den Ruhestand verabschiedet. Die Stadt Trochtelfingen und der Stadtteil Mägerkingen haben im Februar ein Abschiedsfest gegeben. Noch vor Corona: Der ganze Stadtteil war auf den Beinen. (cofi)
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Gefahrgutunfall: Lastwagen mit Gasflaschen verunglückt Diesen Schrecken werden viele Trochtelfinger auch in Jahren nicht vergessen: Am 27. April verunglückte auf der B 313 in Stadtnähe ein mit Gasflaschen beladener Gefahrguttransporter. Der Lastzug brannte aus, mehr als dreihundert Gasflaschen explodierten. Der Feuerwehr-Groß-
Blaues Haus wird saniert
Infrastruktur – Etappe zwei an der Werdenbergschule läuft VON CORDULA FISCHER
TROCHTELFINGEN. Die Stadt Trochtelfingen investiert in ihren Schulstandort. Die Sanierung der Werdenbergschule läuft. Nachdem der Neubau fertiggestellt wurde, ging es 2020 an die Sanierung des zweiten Gebäudes, des sogenannten blauen, denn das wird die bestimmende Farbe in diesem Haus sein. Das Farb-
konzept sieht verschiedene Farben für die jeweiligen Gebäude vor. Im März wurden die Arbeiten in Höhe von 1,4 Millionen Euro vergeben, insgesamt waren zwei Millionen Euro für diesen Bauabschnitt im Haushalt eingeplant, wobei der Gemeinderat im Zuge der Beratungen für den Nachtragshaushalt beschlossen hatte, die geplanten Mittel um
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500 000 Euro zu kürzen. Im Jahr 2019 hatten die Bauarbeiten an der Trochtelfinger Werdenbergschule begonnen. Sie werden noch bis 2022 dauern. Die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts ist für das Frühjahr 2021 geplant. Neben dem blauen gibt es noch zwei weitere Gebäude, die Sanierung und Umbau unterzogen werden. Sie haben die Farben Grün und Gelb. (GEA)
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Turmsanierung St. Martin
Kirche – Schwere Schäden werden für 710 000 Euro behoben VON MARION SCHRADE ENGSTINGEN. Kaum war das eine Gerüst weg, wurde das andere aufgebaut: Auf die Sanierung der evangelischen Blasiuskirche in Kleinengstingen 2019 folgte 2020 die der katholischen Kirche St. Martin im Nachbarort Großengstingen. Der Turm wies nicht nur, wie zunächst angenommen, Schäden am Putz auf. Auch das darunterliegende Gebälk war schwer beschädigt. Die Kosten von voraussichtlich 710 000 Euro teilen sich kirchliche und bürgerliche Gemeinde zu gleichen Hälften. (GEA)
Eingerüstet: Der Turm von St. Martin in Großengstingen. FOTO: SCHRADE
Bauland auf der grünen Wiese und mittendrin
Die »Rose« blüht wieder PFRONSTETTEN. Die »Rose« war für Pfronstetten der Treffpunkt schlechthin, dann endete die gastronomische Nutzung. Ende letzten Jahres hat die Gemeinde das alte Gasthaus gekauft und will hier einen neuen Dorfmittelpunkt schaffen. Ein Bürgersaal für 200 Personen ist fest geplant, die Gaststube könnte zum Café werden und es gibt noch Platz für einen Coworking-Space. Rose, Albhalle, Grundschule und Kindergarten bilden jetzt den Kern für ein hackschnitzelbetriebenes Nahwärmenetz, an das sich Anwohner einklinken können. (wu)
Ortsentwicklung – Engstingen deckt Nachfrage nach Wohnraum
Ein Forstamt für den Landkreis
EENGSTINGEN. Für viele Engstinger dürfte es die Nachricht des Jahres gewesen sein: Es gibt in absehbarer Zeit wieder Bauplätze. Gleich drei Eisen hat die Gemeinde im Feuer, um den Grunderwerb und die Erschließung so zügig wie möglich voran zu bringen. Denn die Besitzverhältnisse sind kompliziert. In den Schafäckern zum Beispiel waren 15 von 20 nötigen Flurstücken zu Beginn der Planungen in Privateigentum. Nach erfolgrei-
ENGSTINGEN-HAID. Im Januar wurde Eröffung gefeiert: Seit Anfang 2020 ist das neue Kreisforstamt im früheren Notariat im Gewerbepark Haid untergebracht. Von hier aus werden rund 22 500 Hektar Kommunalwald und 8 000 Hektar Privatwald in 22 Forstrevieren betreut. Die Leitung hat Matthias Kiess. Bei der Forstreform wurden Gemeindewald und Staatswald getrennt. (dew)
chen Verhandlungen ist die Tinte unter den Verträgen getrocknet, sodass in naher Zukunft auf 2,61 Hektar rund 34 Baugrundstücke ausgewiesen werden können. Bauland war und ist auch eines der großen Themen im Strategie-Konzept 2035, das die Engstinger gemeinsam für ihren Ort entwickelt hatten. Nach den Bürger-Veranstaltungen 2019 verabschiedete der Gemeinderat im Frühjahr 2020 eine Prioriätenliste. Wohnraum steht ganz
oben – auch, aber nicht nur in Form eines Häuschens im Grünen. Auf die Nachfrage nach bezahlbaren Miet- und Eigentumswohnungen will die Gemeinde mit einem Konzept für die neue Ortsmitte reagieren: Zwischen den Dörfern könnten Mehrfamilienhäuser entstehen, außerdem wäre dort auch Platz für ein Feuerwehrhaus, das die Abteilungen Klein- und Großengstingen gemeinsam nutzen könnten. (ma)
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Eine Halle für Gammertingen GAMMERTINGEN. Auf dem Schey-Areal steht einsam noch das Gebäude 6 der Laucherttalschule, aber das wird sich bald ändern. Die ersten Ausschreibungen für den Bau der Stadt- und Kulturhalle in Gammertingen sind unterwegs, Mitte 2021 sollen die Bagger anrollen und mit den Tief-, Erd- und Rohbauarbeiten beginnen. Bis hier gefeiert werden kann, wird aber noch einiges Wasser die Lauchert hinunterfließen: Die Halle soll im Herbst 2022 fertig sein. (wu)
Werkstatt und Kulturhaus
Altenpflege: Es ist beschlossen, St. Elisabeth wird neu gebaut Im Oktober wurde es im Gemeinderat beschlossen: Allerspätestens Ende 2026 sollen die Bewohner des Altenpflegeheims St. Elisabeth in einen Neubau umziehen können. Jetzt sind erst einmal die Architekten und Planer gefordert. Das Gremium hat es sich mit seinem Beschluss
nicht leicht gemacht, schließlich werden die Kosten auf 12 Millionen Euro geschätzt. Zu viel, meinten einige Räte und plädierten für einen privaten Träger und auch über den Standort – in der Ortsmitte oder neben dem Bestandsbau – wurde lange gestritten. (wu) FOTO: WURSTER
Warten auf die Bauplätze Ortsentwicklung – Wachstum in Hohenstein VON CHRISTINE DEWALD
Ein Flying Space fliegt ein: Anbau für die Scheunenwerkstatt. FOTO: DEWALD HOHENSTEIN. Am Bauernhausmuseum in Ödenwaldstetten ist in diesem Jahr die neue Scheunenwerkstatt entstanden. Eröffnet wird sie coronabedingt erst 2021. (dew)
HOHENSTEIN. Für die vielen Bauwilligen in Oberstetten und Meidelstetten war es wie eine vorgezogene Weihnachtsbescherung: Ende November kamen wieder kommunale Bauplätze auf den Markt. Die beiden Gebiete »In der Burgstraße« in Oberstetten und »Hofäckerweg« in Meidelstetten wurden im Lauf des Jahres erschlossen – das eine ist bereits fertig, das andere wird
es im Frühjahr sein. Mit einem Quadratmeterpreis von 153 Euro sind die Bauplatzkosten allerdings deutlich gestiegen. Daran ist der höhere Aufwand für die Erschließung schuld. Anfang Mai war der erste Spatenstich: 18 Bauplätze mit einer Größe um 500 Quadratmeter entstehen in einem Lückenschluss-Gebiet an der Burgstraße in Oberstetten. Etwas später starteten die Arbeiten in Meidelstetten, wo in zwei Bauabschnitten insge-
samt 28 ebenfalls kompakte Bauplätze entstehen können. Um die Plätze möglichst gerecht zu verteilen, hat der Gemeinderat Ende Oktober neue Vergaberichtlinien beschlossen. Sie beinhalten zum einen soziale Kriterien wie Kinderzahl oder Pflege eines Angehörigen, zum anderen können die Bauplatzinteressenten auch mit ortsbezogenen Kriterien oder mit dem Engagement in Hohensteins Vereinen punkten. (GEA)
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Schulhausbau auf dem Weg
Entwicklung – Gemeinde St. Johann treibt Großprojekte voran VON CHRISTINE DEWALD
Mahlen wird sie nicht mehr Denkmal – Lauter-
mühle ist renoviert
ST. JOHANN. Viel geplant wurde in St. Johann in diesem Jahr, noch wenig gebaut. Doch haben Gemeinderat und Verwaltung in den vergangenen Monaten die Weichen gestellt für verschiedene Großprojekte, die in der Kommune wichtige Infrastruktur für die Zukunft schaffen sollen. Das umfangreichste: die Sanierung und Erweiterung der Grundund Werkrealschule mit einem Gesamtvolumen von rund 10,5 Millionen Euro. Beschlossen wurde dieses Mammutprojekt im November.
Raum für Dorfleben Grund- und Werkrealschule St. Johann. geschoss soll die Ortschaftsverwaltung einziehen, die bislang im alten Rathaus im Unterdorf residiert. Auch die Bücherei findet Platz. Im zweiten Abschnitt wird ein neuer Gemeindesaal angebaut, der Raum für Vereine, Veranstaltungen und Feste bietet. Auch für das Rathaus in Ohnastetten tat sich im Lauf des Jahres eine neue Perspektive auf: Der einmal angedachte Verkauf ist vom Tisch, das große Haus soll auch zukünftig und noch besser als bisher
FOTO: DEWALD
für die Dorfgemeinschaft genutzt werden. Erster Schritt wird hier der Umzug des Backraums in den früheren Kindergarten sein. Ein weiteres St. Johanner Dauerthema ist im Lauf des Jahres so weit gekommen, dass 2021 voraussichtlich mit der ersten Umsetzung begonnen werden kann: die Baulanderschließung. Bis wirklich in verschiedenen Ortsteilen Bauplätze zur Verfügung stehen, wird es aber noch eine Weile dauern. (GEA)
GOMADINGEN. Zuletzt lief die Lautermühle im Jahr 2016 bei einer Vorführung für den Gemeinderat. Dabei hätte sie den Honoratioren auch auf den Kopf fallen können, meint Bürgermeister Klemens Betz. Jetzt ist sie wieder sicher, der gut 300 Jahre alte Bau wurde umfassend restauriert und rekonstruiert. Von außen strahlt sie jetzt im Lichte von Scheinwerfern, und gibt dem ebenfalls runderneuerten Dorfplatz zusammen mit der Alten Mühlenscheuer ein der rauschenden Lauter angemessenes Gepräge. Innen ist noch einiges zu tun, aber die Gemeinde macht sich schon mal Gedanken über die künftige Nutzung. Eines ist sicher: Ein Dorfgemeinschaftshaus wird die Mühle nicht werden. Die platzraubende Mühlentechnik muss erhalten bleiben und eine Heizung kommt nicht infrage, sagt das Denkmalsamt. Kommen könnte ein Mühlenladen, geöffnet in den warmen Monaten. Und die Sammlung der Gebrüder Besch mit Funden aus der Römerzeit soll Grundlage für ein AlblimesMuseum werden: »Das gibt’s noch nirgends«, weiß der Bürgermeister. (wu)
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Gebaut wurde aber auch schon ein bisschen: An der Alten Schule in Bleichstetten, die in zwei Abschnitten zum Dorfhaus mit Bürgersaal umgestaltet werden soll, sind Anfang Dezember die ersten Arbeiter angerückt. Der Baubeschluss für das Gesamtpaket von 3,1 Millionen Euro fiel im Juli. Der erste Bauabschnitt, der die Modernisierung des historischen Schulhauses beinhaltet, kostet gut 1,5 Millionen Euro. In den Klassenzimmern im Untergeschoss entstehen Räume für einen Kindergarten und einen kleinen Kulturtreff, ins Ober-
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Alexandra Hepp folgt Matthias Henne. FOTO: BLOCHING
Bürgermeisterin für Zwiefalten ZWIEFALTEN. Bürgermeister Matthias Henne hat das Zwiefalter Rathaus im April verlassen, am 1. Dezember hat Alexandra Hepp sein Büro bezogen. Die 49-Jährige aus Gammertingen hatte im September 69 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang eingefahren. (wu)
Corona legt die Kultur lahm HAYINGEN. Im Juni sollte das Stück »Don Quichotte von dr Alb ra« im Naturtheater in Hayingen Premiere feiern, die erste Coronawelle hat den Probenbetrieb zum Stillstand gebracht, schon im April war klar: »Don Quichotte« reitet erst 2021. In der Kulturmühle Wimsen sah es kaum besser aus, immerhin konnten im Sommer noch vier Konzerte stattfinden, wenn auch in kleinerem Rahmen. Im April 2021 soll’s weitergehen. (wu)
Hallenbad: Münsinger Gemeinderat beschließt Neubau für 5,3 Millionen Gleich die zweite war eine extreme Saison: Das 2019 für 6,5 Millionen Euro sanierte und umgestaltete Münsinger Freibad war eines der wenigen in der Region, das unter Pandemie-Bedingungen überhaupt geöffnet hatte. Der Förderverein zeigte sich, weil Klassiker wie die DJ-Party allesamt ins Wasser fielen, kreativ: Der erste
Münsinger Mini-Triathlon war mit über 50 Startern ein Erfolg. Derweil fasste der Gemeinderat einen weitreichenden Entschluss: Die Bädersanierung soll sich mit dem Neubau eines Hallenbads für 5,3 Millionen Euro (links im Bild) auf dem Gelände fortsetzen. Der erste Badetag soll im September 2023 sein. (ma) GRAFIK: BINDER
Jubiläen ohne Fest Geschichte – 1 250 Jahre alte Alb-Dörfer VON MARION SCHRADE
MÜNSINGEN. 2020 war das Jahr der großen, ungefeierten Jubiläen: Die Dorffeste anlässlich der ersten schriftlichen Erwähnung der beiden Teilorte Auingen und Trailfingen vor 1 250 Jahren wurden auf coronafreie Zeiten verschoben. Immerhin: Die beiden Bücher, die dank engagierter Heimat-
forscher in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv entstanden waren, wurden rechtzeitig vor Weihnachten veröffentlicht. Gedruckt wurde auch die 125-jährige Geschichte des Alten Lagers und des Truppenübungsplatzes Münsingen, die Autor Joachim Lenk anlässlich des Jubiläums mithilfe vieler Zeitzeugen aufgearbeitet hat. (GEA)
Kinderhaus Betreuung – Platz
für rund 80 Kinder MÜNSINGEN. Es war ein sportliches Projekt mit Punktlandung – sowohl zeitlich als auch finanziell: Innerhalb nur eines Jahres entstand im Badstuhl das neue Kinderhaus »Löwenzahn« für 3,4 Millionen Euro. Der Betreuungsengpass in der Stadt ist damit vom Tisch: 18 Erzieherinnen kümmern sich um rund 80 Kinder in vier Gruppen. (ma)
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Metzinger OB kandidiert Wahl – Fiedler will Landrat werden
Ab dem 20. März waren wirklich alle Geschäfte in der Outletcity geschlossen.
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Nur der Wind pfiff noch durch Lockdown – Ab Mitte März machte die Outletcity Metzingen zu VON RALF RITTGEROTH
METZINGEN. Der 20. März ist ein wolkenloser, sonniger und warmer Tag und gleichzeitig der erste Tag an dem wirklich alle Geschäfte in der Metzinger Outletcity geschlossen sind: erster bundesweiter Lockdown in der ersten Welle der Corona-Pandemie. Schon einige Tage zuvor sind die Auswirkungen der weltweiten Krise auch in Metzingen zu spüren. Touristen, beispielsweise aus China oder Italien, bleiben wegen der Entwicklungen rund um das Virus in ihren Ländern, ihrem beliebten Shoppingziel fern. Sie können nicht, sie dürfen nicht reisen. Die ersten Stores der interna-
tionalen Marken haben da in Metzingen bereits geschlossen, weil auch die Zentralen und Filialen in den jeweiligen Heimatländern geschlossen sind. Dann müssen an diesem 20. März alle anderen Geschäfte auch nachziehen. Deutschland macht dicht. Auch die Restaurants und Hotels – auch in Metzingen. Ein völlig unbekanntes Bild in der sonst so quirlig belebten Outletcity. Nur noch Vogelgezwitscher, das Rauschen der Erms und Hämmern von nahen Baustellen sind zu hören. Die Outletcity ist zur Geisterstadt mutiert. Das bleibt bis Ende April so. Im Gespräch mit dem GEA wertet das der Vorstandschef der Holy-AG, Wolfgang Bauer,
später im Jahr so: »Das war eine dramatische Zeit.« Zwar sei versucht worden, das ausbleibende Geschäft durch Online-Shopping auszugleichen, das sei aber eine schleppende Angelegenheit gewesen, so Bauer. Mittlerweile ist die Outletcity zu einer neuen Normalität zurückgekehrt. Selbst LateNight-Events und den BlackFriday hat es wieder gegeben. Alles unter den bekannten Infektionsschutzregeln: Shopping mit Alltagsmaske, Hygienevorschriften und Abstand. Am Black-Friday Ende November kontrolliert die Polizei die Einhaltung der Regeln. Und das ganz ohne Frühlingswetter. (GEA)
METZINGEN. Die Einladung zum Pressegespräch am 6. Oktober ließ ahnen, um was es geht, wurde als Thema doch »eine persönliche Information von Dr. Ulrich Fiedler zur kommenden Landratswahl« in Aussicht gestellt. Im Rathaus machte der Metzinger OB dann schnell klar: Er wird bei der Reutlinger Landratswahl am 1. Februar 2021 kandidieren, will Nachfolger von Thomas Reumann werden. Von »einem schwierigen Abwägungsprozess« berichtet der 48-jährige Verwaltungschef, macht deutlich, dass ihn viel hält: »Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht.« OB in Metzingen zu sein, sei eine sehr reizvolle Aufgabe. Er hat sich aber entschieden: »Ich will meine Erfahrung einbringen für ein gutes Miteinander im Landkreis.« So eine Chance biete sich – oder eben nicht. Mobilität, medizinische Versorgung, Bedürfnisse von Stadt und ländlichem Raum – es gibt viele Themen. Der promovierte Jurist sitzt seit 2014 im Kreistag für die Freien Wähler. Mit ihm kandidiert Dr. Richard Wiedemann, Richter am Bayerischen Verwaltungsgericht Augsburg. (mwm)
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Zu viele Fragen offen Schlachthof – Gal-
genfrist verlängert
METZINGEN. Ende 2021 soll endgültig Schluss sein. Dann wird der mitten in einem Wohngebiet liegende Schlachthof in Metzingen geschlossen. Solange müssen sich die Anlieger noch gedulden. Der Gemeinderat hat damit die Frist um ein weiteres Jahr verlängert. Auch Oberbürgermeister Fiedler und andere stimmten zu, gleichwohl es ihnen schwergefallen ist, sehen sie sich doch an ihr Wort gebunden, bereits Ende 2020 werde der Schlachtbetrieb in der Sannentalstraße eingestellt. Zu viele Fragen sind noch offen. Weder gibt es belastbare Zahlen, noch ist nicht geklärt, wer die gewünschte, neue noch zu bauende Schlachtstätte nutzt. Der Gemeinderat hat deshalb alle Beteiligten aufgerufen, bis zum 30. Juni ein aussagekräftiges Betriebskonzept vorzulegen, um weiterreichende Beschlüsse fassen zu können. Offen ist unter anderem auch der Standort. Der muss nach Ansicht der Stadt nicht unbedingt Metzingen sein. Der Schlachthof werde schließlich schon heute überwiegend von auswärtigen Metzgern genutzt. (füs)
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Schön und neu, doch so richtig gefeiert werden konnte die Übergabe der erweiterten Schillerschule in Dettingen nicht. Corona hat’s nicht zugelassen. FOTO: FINK
Festakt ohne Feststimmung
Schillerschule – Die Übergabe war nur im kleinen Rahmen möglich VON THOMAS FÜSSEL
DETTINGEN. Ein großes Fest hätte es werden sollen, ein Fest, wie es an der Schillerschule noch nicht gab. Doch daraus wurde nichts. Corona hat’s verhindert. Und dabei hätte das Ereignis es verdient gehabt, groß gefeiert zu werden. Von der Schule und vom ganzen Ort. Dettingen hat in den vergangenen Jahren rund 19 Millionen Euro in die Schule gesteckt, um sie als Gemeinschaftsschule weiterführen zu können – mit Mensa und allem was dazugehört, um Kindern
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im Ort die Möglichkeit zu geben, auch einen Realschulabschluss zu machen. Ein Projekt, dem alles untergeordnet wurde, ein Projekt, für das sich die Gemeinde hoch verschuldet hat, was noch lange nachwirken wird. Der Abschluss der Schulerweiterung, für die auch Neubauten notwendig waren, der Tag, als die Kinder mit Beginn des laufenden Schuljahres ihre neuen Klassenzimmer in Beschlag nahmen, wurde weitaus bescheidener begangen, als es sich Schule und Gemeinde gewünscht hätten: Auf dem Schulhof drei kurze
Ansprachen, dabei ein paar Gemeinderäte und handverlesene Ehrengäste – mehr wurde nicht geboten. Wie denn auch in Zeiten der Pandemie. Ein bescheidener Festakt, der zudem von einem anderen Ereignis überschattet wurde: Rektor Stefan Hertl, der in Dettingen die Entwicklung der Schillerschule zur Gemeinschaftsschule engagiert vorangetrieben hat, ist wenige Tage zuvor verstorben. Feststimmung konnte auch deshalb kaum aufkommen, als der neu geschaffene 19 Millionen Euro teure Schulkomplex bezogen wurde. (GEA)
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NECKAR UND ERMS
Mega-Baustelle geschafft
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Auf Abruf
Rehakliniken – Verkehr – B 28-Ortsdurchfahrt in Bad Urach in vier Monaten saniert Corona-Station VON ANDREAS FINK
BAD URACH. Aufatmen nach vier Monaten. Von Mitte Juli bis Mitte November hat das Land Baden-Württemberg den maroden Straßenbelag an der Ortsdurchfahrt richten lassen. Im mittleren Bereich wurde ein Lärm mindernder Asphalt – ein sogenannter Flüsterasphalt – eingebaut. Mehr Ruhe für die Anwohner. »Es wird wehtun, in dieser Zeit durch Urach zu fahren«, hatte Maik Thumm, Sachgebietsleiter im Referat 47.1 – Straßenbau Nord – im Regierungspräsidium (RP) den Uracher Gemeinderat bei der Vorstellung der Details Anfang Juli auf Staus und Stress eingestimmt. Das große Chaos blieb aber aus, wie Projektleiter Jürgen Grauer von der Stadtverwaltung und der Polizei immer wieder bestätigt bekommen hat. »Bau- und verkehrstechnisch lief alles wie am Schnürchen.« Dazu so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Angesichts einer hochkomplexen Baustelle in drei Abschnitten alles andere als selbstverständlich. Die Mega-Baustelle im Ermstal war in der ganzen Region zu spüren, war sie doch mit komplexen Umleitungen verbunden: In den Zei-
BAD URACH. Am 15. März, auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle, sind die Fachkliniken Hohenurach geräumt worden. Ein Arzt und ein Patient waren positiv auf das Virus getestet worden. In dem Haus mit 555 Betten und 400 Einzelzimmern wurde nach einem Hilferuf des Landes einer Sonderstation mit 40 Betten für leicht an Covid-19-Erkrankte eingerichtet. Es kamen nur 10 bis 15 Fälle, blickt Geschäftsführer Uli Wüstner zurück, nach sechs Wochen wurde das »Sonderkrankenhaus« wieder geschlossen. Steigen die Infektionen weiter, könnten die Fachkliniken aber wieder Betten für Covid-19-Patienten freimachen. (and)
Bürgerbüro Punktlandung: In knapp vier Monaten Bauzeit wurden in der Uracher Ortsdurchfahrt 22 000 Quadratmeter Fahrbahn und 4 500 Quadratmeter Gehwege erneuert. FOTO: FINK ten, in denen nicht unter halbseitiger Sperrung gebaut – und der Verkehr daran vorbeigeführt – werden konnte, wurde die Blechlawine überörtlich umgeleitet. Über Engstingen auf der einen Seite, über Neuffen und Römerstein auf der anderen. Im Auftrag des Regie-
rungspräsidiums Tübingen wurden rund 22 000 Quadratmeter Fahrbahn und 4 500 Quadratmeter Gehwege erneuert. Gesamtkosten: rund 1,15 Millionen Euro. Der Bund zahlte 915 000 Euro, an der Stadt Bad Urach blieben rund 200 000 Euro hängen. (GEA)
Rathaus – Frischer
Wind am Marktplatz BAD URACH. In der ersten Novemberwoche ist das neue Bürgerbüro im Untergeschoss des Rathauses an den Start gegangen. Der Eingangsbereich präsentiert sich leicht und luftig, die dunklen Büros unter der schreiend grünen Decke aus den Siebzigern gehören der Vergangenheit an. (and)
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NECKAR UND ERMS
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Riesenrad als Stillleben Attraktion – Weißer Riese in Metzingen
METZINGEN/REUTLINGEN. Am 18. September entsteht auf dem Hugo-Boss-Platz in der Metzinger Outletcity ein Riesenrad mit 26 Gondeln. In Reutlingen steht da bereits ein ähnliches auf dem Marktplatz. Doch während Reutlingen sein Riesenrad nach vier Wochen und etwa 15 000 Fahrgästen wieder abtransportieren lässt, dreht sich der weiße Riese in
Schutzwände, Masken und Abstand prägt die Bürgermeisterwahl in Walddorfhäslach Ende April. Wahlsiegerin Silke Höflinger geht danach in ihre dritte Amtsperiode. FOTOS: MEYER/RITTGEROTH
Abstimmung im Lockdown
Wahl – Silke Höflinger erneut Rathauschefin in Walddorfhäslach VON RALF RITTGEROTH
Das Riesenrad von Metzingen im Oktober. FOTO: FINK Metzingen und geht sogar in die Verlängerung. Doch dann folgt bekanntlich der November-Lockdown und der geht seinerseits in die Verlängerung, erst im Dezember, dann noch bis Januar. Der »weiße Riese« von Metzingen wird zum riesigen Stillleben. (rr)
WALDDORFHÄSLACH. Der 26. April ist nicht nur in Walddorfhäslach ein sonniger Frühlingstag. Mitten im Lockdown während der ersten Coronawelle organisiert die Verwaltung der 5 300-EinwohnerGemeinde die Bürgermeisterwahl. Die Abstimmung ist an diesem Tag geprägt von Schutzwänden aus Plexiglas, Abstands- und Hygieneregeln sowie Alltagsmasken. Bereits vor dem offiziellen Wahltermin hatte die Gemeindeverwaltung bei den Menschen in Walddorfhäslach dafür geworben, in der Pandemie von der Briefwahl Gerbrauch zu machen. Tatsächlich gibt es
diesem Wahlabend weitaus mehr Briefwahlstimmen auszuzählen als Stimmen, die in den Wahllokalen persönlich abgegeben wurden. Für die Wahlhelfer bedeutet das: Die Stimmauszählung dauert an diesem Abend etwas länger als sonst. Am Ende steht Amtsinhaberin Silke Höflinger als Siegerin fest.
Ein Gegenkandidat Sie erhält 1 793 Stimmen und damit 86,2 Prozent. Ihr einziger Herausforderer ist Dauerkandidat Samuel Speitelsbach, der am selben Tag auch bei den Bürgermeisterwahlen in der Gemeinde Murr im Kreis Ludwigsburg antritt.
Er erhält 74 Stimmen oder 3,6 Prozent. Speitelsbach war in Walddorfhäslach nicht ein einziges Mal in Erscheinung getreten. Nach der Wiederwahl kündigt Silke Höflinger an, sie werde ihre dritte Amtszeit dazu nutzen das »… mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie dem Gemeinderat das Begonnene fortführen und neue Ziele erreichen.« Kritik an der Wahl kommt von René Maurer von den Grünen im Gemeinderat, der sagt: »Ich bin zwar begeistert von der Arbeit der Bürgermeisterin, sie leistet ganz viel Positives für die Gemeinde, aber die Wahl hätte nicht stattfinden dürfen. Sie war ein viel zu großes Gesundheitsrisiko.« (GEA)
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NECKAR UND ERMS
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Neuer Rathausplatz ist fertig
Ortsmitte – Wannweil kann auf neuem Belag auch Märkte abhalten VON RALF RITTGEROTH
WANNWEIL. Wannweil hat in den letzten Wochen einen neuen Belag für den Rathaus-
platz bekommen. Auf der Fläche zwischen dem Rathaus und dem Gemeindehaus sind jetzt helle Pflastersteine aus Beton verlegt. Vorher bestand
So sah der Rathausplatz vor etwa einem Monat aus.
FOTO: KLEIN
die Oberfläche aus Schotter und Splitt. Vor einem Jahr hatte sich der Gemeinderat dafür ausgesprochen, dass der Splittbelag durch eine Pflasterung ersetzt werden soll. Das hat zwei Vorteile: Die Gemeinde kann jetzt Märkte auf dem Platz organisieren, weil der Untergrund den Vorschriften der Lebensmittelhygiene entspricht und leicht gereinigt werden kann. Außerdem werden die Schuhe von Passanten nicht mehr so dreckig. Zusätzlich soll parallel zum Gemeindehaus eine Boulebahn entstehen. Von den Gesamtkosten von etwa 360 000 Euro trägt die Gemeinde nur 152 000 Euro, den Rest bekommt sie an öffentlichen Fördergeldern für die Ortskernsanierung. (GEA)
Tieflader schlitzt Flughafenbus Expresso auf Unfall – In Gniebel kommen sich Schwergewichte in Kurve zu nahe PLIEZHAUSEN-GNIEBEL. Ende Januar streift in einer Kurve ein Tieflader den Flughafenbus Expresso und schlitzt dabei die komplette Seite auf. Dabei wird eine Frau im Bus verletzt. Die anderen sieben Insassen kommen mit dem Schrecken davon. Schaden: über 11 000 Euro. (rr)
Komplett aufgeschlitzt: Der Flughafenbus Expresso.
FOTO: SELL
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Wannweiler Brücke weg Bauten – Bald soll
die Neue kommen
WANNWEIL. Über ein Jahr lang war die alte Fußgängerbrücke, die von der Hauptstraße in Wannweil zur Dorfstraße über die Echaz führt, gesperrt. Mitte November wurde das alte und marode Bauwerk aus dem Jahr 1972 fachmännisch aus der Verankerung gelöst, mit einem Spezialkran weggehoben und abtransportiert. Seither klafft über der Echaz
Die marode Brücke schwebte im November davon. FOTO: GOGEL eine deutlich sichtbare Lücke. Doch die soll nicht von langer Dauer sein. Ein Nachfolgebauwerk soll bald den Überweg ermöglichen. Die neue Brücke soll einige Zentimeter höher über den Fluss führen und etwa 200 000 Euro kosten. 72 000 Euro kommen vom Regierungspräsidium Tübingen als Zuschuss. (rr)
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KÖPFE DES JAHRES
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Wer im Jahr 2020 in der
Christopher Ott macht Karriere: Der 28-jährige, der seit zwei Jahren Ordnungsamtsleiter in Eningen ist, wurde mit deutlicher Mehrheit zum neuen Bürgermeister von Großbettlingen gewählt. (hai) FOTO: PRIVAT
Ihr Engagement ist vielfältig. Für die Einrichtung einer Fieberambulanz für Flüchtlinge erhielt die Tübinger Notärztin Lisa Federle am 1. Oktober das Bundesverdienstkreuz am Band verliehen. (pp) FOTO: NIETHAMMER
Zufrieden in der Gondel: Die Riesenrad-Initiatoren Christian Wittel (links) und Uwe Grauer landeten mit ihrer Idee einen Volltreffer. In vier Wochen genossen über 15 000 Fahrgäste den ungewohnten Blick über die Dächer der Altstadt. Wittel, seit 2016 Vorsitzender von »RT aktiv«, und Grauer, seit diesem Sommer Vorsitzender der Reutlinger Gastro-Initiative (RGI), können’s gut miteinader und wollen auch künftig an einem Strang ziehen. (rh) FOTO: NIETHAMMER
Fawzi Haimor harmonierte als Chefdirigent prächtig mit der Württembergischen Philharmonie – bis ihn die Coronakrise in San Francisco vom Orchester abschnitt. Im November trat er zurück. (akr) FOTO: LIPPERT
Zwei, die Jahrzehnte lang eher im Hintergrund agierten, gingen zusammen in den Ruhestand und wurden gefeiert: die Sozialpädagogen Gunter Ebinger und Rosemarie Henes (Kaffeehäusle). (rh) FOTO: SPIESS
Martin Fink arbeitet seit sieben Monaten fast täglich im Pfullinger Rathaus. Als ehrenamtlicher Stellvertreter des erkrankten Bürgermeisters Michael Schrenk führt er bereits seit Juni die Geschäfte. (ps) FOTO: SCHÖBEL
Peter Schmid hat sich im Bayerischen Wald niedergelassen, nachdem er seine Zelte im Ermstal abgebrochen hat. In seiner neuen Heimat Eppenschlag wurde er zum Bürgermeister gewählt. (and) FOTO: PRIVAT
Markus Gaugisch ist nach vier Jahren ohne Trainer-Engagement wieder zurück in der Handball-Bundesliga. Erstmals coacht der Nehrener Frauen: Er trainiert das Top-Team Bietigheim. (eye) FOTO: BAUR/EIBNER
Anke Bächtiger ist vom Reutlinger Gemeinderat zur Nachfolgerin des Kulturamtsleiters Dr. Werner Ströbele gewählt worden, der in Pension ging. Zuvor leitete sie die Stabsstelle Bürgerengagement. (rh) FOTO: KNAUER
Kein gewöhnlicher SchreibtischJob: Rainer Kaltenmark war 30 Jahre Tübinger Ordnungsamtsleiter und stets da, wenn es Probleme gab – ob bei Demos, Hausbesetzungen oder lauten Festivals. (-jk) FOTO: KREIBICH
Maria Eiche stemmte mit dem Nachwuchsorchester der Jungen Sinfonie das erste Orchesterkonzert in der Region nach der Coronapause. Und nahm dafür auch Proben in der Maschinenhalle in Kauf. (akr) FOTO: KNAUER
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
KÖPFE DES JAHRES
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Region aufgefallen ist
Felicitas Vogel ist in der Kultur eine treibende Kraft in Pfullingen. Zwar fiel fast die ganze Kulturwege-Reihe aus, doch mit dem Verein i’kuh organisierte sie den »Kultursommer« im Klostergarten. (hai) FOTO: HAILFINGER
Dr. Gottfried Roller war als Leiter des Reutlinger Kreisgesundheitsamtes sehr gefordert im Coronajahr. Bald arbeitet er an höherer Stelle: Ab Februar führt er das Landesgesundheitsamt in Stuttgart. (sä) FOTO: FUCHS
Ulrike Müller ist TourismusChefin von Sonnenbühl. Sie soll Konzepte entwickeln und übernimmt die Leitung des Ostereimuseums. Zum ersten Mal hat die Gemeinde eine solche Stelle geschaffen. (cofi) FOTO: PRIVAT
Patrick Gühring ist am 24. Juli bei der Mitgliederversammlung des SSV Reutlingen 1905 Fußball als Sportvorstand gewählt worden. Nach lediglich 84 Tagen stellte Gühring sein Amt zur Verfügung. (kre) FOTO: BAUR
Mahir Agva hat seiner Heimat in Coronazeiten etwas zurückzugeben. Der Reutlinger Basketballprofi spendete erst dem Kindergarten Urbanstraße Spielsachen und stieg dann als Sponsor bei der TSG ein. (wil) FOTO: WILD
Holger Kube Ventura machte als Leiter der konkreten Sammlung das Kunstmuseum zur Festivalbühne und holte Aufführungen von »Sonic Visions« und dem »Generate-Festival« in die Ausstellung. (akr) FOTO: KNAUER
Juliane Fischer aus Willmandingen hat ihre Haare abschneiden lassen und spendet die Zöpfe, damit an Krebs oder anderen Krankheiten leidende Kinder eine Echthaarperrücke bekommen. (cofi) FOTO: FISCHER
Stephan Dominikus Wehrle legte als erster Student an der Reutlinger Hochschule seine Masterarbeit in Form einer Sinfonie ab. Die Aufführung realisierte er mit dem Martinskollegium trotz Corona. (akr) FOTO: KNAUER
Christian Erbe, 59, Chef von Erbe Elektromedizin in Tübingen, ist im Juli zum dritten Mal für fünf Jahre zum Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Reutlingen gewählt worden. (rog) FOTO: NIETHAMMER
Arthur Stotz ist ein Urgestein bei der Polizei im Ermstal. Seit mehr als 44 Jahren ist der gebürtige Oberschwabe im Dienst, zuletzt leitete er den Posten Bad Urach. Mit 61 geht er in Pension. (and) FOTO: PFISTERER
Maria Knab-Hänle hat Zwiefalten als Stellvertreterin des Bürgermeisters mit Bravour durch die Vakanz geführt. Ein Jahr lang machte die Intensivkrankenschwester zwei harte Jobs parallel. (ma) FOTO: BLOCHING
Stefan Wolf, 59, promovierter Jurist und Chef der Elring Klinger AG in Dettingen/Erms, ist Ende November zum Präsidenten des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall gewählt worden. (rog) FOTO: AKHTAR
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KREIS TÜBINGEN
Impfstoff aus Tübingen Corona – Zulassung
im Sommer geplant
TÜBINGEN. Einen Impfstoff gegen Covid-19 soll es ab dem Sommer 2021 auch aus der Unistadt geben: Dann rechnet das Tübinger Unternehmen Curevac mit der Zulassung seines mRNA-Impfstoffs. Dieser ist ein Botenmolekül, das die Bildung von Proteinen anregen soll. Zur Impfung gegen Covid-19 haben die Forscher das Botenmolekül mit der Bauanleitung für ein Protein des Virus’ versehen. Mitte Dezember kündigte Curevac an, jetzt in der dritten Phase der Studie zu sein. Rund zehn Monate hatten die Forscher bis dahin an dem Impfstoff gearbeitet. Für die Forschungen hat das Unternehmen rund 252 Millionen Euro vom Bund erhalten. Curevac hatte nach der Mainzer Firma Biontech als zweites deutsches Unternehmen die Genehmigung für eine klinische Studie zu einem möglichen Corona-Impfstoff erhalten. Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer stellte sich für die Studie zur Verfügung. »In meiner Altersgruppe hat es an Probanden gefehlt, die den Gesundheitscheck überstanden. Ich habe mich gerne dafür zur Verfügung gestellt«, erklärte er auf seiner Facebook-Seite. (sapo)
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Der erste Corona-Patient
Pandemie – Tübinger Arzt hatte zuerst nur Nackenschmerzen VON NADINE SAPOTNIK
TÜBINGEN. Die Uniklinik gibt am 26. Februar bekannt, dass sich die beiden ersten Tübinger Coronafälle bestätigt haben. Hans Bösmüller, Pathologe an der Uniklinik, und seine 24-jährige Tochter Christina haben sich beide mit Covid-19 infiziert. Christina hatte Kontakt mit einem Bekannten gehabt, der in Mailand unterwegs war und schließlich unwissentlich ihren Vater angesteckt. Sechs Wochen später tritt Hans Bösmüller vor die Presse und berichtet von seinen Erfahrungen als erster Covid19-Patient in Tübingen. Er gibt zu, dass er zunächst sehr unbedarft an die Sache herangegangen sei. »Ich hatte zunächst nur Nackenschmerzen – wie bei einer Verspannung«, erklärte er Anfang April. Wenig später seien dann weiter Symptome hinzugekommen. »Ich hatte einen Geschmack wie ranzige Butter im Mund. Eine Zeit lang konnte ich auch keinen Kaffee trinken, weil er durch die Röstaromen nahezu verbrannt schmeckte«, erzählte der 60-Jährige. Nach dreieinhalb Wochen durfte Bösmüller dann wieder seine Arbeit als Pathologe
Hans Bösmüller erinnert sich noch an den Geschmack ranziger Butter, als er an Corona erkrankte. FOTO: DPA in der Uniklinik aufnehmen. Seitdem autopsiert er regelmäßig Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind, und trägt zur Forschung bei. »Corona ist dann, wenn es entgleist, eine Erkrankung, die den ganzen Körper betreffen kann – unabhängig von einer Vorerkrankung«, sagte Bösmüller im Juli bei der Ringvorlesung der Uni Tübingen zu Covid-19. Dennoch haben die Forschungen an der Uniklinik
ergeben, dass das Virus bei den meisten Patienten in der Lunge sitzt. Bösmüllers Untersuchungen haben auch gezeigt, dass die Erkrankung keine Organregion auslässt. Das ist eine Erkenntnis, die es im Februar, als Bösmüller erkrankte, noch nicht gab. »Würde ich heute an Covid-19 erkranken, würde ich mit deutlichem Hintergrundwissen antreten«, sagte Bösmüller bei der Vorlesung. (GEA)
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DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Verpackungssteuer später
Müllvermeidung – Tübingen verschiebt die Einführung auf 2022 VON JOACHIM KREIBICH
TÜBINGEN. Kaffeebecher, Strohhalme, Plastikteller, Pizzakartons: Tübingen will den Müll reduzieren und auf alle Einwegverpackungen eine Steuer erheben – als erste Stadt in Deutschland. Im Januar fiel der Beschluss im Gemeinderat. Doch dann kam Corona, und einige der Befürworter fanden es letztendlich besser, die Einführung auf 2022 zu verschieben. Boris Palmer war sichtlich stolz auf die Vorreiter-Rolle gewesen und hatte am Ziel festgehalten: Ob Imbissbuden, Cafés, Metzgereien oder Eisdielen – alle wechseln auf umweltfreundliche Verpackungen und Mehrweg oder zahlen für die Beseitigung des Mülls. Das hatte sich der Oberbürgermeister schon für 2021 gewünscht. 400 Betriebe hatte man zur Info angeschrieben. Palmer verwies auch auf die Kosten. Die städtischen Mitarbeiter kommen in Tübingen mit dem Einsammeln nicht mehr hinterher. Die Abfallbeseitigung kostet Geld. Im Endeffekt bedeute dies: mehr Ausgaben wegen wachsender Müllberge, weniger Einnahmen, weil die Steuer später kommt. 2021 werde etwa eine Million Euro in der Stadtkasse fehlen, rechnete
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Bis 2030 klimaneutral Klimaschutz – Mehr
Platz für Fußgänger
Reinquetschen, stapeln, davorstellen: Der Müll nimmt in Tübingen überhand, nicht nur auf der Neckarbrücke. FOTO: KAMMERER der OB vor. Geld, das man eigentlich für soziale Programme hätte nutzen können. Die SPD, die die Verschiebung beantragt hatte, blieb dabei: Erst mal Corona-Pause, und 2022 tritt die Steuer dann in Kraft. Die CDU sah das ähnlich. Den Betrieben würden damit existenzielle Nöte erspart. Die Tübinger Liste hatte von vornherein protestiert und darauf verwiesen, Betroffene
würden dagegen vor Gericht ziehen. Die Linke war gespalten. Ein Teil fürchtet, die Kleinen werden zur Kasse gebeten, die großen Müllproduzenten wie Amazon bleiben unbehelligt. Die Entscheidung fiel denkbar knapp mit 21 zu 20 Stimmen. Die Prognose der FDP: Die Steuer wird sich erübrigen. Bis 2022 habe der Bund längst alles geregelt. (GEA)
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TÜBINGEN. Jetzt ist es beschlossene Sache: Die Unistadt will bis zum Jahr 2030 klimaneutral sein. Das ehrgeizige Programm unterstützte der Tübinger Gemeinderat mit großer Mehrheit. Mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen soll dieses Ziel erreicht werden. Geht alles nach Plan, dann wird Tübingen im Jahr 2030 eine andere Stadt sein. Die Altstadt ist dann komplett zur Fußgängerzone umgewandelt, das südliche Stadtzentrum zwischen Blauer Brücke und Neckarbrücke ist Flaniermeile, die Wilhelmsvorstadt hat einen Campusboulevard. Der Autoverkehr ist weitgehend aus diesen Bereichen verschwunden. Er wird in Parkhäuser gelenkt, alle Durchfahrten sind durchbrochen. Dafür verkehrt nun die Regionalstadtbahn, sofern der Bürgerentscheid die Innenstadtstrecke bejaht. Das sind nur die ganz offensichtlichen Bereiche. Beschlossen wurde ebenfalls ein deutlicher Ausbau der Wärmenetze, der Solarthermie und Fotovoltaik. Gefordert sind nun auch die Universität und das Klinikum sowie alle Tübinger. (iwa)
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DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Erwachen mit »Dornröschen« KIRCHENTELLINSFURT. Es hat sie doppelt getroffen, die Aktiven von »Kultur im Schloss«. Der angestammte Spielort der Initiative wird bis 2021 saniert. Zudem mussten die Veranstaltungen im Frühjahr abgesagt werden. Doch danach ist die Kultur aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Das Märchen »Dornröschen«, aufgeführt vom Figurentheater Martinshof, bildete den Auftakt für ein FreiluftFestival im Sommer am Schützenhaus mit Theater und Musik. (-jk)
Geld für ein festes Dach KUSTERDINGEN. Auch eine Kirche braucht ein festes Dach. Auf dem Dachboden der Kusterdinger Marienkirche aber sind etliche Balken marode. Die evangelische Gemeinde weiß seit einiger Zeit, dass man etwas tun muss – und auch, dass das wohl eine Dreiviertel Million Euro kosten wird. Beim Spendensammeln erwiesen sich die Mitglieder als geschickt. Die erforderliche Summe, um loslegen zu können, wurde schneller erreicht als gedacht. Das erste Etappenziel ist geschafft. (-jk)
Bei Besuchern beliebt: Der Kirchentellinsfurter Bagersee.
FOTO: NIETHAMMER
Fischer kaufen Baggersee
Natur – Überraschender Eigentümer-Wechsel in Kirchentellinsfurt VON JOACHIM KREIBICH
KIRCHENTELLINSFURT. Der Kirchentellinsfurter Baggersee ist immer für Schlagzeilen gut. Mal hegt die Gemeinde Hotelpläne. Dann ist eine Anlage für den Trendsport Wakeboard im Gespräch. In manchen Sommern wird vor giftigen Blaualgen gewarnt. Zwischendrin gibt’s Ärger mit zugeparkten Zufahrtswegen und dem Müll der Badegäste. Im Februar 2020 wurden auch Kenner der Materie überrascht: Der Reutlinger Fischereiverein übernahm hundert
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Prozent der Anteile an der Karl und Ernst Epple GmbH und hat seither das Sagen am Baggersee. »Wir wussten davon Nullkommanichts«, wunderte sich Bürgermeister Bernd Haug. Im Verhältnis zwischen Gemeinde und den Vorbesitzern hatte es davor zwar vernehmlich geknirscht. Die Gemeinde war aus dem Pachtvertrag ausgestiegen. Doch im Rathaus waren keine Verkaufsabsichten bekannt. Die Reaktionen im Gemeinderat schwankten von »schade, dass uns die Kaufoption nie
angeboten wurde« und einem empörten »so geht man mit Partnern eigentlich nicht um« bis »gut, dass sich jetzt die Fischer drum kümmern«. Die neuen Eigentümer verkündeten: »Es soll sich nicht viel ändern. Wir wollen den Epplesee für alle Angler als Fischgewässer dauerhaft erhalten.« Als Pächter muss man immer damit rechnen, dass die Sache nicht auf Dauer sicher ist. Jetzt entscheidet man selber. Und die Allgemeinheit?: »Der Baggersee ist groß genug für alle.« (GEA)
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DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
KREIS TÜBINGEN
Festakt zur Eröffnung fiel aus
Kindlersche Fabrik – In aller Stille zog Gomaringer Verwaltung um VON IRMGARD WALDERICH
GOMARINGEN. Verwaltung und Gemeinderat haben lange gerungen mit dem Entschluss, die ehemalige Miederfabrik in ein Rathaus umzubauen. Und dann das. Als sich endlich das auffällige Backsteingebäude in der Bahnhofstraße in ein schmuckes Dienstleistungszentrum verwandelt hatte, kam Corona. Aus dem geplanten großen Festwochenende wurde nichts. Die Gomaringer konnten ihr neu gestaltetes Rathaus anfänglich nicht einmal besichtigen. Der Lockdown im Frühjahr mit Kontaktsperre erlaubte es nicht.
SEK-Einsatz in Gomaringen GOMARINGEN. Einen derartigen Polizeieinsatz hat Gomaringen wohl noch nie erlebt: Beamte des Spezialeinsatzkommandos aus Göppingen stürmten im Oktober eine Wohnung im Ort. Beim Versuch, die Tür aufzubrechen, fiel ein Schuss. Mindestens fünf Schüsse wollen Zeugen gehört haben. Hintergrund: eine groß angelegte Aktion zwischen München und Sigmaringen gegen 19 Beschuldigte, die gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen haben sollen. (iwa)
Alles außer gewöhnlich
Lange Umbaugeschichte Dabei hat der Umbau eine lange Geschichte: Jahrzehntelang haben sich die Gomaringer mit ihrer Kindlerschen Fabrik im Herzen des Ortes beschäftigt. In den hellen Nähsälen fanden viele einen Arbeitsplatz. Als sich die Türen der Fabrik schlossen, kaufte 1994 die Gemeinde das Gebäude, um es zehn Jahre später an einen privaten Investor wieder zu verkaufen. Die private Vermarktung scheiterte. Gomaringen kaufte das für die Gemeinde so zeitgeschichtlich wichtige Haus wieder zurück.
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Früher Miederfabrik, jetzt Rathaus. So nahm die Verwaltung also ganz ohne größeren Festakt ihre Arbeit in der Bahnhofstraße auf. Dabei hatten alle auf den geplanten Eröffnungstermin 15. Mai hingearbeitet. Ein großes Festwochenende mit verkaufsoffenem Sonntag war geplant. Ende April einigten sich die Gemeinderatsfrak-
FOTO: WALDERICH
tionen und Bürgermeister Heß darauf, das Fest abzusagen. In aller Stille nahm die Verwaltung am 4. Mai ihren Betrieb im neuen Gebäude auf. Das Fest soll nachgeholt werden. Dann vielleicht mit der Polizei. Der neue Posten in der Bahnhofstraße ist nämlich immer noch nicht bezogen. (GEA)
MÖSSINGEN. Es ist das vielleicht ausgefallenste Jubiläum des Jahres: Die Körperbehindertenförderung Neckar-Alb, die KBF mit Sitz in Mössingen, wollte im Frühjahr eigentlich ihr 50jähriges Bestehen feiern. Das Motto »50 Jahre KBF – alles außer/gewöhnlich« erhielt jedoch unfreiwillig eine andere Bedeutung: Wegen Corona musste der Träger von Behindertenund Senioreneinrichtungen alle geplanten Veranstaltungen absagen. Die Hoffnung: 2021 soll alles nachgeholt werden. (pp)
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Tod ging um Corona – Mössinger
Heime als Hotspot
MÖSSINGEN. Warum das Corona-Virus in den Mössinger Pflegeheimen so stark gewütet hat, kann man sich kaum erklären. Denn die Sicherheitsmaßnahmen wurden nach den Vorgaben des Gesundheitsamts umgesetzt. Und doch war das nicht genug. Im Frühjahr war das Haus Blumenküche ein InfektionsHotspot. An und mit Corona starben insgesamt sieben Heimbewohner. Im Herbst wütete Corona im Haus an der Steinlach. 12 seiner 59 Bewohner fielen dem Virus zum Opfer. Erst Anfang Dezember war das Haus wieder virenfrei. Das gelang ohne Besuchsverbot, das noch im Frühjahr das Mittel der Wahl im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus war. Aber nur die engste Kontaktperson durfte den Pflegeheimbewohner besuchen, und wurde dazu mit entsprechender Schutzkleidung ausgestattet. Auch die Mitarbeiter mussten verschärfte Schutzvorschriften beachten. Wer das Zimmer eines Bewohners betrat, musste danach auch seine Schutzkleidung austauschen. Dass in den letzten Wochen häufiger Schnelltests bei Mitarbeitern und Besuchern eingesetzt werden konnten, trägt in allen Pflegeheimen des Kreises zu mehr Sicherheit bei. (al)
Nadelöhr der B 27 bei Ofterdingen. Ob durch Umgehung oder Tunnel: der Stau soll weg.
FOTO: MEYER
Streit um Streckenführung
Verkehr – Kritiker der B 27 neu wollen Tunnel in Ofterdingen VON ARNFRIED LENSCHOW
OFTERDINGEN. Auf die Realisierung der B 27 neu zwischen Bodelshausen und Nehren wartet die Region seit Jahrzehnten. Jetzt, wo es konkreter wird, die Einwände beim öffentlichen Auslegungsverfahren eingebracht werden konnten, gab es massive Kritik an der geplanten Streckenführung auf der Endelbergtrasse. Vor allem das Bündnis nachhaltige Mobilität Steinlachtal und Landtags- und Bundesabgeordnete der Grünen taten sich dabei hervor.
Der Nehrener Gemeinderat schloss sich den Einwänden der Umweltverbände an. Die Planung würde auch die Entwicklungsmöglichkeiten des Orts zu sehr einschränken. Zu viel Flächenverbrauch, zu viel Umweltzerstörung, zu hohe Lärmbelastung, Artenvielfaltsgefährdung, Verlust von landwirtschaftlichen Flächen und Naherholungsgebieten sowie Nicht-Berücksichtigung der Entlastung des Autoverkehrs durch die RegionalStadtbahn sind die wichtigsten Kritikpunkte der Gegner, die eine Lösung vorschlagen,
für die es schon ein Vorbild gibt: Eine Untertunnelung der B 27 neu in Ofterdingen wie in Dußlingen. Das sei aber um 72 Prozent teurer, im Betrieb sogar um 215 Prozent, sagt das Bundesverkehrsministerium und hält an den Plänen fest. Das Regierungspräsidium in Tübingen prüft nun alle Einwände und lädt dann noch mal zu einem Erörterungstermin ein. Wenn es gegen seine Entscheidung Klagen geben wird, könnte der Baubeginn auch erst in zehn Jahren sein, bei größeren Umplanungen noch viel später. (GEA)
SPORT Immer weiter mit Joachim Löw Da haben seine vielen Kritker nach dem 0:6Debakel in Sevilla gegen Spanien in der Nations League schon gedacht, das Thema wäre durch. Dabei war es noch nicht einmal ein Thema, zumindest nicht für die Honoratioren des Deutschen Fußball-Bundes. Der Südbadener Fritz Keller versicherte dem Südbadener Joachim Löw nach zweiwöchiger Denkpause Ende November seine unerschütterliche Unterstützung. Weiter mit dem DauerBundestrainer, hart am Wind bis nach Katar 2022. Und vielleicht auch noch bis 2024, wenn die Europameisterschaft in Deutschland stattfindet. Thomas Bach, erster deutscher Präsident des Internationalen Olympi-
schen Komitees (IOC), geht von seiner einstimmigen Wiederwahl in Athen und Olympischen Spielen 2021 in Tokio aus. Was muss, das muss. Diego Armando Maradona hat uns verlassen, der VfB Stuttgart ist zurück in der Fußball-Bundesliga, eher enttäuschenden Vorstellungen in der 2. Liga zum Trotz. Aber der Kurs von Thomas Hitzlsperger, Seven Mislintat und Pellegrino Matarazzo präsentiert sich als zielführend, die Mannschaft bewährt sich im Haifischbecken. Vom SSV Reutlingen, den Tigers Tübingen und den Handballerinnen der TuS Metzingen kann man das nicht durchgehend behaupten, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. (cfi) FOTOS: PIETH/DPA/WITTERS
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SPORT
Ciao Diego Trauer – Maradona
stirbt mit 60 Jahren
BUENOS AIRES. Man musste damit rechnen, aber der weltweite Schock konnte in seinen Ausmaßen kaum größer sein. Diego Armando Maradona, der Einmalige, starb im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt. Zehntausende nahmen in Buenos Aires und weltweit von ihrem Idol Abschied. Keiner hat uns mit seiner Ballkunst mehr begeistert, keiner uns mehr zu Tränen gerührt wie Diego. Der als Maradona aber mit dem Leben nach dem Fußball nur selten zurechtkam. Man wusste das, man nahm es zur Kenntnis, aber man hoffte, dass er es überlebt. Er hat es nicht überlebt. Die weltweiten Nachrufe aus dem Sport und nicht nur aus dem Sport rührten wieder in den Erinnerungen an einen wunderbaren Fußballer in des Wortes ursprünglicher Bedeutung. Maradona war ein Glücksfall für den Fußball, sein Leben danach war es nicht für ihn. Nach seinem Tod ermittelte man gegen seinen Leibarzt wegen unterlassener Hilfeleistung. Zielführend scheint das kaum, aber typisch ist es trotzdem. Diego Armando Maradona wird in unseren Köpfen bleiben. Nicht als ein im Leben Gescheiterter, sondern als ein großer Künstler, der uns rührte und erfreute. (cfi)
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Zweifel bleiben
Bundestrainer – Joachim Löw nach Sevilla-Debakel weiter im Amt VON CHRISTOPH FISCHER
SEVILLA. Nach den herrschenden Gesetzen des Profifußballs wäre Joachim Löw vermutlich längst Geschichte. Aber die Dinge beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) laufen anders. Das 0:6-Debakel gegen Spanien in der Nations League war erst wenige Stunden vorbei, da bestätigten DFB-Präsident Fritz Keller und Manager Oliver Bierhoff: Keine Zweifel an Löw. Sie bestätigten allerdings eher den Weg von Löw als den Trainer Löw. Zweifel bleiben, ob der Langzeit-Bundestrainer nochmals in der Lage sein wird, die Nationalmannschaft zielgerichtet auf ein großes Turnier vorzubereiten. In Sevilla wirkte Löw wie entrückt. Unbeteiligt, gedankenverloren, ohne Kampfgeist, bemängelte die fehlende Kommunikation, wissend, dass er selbst längst nicht mehr ausreichend zu kommunizieren in der Lage ist. Löw wirkt, als erreiche er seine Mannschaft nicht mehr. Und die Mannschaft wirkt, als wolle sie von ihm auch gar nicht mehr erreicht werden. Bis zur Europameisterschaft bleibt nur noch wenig Zeit. Löw ist nichts mehr geblieben von seinem Charisma, das
seine Mannschaft 2014 ins Finale von Rio de Janeiro und zum vierten Titel trug. Löw verpasste die Chance, auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Weltmeistermacher zurückzutreten. Wie viele vor ihm, die den Ruhm nutzen wollten, aber vergaßen, dass es immer schwerer ist, einen Titel erfolgreich zu verteidigen als ihn zu gewinnen. Löw verpasste den Rücktritt nochmals, als er 2018 in Russland schwer geschlagen schon in der Vorrunde ausschied. Löw durfte sich stattdessen monatelang Zeit nehmen für seine Entscheidung, trotz der Blamage von Kasan weiter zu machen. Der DFB ließ das alles geschehen. Und jetzt sind die sportlichen Verlierer schicksalsergeben aneinander gebunden. Löw bleibt im Amt bis 2022, vielleicht auch bis 2024. Keine Chance auf Entwicklung, keine Chance auf einen erneuten Aufbruch. Alle Umfragen sprechen gegen Löw, nichts mehr für ihn, aber die badische Schicksalsgemeinschaft von Keller und Löw lebt irgendwie weiter, alle Gesetze des Hochleistungssports tapfer negierend. Es ist der endgültige Abschied von einer eindrucksvollen Erfolgsgeschichte des deutschen Fußballs. (GEA)
Keiner amtiert länger als er: Joachim Löw. FOTO: MICHAEL/DPA
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DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Olympia – IOC-Präsident Thomas Bach glaubt an Tokio 2021 VON CHRISTOPH FISCHER
LAUSANNE. Wer Thomas Bach im Machtzentrum des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne trifft, begegnet einem gut gelaunten selbstbewussten Macher, der von seinem Weg überzeugt ist. Der keine Zweifel kennt, auch in schwersten Zeiten des olympischen Hochleistungssports nicht. Coronakrise hin oder her, der erste deutsche Präsident des olympischen Zirkels glaubt fest an Tokio 2021. »Ich bin dafür da, Olympische Spiele durchzuführen, nicht dafür, Olympische Spiele abzusagen«, sagt Bach. Als er Tokio besucht und erste Gespräche mit dem neuen japanischen Ministerpräsidenten führt, strahlt Bach Optimismus aus. Und bringt die Überzeugung mit, dass die Spiele stattfinden werden. Daran werden die ständig steigenden Infektionszahlen weltweit nichts ändern. Nicht alle olympischen Athleten folgen dem Präsidenten. Viele haben Zweifel, ob man sich auf das olympische Experiment einlassen soll. Auch die Bevölkerung Japans ist mehrheitlich gegen Olympische Spiele in Tokio. Das war bei der Verschiebung 2020 noch anders, die Menschen
EXKLUSIV
Hört auf: Viktoria Rebensburg. FOTO: GRODER/EIBNER
Rückzug der Olympiasieger
Unbeirrt auf Kurs: Thomas Bach. wollten olympische Gastgeber sein. Wie schon 1964. Die Menschen reagierten betroffen, als Olympia verschoben wurde, aber sie zeigten Ver-
NUR BEI EURONICS
FOTO: MULLER/WITTERS
ständnis. Aber 2021 haben sie ernsthafte Zweifel. Bach wird die Japaner überzeugen müssen. Und die olympischen Athletinnen und Athleten. (GEA)
KREUTH. Schwerer Schlag für den deutschen Skirennsport: Im September verkündete Viktoria Rebensburg ihren Rücktritt. Mit 30 Jahren zieht sich das Aushängeschild des FrauenTeams vom Leistungssport zurück, weil sie nach eigener Aussage nicht mehr ihr Top-Niveau erreichen konnte. Rebensburg feierte insgesamt 19 Weltcup-Siege und holte zwei Mal WMSilber. Der Olympiasiegerin von Vancouver, die vor zehn Jahren als 20-Jährige in Kanada im Riesenslalom triumphierte, gelang zum Abschluss noch ein Coup: Die Kreutherin gewann ihre erste Abfahrt – noch dazu auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen. Auch der BiathlonKönig trat ab. Der Franzose Martin Fourcade zog sich nach fünf Mal OlympiaGold, 13 WM-Titeln und 79 Weltcup-Siegen zurück. Er dominierte ein Jahrzehnt lang seine Sportart. (eye)
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DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
»Es macht wieder Spaß«
VfB Stuttgart – Nach dem direkten Wiederaufstieg auf Erfolgskurs VON CHRISTOPH FISCHER UND FRANK WILD
Hoch soll er leben: Hansi Flick. FOTO: HOERMANN/WITTERS
Im Höhenflug Fußball – Flick und Klopp gefeiert
MÜNCHEN. Meisterschaften in Serie sind beim FC Bayern längst zur Alltagskost geworden. Das Einzige,was im Münchner Kosmos wirklich zählt, ist die Champions League. Der Triumph durch ein 1:0 im Finale gegen Paris St. Germain war der erste Titel in der Königsklasse seit 2013, als die Bayern Borussia Dortmund im Wembleystadion bezwangen. Dazu noch Meisterschaft und DFB-Pokalsieg – Hansi Flick wurde als Europas Trainer des Jahres ausgezeichnet, Lewandowski siegte bei den Spielern. Auf Wolke sieben schwebt auch Jürgen Klopp. Auf den Gewinn der Champions League im Vorjahr folgte nun die englische Meisterschaft. Damit hat sich der Coach des FC Liverpool bei den »Reds« unsterblich gemacht. (eye)
STUTTGART. Die Dinge laufen aktuell ein wenig anders, aber sie laufen gut. Nach dem direkten Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga haben der Vorstandsvorsitzende, der Sportdirektor und der Cheftrainer Kurs gehalten. Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und Pellegrino Matarazzo bauen mit Erfolg am neuen VfB Stuttgart. Auch wenn die Spiele in der Mercedes Benz-Arena ohne Zuschauer weiter eine gewisse Trostlosigkeit atmen, zeigt die Mannschaft doch Entwicklung. Und wenn man Mislintat reden hört, ist es genau die, die er erwartet hat. Keine Mannschaft in der Bundesliga ist jünger, ausgesprochene Fehleinkäufe kann man dem Sportdirektor nicht vorwerfen. Und Hitzlsperger hält das große Ganze bisher gut zusammen. Skeptiker hatten ihm das nicht unbedingt zugetraut. Und der italo-amerikanische Cheftrainer hat sich in der Bundesliga auch schneller eingefunden, als man ihm das zutraute. Da entwickelt sich etwas. Giovane Elber, früher beim VfB Stuttgart unter Vertrag und Part des »magischen Dreiecks«, sagt: »Der VfB macht
VfB-Baumeister: Sven Mislintat.
FOTO: WEBER/EIBNER
wieder Spaß.« Das sehen inzwischen viele so. Der Club, der immer noch gern als Traditionsclub bezeichnet wird, hat die Weichen auf Moderne gestellt. Die Querschüsse aus dem Umfeld halten sich in Grenzen. Früher gab es einen Sportvorstand, der in der Abstiegssaison sagte, mit dem
Abstieg dürfte der VfB nichts zu tun haben. »Das sage ich«, sagte Michael Reschke. Sven Mislintat sagt auch ziemlich viel, aber das nie. Er denkt es. Und wenn der Klassenerhalt geschafft ist, wird er seine Ziele für die kommenden Saison formulieren. Fünf-Jahres-Pläne braucht er nicht. (GEA)
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Nur eine Durchgangsstation
Formel 1 – Lewis Hamilton auf einer Stufe mit Michael Schumacher Supermann: Leon Draisaitl (links). FOTO: HUMPHREY/DPA
VON FRANK PLEYER
ISTANBUL. Bereits drei Rennen vor Schluss hatte Lewis Hamilton die nächste Formel1-Weltmeisterschaft in der Tasche, die ihn auf eine Stufe mit Ausnahmefahrer Michael Schumacher hievte. Es dürfte nicht der letzte Triumph des Engländers gewesen sein, da erst 2022 das Reglement derart geändert wird, dass die Karten mit neuen Autos neu gemischt werden. Für Hamilton scheint es keine Grenzen zu geben. Wenn der herausragende Fahrer der Königsklasse im besten Wagen sitzt, sieht es für die Konkurrenz schlecht aus. Hamilton hat im Lauf der Jahre die Leistungsschwankungen auf ein Minimum reduziert.
Draisaitl der Wertvollste LAS VEGAS. Das hatte zuvor nur Dirk Nowitzki im Basketball geschafft: Als erster Deutscher wurde Eishockey-Nationalspieler Leon Draisaitl (24) in seiner Sportart zum wertvollsten Spieler der besten Liga der Welt gekürt. Und das gleich zweifach: Nicht nur für die Fach-Journalisten, sondern auch für die NHL-Profis war der für die Edmonton Oilers auf Torjagd gehende Kölner in der zurückliegenden Saison die Nummer eins. (eye)
Social-Media-Star Selbst wenn es mal im Qualifying nicht nach Wunsch läuft, kann er, wenn die grünen Ampeln am Renn-Tag erlöschen, eine Top-Vorstellung liefern. Bestes Beispiel war sein Sieg in Istanbul. Wie der Social-Media-Star, der auf unterschiedlichen Plattformen insgesamt bis zu 31 Millionen Follower erreicht, mit den Reifen und der rutschigen Strecke scheinbar problemlos zurechtkam, zeigte
Alexandra Schnober e.Kfr.
Frey Zweiter in Frankreich Fällt auch auf dem Elektroroller auf: Lewis Hamiltons Maske verkündet: Black Lives Matter (Schwarze Leben zählen). FOTO: BRUNO/DPA seine Extra-Klasse. Zudem ist sein Erfolgshunger auch mit 35 Jahren, davon 14 Jahren in der Königsklasse, ungebrochen. Das alles wertet den
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WM-Titel von Nico Rosberg 2016 nachträglich noch auf. Der Wiesbadener war der Letzte, der Hamilton im WMKampf stoppen konnte. (GEA)
BAD URACH. Mountainbiker Martin Frey blickt auf sehr gute Saison mit drei Top-Ten-Platzierungen in Marathon-Weltcups zurück. Das Highlight war dabei Rang zwei im französischen Villard, als die Fahrer auf schneebedeckter Strecke in den Alpen um den Sieg kämpften. (eye)
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DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
DAS ZITAT
»Es war ein hoher Grad an Perfektionismus, den man so gut wie nie erreicht« Speerwerfer Johannes Vetter nach seinem Superwurf auf 97,76 Meter im polnischen Chorzow, der weltweit zweitbesten jemals erreichten Weite
Kuriosum beim THW Kiel Die Coronakrise treibt seltsame Blüten – insbesondere in Deutschland mit seinen vielen, bisweilen überbordenden Zuständigkeiten. Ein kurioses Beispiel gab es Anfang Dezember vom deutschen HandballMeister THW Kiel zu berichten. Weil zwei Profis positiv getestet wurden, mussten Mannschaft, Trainer, Betreuer und Physiotherapeut für zehn Tage in Quarantäne. Wann das Team wieder trainieren konnte, darüber entschieden gleich drei (!) Gesundheitsämter. Grund: Die Spieler haben in drei unterschiedlichen Landkreisen ihren Wohnsitz. (eye)
Hatte keine Freude mehr am Wettkampfsport: Tübingens Hürdenlauferin Jackie Baumann. FOTO: EIBNER
»Nicht mehr durch die Hölle«
Leichtathletik – Jackie Baumann beendet unerwartet ihre Karriere VON GABRIELA THOMA REUTLINGEN. Einem Paukenschlag kam es gleich, dass völlig unabhängig von der Corona-Krise Deutschlands in den vergangenen Jahren beste deutsche 400-Meter-Hürdenläuferin Jackie Baumann ihre Karriere Anfang August beendet hat. Nur drei Tage vor den deutschen Meisterschaften in Braunschweig zog die 24 Jahre alte Topfavoritin für sich den Schlussstrich. Während alle anderen deutschen Spitzen-Leichtathleten ebenso wie die Basis weitgehend coronabedingt ausgebremst wurde, sagte die Tübinger Lehramtsstudentin, ohne den Zenit ihres Leis-
tungsvermögens erreicht zu haben, für sich: Aus und vorbei. Was für Außenstehende traurig anmutete, war für sie eine Befreiung. »Mir ist ganz klar geworden, dass ich mich dieser Drucksituation in Wettkämpfen nicht mehr aussetzen kann, dass ich sie nicht mehr erleben möchte.«
Last emotional zu groß Immer wieder hatte die hoch talentierte Tochter von 5 000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann, die sich 2016 mit ihrer Olympia-Teilnahme bei den Spielen in Rio und bei der WM 2017 in London schon einige ihrer größten Träume verwirklich hatte, wenn es im
Wettkampf galt, ihre guten Vorleistungen nicht umsetzen können. Wie sehr sie sich ständig einer zermürbenden Qual ausgesetzt sah, beschrieb sie aber erst nach ihrem Entschluss: »Ich war lange nicht bereit, mir einzugestehen, dass mir der Wettkampfsport überhaupt nicht die Freude, die guten Gefühle bereitet, wie es normal wäre. Aber ich kann nicht mehr länger für den Leistungssport durch die Hölle gehen, wenn ich emotional nichts für mich zurückbekomme.« Die emotionale Last war für sie zu groß geworden. So fällte Jackie Baumann für ihre seelische Gesundheit eine mutige und ehrliche Entscheidung. (GEA)
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»Nach wie vor mein Leben«
Gute Vorsätze
Tennis – Metzingerin Laura Siegemund beste deutsche Spielerin VON GABRIELA THOMA
REUTLINGEN. Laura Siegemund hat in diesem Jahr als beste deutsche Spielerin positive Schlagzeilen fürs deutsche Damentennis geschrieben. Damit hat die 32 Jahre alte Metzingerin, die in Stuttgart wohnt, zugleich auf der Zielgeraden ihrer Karriere auch eine Art neue Berühmtheit erworben. Mit dem Grand-Slam-Turniersieg im Doppel an der Seite der Russin Vera Swonarewa bei den US Open und mit dem Viertelfinal-Einzug im Einzel bei den French Open trotz eiskalter Wetterbedingungen und einer Entzündung im Rücken feierte sie nach ihrem Sieg 2017 beim Porsche Grand Prix in Stuttgart
ALEXANDRA VECIC Die 18 Jahre alte Alexandra Vecic vom TC Tübingen zählt zu den Talenten, die im Deutschen Tennis Bund die »Goldene Generation« um Angelique Kerber und Laura Siegemund beerben sollen. Das hat die EinserAbiturientin fest vor, nach ihrem letzten Jahr bei den Juniorinnen, in dem ihr der Halbfinal-Einzug bei den Australian Open und der Viertelfinal-Einzug bei den French Open glückte. (bib)
Wild entschlossen: Laura Siegemund. ihre bislang größten Erfolge in ihrer Karriere. »Wenn man mir früher gesagt hätte, dass ich Viertelfinale in Roland Garros spielen würde, da wären mir Herzchen aus den Augen geflogen. Es war immer mein Traum«, sagte die aktuelle Nummer 50 der Welt, als sie in Paris in die Runde der letzten Acht eingezogen war. Außerdem beeindruckte Laura Siegemund, die 2017 einen Kreuzbandriss erlitten hatte, insgesamt damit, dass sie sich immer wieder neu auf die unangenehmen und ständig wechselnden Bedingungen in Paris wie in diesem gesamten Jahr eingestellt hat. Dagegen beendete ihre Fed-Cup-Kolle-
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FOTO: BOUE/WITTERS
gin Julia Görges (31) überraschend ihre Karriere. Andrea Petkovic (33) pausierte in der Corona-Krise und baute sich als Buchautorin und TVModeratorin ein zweites Standbein auf und die dreimalige Majorgewinnerin Angelique Kerber (32) schwächelte. Laura Siegemund hingegen hat für sich erkannt, dass sie nicht daran denkt, in absehbarer Zeit ihren Schläger an den Nagel zu hängen. Sie betont immer wieder: »Ich habe noch große Lust, mich zu fordern. Ich merke, wie Leistungssport nach wie vor mein Leben ist, wie ich brenne und dass es mir Freude macht, an meine Grenzen zu gehen.« (GEA)
REUTLINGEN. Deutschlands bester Tennisprofi Alexander Zverev aus Hamburg wünscht sich als Nummer sieben der Welt im neuen Jahr nur Ruhe, drei Grand-Slam-Siege und dass man aus seinem Jahr 2020 vielleicht einen Film macht. Eine treffliche Analyse. 23 Jahre ist er erst alt und hat reichlich Stoff für eine unterhaltsame Story geliefert. So hat er nur knapp das Finale bei den US Open gegen Dominic Thiem verloren, stand im Halbfinale der Australian Open, feierte zwei Turniersiege in Köln und schaffte es beim Masters in Paris ins Endspiel. Für die lärmenden Nebengeräusche sorgten sein hemdsärmeliger Umgang mit der CoronaPandemie bei der Adria Tour, dass seine Ex-Freundin von ihm schwanger ist und dass ihm eine weitere Ex-Freundin häusliche Gewalt vorwirft. Sich künftig auf den Sport zu konzentrieren, ist ein ziemlich guter Vorsatz. (bib)
Alexander Zverev im Glück. FOTO: WENIG/DPA
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Jungen Tigern fehlt Konstanz
Basketball – Coach Jansson muss auf Früchte seiner Arbeit warten VON FRANK WILD
DAS ZITAT
»Kobe war wie ein kleiner Bruder für mich« Basketball-Legende Michael Jordan über den Tod des Superstars Kobe Bryant
Bryant stirbt bei Absturz Die Basketball-Welt verlor am 26. Januar einen ihrer größten Spieler aller Zeiten, als Kobe Bryant zusammen mit seiner Tochter Gianna und sieben weiteren Personen bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam. Fünf Titel in der besten Liga der Welt (NBA), 33 643 Punkte für seinen Club Los Angeles Lakers und zwei Olympiasiege mit dem US-Team stehen in seiner Vita. (eye)
TÜBINGEN. Nach dem 29. Spieltag war Schluss. Mitte März setzte die 2. BasketballBundesliga den Betrieb aufgrund der Entwicklungen des Coronavirus zunächst aus, um die Saison 2019/2020 schon kurz später vorzeitig zu beenden. Die Tübinger belegten nach dem 90:86 gegen Hagen den zwölften Tabellenplatz. »Die derzeitige Entwicklung kann die komplette Sportlandschaft in Deutschland verändern«, mutmaßte Robert Wintermantel schon damals. Der Manager der Tigers Tübingen sollte recht behalten. Die Wirtschaft wurde gewaltig gebeutelt von der Krise durch die Pandemie. Das bekamen in der Folge die Vereine der Pro A zu spüren. Nicht nur die Tübinger Korbjäger stecken in einer extrem schwierigen finanziellen Situation. Waren in der Runde zuvor zumindest noch 17 Mannschaften am Start, so nehmen am aktuellen Spiel nur noch 15 Teams teil. Es ist bezeichnend, dass die ohnehin nur vier von den Tigers verpflichteten Ausländer allesamt blutjung sind und noch keinerlei Erfahrung im Profi-Geschäft gesammelt haben. Die Erwartungshaltung der Verantwortlichen um
Coach Danny Jansson hatte spannende, aber junge Tiger um sich geschart. Diese schwanken noch in ihren Leistungen. FOTO: MEYER Wintermantel war deshalb von Beginn an klipp und klar: Es geht ums nackte Überleben. Und das vor allem auch wirtschaftlich. Die sportlichen Perspektiven treten da erst einmal in den Hintergrund. Winterman-
tel und der neue Cheftrainer Danny Jansson haben nichtsdestotrotz spannende Spieler verpflichtet. Diese schwanken in ihren Leistungen aber aufgrund ihrer Jugend erheblich. Es wird dauern, bis Janssons Arbeit Früchte trägt. (GEA)
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Europapokal zu großes Risiko Handball – Nach Top-Saison erstmals Metzinger Startverzicht
VON FRANK PLEYER
Die TuS Metzingen stellte mit Marlene Zapf (Bild), Maren Weigel und Bo van Wetering drei EM-Teilnehmerinnen. FOTO: PIETH
METZINGEN. Erfolg ist nicht planbar. Nicht mit einer erfahrenen Mannschaft, noch weniger mit jungen Spielerinnen. Umso höher waren in der abgelaufenen Runde Rang drei und die erneute EuropapokalQualifikation der Metzinger Erstliga-Handballerinnen einzuschätzen. Auch auf den vierten Einzug in Folge in die Pokal-Endrunde in Stuttgart konnten Trainerin Edina Rott und das Team stolz sein. Dann kam Corona, und damit fiel erstmals die Austragung des Final4-Turniers ins Wasser. Stattdessen galt es, in Zeiten ohne Zuschauer-Einnahmen wirtschaftlich neu zu planen und die Existenz der Mannschaft zu sichern. Dank der Unterstützung vieler Sponsoren und Anhängern, die den Pink Ladies treu blieben, sowie Gehaltskürzungen war der Start in die neue Saison möglich. Wie im DHB-Pokal gab es auch in der EHF European League ein Novum für die Pink Ladies. Weil der zugeloste Gegner Kuban (Russland) im Risikogebiet liegt und im Fall eines positiven Tests eine Quarantäne gedroht hätte, verzichtete die TuS schweren Herzens auf die Teilnahme am Wettbewerb. (GEA)
Frohes Fest und einen guten Rutsch 2020 war für alle ein ganz besonderes Jahr. Wir möchten uns bei all unseren Kunden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Partnern und Lieferanten für die Treue, den Einsatz und das partnerschaftliche Miteinander bedanken. Wir wünschen Ihnen frohe Festtage und einen guten Start ins neue Jahr. Ihre Bäckerei Keim
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Überraschend erfolgreich Radsport – Brauße im Übergangsjahr
REUTLINGEN. Die Olympischen Spiele wurden zwar verschoben, dennoch hielt das Jahr für Franzsika Brauße einige Höhepunkte bereit. Anfang des Jahres holte die 22-Jährige aus Eningen bei den BahnradWeltmeisterschaften zwei Bronze-Medaillen. Im Oktober überzeugte Brauße bei der U23-Europameisterschaft mit vier Medaillen aus vier Rennen, sie verteidigte unter anderem ihren Titel in der Einerverfolgung. Zudem wurde sie erstmals zu Reutlingens Sportlerin des Jahres gewählt. Als Ersatz für die vielen ausgefallenen Straßenrennen nahm Brauße an ein paar virtuellen Wettkämpfen teil. Die meiste Zeit verbrachte sie allerdings mit Krafttraining zu Hause in Eningen, um sich für Olympia 2021 fitzumachen. (der)
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Bewegte Zeiten beim SSV
Fußball – Geisterspiel, Spenden-Aktionen, Abstiegskampf VON MANFRED KRETSCHMER
Michael Konietzny muss gehen. FOTO: SCHUST/EIBNER
Ära Konietzny beim VfL beendet PFULLINGEN. Nach über fünf Jahren war die Ära von Michael Konietzny als Chefcoach beim VfL Pfullingen Anfang November beendet. Zwei Mal, 2016 und 2019, führte er die Fußballer als Landesliga-Meister in die Verbandsliga. In der vorzeitig abgebrochenen Spielzeit 2019/2020 kämpfte der Club genau wie in der aktuellen, derzeit unterbrochenen Runde um den Klassenverbleib. Die Verantwortlichen sahen sich daher zum Handeln gezwungen und zauberten nicht einmal eine Woche später den 29 Jahre jungen A-Lizenz-Inhaber Daniel Güney aus StuttgartVaihingen als Nachfolger aus dem Ärmel. (wil)
REUTLINGEN. »Der SSV Reutlingen bietet immer Gesprächsstoff.« Dieser Satz taucht im Jahresrückblick 2019 auf. Der Satz hat auch 2020 Gültigkeit. Der FußballOberligist, traditionsbeladen, von zahlreichen Wechseln in der Führungscrew und im Spielerkader immer wieder zurückgeworfen, finanziell häufig in Schieflage, nach wie vor von einer großen und treuen Anhängerschaft getragen – auch in den vergangenen Monaten sorgt der SSV für Schlagzeilen. Geisterspiel. Am 7. März muss das Team von Trainer Maik Schütt sein Heimspiel gegen Rielasingen-Arlen ohne Zuschauer austragen. Der Verband hat den SSV mit diesem Geisterspiel bestraft, weil im Derby gegen die Stuttgarter Kickers Pyrotechnik gezündet wird. Wohlgemerkt im Fanblock der Kickers. Spenden-Aktion. Die Fans der Szene E initiieren vor und während des RielasingenSpiels eine Spenden-Aktion, an der sich auch bundesweit viele Vereine und Personen beteiligen. Letztlich fließen über 18 000 Euro auf das Konto des Kreuzeiche-Clubs.
Kampfstark und torgefährlich: Willie Sauerborn (links). Crowdfunding. Um die Lücke im Etat zu schließen, die nach der Einstellung des Spielbetriebs wegen der Corona-Pandemie entsteht, startet der Verein unter der Federführung der Unterstützergruppe eine Crowdfunding-Aktion. Die Zielmarke lautet 50 000 Euro. Das Ergebnis: 897 Leute sammeln 62 372,63 Euro ein. Abzüglich der Gebühren erhält der SSV 58 648,27 Euro.
FOTO: BAUR
Wahlen. Dr. Karsten Amann wird am 24. Juli zum neuen Vorsitzenden, Patrick Gühring zum Sportvorstand gewählt. Gühring hört nach 84 Tagen auf. Danijel Baric übernimmt die sportliche Leitung. Bilanz. Die abgebrochene Spielzeit 2019/2020 beendet der SSV auf Platz 14, derzeit steht in dem 21er-Feld Position 13 zu Buche. (GEA)
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Triumphzug der SG Reutlingen
Hat Anfang Dezember seinen Vertrag bis Juni 2022 verlängert: Trainer Daniel Brack.
FOTO: BAUR
Der Bessermacher
Handball – Daniel Brack leistet in Pfullingen exzellente Arbeit VON MANFRED KRETSCHMER
PFULLINGEN. Als Daniel Brack im Juli 2019 das TrainerKommando beim HandballDrittligisten VfL Pfullingen übernahm, blickte der Verein auf vier Spielzeiten in der dritthöchsten Klasse zurück. Vier Mal sprang Platz elf heraus. Nicht schlecht für ein Team, das sich in der Etat-Tabelle in ähnlichen Sphären bewegt. Aber irgendwie nicht mehr befriedigend, weil man sich im Sport weiterentwickeln möchte. Dann nahm der ehemalige Erstligaspieler Brack, der sich als Youngster einige Mal das
VfL-Trikot in der Bundesliga überstreifen durfte, das Zepter in die Hand. Und: Der VfL schloss die abgebrochene Corona-Saison 2019/2020 mit dem zweiten Platz ab. Der Bessermacher hat nicht nur die Pfullinger Mannschaft in der Tabelle nach oben geführt, er hat zudem einige Spieler auf eine neue Leistungsstufe geführt. Linksaußen Marc Breckel, mittlerweile 30, wird immer torgefährlicher. Torhüter Daniel Schlipphak, scheinbar im Talente-Status verharrend, ist längst eine große Stütze. Rechtsaußen Christian Jabot die Zuverlässigkeit in
Person. Kreisläufer Alexander »Rudi« Schmid kaum zu stoppen, Torjäger Niklas Roth wird vom Coach gefördert und gefordert. Und, und, und. Kürzlich verlängerte Brack, der mit seinem Team aktuell auf dem vierten Platz rangiert, seinen am Ende dieser Spielzeit auslaufenden Vertrag bis Juni 2022. »Ich verspüre riesige Lust auf diese Aufgabe«, sagt der 39 Jahre alte A-LizenzInhaber. »Brack ist ein Glücksgriff für den VfL«, glaubt Abteilungsleiter Armin Geffke. »Brack liefert sensationell gute Arbeit ab«, lobt der Sportliche Leiter Jörg Hertwig. (GEA)
REUTLINGEN. Im Juli und August waren die Bezirksliga-Fußballer der SG Reutlingen in aller Munde. Nach langer CoronaZwangspause gewannen die Orschel-Hagener im Bezirkspokal-Halbfinale gegen den SV Walddorf mit 4:2 und im Endspiel gegen den Landesliga-Aufsteiger Young Boys Reutlingen mit 4:0. Im Verbandspokal setzte die SG den Triumphzug fort. Verbandsligist VfL Sindelfingen wurde mit 4:2 nach Verlängerung und Landesligist SV Böblingen mit 4:2 bezwungen. Erst in der dritten Runde wurde die SG gestoppt – gegen Verbandsligist VfL Pfullingen gab’s ein 1:4. Fünf der neun Treffer im Verbandspokal gingen auf das Konto von Christian »Lumpi« Locher. (kre)
Torschütze vom Dienst: Christian Locher. FOTO: BAUR
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TV Rottenburg zieht sich zurück ROTTENBURG. Der Schock war groß Anfang April: Völlig überraschend zogen sich die Volleyballer des TV Rottenburg nach zwölf Jahren in der Bundesliga aus dem ProfiGeschäft zurück. Das sorgte bundesweit für Schlagzeilen, war der TVR doch der erste Profi-Club, den die Coronakrise in die Knie gezwungen hat. Es wurde befürchtet, dass es bald sehr vielen so gehen würde wie dem TVR. Bislang blieb das große Clubsterben aber aus. Nachdem bis auf Mittelblocker Friederich Nagel alle Spieler Rottenburg verlassen hatten, kehrte wieder Zuversicht im Club ein. In der 3. Liga strebt der TVR als Tabellenführer zurück ins ProfiGeschäft. (der)
Aus der Traum
Zwei Siege in Reutlingen: Dressur-Star Isabell Werth.
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Star in Reutlingen
Reiten – Turnier mit Werth im Rampenlicht
Gedenktafel Verstorbene Sport-Größen: 5. Januar Hans Tilkowski (84), WM-Zweiter mit der Fußball-Nationalelf 1966; 12. April Stirling Moss (90), viermaliger WMZweiter in der Formel 1; 5. Juli Willi Holdorf (80), Olympiasieger Zehnkampf 1964; 10. Juli Jack Charlton (85), Weltmeister mit der englischen Fußball-Nationalelf 1966. (GEA)
VON FRANK PLEYER REUTLINGEN. Das Schwabenland war schon oft ihr Reiseziel. Weil Dressur-Ausnahmereiterin Isabell Werth beim German-Masters-Turnier in Stuttgart Sieg an Sieg an ihre Fahnen heftete. Aber sie gab auch schon Reit-Unterricht in Nürtingen oder TübingenLustnau. Im Oktober wurde dem Reutlinger Top-Turnier eine besondere Ehre zuteil:
Begeisterungsfähigkeit ist eine der Hauptursachen für den Erfolg im Leben. Dale Carnegie
Weil das Stuttgarter WeltcupTurnier abgesagt wurde, war der Auftritt der sechsmaligen Olympiasiegerin in Reutlingen ihr einziger Start in Süddeutschland in dieser Saison. Im Vorjahr trat beim von den Machern Gotthilf Riexinger und Friedl Roschmann initiierten Top-Turnier bereits mit Dorothee Schneider eine Team-Olympiasiegerin an. Der Start von Isabell Werth toppte nun aber alles. (GEA)
REUTLINGEN. 19 Jahre lang war die gebürtige Pfullingerin Daniela Reinhardt Synchronschwimmerin. Erst bei der SSG Reutlingen/Tübingen und zuletzt bei den Isarnixen der Stadtwerke München, denn die Blondine galt gemeinsam mit ihrer Duett-Partnerin Marlene Bojer als Olympia-Hoffnung. Doch nach der Verschiebung der Olympischen Spiele ins Jahr 2021 und einem BandscheibenVorfall verkündete sie ihren Abschied vom Leisungssport. Ihren ganzen Lebensplan, ihre ganze Kraft und Leidenschaft hatte die Nixe auf eine Olympia-Teilnahme in diesem Jahr 2020 ausgerichtet, doch mit dem CoronaLockdown begrub Daniela Reinhardt auch zugunsten ihrer beruflichen Ausbildung ihren Traum. (bib)
Tour-Gewinner immer jünger PARIS. Erfahrung scheint nicht mehr entscheidend für den Tour-de-FranceSieg zu sein. Die Gewinner werden immer jünger: Im Vorjahr lag der Kolumbianer Egan Bernal (damals 22) vorn, dieses Jahr triumphierte Tadej Pogacar (21) aus Slowenien. (eye)
Auf ein Neues: Das Reutlinger Wochenblatt wünscht allen seinen Kunden, Geschäftpartnern und Lesern einen guten Rutsch ins Neue Jahr.
WIRTSCHAFT
Der exogene Schock und seine Folgen Die Krise kam nicht von innerhalb der Wirtschaft, sondern im Wesentlichen von außen. Volkswirte ordnen die Coronavirus-Pandemie daher als exogenen Schock ein, der Angebot und Nachfrage kurzfristig verändert hat. Unternehmen haben auf staatliche Anordnung, wegen Unterbrechung der Lieferketten oder aus Vorsichtsgründen ihre Produktion vorübergehend eingestellt. Dies betraf Daimler, Porsche und Bosch ebenso wie Wafios in Reutlingen und Elring Klinger in Dettingen/Erms. Gaststätten, Möbelhäuser und Friseure mussten schließen – erst im Frühjahr, dann gegen Jahresende wieder. In der Folge ist die Wirtschaftsleis-
tung deutlich zurückgegangen. Die Zahl der Arbeitslosen ist gestiegen, trotz Kurzarbeit in nie da gewesenem Ausmaß. Konjunktur- und Hilfspakete der EU, des Bundes und der Länder in beträchtlicher Höhe haben, begleitet von anhaltend ultralockerer Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, Schlimmeres verhindert. Allerdings sind riesige Schuldenberge entstanden. Die Hoffnungen ruhen, auch im Hinblick auf eine konjunkturelle Wende, auf wirksamen Corona-Impfstoffen. Das im ablaufenden Jahr in New York an die Börse gegangene Tübinger Unternehmen Curevac kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. (rog) FOTOS: NIETHAMMER/DPA
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WIRTSCHAFT
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Reisen vielfach unmöglich Tourismus – Branche von der Pandemie schwer getroffen VON UWE ROGOWSKI
DAS ZITAT
»Das ist die Bazooka, mit der wir das Notwendige jetzt tun« Bundesfinanzminister Olaf Scholz zur Zusage, in der Coronakrise Unternehmen mit unbegrenzten Kreditprogrammen zu helfen
Flughafen endlich eröffnet BERLIN. Nach 14 Jahren Bauzeit wurde am 31. Oktober der neue Hauptstadtflughafen BerlinBrandenburg (BER) offiziell eröffnet. Pfusch bei Planungen und Ausführungen des Baus hatten zu massiven Verzögerungen geführt. Die Kosten lagen am Ende mit 6 Milliarden Euro drei Mal höher als ursprünglich veranschlagt. Der Stadtflughafen Tegel wurde am 8. November geschlossen. (rog)
HANNOVER. Die Deutschen verreisen gerne. Doch sie durften das im zu Ende gehenden Jahr nicht immer. Die Tourismusbranche gehört zu den von der Coronakrise besonders schwer getroffenen Branchen: Hotels und Restaurants mussten schließen, Reisen aufgrund staatlicher Hinweise abgesagt werden. Nach Berechnungen des Deutschen Reiseverbands erlitten Reiseveranstalter und Reisebüros Umsatzausfälle von 28 Milliarden Euro. Experten erwarten, dass trotz Hilfen des Staats 10 Prozent der 11 000 Reisebüros die Krise nicht überleben könnten. Branchenriese Tui vereinbarte mit der staatlichen För-
Viele Strände blieben 2020 menschenleer. derbank KfW einen Kredit in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Später kamen über eine weitere Kreditlinie 1,2 Milliarden Euro dazu. Tui wies im Geschäftsjahr 2019/20 (30. September) einen Verlust von 3,1 Milliarden Euro aus – nach einem Gewinn von 416 Millio-
FOTO: NAVARRO/DPA
nen Euro im Jahr zuvor. Der Konzern strich über 23 000 seiner über 71 000 Arbeitsplätze. In Baden-Württemberg sank die Zahl der Übernachtungen in den ersten neun Monaten 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 36 Prozent auf 28,3 Millionen. (GEA)
Fluggesellschaften in Turbulenzen Luftverkehr – Lufthansa kann mit Staatshilfe weiterfliegen FRANKFURT. Statt 4,5 Milliarden Menschen wie im Vorjahr waren 2020 weltweit nur 1,8 Milliarden Menschen mit einem Flugzeug unterwegs. Dieser coronabedingte Passagierschwund hat den Umsatz der Fluggesellschaften nach Schätzung des Airlineverbandes IATA um mehr als
500 Milliarden Dollar auf 328 Milliarden Dollar verringert. Die Verluste haben sich demnach auf 118 Milliarden Dollar summiert. Darin nicht enthalten: die ebenfalls stark betroffenen Flugzeughersteller, die Flughäfen und Dienstleister. Die Lufthansa kann mithilfe massiver Staatshilfe weiter-
fliegen. Eine 20-Prozent-Beteiligung des Bundes war die Voraussetzung für ein 9 Milliarden Euro schweres Hilfspaket. Fachleute erwarten nach der Coronakrise eine rasche Rückkehr von Touristen. Geschäftliche Flugreisen könnten durch Onlinekonferenzen ersetzt werden. (rog)
Wir sagen Danke und wünschen Ihnen und Ihrer Familie einen guten Start in ein neues gesundes Jahr 2021. Ihr Team von COS Metzingen
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WIRTSCHAFT
DONNERSTAG, 31. DEZEMBER 2020
Curevacs Weg zum Corona-Impfstoff
Biopharma – Politiker und Anleger interessieren sich stark für Tübinger Unternehmen VON UWE ROGOWSKI
TÜBINGEN. Das im Jahr 2000 gegründete biopharmazeutische Unternehmen Curevac in Tübingen war 2020 oft Gegenstand von Nachrichten. Denn es forscht an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. So gab es im März Berichte, wonach die US-Regierung versucht habe, Curevac für eine hohe Summe zu übernehmen. Angeblich wollte US-Präsident Donald Trump den CoronaImpfstoff exklusiv für sein Land sichern. Kurz darauf gab die EU-Kommission bekannt, Curevac mit bis zu 80 Millionen Euro zu unterstützen. Im globalen Rennen um einen Corona-Impfstoff stieg im Juni der deutsche Staat
Das Logo von Curevac am Eingang des Firmensitzes in Tübingen. über seine Förderbank KfW bei Curevac ein und übernahm für 300 Millionen Euro 23 Prozent der Anteile an der Firma. Im August ging Curevac in New York an die Börse. Der erste Kurs lag mit 44 Dollar
weit über dem Ausgabepreis der Aktie von 16 Dollar. Das Unternehmen benötigt viel Geld für Forschung und Entwicklung. Es machte in den ersten neun Monaten 2020 bei einem Umsatz von 42,8
FOTO: SCHMIDT/DPA
Millionen Euro einen Verlust von 71 Millionen Euro. Ab 2022 werden Gewinne erwartet, weil sich die Firma bei der Zulassung ihres Covid-19Impfstoffkandidaten auf gutem Weg sieht. (GEA)
Der Skandal um den Dax-Konzern Wirecard
Jobs in Gefahr
Kriminalität – Ex-Vorstandschef Braun sitzt in Untersuchungshaft
STUTTGART. Daimler hat im Sommer angekündigt, das im Herbst 2019 aufgelegte Sparprogramm zu verschärfen. Im Herbst wurde bekannt, dass auch am symbolträchtigen Konzernstammsitz in Stuttgart-Untertürkheim spürbar Stellen wegfallen sollen. Daimler verweist auf den Wandel in der Autoindustrie. Beschäftigte schrieben 50 000 Protest-Postkarten. (rog)
ASCHHEIM. Erst der Aufstieg zum Börsenstar, dann die erste Pleite eines Konzerns im Deutschen Aktienindex (Dax): Der Skandal um Wirecard dürfte Justiz, Politik, Anleger und Medien noch ziemlich lange beschäftigen. Im Juni gab der Zahlungsabwickler aus Aschheim bei München zu, dass Vermögens-
werte von mehr als 1,9 Milliarden Euro vermutlich nicht existieren. Wenige Tage später folgte der Insolvenzantrag. Die Staatsanwaltschaft München wirft dem Vorstand gewerbsmäßigen Bandenbetrug vor – er soll Banken und Investoren jahrelang systematisch belogen haben. Ex-Vorstandschef Markus Braun sitzt
in Untersuchungshaft, Ex-Vorstandsmitglied Jan Marsalek ist spurlos verschwunden. Zivilklagen richten sich gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, die Wirecard-Bilanzen testierte. Ein Untersuchungsausschuss des Bundestags prüft, welche Rolle Bundesregierung und Aufsichtsbehörden spielten. (rog)
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WIRTSCHAFT
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Chefwechsel bei Hugo Boss METZINGEN. Modekonzern Hugo Boss (Metzingen) gab im März bekannt, sich vom Vorstandsvorsitzenden Mark Langer zu trennen. Nachfolger an der Konzernspitze wird ExTommy-Hilfiger-Chef Daniel Grieder – wegen einer Wettbewerbsklausel von Juni 2021 an. (rog)
Gedenktafel Folgende Persönlichkeiten sind 2020 gestorben: Larry Tesler (74), US-Informatiker und Erfinder der Computerfunktion Copyand-paste; Jack Welch (84), ehemaliger Chef des US-Konzerns General Electric; Jochen Holy (78), Modeunternehmer (Enkel von Hugo Boss und Ex-Vorstandsmitglied der Hugo Boss AG) sowie Mitbegründer der Outletcity Metzingen (Holy AG); Gerhard Weber (79), Gründer des Modeherstellers Gerry Weber (Halle/Westfalen); Mario Ohoven (74), seit 1998 Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft; Werner Karg (80), ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Volksbank Metzingen-Bad Urach, Vorgängerbank der heutigen Volksbank Ermstal-Alb. (rog)
Historisches in Reutlingen: Volksbank übernommen und Stoll verkauft 1861 war die Volksbank gegründet worden, 1873 der Flachstrickmaschinenhersteller Stoll. 2020 geschah bei den Reutlinger Institutionen Historisches: Die Vertreter der Volksbank stimmten der Übernahme des Finanzinstituts durch die Vereinigte Volksbank (Sindelfingen) zu. Die
Familiengesellschafter von Stoll verkauften ihre Anteile an Karl Mayer in Hessen. Unser Foto zeigt den Vorstand der Vereinigten Volksbanken (von links): Jörg Niethammer, Wolfgang Klotz, Anette Rehorsch-Hartmann, Siegfried Arnold und Thomas Krätschmer. (rog) FOTO: VOLKSBANK
Die Rettung von Reiff Reifen Regionale Wirtschaft – Über Insolvenzen und Stellenabbau VON UWE ROGOWSKI
REUTLINGEN. Reiff Reifen (Reutlingen) war Teil des Gruppeninsolvenzverfahrens Fintyre mit bundesweit 16 Firmen. Der japanische Bridgestone-Konzern übernahm Reiff Reifen und rettete über 500 Arbeitsplätze. Für die Bäckerei Schneider in Ofterdingen mit 120 Beschäftigten bei Insolvenzantrag gelang die Rettung
nicht. Bei der insolventen Kanz Gruppe (Pliezhausen) blieben 190 von 310 Stellen erhalten, weil sich Übernehmer für die Kurtz-Spielwarenhäuser, Sons & DaughtersFilialen und das Großhandelsgeschäft fanden. Dank neuer Investoren machte auch KunststoffteileHersteller Hähl in Dußlingen mit allen 105 Arbeitnehmern nach der Insolvenz weiter. Für Schuh Schneider (Reutlingen)
mit zuletzt 72 Beschäftigten bedeutete die Zahlungsunfähigkeit nach 156 Jahren das Ende der Betriebsgeschichte. Bei Automotive Lighting sollen 250 der 930 Stellen in Reutlingen wegfallen. Sauter Feinmechanik in Metzingen verringerte die Belegschaft um 59 auf 255 Personen. Modeunternehmen Marc Cain in Bodelshausen entließ 90 der 800 Mitarbeiter in Bodelshausen. (GEA)
KULTUR Zwischen Lockdown und Maskenspiel Das Kulturjahr 2020 wird keiner vergessen. Erst die traumatisierende Erfahrung, dass man die Kultur einfach abdrehen kann. Dann die Erfahrung, dass sie sich nicht einfach abstellen lässt. Mitten im Lockdown wird dann eben von zu Hause durchs Netz musiziert. Oder vom Balkon. Theatergänger flanieren einzeln durch die Stadt mit der Stimme der Schauspieler per Kopfhörer im Ohr. Ganz neue Formen werden erfunden. Auch als langsam wieder was geht, bleibt man erfinderisch. Die Philharmonie ersinnt eine »MusikInsel« in ihrem Studio. Man gewöhnt sich an Masken und Abstand und Desinfektionsmittelspender am Eingang. Laienorchester pro-
ben in Maschinenhallen zwischen Bohrgeräuschen und Motorenlärm. Der Sommer bringt so viel Freiluftkultur wie selten – mit Landeshilfe und einem Publikum auf Distanz. Man lernt, mit dem Virus zu leben, aber dann steigen die Infektionszahlen wieder. Und die Kultur wird ein zweites Mal in diesem Jahr dicht gemacht. Die Französischen Filmtage mittendrin abgeschnitten. Theater zu, Museen zu, Konzertbühnen zu. Und wieder strebt die Kultur ins Internet. Während sie ihr erstes größeres Opfer verzeichnet: Der Chefdirigent der Württembergischen Philharmonie, am Wohnort San Francisco abgeschnitten von seinem Orchester, gibt auf. (akr) FOTOS: KNAUER/LANDESMUSEUM STUTTGART
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KULTUR
Abschied von Kulturgrößen 2020 sind viele Persönlichkeiten des Kulturlebens gestorben, darunter: Wolfgang Dauner, 84, Jazzpianist; Mirella Freni, 84, Sängerin; Gudrun Pausewang, 91, Autorin; Kirk Douglas, 103, Schauspieler; Mary Higgins Clark, 92, Autorin; Guntram Vesper, 79, Autor; Sonja Ziemann, 94, Schauspielerin; Ruth Klüger, 78, Autorin; Jirí Menzel, 82, Regisseur; Ernesto Cardenal, 95, Poet; Krzysztof Penderecki, 86, Komponist; Joseph Vilsmaier, 81, Regisseur; Max von Sydow, 90, Schauspieler; Albert Uderzo, 92, Zeichner; Tilman Jens, 65, Publizist; Florian Schneider-Esleben, 73, Musiker; Per Olov Enquist, 85, Autor; Little Richard, 87, Musiker; Petra Afonin, 65, Schauspielerin; Michel Piccoli, 94, Schauspieler; Rolf Hochhuth, 89, Dramatiker; Lee Konitz, 92, Jazzsaxofonist; Ellis Marsalis, 85, Jazzpianist; Christo, 84, Künstler; Steve Priest, 72, Rockmusiker; Ennio Morricone, 91, Komponist; Peter Green, 73, Gitarrist; Alan Parker, 76, Regisseur; Uli Stein, 73, Cartoonist; Juliette Gréco, 93, Sängerin; Eddie Van Halen, 65, Rockgitarrist; Spencer Davis, 81, Rockmusiker; Sean Connery, 90, Schauspieler; Josua Reichert, 83, Grafiker; John le Carré, 89, Autor. (GEA)
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Kopfkino beim Hörspaziergang Bühne – Die Theater beweisen während der Lockdowns Fantasie VON CHRISTOPH B. STRÖHLE TÜBINGEN/REUTLINGEN. Was tut ein Theater, wenn es aus Gesundheitsschutzgründen plötzlich nicht mehr spielen darf? Das Tübinger Zimmertheater reagierte während des ersten Lockdowns in der Coronakrise, indem es seine geplante Bühnenproduktion »Freund Hein« kurzerhand zu einem Audio-Walk umfunktionierte. Die Nutzer konnten so kontaktlos durch Tübingen spazieren und an Stationen wie dem Neckar oder dem Friedhof mit den Stimmen der Schauspielerinnen und Schauspieler im Ohr Kopfkino erleben. Ähnlich verfuhr im Juni das LTT mit seinem Culture-Fiction-Hörspaziergang »Südstadt-Symphonie«. Die Fiktion bestand darin, dass man aus einer Zukunft, in der die Menschen das Abstandhalten und den keimfreien Alltag perfektioniert haben, aufs Heute blickte. Auch sonst fanden die Theater der Region fantasievolle Wege, mit ihrem Publikum in Kontakt zu treten. Die Tonne bot unter anderem eine szenische Lesung aus Paul Shiptons »Die Wanze« an, die via Internet ihr junges Publikum erreichte. Kurz vor dem zweiten Lockdown kam das Stück auch auf der Bühne heraus.
Auch zu sehen gab es etwas beim Audio-Walk »Freund Hein« des Tübinger Zimmertheaters, wie hier ein Memento mori im Schaufenster des Filmtagebüros. FOTO: STRÖHLE Das LTT bot auf verschiedenen Plätzen in Tübingen »Balkon-Theater« – viele Zuschauer mussten dafür ihre Wohnung erst gar nicht verlassen. Sobald es ab Juni wieder möglich war, lud das LTT dann im Freien zum »Hof-Theater«. Dabei wurden Aufführungen in leicht abgewandelter Form auf eine Bühne im Hof des Theaters verlegt. Auch anrufen konnte man beim LTT und sich – bevor das Theaterspielen wieder möglich war – von Schauspielerinnen und Schauspielern mit Lyrik oder Prosa versorgen lassen. Das Theater Lindenhof verschob sein Bürgertheater zu Hölderlin auf 2021. Das Tübin-
ger Sommertheater fand in abgespeckter Form aber dennoch statt: Von Bäumen auf der Neckarinsel herab rezitierten die Lindenhöfler Auszüge aus dem »Hyperion«. Der Sommer bot auch der Tonne Gelegenheit, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen und Schillers »Die Räuber« als Sommertheater zu zeigen. Im erneuten Lockdown ab November waren dann an allen Häusern wieder digitale Angebote gefragt. Der Lindenhof etwa streamte eine Online-Voraufführung seiner Produktion »Am zwölften Tag«, die 2021 erstmals vor Saalpublikum gespielt werden soll. (GEA)
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KULTUR
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Szene aus dem Barockopern-Stationenweg im Ottmar Hörls Plastik-Hölderline Das Festival »Echt Jetzt!« brachte Performance-Kunst in Pfullinger Klostergarten. FOTO: STRÖHLE in Tübingen. FOTO: KNAUER den Reutlinger Heimatmuseumsgarten. FOTO: KNAUER
Sommer des Aufatmens
Open Air – Mit Landeshilfe war einiges los in der Region, meist unter freiem Himmel VON ARMIN KNAUER
TÜBINGEN. Man kann sich kaum vorstellen, dass das Coronavirus schon fast besiegt schien: im Sommer nämlich. Die Infektionszahlen waren gering, das Wetter bestens, und weil das Land nachhalf, ging viel im August. Vor allem draußen, wegen der geringeren Infektionsgefahr. Besonders in Tübingen war man sehr rege. Auf der Sudhaus-Waldbühne gaben sich die Künstler die desinfizierte Klinke in die Hand: Sarah Lesch kam. Patrick Bebelaar & Co. jazzten. Dota sang ihre Kaléko-Vertonungen. Florian Dohrmann und Band gaben Debussy den Swing.
Der Veranstalter Vaddi Concerts hatte hingegen die Tübinger Panzerhalle als coronatauglichen Kulturort entdeckt: mit Dach überm Kopf, aber Luft von allen Seiten. DTK & Co. sangen hier die Songs verblichener Rockhelden. Axel Hacke und Harald Martenstein erzählten ihre skurrilen Geschichten. Özcan Cosar schlug Pointen aus deutsch-türkischen Befindlichkeiten. Vona sang seinen gefühlvollen Deutschpop. Rolf Miller gab den Proleten-Philosophen. Sogar das renommierte Klavierduo Grau-Schumacher spielte unter dem wandlosen Dach auf Säulen. Selbst das auf Klassik spezialisierte Vielklang-Festival
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zog ins Freie: mit Beethovens Streichquartetten unterm lauen Sommerhimmel im Hof des Bürgerheims. Freie Tübinger Künstler machten Innenhöfe zur Bühne für Kleinkunst, Figurenspiel und Artistik. Und wenn schon Tübingens Hölderlin-Oper ausfiel, so bekam die Unistadt doch die wunderbare Hölderlin-Installation von Ottmar Hörl an Stiftskirche und Neckarfront. Und Hölderlin von den Bäumen von den Lindenhöflern. Tübingen blieb nicht allein im sommerlichen Kulturreigen. Im Reutlinger Pappelgarten war einiges los an hochkarätigem Jazz. Das »Echt Jetzt!«-Festival brachte Performancekunst in den Reutlinger
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Heimatmuseumsgarten. Das franz.K bespielte den Paketpost-Parkplatz – unter anderem mit Gruppen, die im Lockdown in der KonzertstreamReihe aufgetreten waren. Das Reutlinger Naturtheater bot zauberhafte Kulturperlen auf seiner Terrasse. Ein kleines Festival brachte Ungewöhnliches in die alte Schirm-Textilfabrik in Kirchentellinsfurt. Auch Pfullingen blieb nicht abseits und glänzte mit einer Reihe im lauschigen Klostergarten. Einer der Höhepunkte: der von Winni Victor gestaltete musiktheatralische Stationenrundgang in ihrer Reihe der Reutlinger Kammeroper mit Sopranistin Ulrike Härter und anderen. (GEA)
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KULTUR
Filmtage ziehen ins Internet TÜBINGEN. Wie abgeschnitten waren die Französischen Filmtage. Die Eröffnung konnte das Festival noch mit Publikum im Kino Museum feiern – weitere Zuschauer waren im Reutlinger Kamino und im Rottenburger Waldhorn zugeschaltet. Auch die Kinos waren zunächst offen. Nach vier Tagen kam der Lockdown und in den Kinos ging gar nichts mehr. Gut, dass die Organisatoren vorsorglich eine Online-Version vorbereitet hatten. So ging das Festival im Netz weiter. (akr)
Schwere Probe für Museen REUTLINGEN. Die Museen hatten es schwer durch Corona. Zwei Mal kam die komplette Schließung. Immerhin konnten einige wichtige Projekte öffnen. So etwa an der Tübinger Kunsthalle die Schau »Supernatural« zu Körperbildern der Zukunft. Oder »Fashion?!« am Landesmuseum Stuttgart. Oder Jems Koko Bi am Reutlinger Kunstmuseum. Für die große Retrospektive von Jenny Michel dort heißt es hingegen: aufgebaut, aber nicht aufgemacht. (akr)
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Inselmusik und Pixelrausch
Konzerte – Philharmonie und andere entdecken neue Formen VON ARMIN KNAUER REUTLINGEN. Klingt paradox, aber 2020 war für die Musikszene ein Jahr der Ideen. Erst in Reaktion auf die Coronakrise erfindet die Württembergische Philharmonie ab Juni ihre Reihe »Die Insel«. Mit Kammermusik, weil Orchestergröße noch verboten ist. Und Inselflair samt echter Palme, weil die Zuschauer auf Abstand im Studio sitzen. Bei liebevoll gestalteten Programmen mit einfühlsamen Moderationen, während sich auf der Leinwand die Südseewellen kräuseln. Toll! Die WPR wird von Corona ansonsten hart erwischt. Lange geht in Orchestergröße gar nichts. Beim Saisonauftakt fehlt Chefdirigent Fawzi Haimor, der in San Francisco festsitzt. Wie die Broadway-Stars in New York, die im Kaleidoskopkonzert auftreten sollen. Immer findet man bei der WPR gute Lösungen. Perfekter Infektionsschutz in der Halle. Epochal die Uraufführung von Stefan Boehmes Zyklus über Grieshabers »Sturmbock«Holzschnitte zum 75-JahrJubiläum des Orchesters. Kurz darauf ist Schluss. Zweiter Lockdown, zum zweiten Mal das Orchester im Abseits. Auch da die Trotzreaktion: mit der Urauffüh-
Im Rausch der Farben: Friedemann Dähn am E-Cello in einer Performance zu Visuals von Sascha Banck im Kunstmuseum. FOTO: KNAUER rung von Fazil Says »Adagio« in einer Online-Liveübertragung. Hochprofessionell gemacht, von Tausenden an den Geräten mitverfolgt. Weitere Livestreams folgen. Die WPR wird zum Internetprofi. Chefdirigent Fawzi Haimor hingegen sieht, abgeschnitten im fernen San Francisco, keine Perspektive mehr. Er legt sein Amt nieder. Das Orchester verliert seinen Chefdirigenten, der so perfekt zu ihm passte. Die Macher des Reutlinger Sonic-Visions-Festivals, Friedemann Dähn und Thomas Maos, lassen sich hingegen nicht beirren. Sie verschieben einiges auf 2021 – vieles steigt aber schon 2020. Und zwar mitten in der Ausstellung »Glä-
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serne Härten« im Kunstmuseum konkret. Spartenleiter Holger Kube Ventura vom Kunstmuseum hat diese Kooperation angeregt. Und das »Generate«-Festival in Tübingen mit ins Boot geholt. Höhepunkt ist die lange SonicVisions-Nacht, die vom Kunstmuseum übers franz.K bis in die Tonne führt. Mit audiovisuellen Performances, mit einem hinreißenden Auftritt des kongolesischen Künstlers Fabrice Kayumba und Band. Mit einer Uraufführung von Juri de Marco mit Mitgliedern der Philharmonie, in der die klassischen Musiker alles ohne Noten improvisieren. Ein Abend, wie man ihn noch nicht erlebt hat. (GEA)
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