Issuu on Google+

Preis 4,00 Euro

Nr.13

Magazin für Gesellschaft. Lifestyle. Politik.

2015: DIE AUFREGER DES JAHRES IN COBURG COBURGER POLITESSEN: BEQUEME HASSOBJEKTE SILVESTERMENÜ AUF DIE SCHNELLE RAUMSCHIFF MIT EXTRAKLASSE: SKODA SUPERB DIENSTSLEISTUNGSCHECK: TAXIFAHRER IN COBURG

Winter 2015/16


Jenseits von Putz und Tapete gibt es viele aufregende Alternativen.


Carl-Brandt-Straße 4 96489 Niederfüllbach Telefon 09565-71-268 info@mein-brandt.de

Die Ausbau-Experten. Innovative Oberflächeneigenschaften und die große Auswahl an Dekoren machen unsere Innentüren zu den perfekten Türen für jedes Raumkonzept: BRANDT unte stützt Sie bei der Gestaltung Ihrer Räume und bei der Eröffnung neuer Wohnwelten. Die hier gezeigten Türen von GARANT werden im Thüringer Werk mit höchster Präzision und Qualität hergestellt. Trotz modernster Produktionstechnik geben erst die handwerkliche Arbeit und das geschulte Auge erfahrener Mitarbeiter allen Türen den letzten Schliff. Garantiert umweltverträglich: Ein bewusster Umgang mit Re sourcen ist für BRANDT selbstverständlich. Alle GARANT-Produkte z.B. dürfen das Gütesiegel »schadstoffgeprüft« der Landes Gewerbe Anstalt (LGA) tragen. Damit führt BRANDT einen der ersten Türenhersteller, der eine uneingeschränkte Umweltverträglichkeit seiner Produkte nachgewiesen hat.

www.mein-brandt.de


INHALT

Coburger / Das Magazin AUSGABE 13. WINTER 2015/16 8 HÖREN. SEHEN. STAUNEN IN COBURG 11 STADTGESPRÄCH 16 18 40 68 70 79 80 81 82

MEINUNGEN SCHATZSUCHE THEATERVORSCHAU STATISTIK GALERIE IMPRESSUM MONACO FRANKE AUF EIN WORT DAS LETZTE

HASSOBJEKT: POLITESSE

WOLFRAM HEGEN

18

ANDREAS ZERNDL

WINTERZAUBER IN OBERFRANKEN 24 Fotografien

Coburger Parkplatznot....

WOLFRAM HEGEN PETER EINHEUSER CONSTANTIN HIRSCH

30

PETER EINHEUSER

38

WOLFRAM HEGEN

DIENSTLEISTUNGSCHECK TAXIFAHREN 42 Auf kürzestem Weg

WOLFRAM HEGEN SEBASTIAN BUFF HENNING ROSENBUSCH

46

DIE COBURGER AUFREGER DES JAHRES 2015 Flugplatz, Stremtrassen, Brosestraße, Kennzeichen....

DIE EINFLUSSREICHSTEN OBERFRANKEN Denen hört man in Berlin und Brüssel zu.

SILVESTERMENÜ AUF DIE SCHNELLE Fünf Spitzenköche und fünf Empfehlungen

WOLFRAM HEGEN MARTIN SETTELE

„OSSL“ THOMAS OSWALD 52 Kreativres Genie im Interview

WOLFRAM HEGEN

KÖRPERBETONT: VOLLEYBALLER 56 Bundesligist aus Coburg

HEIDI SCHULZ-SCHEIDT HENNING ROSENBUSCH

60

WOLFRAM HEGEN

64

WOLFRAM HEGEN SEBASTIAN BUFF

76

HIER WOHNTE... Leise am Markt

COBURGER UNTERNEHMEN Kapp

RAUMWUNDER DER EXTRAKLASSE Autotest: Skoda Superb .....

TITEL-ILLUSTRATION. „Herbstlaub“ einheuser.ardis&friends

4

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


24 ZAUBERHAFTE WINTERWELT Fotografien

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

5


INHALT

52 OSSL THOMAS OSWALD Ein kretives Genie

38 6

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

SOCKENSCHLUSS Geschenke ganz anders

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


INHALT

56 NASS UND HART Uterwasser-Rugby

76

18 TIERQUÄLEREI

Ein krankhaftes Vergnügen

STROMERN MIT STERN Mercedes B-Klasse Electric Drive

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

7


HÖREN. SEHEN. STAUNEN

HÖREN. SEHEN. STAUNEN. IN COBURG DEZEMBER || JANUAR || FEBRUAR

FRÄNKISCH-MUFFELIG Jahresrückblick Die Weihnachtsgans liegt schwer im Magen. Der Gesprächsstoff am Familientisch geht langsam aus? Zeit für ein paar Lacher im heimischen Dialekt. Der „Jahresrückblick“ vom TBC am 27.12. um 19 Uhr im Kongresshaus gibt die eine oder andere fränkisch-muffelige Sichtweise der Dinge zum Besten und wärmt das Herz in der kalten Jahreszeit auf alt bewährte Weise.

IM JANUAR LACHMUSKELTRAINING Coburger Comedy Gala

Bildquelle: Markus Geuß

Ein Feuerwerk der witzigen Abendunterhaltung erwartet Sie bei der 4. Coburger Comedy Gala am 5. Januar im Kongresshaus. Abwechslungsreich, spontan und anstrengend – aber nur für die Lachmuskeln. Ausgewählte Comedians aus Funk und Fernsehen reisen also für einen guten Zweck nach Coburg

Markus Geuß und Oskar

8

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

FRANTZ AM FLÜGEL Music for Friends Die traditionelle Neujahrstournee unter dem Titel „Musik for Friends“ mit Justus Frantz und der Philharmonie der Nationen tourt durch Deutschland und macht nur 15 Mal Halt. Und wir sind mit dabei! Am 19. Januar um 20 Uhr im Kongresshaus Coburg. Neben einem Überraschungsprogramm wird auch Justus Frantz himself sich ans Klavier setzen und ein Solo darbieten. Ein Teil des Erlöses geht als Spende an die Welthungerhilfe.

KING OF POP Moonwalker Wer kennt ihn nicht? DEN Popstar des 20. Jahrhunderts mit seinem spektakulären Moonwalk. Eine Verneigung vor dem King of Pop am 27. Januar um 20 Uhr im Kongresshaus: „Moonwalker – a tribute to Michael Jackson“. Eine 4-köpfige Band, Vocals, Artisten und Tänzer präsentieren die Musik und den Spirit von Michael Jackson in einer 2-stündigen Live-Show. Beat it!

Coburger Weihnachtsmarkt. AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

Foto: Henning Rosenbusch

IM DEZEMBER


Tango Transit

Totales Bamberger Cabarett AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

Bildquelle: Markus Geuß

Foto: Reinhard Haberberger

Bildquelle: Tango TransitPressebilder

HÖREN. SEHEN. STAUNEN

Markus Geuß und Oskar COBURGER | DAS MAGAZIN

9


INHALT

10

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


STADTGESPRÄCH

STADTGESPRÄCH... WAS SOLL DAS?

tin Ruggaber. Der war wegen sexuellen Kontakten zu einem minderjährigen Prostituierten verurteilt worden und hatte einen Strafbefehlt akzeptiert, sein Stadtratsmandat allerdings behalten. Hähnlein sprach daraufhin in einer Mail gegenüber einem Dritten von der Vergewaltigung Minderjähriger und forderte den Rücktritt Ruggabers. Der verklagte ihn daraufhin auf Unterlassung und trat von seinem Stadtratsposten zurück. Das aber genau war ja das Ziel von Rene Hähnlein. Vor dem Oberlandesgericht Bamberg wurde jetzt als Abschluss der Affäre noch ein Vergleich geschlossen. Keiner äußert sich demnach mehr zu den Vorfällen.

Cartoon: einheuser

Cartoon: einheuser.ardis&friends

Cartoon: einheuser

Landrat Michael Busch machte einen guten Job beim Regionentalk der Sparkasse gemeinsam mit iTVCoburg, dem Tageblatt und Radio EINS zum Thema „Coburg hilft – und wer hilft uns?“ zur Flüchtlingskrise. Umso stinkiger war er danach, dass er als einziger vom Mitveranstalter Radio EINS nach der Sendung nicht interviewt worden ist, wofür sich der Coburger Sender dann aber auch brav entschuldigt hat. Währenddessen hatte sein Mitdiskutant Jürgen W. Heike von der CSU nach der Sendung ganz andere Probleme: er vermisste seine Aktentasche. Mittlerweile aber ist sie wieder aufgetaucht.

Liebt Harfouch Seßlach?

Norbert Kastner wird Anwalt

Busch gut in Form aber einfach missachtet....

WAS KOSTET MEINUNGSFREIHEIT? Wenn eine private Email nicht privat bleibt, kann das zu einem Rechtsstreit führen: Das zeigte der Fall zwischen Stadtrat Rene Hähnlein (Die Linke bzw. SBC-Stadtratsfraktion) und Ex-Stadtrat Mar-

von der Mohrenstraße kommend und dorthin fahrend, tagein, tagaus, jahrein, jahraus - eine große Belastung für den neuen teuren Bodenbelag. Und so war es dann auch: nach ein paar Jahren musste das neue Pflaster am Theaterplatz bereits ausgebessert werden, in der Georgengasse hat man es sogar ganz entfernt. Es wurde wieder geteert. Das ist jetzt zwar nicht so schön, was man ja eigentlich wollte, hält aber. Die Kosten: sechsstellig, man hat es ja … ach ja: Die Seidmannsdorfer Straße hat man, frisch erneuert, und auch gleich wieder gesperrt, um den Straßenbelag zu sanieren.

Falsch gedacht....

WAS KOSTET DIE WELT? Erst vor wenigen Jahren sind Theaterplatz und Georgengasse mit einem teuren Bodenbelag neu gepflastert worden. Man wusste natürlich, dass täglich Stadtbusse über das neue Edelpflaster fahren, viele Linien vom Morgengrauen bis in die Nacht,

WAS KOSTET EIN VERBRECHEN? Der 41jährige Holger W. ist wegen der Verbreitung kinderpornografischer Filme vor dem Amtsgericht Coburg zu 1000 Euro Geldstrafe, 15 Monate auf BeFortsetzung auf Seite 12

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

11


STADTGESPRÄCH

Illustration: einheuser.ardis&friends

Fortsetzung von Seite 11

Busse und Fahrer zu schwer?

währung und Behandlung bei einem spezialisierten Therapeuten verurteilt worden. 4 Fälle konnten ihm nachgewiesen werden. Obwohl es um weitaus mehr Filme ging. Und es waren nicht irgendwelche harmlosen Filmchen, es waren Pornos mit Kindern unter 12 Jahren. Da nimmt sich die Strafe geradezu harmlos aus, aber mit Kinderpornografie hat das Land nicht erst seit der Affäre Edathy wohl keine so großen Probleme.

Illustration: einheuser.ardis&friends

WAS BIN ICH? Der junge Stern Max Forkel, in frühen Jahren schon JU-Kreisvorsitzender und Coburger Stadtrat, scheint ein erstes Mal zu verglühen: Ursache ist der Streit mit einem Busfahrer der SÜC im Jahr 2014. Forkel habe sich daraufhin in einem Schreiben bei der SÜC über den Busfahrer beschwert, heißt es. Problem dabei: Forkel ist im Aufsichtsrat der SÜC und hat das Schreiben auch so unterzeichnet, also eine private Angelegenheit mit seinem politisch/ wirtschaftlichen Amt verquickt. Auch Kreisvorsitzende Dr. Birgit Weber, 2. Bürgermeisterin der Vestestadt, fand das gar nicht lustig und forderte ihn zum Rücktritt auf. Auch sonst hat Forkel innerparteilich mächtig Gegenwind: Jürgen W. Heike sei von Forkel abgerückt, heißt es, und zudem macht ihm die karriereorientierte Christina Biegner ganz schön Dampf.

...und wieder losgelassen....

WO GIBT’S PIZZA? Nach 16 Jahren ist Schluss für den Stammitaliener vieler Coburger: Das Maccaroni macht zu. Der Chef allerdings macht in Scheuerfeld weiter mit einigen seiner Mitarbeiter, im Sportheim vom TC Rot-Weiss Coburg. Ins dann ehemalige Maccaroni soll ein anderes Restaurant kommen, wohl von der Frau vom Chef von der ARAL-Tankstelle am Südkreisel. Und der ehemalige Chefkoch von Miles & more arbeitet jetzt im Cafe Sorgenfrei in der Webergasse. Außerdem gibt es jetzt in Coburg endlich auch eine Sushi-Bar.

12

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

Sushi in der Stadt

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


STADTGESPRÄCH INHALT

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

13


ADVERTORIAL

INHALT

AREAL DER ZUKUNFT

GÜTERBAHNHOFGELÄNDE IN COBURG ALS THINKTANK FÜR KREATIVE Früher war der Güterbahnhof in Coburg Dreh- und Angelpunkt der Coburger Wirtschaft. Viel hat das Gelände Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zum Wohlstand der Stadt beigetragen. Dann war es lange Zeit still rund um die altehrwürdige Pakethalle. In den letzten beiden Jahren aber kehrte wieder Leben ein. Und jetzt soll die größte gewerbliche Entwicklungsfläche Coburgs wieder zum Innovationsmotor werden.

2014 machte sich das Stadtmarketing der Stadt Coburg Gedanken zur Zukunft der riesigen Industriebrache. Eine erste Idee war schnell geboren: Die traditionellen Coburger Designtage sollten in und um die historische Pakethalle stattfinden. Doch eine

14

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

Brache zu reaktivieren ist eine besondere Aufgabe: Versorgungsleitungen sind schlecht oder gar nicht mehr dokumentiert, die Nutzung eines lange Zeit ungenutzten Areals nicht ohne Risiko. Zusammen mit dem Veranstalter der Designtage, dem Coburger Designforum Oberfranken, fand man eine Lösung: Viele Kilometer Zu- und Abwasser- sowie Stromleitungen für eine temporäre Nutzung wurden verlegt und in Betrieb genommen. Die Veranstaltung konnte stattfinden – und die Begeisterung bei den Besuchern war riesig. Der Güterbahnhof, die Pakethalle kehrten zurück in das kollektive Gedächtnis der Einwohner. Ein voller Erfolg für das Stadtmarketing. Mit diesen guten Erfahrungen aus dem Jahr 2014 haben die Verantwortlichen das Gelände weiter entwickelt: Die Pakethalle und ihr Umfeld wurden jetzt auch gestalterisch aufgewertet. Weithin sichtbar ist

seitdem die sogenannte Mikadowall. Das Coburger Designforum Oberfranken bewies damit seine überragende Expertise in Sachen Raumgestaltung und Design. Der Erfolg intern wie extern war außergewöhnlich hoch. Sogar überregionale Partner wie die Europäische Metropolregion Nürnberg wollten an diesem Ort vertreten sein. So übertrafen die Designtage 2015 alle Erwartungen der Macher und der Zuschauer. Und auch der erstmals in der Pakethalle stattfi ndende renommierte Coburger Medienpreis ein paar Tage später war ein großer Erfolg. In der Folge wurde der Ruf nach mehr Veranstaltungen und kreativen Aktivitäten auf dem Gelände immer lauter. Schnell wurde mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Coburg und einer Koalition von Entscheidern eine Lösung gefunden, um dafür eine rechtliche Basis zu haben. Diese wird

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


INHALT

VIEL PLATZ FÜR INNOVATIVE FIRMEN UND ARBEITSPLÄTZE seit Juli 2015 konsequent umgesetzt: Die Infrastruktur wird in Teilbereichen von einem temporären in einen dauerhaften Zustand umgestaltet, dabei werden zudem Erkenntnisse über die vorhandene Infrastruktur des Geländes gewonnen und dokumentiert. Und vor allem hat man die unglaublichen Potentiale dieses großen und außergewöhnlichen Areals erkannt. Ein idealer Standort für Kreativität, Wissenschaft und Lehre mit einem direkten Bezug zur heimischen Wirtschaft. Daher leitet jetzt die Wifög der Stadt Coburg eine Projektgruppe. Diese Entwicklung lässt auf eine schnelle Entwicklung im Bestand und eine professionelle Vermarktung in der Fläche hoffen. Damit Technologie- und Kreativwirtschaft einen innovationsstarken Standort haben. Mehr unter: http://stadt.mein-coburg.de/?tag=gueterbahnhof.

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

15


MEINUNGEN „MEINUNGEN“ Mitten im Sommer erschien der letzte COBURGER. In der größten Hitze … wobei es ja eigentlich höchste Hitze heißen müsste, weil eine Temperatur ja nicht groß werden kann, aber sei es drum. Unser Freibadtest auf jeden Fall war der Jahreszeit angepasst Bildquelle: COBURGER Das Magazin

und stieß auf reichliche Reaktionen. Genau wie das, was bei hohen Temperaturen anstrengend, aber auch besonders aufregend ist, die Lust nämlich, um die es unter anderem in unserer Geschichte über Hedonismus ging. Diese besonders schöne Form des Genusses blieb nicht unkommentiert, ebenso wie andere Themen. Wir haben das Geschriebene und Gesagte kurz zusammengefasst und nehmen uns wie immer das Recht heraus, es mit Anmerkungen zu versehen. HEDONISMUS VERSTÖRT Das antike Aufmacherbild unseres Leitartikels über Hedonismus mit einem sichtbar erregten männlichen Körperteil fanden jetzt nicht alle unserer Leser so angebracht. Ob wir uns denn auf Boulevardniveau begeben würden, um auf uns aufmerksam machen zu müssen, fragte einer unserer Abonnenten am Telefon, wobei er lieber nicht genannt werden möchte. „Muss das

Coburger zu prüde für römische Bildhauerei?

16

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

Coburger baden nicht in Neustadt.

sein, ich schätze Euch eigentlich als nieveauvolles intelligent gemachtes Stadtmagazin und hebe mir gerne jede Ausgabe auf.“ Nein, Sex ist doch menschlich, allzu menschlich, befanden wir, man kann ihn genießen, wie auch eine Flasche Wein, einen Herbstwald oder ein Leberkäsebrötchen. Aber hätten wir das nicht abbilden dürfen? Was meint Ihr?

BÄDER ERFRISCHEN Der COBURGER sprang zum Test in die kühlen Fluten der Freibäder in Coburg, Neustadt, Ebern und Sonnefeld. Es sollte eine Orientierungshilfe sein für Sommerfrische in den Ferien. Preis/Leistungsverhältnis, Angebot, Ambiente haben wir ausprobiert, bewertet und danach festgestellt, dass ein Freibad nicht einfach ein Freibad ist, sondern eine Sache des Lokalpatriotismus. Coburger gehen ins

Beliebte Künstlerin: Bati Reinsbach AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


MEINUNGEN Aquaria, Neustadter ins Märchenbad, Sonnefelder bleiben unter sich, nur Ebern wurde als Alternative für Stadt- und LandkreisCoburger von allen Seiten akzeptiert. Tja. Aber jetzt ist ohnehin erst einmal Winter.

BATI GEFÄLLT Die Coburger Zeichnerin, Malerin und Illustratorin Bati Reinsbach hat uns im neuen COBURGER einen Blick in ihr Portfolio erlaubt. Kleine Kunstwerke ganz groß. Wir sind froh, dass wir sie haben, und unsere Leser scheinbar auch. Auf den Punkt brachte es mit einfachen Worten Inge Schanz: „Sehr gelungen.“

PARKOUR BEGEISTERT Was ist „Parkour“? Wer kennt die Jungs und Mädels, die in der Stadt keine Hindernisse kennen, Mauern

Hubert von Goisern in Coburg.

Nur einzelne Geschäftsflüge am Tag. Kein Passagierver-

hoch laufen, mit Saltos von Ihnen abspringen, als ob es keine Schwerkraft gäbe? Die gibt es auch in Coburg, nicht nur an ihrem Geburtsort, der Megastadt Paris. Wir haben sie gefunden und fotografiert, als sie an den Arkaden am Schlossplatz trainiert haben. Bilder und die Story der Menschen, die Wände hoch laufen. Alles im letzten COBURGER. First Class Sun Coburg schrieb dazu: „Respekt an diese Jungs und Mädels. Schaut hammermäßig aus.“ Und Ryan Gonzales, der „Vater“ der Coburger Mauerläufer, bedankte sich artig bei seinem Stammverein, der Coburger Turnerschaft. Dort ist die Abteilung Parkour vielleicht das Coolste, was das Coburger Vereinsleben zu bieten hat.

Ohne Schwerkraft. Parkour in Coburg.

sem Jahr unter anderem die Scorpions und Hubert von Goisern auf den Schlossplatz führte. Jeweils zwei Karten gab es zu gewinnen. Darüber freute sich Christian Walter, der sich mit einem einfachen „Brenna tuats guat“ um die Tickets bemüht hatte. Katrin Rack wiederum durfte zu den – pardon - alten Männern aus Hannover, die so richtig – pardon - geil abrockten. Das hätten auch andere Bewerber gerne gemacht wie zum Beispiel „Caro Lin“: „Das ist die Chance, um doch noch mit Daddy abzurocken.“ Leider dieses Mal nicht. Aber gerne wieder mitspielen. Wir verlosen bald wieder Tickets.

TICKETS ERFREUEN Der COBURGER hat wieder mal Tickets verlost wie er das gerne macht. Beste Gelegenheit dazu bot der HUK-Coburg-open-air-Sommer, der in die-

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

Mitreden, Meinung sagen, Anregungen, Wünsche: Ganz einfach unter info@das-magazin-verlag.de oder auf unserer Facebook-Seite.

COBURGER | DAS MAGAZIN

17


Foto: W. Chawarung

INHALT

18

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


REPORTAGE

VON WOLFRAM HEGEN FOTOS SEBASTIAN BUFF

HASSOBJEKT AUF COBURGS STRASSEN RASIERKLINGEN IN DER BOCKWURST: HUNDEKÖDER IN RÖDENTAL GEFUNDEN. ANSCHLAG AUF HUNDE: WURST MIT GIFT VERSETZT. MIT NÄGEL GESPICKTE WÜRSTCHEN: TÖDLICHER HUNDEHASS. SOLCHE UND ÄHNLICHE SCHLAGZEILEN WAREN IN DEN LETZTEN WOCHEN UND MONATEN OFT ZU LESEN. BEDAUERLICHERWEISE GEHÖRT TIERQUÄLEREI MITTLERWEILE ZUM ALLTAG UND HAT VIELE GESICHTER.

D

ie Fälle sind so vielfältig, dass man sie kaum aufzählen kann: So wird im Juni in Lichtenfels ein Bauer zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, weil er ein Jungrind hatte elendiglich verhungern lassen. Tatbestand: Tötung eines Wirbeltieres. Was bei einem menschlichen Todesfall zu einer langjährigen Gefängnisstrafe geführt hätte, gilt bei einem Tier bei Beschuldigten manchmal noch als so etwas wie ein Kavaliersdelikt. Wie sonst lässt es sich erklären, dass der Bauer es nicht einmal für nötig hielt, vor Gericht zu erscheinen, wäre er nicht von der Polizei vorgeführt worden. Erstaunlich zudem, dass die Staatsanwaltschaft gerade mal eine Geldstrafe beantragt hatte. Nur der Richterin war es zu verdanken, dass dieser Fall von Tierquälerei wenigstens mit einer einigermaßen harten Strafe geahndet wurde. Oder der letztjährige Fall eines Brandenburger Zulieferbetriebes einer Tochterfirma des Wiesenhof-Konzerns, die viel Geld mit Enten verdient: Mitarbeiter spießten die Tiere auf und warfen sie in einen Container. Nach einem Bericht distanzierte sich der Wiesenhof von dem Mastbetrieb und sprach von schweren Tierrechtsverstößen. Man habe Strafanzeige gestellt. Im hohen Norden gab es erst kürzlich eine Serie von Angriffen auf Pferde. Die Tiere wurden gequält und verletzt, sind teilweise sogar sexuell misshandelt worden. Ein paar

Hunde an Ketten sind verboten. Im Coburger Land dennoch zu sehen. AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

19


REPORTAGE

NUR PRIMATEN SIND IN DER LAGE, ANDERE GESCHÖPFE ZUM EIGENEN VERGNÜGEN ZU QUÄLEN.

Jahre vorher, zwischen 1993 und 2003, hatte ein Serientäter zahllosen Pferden die Bäuche aufgeschlitzt. Er wurde nie gefasst. Erst im September berichtet die Bildzeitung von gleich drei brutalen Quälereien gegenüber Tieren: In Bad Dürkheim hing ein Hund blutüberströmt und kopfüber mit aufgeschlitztem Bein am Zaun eines Zwingers. Er hatte aus der Enge des Zwingers ausbrechen wollen und war dabei im Drahtgeflecht hängengeblieben. Auch andere Hunde in dem Zwinger wiesen schwere Verletzungen auf, nachdem sie ihre Köpfe durch den Zaun gesteckt hatten. In Osthessen wiederum waren fast 30 Katzen aus einem Messi-Haushalt befreit worden und wurden an andere Halter vermittelt. Für mindestens eine von ihnen begann der Horror damit aber erst: Sie wurde gequält, ihr wurden die Knochen gebrochen, am Ende wurde sie in einem Eimer ertränkt. Und in Michelstadt misshandelte ein Unbekannter ein Pony so lange, bis es verendete.

TIERQUÄLEREI BOOMT Tierquälerei hat – ein böses Wort - Konjunktur in Deutschland: Alleine zwischen 2009 bis 2013 habe sich die Zahl der Verstöße fast verdoppelt, so die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Es sind Fälle von Tierquälerei im privaten Bereich, in der Tierzucht, der Tiermast, im Zirkus, in Zoos. Und wer denkt, es handele sich um Einzelfälle, wer denkt, Tierquälerei sei überall, aber nicht vor der eigenen Haustüre, täuscht sich. Dabei geht es um Delphine mit dem fast so hohen IQ eines Menschen, die im Nürnberger Zoo in einem nach wie vor viel zu kleinen Becken ihre Runden ziehen müssen, dabei geht es um Tierversuche für Sojasauce, dabei geht es um den Stierkampf, den man sich im Urlaub mit einem wohligen Schauern schon einmal angeschaut hat, dabei geht es aber auch um die Fälle dessen, was man klassischerweise als Tierquälerei bezeichnen würden: Rasierklingen oder Nägel in Wurststückchen in der freien Wildbahn im Raum Coburg in den letzten Wochen, die in der letzten Zeit für Aufsehen und Angst vor allem unter Hundebesitzern, aber auch bei Eltern sorgten, deren Kinder auf und an Spielplätzen auch mal nach allem greifen, was so herumliegt. Dabei geht es um Ponys, die auf Veranstaltungen wie dem Coburger Vogelschießen stunden-, tage-, wochenlang bei Hitze und Lärm zur allgemeinen Belustigung im Kreis laufen müssen, bis sich die Stadt Coburg so wie andere Städte zu einem Verbot dieses Angebots entschlossen hat.

Foto: MaxRes

BIS ZU DREI JAHREN HAFT Tierquälerei aber ist eine Straftat. So wird laut Gesetz mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier entweder aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche

Halsband aus Draht

DIE KÖDER SOLLEN HUNDE QUÄLEN. UND KLEINE KINDER GLEICH MIT. (RECHTS) 20

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


Foto: Peter Einheuser

POLITESSEN

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

21


REPORTAGE ständlichkeit wäre. Auch die Einschätzung, Tiere könnten nicht leiden oder Schmerz empfinden, ist häufig vorzufinden. Alles das ist zwar nicht entschuld-, aber doch erklärbar und kann mit allen Mitteln der Strafverfolgung ja auch erkannt und von der Justiz geahndet werden. Oft nicht mit den Maßstäben, die man anlegen würde, wenn es um Menschen ginge, aber das ist wohl auch ein Stück Wel-

Psychologen unterscheiden zwei Typen: die normale und die krankhafte Tierquälerei. Kleine Kinder zum Beispiel, die wenig Aufmerksamkeit bekommen, viel auf sich gestellt sind und über wenig emotionale Intelligenz verfügen, haben dann auch kein Gespür dafür, wenn ein Tier leidet, haben keine Empathie. Größere Kinder wischen dann auch un-

Schmerzen oder Leiden zufügt. Dennoch sind die Fälle selten, in denen Tierquäler wirklich hinter Schloss und Riegel müssen, außer es handelt sich um drastische Fälle so wie im Fall des Ebersdorfer Spinnenmanns vom Frühjahr 2015. Er sitzt 1 Jahr und zehn Monate, weil er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, die zu einer Geldstrafe verurteilt worden ist, über 150 Reptilien, darunter Giftschlangen, sowie über 100 Säugetiere von Mäusen bis hin zu Affen, außerdem Vögel und hunderte Spinnen und Insekten, nicht artgerecht gehalten und ihnen damit erhebliches Leid zugeführt zu haben. Dabei lässt das Tierschutzgesetz nicht viel Spielraum: Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, so besagt §2, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden, und muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

FREUDE AM QUÄLEN Was aber muss in einem Menschen vorgehen, der nicht nur diese gesetzlichen Vorschriften zur Haltung eigener Tiere missachtet, sondern sogar aktiv andere, fremde Tiere quält, sie tötet, massakriert, vergiftet. Bei Mast- oder Zuchtbetrieben mag es der Preisdruck sein, der jegliches Rechts- und Moralverständnis zerstört. In der Messi-Umgebung mögen es asoziale Lebensverhältnisse sein, die einen artgerechten Umgang mit Tieren unmöglich machen. Auf jeden Fall gibt es auch die unbeabsichtigten Misshandlungen von Tieren, oft auch wegen mangelnder Kenntnisse oder der Bereitschaft, sich mit dem Wesen und der Psyche von Tieren so zu beschäftigen, wie es bei Menschen eine Selbstver-

tanschauung. Tiere haben in unserer Gesellschaft nun mal nicht den Wert wie ein Mensch. Aber darüber hinaus: Was aber ist mit denen, die Tiere quälen im eigentlichen Sinne des Wortes? Was bringt einen Menschen dazu, Freude am Leiden eines lebendigen Geschöpfs zu empfinden?

TIERQUÄLEREI IST KRANKHAFT

22

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

ter einem Gruppendruck durchaus eventuelle moralische Bedenken beiseite und misshandeln Tiere, wenn keiner eingreift. Das alles aber gilt immer noch nicht als krankhafte Tierquälerei. Die ist dagegen oft „Ausdruck seelischen Ungleichgewichts, beispielweise durch körperlichen oder sexuellen Missbrauch oder häusliche Gewalt.“ Unter Psychologen wird diese krankhafte Tierquä-

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


POLITESSEN lerei als Symptom der Störung des Sozialverhaltens beschrieben. Das Tier sei wehrlos, sei ein geeigneter Prügelknabe, so Psychologen. Gerade wenn man selbst gequält worden sei, baue man Aggressionen oft auch an Tieren ab. Spätere Gewalttäter seien in ihrer Kindheit und Jugend häufig bereits als Tierquäler aufgefallen. Und es bestehe auch ein Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Tiere und

barsgrundstück nicht der falschen Erziehung durch den Hundehalter, sondern dem Tier an sich ankreiden und sich an ihm für schlaflose Nächte rächen wollen, anstatt mit dem Nachbarn ein Gespräch zu suchen. Menschen, die sich zurecht über Hundehaufen am Wegrand aufregen, aber ihren Frust ebenso nicht direkt dem Hundehalter mitteilen, sondern in sich hineinfressen und dann auf krankhafte Art ab-

der zwischen Menschen. Wenn die Hemmschwelle dann erst einmal überschritten ist, kann es nach dem Tier später auch einen Menschen erwischen.

bauen. Und auch Menschen, die genervt sind wegen der Liebe, die andere ihren Haustieren entgegenbringen, während sie alleine vor sich hin vegetieren.

TIERHASSER SIND ÜBERALL Und dann gibt es noch die Tierhasser. Menschen, die das permanente Hundebellen aus dem Nach-

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

23


Foto: Anastasiia Standret

INHALT

24 24

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 11 / SOMMER 2015


INHALT

ZAUBERHAFTE WINTERWELT FOTOGRAFIEN AUS DER KALTEN JAHRESZEIT

25 AUSGABE 11 / SOMMER 2015

COBURGER | DAS MAGAZIN

25


Foto: Marina Larenz

INHALT

26 26

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 11 / SOMMER 2015


Foto: Igor Verevkin

Foto: Evgeny Kuzhilev

INHALT

27 AUSGABE 11 / SOMMER 2015

COBURGER | DAS MAGAZIN

27


Foto: vladimir salman

INHALT

28 28

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 11 / SOMMER 2015


Foto: Leonid Ikan

INHALT

AUSGABE 11 / SOMMER 2015

29 COBURGER | DAS MAGAZIN

29


Foto: Aleksei Marinchenko

INHALT

30 30

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 11 / SOMMER 2015


INHALT

31 AUSGABE 11 / SOMMER 2015

COBURGER | DAS MAGAZIN

31


AUFREGER DES JAHRES

32

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


AUFREGER DES JAHRES

WOLFRAM HEGEN

lupti atibus vo m iu re bo ca oc si pe ce le vo Dae qui repro coritius. aces re comni omnis derum unto tem nos aut nd ve t ri lo vo nt su tis es en ci Fi t harum ducilla vi m ru ro pe sa du s cu a r po lautem et ad et am, sum verum ab imagnatur. Equid ut io tem is ra Tur at er ex t di m ru or ai m r lo ul in vel

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

qui ium ilis molor d pe ex il im in m id b lla de da au re nonsed et intur? quia di verovid Nem ilibusam, se sit lamust, ntotae dene min eum alia quatium fugia ve rest apiet m cu r, tu ea is nd de to es el ro nonserfe santur re sitatem du i qu t si m ia al i ss ni i, im fic of

COBURGER | DAS MAGAZIN

33


AUFREGER DES JAHRES

WBUS EAQUAM IMUS UT EXERITATUR SAM EARUM SITAMET ET VOLESTR UMQUODI ALIBUS ES PRAE EUM CONE Haupt. Clara aus Gundelsheim ist das Bamberger Christkind im Jahr 2015 und 2016, quasi die oberste Repräsentantin in Sachen Weihnacht. Sie sorgt für Stimmung bei vielen Aktionen, Veranstaltungen und vor allem auch beim Bamberger Weihnachtsmarkt, den sie selbst am 26. November eröffnet. Böse Stimmen aber behaupten, Clara oder vor ihr andere Bamberger Christkindl waren und sind das weihnachtlichste, was der Weihnachtsmarkt in der Domstadt zu bieten hatte und hat. Seit Jahren

mag den Verantwortlichen reichen als Zeichen der Zustimmung und der Anerkennung. Und sicher, es gibt Krippen, an denen die Eltern ihren Kindern die Christusgeschichte erzählen können und deren liebevoll inszenierte Figuren die Blicke der erwachsenen und jugendlichen Besucher auf sich ziehen, es gibt einen geschmückten Weihnachtsbaum, der den dunklen Bamberger Dezemberhimmel festlich erleuchtet, es gibt das bei Kindern beliebte Nostalgiekarussel, es gibt

Der Duft von Glühwein, Lebkuchen und Schokoladenfrüchten verbinden wir mit dem Weihnachtsmarkt

nämlich gibt es immer wieder Kritik, oft hinter vorgehaltener Hand oder in sozialen Netzwerken: „Kinder kommen viel zu kurz, überall nur überteuerter Ramsch“, „so richtig weihnachtlich ist es dort ja eigentlich nicht“, hingehen tut man ja in der Regel trotzdem. Zehntausende drängeln sich durch die Gassen zwischen den Ständen, das

34

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

Mandeln, Glühwein, Christbaumschmuck. Aber reicht das? Viele Stände nämlich sind zwar mit Lichterketten, Sternen und Tannenzweigen geschmückt und erzeugen dadurch diesen anheimelnden weihnachtlichen Glanz, sind aber bei näherem Hinschauen ganz normale Marktstände, so wie

man sie sonst auch findet in der Bamberger Innenstadt, sommers wie winters. Aber Wurst, Käse oder Brot, Döner oder Bratwurst machen eben keinen Weihnachtsmarkt aus. Die Ursache findet man mutmaßlich in der Organisation des Bamberger Weihnachtsmarktes. Die liegt in den Händen der IG Fränkische Märkte. Marktkaufleute eben. Und die wollen, das ist ja durchaus verständlich, sie sind Geschäftsleute, ihre Produkte verkaufen. Weihnachtsschmuck

Fotos: Tadeas Skuhra und Suzanne Morris

und –stimmung sind da nicht Inhalt, sondern nur Verpackung, verkommen leicht zu verkaufsfördernder Staffage. Das ist schade, denn ein moderner, zeitgemäßer und dennoch anheimelnder Weihnachtsmarkt braucht nun einmal auch Angebote wie lebende Werkstätten oder Kunsthandwerk, auch wenn sich deren Umsätze in

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


AUFREGER DES JAHRES

Grenzen halten, sie gefördert werden müssen. Sie runden das Bild eines Weihnachtsmarktes ab, in dem es eben nicht nur um Kaufen, Verkaufen, Essen und Trinken, sondern auch um die pure Freude an der Geselligkeit und an schönen Dingen geht, um Vorfreude auf das Fest, leuchtende Kinderaugen und festliche Klänge. Das ist das, was zunehmend fehlt. Auch wenn Marktkaufleute und Schausteller von sich selbst sagen, man bemühe sich jedes Jahr aufs Neue, damit der Weihnachtsmarkt ein

Bamberger Weihnachtsmarktes zu steigern und ihn zu einem der schönsten Weihnachtsmärkte Frankens zu machen“ schreiben sie über sich und ihre Zielsetzung in diesem Jahr. Der Weg dahin ist weit, werden auch die größten Bamberger Patrioten nicht umhin kommen zuzugeben. Nun hat man als Bamberger auch die Möglichkeit, auf einen anderen Weihnachtsmarkt auszuweichen, aber eben nicht gerade sehr oft. Vom 27. bis zum

Das Christkind Clara Hensel (Foto: Sebastian Buff)

besonderes Erlebnis für alle Besucher wird. Auch ein großangelegtes Gewinnspiel mit attraktiven Preisen soll dazu beitragen. Doch ist es das, was die Menschen in der Vorweihnachtszeit suchen, wenn sie mit ihren Kindern auf einen Weihnachtsmarkt gehen? „Die Marktkaufleute strengen sich Jahr für Jahr an, um die Attraktivität des traditionellen

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

29. November zum Beispiel zum Adventsmarkt im Sand. Schon die schiere Kulisse vor der Elisabethenkirche und historischen Häusern lässt das weihnachtliche Herz mehr Jauchzen als die Fassade von Rathaus und Karstadt. Hier im Sand versammeln sich Kunsthandwerker und Kleingewerbe, hier zeigt ein Schmied seine

COBURGER | DAS MAGAZIN

35


AUFREGER DES JAHRES

WBUS EAQUAM IMUS UT EXERITATUR SAM EARUM SITAMET ET VOLESTR UMQUODI ALIBUS ES PRAE EUM CONE

36

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

Künste, hier kann man den Abend bei einem Konzert ausklingen lassen, hier kann so etwas wie dieses warme kindliche Gefühl der Vorfreude auf das Weihnachtsfest noch wachsen. Oder auch am 12. und am 13. Dezember auf dem oberen Stephansberg: der interkulturelle Kunsthandwerker-Adventsmarkt, seit 2013 völlig neu entwickelt. Kunsthandwerk, ein interkulturelles aller Herren Ländern, ein Miteinander der Völker, Künstler aus der Region, eine lebende Krippe. Auch hier steht eine Idee, ein Botschaft im Mittelpunkt, das Miteinander,

zum Flop.

vielleicht etwas pathetisch ausgedrückt das gemeinsame Innehalten und sich-Besinnen am Ende eines unruhigen und für viele Menschen auch beängstigenden Jahres. Auch andere parallele Angebote zum Bamberger Weihnachtsmarkt gab es schon, wie einen historischen Weihnachtsmarkt, den man nach Bamberg geholt hat. Der Anbieter aber ging in Konkurs, Nachfolgeangebote kosten Geld und brauchen geeignete Flächen. Außerdem muss man als Anbieter zum Beispiel seitens des Stadtmarketings, für ausreichende Nachfrage sorgen, sonst wird so ein Angebot auch schnell

dieser Öffnungszeit fest, auch StadtmarketingChef Klaus Stieringer springt ihnen zu Seite. Man lebe eben im Spannungsfeld zwischen lebendiger Innenstadt und dem Schutzbedürfnis der Anwohner (siehe Interview).

Zurück zum Bamberger Weihnachtsmarkt in der Innenstadt vom Maxplatz bis zum GabelmannBrunnen: Geöffnet ist er täglich bis 20 Uhr abends. Auch diese Öffnungszeiten sind nicht nach jedermanns Geschmack. „Wieso eigentlich nur bis 20 Uhr“, „22 Uhr sollte es auf jeden Fall sein“ sind nur zwei von vielen Meinungen in einer Zeit, in der in Nachbarstädten Weihnachtsmärkte schon gerne bis 10 Uhr abends geöffnet haben. Doch nicht nur die Marktkauf leute halten an

Einen Abend aber gibt es, an dem die Besucher auch in diesem Jahr die Nacht auf dem Weihnachtsmarkt zum Tag machen können: Bei der Einkaufsnacht am Samstag, den 5. Dezember haben alle Geschäfte bis 23:59 Uhr geöffnet. Dem kann sich dann auch der Weihnachtsmarkt nicht verschließen.

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


AUFREGER DES JAHRES Clara Hensel sollte dann aber schon im Bett sein. Immerhin muss sie am nächsten Tag wieder als Botschafterin des weihnachtlichen Bamberg auftreten. Em etur repeliquiae expliquis moluptat est verspe corum restrum ium alibus dolorehent ut volest, odi cus inus et assi quodion sequibusa auda doluptas min eatur, viti dit evercim cum quas sitatius debitio ssequia ne que earchitet laccuptate pra quid molore nat audandenitem doloreperum fugit et, officim quata con pe nihilis am as aut ut corest Aximaiorae doles as mi, sedis a quam volorem id eriatur am sapis quis moles doluptam consentem aci berchil laniamet, nat is ipsapist, te nobis dictae. Omnimaio. Itas rerciis imolesequo mo qui officienihil min nia nianda num iusam qui rerum sam quo ilit, ipsamendicid qui sint aborept aquodit invella provide ribusant officab id moluptae conseque prature ssequis etus aut quaecumento quaessi audipsum quodit eari to in nullaut volo ventibu sdandit exeribusae doloratur, sequo eum sum nias ex eatur? Videnecest pratae por as dolorep erspic tem fugia doloriam est, que volento rectatas sunt eos sume doluptis et rest, volupti numquas derionectur? Axim dita ad magnatus, nobit dolore reri il modi volum et enisitas experum quunt re culparum anis re magnissunte nim quis nobitat usciis sin cuptaquatume sincienis qui dolut omnis et voles apelige ntiasimusdae voluptis aut qui cum natis quidenditis evellabo. Itatio omnihil lignient as dolupta tisciis dis dolupti imolore moluptas dolor aut facidunt as ma se volum faccus, que que et doloreriti te volupta tionsene rerovitat volupta tempel et quiam unt fuga. Pelicim oluptur? Aspersped utecta destrum aut isquae et ex excerum faccus simin cumque voluptum auta inimill anieturios eumenis samet utessit vernat est re est, quatur, velectem alias di consed quia sinumque volupta tinturis ut eum re est fugias aut il ipsanis moluptat reped quatum ne natisi omnimen ihicienditio magnat alibus. Upti reperit, quatur, seque qui voluptas praeperae. Volore vel et la cum re modis et, omnitianto to earci quatio enis rem et porernatias volupta tiosant audi ipsam, quassinto omnisquam recum doloressim qui temporis nonsequatur, voluptatiam verrum quibus est volupid igendiassi inihili citat. ut quas poreriossedi denisto vellab ipsam, cus, aut accatur simi, comnis aboriti onseque natur maionemqui doluptas nimendi taquis voloribusae verum consed maionseque doluptiis asincte volorerum qui ipidi doloreicate im conem imus. Vellabo remqui del et, volupitium repudae. Mos doloribus verovit, aliquas intur adi dolorer ciendaeprem. Ut et ulpa seque por re, se nis etur rem quias magnatem quas aspernam nessi officim rem exerovid moditat mi, aut etur andem hillore porit voluptaquam vel eturio eum faccae vereiusam, odios doluptasit, offictiost,

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

37


INHALT

DIE EINFLUSSREICHSTEN

OBERFRANKEN DREI PORTRAITS AUS DER REGION

Sie haben Geld, Ansehen, sind gut vernetzt, haben Macht. Sie nutzen ihren Einfluss für ihre unternehmerischen oder politischen Interessen, sitzen in Aufsichtsräten und Vorständen, Verwaltungsräten und Verbänden, fördern als Mäzene, öffnen Türen oder verschließen sie: Einflussreiche Persönlichkeiten. Der BAMBERGER hat recherchiert und drei Oberfranken zusammengestellt, die er nach aktuellem Stand für sehr einflussreich hält. Wie immer ohne den Anspruch auf der Weisheit letzten Schluss. Und die Wahrheit liegt ohnehin meistens im Auge des Betrachters.

38

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


DIE EINFLUSSREICHSTEN OBERFRANKEN

MICHAEL STOSCHEK

JOBST WAGNER

HANS-PETER FRIEDRICH

Dass der Brose-Chef Michael Stoschek zu den fünf einflussreichsten Oberfranken gehört, ist wohl unbestritten. Sein Unternehmen gehört zu den erfolgreichsten Deutschlands, beschäftigt über 20000 Mitarbeiter weltweit und hat über fünf Milliarden Euro Umsatz. Das ermöglicht dem Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung zahlreiche Aktivitäten über sein Unternehmen hinaus. So ist Brose Hauptsponsor des nationalen Basketball-Spitzenklubs Brose Baskets. Und Michael Stoschek als sportbegeisterter Mensch und selbst erfolgreicher Sportler nimmt diese Rolle sehr aktiv wahr. Deutlich wurde das gerade in Zusammenhang mit der ehemaligen Führungsspitze der Brose Baskets, die komplett ausgewechselt worden ist, seit Stoschek mehr und mehr Einfluss gewonnen hat. Gegenüber politischen Vertretern nutzte Stoschek seine Position auch zur Durchsetzung von Interessen

Der gebürtige Rehauer lebt in Bern und hat als Präsident des Verwaltungsrats der oberfränkischen Rehau-Gruppe das letzte Wort über 19000 Mitarbeiter in 70 Ländern. Das Familienunternehmen ist Systemhersteller für polymerbasierte Lösungen in den Bereichen Bau, Automotive und Industrie. Der Sohn des Unternehmensgründers Helmut Wagner gehört zu den 300 reichsten Schweizern, nutzt seinen Einfluss und seine Kontakte aber auch für die Unternehmerinitiative Hochfranken, die er mitbegründet hat. Diese Organisation möchte den Standort Nordwest-Oberfranken stärken, der vom demografischen Wandel besonders stark betroffen ist. In diesem Rahmen unterstützt er auch die renommierten Hofer Filmtage oder Kunst in der Region. In seiner Schweizer Wahlheimat fördert er kulturelle Institutionen und besetzt mehrere Positionen. Einfluss übt er auch über das

Der ehemalige Bundesinnenminister und vorübergehende Bundeslandwirtschaftsminister dürfte gereift sein, nachdem er 2014 über die Edathy-Affäre stolperte. Damals war bekannt geworden, dass Friedrich als Innenminister den SPD-Parteivorsitz über Ermittlungen gegen Edathy informiert hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, Friedrich trat zurück, zu einer Verurteilung aber kam es nicht. Ohnehin hat die Affäre Friedrichs Einfluss innerhalb der Christsozialen kaum geschadet. Früher schon war er Vorsitzender der CSU-Landesgruppe in Berlin, die großen Einfluss auf die Bundespolitik hat. Immer wieder sorgte er mit seinen Stellungnahmen für Aufsehen, er sprach und spricht sich für Vorratsdatenspeicherung aus und erklärte zu seinem Amtsantritt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Heute ist er stellvertretender Vorsitzender der CDU-/ CSUBundestagsfraktion, Mitglied im Parteivorstand

wie der Umbenennung der von-Schultes in MaxBrose-Straße in Coburg. Vor allem aber machte er sich auch einen Namen als Mäzen in Coburg zur Unterstützung des Stadtbildes oder in Bamberg als Vorsitzendes des Kuratoriums der Stiftung Weltkulturerbe. Ausdruck seines Erfolgs und Einflusses sind auch die Auszeichnungen wie das Verdienstkreuz 1. Klasse oder der Bayerische Verdienstorden.

Autorenmagazin Schweizer Monat aus, ein Blatt, das für klassische liberale Werte steht. Im Verlag fungiert Wagner als Verwaltungsrat. Wagner trat in diesem Jahr in einem Interview im Schweizer Fernsehen SRF über den Verein „Vorteil Schweiz“ öffentlich auf. Er unterstützt diesen Verein, der für eine offene Schweiz steht und sich gegen die bisweilen rechtspopulistische Schweizerische Volkspartei SVG wendet.

und CSU-Bezirksvorsitzender Oberfranken. Auch als Mitglied der Atlantik-Brücke, eines Vereins zur Stärkung der deutsch-amerikanischen Freundschaft, übt er Einfluss aus. Und wer weiß, ob er nicht einmal auf die ganz große politische Bühne zurückkehrt.

Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

Rehau AG

Bundesminister a.D., CSU

COBURGER | DAS MAGAZIN

39


ZUSCHAUEN.HÖREN

ZUSCHAUEN. DEMNÄCHST IM LANDESTHEATER ALLER GUTEN DINGE SIND DREI?

SECRET AFFAIRS Dreiteiliger Ballettabend mit Choreografien von Tara Yipp, Po-Sheng Yeh und Mark McClain mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Frangis Ali-Sade und John Lennon/Paul McCartney

A DARUM GEHT ES Ein Orchester, das tanzt. Eine Trance, die nicht aufhört. Ein Käfig, der inspiriert.

B WO UND WANN SPIELT ES

Gestern und hier. Heute und dort. Morgen und überall. Musik und Tanz bleiben zeitlos und frei: Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nr. 20 (KV 466) trifft auf Musik von Frangis Ali-Sade und Interpretationen der Beatles-Hits von John Lennon und Paul McCartney, arrangiert von Leo Brouwer und Per Arne Glorvigen.

C WAS ERWARTET MICH

Während im Musiktheater oder im Schauspiel ein vorgegebener Handlungsrahmen die Grundlage für das Bühnengeschehen absteckt, genießt das Ballett umfassende Freiheiten in der Darstellung und Entwicklung der jeweils eigenen Geschichten. Musik und Bewegung ergänzen sich, Bilder und Assoziationen entstehen, Gefühle und Gedanken werden ausgelöst – stets subjektiv und durch die eigene Interpretation bedingt. So bringen in dem Ballettabend SECRET AFFAIRS drei Choreographen ihre ganz eigenen Handschriften auf die Bühne: Ballettmeisterin Tara Yipp, die mit ihren Choreographien in WOYZECK, FOUR LADIES’ NIGHT und GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN das Coburger Publikum begeistert hat, eröffnet den Abend mit einer neuen Choreographie unter dem Titel CONCERTO. Dabei greift sie den Standardsatz der Ballettausbildung auf, dass der Körper eines Tänzers sein Instrument sei, und stellt die Tänzer zunächst als eine Art Orchester auf die Bühne. Die zweite Choreographie entwickelt das langjährige Ballettensemblemitglied Po-Sheng Yeh, der bereits mit Choreographien in der Reihe FIRST STEPS und TANZZEIT seinen unverwechselbaren Stil beeindruckend zum Ausdruck gebracht hat. Unter dem Titel TRANCE interpretiert er den Bewusstseinszustand in jener geheimnisvollen Zwischenwelt. Für die dritte Choreographie ist Ballettdirektor Mark McClain verantwortlich,

40

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

der mit so unterschiedlichen Arbeiten wie PEER GYNT, MARIA DE BUENOS AIRES oder DER NUSSKNACKER immer wieder seine Fans verzauberte. Er beschäftigt sich unter dem Titel CAGED mit den Auswirkungen des Gefangenseins – im eigentlichen, wie auch im übertragenen Sinne.

D WER IST DABEI

Wie bei einem großen Ballettabend nicht anders zu erwarten, steht die gesamte Ballettcompagnie auf der Bühne. So tanzen in CONCERTO und CAGED Chih-Lin Chan, Eun Kyung Chung, Natalie Holzinger, Lauren Limmer, Eriko Stock, Mariusz Czochrowski, Federico Frigo, Po-Sheng Yeh und Takashi Yamamoto. In TRANCE „verfallen“ ChihLin Chan und Eun Kyung Chung, sowie Mariusz Czochrowski, Federico Frigo, Po-Sheng Yeh und Takashi Yamamoto. Für die Ausstattung ist Susanne Wilczek verantwortlich.

E WANN

Vor der Premiere am 28. November im Großen Haus gibt es auf der Soiree am 18.11. um 19.00 die Möglichkeit, erste Eindrücke zu gewinnen. Weitere Vorstellungen folgen im Dezember (3.12., 11.12., 16.12., 18.12. und 27.12.), im Januar (7.1. und 27.1.), sowie am 16.2. und 13.3.2016.

EINE FREUNDSCHAFT FÜRS LEBEN - UND FÜR IMMER.

NOVECENTO – DIE LEGENDE VOM OZEANPIANISTEN Monolog von Alessandro Baricco

A Danny Boodman T. D. Lemon Novecento ist an Bord des Ozeandampfers Virginian geboren. Er ist dort aufgewachsen. Und er hat dort gelernt Klavier zu spielen. Er spielt auf eine Weise wie niemand vor oder nach ihm. Aber er ist noch nie von Bord gegangen. Alle Versuche ihn dazu zu bringen, die Welt einmal mit eigenen Augen zu sehen, schlagen fehl. Bis Novecento plötzlich mitten auf dem Ozean beschließt, im nächsten Hafen - nach zweiunddreißig Lebensjahren auf dem Meer - das Schiff zu verlassen. Eine halbe Ewigkeit steht er auf den Stufen des Stegs, der vom Dampfer führt. Er steht und schaut...

B Das Meer. Das endlose Meer. Mit all seinen Stimmungen. Mal stürmische See, mal mörderisches Unwetter, mal ruhiges Wasser. An Deck und unter Deck. Zwischen Liverpool und New York, Rio

AUSGABE 12 / HERBST 2015


ZUSCHAUEN.HÖREN

de Janeiro, Cork und den Antillen. Im Ballsaal der ersten Klasse und bei den armen Schluckern von Auswanderern. Vom ersten Jahr des neuen Jahrhunderts bis zum Ende des zweiten Weltkriegs. Und ein paar Jahre danach. C Tim Tooney erzählt die Geschichte seines Lebens. Mit siebzehn an Bord der Virginian gekommen, um dort in der unnachahmlichen Atlantic Jazz Band Trompete zu spielen, lernt er den geheimnisvollen, aber bereits legendären Pianisten Novecento kennen. Zwischen den beiden entsteht eine einzigartige Freundschaft, an der Tim das Publikum in Rückblenden teilhaben lässt. Was als Erzählung beginnt, nimmt bald eine ganz eigene Dynamik an, die Tim und die Zuschauer immer tiefer in den Strudel der Abenteuer und Erlebnisse an Bord der Virginian zieht. Die Regieassistentin Mascha Pitz gibt mit NOVECENTO – DIE LEGENDE VOM OZEANPIANISTEN ihr Regiedebüt am Landestheater Coburg und kann dafür auf eine Erzählung zurückgreifen, die als Bestseller bereits Millionen inspiriert hat. Mit ihrem Ausstatter Thomas Unthan legt sie den Blick auf die Studiobühne der Reithalle frei und lässt dort Räume entstehen, die Platz für Fantasien schaffen. D Als Tim Tooney liegt es in den Händen (und in der Stimme) von Frederik Leberle, die Legende von Novecento zum Leben zu erwecken. In knapp achtzig spannenden und kurzweiligen Minuten erzählt, spielt, lebt und atmet der Schauspieler die berührende Geschichte um die beiden Freunde und die turbulenten Ereignisse an Bord der Virginian – von Novecentos Kindheit über seine erste Begegnung mit einem Klavier bis hin zu dem unvergesslichen Duell mit dem selbsternannten Erfinder des Jazz. Nachdem Frederik Leberle zuletzt mit den Produktionen TSCHICK und DAS INTERVIEW selbst beeindruckende Regiearbeiten gezeigt hat, steht er nun wieder als Schauspieler auf der Bühne der Reithalle, wo er unter anderem als Mephisto in URFAUST, Danny in WAISEN oder Fernando in STELLA zu sehen war. E Nach der Premiere in der Reithalle am 7. November folgt in den nächsten Wochen eine Vielzahl von Vorstellungen, um die vorweihnachtliche Zeit mit dieser abwechslungsreichen Geschichte zu verkürzen. Auf dem Spielplan stehen bisher Termine am 8., 10., 20., 21. und 22. November, sowie am 2., 11., 12., 13., 15., 25., 26. und 27. Dezember. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

AUSGABE 12 / HERBST 2015

AUF INS NÄCHSTE ABENTEUER!

DER RÄUBER HOTZENPLOTZ

Familientheater nach Otfried Preußler

A Die Geschichte ist bekannt: Die Kaffeemühle ist weg. Geklaut. Und dafür kann doch wohl nur einer verantwortlich sein. Natürlich: DER RÄUBER HOTZENPLOTZ. Ein Räuber kann halt das Räubern nicht lassen. Der Wachtmeister Dimpfelmoser scheint nicht ohne Hilfe weiterzukommen und so müssen - natürlich – der Kasperl und der Seppel die Geschicke in die eigenen Hände nehmen, um für Gerechtigkeit zu sorgen. Ob dabei auch nebenbei für jede Menge Spass gesorgt werden darf? Natürlich! B Geschrieben hat Otfried Preußler sein Kinderbuch 1962, doch auch diese Geschichte kann man getrost als zeitlos bezeichnen. Die abenteuerliche Suche nach Großmutters Kaffeemühle führt Kasperl und Seppel aus der Stadt erst in den Wald, dann zum Unterschlupf des Räubers Hotzenplotz und von dort auch noch ins Schloss des Zauberers Zwackelmann – bevor die Reise im Spritzenhaus des Wachtmeisters Dimpfelmoser endet. C PIPPI LANGSTRUMPF, MICHEL AUS LÖNNEBERGA, DER LEBKUCHENMANN, HEIDI und DIE KLEINE HEXE. Gerade wenn man denkt, was soll denn da jetzt noch kommen, präsentiert das Landestheater ein weiteres Highlight zur Weihnachtszeit für die ganze Familie. Und das legt man in die Hände des Schauspielers Thorsten Köhler, der sich in den vergangen Spielzeiten bereits als Regisseur der Produktionen LANCE MAN und DANN MACH ICH MIR ’NEN SCHLITZ INS KLEID, sowie als Kostümbildner der Komödie DER NACKTE WAHNSINN auszeichnete. Somit darf man nicht nur ein aufregendes Erlebnis für die jüngsten Theatergänger, sondern mit Sicherheit auch eine ordentliche Prise bester Unterhaltung für alle Mütter, Väter, Tanten, Onkels, Omas und Opas erwarten. Das Bühnenbild von Marcel Bontempi sorgt mit zauberhaften Illustrationen für den passenden Hintergrund, die Kostüme von Katharina Lorenz runden das ästhetische Gesamtkonzept ab. Ebenfalls zum Team gehören Steve Michaelis, der für die Videogestaltung verantwortlich ist, sowie der Balletttänzer Takashi Yamamoto, der die Produktion mit entsprechenden Choreographien bereichert. D Besetzungen sind oft eine sehr subjektive Sache.

Einigkeit herrschte aber in diesem Fall wohl nicht nur innerhalb des Theaters, sondern mindestens bis an die Grenzen der Stadtmauern Coburgs bei der Besetzung der Titelrolle. Und so spielt – natürlich - Stephan Mertl den Räuber Hotzenplotz und muss sich mit der Tatsache abfinden, dass die größte Beifallsbekundung selbst für einen sympathischen Schurken in einem Kinderstück eigentlich ein gellendes Pfeifkonzert ist. Auch der Seppel wird mit Oliver Baesler aus dem Ensemble besetzt. Für den Kasperl dagegen wurde als Gast Denis Wiencke engagiert. Als Wachtmeister Dimpfelmoser und Zauberer Petrosilius Zwackelmann ist (ebenfalls als Gast) Tom Wild zu sehen. Anne Rieckhof spielt neben der Großmutter auch die Fee. E Der Premiere im Großen Haus am 14. November (um 14.00) geht traditionell eine Matinee in der Reithalle voraus. Am 8.11. um 11.00 werden dann nicht nur einzelne Charaktere der Geschichte vorgestellt, sondern für die schönsten RäuberHotzenplotz-Bilder auch die Gewinner des Malwettbewerbs prämiert. In insgesamt 49 Vorstellungen sorgen dann auch Kasperl, Seppel und der Räuber Hotzenplotz dafür, dass die Zeit bis Weihnachten nicht zu lang wird. Vorstellungen laufen zumeist um 11.00 und 14.00, es gibt jedoch auch einige Abendvorstellungen um 17.00 oder 18.00. Ein Blick in den Spielplan des Landestheaters verhindert Kindertränen vor verschlossenen Theatertüren. Die letzte Vorstellung läuft am 9.1.2016.

COBURGER | DAS MAGAZIN

41


Wein ist nicht nur einfach ein alkoholisches Getränk. Er ist je nach Betrachtungsweise Genussmittel, Arznei, Religionsersatz, Aphrodisiakum, Statussymbol. Und das seit vielen tausenden Jahren. Heute bemühen sich viele Weinanbaugebiete rund um den Globus um den Weintrinker. Ob rot, weiß oder rose: der Wein ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, selbst in Discountern bekommt man für erträgliches Geld ein ordentliches Tröpfchen. Beratung aber bekommt man dort nicht. Dazu gibt es den gutsortierten Weinfachhandel.

TA X I FA H R E N

Wir sind mit einer erfundenen, aber durchaus typischen Fragestellung losgezogen: Wir selbst haben nicht viel Ahnung, bräuchten daher eine Weinempfehlung für ein kleines Familienfest mit 8 bis 10 Personen, die Mutter kocht eine geschmorte Rehkeule mit Orangensoße und Rotkohl. Der Wein

42

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

soll nicht über zehn Euro kosten und die Oma mit ihrem empfindlichen Magen soll ihn auch vertragen. Und außerdem wollen wir gerne wissen, ob wir zur klaren Festtagssuppe mit Flädle zum Auftakt auch etwas kredenzen sollen, einen Prosecco vielleicht?

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


DIENSTLEISTUNGSCHECK TAXIFAHREN

Ambiente

Es sieht schon sehr einladend aus, das frühere herzogliche Zeughaus vom Anfang des 17. Jahrhunderts, in dem die angesehene Coburger Weinhandlung Oertel jetzt schon in der fünften Generation beheimatet ist. Dort auch lagern die meisten Weine, im Gewölbekeller darunter nämlich. Das ist schon einmal von großem Vorteil, so ein Keller verspricht stabile Temperaturen und wenig Licht. Im Laden selbst steht eine ordentliche Auswahl an Weinen zur Verfügung, nicht überbordend, sondern übersichtlich angeordnet, vor allem deutsche Weine, Frankenweine, Europäer. Aber auch andere Angebote, Sekt, Prosecco, Geschenke.

Ambiente Klein, aber fein ist die Weingalerie Kötterl in der Wiesenstra-

ße neben der Galerie Späth. Erst einmal: praktisch ist es natürlich, direkt vor der Türe zu parken, gerade wenn es einmal ein paar schwere Getränkekisten zu transportieren gibt. Das kann man bei der Weingalerie ohne Angst vor einem Strafzettel. Auch die Architektur des vor noch nicht so vielen Jahren sanierten Gebäudes ist stilvoll. Und im Inneren sind erst kürzlich neue Regale aufgebaut worden. Es sieht aufgeräumt, hell und leicht aus in der Weingalerie, die sich nicht nur als Weinhandel, sondern vor allem auch als geeigneter Ort für gesellige Weinproben einen Namen gemacht hat.

Beratung Nach kurzen Nachdenken werden wir zum Regal mit dem deut- Beratung Ohne großes Drumherum habe man gleich das Richtige, meint schen Wein geführt. Man greift zu einem trockenen Spätburgunder Dernauer Klosterberg 2013. Der würde gerade zu dem zarten Reh hervorragend passen. Und er sei gut verträglich wegen des geringen Säureanteils. Aber bitte bei Zimmertemperatur trinken, der Wein sei im Laden fast etwas zu kühl. Auf die Frage zur Festtagssuppe meint man, man könne man schon etwas Kleines zum Anstoßen reichen, „ein Prosecco auch?“ fragen wir, ja klar, das könne man machen. Wir lassen es erst einmal bei einer Flasche Spätburgunder zum Testen. 7 Euro 80 für den Liter, der Preis ist im Rahmen.

COBURG WEIN OERTEL

SA 31.10.2015 09:45 UHR

man bei der Beratung, einen Primitivo Doppio Passo aus Apulien. Der passe hervorragend zu einer Rehkeule. Man gießt mir gleich eine kleine Probe in ein Gläschen ein, „auch wenn es jetzt noch ein bisschen früh ist.“ Das Angebot nehmen wir gerne an und bekommen noch den Tipp, den männlichen Gästen halt nicht zu sagen, dass er halbtrocken sei, das könnte eher abschrecken. Auf jeden Fall könnten wir nicht sehr falsch liegen, das sei der meistverkaufte Wein. Und zur Suppe? Lieber nix als einen kalten Prosecco. Dann schon lieber gleich den Wein ausschenken. Wir zahlen 6 Euro 95 für die 0,75 Liter Flasche.

COBURG WEINGALERIE KÖTTERL

SA 31.10.2015 10:30 UHR

Gesamteindruck

Gesamteindruck Das Gesamtpaket hat gepasst, auch wenn so eine

Fazit Für normale Ansprüche ok.

Fazit Der Ton machte die Musik

Note: Befriedigend (3)

Note: Gut (2)

Die Beratung war freundlich, aber nicht sehr ausführlich. Der Wein ist uns empfohlen worden, auch der geringe Säureanteil wurde genannt, aber so richtig wussten wir aber nicht, warum dieser Wein zu einer Rehkeule mit Orangensoße passen soll. Auch eine Alternative ist uns nicht angeboten worden. Ganz ok, aber eben nicht so richtig befriedigend war die Empfehlung zur Festtagssuppe. Ob man da nämlich wirklich einen Prosecco dazu trinken sollte? Immerhin passte der Wein mit knapp acht Euro für einen Liter genau in unseren finanziellen Rahmen. Und man behandelte uns trotz unserer sichtbaren Ahnungslosigkeit mit Freundlichkeit und Respekt.

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

schnelle Lösung gleich noch mit der bereits offenen Flasche zur kleinen Weinprobe auf den ersten Blick fast ein wenig überstürzt wirkt. Immerhin folgte auch eine kurze Begründung, warum der Wein gut passe und auch die Oma ihn vertrage. Die Tipps dazu mit dem Hinweis auf den halbtrockenen Wein, die Probe an sich, der aufgeräumte Ton, das gehört irgendwie ja auch zum Weinkauf. Man fühlte sich auf jeden Fall und gut aufgehoben und auch der Begründung, man wolle doch nicht zur heißen Suppe einen eiskalten Prosecco servieren, kann man als Kunde folgen.

COBURGER | DAS MAGAZIN

43


DIENSTLEISTUNGSCHECK TAXIFAHREN

Ambiente

Die Lage am Ortsrand von Mitwitz in einem Wohngebiet ist jetzt erst einmal nicht so einladend, je näher man über den Hof zum Weinhof kommt, desto mehr merkt man aber, dass man hier schon einige Zeit verbringen kann: Eine große Auswahl, nach eigenen Angaben über 1500 Weine aus den wichtigsten Anbaugebieten der Welt, führt der Weinhof Brettel. Dazu Spirituosen in großer Auswahl und auch die eine oder andere Köstlichkeit zum Selbstabfüllen. Einziges Manko: Der Laden ist fast schon unterdimensioniert, vor allem weil sich zu dieser Zeit am Samstagmittag zahlreiche Kunden in ihm drängen.

Ambiente

Die Lage am Ortsrand von Mitwitz in einem Wohngebiet ist jetzt erst einmal nicht so einladend, je näher man über den Hof zum Weinhof kommt, desto mehr merkt man aber, dass man hier schon einige Zeit verbringen kann: Eine große Auswahl, nach eigenen Angaben über 1500 Weine aus den wichtigsten Anbaugebieten der Welt, führt der Weinhof Brettel. Dazu Spirituosen in großer Auswahl und auch die eine oder andere Köstlichkeit zum Selbstabfüllen. Einziges Manko: Der Laden ist fast schon unterdimensioniert, vor allem weil sich zu dieser Zeit am Samstagmittag zahlreiche Kunden in ihm drängen.

Beratung Man kommt meiner Bitte um eine Weinempfehlung nach, indem Beratung Man kommt meiner Bitte um eine Weinempfehlung nach, indem man einen Spezialisten holt. Nach kurzem Nachdenken empfiehlt man uns einen kräftigen Wein und hat dazu zwei Ideen: einen Wein aus der Toskana, ähnlich einem Chianti, aber weicher, oder, weil die Oma ja empfindlich ist, einen nahezu ohne Säure, einen Contrada del Falco Rosso Salento aus Apulien. Wir sollen ihn bei Zimmertemperatur trinken, aber nicht bei 23 Grad wie heute üblich, sondern bei 16-18 Grad. Man erklärt uns auch die Zusammensetzung der Weine. Zur Festtagssuppe würde man keinen Prosecco empfehlen, vielleicht einen Rose oder einen Weißwein, schön leicht und kühl, aber man könne auch schon den Rotwein aufmachen. Wir zahlen 6,95 Euro für den apulischen Wein.

MITZWITZ WEINHOF BRETTL

SA 31.10.2015 11:30 UHR

man einen Spezialisten holt. Nach kurzem Nachdenken empfiehlt man uns einen kräftigen Wein und hat dazu zwei Ideen: einen Wein aus der Toskana, ähnlich einem Chianti, aber weicher, oder, weil die Oma ja empfindlich ist, einen nahezu ohne Säure, einen Contrada del Falco Rosso Salento aus Apulien. Wir sollen ihn bei Zimmertemperatur trinken, aber nicht bei 23 Grad wie heute üblich, sondern bei 16-18 Grad. Man erklärt uns auch die Zusammensetzung der Weine. Zur Festtagssuppe würde man keinen Prosecco empfehlen, vielleicht einen Rose oder einen Weißwein, schön leicht und kühl, aber man könne auch schon den Rotwein aufmachen. Wir zahlen 6,95 Euro für den apulischen Wein.

MITZWITZ WEINHOF BRETTL

SA 31.10.2015 11:30 UHR

Gesamteindruck Die Verkäuferin verweist uns an den Spezialis- Gesamteindruck Die Verkäuferin verweist uns an den Spezialisten, gut so, dass man uns ernst nimmt und uns nicht gleich mit dem erstbesten Wein abspeist. Auch, dass man uns gleich einmal zwei Weine vorschlägt, gefällt uns sehr gut. Man nimmt sich Zeit, denkt nach, überlegt und schlägt uns dann Weine vor. Auch der Tipp mit der „Zimmertemperatur“ ist für Weinlaien ein durchaus wertvoller Hinweis. Dass man den Prosecco eher ablehnt, nehmen wir wohlwollend zu Kenntnis. Beim Bezahlen bekommen wir auch noch den wichtigen Hinweis, dass man von dem Wein auch genug auf Lager habe, wenn wir uns dafür entscheiden sollten.

ten, gut so, dass man uns ernst nimmt und uns nicht gleich mit dem erstbesten Wein abspeist. Auch, dass man uns gleich einmal zwei Weine vorschlägt, gefällt uns sehr gut. Man nimmt sich Zeit, denkt nach, überlegt und schlägt uns dann Weine vor. Auch der Tipp mit der „Zimmertemperatur“ ist für Weinlaien ein durchaus wertvoller Hinweis. Dass man den Prosecco eher ablehnt, nehmen wir wohlwollend zu Kenntnis. Beim Bezahlen bekommen wir auch noch den wichtigen Hinweis, dass man von dem Wein auch genug auf Lager habe, wenn wir uns dafür entscheiden sollten.

Fazit So muss Weinhandel sein.

Fazit So muss Weinhandel sein.

Note: Sehr Gut (1)

Note: Sehr Gut (1)

44

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

45


SILVESTERMENÜ IN LETZTER VIER CHEFKÖCHE HELFEN AUS Es ist nicht lange her, da hat man als Gast eines Restaurants die Mundwinkel die Stirn gerunzelt, hätte auf der Abendkarte ein „Burger“ gestanden. Burger, Hamburger, das gab es doch in einem Schnellimbiss, wie Currywurst mit Pommes oder Bockwurst mit Kartoffelsalat, das hatte aber doch mit einem gepflegten Abendessen nichts zu tun. Diese Zeiten sind lange vorbei. Burger essen, das gehört heute zum guten Ton, ein Burger hat nichts mehr mit einer lieblos gebratenen Rindfleischscheibe auf einem labbrigen Weizenbrötchen zu tun. Ja, er findet sich mittlerweile auf Karten auch gepflegter Restaurants, woher er aber seinen Namen nun hat, ist immer noch nicht klar, der Hamburger, heute umgangssprachlich meist nur Burger genannt. Irgendwas aber, da sind sich alle Theorien einig, hat er auf jeden Fall mit einer Stadt Hamburg zu tun, ob nun mit der deutschen Hansestadt oder einer gleichnamigen im US-Bundesstaat New York. Und nach jeder Theorie bestand er schon immer hauptsächlich aus zwei Zutaten: einer Scheibe Rindfleisch und einem Brötchen. Mittlerweile aber hat sich der (Ham)burger verselbständigt, vom schnellen Imbiss an der Bude für den schnellen Hunger zur vollwertigen Mahlzeit mit Beilagen. Vom phantasielosen Kohlehydrat-, Eiweiß- und Fettlieferanten mit Ketchup zur Vollwertkost mit Biobrötchen, Fleisch aus kontrolliertem Anbau, Grünzeug und selbstgemachten Soßen. Auch hier in der Region werden Burger kredenzt, die keine Wünsche offen lassen. Wir haben uns dazu in Coburg im Viktoria Grill und im Zapfhahn in Bamberg jeweils einen Burger zubereiten lassen, der den Namen des eigenen Restaurants trägt.

46

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


SILVESTERMENÜ IN LETZTER MINUTE

WOLFRAM HEGEN FOTOS SEBASTIAN BUFF HENNING ROSENBUSCH VON

Foto: Henning Rosenbusch

MINUTE

Viktoria Grill in der Goldenen Traube in Coburg. Schon beim Zuschauen wird man hungrig

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

47


VIER CHEFKÖCHE HELFEN AUS

ZAPFHAHN BAMBERG, UNTERE SANDSTRASSE 14, WWW.ZAPFHAHN-BAMBERG.DE: ZAPFHAHN BURGER RESTAURANT ZAPFHAHN. BAMBERG

David Stenson und Till Deininger vom Zapfhahn

David Stenson ist ein fränkischer Chef(burger)koch, wie er besser nicht sein könnte. US-Amerikaner, in Bamberg geboren, die Sprache immer hin und her lavierend zwischen „American English“ und fränkisch. So einem muss man einen perfekten Burger abnehmen. Dazu die Geschichte der beiden Chefs, beide mit einem Studium in der Tasche, das man wohl brotlos nennt, der eine, Till, hat Politikwissenschaft studiert, Lars Germanistik, beide kennen sich noch aus Studienzeiten. Die Kombination macht aus ihrer Burgerbude, pardon, aus ihrem Restaurant,

48

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

schnell ein Gesamtkunstwerk, das seinen Reiz noch dazu aus den 35 regionalen und 10 Craftbieren zieht, die eigentlich vor den Burgern da waren, immerhin heißt ihr Laden ja auch Zapfhahn. Und so empfiehlt die Karte zu jedem der über zehn Burger ein Bier, entweder als Kontrast oder als Verstärkung des Aromas. Das Konzept kommt an, Samstag, erzählen die Junggastronomen, muss man schon mal zwei Wochen vorbestellen. Die Gäste schätzen den hohen Anspruch der Inhaber an die Qualität ihrer Gerichte: Das Fleisch ist aus der Region, die Brötchen nach

spezieller Rezeptur von einem Bäcker um die Ecke, außer der Majo sind alles Soßen selbst gemacht, die Karte ändert sich mit der Jahreszeit, jeden Burger gibt es auch vegetarisch oder sogar vegan. „Es ist wie bei einem guten Menü, die Einzelteile müssen gut zusammenpassen“. Selbst bis in die gefühlte Heimat der Burger, bis in amerikanische Blogs, hat man es schon geschafft. Und in ein Buch mit Burgerläden in Deutschland, weil man unter anderem den „open-face-burger“ erfunden hat. Der kommt ohne Deckel daher. „annersch halt“, wie David Stenson sagt.

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


SILVESTERMENÜ IN LETZTER MINUTE

180 GR. RINDERPATTY UND KÄSE NACH WAHL, GETOPPT MIT TOMATE, RUCOLA, KOPFSALAT, KARAMELLISIERTEN ZWIEBELN, BOURBON-EGERLINGEN, GEGRILLTEM BACON, BIO SPIEGELEI, ALFAFA SPROSSEN UND ROTWEIN-DIJON SENF. DIE BIEROTHEK EMPFIEHLT DAZU BELGISCHES BIER.

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

49


VIER CHEFKÖCHE HELFEN AUS

VICTORIA GRILL, AM VIKTORIABRUNNEN 2 IN COBURG, WWW.GOLDENETRAUBE.COM: VICTORIA GRILL BURGER RESTAURANT VICTORIA GRILL. HOTEL GOLDENE TRAUBE, COBURG

Stefan Beiter, jüngster Sternekoch in Franken

180 GR. FEINSTES BEEF ODER ORIGINAL JAPANISCHES WAGYU BEEF MIT ROMANA, BACON, GEBRATENEN ZWIEBELN, TOMATE, FLEUR DE SEL, BARBECUE SOSSE.

50

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

Der Victoria Grill in Coburg im Hotel Goldene Traube ist auf den ersten Blick der absolute Kontrast zum Zapfhahn: keine Studentenatmosphäre, keine dunklen Holztische, kein Kneipenfeeling, sondern sauber eingedeckte Tische, Wein- und Wassergläser, Kerzen, gedämpfte Gespräche. Das Restaurant ist führend in Sachen Steaks und Seefood und so finden sich auf der Karte gebackene Sushi und geröstete Knoblauchgambas, Rib Eye Steak und Roastbeef, aber eben immer auch zwei verschiedene Burger, die entweder mit feinstem Rindfleisch oder mit original japanischem Wagyu Beef bestellt wer-

den können, was sich zwar im Preis niederschlägt, geschmacklich aber ein echtes Erlebnis ist: Das Fleisch ist marmorierter, hat einen höheren Fettanteil und damit mehr und vor allem einen intensiveren Geschmack. Gereicht werden dazu schmale und daher ganz knusprige Pommes allumettes. Natürlich macht man so gut wie alles selbst, die Soßen vor allem. Ein Experiment war es schon, erzählt Chef Bernd Glauben, als man die Burger vor fünf Jahren mit auf die Karte genommen hat. Das war ein ungewöhnlicher Schritt für ein gehobenes Restaurant. Ein Entscheidung, die sich gelohnt hat. Und so

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


SILVESTERMENÜ IN LETZTER MINUTE

kann es heute schon sein, dass auch bei ihm mal mit der Hand gegessen wird. „Das muss bei einem Burger jeder selbst wissen.“ Eines aber ist im Viktoria Grill schon ganz anders als im Zapfhahn. Im Victoria Grill sollte man eher einen Wein trinken. Nicht, dass es keine Auswahl an Bieren gäbe, die Weinkarte aber ist dieselbe wie im Sternerestaurant Esszimmer im selben Haus. Und die führt 450 Weine. Die Kombination Burger mit Wein also kann wohl weit und breit nicht hochwertiger ausfallen als hier.

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

51


Vom Bild zum echten Modell

52

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

gegangen, war nie angepasst, hatte immer höchste Ansprüche an sich, und hat es auf diese Weise zum Hidden Champion gebracht, zum Weltmarktführer: Thomas Oswald aus Oberfranken.

Ist er Fotograf, Bodypainter, Visagist, Modellbauer - oder ganz einfach Lebenskünstler? Auf jedem Fall hat er immer gemacht, was ihm Spaß bereitet, ist immer unkonventionelle Wege

Beeindruckender Detailreichtum

INHALT

VON WOLFRAM HEGEN

FOTOS SEBASTIAN BUFF

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


INHALT

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

53


PORTRAIT

ER BEMALT DORT DIE KÖRPER ZUMEIST JUNGER FRAUEN MIT DEN VERSCHIEDENSTEN MOTIVEN. STUNDE UM STUNDE PINSELT ER FARBE AUF HAUT, BIS AM ENDE EIN GESAMTKUNSTWERK ENTSTANDEN IST.

klassisch: Thomas Oswald beginnt mit einer Ausbildung, er möchte gerne Fotograf werden. Das ist es dann aber auch mit einem normalen Lebensweg. Als nämlich sein Arbeitgeber pleitegeht, trifft Oswald eine erste unkonventionelle Entscheidung. Er kauft das Equipment des Studios, besorgt sich eine Ausnahmegenehmigung und ist ab sofort Geschäftsführer, Ausbilder und Auszubildender in einer Person. Nach seiner Lehre betreibt er das Fotostudio weiter. Erst ein paar Jahre später muss er seine Meisterprüfung nachholen, auch wenn ihn nie in seinem Leben ein Kunde danach gefragt hat. „IHK und Handwerkskammer sind völlig überflüssige Institutionen, das ist nicht mehr zeitgemäß.“ Oswald nämlich ist zu dieser Zeit ohnehin schon sehr erfolgreich: Mit einem neuen Geschäftspartner

anziehen wollen. So packt Thomas Oswald immer häufiger sein Köfferchen, reist auf Ausstellungen und bemalt dort die Körper zumeist junger Frauen mit den verschiedensten Motiven. Stunde um Stunde pinselt er Farbe auf Haut, bis am Ende ein Gesamtkunstwerk entstanden ist. Die Besucher kommen in Scharen – und die bemalten Körper sehr gut an. „Das war leicht verdientes Geld, aber reich wirst Du damit nicht.“ Fotos mit den kunstgewordenen Körpern im Aufgang zu seiner Werkstatt sind Zeugnis dieser Zeit. Doch die Fotografie, wie Oswald sie gelernt hat, mit Dunkelkammern und Chemikalien, mit echten Film und viel Geduld, sie nähert sich ihrem Ende. Die Digitalfotografie bedroht eine ganze Branche, ein ganzes Handwerk. Oswald geht einen schmerz-

Ein Kreativer mit Seltenheitswert

Winzige Details werden herasusgearbeitet

Thomas Oswald im Gespräch mit Wolfram Hegen

Seine Werkstatt ist wie ein Kaleidoskop seines Lebens: viele kleine Dinge, die sich je nach Blickwinkel zu einem anderen Ganzen zusammensetzen. Uralte Macs dominieren die Tische, die im 90-Grad-Winkel zueinander angeordnet sind und fast ein Rechteck bilden, in dessen Mitte Thomas Oswald sitzt, die Beine überschlagen, täglich eine Schachtel Gauloises raucht, drei Liter Kaffee am Tag trinkt, um sich eine Unzahl Zettel, Notizen, Modelle, Ordner, Werkzeug, Batterien, Pläne, Kleber und natürlich einen Aschenbecher, der überquillt. „Ich pflege das organisierte Chaos“, schmunzelt er, und das tut der 61jährige seit vielen Jahren ja auch sehr erfolgreich.

betreibt er ein großes Fotostudio mit 1000 Quadratmetern. „Ich habe alles fotografiert, was dort zur Türe reingepasst hat.“ Autos, Kleidung, und vor allem: Möbel, Möbel, Möbel. 3000 Möbelgarnituren bis 1994. „Dann hatte ich die Schnauze voll.“ Oswald verkauft seine Geschäftsanteile – für 1 Mark. Eine halbe Million habe er in den Sand gesetzt, aber er wollte einfach nicht mehr. „Dann habe ich das zweite Mal von vorne angefangen.“

haften Schritt: er lässt seinen erlernten Beruf einschlafen. Gleichzeitig wird aus einem anderen Hobby sein neuer Beruf, den er bis heute ausübt: Modellbau. „Ich kam dazu eigentlich wie die Jungfrau zum Kind.“

Der Anfang seines Berufslebens verläuft noch ganz

54

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

Thomas Oswald fotografiert weiterhin und – er bemalt Körper. Bodypainting ist Mitte der 90er Jahre noch exotisch. Die Nachfrage groß. Vor allem von Unternehmen, die aus ihrem Messestand ein Happening machen, Publikum mit Ausgezogenem

Einmal nämlich sieht Oswald auf der Spielwarenmesse in Nürnberg einen CO2-Laser, mit dem man Bilder in Glas und Holz lasern kann. Davon verspricht er sich ein Geschäft. Das aber ist nicht der Fall. Doch Oswald wäre nicht Oswald, wenn er nicht einen anderen Weg finden würde: der passionierte Modellbahnbauer stellt fest, dass Modelle von Gebäuden oft nicht viel taugen, dass sie seinen eigenen Qualitätsansprüchen nicht genügen. Und

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


„OSSL“ THOMAS OSWALD

so fährt er durch die Republik, fotografiert Häuser, Hallen, Bahnhöfe, entwirft daraus am Rechner Baupläne und graviert und schneidet dann mit dem Laser Kartons, Graupappe, Recyclingmaterial zum fertigen Bauteil. Und die Bauanleitungen liefert er gleich mit. „Das hat man mir dann aus der Hand gerissen.“ Ein Guru aus der Modellbahnbranche ist total begeistert von der Qualität und Detailgenauigkeit seiner Werke, damit ist der Weg endgültig frei für Thomas Oswald. Heute produziert er hochwertigste Gebäude und Zubehör für Modelleisenbahnen. In den Maßstäben 1:87 bis zu 1:220, in den Spurweiten H0, TT, N und Z. So realistisch wie nur irgendwie möglich. Mit Stuckarbeiten bis ins letzte Detail, Griffen, Beschlägen, Mauerstrukturen. Neunzig Prozent seiner

kleinen Kunstwerke schmücken Modellbahnen in Australien, Argentinien, Südafrika, den USA, in Norwegen, Finnland und Großbritannien. Hilfe braucht er bei seiner Arbeit kaum. Er macht fast alles in Eigenregie. Und er lässt sich ungern in die Karten schauen. Vieles hat er sich selbst erarbeitet, hat aus seinem Fundus als Fotograf, Bodypainter geschöpft, seine eigenen Arbeitstechniken entwickelt. Beim Modellbau fließe alles zusammen, sagt er: Holzbearbeitung, Fotografie, Elektronik, Architektur, Malerei. „Du muss von allem ein bisschen können und wissen, je mehr, desto besser.“ Immer noch schwört er auf seine in die Jahre gekommenen Macs, die alten Programme wie Freehand und seinen Laser. „Und wenn das Geschäft mit den

Sieht aus wie echt: Oswald-Modell

Modelle sind Kundenaufträge von Leuten, die ganze Anlagen für sich bauen lassen und dafür Spezialisten beauftragen. Leute, die für eine 70 Quadratmeter Bahn inklusive allen Schienen, Zügen, Technik, Modellen, Landschaften schon auch einmal 300 000 Euro ausgeben. „Das was ich mache, ist nichts für Teppichbodeneisenbahner.“ Zwischen 10 und 2000 Euro kosten die Modelle von Thomas Oswald, bis zu 200 Stunden Arbeit gehen dafür drauf. Dennoch: „Reich wird man damit nicht, aber ich habe Spaß dran.“ Auf diese Weise hat Thomas Oswald für die Spuren N und Z zum Weltmarktführer gebracht, „in der Qualität bin ich weltweit der Einzige, der das kann.“ Seine

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

Modellen mal nicht mehr geht, wird mir schon etwas einfallen.“ Eines aber wird er nie, hofft er: dem Staat auf der Tasche liegen. „Geht nicht, gibt’s nicht. Es gibt immer eine Idee, was man machen kann.“

„DAS WAS ICH MACHE, IST NICHTS FÜR TEP-

Noch eher schon wechselt er vielleicht noch einmal die Branche oder das Genre. Pläne hat Oswald nämlich genug: Gerne würde er als Gaststudent an eine Hochschule gehen, technische Physik studieren – und Philologie. „Am Ende hängt ja doch alles zusammen.“

2000 EURO KOSTEN DIE MODELLE VON THOMAS

PICHBODENEISENBAHNER.“ ZWISCHEN 10 UND OSWALD.

Er ist eben unkonventionell, unangepasst, anders. Und er hat immer Spaß an der Arbeit.

COBURGER | DAS MAGAZIN

55


VON WOLFRAM HEGEN FOTOS: XXX

Ein Spiel in drei Dimensionen? Vorwärts, rückwärts, rauf und runter? Und zwar nicht nur der Ball, sondern auch die Spieler? Gibt es das? Ja, das gibt es, das Spiel heißt Unterwasserrugby, ist ziemlich spektakulär und hat hier in Oberfranken eine der erfolgreichsten Mannschaften überhaupt: die Unterwasser-Rugby-Abteilung des Tauchclub Bamberg. Die erste Mannschaft hat neunmal den Deutschen Meistertitel geholt und dreimal Silber beim Champions Cup. Und auch Kinder kämpfen schon unter Wasser um den Ball. Aber wie funktioniert Unterwasserrugby jetzt eigentlich?

56

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

Das Geheimnis ist der Ball: Der ist mit Salzwasser gefüllt. Und weil Salzwasser schwerer ist als das Süßwasser eines Schwimmbades, sinkt der Ball, und zwar ganz schön schnell, mit mindestens 1 Meter pro Sekunde nämlich. Das ist auch wichtig, im Gegensatz zum Wasserball nämlich wird ja nicht über der Wasseroberfläche gespielt, sondern darunter. Sonst kann man auch keine Tore erzielen, oder besser gesagt Körbe. Die sind bis zu 5 Meter tief am Boden des Beckens angebracht. Dorthin gilt es

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

57


SPORT

58

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

denn Ball zu bugsieren, diesen auf dem Weg dorthin zum Mitspieler zu passen, auch das nämlich ist möglich, ähnelt aber mehr einem Stoß als einem Pass, und vor allem sich der Angriffe der Gegner zu erwehren, die zwar keine rohe Gewalt anwenden dürfen, aber den ballführenden Spieler angreifen natürlich schon. So kann es durchaus ganz schön zur Sache gehen, wenn man nicht schnell genug unterwegs ist, den Ball abgibt, ein guter Schwimmer ist. Man kann sich als Hobbytaucher leicht vorstellen, dass so ein Spiel Einiges an Ausdauer, Kraft und vor allem – einen langen Atem erfordert. Und weil der auch dem besten Taucher irgendwann einmal ausgeht, darf fliegend gewechselt werden. Drei Ersatzspieler sorgen dafür, dass die sechs Spieler unter Wasser regelmäßig eine

Goldmedaille. Auch in diesem Jahr bei der WM in Kolumbien musste man sich mit Platz 2 hinter Norwegen begnügen.

„Verschnaufpause“ bekommen in den zweimal fünfzehn-minütigen Spielzeit. Und so erfolglos der deutsche Rugbysport international ist, so erfolgreich die Unterwasservariante. Liegt wahrscheinlich daran, dass der Sport in Deutschland, in Mülheim an der Ruhr, Anfang der 60er Jahre erfunden wurde. Dennoch reichte es für die Deutschen zwar oft zu Vizeweltmeisterschaften, aber noch nie für die

perspit ut ex eatis a simaximaio. Lit magnia dolora cuptatur autem est, suntibus voluptaesti delit ut experch ilibus estis quam quis derspelianis quat aliquatus, optas ut acculpari consequiam voluptatem eicia ere sam estis exped eat. Sini utem evendemped que eumquatio. Ut aut pliquam, cus ipsandandae. Faccatenduci delitatis eos aut lam aspero dolorem porecto repreror sitaquati

Mehr Informationen unter www.tauchclub-bamberg.de Debitate nonseraes everorro berum demos ent omnissime eosapiet enis ipsam res mostios et aut ad quiatiorro dolorior sam fugit porrorumqui conse velenis imusdam acieni inctur, et acipsum hillita temporit, simintur rest quiati cullaceribus is quo qui repe quibusa pereceaquo intur, cor sunt qui volorpo stemporis ipsae et ariam excerumquis alitaquam doluptatium voloreicilia conem consectat aspe voluptat. Faci od maio. Cernam quam laut mil is asperem

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


VOLLEY DRAUF re mod exceste cusciante is dolupiet ut aligend ernatur as modis mo voluptatur millese quature renihil ius. Ad et veribus molorio. Occum doluptatque conese vitaerchilit exerio que non res doluptur? Coribus que simusandit acerrum nost, sit odi duciet dolorrume pe perovid igendis aut endis abor reius. Itae adi debitas enit aliquisquam quam qui velit voloreptate sandestios ditatisci se non et re vit reruntorat. Et untiass imolorehent la sunt a doluptum consecum faceperest, cupti offici resedis imus ab is asped quiandis etur asi is parchit est, si con ea dunt, sum ilitem aspel imaximi nulpario ommolupta cullor re ipsaerumque ped esersperum liqui ut quidus acestion repudantecus et ex et eum ataepudi imus, volo quam lautem cuptatemquam quam velecume se et ab iurepero eliqui cum conse sum il ipsust, corporat et dem quatem aut res nonseditatur aci que volorem nimi, te non pero con eturit quissim et, et omnis simillum earciatque pelit vel imporio. Ita doloriaepe venditatem nus simaio blatur? Andaecte similloribus reptaqu untur? Ommodi to odio volore sim isquodi volo-

reriate volecupiet voloribus moluptatus ea nus eossimetum quatur, id quiae. Net officae. Nequi alitias utem. Evendion ra pla conseque dolupita incius. Ficium enimus eos rempero con corit aut et debisitatur? Bisciatenti utemporunt magnatibus exero inimusdaeri blabore iciendem invel iuntis aut am fuga. Asperum et eum exceri dolum il most ent endaes aut doloritecum, sitassimet hicit pro volum ra non conse re nam harions ersped eum eostota dolorem rae eicil

BEI DER WM IN KOLUMBIEN IN DIESEM JAHR GAB ES EINE SILBERMEDAILLE. AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

59


Foto: Val Thoermer

HIERINHALT WOHNTE...

60

60

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


VON HEIDI SCHULZ-SCHEIDT FOTOS: HENNING ROSENBUSCH

HIER WOHNTEN…

...DIE SCHÜTZEN EIN BAUDENKMAL AM RANDE DER STADT. IDYLLISCH AN EINEM KLEINEN SEE GELEGEN. JETZT IM HERBST MIT EFEU ROMANTISCH BEWACHSEN. IM WEICHENGEREUTH STEHT DAS SCHÜTZENHAUS SEIT NUNMEHR 112 JAHREN UND DIENTE LANGE JAHRE DER COBURGER SCHÜTZENGESELLSCHAFT ALS GESELLSCHAFTSHAUS UND VERSAMMLUNGSORT. Aber es ist gar nicht das „Alte Schützenhaus“, wie unwissende Neu-Coburger immer sagen, wenn sie dort einkehren. Es ist das Neue Schützenhaus. Bereits um die Jahrhundertwende diskutierten die Schützenbrüder immer wieder über die schlechten Zustände der Schießanlage auf dem Anger. Die jetzige Bamberger Straße war damals lediglich ein Schotterweg. Und die großen Fenster des alten Schießstandes am Anger dienten tatsächlich als Schießscharten. Von hier aus schossen die Schützen in Richtung Turnplatz. Der Platz war zu diesen Trainingszeiten dann zwar abgeriegelt. Im Jahre 1902 jedoch passierte es. Ein Zieler wurde durch einen tragischen Unfall erschossen. Die Stadt duldete auch aufgrund dieses Zwischenfalls diese Schießanlage nicht mehr. Sie musste aufgegeben werden. Ersatz war dringend nötig. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Baron von Erffa kaufte die Schützengesellschaft ein über 40 000 Quadratmeter großes Gelände im Weichengereuth. Der heutzutage idyllisch anmutende See und das Tal, in welchem die Schießanlage und das Schützenhaus errichtet wurden, entstanden jedoch durch die Abtragung von Erdmassen für den Bau des Güterbahnhofes. Das Gelände schräg gegenüber war nämlich von jeher

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

hochwassergefährdet. Durch die Aufschüttung des Aushubes konnte das Gelände trocken gelegt werden. Nach einjähriger Bauzeit wird das Neue Schützenhaus im Mai 1904 feierlich eingeweiht. Mitgebaut hat neben vielen kleineren Coburger Handwerksbetrieben auch die Firma Otto Hauch, die ja bekanntermaßen bis heute existiert. Bemerkenswert. Am Giebel zum Biergarten hin findet man heute noch ein Zeugnis dieser alten Schützentradition. Neben einem Emblem der Coburger Schützengesellschaft ziert die Jugendstilinschrift „Üb Aug und Hand fürs Vaterland“ diese schöne Hausansicht. Gegründet wurden die Schützengesellschaften bekanntermaßen zum Schutze der Stadt und ihrer Bevölkerung. Denn als im 14. Jahrhundert die Grafen von Henneberg die neue Stadtbefestigung errichten ließen, brauchten sie gleichzeitig zielsichere, kampferprobte Bürger, die im Ernstfall die Mauern und Türme der Stadt verteidigten. Die Geburtsstunde des Schützenwesens in Coburg. Eine über 660-jährige Geschichte.

Schießanlage auf dem hinteren Teil des Geländes, wie sie in ihrer heutigen Form besteht. Mehrere Pächterwechsel hat das Schützenhaus mittlerweile hinter sich. Schlagzeilen machte das Gebäude im August 2013, als in einer Wohnung oberhalb der Gasträume die Ehefrau des Gastronoms Ulrich S. durch eine Gewehrkugel gewaltsam zu Tode kam. Wochenlang waren die tödlichen Schüsse im Schützenhaus in aller Munde. Ein Sachverständiger des Landeskriminalamtes aus München reiste extra an um nachzuprüfen, ob der Angeklagte tatsächlich, wie er behauptete, im Keller auf Rattenjagd gegangen war und er deswegen am Unglückstag eine Schrotflinte in der Hand hatte. Denn dann hätten Schmauchspuren festgestellt werden müssen. Wie der Prozess ausging, ist bekannt. Mittlerweile herrscht wieder Ruhe und Frieden im „Neuen alten Schützenhaus“. Die Wohnungen sind zu Studentenappartements umgebaut worden und erfreuen sich großer Beliebtheit. Ab zu flattern Enten über den Schützenteich. Und seit die neuen Pächter aus Neustadt hier kochen und ihre Gäste bedienen, ist das Schützenhaus nur noch aufgrund der Pizzas und Nudelgerichte fast im wahrsten Sinne in aller Munde.

Wirtschaftliche Argumente brachten die Schützenbrüder 1982 dazu, das Schützenhaus im Weichengereuth an den Rödentaler Gastronomen Heinz Kamleitner zu verkaufen. Kurz zuvor erfolgte der Spatenstich für die neue

COBURGER | DAS MAGAZIN

61


HIER WOHNTE...

62

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


EIN MENSCH

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

63


Bildquelle: Waldrich

COBURGS GROSSE INHALT UNTERNEHMEN

64

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


INHALT

COBURGS GROSSE UNTERNEHMEN

VON WOLFRAM HEGEN

FÜNFTER TEIL.KAPP

WERKZEUGMASCHINENFABRIK WALDRICH

RICHTIG GROSSE T E I L E 2020 wird wohl groß gefeiert im Hahnweg in Coburg. Dort ist die Werkzeugmaschinenfabrik Waldrich zu Hause. Und die entwickelt sich in den letzten Jahren wieder hervorragend. Das war nicht immer so, wen wundert es bei einer fast 100jährigen Geschichte.

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

65


KAPP

Bildquelle: Waldrich

WALDRICH STARTETE 1920 IN DER GERBERGASSE

800 Mitarbeiter hat Waldrich

Eigentlich sorgt Waldrich von den Coburger Unternehmen für das größte Aufsehen, und das im wahrsten Sinne des Wortes: Wenn sich nämlich überbreite überlange Schwertransporter durch die Stadt schlängeln, begleitetet von Polizeifahrzeugen, vorzugsweise nachts, und geradezu monströse Werkzeugmaschinenteile ausliefern.

Das war allerdings nicht immer der Standort des Unternehmens Waldrich, als es vor fast 100 Jahren gegründet wurde. 1919 nämlich war es, als Adolf Waldrich aus Siegen, wo er schon Teilhaber einer Werkzeugmaschinenfabrik gewesen war, nach Coburg kam. Gemeinsam mit einem anderen Ingenieur übernahm er in der Innenstadt, in der Gerbergasse nämlich, eine kleine Fabrik und gründete dort die Globuswerke. 20 Leute waren zunächst mit der Reparatur von Werkzeugmaschinen beschäftigt.

Doch schon bald merkte man, dass man mit der Entwicklung von Glasbearbeitungsmaschinen mehr verdienen kann. Und weil sich das Unternehmen sehr schnell sehr gut entwickelte, brauchte man Platz, fand den im Hahnweg und nannte sich ab sofort „Maschinenfabrik Adolf Waldrich“, weil der auch ab sofort alleine war, nachdem der Mitgründer sich zurückzog. Es ging bergauf, vor allem auch durch das Patent auf den ölhydraulischen Antrieb, den man entwickelt hatte. Im Krieg stieg die Mitarbeiterzahl auf 400, danach jedoch folgte der Einbruch. Nur ein Bruchteil der Mitarbeiter blieb übrig und machte sich daran, das Unternehmen langsam wieder aufzubauen. Die schon immer erfolgreichen Hobelmaschinen wurden ergänzt um Schleif- und Fräsmaschinen sowie andere Neuentwicklungen. Bald hatte man annä-

Bildquelle: Waldrich

Uneigentlich ist das Unternehmen relativ unauffällig im Stadtgeschehen. Das liegt jetzt weniger an den Fabrikhallen an sich, in die man wohl die Einfa-

milienhäuser eines ganzen Stadtviertels problemlos unterbringen könnte. Das liegt vielmehr daran, dass das Unternehmen im Hahnweg sein Zuhause hat, nicht gerade an einer Einfalls- und Hauptverkehrsstraße, und noch dazu eingebettet in die grünen Ausläufer des Festungsberges, an dessen Fuß man sich befindet.

Steuerung

66

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


Bildquelle:Waldrich

COBURGS GROSSE UNTERNEHMEN

Dieselmotoren

hernd wieder 400 Beschäftigte. 1950 war man also wieder voll da, als Firmengründer Adolf Waldrich mit gerade mal 61 Jahren verstarb. Übrig blieb der Sohn, Otto Waldrich, der das Unternehmen bis 1986 führte und erst in diesem Jahr, im Juli 2015, als Dank für seine Verdienste zum Coburger Ehrenbürger ernannt wurde. Ihm ist ein großer Teil des Erfolges zu verdanken, den das Unternehmen Waldrich heute wieder auszeichnet. Neue Maschinen wurden entwickelt, der Export stieg, Mitarbeiter wurden eingestellt. Glück im Unglück war eine Gasexplosion 1965. Den Wiederaufbau nutzte man gleich zum Bau neuer Büros und Fertigungshallen. 1970 war man dann ganz oben: 1000 Mitarbeiter zählte das Unternehmen, jetzt war man im Schwermaschinenbau angekommen. 1975 zog das erste Mal ein monströses Teil aus dem Hahnweg durch die Stadt: 18 Meter lang, 5 Meter breit. Dann aber erfolgte ein großer Einschnitt: Otto Waldrich verkaufte an die amerikanische Ingersoll-Gruppe, die ebenfalls Großfräsmaschinen herstellte. Ingersoll hatte zuvor schon im Jahr 1971 die 1840 gegründete Maschinenfabrik H.A. Waldrich er-

worben und in Waldrich Siegen Werkzeugmaschinen GmbH umbenannt. In Coburg wurden Mitarbeiter entlassen, das Produktionsprogramm ergänzt. Doch Ingersoll machte 2004 Pleite. Die Maschinenfabrik Adolf Waldrich landete über einen Umweg 2005 bei einem chinesischen Unternehmen Bejing No. 1. Anfängliche Befürchtungen am Standort Coburg über die Zukunft von Waldrich wurden schnell zerstreut, die Chinesen stärkten den Standort Coburg, investierten 40 Millionen Euro in neue Produktionshalle und Maschinen, Büroräume und soziale Einrichtungen. Es folgten die erfolgreichsten Jahre der Geschichte. Der Umsatz verdoppelte sich, die Mitarbeiterzahl steigt mit 800 fast wieder auf den Höchststand der 70er Jahre.

Werkzeugmaschinenfabrik Waldrich Coburg GmbH Gründung: 1920 Sitz: Coburg Leitung: Hubert Becker Mitarbeiter: 800 Branche: Werkzeugmaschinenbau Website: www.waldrich-coburg.de

Heute produziert das Unternehmen Präzisionsbearbeitungsmaschinen. Diese Produkte finden ihre Anwendung im Dieselmotorenbau, für Kraftwerkskomponenten, im Werkzeug- und Formenbau, Druck- und Papiermaschinenbau, in der Windkraftindustrie, für Baumaschinen, Schienen- und Weichenbau, in der Luft- und Raumfahrt und für die Fertigung von Schiffspropellern. Stolz kann man fast 100 Jahre nach der Gründung von sich sagen: „ Wir sind Weltmarktführer im Großwerkzeugmaschinenbau.“

2005 LANDETE DIE WALDRICH BEI DER CHINESISCHEN FIRMA BEJING NO. 1 AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

67


GALERIE

68

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


THOMAS „OSSL“ OSWALD

GALERIE

I L L U S T R A T I O N E N

THOMAS „OSSL“ OSWALD

Buntstift und Tinte oder Grafiktablett und Photoshop? Bei ihr egal! Neugierde und die Leidenschaft zur Illustration prägt sie. Im Thüringer Wald beheimatet verbrachte sie fünf Jahre in Coburg für ihr Studium der Innenarchitektur. Heute spaziert durch Hamburgs windige Straßen und arbeitet als Illustratorin freiberuflich und mit einer Grafik-Agentur zusammen. Von ihr stammt unser Herbst-Cover 2013. AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

69


GALERIE

70

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


THOMAS „OSSL“ OSWALD

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

71


AKROBATISCH FLOTT UNTERWEGS.

MAL SCHNELL EINE COKE MACHEN

GEGEN DIE NUTELLA-DIEBE

Schon mal jemanden auf einem elektrischen Einrad gesehen? Werden Sie aber bald. Denn das ist das nächste Ding nach dem Segway. Funktioniert ähnlich mit nur einem Rad und ohne Lenker. AIRWHEEL heißt es. Und es kostet nur einen Bruchteil eines Segways. Das Fahren

Klingt irgendwie verrückt. Stimmt‘s? Wo doch Coca Cola sein Rezept bis heute mit allen Mitteln geheim hält. Aber es stimmt. Mit dem KEURIG GOLD macht man Limonaden mit Kapseln wie den Espresso mit den kleinen Kaffeemaschinen. Er sieht auch so aus. Nur, dass

Schon wieder das Nutella-Glas leer? Und dabei haben Sie doch bisher kaum etwas davon gegessen. Das ist wirklich ärgerlich. Aber jetzt können Sie etwas dagegen tun. Schließen Sie doch einfach das Nutella-Glas ab. Das geht mit CHOCOSAFE erhältlich bei Ebay.

lernt sich spielend leicht. Und das AirWheel verhindert mit seiner speziellen Technik ein Umkippen. Schenken Sie es jemandem, dem das Skateboard zu langweilig ist.

er mit seinen Kapseln Kaltgetränke spendiert. Neben Coke gibt es Sprite, Soda, Eistee und vieles mehr. Ein tolles Geschenk nicht nur an Abstinenzler.

Einfach das Schloss über den Deckel schieben und abschließen. Ganz einfach. Wenn Sie das verschenken, wird ihnen das Nutella-Glas immer offen stehen.

72

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


BÜCHER

MAL SCHNELL EINE COKE MACHEN

GEGEN DIE NUTELLA-DIEBE

Klingt irgendwie verrückt. Stimmt‘s? Wo doch Coca Cola sein Rezept bis heute mit allen Mitteln geheim hält. Aber es stimmt. Mit dem KEURIG GOLD macht man Limonaden mit Kapseln wie den Espresso mit den kleinen Kaffeemaschinen. Er sieht auch so aus. Nur, dass

Schon wieder das Nutella-Glas leer? Und dabei haben Sie doch bisher kaum etwas davon gegessen. Das ist wirklich ärgerlich. Aber jetzt können Sie etwas dagegen tun. Schließen Sie doch einfach das Nutella-Glas ab. Das geht mit CHOCOSAFE erhältlich bei Ebay.

er mit seinen Kapseln Kaltgetränke spendiert. Neben Coke gibt es Sprite, Soda, Eistee und vieles mehr. Ein tolles Geschenk nicht nur an Abstinenzler.

Einfach das Schloss über den Deckel schieben und abschließen. Ganz einfach. Wenn Sie das verschenken, wird ihnen das Nutella-Glas immer offen stehen.

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

73


DIE MERCEDES B-KLASSE ELECTRIC DRIVE

Fotos: Sebastian Buff

Stromern mit dem Stern

Immer noch ist das Fahren aus der Steckdose in unserem Land eher exotisch als alltäglich, die politischen Ziele in Sachen Elektromobilität nach aktuellem Stand eher unerreichbar. Dabei springen immer mehr auch deutsche Hersteller auf den Elektrozug auf. So wie die Edelmarke Mercedes mit ihrer B-Klasse, dem ersten schwäbischen Großserienmodell auf Strombasis.

D

er normale Diesel- oder Benzinfahrer wird immer noch kindische Freude empfinden in einem Elektroauto. Wahlweise fühlt er sich dann als Captain Kirk, S-Bahn-Schaffner oder wie im Autoskooter. Nicht nur die Beschleunigung begeistert, sondern dieser einem Schweben ähnliche Gleitzustand, in dem man erst das Säuseln der Lüftung oder das Rumpeln durch ein Schlagloch wahrnimmt, aber eben keinen Motor. Gerade beim Start, beim Anfahren, das mehr einem Wegrollen gleicht als einem Fahren. Aber gut, genug kindliches Geschwärme, mit rosaroter Brille ist eine nüchterne Bewertung eines Fahrzeugs kaum möglich, immerhin muss es sich ja im Konzert der vielen Normalantriebler und Gattungsverwandten durchsetzen. Die Fahrt führt durchs oberfränkische Land, über

74

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

Autobahnen, Landstraßen und durch Ortschaften. Wobei „lange Fahrt“ und „Elektroauto“ ja in den meisten Fällen immer noch ein scheinbar unüberbrückbarer Widerspruch sind. Das ist bei der B-Klasse ED auch nicht anders: Die Lithium-Ionen-Batterie mit 28 kwH hat genug Strom für maximal 200 Kilometer, je nach Fahrstil und gewünschtem Komfort: Soll es gerade jetzt im nahenden Winter kuschelig warm sein, endet die Fahrt dann halt schon früher. Irgendwo muss der Strom ja herkommen. Wenn man „weitere“ Fahrten machen möchte, sollte man sich auf jeden Fall auf den Economy Plus Modus beschränken mit 88 PS. Da ist dann zwar bei 110 Stundenkilometern Schluss, man kommt aber weiter als im Sportmodus, der reichlich Vergnügen bereitet bei einer Beschleunigung von 0 auf 100 in 7,9 Sekunden, aber eben dann auch von kurzer Dauer ist. Die standardmäßige „Abstandskontrolle“ ist anfänglich etwas ungewohnt, dann aber durchaus angenehm, wenn das Fahrzeug selbst darauf aufpasst, ob man dem Vordermann zu nahe kommt, im besten Fall sogar einen Auffahrunfall vermeidet, aber dann auch wieder Leine lässt, wenn genug Platz zwischen B-Klasse und vorausfahrendem Fahrzeug entstanden ist. Und eigentlich nennt sich das Ganze ja auch nicht „Abstandskontrolle“, sondern im Techni-

ker-deutsch „Rekuperation“, also Energierückgewinnung beim Bremsen. Das also macht das Fahrzeug manchmal selbst, auf dem mercedestypischen Bildschirm in der Mittelkonsole läuft das im Modus „Energiefluss“ dann unter „Laden“. Sicherheit kombiniert mit Energieeffizienz. Wenn dann der „Tank“ doch einmal leer ist, einfach tanken: Stecker rein, Laden, sich eineinhalb Stunden mit etwas anderem beschäftigen, Stecker raus, davor aber das Entriegeln des Fahrzeugs nicht vergessen, sonst hängt der Stecker fest. Ansonsten aber ist die B-Klasse Electro Drive schon ein richtiger Mercedes traditioneller Bauart: Stabil, gut verarbeitet, sicher, langlebig, aber halt auch ein bisschen bieder. Die B-Klasse kommt auch in ihrer Elektroversion nicht so richtig vom Rentnerimage

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


AUTOTEST

weg. Im Großen und Ganzen ist der Innenraum ja auch nicht von seinem benzinmotorisierten Bruder zu unterscheiden, nur fehlen wegen des Platzbedarfs für die Batterie die längsverschiebbare Rückbank und die Liegefunktion beim Beifahrersitz. Außerdem ist das ganze Fahrzeug 4 Zentimeter höher. Das erleichtert noch einmal den Einstieg, und in Kombination mit dem Elektromotor fühlt sich die B-Klasse dann auch manchmal so an wie ein Luxus-Rollstuhl für gefühlte oder angehende Senioren, und das ist durchaus positiv gemeint. Weil die Automatikschaltung auch noch rechts am Lenkrad angebracht ist, kann man auch immer beide Hände am Lenkrad lassen. Wobei Schalten beim Elektroauto ja ohnehin eine andere Bedeutung hat.

TECHNISCHE DATEN

Mercedes B-Klasse ED Verbrauch

im Durchschnitt 16,6 kWh/100 Km

Hubraum

entfällt

Leistung kW/PS

65 kW/88 PS bis maximal 132 kW/180 PS

Fahrleistungen

Höchstgeschwindigkeit 160 km/h 7,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Preis

Standardmodell ab 39.151,00 Euro

Die getestete Version in Zirrusweiß und der Ausstattungslinie Style hatte übrigens noch das Ausstattungspaket Range Plus mit an Bord, also eine kleine Reichweitenerweiterung, getönte Scheiben und eine beheizte Frontscheibe. Auch ein Tempomat, ein Totwinkel Assistent und ein Park Assistent fahren immer mit. Da landet man dann bei einem Neuwagen schon deutlich über 40 000 Euro. Das muss man einem das gute Gefühl dann schon wert sein, wenn man nicht mehr fahren, sondern schweben möchte oder besser, wie Elektromobilisten sagen, „segeln“. Von Wolfram Hegen mit Fotos von Sebastian Buff

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

75


ADVERTORIAL

Noch sind die Erinnerungen frisch an den Open-air-Sommer auf dem Coburger Schlossplatz in diesem Jahr, da lohnt sich schon ein Blick auf den August 2016. Der Veranstaltungsservice Bamberg hat es wieder geschafft, drei absolute Topstars in die Vestestadt zu holen.

SARAH CONNOR - DAS COMEBACK Es hat über 5 Jahre gedauert, aber jetzt ist sie mit einem Paukenschlag zurück. Mit ihrem ersten deutschsprachigen Album „Muttersprache“ liefert Sarah Connor die musikalische Überraschung des Jahres. In der ersten Woche schaffte es ihr neues Album „Muttersprache“ direkt auf Platz 1 der Offiziellen Deutschen Albumcharts und erreichte nach wenigen Tagen Goldstatus. Im Herbst 2015 ging Sarah Connor mit ihrer renommierten Live-Band endlich wieder auf Deutschlandtournee. Aufgrund der großen Nachfrage wird sie ihre Tournee 2016 fortsetzen. Unter anderem auch in Coburg. Am Freitag, den 12. August um 20 Uhr gastiert sie auf dem Schlossplatz.

Sarah Connor

UNHEILIG – EIN LETZTES MAL Der Graf geht das letzte Mal auf Tour. Am 13. August 2016 um 20 Uhr macht er dabei Station auf dem Coburger Schlossplatz. Dann können sich der Ausnahmekünstler und seine Fans gebührend voneinander verabschieden. Ein letztes Mal darf nochmals ausgelassen gefeiert werden. Ein letztes Mal wird Der Graf mit seiner markanten Stimme eine energiegeladene Show präsentieren. Ein letztes Mal wird Der Graf sagen: Dankeschön! Das war UNHEILIG.

CRO - UNPLUGGED

Unheilig

Nach der sehr erfolgreichen Mello Tour mit über 200.000 Besuchern und zahlreichen Festivals geht CRO 2016 mit seiner MTV Unplugged Platte und großem Orchester einmalig auf große Open Air Tour. Diese Konzertreise verspricht wieder ein Megaseller zu werden, denn schon Album und DVD waren in den Charts ganz oben. Auch Cro selbst freut sich: „Wir spielen lauter verrückte und schöne Locations, wo wir vorher noch nie gespielt haben.“ Na, dann herzlich willkommen in Coburg am 14. August 2016 ab 19:30 Uhr.

Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, telefonisch unter 0951-23837 oder online unter www.eventim.de.

78

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

Cro - Unplugged

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


IMPRESSUM

IMPRE SSUM

Coburger – Das Magazin Ausgabe 12/Herbst 2015 Dritter Jahrgang Erscheinungsweise viermal jährlich Auflage 3500 Stück www.coburgermagazin.de Verlag: Das Magazin Verlagsgesellschaft UG (haftungsbeschränkt) Bockenheimer Landstr. 108 60323 Frankfurt am Main Telefon: 01523.404.3021 info@das-magazin-verlag.de Herausgeber: Peter Einheuser und Wolfram Hegen Chefredakteur: Wolfram Hegen Stv. Chefredakteur: Peter Einheuser redaktion@das-magazin-verlag.de Weitere Autoren dieser Ausgabe: Wolfram Porr Heidi Schulz-Scheidt Frederik Leberle Cornelia Stegner Fotografen dieser Ausgabe: Sebastion Buff Henning Rosenbusch

WIR SIND COBURGER | DA S M AG A ZIN

Wolfram Hegen

Herausgeber und Chefredakteur

Heidi Schulz-Scheidt

Peter Einheuser Herausgeber und stv. Chefredakteur

Wolfram Porr

Freie Mitarbeiterin und Lehrerin

Freier Mitarbeiter und Journalist

Martin Settele

Frederik Leberle

Sebastian Buff

Henning Rosenbusch

Fotograf und freier Mitarbeiter

Fotograf und freier Mitarbeiter

Schauspieler und Freie Mitarbeiter

Fotograf und freier Mitarbeiter

Val Thoermer

Fotograf und freier Mitarbeiter

Illustrationen / Cartoons: Peter Einheuser Layout / Grafik / Gestaltung / Blatt Peter Einheuser Anzeigengestaltung: einheuser.ardis&friends, Frankfurt Anzeigenvertrieb: anzeigen@das-magazin-verlag.de Telefon: 01523.404.3021

Es gilt die Anzeigenpreisliste 01/2015 Druck: Louis Hoffmann Druck- u. Verlagshaus GmbH 96242 Sonnefeld/Coburg Preis: 4 € inkl. 7% MwSt., Briefe an die Redaktion: briefe@das-magazin-verlag.de

Johanna Springer ist mal wieder bei uns. Nachdem sie bereits mit dem Titel unserer Ausgabe 4 den Bahnfahrern viel Geduld bescheinigte, stellt sie jetzt Illustrationen aus ihrem Portfolio vor. Inzwischen lebt Johanna in Hamburg und arbeitet dort als Illustratorin.

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

79


MONACO FRANKE

DER MONACO FRANKE NEUES AUS DER HAUPTSTADT Ganz ehrlich? Der Monaco ist sauer oder eher so a weng durcheinander, zwiegeschbaldn halt! Die letzten Monate mit den zum Teil unsäglichen rechten, rassistischen, volksverhetzenden Äußerungen irgendwelcher Gscheidhaferla einerseits und der unglaublichen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung andererseits können einen schon fuxdeufelswild werden lassen. Zuletzt bedauerte in Dresden sogar ein Schriftsteller, also ein Künstler (!), und noch dazu einer mit eigenem Migrationshintergrund, dass die KZs ja derzeit „leider nicht mehr in Betrieb“ seien. Iech glabb, der hod a bissala zu viel vo dem Katzenfudder vo sei’m Felidae erwischt! Da bleibt dem Monaco nicht viel mehr übrig als – tschuldichung – a großes Aamerla oder wenigstens des Näpfla von seiner Katz zu holen und ordentlich neizuschbei’n!

in Münchner Wirtshäusern gehört „do schleichst di, des is der Platz von XY“. Oder auch: „Hamses etzad amoi? Ich hob ned ewig Zeit!“ Umso erstaunlicher ist das, was seit ein paar Wochen am Münchner Hauptbahnhof passiert. Mit einer so noch nicht gekannten Herzlichkeit kümmern sich Münchnerinnen und Münchner um Flüchtlinge, helfen, spenden, spendieren oder haben einfach nur ein Lächeln oder ein gutes Wort parat. Einige von denen, die sonst überall ihr Gesicht in die Kameras halten, haben sich hier nicht blicken lassen, sondern stattdessen lieber Stammtischparolen (“Wir sind nicht das Sozialamt der Welt“ gehört noch zu den harmloseren) zum Besten gegeben, um auf dem Rücken und zu Lasten der

fliegenden Bimberlaswichtichs wirklich ticken, der muss nur mal eine Festnahme miterlebt haben: Im Polizeigriff (also im wörtlichen Sinne „im Handumdrehen“) wird die Neonazi-Glatze ganz schnell zum Greinmeicherla, der nach dem Rechtsstaat schreit, den er gerade noch abschaffen wollte! Da muss gleich nochmal des Aamerla herhalten! Ach und eins noch: Was den Monaco auch noch sauer macht, ist diese Ignoranz, die ganze Teile der Gesellschaft durchzieht. Die große Mehrheit schweigt. So lange wir in diesen Tagen allen Ernstes darüber diskutieren, ob wir künftig auch am Sonntag bis 24 Uhr shoppen können oder wann endlich die neuen Facebook-Emoticons freigeschaltet werden, so lange

Ja, da kann sogar der Monaco mal ernst und grantig werden bei so viel verbalem Dünnpfiff, der von irgendwelchen Bimberlas auf Pegida-Demos, in Internetforen oder diversen Talkshows abgelassen wird. Jeder, der sich Demokrat nennt, muss diesem geistigen Sondermüll etwas entgegensetzen. Ich sowieso, denn ich trage das Integrative schließlich schon in meinem Namen: „Monaco Franke“. Ich bin sozusagen die Fleisch und Wort gewordene Verbrüderung, der Beweis, dass zwei Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, trotzdem harmonieren können! Gut, ich habe als Oberfranke kein Visum und auch kein Notaufnahmelager gebraucht, als ich seinerzeit vor mehr als zwei Jahrzehnten das „Zonenrandgebiet“ verlassen und mich in der Landeshauptstadt angesiedelt habe. Aber ich weiß, es gibt Leute in Franken, und gar nicht mal so wenige, die einem für diesen Schritt mindestens den Bayerischen Verdienstorden oder wenigstens eine Tapferkeitsmedaille verleihen würden. Als Franke, das stimmt schon, braucht man seine Zeit, bis man mit München und Oberbayern halbwegs warm wird. Anders als wir, die Fremden gegenüber eher so ein bisschen muffig sind, besticht ein echtes Münchner Kindl, egal ob männlich oder weiblich, durch seine Direktheit. Das kommt schnell als arrogant und unfreundlich rüber. Ein Wesenszug, auf den die Leute durchaus stolz sind und den sie entsprechend pflegen. Als Tourist kann man noch darüber hinwegsehen. Als Zugezogener muss man lernen, damit umzugehen. Denn zu spüren bekommt man das überall, sogar im Gasthaus. Wie sagte ein Kollege aus München mal zu mir? „Wann’st in Minga in der Wirtschaft hockst und die Bedienung is fraindlich, nochad kannst dei Geld zurückverlanga!“ Zu den am meisten gehörten Sätzen

80

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

Cartoon: Peter Einheuser. 2015

Flüchtlinge Wahlkampf zu betreiben. ganz ehrlich? Bei aller Bitterkeit und Monaco zum allerersten Mal stolz auf und stolz darauf, irgendwie einer von wenn auch nur als „Zug’roaster“!

Schäbig. Aber Prass war der die Münchner ihnen zu sein,

Leider hält die Freude über so viel Engagement und Mitmenschlichkeit nie lange an. Direkt vor unserer Haustür, in Bamberg, wollten im Oktober ein paar Rechtsextreme Anschläge auf zwei Asylbewerberunterkünfte verüben, wurden aber rechtzeitig festgenommen. Wer wissen will, wie die Rednerpultpolterer und die in den Hinterzimmern ihrer rechtsextremen Gruppierungen agierenden, geistig tief

es unser größtes Bestreben ist, so auszusehen wie Gigi Hadid oder Khloe Kardashian und uns die Frage umtreibt, wo wir die coole Basecap herbekommen, die Mark Foster immer trägt, oder wie wir unseren HipsterSalafistenbart pflegen, so lange haben wir keine echten Probleme! Also amüsieren wir uns weiter, machen uns über die naiven „Gutmenschen“ lustig, die ihren Mund aufmachen, sich politisch engagieren und etwas riskieren, und schauen weiter auf unser Smartphone, unseren besten Freund, whatsappen oder daddeln, ohne aufzusehen. Und die Freundin ist plötzlich nicht mehr Manuel Neuer, und Guido singt dazu den BratmaxeSong! Schätzla, schau wie iech schau!

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


AUF EIN WORT

Gutmenschen und Monster. Gastbeitrag von Hans G. Tanner Wir sind Gutmenschen und Monster, wenn die nimmermüde Berichterstattung in ARD und ZDF recht hat. Auf der einen Seite die Guten, die sich bis zur Erschöpfung für die Flüchtlinge aufopfern und aus eigenem Portmonee Lebensmittel kaufen und verteilen. Auf der anderen Seite die PEGIDA-Marschierer und Facebook-Hetzer mit ihrem dunkelbraunen Rand der Brandstifter und Morddroher. Dazwischen eine geteilte schweigende Masse, diejenige, die entweder mitleidet und Merkel stützt oder die, denen das Fremde zu viel ist und die ihr Leben in diesem Land davon schwimmen sieht. Zu den Vorsprechern beider gehören in diesen Tagen erstaunlich wenig Politiker, da es wenig zu ernten gibt. Hier Merkel und ein wenig Gabriel, dort die AFD und da ein paar Grüne. Und mittendrin irgendwo noch Horsti Seehofer. Und in Deckung all jene, die sonst nicht laut genug sein können und mit immer neuen Ideen die Politwelt und das Volk beglücken. Nur stellvertretend für viele andere steht Andrea Nahles, der es auch bei „Flüchtlingspraktikanten“ erst mal um den Mindestlohn geht. Hilfreich die wenigsten. Überfordert hingegen alle. Die lokalen Politiker „an der Front“ reden anders. Sie versuchen über Wasser zu bleiben und den hunderttausenden Menschen ohne hiesige Sprache und vielfach auch ohne Lesekenntnisse gegen Hunger, Kälte und Nässe zu helfen. Boris Palmer, grüner Oberbürgermeister aus Tübingen, ist einer von ihnen und wird von seiner Partei gescholten, weil er nicht ins Konzept passt. Parteiprogramme passen aber gerade gar nicht. Weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Dazwischen die, um die es geht. Sie kommen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Pakistan und aus Albanien. Die einen fliehen um ihr nacktes Leben, die anderen, weil das eigene Land zu rückständig ist. Alle suchen eine neue Zukunft und erträumen sich eine deutsche Lebenswelt, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Ein Teil darf bleiben, der größte Teil nicht. So sagt unser Grundrecht. Und das ist so in Ordnung. Ein viel größerer Teil darf nicht und kommt trotzdem, weil er auf eine Duldung hofft, die es jetzt nicht mehr geben kann. Auch nicht in Nordrhein-Westfalen, wo das neue Asylgesetz schon wieder umgangen werden soll. Ja nach politischem Standpunkt kommen syrische Ärzte oder Sozialschmarotzer mit Sympathien für den Islamischen Staat. Beides ist falsch. Die Masse der Flüchtlinge ist weder das eine noch das andere. Mit denen, die bleiben, werden wir künftig umgehen. Sie sind Mitmenschen und werden Mitbürger. Dabei ist unter allen zu lösenden Problemen das der fehlenden Wohnungen noch eines der kleineren. Schwieriger ist die Integration in unser Rechts- und Wertesystem. Staat über Religion, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, das Recht auf freie Meinungsäußerung inklusive Mohammed-Karikaturen sind nur einige unverrückbare Regeln, die man nicht mögen aber akzeptieren und leben muss, um bei uns bleiben zu können. Auf jeden, der jetzt bleibt, werden im Rahmen der Familienzusammenführung noch mehrfach andere kommen. Wer Parallelgesellschaften und No-Go-Areas wie in Frankreich vermeiden will, muss mehr tun, als Häuser bauen. Hier sind wir alle gefragt. Gutmenschentum hier und Hetze dort bringen uns nicht weiter. Eine helfende Hand beim Weg in unsere Lebensart und Wertbegriffe ist so wichtig, wie der Respekt vor mitgebrachter Kultur. Aber auch eine klare Kante bei Regelverletzungen. Wir können es schaffen, dass die kommenden Generationen der Neubürger integrierte deutsche Europäer werden. Alle anderen sind uns nicht willkommen. An dieser Stelle laden wir Coburger und Nicht-Coburger, Zu- oder Abgereiste herzlich ein, ihre Meinung kundzutun. Hier in unserem Magazin. Wenn Sie etwas zu sagen haben, sprechen Sie uns an.

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16

COBURGER | DAS MAGAZIN

81


Coburger | Das Magazin erscheint wieder im Dezember 2015. Anzeigenschluss ist der 3. Dezember 2015

ALLES KANN GEREGELT WERDEN

Kaum noch „Nicht-Beamte“ im Parlament

HAU AB.

...UND DAS ZUM SCHLUSS „Eine Satire, die der Zensor versteht, wird mit Recht verboten...!“ Karl Kraus

„Leute sagen, Satire sei tot. Sie ist nicht tot. Sie lebt im Weißen Haus“ Robin Williams

“Dummköpfe sind mein Thema. Lass Satire mein Lied sein” Lord Byron

„Satire is a sort of glass, wherein beholders do generally discover everybody‘s face but their own.“ Jonathan Swift

„Jede Nation spottet über die andere, und alle haben recht.“ Arthur Schopenhauer

82

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

AUSGABE 13 / WINTER 2015/16


In der Zeit, in der Sie eine Tasse Kaffee trinken,...

...könnten Sie auch eine Online-Überweisung ausführen. Zum Beispiel an die Deutsche KinderKrebshilfe. Das Konto finden Sie etwas weiter unten. Und sollten Sie Morgen den ersten Menschen, dem Sie auf der Straße begegnen, anlächeln, dann haben Sie gleich zwei schöne Tage hintereinander. Kreissparkasse Köln - Spendenkonto DE65 3705 0299 0000 9191 91 BIC COKSDE 33XXX Stichwort „KinderKrebshilfe“ Eine kleine Erinnerung von COBURGER - Das Magazin.


Wann ist ein Geldinstitut gut für die Region? Wenn es für die Region und die Menschen in der Region da ist. Als Partner in Sachen Finanzen und mit sozialem und gesellschaftlichem Engagement.  Sparkasse Coburg - Lichtenfels


Coburger - Das Magazin #11