DAS MITARBEITENDEN-MAGAZIN DER CKW-GRUPPE
BLITZ 243 | August 2020
CORONA-PANDEMIE HERAUSFORDERUNGEN UND CHANCEN
INHALT
14
S TAHLMANGEL UND EIN BISSCHEN HEIMWEH Zusätzliche Herausforderungen für Kraftwerksprojekte während der Corona-Pandemie
14
SCHWERPUNKT Die Corona-Krise als Heraus forderung und Chance
18
D IE WELT UM UNS DREHT SICH SCHNELL
10
Barbara Belser erzählt über ihr erstes Halbjahr bei CKW
CORONA-KRISE UND DIGITALISIERUNG Stefan Metzger erklärt, wie sich die Corona-Krise auf die Digitalisierung auswirkt
16
MEIN ARBEITSPLATZ Am 16. März war dieser Arbeitsplatz auf einen Schlag verschwunden
Das Mitarbeitenden-Magazin der CKW-Gruppe Impressum Redaktionsteam Robert Keller (Redaktionsleitung), Nadia Auf der Maur, Monika Pellegrini, Othmar Bertolosi, hellermeier Luzern Redaktionsadresse Robert Keller CKW, Postfach, 6002 Luzern robert.keller@ckw.ch Telefon 041 249 53 60
Kontakt CKW Robert Keller robert.keller@ckw.ch Telefon 041 249 53 60 Kontakt EWA Othmar Bertolosi othmar.bertolosi@ewa.ch Telefon 041 875 08 07 Kontakt EWS Nadia Auf der Maur nadia.aufdermaur@ews.ch Telefon 041 818 33 11 Kontakt SEM Monika Pellegrini monika.pellegrini@steiner-energie.ch Telefon 041 499 91 02
Auf dem Titelbild Mit vereinten Kräften durch die Corona-Krise
Gestaltung www.hellermeier.ch 6002 Luzern
CKW Leo Pfrunder (Leitender Monteur), Ruedi Schillig (Fachteamleiter) Martin Annen (Monteur)
Druck beagdruck 6006 Luzern
EWS Monica Cabral (Sachbearbeiterin Installationen) EWA Cornelia Gisler (Stv. Leiterin ElektroShop) und Shanice Toggen burger (Lernende)
Nächster Redaktionsschluss 10. Oktober 2020 Nachdruck mit Quellenangabe gestattet.
CORONA-PANDEMIE – HERAUSFORDERUNG UND CHANCE ZUGLEICH Der neueste «Blitz» fällt in eine Zeit, in der sich viele von uns fragen, wann wir wieder normal leben können. Oder wird es vielleicht niemals mehr so sein wie vor Ausbruch des Coronavirus? Ist die Covid-19Pandemie sogar ein historischer Moment? Manche Wissenschaftler sprechen von einer Tiefenkrise – einer Zeit, in welcher sich die «Richtung der Zukunft» ändert. Birgt die Corona-Krise auch Chancen? Vielleicht lernen wir, wieder richtig miteinander zu kommunizieren und uns nicht mehr hinter einer WhatsApp-Nachricht zu verstecken. Wir hören einander wieder besser zu. Wir nehmen uns mehr Zeit für die gegenseitigen Bedürfnisse. Vielleicht beschleunigt das Virus sogar die eine oder andere Veränderung, die wir uns schon lange vorgenommen haben. Wie steht es um die Digitalisierung der Geschäftsprozesse? Wie ist das nochmals mit der Lebensbalance und der Zeit für die persönliche Weiterentwicklung? Wer weiss, vielleicht bleibt das eine oder andere «neue» Verhalten sogar über die aktuelle Corona-Phase hinweg bestehen. In dieser Ausgabe befassen wir uns mit der Frage nach den Konsequenzen und Chancen der Corona-Pandemie. Mitarbeitende der CKW-Gruppe berichten über ihre Erfahrungen und Erlebnisse während des Lockdowns. Stefan Metzger, Chief Digital Officer der Stadt Luzern, erklärt im Interview, wie CKW den durch die CoronaKrise ausgelösten Digitalisierungsschub nutzen kann. Die aktuelle Situation erfordert von uns Mitarbeitenden ein ausge prägtes Leadership-Verhalten. Nehmen wir diese Vorbildfunktion überzeugend wahr, so entwickeln sich das gegenseitige Vertrauen sowie die Wertschätzung und Loyalität untereinander. Dies wirkt sich positiv auf unsere Einstellung und Leistungsbereitschaft für das Unternehmen CKW aus. Trotz der Ungewissheit und der Einschränkungen betrachten viele den «Wendepunkt Corona» auch als Chance. Wir freuen uns, wenn die Lektüre bei dir die Zuversicht weckt, dass wir mit vereinten Kräften gestärkt aus dieser globalen Krise finden.
Röbi Keller
« DAS IST KEIN 100METER-LAUF, SONDERN EIN MARATHON.» Bundesrat Alain Berset appelliert im Kampf gegen das Coronavirus an die Bevölkerung.
4
Schwerpunkt
DIE CORONA-KRISE ALS HERAUSFORDERUNG UND CHANCE Das Jahr 2020 markiert eine Zäsur. Der Ausbruch der CoronaPandemie hat unser Leben innerhalb weniger Wochen verändert. Selbst wenn wir das Glück haben, vom Virus verschont zu bleiben. Wir gewöhnen uns an Social Distancing, verzichten auf Reisen und arbeiten im Home-Office. Wie erleben die Mitarbeitenden der CKW-Gruppe die Corona-Zeit? Birgt die globale Gesundheitskrise neben den vielen Herausforderungen auch neue Chancen?
AUS DER CORONA-ZEIT DAS POSITIVE MITNEHMEN Wenn die Krise abklingt und langsam die Normalität einkehrt, kommen die Fragen auf, wie man jetzt weitermachen soll. Die Corona-Zeit ist zwar noch nicht vorbei. Aber die Krise dominiert nicht mehr alles andere. Allerdings ist vieles immer noch nicht so, wie es war. Und einiges wird auch nie mehr so sein wie vor dem Ausbruch der Krise. Als ich mir zur Frage «Was nehme ich Positives mit aus der Corona-Zeit?» Gedanken machte, wurde mir bewusst, dass das Übermass in unserer Gesellschaft etwas Ungesundes an sich hat. Viele von uns erlebten ein Übermass an Stress, an Ablenkung, an Alternativen, an Überschwänglichem – zum Beispiel die obligaten drei Küsschen zur Begrüssung und Verabschiedung von Menschen, die einem gar nie so nahe gewesen sind. Auch die übermässig vielen Stunden, die ich mit meinen Liebsten verbrachte, weil das Homeschooling und das Home-Office eingeführt wurden, waren nicht nur eine positive Erfahrung. So sehr ich diese Zeit auch genoss.
Die Gefahr besteht, dass wir bald wieder in den alten Trott zurückfallen und nach der Rückkehr in die Normalität, wenn sie denn wieder ganz zurückkommt, erst recht das Übermass geniessen wollen. Quasi als Kompensation für die Entbehrungen, die man während des Lockdowns hinnehmen musste. Zweifelsohne werden die einschneidenden wirtschaftlichen Konsequenzen aus der Corona-Zeit dafür sorgen, dass wir massvoller leben. Es folgt die Zeit der neuen Normalität. Die neue Normalität kann sein, dass man auf Flugreisen verzichtet oder nicht mehr jede Kulturveranstaltung besucht. Nicht zuletzt, weil die Stimmung in einem Konzertsaal, wo nur jeder zweite Stuhl besetzt ist, weniger attraktiv ist. Während des Lockdowns hat die Dimension Zeit eine ganz neue Bedeutung bekommen. Die Agenda war plötzlich leer, kaum ein Termin stand mehr drin. Während wir alle «aus der Zeit fielen», wurde uns bewusst, dass die Wahrnehmung der Dimension Zeit weniger von der Aktivität als von der Qualität abhängt. Die Entzugserscheinungen von den gewohnten Aktivitäten waren heftig. Eine vollständige Abstinenz ist sicherlich in Zukunft keine Lösung. Die innere Unruhe, die sich bei manchem von uns während des Entzugs einstellte, können wir aber für das Setzen neuer Prioritäten nutzen. Grundsätzlich das Leben umkrempeln werden wir nicht, ausser wir sind dazu gezwungen. Durch den Verzicht auf Ablenkung wird aber das eigene Wirken spürbarer. Bekanntlich ist es einfacher, einer Verlockung ganz zu widerstehen als masszuhalten. Die in den letzten Wochen und Monaten nötig gewordene Eigenverantwortung wird noch eine ganze Weile andauern. Dadurch wird es für uns alle etwas einfacher, uns massvoller zu verhalten. Röbi Keller, CKW
Schwerpunkt
5
WAS NEHMEN WIR MIT IN DIE NEUE NORMALITÄT? In den letzten Wochen und Monaten haben wir eine ausserordentliche Situation erlebt, die aussergewöhnliche Massnahmen erforderte. Nach dem Motto «Corona machts nötig/möglich» wurde unser Alltag auf den Kopf gestellt. Was nehmen wir aus der Corona-Krise mit? Welche Lockdown-Erfahrungen haben das Potenzial, zu einem festen Bestandteil der neuen Normalität zu werden?
NEUE NORMALITÄT Ich erhoffe mir, dass das Home-Office ein fester Bestandteil der «neuen Normalität» wird. Selbstverständlich wird es immer Dinge geben, die man besser «face to face» besprechen kann. Genauso wie man einen spontanen Schwatz mit den Büro-Gspändli lieber an der Kaffeemaschine und nicht via Laptop macht. Aber das Home-Office eignet sich dann, wenn man sich zurückziehen möchte, um ungestört zu arbeiten. Es ermöglicht auch mehr Flexibilität, wenn man Berufliches und Privates unter einen Hut bringen möchte, weil die wegfallende Pendlerzeit sinnvoller genutzt werden kann. Deshalb wünsche ich mir einen guten Mix aus Home-Office und Office für die «neue Normalität». Yvonne Ruckli, Senior Project Manager CKW
UND ES GEHT DOCH! ABER IRGENDWANN IST DER SPECK WEG. Viele von uns hier und in der ganzen Welt arbeiteten von einem Tag auf den anderen im Home-Office – und haben gemerkt, dass es auch so gutgeht. Einige Wochen, vielleicht Monate ohne die sozialen Kontakte können ganz gut gehen – man kann ja noch vom «Sozial-Speck» zehren. Aber dann merkt man, dass die Kontakte wieder gelebt und gepflegt werden sollten, um weiterhin produktiv arbeiten zu können. Allein kann ich gut arbeiten, zusammen aber Grosses leisten. Darum: TeilHome-Office ist perfekt. Marcel Reichmuth, Leiter Energiewirtschaft EWS
ES IST NICHT IMMER ALLES SO WICHTIG. Viele Sitzungen und Termine mussten abgesagt oder via TEAMS durchgeführt werden. Somit mussten die Sitzungen gut vorbereitet sein und die Disziplin der Teilnehmenden wurde automatisch geregelt, weil keine Diskussionen, in denen alle gleichzeitig sprechen, möglich waren. Es gab keine Fahrten von A nach B und Belangloses wurde ersatzlos gestrichen. Diese neue Effizienz möchte ich definitiv mitnehmen. Lukas Niederberger, Leiter Betriebliche Sicherheit CKW
6
Schwerpunkt
IN DER LAGE SEIN, SELBST DRASTISCHE ÄNDERUNGEN IN KURZER ZEIT UMZUSETZEN. Die Corona-Pandemie hat meiner Meinung nach gezeigt, dass wir in der Lage sind, selbst drastischste Änderungen in kürzester Zeit umzusetzen – wenn wir wollen. Das gilt für das gesellschaftliche Leben, aber auch für die Arbeit. Das Umschalten von der Normalität an unseren gewohnten Arbeitsplätzen auf Home-Office beispielsweise ging bemerkenswert schnell und effizient über die Bühne. Corona hat auch polarisiert: Auf der einen Seite ist der Wunsch nach «Normalität» da, auf der anderen Seite hat die Ruhe auch Raum gelassen, um darüber nachzudenken, was an dieser «Normalität» nicht so gut ist. Und wie wertvoll Selbstverständliches wie persönliche Begegnungen plötzlich wird. Das Fokussieren auf das Wichtige und das Bewusstsein, dass wir viel ändern und bewegen können, können wir auch in unseren Alltag mitnehmen. Othmar Bertolosi, Kommunikationsbeauftragter EWA
MAL IM BÜRO, MAL IM HOME-OFFICE Während mir die Corona-Pandemie einerseits Lebensqualität geraubt hat, hat sie mir andererseits auch Lebensqualität geschenkt. Die Zwangsumstellung auf das Home-Office war für mich eine durchwegs erfreuliche Erfahrung. Ich war sehr positiv überrascht, aber auch beeindruckt, wie gut und reibungslos alles geklappt hat. Home-Office kann für mich gerne Teil meines Arbeitslebens werden – ohne persönliche Treffen im Büro auszuschliessen. Ich wünsche mir, dass es in der Gesamtheit eine neue Flexibilität des Arbeitens geben wird. Mal im Büro, mal im Home-Office. Allein der dadurch reduzierte Pendel- und Berufsverkehr wird es uns allen danken. Markus Emmenegger, Leiter Energiemanagement Prosumer CKW
KRISEN ALS CHANCEN ERKENNEN Jede Krise bietet nebst den Herausforderungen immer auch Chancen. So haben wir im Bereich der Solaranlagen eine massive Steigerung der Anfragen zu verzeichnen. In dieser ausserordentlichen Zeit zeigte sich, dass die Teambesprechungen mittels elektronischer Kommunikationsmittel perfekt klappen. Dadurch fallen Leerzeiten weg. Mit der Zeitersparnis werden die Produktivität und die Effizienz gesteigert. Adrian Scherer, Leiter Energietechnik CKW
GL-Kolumne
7
KOMMENTAR
ARBEITEN IM AUSNAHMEZUSTAND
WIR SIND GEWOHNT, MIT KRISEN (STÖRUNGEN) UMZUGEHEN. Das hat uns geholfen, auch diese ausserordentliche Situation ruhig und überlegt anzugehen und zu meistern. Deshalb wollen wir auch künftig am Thema bleiben und unsere Fähigkeiten im Umgang mit Ausserordentlichem erhalten und punktuell stärken. Wir haben erfahren, dass persönliche Präsenz oft ein Vorteil ist, aber nicht immer einen effektiven Mehrwert bringt. Wir wollen lernen, wo dieser Mehrwert gegeben ist und wo es sich lohnt, den Mehraufwand für persönliche Präsenz zu leisten. Gut strukturierte Entscheidungsbesprechungen oder Informations sitzungen lassen sich ohne wesentliche Einschränkungen auf MS TEAMS erledigen. Dies wollen wir künftig vermehrt nutzen. Die eingesparte Zeit investieren wir in wichtige Themen (Sicherheit, Zukunftsfähigkeit, in Beziehung bleiben, Veränderungsbereitschaft usw.). Das hilft uns, den vermeintlichen Nachteil von mehreren Standorten in eine Chance umzuwandeln. Ich persönlich werde weniger für kurze Besprechungen nach Rathausen fahren. Das schont die Umwelt, meine Nerven und erhöht meine Effizienz. Peter Imfeld, Leiter Netzservices CKW
Der Ausbruch des Coronavirus hat unser Leben grund legend verändert. Der Arbeitsalltag musste von einem Tag auf den anderen den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Unsere Bewegungsfreiheit wurde während Monaten massiv eingeschränkt. Als Folge des weltweiten Corona-Lockdowns kämpfen Gewerbe und Industrie mit einer Absatzflaute. Staatsschulden und Arbeitslosigkeit steigen rasant an. Wir alle sind von dieser ausserordentlichen Situation betroffen. Als systemrelevantes Unternehmen sind wir gefordert, auch unter erschwerten Umständen die Stromver sorgung sicherzustellen und im Ereignisfall rasch zu reagieren. Deshalb haben wir eine Reihe von Vorsichtsmassnahmen ergriffen, die unsere Mitarbeitenden vor einer Ansteckung schützen. Unser NetzbauTeam wurde in Gruppen aufgeteilt, um das Risiko einer gegenseitigen Ansteckung zu minimieren. Büroarbeitskräfte arbeiteten während des Lockdowns grösstenteils im Home-Office. Mit grosser Erleichterung habe ich im Juni die Lockerung der Massnahmen aufgenommen. Tiefe Ansteckungsraten führen zu einer schrittweisen Normalisierung der Lage. Mit der gebotenen Vorsicht können wir uns wieder freier bewegen. Allerdings ist die Gefahr nicht gebannt, solange Impfstoffe und Medikamente zur Bekämpfung des Virus fehlen. Als Unternehmensleiter sorge ich mich um die Gesundheit der Mitarbeitenden und hoffe, dass wir von einer zweiten Welle verschont bleiben. Ich freue mich aber, interne und externe Kontakte wieder physisch wahrnehmen zu können. Denn obwohl die Digitalisierung in vielen Belangen effiziente und reibungslose Abläufe ermöglicht, sind es die persönlichen Kontakte, welche unseren Alltag entscheidend bereichern. Peter Suter, Vorsitzender der Geschäftsleitung EWS
8
Interview
«DIE WELT UM UNS DREHT SICH SCHNELL» Der Lockdown war auch eine aussergewöhnliche Situation für die neue Personalchefin von CKW. Plötzlich bestimmte die Corona-Krise die Prioritäten im Personalwesen (HR). Barbara Belser erzählt, wie sie das erste Halbjahr bei CKW erlebt hat und in welche Richtung sie das HR bei CKW steuert.
Barbara, du arbeitest seit dem 1. November 2019 bei CKW. Wie war dein Start? Sehr positiv, ich habe mich vom ersten Tag an wohlgefühlt bei CKW. In den ersten Wochen konnte ich sehr viele Mitarbeitende kennenlernen und erste Kontakte knüpfen. Corona hat mir dann leider einen Strich durch die Rechnung gemacht und mir die Möglichkeit genommen, möglichst viele Mitarbeitende zu treffen und andere Standorte zu besuchen. Dies werde ich Schritt für Schritt nachholen. Hat dich in den ersten Monaten etwas überrascht? Vieles hat mich überrascht und vieles hat mich sehr beeindruckt. Ganz besonders aufgefallen sind mir die hohe Identifikation mit CKW und der Stolz, die Freude und das Herzblut, das man spürt. Das hat mir gezeigt, dass ich am richtigen Ort «gelandet» bin.
Kraftquelle Natur: Beim Wandern schöpft Barbara Belser neue Energie.
Die CKW–Personalchefin ist auch ein Genussmensch.
Interview
9
Welche Chancen und HerausfordeDer Corona-Lockdown war beBarbara Belser rungen siehst du für dein HR-Team stimmt auch für dich überraschend Leiterin Human und für CKW in der aktuellen «neuen und mit viel Arbeit verbunden. Welche Resources CKW Normalität»? Herausforderungen warteten auf dich? Wir haben bewiesen, dass wir mit neuen Corona hat uns wohl alle vorübergehend virtuellen Möglichkeiten der Zusammenarbeit in eine andere (bedrohliche) Welt versetzt. gut umgehen können. Dies bietet Chancen in der FleAnspruchsvoll war die Situation wegen der grossen xibilisierung der Arbeitswelt. Mit dem neuen FlexUngewissheit, der Schnelligkeit der Veränderung und Work@CKW-Modell wird Home-Office auch für HR der Flut der Informationen. ein fester Bestandteil der neuen Normalität werden. Ich betrachte dies als grossen Vorteil für viele MitarWelche Erwartungen hast du an dich, die beitende. Ich bin mir aber auch bewusst, dass flexibles Mitarbeitenden und an die Arbeit? Arbeiten längst nicht für alle Mitarbeitenden möglich Ziemlich hohe und manchmal möchte ich schneller ist. Corona wird uns wahrscheinlich noch für längere vorangehen, als möglich ist, aber ich zwinge mich Zeit begleiten und wir werden uns sehr diszipliniert dann, realistisch zu bleiben. Ich freue mich, wenn wir an die Schutzmassnahmen halten müssen, um Covidim Team dieselben Ziele verfolgen und gemeinsam 19-Erkrankungen im privaten und beruflichen Umfeld etwas bewegen und weiterentwickeln können. möglichst zu vermeiden. Ich hoffe aber sehr, dass Corona uns nicht allzu stark einschränken wird. Es gibt Welche Projekte stehen an und wo setzt du viele andere spannende Herausforderungen, die Schwerpunkte? Momentan steht die Entwicklung der HR-Strategie im unsere volle Aufmerksamkeit brauchen. Die Welt um uns dreht sich schnell und es gibt Einflüsse, die auch Zentrum. Abgeleitet aus der CKW-Strategie werden die Zukunft von CKW betreffen werden. Darauf wir die Stossrichtungen für die nächsten Jahre fest müssen wir uns gut vorbereiten, beweglich bleiben, legen. Die Digitalisierung und Vereinfachung der offen für Neues sein und in Veränderungen immer HR-Prozesse wird eines der wichtigsten Projekte der auch Chancen sehen. Mit diesem Rezept blicke ich kommenden zwei Jahre werden. Daneben gibt es sehr positiv in die Zukunft. andere zentrale Themen, zum Beispiel: Wie bleiben wir für die Mitarbeitenden als Arbeitgeberin attraktiv? Nebst den vielen Aufgaben bei CKW gibt es ja Wie gut gelingt es uns, neue Mitarbeitende für CKW auch das private Leben von Barbara? Wer ist zu begeistern und wie können wir genügend Nacheigentlich der Mensch Barbara Belser. Wie wuchs für die Grundbildung finden? Wir werden bringst du alle deine Aufgaben in Einklang mit uns auch Fragen zur Weiterentwicklung der Unter dem Privaten? nehmenskultur stellen und überlegen, welche neuen Ich bin ein Bewegungsmensch und erhole mich am Kompetenzen wir brauchen, um auch in Zukunft besten in der Natur, sei es beim Wandern, Joggen, erfolgreich zu bleiben. Skifahren oder Segeln. Ich kann mich aber auch gut mit Büchern beschäftigen. Ich habe eine grosse VorUnd wie hast du die Mitarbeitenden in dieser liebe für nordische Autoren und die BüchersammZeit erlebt? Ich habe das Gefühl, dass wir alle in den vergangenen lung wächst und wächst, weil ich mich mit E-Readern noch nicht anfreunden konnte. Der Norden hat es mir Wochen viel gelernt haben. Über uns selbst, über die auch sonst angetan. Mit Mark, meinem Partner, reise Zusammenarbeit, über die Prioritäten im Leben. Es hat sich auch klar gezeigt, dass ein sehr guter Zusam- ich oft und gerne in nordische Länder. Kulinarisch sind diese Reisen aber nicht unbedingt Highlights. menhalt unter den Mitarbeitenden besteht. Das hat geholfen, die Phase des Lockdowns gut zu überstehen. Deshalb zieht es uns regelmässig und gerne auch Richtung Süden, auf Weinreisen nach Italien oder Spanien. Ein guter Wein zu einem guten Essen – das ist Genuss und Erholung pur. Das Interview führte Röbi Keller, CKW
10
Interview
CORONA-KRISE UND DIGITALISIERUNG Der Chief Digital Officer und Direktor der Digitalabteilung der Stadt Luzern ist für die digitale Transformation der Stadt und ihrer Agglomeration verantwortlich. Stefan Metzger erklärt, wie sich die Corona-Krise auf die Digitalisierung auswirkt und wie CKW den digitalen Wandel nutzen kann.
Kürzlich haben Sie die Leitung der neu geschaffenen städtischen Dienstabteilung Digital übernommen. Der Start war wegen der Corona-Krise ziemlich aussergewöhnlich. Wie haben Sie sich in Luzern eingelebt? Der Einstieg war tatsächlich recht turbulent. Ich hatte das Glück, dass wir die ersten zehn Tage noch im Büro arbeiten konnten. So konnte ich die Teammitglieder persönlich kennenlernen. Anschliessend arbeitete ich wie alle anderen Teammitglieder im Home-Office. Trotzdem gab es die Herausforderung, wie wir den Teamspirit fördern und das Kennenlernen aus Distanz angehen konnten. Es ist uns erstaunlich gut gelungen. Wir haben von Anfang an eingeführt, dass wir jeden Morgen zusammen virtuell Kaffee trinken und so den Austausch und das kurze Update pflegen. Sie haben im Interview mit der «Luzerner Zeitung» gesagt, dass die Gesellschaft bei der Entwicklung der Digitalisierung einen Sprung von zwei bis drei Jahren macht. Was meinen Sie damit? Ich meine damit die Transformation, den Wandel also, der durch die Digitalisierung ausgelöst wird. Die Digitalisierung ist etwas, was bereits läuft. Grundsätzlich bestehen die Werkzeuge. Nur wendet man diese noch nicht durchgängig an. Wir haben uns bis anhin hinter sehr vielen Gründen versteckt, warum zum Beispiel Home-Office nicht oder nur in Ausnahmen gehe. Und jetzt tritt ein Ereignis wie die Corona-Pandemie ein, die uns dazu zwingt. Beim digitalen Wandel braucht vor allem die Sinndiskussion, also das Warum, sehr viel Zeit, meist mehrere Jahre. «Braucht es diese neuen Formen überhaupt? – Es hat doch bisher auch funktioniert ... » Diese Diskussion war nun fast innerhalb einer Woche vom Tisch. Und das ist der Sprung, der Auslöser. Jetzt wird nur noch über das Wie und
Was diskutiert. Aus dem Push-Effekt wurde ein PullEffekt. Der Vorwärtsschub hat nicht unbedingt bei der Technik, sondern in den Köpfen der Mitarbeitenden stattgefunden. Der kulturelle Wandel hat eine unglaubliche Beschleunigung erfahren. Wir sind noch längst nicht am Ende der CoronaKrise. Was bleibt jetzt noch? Das wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen, bei der Diskussion über Fragen wie «Muss ich vor Ort sein?», «Wie viel Home-Office ist möglich oder gewünscht?». Man hat erkannt, dass es viel mehr um den Beitrag der Mitarbeitenden geht als um ihre Anwesenheit im Büro. Wir haben erlebt, wie gut «Work Smart» funktionieren kann und wie der Pendelverkehr dadurch entlastet wird. Doch sollten wir weniger über Home-Office sprechen als über mobiles Arbeiten, damit wir flexibler werden. Ich bin überzeugt, dass ein sehr starkes Umdenken statt findet. Coworking-Spaces und neue Büroformen werden massiv zunehmen. Was wir sicher gelernt haben, ist, dass man nicht immer physisch zusammen sitzen muss, sondern virtuelle Konferenzen sogar die Effizienz der Besprechungen steigern. Macht der Digitalisierungsschub eine Anpassung der Unternehmenskultur nötig? Ja, unbedingt. Die digitale Transformation ist primär ein Kulturwandel. Das hat mit Technik sehr wenig zu tun. Die Technologie ist ein Hilfsmittel oder Werkzeug, das wir brauchen. Aber der Wandel, der stattfindet, muss eng begleitet werden. Das hat sehr viel mit Change-Management und mit Prozessveränderungen zu tun.
Interview
11
Stefan Metzger, Chief Digital Officer (CDO) der Stadt Luzern
«DIE DIGITALE TRANSFORMATION IST PRIMÄR EIN KULTURWANDEL.» Stefan Metzger ist am Bodensee aufgewachsen und wohnt seit 16 Jahren mit seiner Partnerin in Luzern. Der studierte Wirtschaftsingenieur sowie diplomierte Maschineningenieur ist Gründungsmitglied des «Smart City Hub». Der 41-Jährige bewegt sich in der Freizeit gerne in der freien Natur, sei dies beim Wandern, Biken, Segeln oder auf einer Skitour.
Werdegang • Seit März 2020 Chief Digital Officer, Direktor Digitalabteilung, Stadt Luzern • Leiter des «Smart City»-Programms von Swisscom / Senior Vice President Swisscom AG, Unternehmenskunden, Zürich (2018 bis 2020) • Smart City Advisory Board Pictet Asset Management SA, Genf (Teilzeitmandat, seit 2019) • Programmleiter Smart City & Internet der Dinge (IoT) Swiss Post AG, Gruppenentwicklung und Innovation, Bern (2015 bis 2018)
Welche Auswirkungen hat die beschleunigte Entwicklung auf das Kundenverhalten und die Kundenbindung? Grundsätzlich haben die Kunden unabhängig von Corona bereits einen Wandel vollzogen. Bisherige Prozesse wurden digitalisiert und der Kunde hat sich den neuen Instrumenten sehr schnell angepasst. Dadurch ist die Bedeutung des guten, auch persön lichen Kundenkontakts stark gestiegen. Vieles will der Kunde rasch und auf Distanz erledigt haben, doch wenn er wichtige Fragen hat, muss er umso besser begleitet werden. Hier kann man sich als Unternehmen sehr gut positionieren und sich auch von den Mitbewerbern differenzieren. Wenn man als Unternehmen die Beratung gut und professionell macht, kann man die Kundenbindung festigen. Was bedeutet die Digitalisierung für ein Energieversorgungsunternehmen wie CKW? Welchen Chancen und Herausforderungen müssen wir uns stellen? Hier stellt sich die Frage, welche Leistungen CKW in Zukunft in einem vollliberalisierten Markt erbringen wird. Die Strategie «Alles aus einer Hand» mit kompetenten Ansprechpartnern ist sicherlich ein ausgezeichneter Ansatz, um im freien Markt erfolgreich zu sein. Da sich Produkte immer mehr angleichen, wird der Aufbau loyaler Kunden zunehmend wichtig. Die Flexibilität der Mitarbeitenden, auch ausserhalb normaler Arbeitszeiten den Kunden zu beraten, auf seine Fragen einzugehen und diese kompetent zu beantworten, sehe ich als grosse Herausforderung, aber auch als grosse Chance. Die Servicequalität und das Vertrauensverhältnis werden die Schlüssel zum Erfolg sein. Das Interview führten Marcel Schmid und Röbi Keller, CKW
12
CKW-Lifestyle
LIFESTYLE Der Lockdown kam unerwartet und unser Arbeitsalltag veränderte sich drastisch. Schaut man genauer hin, kann man dem verordneten Stillstand viel Positives abgewinnen, wie die folgenden Beispiele zeigen. Jetzt liegt es an uns, was wir für die Zukunft daraus mitnehmen.
WENIGER BERUFSUNFÄLLE Der Lockdown scheint sich auch auf die Arbeitssicher heit positiv ausgewirkt zu haben. So ist die Zahl der Berufsunfälle bei der CKW Gebäudetechnik im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr um 35 Prozent gesunken (2019: 20 Fälle / 2020: 13 Fälle). Bei der CKW AG ist während des Lockdowns sogar kein einziger Berufsunfall passiert (2019: 10 Fälle / 2020: 0 Fälle). Die Vermutung liegt nahe, dass durch die Entschleunigung im Privatleben der Fokus auf die Arbeitssicherheit geschärft war.
Foto: Emma Bauso, pexels.com
Foto: Stanley Nguma, pexels.com
Zusammengestellt von Bettina Putzi, Monika Dängeli und Ueli Bärtschi
WENIGER EMISSIONEN Bis Ende Juni sparten CKW-Mitarbeitende im Home-Office ungefähr 405 kg CO2 pro Person respektive 156 t CO2 insgesamt ein*. Es bräuchte einen beträchtlichen Wald, nämlich 15’600 Bäume, um diese Menge Kohlenstoffdioxid in einem Jahr zu binden. In Autokilometern ausgedrückt, sind es 800’000 km oder 20 Weltumfahrungen, die dank Home-Office wegfielen. Dieses Beispiel zeigt uns: Wenn man mit dem Auto pendeln muss, kann hie und da ein Tag im Home-Office die Umwelt bereits entlasten. *Annahme: rund 480 Mitarbeitende im Home-Office, davon 80 Prozent Autofahrer/innen, durchschnittlicher Arbeitsweg hin und zurück 30 km.
MEHR LEBENSQUALITÄT Während des Lockdowns waren die Mitarbeitenden weniger Risiken im Strassenverkehr ausgesetzt und die Stressbelastung reduzierte sich deutlich. Das bedeutete für die Autofahrer/innen unter uns etwa 70 Stunden weniger Stress und (hoffentlich) mehr Zeit für sich und die Familie. In totalen Zahlen konnten so während des Lockdowns bei CKW gut 27’000 Stunden Pendlerzeit (Auto) eingespart werden, das sind drei volle Jahre. Die Zeit, die wir für den Arbeitsweg im Auto verbringen, läppert sich also ganz schön zusammen.
« kurz & knackig »
13
NEUES STROMZEITALTER AUF DER RIGI Schritt für Schritt wurde die Rigi in den ersten Jahren nach der Gründung von EWS elektrisch erobert. Am 20. Mai 1900 erstrahlte sogar ganz zuoberst, auf Rigi Kulm, das elektrische Licht. 120 Jahre später erobern wir die Rigi erneut und bauen als Ersatz der bestehenden MS-Freileitung Goldau – Vitznau eine rund 13 km lange Kabelleitung quer durch das alpine Gelände der Rigi. Die bautechnischen Herausforderungen sind für EWS gut zu bewältigen. Doch das Plangenehmigungsverfahren stellt uns vor fast unüberwindliche Hürden, denn die Rigi befindet sich im Inventar für schützenswerte Landschaften. Zahlreiche Organisationen wachen mit Argusaugen über jeden Eingriff am Hausberg. Im Sommer 2018 gibt das ESTI dann grünes Licht für den Abschnitt US Goldau – Rigi Klösterli; die Umsetzung des Projekts kann beginnen. Im Wies- und Weideland ab der US Goldau kommen die Bauarbeiter mit dem Bau des Kabelrohrblocks zügig vor an. Beim Holzplatz unterhalb Rigi Dächli auf 750 m ü.M. beginnt eine sehr steile Waldpassage. Hier gilt es Steigungen bis zu 45 Grad und Felspartien zu überwinden. Bevor gegraben werden kann, müssen rund 30 m³ Holz geschlagen werden. Als Schutz gegen Steinschlag werden Palisaden und Netze eingebaut. Der Helikopter bringt alles Baumaterial. Die Baufachleute müssen vorsichtig und immer angeseilt arbeiten. Viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl benötigt auch der Maschinist des Schreitbaggers für die Erdarbeiten. Das Aushubmaterial wird vorsichtig auf den extra errichteten Holzgerüsten deponiert. Als letzte Puzzleteile fehlen noch drei Querungen der Rigi-Aa. Die Bohrungen unter dem Gebirgsbach werden von erfahrenen Spezialisten vorgenommen.
Elektrifizierung des Hotels Rigi Kulm in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Bild Staatsarchiv Schwyz).
Verteilnetzkonzept Rigi Das Konzept sieht den Ausbau und die Erneuerung des Mittelspannungsnetzes im Versorgungsgebiet des Bezirks Gersau, der Gemeinden Vitznau, Weggis, Greppen, der Gebiete der Rigi Süd- und Nordlehne sowie der Rigi-Scheidegg vor. Die im Netzkonzept definierten Massnahmen werden in mehreren Teilprojekten ausgeführt. Das beschriebene Teilprojekt zwischen der US Goldau und der TS Klösterli ist zentral für die Entkopplung der 15-kV-Leitung Rigi von der 50-kV-Leitung welche die US Vitznau als Stich leitung erschliesst. Damit steht in Zukunft bei einem Ausfall der 50-kV-Leitung eine leistungsfähige Redundanz auf der 15-kV-Spannungsebene zur Verfügung. 2016 wurde mit der Umsetzung des Konzepts Rigi begonnen. Bis 2023 werden die Netzbauarbeiten grossmehrheitlich abgeschlossen sein.
Graben öffnen, Rohre verlegen, einbetonieren und wieder eindecken: Damit sich die Bauhandwerker im steilen Hang nicht gegenseitig gefährdeten, mussten alle Arbeitsschritte einzeln und nacheinander erfolgen.
Das Netzbauteam freut sich bereits auf die nicht alltägliche Kabelverlegung im Herbst 2020. Die Mittelspannungskabel werden in mehreren Teillängen von oben nach unten eingezogen und anschliessend mit Muffen verbunden. Mit der Inbetriebsetzung der durchgehenden Kabelleitung US Goldau–Rigi Klösterli wird EWS einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Elektrifizierung unseres Hausbergs erreicht haben. Ralph Föhn, EWS
14
« kurz & knackig »
STAHLMANGEL UND EIN BISSCHEN HEIMWEH Wie steht es um die Stahllieferungen aus Italien? Können die Mineure im Stollenbau zwischendurch trotzdem heim nach Österreich zu ihren Familien? Wo können wir die Turbinenspezialisten aus dem Südtirol unterbringen? Die Corona-Pandemie stellte EWA bei seinen Kraftwerksprojekten vor ganz neue, zusätzliche Herausforderungen. Am Eingang zum Erstfeldertal herrscht emsiger Betrieb. Innerhalb eines Jahres ist hier die neue Kraftwerkszentrale entstanden. Das Logo KW Erstfeldertal ist bereits montiert. Hinten an der Felswand sieht man den Eingang zum Stollen für die Druckleitung. Am 13. März ist der Durchbruch des Stollens gelungen, drei Tage vor dem Inkrafttreten der ausserordentlichen Lage. Projektleiter Manfred Walker ist zufrieden mit dem Stand der Arbeiten: «Wir sind im engen Zeitplan gut unterwegs und gehen mit dem Kraftwerk Ende Jahr ans Netz.» Das ist nicht selbstverständlich, denn die Corona-Pandemie stellte zusätzliche Herausforderungen: «Das fing an mit den Schutzmassnahmen des Bundesamtes für Gesundheit. Und wir haben rasch zu spüren bekommen, dass die internationalen Lieferketten nicht mehr funktionierten.» Sobald die Lager leer waren, fehlte beispielsweise der Baustahl. «Glücklicherweise hatten wir die Druckleitungsrohre bereits bestellt und auch erhalten. Sonst wären wir jetzt bei den Lieferungen hoffnungslos im Rückstand.»
Manfred Walker grüsst im Vorbeigehen einen der Mineure, die den rund einen Kilometer langen Druckleitungs stollen in nur einem Jahr aus dem Felsen gesprengt haben. «Noch wichtiger als das Material sind natürlich die Menschen», erklärt er. «Die Mineure kommen zum grössten Teil aus Österreich. Sie haben darauf verzichtet, ihre Familien daheim zu besuchen, und sind hiergeblieben. Es war einfach zu unsicher, ob sie wieder in die Schweiz hätten zurückkehren können. Ihre Haltung verdient Respekt und Anerkennung.» Ein paar Kilometer weiter produziert das neue Kraftwerk Schächen mit allen drei Maschinen Strom. Ende Juni war hier die Eröffnungsfeier mit einem Tag der offenen Tür geplant. «Das mussten wir auf den 19. September verschieben», erklärt Projektleiter Simon Kempf. «Die Sicherheit steht im Vordergrund.» Die ausserordentliche Lage traf auch das KW Schächen. «Maschine 3 ist bereits seit letztem November in Betrieb. Wir waren mitten in der Inbetriebnahme der beiden anderen Maschinen, als der Lockdown verhängt
« kurz & knackig »
15
Das neue Kraftwerk Schächen produziert nachhaltigen Strom für 3'200 Haushalte.
Für den Druckleitungsstollen beim KW Erstfeldertal waren umfassende Untertagarbeiten notwendig.
wurde», berichtet Simon Kempf. Die Turbinenspezialisten von Troyer aus dem Südtirol mussten über grosse Umwege ins Urnerland reisen. «Wir sind sehr dankbar, dass sie viele Unannehmlichkeiten auf sich genommen haben, um uns bei der Inbetriebnahme zu unterstützen. Es war auch nicht einfach, für sie Unterkunfts- und Verpflegungsmöglichkeiten zu finden.» Und wie in Erstfeld erklärten sich die Techniker bereit, in der Schweiz zu bleiben, bis ihre Arbeit abgeschlossen war. «Das hat uns sehr geholfen. Die Maschinen sind in Betrieb. Wir sind im Zeitplan.» Die Eröffnung mit den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen am 19. September wird eine Herausforderung. «Es ist aber auch wieder ein Schritt in Richtung Normalität», ist Werner Jauch, Vorsitzender der Geschäftsleitung von EWA, überzeugt. «Und sie bietet die Gelegenheit, allen am Bau des Kraftwerks Beteiligten zu danken und ihre Leistung, speziell auch in der ausserordentlichen Lage, zu würdigen.» Othmar Bertolosi, EWA
Stefan Baumann und Manfred Walker freuen sich, dass das KW Erstfeldertal trotz Corona auf Kurs ist.
16
Mein Arbeitsplatz
MEIN VERSCHWUNDENER ARBEITSPLATZ Der Arbeitsplatz von Vanessa Arnold ist der EWA ElektroShop am Lehnplatz. Am 16. März war dieser Arbeitsplatz auf einen Schlag verschwunden. «Ganz überraschend kam die Schliessung im Rahmen der ausserordentlichen Lage ja nicht», erklärt Vanessa Arnold. «Trotzdem war es ein Schock. Und vor allem zu schaffen machte die Unsicherheit: Wie lange bleibt der Laden geschlossen? Geht er überhaupt wieder auf?» Vanessa Arnold hat bereits ihre Lehre zur Detailhandelsfachfrau EFZ bei EWA im ElektroShop absolviert. Nach einem kurzen Unterbruch nach der Lehre arbeitet sie wieder seit anderthalb Jahren im ElektroShop: «Nach der Schliessung arbeiteten wir ein paar Tage weiter, erledigten Lagerarbeiten und Administratives. Dann kam der Entscheid: Ausser für die Lernenden und den Leiter des ElektroShops galt Kurzarbeit.» Vanessa machte das Beste aus der ungewohnten Situation: «In meiner Freizeit bin ich Lagerleiterin in der Jungwacht / Blauring Spiringen. So habe ich die Zeit genutzt, um unser Sommerlager vorzubereiten. Die Corona-Pandemie erforderte besondere Massnahmen und ich konnte ein Schutzkonzept für das Lager erarbeiten.» Vanessa investierte während der Kurzarbeit auch mehr Zeit in ihre Weiterbildung zum Visual Merchandiser. Visual Merchandiser? «Das beinhaltet alle Elemente des Verkaufs im Detailhandel ausser dem Verkaufsgespräch. Also Laden gestaltung, Schaufenster, Einrichtung, Hintergrundmusik und vieles mehr.» Und was machten die Lernenden des EWA ElektroShops und Leiter Renzo Stadler während der Ladenschliessung? «Sie richteten
unter anderem einen Warenlieferdienst ein», erklärt Vanessa Arnold. «Kundinnen und Kunden konnten bei uns Waren des täglichen Gebrauchs wie Soda stream-Gasflaschen, Reinigungsmittel für Kaffee maschinen oder Zubehör für Haushaltmaschinen telefonisch oder via Mail bestellen. Die Waren wurden entweder nach Hause geliefert oder zur Abholung in einer Box hinter dem ElektroShop deponiert.» Gross war die Erleichterung bei allen, als der ElektroShop am 12. Mai wieder öffnen konnte. «Wir haben uns intensiv darauf vorbereitet, die Kundinnen und Kunden unter Einhaltung der Schutzmassnahmen zu bedienen. Natürlich gab es Unsicherheiten, ob die Kunden überhaupt wieder zu uns kommen und wie sie auf die Schutzmassnahmen reagieren.» Rasch zeigte sich, dass kein Grund zur Sorge bestand. «Viele unserer Kundinnen und Kunden waren sehr froh, überhaupt wieder in die Läden gehen zu dürfen. Und sie zeigten volles Verständnis für die Schutzmassnahmen, das war gar kein Thema.» Und das Jungwacht / Blauring-Sommerlager? «Das konnten wir durchführen. Wir haben Ende Juni eine tolle Woche im Kanton Aargau, in Vordemwald, verbracht. Das Schutzkonzept hat funktioniert, alles hat bestens geklappt. So hatte mein verschwundener Arbeitsplatz nach dem ersten Schock doch auch viel Gutes.» Othmar Bertolosi, EWA
Hast du gewusst?
HAST DU GEWUSST? Die Seite mit spannenden Infor mationen. In dieser Ausgabe stehen Corona-Massnahmen und die Aufklärung im Mittelpunkt. Zusammengestellt von Nadia Auf der Maur, EWS, und Röbi Keller, CKW
17
WAS BEDEUTET DER R-FAKTOR IM ZUSAMMENHANG MIT DER AKTUELLEN PANDEMIE? R steht für «Reproduktionszahl». Auf die aktuelle Pandemie bezogen bezeichnet R, wie viele Menschen eine infizierte Person mit dem Coronavirus anstecken kann. R ist ein Durchschnittswert: Das heisst, wenn 10 infizierte Personen weitere 15 anstecken, dann liegt der entsprechende R-Wert bei 1,5. Dabei haben einige Personen mehr als eine Person angesteckt, andere hingegen niemanden. Der «nackte» R-Wert ohne Unsicherheitsfaktor besagt: Wenn R kleiner ist als 1 , dann wird die Ausbreitung des Virus kontinuierlich abgebremst, weil über alle Infizierten gesehen nicht jede infizierte Person eine weitere ansteckt. Wenn R hingegen grösser ist als 1, dann steckt im Durchschnitt jede infizierte Person mehr als eine weitere an. Erst wenn R mindestens gleich 2 wäre, breitet sich das Virus exponentiell aus. Wir sähen dann eine Verdoppelung der Fälle. Quelle: Wikipedia
MIT DER CONTACT-TRACINGAPP AUF VIRENJAGD
MIT SCHUTZMASKEN DIE ÜBERTRAGUNG REDUZIEREN
Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen und Infektionsketten nachzuverfolgen, hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) Ende Juni die Swiss-CovidApp herausgegeben. Die Nutzung der Contact-TracingApp ist freiwillig. CKW empfiehlt ihren Mitarbeitenden aber, die App auf das private Mobiltelefon zu laden.
Während des Atmens und Sprechens werden von infizierten Personen infektiöse grosse und kleine Tröpfchen und noch kleinere Aerosole freigesetzt.
So funktioniert die App Voraussetzung ist, dass die App des Bundes auf dem Smartphone installiert und Bluetooth eingeschaltet ist. Wenn sich das Smartphone dann in weniger als eineinhalb Meter Abstand für insgesamt mehr als 15 Minuten innerhalb eines Tages zu einem anderen Smartphone befindet, auf dem die App ebenfalls installiert ist, wird dieser Kontakt auf beiden Geräten anonym gespeichert. Die eingestellten 15 Minuten und rund eineinhalb Meter Abstand werden laut BAG mit zunehmenden Erfahrungswerten angepasst, um eine möglichst präzise Aussage zur Ansteckungswahrscheinlichkeit zu machen. Wenn sich eine Person als infiziert herausstellt, erhält sie vom kantonsärztlichen Dienst einen sogenannten Covid-Code. Mit diesem «Schlüssel» werden all jene über die App benachrichtigt, die kurz zuvor engeren Kontakt mit der infizierten Person hatten.
Infizierte Person
Maximale Belastung
Minimale Belastung
Quelle: Bundesamt für Gesundheit
Partikelgrösse (µm)
100
10
1
0,1
18
Face to Face
CKW-LEUTE FACE TO FACE Reto Indergand, Projektleiter IT-Systeme EWA David Schuler, Mediamatiker EWS
RETO INDERGAND
DAVID SCHULER
Was fällt dir in einem Satz zu Uri ein? Was zu Schwyz? Meine Heimat, Familie, schöne Berge und wunder schöne Landschaften, wo es sich gut leben lässt. Man ist schnell in den Bergen und hat einmalige Freizeitund Ferienmöglichkeiten. Zu Schwyz fällt mir spontan die Mythenregion ein – ein sehr schönes Gebiet zum Skifahren und zum Mountainbiken.
Zu Uri kann man nur Folgendes sagen: Der wunderschönste Kanton der Welt und meine Heimat, vielseitig und bergig. Zu Schwyz darf ich nichts Falsches sagen, weil ich hier arbeite. Auch Schwyz hat viele schöne Seiten. Die Region Innerschwyz gefällt mir besonders gut.
Welches ist dein Lieblingscomputerprogramm oder deine Lieblings-App und weshalb? Meine Lieblings-App ist aktuell Instagram. Dort erhalte ich schnell und in kompakter Form Informationen über die Themen, die mich interessieren. So kann ich mich sehr gut auf dem Laufenden halten.
Die gesamte Adobe CC Suite, weil sie fast unbegrenzt viele Möglichkeiten bietet, um mich kreativ entfalten zu können.
Welches ist dein analoges Lieblingsspiel (also nicht Computerspiel)? Ehrlich gesagt habe ich das analoge Spielen in letzter Zeit vernachlässigt, ein Lieblingsspiel habe ich nicht. Spiele mit den Jasskarten in einer gemütlichen Runde, wie z. B. ein Schieber-Jass, TschauSepp oder der Schellen-Jass, sind spannend und machen mir Spass.
«Die Siedler von Catan», weil es ein taktisches Spiel ist, was mir sehr liegt.
Computer- und IT-Fachleute sind auch ausserhalb der Arbeit gefragt. Wirst du oft im Familien- und Freundeskreis um Rat gebeten? Ja, das kommt ab und zu vor. Ist aber ! überschaubar und auch gut so
Ja, das kommt sehr oft vor; ich habe kein Problem damit. Es gibt jedoch auch Tage, an denen es durchaus nerven kann, vor allem dann, wenn man von einem stressigen und anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommt.
« kurz & knackig »
19
«ELEMENTS GATE» ERÖFFNET NEUE MARKTPERSPEKTIVEN Dank der Beteiligung am Start-up Oxygen Technologies bietet CKW seit diesem Jahr Smart-Energy-Lösungen aus einer Hand an. Das ganzheitliche Energiemanagementsystem wird unter dem Namen «Elements Gate» vermarktet. Erstmals konnte CKW dieses bei einem Mehrfamilienhaus in Meggen installieren. Gesamtprojektleiter Dominik Blum schildert, wie die Zusammenarbeit mit dem Bauherrn zustande gekommen ist: «Dank der guten Kundenbeziehung zur Geschäftsstelle Meggen wandte sich Walter Sennrich bereits in der Planungsphase an CKW. Für seinen Neubau suchte er einen Gesamtanbieter für die Elektroplanung, Elektroinstallation, Gebäudeautomation, Photovoltaikanlage und Elektroladestation. Unser «Alles aus einer Hand»-Angebot hat ihn überzeugt und so konnten wir diesen Auftrag gewinnen.» Pilotprojekt für CKW Die Vorgaben für das Mehrfamilienhaus waren komplex, denn alle Gewerke sollten miteinander vernetzt werden. Die Raumautomation der sechs Wohnungen wurde mit Loxone realisiert und zentral über den KNX-Bus vernetzt. Als Energiemanagementlösung setzte CKW zum ersten Mal die Produktinnovation Elements Gate ein. Diese steigert den Eigenverbrauch der PV-Anlage, und die vor Ort selbst produzierte Energie kann optimal genutzt werden. Eine solches Projekt ist nur erfolgversprechend, wenn die Kommunikation mit dem Bauherrn funktioniert. Aus diesem Grund agierte Dominik Blum als SPOC (Single Point of Contact). In seiner Rolle als einziger Ansprechpartner für den Bauherrn nahm er dessen Anliegen entgegen und leitete sie an die zuständigen Mitarbeitenden von CKW weiter.
Jonas Durrer, GS Meggen, Dominik Blum, Projektleiter CKW, und Florian Jurt, Gebäudeautomation
Oxygen-Lösung hat Feuertaufe bestanden Walter Sennrich ist von der Zusammenarbeit mit CKW begeistert. «Meine Wünsche wurden stets geprüft und die Lösungen mit mir besprochen. Ich konnte dank meines technischen Backgrounds viel dazulernen und verstehe so auch die ganze Energiemanagementlösung.» Hat ihn Elements Gate überzeugt? «Natürlich war ich sehr gespannt, ob all die gemachten Versprechungen zeitnah umgesetzt werden können. Die Mitarbeitenden von CKW haben aus meiner Sicht einen hervorragenden Job gemacht.» Auch CKW hat vom Pilotprojekt in Meggen profitiert und dazugelernt, zum Beispiel im Bereich Nebenkostenabrechnung (Heizung und Brauchwarmwasser). Die neuen Erkenntnisse werden nun in die Weiterentwicklung der Smart-Energy-Lösung für künftige Projekte einfliessen. Dominik Blum, CKW Zufriedener Bauherr Walter Sennrich, Meggen
MEIN SCHLUSSPUNKT Das letzte Wort haben unsere Mitarbeitenden, diesmal zur Frage «Wie hat sich Corona auf deine Ausbildung oder die Abschluss prüfungen ausgewirkt?»
Sarah Schuler, EWS Lernende Kauffrau
Devin Betschart, EWS Lernender Mediamatiker
Nadja Arnold, EWA Lernende Kauffrau
«Mein ganzes Qualifikationsverfahren wurde abgesagt. Zwei der fünf Prüfungsfächer habe ich schon im zweiten Lehrjahr abgeschlossen. Ich hätte gerne die Abschlussprüfungen gemacht, aber den ganzen Stress nicht zu haben, ist natürlich eine Erleichterung.»
«Ich habe bereits zwei von vier Abschlussprüfungen vor Corona absolviert, die zwei weiteren wurden abgesagt. Das hat mir glück licherweise mehr Zeit für meine praktische Abschlussarbeit geschenkt. Schade finde ich, dass die Abschluss feier und die Diplomreise abgesagt wurden.»
«Ich war bereits am Repetieren des Prüfungsstoffes, als alle schulischen und betrieblichen KV-Abschlussprüfungen abgesagt wurden. Natürlich war ich froh, keinen Prüfungsstress zu haben. Die ganze Situation ist sehr speziell. Es fühlt sich nicht wie ein richtiger Lehrabschluss an.»
Janik Desax, CDN Lernender Mediamatiker
Yvonne Bieri, CKW Fachspezialistin Sponsoring & Events
Lea Geisseler, CKW Lernende Mediamatikerin
«Zwei meiner QV-Prüfungen wurden abgesagt, zwei habe ich bereits im Februar absolviert. Die praktische Abschlussarbeit im Bereich Digital Marketing konnte ich trotzdem durchführen. Mir wurde definitiv viel Lernstress erspart. Trotzdem finde ich es schade, dass wir keine richtige Abschlussfeier haben.»
«Mein erster Schultag an der ZHAW war am Freitag, 13. März 2020. Das hat mir kein Glück gebracht, es war der erste und letzte ‹normale› Schultag. Zwei Wochen später startete der virtuelle Unterricht. Der persönliche Austausch mit den Dozenten und Studierenden fehlt. Positiv ist, dass ich Fahrzeit und Spesen spare.»
«Wegen Corona haben wir Homeschooling durchgeführt. Das Lernen erfolgte viel selbstständiger. Man musste aufpassen, dass man bei der Sache bleibt und sich nicht ablenken lässt. Insgesamt ist diese Zeit gut vorübergegangen.»