Ausgabe April 10. Jahrgang / #98
Ausgabe 04-05/14 2,50 Euro
Was da wieder los ist: Termine & Partys 19.04. – 18.05.14
Lauf Junge Lauf Ein Film von Pepe Danquart Ab 17.4. im Kino
Sturm aufs Freiburger Rathaus
mit J u b il ä u m s ausgabe 10 Jahre
Kandidaten im chilli-Duell / Fraktionen im Fragen-Check
Im Interview Pepe Danquart, Oscarpreisträger
Im Fokus
Neue Anlaufstelle für schwule Polizisten
Im Zelt
ZMF-Preis für Volker Rausenberger
April 2014 CHILLI 1
Kommunalwahl 2014 freiburg
Der Sturm auf das Rathaus Foto: © Martin Durban
Am 25. Mai wählt Freiburg einen neuen Gemeinderat
Das Haus der Macht: Hinter diesen Mauern entfaltet der Gemeinderat nicht zuletzt sein Königsrecht – den Haushalt der Stadt Freiburg.
R
und 8,5 Millionen Wahlberechtigte wählen am 25. Mai ihre neuen Kommunalparlamente in Baden-Württemberg. In Freiburg treten 591 Kandidaten auf 13 Listen beim Sturm auf die 48 Stühle im Gemeinderat an. Rekord. Vor fünf Jahren waren es zwei weniger. Spitzenreiter war bisher die Wahl 1994, bei der zwölf Listen in den Ring gestiegen waren. Bei keiner anderen Wahl auf Landes-, Bundes- oder europäischer Ebene ist der Einfluss der Menschen auf die Politik größer als bei der Kommunalwahl. Nicht wählen zu gehen, bedeutet im Kern, sich nicht um seine unmittelbaren Lebensbedingungen zu scheren. Spannend, wie hoch die Wahlbeteiligung bei den 16- bis 18-Jährigen sein wird, die zum ersten Mal überhaupt an die Urne gehen können.
Alle neun bereits im Gremium vertretenen Parteien und Gruppierungen (Bündnis 90/Grüne, CDU, SPD, FDP, Linke Liste – Solidarische Stadt, Freie Wähler, Kulturliste Freiburg, Grüne Alternative Freiburg und Unabhängige Frauen Freiburg) treten wieder an. Neu sind die Listen „Freiburg Lebenswert“, „Für Freiburg – Politik aus christlicher Verantwortung“, der lokale Ableger der Politspaßgruppe „Die Partei“ (die nur 15 von 48 möglichen Plätzen besetzt hat) und – trotz aktuellem Mandat – auch Junges Freiburg, weil hier die Satzung geändert worden ist. 46 Prozent der Kandidaten sind weiblich (2009: 40), die Listen von Grünen, SPD, Linker Liste und Kulturliste sind streng gegendert, je 24 Frauen und Männer. In dieser Hinsicht humorlos agieren die Unabhängigen Frauen – hätten die einen Mann aufgestellt, wären die inhaltlichen Themen womöglich medial in die Bedeutungslosigkeit bugsiert worden. Das Freiburger Stadtmagazin chilli ist in dieser Ausgabe auch in den Ring gestiegen und hat gegen je einen neuen Kandidaten von neun Listen (die anderen wollten nicht) das 8 CHILLI April 2014
Handy-Quizduell gespielt (Seiten 14 – 17). Nicht so sehr, um bestenfalls zu siegen, sondern um auf diese Weise etwas von den Kandidaten zu zeigen. Und wir haben „19 Fragen an 12 Listen“ gestellt (Die Partei ließ unsere Anfragen unbeantwortet), die nur mit einem Daumen (Seiten 10 – 13) beantwortet werden durften. Das fiel vielen nicht leicht, bietet aber den Lesern die Möglichkeit, auf einen Blick und ohne viel Polit-Prosa die Positionen der Listen zu studieren. Demnach haben viele Themen satte Mehrheiten – ein neuer Stadtteil, der Umbau der Stadthalle zum Musikzentrum, der Fortbestand des Hauses der Jugend, ein Nachfolgeprojekt fürs Artik, mehr Geld für den Klimaschutz, den Bau einer neuen weiterführenden Schule im Westen und sogar die Ausweisung eines vierten Wagenburg-Platzes (!). Andere hingegen sind strittig, wie der Bau eines neuen Eisstadions für mindestens 18 Millionen Euro, ein Neubau fürs Museum für Neue Kunst, eine Frauenquote in städtischen Behörden und Eigenbetrieben, ein weitgehend autofreier neuer Stadtteil, eine Selbstverpflichtung gegen neue Schulden oder auch die Fragen, was der neue Kommunale Ordnungsdienst bringen wird und ob die Stadt nicht von sich aus mehr als die taxierten 15 Euro pro Quadratmeter an die Landwirte im Dietenbach oder St. Georgen zahlen soll. Das chilli ist bekanntlich überparteilich. Nicht aber in einem Punkt: Das Stadtmagazin ergreift Partei fürs Wählengehen. Denn wir denken nicht wirklich wie der österreichische Aphoristiker Gerald Dunkel, der einst niederschrieb: Ich kann es nicht verantworten, jemandem die Verantwortung zu übergeben, für den ich die Verantwortung nicht übernehmen kann. Infos zur Wahl: www.kommunalwahl-bw.de
Lars Bargmann
Auch Androids haben die BZ jetzt auf’m Schirm!
I
BZ
Die Badische – immer und überall BZ DIGITAL PREMIUM • für Android-Tablet, iPad und PC/Notebook • ab 22 Uhr des Vorabends als eZeitung verfügbar • alle 21 Lokalausgaben der BZ als digitale Ausgabe • mobiles Portal für Smartphones • voller Zugriff auf badische-zeitung.de
Jetzt 4 Wochen kostenlos testen!
Alle Infos unter: badische-zeitung.de/android oder 0800/22 24 22 441
Kommunalwahl 2014 freiburg
Kommunalwahl 25. Mai 2014 Chilli Leser gehen wählen Sportpolitik 01
Wir nehmen mindestens 18 Millionen Euro in die Hand, um dem EHC Freiburg ein neues Eisstadion zu bauen.
02
Wenn die Bürger fürs SC-Stadion stimmen, sind wir dafür, dass die Stadt sich mit mehr als 20 Mio. Euro (oder einem Gegenwert in der Größe) am Bau samt Infrastruktur beteiligt.
Kulturpolitik 03
Die Direktorin des Museums für Neue Kunst denkt laut über einen Neubau nach. Den würden wir unterstützen.
04
Die ab 2016 vakante Stadthalle soll danach als Musikzentrum genutzt werden.
Sozialpolitik 05
Weil die Wohnform „Leben in der Wagenburg“ zunehmend gefragt ist, sollte Freiburg mindestens noch einen weiteren Wagenburg-Standort ausweisen.
06
Wir sind für eine Frauenquote für Führungspositionen in Behörden und Eigenbetrieben der Stadt Freiburg.
Bildungspolitik 07
Da die Gymnasien in Freiburg ungleich verteilt sind, braucht der Westen eine neue weiterführende Schule.
08
Eltern von Grundschulkindern müssen selbst entscheiden dürfen, ob ihr Kind ein Ganztagesschulangebot wahrnimmt oder nicht.
Baupolitik 09
Freiburg braucht gegen die Wohnungsnot einen neuen Stadtteil.
10
Wir präferieren das Dietenbach-Areal.
10 CHILLI April 2014
Kommunalwahl 2014 freiburg
April 2014 CHILLI 11
Kommunalwahl 2014 freiburg
Kommunalwahl 25. Mai 2014 Chilli Leser gehen wählen Baupolitik 11
Die Verwaltung sollte von sich aus die ermittelten Quadratmeterpreise von 15 Euro für die Grundstücke nach oben anpassen, indem sie die Grundstücke nicht als Ackerland einstuft.
Klimaschutzpolitik 12
Wenn Freiburg seinem Ruf als Green-City gerecht werden will, muss ein neuer Stadtteil nach Vorbild des Vaubans auch weitestgehend autofrei werden.
13
Das Rathaus soll mehr als 20 Prozent der BadenovaKonzessionsabgabe, also mehr als zwei Millionen Euro jährlich in neue Klimaschutzprojekte stecken.
Ordnungspolitik 14
Mit der Einführung eines Kommunalen Ordnungsdienstes werden Leben und Feiern in der Innenstadt vereinbarer.
15
Man kann die Lärmproblematik in den Griff bekommen, indem man die Sperrzeiten abschafft.
Finanzpolitik 16
Die Bettensteuer muss wieder abgeschafft werden.
17
Freiburg soll sich dazu verpflichten, auch wenn die Steuereinnahmen sinken sollten, keine weiteren Schulden zu machen.
Jugendpolitik 18
Wenn das ArTik seine Räume verliert, setzen wir uns für ein Nachfolgeprojekt ein und statten das auch mit Geld aus.
19
Sollte das Haus der Jugend nicht saniert werden können, setzen wir uns für einen Neubau oder einen Umzug in ein geeignetes Gebäude ein.
Legende 12 CHILLI April 2014
starke Zustimmung
Zustimmung
unentschlossen
Ablehnung
starke Ablehnung
Kommunalwahl 2014 freiburg
keine Aussage
April 2014 CHILLI 13
Kommunalwahl 2014 freiburg
Wahlduell 2014
14 CHILLI April 2014
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Kommunalwahl 2014 freiburg
1. Politik-Profi Gregor Mohlberg, 36, Linke Liste, wissenschaftlicher Angestellter, Listenplatz 9
Runde 1: Medien & Unterhaltung. „Oh je, da habe ich keine Ahnung“, stöhnt Mohlberg alias intercosmos, „ich bin kein großer Fernsehgucker.“ Und tatsächlich kommt sofort eine TV-Frage: Welche der folgenden Sprüche kam fortwährend in der Comedysendung „Wochenshow“ vor? A. Komm ich jetzt im Fernsehen? B. Bin ich schon drin? C. Hat jemand mein Fahrrad gesehen? D. Wat? Wer bist du denn? Mohlberg macht ein ratloses Gesicht und tippt prompt auf die falsche Antwort: „Wat? Wer bist du denn?“ ist natürlich aus TV Total, was dem Kandidaten kurz nach dem Drücken auch auffällt. Zu spät – die erste Runde geht mit einem 0:0 für beide Spieler wenig schmeichelhaft aus. Mohlberg bleibt gelassen. Computerspiele, Bücher & Wörter oder Kinofilme? „Diese Auswahl ist eine Katastrophe“, so Mohlberg. Hätte er die
Hände nicht am Smartphone, würde er sich jetzt wohl die Haare raufen. „Bei ‚Computerspiele’ hilft mir normalerweise mein 16-jähriger Sohn“, sagt der zweifache Familienvater, „meine Computerspielzeit hat vor zehn Jahren aufgehört.“ So wählt er Bücher & Wörter: Nur eine Antwort stimmt. Dann die Überraschung: Die beste Runde des Linken ist „Macht & Geld“. Welches dieser Länder gehörte nicht zu den Gründungsmitgliedern der EU? Da braucht Mohlberg nicht lange nachzudenken und tippt zügig auf „Großbritannien“. Mit 3:0 entscheidet er die Runde haushoch für sich. Ein Linker, der sich mit Macht & Geld auskennt? „Klar, das sind schließlich Politikfragen“, erklärt Mohlberg, „da ich Geschichte und Politik studiert habe, bin ich in der Kategorie ganz gut.“
2. In Geldfragen bewandert Hermann Dittmers, 54, CDU, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse, Listenplatz 15
Kaum erscheint eine Frage auf dem Handy-Bildschirm, schnellt Dittmers Zeigefinger nach unten und tippt die Antwort an. Die Quizduell-Westentaschenpsychologie bemüht, könnte man jetzt sagen: Der CDU-Politiker ist ein Macher, kein Zweifler. Vielleicht beeilt er sich aber auch so, um mehr Zeit zum Witzeln zu haben, denn es braucht nicht die komplette Länge eines Quizduells, um zu merken: Dittmers ist ein Mensch, der gerne und herzlich lacht. Und auch ohne in die Untiefen der Psychologie zu waten, erfährt man einiges über den CDU-Politiker. Etwa, dass ihm die Themen „Im Labor“ und „Comics“ nicht liegen, „Macht & Geld“ aber sein Thema ist. Typisch Politiker eben? „Wir haben zwar Einfluss, aber keine Macht“, spricht der Kappler Ortsvorsteher aus Erfahrung. „Zwar sind wir dazu legitimiert, bestimmte Rechte wahrzunehmen, unsere Entschei-
dungen haben aber nichts mit persönlichen Vorlieben zu tun.“ Doch die Kategorie liegt ihm: drei Richtige. „Ich hatte Glück, dass nur Geldfragen kamen“, so Dittmers. Schließlich habe er Wirtschaftswissenschaften und Jura studiert und lange im Bankenbereich gearbeitet. „Ja, ja, schreiben Sie ruhig, dass ich total eindimensional bin“, witzelt der 54-Jährige. Erledigt. Doch schon wenige Fragen später zeigt sich ein zweites Steckenpferd: Musik & Hits. Zwar kann Dittmers hier nur einmal punkten, das mag aber auch an der Geschwindigkeit liegen, mit der er durch die Fragen klickt, damit er gleich seine Lieblingssongs vom Handy abspielen kann. Und hier zeigt er sich alles andere als eindimensional – mit Rock, Country und Helene Fischer.
3. Reise-Enthusiast Pascal Haggenmüller, 25, Bündnis 90/Die Grünen, Student auf Lehramt (Politik, Geschichte, Italienisch), Listenplatz 16
Runde eins: Die Kategorie lautet „Rund um die Welt“, ein Lächeln breitet auf Pascal Haggenmüllers Gesicht aus. Warum, reist er gerne? „Auch, aber ich interessiere mich für Geografie und Politik“, sagt er, „das müsste klappen.“ Ganz souverän löst er die drei Aufgaben. Nächste Kategorie: „Draußen im Grünen“ – das müsste DAS Steckenpferd des Grünen sein, der bereits mit 18 in die Partei eingetreten ist. „Das sollte man meinen“, sagt er, „aber mit den ganzen naturwissenschaftlichen Themen kann ich leider gar nichts anfangen.“ Prompt untermauert er seine Aussage damit, dass er nicht weiß, dass die ausgewürgten Nahrungsbestandteile von vielen Vögeln Gewölle heißen.
Der 25-Jährige wählt „Sport und Freizeit“. „Ich spiele ja schließlich gegen eine Frau“, lacht er, „nein, diese ganzen gender-spezifischen Klischees nerven mich. Genau aus diesem Grund habe ich Italienisch als drittes Unterrichtsfach gewählt: In meiner Schulzeit hatte ich immer weibliche Lehrer für Sprachen und männliche für Naturwissenschaften – daran muss sich etwas ändern.“ Der Jung-Politiker gewinnt souverän mit 13 Punkten. Für ihn ein eher durchschnittliches Ergebnis, schließlich ist er ein geübter Quiz-Duell-Spieler: „Viele meiner Freunde spielen Quizduell und haben mich ein bisschen damit angesteckt.“ April 2014 CHILLI 15
Kommunalwahl 2014 freiburg
4. Ein Name wie eine Quizduell-Antwort Dirk Hollstein, 50, Grüne Alternative Freiburg, Grafik-Designer, Listenplatz 4
Er sei allgemein gut aufgestellt, will Dirk Hollstein vor dem Duell in der chilli-Redaktion keine Schwäche durchblicken lassen. Kein Wunder, bei dem Lebensweg: Gelernt hat er einst den Beruf des Tischlers, danach Architektur studiert und inzwischen arbeitet er als Grafik- und Webdesigner. Sein User-Name ist eine Anlehnung an ein Werk von Hollsteins Lieblingsarchitekten Richard Buckminster Fuller – klingt doch schon fast nach dem Inhalt einer echten Quizduell-Zähneknirsch-Frage. In der ersten Kategorie geht es für „Dymaxion“ gleich mal „Rund um die Welt“. Wie schwer ist die Zarenglocke in Moskau? (Antwort: 202 Tonnen). Wo genau liegt Neuseelands Hauptstadt Wellington? (Süden der Nordinsel). Und: Wie hoch liegt der im September in der zentralchinesischen Provinz Sichuan
eröffnete „Daocheng Yading Airport“? (4.411 Meter über NN). Der Politiker muss dreimal passen. Umso besser läuft es in der Folgerunde, in der es um „die 2000er“ geht. Gegen welche/n Bundespolitiker/in gab es (noch) keine Plagiatsvorwürfe zu seiner/ihrer Doktorarbeit? Hollstein tippt ohne Umschweife auf die Linke Sarah Wagenknecht. Auch aus politischer Solidarität? „Ich weiß nicht, wie nah die GAF an den Linken ist – das hängt wohl von jedem Kandidaten im Einzelnen ab. Wir sind eher liberal-links“, wiegelt er ab. Am Ende unterliegt Dymaxion trotzdem mit 8:11. Nicht die erste Niederlage im Wahlkampf. Und auch nicht die schlimmste. „Die BZ hat mich bei der Kandidatenvorstellung aus dem Bild geschnitten“, lacht der GAF-Mann.
5. Kommunalpolitik: bestanden Julien Bender, 28, SPD, gerade sein Lehramtsexamen gemacht, Listenplatz 18
Der Härtetest: Julien Bender bekommt eine Frage zur Kommunalpolitik. „Welche Steuer fließt nicht in die Gemeinden?“ Antwort A: Erbschaftssteuer, Antwort B: Gewerbesteuer, Antwort C: Hundesteuer, Antwort D: Getränkesteuer. Leichte Nervosität kommt auf – diese Frage sollte ein Bewerber für den Gemeinderat beantworten können. Und natürlich kann er es auch. Bender seufzt erleichtert. Und auch bei den anschließenden Fragen marschiert er ganz souverän durch die Kategorie „Macht & Geld“. „Viele dieser Fragen gehören zum Handwerkszeug“, sagt der jüngste Kreisvorsitzende in Baden-Württemberg. Die Kategorie „Medien und Unterhaltung“ gehört hingegen nicht zu seinen Steckenpferden. „Ich komme nicht so
häufig zum Fernsehen“, sagt Bender. Dabei sei er in seiner 3er-WG im Stühlinger, die er sich unter anderem mit dem Pressesprecher der Freiburger Partei teilt, der einzige, der überhaupt einen Fernseher habe. Doch Bender hält sich lieber im Grünen auf und ist enttäuscht, als die Kategorie nicht auf seinem Bildschirm erscheint. Stattdessen wählt er „Essen und Trinken“. „Ich koche gerne – wenn man grillen mitzählt sogar sehr gerne“, erzählt der Jung-Politiker. Dennoch: nur ein Punkt. Ist der Endzwanziger kein Quizduell-Profi? „Ich habe mich lange geweigert zu spielen“, sagt er, „meine Freunde sagen, dass ich eh schon zu viel am Handy bin.“ Doch vielleicht hätte ein bisschen Training nicht geschadet – am Ende liegt Bender mit zwei Punkten zurück.
6. Kann mit Niederlagen umgehen Erik Gundlach, 25, FDP, Referendar, Listenplatz 7
Erik Gundlach hat Startprobleme. Der angehende Gymnasiallehrer hat die erforderliche App nicht einmal auf seinem Handy installiert. Und einen Nutzernamen hat er auch nicht. „Ich benutze das Handy nicht allzu oft, deswegen habe ich auch nur ein relativ einfaches Gerät“, entschuldigt er sich, bevor er in Runde eins deswegen einmal falsch antwortet, weil er mit dem fremden Telefon Bedienschwierigkeiten hat. Schade, eigentlich wären bei „Draußen im Grünen“ für den leidenschaftlichen Skifahrer und Mountainbiker, der auch wegen der Nähe zur Natur nach Freiburg gezogen ist, drei Punkte drin gewesen. In Runde zwei geht es dann um „Kinofilme“. Ein Schwachpunkt, wie der Politiker schon vorher angekündigt hatte: „Ich gucke wenig Fernsehen.“ Wer spielte neben Patrick Swayze die Hauptrolle im Kinohit „Dirty Dancing“? Gundlach tippt auf 16 CHILLI April 2014
Jennifer Love Hewitt. Das heutige Busenwunder war bei den Dreharbeiten aber gerade mal acht Jahre alt. Richtige Antwort: Jennifer Grey. Besser macht es der gebürtige Braunschweiger allerdings bei „Rund um die Welt“. Er weiß, dass Schweden eine große Nord-Süd-Ausdehnung hat und dass der Balaton in Ungarn liegt. In der Rubrik Körper und Geist ist er hingegen völlig ratlos. Aber wer weiß schon, dass Knaus Ogino eine Methode zur Empfängnisverhütung ist? „Grundsätzlich finde ich aber gut, dass es Verhütung gibt“, zeigt der 25-Jährige sich von der nicht-erzkonservativen Seite. Am Ende verliert der Französisch- und GK-Lehrer deutlich – allerdings nicht seinen Humor: „Wenn man in der FDP ist, ist man Niederlagen in der jüngsten Zeit ja fast schon gewohnt.“
Kommunalwahl 2014 freiburg
7. Computerspiele sind nicht ihr Ding Kerstin Langosch, Freiburg Lebenswert, 50, Ärztin, Listenplatz 8
Welchem Körperteil liegt der Knochen „Tibia“ am nächsten? A: Knie. B: Schulter. C: Hand. D: Becken. Als Fachärztin für Psychosomatik ist die menschliche Anatomie zwar nicht Kerstin Langoschs Spezialgebiet, aber gelernt ist gelernt: Ihr Finger tippt ohne Zögern auf A. Die in Freiburg niedergelassene Ärztin marschiert souverän durch die erste Kategorie, die im Hause Langosch wohl zu den beliebtesten Kategorien gehört: Auch ihr Mann ist Arzt und ihr Sohn studiert in Gießen Medizin. „Computerspiele“ gehören hingegen nicht zu Langoschs Lieblingen, dennoch sind zwei Antworten richtig. Für die
50-Jährige kein Grund, sich zu brüsten: „Das war reines Glück, ich habe von diesen Spielen noch nie gehört.“ Erst bei „Macht & Geld“ kommt ihre Gelassenheit ins Wanken. Auf die Frage, wer noch nie Ministerpräsident Niedersachsens war, antwortet Langosch Gerhard Schröder, richtig wäre Horst Köhler gewesen. „Ja, das ärgert mich“, gibt die gebürtige Stuttgarterin zu, „wenn ich bei Computerspielen daneben liege, ist mir das egal, aber so eine Frage gehört eigentlich zum Allgemeinwissen.“ Lange ärgern braucht sie sich jedoch nicht: Langosch entscheidet das Duell mit deutlichem Vorsprung für sich.
8. Kunst im öffentlichen Raum Franziska Brinkmann, 23, KULT-Liste, Studentin der Kunstgeschichte, Listenplatz 22
„Machen wir doch einen Soft-Opener“, sagt Brinkmann alias fb139. Also Kategorie Essen und Trinken. Aber denkste, nur ein Punkt kommt raus. Vor Weihnachten sei sie gefragt worden, ob sie mit auf die Liste will. Nicht zuletzt, weil sie im Augustinermuseum das Jugendprogramm gestaltet. „Ich würde mich auf jeden Fall dafür einsetzen, dass beim Umbau des Rotteckrings samt neuer Platzgestaltung auch Geld für Kunst im öffentlichen Raum bereitgestellt wird.“ TV-Serien, die nächste Kategorie. „Ja, das weiß ich sogar, Gossip Girl.“ Sie führt 5:4. Jetzt ist „Kunst und Kultur“ dran. Vor vier Jahren kam die gebürtige Münchnerin aus Frankfurt an die Freiburger Uni. Den vom chilli ins Spiel gebrachten Neubau
fürs Museum für Neue Kunst hat sie verfolgt („das wäre wünschenswert“), die Debatte um die Europäische Kulturhauptstadt, auch den Streit um die Schließung der Freiburger Außenstelle der Staatlichen Akademie für Bildende Künste in Karlsruhe. „Das habe ich aber aus Studierendensicht gesehen, und wo keine Studenten sind, braucht es da eine Außenstelle?“ Die Kategorie endet mit einem 2:2 gegen das chilli. Am Ende verliert sie 8:10. „Musik und Hits war ja gemein“, sagt sie zur chilli-Spielerin. Es wird gelacht. Die Wahrscheinlichkeit, auf Platz 22 gewählt zu werden, wäre „krass gering“. Aber wenn, dann würde sie den Auftrag annehmen. Für Kunst und Kultur.
9. Angst vor Parteistrukturen Evgeniya Scherer, 37, Freie Wähler, Rechtsanwältin, Listenplatz 11
Evgeniya Scherer ist in Sofia geboren und im Kommunismus groß geworden. „Genau deswegen bin ich jetzt bei den Freien Wählern, ich habe Angst vor parteilichen Strukturen“, sagt sie und geht als Izbori2014 (Wahl2014) bei „Essen und Trinken“ mit 2:1 in Führung. Jetzt kommt „Medien und Unterhaltung“. Sie hat im Medienbereich promoviert. Sie will es gut machen. Die erste Frage rät sie, richtig, die zweite weiß sie, 4:3. Seit eineinhalb Jahren geht sie nicht nur drei Lehraufträgen in Kehl, Offenburg und Freiburg nach, sondern kümmert sich auch ums
Töchterchen Bea. Und trotzdem will sie in die Politik. „Wir kriegen mehr als die drei aktuellen Plätze“, ist sie überzeugt. Sie wartet zu lange, die Zeit läuft ab, sie tippt zu spät richtig. „Ach Mensch, das wusst‘ ich doch, das ärgert mich jetzt“, sagte sie – lacht aber dabei. Sie, die fünf Jahre in Hamburg Jura auf Magister studiert hat, geht das Duell nicht ohne Ehrgeiz an. Vor der finalen Partie führt sie 7:6. Es kommt „Macht und Geld“ – sie verliert 2:3. Sie ist mit dem Remis aber zufrieden. Auch in der Politik kommt es ja zuweilen aufs Teilen an. April 2014 CHILLI 17
SZENE Polizei
Keine homosexuellen Polizisten, sondern Polizisten und homosexuell: die Polizeiberater Danila Matusche und Rainer Ledwig.
Foto: © tbr
»Angst vor dem Karriereknick« Die Freiburger Polizisten Danila Matusche und Rainer Ledwig beraten homosexuelle Kollegen
E
in Satz bei der Pressekonferenz zur Organisation des Polizeipräsidiums Freiburg lässt auf horchen: Freiburg habe seit Anfang des Jahres zwei sogenannte AGL – Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen. chilli-Autorin Tanja Bruckert hat nachgehakt, was es damit auf sich hat, und sich mit Oberkommissarin Danila Matusche, 46, und Polizeikommissar Rainer Ledwig, 44, getroffen. Die beiden Polizeiberater haben ihr von ihren Erfahrungen erzählt, die sie als Homosexuelle in einem männerdominierten Beruf gesammelt haben, und wie sie anderen Polizisten helfen möchten.
Ledwig: Wir sind aber auch für die Kollegen da. Wenn es heißt: Hilfe, wir haben einen schwulen Kollegen und wissen nicht, was wir mit dem tun sollen (alle lachen), dann können wir die Angst nehmen und zeigen: Wir sind ganz normale Menschen. chilli: Homosexualität bei Künstlern ist kaum eine Erwähnung wert, warum erregt ein schwuler Fuß baller oder Polizist gleich Aufsehen? Matusche: Beides sind immer noch männerdominierte Berufe. Ich denke, deswegen haben die schwulen Kollegen auch größere Schwierigkeiten, sich zu outen. Danach – das sind auch unsere Erfahrungen – gibt es eigentlich keine Probleme.
»Es sind nicht alle so offen«
chilli: Wen beraten Sie? Matusche: In erster Linie gilt die Beratung für schwule und lesbische Polizeibeamte, die wir beim Outing begleiten, und denen wir helfen, falls es Probleme am Arbeitsplatz gibt. Wenn aber ein Bürger aufs Revier kommt und etwas anzeigen möchte, das mit homophober Gewalt zu tun hat, bieten wir uns ebenfalls als Ansprechpartner an. Für manche ist es vielleicht einfacher darüber zu sprechen, wenn sie wissen: Da ist jemand, der meine Ängste und Sorgen versteht. 18 CHILLI APRIL 2014
chilli: Sie haben keinerlei negative Erfahrungen gemacht? Keine Anfeindungen oder dummen Sprüche? Ledwig: Nein. Ein einziger Kollege hat mir gesagt, dass er damit nicht umgehen kann. Und ich fand es gut, dass er mir das offen mitgeteilt hat. Matusche: Was hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird, können wir natürlich nicht sagen. Ich denke, so offen,
SZENE Kolumnen
wie es nach außen hin scheint, sind wir bei der Polizei nicht alle. Deswegen ist es so wichtig, dass wir das Thema öffentlich machen.
IN & OUT
chilli: Haben Sie von Anfang an geplant, sich den Berufskollegen gegenüber zu outen oder ist es Ihnen schwer gefallen? Ledwig: Ich habe mich geoutet, indem ich einfach meinen Freund zur Weihnachtsfeier mitgebracht habe – da war ich schon eine ganze Weile bei der Polizei. Die Kollegen waren zunächst überrascht, fanden das aber gut.
Auch ein Trendcheck ist nicht vor modischer Verblassung gefeit. Will heißen: Seht euch an, wir haben im Rahmen des Relaunches (IN!) dieser Rubrik (IN & OUT) ein Facelifting (bei Menschen: OUT!) verpasst. Und so kann chilli-Trendchecker Felix Holm auch in dieser Ausgabe wieder frisch ans Werk gehen:
chilli: Warum ist das Outing für viele so ein schwerer Schritt? Ledwig: Viele befürchten, dass die Karriere einen Knick bekommt, wenn man seine Homosexualität öffentlich macht. Gerade wenn man jung ist, ist die Angst groß, dass der eine oder andere einen dann auf dem Kieker haben könnte. chilli: Sind das unbegründete Ängste oder ist da was dran? Matusche: Das wollen wir herausfinden, denn das einzige was wir sagen können, ist, dass es im Moment so empfunden wird. Und das gilt es anzugehen. Wir wollen im Gespräch klären: Liegt es wirklich an deinem Schwulsein oder gibt es andere Gründe, warum du beruflich nicht weiterkommst? Ich selbst bin Dienstgruppenleiterin und habe diese Erfahrung nie gemacht. chilli: Sie würden Ihren Kollegen also raten, sich zu outen. Matusche: Ich würde aufzeigen, dass es hinterher einfacher ist. Man ist lockerer und muss nicht überlegen, was man von seinem Privatleben erzählen kann und was nicht. Ledwig: Es kostet einfach viel Kraft, sich zu verstecken. chilli: Wobei es sicher auch Menschen gibt, die sagen, das ist mein Privatleben und das trenne ich von meinem Beruf. Ledwig: Klar, das ist auch in Ordnung. Es gibt den Spruch: Ich bin kein schwuler Polizist, sondern ich bin Polizeibeamter und schwul. Verstehen Sie, was ich meine? Ich bin nicht als Schwuler bei der Polizei angestellt und gehe mit dem rosa Fähnle herum. Die Arbeit steht im Vordergrund und dass da jemand schwul ist, sollte genauso üblich sein, wie dass jemand verheiratet ist.
IN
Gay-Müse - weckt echte fleischeslust
Foto: © fho
Frisch, knackig, gesund, so wie Gott es schuf! Da packt selbst Gemüseliebhaber doch fast die Fleischeslust, wenn er solch geile Teile im Topf hat. Wer auf dem Markt einkauft, bekommt Dinge, die es so in keinem Discounter gibt. In den großen Ketten wird ja bekanntermaßen aussortiert, was nicht der so genannten Norm entspricht. Für Gay-Müse (gay ist englisch und steht für: fröhlich oder auch belustigend) ist dort kein Platz. Schmecken tut das kleine Teil (in dem Fall ist natürlich die Karotte gemeint) aber super. Gay-Müse? IN!
OUT
Warnmeldungen als Aprilscherz
Vor Javaner-Affen, die dem Gehege am Mundenhof entflohen und „extrem bissig“ seien, warnte die Pressestelle der Stadt Freiburg am 1. April. Wir sind nicht drauf reingefallen. Ratlos waren wir aber doch: Wollen die Kollegen aus dem Rathaus jetzt verantwortungsvollen Journalisten einen Strick draus drehen, wenn diese vor Gefahren warnen? Aprilscherze müssen gemacht werden – wir unterstützen dies vehement. Allerdings das nächste Mal vielleicht mit harmloserem Inhalt? Vor bissigen Affen haben Menschen nämlich Angst. Aprilscherze in der Form: OUT. Foto: © Zoo Basel
Matusche: Bei mir war es ähnlich. Es ist nicht so, dass man zur Polizei geht und sich sofort outet. Ich habe es zwar nicht bewusst verschwiegen, bin aber auch nicht mit dem Thema auf die Leute zugegangen. Bis ich dann mal darauf angesprochen wurde. Das ist jetzt so zehn Jahre her. Zu der Zeit war das nicht so einfach, aber ich glaube, heute sind die Frauen etwas offener. Bei den Männern bin ich mir da nicht so sicher. Ledwig: Ich glaube auch, dass die Männer ihre Homosexualität eher versteckt halten.
p
p
»verstecken kostet kraft«
April 2014 CHILLI 19
Eric Burdon & The Animals – Til your River runs dry Tour 2014 / 23.4.14, 20 Uhr / Konzerthaus, Freiburg / Foto: KOKO
cal_04_2014_chilli_Kalender_2012 13.04.14 16:43 Seite 26
19.4. – 18.5.
SAMSTAG
19.4.2014 AUSSTELLUNGEN Vagabundierende Unruhe – Gruppe SPUR Werke von L. Fischer, H. Prem, H. Sturm & HP Zimmer, 15.12.-18.5. Museum für Aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle, Durbach Info: www.museum-hurrle.de
Doré & Friends Zeichnung, Illustration, Comic, Film, 21.2.-25.5. Museum für moderne & zeitgenössische Kunst, Straßburg Info: www.musees.strasbourg.eu
Die Wiener Malerfürsten
Künstlerpaare
Zwei Frühlings- & Ostermärkte
Boogie Connection
Malerei & Grafiken von Michaela HöhleinDolde & Manfred Dolde, 7.4.-18.7. Amtsgericht, Freiburg Info: www.gedok-freiburg.de
Originelle, elsässische Produkte unter dem Motto Frühling, 4.-21.4. Im historischen Zentrum, Colmar ★ 10 Uhr Info: www.printemps-colmar.com
Blues, Boogie, Ragtime & Rock’n’Roll ChaBah, Kanderner Bahnhof ★ 20.30 Uhr Info: www.chabah.de
2. Freiburger Ostermarkt Bunte Warenvielfalt, 11.-21.4. Kartoffelmarkt, Freiburg ★ 10 Uhr Info: www.freiburg.de
Mischung aus beliebten Hits, Country Rock & Rock’n’Roll Mehlsack, Emmendingen/Mundingen ★ 21 Uhr Info: www.mehlsack.de
Florales Alphabet
Mörderischer Wein
PARTY
Gemälde, Aquarelle, Zeichenungen von Rainer Nepita, 4.4.-18.5. Badisches Kunstforum, Ebringen Info: www.badisches-kunstforum.de
von R.G. Mannich mit dem Theater L.U.S.T. Badischer Winzerkeller, Breisach ★ 17 Uhr Info: www.theater-lust.de
Hits der 70er, 80er & 90er Jahre mit DJ Markthalle, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.markthalle-freiburg.de
Le Corbeau et le Renard Aufstand der Sprachen mit Marcel Broodthaers, 22.3.-17.8. Kunstmuseum, Basel Info: www.kunstmuseumbasel.ch
Panorama Werke von Konstantin Gric, 22.3.-14.9. Vitra Design Museum, Weil am Rhein Info: www.design-museum.de
Die Welt nach Ponk & Replonk
Hundertwasser & Ernst Fuchs, 5.4.-14.9. Kunsthalle Messmer, Riegel Info: www.kunsthallemessmer.de
Special: Ansichten von Basel, 22.3.-22.6. Cartoonmuseum, Basel Info: www.cartoonmuseum.ch
Lesser Ury & das Licht
EVENTS
Wiederentdeckung & Neubewertung des Berliner Impressionisten, 5.4.-31.8. Museum LA8, Baden-Baden Info: www.la8.de
Coquilles d’Art
26 CHILLI APRIL 2014
Das Ei im Zentrum bunter Kreativität, 17.-21.4. Im Koifhus, Colmar ★ 10 Uhr Info: www.printemps-colmar.com
Midnight Special
Internationale Evergreens
Talent-Show Wettbewerb
KINO Like someone in Love Film des Monats Kommunales Kino, Freiburg ★ 21.30 Uhr Info: www.koki-freiburg.de
MUSIC Hansi Hinterseer und das Tiroler Echo Das Beste zum Jubiläum – Tour 2014 Rothaus Arena, Messe Freiburg ★ 19 Uhr Info: www.koko.de
Gesangs-Wettbewerb für Stars von morgen Heuboden, Umkirch ★ 21 Uhr Info: www.heuboden.de
Party mit DJ Hank The DJ Das Klassische aus dem Punkrock, das Wilde aus den 60s’, Countrysongs ... EL.PI, Freiburg ★ 22 Uhr Info: www.elpi-freiburg.de
Freitag & Samstag House/Black/Clubtunes/Deep & more Dreieck, Freiburg ★ 22 Uhr Info: www.dreieck-freiburg.de
➔ Das volle Programm auf chilli-freiburg.de
cal_04_2014_chilli_Kalender_2012 13.04.14 16:44 Seite 27
VERANSTALTUNGSKALENDER
Big Bang
Collector’s Choice Only!
Chris Liebing, Oliver Schories, Secret Cinema, Hvob u.v.m. Universal D.O.G., Lahr ★ 22 Uhr Info: www.universaldog.de
Jubiläumsausstellung, 6.4.-1.2.15 Kunstraum Alexander Bürkle, Freiburg Info: www.kunstraum-alexander-buerkle.de
Antz in the Pantz
Malerei, bis 4.5. Markgräfler Museum, Müllheim Info: www.markgraefler-museum.de
Woima Colelctive mit Support von Karl Hector DJ-Set u.a. Kaserne Basel, Rossstall 1 & 2 ★ 22 Uhr Info: www.kaserne-basel.ch
Mix Move Club We love to move you Agar Discothek, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.agar-disco.de
Owl Night Long DJs: Anina Owly, Chris Vandree & Jakob Dudek Drifters, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.drifters-club.de
Zeichnung – Malerei – Collagen
Nobody likes us but we dont't care Film, Fotografie & Skulptur von Jordan Baseman, 21.3.-4.5. Kunstverein, Freiburg Info: www.kunstvereinfreiburg.de
CW Loth – Celso Martìnez Navez
mit DJ Chessmaster F./Robert Heart Karma/Buddha-Club, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.karma-freiburg.de
Glückliche Tage – Kindheit in den 60er Jahren
Meet & Greet mit DJ Marko Liv Schneerot, Freiburg ★ 23 Uhr Info: wwww.schneerot.de
New Dark Nation Gothic, Wave, Electro Club Borderline, Basel ★ 23 Uhr Info: www.clubborderline.ch
MONOLOG LEBEN
Werke von Christoph Göttel, 7.3.-21.4. Haus Salmegg, Rheinfelden Info: www.rheinfelden.de
Werke aus Holz/Ölbilder, 23.3.-27.4. GeorgScholzHaus, Waldkirch Info: www.georg-scholz-haus.de
Live House Band/Techno/House/Elektro Schmitz Katze, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.schmitz-katze.com
E ENT
Paul Ibenthaler
Karmasutra Weekend Party/A Heart Day's Night
WTF Neid Club
02.-05./23./24. April 2014
Aquarelle, Bilder in Öl/Malplatte & Fotos von Ulrike Gerst, 4.4-4.5. Kommunales Kino, Freiburg Info: www.koki-freiburg.de
EVENTS Coquilles d’Art Das Ei im Zentrum bunter Kreativität, 17.-21.4. Im Koïfhus, Colmar ★ 10 Uhr Info: www.printemps-colmar.com
19. März - 21. April 2014
Rathausgasse 5a, 79098 Freiburg Theaterkasse 07 61/2 56 56
Tickets auf www.wallgraben-theater.com
Der chilli-Film-Tipp: Snowpiercer
Wahrgewordener Alptraum Foto: © MFA
Zwei Frühlings- & Ostermärkte Originelle, elsässische Produkte unter dem Motto Frühling, 4.-21.4. Im historischen Zentrum, Colmar ★ 10 Uhr Info: www.printemps-colmar.com
Festlicher Osterbrunch Pianomusik mit Gaumenfreuden Schloss Reinach, FR-Munzingen ★ 11 Uhr Info: www.schlossreinach.de
www.freiburger-wochenbericht.de Peer Kusiv Live mit Support von Martin Mingres & Chris Veron Klangraum, Im Hauptbahnhof, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.klangraum-freiburg.de
2. Freiburger Ostermarkt Bunte Warenvielfalt, 11.-21.4. Kartoffelmarkt, Freiburg ★ 12 Uhr Info: www.freiburg.de
Die Lichtflamme Ostergeschichte von Selma Lagerlöf Grandhotel Römerbad, Badenweiler ★ 16 Uhr Info: www.literatheater.de
Sweet Spring Easter Party
Vampire, Blut & böse Buben
Osterhasi-Empfang & Animation Big7Club, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.big7club.de
Sonntagsspecial, grausiger Ghost-Walk Am Predigertor, Freiburg ★ 19.30 Uhr Info: www.historix-tours.de
inthemix
KINO
a journey through the styles by dj raimund flöck Jazzhaus, Freiburg ★ 23 Uhr Info: www.jazzhaus.de
THEATER
Like someone in Love Film des Monats Kommunales Kino, Freiburg ★ 19.30 Uhr Info: www.koki-freiburg.de
Momo
MUSIC
Schauspiel n. d. Roman von Michael Ende Theaterhalle, Gelände der Brauerei Ganter, Freiburg ★ 19.30 Uhr Info: www.theater.freiburg.de
Werke von Wagner, Elgar, Strawinsky Festspielhaus, Baden-Baden ★ 18 Uhr Info: www.festspielhaus.de
Ehekracher Explosive Komödie Galli Theater, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.galli-freiburg.de
Am schwarzen See Komödie von William Mastrosimone Wallgraben Theater, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.wallgraben-theater.com
Osternacht Szenen aus Goethes Faust Sonneneck, Kandernerstr. 18, Badenweiler ★ 20.15 Uhr Info: www.literatheater.de
Sol Gabetta & Sir Simon Rattle
Hansi Hinterseer & das Tiroler Echo Das Beste zum Jubiläum – Tour 2014 Rothaus Arena, Messe Freiburg ★ 19 Uhr Info: www.koko.de
Boogie Connection Blues, Boogie, Ragtime & Rock’n’Roll Schlosskeller, Emmendingen ★ 20.30 Uhr Info: www.schlosskeller-emmendingen.de
Klischée mit Band Swing, Electro Kaserne Basel, Rossstall 1 & 2 ★ 21 Uhr Info: www.kaserne-basel.ch
SONNTAG
scheissediebullen
20.4.2014
Todeskommando Atomsturm & Sektion 09 KTS, Freiburg ★ 21.30 Uhr Info: www.kts-freiburg.org
AUSSTELLUNGEN Grenzerfahrungen II
PARTY
Werke der Künstlergruppe ver.di, 21.3.-20.4. Galerie depot.K, Freiburg Info: www.depot-k.com
Salsa-Domingo Salsa Party mit DJ Chriss Latinclub Mamasita, Freiburg ★ 20 Uhr Info: www.mamasita-club.de
➔ Alle Termine auf chilli-freiburg.de
Wir schreiben das Jahr 2031. Genau 17 Jahre ist es her, dass sich die Menschheit dazu entschlossen hat, ein Kältemittel in die Atmosphäre zu schießen, um der globalen Erderwärmung entgegenzuwirken. Doch leider ging das Experiment schief: Alles Leben auf dem blauen Planeten fiel innerhalb kürzester Zeit einer neuen Eiszeit zum Opfer. Einzige Überlebende sind die Passagiere einer futuristischen Eisenbahn – ein Perpetuum mobile, das innerhalb von 365 Tagen die Erde umrundet. „Snowpiercer“ ist der Name eines Hochgeschwindigkeitszuges, der von einem ominösen Mann namens Wilford entwickelt wurde, der sich für eine Art Halbgott hält. Jenen Wilford haben die Passagiere der dritten Klasse, die unter menschenunwürdigen Bedingungen im hermetisch abgeriegelten hinteren Teil des Zuges ihr Dasein fristen, noch nie zu Gesicht bekommen. Stattdessen schickt das Genie seine Assistentin Mason aus dem luxuriösen vorderen Abteil, um die unzufriedenen Menschen dritter Klasse immer wieder auf Kurs zu bringen – und grausam zu bestrafen. Dennoch braut sich unter den Unterdrückten nach Jahren mal wieder eine Rebellion zusammen. Angeführt wird der Aufstand von dem schwer traumatisierten Curtis, dem jungen Edgar und dem Unterschichtenchef Gilliam. Ihr Ziel: Die Spitze der stählernen Arche Noah zu erreichen, wo sie Wilford umbringen und „die Maschine“ unter Kontrolle bringen wollen. Wie in einem intelligenten Computerspiel lauern auf die Revolutionäre und die Zuschauer in jedem Zugabteil völlig unerwartbare Überraschungen. So viel sei den Zuschauern vorab über dieses faszinierende Endzeitszenario verraten: Der Bodycount bei den ungewöhnlichen Kampfszenen in einzelnen Abteilen ist hoch, das Entsetzen über gehirngewaschene Mitmenschen in dieser streng geregelten Gesellschaft noch größer. Und wer sich auf die alte Blockbuster-Regel verlässt, dass Sympathieträger nicht urplötzlich abkratzen, der wird schwer desillusioniert ... Gabriele Summen ROK/USA/F 2013 / Regie: Bong Joon-ho / Mit: Chris Evans, Jamie Bell, John Hurt / Verleih: MFA / Start: 10.4.2014
APRIL 2014 CHILLI 27
Kultur Meldungen
kultur notizen
Von Schiffer QuetscH
Foto: © Städtische Museen Freiburg, Axel Killian
Volker Rausenberger über schlechten Ruf
D Ein Jubiläum für die Stadtgeschichte
Das Freiburger Museum für Stadtgeschichte hat am 13. April auf den Tag genau sein 20-jähriges Bestehen im Innenhof des Wentzingerhauses gefeiert. Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach sprach ein Grußwort, Museumsleiter Peter Kalchthaler erzählte Anekdoten aus dem Alltag der vergangenen zwei Jahrzehnte. Das Museum beherbergt Schätze aus der fast 900-jährigen Geschichte der Stadt Freiburg. Das 1761 errichtete Gebäude ist nach seinem Bauherren, dem Maler, Bildhauer und Architekten Johann Christian Wentzinger benannt. Die Stadt Freiburg hatte es 1905 erworben. Das Augustinermuseum richtete 1927 eine Gemäldegalerie ein. Vom Krieg blieb das Gebäude verschont. Von 1946 bis 1983 hatte die Musikhochschule hier ihren Sitz. 1988 erwarb die Adelhausenstiftung das spätbarocke Künstlerhaus und setzte es in Absprache mit den Städtischen Museen Freiburg und der Staatlichen Denkmalpflege instand. Heute zählt es zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Stadt.
Orchesterfusion noch ohne Wohlklang
Die beiden SWR-Klangkörper Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg und das Radiosinfonieorchester Stuttgart warten auf ihre Zwangsfusion. Bisher sind alle Rettungsversuche von privater Seite gescheitert. Nun ist immerhin klar, wie das 2016 zu fusionierende Ensemble heißen wird: SWR-Symphonieorchester. Wenn das international auftritt, wird noch die Landeshauptstadt als Stammsitz aufs Etikett geklebt. Es sind 119 Planstellen vorgesehen, wer Chefdirigent wird, ist ebenso offen wie die künstlerische Ausrichtung. In Stuttgart und – vorwiegend an Wochenenden – im Freiburger Konzerthaus soll es je zehn Abonnementkonzerte geben. chilli 56 CHILLI April 2014
er seit 22 Jahren vergebene und mit mehr als 2000 Euro dotierte ZMF-Preis, der förderungswürdige Musiker aus der Region bei ihrem Schaffen unterstützen soll, geht in diesem Jahr nicht gerade an ein Nachwuchstalent: Preisträger ist der 45-jährige Akkordeonist Volker Rausenberger. Der Leiter des Freiburger Akkordeonorchesters macht sich auch deswegen in besonderem Maß um die Musik verdient, weil er als Dozent an der Pädagogischen Hochschule und als Musiklehrer sein Wissen an Jüngere weitergibt. So ist er unentwegt bestrebt, der etwas aus der Mode gekommenen „Quetschkommode“ neue Jugend einzuhauchen. Warum sich das in seinen Augen lohnt, hat er chilli-Redakteur Felix Holm im Interview verraten. chilli: Wie sind Sie eigentlich zum Akkordeonspielen gekommen? Rausenberger: So weit ich mich erinnere, habe ich da keine Wahl gehabt. Mein Vater und mein Bruder haben beide Akkordeon gespielt. Aber ich würde im Rückblick auch kein anderes Instrument wählen, ich bin sehr glücklich damit.
»Das Chamäleon der Instrumente« chilli: Dabei ist das heute alles andere als ein populäres Instrument. Glauben Sie, dass das Schifferklavier ein Imageproblem hat? Rausenberger: Jein. In Teilen der Bevölkerung kennt man das Akkordeon als Schifferklavier oder Quetschkommode – eben als volkstümliches Instrument oder als Volksmusikinstrument. Es wurde lange Zeit gar nicht als künstlerisches Instrument wahrgenommen. Aber ich komme immer wieder in Situationen, in denen Leute auf mich zukommen und sich wundern, was man mit dem Akkordeon alles machen kann. chilli: Was kann man denn alles damit machen? Rausenberger: Fast alles – außer Chopin (lacht). Und manche spielen sogar das. Einer hat mal gesagt: es ist das Chamäleon der Instrumente, weil es so vielseitig ist. Natürlich ist es in der Volksmusik und in der volkstümlichen Musik oder der Folklore beheimatet. Inzwischen ist es aber auch stark in der neuen, zeitgenössischen Musik verhaftet.
Kultur Interview
klavieren Und H kommoden
den ZMF-Preis und den f des Akkordeons
chilli: Auch in der Popmusik? Rausenberger: Da ist es wenig präsent, das stimmt. Lambada war ein großer Hit mit Akkordeon – und damit damals eine große Hilfe für das Instrument. Aber das ist wirklich schon eine Weile her. Bei „Ai Se Eu Te Pego“ (Anm. d. Red.: Nossa, nossa!) war ein Akkordeon dabei. Es gibt Richtungen wie den „Gypsy-Jazz“, wo es relativ stark vertreten ist. In Finnland ist es erstaunlicherweise ein mehr genutztes Cross-Over-Instrument. Da gibt es sogar Heavy-Metal-Bands mit Akkordeon. Und bei Element of Crime – einer meiner Lieblingsbands – ist es auch mit drin. chilli: Abschließend zu dem Thema: Warum sollten junge Menschen Akkordeon spielen? Rausenberger: Weil’s ein cooles Instrument ist. Es ist so wandlungsfähig: Man kann klassische Musik drauf spielen, Tango, Folklore. Ich habe eine Schülerin, die geht mit dem Akkordeon raus und macht Straßenmusik. Man kann alleine spielen, im Ensemble mit anderen Instrumenten oder im Orchester. chilli: Dieses Jahr werden Sie mit dem ZMF-Preis ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen so etwas? Rausenberger: Erstmal finde ich es toll, dass man mit 45 noch einen Förderpreis bekommt (lacht). Das ist auch eine Bestätigung für unsere Arbeit, für die untypische Richtung, die wir einschlagen. Es bestätigt uns, dass wir richtig liegen, wenn wir uns den verschiedensten Musikstilen öffnen und bekräftigt uns, diesen Weg weiterzugehen.
Konzert info Volker Rausenberger tritt zusammen mit seinem Akkordeonorchester am 27. Juli um 12 Uhr mittags bei „Von Klassik zu Tango“ im Spiegelzelt und im Rahmen der ZMF-Gala „Fiesta Latina“ am 28. Juli um 19.30 Uhr im Zirkuszelt auf. Als Überraschungsgast wird dort wohl Ex-Fußballer Rodolfo Cardoso auf die Bühne kommen, um den Tango anzumoderieren. www.zmf.de
April 2014 CHILLI 57
Foto: © chmauss
chilli: Überreicht bekommen Sie den Preis im Rahmen der ZMF-Gala mit dem Motto „Fiesta Latina“. Was darf man da von Ihnen und Ihrem Orchester erwarten? Rausenberger: Wir werden gemeinsam mit der argentinischen Sängerin Josefina Aymonino auftreten und einen Ausschnitt aus unserem gemeinsamen Tango-Projekt zeigen. Und wahrscheinlich bringen wir auch ein paar Tango-Tänzerinnen mit.
MUSIK REZIS
3 FRAGEN AN SVÉA
This Void Crystals
Hanna Meyerholz How to swim
DevilDuck
Skycap Records – 2014
Foto: © Sophie Jones
Headline
Neue Klänge aus Freiburg Die 19-jährige Freiburgerin Maria Ernhofer alias SVÉA hat sich nach ihrem Abitur ein Jahr Zeit genommen, um an ihrer Musik zu arbeiten, die sie selbst als Mischung aus Folk, Elektro und Pop bezeichnet. Kurz nach dem Release ihrer ersten EP „Slow Motion Of Life“ hat sie chilli-Autorin Sophie Jones verraten, was sie inspiriert. chilli: Wieso hast du die Verbindung zwischen Natur und urbanem Leben als Thema deiner EP gewählt? SVÉA: Die EP ist autobiographisch, ich habe lange Zeit im Hochschwarzwald gelebt und wohne jetzt wieder in Freiburg. Ich finde es schade, dass das ländliche Leben nur negativ gesehen wird. Ich mag zwar die Stadt, aber hier ist alles so schnelllebig, man kann sich auf nichts wirklich verlassen – das ist außerhalb anders. Es ist interessant, dass meine Generation davon besessen ist, in der Stadt zu leben. chilli: In welchen Situationen hättest du gern die Möglichkeit, in „Slow Motion“ zu leben? SVÉA: Zwischenmenschliche Momente beim Feiern würde ich gern langsamer erleben: Man steckt Fremde in einen Raum, die durch die Musik etwas gemeinsam haben, und so passiert alles Mögliche. Manchmal gehe ich nur aus, weil mich diese Momente so inspirieren. chilli: Was steht jetzt nach der EP-Veröffentlichung für dich an? SVÉA: Ich werde jetzt viel mit der Band proben, die mich bei meinen Auftritten begleiten wird. Mitte Mai ist mein erstes Konzert im neuen Bauernhaus im Vauban. Ich will viel in Freiburg auftreten und mir hier einen Namen machen. 66 60 CHILLI April 2012 2014
Kreative Kleber
Gleich explodiert sie
Sie kommen aus Jever und klingen ebenso frisch wie die Brise an der Nordsee. Auf frischen, leichten Melodien schleicht sich der warme Gesang in die Ohren des Hörers. „Crystals“ ist in genau sechs Studiotagen entstanden. Das nenne ich konsequent. Viele andere Bands basteln monatelang an ihren Alben herum, ändern viel, und oft ist der Ursprungssong mit dem fertigen Stück kaum noch vergleichbar. This Void haben sich bewusst dazu entschieden, nicht monatelang aufzunehmen. „Crystals“ ist das zweite Album der fünf Mannen aus dem Norden. Den Grundstein des Indie-Rock-Albums legen Keno Potthast, Daniel Möbes, Christian Lindemann, Max Schlake und Lukas Ernst mit ihrem Opener „Awakening“. Ein herrliches Stück, das mit seiner Komposition absolut überzeugt. Die melodiösen Gitarren über dem erdrückenden Beat sind das Markenzeichen dieses Albums, das zeigt, wie kreativ die Jungs sind. Aber hier liegt auch das Problem, denn mit zunehmender Spielzeit wiederholt sich dieses Schema allzu oft, sie kleben förmlich dran, und so schenkt man den einzelnen Songs dann vielleicht nicht mehr die gebührende Beachtung. Auf einer Skala von eins bis zehn bekäme dieses Album sechs Punkte. Allerdings gute sechs Punkte, denn die Band ist noch sehr jung und hat unheimlich viel Potenzial. Es lohnt sich sicher, „This Void“ zu hören und weiter zu verfolgen. Marc Bargmann
Meyerholz – das klingt bürgerlich, kernig und eben – sorry – hölzern. Und demzufolge so gar nicht nach dem, was den Hörer auf der großartigen Scheibe der Songwriterin, die mit Vornamen Hanna heißt, erwartet. Wer in „How to swim“ eintaucht, muss aufpassen, nicht zu versinken. Mit federsanfter Stimme nimmt einen die ehemalige Siegerin des Bundeswettbewerbs „Jugend Musiziert“ unmittelbar gefangen. Hanna Meyerholz singt derart emotional, dass man jeden Moment meint: Gleich explodiert sie! Aber genau das passiert nicht. Mit dem aphroditenhaften Klang ihres Organs nimmt sie den Hörer gefangen, verwöhnt ihn, streichelt ihn, verführt ihn spielerisch. Sie geht an die Grenzen des Angenehmen, ohne diese aber auch nur einmal zu überschreiten. Dass das gesamte Album nur von Gitarrenklängen begleitet wird, reicht bei den Gesangsfähigkeiten der gerade einmal 24-Jährigen vollkommen aus. Wahrscheinlich würde mehr sogar nur stören. Worum es in den Texten der jungen Frau aus Münster geht? Fragen Sie bitte nicht den Autor dieser Zeilen. Der ist auch nach dem Xten Durchhören des Debütalbums noch zu hingerissen vom Klang, als dass er sich auf Nebensächlichkeiten konzentrieren könnte. Meyerholz? Das klingt nach Liebe auf den ersten Ton. Felix Holm
The Baseballs Game Day
The Silverettes
Warner Music
ToBaGo Records, 2014
The Real Rock´n´Roll Chicks
Der Souddreck zum Fotoalbum Titel: Uuusa Urlaubslied Urheber: „Harald“ Jahr: 2013
erstmals auch eigenes
Aus alt mach neu
Moderne Hits, die mit Elvis-Hüft schwung und in lässiger Rock’n’RollMarnier vorgetragen werden: dafür stehen the Baseballs. Mit ihrer aktuellen Platte wollen sie jetzt zeigen, dass sie mehr können, als fremde Lieder in die 50er zu versetzen, und stellen vier Eigenkompositionen vor. Auch wenn die nicht ausgereicht haben, um in den Eurovision Song Contest einzusteigen, müssen die drei Rock’n’Roller ihr Selbstgeschriebenes nicht verstecken. Die launigen Nummern laden zum Mittanzen, Mitsingen und Mitfeiern ein. Auch die Texte sind rundum partytauglich – also ohne nennenswerten Tiefgang. Ergänzt werden die eigenen Nummer von Neuinterpretationen wie Lana del Reys „Video Games“ oder Lordes „Royals“. Und auch Rihannas „Diamonds“ darf nicht fehlen, hatten the Baseballs doch mit ihrem Hit „Umbrella“ ihren großen Durchbruch. Dann ist die Platte durch und man merkt: richtig hängengeblieben ist keiner der Songs. Und auch von seinen Vorgängern hebt sich das Album kaum ab. The Baseballs setzen eben auf Altbewährtes und behalten Recht – was in den 50ern funktioniert hat, funktioniert auch heute noch. Nur auf den Überraschungsmoment darf man halt nicht warten ...
„Wenn es im Himmel keinen Rock’n’Roll gibt, dann möchte ich dort nicht hin.“ Dieses Zitat vom legendären Bon Scott (AC/DC) könnte auch von The Silverettes stammen. Die drei Sängerinnen Jules, Sassy und Ira lassen den Hörer mit fetzigen Beats in die Welt des Rock’n’Rolls der 50er und 60er abtauchen. Elvis Presley, Chuck Berry und Little Richard lassen grüßen! Das Debüt-Album der drei Ladies besteht aus gecoverten und selbst geschriebenen Musikstücken. Die gelungene Mischung aus alten 50er-Schinken, 80er-Klassikern und aktuellen Songs lässt den Rock’n’Roller-Fuß sofort mitwippen. Die Stimmen der selbsternannten Chicks passen gut zusammen und geben den Liedern eine eigene Note – egal, ob es sich dabei um Coverversionen wie etwa Rihannas „Shut up’n’Drive“ oder „Sweet Dreams“ von den Eurythmics handelt oder um eigene selbst geschriebene Titel wie „Pin-Up-Girl“ oder „Rockabella Baby“. Es ist schwer zu sagen, was den dreien besser gelungen ist: die gecoverten Rock’n’Roll-Versionen oder die selbst geschriebenen Titel. „The Real Rock’n’Roll Chicks“ wird jeden Rockabilly-Liebhaber begeistern. Aber auch, wer nichts mit Petticoat und Elvis-Tolle zu tun hat, wird dank der originellen Neuaufnahmen ohnehin schon guter Stücke auf seine Kosten kommen. Auch Bon Scott hätte seinen Spaß.
Tanja Bruckert Info: The Baseballs spielen am 28. April im Jazzhaus Freiburg
Daniela Ketterer
Urlaub ist schön. Für viele Menschen die schönste Zeit im Jahr. So schön, dass man alle daran teilhaben lässt. Die Teilhabe manifestiert sich häufig in mühseligen Präsentationen auf zu kleinen Laptops oder aufwändigen Beamer(früher Dia-)Abenden in geselliger Runde. Meist mit gefühlten 2000 Bildern – ohne die Möglichkeit zur Flucht. Dagegen ist die Präsentation der Urlaubsbildersammlung via Slideshow im Videokanal noch eine harmlose Angelegenheit. Eine strafrechtlich sensible Unsitte wird dies jedoch, wenn die „Urlauber“ den Urlaubsbericht vertonen. So wie Harald den letztjährigen USA-Besuch mit der Familie: Los geht’s in Frankfurt: „Das Flugzeug steht auf der Startbahn, die Motoren laufen hoch, Die Vorfreude ist riesengroß, Endlich geht es los – Wir fahren nach Amerika Die Mädels sind dabei-i-i“ Mit schleppenden Dance-Beats und leicht angezerrter Gitarre ist man von der Reise beeindruckt: „Mensch, das wird ein geiler Trip, was wir da alles sehn, dieses riesen Land, das rocken wir zusammen.“ Und immer wieder: „…und die Mädels sind dabei“ Mit diesen Lyrics sehen wir dann die ungewöhnlichen Ziele Golden Gate Bridge, Alcatraz und Disneyland. Wie gesagt. Bei Weitem kein Einzelfall. Aber es ist wie mit der Steuerhinterziehung. Auch wenn’s alle machen … Benno Burgey & Ralf Welteroth Ihre Geschmackspolizei
KINO interview
Wunderbar ausdrucksstark Oscar-Preisträger Pepe Danquart über Kriegskinder, wunderbare Zwillinge und »Lauf, Junge, lauf!«
Lauf, Junge, Lauf D, F, Pl 2013 Regie: Pepe Danquart Mit: Elizabeth Duda, Andrzej und Kamil Tkacz, Jeannette Hain u. a. Verleih: NFP (Filmwelt) Start: 17.4.2014 Fotos: © NFP
D
er neue Film von Pepe Danquart „Lauf, Junge, lauf !“ ist nach der Weltpremiere in Warschau jetzt auch in den Freiburger Kinos zu sehen. Der Regisseur und Oscar-Gewinner, dessen erster Wohnsitz immer noch in Freiburg ist, hat die drei dramatischsten Jahre im Leben eines Mannes verfilmt, der heute 80 Jahre alt ist und in Israel lebt: Yoram Fridman. Der Film spielt zwischen 1942 und 1945, der damals Achtjährige verbringt sie ununterbrochen auf der Flucht. Er schafft es, aus dem Warschauer Ghetto abzuhauen, bis zum Kriegsende muss er sich aber in ständiger Angst durchschlagen. Mut, Raffinesse, Schnelligkeit und sein unbändiger Lebenswille helfen. Und eine falsche Identität. chilli: Herr Danquart, die Deutsche Filmbewertung (FBW) hat Ihrem neuen Film schon das Prädikat „besonders wertvoll“ verliehen. Warum? Danquart: Einer der guten Gründe ist sicher die Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird: Die letzten Jahre des Holocausts werden konsequent aus der Sicht eines kleinen Jungen dargestellt, der über Nacht erwachsen werden muss und dennoch Kind bleibt. Der gejagt, gefangen und verraten wird, der aber auch Hilfe findet und überlebt. Diese Erzählperspektive und das hoffnungsvolle Ende machen die Geschichte zu einem Dokument der Menschlichkeit. Der Film ist zu einer Ode an das Leben geworden, er ist vielleicht auch eine Verbeugung vor allen Kriegskindern, die es auch heute noch gibt – in Syrien, Ägypten, im zentralen Afrika oder wo auch immer Kinder in Kriegen ihre Kindheit verlieren, ihre Jugend, ihre Familie, Freunde, manchmal auch das Leben.
Als „besonders wertvoll“ gilt der neue Film von Oscar-Preisträger Pepe Danquart.
62 CHILLI April 2014
chilli: Die Vorlage fanden Sie im gleichnamigen Buch von Uri Orlev, der wie Fridman aus Polen stammt und jetzt auch in Israel lebt. Er gehört zu den bedeutendsten Kinder- und Jugendbuchautoren seines Landes. Haben Sie einen Kinderfilm gemacht? Danquart: Ich sage immer: von 13 bis 70. Es ist kein Kinderfilm, auch wenn er sich vielleicht wie ein huckleberry-finn‘sches Abenteuer ansehen mag. Aber der Film ist schon sehr hart: Das barbarische Treiben der Nazis wird, wenn auch indirekt gespiegelt in der Geschichte des Jungen, in jedem Bild miterzählt. Er ist in seiner Form aber auch hervorragend geeignet als Schulfilm. Wenn man 13 oder 15 ist, versteht man auch in der Übersetzung seines eigenen Blicks auf die Welt ganz genau, was sich da abspielt. Die Ängste, die ein Gleichaltriger in dem für heutige Jugendliche abstrakten Zusammenhang des Krieges erlebt, werden nachvollziehbar. So kann der spannende Abenteuerfilm zu einem tiefen emotionalen Geschichtserlebnis werden. chilli: Bei der Weltpremiere in Warschau meinte Fridman, er habe mehr als 90 Prozent der Szenen „genau so erlebt“. Der Film bewegt sich hautnah an den fast unglaublichen Erlebnissen des Jungen und deren literarischer Aufbereitung. Warum soll man ihn nach der Lektüre noch anschauen? Danquart: Der Film hat eine Dimension an Nachvollziehbarkeit der Emotionen, die über das hinausgeht, was man im Buch lesen kann. Der Erzählstrang ist konzentrierter, stringenter, ohne dass dadurch der Inhalt des Buchs verfremdet wurde. So kommt der innere Konflikt des Jungen, der, um zu überleben, eine falsche Identität annehmen muss, im Film stärker zum Ausdruck.
KINO FILMTIPPS
Das ist ein Spannungsaufbau, den in dieser ganz besonderen Art und Weise eben nur ein Film leisten kann. chilli: Das vagabundierende Judenkind Srulik wird zum arbeitssuchenden katholischen Waisenkind Jurek. Wie ist Ihnen diese Metamorphose im Film gelungen? Haben vielleicht die Zwillingsbrüder Andrzej und Kamil, die sich die Hauptrolle teilen, jeweils eine der beiden Identitäten angenommen und verkörpert? Danquart: Wie Sie wissen, habe ich auch einen Zwillingsbruder, aus meinem eigenen Erleben in diesem Alter einen besonderen Blick auf Zwillinge und weiß, dass sie bei aller äußerlichen Übereinstimmung ganz unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Als ich Andrzej unter den 700 Kindern beim Casting endlich gefunden hatte, wurde ich natürlich neugierig, als er mir sagte, dass er einen Zwillingsbruder hat. Als er ihn mitbrachte, wusste ich, dass es ein absoluter Glücksgriff war: Ich konnte sowohl den einen wie den anderen in allen Szenen einsetzen und dann die jeweils überzeugenderen Interpretationen übereinander legen zu dieser wunderbar ausdrucksstarken Figur Srulik-Jurek. Eine derartig überzeugende Darstellung eines Kindes ist im Kino wohl selten so wunderbar umgesetzt worden wie von diesen beiden Brüdern. chilli: Was macht für Sie Freiburg als Kinostadt besonders aus? Danquart: Freiburg ist die begehrteste Stadt aller Verleiher, weil die Zahl der Besucher pro Einwohner hier im Bundesvergleich außergewöhnlich hoch ist. Außerdem gibt es ja auch so einen wunderbaren Kinomacher wie Michael Wiedemann, der bundesweit als einer der besten seines Fachs gilt, was Arthaus- und Programmkino angeht. Der hätte schon längst den Kulturorden der Stadt verdient: Das Programm in Freiburg ist mindestens so gut wie in der Hauptstadt Berlin – das kann ich persönlich überblicken, da ich seit mehr als 20 Jahren zwischen beiden Städten pendle. chilli: Herr Danquart, wir danken Ihnen für das Gespräch. Erika Weisser
Die Poetin
Circles – Krugovi
Brasilien 2013 Regie: Bruno Barreto Mit: Miranda Otto, Glória Pires, Tracy Middendorf u.a. Verleih: Pandastorm Start: 10.4.2014
SRB, KRO, SLO, D 2013 Regie: Srdan Golubovi Mit: Aleksandar Bercek, Leon Lucev, Nebojsa Glogovac u.a. Verleih: Barnsteiner Film Start: 17.4.2014
Drei sind eine zu viel
Versuch der SüHne
Die New Yorker Dichterin Elizabeth Bishop sucht Anfang der 1950er Jahre neue Inspiration für ihre Lyrik. Ihre Schaffenskrise führt sie nach Rio de Janeiro, wo sie ihre Studienfreundin Mary besucht. In ihrer Schüchternheit fühlt sich die Poetin von der brasilianischen Sinnlichkeit und Lebensfreude geradezu überrumpelt. Sie ist das genaue Gegenteil von Marys schneidiger Lebensgefährtin, der Architektin Lota de Macedo Soares. Deren anfängliche Ablehnung gegenüber Elizabeth schlägt bald um in tiefe Zuneigung, was Mary gar nicht gefällt. Die Dreiecksgeschichte gerät völlig aus dem Gleichgewicht, als Lota ihr größtes Werk beginnt: die Gestaltung des weltberühmten Flamengo Parks in Rio. Beflügelt von der neuen Umgebung kann Elizabeth wieder schreiben und wird mit Preisen überhäuft. Nun sind beide Frauen auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Doch ein Militärputsch droht alles zu ändern ... So zart, so kühl, so kraftvoll wie die Gedichte spielt Miranda Otto die Pulitzer-Preisträgerin Elizabeth Bishop.
Der muslimische Kioskbesitzer Haris wird zur Zeit des Bosnienkrieges vom serbischen Offizier Todor und drei weiteren Soldaten mitten auf dem Marktplatz bedroht und attackiert. Marko, ein junger Serbischer Soldat, ist zufällig mit seinem Freund Nebojsa in der Nähe und sieht den Vorfall. Als er sich einmischt, um Haris zu helfen, wird er von den Soldaten zu Tode geprügelt. Zwölf Jahre vergehen. Der Krieg ist vorbei, doch die Ereignisse haben tiefe Spuren hinterlassen. Markos Vater Ranko wird von einem jungen Mann aus der Nachbarschaft um Arbeit gebeten, der wiederum nicht weiß, dass sein Vater einer der Mörder Markos ist. Markos Freund Nebojsa, inzwischen ein angesehener Chirurg, begegnet Todor und erkennt ihn wieder, als dieser eine lebensrettende Operation benötigt. Kann man einem Mörder vergeben oder strebt man ewig nach Rache? Der Film reflektiert die Fragen und die Folgen einer mutigen Tat, das Ringen um Rache, Schuld und Versöhnung.
mos
mos
nur 8 kc0amll pro 10
Jetzt Leichtigkeit genießen! Alkoholfreies Fürstenberg trifft spritzig-frische Zitronenlimonade. Unser Zitrus Radler alkoholfrei – das schmeckt!
Dies war eine Leseprobe der April-Ausgabe 2014. Haben Sie Lust auf mehr? Das komplette Heft ist unter abo@chilli-online.de oder im Handel erh채ltlich.