
KULTUR
EINE REISE DURCH
DIE MUSEUMSWELT
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EINE REISE DURCH
DIE MUSEUMSWELT
ERSTAUNLICHE ENTDECKUNGEN IN MUSEEN UND KUNSTHALLEN IN UND UM FREIBURG

Mit vielfältigen Angeboten warten die Museen und Kunstsammlungen in Freiburg und der Regio in diesem Sommer auf. Die Ausstellungen reichen von Malerinnen-Retrospektiven mit Seltenheits- oder gar Einmaligkeitswert über die künstlerische Auseinandersetzung mit Wasser-Lebenswelten, globalen Ungerechtigkeiten oder nationalistischem Rassismus bis zur Möglichkeit, bisher wenig bekannte Seiten an bekannten Menschen zu entdecken. Auch das Zusammenspiel von Kunst und Sport kommt nicht zu kurz.
Kunsterlebnisse in wohltemperierten Räumen
Zu allen in dieser Auswahl zusammengefassten Werkschauen haben Inhaber·innen des Museums-Pass-Musées freien Eintritt – und oft auch zu den Begleitveranstaltungen. Dieses Jahresticket ist in mehr als 350 Museen, Kunsträumen, Schlössern und Gärten in Frankreich, der Schweiz und Baden-Württemberg gültig – und die meisten von ihnen bieten außer vielseitigen Kunsterlebnissen auch wohltemperierte Hitze-Rückzugsräume.
Wer noch nicht dort war, sollte die ersten Ferientage nutzen, um im Neubau des Kunstmuseums Basel eine Ausstellung mit hohem Seltenheitswert zu besuchen: Bis zum 23. August gibt es dort die erste Schweizer Einzelausstellung der Werke der US-amerikanischen Künstlerin Helen Frankenthaler (l.). In der bisher größten in Europa gezeigten Werkschau dieser Pionierin der modernen abstrakten Malerei sind mehr als 50 meist großformatige Bilder zu sehen. Und die laden geradezu ein, in die leuchtenden Farbwelten einzutauchen.

Dass es irgendwie unfair zugeht in dieser Welt, das spüren fast alle. Denn allmählich wächst das Bewusstsein dafür, dass globale Rohstoffmärkte und lokale Lebenswelten eng miteinander verbunden sind. Dass „Wohlstand hier“ unmittelbar zusammenhängt mit „Armut dort“. Die Menschen des globalen Südens machen diese Erfahrung indes viel früher als die, die das Glück hatten, zufällig in einem reichen Land wie etwa Deutschland auf die Welt zu kommen. Die Ethnologische Sammlung des Museums Natur und Mensch nimmt nun zwei ganz unterschiedliche Produkte in den Fokus, die diese Un-
Ihr experimenteller Umgang mit Farbe und Leinwand machte Frankenthaler früh zu einer wegweisenden Figur des vor allem in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten abstrakten Expressionismus. Mit gerade 23 Jahren erfand sie die die Soak-Stain-Technik, die nie zuvor gesehene Effekte erzielte: Sie breitete riesige, unbehandelte Leinwandbahnen auf dem Boden aus, versah sie mit Spots aus verdünnter Farbe und bearbeitete diese von allen Seiten mit Pinseln, Schwämmen, Schabern, Haushaltsbürsten und anderen Werkzeugen. Damit erreichte sie, dass die Leinwand die Pigmente aufsog, dass Stoff und Farbe eins wurden. So schuf sie große, teils monumentale Kompositionen von enormer Leuchtkraft und gab entscheidende Impulse für die Farbfeldmalerei. Viele dieser imposanten Werke sind nun in Basel zu bewundern; in etlichen kleineren – und ebenfalls großartigen – Arbeiten spiegelt sich ihre Auseinandersetzung mit Künstlern früherer Epochen wider. Diese reichen von Tizian, Gustave Courbet, Edouard Manet, Claude Monet bis Marie Laurencin und vielen anderen. Sie entdeckte diese Künstler bei Museumsbesuchen auf ihren Europareisen. Anhand von Kunstpostkarten interpretierte sie sie dann auf ihre visionäre Art. Eine Bereicherung dieser ohnehin bereichernden Ausstellung.
Helen Frankenthaler; bis 23. August Kunstmuseum Basel/Neubau St. Alban-Graben 20, CH-4051 Basel kunstmuseumbasel.ch

gleichheit bedingen: Kakao und Zement. Bis zum 3. Januar 2027 wird hier nachvollziehbar, wie Ausbeutung funktioniert, welche Formen des Widerstands es gibt und welche hoffnungsvollen Perspektiven vor Ort entwickelt werden können. Das wird anhand zweier künstlerischer Positionen gezeigt: Dewi Candraningrum aus Java beschäftigt sich mit dem Abbau des Kalksteins im Kandeng-Gebirge: Die fast ausschließlich für den hiesigen Import bestimmte Zementproduktion zerstört dort die natürlichen Wassersysteme und damit die Lebensgrundlagen der Menschen. Und der aus Ecuador stammende Künstler Marcello Martinez Vega zeigt in seiner Installation „El País del Cacao“, dass das hiesige Genussmittel dort eine spirituelle Bedeutung hat und dass der gewinnorientierte Raubbau schon viele Gemeinschaften zerstört hat, die jetzt an fairen Produktionsbedingungen arbeiten.
Voll unfair; bis 3. Januar 2027
Museum Natur und Mensch, Gerberau 32, 79098 Freiburg museen.freiburg.de/mnm

Kühlung findet sich in diesen heißen Sommertagen nicht nur am Ort, sondern auch im Thema der Ausstellung: Beides hat mit Wasser zu tun. In Wattwiller, der an den schattigen und quellenreichen Ausläufern der Südvogesen gelegenen Gemeinde, zeigt die Fondation François Schneider bis 20. September die Ausstellung „Hydroscape“ mit Fotografien und Collagen von Nicolas Floc’h. Seit vielen Jahren erforscht der Künstler mit der Kamera Unterwasserlandschaften und andere unsichtbare Räume und macht sie sichtbar. Weit entfernt von der bloßen Dokumentation begreift er das Element Wasser als eigenständigen Lebensraum mit eigenen Wäldern, Wiesen und farblichen Nuancen, die den Zustand von Ozeanen und Flüssen preisgeben.
So hat er etwa für das Tableau „La Couleur de l‘eau“ an verschiedenen Stellen zwischen Bodensee und Nordsee in verschiedenen Tiefen Fotos vom Wasser des Rheins gemacht und somit deutlich gemacht, welchen urbanen, landwirtschaftlichen oder industriellen Einflüssen er in seinem Verlauf unterworfen ist. Neben solchen farbigen Bildern finden sich oft geheimnisvolle Schwarzweiß-Aufnahmen von Meeresgründen, die zeigen, wie sich die Natur fast immer ihre Orte zurückerobert. Sehr schön.
Nicolas Floc’h, Hydroscape; bis 20. September
Fondation François Schneider, 27, Rue de la Première Armée, F-68700 Wattwiller fondationfrancoisschneider.org
Eine besondere Ausstellung widmet die Kunsthalle Messmer bis zum 11. Oktober dem Schriftsteller Hermann Hesse. „Bereit zum Aufbruch“ ist sie benannt und zeigt den Dichter und Nobelpreisträger von einer überraschenden Seite: als Maler. Der Autor der Werke „Der Steppenwolf“, „Siddhartha“ oder „Das Glasperlenspiel“ nutzte die Malerei als kreativen Gegenpol zum Schreiben und als Mittel, persönliche Eindrücke zu verarbeiten. Mehr als 130 Objekte sind zu sehen – von leuchtenden Aquarellen und Tuschezeichnungen über illustrierte Gedichte und Briefe bis hin zu Typoskripten und kostbaren Erstausgaben. Bilder vom Beginn seiner Malerei in Bern über die inspirierende Zeit in Montagnola bis zu Einflüssen durch die alternative Gemeinschaft auf dem Monte Verità setzen sein bildnerisches in Dialog mit seinem literarischen Schaffen. Denn sowohl Bild als auch Wort spiegeln seine Liebe zur Natur, seine Sehnsucht nach Harmonie und zentrale Lebensthemen wie Aufbruch, Erneuerung und Identitätssuche wider.

Hermann Hesse – bereit zum Aufbruch; bis 11. Oktober Kunsthalle Messmer, Großherzog-Leopold-Platz 1, 79359 Riegel kunsthallemessmer.de
Was hat Sport mit moderner Kunst zu tun? Wann wird ein Spielfeld zum Atelier oder zur Werkstatt? Oder umgekehrt: Wie wird ein Museum zum Spielfeld? Bis zum 11. Oktober können Besucher als Akteure im Museum für neue Kunst erleben, was geschieht, wenn man Regeln neu denkt – oder den Sport vom Leistungsgedanken befreit. Einige Kunst-Installationen laden zur aktiven Beteiligung ein, darunter ein ganz in Weiß gehaltenes Schachbrett von Yoko Ono. In einem anderen Saal steht eine Tischtennisplatte mit überraschenden Hindernissen – und in einem Raum, der fast wie eine Schulturnhalle riecht, liegen Bälle zum Spiel bereit, deren Form und Funktion abgewandelt wurden. Zu einzelnen Kunstwerken der Ausstellung kann man sich launige Audio-Kommentare des Schirmherrn und früheren SC-Trainers Christian Streich anhören.
Spielfeld – Sport und Kunst; bis 11. Oktober Museum für Neue Kunst, Marienstr.10a, Freiburg Museen.freiburg.de/mnk

Emil Ferris (*1962) zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Comiczeichnerinnen. Mit Kugelschreiber auf liniertem Papier verbindet sie zeichnerische Meisterschaft mit einer radikal subjektiven, tief poetischen Erzählweise. Ihr Debüt „Am liebsten mag ich Monster“ von 2017 gilt als Meilenstein des modernen Comics. Es spielt im Chicago der 1960er-Jahre. Die junge Protagonistin Karen Reyes meint, ein Werwolf zu sein, und liebt Monster. Sie sind ihre Zuflucht und ihr Blick auf eine feindliche Welt. Während sie versucht, den Tod ihrer Nachbarin aufzuklären, öffnen sich Abgründe familiärer Vergangenheit. Ferris̓ erste große Einzelausstellung in Europa zeigt – bis 15. November – neben Originalseiten aus ihren Graphic Novels auch viele unveröffentlichte Zeichnungen, Objekte und Skizzen. Sie ist längere Zeit vor Ort, bietet im Cartoonmuseum Workshops an und gibt Einblicke in ihr künstlerisches Universum.

Ein düsteres Kapitel der Geschichte wird derzeit im Haus der Graphischen Sammlung erhellt. In Marcel van Eedens Ausstellung „6. August 1870“ geht es um die Verflechtungen von Nationalismus, Kolonialismus und Rassismus. Ausgangspunkt für den 70-teiligen Werkzyklus ist das kurze Leben des Kolonialsoldaten Abdel Kader Ben Lahcen – und sein Tod im November 1870.

Emil Ferris, Between Selves; bis 15. November Cartoonmuseum Basel, St. Alban-Vorstadt 28, CH-4052 Basel cartoonmuseum.ch
SKIMUSEUM HINTERZARTEN
Bilder von Stefanie Böhler kennt man eher aus Sportreportagen: Die heute 45-Jährige galt viele Jahre lang als beste Skilangläuferin des Schwarzwalds. Sie debütierte 2001 im Weltcup, gewann deutsche Meistertitel, nahm dreimal an Olympischen Spielen teil, errang Team-Medaillen. Im Schwarzwälder Skimuseum Hinterzarten ist sie nun als Künstlerin zu erleben: Bis 1. November ist dort ihre Ausstellung „Mein Weg in Farben“ zu sehen – mit Bildern, die sie in den letzten Jahren gemalt hat. Ganz unterschiedliche Motive hat sie interpretiert – Porträts, Landschaften, abstrakte Farbspiele.
„Malen ist für mich kein Ziel, sondern ein Weg, der sich mit jedem Bild neu entfaltet. Schicht für Schicht entsteht auf der Leinwand ein offener, manchmal überraschender Prozess“, sagt sie dazu.
Stefanie Böhler, Mein Weg in Farben; bis 1.11. Schwarzwälder Skimuseum, Erlenbrucker Str. 35, 79856 Hinterzarten schwarzwaelder-skimuseum.de

Der aus Algerien stammende Ben Lahcen kämpfte als Tirailleur im Deutsch-Französischen Krieg, wurde am 6. August 1870 bei der mörderischen Schlacht bei Woerth/Froeschwiller schwer verwundet. Er starb drei Monate später im Lazarett Schwetzingen; der dortige Chefarzt Albert Schinzinger obduzierte und präparierte seine Leiche – und brachte die Gebeine 1872 nach Freiburg. Hier übergab er die unrechtmäßig angeeigneten Trophäen an Alexander Ecker, der mit seiner kolonialen „Wissenschafts“-Sammlung die Grundlage für die an der Uni Freiburg entwickelte Rassentheorie schuf. Marcel van Eeden, Malerei-Professor an der Kunstakademie Karlsruhe, präsentiert nun die Ergebnisse seiner jahrelangen Spurensuche –und holt zumindest ein Opfer des Rassenwahns aus der Anonymität.
6. August 1870; bis 18. Oktober Haus der Graphischen Sammlung, Salzstr. 32, 79098 Freiburg museen.freiburg.de

Chéri, ich komme!
Die Erfindung der Lust
Frankreich, 2026
Regie: Reem Kherici
Mit: Alexandra Lamy, François Cluzet, Mitty Hazanavicius
Verleih: Neue Visionen
Laufzeit: 90 Minuten
Start: 23.7.2026



von Michaela Moser
Französische Komödien haben seit jeher ein besonderes Talent dafür, heikle Themen mit Charme, Leichtigkeit und einer guten Portion Selbstironie zu verhandeln. Mit „Chéri, ich komme!“ liefert Regisseurin Reem Kherici eine turbulente Beziehungskomödie rund um eine Frage, über die viele Paare vermutlich lieber schweigen würden: Was passiert, wenn man nach zwanzig Jahren Ehe erfährt, dass der gemeinsame Sex nie so gut war, wie man immer dachte?
Genau diese Erkenntnis trifft den Erfinder Tom (François Cluzet) mit voller Wucht. Seine Frau Fanny (Alexandra Lamy) gesteht ihm, dass sie in zwei Jahrzehnten Ehe noch nie einen Orgasmus hatte und sämtliche Höhepunkte nur vorgespielt waren. Für Tom bricht eine Welt zusammen. Nicht nur fühlt er sich in seiner Männlichkeit verletzt, auch die Gewissheit einer glücklichen Beziehung gerät ins Wanken. Als wäre das nicht genug, steckt das Paar zudem in finanziellen Schwierigkeiten. Das geliebte Haus samt Werkstatt soll verkauft werden – ausgerechnet von der eigenen Tochter organisiert.
Doch Tom wäre kein leidenschaftlicher Tüftler, wenn er sich damit abfinden würde. Kurzerhand beschließt er, das perfekte Sexspielzeug für Frauen zu entwickeln – ein Gerät, das den garantierten Orgasmus verspricht. Die Folgen sind ebenso chaotisch wie komisch. Zwischen Prototypen, Missverständnissen und peinlichen Situationen jagt ein Gag den nächsten, während Tochter Elsa zunehmend an den Aktivitäten ihrer Eltern verzweifelt.
Mit frechen Pointen, charmanten Zweideutigkeiten und einer Reihe skurriler Erfindungen sorgt „Chéri, ich komme!“ immer wieder für Lacher. Reem

Kherici setzt dabei auf den typisch französischen Mix aus Leichtigkeit, Romantik und augenzwinkernder Freizügigkeit. Dass der Film trotz aller Turbulenzen stets sympathisch bleibt, ist vor allem François Cluzet und Alexandra Lamy zu verdanken, die ihren Figuren viel Herz und Authentizität verleihen.
Cluzet, der spätestens seit „Ziemlich beste Freunde“ auch hierzulande zu den beliebtesten französischen Schauspielern zählt, verleiht seiner Figur eine sympathische Mischung aus Verletzlichkeit, Stolz und liebenswerter Sturheit. Alexandra Lamy steht ihm dabei in nichts nach. Mit viel Wärme und Gespür für die emotionalen Zwischentöne macht sie deutlich, dass hinter Fannys Geständnis keine Boshaftigkeit steckt, sondern der Wunsch nach Ehrlichkeit und Nähe.
Gerade diese Momente geben dem Film zusätzliche Tiefe. Hinter allen sexuellen Missverständnissen, pointierten Dialogen und komischen Verwicklungen steckt letztlich die Geschichte eines Paares, das trotz aller Krisen nicht aufgehört hat, füreinander einzustehen. So ist „Chéri, ich komme!“ weit mehr als eine frivole Sommerkomödie. Der Film verbindet Humor und Herz auf typisch französische Weise und erinnert daran, dass Liebe auch nach zwanzig Jahren Ehe noch Überraschungen bereithalten kann.

Spanien 2025
Regie: Daniel Sánchez Arévalo
Mit: Javier Gutiérrez, María Vázquez u.a.
Verleih: Alamode
Laufzeit: 113 Minuten
Start: 16. Juli 2026
(ewei). In dem galicischen Fischerdorf A Guarda hat die traditionelle Musik immer eine große Rolle gespielt. Doch seit einem schweren Schiffsunglück mit nur zwei Überlebenden ist es hier still geworden.
Nach zwei Jahren der Trauer suchen die Dorfbewohner immer noch Halt und Trost – in eben der Musik. Sie bilden ein neues Orchester, um mit Dudelsack und Kastagnetten die Lücken und Wunden zu schließen.
Zwar ist der Weg schwer und konfliktreich, doch die junge Andrea, die ihren Vater in der Katastrophe verlor, bringt frischen Wind in die Spielgemeinschaft. Und ein Ziel: Sie meldet sie zu einem regionalen Rondalla-Wettbewerb an. In den Proben verbindet sie vertraute Instrumente mit modernen Hits.
Nach und nach kehrt die Hoffnung und die Lebensfreude der traumatisierten und sich schuldig fühlenden Menschen zurück – das gemeinsame Musizieren öffnet die Türen für behutsame Annäherung und Versöhnung. Und für neue Lieben.


Frankreich/Belgien 2026
Regie: Jean-Paul Salomé
Mit: Reda Kateb, Sara Giraudeau, Pierre Lottin u.a.
Verleih: Progress
Laufzeit: 128 Minuten
Start: 30. Juli 2026
(ewei). Der Pole Czesław Bojarski gelangt als Geflüchteter während des Kriegs ins besetzte Frankreich. Dort fälscht der grafisch hochbegabte Ingenieur erst einmal Pässe – für Menschen, die vor den Nazis fliehen und wenig Geld haben. Dabei gerät er in eine Fälscher-Mafia, deren Boss nur an hohen Gewinnen interessiert ist.
Nach dem Krieg versucht er mit Erfindungen Fuß zu fassen – erhält aber wegen seines Status als Staatenloser keine Patentrechte. Als er eine Familie gründet und das Geld knapp wird, heuert sein vormaliger Boss ihn an –mit dem Auftrag, Geld zu fälschen. Die Bande fliegt auf, doch Bojarski kann sich retten, mitsamt den Utensilien für die Herstellung täuschend echt scheinender Banknoten.
15 Jahre lang treibt er sein Handwerk weiter, bringt es als „Cézanne der Fälscher“ zur Perfektion. Bis er in maßloser Selbstüberschätzung den Kommissar kontaktiert, der sich schon lange an seine Fersen geheftet hat. Damit öffnet er selbst die Tür zu seiner Verhaftung.


Ungarn/Griechenland 2026
Regie: György Pálfi
Mit: Huhn Feri, Mensch Joannis Kokiasmenis u.a.
Verleih: Neue Visionen
Laufzeit: 96 Minuten
Start: 8. August 2026
(ewei). Das Küken, das in der Legebatterie einer griechischen Hühnerfarm aufwächst, mausert sich während seiner Wanderung über die Laufbänder zu einer prächtigen schwarzgefiederten Henne. Einer klugen Henne: Auf dem Transport zur Schlachtfabrik durchschaut sie das böse Spiel und büxt aus. Als blinde Passagierin auf einem Lkw sucht sie das Weite, wird aber von einem Hund in den bäuerlichen Hinterhof einer heruntergekommenen Schmuggler-Kneipe verschleppt. Doch die unerschrockene Henne beweist sich in der Hühnerstall-Hierarchie, zankt mit Puten, gewinnt das Herz des Hahns und erschließt neues Terrain auf der Suche nach einem Brutplatz. Dabei stolpert sie in die kriminellen Verstrickungen der Gastfamilie, die ihrerseits ums Überleben kämpft. Und dabei ihren Kükenwunsch unweigerlich durchkreuzt. Witziges und eingehendes Roadmovie über die oft wunder- aber viel zu selten achtsamen Beziehungen zwischen Mensch und Tier.

Dauerbrenner: Markus Schumacher hat seine Agentur Black Forest Voodoo mit viel Engagement aufgebaut.

MARKUS SCHUMACHER BETREIBT FREIBURGS GRÖSSTE BOOKING-AGENTUR
Black Forest Voodoo. Was sich anhört wie eine magische Kräutermischung aus dem Schwarzwald, ist eine Booking-Agentur aus dem Breisgau. Markus Schumacher, Mitgründer der Band Äl Jawala, betreut dort fast 40 Acts – mit wachsendem Erfolg.
El Flecha Negra, Fatcat, Malaka Hostel ... Mit die größten Bands der Stadt tummeln sich bei Black Forest Voodoo. Spielen sie Konzerte, läuft das in der Regel über Markus Schumacher. Der 48-Jährige verhandelt Gagen, plant Touren, schließt Verträge. Seine Motivation: „Mir macht es Spaß, etwas zu erschaffen. Ich kreiere Momente, die Menschen bei Konzerten zusammenbringen.“
Das erzählt Schumacher in seiner Wohnung in Freiburg-Haid. Der Fa-
milienmensch hat dort sein Voodoo-Office. Handy, Rechner, Kommunikationstalent und ein großes Netzwerk – das sind die wichtigsten Tools für seinen Job. Angefangen hat er als Musiker. Mit der Band Äl Jawala war Schumacher seit 2000 international auf Tour – und bookte Konzerte. „Einer musste es übernehmen“, erinnert er sich. Schnell merkte er: „Das wurde immer größer.“ Erst plante er regionale Shows, später weit über Europa hinaus. „Die Erfahrung ist mit der Band gewachsen.“
kennen und übernahm auch deren Konzert-Orga.
2019 gründete er Black Forest Voodoo. Zum Start dabei: neben Äl Jawala und El Flecha Negra auch Malaka Hostel und La Nefera. Sie alle sprengen Grenzen: „Was mich besonders interessiert, sind Stilfusionen“, erklärt Schumacher. Bands, die aus der Masse herausstechen.
„Markus hat ein Händchen für Musik jenseits des Mainstreams“
Was „ein bisschen random begann“, wurde professioneller. Als eine befreundete Band – die Pentatones – bei ihm anklopfte, sagte Schumacher spontan Ja und stellte fest: Auch da klappte das Booking 1A. Schließlich lernte er die Freiburger Latino-Band El Flecha Negra
Dafür hat er ein Auge, findet seine Äl-Jawala-Kollegin Steffi Schimmer: „Black Forest Voodoo bietet eine extrem spannende Vielfalt an Musikstilen. Das ist das Besondere an Markus: ein Händchen dafür, wer einfach sehr gute Musik jenseits des Mainstreams macht.“ Und das sind viele geworden: Heute vertritt seine Agentur fast 40 Acts.
Mit nur einem Mitarbeiter stemmt Schumacher das Business. „Meine Tage sind lang“, berichtet er. Mindestens acht Stunden täglich steckt er in die Agentur. Und ist fast durchgehend im Modus: „Ich muss erreichbar sein, wenn meine Bands auf Tour sind und es einen Notfall gibt.“
Dennoch empfindet das Schumacher nicht als Stress. Er sieht die Agentur im „Anrollprozess“, will weiterwachsen. Das Wichtigste dabei: künstlerische Begleitung. "Mit dem Blick von außen sieht man oft klarer, wo die Reise inhaltlich und ästhetisch hingehen soll", sagt er. "Oder wie eine Vision gemeinsam auf den Punkt gebracht werden kann."
Anfragen von Bands, die zur Agentur wollen, kommen viele. Oft muss Schumacher absagen, da die Kapazitäten fehlen. Die Menge seiner Acts sieht er als Erfolgsfaktor: „Es braucht einen gewissen Umfang, um nachhaltig zu funktionieren.“
Jede erfolgreiche Gruppe schaffe Synergien für andere. Das Netzwerk wächst, der Name geht durchs Land, Folgeanfragen werden generiert.
Der größte Fehler?
„Zu oft nachzuhaken“
Europaweit aktiv ist auch El Flecha Negra. Mitgründer Tatán González Luis führt den Erfolg auch auf die Kooperation mit Schumacher zurück: „Er ist ein vertrauenswürdiger und sehr positiver Mensch.“ Zehn Jahre harte Arbeit voller Lernerfahrungen würden sie verbinden. Ein weiteres Plus für González: „Markus ist ebenfalls Musiker.“ Er kennt die Bedürfnisse, hat ein amtliches Netzwerk zu Veranstalter·innen.
Doch das Fädenziehen erfordert auch ein dickes Fell: „Man muss mit Kritik zurechtkommen – oder damit, dass Anfragen auch mal ignoriert werden“, sagt der Freiburger. Der größte Fehler sei, zu viel zu wollen, zu oft nachzuhaken.
Das Nervigste an seinem Job? „Der Bewegungsmangel“, sagt Schumacher. Jahrelang habe er im Schaffensdrang vergessen, für Ausgleich zu sorgen. Mittlerweile mache er bewusstere Pausen. Auch Urlaub mit der Familie muss drin sein. Ganz abschalten kann er dabei aber nicht. Mindestens 30 Minuten Business am Tag gibt’s auch da.
Die schönsten Momente für ihn sind positive Rückmeldungen zu seiner Arbeit. Und zu sehen, dass sein Wirken etwas anstößt: „Freiburg war lange ein weißer Fleck auf der Bandlandkarte“, sagt Schumacher. Inzwischen sei eine richtig schöne Szene gewachsen. Einige Bands weit über Deutschland hinaus erfolgreich.
Die Voodoo-Magie hat ihren Anteil daran. Auch wenn Fans vom Möglichmacher im Hintergrund oft nichts mitbekommen. Der Zauber wirkt – auch ohne sichtbar zu sein.
„Hart, tief, schwer“
METAL-BAND
Mystischer Metal aus dem Schwarzwald. Das gibt’s bei Finsterforst. Seit mehr als 20 Jahren sind sie aktiv. Am 1. August treten die sieben Musiker beim Wacken-Festival auf. Wie es dazu kam, erzählt Bandleader Simon Käflein (40).
Am 31. Juli kommt ihr neues Album „Still“ raus. Am 1. August wird’s laut: Dann tritt Finsterforst beim Wacken Open Air auf. Wie sie das geschafft haben? „Endlich haben die Veranstalter uns mal wieder zugelassen“, sagt Käflein und grinst. „Wir sind heiß drauf und haben Bock!“
Schon 2013 ist die Band in Wacken aufgetreten. „Eine hammer Erfahrung und super Resonanz“, erinnert sich Käflein. Die Band gibt es noch deutlich länger: Seit 2004 ist Finsterforst am Start, hat über Jahre den Sound weiterentwickelt.
Ihren Stil bezeichnen sie als Black Forest Metal. „Hart, tief, schwer, brachial, aber auch melancholisch, sehr melodisch“, beschreibt Käflein. Nicht immer klang das so rau. „Die Musik war 2004 noch einfacher, flotter und schneller“, erinnert er sich. Zudem experimentieren sie mit Klängen – auch ein Akkordeon, Synthesizer oder Chöre sind mal zu hören.
Nicht zu übersehen ist das schlammige Bühnenoutfit. „Das hat keine tiefe Bedeutung“, sagt Käflein. Die Idee sei ihnen früh gekommen, bis heute lasse sie das Gimmick nicht los. Auffällig zudem: die musikalischen Anlehnungen an die Band Rammstein. Der Song „Stille Nacht“ erinnert in Sachen brachialer Stimmlage, düsteren Sounds und dunkler Zeilen an die deutsche Gruppe. Als Vorbilder will Käflein sie nicht bezeichnen, er höre deren Musik aber gern: „Hier und da fließt sicherlich mal was mit in unsere Musik rein.“
Finsterforst hat eine Vorliebe für lange Tracks. Auf „Still“ geht einer über 24 Minuten. Ihr Wunsch: Hörer·innen sollen sich dafür Zeit nehmen. Doch das sei heute selten. „Alles wurde zu ungeduldig, zu schnell und hastig – die scheiß sozialen Medien spielen da sicherlich mit eine Rolle“, so Käflein. Daher gibt es auf dem Album auch kürzere Tunes.
Wie es nach Wacken weitergeht? Die Band möchte Festival-Gigs an Land ziehen für 2027. Der Platte „Still“ darf der Sturm folgen.
Till Neumann


Ein DJ mit Katze am Dreisamufer. Das sieht man derzeit häufiger. Es handelt sich um Chris Veron und seinen Bengal-Kater Charly. Warum der Freiburger das auch für den Tierschutz tut, erzählt er im Interview mit chilli-Redakteur Till Neumann.
Chris, was hat’s mit deiner Katze auf sich?
Ich bin schon immer ein absoluter Katzen-Narr und setze mich auch für Tierschutz ein. Das Ziel verfolge ich auch mit Charly und meinen zwei anderen Katzen. Ich will irgendwann ein Katzenhaus aufbauen, in dem ich Straßenkatzen und Katzen aus dem Tierschutz aufnehme.
Du bist oft mit Charly am Dreisamufer. Warum? Bengalkater schlafen weniger als normale Katzen und brauchen mehr Bewegung. Ich habe ihn sechs Jahre trainiert. Seit zwei Jahren können wir auch ohne Leine zusammen raus. Wir streichen jeden Tag zwei bis drei Stunden um die Häuser. Am liebsten am Dreisamufer beim Café Extrablatt. Dort sind große Wiesen und Bäume. Unser Lovely Place. Das ist Entspannung, Katzen sind meine Seelentiere, sind mein Ruhepol.
Wie sind die Reaktionen?
Super positiv. Ich werde oft angesprochen. Viele kennen so eine Leopardkatze gar nicht. Manche sind auch erst mal kurz erschrocken. Ich versuche, die Leute auch für Tierschutz zu begeistern. Aber ich rate den meisten davon ab, sich einen Bengalen zu holen. Das ist ein ganz anderer Aufwand als eine Hauskatze. Erst mal möchte ich mit Charly auf Tiktok Reichweite aufbauen. So kann ich über Tierschutz und Rassekatzen informieren. Irgendwann möchte ich einen Fonds oder eine Stiftung dafür gründen.
KAUMWALZER
TANGO, PUNK & PECH
Pop-Punkrock-Blues


(lsg). Mit ihrer Debütsingle „Tango, Punk & Pech“ beweisen Kaumwalzer, dass sie nicht in Schubladen gesteckt werden möchten. Das Power-Trio verbindet Pop-Punk, Rock und Blues zu einer Mischung, die rau, neu und gleichzeitig überraschend vertraut klingt.
Statt austauschbarer Pop-Klischees setzen die Musiker auf kantige Gitarren, Rhythmen, die zum Tanzen einladen. Und Texte, die zum Nachdenken anregen.
Besonders „Drei Karat Pech“ besitzt eine nachhaltige Wirkung. Mit den Worten „Das ist so wertvoll wie drei Karat Pech“ lässt sich sicher so manches beschreiben – auf die Qualität dieser Debütveröffentlichung trifft das jedoch in keiner Weise zu. Die Band beweist ein Gespür für Energie, mitreißende Melodien und den Mut, unterschiedliche Einflüsse zu einem stimmigen Gesamtbild zu vereinen.
Das 2023 in Berlin gegründete Power-Trio ist inzwischen im Südwesten angekommen und setzt mit seiner Besetzung aus Freiburg und Karlsruhe ein erstes Ausrufezeichen in Baden. Der Bandname hält, was er verspricht: Wer Walzer erwartet, wird enttäuscht – stattdessen gibt es reichlich Elan, spürbare Spielfreude und absolutes Moshpit-Potenzial. Live kann sich am 26. September im An Sibin Irish Pub in Karlsruhe von dem Trio überzeugt werden.
(tln). Uncle Rafa ist HipHop-Producer aus Freiburg. Jahrelang war nichts von ihm zu hören. Jetzt meldet er sich mit der EP Good Times zurück. Der Opener „Been A Long Time“ beginnt mit einem Laid-Back-Kopfnick-Beat. Man lehnt sich in den Sessel, lauscht den Vocal-Samples von Sam Cook und den Stieber Twins. Dann knüpft „Vibrations“ an den smoothen Vibe an. Strings sorgen hier für die Wohfühlakustik.
Mit Synthies, die an Dr Dre erinnern, geht’s bei „Take U Back“ weiter. Erneut fließen Vocalsamples und lässige Boombap-Sounds zusammen. Ein Song für Nostalgiker.
Auf „Nid Normal“ gibt’s ein Rapfeature mit dem Basler Pyro. Der auf Schweizerdeutsch geschmeidig über einen funky Beat daherkommt. Ein bounciger Song, der auch mal eine Liveshow verdient hätte.
Mit sechs Songs hat Uncle Rafa ein 15-Minuten-Comeback gebastelt. Und zeigt, er hat weiterhin ein gutes Händchen für Samples, Stimmungen und kleine Earcatcher. Zudem gibt’s erstmals Gesang von ihm mit dem Effektgerät Talkbox. Die EP beamt HipHop-Nostalgiker·innen zurück in die Golden Era. Rafa ist zurück, sein alter Sound auch. Wie Max Herre am Ende auf „My Time Your Time“ als Sample rappt: „Jetzt ist meine Zeit gekommen“. Und irgendwie ist sie stehen geblieben. Tut auch mal gut.
Deutscher Indie-Poprock

(lsg). Mit ihrer neuesten Single und zugleich zweiten Release „Winter vorbei“ setzt das Freiburger Quartett Ok Was Solls ganz auf Frühlingsgefühle und feiert das Ende des Winterblues.
Der Song fängt den Moment ein, in dem die dunklen Tage hinter einem liegen und neue Energie den Alltag bestimmt. Mit positiver Grundstimmung, Elan und Tatendrang liefert die Band – unterstützt von Zeilen wie „Wenn du mich fragst, ich habe Zeit, ich bin zu allem bereit“ und „Wir sagen allen Bescheid“ – den Soundtrack für den Aufbruch in die warmen Jahreszeiten.
Dabei wirkt „Winter vorbei“ weder kitschig noch aufgesetzt, sondern mitreißend und authentisch. Ok Was Solls schafft es, selbst mitten im Sommer und trotz der immer häufiger auftretenden Hitzewellen, das Bedürfnis, das Haus zu verlassen und gemeinsam mit den Liebsten die Welt zu genießen, zu wecken. Das Ergebnis ist eine Single, die gute Laune verbreitet und selbst das Herz eines Hitzemuffels wachsen lässt.
Ok Was Solls steht am 23. Juli beim Zelt-Musik-Festival Freiburg auf der Bühne und will das Publikum dort auch live mit seiner mitreißenden Euphorie begeistern. Die Performance verspricht einen energiegeladenen Abend voller guter Stimmung, tanzender Körper und ansteckender Leichtigkeit.
SAUNACLUB HINTERZARTEN HANDWERK IST KING Deutschrap

(tln). Ein Rapsong fürs Handwerk? Gibt’s in Freiburg. Anstoß war ein Contest der Handwerkskammer, sie hat mit den Jazz & Rock Schulen Freiburg den besten Tune für ihre Branche gesucht. Es sollte ein Remake des Volkslieds „Wer will fleißige Handwerker sehn?“ sein.
Gewonnen hat unter 29 Einsendungen der Saunaclub Hinterzarten, eine HipHop-Band aus der Stadt. Mit einem energiegeladenen Synthie-Beat werben die sechs Musiker lautstark für alle Handwerker·innen da draußen. „Wer legt Hand an das Ding? Rattatatadsching!“ rappen sie. Und: „Simsalabim, Handwerk ist King“.
Ihr Werk geht an Schneider, Mechatronikerinnen, Fachlageristen, Bäckerinnen, Anlagenführer und Schornsteinfegerinnen. Die Branche wird’s freuen. Preisgeld und Sachpreise im Wert von 3000 Euro war ihr das wert. Als Musikact ist es dennoch eine Gratwanderung: Seinen Namen für einen Promotrack hergeben. Da kann man das Thema noch so wichtig finden, den Sound noch so feiern, ein bisschen gewollt wirkt es dann doch.
Wer die Band live sehen möchte, kann das am Freitag, 31. Juli, ab 22.45 Uhr im Fürstenbergzelt des ZMF. Servieren wollen die sechs Musiker handgemachte Grooves aus Hip-Hop, Funk, Reggae und Disco, garniert mit wortgewandten deutschen Texten.

Die Freiburger Geschmackspolizei ermittelt schon seit 20 Jahren gegen Geschmacksverbrechen, vor allem in der Musik. Für die cultur.zeit verhaftet Kommissar Ralf Welteroth fragwürdige Werke von Künstlern, die das geschmackliche Sicherheitsgefühl der Bevölkerung empfindlich beeinträchtigen.
Alles muss auf den Prüfstand, es darf keine Tabus geben. Rente, Gesundheit, Steuern, Arbeit, vor allem Geschmack. Reformen müssen her, ohne wenn und aber. Auch diese Kolumne gehört dringend reformiert. Der Kanzler drängt darauf und liegt uns seit Wochen, was sag ich, seit Monaten schon in den Ohren. Nur wo ansetzen?
Okay, wir kürzen sie, dafür wird sie teurer, logisch. Wir arbeiten aber auch länger, auch nachts und an den Wochenenden, im Krankheitsfall. Nein, wir rufen nicht beim Amtsarzt an und lassen uns krankschreiben, sondern schleppen uns dorthin und stecken alle mit unserem Brechdurchfall oder Hörsturz an.
Wir gehen mit gutem Beispiel voran. Weicheier, Feierbiester, Faulpelze und Drückeberger allerorten. An dieser Stelle sei auch nochmals an Roberto Blancos subversiven Schlager „Samba si, Arbeit no“ erinnert, der diese Haltung schon Ende der Siebziger fröhlich befeuerte. Jetzt ziehen wir andere Saiten auf.
Zum Schluss soll noch die Schlagersternschnuppe und Ballermann-Philosophin Isi Glück („Malle ist bei mir das ganze Jahr“) zu Wort kommen. Auf die Frage, welche Fehler sie am Anfang ihrer Karriere besser vermieden hätte, antwortete sie: „Ich war sehr naiv-positiv und hab immer erst an das Gute im Menschen geglaubt.“
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, wir fügen uns.
Kurz und schmerzhaft grüßt, Ihre GeschPo


Am 15. August 1901 eröffnete der damalige Oberbürgermeister Otto Winterer im einstigen Schneckenwirtshaus am Münsterplatz die „städtische Volksbibliothek und Volkslesehalle“. Es begann ein regelrechter Leser-Ansturm, der der bald auch in die Obergeschosse erweiterten Bücherei bis 1920 1,4 Millionen Ausleihvorgänge einbrachte.
Inzwischen wird diese Zahl oft in einem einzigen Jahr erreicht – und wurde 2025 noch übertroffen: „Mit über 1,6 Millionen Entleihungen und einem Besucherplus von sechs Prozent konnte unsere Bibliothek ihre Rolle als Begleiterin bei Bildung, Unterhaltung und Begegnung weiter festigen“, bilanzierte Meike Jäger im Mai 2026. Seit drei Jahren leitet sie die Bibliothek, die 1944 zerstört und vorübergehend im Augustinermuseum untergebracht wurde und 1959 bis 1963 in das am alten Platz neu erbaute Haus zurückkehrte.
Außer der Hauptstelle am Münsterplatz gehören die Außenstellen Haslach, Rieselfeld und Mooswald sowie der alle anderen Stadtteile anfahrende Bücherbus zur Stadtbibliothek. Laut Jäger nutzten im ver-
gangenen Jahr mehr als 30.000 Jahresausweis-Inhaber deren Angebote; das entspreche rund 13 Prozent der Freiburger Bevölkerung. Knapp 19.000 Besucher seien außerdem zu den rund 1100 Lesungen, Sprachcafés, Bildungsangeboten und anderen Veranstaltungen gekommen, registriert wurden insgesamt 477.454 Besuche. „Statistisch gesehen fand damit jede·r Freiburger·in zweimal im Jahr den Weg in die Bibliotheken“, freut sich deren Direktorin.
125 Jahre nach der Gründung kommt die öffentliche Einrichtung also noch immer sehr gut bei den Freiburgern an. Wie Meike Jäger bei der Jubiläumsfeier im Juni sagte, liege dies außer am stetig aktualisierten Bestand an Büchern, Hörbüchern und E-Books, Musikträgern sowie Games und (Brett-)Spielen auch an der Vermittlung: Sie und ihr „tolles Team“ wollen den Zugang zu Bildung, Literatur und Kultur so niedrigschwellig wie nur möglich gestalten. Ziel sei es, neben der Förderung von Lese-, Sprach- und Medienkompetenz auch einen Ort der Begegnung zu schaffen, einen „inklusiven Ort des Wissens und des Seins“.
Nach ihren Worten ist die Stadtbibliothek auf einem guten Weg zu einem solchen „lebendigen ,Dritten Ort‘, der neben dem Zuhause und
von Erika Weisser
dem Arbeitsplatz als kosten- und konsumfreier Raum der Teilhabe für alle Bürger·innen dient“. In Zusammenarbeit mit Kulturbürgermeister Roland Meder entstehe derzeit ein Zukunftskonzept, das die diesbezüglichen Potenziale der Hauptstelle untersuchen soll. Dieses Konzept werde auch aufzeigen, wie die schon jetzt oft an ihre Grenzen stoßende Hauptstelle am Münsterplatz umgestaltet werden muss, um „Raum für kreativen Austausch, lebenslanges Lernen und demokratisches Miteinander zu bieten“. Ob der von ihren Vorgängerinnen Carola Schelle-Wolff und Elisabeth Willnat ins Gespräch gebrachte Erweiterungsbau an der Rückseite des Gebäudes eine mögliche Variante sein könnte, will Meike Jäger abwarten. Immerhin habe „bisher noch niemand laut nein gesagt“.
Sie begrüßt die Ankündigung des Koalitionsausschusses, dass Bibliotheken ab Januar 2027 auch an Sonntagen geöffnet sein dürfen. Es sei schon lange ein Ziel, auch berufstätigen Menschen und Familien durch erweiterte Öffnungszeiten einen Bibliotheksbesuch zu ermöglichen. Die Stadtbibliothek, so ihr Fazit, „wird mit Steuergeldern finanziert und sollte deshalb den Bürger·innen so oft wie möglich offen stehen“.

von Paul Ingendaay
Verlag:
C.H.Beck, 2026
352 Seiten, gebunden
Preis: 28 Euro
Chronik eines Scheiterns
(ewei). Es geschah vor 90 Jahren: Am 17. Juli 1936 erhoben sich antirepublikanische Militärs unter der Leitung von Francisco Franco und anderen rechtsgerichteten Generälen gegen die im Februar demokratisch gewählte Volksfront-Regierung der Zweiten Republik Spaniens. Der Putsch gelang nicht auf Anhieb, er führte in einen Bürgerkrieg, der bis 1. April 1939 dauerte und schließlich in eine 36 Jahre währende faschistische Diktatur mündete. Denn die Aufständischen trafen auf Widerstand, insbesondere in Madrid und Barcelona. Zwar waren die Verteidiger der Demokratie den von Hitler und Mussolini unterstützten Putschisten militärisch weit unterlegen, doch sie fanden bald internationale Unterstützung: Aus ganz Europa kamen Frauen und Männer in das gespaltene Land und bildeten bewaffnete Brigaden. Viele Politiker wie Willy Brandt waren darunter, aber auch Literaten und Reporter wie Robert Capa, George Orwell, Ernest Hemingway und kurzfristig auch Erika und Klaus Mann. Sie sorgten dafür, dass die Weltöffentlichkeit auf das gnadenlose Morden aufmerksam wurde.
Paul Ingendaay, langjähriger Spanien-Korrespondent der FAZ, legt nun eine sorgfältig recherchierte Chronik des Scheiterns der Demokratie vor, die sich so literarisch liest wie ein Roman.

von Riccarda Gleichauf
Verlag:
NeuWerk, 2026
170 Seiten, Paperback
Preis: 14 Euro
(ewei). Die Empfangsdame im Foyer des Bürogebäudes hat keinen Namen. Und für die meisten Angestellten des Unternehmens auch kein Gesicht: Sie huschen so eilig an ihr vorbei, smalltalken dabei so pausenlos mit ihren Smartphones oder mit ihren Kollegen, dass sie die junge Frau nicht einmal wahrnehmen oder gar grüßen.
Seit Monaten sitzt sie schon an diesem Tresen, muss mit permanenter Freundlichkeit mürrische Vorgesetzte ertragen, Besucherausweise ausgeben, Termine organisieren, Lieferungen annehmen, Telefonate weiterleiten. Sie ist existenziell auf den schlecht bezahlten Job angewiesen, den sie zur Überbrückung antrat – als Einstieg zum Aufstieg nach dem Studium. Doch eine ihrer Qualifikation entsprechende Perspektive tut sich nicht auf.
Ihre „Schaltstelle“ wird zum stillen Beobachtungsposten der Arbeitswelt: Gespräche, die beiläufig Machtverhältnisse offenlegen, Kollegen, die Rollen spielen müssen, Strategien des Durchhaltens zwischen Mindestlohn, Selbstdisziplin und latenter Angst vor Austauschbarkeit. Und sie stellt sich die Frage, was mit Menschen geschieht, deren Qualifizierung im Berufsalltag keine adäquate Rolle mehr spielt.
Ein starkes Stück über prekäre Arbeit – von der in Freiburg aufgewachsenen Autorin Riccarda Gleichauf.

von Hilda M. Jannsen
Verlag:
Books on Demand, 2026
218 Seiten, Paperback
Preis: 12 Euro
(ewei). In nicht allzu ferner Zukunft ist es in Freiburg und Umgebung so heiß, dass auf freier Fläche keine Landwirtschaft mehr betrieben werden kann. Der Anbau von Getreide, Rüben und anderen robusten Ackerfrüchten ist nur unter schützender Folie möglich, die sich in drei Metern Höhe über die Felder spannt. Diese gehören zu staatlichen Agrarfabriken, die die öffentlichen Kantinen beliefern, die längst alle privaten Familienküchen und Gasthäuser abgelöst haben. Die zur Versorgung benötigten Kleingemüse wie Tomaten, Kartoffeln oder Hülsenfrüchte werden in speziellen Pflanzentürmen gezüchtet – auf der Grundlage von Nährlösung.
In der Freiburger Agrarfabrik ist Hannelore Hellmann für den streng kontrollierten, wohltemperierten und perfekt auf den Lichtbedarf abgestimmten Pflanzenturm zuständig. Und durch Verwendung von richtiger Erde schafft sie es, mit ihrem Team genügend und sogar richtig schmackhaftes Gemüse zu erzeugen.
Alles funktioniert bestens – bis ein Saboteur ihr Werk zunichte macht. Seine Beweggründe bleiben lange im Dunkeln – die dystopische Geschichte entwickelt sich zu einem regelrechten Krimi mit Spurensuche in Hellmanns Vergangenheit.
Spannendes und sehr kenntnisreiches Debüt der Freiburger Autorin Hilda M. Jannsen.







