September 2026 Ausgabe Nr. 39
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Salto rückwärts wegen Spekulanten Freiburger Rathaus beerdigt Flächennutzungsplan 2040 Kleineschholz
Zähringen Nord
Spittelacker
Was geht bei den Wackelkandidaten
Im Westen nichts Neues, im Osten geht’s voran
Stadtbau zahlt chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026 | 1 Schadensersatz
2 | chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026
Editorial
Wohnungen in Schubladen Die Lücke zwischen Genehmigungen und Fertigstellungen wird immer größer Grotesk: In Deutschland sind im vergangenen
Jahr 35.700 Baugenehmigungen – verfallen. Meldete unlängst das Statistische Bundesamt. Der höchste Wert seit 2002. Wenn 35.700 Genehmigungen verfallen, dann haben die Bauherren mal sehr viel Geld für ihre Bauanträge ausgegeben – und werfen offenbar lieber dieses Geld aus dem Fenster, als noch viel mehr Geld zu versenken. Weil das Bauen so teuer geworden ist. Weil sich die Bauzinsen – auch wenn sie langfristig gesehen völlig normal sind – in kürzester Zeit vervierfacht haben. Weil sich weder Wohnungskäufer noch Mieter die sich daraus ergebenden Preise leisten können. Und der Bauherr dann Gefahr läuft, auf seinen Wohnungen sitzen zu bleiben. Krasser könnte der Widerspruch zwischen den alltäglichen politischen Reden und den nicht zuletzt durch eben diese Politik mitverursachten Rahmenbedingen für Investoren kaum sein. Mietpreisbremsen und Plattformen, die nur dazu da sind, Vermieter an die Kandare zu nehmen, beflügeln die Investitionslust in den Wohnungsbau eher nicht. Dabei braucht Deutschland Hunderttausende Wohnungen. 400.000 pro Jahr hatte die frühere Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) mal als Ziel ausgegeben. 206.000. Das ist die
reale Zahl der fertiggestellten Wohnungen fürs vergangene Jahr. Der niedrigste Wert seit 2012. Das ifo-Institut geht übrigens davon aus, dass im laufenden Jahr nur noch 185.000 Wohnungen fertiggestellt werden. „Es besteht die Gefahr, dass der Iran-Krieg die davor beobachtete moderate Belebung größtenteils abwürgt“, sagte ifo-Experte Ludwig Dorffmeister der Nachrichtenagentur Reuters. Insgesamt gibt es hierzulande derzeit mehr als 760.000 genehmigte Wohnungen, die nicht fertiggestellt sind. Und nur rund 300.000 davon sind tatsächlich im Bau. Auch in Freiburg gibt es mehrere Baugenehmigungen, die einfach in der Schublade landen. „Wir haben kein Genehmigungsproblem, wir haben ein Bauproblem“, sagt Baubürgermeister Martin Haag. Und deswegen sei er „ganz ehrlich erleichtert“, dass es auf die ersten 23 Grundstückspakete im neuen Stadtteil Dietenbach 83 Bewerbungen gab. Das ist tatsächlich ein gutes Zeichen. Und – heutzutage – keine Selbstverständlichkeit.
Herzlichst Ihr Lars Bargmann | Chefredakteur Anzeige
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Inhalt TITEL Warum das Freiburger Rathaus bei der beschlossenen Aufstellung des Flächennutzungsplans einen Salto rückwärts macht
STADTENTWICKLUNG Nach jahrelangem Stillstand: Auf dem Ganter-Areal startet der Architektenwettbewerb 10 In Kleineschholz trifft großer Individualismus auf große Herausforderungen 14-18 Dietenbach ist am Start: 83 Bewerbungen auf die ersten 23 Grundstückspakete 28-29 Zähringen Nord, Gundelfinger Straße: Im Osten steht die Planung, im Westen die Absicht 32-33 PROJEKTENTWICKLER Die Unmüssig-Gruppe feiert ihr 80-Jähriges auch mit einem prominent besetzten Symposium 12
WOHNUNGSMARKT Der neue Postbank-Wohnatlas zeigt, dass Freiburg beim Wohnungskauf bundesweit Platz 6 belegt, bei der Miete aber schon auf Platz 3 liegt 36 6–8
MdB Vinzenz Glaser zahlt Mietern die Beratung im Mieterring und spricht von „Mieten-Mafia“ 22 BAURECHT Reihenhäuser am Spittelacker: Die Freiburger Stadtbau muss 875.000 Euro Schadensersatz zahlen 24 GENERALUNTERNEHMER Schon seit 30 Jahren realisiert die Dürrschnabel Industriebau schlüsselfertige Immobilien 26 GENOSSENSCHAFTEN Die Heimbau Breisgau investiert auf Rekordniveau in ihren Wohnungsbestand 30 NEUBAU Miete & Eigentum: Die F reiburger Stadtbau versechsfacht am Elefantenweg die Wohnfläche 33
POLITIK Für die Zukunft des Quartiers: Familienheim Freiburg startet Beteiligungsprozess an der Quäkerstraße 20
BODENRICHTWERTE Neu aufgestellt: Gutachterausschuss der Stadt Freiburg blockt Kritik an den hohen Grundstückwerten ab 34
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IMPRESSUM Bauen & Wohnen
Chefredaktion: Lars Bargmann Redaktion: Marianne Ambs Autoren: Holger Schindler Titel: © Illustration: © Stadtplanungsamt Stadt Freiburg, Urheber designconcepts; Foto: © Stadt Freiburg Fotos: iStock, Magnific Grafik: Sven Weis (Leitung) Lektorat: Beate Vogt Anzeigen: Marion Jaeger-Butt, Nathalie Braun, beiermeister mediaberatung Abo-Service: Lilian Gerstenmaier
Themenheft 09-2026 Das Bauen & Wohnen-Themenheft erscheint im Freiburger Stadtmagazin chilli Herausgeber: chilli Freiburg GmbH Paul-Ehrlich-Straße 13 | 79106 Freiburg fon: 0761-76 99 83-0 | fax: 0761-76 99 83-99 mail: bargmann@chilli-freiburg.de www.bauenundwohneninbaden.de Geschäftsführung: Michaela Moser (V.i.S.d.P.)
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MAKLER Stauss Immobilien hat 2025 Immobilien für 80 Millionen Euro vermittelt 38 S-Immo hat im ersten Halbjahr mehr Häuser und Wohnungen vermittelt als im Vorjahreszeitraum 40 FACHPLANER Ingenieure bauen das UniHeizkraftwerk um und Stadion dächer neu 41 INNUNGEN So war die Freisprechungsfeier der Schreinerlehrlinge 42-43 THEMENIMMOBILIEN Panattoni plant neuen Logistik- und Industriestandort in Müllheim 44 INFRASTRUKTUR Das lange Warten auf den Fortschritt: Die Bundesautobahn GmbH sitzt noch immer an der Entwurfsplanung für den Freiburger Stadttunnel 45 KOMMENTAR Und wieder eine App gegen Mietwucher
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Druck: Hofmann Druck, Emmendingen Ein Unternehmen der
Die im Magazin enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigung und Einspeicherung in elektronische Systeme. Gleiches gilt für den Nachdruck der von uns entworfenen Bilder und Anzeigen.
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nachhaltig & resilient
NATUR & ERHO
SOZIALE INFRASTRUKTUR
gemeinwohlorientiert VER- UND ENTSORGUNG A
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kompakt & grün
Rathaus beerdigt neuen Flächennutzungsplan Sorge vor Bodenpreissteigerungen führt zum Kurswechsel
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ie Freiburger Stadtverwal-
terbank in einer Zwickmühle unge-
tung hat sich vom – gemein-
mütlich eingerichtet hat. Weil sie sich
derätlich beschlossenen –
auf der einen Seite um die Zukunft
Aufstellen des Flächennutzungsplans
der Stadt kümmern muss, auf der an-
(FNP) 2040 so gut wie verabschiedet.
deren aber dabei nur kontraproduk-
Es ist mittlerweile gut sieben Jahre
tive Ergebnisse erzeugen kann – stei-
her, dass der Prozess mit Pauken und
gende Bodenpreise.
Trompeten gestartet war. Vor zwei Jahren hatte unsere Redaktion kom-
Drucksache G-26/132. In der vom
mentiert, dass sich die Bürgermeis-
Stadtplanungsamtschef Roland Jeru-
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LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT
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salem verantworteten sechsseitigen Drucksache heißt es, „dass der im Rahmen der städtebaulichen Verträge zu errechnende Planungsgewinn vor allem aufgrund hoher Bodenanfangswerte in Folge von Ausweisung von Flächen im FNP und Baulandspekulation immer kleiner wird“. Im Klartext: Im Baudezernat wird viel an neuen Bebauungsplänen gearbei-
Titel
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#freiburgübermorgen: So ist der symbolisierte Stand beim Flächen nutzungsplan 2040. Die Themen bleiben dieselben, das Verfahren ändert sich
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gemischt & vielfältig
Illustration: © Stadtplanungsamt Stadt Freiburg, Urheber designconcepts; Foto: © Stadt Freiburg
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MOBILITÄT
tet, dafür aber gibt’s nur ein prekäres Salär. Nach einem Bundesgesetz dürfen Kommunen, wenn sie im Wege neuer Bebauungspläne neue Baurechte schaffen, etwa zwei Drittel des sogenannten Planungsgewinns des Vorhabenträgers abschöpfen (siehe Infobox). Wenn aber durch einen neuen FNP bekannt wird, wo Freiburg die nächsten 20 Jahre wachsen soll, dann versuchen Bauträger und Projektentwickler dort möglichst schnell möglichst viele Flächen zu kaufen. So war es etwa im Baugebiet Zinklern in Lehen, wo sich die Treubau AG und die Unmüssig-Gruppe den Löwenanteil der Grundstücke gesichert haben. Dann ist der Ausgangswert nicht mehr 200 Euro, sondern 700 Euro, und dann muss man den Planungsgewinn mit der Lupe suchen. Als besonders krasses Beispiel taugt der neue Stadtteil Dietenbach. 107 Hektar Bauland – die übrigens gar nicht im heute noch gültigen FNP 2020 waren. Hier hat das Rathaus eine Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) gemacht. Dabei legte ein Gutachter den Bodenwert
für die Wiesen und Äcker fest: 15 Euro. Da das nicht zu Begeisterungsstürmen bei den Eigentümern führte, packte die Entwicklungsmaßnahme Dietenbach GmbH & Co. KG, eine Kurzzeit-Tochter der Sparkasse Freiburg, 50 Euro drauf. Dafür verkauften die Eigentümer. Das ist mithin der Anfangswert. Nun kosten die Grundstücke mehr als 1100 Euro und sollen so die milliardenschwere Infrastruktur – allein der Schulcampus kostet 200 Millionen – bezahlen. Wenn hier der Anfangswert bei 700 Euro gelegen hätte, dann hätte die Stadtspitze den Stadtteil schon vorgeburtlich beerdigen können. Übrigens auch mit der Zwei-Drittel-Regel.
Manche wollen einfach partout nicht mitwirken Es gibt, so erzählt Haag im Gespräch
mit der Redaktion, noch einen zweiten Grund für den FNP-Salto rückwärts: Beim Aufstellen eines Bebauungsplans müssen auch sogenannte Planungsbetroffene, in der Regel die Anrainer, einbezogen werden. Die erklären dann, so die reine Lehre, dass sie sich an den Kosten beteiligen und zum Ausgleich die Wertsteigerungen für ihre
Grundstücke bekommen. „Es gibt aber immer wieder Leute, die einfach nicht bereit sind, sich irgendwie in so eine Entwicklung einzubringen“, sagt Haag. So war es etwa im Quartier Auf der Haid, so war es auch im Neubaugebiet Zinklern. „Es ist manchmal gar nicht mehr darstellbar, was wir für einen Verwaltungsaufwand treiben, teilweise über Generationen hinweg. Wenn wir den auf den Grundstückspreis umlegen, könnte das niemand mehr bezahlen“, erzählt der Dezernent. Nun also Ade FNP und Bonjour ISEK. Im Vergleich zu einem FNPNeuaufstellungsprozess soll mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept ein „schnelleres und flexibleres Verfahren zur Steuerung der räumlichen Entwicklung der Gesamtstadt“ machbar sein. Ein Großteil der für ein ISEK erforderlichen Grundlagen liegt in den Rathausbüros vor. Insofern war der unter anderem durch Bürgerbeteiligung, einen Dialogprozess, das Erarbeiten des Zielszenarios „Kompakte Vielfalt in grünen Strukturen“ und sechs räumliche Zukunftsszenarien durchaus aufwändige FNP-2040-Prozess nicht völlig vergebens. Aber auch ISEK muss die Fragen beantworten, wo in einer wachsenden Stadt in den nächsten 15, 20 Jahren neue Flächen für Wohnen und Gewerbe, für Grün- und Sportflächen, für
Martin Haag bei einer Radrundfahrt auf dem Dietenbachgelände: Keine Spekulationen auf steigende Grundstückspreise
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Titel
Foto: © Neithard Schleier
War gar nicht im Flächennutzungsplan 2020: Der neue Stadtteil Dietenbach schließt an die Baumreihen hin zum Rieselfeld an und wird auch noch die heutige Erdaushubdeponie (unten links im Foto) besetzen.
Forst und Landwirtschaft, für Handels- und Infrastrukturflächen realisiert werden können. Besonders im Fokus: das Wohnen. Denn der seit Jahren eklatante Mangel an Wohnungen fußt direkt auf falschen Bevölkerungsprognosen, die bei der Aufstellung des FNP 2020 zugrunde gelegt wurden. Der wurde 2006 verabschiedet und seinerzeit waren städtische Statistiker mal von einem Bevölkerungspeak in Freiburg von 214.000 ausgegangen. Das war etwa so weit von der Realität entfernt wie der Feldberg von der Zugspitze. Dann hatte das Hamburger Gewos-Institut im September 2022 im Auftrag der Stadt Freiburg eine 259-seitige Studie veröffentlicht, wonach Freiburg im Jahr 2030 bei einem defensiven Szenario etwa 230.000 Einwohner haben könnte. Und bei einem offensiveren 238.500. De facto hatte Freiburg schon Ende 2024 fast 238.000 Einwohner. Für 2040, so die Gewos-Studie, könnten 246.120 Menschen in der viertgrößten Stadt in Baden-Württemberg leben. Das wäre ein Plus von rund 9000 in 15 Jahren. Oder nur 600 im Jahr. Nun könnte man frei nach dem dänischen Nobelpreisträger Niels Bohr sagen, dass Prognosen grundsätzlich schwierig sind, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Aber auch ernsthafter fragen, warum die Experten in ihrem Koffer kein Werkzeug finden, mit denen sie die Freiburg-spezifischen Vorzüge greifen können. Oder was spricht dagegen, dass im Jahre 2040 in Freiburg 260.000 Menschen leben, wohnen und arbeiten? 8 | chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026
Genau in diese Richtung ging im Juni 2024 das Bundes-
institut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), als es seine neue Bevölkerungsprognose vorgelegt hatte. Dort stand für 2045 ein deutlicher Anstieg auf 265.000 Bürger. Ein Zuwachs um zwei Dietenbachs. Die Freiburger Statistiker im Amt für Bürgerservice und Informationsmanagement (ABI) schüttelten die Köpfe, das BBSR greife zu hoch, weil es lokale Besonderheiten außer Acht lasse. Fürs Jahr 2035 rechnen sie mit einem Mittelwert von 238.000 – das BBSR liegt bei 254.000. Die Wettquote, dass die reale Zahl näher am BBSR als am ABI liegt, dürfte nicht besonders hoch sein. Lars Bargmann Infobox
So wird der Planungsgewinn bei der Schaffung von Baurecht durch einen neuen oder geänderten B-Plan berechnet: Aus einem Mischgebiet mit einem Bodenrichtwert von 300 Euro wird ein Wohngebiet mit einem Bodenrichtwert von 700 Euro. Das Grundstück hat 1000 Quadratmeter, die Wertstei gerung beträgt 400.000 Euro, rund 270.000 Euro darf die Kommune für sich beanspruchen oder dem Vorhabenträger eine Liste mit Jobs in die Hand drücken, die diesen Wert hat. Das kann die Finanzierung einer Kita-Gruppe oder die öko logische Aufwertung der Nachbarschaft oder auch Vorgaben zu besonders teurem, etwa klimapositivem, Bauen oder zum Bau von Sozialwohnungen sein. bar
Stadtentwicklung
Noch hinter Stacheldraht: Auf dem Ganter-Areal müssen mehrere marode Gebäude abgerissen werden. Der Ganter-Turm aber nicht.
Bei Ganter geht’s voran Startschuss fürs Wettbewerbsverfahren am 3sam quartier
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etzt geht’s los: Der Freiburger Gemeinderat hat die Auslobung eines zweistufigen Architektenwettbewerbs für die 5,3 Hektar große Fläche zwischen Leo-
Wohleb-Brücke, Fabrikstraße, Dreisam und Schwarzwaldstraße beschlossen. Sowie für den Hochbau auf dem östlichen Teil der Ganter Brauerei, dem sogenannten 3sam-Quartier. Bauherr dort ist die Artemis Immobilien GmbH & Co. KG aus der Schweiz. „Wir freuen uns sehr über diesen wichtigen Schritt. Nach einer intensiven Vorbereitungsphase beginnt nun die entscheidende Phase der Projektentwicklung“, sagt Martin Wyser, Mitglied
Foto: © bar
der Konzernleitung der Artemis Group. Auf den Artemis-Flächen sollen rund 350 Mietwohnungen gebaut werden, die Artemis im Bestand halten will. 60 bis 70 Sozialwohnungen soll die Freiburger Stadtbau GmbH erstellen, die die dafür benötigten Flächen von der Artemis bekommt – kostenlos. Andernfalls hätten die Schweizer 50 Prozent geförderte Wohnungen bauen müssen. Das wollten sie aber nicht. Der Deal zwischen Rathaus und Investor sorgte im Gemeinderat nicht für ungeteilte Begeisterung. Für Baubürgermeister Martin Haag indes ist das eine gute Lösung. Neben den Wohnungen soll es auch Büro- und Gewerbeflächen geben. In der ersten Stufe müssen sich nun die zwölf eingeladenen Büros aus Basel, Zürich und halb Deutschland – darunter aus Freiburg K9 Architekten und Sacker Architekten –, städtebauliche und freiraumplanerische Gedanken über das gesamte, 75 Fußballfelder große, Planungsgebiet machen. In dem gehören der Brauerei Flächen (31 Fußballfelder), aber auch der Stadt Freiburg (17). Der Siegerentwurf soll dann die zweite Stufe zünden, in dem es um den Hochbau auf der Artemis-Fläche (27) geht. Von „viel Tempo“ war auf dem Ganter-Areal mal die Rede, das war 2023. Bis der Wettbewerb entschieden ist, die Preis-
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gerichtssitzung für den Hochbau ist auf den 3. März 2028 terminiert, die Bauanträge eingereicht und genehmigt sind und dann der erste Bagger rollt und schließlich die heute schon dringend benötigten Wohnungen bezogen werden können, werden vermutlich weitere vier, fünf Jahre vergehen. Haag, dem die Entwicklung in der Vergangenheit viel zu zäh war, verteidigt im Gespräch mit der Redaktion nun aber den erneut zeitraubenden Prozess: „Ich glaube an die Kraft dieser Wettbewerbe, weil sie zuverlässig gute Ergebnisse produzieren.“ Nicht selten würden die Bauvorhaben durch die Wettbewerbe auch wirtschaftlich gewinnen. Die Ganter-Aufgabe sei „wirklich kompliziert“ und es wäre naiv zu glauben, dass dort ohne vorgeschalteten Wettbewerb ein Ergebnis rauskomme, mit dem man weiter arbeiten könne. „Ich glaube, es lohnt sich, da so viel Zeit zu investieren“, sagte Freiburgs Stadtplanungsamtsleiter Roland Jerusalem im Bauausschuss. „Mit dem Wettbewerb schaffen wir die Möglichkeit, unterschiedliche Ansätze zu vergleichen und die beste Lösung für diesen besonderen Standort zu finden. Wir sind überzeugt, dass damit die Grundlage für ein Quartier geschaffen wird, das den Ort langfristig prägen wird“, so Silvia Didier Löliger, Geschäftsführerin der Artemis Immobilien GmbH & Co. KG. Die Artemis kostet der Wettbewerb 600.000 Euro. Hinter den Kulissen hatten Artemis und die Ganter Grundstücksgesellschaft auch noch über die Grundstücke mit den Gebäuden Mälzerei und Schalander verhandelt. „Trotz intensiver und konstruktiver Verhandlungen konnte derzeit keine Einigung über die wesentlichen Inhalte eines Kaufvertrags erzielt werden. Beide Seiten bedauern dieses Ergebnis“, teilt Artemis-Sprecher Patrick Hacker der Redaktion mit. Man wolle aber weiter im Gespräch bleiben. Man schrieb übrigens das Jahr 2011, als der Freiburger Gemeinderat schon mal einen Beschluss für die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Areal gefasst hatte. Lars Bargmann
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Unternehmen
Vertrauen ist besser Symposium und Festakt zu 80 Jahre Unmüssig-Gruppe in Freiburg
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ertrauen, Verantwortung, Verlässlichkeit. Mit dieser VTrilogie begeht die Freiburger
Unmüssig-Gruppe heuer ihr 80-jähriges Bestehen. Gefeiert wird am 18. September morgens mit einem Symposium im Historischen Kaufhaus und abends mit einem Festakt im ehemaligen OBI-Markt in St. Georgen.
Foto: © Baschi Bender
Das Symposium ist mit Lars Feld,
Jutta Steinruck, Dieter Salomon und Firmenchef Peter Unmüßig durchaus profund besetzt. Die frühere Sozialdemokratin Steinruck war von 2009 bis 2017 Mitglied des Europäischen Parlaments und von 2018 bis 2025 Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen am Rhein. Dort also, wo die UnmüssigGruppe das ehemalige Postbankgebäude revitalisiert hat und alle 16.400 Quadratmeter für 20 Jahre an die Stadtverwaltung vermietet hat. „Steinruck hat pragmatisch und durchsetzungsstark gezeigt, wie die öffentliche Hand mit der privaten Bauwirtschaft etwas Gutes auf die Beine stellen kann“, sagt Unmüßig. Wenn die Kommunen klamm sind, dann kämen sie nur mit Fremdkapital voran. In vielen Rathäusern würden die Verantwortlichen damit fremdeln, in Ludwigshafen nicht. Lars Feld war von 2011 bis 2022 Mitglied der sogenannten Wirtschaftsweisen, zuletzt als deren Vorsitzender. Er gilt als einer der führenden Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland, ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Freiburger Universität und Direktor des hiesigen Walter-Eucken-Instituts. „Feld ist der Exponent der ordoliberalen Wirtschaftspolitik, die exakt meiner Geisteshaltung entspricht“, sagt Unmüßig. Die soziale Marktwirtschaft 12 | chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026
Stolz auf 80 Jahre Familienunternehmen: Peter Unmüßig habe in der halben Welt Wohlstand gebracht. Auch wenn auch sie nicht ohne jede Schwäche sei. Und mit Dieter Salomon kommt nicht nur der frühere Freiburger Oberbürgermeister und amtierende Geschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein aufs Podium, sondern vor allem der Vorsitzende des Normenkontrollrats Baden-Württemberg, der sich für den Bürokratieabbau einsetzt. Der Staat müsse den Bürgern mehr vertrauen und erst mal unterstellen, dass sie den Staat nicht betrügen wollen. Wenn sie ihn aber doch betrügen, was immer wieder vorkommt, dann muss man das sehr hart sanktionieren, hatte er der Redaktion in einem Interview kurz nach seinem Amtsantritt gesagt. „Das ist genau das, was ich auch denke“, so Unmüßig. Vertrauen sei nicht umsonst das erste V in der Trilogie. Ohne Vertrauen in die handelnden Personen gäbe es die Unmüssig-Gruppe vielleicht gar nicht. Und hätten sich Helmut Kohl und Michail Gorbatschow nicht vertraut, „wäre es zur Deut-
schen Wiedervereinigung vielleicht gar nicht gekommen“. Das Misstrauen indes, das das Leben immer mehr „einkorsettiert“, habe katastrophale Auswirkungen auf Gesellschaften. Die Subline zum Jubiläumsjahr lautet: „Vertrauen als Vermögenswert begreifen – Demokratie stärken“. Die Unmüssig-Gruppe hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder dafür stark gemacht, Menschen an die Wahlurnen zu bringen. Zitierte etwa in ganzseitigen Print-Anzeigen den ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher mit den Worten: „Europa ist unsere Zukunft – wir haben keine andere.“ Für Unmüßig ist die Demokratie die beste Staatsform. „Kreativität erwächst nur aus Vielfalt, aus Meinungsvielfalt, die gibt es nur in demokratischen Systemen.“ Auch darüber werde auf dem Symposium gesprochen. Wenn es nach ihm ginge, dann müsse der alte Slogan „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ umgeschrieben werden. Vertrauen ist besser. bar
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Stadtentwicklung
Das Quartier, das besser sein will In Kleineschholz trifft viel Idealismus auf herausfordernde Rahmenbedingungen
Ein weites Feld: Ins Bauen gekommen ist auf dem Neubauviertel bisher nur das Siedlungswerk. Über die anderen Baufelder wächst aktuell wieder Gras.
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m Freiburger Quartier Kleineschholz sollen in den kommenden Jahren rund 500 neue Wohnungen entstehen – geprägt von Nachhaltigkeit, gemeinschaft-
lichen Wohnformen und innovativen Bauweisen. An vielen Stellen sind die Begeisterung und der Idealismus der Beteiligten zu spüren – vor allem bei den diversen Baugruppen und Graswurzelprojekten. Doch die hohen sozialen und ökologischen Ansprüche machen das angehende Modellquartier zugleich zu einer Bewährungsprobe für alle Beteiligten.
Foto: © bar
„Wenn es grüne Freiräume im Quartier gibt, wo man sich
treffen und austauschen kann, dann ist das sogar nachweislich stressreduzierend“, sagt Christina Simon-Philipp. Die Professorin für Städtebau und Stadtplanung an der Hochschule für Technik in Stuttgart steht an diesem Juliabend im Historischen Kaufhaus am Freiburger Münsterplatz in einem voll besetzten Saal. Das Interesse am Vortragsabend „Klimafreundlich bauen – zukunftstauglich leben“ ist erheblich, die Begeisterung im Publikum beinahe mit Händen zu greifen. Viele der Anwesenden wollen nicht einfach nur eine Wohnung im neuen Quartier beziehen. Sie verstehen ihr 14 | chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026
Engagement oft auch als Beitrag zu einer anderen, besseren Form des Zusammenlebens und zugleich, zugespitzt formuliert, ein Stück weit auch zur Rettung des Planeten. Veranstalter ist Lifelab, eines der gemeinschaftlichen Wohnprojekte, die im neuen Quartier Kleineschholz im Stühlinger bei der Grundstücksvergabe zum Zug gekommen sind. Der Verein plant zusammen mit der Freiburger Zimmerei Grünspecht ein fünfgeschossiges Mehrfamilienhaus mit 21 Wohnungen, davon 14 öffentlich gefördert. Gebaut werden soll vor allem mit Holz, Stroh und Lehm. Es wäre das erste fünfgeschossige Holz-Stroh-Lehm-Haus der Region und soll zeigen, welches Potenzial natürliche Baustoffe auch im mehrgeschossigen urbanen Wohnungsbau haben. Neben Simon-Philipp sprechen bei der Veranstaltung der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber, Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, und Markus Wolf, Zimmermeister bei Grünspecht. SimonPhilipp warnt dabei vor einem zu engen Nachhaltigkeitsbegriff. Nachhaltiges Wohnen sei mehr als Klimaschutz. Ökologische, soziale, wirtschaftliche und räumliche Aspekte müssten ebenfalls bedacht werden.
Visualisierung: © Siedlungswerk
Stadtentwicklung Entscheidend sei, ob Menschen dort langfristig bezahlbar wohnen können, ob gemeinschaftliche Räume entstehen, ob unterschiedliche soziale Gruppen Platz finden und ob Gebäude sowie Freiflächen auch auf veränderte Lebenssituationen reagieren können. Damit beschreibt die Stadtforscherin ziemlich genau den generellen Anspruch von Kleineschholz. Neben den 500 Wohnungen, mindestens die Hälfte davon öffentlich gefördert, sollen eine Kita, ein Lebensmittelmarkt, Gastronomie, soziale Angebote, gemeinschaftlich nutzbare Räume und großzügige Freiflächen entstehen. Das Quartier soll weitgehend autofrei, sozial gemischt, ökologisch anspruchsvoll und dauerhaft der Spekulation entzogen sein. Kurz gesagt: Die Latte liegt hoch. Was das Projekt besonders macht, macht es auch besonders anspruchsvoll. Klein eschholz soll beweisen, dass bezahlbares Wohnen, Klimaschutz, innovative Architektur, soziale Vielfalt und gemeinschaftliche Verantwortung miteinander vereinbar sind. Das Projekt wird deshalb weit über seine rund acht Hektar Fläche hinaus beobachtet. Viele sind gespannt darauf, inwieweit die bau- und wohnungswirtschaftliche Quadratur des Kreises gelingt. Die technische Erschließung ist abgeschlossen, erste Bauanträge liegen vor,
So sieht ein Gebäude ausschließlich mit Sozialwohnungen heute aus: Das Freiburger Siedlungswerk baut 28 Einheiten in Kleineschholz. im April dieses Jahres setzte die Freiburger Stadtbau mit dem ersten Spatenstich den sichtbaren Auftakt. Aber nur symbolisch. Denn wirklich im Bau ist aktuell allein das rund zehn Millionen schwere Projekt des Siedlungswerks mit 28 Wohnungen, die alle öffentlich gefördert sind, und in denen die Mieten 30 Jahre lang 33 Prozent unter dem Mietspiegel liegen werden. Der Rohbau ist bereits von der Bodenplatte bis zur Decke über dem Erdgeschoss gewachsen. „Wir sind im Zeitplan und werden im Herbst 2027 fertig sein“, sagt der Freiburger Siedlungswerk-Leiter Markus Hogenmüller. Ob bis dahin über-
haupt alle Bauherren angefangen haben, ist fraglich. Die Stadtbau errichtet zwei Gebäude mit insgesamt 49 Wohnungen. Jeweils die Hälfte wird öffentlich gefördert, die andere Hälfte frei finanziert. Die Wohnungen sind ausschließlich für Beschäftigte im Konzern Stadt Freiburg reserviert. So verbindet die Kommune Wohnungspolitik mit Personalpolitik: In einer teuren Stadt wird bezahlbarer Wohnraum zunehmend zu einem Faktor bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften. In einem der beiden Gebäude soll außerdem eine fünfgruppige Kita Platz finden. Die Häuser werden als HolzAnzeige
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Stadtentwicklung
Fotos: © bar
Mitmacher gesucht: Die Wolke und der Verein Lifelab verfolgen innovatiove Ansätze im Quartier. hybridkonstruktionen mit Laubengängen und begrünten und Birnbaum gleich drei Vorhaben vor. Lifelab und Wolke Fassaden gebaut. Die geförderten Mieten sollen durch öf- gehören zur Dachgenossenschaft Wohnen für Alle. Grundfentliche Mittel des Landes um 33 Prozent unter dem ört- stücke gingen außerdem an die Genossenschaften Oekogelichen Mietspiegel liegen. no, WMR (Wir machen Raum) und Grünhaus, an das Die Grundstücke wurden nicht an den Meistbietenden verSiedlungswerk, die Gemeinschaftsstiftung Kolpingwerk geben, sondern in einem Konzeptverfahren. Entscheidend Deutschland, den Urbanova Club und die Aktion Mensch. waren die geplanten Nutzungen, der Anteil geförderter Seit Juni 2025 galten zunächst alle Grundstücke als Wohnungen, gemeinschaftliche Elevergeben. mente, ökologische Standards und die Die Konzepte reichen von inklusivem Ein sehr bunter langfristige Bewirtschaftung. Zum Zug und generationenübergreifendem WohMix von Akteuren kamen Genossenschaften, Vereine, Stifnen über Wohnraum für Auszubildentungen, das Mietshäusersyndikat, die de bis zu gemeinschaftlichen Projekten Freiburger Stadtbau, die Bundesanstalt für Immobilienaufga- mit eigenen Mobilitäts-, Energie- und Nutzungskonzepten. ben (BImA) und weitere gemeinwohlorientierte Akteure. Das Kolpingwerk will beispielsweise Wohnungen für AuszuDie Liste der Projekte ist vielfältig. Das kooperativ und nichtbildende mit sozialpädagogischen Angeboten verbinden. Akkommerziell organisierte Mietshäusersyndikat Freiburg be- tion Mensch plant gemeinsam mit Oekogeno ein inklusives reitet mit dem Elinor-Ostrom-Siedlungsprojekt, Velohaven Ensemble mit Pflege- und Assistenzangeboten, einem Café Anzeige
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Visualisierung: © mbpk Architekten – Luxfeld Digital Art
Stadtentwicklung
und gemeinsamem Innenhof. Am Quartierseingang möchte die Genossenschaft Grünhaus das höchste Gebäude des neuen Viertels errichten und dort gemeinschaftliches, generationenübergreifendes Wohnen verwirklichen. Auf dem zentralen Marktgrundstück wollen der Lebensmittelhändler Beckesepp und die Unmüssig-Gruppe gemeinsam bauen. Im Erdgeschoss sind ein Supermarkt, ein inklusiv betriebenes Restaurant und ein Café vorgesehen. In den oberen Geschossen soll öffentlich geförderter Mietwohnraum entstehen. Das Beispiel zeigt, dass die Gemeinwohlorientierung in Klein esch holz nicht allein an der Rechtsform eines Bauherrn festgemacht wird. Entscheidend sind die konkreten Bindungen, Nutzungen und Mietkonditionen. Doch die Vielfalt, die das Quartier auszeichnen soll, erStadtbau am Start: Die kommunale Wohnungsbaugesell schwert zugleich seine Umsetzung. Große Wohnungsunter- schaft realsiert zwei Projekte mit insgesamt 49 Wohnungen, nehmen haben eigene Fachabteilungen, Bankkontakte und die nur für städtische Beschäftigte sind. eingespielte Bauprozesse. Kleine Vereine und junge Genossenschaften müssen Finanzierung, Planung, Mitgliederge- lierter Investor Eigenkapital und Kreditzusagen organisiert, winnung und Projektsteuerung teilweise ehrenamtlich oder muss ein gemeinschaftliches Projekt zunächst hunderte Unmit schlanken, teils fragilen Strukturen bewältigen. Gras- terstützer mobilisieren. wurzel-Bauprojekte gelten als besonders engagiert und in- Die Stadt hatte ursprünglich vorgesehen, sämtliche Grundnovativ, sind aber gegenüber steigenden Baukosten, hohen stücke ausschließlich im Erbbaurecht zu vergeben. Dadurch Zinsen und Verzögerungen besonsollten Grund und Boden dauerhaft in ders verletzlich. öffentlicher Hand bleiben. Angesichts Zielkonflikte Lifelab macht diese Spannung deutder verschlechterten Finanzierungsbeim Vorzeigeviertel lich. Um den Grundstückskauf zu fidingungen vollzog das Rathaus jedoch nanzieren, startete der Verein Anfang 2023 eine Kehrtwende und verkauft 2026 die Kampagne „500 × 5000“. Gesucht wurden 500 seither auch Grundstücke. Für viele Banken ist ein gekaufUnterstützer, die jeweils ein Darlehen von 5000 Euro bereit- tes Grundstück eine bessere Kreditsicherheit als ein Erbstellen. Insgesamt geht es damit um 2,5 Millionen Euro. Das baurecht. Die Stadtspitze begründete die Änderung Modell, das zum Redaktionsschluss noch deutlich Luft nach deshalb mit Pragmatismus: Das wohnungspolitisch geoben hatte, folgt der Logik des Projekts: Viele Menschen tra- wünschte Modell sollte nicht an den Finanzierungsvorgagen gemeinsam dazu bei, ein Haus der Spekulation zu ent- ben scheitern. ziehen und dauerhaft bezahlbares Wohnen zu ermöglichen. Dieser Schritt legt einen der grundlegenden Zielkonflikte Es zeigt aber auch, wie hoch die Hürden sind. Wo ein etab- bei der Realisierung von Kleineschholz offen. Einerseits will Anzeige
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Stadtentwicklung
Illustration: © Dietrich, Untertrifaller Architekten / Ramboll Studio Dreiseitl / Stadt Freiburg
So bunt haben sich die Planer Kleineschholz mal vorgestellt. Ob es das dritte Rathaus-Rund im Stühlinger geben wird, ist derzeit noch völlig offen. die Stadt Boden dauerhaft der Spekulation entziehen. Andererseits müssen die Projekte finanzierbar bleiben. Eine konsequente Erbbaustrategie hilft wenig, wenn gerade die kleineren gemeinwohlorientierten Bauherren deshalb keine oder teurere Kredite erhalten. Kleineschholz verlangt somit immer wieder Abwägungen zwischen einem Festhalten an den hehren Zielen und Anpassungen an die ökonomische Realität – eine Gratwanderung. Auch für den städtischen Haushalt ist das Quartier kein kleines Vorhaben. Die Gesamtkosten wurden 2023 auf rund 80,6 Millionen Euro beziffert. Darin enthalten sind etwa die Grundstückskäufe, die Erschließung, öffentliche Freiflächen und ökologische Ausgleichsmaßnahmen. Rund 40 Millionen Euro sollen aus Erbbauzinsen und Verkaufserlösen kommen, ein ähnlich hoher Betrag über den städtischen Haushalt finanziert werden. 18 | chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026
Anfang 2026 waren die ersten vier Bauanträge eingereicht. Neben den Stadtbau-Projekten und dem Siedlungswerk hat Urbanova Club den Antrag für 32 Wohnungen, darunter 21 geförderte, eingereicht. Auch die BIMA hat ihren Antrag gestellt, baut Wohnungen und eine zweigeschossige Kita.
Wackelkandidaten unter Zeitdruck Baubürgermeister Martin
Haag sprach damals von „zwei, drei Wackelkandidaten“. Nach aktuellem Stand sind es drei. Diesen räumte die Stadt zusätzliche Fristen ein, um ihre Finanzierungsnachweise vorzulegen. „Nach der Sommerpause werden wir aber Entscheidungen treffen müssen“, sagt Haag im Gespräch mit der Redaktion. Wenn es dann nicht klappt, steht mit der Wohngenossenschaft Esche ein Nachrücker schon parat. Die zwei an-
deren Grundstücke müssten indes neu ausgeschrieben werden. Mit etwas leichteren Vorschriften, ist aus dem Rathaus zu hören. Die Zeit drängt: Auf dem Spiel steht eine Sonderförderung der BImA. Für jede öffentlich geförderte Wohnung hat sie zusätzlich 25.000 Euro als Zuschuss zugesagt. Bei 250 Sozialwohnungen sind das 6,25 Millionen Euro. Voraussetzung ist allerdings, dass die Wohnungen bis Ende 2028 bezogen sind. Werden Grundstücke zurückgegeben und neu ausgeschrieben, könnte die zusätzliche Förderung für diese Flächen verloren gehen. Die Hilfe kann Projekte also wirtschaftlich über die Schwelle tragen, erhöht zugleich aber den Termin- und Erfolgsdruck. Laut Haag finden derzeit bereits pa rallel Gespräche mit der BImA statt, „weil wir natürlich sehen, dass wir beim ein oder anderen Projekt vielleicht aus dem Datum rausrutschen.“ Holger Schindler, bar
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chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026 | 19
Politik
Neuer Anlauf an der Quäkerstraße Familienheim startet Beteiligungsprozess der Quäkerstraße 1–9 abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Grund war ein Gutachten aus August 2017, das eine Sanierung des in den 50er Jahren gebauten Gebäuderiegels als unwirtschaftlich eingestuft hatte. Der Vorstand reichte den Bauantrag ein. Es kam zu heftigen Widerstand einer Initiative aus Bewohnern – also Mitgliedern – und Martin Horn, der sich im OB-Wahlkampf 2018 auf die Seite der Initiative „Wiehre für alle“ geschlagen und dann als gewählter Oberbürgermeister das städtische Amtsblatt dafür genutzt hatte, den Vorstand der Genossenschaft auf offener Bühne zu kritisieren. Nachkriegsgebäude mit schlechter
Foto: Google Maps © Bilder © 2026 Airbus, GeoBasis-DE/BKG, Maxar Technologies, Landsat / Copernicus,Kartendaten © 2026
Familienheim-Quartier in der Wiehre: Die Genossenschaft hat hier rund 350 Wohnungen. Und auch Platz für Nachverdichtungen. Der Streit entzündete sich an der Quäkerstraße 1-9 (rote Markierung).
D
ie Baugenossenschaft Familienheim Freiburg hat nach einem fünf Jahre dauernden
Moratorium den Prozess um die künftige Bebauung rund um die Quäkerstraße in der Wiehre gestartet. „Ja, wir haben unserer Vertreterversammlung mitgeteilt, dass wir ein Konzept auf den Weg bringen, das die Leitziele für unsere bestehenden Wohnungen, aber auch für die gewünschte Nachverdichtung festlegen soll“, sagt Vorstand Alexander Ehrlicher auf Anfrage der Redaktion. Die Genossen wollen ihre Mitglieder
„mit partizipativen Elementen“ eng einbinden, um für das Quartier zwischen 20 | chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026
Adalbert-Stifter-, Dreikönig-, Türkenlouis-, Prinz-Eugen- und Grillparzerstraße bis zum kommenden Frühjahr ein zukunftsfähiges Konzept zu erarbeiten. Dafür haben sie eigens ein auf partizipative Prozesse spezialisiertes Büro eingeschaltet. Bis Ende 2028 soll das städtebauliche Konzept stehen. Dann ein Fahrplan erstellt werden, der etwaige Sanierungen und auch Neubauten eintaktet. Die Familienheim hat in diesem Quartier insgesamt 350 Wohnungen mit rund 20.000 Quadratmetern Wohnfläche. Der Vorstand, seinerzeit mit Ehrlacher und der inzwischen in den Ruhestand gegangenen Anja Dziolloß, wollte ursprünglich ein Mehrfamilienhaus an
Bausubstanz waren seinerzeit in anderen Stadtteilen – etwa durch die Freiburger Stadtbau GmbH oder auch den Bauverein Breisgau – deutlich geräuschloser durch nachhaltigere ersetzt worden. Nachdem das Rathaus sodann mit einer sozialen und baulichen Erhaltungssatzung gedroht hatte, einigte man sich schließlich – einfach mal fünf Jahre lang gar nichts zu machen. Die sind jetzt vorbei. Beim neuen Konzept soll es um die soziale Zusammensetzung im Quartier gehen, um genossenschaftliche Interessen, städtebauliche Qualitäten, Investitionen in den Klimaschutz, eine zukunftsfeste Wärmeversorgung, zusätzlichen Wohnraum – das ist auch das Interesse von Horn und Baubürgermeister Martin Haag – und natürlich um die Wirtschaftlichkeit. „Den Charakter des Quartiers bewahren und zusätzlichen Wohnraum schaffen“, gibt Ehrlacher die Richtung vor. Platz für Neubauten gibt es jedenfalls in den raumgreifenden Innenhöfen. Lars Bargmann
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Politik
Glaser spricht von »Mieten-Mafia« MdB finanziert Beratung im Mieterring
F
ür einkommensschwache Mieter aus Freiburg übernimmt der Linken-Bundestagsabge-
ordnete Vinzenz Glaser nach eigenen Angaben die Mitgliedsbeiträge im Badischen Mieterring. Der Freiburger sieht Fälle von systematischer „MietAbzocke“ auf dem regionalen Wohnungsmarkt. Der Mieterring zeichnet ein differenzierteres Bild.
Foto: © Jan Schlottau
Wer wenig verdient und Ärger mit sei-
nem Vermieter hat, kann sich künftig auf Kosten von Glaser Unterstützung beim Badischen Mieterring holen. Der Linken-Politiker übernimmt für Betroffene, die in dessen Sprechstunde kommen, den Mitgliedsbeitrag für die ersten eineinhalb Jahre. Dieser beträgt sechs Euro monatlich. Ziel der Kooperation ist es, Mietern zu helfen, ihre bestehenden Rechte etwa bei Nebenkostenabrechnungen oder Mieterhöhungen durchzusetzen. Glaser sieht Handlungsbedarf. Bei Haustürgesprächen und in seiner Sprechstunde höre er häufig von hohen Nebenkostenabrechnungen und Mieterhöhungen. Bei genauer Prüfung seien diese teilweise nicht rechtskonform. Besonders hart geht der Abgeordnete mit großen Immobilienunternehmen ins Gericht – und scheut nicht vor harten Worten zurück. „Die Abzocke hat System. Die Mieten-Mafia nutzt die Mietenkrise in Freiburg aus, um auf Kosten der Mieter Kasse zu machen“, sagt Glaser. Als typische Beispiele nennt er überhöhte Mieten, falsche Nebenkostenabrechnungen sowie Mieterhöhungen, die über das rechtlich Zulässige hinausgingen. Er verweist dabei unter anderem auf Paragraf 558 des Bürgerlichen 22 | chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026
Gesetzbuchs, der Mieterhöhungen bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete regelt, sowie auf die gesetzlichen Regelungen gegen Mietpreisüberhöhungen und Mietwucher. Die Freiburger Stadtbau GmbH und die Freiburger Genossenschaften will Glaser allerdings nicht pauschal in seine Kritik einbeziehen. Kommunale Wohnungsgesellschaften hätten ausdrücklich den Auftrag, bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen; Genossenschaften seien nicht im klassischen Sinne profit orientiert.
Will auch politisch Kapital aus der Kooperation schlagen: Vinzenz Glaser Auffallend ist, dass der Kooperations-
partner die Lage deutlich weniger dramatisch beschreibt. Nach Angaben des Vorsitzenden Volker Hug berät der Badische Mieterring seine Mitglieder ausschließlich außergerichtlich und komme auf rund 1000 persönliche Anfragen pro Jahr. Zwar gebe es auch in Freiburg schwarze Schafe unter den Vermietern. Das seien aber nur „einige wenige“. Rund 95 Prozent der Vermieter hielten sich nach seiner Einschätzung an den Mietspiegel.
Auch beim Immobilienkonzern Vono-
via unterscheiden sich die Bewertungen. Glaser verweist auf Mieter in Haslach, die sich im vergangenen Winter wegen hoher Nebenkosten, ausgefallener Heizungen und Schimmel zusammengeschlossen hätten. Der öffentliche Druck habe dazu geführt, dass Vonovia erste Schritte eingeleitet habe. Hug dagegen bewertet die Erfahrungen mit dem Unternehmen in Freiburg nicht schlechter als mit anderen Großvermietern. Es gebe seit Jahren einen engen Kontakt und regelmäßigen Austausch unter anderem mit Vonovia, der städtischen Stabsstelle Bezahlbares Wohnen und den Mieterorganisationen. Die Zusammenarbeit mit dem Konzern sei aus Sicht des Mieterrings sehr unmittelbar und verlässlich. Es zeigt sich: Glaser will auch politisch Kapital aus der Kooperation schlagen und stellt Mitbewerber als Teil des Problems dar: „CDU und SPD schützen Immobilienkonzerne statt uns Mieterinnen und Mieter.“ Der Badische Mieterring setzt dagegen vor allem auf konkrete Beratung und außergerichtliche Lösungen. Parallel versucht die Linkspartei, das Thema auf politischem Weg in den Freiburger Gemeinderat zu tragen. Über einen Einwohnerantrag nach Paragraf 20 der Gemeindeordnung Baden-Württemberg sollen 2500 Unterschriften gesammelt werden. Darauf basierend soll sich der Gemeinderat dann mit Sofortmaßnahmen gegen hohe Mieten und für mehr bezahlbaren Wohnraum befassen. Die Unterschriften sollen am 17. Oktober im Rahmen einer Mieterdemonstration übergeben werden. Holger Schindler
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chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026 | 23
Baurecht
Stadtbau muss Schadensersatz zahlen 875.000 Euro an Eigentümer im Spittelacker
F
ast 20 Jahre nach der ersten Mängelrüge wegen der mangelhaften Statik der Reihen- und Doppelhäuser im Spittelacker hat das Oberlandesgericht
Karlsruhe neulich einen finalen Beschluss gefasst. Dem-
nach muss die Freiburger Stadtbau GmbH 875.000 Euro an insgesamt 34 Eigentümer zahlen.
Foto: © AeroWest, GeoBasis-DE/BKG, Maxar Technologies, Kartendaten 2022
Diese 34 Eigentümer hatten sich von der Staufener Bau-
rechtsspezialistenkanzlei Steiger, Schill und Kollegen vertreten lassen. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis“, sagt Werner Amelsberg von der Kanzlei. „Es war ein komplexes Verfahren, in das zahlreiche Gutachter eingebettet waren und bei dem sich die FSB aus den Nullerjahren sicher nicht mit Ruhm bekleckert hat“, räumt Stadtbau-Geschäftsführer Matthias Müller auf Anfrage der Redaktion ein. Müller und seine Co-Geschäftsführerin Magdalena Szablewska haben das damalige Verhalten der FSB-Spitze – das allein als „frech“ zu bezeichnen, euphemistisch wäre – nicht zu verantworten. Und sind jetzt „zufrieden mit der einvernehmlichen Beendigung des Gerichtsverfahrens“. Insgesamt 60 Reihen- und Doppelhäuser hatte die städtische Tochter zwischen 2003 und 2007 im Baugebiet Spittelackerstraße erstellt. Zu moderaten Preisen zwar, aber mit dem statischen Mangel, dass die meisten Häuser nur im Verbund sicher stehen: Fehlt ein Nachbarhaus als Stütze, kann es zu massiven Problemen kommen. Dieser Mangel war aufgefallen, als ein Eigentümer umbauen wollte. Er rügte den Mangel. Und was tat die Stadtbau? Sie schickte im April 2007 allen Eigentümern – als „Routineangelegenheit“ – eine Erklärung zu, in der sie „gegenüber der Baurechtsbehörde die Verpflichtung eingehen“, ihre „Reihenhausgebäude erst dann abzubrechen, wenn zuvor die Standsicherheit aufgrund der durch den Abbruch veränderten Lasteinwirkungen auf die verbleibenden Gebäude nachgewiesen und evtl. notwendige Maßnahmen durchgeführt wurden. Gleiches gilt für die Veränderungen am Gebäude, soweit diese Auswirkungen im o. a. Sinne haben können.“ „Eine weitergehende Erläuterung zur tatsächlichen und rechtlichen Bedeutung dieser Baulast erfolgte nicht“, heißt es in dem der Redaktion vorliegenden, 91-seitigen OLG-Beschluss. Einige Eigentümer unterschrieben brav das Papier, andere witterten einen „Betrugsversuch“ und setzten sich zur Wehr. Mit Erfolg. Zuletzt hatte die Stadtbau Mitte 2022 vor dem Freiburger Landgericht eine Schlappe kassiert. In dem Urteil hieß es, 24 | chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026
Teure Angelegenheit: Am Spittelacker (rot eingefärbt) kehrt nun Ruhe ein. dass die FSB entweder die Häuser statisch nachbessern oder den Eigentümern 750.000 Euro Schadensersatz zahlen müsse. Beide Seiten waren daraufhin in Berufung gegangen. Mit dem OLG-Beschluss ist nun nicht nur die Schadenshöhe final geklärt, sondern die Stadtbau muss auch noch alle Gerichts- und Anwaltskosten bezahlen und, für den Fall, dass ein Haus tatsächlich abgerissen werden muss, auch selber für die Standsicherheit der Nachbargebäude sorgen. Am Ende ist der Schaden gut siebenstellig. Laut Müller habe die FSB ausreichende Rückstellungen in der Bilanz gebildet. Zum beschlossenen Schadensersatz wegen der Wertminderung der allein nicht standsicheren Häuser möchte der Geschäftsführer nicht unerwähnt lassen, dass die dort immer wieder mal dokumentierten Hausverkäufe aus der jüngeren Vergangenheit gezeigt haben, „dass Reihenhäuser mit sehr hohem Gewinn weiterverkauft werden konnten. Das hilft vielleicht bei der Einordnung des Themas.“ Wenn es ums rein Finanzielle gehen würde, mag das sogar stimmen. Aber die „Routineangelegenheit“ entzieht sich dieser Einordnung. Der Vergleich ist ein – nachvollziehbarer – Erfolg für die Kläger und die Kanzlei, die in diesem Jahr von der Zeitschrift Capital als eine der „Besten Anwaltskanzleien 2026“ im privaten Baurecht Süden und von Focus-Business als „Top Wirtschaftskanzlei 2026“ ausgezeichnet wurde. Lars Bargmann
Unsere erste Exklusivgeschichte
… über den Spittelacker lesen Sie hier: bit.ly/spittelacker
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chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026 | 25
Generalunternehmer
Dürrschnabel mit viel Tempo KI hält Einzug in Traditionsbetrieb
Gruppenbild mit Dame (v.l.): Stefan Schäfer, Martin Osner, MdB Yannick Bury, Teningens Bürgermeister Berthold Schuler, Stefan Gerwig, Reinhold Kopfmann, Carmen KopfmannGerwig (alle vom Bauherrn) und Sparkassen-Vorstand Bernd Rigl beim Spatenstich.
A
nfang August feierte die Kopf-
Am Ochsen in Zähringen spielen Ste-
mann Elektrotechnik GmbH
fan Schäfer und sein Sohn Christopher die Wohnungsbauexpertise aus und bauen direkt an das denkmalgeschützte Ensemble für rund vier Millionen Euro ein Wohnhaus mit acht Einheiten. „Eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe“, sagt Schäfer, der den Neubau im kommenden Frühjahr an die Eigentümer übergeben möchte. Für die Wohnbau Baden AG wird die Dürrschnabel noch im Oktober mit dem Bau eines Mehrfamilienhauses mit zehn Einheiten in Bad Krozingen loslegen. Für die Forst Schmieder GmbH arbeitet das Team derzeit an der Planung eines weiteren Firmensitzes. Und in Achern warten Schäfer und sein Auftraggeber, die Schleith-Gruppe, schon länger auf einen Bebauungsplan, damit Schäfer den Bauantrag einreichen kann. Zuweilen baut der Generalunternehmer die Gebäude schneller als sie genehmigt sind. Von einem Bau-Turbo „merken wir gar nichts“, erzählt der Diplom-Ingenieur. Die Bundesregierung hatte im Oktober 2025 ein Gesetz erlassen, wonach Gemeinden innerhalb von drei Monaten einen Bauantrag entscheiden
mit zahlreichen Gästen den
Spatenstich für einen knapp 500 Quadratmeter großen Anbau ans Firmengelände. Mit dabei auch Stefan Schäfer, Gründer und Geschäftsführer der Dürrschnabel Industriebau GmbH. Und der sagt zur Redaktion: „Ende des Jahres sind wir hier fertig.“
Foto: © WZO - Emmendinger Tor
Auf die Frage, ob sich der Journalist –
nicht nur wegen der anstehenden Bauvorhaben – verhört hat, erzählt Schäfer, dass er in Köndringen nur die Hülle bauen muss, den Innenausbau verantwortet Firmenchef Reinhold Kopfmann selber. Aber schnell sein, das können die Emmendinger. In weniger als 12 Monaten bauen sie für den Fahrradhändler Hotbike eine 1000 Quadratmeter große Halle mit 200 Quadratmeter Mezzanine, haben die Architektur entworfen, den Bauantrag gestellt und übergeben noch Ende 2026 die Schlüssel. Die Planungsabteilung hat parallel zudem einen Bauantrag für ein großes Bauvorhaben in Kenzingen gefertigt und eingereicht. 26 | chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026
müssen. Tun sie es nicht innerhalb dieser Frist, gilt der Bauantrag automatisch als genehmigt. Schäfer kennt einen Fall aus Freiburg, wo die Genehmigungsbehörde einen Tag vor Ablauf der Frist beim Bauherren anrief und sagte, entweder der Bauherr verzichte auf die sogenannte Genehmigungsfiktion – oder die Behörde werde den Bauantrag ablehnen. So stellt man einen Turbo auf dem Standstreifen ab. Auch die so oft formulierte Vereinfachung des Bauens, die Landesregierung hatte dafür auch die Landesbauordnung novelliert, sei auf dem Bauplatz noch nicht zu merken. Mehr als 300.000 Quadratmeter hat die Dürrschnabel Industriebau seit der Gründung 1995 in Südbaden erstellt. 1995 spielte die Künstliche Intelligenz im Unternehmen eine etwa so große Rolle wie die Farbe eines Blumenbouquets am Empfang. Heute aber kümmert sich Christopher Schäfer intensiv um die zahlreichen Möglichkeiten von KI. Das fängt beim sekundenschnellen Finden von bestimmten E-Mails an und hört bei der Planung von Gebäuden nicht auf. Lars Bargmann
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chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026 | 27
Stadtentwicklung
Erster Bauabschnitt im Anflug: Am 8. Dezember sollen die ersten 65 Grundstücke vergeben werden. Das Quartiershaus (r.) baut die Stadt selber.
83 Bewerbungen für 23 Grundstückspakete Erste Erfolgsmeldung bei Dietenbach-Vermarktung
D
ie Skepsis ist erst einmal wie weggewischt: Für die ersten 23 Vergabepakete mit 65
Visualisierungen: © LINK3D; Architekturbüro Spiecker Sautter Lauer noi architektur
Grundstücken in Freiburgs geplantem Stadtteil Dietenbach haben sich
Haag im Gespräch mit der Redaktion. Im Vorfeld der ersten Vermarktungsrunde hatten nicht nur Immobilienmarkt-Experten Skepsis an der Attraktivität der Pakete geäußert.
38 Wohnungsbauakteure mit insgesamt 83 Bewerbungen gemeldet. Damit hatte selbst Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag nicht gerechnet.
»So etwas haben wir hier noch nicht gesehen«
Mal geht es dabei um kleine Stadthäuser mit nur zwei Wohneinheiten, mal um Geschosswohnungsbauten mit rund 50 Wohneinheiten. Die erste Tranche des ersten Bauabschnitts bietet rund 800 Wohnungen, insgesamt sollen im Westen Freiburgs 6900 Einheiten für rund 16.000 Menschen gebaut werden. Es ist eines der größten Wohnungsbauprojekte in ganz Deutschland.
Wenn man Schulnoten für die aktuel-
Ungewohnt sei auch, dass die Bewer-
„Die eingegangenen Bewerbungen
len Rahmenbedingungen des Wohnungsbaus vergeben müsste, würde wahrscheinlich eine Fünf auf dem Zeugnis stehen. „Wir haben aktuell kein Genehmigungsproblem, wir haben ein Bauproblem. Und dass in dieser Phase so viele Akteure sich auf Grundstücke beworben haben, hat mich wirklich gefreut und ich war ganz ehrlich auch erleichtert“, sagt
ber etwa zur Hälfte aus dem Freiburger Raum kommen, ein Viertel aus anderen Teilen Baden-Württembergs und ein Viertel aus dem Rest der Republik. „So etwas haben wir in Freiburg noch nicht gesehen“, so Haag. Eingereicht wurden die Konzepte von privaten Bauherrinnen und Baugemeinschaften, von Genossenschaften, Bauträgern und Projektentwicklern.
werden wir sichten und auswerten. Wir freuen uns darauf, mit allen Bewerber·innen ins Gespräch für die weitere Ausarbeitung zu gehen“, hatte Mario Pfau, der Leiter der Projektgruppe Dietenbach, bei der Bekanntgabe der Zahlen Mitte Juni gesagt. Und mit allen Bewerbern wurden schon bis Anfang August die ersten Gespräche geführt, erzählt Haag: „Wir müssen da
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Stadtentwicklung
jetzt schon ein bisschen Tempo reinkriegen.“ Es gibt einige Supermarkt mit rund 500 Quadratmetern gebaut werden Grundstücke, auf die sich mehrere beworben haben, aber soll. Auch dafür gab es Bewerber. auch manche, für die noch keine Bewerbung reinkam. Nach der Sommerpause werden sich Stadtspitze und die geUnter den Bewerbern ist etwa der Bauverein Breisgau, wie meinderätliche Auswahlkommission zusammensetzen, um die Vorstände Marc Ullrich und Jörg Straub der Redakti- die Vergaben vorzubereiten. Damit nicht am 8. Dezember, on berichteten. Die Freiburger Stadtbau (FSB) plant allein an dem Tag soll der Gemeinderat über die Vergabe entscheiim ersten Vermarktungsabschnitt rund 130 Wohneinhei- den, über 65 Grundstücke debattiert wird. Das Bauland im ten. Zudem sind mehrere Grundstüneuen Stadtteil wird zu Festpreisen an die cke für Alteigentümer reserviert. Mit – aus Sicht der Verwaltung – besten KonBezahlbar, sozial, einem Potenzial von rund 300 zepte verkauft. „Wir wollen bezahlbaren klimafreundlich Wohnungen. Wohnraum schaffen und zugleich VorDas Quartiershaus Q1 mit einer sechsbild sein für eine soziale und kulturelle gruppigen Kita, einem Bürgersaal, Räumen für Büros und Vielfalt sowie den Klima- und Umweltschutz“, betont Haag. dem Quartierstreff sowie einer Dachterrasse baut das Frei- In derselben Sitzung am 8. Dezember soll auch schon die burger Rathaus mit seinem Immobilienmanagement Frei- zweite Tranche des ersten Bauabschnitts auf den Markt burg (IMF) selber. In einem Realisierungswettbewerb hatte kommen. „Sozusagen durchaus beflügelt vom Erfolg der sich das Architekturbüro Spiecker Sautter Lauer zusammen ersten Tranche.“ Im zweiten Vermarktungsbereich liegt mit Krause Landschaftsarchitekten und noi architektur hör- auch die Meistermeile, eine „Urban Factory“ mit gestapelmann weinfurtner (alle aus Freiburg) durchgesetzt. tem und daher besonders platzsparendem Gewerbe an der Endhaltestelle der Straßenbahn. Hört sich gut an, es Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) war in der ersten Runde noch nicht aktiv. Aber die BImA hat in braucht aber dafür auch einen guten Bauherrn. Freiburg aktuell mehrere Mehrfamilienhäuser im Bau oder Wann es mehrere Jahre nach dem ursprünglichen Plan nun in der Planung. Im Stühlinger, in Haslach, an der Otto- den ersten Spatenstich auf Freiburgs jüngstem Stadtteil geWels-Straße an der Dreisam. Im ersten Vermarktungsab- ben wird? Haag wägt lange ab. Und sagt dann: Anfang 28. schnitt gibt es auch ein Grundstück, auf dem ein kleiner Lars Bargmann Anzeige
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Genossenschaften
Heimbau mit Rekordinvestition Genossenschaft bilanziert und stockt Eigenkapital auf
Frisch modernisiert: Heimbau-Gebäude an der Boelckestraße in der Unterwiehre und das Heimbau-Ensemble an der Stefan-Meier-Straße
D
ie Freiburger Baugenossenschaft Heimbau Breisgau hat im vergangenen Jahr mit 3,73 Millionen Euro eine Rekordsumme in den Gebäude-
bestand investiert. „Wir werden auch in den kommenden Jahren viel Geld in den Bestand investieren, insbesondere weil wir den Energieverbrauch der Häuser reduzieren und eine nachhaltige Energieversorgung etablieren wollen“, so die geschäftsführende Vorständin Edina Szabó.
Fotos: © Baugenossenschaft Heimbau Breisgau
Energetisch modernisiert, auch mit neuer Solaranlage
und Speichern, wurden zwei Gebäude in Gundelfingen und ein Mehrfamilienhaus im Freiburger Stadtteil Opfingen. Zudem wurde Geld in Häuser Am Bischofskreuz und an der Boelckestraße investiert. Unterm Strich verbuchte die kleinste der drei Freiburger Baugenossenschaften einen Jahresüberschuss in Höhe von 1,18 Millionen Euro. 940.000 Euro werden in die Rücklagen gesteckt, 240.000 an die Mitglieder als dreiprozentige Dividende ausgeschüttet. Die Heimbau hatte Ende vergangenen Jahres in Freiburg und Umgebung 1328 Wohnungen, 28 Gewerbeeinheiten sowie 754 Tiefgaragenstellplätze und Einzelgaragen. Die durchschnittliche Nettokaltmiete lag bei 8,40 Euro und damit rund 22 Prozent unter dem aktuellen Freiburger Mietspiegel (10,81 Euro). 30 | chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026
Die Bilanzsumme 2025 betrug knapp 75 Millionen Euro, das Anlagevermögen gut 70 Millionen, das Eigenkapital beläuft sich aktuell auf 43,6 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote liegt mittlerweile bei 58,3 Prozent. Für Fremdkapitalgeber ist die Heimbau ein sehr robuster Kunde. Aktuell ist nicht nur der Bestand, sondern auch der Neubau wieder auf der Agenda. So planen die Genossen an der Offenburger Straße 63–69 eine Aufstockung bestehender Gebäude und einen Neubau. Der Freiburger Gestaltungsbeirat unterstützte die Pläne in einer Sitzung im vergangenen Februar, hatte aber auch noch Verbesserungswünsche. Der Bauantrag soll noch im laufenden Jahr gestellt werden. Zudem befindet sich Szabó in Gesprächen mit dem Gundelfinger Bürgermeister Raphael Walz über einen Neubau an der Blumenstraße, wo die Heimbau bereits ein Mehrfamilienhaus mit 15 Einheiten betreibt. Bis 2045 will die Heimbau ihren Bestand klimaneutral haben. 2025 habe der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Quadratmeter bei 18,1 Kilogramm gelegen und damit deutlich unter dem Vergleichswert der rund 300 Mitgliedsunternehmen im Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen (24,9). Bei der Bekanntgabe der Bilanz für 2024 hatte der Heimbau-Wert allerdings bei 14,8 Kilogramm gelegen. bar
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Stadtentwicklung
Im Nordwesten nichts Neues Aber 450 Wohnungen im Osten von Zähringen
Auf dem Parkplatz zwischen Edeka-Markt und Mömax muss noch jemand den Wagen anschieben. Auf der anderen Straßenseite steht der Rahmenplan für die künftige Bebauung.
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ährend die Entwicklung des rund 100.000 Quadratmeter großen Areals
mit Mömax und Edeka Kohler westlich der Gundelfinger Straße weiter stockt, geht es auf der anderen Straßenseite voran: Anfang 2027 soll der Bebauungsplan für bis zu 450 Wohnungen in die Offenlage gehen. Anders als im Westen, gehören im Osten rund 80 Prozent der Flächen dem Freiburger Rathaus. Tendenz
Foto: © bar
steigend. 1000 neue Wohnungen in einem lebendigen Quartier, das plant der Projektentwickler BO.L in Zähringen. So steht es zumindest in einer Pressemitteilung – vom 21. Juli 2022. „Wenn jetzt zeitnah die richtigen Entscheidungen mit dem Ziel einer Baugenehmigung getroffen werden, könnten hier bereits im Jahr 2026 die ersten
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Bewohner:innen einziehen“, ließ sich Julian Siering von der BO.L zitieren. Fakt ist, dass es bis heute zu einem städtebaulichen Entwurf kam, der aktuell im Freiburger Rathaus liegt. Dort hat das Team um Baubürgermeister Martin Haag das ursprünglich gemeinsame Stadtentwicklungskonzept Zähringen Nord inzwischen in Ost
»So etwas haben wir hier noch nicht gesehen« und West geteilt. Weil die westlichen Flächen „aufgrund der Eigentumsverhältnisse und des Sicherheitsabstands zu einem Störfallbetrieb (TDK Micronas, d. Red.) komplexere Herausforderungen in der Entwicklung mit sich bringen“, heißt es in einer Drucksache für den Gemeinderat.
Die BO.L Projektentwicklung GmbH
ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Blueorange Development Partner GmbH und der Lüder Unternehmensgruppe GmbH aus Hildesheim. Die Blueorange wiederum ist eine hundertprozentige Tochter der Volksbank Braunschweig Wolfsburg (BraWo). Und die ist – aktuell im Visier der Staatsanwaltschaft in Braunschweig. Wegen des Verdachts der Untreue im Umfeld der Bank, die über eine Holding an Hunderten Unternehmen beteiligt sein soll. Auch an insolventen. Noch bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe hatte die angeschlagene Genossenschaftsbank keine Bilanz fürs vergangene Jahr veröffentlichen können. Unter anderem wohl, weil viele Immobilien deutlich zu hoch bewertet sein könnten. Das Handelsblatt schrieb, dass die Bank viele Millionen aus einem Stützungsfonds
Stadtentwicklung
Stadtbau startet stark
braucht. Ob diese gelinde formuliert kuriosen Vorgänge aufs Freiburger Projekt ausstrahlen? „Angesichts der laufenden Entwicklungen ist hierzu derzeit keine belastbare Einschätzung möglich“, teilt eine Unternehmenssprecherin mit. Im Freiburger Rathaus liege aber aktuell ein angepasster städtebaulicher Entwurf. Und es sei vorgesehen, diesen nach Rücksprache mit der Stadt nach der Sommerpause im Bauausschuss zu präsentieren. Das Baudezernat, teilt Rathaussprecherin Martina Schickle mit, habe der BO.L einen „ersten Teilbebauungsplan in Aussicht gestellt“. Ziel sei, dass das Gesamtkonzept im Norden sukzessive umgesetzt werden könne, „ohne dass wir uns durch den ersten Teilbebauungsplan im wahrsten Sinne des Wortes etwas verbauen“. bar
Wertige Fassade: Die günstigste Eigentumswohnung kostet 320.000 Euro Auf dem Areal der Freiburger Stadtbau GmbH am Elefan-
Visualisierung: © LINK3D
Visualisierung: © Stadt Freiburg i.Br., Amt für Wohnraumentwicklung und Vermessung
43 Eigentumswohnungen im Quartier am Elefantenweg
tenweg im Stadtteil Mooswald gab es mal zwei Dutzend Wohnungen mit rund 1100 Quadratmetern Wohnflächen. Wenn die städtische Tochter dort mit der Entwicklung fertig ist, angepeilt ist der Sommer 2027, wird es rund 6400 bewohnbare Quadratmeter geben. Durchaus ein Paradebeispiel für Nachverdichtung im Stadtbereich. 50 öffentlich geförderte Mietwohnungen gibt es dann, aber auch 43 Eigentumswohnungen. Für diese ist der Vertrieb Anfang Juli gestartet und fünf Wochen später gab es bereits zehn Reservierungen. „Damit sind wir sehr zufrieden“, sagt Isabell Werner, die bei der FSB auch den Vertrieb leitet. Der Entwurf fürs Quartier kommt aus der Feder von SSA Architekten aus Basel. Die Eigentumswohnungen verteilen sich auf vier mit Fernwärme belieferte, mit Holz verkleidete Häuser. Es gibt 14 Zwei-, 15 Drei- und 14 Vierzimmerwohnungen mit 40 bis 107 Quadratmetern. Darunter auch Maisonettewohnungen, die gerne als Häuschen im Haus bezeichnet werden. Die günstigste Einheit gibt es für gut 320.000 Euro. Der durchschnittliche Quadratmeter kostet knapp 8300 Euro. bar chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026 | 33
Immobilienmarkt
»Diese Kuh ist uns heilig« Großes Stühlerücken im Gutachterausschuss
S
till und leise hat sich in Freiburg der städtische Gutachterausschuss neu aufgestellt.
Neuer Vorsitzender ist seit Ende Juni Dirk Schemmer, der den Chefsessel von Hugo Sprenker übernommen hat. Gab es von 2022 bis 2026 immerhin sechs externe Vize-Vorsitzende, sind es nun bis 2030 mit Kathrin Schonefeld und Tina Gering nur noch zwei – und beide arbeiten bei der Freiburger Stadtverwaltung in
Foto: © hk
der Geschäftsstelle des Ausschusses. Rund um das Gremium rumort es im-
Ehemaliges Modehaus Fabel: Rund um den Bertoldsbrunnen waren die Bodenrichtwerte 2022 von 10.000 auf 27.000 Euro nach oben geschnellt. Teure Käufe beeinflussen die Bodenwerte.
mer wieder mal in Freiburg. Mal geht es um die von ihm festgelegten Bodenrichtwerte, mal um die politische Unabhängigkeit. „Diese Kuh ist uns heilig“, sagt Schemmer im Gespräch mit der Redaktion. Auch wenn mit Schonefeld und Gering nun zwei bei der Stadtverwaltung Beschäftigte von normalen Mitgliedern zu Vize-Vorständinnen berufen wurden, habe das ausschließlich „praktische Gründe“. Schemmer, diplomierter Immobilienwirt und Sachverständiger, ist schon seit 15 Jahren im Gremium. Und erinnert daran, dass der Ausschuss früher
mal von Hannelore Stockert geleitet wurde, die damals auch Leiterin des städtischen Vermessungsamtes war. Nun sitze mit ihm ein Externer dem Gremium vor. Ausgeschieden sind Ende Juni Roland Butz, Anja Dziolloß, Michael Geis, Thomas Körber, Wolfgang Seitz und Günter Zancanella. Neu bestellt wurden Rolf Dieffenba cher, Melanie Markstein, Dana Mebus und Katy Schube. Der Gutachterausschuss legt in Freiburg rund 400 Bodenrichtwertzonen und auch die Richtwerte für Gruppen
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von Grundstücken fest. Von hohen Werten profitieren vor allem Erbbaurechtsgeber wie die Stiftungsverwaltung, die Kirchen oder auch das Freiburger Rathaus. Und die Finanzbehörden, die die Grundsteuermessbescheide an die Eigentümer verschicken. Und die mit Thomas Benz und Sandra Lilge ebenfalls im Ausschuss vertreten sind. Was gesetzlich so vorgeschrieben ist. Die Bodenrichtwerte waren während der Nullzinsphase Anfang 2022 in Freiburg vielerorts explodiert. Auf der
Verliererseite stehen seither Eigentümer mit großen Grundstücken, weswegen Marktteilnehmer schon von einer „verkappten Vermögenssteuer“ sprechen. Und auf der Gewinnerseite Menschen, die Eigentum in Mehrfamilienhäusern auf kleinen Grundstücken haben. Hohe Bodenpreise machen aber auch vielen in der Innenstadt schwer zu schaffen. Bei Gebäuden rund um den Bertoldsbrunnen waren sie damals auf einen Schlag von 10.000 auf 27.000 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Es geht aber noch steiler: Berühmt geworden war der Fall von Eugen Bleylers Familie, die in einem denkmalgeschützten Haus in der Wiehre wohnen. Für dieses Haus kletterte die Grundsteuer um fast das Vierfache. Für die Wiese hinterm Haus forderte das Finanzamt aber nicht nur das Vierfache – sondern – das Vierzigfache. Statt 87 Euro, wie der SWR berichtet hatte, 3500 Euro. „Treibt der Gutachterausschuss die Immobilienpreise in Freiburg?“, hatte Mitte 2023 die Badische Zeitung getitelt. „Wir bilden immer nur einfach den Markt ab“, sagt Schemmer. Der Gutachterausschuss bekommt alle Kaufverträge, bei denen in Freiburg die Eigentümer wechseln. Und wenn wie beim Modehaus Fabel ein solventer Schweizer 20 Millionen Euro auf den Tisch blättert, „dann hat ein solcher Einzelfall, wenn er überhaupt so stimmt, für uns erst einmal nur bedingt Relevanz“, sagt Schemmer. Für die Innenstadt, wo vergleichsweise selten Liegenschaften verkauft werden, würden viele Faktoren eine Rolle spielen, neben den Ergebnissen aus einer Eigentümerbefragung auch die Zinsen, konjunkturelle Daten und erzielbare Mieten. Doch gerade die sind nicht nur an der Kajo durch die Corona-Krise deutlich nach unten gegangen. „Sofern sich dauerhaft veränderte Miet- und Kaufpreisniveaus im Marktgeschehen widerspiegeln, werden diese bei der nächsten turnusmäßigen Ermittlung berücksichtigt“, sagt Schemmer. Und weil das zu beobachten war, habe der Ausschuss schon Anfang 2023 – außerfahrplanmäßig – und Anfang 2025 zwei Korrekturen vorgenommen. So wurden aus 27.000 Euro 24.000. Im Übrigen bilde das, was über die Bodenwerte auf der Straße erzählt werde, oft nicht die Realität ab. Zum 1. Januar 2027 wird der Gutachterausschuss wieder neue Bodenrichtwerte veröffentlichen. Erst zwei Jahre später würden die dann neuen Werte auch wieder für die Grundsteuerbescheide maßgeblich sein. Gegen die vom Gutachterausschuss veröffentlichten Werte gibt es übrigens keine Einspruchsmöglichkeit. Lars Bargmann
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Wohnungsmarkt
Wo Kaufen leichter als Mieten ist Postbank Wohnatlas 2026: Freiburg unter den teuersten Top-6-Städten
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ie Kaufpreise für Wohnimmobilien in Deutschland sind 2025 erstmals wieder leicht (+0,6 Prozent) gestiegen. Gleichzeitig ist das durchschnitt-
liche Haushaltseinkommen über alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte seit 2024 nominal um 9,4 Prozent gewachsen, und die Einkommensbelastung durch den Wohnungskauf im Durchschnitt gesunken. Das steht im jüngsten Postbank-Wohnatlas, der vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) erstellt wurde. Wer kaufte, musste im vergangenen Jahr für eine 70 Qua-
dratmeter große Bestandswohnung 17,2 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens für die laufende Kreditfinanzierung aufwenden. Im Vorjahr waren es noch 18,4 Prozent. Auch die Einkommensbelastung für Mieter ist zurückgegangen – allerdings deutlich weniger als beim Kauf. Sie zahlten im Schnitt über alle Regionen hinweg 13,5 Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Nettokaltmiete einer 70-Quadratmeter-Bestandswohnung. Im Vorjahr waren es 14,1 Prozent. Somit belastet der Kauf einer Wohnung in einigen Regionen das Einkommen weniger als die Miete. Laut der Studie leben derzeit 30 Prozent der deutschen Haushalte in einer sehr günstigen Kaufregion. In 160 Landkreisen und kreisfreien Städten reichen weniger als 15 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens aus, um laufende Kreditzahlungen für den Kauf einer gebrauchten 70-Quadratmeter-Wohnung zu bedienen*. Die Anzahl dieser Regionen ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich angestiegen: 2024 waren es nur 130 Regionen.
Freiburg auf Platz 6 beim Kauf, auf Platz 3 bei der Miete
Foto: © bar
Ein Fünftel der Haushalte leben dagegen in einer von 38
Regionen, in denen die Kaufpreise im Vergleich sehr hoch sind. Dort müssen mindestens 25 Prozent des Haushaltseinkommens für die Kreditfinanzierung eingesetzt werden (2024: 25 Prozent der Haushalte in 56 Regionen). „Der Vergleich von Miete und Kauf einer Wohnung fällt in vielen Regionen wieder zugunsten von Eigentum aus. Während die Mieten deutlich zulegen, steigen Kaufpreise nur moderat, gleichzeitig wachsen die Einkommen“, kom36 | chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026
Kein Licht am Ende des Tunnels: In Freiburg sind die teuren Mieten das Dauerthema auf der politischen Bühne mentiert Manuel Beermann, Leiter Produktmanagement Immobilien der Privatkundenbank in Deutschland. Freiburg liegt bei der Einkommensbelastung beim Kauf hinter München (41 Prozent), Berlin (39,5), Hamburg (37,8), Potsdam (36,9) und Frankfurt (36,2) mit 33,4 Prozent auf Rang 6. Bei der Miete mit 23,6 Prozent hinter München und Berlin auf Platz 3. Das meiste Geld vom Einkommen für den Kauf der beispielhaften 70 Quadratmater müssen allerdings weder die Münchner noch die Berliner oder Hamburger auf den Tisch blättern: Im Landkreis Nordfriesland (mit den Inseln Sylt, Föhr und Amrum) sind es 45,7 Prozent. bar * Rechnung gilt für ein Annuitätendarlehen in Höhe von 80 Prozent des Kaufpreises inklusive Grunderwerbsteuer und zwei Prozent Notargebühren mit anfänglichem Tilgungssatz von 2,42 Prozent und einem Kreditzins von 3,75 Prozent pro Jahr.
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Makler
Eine Villa für 4,35 Millionen Euro Stauss Immobilien unter den Top Maklern 2026
Die Geschäftsführung von sutter3 (v.l.n.r.): Axel Bürk, Cornelia Haas, Oliver Hug, Daniel Steiger
sutter3 –
D
15 Jahre regionaler Impulsgeber für lebendige Orte
ie Stauss & Partner Immobilien und Consulting GbR hat im vergangenen Jahr
Immobilien für rund 80 Millionen
sutter³-Projekte sind mehr als sanierte
Euro vermittelt. Das teuerste Haus,
Gebäude. Sie sind Orte für Menschen und Gemeinschaft. Mit dem Anspruch, Geschichte zu bewahren und Zukunft zu gestalten, entwickelt das Freiburger Planungsbüro Konzepte für Bestandsgebäude und Neubauten, erkennt Potenziale und schafft neue Perspektiven für Quartiere, Gemeinden und Städte. Getreu dem Leitsatz „Wir machen Orte lebendig“ versteht sich das Unternehmen als Gestalter von Orten, die Identität stiften und Gemeinschaft fördern. In diesem Jahr feiert das in Freiburg ansässige Unternehmen sein 15-jähriges Bestehen. Gegründet wurde das Unternehmen von Willi Sutter. Seit der Übernahme durch die heutige Geschäftsführung mit Axel Bürk, Cornelia Haas, Oliver Hug, Daniel Steiger im Jahr 2020 ist das Büro kontinuierlich gewachsen. Heute arbeiten mit der Geschäftsführung 40 Personen im sutter³-Team im Bereich der Projektentwicklung, Planung und Bauleitung und das Einzugsgebiet der Projekte umfasst den südbadischen Raum. Das Jubiläum steht für zahlreiche realisierte Projekte, vertrauensvolle Partnerschaften, ein aktives Netzwerk und die Entwicklung eines Unternehmens, das aus regionalen Wurzeln gewachsen ist. Mit seinem Fokus auf nachhaltige Ortsentwicklung, den verantwortungsvollen Umgang mit Bestandsgebäuden und zukunftsfähige Nutzungskonzepte blickt sutter³ auf 15 erfolgreiche Jahre zurück und freut sich zugleich auf die Aufgaben und Chancen der Zukunft.
erzählt Geschäftsführer Christian
mit den hohen Bodenwerten ausgelösten hohen Grundsteuern über ihre Nebenkostenabrechnungen indirekt auch noch bezahlen. Was sich wiederum nicht positiv auf ein machbares Mietniveau auswirkt.
Haberberg bei einem Kaffee in der Redaktion, ging für 4,35 Millionen Euro über den Tisch, für die teuerste Wohnung blätterten die Käufer 2,5
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Foto: © STAUSS & PARTNER Immobilien und Consulting GbR
Foto: © sutter3/Christoph Düpper
Millionen Euro hin. Aktuell hat das 13-köpfige Team um Christian Haberberg und Laura Griep etwa 80 Angebote im Portfolio. Darunter etwa Neubau-Projekte wie The Brick auf dem Güterbahnhof oder 36 Eigentumswohnungen in Kirchzarten. Neue Immobilien machen aber insgesamt nur etwa ein Drittel des Geschäfts aus. Es sind keine leichten Zeiten für den Immobilienmarkt. „Bodenrichtwerte und damit auch die Grundstückspreise sind zu hoch“, sagt Haberberg. Das führe auf der einen Seite zu Preisvorstellungen von Verkäufern, die aktuell am Markt nicht mehr realisierbar seien. Und auf der anderen wegen der zuletzt stark gestiegenen Zinsen zu einer höheren Belastung für die Käufer. „Verkäufer müssen ihre Vorstellungen dem Markt anpassen, sonst finden wir keine Abnehmer mehr.“ Die zu hohen Bodenrichtwerte belasten nicht zuletzt auch die Innenstadt. „Dort sind die erzielbaren Mieten in den vergangenen Jahren zurückgegangen und damit gehen auch die Immobilienwerte zurück.“ Auf der anderen Seite müssten die Händler vor allem rund um die Kaiser-Joseph-Straße die
Christian Haberberg: „Preis vorstellungen anpassen“ Bei den gebrauchten Immobilien
hängen die Preise nicht nur generell vom aktuellen Marktumfeld ab, sondern immer mehr auch vom energetischen Zustand. „Früher waren Energieausweise beim Verkauf nicht wirklich wichtig. Aber heute und gerade nach der Zinswende haben es ältere, unsanierte Immobilien schwerer, Käufer zu finden“, so der diplomierte Betriebswirt. Auch wenn das aktuelle Zinsniveau „langfristig betrachtet völlig normal“ ist. Beim Wohnungsbau machen Stauss & Partner, das FAZ Institut listet die Firma unter den Top Maklern 2026, nur den Verkauf, bei gewerblichen Objekten kümmern sie sich auch mal um neue Mieter. Haberberg und seine Mitgeschäftsführerin Laura Griep haben ihren Stammsitz im ehemaligen Radio-Bastian-Haus an der unteren Kajo, betreiben zudem in Bad Krozingen eine Dependance. bar
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Makler
Zwischen Wunsch & Wirklichkeit S-Immo dämpft Kaufpreisvorstellungen – und steigert Vertriebszahlen
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ie Immobiliengesellschaft der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau (S-Immo) hat
im ersten Halbjahr 92 Immobilien an den Mann oder die Frau gebracht, 25 mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Transaktionsvolumen in Höhe von rund 37 Millionen Euro blieb dabei etwa gleich. Weil viele Verkäufer ihre Preisvorstellungen nicht ans aktuelle Marktumfeld anpassen, gibt das Team um Geschäftsführer Oliver Kamenisch mittlerweile durchaus auch
Foto: © S-Immo
mal Aufträge zurück. Das Umfeld bei Immobilienverkäufen
S-Immo-Crew: Sehr zufrieden mit dem ersten Halbjahr
ist aktuell von Zinsen um die 4,5 Prozent geprägt, hohen Kosten bei anstehenden Sanierungen bei Wohnungen und Häusern mit älteren Baujahren und globalen Unsicherheiten wie dem Nahost-Krieg, dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, den unberechenbaren Launen von US-Präsident Donald Trump und damit einhergehend stark schwankenden Energiepreisen bei Öl oder Gas. Das alles sind keine Preistreiber. Auf der anderen Seite stehen die Verkäufer, die nach den Erfahrungen der vergangenen Goldgräberjahre mit Zinsen knapp über der Grasnarbe Preisvorstellungen haben, die nicht immer gut zur aktuellen Lage passen. „Wir sind immer intensiv im Austausch mit den Verkäufern. Sofern diese unseren Preisempfehlungen nicht nachkommen, kann es durchaus auch vorkommen, dass wir laufende Aufträge zurückgeben“, sagt Kamenisch. Eine Faustformel im Büro für bestimmte Gemeinden nördlich von Freiburg oder auch in den Tuniberggemeinden: Zwischen der Vorstellung der Verkäufer und den Angeboten der
Käufer liegen heutzutage zuweilen 15 Prozent Differenz. Die Käufer seien aktuell dort in einer stärkeren Position, pokern auch mal bei den Angeboten für bestimmte Immobilien. Der Geschäftsführer glaubt aber, dass sich die höheren Preisvorstellungen der Verkäufer bis Ende des Jahres „einigermaßen normalisieren“. Aktuell hat die S-Immo 114 Angebote im Portfolio, darunter das Neubauprojekt der Freiburger Stadtbau GmbH (FSB) mit 43 Eigentumswohnungen am Elefantenweg im Freiburger Westen. Wo es allein in den ersten vier Wochen nach Vertriebsstart schon zehn Reservierungen gibt. Schleppender läuft die Vermarktung des FSBProjekts im Metzgergrün, wo noch nicht die Hälfte der 24 Wohnungen verkauft sind. Obwohl der Verkauf schon vor zwei Jahren gestartet war. Beim Sommerhöfe-Projekt der Ergon Invest GmbH war im Juni Richtfest, dort haben bereits 23 von 28 Wohnungen neue Eigentümer gefunden. Kleinere Neubauvorhaben gibt es zudem an der Längenhardstraße in Herdern,
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wo die Verkaufspreise mit rund 12.000 Euro durchaus ambitioniert sind, die S-Immo aber auch nicht allein für den Vertrieb zuständig ist. Zudem gibt es ein Projekt im Freiburger Stadtteil St. Georgen, wo aktuell zwei von zehn Einheiten reserviert sind. Den Löwenanteil machen aber weiterhin gebrauchte Häuser und Wohnungen aus. Während generell die Nachfrage in Freiburg nach wie vor groß ist, beobachten Kamenisch und sein Team im nördlichen Breisgau, vor allem in Waldkirch und im Elztal, schon länger eine starke Zurückhaltung bei potentiellen Käufern. „Vielleicht hat das auch mit den schlechten Nachrichten beim größten Arbeitsgeber Sick AG zu tun.“ Kamenisch führt trotzdem mit der S-Immo in Freiburg ein vergleichsweise erfolgreiches Unternehmen: „Bei vielen großen Sparkassen in Baden-Württemberg, aber auch im Grenzgebiet zur Schweiz sind die Umsätze im ersten Halbjahr deutlich gesunken. Wir können mit unserer Halbjahresbilanz sehr zufrieden sein.“ bar
Fachplaner
Haben einen statischen Rückhänger: Die frei kragenden Dächer in der überplanten Alten Försterei.
Operation am offenen Herzen Poetzsch Bauingenieure bauen Heizkraftwerk um und Stadiondächer neu
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ie Poetzsch Bauingenieure GmbH aus Herbolzheim hat aktuell zwei Projekte mit
großer Strahlkraft auf der Agenda: Am Freiburger Universitätsklinikum sind die Tragwerksplaner für die Modernisierung des großen Heizkraftwerks verantwortlich, und beim Bundesligisten Union Berlin planen sie die Dächer fürs runderneuerte Stadion, das mal 34.500 statt heute 22.000 Plätze haben wird.
Visualisierung: © 1. FC Union Berlin
Das Uni-Heizkraftwerk ist ein Schwer-
gewicht unter den Strom-, Wärme- und Dampflieferanten in Freiburg. Nun wird es fit gemacht für eine Zukunft, in der Wasserstoff der Primär-Energielieferant sein soll. Mehrere zehntausend Tonnen Kohlendioxid jährlich soll das einsparen. Das fast 100 Jahre alte Kraftwerk wurde anfangs mit Kohle befeuert, dann mit Heizöl, aktuell mit Erdgas oder auch Holzpellets. Eine vom Land in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie hatte ergeben, dass das kolossale Kraftwerk, das längst nicht nur das Klinikum, sondern auch die Uni-Gebäude in der Innenstadt und im Institutsviertel, die Uni-Bibliothek, das Behördenareal,
das Gefängnis, die Westarkaden und vieles mehr versorgt, bei einer schrittweisen Umstellung auf Wasserstoff am Ende klimaneutral arbeiten kann. Dazu muss viel Altes wie die Kohledampfkessel raus aus dem Haus und viel Neues rein. In dem deutlich über 1000 Quadratmeter großen – und explosionssicheren – Steinkohlebunker etwa soll ein 110-KV-Umspannwerk eingebaut werden – übrigens eine Idee des Teams von Geschäftsführer Lutz Poetzsch. Es müssen mehrere Zwischendecken eingezogen, Schleusen fürs Personal und ein neues Treppenhaus erstellt, die Statik für eine ganze Reihe von Kühlaggregaten aufs Dach berechnet werden. Und das alles bei laufendem Betrieb, oder, um im Klinik jargon zu bleiben: Eine Operation am offenen Herzen. Auf Poetzschs Rechner gibt es für diese ein selbst erstelltes 3D-Modell, in dem jedes Bauteil – aktuelle und geplante – eine eigene Farbe bekommen hat. „Das ist schon anspruchsvoll, wir drehen das Gebäude sozusagen von links nach rechts, aber wir kennen das Kraftwerk genau, weil wir dort schon seit 15 Jahren immer wieder mal gearbeitet haben“, erzählt Poetzsch. Die
Herbolzheimer machen im Auftrag des Amts Vermögen und Bau BadenWürttemberg auch die Objektplanung, werden Leistungsverzeichnisse für alle Gewerbe erstellen, bei der Auftragsvergabe mitwirken, leiten den Bau und werden die Leistungen der Firmen dann auch abnehmen. Parallel sind die Ingenieure auch bei Modernisierungen zweier Kehrrichtverbrennungsanlagen in Linth und in La Chaux-de-Fonds in der Schweiz beschäftigt und tragen ihren Teil zum Ausbau des Stadions An der Alten Försterei für den Erstligisten Union Berlin bei. Die Eisernen werden nach der Saison 2026/27 dafür für eine Spielzeit ins Berliner Olympiastadion umziehen. Wenn sich die Alte Dame und die Köpenicker einigen. „Wir planen da das Tragwerk für die Tribünendächer, wo wir aus jedem freitragenden Dach kragarm alle zehn Meter 600 Tonnen in die Fundamente der Stahlbetontribüne einleiten“, sagt Poetzsch. Stützende Säulen, die statisch gesehen viel einfacher wären, sind in modernen Stadien etwa so beliebt wie Heimniederlagen – ohne eigenes Tor. Lars Bargmann chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026 | 41
Schreiner-Innung
Die neuen Schreinergesellen mit Bernd Schwär (2. v.r.) und Friedrich Sacherer, Vizepräsident der Handwerkskammer Freiburg (r.).
Die Nachwuchs-Elite unter den Schreinern Formvollendeter Schreinernachwuchs
Q
ualitätsarbeit vom Schrei-
nen Gesellinnen und Gesellen der
ner hat Konjunktur. Ob
Schreiner-Innung Freiburg setzen
individuelles Möbelstück,
auf Holz. Nach drei Jahren Ausbil-
neue Türen und Fenster, eine zweck-
dung starten sie in das Berufsleben.
mäßige Treppe oder die komplette Inneneinrichtung: Schreinerinnen
Für junge Menschen, die gerne mit der
und Schreiner liefern Maßarbeit in
Hand arbeiten und mit Freude kreative Ideen umsetzen, sei der Schreinerberuf das Richtige, so Innungs-Obermeister Bernd Schwär. „Gut ist es, wenn der
vielen Bereichen. Das Verbindende ist der natürliche Werkstoff Holz. Auch die 27 unlängst freigesprocheAnzeige
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Lehrling weiß, was Länge, Breite und Höhe ist.“ Auch räumliches Vorstellungsvermögen und natürlich die Begeisterung für Holz seien hilfreich. „Alles andere lernt er oder sie in der Ausbildung.“ Die Abschlussprüfung der dreijährigen dualen Ausbildung beinhaltet die Gesellenprüfung und die Präsentation des Gesellenstücks. Dann können die neuen Gesellen wählen, wie es weitergehen soll. Denn das Arbeitsleben als Schreiner ist vielfältig. Je nach Vorliebe können die Gesellen etwa beim Möbelschreiner oder beim Bauschreiner arbeiten, sich auf Ladenbau, Altbausanierung oder Innenraumrestaurierung spezialisieren. Bei der Freisprechungsfeier wurden die besten Gesellenstücke ausgezeichnet und die Sieger des Wettbewerbs „Die gute Form“ vorgestellt. Bei der Auslobung der Formpreise, die in Zusammenarbeit mit dem Landesfachverband Schreinerhandwerk Baden-Württemberg in Stuttgart organisiert wird, hatte Lino Romeis mit einer Sitzbank aus Nussbaum die Nase vorn: Er bekam den 1. Preis des Wettbewerbs „Die gute Form“.
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Beim Wettbewerb „Die gute Form“ konnte Lino Romeis (l.) mit einer Sitzbank aus Nussbaum überzeu gen. Innungssiegerin wurde dieses Jahr Olivia Tonveron achi. Ihr Sekretär überzeugte die Prüfer. Beim Wettbe werb „Die gute Form“ holte die Schreinerin den 2. Platz.
Fotos: © Schreinerinnung Freiburg
Knapp dahinter landete auf dem zweiten Platz Oli-
via Tonveronachi mit einem Sekretär. Die junge Frau lieferte mit 92,9 Punkten auch das beste Gesellenstück der Innung ab und wurde Innungssiegerin. Während der Ausstellung in der Meckelhalle der Freiburger Sparkasse konnten die Besucher·innen ihren Schreiner-Nachwuchsstar wählen. 428 haben abgestimmt. Die meisten Stimmen bekam Milan Aliprandi für sein Highboard aus Esche. Obermeister Schwär ist stolz auf die jungen Frauen und Männer, die am 31. Juli in der Meckelhalle freigesprochen wurden und ihre Gesellenbriefe erhalten haben. „In 33 Jahren habe ich etwa 1000 Lehrlinge freigesprochen“, so Schwär, der sich an viele junge Talente mit überzeugenden Gesellenstücken erinnert. Einige unter ihnen haben heute ein eigenes Unternehmen und bilden den Nachwuchs aus, der Jahr für Jahr ins Berufsleben startet. „Das Schreinerhandwerk wird immer eine Zukunft haben“, ist er überzeugt. „Aus einem Baum wird ein Holzbrett und aus einem Holzbrett kann man so viel Neues bauen.“ Der Wald wachse immer wieder nach, „jeden Tag, jedes Jahr“. Deshalb sei der Rohstoff Holz so besonders nachhaltig und wertvoll. mam
Es gibt noch freie Ausbildungsplätze: schreinerinnung-freiburg.de chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026 | 43
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Themenimmobilien
Das Haus und seine Problemzonen
Großprojekt in Müllheim
Isotec-Fachbetrieb hilft
Panattoni plant neuen Logistikstandort
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icht nur Menschen, auch Häuser haben Problemzonen. „Es sind häufig drei, an denen Feuchteschäden zuschlagen: Wohnbereich, Keller
und Balkon“, erläutert ISOTEC-Experte Jochen Jacobs des Sanierungsunternehmens Abdichtungstechnik Walzer GmbH.
Foto: © ISOTEC
Im Keller deuten Putz- und Farbabplatzungen an den Au-
ßenwänden und der bekannte muffige Geruch auf Feuchteschäden. Die Feuchtigkeit kommt entweder von unten oder seitlich aus dem Erdreich. Die meisten vor 1970 erstellten Gebäude haben keine durchgehende Bodenplatte, sondern sind auf Streifenfundamente gestellt. „Als Gegenmaßnahme hat sich hier eine Horizontalsperre, etwa mit ISOTEC-Spezialparaffin, bewährt“, so Jacobs. Dadurch entstehe eine 15 Zentimeter dicke, wasserdichte Sperrschicht, die gegen aufsteigende Feuchte immun ist. Gibt es eine Bodenplatte, kann diese Risse haben. Die werden dann mit Kunstharz und einem speziellen ISOTECFlexband verklebt. „Damit sind sie absolut sicher abgedichtet“, so Jacobs. Kommt die Feuchtigkeit seitlich, weil die Abdichtung gegen das Erdreich gar nicht vorhanden oder unzureichend ist, kann entweder ums Haus aufgegraben und eine mehrstufige Abdichtung des Wandquerschnitts erfolgen oder eine Innenabdichtung nachgerüstet werden. Bei Horizontalsperre und Außenabdichtung sorgt zudem ein Sanierputz dafür, dass die Restfeuchtigkeit während der Trocknungsphase unschädlich gemacht wird. Im Wohnbereich ist sich bildender Schimmel meistens Folge von zu eng an den Wänden stehenden Möbeln, unzulänglichem Heizen, falschem Lüftungsverhalten oder auch schlechter Wärmedämmung der Außenwände. Das Bundesumweltamt empfiehlt, schon bei einem halben Quadratmeter Schimmel eine Fachfirma einzuschalten. Die dritte Problemzone ist der Balkon oder die Terrasse, die ganzjährig hohen meteorologischen Beanspruchungen ausgesetzt sind. Nicht selten kommt es dort zu Rissen, beschädigten Fliesen, Beschichtungen oder defekten Anschlüssen ans Haus. „Mit einer professionellen Sanierung lassen sich die Balkone und Terrassen mit einer nur wenige Millimeter dicken Abdichtung aus Flüssigkunststoff zügig wieder auf Vordermann bringen“, so Jacobs. 44 | chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026
City Park Müllheim: „Innovativen Industriestandort stärken“
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anattoni Germany hat in Müllheim ein 44.000 Quadratmeter großes Grundstück erworben, um einen neuen Logistik- und Industriepark
zu entwickeln. Deutschlands größter Entwickler von Logistik-, Industrie- und Gewerbeimmobilien plant im ersten Quartal 2027 den Baustart für gut 28.000 Quadratmeter. Die Fertigstellung des „City Park Müllheim“ soll schon ein Jahr später gefeiert werden. Der Neubau wird mit Photovoltaikanlagen ausgestattet,
eine Wärmepumpe leistet die fossilfreie Wärme. Es wird eine Zertifizierung nach DGNB-Gold angestrebt, heißt es in einer Pressemitteilung. Martin Löffler, Müllheims Bürgermeister: „Als bedeutendster Wirtschaftsstandort im Landkreis Breisgau- Hochschwarzwald sehen wir uns in der Verantwortung das Markgräflerland als innovativen Industriestandort zu stärken. In unserem Gemeindeverwaltungsverband arbeiten wir daran, die Wirtschaft der Region auch grenzüberschreitend zu fördern.“ Fred-Markus Bohne, Managing Partner Panattoni DACH & Nordics, sagt: „Wir sind vom wirtschaftlichen Potenzial dieser Region überzeugt. Unsere multifunktionalen Logistikflächen können für Unternehmen verschiedener Branchen ein optimaler Ausgangspunkt für deren professionelle Lieferkettenprozesse sein, aber auch eine Light-Industrial-Nutzung findet geeignete Bedingungen vor. Wir freuen uns, Teil der positiven Entwicklung dieser Region zu sein.“ B&W
Infrastruktur
Jahrhundertprojekt in der Warteschleife Am Freiburger Stadttunnel wird immer noch nur geplant
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eit mehr als vier Jahrzehnten beschäftigt der Stadttunnel Freiburg. Das 1,8 Kilometer
lange Bauwerk soll die B31 unter die Erde bringen und die Dreisam vom Durchgangsverkehr entlasten. Doch aus einst 325 Millionen Euro Baukosten sind nach Informationen der Redaktion schon mehr als 480 Millionen geworden – und wann gebaut werden kann, ist weiter völlig offen.
Foto: © tln
Über den Stadttunnel wird seit Jahr-
zehnten diskutiert – doch die Realisierung scheint immer wieder in die Ferne zu rücken. Dabei hat das Vorhaben einen prominenten Platz in der Verkehrsplanung des Bundes: Seit 2016 gehört es zum sogenannten vordringlichen Bedarf. Vorgesehen sind zwei jeweils 1,8 Kilometer lange Tunnelröhren mit je zwei Fahrstreifen. Sie sollen vom Schützenalleetunnel bis zur Kronenbrücke führen und einen Großteil des Verkehrs unter die Erde verlagern. Die heutige Bundesstraße würde zudem Teil der Autobahn A860. Das Verkehrsaufkommen auf der B31 ist erheblich. Eine Verkehrsuntersuchung kommt auf rund 57.400 Fahrzeuge täglich. Bis 2040 könnten es nochmals rund 5800 mehr werden, schätzen Experten. Kommt der Tunnel, könnten allerdings bis zu 80 Prozent des heutigen Verkehrs auf der B31 unter die Erde verlagert werden, beim Schwerlastverkehr sogar bis zu 90 Prozent. Doch bis die ersten Autos im Boden verschwinden, dürfte noch viel Zeit vergehen. Bauherrin ist die bundeseigene Autobahn GmbH. Sie hat die Vorplanung abgeschlossen und arbeitet derzeit nach eigenen Angaben an der Entwurfsplanung. Dabei geht es
nicht nur um die beiden Röhren, sondern auch um deren Anschlüsse an das städtische Straßennetz. Das soll Ende 2026 fertig sein. Danach muss das Bundesverkehrsministerium die Planung prüfen und freigeben. Anschließend wird das Planfeststellungsverfahren vorbereitet und durchgeführt. Wann tatsächlich Bagger anrollen könnten, vermag niemand zu sagen. „Aus städtischer Sicht kann dies noch nicht eingeschätzt werden“, sagt Stadtsprecherin Martina Schickle. Die Kosten für den Stadttunnel sind auch noch unklar. Als der Bund das Projekt 2016 in den Bundesverkehrswegeplan aufnahm, wurden etwa 325 Millionen Euro veranschlagt. Diese Zahl ist längst überholt. In einem der Redaktion vorliegenden Schreiben von Florian Toncar, dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, an den Vorsitzenden des Deutschen Haushaltsausschusses Helge Braun, aus August 2023 stehen 481,7 Millionen Euro. Von weiteren Kostensteigerungen ist wohl auszugehen, doch eine aktuelle Kostenberechnung der Autobahn GmbH liegt öffentlich bislang nicht vor. Dass Freiburg trotz der langen Zeitschiene am Tunnel festhält, liegt nicht nur am Verkehr: Mit dem Projekt verbindet die Stadt die Chance, das Gesicht der Innenstadt grundlegend zu verändern. Wenn der Durchgangsverkehr unter die Erde verschwindet, könnte die heutige B31 an der Oberfläche auf je eine Fahrspur pro Richtung reduziert werden. Studien zeigen neue Grün- und Aufenthaltsflächen entlang der Dreisam, bessere Verbindungen zwischen Innenstadt und Wiehre, Raum für Fußgänger, Rad-
fahrer und Gastronomie. In früheren Entwürfen war von rund 3000 Quadratmetern zusätzlicher Grünfläche und etwa 280 Bäumen die Rede. Genau daran entzündet sich allerdings seit Jahren der politische Streit. Befürworter sehen den Tunnel als einmalige städtebauliche Chance und Antwort auf die hohe Verkehrsbelastung. Gegner halten das Großprojekt für klima-
Ab ins Dunkle: Der Schützenallee tunnel soll direkt mit dem Stadttunnel verbunden werden. politisch überholt und warnen davor, zusätzlichen Verkehr anzuziehen. Baubürgermeister Martin Haag geht weiter davon aus, dass der Tunnel kommt, „auch wenn ich vor ein paar Jahren schon mal deutlich optimistischer war“. Das Projekt sei zu wichtig, um es aufzugeben. Freiburg hat die Vorplanung schon mit fünf Millionen Euro vorfinanziert. Auch um in den vordringlichen Bedarf zu kommen. Nach Abschluss der Planung soll dieses Geld zurückfließen. Haag hofft, dann noch Bürgermeister zu sein. Bei der Einweihung des Stadttunnels sei das weniger sicher. Holger Schindler chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026 | 45
Kommentar
Kein Motivationsmotor für neue Wohnungen Rathaus sendet neues Signal gegen Wuchermieten
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un also der nächste Anlauf: Das Freiburger Rathaus hat Mitte Juli eine neue Online-
Plattform live geschaltet, auf der Bürger der Stadt Leerstände und – ihrer Ansicht nach – überhöhte Wohnungsmieten melden können. Es ist nicht die erste, auch nicht die erste made in Freiburg, und wird wohl auch nicht die letzte sein. Spitz formuliert wuchern die Anzeigemöglichkeiten gegen die Wuchermieten.
tor UG. Die prüft online eingestellte Wohnungsinserate auf mögliche Mietpreisüberhöhungen (mehr als 20 Prozent über dem Mietspiegel) oder Mietwucher (mehr als 50 Prozent). Bei einem Verdacht werden Wohnungsgeber angeschrieben, über mögliche Rechtsverstöße und geltende Grenzen aufgeklärt. Seit Anfang des Jahres können nun auch Inserate für möblierte Wohnungen ausgewertet werden. Und bald, so habe ich gehört, auch für die Viertage-Mietwoche bei Pendlern.
Foto: © Neithard Schleier
„Ziel ist es, die Verfolgung von Ord-
nungswidrigkeiten und Straftaten im Wohnungsbereich deutlich zu erleichtern und Verfahren effizienter zu gestalten“, heißt es aus dem Rathaus. Diejenigen, die da etwas melden wollen – das geht beim Leerstand sogar anonym und zügig –, müssen bei Wucherverdacht einen sehr umfangreichen Fragebogen ausfüllen. Es geht schneller und einfacher, ein Visum für die USA zu beantragen. Und das ist bekanntlich auch nicht ohne. „Wir stellen nicht alle, die Wohnraum vermieten, unter Generalverdacht. Die allermeisten halten sich an die gesetzlichen Vorgaben. Aber es gibt auch die, die die Not der vielen Wohnungssuchenden ausnutzen. Gegen sie brauchen wir eine Handhabe“, so Baubürgermeister Martin Haag. Die Stadtverwaltung versucht schon seit über zehn Jahren gegen Leerstände und überhöhte Mieten vorzugehen. Mit der städtischen Zweckentfrem dungssatzung etwa könnten Leerstände beendet und Bußgelder verhängt werden. Ergebnis bis heute: stark überschaubar. Parallel läuft schon länger die Kooperation mit der Firma Mietenmoni46 | chilli | BAUEN & Wohnen | 09.2026
Lars Bargmann Und schon seit Februar 2025 gibt es
zudem die auch für Freiburg funktionierende Mietwucher-App der Bundestagsfraktion Die Linke. Auch die liefert aber nicht alle relevanten Informationen, um rechtlich – und nur darum kann es gehen – ein wirksames Instrument in die Hand zu bekommen. Gibt es den Verdacht einer Mietpreisüberhöhung, generiert die App eine E-Mail, die ans Rathaus übermittelt wird. Dort werde jeder gemeldete Fall verfolgt. Dabei habe sich aber gezeigt, dass der „Wille zur Mitwirkung an der Verfolgung und die Bereitschaft, konkrete und verwert
bare Informationen zur Verfügung zu stellen, nur im Einzelfall gegeben waren“, wie es heißt. Das alles ist jedenfalls kein Motivationsmotor für den Mietwohnungsbau. Ein Quadratmeter neuer Wohnraum kostet heute rund 4500 Euro. Dazu kommen Kosten fürs Grundstück, die Finanzierung, die Vermarktung, das Baumanagement und fürs Risiko, das der Bauherr eingeht. Am Ende sind es dann mindestens 6500 Euro. Unter 20 Euro Miete kann heutzutage keine private Firma mehr Wohnraum bauen. Ganz gleich, was der Mietspiegel dazu sagt. Wenn der Bauherr also jährlich 240 Euro Miete auf den Quadratmeter bekommt und nur fünf Prozent Rendite rechnet, wovon er noch Zins und Tilgung und sein Risiko bezahlen darf, darf der Quadratmeter mit Grundstück und all den anderen Dingen nur 4800 Euro kosten. Schon das ist realitätsfern. Er braucht also sogar mehr als 20 Euro. Die ganzen Apps und Tools bringen nicht nur keine einzige neue Wohnung, sie sorgen auch noch für ein schlechtes Klima im Wohnungsbau. Ja, es gibt Vermieter, die mit ihren Beständen, die zu günstigeren Zeiten gebaut wurden, teurer als nötig vermieten. Aber erstens braucht es zum Unterzeichnen von Mietverträgen immer zwei, zweitens fordert das Tool, wie es Uwe Stasch von der Fraktion FDP/ BfF ausdrückt, Freiburger indirekt zu digitaler Denunziation auf, und drittens wird auch der Erfolg des neuesten Tools den Mietmarkt in Freiburg nicht spürbar verändern. Das Rathaus sendet damit nur ein neues Signal. Ob es das richtige ist? Lars Bargmann