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EvangelischLutherische Gemeinde Rom

Gemeindebrief Juli - September 2017


Inhalt Meditation

Seite 3-6

Gemeindeleben Aus dem Gemeindeleben Offenes Pfarrhaus Konzert der Red Lemon Cats Sommerkino Essen wie zu Lutherszeiten Konfirmandenunterricht Gemeindefreizeit nach Assisi Vikar Dr. Schmidt stellt sich vor Freuenverein

7-22 23-25 26-27 28 29 34 44-45 46 69

Gottesdienste Übersicht Themengottesdienst: Luther Begrüßungsgottesdienst

36-37 32-33 35

Seite 8

Seite 20

Jubiläumsjahr Lutheraustellung #HereIStand Rede der Botschafterinnen Telegramm des Papstes Predigt von Prof. Schröter

30-31 47-49 50 51-59

Ökumene Familienlauf- Via Pacis Rede von J.Gauck in Hildesheim Der Gekreuzigte in München und Rom

42-43 64-66 67-68

Buchbesprechungen Büchersommer

60-62

Kinder und Jugend KiGo-Termine Kinderseite Buchvorstellung A. Smoltczyk

38 39 40-41

Informationen

70-72

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Seite 24

Seite 45


Meditation

„...von vieren getragen“ (Markus 2,3) Ein besonders sprechendes und anregendes biblische Bild für Gemeinde bildet die Geschichte am Beginn des Markus-Evangeliums, die davon erzählt, wie Vier einen Gelähmten auf seiner Bahre zu Jesus bringen. Da erleben wir Kirche im Aufbruch: Da haben sich welche auf den Weg gemacht. Die genaue Zahl spielt keine Rolle. Es könnten auch zwei oder zwölf oder viel mehr sein, aber eben eine Gruppe, eine Gemeinschaft und nicht einer allein. Jeder Christenmensch hat seine Eigenständigkeit und muss seinen Glauben persönlich leben - doch im Alleingang wird man auf Dauer als Christ nicht bestehen können. Es braucht die anderen: die Gemeinde, die mit mir auf dem Weg sind. Menschen, die mir vom Glauben erzählen und ihn mit ihrem Leben bezeugen; die mit mir Hand in Hand arbeiten; die für mich am Glauben festhalten, wo Zweifel ihn bedrohen. Eine Gemeinschaft, in der ich willkommen bin, wo ich mich mit meinen Gaben einbringen kann und die mich trägt. Allerdings: Alles Zusammenarbeiten würde die Vier noch nicht zu einer Gemeinde machen. Dafür braucht es eine inhaltliche Mitte. Genau dies haben die Vier klar vor Augen: Sie wollen zu Jesus. Und sie vertrauen darauf, dass sie in seiner Gegenwart dem lebendigen Gott, seiner Liebe, Güte und Barmherzigkeit begegnen. Das Ziel, auf das die Vier zugehen, begründet ihre Gemeinschaft und bestimmt sie schon auf ihrem Weg. Weil sie um Jesus wissen, deshalb laufen sie nun nicht gleichsam stur geradeaus, ohne dabei nach links und recht zu schauen. Vielmehr sind sie mit wachem Blick unterwegs 3


Meditation und entdecken auf ihrem Weg den notleidenden Bruder, den Gelähmten, der allein nicht zu Jesus gelangen kann. In dem Moment ihrer Begegnung steht die Wahrhaftigkeit des Glaubens auf dem Spiel. Wer jetzt die Augen verschließt, wer das Elend der Welt nicht wahrnimmt, um unangefochten zu Jesus, zum Gottesdienst, zur Kirche zu kommen, der dient Gott nicht. Weil der Weg der Vier aber ein Ziel hat, nämlich dorthin, wo sie Gottes Güte erwartet – deshalb lassen sie sich nun in ihrem Handeln schon von diesem Ziel bestimmen. Sie halten an und nehmen den Gelähmten mit. Es ist immer wieder nötig, dass wir uns in diesen Blick der Vier einüben. Das mag, wie in unserer Geschichte, ein Kranker sein. Aber es gibt viele Gründe, warum einer am Boden liegt, sich im Dickicht verfangen hat und nicht mehr weiter kann: nicht nur gesundheitliche, sondern auch finanzielle oder seelische Gründe, die oft besonders schwer zu durchschauen sind. Und vergessen wir die nicht, an denen der Zweifel so sehr nagt, dass sie sich vom Weg zu Jesus überhaupt nichts mehr versprechen! Zu unserem Glauben gehört es, achtsam zu sein, genau hinzusehen und nach Möglichkeit andere mitzunehmen. Schließlich stoßen die Vier mit ihrer Trage auf dem Weg zu Jesus noch auf ein besonderes Hindernis: Der Zugang ist versperrt. Die Massen haben sich so dicht um Jesus gedrängt, dass kein Durchkommen möglich ist. Doch die Vier geben nicht auf. Statt resigniert umzukehren, tun sie etwas völlig Unkonventionelles. Sie nehmen den Weg übers Dach, decken Lehm, Stroh und Reißig ab, bis die Öffnung groß genug ist, und lassen den Gelähmten auf der Trage an Stricken hinunter. 4


Meditation

Man kann das Verhalten der Vier phantasievoll nennen, aber auch dreist und ungehörig. Aber in diesem Augenblick ist das den Trägern egal. Auch von ihrer unerschrockenen Phantasie und Entschlossenheit gilt es zu lernen: Es muss uns vieles egal sein, wenn es um das Heil des notleidenden Nächsten geht. Damit sind wir am Schluss der Geschichte. Die Vier sind am Ziel. Jetzt können sie die Hände getrost in den Schoß legen und zur Ruhe kommen. Um das Heil des Gelähmten brauchen sie sich nicht zu sorgen, sie hatten ihn nur unter sich aufzunehmen und mitzunehmen. Um alles andere kümmert sich jetzt Jesus, der den Gelähmten mit den Worten heilt: "Ich sage dir, steht auf nimm dein Bett und geh heim! Und er stand auf und nahm sogleich sein Bett und ging hinaus vor aller Augen" (Markus 2,11f). 5


Meditation Das wünsche ich uns allen, liebe Gemeinde, dass wir so wie die Vier unterwegs bleiben: als eine Gemeinschaft, die zu Jesus kommen und immer tiefer in den Glauben an ihn hineinwachsen will, als eine Gemeinschaft, die sich in ihrem Umgang miteinander von der Liebe, Güte und Barmherzigkeit Gottes leiten lässt und darum als eine Gemeinschaft, die aufmerksam die Nöte anderer Menschen wahrnimmt, niemanden links liegen lässt und tatkräftig und entschlossen dazu beiträgt, die Verhältnisse zum Wohl von Menschen zu gestalten. Glaubende können das – nicht weil wir so stark sind, sondern weil Jesus mit uns auf dem Weg ist und uns mit seiner Kraft beisteht. Wenn wir daher immer wieder so wie die Vier in unserer Geschichte aufbrechen, dann werden wir auch in Zukunft eine lebendige und fröhliche Gemeinde sein. Ich wünsche Ihnen eine schöne Sommerzeit mit erholsamen Urlaubstagen und Zeit, um neue Kräfte zu tanken, und freue mich schon auf die nächsten Begegnung mit Ihnen! Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Pfarrer Dr. Jens-Martin Kruse

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Gemeindeleben

Aus dem Gemeindeleben Evangelische Festspielwochen in Rom – so könnte die Überschrift zu unserem Gemeindeleben in den vergangenen Monaten lauten. Staunend und dankbar und jetzt auch ein wenig erschöpft nehmen wir wahr, wie wir als Gemeinde unser Jubiläumsjahr inhaltlich profiliert, fröhlich und begeistert gefeiert haben. Der Takt der Veranstaltungen war überaus hoch, aber die Zustimmung und das Engagement der Gemeindemitglieder war noch viel ausgeprägter! Wie Perlen auf einer Ketten ziehen sich gelungene und bereichernde Gottesdienste, Vorträge, Konzerte, Begegnungen und Gespräche durch dieses Jubiläumsjahr. Einige dieser Perlen seien zur Erinnerung mit Bildern noch einmal erwähnt: Unvergesslicher und bewegender Höhepunkt ist sicherlich Anfang April unser Festwochenende „200 Jahre evangelische Gemeinde Rom“...

Begrüßung der Botschafterinnen Wasum- Reiner und Schavan

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Gemeindeleben ...mit zwei Botschafterinnen, die in einem wunderbaren Dialog das Gemeindejubiläum würdigten und Gastrednern von besonderem Format...

Ministerpräsident Haseloff

Landesbishof und EKD-Ratsvorsitzender Bedfort-Strohm

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Gemeindeleben

Kardinal Kasper

Frère Alois aus Taizé

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Gemeindeleben ...und einer aufmerksam zuhรถrenden und frรถhlich feiernden Gemeinde an einem besonders schรถnen Ort in Rom:

Festakt in der Casa dei Cavalieri di Rodi

Empfang in der Loggia

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Gemeindeleben Am Sonntag, den 2. April 2017, dann der Festgottesdienst in der Christuskirche:

Festgottesdienst

Und daran anschlieĂ&#x;end das gemeinsame Mittagessen im Gemeindesaal:

Bischof Bedford-Strohm

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Gemeindeleben Dazu gab es in diesen Monaten immer wieder besondere musikalische Ereignisse wie... - den wunderbaren Chor-Workshop mit Heinz-Hermann Grube zu Luther-Liedern:

Gottesdienst mit den Ergebnissen des Chorworkshops

- das Reformationskonzert in ökumenischem Geist am Sonnabend, den 25. März 2017 und den Kantaten-Gottesdienst am Sonntag, den 26. März 2017 mit den Musikern aus der Kirchengemeinde BerlinFrohnau unter Leitung von Kreiskantor Jörg Walter,

Musiker aus Berlin Frohnau

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Gemeindeleben - einem Konzert des Posaunenchores Mecklenburg-Vorpommern im Frauenkreis am 5. April 2017:

Posaunenchor Mecklenburg-Vorpommerns

- dem Botschaftskonzert zum Reformationsgedenkjahr in der Kirche Santa Sabina auf dem Aventin mit der AuffĂźhrung des JohannesPassion von Johann Sebastian Bach und den ausdrucksstarken Rezitationen des Schauspielers Klaus Maria Brandauer:

Botschaftskonzert in S.Sabina

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Gemeindeleben - der römischen Aufführung der „Nelson-Messe“ durch unseren Chor unter Leitung von Lorenzo Macrì am Sonntag, den 9. April 2017, und am Sonntag, den 7. Mai 2017, auch in Berlin-Frohnau:

Der Chor singt die Nelson-Messe

- der von unseren Organisten Martina Seleni und Iolando Scarpa mit den „Musicalischen Sterbens-Gedanken“ von Johann Pachelbel gestalteten Andacht zur Sterbestunde Jesu an Karfreitag, - der Aufführung der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach an Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag durch die Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Sir Antonio Pappano und dem großartigen einführenden Vortrag von Prof. Claudio Strinati, der in beeindruckender Weise am 12. April 2017 im Museo degli Strumenti musicali dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia den Einfluß der Theologie Martin Luthers auf die Musik von Johann Sebastian Bach aufzeigte.

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Gemeindeleben

Prof. Claudio Strinati

- der Führung „Rund um die Orgel“, bei der unsere Organistin Martina Seleni Kindern und Eltern mit ihrem großen Wissen und Können die „Königin der Instrumente“ näher gebracht hat:

Martina Seleni erklärt die Orgel

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Gemeindeleben - bis hin zu dem nicht anders als spektakulär zu nennenden ChorWorkshop mit Igor Zeller am 27. Mai 2017 und der Welturaufführung des „Tango luterano“ im Gottesdienst am Sonntag, den 28. Mai 2017, die unserem Gemeindechor unglaublich viel Freude beim Singen bereitete und durch die wunderbaren Solisten zu einem verzaubernden und begeisternden neuen Klangerlebnis von Bachs Kantate „Ein feste Burg“ führte:

Aufführung des “Tango Luterano” im Gottesdienst

Dazu in diesen Wochen eine große Dichte an theologisch beeindruckenden Vorträgen: sei es von Professor Dr. Jens Schröter (Berlin) über Paulus und Luther, sei es von Friedrich Schorlemmer (Wittenberg) über den unerschrockenen und fröhlichen Luther, sei es von Professor Dr.Dr. h.c. Mult. Christoph Markschies (Berlin) über Luthers Verständnis der Bibel. Oder am 4. Mai 2017 die eindrückliche Begegnung mit Enzo Bianchi, dem Gründer der Gemeinschaft von Bose, und seinem Vortrag über das Thema „Il magistero della tavola del Risorto“, und schließlich vom 12.-14. Mai 2017 die Tagung „Fede e profezia. Bibbia e predicazione in Savonarola e Lutero“, die wir gemeinsam mit „Biblia. Associazione 16


Gemeindeleben laica di cultura biblica“ und der Facoltà valdese die Teologia Roma im Augustininaum veranstaltet haben. Vor allem der Vortrag von Franco Buzzi (Milano) zu „La Bibbia di Lutero“ erwies sich als eine sehr profunde und wohlwollende Auseinandersetzung mit Luthers Theologie. Am Sonnabend, den 13. Mai 2017, gab es dann im Rahmen unserer Tagung einen Theaterabend mit einer faszinierende Begegnung zwischen Luther und Franziskus von Assisi in unserer Kirche.

Luther un Franziskus begegnen sich in der Christuskirche

In diesen Kontext gehört auch der Abend mit dem Drehbuchautor und Filmemacher Lew Hohmann, der uns seinen überaus überzeugenden und interessanten Film „Katharina von Bora. Nonne, Geschäftsfrau, Luthers Weib“ zeigte. 17


Gemeindeleben Ende Mai 2017 fand dann wieder unser Gemeindeausflug statt. Auch das Verkehrschaos, das durch die Anwesenheit des amerikanischen Präsidenten in der Stadt verursacht wurde, konnte uns nicht hindern und nachdem ein zweiter Bus geordert worden war, haben wir miteinander einen fröhlichen und vergnügten Tag – zunächst mit der Besichtigung der päpstlichen Villen und Gemächer in Castel Gandolfo und dann einem ausgiebigen Mittagessen auf der Agricoltura Capodarco in Grottaferrata – verbracht.

Päuschen in Castel Gandolfo

Und natürlich prägten wie immer Gottesdienste unser Gemeindeleben. Vom Familiengottesdienst an Palmsonntag, über die Gottesdienste der Settimana Santa, die Gottesdienste, in denen Gäste wie Landesbischof Bedford-Strohm, die Professoren Schröder, Slenczka und Markschies und Pastorin Dr. Heldt aus Jerusalem predigten, den großen ökumenischen Gottesdienst an Christi Himmelfahrt mit der Predigt von Mons. Ambrogio Spreafico (Frosinone) 18


Gemeindeleben

Ă–kumenischer Himmelfahrtsgottesdienst

bis hin zum Konfirmationsgottesdienst an Pfingsten,

Unsere Konfirmierten: Leo, Christina, Alida, Nike, Giulia, Magdalena, Sabina und Lavina

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Gemeindeleben dem Gottesdienst am See Genezareth zum Abschluss unserer IsraelReise, die durch das großartige Engagement von Christiane Bremer wieder zu einem besonders schönen und reichhaltigen Erlebnis geworden ist,

Gottesdienst am See Genezareth

und dem Familiengottesdienst im Grünen mit der schönen Begegnung mit Martin Luther …

Gottesdienst im Grünen mit Besuch von Martin Luther

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Gemeindeleben ...und der feierlichen Eröffnung der Luther-Ausstellung „#Here I Stand“ durch unseren Gemeindepräsidenten Professor Dr. Wolfram Thomas:

Prof. Thomas eröffnet die Lutherausstellung

Schließlich waren Frau Wiedmer, Frau Belli und ich am 26. Juni 2017 mit dem Ehepaar Scarafilo, die in Deutschland ein Fest zugunsten der Erdbebenopfer in Mittelitalien veranstaltet hatten, zu Besuch auf der Fattoria in Illica, die von unserer Gemeinde unterstützt wird. Wir haben erste Fortschritte gesehen, von bleibenden Sorgen und Nöten gehört, die Gemeinschaft vertieft und unsere Solidarität zum Ausdruck gebracht. Der Wiederaufbau des Ortes wird noch Jahre dauern und unsere tatkräftige Hilfe wird noch sehr lange nötig sein.

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Gemeindeleben

Zu Besuch in Illica

Nach den ausgefüllten und bewegenden Tagen und Wochen unseres Jubiläumsjahres kehrt in der Sommerzeit nun wieder etwas Ruhe in unsere Gemeindeleben ein... bevor wir dann im September zu einem fröhlichen Abschluss der Feierlichkeiten kommen werden. Doch zunächst einmal wünsche ich Ihnen erholsame Ferientage und freue mich auf Begegnungen und Gespräche in diesen ruhigeren Sommerwochen in unserer Gemeinde. In herzlicher Verbundenheit,

Ihr Pfarrer Dr. Jens-Martin Kruse

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Gemeindeleben

Offene Pfarrhäuser im Sommer 2017 mit Tischreden Martin Luthers

Essenszeit im Hause Luther. Um seinen Tisch versammeln sich nicht nur seine Frau Katharina von Bora, die Kinder, die Nichten und andere Verwandte, sondern auch Studenten, Freunde, Reisende und Schüler, die gerade im Hause zu Gast sind. Die Stimmung zu Tisch ist gelöst. Statt zu schweigen, wie es für Martin Luther während seiner Zeit als Augustinermönch im Kloster üblich war, leitet er häufig kurz nach Beginn des Essens in ein lebhaftes Gespräch über. Alles, was am Tag vorgefallen war, kann hier besprochen werden. Oft sind es theologische oder kirchliche Themen, die erörtert werden. Nicht selten kommt es vor, dass ein Teilnehmer dieser Tischgespräche ein paar Stichworte notiert, um sich später besser an Luthers Worte erinnern zu können. Als erster tut dies der Zwickauer Pfarrer Konrad Cordatus (1480-1546) und beginnt, die Tischreden Martin Luthers

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Gemeindeleben bereits während des Essens mitzuschreiben. Seinem Beispiel folgen schon bald auch andere Gäste. In der Zeit von 1531 bis zum Tod Luthers im Jahre 1546 sind zahlreiche Gespräche von Teilnehmern festgehalten worden, die wenige Jahr später unter dem Titel „Tischreden“ veröffentlicht worden sind. Sie beanspruchen für sich nicht, den Gesprächsverlauf im Wortlauf wieder zu geben. Aber sie bieten interessante Einblicke in den Alltag Luthers. Kurt Aland, der eine Reclam-Ausgabe von Luthers Tischreden ediert hat, urteilt: „In der Tat bieten die Tischreden Luthers unschätzbares Material – nicht nur für den Lutherforscher, sondern auch für alle, denen Luthers Wort und Werk etwas bedeuten. Eine Fülle von Themen kommt hier zur Sprache, die in seinen Schriften unerörtert bleiben.“ Das Offene Pfarrhaus, das in unserer Gemeinde schon seit vielen Jahren eine sehr schöne und von vielen geschätzte Tradition in den Sommermonaten ist, gleicht in vielem der Tischgemeinschaft im Hause Martin Luthers.

Gemütliches Beisammensein im Pfarrgarten

Menschen treffen sich im Pfarrgarten, in entspannter und fröhlicher Atmosphäre, mit Wasser und Wein, Bruschetta, Würstchen und mitgebrachten kulinarischen Beiträgen, lernen sich kennen und bei 24


Gemeindeleben Tisch kommt es zu anregenden Gesprächen über Rom, Urlaubspläne, Fußballergebnisse und den Glauben... ...und in diesem Jahr werden immer wieder auch kleine Texte aus den Tischreden Martin Luthers zu hören sein wie zum Beispiel folgendes Wort: „Unser Herrgott gönnet uns wohl, dass wir essen, trinken und fröhlich seien. Deshalb hat er auch so viele Dinge geschaffen. Er will lediglich, dass wir ihn für einen Gott erkennen und halten. Denn er will nicht haben, dass wir sagen könnten, er habe uns nicht genug gegeben, er könne unsern armen Madensack nicht ernähren und füllen.“

Herzlich laden wir Sie – Große und Kleine, Jüngere und Ältere, Alteingesessene und Neuzugezogene – zu den Offenen Pfarrhäusern mit Luthers Tischreden im Sommer 2017 ein.

Die nächsten Termine sind: ● ● ● ● ● ● ●

15. Juni 29. Juni 13. Juli 27. Juli 10. August (mit Sommerkino) 24. August 7. September Jeweils ab 19.30 Uhr 25


Gemeindeleben

Luther goes Rock Offenes Pfarrhaus mit Live-Musik: Münchner RED LEMON CATS in Rom Wenn soulige Töne auf einen Hauch von Jazz treffen, französischer Charme sich mit spanischen Feuer und italienischem Feeling vereint, dann entsteht die Musik der RED LEMON CATS... ...genauso haben wir es im letzten Jahr erlebt und es ist eine große Freude, dass auch in diesem Sommer die RED LEMON CATS ein Konzert im Pfarrgarten geben werden.

Die Band bei ihrem Konzert Sommer 2016

Am Donnerstag, den 13. Juli 2017 verwandelt die Münchener Band den Pfarrgarten in eine herrlich entspannte Konzertarena und spielt im Rahmen des Offenen Pfarrhauses ab 19.30 Uhr einen Mix aus Jazz, Soul, Blues und eigenen Kompositionen. 26


Gemeindeleben Die sechs Bandmitglieder haben sich im Herbst 2015 in einem Hinterhausatelier in München kennengelernt. Aus den spontanen Jamsessions entstand schon bald eine feste multikulturelle Musiktruppe, die mit Gitarre, Schlagzeug, Piano, Kontrabass und Gesang ihren ganz eigenen Musikstil erklingen lässt und in München viele Erfolge feiert. Nun sind sie endlich wieder in Rom zu hören! Herzliche Einladung zum Konzert der RED LEMON CATS am Donnerstag, den 13. Juli 2017, um 19.30 Uhr, im Pfarrgarten, Via Sicilia 78.

Die Red Lemon Cats

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Gemeindeleben

Sommerkino – „Lutero“ Ein besonderes „Offenes Pfarrhaus“... am Donnerstag, den 10. August 2017 wollen wir ab 21.30 Uhr auf dem Dach des Gemeindehauses den Film „Lutero“ (2013) von Eric Till in italienischer Sprache zeigen. „Es ist immer eine Herausforderung, eine historische Figur für das Publikum unserer Zeit zu spielen. Aber ich las das Drehbuch und sah ein modernes Stück mit Figuren, die nicht vor 500 Jahren gestorben sind, sondern mit denen wir auch heute noch verbunden sind“, erzählt der Schauspieler Joseph Fiennes, der Martin Luther in dem, mit internationalen Stars wie Peter Ustinov, Claire Cox und Bruno Ganz erstklassig besetzten Film, spielt. Ein packender und spannungsreicher Spielfilm über das Leben Martin Luthers, der von Zivilcourage, Standhaftigkeit und Mut erzählt und dabei ein Bild von Luther als einem Menschen zeichnet, der viel zögerlicher, selbstzweifelnder, aber auch leidenschaftlicher war als üblicherweise angenommen wird. 28


Gemeindeleben

Zum Abschluss der Saison der Offenen Pfarrhäuser – „Essen wie zu Luthers Zeiten“ Im Jahr des Gedenkens an die Anfänge der Reformation vor 500 Jahren wollen wir die Saison der Offenen Pfarrhäuser mit einem Abend am 7. September 2017 abschließen, der unter dem Motto steht „Essen wie zu Luthers Zeiten“. Luther war kein Kostverächter.... Es musste nicht die „Nouvelle Cuisine“ der spätmittelalterlichen Tafelfreuden sein, ein guter Brathering oder eine Bratwurst und Erbsenpüree, dazu einen „Pfloschen“ von Katharinas selbst gebrautem Bier – das erfreute das Herz des Wittenberger Reformators. Ebenso wie die leiblichen Genüsse schätze Luther die Gemeinschaft, die beim gemeinsamen Essen entstand und sich vertiefte.

Lutherporträt von H. Brosamer (1530)

In diese Tradition wollen wir uns stellen und am 7. September 2017 ein Offenes Pfarrhaus mit „Essen wir zu Luthers Zeiten“ gestalten, mit Bruschette, Zuppa di piselli, Spiedini, Salscicce italiane e tedesche, Panini della Riforma... und natürlich freuen wir uns, wenn auch Sie einen typischen kulinarischen Beitrag mitbringen. Dazu soll an diesem Abend auch Musik der Renaissance zu hören sein.

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Jubiläumsjahr

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Jubiläumsjahr

„#HereIstand. Martin Luther, die Reformation und die Folgen“ - Ausstellung in der Christuskirche Mit modernen, wissenschaftlich fundierten und attraktiv gestalteten Infografiken gibt die Ausstellung „#HereIstand. Martin Luther, die Reformation und die Folgen“ in 30 großformatigen Postern einen guten Einblick in Etappen des Lebens Martin Luthers und zeigt wichtige Ereignisse der Reformationszeit.

Ausstellung #HereIStand in der Christuskirche

Dank des Engagements der Deutschen Botschaft Rom sind alle Tafeln erstmals in die italienische Sprache übersetzt worden, so dass diese Ausstellung eine sehr gute Möglichkeit bietet, um interessierten italienischen Freunden, Verwandten und Kollegen einen Zugang zur Biographie Luthers und zu grundlegenden Ereignissen der Reformationszeit zu eröffnen. In den Sommerwochen ist diese Ausstellung während der Öffnungszeiten des Gemeindebüros (Mo-Fr, 9.00-13.00 Uhr) und sonntags von 9.30-12.30 Uhr zu sehen. 31


Gottesdienste

„Nicht Leseworte, sondern lauter Lebeworte“ Gottesdienst mit Gedenken an Martin Luther Die Bibel war für Luther zeitlebens Kraftquelle und Existenzgrundlage. Sie prägte sein Denken und Handeln: Sei es als Professor, der Vorlesungen über biblische Bücher an der Universität Wittenberg hielt, sei es als Prediger im Gottesdienst, sei es durch die Übersetzung der Bibel oder in seinen Schriften, in denen er seine theologische Position mit Bezug auf Bibeltexte begründete.

Eine geplante Gesamtausgabe seiner Werke beurteilte Luther dagegen überaus skeptisch. Sie schienen ihm nicht so wichtig zu sein wie ein Wort der Bibel. Um deren Lebensworte ging es ihm. So sagte Luther in seiner Auslegung des 118. Psalms, seines Lieblingpsalms: „Nur die Heilige Schrift lässt man liegen, als brauche man sie nicht. Und die ihr so viel Ehre antun, sie einmal zu lesen, die können es alles im Fluge; nie ist eine Kunst oder ein Buch auf Erden gekommen, die jedermann so bald ausgelernt hat wie die Heilige Schrift. Und es sind ja doch nicht Leseworte, wie sie meinen, sondern lauter 32


Gottesdienste Lebeworte darin, die nicht zum Spekulieren und hohen Betrachtungen, sondern zum Leben und Tun hergesetzt sind.“ Und so wurde Luther nicht müde, immer wieder von sich weg zu zeigen: auf die Bibel und auf den gekreuzigten Christus hin, den er als die Mitte der Heiligen Schrift bekannte.

Ölgemälde von Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553), 1547

Luther zu gedenken, kann daher gar nichts anderes bedeuten, als sich von ihm auf die Bibel als Zeugnis der in Jesus Christus geschenkten Liebe weisen zu lassen. So wollen wir es tun und Martin Luther (1483-1546) im Gottesdienst am Sonntag, den 6. August 2017, um 10.00 Uhr in der Christuskirche Rom, Via Sicilia 70 in besonderer Weise gedenken. Er soll mit seinen Texten und Gedanken selbst zu Gehör kommen und wir wollen uns von ihm anregen lassen die Bibel als „lauter Lebeworte“ zu entdecken, auf dass wir im Glauben an Jesus Christus Trost, Halt und Orientierung für unser Leben finden.

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Gemeindeleben

Konfirmandenunterricht

Unter der Überschrift „Evangelisch in Rom“ soll ab Ende September wieder ein Konfirmandenkurs stattfinden. Wer etwa 13 Jahre alt ist, und Freude daran hat, in Gemeinschaft Kirche, Gottesdienst und Glaube zu entdecken, ist herzlich eingeladen, sich zum neuen Konfirmandenkurs im Gemeindebüro (Tel.: 06.4817519) anzumelden. Der Konfirmandenkurs dauert ein knappes Jahr. Der Unterricht findet ca. alle drei Wochen, nachmittags, in der Regel im Gemeindesaal in der Via Toscana 7 statt. Feierlicher Abschluss wird die Konfirmation an Pfingsten (20. Mai 2018) sein. Ein erstes Vorbereitungstreffen für die Konfirmanden und ihre Eltern findet am Freitag, den 8. September 2017, um 17.00 Uhr im Gemeindesaal, Via Toscana 7, statt. Pfarrer Dr. Kruse 34


Gottesdienste

Begrüßungsgottesdienst am 10. September 2017 Herzlich Willkommen - Un cordiale benvenuto!

"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne..." ● Sind Sie gerade nach Rom umgezogen und neu in dieser wunderbaren Stadt angekommen? ● Oder wollten Sie eigentlich schon immer mal unsere Gemeinde kennenlernen? ● Oder freuen Sie sich einfach, nach der Ferienzeit all die vertrauten und lieben Menschen unserer Gemeinde endlich wiederzusehen? Dann sind Sie genau richtig beim Gottesdienst am Sonntag, den 10. September 2017, um 10.00 Uhr in der Christuskirche. Wir möchten Sie in diesem Gottesdienst in unserer Gemeinde herzlich begrüßen, Ihnen unsere Angebote und Aktivitäten vorstellen und Ihnen Kirche und Gemeindehaus zeigen. Der Begrüßungsgottesdienst in diesem Jubiläumsjahr steht unter dem Thema „1517-1817-2015 – Evangelisch in Rom“. Sind Sie dabei? Wir freuen uns auf Sie! 35


Gottesdienste

Gottesdienste und Musik in der Christuskirche Abkürzungen: P = Pfarrer, PK = Prädikant (KiGo = Kindergottesdienst, I = Gottesdienst in italienischer Sprache)

25. Juni 2. Son. n. Trinitatis 2. Juli 3. Son. n. Trinitatis

10.00 Uhr Familiengottesdienst im Grünen

P. Dr. Kruse

10.00 Uhr Abendmahlsgottesdienst

P. Dr. Kruse

9. Juli

10.00 Uhr Prediggottesdienst

PK Anna Belli

4. Son. n. Trinitatis 16. Juli

10.00 Uhr Predigtgottesdienst

P. Cyprian Matefy

10.00 Uhr Predigtgottesdienst

P. Stephan Rost

10.00 Uhr Predigtgottesdienst

P. Andreas Latz

10.00 Uhr Themengottesdienst „Mensch: Luther!“

P. Dr. Kruse

10.00 Uhr Abendmahlsgottesdienst

P. Dr. Kruse

5. Son. n. Trinitatis 23. Juli 6. Son. n. Trinitatis 30. Juli 7. Son. n. Trinitatis 6. August 8. Son. n. Trinitatis 13. August 9. Son. n. Trinitatis 36


Gottesdienste

20. August 10. Son. n. Trinitatis 27. August

10.00 Uhr Predigtgottesdienst

P. Patrizia Müller

10.00 Uhr Abendmahlsgottesdienst

P. Dr. Kruse

10.00 Uhr Predigtgottesdienst

P. Dr. Kruse

10.00 Uhr Begrüßungsgottesdienst KiGo

P. Dr. Kruse

10.00 Uhr Abendmahlsgottesdienst

P. Dr. Kruse

10.00 Uhr Predigtgottesdienst

P. Dr. Kruse

P. Dr. Kruse

Erntedankfest

10.00 Uhr Familiengottesdienst zum Erntedankfest

8. Oktober

10.00 Uhr Predigtgottesdienst

P. Dr. Kruse

11. Son. n. Trinitatis 3. September 12. Son. n. Trinitatis 10. September 13. Son. n. Trinitatis 17. September 14. Son. n. Trinitatis 24. September 15. Son. n. Trinitatis 1. Oktober

17. Son. n. Trinitatis

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Kinder und Jugend

Wir treffen uns in der Regel einmal im Monat, sonntags um 10.00 Uhr in der Kirche. Nach dem ersten Lied ziehen die Kinder zum Kindergottesdienst in den Gemeindesaal. Alle Kinder sind herzlich eingeladen! Wir singen, beten, spielen zusammen. Das KiGo-Team bereitet ein Thema oder eine Geschichte vor, um die es geht. Lasst Euch Ăźberraschen!

Al

le

K

ind

er

Sind Herzl

ich

Eingeladen!

Nach der Sommerpause beginnt der Kindergottesdienst wieder am Sonntag, den 10. September 2017.

Wir freuen uns auf Euch!

Das Kindergottesdienstteam

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Kinderseite

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Kinder und Jugendliche

Reformation für Kinder und Familien Buchvorstellung und Lesung von Alexander Smoltczyk Alexander Smoltczyk ist Journalist und Autor. Als Korrespondent des Spiegel berichtete er u.a. einige Jahre aus Rom und war in dieser Zeit auch Mitglied unserer Alexander Smoltczyk Gemeinde. Das Buch „Vatikanistan. Eine Entdeckungsreise durch den kleinsten Staat der Welt“ legt von dieser Zeit ein eindrückliches und farbenprächtiges Bild ab. Doch Alexander Smoltczyk verfügt ebenso über eine wunderbar andere Gabe: Er ist auch der Autor von zwei herrlich vergnüglichen und phantasievollen Kinderbüchern: „Päpste pupsen nicht“ und „Wer hat an der Uhr gedreht?“ Der Titel „Päpste pupsen nicht“ (2013) klingt in manchen Ohren vielleicht ein wenig frech. Und doch ist es ein liebenswertes Buch, lebendig und humorvoll erzählt, voll mit Informationen über das Rom der Gegenwart und zugleich eine aufregende Geschichte, in die Smilla, fast elf Jahre alt und ihre beste Freundin Eloise verwickelt werden: Der Starenschwarm über der Stadt hat doch eben ein Herz gebildet; und jetzt ist er sogar ein Gesicht! Was hat das zu bedeuten? Klar, dass Smilla und Eloise unbedingt herausfinden müssen, wer da seine Finger im Spiel hat. Eine spannendes Abenteuer beginnt, auf dem die beiden Mädchen in Rom und im Vatikan eine Reihe von 40


Kinder und Jugendliche Merkwürdigkeiten entdecken und am Ende dem Papst einen großen Dienst tun. Am Anfang des zweiten Buches „Wer hat an der Uhr gedreht?“ (2015) steht eine traurige elfjährige Greta, deren beste Freundin Smilla in eine weit entfernte Stadt gezogen ist. Doch sie hat Glück: Am ersten Schultag kommt Zola neu in ihre Klasse. Zola hat ein Geheimnis, das ziemlich unglaublich ist und niemand außer Greta wissen darf. Doch dann ist plötzlich Zolas Tagebuch verschwunden und eine aufregende Suche beginnt...

Päpste pupsen nicht, 2013

Wer hat an der Uhr gedreht?, 2015

Zwei wunderbare Kinderbücher, die Lesevergnügen für die ganze Familie bieten. Wir freuen uns sehr, dass Alexander Smoltczyk seine beiden Bücher bei uns vorstellen wird und laden Kinder, Eltern, Großeltern und alle Lesefreudigen ein zu einer Lesung und Buchvorstellung von Alexander Smoltczyk am Sonntag, den 10. September 2017, um 11.30 Uhr in der Christuskirche Rom, Via Sicilia 70. 41


Ökumenne

Via Pacis – Familienlauf am 17. September 2017 Der Pontificio Consiglio della Cultura, die Federazione Italiana di Atletica Leggera und die Comune di Roma veranstalten am Sonntag, den 17. September 2017 ein besonderes sportlich-kulturelles Ereignis: den 1. Rome Half Marathon VIA PACIS, in zwei Varianten: 21 km und 5 km.

Über die Ziele dieser Initiative heißt es im Einladungsschreiben: „Attraverso una manifestazione di carattere sportivo vogliamo così proporre i grandi temi del dialogo tra le culture e le religioni al fine di costruire una città più umana per tutti, caratterizzata da una convivenza nella pace e nella piena integrazione di ciascuno. Intendiamo collegare, atttraverso un itinerario podistico, alcuni tra i luoghi di culto più significativi delle diverse confessioni religiose presenti a Roma, in una sorta di 'pellegrinaggio comune'.“

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Ökumene Alle Gemeindemitglieder sind herzlich eingeladen, sich an dieser ebenso schönen wie wichtigen Initiative zu beteiligen, so dass ein Zeichen für die interreligiöse Verständigung und den multireligiösen Charakter unserer Stadt gesetzt wird. Der Familienlauf beginnt am Sonntag, den 17. September 2017, um 9.20 Uhr auf der Piazza San Pietro. Die Einschreibegebühr kostet 10.00 Uhr. Nähere Informationen finden sich im Internet unter folgender Adresse: www.romahalfmarathon.org und nach der Sommerpause auf der Internetseite unserer Gemeinde und im nächsten Gemeindebrief.

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Gemeindeleben

Gemeindefreizeit in Assisi „Franziskus, Luther und Bonhoeffer“ Aus dem Evangelium leben, Christus in den Mittelpunkt stellen und in eine immer enger werdende Beziehung mit ihm hineinwachsen, den Glauben ins Leben ziehen – das ist im wahrsten Sinne des Wortes evangelisch. Franziskus, Luther und Bonhoeffer – das sind drei bedeutende Gestalten des Christentums, die zu ganz unterschiedlichen Zeiten gelebt und in der Nachfolge Jesu ihrem Glauben Ausdruck gegeben haben. Auf der Gemeindefreizeit in Assisi wollen wir ihr Leben und ihre Theologie kennenlernen und danach fragen, welche Impulse von ihnen für unser heutiges Christsein ausgehen. Franziskus, Luther und Bonhoeffer sollen sowohl in ihrer je eigenen Biographie und Theologie als auch in dem Thema wahrgenommen werden, das sie miteinander verbindet: Wie geschieht Nachfolge Christi?

Franziskus

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Luther

Bonhoeffer


Gemeindeleben Zum Programm der Gemeindefreizeit werden Einführungen in das Leben von Franziskus, Luther und Bonhoeffer, gemeinsame Lektüre ihrer Texte, Besichtigungen in und um Assisi, Gespräche mit Franziskanern, Bibelarbeiten und Andachten gehören.

Assisi

Die Gemeindefreizeit „Franziskus, Luther und Bonhoeffer“ findet vom 25.-28. September 2017 in Assisi statt und wird von den Pfarrern Jakob Betz und Jens-Martin Kruse geleitet. Untergebracht sind wir im Hotel Ancajani, das im Zentrum Assisi und in Fußnähe zur Basilika San Francesco liegt. Der Preis der Freizeit beträgt pro Person für Übernachtung, Vollpension und Eintritte 200,00 Euro. Der Zuschlag für Einzelzimmer liegt bei 20,00 Euro pro Tag. Wenn Sie Lust und Zeit haben, an dieser Gemeindefreizeit teilzunehmen, dann melden Sie sich bitte bis zum 1. August 2017 unter Anzahlung von 50,00 Euro im Gemeindebüro (Tel.: 06.4817519) an. 45


Gemeindeleben Liebe Gemeinde, mit großer Vorfreude stellen wir uns Ihnen vor. Zusammen mit meiner Frau Maria Schmidt-Einert und unseren einjährigen Zwillingen Elisabeth und Theodor werde ich im September nach Rom ziehen und meinen Dienst als Vikar in Ihrer Gemeinde beginnen. Wir freuen uns schon sehr auf diese Zeit, die bis August 2018 dauern wird.

Familie Schmidt

Gebürtig aus Chemnitz, wohnen wir zur Zeit in Leipzig. Hier bin ich als Vikar der sächsischen Landeskirche tätig und hatte hier auch mein Studium und die Promotion abgeschlossen. Meine wissenschaftlichen und praktischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Gottesdienst, Seelsorge und Ökumene. Gerne möchte ich und möchten wir uns in diesen Bereichen und darüber hinaus in Ihrer Gemeinde einbringen. Meine Frau ist Künstlerin und Kunsttherapeutin. Bei unserem Besuch in Ihrer Gemeinde im Mai dieses Jahres fühlten wir uns schon sehr herzlich willkommen. Daher freuen wir uns, Sie bei den verschiedenen Gelegenheiten näher kennenzulernen. Im Gespräch mit Ihnen möchten wir uns gerne von Ihren Fragen, Ideen und Wünschen anregen lassen. Bis zum Kennenlernen grüßen Sie herzlich und wünschen eine gesegnete Sommerzeit Ihre Vikar Dr. Markus Schmidt und Maria Schmidt-Einert mit Elisabeth und Theodor 46


Jubiläumsjahr

Begrüßung der beiden Botschafterinnen Frau Annette Schavan und Frau Susanne WasumRainer beim Festakt „200 Jahre evangelische Gemeinde Rom“ am 1. April 2017 in der Casa dei Cavalieri di Rodi

Batschafterinnen Wasum-Rainer und Schavan

AS: Herzlich willkommen liebe Festgemeinde! Wir freuen uns, heute mit Ihnen das Jubiläum der Evangelisch-lutherischen Gemeinde hier in Rom feiern zu können. Wir erinnern an den Anfang vor 200 Jahren und wir würdigen die heutige Gemeinde, die beliebt und lebendig ist, die ein hohes Ansehen und eine zutiefst ökumenische Ausstrahlung hat. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Die Evangelischlutherische Gemeinde ist ein Glücksfall für Rom und für die Ökumene. SWR: Unmittelbarer Anlass, ein erstes Mal zusammen zu treten, war der 300. Jahrestag der Reformation. Das Jubiläum der Evangelisch47


Jubiläumsjahr Lutherischen Gemeinde liegt daher auch heute wieder in einem Reformationsjubiläum, dem 500. Ein doppelter Grund zu feiern! Die Reformation gehört hat das heutige Menschenbild und unser Verständnis von Freiheit und Demokratie beeinflusst, in Deutschland und in Europa. Vor genau einer Woche durften wir, ebenfalls hier in Rom, den Jahrestag eines der größten Friedens- und Freiheitsprojekte der Geschichte feiern, den 60. Jahrestag der Gründung der Europäischen Union, an deren Werteverständnis Reformation und protestantische Kirchen großen Anteil haben. AS: Ja, die 200 Jahre der Evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom sind Teil einer größeren Geschichte, die uns in diesem Jahr 2017 beschäftigt. Erstmals in der Geschichte der Reformationsjubiläen feiern die evangelischen und katholischen Christen miteinander ein Christusfest. Aus dem Gegeneinander in vergangenen Jahrhunderten ist ein Miteinander geworden. Freundschaft ist entstanden. Auch das ist ein Grund zum Feiern. Wir freuen uns über besondere Gäste aus der Ökumene: den Ratsvorsitzenden der EKD, Herrn Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm und die Präses der EKD, Frau Dr. Irmgard Schwaetzer; den früheren Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Herrn Kardinal Walter Kasper und den Prior der Gemeinschaft von Taizé, Frère Alois. Seien Sie uns herzlich willkommen. SWR: Eine große Freude ist es darüber hinaus den Ministerpräsidenten des Kernlandes der Reformation, SachsenAnhalt mit den Städten Eisleben und Wittenberg, Herrn Dr. Reiner Haseloff und Frau Gabriele Haseloff hier begrüßen zu dürfen. Ein herzliches Willkommen geht ferner an Herrn Pfarrer Dr. JensMartin Kruse und Frau Silke Kruse und an Professor Dr. Wolfram Thomas, Gemeindepräsident, und Frau Thomas. 48


Jubiläumsjahr AS: In der Wohnung des preußischen Gesandten beim Heiligen Stuhl fing alles an. Weil evangelische Gottesdienste im damaligen katholischen Kirchenstaat nicht öffentlich werden durften, lud er kurzerhand zu sich nach Hause ein. Es begründete die bis heute besondere Beziehung zwischen der Gemeinde und der Botschaft beim Heiligen Stuhl. Uns verbindet in diesem Jahr auch die Hoffnung, dass die Christen und ihre Kirchen aus dem Christusfest die Kraft zur versöhnten Verschiedenheit schöpfen. 2017 soll nicht nur ein „Wohlfühljahr“ sein, uns viel mehr einen guten Schritt voran bringen. Wir ahnen, dass die Zeit der Volkskirche vorüber ist und neue kirchliche Lebensräume zu gestalten sind, die wir uns schwerlich ohne den gelebten Respekt vor einer versöhnten Verschiedenheit vorstellen können. SWR: Als Botschafterin in Italien freue mich über das heutige Jubiläum der Gemeinde. An die Entstehungsgeschichte der Gemeinde vor 200 Jahren zu erinnern, lohnt und ermutigt. Denn, was wir heute zu erzählen haben, ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Die historischen Konflikte und Spannungen wurden überwunden. Katholiken und Protestanten, Deutsche und Italiener sind immer weiter zusammen gekommen. Die Christuskirche und ihre Gemeinde sind unüberhörbare „Botschafter“ Deutschlands in Italien geworden. Ich danke Pfarrer Kruse und der Gemeinde für ihre unverzichtbare Arbeit und baue darauf, dass diese Arbeit fortgesetzt wird. Herzlichen Glückwunsch zum Jahrestag! Jetzt ist er mir eine Freude und Ehre, das Wort an den Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Herrn Dr. Haseloff zu geben.

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Jubiläumsjahr

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Jubiläumsjahr

Predigt zum Gemeindejubiläum „1517-18172017“ von Professor Dr. Jens Schröter (Berlin) am Sonntag Okuli, 19. März 2017 in der Christuskirche Ich grüße Sie herzlich, liebe Gemeinde, hier im schönen Rom. Ich freue mich sehr, diesen Gottesdienst mit Ihnen feiern und den Tag mit Ihnen verbringen zu können, in diesem denkwürdigen Jahr, in dem wir der Reformation gedenken, uns ihrer erinnern, sie feiern. Im Programm Ihrer Gemeinde sind die drei Daten 1517, 1817 und 2017 genannt – drei wichtige Stationen der Prof. Dr. Schröter Reformationsgeschichte, die zugleich eine Geschichte der Christenheit der westlichen Kirchen ist: der römischkatholischen Kirche und der verschiedenen aus den reformatorischen Bewegungen und ihren Vorläufern hervorgegangenen Kirchen. Die drei Daten bezeichnen je eigene Etappen, die im Blick auf die Situation der Christenheit in Europa durchaus markant sind und dazu einladen, die Geschichte, die wir in diesem Jahr bedenken, anhand dieser drei Daten Revue passieren zu lassen. Gehen wir ihnen also etwas genauer nach. 1517 – wie jeder weiß, ist damit das Jahr von Luthers Thesenanschlag an die Tür der Wittenberger Schlosskirche gemeint. Man kann trefflich darüber streiten, welche Bedeutung dieses Ereignis für die Reformation in Europa hatte – man kann sogar darüber streiten, und 51


Jubiläumsjahr hat es auch getan, ob dieser Thesenanschlag überhaupt stattgefunden hat. Aber das ist doch in Wahrheit nur wenig weiterführend. Feststehen dürfte, dass Luther mit seinen Thesen eine Diskussion über den Kern des christlichen Glaubens und die Gestalt der der christlichen Kirche herbeiführen wollte. Nun ist es so, dass auch Protestanten in der Regel kaum über die erste dieser 95 Thesen hinausgelangen, wenn man sie fragt, was denn eigentlich deren Inhalt war. Die erste, auf die Buße bezogene These, schlägt aber gleich ein wichtiges Thema an: Das ganze Leben soll eine Buße sein. Nicht nur auf das Sakrament der Buße – aus den evangelischen Kirchen ist es inzwischen weitgehend verschwunden – kommt es an, nein das Wort Jesu „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“, es bezieht sich nach Luther auf das ganze Leben. Natürlich steht das bei Luther im Zusammenhang seiner Kritik an der Ablasspraxis der römisch-katholischen Kirche. Johann Tetzel, der in Jüterbog, nicht weit von Wittenberg, Ablassbriefe verkaufte, mit deren Erlös der Neubau von St. Peter in Rom finanziert werden sollte, stand ihm dabei besonders vor Augen. Bis heute gibt es in der Nikolaikirche zu Jüterbog einen „Tetzelkasten“, mit einem aufgemalten Teufel und dem bekannten Spruch über die Seele, die aus dem Feuer springt, sobald das Geld im Kasten klingt. Luthers negatives Bild der römisch-katholischen Kirche verfinsterte sich angesichts solcher Praktiken zunehmend. Einmal war er auch hier in Rom, im Jahr 1510. Im Nachhinein hat er sehr negativ über diesen Besuch gesprochen. Die römische Kirche sah er als verrottet an, oberflächlich und nur am Geld interessiert. Luthers Thesenanschlag gilt – ob zu Recht oder Unrecht – als Fanal reformatorischen Aufbruchs gegen die fragwürdigen Umtriebe der 52 52


Jubiläumsjahr spätmittelalterlichen Kirche. Darum wird in diesem Jahr in Deutschland der Kirchentag in Berlin und Wittenberg gefeiert, mit einem großen Abschlussgottesdienst auf den Elbwiesen. Natürlich aber stand Luthers Thesenanschlag in einem weiten historischen Kontext. Er ist gewissermaßen nur ein kleiner Ausschnitt aus denjenigen Umbrüchen, die das 16. Jahrhundert für die westliche, die lateinische Kirche brachte. Nehmen wir darum zwei Themen aus den 95 Thesen auf, die für die christlichen Kirchen von bleibender Bedeutung sind. Die 43. These lautet: „Man muss die Christen lehren: Wer einem Armen gibt oder einem Bedürftigen leiht, handelt besser, als wenn er Ablässe kaufte.“ Hier geht es um das christliche Ethos der Barmherzigkeit und des Erbarmens. Wir sehen täglich auf den Straßen unserer Städte, wie nötig das gerade heute ist. Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Gewaltexzessen, aus schierer Angst um ihr Leben hierher nach Europa gekommen. Papst Franziskus hatte für 2016 ein Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen, wie er überhaupt immer wieder darauf insistiert, dass die Kirche an der Seite der Armen stehen muss. Die christlichen Kirchen, gleich welcher Konfession, können darin zusammenwirken. Die Werke der Barmherzigkeit, die schon das Matthäusevangelium zum Maßstab für das Urteil Jesu im Gericht erklärt – sie stehen der Kirche aller Zeiten gut an, auch und gerade in unserer oft so kalten und unbarmherzigen Welt. „Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer“ heißt es bei Matthäus; der Ablass ist kein Werk der Barmherzigkeit heißt es bei Luther; „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit“ heißt der Titel des Buches mit dem Gespräch von Papst Franziskus und Andrea

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Jubiläumsjahr Tornielli. Barmherzigkeit und tätige Liebe lenken den Blick hinaus über Wittenberg 1517 und Luthers Thesenanschlag. Die 43. Ablassthese ruft ins Gedächtnis, dass christliche Kirche auf die Botschaft Jesu von der Barmherzigkeit gegenüber denen verpflichtet ist, die am Rande stehen, die Verirrten, Ausgegrenzten und Verfolgten. Davon kann ein ökumenischer Impuls ausgehen. Ein Impuls, der auf das Gemeinsame setzt und nicht auf das Trennende. Ein Impuls, der danach fragt, wie wir unseren Glauben Gestalt werden lassen, erfahrene Barmherzigkeit weitergeben an die, die unserer Zuwendung und Hilfe bedürfen. Matthäus stellt das im Gleichnis vom unbarmherzigen Gläubiger ganz konkret vor Augen: Wer von Gott große Schuld vergeben bekommen hat, der soll diese Vergebung auch weitergeben an die, die bei ihm in der Schuld stehen. Nur wenn wir selbst barmherzig sind, können wir auch darauf hoffen, dass Gott sich unser erbarmen wird. So steckt in dem reformatorischen Aufbruch von 1517 nicht weniger als ein Aufruf an die christlichen Kirchen aller Zeiten zur Orientierung an der Botschaft Jesu von der Gnade und dem Erbarmen Gottes. Ein gemeinsames Christusfest wollen wir 2017 feiern und keine Lutherverehrung begehen, so hat es der Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland formuliert. Die gemeinsame Besinnung auf die Botschaft Jesu, der wir alle verpflichtet sind – das wäre ein wichtiger, ein zutiefst reformatorischer Impuls. In der 18. von Luthers 95 Thesen heißt es, dass weder durch „Gründe der Vernunft noch der Heiligen Schrift“ die Lehre vom Fegefeuer verwiesen sei. Auf „Gründe der Vernunft“ und die „Heilige Schrift“ hat sich Luther gern berufen. „Gründe der Vernunft“ – das klingt 54


Jubiläumsjahr historisch-kritische

erstaunlich modern, fast schon wie Bibelauslegung. Davon ist Luther freilich noch weit entfernt. Die Vernunft kann für ihn niemals über der Heiligen Schrift oder gar gegen sie stehen. Vielmehr hat die Vernunft der Erkenntnis zu dienen, die die Heilige Schrift vermittelt. Eine solche Begrenzung der Vernunft findet sich übrigens auch bei dem großen Aufklärer Immanuel Kant. Die „reine Vernunft“, wie er sie nannte, findet ihre Grenze bei Gott. Gott ist darum bei Kant kein Gegenstand menschlichen Erfahrungswissens, auch wenn er durchaus der Meinung war, dass Glaubensaussagen rational reflektiert werden müssen.

Auch hiervon kann ein Impuls für die christlichen Kirchen der Gegenwart und ihren Umgang mit der Bibel ausgehen. Die Bibel kommt für Luther nicht flächig daher, als dickes Buch, voll mit Texten, von denen der eine so wichtig ist wie der andere. Sie ist auch kein Buch für Fundamentalisten, die am Wortlaut kleben und meinen, wenn man die Bibel nur wörtlich nimmt, sei sie schon richtig verstanden. Sie ist erst recht keine Spielwiese für die, die in der Bibel immer nur wiederfinden, was sie schon immer für richtig gehalten haben. Für Martin Luther hat die Bibel ein klar zu benennendes Zentrum, einen Maßstab, an dem die einzelnen Schriften gemessen werden. „Christum treiben“ oder auch „Christum lehren“ nannte er das; und er stand nicht an, Bücher an den Rand der Bibel zu verweisen, bei denen das seiner Meinung nach nur wenig oder gar nicht der Fall ist. Der Jakobusbrief, die „stroherne Epistel“, war für ihn so ein Schreiben, das er nicht mochte und darum – sicher zu Unrecht – nicht im engeren Bestand der Schriften wissen wollte, über die zu predigen sei.

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Jubiläumsjahr Ob wir Luther heute in solchen Einzelurteilen folgen oder nicht – wichtig bleibt die Entschlossenheit und Leidenschaft, mit der er den Kern der christlichen Botschaft ins Zentrum dessen rückte: das, was Kirche den Menschen zu sagen, wofür sie einzustehen, woran sie ihr Herz zu hängen und worauf sie ihre Kraft zu verwenden hat. Kommen wir zum zweiten Datum. 1817 – das ist für evangelische Christen in Rom ein ganz besonderes Datum. Zum ersten Mal wurde hier evangelischer Gottesdienst gefeiert, zur 300Jahrfeier der Reformation, in der Privatwohnung von Carl Josias Bunsen, in der Via d’Aracoeli, denn eine evangelische Kirche gab es damals in Rom noch nicht. Die Einführung evangelischen Glaubens in Rom ist eng mit der Kirche Preußens verknüpft. Aus Preußen kamen die treibenden Kräfte, wie eben Bunsen, auch der preußische König Friedrich Wilhelm III. war daran sehr interessiert und genehmigte sogar persönlich die Kapitolinische Liturgie für die römischen Gottesdienste. Inzwischen wird seit 200 Jahren evangelischer Gottesdienst in dieser Stadt gefeiert, seit fast 100 Jahren gibt es eine evangelische Kirche – in fünf Jahren steht in der Christuskirche das 100jährige Kirchweihfest an – und es hat den Anschein, dass die Vielfalt christlichen Glaubens auch in dieser Stadt immer deutlicher sichtbar wird. Diese Vielfalt ist keine Bedrohung und erst recht nichts, was dem Christentum fremd wäre. Ganz im Gegenteil: Der Glaube an Jesus Christus hat von seinen allerersten Anfängen an mit verschiedenen Überzeugungen und in unterschiedlichen Gestalten gelebt. Das Neues Testament legt davon ein eindrückliches Zeugnis ab. Ernst Käsemann, der bekannte Tübinger Neutestamentler, meinte deshalb sogar, der 56


Jubiläumsjahr neutestamentliche Kanon begründe nicht die Einheit der Kirche, sondern die Vielzahl der Konfessionen. Das ist vielleicht etwas übertrieben, aber dass dem Christentum Vielfalt eingestiftet ist, kann nicht zweifelhaft sein. Wenn wir das als Impuls des Jahres 1817 aufnehmen – im katholischen Rom ebenso wie im protestantischen Berlin – dann ist das ein zutiefst reformatorischer, weil biblischer Impuls. Kommen wir damit zum dritten Datum, 2017. Römisch-katholische und evangelische Kirchen begegnen sich heute nicht mehr im Stil mittelalterlicher Polemik. Bischöfe beider Kirchen reisen gemeinsam nach Rom und Jerusalem; über die Rechtfertigung, einst Zankapfel der Konfessionen, gibt es sogar seit fast zwei Jahrzehnten eine gemeinsame Erklärung. Das ist nicht wenig, auch wenn Trennendes bleibt. Im Jahr des Gedenkens an die reformatorischen Aufbrüche, die – ja auch das – eine Spaltung der westlichen Kirche zur Folge hatten, ist es gut und wichtig, dass wir uns auf die biblische Botschaft besinnen. Dass die den Sünder rechtfertigende Gnade Gottes dabei von grundlegender Bedeutung ist, wird niemand bestreiten. Warum ist diese Einsicht so grundlegend, dass sie die Zeiten überdauert hat und auch nach fast 500 Jahren die befreiende Botschaft des Evangeliums mit unüberbietbarer Klarheit vor Augen führt? Warum ist es keine zeitbedingte Auslegung der Heiligen Schrift, geeignet zwar den Ablasshandel zu kritisieren, für das 21. Jahrhundert aber nicht mehr geeignet? Warum ist diese Einsicht unverzichtbar für das Christentum in reformatorischer Tradition, die sich ganz bewusst in die Geschichte der Kirche seit ihren Anfängen stellt? Warum ist diese Botschaft hoch aktuell, auch in unserer Zeit?

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Jubiläumsjahr Gerechtigkeit aus Glauben, nicht aus Werken des Gesetzes – das meint nicht etwa: Wir bräuchten nichts zu tun, auf unsere Werke kommt es ohnehin nicht an, Gott rechtfertigt sowieso, ganz egal, was wir tun oder lassen. Eine solche Banalisierung der Rechtfertigungsbotschaft wäre nicht einmal eine schlechte Karikatur dessen, worum es Paulus und worum es auch Luther geht. Gemeint ist vielmehr: In Jesus Christus hat Gott allen Menschen seine Gnade vorbehaltlos zugewandt, ihnen durch den Tod Jesu Christi ihre Sünden vergeben, ihnen Zugang zu seinem Heil gewährt. Das gilt nach Paulus allen Menschen, denn in Christus sind die Grenzen aufgehoben, die uns früher getrennt haben. Das ist die befreiende Botschaft des Evangeliums: Die guten Werke, das Engagement und der Einsatz für die Sache Gottes in unserer Welt sind nicht die Voraussetzung unserer Annahme durch Gott, aber sie folgen daraus als Früchte der Freiheit der Kinder Gottes. Das Evangelium ist die Botschaft von der allen Menschen zugesprochenen Gnade Gottes. Es ist die Überzeugung, dass die Würde eines jeden Menschen darauf gründet, dass er Geschöpf Gottes ist und Adressat seiner Gnade. „Da ist kein Unterschied“ sagt Paulus, keiner hat einen Vorzug, der Jude so wenig wie der Mann, der Erfolgreiche so wenig wie die, die im Leben zu kurz kommen. Alle sind Sünder, alle bedürfen der Gnade Gottes. Die Vorstellung von der Sünde ist uns fremd geworden. Darum fällt uns manchmal schwer, das Befreiende der biblischen Rechtfertigungsbotschaft zu hören, die für Luther eine im wahrsten Sinne umstürzende Erfahrung war und von ihrer Kraft und Brisanz auch heute nichts verloren hat. Sünde ist in der Bibel keine moralische Kategorie, sondern Ausdruck verfehlter Lebenshaltung: einer Haltung, die die Geschöpflichkeit des Menschen nicht anerkennen will 58


Jubiläumsjahr und sich selbst zum Herrn der Welt aufschwingt; die die Begrenztheit der menschlichen Vernunft nicht akzeptieren will und meint, die Gestaltung der Welt sei eine Frage technokratischen Machbarkeitskalküls; die die Fehlbarkeit menschlicher Entscheidungen nicht bedenkt und meint, Natur und Geschichte seien beherrschbar allein mit menschlicher Vernunft und Erkenntnis. Gegenüber solch unheilvollem Verwechseln von Schöpfer und Geschöpf – Paulus nennt sie mit einem klingenden Begriff das menschliche „Rühmen“ – steht die Botschaft von dem Gott, der dem Menschen und seinem Streben nach vergänglichem Ruhm und eitler Ehre immer schon zuvorkommt; der ihm zuruft, er solle sich darauf besinnen, was zum gelingenden Leben führt, zum heilvollen Miteinander verschiedener Schicksale, Erfahrungen und Kulturen; der den Menschen entlastet von der Angst, sein Leben könne misslingen, weil er nie genug Zeit hat, seine Chancen vertut und im rohen Spiel der Kräfte oft das Nachsehen hat; der dem Menschen zuspricht, dass er ihn annimmt, so, wie er ist, und dass sein Heil gerade darin liegt, sich nicht zu verzehren in Unruhe und Angst, das Wesentliche im Leben zu verpassen. Heilvolles Leben beginnt dort, wo sich Menschen einlassen auf die Begegnung mit Gott, der zuerst und von allem Anfang an Entlastung verheißt von dem Zwang zur Selbstbehauptung; der uns frei macht von allem, was uns festhalten will im Althergebrachten; der uns stark macht und zuversichtlich, die Botschaft seiner grundlosen Gnade anzunehmen und weiterzusagen. Als Christen stehen wir in der Tradition dieser grundlegenden, dieser umstürzenden Botschaft der Freiheit des Evangeliums; wissen uns gegründet auf dem einzigen Grund, der gelegt worden ist: Jesus Christus; sind gewiss, dass Gott über seine Kirche wachen wird, heute, 59


Buchbesprechungen

Büchersommer Viele Bücher, die in diesem Jahr zu Martin Luther und dem Reformationsgedenken erschienen sind, bewegen sich in weithin vertrauten Bahnen. Eine Ausnahme bietet das neue Buch von Heinz Schilling. Es trägt den Titel „1517. Weltgeschichte eines Jahres“, stellt die Ereignisse um Luthers 95 Thesen in einen großen historischen Zusammenhang und eröffnet damit eine bereichernde und anregende Perspektive auf das Jahr 1517. Das Anliegen Schillings, der im Jahr 2012 bereits eine große und wichtige Biographie Martin Luthers vorgelegt hat, besteht darin, „'das Epochenjahr 1517' in einen weiten, 'globalen' Verständnis von Weltgeschichte neu“ zu vermessen. „Dabei ist die Lupe der Wittenberger Feldforschung zu ergänzen durch das Fernrohr, das die welthistorischen Entscheidungen im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit auch anderwärts in Europa und der weiteren Welt erkennen lässt.“ (S. 18f)

Souverän und von beeindruckender Quellenkenntnis gespeist überspannt Heinz Schillings Blick alle Erdteile und präsentiert Ereignisse und Entwicklungen im Jahr 1517 in allen Kontinenten. Auf diese Weise entdeckt der Leser: Es gab ja noch andere Regionen auf

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Buchbesprechungen dieser Welt, in denen sich um 1517 Entscheidendes, unerhört Neues vollzog, etwa in Italien und Spanien, im Reich der Osmanen und der Moskowiter, in der Kultur der Azteken in Südamerika und am chinesischen Kaiserhof, im prachtvollen Renaissance Rom von Papst Leo X. und ebenso nördlicher der Alpen, „an den Grenzen der Zivilisation“, wie Luther selber Wittenberg nannte.

Das Buch von Heinz Schilling öffnet einen neuen Blick auf die vielschichtigen Entwicklungen im Jahr 1517 und zeigt, dass Anfang des 16. Jahrhunderts nicht allein das Christentum in Europa, sondern die ganze Welt in Bewegung war. Spannend zu lesen, gehört dieses Buch sicher zu den originellsten Beiträge zum Reformationsgedenkjahr. Wie in der Geschichtswissenschaft so tun sich in diesem Jahr auch in der Ökumene neue und anregende Perspektiven auf. Viele dieser Impulse, die gegenwärtig zu einem unerwarteten ökumenischen Aufbruch führen, verdanken sich den Worten und Beiträgen von Papst Franziskus, der innerhalb kurzer Zeit zu einem der wichtigsten Förderer der Einheit der Christen geworden ist. Stefan von Kempis, der als Journalist in der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan arbeitet, hat nun in dem Buch „Die Spaltung unter uns 61


Buchbesprechungen Christen ist ein Skandal!“ grundlegende Texte und Aussagen von Papst Franziskus im Blick auf die evangelisch-lutherische/römischkatholische Ökumene im Wortlaut dokumentiert und mit kurzen erläuternden Einladungen versehen. Im Mittelpunkt dieses Buches steht die Haltung von Papst Franziskus zu Martin Luther und die Begegnungen des Papstes mit den Lutheranern, Freikirchen und Anglikanern, aber auch den orthodoxen Kirchen. Unter den vielen interessanten Texten findet sich auch Abschnitte aus dem Besuch von Papst Franziskus in unserer Gemeinde und zum ersten Mal in deutscher Sprache auch das besonders wichtige Interview, dass der Jesuit Ulf Jonsson mit Papst Franziskus im Vorfeld der Reise nach Lund/Schweden geführt hat. Dieses Buch bietet einen sehr guten Zugang zu den vielfältigen Denkanstößen, mit denen Papst Franziskus die Ökumene fördert und hilft durch den Überblick zu erkennen, dass die Ökumene für diesen Papst ein Herzensanliegen ist und zu den Grunddimension des Glaubens gehört. Zu den Themen, die durch Papst Franziskus in der vergangenen Zeit in besonderer Weise in den Mittelpunkt des kirchlichen Lebens gerückt wurden, gehört die Barmherzigkeit. Im Judentum, im Christentum wie auch im Islam ist Barmherzigkeit ein Grundzug Gottes. Im Alten Testament wird erzählt, dass der Mensch 'nach dem Bilde Gottes' geschaffen worden sei. Das heißt nicht, dass der Mensch aussieht wie Gott, sondern dass er so handeln soll, wie Gott handelt. Dieser Glaube hat in der römisch-katholischen Tradition seinen Ausdruck in den sieben leiblich - Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Fremde beherbergen, Nackte kleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Tote begraben - und in den sieben geistlichen 62


Buchbesprechungen Unwissende lehren, Zweifelnden recht raten, Traurige trösten, Sünder zurechtweisen, Lästige geduldig ertragen, Beleidigern verzeihen, für die Lebenden und Toten beten - Werken der Barmherzigkeit gefunden. In seinem neuen Buch „Orte des Glaubens“ hat der evangelische Theologe Fulbert Steffensky eine Auslegung dieser beispielhaften Handlungen vorgelegt, in denen sich die Liebe, die wir von Gott erfahren, in unserem Verhalten gegenüber dem Nächsten konkretisieren soll. Entstanden ist ein Buch mit nachdenkenswerten Meditationen über die Nächstenliebe, die ebenso wie durch ihre geistliche Deutung wie durch ihre eindrucksvolle Sprache überzeugen. So wird das erste der geistlichen Werke – die Unwissenden lehren – für Fulbert Steffensky zum Anlass für grundlegende Überlegungen zum Thema Mission: „Wer nichts liebt und wem alles gleichgültig ist, der hat nichts zu erzählen und nichts zu lehren. Wem etwas wichtig ist, der will mitteilen, was ihm wichtig ist. Er ist Missionar seiner Überzeugungen. Missionieren heißt nicht, die anderen zur eigenen Überzeugung zu drängen oder gar zu zwingen. Missionieren heißt zeigen, was man liebt, und damit lehren, was man liebt. […] Glauben heißt, den Glauben nicht verbergen. Missionieren heißt Gesicht zeigen. Wir selber gewinnen Gesicht, indem wir Gesicht zeigen.“ (S. 60) 63


Ökumene Bundespräsident Joachim Gauck

Rede am 11. März 2017 in der St. Michaeliskirche zu Hildesheim im Anschluss an den Versöhnungsgottesdienst im Reformationsgedenkjahr

Bundespräsident Gauck in der St. Michaeliskirche in Hildesheim ((C) Steffen Kugler)

Auf mittelalterlichen Bildern von der Geburt Jesu in Bethlehem ist der Heilige Joseph sehr oft nur eine Randfigur – und zwar buchstäblich: Er steht ganz am Rande der Szene, wie unbeteiligt geradezu. Dagegen sind die Hirten, ja sogar Ochs und Esel zentrale Elemente des Geschehens. Sie rahmen aktiv die Geburtsszene ein, während Joseph aus einem gewissen Abstand eher wie ein Zeuge wirkt.

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Ökumene Vielleicht ist das heute Abend hier meine Rolle, die Rolle des Bundespräsidenten. Denn das eigentliche Geschehen ist eine Angelegenheit, die die beiden Kirchen unter sich auszumachen haben. Es sind die Kirchen, nicht der Staat, die hier die aktive Rolle haben, die hier, um im Bilde zu bleiben, eine schwere Geburt vollbracht haben, wobei man, fast wie in Bethlehem, auch von einem Wunder sprechen muss, dass es soweit gekommen ist. Das Wunder ist nicht ganz so groß wie das vor zweitausend Jahren, als der Gottessohn geboren wurde. Aber wer die Geschichte der getrennten Kirchen in den letzten fünfhundert Jahren einigermaßen im Kopf hat, kommt nicht umhin, im heutigen Ereignis zumindest ein Zusammenspiel menschlicher Anstrengung, menschlichen guten Willens auf der einen und gnädiger Hilfe andererseits zu entdecken. Als Staatsoberhaupt bin ich nicht der oberste Ökumenebeauftragte, erst recht kein Ökumenebestimmer. Aber da das Verhältnis der Kirchen untereinander, das für Jahrhunderte vor allem eines gegeneinander war, bei uns in Deutschland direkt und indirekt auch das Zusammenleben in Staat und Gesellschaft zutiefst geprägt hat, kann der Bundespräsident sich nur darüber freuen, wenn er als Zeuge erleben darf, wie Versöhnung, Verständigung und Frieden zwischen den Konfessionen wachsen. Wie haben die Kriege, die aus der Feindschaft der Konfessionen erwuchsen, unser Land verwüstet! Wie hat die Feindschaft derer, die alle an denselben Erlöser glaubten, die Seelen verwüstet. Wieviel Leid ist bis vor wenigen Jahrzehnten in Familien getragen worden, wenn über christliche Konfessionsgrenzen hinweg geliebt wurde und geheiratet werden sollte! Wieviel üble Nachrede und böse Vorurteile, wieviel Gemeinheiten und, ja, wie man heute sagen würde: Hasspredigten hat es in alten Zeiten gegeben! Das kann man zwar 65


Ökumene heute nicht mehr verstehen, aber nur, wenn man sich daran erinnert, kann man ermessen, welch weiten Weg die Kirchen in unserem Land aufeinander zugegangen sind. Und umso größer wird der Dank dafür sein. Der Prozess, der zu dem heutigen Ereignis geführt hat, hat eines deutlich gezeigt. Versöhnung meint nicht die Wiederherstellung irgendeines vermeintlichen Urzustandes. Wir haben vielmehr gesehen: Es gibt kein zurück. Versöhnung gibt es nur mit dem Blick nach vorne, ohne das Vergangene zu vergessen, aber auch ohne das Vergangene übermächtig bestimmend sein zu lassen. Wenn wir den Weg der Versöhnung gehen, dann bedeutet das: Wir sind keine Gefangenen der Geschichte, sondern wir sind – belehrt durch frühere Fehler wie durch früher schon Gelungenes – unterwegs in eine gute Zukunft. Wenn ich jetzt also ganz kurz meine Zeugenrolle verlassen und als evangelischer Christ sprechen darf, dann möchte ich sagen: Trotz all dem, was schon erreicht ist, gerade mit dem heutigen Tag, das eigentliche ökumenische Wagnis echter Gemeinsamkeit steht den Kirchen noch bevor. Ich bin der Überzeugung, dass dieses Wagnis eingegangen werden muss. Eine Zukunft wird das Christentum in unserem Land am ehesten als ökumenisches haben – in welcher Gestalt und mit welchen Profilen auch immer es sich zeigen wird. Von hier und heute geht ein sehr hoffnungsvolles Signal aus. Aber von hier und heute geht auch die Botschaft aus, dass weitere Schritte zu wagen sind.

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Ökumene

Eine besondere Ökumene – Der Gekreuzigte in der Mitte der Kirche in St. Michael/München und in der Christuskirche/Rom Am Pfingstmontag war ich in diesem Jahr eingeladen, in der Jesuitenkirche St. Michael in München zu predigen. Eine besonders schöne ökumenische Erfahrung in einer wunderschöne Kirche, in der Nähe des Marienplatzes gelegen, die an der Schwelle zwischen Renaissance und Barock erbaut wurde. An den Stufen zum Chor von St. Michael, im Zentrum der Kirche, zwischen Christkind an der Eingangswand und dem Bild des Auferstandenen am Hochaltar, steht ein hoch aufragendes Kreuz. Geschaffen hat dieses Meisterwerk Jean de Boulogne, genannt Giambologna (15291608), ein flämischer Künstler, der seit 1561 im Dienst der Medici stand. Von diesen erhielt Herzog Wilhelm V. von Bayern das Werk Giambolognas 1594 geschenkt. Der Gekreuzigte gehört in die Mitte der Kirche – die Kunst bringt diese zentrale Botschaft des

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Ökumene Evangeliums sichtbar zum Ausdruck, genauso wie die Grundwahrheit der Ökumene: Je näher wir Jesus Christus kommen, desto näher kommen wir uns als Kirchen.

Diese inhaltliche Nähe wird einem geradezu sinnfällig vor die Augen gestellt, wenn man den Bronzekorpus von Giambologna mit Kreuz und Kruzifix in der Christuskirche in Beziehung setzt:

Pfarrer Dr. Kruse 68


Gemeindeleben

Frauenverein Wir treffen uns mittwochs um 16.30 Uhr – jetzt im Sommer im Garten, bei unsicherem Wetter im Gemeindesaal. Anregende Gespräche und persönlicher Erfahrungsaustausch bei Kaffee und Kuchen, der von den Teilnehmern mitgebracht wird, haben einen wichtigen Stellenwert. So entstehen Freundschaften und gegenseitige Solidarität. Alle sind herzlich willkommen und wir freuen uns über eine rege Teilnahme. Angesichts der Abwesenheiten in der Sommerzeit kann es passieren, dass einzelne Nachmittage nicht stattfinden. Wir werden versuchen, Sie gegebenenfalls zu informieren. Folgende Themen sind vorgesehen: 19. Juli

Kirche im Lauenburgischen. Einblicke in den norddeutschen Pfarralltag (Pfarrer Stephan Rost)

23. Aug.

Kirche in Warburg. Einblicke in den westfälischen Pfarralltag (Pfarrerin Patrizia Müller)

6. Sept.

Luther. Wichtige Stationen seines Lebens (Pfarrer Dr. Kruse)

20. Sept.

Einladung zum Geburtstagskaffee in der Pfarrwohnung

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Informationen

Nachbarschaften Casal Palocco

Die Nachbarschaft trifft sich jeden ersten Montag im Monat. Die Nachbarschaft trifft sich jeden zweiten Montag im Monat. Kontakt über Maria Alberti (Tel.: 06.5041443)

Rom-Süd

Rom-Nord-West

Die Nachbarschaft trifft sich jeden zweiten Donnerstag im Monat. Kontakt über das Gemeindebüro (Tel.: 06.4817519)

Gruppo Italiano

Die Italienische Gruppe trifft sich einmal im Monat. Ansprechpartnerin: Anna Belli (Tel.: 06.7915596)

Gesprächskreis junger Erwachsener

Ansprechpartner: 52 Pfarrer Dr. Jens-Martin Kruse (Tel.: 06.4817519)

Amtshandlungen Taufen

Jafar Deghan, 9.4.2017

Konfirmation Nike Varazi, Giulia Fegatelli, Magdalena Flämig, am 4.6.2017 Christina Schneck, Alida Thölken, Leo Timpe, Lavina Seitz, Sabina Seitz Trauerfeier Siv Ingegärd Forsberg, 23.06.2017

Neu in unserer Gemeinde Maurizio Barba

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Informationen

Bankverbindungen Deutsche Bank Pforzheim Banca Popolare di Novara

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Impressum Herausgeber Gemeindevorstand der EvangelischLutherischen Gemeinde Rom Redaktion und Layout Pfarrer Dr. Jens-Martin Kruse Freiwillige Milena Tempel Mitarbeit M. Schulz Erscheinungsweise viermal im Jahr Auflage 400 Exemplare Druckerei www.gemeindebrief-in-farbe.de

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Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Rom Unser Gemeindevorstand Pfarramt Via Toscana 7, 00187 Roma Telefon: 06.4817519 Fax: 06.4817519 E-Mail: roma@chiesaluterana.it Web: www.ev-luth-gemeinde-rom.org Twitter: @RomaLuterani

Astrid Agostini Via Ludovico di Monreale 38, 00152 Roma / 06.45551506

Maria Alberti Via Valentino Mazzola 38/T6 Sc.B int. 19/ 00142 Roma / 06.5041443 Anna Belli Via Gorizia 22, 00043 Ciampino Öffnungszeiten Büro Montag bis Freitag 9:00 bis 13:00 Uhr anna_belli2001@yahoo.it / 06.7915596 Christiane Bremer, stellv. Vorsitzende Via di Santa Chiara 57, 00186 Roma Pfarrer Dr. Jens-Martin Kruse christiane.bremer11@gmail.com / Sekretärin Marion Schulz 06.87786696 Freiwillige Milena Tempel Anna Claudia Teramo Piazza Verbano 8, Sc.2 Int.12, 00199 Roma anna-c-t@libero.it / 06.8555686 Prof. Dr. Wolfram Thomas, Vorsitzender Via Teheran 15, 00135 Roma w.thomas@as-group.it / 06.3296517 Dr. Johannes Timpe Via della Lungara 18, 00165 Roma johannes.timpe@gmail.com/ 06.45492897 Gertrud Wiedmer Via Quinto Novio 43, 00175 Roma gertrud.wiedmer@email.it / 338 4768443

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Wir sind Mitglied der Ev.-Luth. Kirche in Italien (ELKI) www.chiesaluterana.it/de


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