heilkraft natur
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heilkraft Das neue Magazin über Natur, Gesundheit und Bewusstsein
NEU IM HANDEL
Loslassen
natur
Oktober – November 2026 Ausgabe 4/26 Preis 4,95 €
heißt nicht verlieren
Oktober – November 2026
Körpertherapeut Carlos García Rodríguez über die Sprache unseres Körpers im Herbst
Alte Herbstbräuche
& Heilrituale
u entdecken
Die Kraft alter Rituale ne
Das Wunder der Empathie Wie uns Wertschätzung wieder verbindet S. 64
Herbst am Meer Wenn die Küsten still werden und wir wieder durchatmen S. 60
Die stille Sprache der Bäume Was im Herbst verborgen unter unseren Füßen geschieht S. 14
Gesundwohl
NEU
Die Kraft der Natur für Körper, Geist und Seele
Entdecke jetzt die ganze Vielfalt
www.primaveralife.com
Editorial
Herbstwunder
die Kunst des Loslassens
Lisa Gutzelnig Chefredakteurin
Besuchen Sie uns online: @heilkraft_natur_das_magazin heilkraft-natur-magazin.de
Der Herbst kommt mit einer Einladung zu uns. Eine Einladung, langsamer zu werden. Auszuatmen. Innezuhalten. Nicht immer weiter, höher, schneller zu müssen. Vielleicht sogar einmal stehen zu bleiben – und zu erkennen, dass auch in der Pause ein wichtiger Teil unseres Weges liegen kann. Schauen wir auf die Bäume: Im Herbst lassen sie ihre Blätter fallen. Ganz selbstverständlich. Kein Blatt hält sich krampfhaft fest, weil es Angst hat, nicht mehr gebraucht zu werden. Kein Blatt denkt, es hätte versagt, weil es seinen Platz am Baum verlassen muss. Es lässt los. Sanft. Im richtigen Moment gleitet es zu Boden. Und was zunächst wie ein Ende aussieht, wird zum Anfang von etwas Neuem. Das gefallene Blatt wird Teil des Bodens, nährt die Erde und kann im Frühjahr wieder zu wertvollem Dünger werden. Denn Loslassen bedeutet nicht verlieren. Und schon gar nicht bedeutet es versagen. Loslassen kann bedeuten, dass wir erkennen: Das passt nicht mehr zu mir. Eine Beziehung, eine Vorstellung, eine Gewohnheit, eine Aufgabe, ein Job oder vielleicht sogar ein Bild davon, wie unser Leben eigentlich
aussehen sollte. Etwas gehen zu lassen, das uns nicht mehr trägt, ist so gesehen also keine Schwäche. Es ist Ausdruck von Selbstliebe. In unserem Interview mit dem Körpertherapeuten Carlos García Rodríguez widmen wir uns genau diesem Thema. Was geschieht in unserem Körper, wenn wir festhalten? Und was kann entstehen, wenn wir beginnen, loszulassen? Manchmal beginnt Veränderung eben nicht damit, dass wir noch mehr tun – sondern damit, dass wir aufhören, gegen etwas anzukämpfen. Der Herbst erinnert uns daran, dass wir nicht zu jeder Zeit blühen müssen. Es darf Phasen geben, in denen wir uns zurückziehen. In denen wir Pause machen. In denen scheinbar nichts vorangeht. Auch das gehört zum Leben. Vielleicht ist genau darin eines der größten Herbstwunder verborgen: Nicht immer weitergehen zu müssen. Nicht alles festhalten zu müssen. Nicht alles verstehen zu müssen. Sondern darauf zu vertrauen, dass auch das Loslassen seinen Sinn hat. So wie der Baum seine Blätter loslässt und dabei nicht weniger wird, dürfen auch wir Menschen, Dinge, Beziehungen oder berufliche Konstellationen gehen lassen, ohne weniger zu sein. Manchmal fällt ein Blatt. Und manchmal beginnt genau dort etwas wunderbar Neues.
Herzlichst Lisa Gutzelnig l.gutzelnig@cda-verlag.com
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Themenübersicht
Inhalt OKTOBER – NOVEMBER 2026
Natur & Wissen 06
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WUNDER IM HERBST Vom Staunen, den Rätseln der Wissenschaft und den Geheimnissen unserer Selbstheilungskräfte
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Naturkosmetik 18
HERBST – DIE KUNST DES EMPFANGENS Über Ernte, Dankbarkeit und die Kraft des Loslassens
DIE STILLE SPRACHE DER BÄUME Was im Herbst unter unseren Füßen passiert
HERBSTMELANCHOLIE ODER COZY SEASON? Warum der Herbst für unsere Seele so wertvoll ist
VOM LAUBHAUFEN ZUM LEBENSRAUM Warum Blätter Leben retten können
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IMPULSE AUS DER NATUR Aktuelle Meldungen und spannende Entdeckungen aus der Welt der Natur
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Körper & Seele
WAS IST EIGENTLICH LONGEVITY? Longevity-/Mitochondrien-Experte Johannes Weiss über die Zukunft des menschlichen Alterns
HERBST AUF DER HAUT Warum die Natur jetzt die beste Kosmetikerin ist
Treffpunkt Natur
14 Wenn der Wald zur Ruhe kommt und unter der Erde das Leben weitergeht
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INTERVIEW MIT CARLOS GARCÍA RODRÍGUEZ Wie wir lernen können unserem Körper wieder zuzuhören
Heilsame Rituale 42
ALTES LOSLASSEN, NEUE KRAFT SCHÖPFEN Energetische Rituale für den Herbst
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ALTE HERBSTBRÄUCHE UND HEILRITUALE Wenn alte Rituale wieder lebendig werden
Themenübersicht
22 Bild: Annamaria Zinnau, Envato
Warum der Herbst manchen Geborgenheit schenkt und für andere zur emotionalen Herausforderung wird
Naturapotheke 52
WARUM WASSER UNS GUTTUT
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Die heilende Kraft des Wassers für Körper und Seele
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THYMIAN, VIEL MEHR ALS EIN KÜCHENKRAUT Wie die mediterrane Heilpflanze Atemwege, Haut, Verdauung und Wohlbefinden unterstützt
Heilsames Reisen 60
Was unser Essen mit Stimmung, Schlafrhythmus und seelischem Wohlbefinden zu tun hat
Koch dich gesund 74
WIE STÄRKEN UNS BRAINUND SOULFOOD? Prof. Priv. Doz. DDr. Sabrina Leal Garcia erklärt, wie nährstoffreiches Essen auf unsere Psyche wirkt
HERBST AM MEER Wenn die Küste zur Ruhe kommt
Gut leben Gesellschaft 64
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EINFACH MAL LANGSAMER 7 kleine Wege zu mehr Entschleunigung im Herbst
DAS WUNDER DER EMPATHIE Wie uns echte Wertschätzung wieder verbinden kann
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DIGITALE RESILIENZ Wie wir mit schlechten Nachrichten umgehen und in der Natur wieder zur Ruhe finden
64 Warum echtes Mitgefühl bei uns selbst beginnt und Beziehungen heilen kann
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Natur & Wissen
Impulse aus der Natur Text: Lisa Gutzelnig, Harald Gutzelnig
Wo Natur geschützt wird, wächst Hoffnung. Hier finden Sie die schönsten und wichtigsten Nachrichten aus Natur-, Arten- und Umweltschutz.
Phoenix Species Project: 200 Millionen Dollar für 100 bedrohte Arten Mit dem Phoenix Species Project startet die bislang größte philanthropische Initiative zur Rettung akut vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Insgesamt stehen 200 Millionen US-Dollar zur Verfügung, um den Schutz von 100 besonders gefährdeten Arten in 30 Ländern langfristig zu sichern. 100 Millionen US-Dollar stammen von Re:wild, das von Leonardo DiCaprio mitgegründet wurde, weitere 100 Millionen vom Bezos Earth Fund. Unterstützt wird das Projekt außerdem von Leonardo DiCaprio, Age of Union und der Todd Graves Family Foundation. Im Mittelpunkt stehen nicht nur finanzielle Mittel, sondern vor allem die Förderung lokaler Naturschutzteams, die über das notwendige Wissen und die Erfahrung verfügen, um den Erhalt der Arten erfolgreich umzusetzen. Geschützt werden Säugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien, Fische, wirbellose Tiere und Pflanzen in unterschiedlichsten Lebensräumen – von tropischen Regenwäldern bis zu Meeresökosystemen. Das Projekt setzt damit ein starkes Zeichen für den globalen Artenschutz und zeigt, dass internationale Zusammenarbeit entscheidend ist, um die biologische Vielfalt unseres Planeten für kommende Generationen zu bewahren. phoenixspeciesproject.org
Die Rückkehr des Glücksboten: Weißstörche auf Rekordkurs Der Weißstorch schreibt eine beeindruckende Erfolgsgeschichte: In Deutschland rechnet der NABU in diesem Jahr erstmals mit mehr als 15.000 Brutpaaren – so vielen wie seit Beginn der systematischen Bestandserfassung noch nie. Damit leben heute sogar mehr Weißstörche in Deutschland als vor rund 100 Jahren. Noch in den 1980er-Jahren war die Art stark bedroht, vielerorts verschwunden und der Bestand auf weniger als 3.000 Brutpaare gesunken. Dank gezielter Naturschutzmaßnahmen wie der Wiedervernässung von Feuchtgebieten und einer naturverträglicheren Grünlandbewirtschaftung sowie dank der hohen Anpassungsfähigkeit der Tiere hat sich der Bestand eindrucksvoll erholt. Auch das veränderte Zugverhalten trägt dazu bei: Viele Weißstörche überwintern inzwischen in Spanien statt den weiten Weg bis nach Afrika auf sich zu nehmen. Auch in Österreich entwickelt sich der Bestand erfreulich: 2025 wurden landesweit 600 Brutpaare gezählt. bit.ly/hn-weißstorch Bilder: Envato
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Natur & Wissen
Neue Hoffnung für Europas seltensten Braunbären Für den Marsischen Braunbären, eine der seltensten BraunbärenUnterarten Europas, gibt es erfreuliche Nachrichten: Eine umfassende Bestandserhebung in den italienischen Zentralapenninen schätzt die Population inzwischen auf rund 81 Tiere. Damit zeigt sich, dass sich der Bestand nicht nur stabilisiert hat, sondern sich langsam auch über sein bisheriges Kerngebiet hinaus ausbreitet. Naturschutzprojekte wie LIFE Bear-Smart Corridors schaffen dafür sichere Wanderkorridore und fördern das konfliktarme Zusammenleben von Mensch und Bär – etwa durch bärensichere Mülltonnen, Elektrozäune und die Wiederherstellung natürlicher Lebensräume. Braunbären sind große Wildtiere und verdienen Respekt. Gefährlich können sie vor allem dann werden, wenn sie überrascht werden, eine Bärin ihre Jungen verteidigt oder Tiere an menschliche Nahrung gewöhnt sind. Dennoch meiden Braunbären Menschen in der Regel, und Angriffe sind in Europa äußerst selten. In Ländern wie Slowenien, Rumänien, Finnland und Schweden leben seit Jahrzehnten stabile Braunbärenpopulationen. Zahlreiche Menschen verbringen dort jedes Jahr Zeit in der Natur, ohne jemals einem Bären zu begegnen. bit.ly/hn-braunbaer
Waldbrände in Europa: Die Natur sendet ein deutliches Signal Die verheerenden Waldbrände in Südeuropa machen deutlich, dass die Folgen der Klimakrise längst Realität sind. Besonders betroffen waren in diesem Sommer Regionen in Frankreich, Spanien, Griechenland und Portugal, wo extreme Hitze, anhaltende Trockenheit und starke Winde verheerende Brände begünstigten. Auch in Teilen Italiens und des westlichen Balkans stieg das Waldbrandrisiko deutlich an. Ein Bündnis aus Naturschutz- und Sozialverbänden sowie Gewerkschaften, darunter der NABU, fordert deshalb ein entschlosseneres Handeln bei der Klimaanpassung und die Einberufung eines nationalen Hitzegipfels. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen zum besseren Schutz vor Hitzewellen sowie ein nachhaltiger Umgang mit der lebenswichtigen Ressource Wasser. Naturnahe Wälder, Moore und Auen spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und helfen, die Auswirkungen von Trockenheit und Extremwetter abzumildern. Regenwasser sollte künftig stärker in der Landschaft gehalten werden, anstatt es schnell abzuleiten. Die aktuellen Waldbrände machen eindringlich deutlich, wie wichtig der Schutz und die Wiederherstellung intakter Ökosysteme für eine klimaresiliente Zukunft sind. Gesunde Wälder sind weit mehr als nur Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten: Sie binden Kohlendioxid und tragen entscheidend dazu bei, die Folgen der Klimakrise abzumildern. bit.ly/hn-waldbrand
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Natur & Wissen
Vom Tagebau zur Naturoase: Wie eine alte Mine wieder lebendig wird Wo früher Zinn, Wolfram und Sand abgebaut wurden, kehrt heute die Natur zurück. Im portugiesischen Côa-Tal entwickelt sich das ehemalige Minengelände Paul de Toirões zu einem außergewöhnlichen Feuchtgebiet. Auf rund 300 Hektar sind aus alten Abbaugruben Seen, Teiche und saisonal überflutete Flächen entstanden. Seit Ende 2022 unterstützt Rewilding Portugal diese natürliche Entwicklung gezielt: Entwässerungsgräben wurden geschlossen, Ufer abgeflacht und gebietsfremde Zypressen entfernt, damit heimische Eichen und andere Pflanzen wieder Fuß fassen können. Die Erfolge sind bereits sichtbar. Fischotter nutzen die neuen Gewässer, Amphibien besiedeln die Teiche, und zahlreiche Vogelarten finden wieder Nahrung und Brutplätze. Untersuchungen aus den Jahren 2023 und 2024 erfassten 94 Arten von Wasserpflanzen; Umwelt-DNAAnalysen weisen sogar auf mehr als 200 Arten im Gebiet hin. Paul de Toirões zeigt eindrucksvoll, wie aus einer von Menschen stark veränderten Landschaft wieder ein wertvoller Lebensraum entstehen kann – wenn die Natur genügend Raum und etwas Unterstützung erhält.
Durch die Renaturierung hat sich Paul de Toirões zu einer immer lebendigeren, artenreichen Oase entwickelt.
bit.ly/hn-mine
Drei Länder, ein Naturerbe: Neuer Schulterschluss fürs Wattenmeer
Das Wattenmeer ist einer der wichtigsten Rastund Nahrungsplätze für Zugvögel weltweit. Deutschland, Dänemark und die Niederlande wollen seinen grenzüberschreitenden Schutz weiter stärken.
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Das Wattenmeer gehört zu den außergewöhnlichsten Naturlandschaften Europas. Mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten leben in dem riesigen Geflecht aus Wattflächen, Prielen, Sandbänken und Salzwiesen. Für Millionen Zugvögel ist es ein unverzichtbarer Rast- und Nahrungsplatz. Deutschland, Dänemark und die Niederlande haben nun bei der 15. Trilateralen Wattenmeerkonferenz 2026 in Esbjerg erneut bekräftigt, dieses einzigartige Weltnaturerbe gemeinsam zu schützen und seine natürliche Dynamik zu erhalten. Der Handlungsdruck ist groß. Klimawandel und Meeresspiegelanstieg, Fischerei, Schiffsverkehr, Nährstoffeinträge sowie neue Leitungen und OffshoreInfrastruktur belasten das sensible Ökosystem. Der NABU begrüßt deshalb den grenzüberschreitenden Schulterschluss, fordert aber konkrete Schritte: größere nutzungsfreie Kernzonen, den Schutz von Wanderkorridoren sowie die Wiederherstellung von Seegraswiesen und Salzwiesen. Gerade diese Lebensräume sind nicht nur Hotspots der Artenvielfalt, sondern speichern Kohlenstoff und leisten einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Küstenschutz. bit.ly/hn-wattenmeer
Bild: Envato
Natur & Wissen
Freie Bahn für Europas Flüsse: Europas Flüsse werden wieder durchlässiger. Im Jahr 2025 wurden in 21 europäischen Ländern mindestens 603 Wehre, Dämme, Durchlässe und andere Barrieren entfernt – ein neuer Rekord und elf Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Angaben von Dam Removal Europe konnten dadurch mehr als 3.740 Kilometer Flussläufe wieder miteinander verbunden werden. Schweden lag bei der Zahl der Rückbauten an der Spitze, gefolgt von Finnland und Spanien. Island und Nordmazedonien entfernten erstmals überhaupt Flussbarrieren. Viele dieser Bauwerke haben längst keine Funktion mehr, unterbrechen aber weiterhin natürliche Flussläufe und Wanderwege von Fischen und anderen Wasserorganismen. Werden sie entfernt, können sich Sedimente wieder natürlicher bewegen, Fische ihre Laichplätze erreichen und Flusslebensräume miteinander verbunden werden. Der neue Rekord zeigt, dass die Wiederherstellung frei fließender Flüsse in Europa zunehmend an Bedeutung gewinnt. Gleichzeitig gibt es noch viel zu tun: Mehr als 150.000 veraltete Barrieren zerschneiden weiterhin Europas Fließgewässer. bit.ly/hn-fluesse
Der alte Damm mit Durchlass, Brücke und Staubecken vor dem Rückbau.
Bilder: Jönköpings Fiskeribiologi AB
Bild: Marcus Westberg / Rewilding Europe
Rekord bei entfernten Barrieren
Nach der Renaturierung: Der fertiggestellte Flussabschnitt am Älgån.
Früh erkannt, schnell gestoppt: Europas Kampf gegen invasive Arten Löwenfische in der Adria, Amerikanische Ochsenfrösche in belgischen Feuchtgebieten oder Waschbären an der österreichischtschechischen Grenze: Invasive Arten breiten sich auch in Europa weiter aus und können heimische Ökosysteme empfindlich stören. Nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN verursachen sie allein in Europa jährlich Schäden und Folgekosten von geschätzt 28 Milliarden US-Dollar. Entscheidend ist deshalb, neue Eindringlinge möglichst früh zu erkennen – bevor sie sich dauerhaft etablieren. Genau hier setzt ein neuer europäischer Schnellreaktionsfonds an. Die ersten 20 Projekte in neun Ländern versuchen invasive ArBild: Danijel Kanski ten zu stoppen, solange ihre Bestände noch klein sind. In Kroatien entfernen Taucher Löwenfische aus wertvollen Meeresschutzgebieten, in Belgien werden Ochsenfrösche mit Umwelt-DNA aufgespürt, und an der Grenze zwischen Österreich und Tschechien sollen Waschbären aus zwei Schutzgebieten entfernt werden, in denen unter anderem bodenbrütende Vögel und Wildkatzen vorkommen. Auch invasive Pflanzen werden bekämpft – etwa Japanischer Staudenknöterich im österreichischen Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal. Die Botschaft der IUCN: Wer früh reagiert, kann eine biologische Invasion oft noch verhindern. bit.ly/hn-loewenfisch
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Vom Laubhaufen zum Lebensraum Warum Blätter Leben retten können
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Text: Lisa Gutzelnig
enn im Herbst die ersten Blätter von den Bäumen fallen, beginnt für viele Menschen die Zeit des Rechens, Zusammenkehrens und Entsorgens. Kaum liegt das bunte Laub auf Wegen und Rasenflächen, wird es in Säcke gefüllt oder mit dem Laubbläser beseitigt. Ein gepflegter Garten vermittelt Ordnung und gibt vielen Menschen ein gutes Gefühl, doch aus Sicht der Natur verschwindet damit ein wertvoller Lebensraum.
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Was für uns wie Gartenabfall aussieht, ist in Wahrheit eine schützende Decke, eine Vorratskammer und ein Zuhause für unzählige Lebewesen. Ein Laubhaufen ist weit mehr als eine Ansammlung welker Blätter. Er ist ein kleines Ökosystem, das den Winter über Leben bewahrt und im Frühjahr die Grundlage für neues Wachstum schafft.
Die Bettdecke der Natur Stellen wir uns vor, wir müssten eine kalte Winternacht ohne Decke im Freien verbringen. Unser Körper würde rasch auskühlen,
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und wir hätten kaum eine Chance, die Nacht unbeschadet zu überstehen. Genau diese schützende Funktion übernimmt eine Laubschicht für den Waldboden und viele seiner Bewohner. Die Blätter wirken wie eine natürliche Isolierung. Sie halten die Wärme im Boden, schützen vor Frost und verhindern, dass starke Temperaturschwankungen empfindliche Wurzeln oder Bodenorganismen schädigen. Gleichzeitig speichern sie Feuchtigkeit und bewahren den Boden davor, durch Wind und Sonne auszutrocknen. Unter dieser schützenden Decke entsteht selbst bei eisigen Außentemperaturen ein erstaunlich stabiles Mikroklima. Für zahlreiche Tiere ist ein Laubhaufen daher im Winter überlebenswichtig.
Hotel mit unzähligen Zimmern Ein Laubhaufen ähnelt einem großen Hotel, in dem jedes Stockwerk von anderen Gästen bewohnt wird. Zwischen den trockenen Blättern finden Igel, Spitzmäuse, Kröten und Salamander geschützte Winterquartiere. Käfer, Asseln, Tausendfüßer und Spinnen verstecken sich in den Zwischenräumen, während Regenwürmer und Mikroorganismen im feuchten Boden darunter ihrer wichtigen Arbeit nachgehen. Anders als in einem Hotel wird hier allerdings nicht nur übernachtet. Viele der kleinen Bewohner tragen gleichzeitig dazu bei, dass aus den abgestorbenen Blättern wieder fruchtbare Erde entsteht. Jeder Organismus übernimmt dabei eine eigene Aufgabe – ähnlich wie in einer gut funktionierenden Ge-
Der Igel
Die Spitzmaus
Geschützt durch den Winter
Flinke Jägerin im Laub
Für Igel sind ruhige Laub- und Reisighaufen besonders wertvoll. In einem gut geschützten Versteck bauen sie ihr Winternest und verbringen dort, abgeschirmt von Kälte und Wind, ihren Winterschlaf.
Spitzmäuse sind auch in der kalten Jahreszeit auf Nahrungssuche. Unter der Laubdecke finden sie Schutz und zugleich zahlreiche kleine Beutetiere wie Insekten, Larven und Würmer.
Die Kröte
Der Salamander
Ein feuchtes Versteck
Schutz vor Trockenheit
Kröten bevorzugen kühle, feuchte und frostgeschützte Rückzugsorte. Unter dichtem Laub, zwischen Wurzeln oder unter Ästen können sie die kalte Jahreszeit weitgehend ungestört verbringen.
Salamander sind auf feuchte Lebensräume angewiesen. Eine dicke Laubschicht bewahrt die Feuchtigkeit im Boden und bietet ihnen geschützte Verstecke zwischen Blättern, Totholz und Steinen.
Der Käfer
Die Assel
Kleiner Helfer im Verborgenen
Recyclingprofi mit Panzer
Viele Käfer und ihre Larven nutzen die Laubschicht als Versteck und Winterquartier. Einige von ihnen ernähren sich von anderen Kleintieren und tragen damit zum natürlichen Gleichgewicht im Garten bei.
Asseln zerkleinern abgestorbene Pflanzenteile und machen sie leichter verwertbar. Damit gehören sie zu den fleißigen Helfern, die aus altem Laub nach und nach wertvollen Humus entstehen lassen.
Die Spinne
Der Tausendfüßer
Jägerin zwischen den Blättern
Spezialist für Pflanzenreste
Zwischen Blättern und kleinen Ästen finden Spinnen geschützte Rückzugsorte und reichlich Beute. Als Jägerinnen halten sie die Bestände vieler kleiner Insekten und anderer Gliederfüßer in Balance.
Tausendfüßer fühlen sich in der Laubschicht besonders wohl. Sie ernähren sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Zersetzung und Humusbildung.
Bilder: Envato, mit KI generiert
Leben unter dem Blätterdach
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meinschaft, deren unterschiedliche Mitglieder zusammenwirken und so den natürlichen Kreislauf erhalten.
Die unsichtbaren Helden
Baumeister des Bodens Regenwürmer ziehen abgestorbene Blätter in ihre Gänge und helfen dabei, organisches Material zu zersetzen. Gleichzeitig lockern und durchmischen sie den Boden. So entstehen bessere Bedingungen für Pflanzenwurzeln und wertvoller Humus.
Ein einziges Blatt mag unbedeutend wirken – gemeinsam werden viele Blätter zum Lebensraum.
Besonders faszinierend ist das Leben, das wir mit bloßem Auge kaum wahrnehmen. Pilze und Bakterien beginnen bereits kurz nach dem Blattfall damit, die Blätter langsam zu zersetzen. Später übernehmen Springschwänze, Milben, Asseln und Regenwürmer den weiteren Abbau. Was für uns wie Verfall aussieht, ist in Wirklichkeit ein fein abgestimmter Recyclingprozess. Die Nährstoffe, die nach dem Blattfall noch in den Blättern enthalten sind, gelangen nun nach und nach wieder in den Boden. Dort stehen sie im nächsten Frühjahr Pflanzen und Bäumen erneut zur Verfügung. Während wir Menschen oft Produkte herstellen, benutzen und anschließend entsorgen, arbeitet der Wald seit Millionen von Jahren nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Aus jedem Blatt entsteht neues Leben. Unter einer schützenden Laubschicht bleibt der Boden locker und feucht, während sich nach und nach Humus bildet. Er kann Wasser besser speichern und
Weniger Ordnung, mehr Leben Laub, Totholz und verwilderte Bereiche sind für viele Gartenbewohner wichtige Rückzugsorte. Sie bieten Schutz, Nahrung und sichere Plätze zum Überwintern. Wer nicht jede Ecke aufräumt, unterstützt damit ganz nebenbei die Artenvielfalt im eigenen Garten.
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Natur & Wissen
Warum der perfekte Garten oft der ärmere Garten ist Viele Gärten werden heute bis in den letzten Winkel aufgeräumt. Laub verschwindet, Totholz wird entsorgt und jede Ecke wirkt makellos. Was für uns ordentlich aussieht, bedeutet für viele Tiere den Verlust ihres Zuhauses. Igel, Insekten, Vögel und viele andere Gartenbewohner finden immer seltener geschützte Orte zum Verstecken, Überwintern oder Nisten. Mit jeder beseitigten natürlichen Ecke geht ein kleines Stück Lebensraum verloren. Igel finden weniger geschützte Schlafplätze, Insekten verlieren ihre Winterquartiere und Amphibien ihre feuchten Verstecke. Selbst zahlreiche Vogelarten finden im Frühjahr weniger Nahrung, weil deutlich weniger Insekten überlebt haben. Ein einzelner Laubhaufen mag klein erscheinen. Doch für die Tiere, die darin leben, kann er den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.
Kleine Geste – große Wirkung Niemand muss seinen gesamten Garten sich selbst überlassen. Oft genügt bereits eine ruhige Ecke, in der das Herbstlaub liegen bleiben darf. Unter Sträuchern, Hecken oder Bäumen entsteht daraus ganz von allein ein wertvoller Lebensraum. Wer zusätzlich einige Äste oder kleine Zweige darüberlegt, schafft einen noch besseren Schutz vor Wind und Fressfeinden. Was für uns nur wenige Minuten Arbeit bedeutet, schenkt unzähligen Tieren einen sicheren Winter. Im Wald käme niemand auf die Idee, jedes Blatt einzeln zu entfernen. Dort bleibt das Laub liegen, schützt den Boden, ernährt Pilze, versorgt Mikroorganismen und wird schließlich zu fruchtbarem Humus. Genau dieser natürliche Kreislauf macht den Wald so widerstandsfähig und lebendig. Vielleicht können wir uns daran ein Beispiel nehmen. Nicht alles muss immer perfekt aufgeräumt sein. Manchmal entsteht gerade dort die größte Vielfalt, wo wir der Natur ein wenig Raum lassen.
So wird der Laubhaufen zum Winterquartier Ruhigen Platz wählen Am besten liegt der Laubhaufen unter einer Hecke, einem Strauch oder in einer wenig genutzten Gartenecke. Nicht zu klein anlegen Eine etwas dickere Laubschicht schützt besser vor Kälte und trocknet weniger schnell aus. Äste darüberlegen Einige Zweige oder Äste verhindern, dass der Wind das Laub verweht, und schaffen zusätzliche Verstecke.
Bilder: Envato
ist widerstandsfähiger gegenüber Trockenperioden.
Bis zum Frühjahr warten Den Haufen im Winter möglichst nicht umsetzen oder durchsuchen – darin könnten Igel, Amphibien oder Insekten überwintern. Auf Laubsauger verzichten Sie entfernen nicht nur Blätter, sondern können auch kleine Tiere und Insekten erfassen.
Fazit Ein Laubhaufen ist viel mehr als eine Ansammlung abgestorbener Blätter. Er ist Winterdecke, Speisekammer, Kinderstube und Schutzraum zugleich. Er verbindet Pflanzen, Tiere, Pilze und Bodenlebewesen zu einem faszinierenden Netzwerk, das Jahr für Jahr neues Leben hervorbringt. Wenn wir das nächste Mal durch einen bunt gefärbten Herbstgarten gehen, lohnt es sich, die Blätter mit anderen Augen zu betrachten. Was wie das Ende eines Sommers aussieht, ist in Wirklichkeit der Beginn eines neuen Lebenszyklus. Jeder liegen gelassene Laubhaufen ist ein kleines Versprechen an die Natur und ein stiller Beitrag dazu, dass Leben erhalten bleibt.
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Die stille Sprache der Bäume Was im Herbst unter unseren Füßen passiert
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Text: Lisa Gutzelnig
it den kürzer werdenden Tagen und den sinkenden Temperaturen beginnt für die Bäume eine der wichtigsten Phasen ihres Jahreszyklus: die Vorbereitung auf den Winter. Dabei reagieren sie vor allem auf die abnehmende Tageslänge, die ein verlässlicheres Signal darstellt als schwankende Temperaturen. In ihren Blättern werden hormonelle Prozesse in Gang gesetzt, die das Wachstum beenden und den Übergang in die Winterruhe einleiten. Wertvolle Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und andere Mineralstoffe werden aus den Blättern zurück in
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Stamm, Äste und Wurzeln transportiert, wo sie bis zum nächsten Frühjahr gespeichert bleiben. Gleichzeitig wird die Produktion des grünen Blattfarbstoffs Chlorophyll eingestellt. Erst dadurch treten die gelben, orangefarbenen und roten Pigmente sichtbar hervor, die den Wald im Herbst in ein beeindruckendes Farbenmeer verwandeln. Schließlich bildet sich am Blattstiel eine feine Trennschicht aus spezialisierten Zellen. Sie unterbricht die Verbindung zwischen Blatt und Zweig, sodass das Blatt bei Wind oder Regen leicht abfallen kann. Mit dem Blattfall verringert der Baum seinen Wasserverlust und reduziert zugleich die Gefahr von Schäden durch Frost, Schnee und Eis. Da alle
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Bäume einer Region denselben Wechsel der Tageslänge wahrnehmen, laufen diese Prozesse oft nahezu gleichzeitig ab. So entsteht der Eindruck, als würden sich die Bäume untereinander auf den Winter vorbereiten. Tatsächlich folgen sie jedoch einem gemeinsamen natürlichen Taktgeber – dem Rhythmus des Lichts – der den gesamten Wald Jahr für Jahr in die Winterruhe begleitet. Über Wurzeln und sogenannte MykorrhizaPilze – ein weit verzweigtes Geflecht im Boden – sind viele Bäume miteinander verbunden. Forschende konnten zeigen, dass über diese Netzwerke Wasser, Kohlenstoff und Nährstoffe zwischen Pflanzen transportiert werden können. Unter welchen Bedingungen dabei tatsächlich gezielt „Informationen“ ausgetauscht werden, wird jedoch weiterhin erforscht. Deshalb sprechen Wissenschaftler heute eher von Signal- und Stoffaustausch als von einer Kommunikation im menschlichen Sinn.
Chlorophyll ist der grüne Farbstoff in den Blättern. Er fängt Sonnenlicht ein und ermöglicht dem Baum, durch Photosynthese Zucker und damit Energie zu erzeugen.
Mykorrhiza bezeichnet die enge Lebensgemeinschaft zwischen Pilzen und Pflanzenwurzeln. Die feinen Pilzfäden helfen dem Baum, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Im Gegenzug versorgt der Baum den Pilz mit energiereichen Zuckerstoffen.
Bilder: Shutterstock.com
Weniger Blätter – andere Signale Im Sommer senden Blätter zahlreiche flüchtige Duftstoffe aus. Werden sie beispielsweise von Insekten angegriffen, können benachbarte Pflanzen diese chemischen Signale wahrnehmen und ihre Abwehr verstärken. Im Herbst, wenn die Blätter altern und schließlich abfallen, nimmt diese Form der Kommunikation ab. Gleichzeitig bleibt das unterirdische Zusammenspiel von Wurzeln und Pilzen aktiv. Mit dem Herbst beginnt für die Bäume eine Zeit des Rückzugs. Während die Blätter ihre Aufgabe als „Sonnenkollektoren“ nach und nach einstellen, sich verfärben und schließlich zu Boden fallen, rücken die Vorgänge im Untergrund stärker in den Blick. Im Wurzelbereich setzt sich dieses verborgene Zusammenspiel fort. Über dieses natürliche Geflecht werden Wasser, Nährstoffe und biochemische Signale ausgetauscht. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Bäume auf diese Weise ihren Stoffwechsel auf den Winter abstimmen, Ressourcen gezielt verteilen und sogar benachbarte Bäume unterstützen können. Gerade im Herbst, wenn das oberirdische Leben zur Ruhe kommt, zeigt sich, wie aktiv und lebendig das verborgene Netzwerk unter
unseren Füßen ist. Die eigentliche Sprache des Waldes ist in dieser Jahreszeit kaum in den Baumkronen zu finden. Sie entfaltet sich leise und unsichtbar im Boden, wo Wurzeln und Pilze seit Millionen von Jahren in enger Gemeinschaft miteinander wirken.
Wie Bäume den Herbst erkennen Bäume reagieren auf ein Zusammenspiel mehrerer Signale. Eine wichtige Rolle spielen die kürzer werdenden Tage, daneben beeinflussen jedoch auch Temperatur, Wasserversorgung und artspezifische Eigenschaften den Beginn der Blattalterung. So verändert sich das Erscheinungsbild des Waldes innerhalb weniger Wochen oft erstaunlich schnell. Bäume orientieren sich im Herbst vor allem an der Tageslänge. Mit den kürzer werdenden Tagen registrieren sie über lichtempfindliche Pigmente in ihren Blättern die Veränderungen des Jahresverlaufs. Diese Signale setzen eine komplexe Kette hormoneller Prozesse in Gang, die den Übergang in die Winterruhe einleiten. Da die Bäume einer Region ähnlichen Lichtund Witterungsbedingungen ausgesetzt sind,
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Das Geheimnis der Herbstfarben Wenn im Herbst das grüne Chlorophyll abgebaut wird, treten die gelben, orangefarbenen und roten Blattpigmente hervor.
diesem Austausch profitieren. Über die feinen Pilzfäden werden Stoffe transportiert und möglicherweise auch biochemische Signale weitergegeben, die den Bäumen helfen, auf Umweltveränderungen zu reagieren. Wie häufig dieser Stoffaustausch in natürlichen Wäldern tatsächlich stattfindet und welche ökologische Bedeutung er hat, wird derzeit intensiv erforscht. Während einige Wissenschaftler darin einen wichtigen Mechanismus der gegenseitigen Unterstützung sehen, weisen andere darauf hin, dass viele Details noch nicht eindeutig geklärt sind. Ein Wald bildet eine komplexe Lebensgemeinschaft, in der Bäume, Pilze, Bodenorganismen und unzählige weitere Lebewesen in vielfältigen Wechselbeziehungen stehen.
Fazit: Stärke durch Verbundenheit setzen diese Prozesse bei vielen von ihnen in einem vergleichbaren Zeitraum ein. Zeitpunkt und Verlauf unterscheiden sich jedoch je nach Baumart, Standort und Witterung. Dadurch entsteht der Eindruck, als würden sich die Bäume untereinander abstimmen oder miteinander kommunizieren. Tatsächlich benötigen sie dafür jedoch keine direkte „Verabredung“: Tageslänge, Temperatur und weitere Umweltbedingungen wirken als gemeinsame Taktgeber. Das abnehmende Tageslicht wirkt wie ein präziser Kalender, auf den jede Baumart mit ihren genetisch festgelegten Anpassungsmechanismen reagiert. So verwandelt sich der Wald innerhalb weniger Wochen in ein harmonisches Farbenspiel und bereitet sich auf die kalte Jahreszeit vor.
Eine spannende Erkenntnis In den vergangenen Jahren hat die Forschung faszinierende Einblicke in das verborgene Leben der Wälder gewonnen. Einige wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass große, ältere Bäume über unterirdische Pilznetzwerke junge Sämlinge mit Kohlenstoff, Wasser oder Nährstoffen unterstützen können. Besonders Jungpflanzen, die im Schatten großer Bäume wachsen und daher weniger Sonnenlicht für die Photosynthese erhalten, könnten von
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Der Herbst zeigt eindrucksvoll, dass im Wald weit mehr geschieht, als es auf den ersten Blick scheint. Während die Baumkronen in leuchtenden Farben erstrahlen und schließlich ihre Blätter verlieren, laufen im Verborgenen hochkomplexe Prozesse ab. Die Bäume bereiten sich auf die kalte Jahreszeit vor, speichern wert-
„Die eigentliche Sprache des Waldes ist in dieser Jahreszeit kaum in den Baumkronen zu finden.“
Bilder: Shutterstock.com
Natur & Wissen
Den Herbstwald bewusst entdecken
volle Nährstoffe, reduzieren ihren Stoffwechsel und wechseln in eine Phase der Winterruhe. Gleichzeitig bleibt der Boden unter ihnen voller Leben: Wurzeln, Pilze und unzählige Mikroorganismen bilden ein fein abgestimmtes Netzwerk, das den Wald als Ganzes prägt. Die moderne Forschung hat unser Bild vom Wald in den vergangenen Jahren erheblich erweitert. Sie zeigt, dass Bäume keine isolierten Einzelgänger sind, sondern Teil einer vielschichtigen Lebensgemeinschaft, in der zahlreiche Organismen miteinander verbunden sind. Auch wenn noch nicht alle Mechanismen der unterirdischen Kommunikation vollständig verstanden sind, wird immer deutlicher, wie eng Pflanzen, Pilze und Bodenlebewesen zusammenwirken. Gerade diese unsichtbaren Beziehungen tragen dazu bei, dass Wälder widerstandsfähig bleiben und sich an wechselnde Umweltbedingungen anpassen können. Wer im Herbst durch einen Wald spaziert, sieht daher nicht nur fallende Blätter und bunte Kronen. Hinter der scheinbaren Ruhe verbirgt sich ein faszinierendes Zusammenspiel biologischer Prozesse, das seit Millionen von Jahren den Rhythmus der Natur bestimmt. Vielleicht liegt gerade darin die größte Erkenntnis: Ein Wald ist weit mehr als die Summe seiner Bäume. Gleichzeitig erinnert uns der Wald daran, in größeren Zeiträumen zu denken. Ein Baum
Wer im Herbst aufmerksam durch den Wald geht, entdeckt überall Zeichen des Wandels: buntes Laub, Pilze und Spuren zersetzter Blätter. Ein Blick auf den Waldboden zeigt, dass der Wald auch in der stillen Jahreszeit voller Leben bleibt.
wächst nicht über Nacht. Er entwickelt sich langsam, passt sich an Veränderungen an und investiert Jahr für Jahr in seine Zukunft. In einer Welt, die von Geschwindigkeit und ständigem Wandel geprägt ist, kann uns diese Gelassenheit inspirieren. Geduld, nachhaltiges Handeln und der verantwortungsvolle Umgang mit den vorhandenen Ressourcen sind Werte, die der Wald seit Jahrtausenden vorlebt. Vielleicht ist dies die wichtigste Botschaft des Waldes: Wahre Stärke entsteht nicht durch Größe oder Schnelligkeit, sondern durch Verbundenheit, Vielfalt und die Fähigkeit, sich immer wieder an neue Bedingungen anzupassen. Wer aufmerksam durch den Wald geht, entdeckt nicht nur die Schönheit der Natur, sondern auch ein Vorbild dafür, wie ein harmonisches Miteinander gelingen kann. Ein Miteinander, das von gegenseitiger Wahrnehmung, Austausch und einem fein abgestimmten Zusammenspiel geprägt ist und so zur Gesundheit und Widerstandskraft des gesamten Systems beiträgt.
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Naturkosmetik
Herbst auf der Haut Warum die Natur jetzt die beste Kosmetikerin ist
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Text: Lisa Gutzelnig
ie ist immer da – unsere Haut. Sie schützt uns, umgibt uns und leistet jeden Tag Unglaubliches, ohne dass wir viel darüber nachdenken. Viel zu selbstverständlich nehmen wir sie, bis wir uns irgendwo eine Schramme zuziehen und plötzlich der kleinen Wunde beim Heilen zusehen können. Spätestens dann erinnern wir uns wieder an dieses Wunder unseres Körpers: an seine Fähigkeit, sich in Windeseile selbst zu reparieren, an eine faszinierende innere Intelligenz, die oft weit über das hinausgeht, was wir bewusst wahrnehmen oder steuern können. Wenn wir unserer Haut etwas Gutes tun möchten, denken wir in erster Linie an Pflegeprodukte. An teure Cremes, Seren und Öle, die uns im Fernsehen oder Internet von strahlenden Menschen mit strahlend schöner, babyweicher Haut präsentiert werden. Weniger denken wir an die einfachen Dinge, die unsere Haut von innen und außen unterstützen: ausreichend Wasser zu trinken, Stress zu reduzieren, genügend zu schlafen, uns ausgewogen zu ernähren und unserer Haut auch einmal Ruhe zu gönnen. Vielleicht beginnt natürliche Hautpflege genau hier: nicht mit dem nächsten Produkt, sondern mit dem bewussten Wahrnehmen dessen, was unsere Haut jeden Tag für uns leistet.
Haut im Wandel Der Herbst ist bekanntlich eine Jahreszeit des Wandels. Die Blätter verfärben sich, die Luft wird klarer, die Tage kürzer. Was viele jedoch nicht wissen: Auch unsere Haut reagiert jetzt auf den Wechsel der Jah-
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Naturkosmetik
reszeit. Bei kühleren Temperaturen und trockener Luft kann sich auch die Zusammensetzung der hauteigenen Lipide verändern. Gleichzeitig verliert die Haut leichter Feuchtigkeit und reagiert empfindlicher auf Wind, Heizungsluft und starke Temperaturschwankungen. Gerade jetzt lohnt es sich, den Blick zurück zur Natur zu richten. Naturkosmetik bedeutet weit mehr als Cremes mit pflanzlichen Inhaltsstoffen. Immer mehr Studien zeigen, dass Pflanzenstoffe nicht nur pflegen, sondern mit den natürlichen Prozessen unserer Haut in Wechselwirkung treten. Besonders Polyphenole, Carotinoide und essenzielle Fettsäuren aus heimischen Pflanzen wirken antioxidativ und können die natürliche Hautbarriere unterstützen. Gleichzeitig weisen Studien darauf hin, dass viele pflanzliche Inhaltsstoffe entzündungshemmende Eigenschaften besitzen und die Regeneration der Haut fördern können. Ringelblumenextrakte enthalten z. B. Triterpenoide und Flavonoide, die entzündungshemmende Eigenschaften zeigen.
Die Haut lebt – und sie ist nicht allein Eine der spannendsten Erkenntnisse der vergangenen Jahre ist, dass unsere Haut kein steriler Schutzmantel ist, sondern von Milliarden Mikroorganismen besiedelt wird. Dieses Hautmikrobiom bildet eine unsichtbare Schutzgemeinschaft aus Bakterien, Pilzen und anderen Mikroorganismen, die zur Gesundheit unserer Haut beiträgt und Krankheitserreger abwehren kann. Lange lag der Fokus in der Kosmetik vor allem darauf, unerwünschte Keime möglichst fernzuhalten. Heute wissen Forscher, dass auch das empfindliche Gleichgewicht des Hautmikrobioms eine wichtige Rolle spielt – ebenso wie die Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit. Neue wissenschaftliche Arbeiten beschäftigen sich deshalb intensiv mit sogenannten mikrobiomfreundlichen Formulierungen. Sie zeigen, dass eine sanfte Hautpflege die natürliche Vielfalt der Hautflora besser erhalten kann als aggressive Reinigungsprodukte. Vielleicht erklärt genau das, warum viele Menschen berichten, dass ihre Haut ruhiger wird, wenn sie ihre Pflegeroutine vereinfachen.
Drei spannende Fakten über unsere Haut:
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Die Haut ist keine einfache Hülle, sondern eine hochkomplexe Schutzbarriere.
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Bestimmte Pflanzenöle können diese natürliche Barriere unterstützen.
Ihre äußerste Schicht besteht unter anderem aus Hautzellen und einer speziellen Lipidmatrix. Besonders Fettsäuren und Cholesterin halten diese Barriere stabil und verhindern übermäßigen Wasserverlust.
Entscheidend ist dabei nicht einfach, dass ein Öl „natürlich“ ist, sondern seine Zusammensetzung. Öle mit einem höheren Anteil an Linolsäure können beispielsweise günstiger für die Barriere sein als sehr ölsäurereiche Öle.
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Hafer ist ein erstaunlich gut erforschtes Naturprodukt.
Die darin enthaltenen Avenanthramide besitzen entzündungshemmende und juckreizlindernde Eigenschaften. Kolloidaler Hafer wird deshalb bei trockener, gereizter und zu Ekzemen neigender Haut eingesetzt.
Weniger ist oft mehr Unsere Großmütter kannten keine zehn verschiedenen Seren. Im Herbst griffen sie häufig zu
Bilder: Envato
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Ringelblumensalbe, Hagebuttenöl oder einem Auszug aus Kamillenblüten. Vieles davon wird heute wissenschaftlich neu entdeckt. So enthält Hagebuttenöl natürliche Carotinoide sowie mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Ringelblume wird aufgrund ihrer beruhigenden Pflanzenstoffe traditionell bei beanspruchter Haut verwendet, und Sonnenblumenöl gilt als besonders hautfreundlich, weil es die Hautbarriere unterstützen kann. Gleichzeitig zeigen Übersichtsarbeiten, dass nicht jedes natürliche Öl automatisch für jeden Hauttyp geeignet ist. Olivenöl beispielsweise kann bei empfindlicher Haut die Barrierefunktion eher beeinträchtigen, während Sonnenblumenöl häufig besser verträglich ist; je nach Hauttyp können auch Distel- oder Jojobaöl geeignet sein. Naturkosmetik bedeutet deshalb nicht, dass „natürlich“ automatisch besser ist – sondern dass Pflanzen bewusst und entsprechend ihrer Eigenschaften eingesetzt werden.
Moderne Forschung zeigt zunehmend, dass Haut und Nervensystem eng miteinander verbunden sind. Stress kann die Hautbarriere schwächen und Entzündungen fördern – umgekehrt können achtsame Pflegerituale das subjektive Wohlbefinden steigern und helfen, zur Ruhe zu kommen. Eine natürliche Hautpflege beginnt mit dem Respekt vor der Hautbarriere. Milde Reinigung, passende natürliche Wirkstoffe und ein konsequenter Sonnenschutz können dazu beitragen, die Haut gesund und widerstandsfähig zu erhalten. Auch der Lebensstil spielt eine wichtige Rolle: Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und erholsamer Schlaf unterstützen die natürlichen Regenerationsprozesse der Haut. Naturkosmetik kann dabei eine sinnvolle Ergänzung sein – entscheidend ist jedoch nicht allein, dass die Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs sind, sondern dass sie zur individuellen Haut und ihren Bedürfnissen passen.
Zurück zur Einfachheit
Bild: Envato
Pflege als Ritual Vielleicht liegt die größte Kraft der Naturkosmetik gar nicht im Inhalt eines Tiegels, sondern in der Art, wie wir sie anwenden. Im Herbst zieht sich die Natur zurück. Tiere bereiten sich auf den Winter vor, das Licht wird sanfter. Auch unsere Haut scheint uns einzuladen, langsamer zu werden. Eine Gesichtsöl-Massage am Abend, der Duft von Lavendel oder eine warme Kompresse mit Kamille sind nicht nur Pflege für die Haut, sondern auch kleine Rituale der Entschleunigung.
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Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft des Herbstes: Nicht immer braucht es mehr. Nicht noch eine Creme. Oft genügt es, wieder genauer hinzusehen – auf das, was vor unserer Haustür wächst. Ringelblume, Hagebutte, Kamille oder Sanddorn begleiten den Menschen seit Jahrhunderten. Viele alte Heilpflanzen haben bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren. Bei zahlreichen von ihnen zeigt die moderne Forschung, dass bestimmte Inhaltsstoffe biologische Prozesse beeinflussen können. Zugleich wird zunehmend besser verstanden, wie das Zusammenspiel verschiedener Pflanzenstoffe wirkt und warum bestimmte Anwendungen bereits seit Jahrhunderten überliefert sind. Dabei verbindet sich traditionelles Erfahrungswissen mit wissenschaftlicher Erkenntnis. Unsere Großmütter konnten es uns vielleicht nicht auf wissenschaftliche Weise erklären, doch sie kannten die Heilkraft der Pflanzen vor unserer Haustür aus eigener Erfahrung – ein Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde. Naturkosmetik ist deshalb mehr als ein Trend. Sie erinnert uns daran, dass unsere Haut Teil der Natur ist – und dass sie oft genau das braucht, was die Natur ihr seit jeher schenkt: Schutz und die stille Kraft der Pflanzen, die vor unserer eigenen Haustür wachsen.
Bilder: Primavera
Natürlich regenerieren
Pflanzenkraft für Muskeln und Gelenke Bewegung tut gut, stärkt den Körper und schenkt neue Lebensfreude. Doch genauso wichtig wie die Aktivität selbst sind die Momente danach. Denn erst in den Regenerationsphasen hat der Körper die Möglichkeit, sich zu erholen, neue Kraft zu sammeln und seine Leistungsfähigkeit langfristig zu erhalten oder auszubauen.
Ätherische Öle als natürliche Begleiter Naturreine ätherische Öle können solche Regenerationsphasen wirkungsvoll begleiten. Die Produkte der neuen PRIMAVERA Gesundwohl-Serie bieten wohltuende Massageöle und Wohlfühlprodukte für Erste Hilfe und Regeneration. Eine Massage mit dem Muskelwohl Massageöl bio* kann helfen, verspannte Muskelpartien zu lockern, beanspruchte Bereiche zu mobilisieren und gleichzeitig einen Moment bewusster Entspannung zu schaffen. So wird Wintergrün beispielsweise traditionell für wärmende und lindernde Massagen verwendet, Latschenkiefer bei Muskelkater. Und auch Arnikaöl ist ein bewährter Begleiter in der Regeneration. Gute Beweglichkeit und uneingeschränkte Leichtigkeit in der Bewegung sind ein Geschenk. Mobilisierende Massagen mit der
Gelenkwohl Einreibung bio* schenken wieder mehr Beweglichkeit, wenn Gelenke belastet sind, z. B. an Knien und Schultern. Das Trio aus Wintergrün, Thymian Thymol und Johanniskrautöl findet hier wirkungsvoll zusammen.
Pflanzenkraft für die Sporttasche Manchmal braucht der Körper schnelle Unterstützung – etwa nach einer intensiveren Trainingseinheit beim Sport. Ein praktischer Begleiter für solche Situationen ist das PRIMAVERA Aktiv Sportgel. Die Komposition setzt auf die Pflanzenkraft von Cajeput, Eukalyptus globulus und Ackerminze. Cajeput hat sich in Aromapflegemischungen zur Linderung insbesondere bei Überbeanspruchung nach dem Sport bewährt. Das Myrtengewächs wird schon seit Anfang des 17. Jahrhunderts eingesetzt. Eukalyptus globulus zählt in der Erkältungszeit, aber auch bei Muskel- und Gelenkbeschwerden zu den wohltuenden Begleitern aus der Aromatherapie. Ackerminze hat aufgrund ihres hohen natürlichen Menthol-Gehalts eine kühlende und beruhigende Wirkung und hinterlässt ein angenehmes Frischegefühl auf der Haut. www.primaveralife.com
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Körper & Seele
Herbstmelancholie oder Cozy Season? Warum der Herbst für unsere Seele so wertvoll ist
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Text: Lisa Gutzelnig
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Bilder: Envato
er erste Nebel liegt über den Wiesen. Die Luft riecht nach feuchter Erde und fallendem Laub. Die Sonne steigt morgens etwas später über den Horizont und taucht die Landschaft in ein warmes, goldenes Licht. Während die Natur allmählich zur Ruhe kommt, beginnt für uns Menschen eine ganz besondere Zeit – eine Jahreszeit, die unterschiedlicher kaum erlebt werden könnte. Für die einen ist der Herbst die schönste Zeit des Jahres. Nach einem oft hektischen Sommer mit langen To-do-Listen, Reisen und gesellschaftlichen Verpflichtungen kehrt endlich Ruhe ein. Die Hitze weicht einer angenehmen Frische, Spaziergänge durch bunt gefärbte Wälder werden zum Kraftquell und die ersten gemütlichen Abende bei Kerzenschein laden zum Innehalten ein. Der Herbst wird zur Cozy Season – einer Zeit der Geborgenheit, des Rückzugs und des bewussten Genießens. Für andere hingegen fühlt sich dieselbe Jahreszeit ganz anders an. Mit den kürzer werdenden Tagen schwindet die Energie. Die Dunkelheit nimmt zu, das Gemüt wird schwerer, Motivation und Lebensfreude scheinen langsam zu verblassen. Manche Menschen sprechen vom „Winterblues“, andere erleben den Herbst als Zeit der Melancholie oder Einsamkeit. Tatsächlich reagiert jeder Mensch unterschiedlich auf den Wechsel der Jahreszeiten.
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Wenn das Licht weniger wird Unser Körper lebt im Rhythmus der Natur. Mit den kürzer werdenden Tagen verändert sich unsere innere Uhr. Weniger Tageslicht beeinflusst dabei unter anderem Prozesse, die Schlaf, Wachheit und Stimmung mitbestimmen. Manche Menschen bemerken diese Veränderungen kaum, andere reagieren deutlich sensibler auf den Lichtmangel. Hinzu kommt, dass der Sommer oft mit Aktivität, Leichtigkeit und gesellschaftlichem Leben verbunden ist. Wenn dieser Abschnitt endet, kann sich das wie ein kleiner Abschied anfühlen. Doch vielleicht liegt gerade darin eine Einladung.
Die Weisheit des Wandels Die Natur kennt keinen Stillstand. Alles folgt einem Rhythmus von Werden, Wachsen, Reifen und Loslassen. Der Herbst ist die Jahreszeit, in der diese Wahrheit besonders sichtbar wird. Die Bäume kämpfen nicht mehr um jedes Blatt. Sie halten nichts fest, was gehen möchte. Blatt für Blatt lassen sie los – nicht aus Resignation, sondern aus Vertrauen. Sie wissen, dass jeder Zyklus seine Zeit hat und dass im Loslassen bereits der Keim eines neuen Anfangs verborgen liegt. Vielleicht liegt genau darin eine der wichtigsten Botschaften des Herbstes für uns Menschen. Auch wir könnten dies zum Anlass nehmen, um uns zu fragen: Welche Erfahrungen sind reif geworden? Welche Beziehungen, Gewohnheiten oder Gedanken dürfen liebevoll verabschiedet werden? Und welche Früchte unseres Lebens übersehen wir vielleicht, weil wir nur auf das schauen, was noch fehlt? Der Herbst lädt uns nicht zum Rückzug vor dem Leben ein – sondern zur Rückkehr zu uns selbst.
Rituale schenken Halt Gerade Übergänge verdienen Aufmerksamkeit. In vielen alten Kulturen wurden die Jahreszeiten bewusst mit Ritualen begleitet. Sie halfen den Menschen, den Wandel nicht als Bedrohung, sondern als natürlichen Teil des Lebens zu erleben. Auch heute können kleine Rituale unserer Seele Orientierung schenken. Vielleicht beginnt der Herbst mit einem ausgedehnten Waldspaziergang. Mit dem bewussten
Kleine Rituale wie eine Tasse Tee am Fenster schenken Orientierung und lassen uns den Wechsel der Jahreszeiten bewusst erleben.
Einatmen der klaren Luft. Mit einer Tasse Kräutertee am Fenster. Mit dem Entzünden einer Kerze am Abend oder einem Dankbarkeitstagebuch, in dem wir die „Ernte“ unseres Jahres festhalten. Manche sammeln Kastanien oder bunte Blätter, andere kochen eine wärmende Kürbissuppe oder verbringen wieder mehr Zeit mit einem guten Buch. Solche scheinbar kleinen Handlungen haben eine große Wirkung: Sie machen den Wechsel der Jahreszeiten bewusst erlebbar und schaffen innere Stabilität.
Die Kraft des Rückzugs In unserer Leistungsgesellschaft wird Rückzug oft mit Schwäche oder Stillstand verwechselt. Wir möchten produktiv sein, Pläne verwirklichen und möglichst das ganze Jahr über auf Hochtouren laufen. Doch die Natur kennt einen anderen Rhythmus. Kein Baum blüht zwölf Monate im Jahr. Kein Feld trägt ununterbrochen Früchte. Jede Pflanze folgt einem natürlichen Wechsel von Wachstum, Reife und Ruhe. Gerade der Herbst erinnert uns daran, dass Erholung kein Luxus ist, sondern eine Voraussetzung für neues Leben. Auch wir Menschen brauchen Zeiten, in denen wir unsere Kräfte sammeln dürfen. Der Herbst lädt uns ein, Termine zu reduzieren, häufiger Nein zu sagen und den Blick wieder nach innen zu richten. Nicht aus Rückzug vor dem Leben, sondern aus Verbundenheit mit den eigenen Bedürfnissen.
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Körper & Seele
Fünf Naturhotels für eine Wellness-Auszeit im Herbst
Bild: p@matter-digital.com
Vielleicht entsteht gerade in diesen stilleren Monaten etwas, das im Trubel des Sommers keinen Platz hatte: Kreativität, Zeit zum Malen allein im Wohnzimmer, Klarheit oder eine tiefere Verbindung zu uns selbst. Die Natur zeigt uns, dass wahre Stärke nicht darin liegt, ständig Leistung zu bringen. Sie entsteht dort, wo wir den Mut haben, den eigenen Rhythmus zu achten und den Wechsel der Jahreszeiten auch in unserem Inneren zuzulassen.
Der Herbst als heilsamer Lehrer Der Herbst erinnert uns an etwas Wesentliches: Das Leben besteht nicht nur aus Wachstum. Ebenso wichtig sind Ruhe, Reife und Regeneration. Wer sich auf den Rhythmus der Natur einlässt, entdeckt, dass auch die dunkleren Monate ihre eigene Schönheit tragen. Nicht die laute, überschwängliche Schönheit des Sommers, sondern eine stille, tiefe und nährende Schönheit. Eine Zeit des Sammelns und bewussten Würdigens dessen, was gewachsen ist. Vielleicht ist genau dies das Geschenk des Herbstes.
„Wie die Natur brauchen auch wir Zeiten des Rückzugs, um Kraft zu
Naturhotel Forsthofgut ***** Leogang, Salzburg Direkt am Waldrand gelegen, verbindet das Forsthofgut Naturerlebnis und Wellness auf besondere Weise. Herzstück ist das mehrfach ausgezeichnete WaldSPA, das den Wald konsequent in das Wellnesserlebnis einbezieht. Waldbaden, Yoga, Naturkosmetik und regionale Kulinarik schaffen einen Ort, an dem Entschleunigung ganz selbstverständlich wird.
sammeln und Raum für etwas
Er lädt uns ein, langsamer zu werden. Uns einzukuscheln. Tiefer zu atmen. Die Schönheit im Einfachen wiederzuentdecken und Vertrauen zu fassen, dass jedes Ende zugleich der Anfang von etwas Neuem ist. Denn wie die Natur wissen auch wir: Nach jeder Ruhe folgt neues Leben. Und manchmal beginnt der wichtigste Wandel genau dann, wenn draußen die Blätter fallen. Wer diese ruhigere Jahreszeit bewusst für Erholung nutzen möchte, findet gerade in naturnahen Wellnesshotels ideale Bedingungen für eine kleine Auszeit. Ob allein, zu zweit oder mit einer guten Freundin – ein Aufenthalt inmitten der Natur kann Körper und Seele auf wohltuende Weise nähren. Wir stellen Ihnen fünf besondere Häuser in Österreich und Deutschland vor, die mit ihrer Lage, nachhaltigen Philosophie und vielfältigen Wellnessangeboten Natur, Ruhe und Regeneration miteinander verbinden.
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Bild: Biohotel Rupertus
Neues entstehen zu lassen.“
Biohotel Rupertus **** Superior Leogang, Salzburg Das Rupertus zählt zu den bekanntesten Biohotels Österreichs und ist Mitglied der BIO HOTELSGruppe. Das familiengeführte Haus setzt konsequent auf Nachhaltigkeit – von 100 % Bio-Kulinarik über einen NaturSPA bis hin zu Yoga, Waldbaden und regionalen Naturanwendungen. Direkt vor der Hoteltür beginnen Wanderwege in die Leoganger Steinberge – ein idealer Ort, um die Farben des Herbstes bewusst zu erleben.
Bild: Biohotel Rastbichlhof
Bild: Hotel Kranzbach
Körper & Seele
Das Kranzbach ***** Krün am Fuße der Zugspitze, Deutschland
Biohotel Rastbichlhof **** Stubaital, Tirol
Eingebettet zwischen Wäldern und Bergwiesen verbindet Das Kranzbach Wellness mit einer außergewöhnlichen naturnahen Lage. Der mehrfach ausgezeichnete Spa-Bereich, Yoga, Meditation sowie die einzigartige Alleinlage am Fuße des Karwendelgebirges machen das Hotel zu einem Kraftort für Körper und Seele. Besonders im Herbst, wenn sich die Bergwälder golden färben, entfaltet das Hotel seinen ganz besonderen Zauber.
Bild: Stanglwirt
Bio- und Wellnesshotel Stanglwirt ***** Going am Wilden Kaiser, Tirol Der Stanglwirt verbindet Luxus mit einem außergewöhnlichen Naturkonzept. Das Hotel verfügt über einen eigenen Bio-Bauernhof, LipizzanerGestüt, weitläufige Gärten und einen mehrfach ausgezeichneten Wellnessbereich. Die imposante Kulisse des Wilden Kaisers macht den Herbst hier zu einem ganz besonderen Naturerlebnis.
Bewegt durch den Herbst in der Postkartenidylle Bayerns Im oberbayerischen Bad Feilnbach verschmelzen aktive Wandererlebnisse, mildes Klima und kulinarischer Genuss zu unvergesslichen Urlaubsmomenten. Begleitet von milden Temperaturen bis in den November lädt die Natur zum Wandern ein – ob nun gemütliche Spaziergänge, mehrstündige Wendelstein-Streifzüge oder herausfordernde Bergtouren. Im ausgezeichneten „GenussOrt“ Bad Feilnbach finden Wanderer den idealen Ausklang ihrer Tour: ob auf den Almen, in den Biergärten oder Wirtshäusern. Im Herbst spielt aber v. a. der Apfel die Hauptrolle. Sein Anbau ist seit jeher untrennbar mit der Region verknüpft, rund 25.000 Obstbäume prägen die Landschaft nachhaltig. Ein Tag im herbstlichen Bad Feilnbach klingt deshalb selten einfach nur aus – er klingt nach.
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Im Herzen des Stubaitals gelegen, begeistert der Rastbichlhof mit einer familiären Atmosphäre und einer tiefen Verbundenheit zur Natur. Das Biohotel setzt auf regionale Bio-Küche, natürliche Materialien, nachhaltiges Wirtschaften und einen liebevoll gestalteten Wellnessbereich. Umgeben von den Stubaier Alpen finden Gäste hier Ruhe, frische Bergluft und zahlreiche Wanderwege – perfekt für eine entschleunigende Herbstauszeit.
Mehr Infos unter: bad-feilnbach.de Bilder: Photo-Montana.de
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Körper & Seele
Herbst
Die Kunst des Empfangens Über Ernte, Dankbarkeit und die Kraft des Loslassens
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Text: Lisa Gutzelnig
ch sehe die goldenen Blätter lautlos zur Erde gleiten. Mit einem tiefen Atemzug füllt klare, kühle Herbstluft meine Lungen. Ich bin da. Ganz in diesem Augenblick. Ich muss jetzt nirgends dazugehören, und ich bin auch von nichts ausgeschlossen. Allein durch mein Dasein bin ich vollständig. Ich bin gehalten, getragen und behütet – von den weisen, alten Hütern der Zeit. Mächtige Laubbäume stehen neben mir wie lebendige Kathedralen, verwurzelt zwischen Himmel und Erde. In ihrer stillen Gegenwart scheinen sie mir zuzuflüstern:
„Es ist genug. Du bist genug.“ Die Qualität des Jahres hat sich gewandelt. Der Himmel ist weit und still. Als hätte selbst der Kosmos für einen Moment den Lärm
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der Welt ausgeschaltet, damit das Wesentliche wieder hörbar wird. Mein Lebensfluss trägt goldenes Wasser. Er fließt ruhig, warm und ohne Eile. Und zum ersten Mal in diesem Jahr trägt er nicht nur Wasser, sondern auch Früchte. Reife Früchte gelebter Erfahrungen, überwundener Herausforderungen und leiser Erkenntnisse dieses Sommers. An einem Herbsttag wie diesem gibt es nichts mehr zu beweisen und nichts mehr zu erreichen. Es gibt nur noch etwas zu empfangen. Und genau darin liegt für viele von uns die größte Herausforderung. Wir sind geübt im Tun, im Streben und im Festhalten – doch das Annehmen fällt uns oft schwer. Dabei zählt auch die stille Ernte. Das Unscheinbare. Das Unsichtbare. Ein versöhnliches Gespräch. Eine gewachsene innere Stärke. Ein mutiger Schritt. Oder einfach die Erkenntnis,
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heute mehr bei sich selbst angekommen zu sein als noch vor einem Jahr. Der Höhepunkt des Jahres liegt hinter uns. Nach einem bewegten Sommer hält die Natur zum ersten Mal wieder inne und stellt uns eine sanfte Frage:
Jede Ernte kennt zwei Bewegungen. Die erste ist das Empfangen: das Würdigen dessen, was geworden ist. Nicht dessen, was fehlt. Die zweite ist der Schnitt. Was reif geworden ist, wird vom Halm getrennt. Nicht aus Härte, sondern weil jeder Lebenszyklus Vollendung braucht. Etwas darf zu Ende gehen. Etwas darf verabschiedet werden – nicht im Groll, sondern in Dankbarkeit. Was dürfen wir in diesem Jahr ernten? Welche Früchte unseres Lebens wollen gesehen und gewürdigt werden? Und was darf mit dem Schnitt des Herbstes gehen? Vielleicht ist die eigentliche Frage eine andere: Welche Beziehungen tragen mich noch – leicht und wahrhaftig? Und welche ‚er‘trage ich nur noch, obwohl ihre Zeit längst vergangen ist? Die alten Bäume sind vielleicht die größten Lehrmeister des Herbstes. Sie klammern sich an kein einziges Blatt. Sie wissen, dass Loslassen kein Verlust ist, sondern Vertrauen in den Kreislauf des Lebens. Gerade wenn sie ihre Kronen leeren, offenbart sich ihre ganze Würde. Knorrig, aufrecht und voller Weisheit stehen sie da – als stille Zeugen unzähliger Jahreszeiten. Wo etwas zu Ende gegangen ist, darf es in Würde ruhen. Die Natur käme niemals auf die Idee, ein gefallenes Blatt wieder an den Ast zu
Bilder: Envato
„Schau – was ist in dir gewachsen?“
befestigen oder ihm wehmütig nachzutrauern. Sie vertraut darauf, dass alles, was losgelassen wird, eine neue Aufgabe erhält. Das Blatt sinkt zur Erde, wird Teil des Waldbodens, nährt die Wurzeln und schenkt dem kommenden Frühling neues Leben. Nichts geht verloren – es verändert lediglich seine Form. Vielleicht dürfen auch wir Menschen lernen, uns nach einem Abschied nicht immer wieder wehmütig umzudrehen. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern im Vertrauen darauf, dass das, was gegangen ist, seinen Platz im großen Kreislauf des Lebens gefunden hat und dass selbst unsere Verluste den Boden bereiten können, auf dem eines Tages etwas Neues wächst. Loslassen bedeutet nicht vergessen. Es bedeutet, dem Vergangenen mit Dankbarkeit seinen Platz zu schenken und den Blick wieder dem Leben zuzuwenden. Wer den Herbst mit offenem Herzen empfängt, erkennt, dass im Loslassen bereits der Keim des nächsten Frühlings verborgen liegt.
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Wunder im Herbst Vom Staunen, den Rätseln der Wissenschaft und den Geheimnissen unserer Selbstheilungskräfte
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Text: Mag. pth. Peter Schweighofer, BA, MSc
n der Antike und im Mittelalter waren Naturphänomene wie Blitz und Donner für die Menschen unerklärlich. Die Grenze für Menschen zwischen dem „Möglichen“ und dem „Unmöglichen“ war damals besonders durchlässig. Unerklärliches wurde höheren Kräften, den Göttern oder dem Schicksal zugeschrieben. Unsere heutige Vorstellung von einem „Wunder“ als etwas Übernatürlichem entstand erst in der Neuzeit – sie setzt das Wissen um die Existenz von Naturgesetzen zwingend voraus. Als „Wunder“ gilt heute umgangssprachlich ein Ereignis, dessen Zustandekommen Menschen sich nicht erklären können, sodass Verwunderung und Staunen ausgelöst werden. Es bezeichnet demnach allgemein etwas Außergewöhnliches und Merkwürdiges. In der Praxis begegnen meine Klienten diesem Phänomen immer wieder. Wenn seelische Blockaden weichen oder Lebenskrisen eine überra-
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schende Wendung nehmen, dann ist öfter der Satz zu hören: „Das kann es einfach nicht geben – das kann doch wirklich nicht sein!“ Manches, was unerwartet ohne Begründung eintrifft, ist für die meisten Menschen auch in der Therapie ein unbegreifliches Phänomen – eben ein „Wunder“. Der Philosoph und Theologe Augustinus von Hippo betonte treffend: „Ein Wunder passiert nicht gegen die Natur, sondern gegen unser Wissen von der Natur.“
Wie zeigen sich „Wunder“? Die Wunder des Alltags geschehen fast immer in unerwarteten Momenten unseres Privat- wie Berufslebens, in denen das Abnorme oder Außergewöhnliche plötzlich in das Gewohnte, Bekannte und zu Erwartende eindringt. Wunder zeigen sich selten als sensationelle Geschehnisse einer Spontanheilung oder als plötzliche Schicksalsfügung, sondern meist nur als ein unspektakulärer Sinnesreiz des Staunens. Es sind allgemein fast immer un-
Über den Autor Peter Schweighofer ist Psychotherapeut (Systemische Familientherapie), Hypnosystemischer Berater und Therapeut, staatlich geprüfter psychosozialer Berater, Lehrsupervisor und Business-Coach. In seiner Praxis in Wien und Mödling verbindet er Psychotherapie mit naturbezogenen Heilansätzen. Schon als Kind prägte ihn der Kräutergarten seines Vaters in der Steiermark – und damit eine tiefe Verbundenheit mit der Heilkraft der Natur. psychotherapie-schweighofer.at
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Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder.“ Albert Einstein
„Wunder“ geschehen ständig im Umfeld, in dem wir wirken und leben: in der freien Natur etwa beim täglichen Sonnenaufgang, bei erblühenden Blumen sowie bei Lebewesen, die wachsen und gedeihen. Das komplexe Zusammenspiel im menschlichen Organismus wird zu Recht als biologisches Wunder empfunden. Dazu gehören unbewusste und unwillkürliche Prozesse wie Herzschlag oder Atmung. Auch in unerwarteten Begegnungen mit alten Freunden und in tiefgründigen Gesprächen können Balsam für die Seele und Momente der Verbundenheit entstehen. Martin Buber betonte: „Wo zwei Menschen sich authentisch begegnen, findet Heilung statt.“ Ob wir nun ein Phänomen als „Wunder“ wahrnehmen, liegt an unseren ganz persönlichen Sinneseindrücken, Einstellungen und Interpretationen. Es gibt sie öfter als vermutet: unerwartete Momente von Linderung und Heilung oder Situationen, in denen Verhängnisse plötzlich eine positive Wendung
einnehmen. David Ben-Gurion, erster Ministerpräsident Israels, betonte einst: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“
„Wunder“ – Wahrnehmung – Wissenschaft Heute finden wir im Internet unzählige Informationen über außergewöhnliche Phänomene. Neben dem Glauben daran spielt unsere Wahrnehmung eine wesentliche Rolle. Das Sehen ist ein komplizierter, wundervoller Vorgang sinnlicher Wahrnehmung: Damit sich das Gehirn ein Bild von der Umwelt machen kann, muss das Auge Licht in Nervenreize umwandeln, die über den Sehnerv weitergeleitet werden. Für uns selbstverständlich wie die Atmung – und doch ein Wunder der Biologie. Neurologische Phänomene verdeutlichen die Plastizität unserer Wahrnehmung. Kippbilder wie die „Rubinsche Vase“ zeigen, dass bei unverändertem äußerem Reiz das Gehirn plötzlich die Sichtweise wechselt und zwischen Hintergrund und Hauptfigur entscheidet. Aktive Sinnkonstruktion des Gehirns: unser Auge „liest“ nicht jeden einzelnen Buchstaben, wie eine Studie belegt: „denn luat eienr Stduie der Unievrstiät Cambrdige speilt es kenie Rlloe in welcehr Reiehnfogle die Buhcstbaen in eniem Wrot vorkmomen, whctig ist, dsas der ertse und der lettze Buhcstbaen stmimen. Der Rset knan Duchrienanedr sien.“ Synästhesie (altgr. zugleich wahrnehmen) ist die Kopplung mehrerer physisch getrennter Wahrnehmungsmodalitäten – die Verflechtung von Farbe, Temperatur, Tönen, Zahlen, Worten oder Räumlichkeit. Speziell einige Kinder haben die Fähigkeit, „Farben zu hören“ oder „Töne zu schmecken“. Wenn das Gehirn ein überragendes Phänomen erlebt, reagiert es mit dem Zustand des Staunens. Neuronale Prozesse laufen ab: das Detektieren einer Diskrepanz zu Erfahrungswerten, während das
Was wir selbst tun können: Bewusste Atmung praktizieren: Zwerchfellatmung praktizieren, um Gehirn- und Körperzellen mit Sauerstoff zu versorgen, und mit positiver Visualisierung verbinden. Natur und „Waldbaden“ nutzen: Regelmäßige Bewegung an der frischen, sauerstoffreichen Luft senkt Stresshormone, beruhigt das Nervensystem und stärkt das Immunsystem. Gesunde Ernährung kultivieren: Mikronährstoffreiche, frische Lebensmittel zur Pflege des Mikrobioms. Aufmerksamkeit ausrichten: „Die Energie folgt der Aufmerksamkeit“. Dankbarkeit pflegen: Wundervolle Erlebnisse bewusst wahrnehmen und Dankbarkeit leben.
Bilder: Envato, Peter Schweighofer
vermittelte, kleine und positive Ereignisse, die unser Leben bereichern und zuweilen auch in uns heilvoll wirken können. Der Schweizer Schriftsteller Max Rudolf Frisch betont: „Alltag ist nur durch Wunder erträglich.“ Dies erklärt das menschliche Streben nach Sinn und Staunen im Gewöhnlichen wie auch die Suche nach Lösungen von Sorgen bis hin zum Lebensheil.
Gehirn versucht, das Gesehene in neue Strukturen einzuordnen. In den Wissenschaften stehen sich bezüglich „Wunder“ unterschiedliche Paradigmen gegenüber. Auf der einen Seite beschreiben Neurowissenschaftler „Wunder“ sachlich als biologische Mechanismen und neuronale Prozesse; auf der anderen Seite stehen Ansätze, die diesen Paradigmen kritisch begegnen und „Wundern“ sowie der Selbstorganisation des Lebens offen gegenüberstehen. Gerhard Roth erklärt Phänomene, die Menschen traditionell als „Wunder“ oder mystische Erlebnisse interpretieren, rational durch bioloheilkraft natur
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gische Mechanismen und Konstrukte des Gehirns. Eric Kandel beschreibt im übertragenen Sinne das menschliche Gehirn insbesondere im Kontext seiner Komplexität und Leistungsfähigkeit als das „große Wunder“. Antonio Damasio betrachtet die Fähigkeit des Gehirns, Bewusstsein, Gefühle und Kreativität zu erzeugen, als immens komplexe neuronale Leistung – als „biologisches Wunder“ statt Magie. Gerald Hüther schreibt über das „Wunder des Lebens“: die Entstehung der Erde, die menschliche Entwicklung und deren Entdeckerund Gestaltungsfreude. Das historische Trennungs-Paradigma. Körper, Geist und Seele wurden in unserem Denken lange als Gesamtheit betrachtet, bis vor ca. 400 Jahren René Descartes den Grundstein für die Trennung legte. Damals entwickelten sich Natur- und Geisteswissenschaften in zwei voneinander geteilten Welten. Antonio Damasio bezeichnet diese abgrundtiefe Trennung von Körper und Geist als einen „Großen Irrtum“. Auch Sir Karl R. Popper übte Kritik an Descartes‘ Auffassung, denn gegenüber unreflektierten Dogmen kann eine kritische Grundhaltung im Sinne von Sokrates‘ Zitat helfen: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, um neue Räume offen zu erkunden und eigenes Wissen zu hinterfragen.
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Wie sie Wunder für sich entdeckten. Der Arzt Dr. Nobuo Shioya, der bei bester Gesundheit ein Alter von 105 Jahren erreichte, betonte: „Nutzen wir doch die schöpferische Kraft der Gedanken und richtigen Zwerchfellatmung.“ Dadurch werden Körper- und Gehirnzellen optimal mit Sauerstoff versorgt – einer wichtigen Voraussetzung für die Funktion der Neuronen – und gleichzeitig wird unser Immunsystem gestärkt. Geist und Körper unterstützen sich gegenseitig, da sie auf derselben gedanklichen Grundlage basieren. Seine Methode in Verbindung mit Dankbarkeit wendete er bei zahlreichen Patienten und sich selbst erfolgreich an. Ein japanisches Sprichwort besagt: „Wenn die Seele eins ist, dann geht alles in Erfüllung.“ Der österr. Arzt und Psychotherapeut Christian Schubert beleuchtet die Perspektiven der Psychoneuroimmunologie (PNI). Er belegt, dass Psyche, Nervensystem, Hormonsystem und Immunsystem eine unauflösbare biologische Einheit bilden. In „Was uns krank macht – Was uns heilt. Aufbruch in eine neue Medizin. Das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele besser verstehen“ gibt er tiefe Einblicke in PNI-Studien, die zeigen, dass psychophysiologische Verfahren wie Hypnotherapie, Autosuggestion,
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Natürliche Schätze Heilpflanzen begleiten den Menschen seit Jahrhunderten. Ihre natürlichen Inhaltsstoffe können Körper und Wohlbefinden auf vielfältige Weise unterstützen.
Imagination oder ähnliche Methoden Atmung und Puls positiv regulieren. Eine mehrwöchige Intervention weist einen deutlichen Abfall psychischer Belastung sowie einen Anstieg natürlicher, heilvoller Killerzellen und eine Stärkung des Immunsystems auf (Oregon Health and Science University). Neben Hypnosystemik wirken Entspannungstechniken (Mind-BodyTechniken) wie Achtsamkeitsmeditation, progressive Muskelentspannung, Tai Chi, Qi Gong, Yoga und Zwerchfellatmung stresssenkend. Der Begründer der hypnosystemischen Therapie, Dr. Gunther Schmidt, nutzt unwillkürliche Prozesse für überraschend heilvolle Wendungen. Der Wechsel von einer lähmenden Problemtrance in eine Lösungstrance wirkt oft wie ein „Wunder“. Es gilt hier der Leitsatz: „Die Energie folgt der Aufmerksamkeit!“ Die österr. Ärztin und Psychotherapeutin Dr. Annemarie Schratter-Sehn informiert in „Brain Change. Entdecke Deine Heilungsenergie“ über jahrtausendealte Methoden von Selbstheilungskräften wie z. B. Meditation, Tranceinduktion,
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Heilen mit der Stimme und Magnetismus. Sie betont, dass die Evolution uns mit Heilungskräften ausgestattet hat, die wir neu entdecken müssen. Als Medizinerin stellt sie klar: „Es ist absurd, die Angebote der modernen Medizin auszuschlagen [...] Wer natürliche Selbstheilungs- und Heilungskräfte ignoriert, macht aber ebenfalls einen Fehler.“
„Herbstwunde(r)“ abwarten oder beitragen? Wenn es in Richtung Herbst geht, sind unser Immunsystem wie auch die psychische Gesundheit gefordert. Die Tage werden kürzer, der „Winterblues“ hält Einzug und alte „Herbstwunden“ wie Antriebslosigkeit, Müdigkeit oder Stimmungstiefs können aufbrechen. Können wir selbst etwas tun, damit zu dieser Zeit etwas Wundervolles geschieht? Ja, wir kennen doch wundervolle Möglichkeiten dafür! Regelmäßige Bewegung im Freien zu festen Zeiten stärkt unser Immunsystem und Herz. „Waldbaden“ (Shinrin Yoku), also der Aufenthalt in der freien Natur, fördert Konzentration und Kreativität, senkt Stresshormone und kann psychisches Leid wie Angst und Depressionen lindern. Sonnenlicht versorgt den Organismus mit Vitamin D. Bereits der Blick auf grüne Landschaften erzeugt eine beruhigende Wirkung und verbessert auch die regenerative Schlafqualität. Immer mehr Psychotherapeuten bieten Gespräche im Gehen in der Natur an. Die Vielfalt an gesunder Kost aus Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkornprodukten liefert Mineralstoffe und andere Mikronährstoffe für ein schützendes Mikrobiom. Dieses ist über die „Darm-Hirn-Achse“ ebenso essenziell für unsere physische und psychische Gesundheit. Inhaltsstoffe von Heil-
pflanzen wie z. B. Kamille, Eichenrinde, Weidenrinde, Lindenblüten, Efeu, Johanniskraut und Schlafmohn wirken seit jeher durch ihre ätherischen Öle, Gerbstoffe, Alkaloide und Flavonoide in uns heil- und wundervoll. Aus spiritueller Sicht können auch der Glaube, die Hoffnung und eine fokussierte Einstellung des Staunens „Wunder“ begünstigen und erkennbar machen, denn wenn wir uns auf das Undenkbare einlassen, nutzen wir die schöpferische Kraft unseres Geistes.
Epilog Lassen wir mehr Leichtigkeit und Spiel in unser Leben (Gerald Hüther: „Rettet das Spiel!“), vertrauen wir wieder mutiger unserer Intuition und nehmen wir uns ausreichend Zeit zum bewussten Durchatmen. Oder wie es der Physik-Nobelpreisträger Anton Zeilinger formulierte: „Man muss seiner Intuition und seinen Spinnereien ein bisschen vertrauen.“ Ach ja, und es sind nicht immer Spinnereien, die uns Wohlergehen ermöglichen ...
Wundervolle Erlebnisse & Dankbarkeit zeigen Neben der wissenschaftlichen Untersuchung von wundervollen Phänomenen gilt es, diese als solche auch zu würdigen. Eine dankbare Haltung macht unser Herz offen für das Wunderbare, was wiederum den Blick für das Positive, Wohltuende und Heilende schärft. Gilbert Keith Chesterton formulierte es so: „Das Wunderbarste an den Wundern ist, dass sie manchmal wirklich geschehen.“
Fazit Wenn wir die Heilkräfte der Natur auf uns wirken lassen, Achtsamkeit pflegen
und dem Leben mit Dankbarkeit begegnen, schaffen wir den Nährboden, auf dem Wunder geschehen können – ganz natürlich. Wunder lassen sich als subjektiv empfundene Ereignisse beschreiben, die das Leben bereichern und eine Erweiterung der Wirklichkeit erahnen lassen. Das Leben ist kein bloßes Zufallsprodukt, sondern etwas zutiefst Kostbares, Wundervolles und Zerbrechliches – jeder einzelne Moment ist ein Geschenk. „Jeder Mensch ist ein Wunder. Jeder Augenblick ist ein Wunder.“ Antoine de Saint-Exupéry
Hüther, G. (2013). Was wir sind und was wir sein könnten. Ein neurobiologischer Mutmacher. Frankfurt am Main, Deutschland: S. Fischer. Miyazaki, Y. (2023). Shinrin Yoku. Heilsames Waldbaden. Die japanische Therapie für innere Ruhe, erholsamen Schlaf und ein starkes Immunsystem. (2. Ausg.). (U. Kretschmer, Übers.) München, Deutschland: Irisiana. Schratter-Sehn, A. (2022). Brain Change. Entdecke deine Heilungsenergie. Wien, Österreich: edition a. Schubert, C., & Amberger, M. (2022). Was uns krank macht - Was uns heilt. Aufbruch in eine neue Medizin. Das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele besser verstehen. (6. Ausg.). Mattighofen: Korrektur Verlag. Shioya, N. (2006). Die Kraft strahlender Gesundheit. Neue Vitalität für Millionen Körperzellen. (14. Ausg.). München, Deutschland: Goldmann.
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Echte Longevity ist nichts anderes als gut durchdachte, konsequent umgesetzte Präventionsmedizin.“
Johannes Weiss beschäftigt sich mit der Zukunft des menschlichen Alterns.
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Was ist eigentlich Longevity? Wir widmen uns dem Begriff, der aktuell ein wenig inflationär und häufig ohne tiefes Hintergrundwissen verwendet wird. Dazu haben wir den Longevity-/Mitochondrien-Experten und internationalen Sprecher Johannes Weiss getroffen.
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Text: Michaela Hocek
iologisches Alter, Longevity, körperliche und mentale G e s u n d h e it : M it Johannes Weiss ins Gespräch zu kommen, führt vor Augen, wie moderne Diagnostik gesundes Altern auf den aktuellsten Stand heben kann. In seinem „Longevity Center“ in Wien, als Speaker und Diskussionsteilnehmer auf internationalen Kongressen und im Rahmen von Retreats wie diesen Herbst im „Lopud 1483“, einem privat geführten ehemaligen Kloster aus dem 15. Jahrhundert, sowie in der Zusammenarbeit mit Spitzenathleten, Ärzten und seinen Kund:innen jeden Alters arbeitet er unermüdlich an der Wissenserweiterung und Decodierung der menschlichen Langlebigkeit. Bitte definieren Sie den Begriff für unsere Leser:innen kompakt. „Longevity“ bedeutet schlicht Langlebigkeit – ein Begriff, der mittlerweile so inflationär verwendet wird, dass man bereits hellhörig werden sollte, sobald man ihn vernimmt. Denn allzu
oft entpuppt er sich als Marketingmasche. Meiner Wahrnehmung und Erfahrung nach beschäftigen sich nur wenige wirklich fundiert mit dem Thema. Meine kompakte Definition lautet: Echte Longevity ist nichts anderes als gut durchdachte, konsequent umgesetzte Präventionsmedizin. Wie kann ich die Differenz zwischen Lebens- und Gesundheitsspanne verringern? Die Basis hierfür bilden die klassischen Lifestyle-Faktoren: Schlaf, Ernährung, Bewegung und Stressreduktion. Sie sind der wichtigste Hebel, um die Lücke zwischen Lebens- und Gesundheitsspanne zu schließen. Darüber hinaus profitiert heute jeder Mensch davon, sich professionell beraten und eine fundierte Diagnostik machen zu lassen. Denn Umwelt- und Stressbelastungen hinterlassen Spuren, die sich oft in Nährstoffdefiziten zeigen. Und genau diese lassen sich häufig bereits mit gezielten, einfachen Interventionen wirksam ausgleichen. Da unser Kontakt zur Natur immer geringer wird und wir einen Bild: Longevity Center
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Nervensystem nachhaltig regulieren – ein oft unterschätzter, aber wesentlicher Baustein für gesundes Altern.
Human Regenerator Der „Human Regenerator“ unterstützt die Regeneration des Körpers auf zellulärer Ebene. Elektronen, Anionen und statische Energie regen die Mitochondrien – die Kraftwerke der Zellen – an.
IHHT „IHHT“ (Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training) ist simuliertes Höhentraining, das durch den Wechsel von sauerstoffarmer und sauerstoffreicher Luft die Zellen anregt.
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zunehmend künstlichen Lebensstil führen, müssen wir mehr und mehr kompensieren. Gezielte Versorgung mit Nährstoffen durch hochwertige Nahrungsergänzungsmittel kann dabei helfen, das gesunde Altern aktiv zu unterstützen – denn Alterung selbst ist einer der Hauptfaktoren für Krankheit. Neben klassischen Supplementen gibt es mittlerweile auch spezifischere Interventionen wie etwa hyperbare Sauerstofftherapie, die nachweislich die Telomere verlängert. Diese Schutzkappen unserer DNA setzen damit direkt auf zellulärer Ebene an. (Telomere gelten als Biomarker für das biologische Alter und schützen die Chromosomen bei jeder Zellteilung vor Verlusten und Schäden.) Ebenso entscheidend ist die emotionale und mentale Gesundheit. Chronischer Stress ist einer der stärksten Alterungstreiber überhaupt. Mit Neurofeedback und anderen modernen Technologien lässt sich die Gehirnfunktion gezielt stärken und das
Was genau ist das biologische Alter und wie lässt es sich am besten ermitteln? Es gibt viele Methoden, es zu ermitteln. Im Blut lässt sich etwa das epigenetische Alter über die sogenannte „Horvath Clock“ messen, die die DNA-Methylierung analysiert. Auch proteomische Verfahren – also die Messung bestimmter Eiweißmuster im Blut – gewinnen zunehmend an Bedeutung. Darüber hinaus kann das biologische Alter anhand des kardiovaskulären Systems bestimmt werden: über Leistungsdiagnostik, die VO₂max, die Herzratenvariabilität oder auch die Griffkraft – all das sind valide Marker für den Zustand des Körpers. Welche Methode die beste ist, darüber sind sich Experten nicht einig. Aus meiner persönlichen Sicht liefert eine ausführliche, erweiterte Blutdiagnostik in Kombination mit der Herzratenvariabilität und der VO₂max die wertvollsten Aussagen. Sie sind für mich aussagekräftiger als ein epigenetischer Test allein. Der Herbst ist mit Zeitumstellung und weniger Tageslichtstunden für viele Menschen eine physische und psychische Herausforderung. Wie kann ich diese aus Longevity-Sicht besser meistern? Auch Licht ist ein Nährstoff für den Körper – das ist wissenschaftlich belegt. Es stimuliert unsere Mitochondrien, reguliert unsere innere Uhr und sorgt für die Ausschüttung der richtigen Neurotransmitter. Tageslicht ist daher essenziell für unser Wohlbefinden. Wenn es im Herbst weniger wird, kann sich das spürbar auf die Stimmung auswirken.
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Kryotherapie
Bilder: Longevity Center
Der extreme Kältereiz von -85 bis -110 Grad Celsius in der „Kryotherapie“ (auch als Kältekammer bekannt) blockiert Schmerzsensoren und senkt die Nervenleitgeschwindigkeit, was sich u. a. entzündungshemmend und muskelregenerierend auswirken kann.
Die wichtigste Empfehlung: Verbringen Sie so viel Zeit wie möglich draußen – auch wenn der Himmel bedeckt ist. Selbst durch Wolken dringt ausreichend Licht, um Gehirn und Hormonsystem positiv zu beeinflussen. Wer die hellen Stunden des Herbstes bewusst nutzt, tut seiner Gesundheit mehr Gutes, als er oft denkt. Wer merkt, dass die Stimmung oder Energie im Herbst deutlich nachlässt oder gar depressive Verstimmungen auftreten, kann gezielt mit Lichttherapie gegensteuern. Morgens empfehlen sich Tageslichtlampen, die den Körper aktivieren und die innere Uhr kalibrieren. Abends kann Rotlichttherapie helfen, zur Ruhe zu kommen. Lichttherapie ist ein vielschichtiges Thema, aber eines mit großem Potenzial: Wir orientieren uns an der Natur – und lassen uns dabei von der Technologie unterstützen. Jetzt ist die Saison, in der das Immunsystem im Hinblick auf die „Schnupfenzeit“ und den kalten Winter gestärkt werden sollte. Was empfehlen Sie? Auch für ein starkes Immunsystem gilt: Die Basis sind die klassischen
Lifestyle-Faktoren – Schlaf, Ernährung und Bewegung. Wer diese so gut wie möglich einhält, hat schon viel gewonnen. Ergänzend empfehle ich, präventiv hochwertige Nährstoffe wie Vitamin C und Zink am besten immer vorrätig zu Hause zu haben. Ich persönlich greife zusätzlich auf hoch dosierte Vitamin-C-Infusionen zurück, sobald ich merke, dass sich etwas anbahnt. Diese können das Immunsystem gezielt und schnell unterstützen – und helfen oft dabei, dass eine Erkrankung gar nicht erst ausbricht. Wie sehen Ihre täglichen bzw. regelmäßigen (in welcher Frequenz) Longevity-Rituale aus? Ich unterstütze mich gezielt mit den Technologien, die mir im „Longevity Center“ zur Verfügung stehen. Ein besonderes Must-do ist für mich das wöchentliche Neurofeedback. Meine verschiedenen Projekte – das Center, Vorträge und vieles mehr – machen mir große Freude, sind aber mental sehr fordernd. Neurofeedback hilft mir dabei, Fokus und Konzentration zu stärken und meinen Schlaf nachhaltig zu verbessern.
Dazu kommen meine täglichen Supplements, die ich den aktuellen Blutwerten anpasse. In besonders anspruchsvollen Phasen greife ich auf zusätzliche Nährstoffe zurück – und wenn ich intensiver trainiere, achte ich besonders auf meine Eiweißzufuhr und nehme zusätzlich Kreatin zu mir. Ganz wichtig ist mir außerdem der soziale Kontakt: Zeit mit Freunden und Familie – einfach Spaß haben. Das ist für uns alle ein unterschätzter, aber wesentlicher Longevity-Faktor. Und schließlich beschäftige ich mich regelmäßig mit neuen Therapien und teste, was wirklich funktioniert und was nicht. Es tut sich sehr viel in der Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der menschlichen Langlebigkeit. Unverzichtbar und absolut nicht verhandelbar sind für mich außerdem regelmäßiger Kraftsport und gezielter Muskelaufbau – sowie konsequente Schlafhygiene. Diese beiden Säulen sind für mich keine Option, sondern Pflicht.
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Loslassen bedeutet nicht verlieren“
Bilder: André Duarte
Carlos García Rodríguez
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Treffpunkt Natur
Interview mit Carlos García Rodríguez Wie wir lernen können, unserem Körper wieder zuzuhören
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Text: Lisa Gutzelnig
ir haben den Körpertherapeuten Carlos G arc í a R o dríguez auf Mallorca im wunderschönen Agrikulturhotel Sa Cova Vella getroffen. Umgeben von bunten Herbstpflanzen, Pferden und Hunden erzählt er uns, warum gerade der Herbst eine wichtige Botschaft für unseren Körper bereithält – und wie wir wieder lernen können, unseren eigenen Rhythmus wahrzunehmen. Carlos praktiziert die Esalen-Massage sowie Zen Shiatsu auf Mallorca und in Österreich. Im Gespräch geht es um die Kraft bewusster Berührung, um die Sprache unseres Körpers und um den Mut, Altes loszulassen. Ein berührendes Gespräch über die Kunst des Innehaltens, darüber, warum Loslassen nicht verlieren bedeutet – und weshalb wir manchmal erst Raum schaffen müssen, damit etwas Neues entstehen kann. Der Atem begleitet uns unser ganzes Leben – und doch sind wir uns seiner die meiste Zeit nicht bewusst. Welche Bedeutung hat der Atem aus deiner Sicht für unser körperliches und emotionales Wohlbefinden?
Nun, für mich bedeutet das Beobachten des Atems auch, zu lernen, sich selbst zuzuhören. Es geht nicht darum, auf eine bestimmte Weise zu atmen, sondern zu erkennen, wie ich gerade atme und was in diesem Moment in meinem Körper geschieht. Wenn wir ruhig sind, findet unser Atem meist ganz natürlich einen weiteren, freieren Rhythmus. Wenn wir jedoch Angst haben, Stress erleben oder versuchen, alles zu kontrollieren, verändert sich der Atem oft: Er wird kürzer, schneller oder zurückgehalten. Während einer Behandlung ist der Atem für mich wie der Dirigent eines Orchesters. Ich folge diesem Dirigenten, denn er zeigt mir, wann etwas geschieht. Ob jemand auf dem Bauch oder auf dem Rücken liegt – ich beobachte ständig den Atem. Wenn er stockt oder sich verändert, weiß ich, dass wir an einem interessanten Punkt angekommen sind. Im Körper und im emotionalen Zustand ist etwas passiert. Was genau ist Zen Shiatsu und wodurch unterscheidet sich diese Form der Körperarbeit von einer klassischen Massage? In Japan gilt sie tatsächlich als Medizin und nicht als Massage. Im Wesentlichen arbeitet Zen Shiatsu mit anhalten-
dem Druck, Berührung, Körperwahrnehmung und den Meridianen der Traditionellen Chinesischen Medizin. Durch den Meister Masunaga unterscheidet sich diese Arbeit jedoch etwas von anderen Formen. Die Absicht des Zen Shiatsu ist es, einen Dialog mit dem ganzen Körper herzustellen. Der Therapeut hört mit den Händen zu und nimmt Bereiche mit starker Spannung wahr, die wir Jitsu nennen. Bereiche mit sehr wenig Energie nennen wir Kyo. Außerdem beobachten wir Veränderungen des Atems, der Temperatur und des Muskeltonus und passen die Behandlung daran an. Es geht nicht darum, den Körper zu „reparieren“, sondern Bedingungen zu schaffen,
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damit er sich selbst neu organisieren kann.
Sind die Berührungen punktueller? Stell dir vor, ich berühre eine Stelle mit einem Jitsu, also einen Bereich großer Spannung. Dort bleibe ich, übe Druck mit Händen und Fingern aus und berücksichtige den Meridian, an dem wir arbeiten. Ich würde jedoch nicht den gleichen Druck ausüben, wenn dort ein Kyo wäre, also Energiemangel. Das ist wie auf einer Autobahn: Hier gibt es einen Stau. Ich arbeite nicht am Stau selbst, sondern am Kyo, damit der Stau abfließen und sich auflösen kann. Es geht also nicht darum, direkt dort zu arbeiten, wo es schmerzt, sondern andere Kanäle zu öffnen, damit sich die gestaute Energie wieder verteilen kann. Nicht: „Ich repariere dich“, sondern: „Ich ermögliche deinem Körper, sich selbst zu regulieren.“ Du arbeitest unter anderem mit Esalen-Massage. Was kann ein Therapeut während einer Behandlung im Körper eines Menschen wahrnehmen, das dieser selbst im Alltag vielleicht gar nicht bemerkt? Die Esalen-Massage entstand in Kalifornien, verbunden mit dem Esalen-Institut und der Bewegung zur Entfaltung des menschlichen Potenzials. Sie zeichnet sich durch weite, kontinuierliche
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Bilder: André Duarte
Berührt der Therapeut den Körper dabei weniger? Nein, gleich viel oder sogar mehr. Der Unterschied liegt in der Absicht. Und auch darin, dass der Klient während der gesamten Sitzung bekleidet bleibt und die Behandlung auf dem Boden auf einer Tatami-Matte stattfindet. Es geht nicht darum, dich zu heilen oder etwas an deinem Körper zu machen, sondern darum, dass dein eigener Körper sich durch Druck, Öffnung und energetische Bewegung selbst reorganisieren kann.
und bewusste Berührung aus. Lange, fließende Bewegungen durchziehen den ganzen Körper und schaffen ein Gefühl von Ganzheit – nicht nur in einer einzelnen Körperregion, sondern im gesamten Körper. Das Wesentliche an Esalen ist die Präsenz des Therapeuten. Berührung bedeutet nicht nur, eine Technik anzuwenden, sondern wirklich mit dem Menschen da zu sein. Der Klient soll spüren, dass der Therapeut ihn hält und dem zuhört, was in seinem Körper geschieht. Es ist ein gegenseitiges Begleiten: Ich bin hier, ich begleite dich, und gemeinsam hören wir deinem Körper zu. Viele Menschen sagen nach einer Behandlung: „Ich habe meinen Körper so lange nicht mehr gespürt.“ Besonders Menschen mit Depressionen fühlen sich oft vom Körper abgeschnitten. Die Empfindungen wieder wahrzunehmen,
ist enorm wichtig. Das ist die Essenz von Esalen. Hast du zu Beginn jeder Behandlung eine bestimmte Absicht? Meine Absicht ist nicht, dich zu heilen. Sie lautet vielmehr: Ich begleite dich in dem, was dein Körper zeigt. Es ist gar nicht so wichtig, dass ich verstehe oder interpretiere, was genau geschieht. Wichtig ist, dass ich präsent bin. Das ist die Wärme und Qualität unserer Arbeit. Entscheidend ist auch, dass du die Verbindung zur Wahrnehmung deines Körpers wiederfindest. Wenn ich behaupten würde, genau zu wissen, was in deinem Körper passiert, wäre das reine Interpretation. Dann arbeitet wieder der Verstand. Wir arbeiten aber nicht damit, sondern mit Empfindungen, Veränderungen des Atems und dem Moment, in dem der Körper loslassen kann.
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Was beobachtest du ganz konkret während einer Massage? Ich beobachte, wo der Atem beginnt. Bewegt sich nur der obere Brustkorb? Öffnen sich die Rippen? Bewegt sich der Bauch? Gibt es kleine Unterbrechungen im Atem? Die interessantesten Momente sind jene, in denen der Dirigent des Orchesters etwas verändert: ein spontaner Seufzer, eine lange Ausatmung oder wenn die Schultern plötzlich sinken. Dann sehe ich: „Jetzt hat der Körper losgelassen.“ Nicht die Person – sondern der Körper. Das Nervensystem erkennt: „Alles ist gut.“ Und genau dort beginnt die Regeneration. Ich erzwinge dabei nichts. Denn wenn ich eine Verspannung unbedingt lösen will, versetze ich das zentrale Nervensystem nur noch mehr in Alarmbereitschaft. Welche Rolle spielen Brustkorb, Rippen, Zwerchfell und Bauch dabei? Sie gehören alle zur Atembewegung. Das Zwerchfell ist ein wesentlicher Atemmuskel. Die Rippen brauchen Beweglichkeit, damit sich der Brustkorb ausdehnen und wieder zusammenziehen kann. Bei Menschen mit viel Spannung ist dieser Bereich oft sehr starr. Die Rippen bewegen sich kaum, und sie atmen nur in den oberen Brustbereich oder bis in den Schlüsselbeinbereich. Das tun wir erstaunlich oft. Die Idee ist, diesen Bereich zu öffnen, damit sich alles wieder entspannen und freier atmen kann. In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist der Herbst dem Element Metall sowie der Lunge und dem Dickdarm zugeordnet. Was bedeutet diese Verbindung, und was hat sie mit Loslassen und Rückzug zu tun? Der Herbst steht für eine Bewegung nach innen. In der Natur zieht sich alles zurück. Die Blätter fallen – das, was seine Aufgabe erfüllt hat, darf gehen. In der Traditionellen Chinesischen
Medizin steht das Element Metall symbolisch für die Fähigkeit, zu sammeln, auszuwählen und loszulassen. Die Lunge nimmt mit dem Atem auf, was wir brauchen, und gibt wieder ab, was wir nicht mehr brauchen. Der Dickdarm nimmt die Nährstoffe auf und scheidet aus, was nicht mehr notwendig ist. Darum sind beide dem Element Metall zugeordnet. Und deshalb stellt uns der Herbst eine einfache Frage: „Wovon bin ich bereit, mich zu lösen?“ Die dem Herbst zugeordnete Emotion ist die Traurigkeit. Müssen wir Traurigkeit zwangsläufig als etwas Negatives verstehen? Nein. Niemals. Keine Emotion ist negativ. Es gibt adaptive und maladaptive Emotionen, aber keine negativen. Wir haben gelernt, Traurigkeit möglichst schnell loswerden zu wollen: „Schnell weg damit.“ Dabei kann Traurigkeit Ausdruck von Sensibilität sein. Sie erscheint, wenn etwas endet, wenn wir etwas verlieren oder wenn wir uns zurückziehen müssen. Sie trägt eine wichtige Information. Warum gehört sie zum Herbst? Weil sie uns zum Innehalten einlädt. Wenn ich traurig bin, sagt mein Körper: „Stopp. Hör zu. Was ist geschehen? Wen oder was habe ich verloren? Wie gehe ich mit dem um, was gerade in meinem Leben passiert?“ Traurigkeit braucht Raum. Man muss sie fühlen und ihr erlauben, ihren Weg zu gehen. Das ist unglaublich wichtig.
sodass der Körper sie nie vollständig durchleben kann. Oder er hält zu lange daran fest, und der Körper leidet weiter. Der Körper lebt das aus, was der Verstand – bewusst oder unbewusst – ihm vorgibt. Wie kann sich eine Emotion wie Traurigkeit körperlich zeigen, wenn sie sehr lange bestehen bleibt? Kann Körperarbeit helfen, bewusster mit ihr in Kontakt zu kommen? Sie kann sich auf viele Arten zeigen: Spannung im Brustkorb, flacher Atem, Schweregefühl, steife Schultern, Müdigkeit oder ein allgemeiner Verlust an Vitalität. Die Energie sinkt. Und genau das hat einen Sinn: Sie sinkt, damit du anhalten kannst. Das bedeutet aber nicht, dass jede bestimmte Spannung automatisch einer bestimmten Emotion entspricht. So einfach ist es nicht. Es gibt keine mathematische Formel. Jeder Körper und jeder Geist sind einzigartig. Körperarbeit kann helfen, weil
Man kann aber nicht für immer darin bleiben, oder? Genau. Irgendwann möchte der Körper wieder vorwärtsgehen. Der Körper ja – der Verstand oft nicht. Entweder will der Verstand die Traurigkeit sofort loswerden und blockiert sie,
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zubekommen, was in ihm geschieht. Der einfache Akt des Beobachtens verändert bereits die Erfahrung. Wenn du ständig durchs Leben rennst, kannst du nichts wahrnehmen. Und am Ende bist du dir selbst der größte Unbekannte.
sie uns zu einer ganz einfachen Erfahrung zurückführt: zu spüren, was jetzt geschieht. Wenn wir aufhören, gegen eine Empfindung zu kämpfen, können wir beginnen, ihr anders zu begegnen. Wenn ich den Kampf gegen meine Traurigkeit aufgebe, kann ich fragen: „Was möchte sie mir erzählen? Was geschieht wirklich in meinem Leben? Was darf ich durchleben und vorbeiziehen lassen?“ In dem Moment, in dem ich aufhöre zu kämpfen, beginnt Akzeptanz. Und genau dafür braucht es Mut. Im Alltag versuchen wir oft, Beschwerden und Spannungen möglichst schnell loszuwerden. Du sprichst dagegen vom Zuhören und Wahrnehmen. Was bedeutet es konkret, dem eigenen Körper zuzuhören? Es bedeutet, zuerst innezuhalten, bevor ich versuche zu verändern, was ich fühle. Diese Pause machen wir
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meistens gar nicht. Wir wollen nur, dass das Gefühl verschwindet, und verlieren dadurch die ganze Information, die darin steckt. Also halte ich zuerst an. Dann frage ich mich: • Wie geht es mir? • Wo spüre ich diese Spannung? • Wie atme ich gerade? • Was macht mein Dirigent – mein Atem? • Und was braucht mein Körper jetzt? Zuhören bedeutet nicht, sofort eine Antwort zu finden. Es bedeutet lediglich wahrzunehmen, was geschieht. Vielleicht kommt eine klare Antwort. Vielleicht auch nicht. Aber allein das Anhalten und Beobachten verändert bereits etwas. Es ist wie beim Autofahren: Wie oft kommst du an deinem Ziel an und hast den ganzen Weg gar nicht bewusst wahrgenommen? Genauso erleben wir oft unseren Körper, ohne wirklich mit-
Kannst du anhand einer typischen Behandlung beschreiben, wie du vorgehen würdest, wenn jemand sehr oberflächlich atmet? Als Erstes: Kontakt. Ich nehme den ganzen Körper wahr und beobachte, wie er sich zeigt. Danach beginne ich vielleicht mit Bereichen, die mit der Atmung zusammenhängen – oder auch nicht. Das hängt ganz vom Körper der Person ab. Ich glaube, das Schlechteste, was ein Therapeut tun kann, ist, schon vorher genau zu wissen, was er machen wird. Man kann eine Idee haben. Aber sobald man den Menschen berührt, kann diese Idee völlig in sich zusammenbrechen. Deshalb arbeiten wir nicht mit einem festen Schema, sondern mit Zuhören und Begleitung. Vielleicht öffne ich die Schultern oder arbeite an den Rippen – je nachdem, was der Körper braucht. Und manchmal scheint äußerlich gar nichts zu passieren. Ich arbeite mit meinen Händen, und plötzlich kommt ganz von selbst ein tiefer Seufzer. Genau dann beginnt der Körper zu antworten. Der Herbst zeigt uns auf ganz besondere Weise, wie die Natur das loslässt, was sie nicht mehr braucht, ohne dagegen anzukämpfen. Was können wir daraus lernen? Wir können daraus diesen natürlichen Rhythmus wieder erlernen und erfahren, wie wir durch bewusstes Atmen und Körperarbeit wieder mit unserem eigenen Rhythmus in Verbindung kommen können. Das ist magisch. Vielleicht können wir auch lernen, dass nicht alles wachsen muss.
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„Loslassen bedeutet nicht, etwas zu verlieren. Manchmal bedeutet es, Raum für das zu schaffen, was danach kommt.“
Was ist für dich persönlich das größte Wunder des Herbstes? Für mich ist das größte Wunder des Herbstes, dass er uns daran erinnert, dass auch das Loslassen ein Teil des Lebendigseins ist. Es ist mehr oder weniger dasselbe. Das ist es, was ich bereits vorher gesagt habe: Ein Blatt fällt nicht, weil es versagt hat, sondern weil seine Zeit gekommen ist. Das Blatt hat nicht versagt. Und ich glaube, wir müssen uns daran erinnern. Es gibt Dinge, Lebensphasen, Vorstellungen und sogar Lebensweisen, die uns irgendwann geholfen haben, die aber später nicht mehr notwendig sind. Der Herbst lädt uns dazu ein, uns zu fragen: Was kann ich loslassen, um mich wieder leichter zu fühlen? Und vielleicht ist das auch der wahre Sinn des Atems: das Leben aufzunehmen und den Mut zu haben, es wieder loszulassen. Der erste Atemzug, der letzte Atemzug. Ich atme ein, wenn ich geboren werde, und ich atme aus, wenn ich sterbe.
Sa Cova Vella Ein herzliches Dankeschön an Sa Cova Vella in Manacor für die besondere Location und den wunderbaren Rahmen für unser Interview mit Carlos García Rodríguez.
Carlos bietet seine Körpertherapien auf Mallorca an folgenden Orten an: •
In seinem Studio Ingravida in Palma de Mallorca
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Auf der Yoga Finca Son Manera in Montuiri
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Im Holistic Health Hotel Son Fogueró in Maria de la Salut im Inselinneren
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Im Fincahotel Finca Ampola bei Campos im Süden Mallorcas
In der vierten Woche jedes Monats kommt Carlos für ein Wochenende nach Österreich, wo er seine Körpertherapien unter anderem an folgenden Orten anbietet: •
Im Kleebauer Hof Retreat Center im wunderschönen Mühlviertel
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In einem Studio in Wien-Hietzing
Für Massageanfragen: mindfulcarlos@hotmail.com Instagram: carlosgarcia.zen
naturacavallsacova.com
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Bilder: André Duarte, Finca Sa Cova Vella
Dass nicht alles voranschreiten muss. Und dass nicht alles ständig etwas hervorbringen muss. Vielleicht lehrt uns das der Herbst. Denn wir glauben, dass immer alles vorangehen muss, alles wachsen muss, alles gut sein muss, alles für mich funktionieren muss. Die Natur jedoch – die sehr weise ist – weiß auch, wann sie innehalten muss. Im Winter hält sie an. Und im Herbst ebenso. Der Atem erinnert uns also ständig daran: einatmen, ausatmen, aufnehmen, loslassen, ausdehnen, zurückziehen. Es ist wie in der Natur: Wir können nicht für immer beim Einatmen bleiben. Ich kann nicht immer nur aufnehmen, aufnehmen, machen, tun, aufnehmen, wachsen, voranschreiten, besser werden. Nein. Ich muss auch lernen loszulassen. Dazu gehört auch, sich einzugestehen: Das hier ist nichts für mich, das funktioniert nicht. Ich bin diesen Weg gegangen und es ist nicht mein Weg, das ist nicht mein Partner, das ist nicht meine Arbeit, das ist nicht mein Studium, das ist nicht mein Zuhause etc. Letztendlich ist alles so einfach. Es geht darum, zuzuhören. Wenn etwas nicht geschieht, dann ist es, weil es nicht sein soll. Und man muss es loslassen. Und nicht dagegen ankämpfen. Oder wenn du glaubst, dass es der Partner deines Lebens ist und du dafür kämpfen möchtest. Weil du ja für diese Person sterben würdest – eine Person, der du völlig egal bist. Vielleicht ist das also eine der großen Lehren des Herbstes:
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Heilsame Rituale
Altes loslassen, neue Kraft schöpfen Energetische Rituale für den Herbst
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Text: Lisa Gutzelnig
o wie es Menschen gibt, die uns Energie rauben, können auch die von anderen Menschen ausgesendeten Energien unseren eigenen Energiehaushalt belasten. Neid, Hass, Eifersucht, Wut oder Missgunst können – bewusst oder unbewusst – als energetische Botschaften auf uns wirken. Werden solche Gedanken oder Gefühle immer wieder gegen einen Menschen gerichtet, können sie sich nach energetischer Vorstellung als belastende Anhaftungen in unserem Energiefeld festsetzen. Dabei geht es nicht allein darum, dass wir uns nicht ausreichend abgrenzen. Manchmal sind es auch andere Menschen, die bewusst oder unbewusst in unseren Energieraum eindringen können und uns mit ihrer negativen Haltung belasten. Wir nehmen diese Spannungen wahr, tragen sie mit uns und spüren sie
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nicht selten körperlich – als Druck auf den Schultern, Schwere im Rücken, Unruhe im Bauch oder ein Gefühl, plötzlich nicht mehr ganz bei uns selbst zu sein. In der energetischen Arbeit wird davon ausgegangen, dass sich solche Fremdenergien und Anhaftungen unter anderem im Bereich der Chakren festsetzen können – insbesondere im Wurzel-, Sakral-, Emotionalund Herzchakra. Nach energetischer Vorstellung können solche Einflüsse den Energiefluss beeinträchtigen und dazu führen, dass wir uns erschöpft, bedrückt oder innerlich blockiert fühlen. Eine energetische Reinigung dient deshalb dazu, diese fremden Einflüsse bewusst zu lösen und an ihren Ursprung zurückzugeben. Was nicht zu uns gehört, muss nicht bei uns bleiben. Wir dürfen uns ganz selbstverständlich von Energien lösen, die uns schwächen, und unseren eigenen Raum wieder vollständig einnehmen.
Rituale zum energetischen Loslassen
Bilder: Envato, Primavera
Wasser ist in vielen Kulturen ein Reinigungssymbol. Waschungen und Bäder finden sich beispielsweise in religiösen Ritualen des Christentums, Judentums, Islams, Hinduismus und Buddhismus. Die Verbindung von Wasser mit Reinigung und Neubeginn ist so alt wie das Wasser selbst. Wie ein Fluss, der unaufhörlich seinen Weg sucht, Altes mit sich nimmt und immer wieder Raum für Neues schafft.
Dusche Die einfachste Art und Weise ist die Reinigung durch die Dusche. Wichtig ist dabei, den ganzen Körper einschließlich der Haare zu duschen. Pflanzliche Seifen und ätherische Öle unterstützen diese Reinigung, denn unser Geruchssinn spielt eine Rolle. Düfte gelangen über das Riechsystem unmittelbar in Hirnregionen, die eng mit Emotion und Erinnerung verbunden sind. Deshalb kann beispielsweise der Duft von Lavendel, Rosmarin oder Zitrone ein Ritual sehr persönlich machen. Wenn das Wasser dann über unseren Körper läuft, können wir innerlich sagen:
„Was heute schwer war, darf jetzt gehen. Was nicht zu mir gehört, muss ich nicht mit in den Abend nehmen.“ Man kann sich vorstellen, dass Sorgen, Anspannung und die Eindrücke des Tages mit dem Wasser in den Abfluss fließen. Wer möchte, kann dabei bewusst den Abfluss betrachten und zusehen, wie das Wasser darin verschwindet. Ein gutes Bild: Nicht weil das Wasser nachweisbar negative Energie entfernt, sondern weil die Vorstellung dem Kopf hilft, einen Abschluss zu markieren.
Duftende Waschung am Morgen Ein bewusstes Morgenritual kann helfen, die Gedanken zu sammeln und mit einem Gefühl von Frische und Klarheit in den Tag zu starten. Düfte spielen dabei eine besondere Rolle, denn sie sind eng mit Emotionen, Erinnerungen und Aufmerksamkeit verbunden. In Verbindung mit Wasser lässt sich daraus ein einfaches Pflegeritual gestalten, das Körper und Sinne gleichermaßen anspricht. Für eine aktivierende Waschung eignet sich beispielsweise die Kraft & Energie Duftmischung von Primavera mit Riesentanne, Rosmarin Cineol und Grapefruit. Ihr klarer, krautig-frischer Duft passt besonders gut in die Morgenstunden. Die Waschung kann dabei ganz bewusst als Übergang verstanden werden. Was vom Vortag noch nachwirkt, darf zurückbleiben, während der neue Tag mit frischer Aufmerksamkeit beginnt.
Aktivierende Waschung Bis zu 5 Tropfen der Duftmischung mit 1 EL Meersalz vermengen und anschließend in 3 bis 5 Liter Wasser auflösen. Das Wasser darf etwas kühler als die Körpertemperatur sein. Einen Waschlappen in das Duftwasser tauchen und den Körper damit gegen die Haarwuchsrichtung abstreichen. Dabei vom Körperstamm aus über die Arme und anschließend zu den Beinen arbeiten. Danach die Haut sanft trocknen und noch einen Moment bewusst nachspüren.
Am Ende können wir das Wasser für einige Sekunden etwas kühler stellen, wenn man das angenehm findet. Danach bewusst abtrocknen und sich beispielsweise sagen:
„Der Tag ist vorbei. Ich muss ihn nicht mitnehmen.“ Das Ritual der abendlichen Dusche wird so zu einer klaren Grenze zwischen Außenwelt und Innenwelt.
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Lichtvolle Öle als Begleiter in den Abend
Für ein „lichtvolles“ Öl-Ritual eignen sich besonders Düfte, die man persönlich mit Klarheit und Wärme verbindet: Lavendel: für Ruhe und einen sanften Übergang in den Abend Zitrone: frisch, hell und belebend Orange: warm und freundlich Weihrauch: traditionell stark mit Meditation und spirituellen Ritualen verbunden Rosmarin: aromatisch und klar
a. Licht entzünden Eine Kerze anzünden und für einige Augenblicke einfach die Flamme betrachten.
b. Lichtsäule aufbauen Augen schließen und sich vorstellen, dass goldenes oder weißes Licht von oben durch den Körper bis in die Erde fließt.
c. Öl wählen Ein Duft, der sich heute richtig anfühlt, kommt in den Diffuser oder wird – entsprechend verdünnt – auf Hände und Handgelenke aufgetragen.
d. Loslassen Beim Ausatmen bewusst sagen: „Was heute nicht mehr zu mir gehört, darf gehen.“
e. Licht zurückholen Zum Schluss vorstellen, dass die Lichtsäule immer heller wird und den eigenen Raum komplett umhüllt und erfüllt. Nicht als Kampf gegen etwas Dunkles, sondern als bewusste Entscheidung für Ruhe, Klarheit und die eigene Mitte.
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Bilder: Envato
Auch Düfte können dieses Ritual unterstützen. Ätherische Öle wirken nicht nachweislich, indem sie „negative Energien“ entfernen. Ihr Duft kann aber sehr unmittelbar mit Stimmung, Erinnerung und Aufmerksamkeit verbunden sein. Für manche Menschen wird dadurch das Gefühl von Reinigung und Neubeginn verstärkt.
Salzbad Salz wird seit Jahrtausenden mit Reinigung, Schutz und Bewahrung verbunden. In vielen Kulturen hat Salzwasser deshalb auch eine symbolische Bedeutung. Was liegt also näher, als diese uralte Verbindung von Wasser und Salz auch für ein persönliches Reinigungsritual zu nutzen? Ein warmes Vollbad mit Salz kann dabei zu einem bewussten Moment des Loslassens werden – eine kleine Auszeit, in der wir Belastendes abstreifen und Raum für neue Energie schaffen. In energetischen Traditionen wird Salz die Fähigkeit zugeschrieben, belastende Energien symbolisch zu binden. Wer Düfte in das Ritual einbeziehen möchte, kann beispielsweise einige Tropfen eines für Bäder geeigneten ätherischen Öls entsprechend den Anwendungshinweisen verwenden. Wer das Ritual möglichst umfassend gestalten möchte, kann auch die Haare mitwaschen. Angenehm warm ist dabei besser als sehr heiß. Zu heißes Wasser kann die Hautbarriere belasten und Juckreiz fördern. Bei empfindlicher Haut empfiehlt sich eher lauwarmes bis warmes Wasser, da sehr heißes Wasser die Haut austrocknen und reizen kann. Für ein Wellness-Ritual muss das Wasser außerdem nicht extrem salzig sein – eine moderate Menge Badesalz genügt. Währenddessen empfiehlt es sich sehr, nebenbei nicht „etwas zu erledigen“. Kein Handy, keine Nachrichten, keine Podcasts. Einfach liegen, atmen und wahrnehmen, wie das warme Wasser den Körper umgibt. Vielleicht brauchen wir heute keine stärkere Abschottung von der Welt, sondern bewusst gesetzte Übergänge. Ein Salzbad kann ein solcher Übergang sein: Die Nachrichten bleiben draußen, das Smartphone liegt im anderen Raum, und für ein paar Minuten gibt es nur warmes Wasser, Atem und Körper. Ob man dabei nun von „energetischer Reinigung“ spricht oder einfach von einem Ritual des Loslassens, bleibt jedem selbst überlassen. Entscheidend ist jedoch die bewusste Haltung: Ich muss nicht alles, was mir heute begegnet ist, mit in die Nacht nehmen.
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Auszeit vor den Toren Salzburgs Ländliche Ruhe, Stadtnähe und ein neuer Wellnessbereich ab Winter 2026: Das Hotel Königgut in Wals bei Salzburg verbindet gewachsene Gastfreundschaft mit Genuss, Natur
Bilder: Königgut (Vladimir Dejanovic, David Wöckinger)
und urbaner Abwechslung.
Gemüsefelder, Wiesen, Berge am Horizont und ein Haus, das sich seine bodenständige Seele bewahrt hat: Im Hotel Königgut in Wals bei Salzburg beginnt die Auszeit nicht weit weg, sondern genau dort, wo Stadt und Land einander auf besonders wohltuende Weise begegnen. Die Salzburger Altstadt ist mit den Öffis in nur rund 15 Minuten erreichbar – und doch fühlt sich hier alles nach Ruhe, Ankommen und echter Gastfreundschaft an. Das Hotel Königgut ist ein Ort für alle, die übers Wochenende raus möchten, ohne sich entscheiden zu müssen: Stadt oder Land, Kultur oder Natur, Wellness oder Kulinarik. Einst landwirtschaftlicher Betrieb, ist das 4-Sterne-Hotel bis heute eng mit seinen Wurzeln verbunden. Eine kleine Landwirtschaft gehört weiterhin zum Haus, frische Produkte aus eigener Erzeugung und der Genussregion Wals prägen die Küche. Im ganzen Haus begegnet man keiner Inszenierung, sondern echter Herzlichkeit. Viele Stammgäste kommen genau deshalb wieder: wegen der Menschen, der familiären Atmosphäre und dieses selten gewordenen Gefühls, willkommen zu sein.
Kurzurlaub zwischen Mozartstadt und Wiesenrand Das Königgut ist ideal für Kurzurlauber, die Salzburg erleben möchten, aber nicht mitten im Trubel wohnen wollen. Morgens gemüt-
lich frühstücken, danach mit dem Bus direkt in die Stadt, durch Gassen spazieren, Museen besuchen, Kultur erleben – und abends zurück ins Königgut, in die Ruhe eines Hauses, das sich wie Ankommen anfühlt. Dank des Guest Mobility Tickets nutzen Übernachtungsgäste die öffentlichen Verkehrsmittel im SalzburgerLand kostenlos. So wird der Urlaub unkompliziert, autofrei und entspannt. Aber auch authentische Naturerlebnisse, Ausflüge zum Seengebiet, Rad- oder Wandertouren lassen sich vom Königgut aus ganz einfach verbinden.
Neuer Wellnessbereich ab Winter 2026 Ab Winter 2026 bekommt dieses entspannte Stadt-Land-Gefühl noch mehr Raum. Dann eröffnet im Königgut ein neuer Wellnessbereich, der den Kurzurlaub wetterunabhängiger und erholsamer macht. Wer tagsüber die Abwechslung zwischen Stadt, Natur und Kultur auskostet, findet danach im Königgut einen Rückzugsort, der wohltut. Der neue Wellnessbereich bietet einen Pool, dessen Wasser mittels Salz-Elektrolyse haut- und augenfreundlich aufbereitet wird, Saunen, ein Dampfbad, Infrarotangebote sowie Platz für Fitness, Yoga und bewusste Auszeiten. Dazu kommt dieses wohltuende Königgut-Gefühl, das so viele Gäste immer wieder zurückkommen lässt.
Hotel Königgut GmbH Oberfeldstraße 1, 5071 Wals bei Salzburg Österreich Tel.: +43 662 850 393 hotel@koeniggut-salzburg.at koeniggut-salzburg.at
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Heilsame Rituale
Bild: mit KI generiert
Alte Herbstbräuche und Heilrituale Wenn alte Rituale wieder lebendig werden
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er Herbst ist eine Zeit des Übergangs. Das Licht wird weicher, die Tage kürzer, die Farben intensiver. Die Natur zieht sich langsam zurück und bereitet sich auf die Ruhe des Winters vor. Für uns Menschen ist dieser Wandel mehr als ein Schauspiel vor unseren Augen. Oft berührt er auch etwas in uns: den Wunsch, innezuhalten, zurückzublicken und uns von dem zu verabschieden, was nicht mehr zu uns gehört. Schon immer haben Menschen solche Übergänge im Jahreskreis bewusst wahrgenommen und mit Bräuchen und Ritualen begleitet. Sie gaben dem Wandel einen Rahmen und machten sichtbar, was sich sonst oft nur leise in uns vollzieht. Der Wechsel von Licht und Dunkelheit, von Fülle und Rückzug, von Werden und Vergehen wurde dabei nicht als Ende verstanden, sondern als Teil eines größeren Kreislaufs. Eine besondere Bedeutung hat dabei die Tagundnachtgleiche im Herbst. Für einen kurzen Moment sind Tag und Nacht im Gleichgewicht, bevor die Dunkelheit zunehmend Raum gewinnt. Es ist eine Schwelle im Jahreskreis – und damit ein guter Zeitpunkt, um innezuhalten und sich zu fragen: Was möchte ich mitnehmen in die kommende Zeit? Was darf bleiben? Und was darf ich loslassen?
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In unterschiedlichen naturverbundenen und spirituellen Traditionen wurden solche Schwellen nicht nur beobachtet, sondern bewusst rituell begleitet. Ein eindrucksvolles Sinnbild dafür ist der Medizinkreis. Der Kreis steht für den ewigen Kreislauf des Lebens, für Verbundenheit und Wandel. Seine vier Himmelsrichtungen können uns daran erinnern, dass unser Leben nicht geradlinig verläuft, sondern sich in Zyklen bewegt: Aufbruch und Rückzug, Wachstum und Vergehen, Anfang und Ende. Im Kreis gibt es keinen endgültigen Anfang und kein endgültiges Ende. Es gibt Übergänge. Vielleicht liegt genau darin eine Kraft, die uns auch heute noch berühren kann. Ein Ritual kann einen Übergang bewusst machen und uns den Raum geben, innezuhalten, statt einfach weiterzugehen. Wir können würdigen, was war, bewahren, was uns trägt, und bewusst entscheiden, was wir loslassen möchten. So verstanden, haben Rituale auch mit Selbstermächtigung zu tun – nicht im Sinne von Kontrolle, sondern als Erinnerung daran, dass wir unserem eigenen Leben eine Richtung geben können. Wir können nicht alles beeinflussen, was geschieht, aber entscheiden, wie wir ihm begegnen. Vielleicht ist genau das die stille Botschaft des Herbstes: Loslassen bedeutet nicht, etwas zu
Bild: Envato
Text: Lisa Gutzelnig
Heilsame Rituale
verlieren. Manchmal schafft es erst den Raum für das, was entstehen möchte.
Heilrituale & Selbstermächtigung Der Begriff Selbstermächtigung soll in diesem Zusammenhang nicht missverstanden werden – weder als Anmaßung noch als Ausübung von Macht über andere. Selbstermächtigung bedeutet vielmehr, die eigenen Potenziale zu erkennen und zu entwickeln. Selbstermächtigung kann heißen, sich selbst zu erlauben, so zu sein, wie man ist, und sich nicht wie eine Marionette von irgendwelchen Mächten, Vorstellungen oder Vorgaben führen zu lassen. Es bedeutet, die Freiheit zu entwickeln, sich selbstbestimmt zu bewegen und den eigenen Weg zu gehen. Selbstermächtigung kann aber auch bedeuten, dass wir einem Schmerz, den wir schon lange mit uns tragen, einfach einmal nachgeben. Wir ermächtigen uns selbst, ihn zuzulassen. Wir nehmen ihn an und begegnen uns selbst mit Mitgefühl. Ein „Es ist doch gar nicht so schlimm“ von Verwandten oder anderen Menschen ist meist gut gemeint und soll uns vielleicht trösten. Doch der selbstermächtigte Mensch schaut hin, anstatt wegzusehen. Weil er es sich selbst erlaubt, kann er seinem Schmerz mit Selbstmitgefühl begegnen. Er kann ihn annehmen, wertschätzen und letztlich sogar würdigen, anstatt ihn zu verdrängen. Alte Heilrituale können uns dabei unterstützen, Schritt für Schritt innere und äußere Hindernisse auf unserem Lebensweg zu über-
winden. Rituale dienten in vielen Kulturen dazu, Menschen in schwierigen Übergängen zu begleiten, ihnen Orientierung zu geben und ihre eigenen Kräfte zu stärken. Durch rituelle Erfahrungen können wir nach und nach Fähigkeiten entwickeln, die uns helfen, unser Leben bewusster und selbstbestimmter zu gestalten. Wir lernen, uns selbst wahrzunehmen, unseren Erfahrungen Raum zu geben und den eigenen inneren Kräften zu vertrauen.
Der Medizinkreis Der Kreis hatte in vielen indigenen Traditionen eine besondere, teils heilige Bedeutung. Er stand für Verbundenheit, den Kreislauf des Lebens und die Kräfte der Natur. Indigene Gemeinschaften wollten das Heilige bewahren. Vieles von dem, was ihnen heilig war, wurde im Lauf der Geschichte bedroht oder ging ihnen verloren – darunter auch große Teile ihres angestammten Landes. Die Zahl Vier ist für viele indigene Traditionen von besonderer Bedeutung. Auch der Medizinkreis besteht häufig aus vier Vierteln. In vielen Traditionen wird die Zahl Vier mit unterschiedlichen Lebensbereichen verbunden: mit den vier Himmelsrichtungen, den vier Jahreszeiten oder verschiedenen Lebensabschnitten des Menschen. All diese Aspekte münden in den Kreis von Geburt und Tod, Entstehen und Vergehen. Die vier Himmelsrichtungen und die mit ihnen verbundenen Kräfte besitzen in vielen indigenen Traditionen eine besondere spirituelle Bedeutung. Wenn Menschen in einigen indigenen Traditionen große Zeremonien wie den Sonnentanz oder eine Visionssuche vollziehen, gehen sie ganz in die mit den vier Himmelsrichtungen verbundenen Kräfte hinein. Sie geben sich ihnen aus tiefer Ehrerbietung und spiritueller Hingabe hin. Manche dieser Zeremonien beinhalten auch Zeiten des Fastens. Die Menschen setzen sich dabei der Sonne, dem Wind, der Natur und ihren eigenen Ängsten aus. Die Erfahrungen, die sie in dieser Zeit machen, können zu einem großen Schatz und zu einer Quelle ihrer Kraft werden. Wie kann man sonst erfahren, wie es sich anfühlt, Wasser als beseeltes, lebendiges
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Heilsame Rituale
Norden (geistig) Winter
Süden
Osten
(körperlich)
(spirituell)
Herbst
Frühling
Westen (emotional)
Selbstheilung
Sommer
im Medizinkreis
Wesen wahrzunehmen – und nicht nur als „nass und kalt“? Wenn wir eine lebendige Beziehung zu den Urkräften eingehen, kann die Kraft der Elemente uns vielleicht berühren und heilsam wirken. Plötzlich fühlen wir uns eingebunden in einen Kreis von Menschen und Mächten, die mit uns verwandt sind. Auf der anderen Seite der Welt gibt es Menschen, für die es ganz selbstverständlich ist, Visionen zu haben. Es gibt alte Traditionen, in denen Visionen durch besondere Rituale gesucht und hervorgerufen wurden. In solchen Traditionen war eine Vision nichts, wofür man sich schämen musste oder was einfach beseitigt werden sollte. Menschen mit Visionen hatten für ihre Gemeinschaft eine besondere Bedeutung. In vielen alten Traditionen waren solche Erfahrungen ein wesentlicher Bestandteil der persönlichen und gemeinschaftlichen Entwicklung. Der Medizinkreis kann uns daran erinnern, dass alles miteinander verbunden ist – Mensch und Erde, Himmel und Wasser, Geburt und Tod, Werden und Vergehen.
Ein solches Ritual beginnt am besten draußen in der Natur: Wir ziehen einen Kreis und laden anschließend symbolisch die vier Himmelsrichtungen sowie die Kraft der Mitte ein. Nachdem der Kreis gezogen und die vier Richtungen eingeladen sind, folgt eine konkrete Handlung – zum Beispiel eine rituelle Reinigung oder eine Weihe. Anschließend lösen wir den Kreis wieder auf, bedanken uns und verabschieden die eingeladenen Kräfte. Darin besteht, kurz gesagt, der ganze Zauber. Ein solches Ritual folgt dem Grundprinzip, nach dem das gesamte Universum funktioniert: Etwas entsteht – etwa ein Sonnensystem oder eine ganze Galaxie –, es bleibt für eine Zeit bestehen und vergeht schließlich wieder. Erschaffen, Bewahren, Würdigen und Loslassen spielen im Medizinkreis eine zentrale Rolle. So wird der Kreis zu einem Sinnbild für den ewigen Kreislauf des Lebens.
Zeiten der Kraft Wann ist der beste Zeitpunkt, um ein Ritual durchzuführen? Grundsätzlich immer dann, wenn wir bewusst innehalten und einen Übergang wahrnehmen. In vielen alten Kulturen galten die Jahreskreisfeste – insbesondere die Tagundnachtgleichen und Sonnenwenden – als Zeiten besonderer Kraft, weil sich der Rhythmus der Natur spürbar verändert. Gerade die Herbst-Tagundnachtgleiche markiert einen bedeutsamen Wendepunkt: Tag und Nacht sind noch einmal im Gleichgewicht, bevor die dunkle Jahreszeit beginnt. Traditionell war dies die Zeit der letzten Ernte, des Dankes und des Loslassens. Alte Herbstbräuche erinnerten daran, die Früchte des Jahres bewusst zu
Ein Kreis ist ein Zeichen der Unendlichkeit. Wenn wir das Wunder des Daseins wirklich verstehen und uns schöpferisch in den Kreislauf von Entstehen und Vergehen einweben möchten, können uns die Heilrituale des Medizinkreises dabei unterstützen.
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Bilder: Envato
Ein vom Medizinkreis inspiriertes Ritual
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würdigen, Überflüssiges hinter sich zu lassen und sich innerlich auf die ruhigere Zeit des Jahres vorzubereiten. Rituale, die in dieser Übergangsphase stattfinden, greifen diesen natürlichen Wandel auf – sie helfen, Bilanz zu ziehen, Dankbarkeit zu empfinden und mit Klarheit und Vertrauen in den kommenden Winter zu gehen. Gerade der Herbst galt in vielen Regionen Deutschlands und Österreichs seit jeher als Zeit des Übergangs und wurde mit zahlreichen Bräuchen begleitet. Nach der Ernte wurde innegehalten, gedankt und bewusst Abschied vom Sommer genommen. Bräuche wie das Erntedankfest oder der festlich geschmückte Almabtrieb markierten vielerorts den Abschluss der Ernte- und Sommersaison und die Vorbereitung auf die ruhigere Winterzeit. Die Menschen glaubten, dass diese Schwellenzeit eine besondere Magie in sich trug und eine ideale Möglichkeit bot, Dankbarkeit zu zeigen, Altes loszulassen und sich innerlich neu auszurichten.
Der Ort der Kraft Ein Heilritual entfaltet seine besondere Wirkung an einem Ort, an dem wir uns mit der Natur verbunden, aufgehoben und geborgen fühlen. Solche Orte der Kraft müssen nicht spektakulär sein – oft ist es eine Lichtung im Wald, ein alter Baum, ein Bachufer oder ein stiller Platz am Meer. Mein persönlicher Kraftort ist beispielsweise ein Platz mit einem alten Baum, zu dem ich immer wieder zurückkehre. Wir können nicht nur zu Menschen, sondern auch zu Orten Beziehungen aufbauen und mit ihnen vertraut werden. Man könnte sagen: Jeder Platz hat seinen eigenen Geist. Er besitzt seine eigene Atmosphäre, seinen eigenen Charakter und erzählt eine Geschichte, die über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende gewachsen ist. Wer sich Zeit nimmt, still zu werden und aufmerksam wahrzunehmen, wird spüren, dass jeder Ort etwas in uns zum Klingen bringt – und uns zugleich etwas erzählen möchte. Manchmal schenkt er uns Ruhe, manchmal Klarheit oder neue Perspektiven. Sich einen Platz zum Freund zu machen, mit ihm vertraut zu werden und ihn zu einem persönlichen Begleiter werden zu lassen, ist
bereits ein kleines Ritual für sich. Es lehrt uns, wieder achtsamer zu sehen, tiefer zu fühlen und die Sprache der Natur wahrzunehmen. Denn oft finden wir genau dort die Antworten, nach denen wir gesucht haben – nicht in den Worten von Freunden, sondern in der stillen Weisheit eines Ortes, der schon lange vor uns da war.
Fazit Vielleicht sind es genau solche Erfahrungen, die uns die alten Bräuche schenken wollen: nicht die Illusion, dass wir alles kontrollieren können, sondern das Vertrauen, dass wir auch durch schwierige Zeiten hindurch unseren eigenen Weg und unseren Platz finden können. Wenn im Herbst die Natur loslässt, können auch wir uns fragen, was wir nicht länger festhalten müssen. Wenn die Dunkelheit zunimmt, wird auch unser eigenes inneres Licht sichtbarer. Der Herbst erinnert uns daran, dass Licht nicht nur etwas ist, das wir empfangen – sondern auch etwas, das wir schenken können. Mit einer angezündeten Kerze, einem freundlichen Wort, einer helfenden Geste oder einfach durch unsere Präsenz können wir das Leben eines anderen Menschen ein wenig heller machen. So wird aus der Dunkelheit nicht nur eine Zeit der Einkehr, sondern auch eine Einladung, selbst zu einer Lichtquelle für andere zu werden. Und wenn der Jahreskreis sich weiterdreht, dürfen wir uns daran erinnern, dass auch in jedem Ende bereits der Anfang eines neuen Zyklus verborgen liegt.
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Wenn der Körper leise Zeichen gibt Viele Menschen spüren: Etwas stimmt nicht – doch ihre Beschwerden lassen sich nicht in eine einzige Schublade legen. Mein Buch möchte helfen, Zusammenhänge verständlich zu machen, Symptome besonnen einzuordnen und wieder handlungsfähig zu werden.
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Nicht das Virus allein, sondern der ganze Mensch Der Titel „Der versteckte Krankmacher“ lenkt den Blick auf einen oft übersehenen Zusammenhang – aber das Buch bleibt dem ganzen Menschen verpflichtet. Beschwerden entstehen selten entlang nur einer einzigen Ursache. Immunsystem, Schlaf, Ernährung, Stressregulation, Vorerkrankungen und individuelle Lebensumstände können sich gegenseitig beeinflussen. Diese Zusammenhänge sichtbar zu machen, ist der erste Schritt zu einer sinnvollen Orientierung. Ich erkläre deshalb verständlich, was EBV ist, wie eine Infektion typischerweise verläuft und wie Laborwerte grundsätzlich eingeordnet werden. Zugleich zeige ich, welche Fragen Betroffene in die ärztliche Abklärung mitnehmen können und weshalb es wichtig ist, Befunde nicht isoliert zu betrachten. Das Ziel ist keine Selbstdiagnose, sondern ein klarerer Blick auf die eigene Situation.
Orientierung statt Patentrezepte „Den Körper stärken“ bedeutet für mich nicht, ein starres Programm abzuarbeiten. Es bedeutet, die persönlichen Belastungen und Ressourcen ernst zu nehmen: ausreichend Regeneration, eine tragfähige Ernährung, angemessene Bewegung, Stressreduktion und – wo nötig – eine individuell
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Bilder: Dr. med. Petra Wiechel
n meiner ärztlichen Arbeit begegne ich immer wieder Menschen, die mit Erschöpfung, wiederkehrenden Infekten oder anderen anhaltenden Beschwerden leben. Nicht selten liegt bereits eine lange Suche hinter ihnen. Das Epstein-Barr-Virus, kurz EBV, taucht dabei häufig als Frage auf – manchmal als mögliche Spur, manchmal vorschnell als Erklärung für alles. EBV gehört zu den weltweit häufigsten Viren. Nach einer Infektion verbleibt es in inaktiver Form im Körper und kann unter bestimmten Umständen wieder aktiv werden. Doch ein positiver Antikörperbefund allein erklärt noch keine Beschwerden. Genau deshalb braucht es eine differenzierte Betrachtung: Welche Symptome bestehen? Seit wann? Was zeigen Anamnese und Labor im Gesamtbild? Und welche anderen Ursachen müssen bedacht werden? Mit diesem Buch möchte ich weder Angst erzeugen noch einfache Antworten versprechen. Ich möchte Wissen zugänglich machen. Denn wer versteht, wie das Immunsystem arbeitet, wie Belastungen zusammenspielen können und warum sorgfältige Diagnostik wichtig ist, kann informierter mitentscheiden und gezielter das Gespräch mit behandelnden Ärztinnen und Ärzten suchen.
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Warum Wasser uns guttut Die heilende Kraft des Wassers für Körper und Seele
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Text: Lisa Gutzelnig
ie Nutzung von Wasser zu gesundheitlichen Zwecken hat eine lange Tradition. Schon Hippokrates, der als „Vater der Medizin“ gilt, setzte Wasser gezielt in der Heilkunde ein. Im antiken Rom waren Thermalbäder wichtige Orte der Körperpflege, Erholung und Regeneration. Im 19. Jahrhundert entwickelte Sebastian Kneipp ein ganzheitliches naturheilkundliches Konzept, das Wasseranwendungen mit Bewegung, Ernährung und einer bewussten Lebensweise verband. Auch in asiatischen Gesundheitstraditionen spielt Wasser seit Langem eine wichtige Rolle. Im Ayurveda wird warmes Wasser am Morgen traditionell als Teil einer bewussten Gesundheitsroutine empfohlen. In Japan wiederum sind Onsen – natürliche heiße Quellen – fest in der Badekultur verankert und stehen für Entspannung, Reinigung und Regeneration. Auch in der Naturheilkunde unserer Breitengrade gilt Wasser seit jeher als wichtiger Bestandteil ganzheitlicher Gesundheitskonzepte. Es wird nicht nur eingesetzt, um Beschwerden zu lindern, sondern auch, um die natürlichen Selbstheilungskräfte des Körpers zu unterstützen. Das bewusste Trinken von mineralstoffreichem Heilwasser kann zudem die Verdauung unterstützen, den Stoffwechsel anregen und zu einem ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt beitragen. In Kombination mit ausreichend Bewegung und Erholungsphasen kann Wasser ein Gamechanger für mehr Wohlbefinden und Vitalität sein.
Wasser wirkt auch auf die Psyche Wasser kann nicht nur körperlich wohltuend sein, sondern auch das seelische Wohlbefinden beeinflussen. Warmes
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Heilmethoden mit Wasser
Kneipp-Anwendungen Bei der Kneipp-Therapie kommen unterschiedliche Wasseranwendungen wie kalte Güsse, Wassertreten oder Wechselbäder zum Einsatz. Die gezielten Temperaturreize sollen den Kreislauf anregen und die Durchblutung fördern. Bis heute gehört die Kneipp-Therapie zu den bekanntesten Verfahren der Naturheilkunde.
Ayurvedische Wasserrituale
Balneotherapie – Heilwasser gezielt eingesetzt Bei der Balneotherapie wird natürliches Heilwasser therapeutisch genutzt – etwa schwefel-, soleoder kohlensäurehaltiges Wasser. Je nach Zusammensetzung kommt es unter anderem b e i H a u te r k ra n k u n g e n , B e s c hwe rd e n d e s Bewegungsapparates oder unterstützend bei psychosomatischen Erkrankungen zum Einsatz. Balneotherapeutische Anwendungen sind daher fester Bestandteil vieler Kur- und Rehabilitationsangebote.
Im Ayurveda spielt Wasser eine wichtige Rolle für das körperliche und seelische Gleichgewicht. Warmes Wasser wird traditionell getrunken, um die Verdauung zu unterstützen und die Doshas ins Gleichgewicht zu bringen. Ergänzend werden Kräuterbäder und Wasseranwendungen mit pflanzlichen Zusätzen oder Ölen eingesetzt, die der Reinigung, Entspannung und Regeneration dienen sollen.
Thalasso – die Heilkraft des Meeres Bei der Thalasso-Therapie werden Meerwasser, Algen, Meersalz und das maritime Klima gezielt für gesundheitliche Anwendungen genutzt. Zum Einsatz kommt sie unter anderem bei Erschöpfungszuständen, Hauterkrankungen und Beschwerden der Atemwege. Zudem können einzelne Anwendungen die Durchblutung anregen und das allgemeine Wohlbefinden unterstützen. Bilder: Envato
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Empfehlungen Wenn Sie bei Ihrem Wellnessurlaub im Herbst den Fokus auf Heilwasser, Regeneration und Naturheilkunde legen und gerne auf Spaßbäder oder bekannte Touristenmagneten verzichten, möchten wir Ihnen folgende Thermen besonders ans Herz legen. Sie haben eine lange Kurtradition, verfügen über besondere Heilquellen und setzen bewusst auf die therapeutische Wirkung des Wassers:
Deutschland Waldsee-Therme Bad Waldsee, Baden-Württemberg
Die Waldsee-Therme nutzt fluorid- und schwefelhaltiges Thermalwasser aus über 2.000 Metern Tiefe. Sie gehört zu den ruhigeren Kurthermen Deutschlands und konzentriert sich bewusst auf Gesundheitsförderung, Bewegung im Wasser und Entspannung.
Paracelsus-Therme & Sauna Pinea Bad Liebenzell, Schwarzwald
Die Therme blickt auf eine lange Kurtradition zurück. Das warme Thermalwasser wird im Rahmen verschiedener Gesundheits- und Therapieangebote genutzt. Die Atmosphäre ist angenehm ruhig und eher auf Erholung als auf Massentourismus ausgelegt.
Therme Eins Bad Füssing, Bayern
Bad Füssing gehört zu den bedeutendsten Heilbädern Europas. Die Therme Eins setzt traditionell stark auf Erholung, Gesundheit und Regeneration. Das schwefelhaltige Heilwasser ist vor allem für seine positive Wirkung auf Gelenke, Wirbelsäule und Muskulatur bekannt. Viele Gäste kommen gezielt zur Gesundheitsvorsorge und nicht für einen klassischen Wellnessurlaub. Bilder: Envato
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Wasser wird meist als entspannend und beruhigend empfunden, während kaltes Wasser häufig belebt und für geistige Frische sorgt. Regelmäßige Wasseranwendungen können dazu beitragen, Stress zu reduzieren, die Entspannung zu fördern und das allgemeine Wohlbefinden zu unterstützen. Auch wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass regelmäßige warme Bäder zur Entspannung beitragen können. In einer japanischen Studie berichteten Teilnehmende nach zwei Wochen mit regelmäßigen warmen Vollbädern unter anderem über weniger Stress und Anspannung als nach einer Phase, in der sie lediglich duschten. Die Ergebnisse legen nahe, dass bereits einfache Wasseranwendungen einen Beitrag zum körperlichen und seelischen Wohlbefinden leisten können.
Element Wasser Jeder Mensch wird in verschiedenen traditionellen Lehren einem bestimmten Element zugeordnet – beispielsweise Wasser, Feuer, Erde oder Luft. Diese Elemente stehen sinnbildlich für unterschiedliche Charaktereigenschaften, Bedürfnisse und Energiequalitäten. Menschen, deren Element das Wasser ist, können sich diesem Naturelement besonders verbunden fühlen und dessen beruhigende Wirkung als besonders intensiv empfinden. Schon die akustische Wahrnehmung von Wasser, etwa das sanfte Plätschern eines Bachs, das Rauschen des Meeres oder das Sprudeln eines Brunnens im Hintergrund, kann helfen, zur Ruhe zu kommen. Wassergeräusche können dabei störende Umgebungsgeräusche ausblenden, die Entspannung fördern und dadurch Stress abbauen. Wer dem Element Wasser zugeordnet wird, kann sich diese besondere Verbindung bewusst zunutze machen, indem Wassergeräusche gezielt in den Alltag integriert werden. Sie können dabei unterstützen, das Nervensystem zu beruhigen, Stress abzubauen und das innere Gleichgewicht zu fördern.
Was Wasser noch bewirken kann Die heilende Kraft des Wassers reicht weit über seine bekannte Wirkung auf Haut, Kreislauf und Muskulatur hinaus. In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler zunehmend untersucht,
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welchen Einfluss Wasser auf das Nervensystem, den Stoffwechsel und die psychische Gesundheit hat. Dabei zeigt sich: Wasser kann den Körper auf vielfältige Weise unterstützen – oft auf eine Weise, die vielen Menschen kaum bewusst ist. Ein besonders spannender Forschungsbereich beschäftigt sich mit den sogenannten Blue Spaces. Das sind natürliche Wasserlandschaften wie Seen, Flüsse oder das Meer. Studien legen nahe, dass bereits der Aufenthalt in der Nähe von Wasser das Stressniveau senken, die Stimmung verbessern und das allgemeine Wohlbefinden steigern kann. Selbst der Blick auf eine ruhige Wasserfläche oder das sanfte Rauschen von Wellen kann das Gehirn in einen entspannten Zustand versetzen und die mentale Erholung fördern. Darüber hinaus zeigt die Forschung, dass Kaltwasseranwendungen weit mehr bewirken können als einen kurzen Frischekick. Sie lösen deutliche Reaktionen im Kreislauf aus und können das sogenannte braune Fettgewebe aktivieren. Dieses spezielle Fettgewebe verbrennt Energie, um Wärme zu erzeugen, und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Stoffwechsels. Gleichzeitig können kontrollierte Kältereize das autonome Nervensystem beeinflussen und nach der Kälteexposition die parasympathische Aktivität fördern. Dadurch kann der Körper anschließend leichter wieder in einen Zustand der Entspannung finden. Doch auch warmes Wasser besitzt erstaunliche Eigenschaften. Ein warmes Bad entspannt nicht nur Muskeln und Gelenke, sondern kann nach aktuellen Erkenntnissen auch entzündliche Prozesse im Körper positiv beeinflussen. Einige Studien deuten darauf hin, dass regelmäßige warme Bäder den Cortisolspiegel senken und so zu mehr körperlicher und seelischer Ausgeglichenheit beitragen können. Ein weiterer oft unterschätzter Effekt entsteht beim Eintauchen ins Wasser. Durch den Druck des Wassers auf den Körper wird der Rückfluss des Blutes zum Herzen unterstützt und auch der Lymphfluss kann gefördert werden. Dies kann dazu beitragen, Schwellungen zu reduzieren und die Durchblutung zu beeinflussen. Aus diesem Grund spielen Wasseranwendungen auch in der Rehabilitation und Physiotherapie eine wichtige Rolle.
Österreich Sole Felsen Welt Gmünd, Niederösterreich
Die Sole Felsen Welt liegt im ruhigen Waldviertel am idyllischen Aßangteich und ist weniger überlaufen als die großen Thermen der Steiermark. Das mineralstoffreiche Solewasser entlastet Gelenke und Muskulatur, während die waldreiche Umgebung zum Waldbaden und Entschleunigen einlädt. Der Fokus liegt klar auf Regeneration statt Erlebnisbad.
Heilthermen Resort Bad Waltersdorf Steiermark
Die Heiltherme zählt zu den traditionsreichsten Gesundheitsbädern Österreichs. Das Thermalwasser stammt aus einer eigenen Heilquelle und wird seit Jahrzehnten bei Beschwerden des Bewegungsapparates sowie zur Stressreduktion eingesetzt. Trotz ihrer Bekanntheit setzt die Anlage stark auf Ruhe, Erholung und Gesundheitsangebote.
Therme Bad Vigaun Salzburg
Nur wenige Kilometer südlich von Salzburg gelegen, bietet Bad Vigaun eine ruhige Alternative zu den bekannten Thermenzentren. Das Thermalheilwasser gilt als wohltuend bei Gelenk- und Muskelbeschwerden. Wer Ruhe sucht und den klassischen Kurbetrieb schätzt, findet hier gute Voraussetzungen für Erholung und Regeneration.
Fazit All diese Erkenntnisse zeigen, dass Wasser weit mehr ist als ein lebensnotwendiges Element. Es wirkt auf Körper und Geist zugleich und kann, richtig eingesetzt, einen wertvollen Beitrag zu Gesundheit, Regeneration und innerer Balance leisten. Auch die moderne Forschung liefert Hinweise darauf, dass viele traditionelle Wasseranwendungen tatsächlich positive Wirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit haben können. Vielleicht entscheiden auch Sie sich in diesem Herbst ganz bewusst dafür, das Element Wasser neu für sich zu entdecken und seiner heilenden Kraft nachzuspüren. Wasser begleitet uns nicht nur täglich, sondern ist auch die Grundlage allen Lebens. Schließlich besteht der menschliche Körper zu rund 60 Prozent aus Wasser.
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Thymian,
viel mehr als ein Küchenkraut Traditionell bei Erkältungen geschätzt – und Gegenstand der Forschung zu Menstruationsbeschwerden, Pilzerkrankungen und multiresistenten Keimen
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Text: Barbara Simonsohn
hymian ist aus der Mittelmeerküche nicht wegzudenken. Wer ihn im Garten oder auf dem Balkon hat, weiß: das aromatische Kraut ist ein Insektenmagnet und zieht besonders Wildbienen und Schmetterlinge an. Dass Thymian bei Erkältungen schleimlösend wirkt, zum Beispiel als Gesichtsdampfbad, gehört zum Wissen von Gesundheitsbewussten und ist daher Bestandteil der Hausapotheke.
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Aber dass Thymian noch bei so vielem mehr hilft, ist den meisten unbekannt.
Etwas zur Geschichte und Botanik Die sonnenliebende Pflanze stammt aus dem Mittelmeergebiet. Schon die alten Ägypter verwendeten sie als Küchen- und Heilkraut, aber auch als Parfümzutat. Durch die Klostermedizin verbreitete sie sich aber schon im 11. Jahrhundert auch in Mitteleuropa. Hauptanbaugebiete sind heute Mittel- und Südeuropa,
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die Balkanländer, Ostafrika und Marokko. Der Name „thymos“ kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Kraft und Mut. Die römischen Legionäre sollen sich vor dem Kampf in Thymianbädern motiviert haben. Der berühmte griechische Arzt Hippokrates (460 – 377 v. Chr.) hielt große Stücke auf Thymian besonders als Heilmittel bei Atemwegserkrankungen. Dioskurides setzte die Pflanze im 1. Jahrhundert nach Christus bei Asthma, Ödemen, Ischias, Krämpfen und Menstruationsbeschwerden ein. Die Pflanze gehört zur Familie der Lippenblüter. Sie wird bis zu fünfzig Zentimeter hoch, aber meistens nur zwanzig. Die kleinen ovalen dunkelgrünen Blätter duften stark. Von April bis Juni blüht der Thymian. Die Blüten sind klein und hellrosa.
Buchtipps Küchenkräuter können weit mehr, als Speisen Geschmack zu verleihen. Diese beiden Bücher zeigen, wie sich Thymian und andere vertraute Kräuter vielseitig in Küche und Hausapotheke einsetzen lassen.
Heilsame Küchenkräuter – 10 Kräuter für Körper und Seele Barbara Simonsohn, Mankau 2025
Inhaltsstoffe und Heilwirkungen Für seine gesundheitlichen Wirkungen sind hauptsächlich die ätherischen Öle in den Blättern verantwortlich. Die Phenole Thymol mit 30 bis 50 Prozent und Carvacrol mit bis zu 50 Prozent haben den höchsten Anteil, weitere ätherische Öle mit antioxidativer Wirkung sind Rosmarinsäure, Linalool, Geraniol, Cineol, Luteolin, Thymomin und Kampfer. Weiters finden sich die Polyphenole Rosmarin- und Kaffeesäure in der Pflanze. Angesichts seines extrem hohen antioxidativen Potentials gehört Thymian mit einem ORAC-Wert von 27.426 zu
Nagelöl mit Thymian kann die natürliche Pflege beanspruchter Nägel unterstützen und wird traditionell bei Nagelproblemen eingesetzt.
Bilder: Envato
10 Kräuter gegen 100 Krankheiten Franziska Rubin, Goldmann 2023
den Kräutern mit dem höchsten ORAC-Wert, nur getoppt vom Salbei mit mehr als 32.000 (https://www.medikamente-perklick.de/apotheke/ernaehrungslexikon/salbei/).
Was sagt die Wissenschaft? Ätherisches Thymianöl sowie Thymiantee unterbinden das Wachstum von zahlreichen grampositiven und gramnegativen pathogenen Bakterien. Außerdem gilt Thymian als eine Art Wunderwaffe gegenüber antibiotikaresistenten Krankenhauskeimen wie MRSA. An Infektionen mit diesem Erreger sterben in Deutschland jedes Jahr mehrere tausend Menschen. Thymol kann die Zahl der Erreger reduzieren und möglicherweise auch die Gefahr einer Resistenzbildung verringern. (vgl. A. Tohoidpour u.a.,
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Naturapotheke Gesellschaft
Kraftvoll aufgebrüht Ein kräftiger Thymiantee gehört seit Langem zur traditionellen Hausapotheke. Er wird vor allem bei Erkältungen und Bronchitis geschätzt und kann auch bei Menstruationsbeschwerden wohltuend sein.
Konzentrierte Pflanzenkraft Die ätherischen Öle des Thymians stecken voller wertvoller Pflanzenstoffe und prägen seine vielseitige Heilkraft.
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„Antibacterial effect of essential oils from two medicinal plants against Methicillin-resistant Staphylococcus aureus“, 2010, Phytomedicine Vol. 18, S. 142-145). Forscher schlagen daher vor, Thymianöl als möglichen Ansatz bei der Behandlung von Infektionen mit MRSA-Keimen näher zu untersuchen. Thymian gilt in der Volksmedizin als natürliches Antibiotikum. Als Mittel gegen Menstruationsschmerzen kann ätherisches Thymianöl ähnlich lindernd wirken wie das Schmerzmittel Ibuprofen. Auch ein stark gebrauter Thymiantee kann bei Menstruationsbeschwerden wohltuend sein. In einer randomisierten klinischen und dreifach verblindeten Studie im Jahr 2014 untersuchten Wissenschaftler der Babol University of Medical Sciences im Iran an 84 Studentinnen die Wirkung von Thymian im Vergleich zu Ibuprofen. Diese Studie lief über zwei Zyklen. In der Thymian-Gruppe waren die Frauen höchst zufrieden mit der Wirkung, in der IbuprofenGruppe nur mittelmäßig (H. Salmalian et al., „Comparative effect of Thymus vulgaris and ibuprofen on primary dysmenorrhea: A triple-blind clinical study“, Caspian Journal of Internal Medicine, 2014, 5(2), S. 82–88). Nach dem ersten Zyklus beurteilten 71,4 Prozent, nach dem zweiten Zyklus 81,5 Prozent der Frauen in der ThymianGruppe die Wirkung als ‚exzellent‘. Es wurde ein 2-prozentiges ätherisches
Naturapotheke
Thymian im eigenen Garten und auf dem Balkon Thymian ist pflegeleicht, braucht aber einen vollsonnigen Standort. Die Pflanzen sind winterhart. Ernten Sie die Blätter am besten vor der Blüte, dann sind ihre Inhaltsstoffe am konzentriertesten. Zum Trocknen hängen Sie die Stängel als Bündel an einen warmen, trockenen und dunklen Ort auf. Getrocknet und in luftdicht verschlossenen Gläsern oder einer Dose dunkel gelagert hält sich Thymian ein Jahr lang.
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Thymianöl verwendet. Wenn Sie dies nicht in der Apotheke bekommen, bereiten Sie es sich selbst zu: 1 Tropfen Öl auf 50 Tropfen Wasser, das reicht für zwei Portionen. Gut verschlossen aufbewahren. Eine Bekannte macht auch gute Erfahrungen mit starkem Thymiantee statt Ibuprofen. Thymian wird bei Pilzbesiedelungen im Mundbereich mit Candida albicans eingesetzt. Auch gegen medikamentenresistente Stämme von Candida albicans und Candida tropicalis zeigten Thymianöl und Thymol aus Thymian in Laboruntersuchungen eine deutliche Wirkung. (vgl. H. Jafri u.a., „Thymus vulgaris essential oil and thymol inhibit biofilms and interact synergistically with antifungal drugs against drug resistant strains of Candida albicans and Candida tropicalis“, 2019, Journal de Mycologie Médical). Auch bei oft hartnäckigen Haut- und Nagelmykosen hilft Thymian. Chemische Mittel gegen Fuß- und Nagelpilz können oft gravierende Nebenwirkungen wie die Belastung der Leber haben. Unbehandelter Nagelpilz jedoch sieht nicht nur unschön aus, sondern kann zur Erosion des gesamten Nagels führen. Oft haben sich Betroffene im Schwimmbad, durch fremde Hausschuhe oder in der Sauna angesteckt. Meistens werden Haut- und Nagelmykosen durch Trichophyton rubrum und verschiedene weitere pathogene Pilze verursacht. Hier hilft das Bio-Nagelpflegeöl „Mycea“ von Dr. Pandalis, das nicht nur aus Thymianöl besteht, sondern auch aus Basilikumöl und Mandelöl. Diese Öle wirken synergetisch zusammen und entfalten ein breites antibakterielles und antifungales Wirkspektrum (erhältlich über www.pandalis.de). Kein Wunder, dass Thymian mittlerweile auch in der Lebensmittelindustrie zur Eindämmung von Schimmelpilzwachstum eingesetzt wird (vgl. https://doi.org/10.3389/ fsufs.2025.1535812 ). Thymian kann das Wachstum von durchfallerzeugenden Bakterien ausbremsen, als Kräuterkissen zu tiefem Schlaf verhelfen, bei Bronchitis helfen und zum Beispiel als Aromatherapie stimmungsaufhellend, beruhigend und harmonisierend wirken. Diese Heilpflanze kann auch für die Gesundheit des Gehirns von Interesse sein und wird im Zusammenhang
mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz, Alzheimer und Morbus Parkinson erforscht. In einem Experiment mit zwei Gruppen bekam die erste eine mit Thymianöl angereicherte Kost, die zweite Gruppe nicht. Bei den Versuchstieren führte die mit dem ätherischen Öl angereicherte Nahrung zu einem deutlichen Anstieg der DHA-Fettsäuren, vor allem im Gehirn. DHA-Fettsäuren sind wichtig für eine hohe Leistung des Gehirns (vgl. K. A. Youdimin u.a., „Effect of thyme oil and thymol dietary supplementation on the antioxidant status and fatty acid composition of the ageing rat brain“, Br J Nutr. 2000 Jan.)
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Herbst am Meer Wenn die Küste zur Ruhe kommt
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Text: Lisa Gutzelnig
e n n i m He r b s t i n Deutschland oder Österreich die Blätter von den Bäumen fallen, kehrt eine besondere Ruhe ein. Die Natur scheint langsamer zu werden, und mit ihr auch wir. Nach den oft heißen Sommermonaten schenken uns die warmen Strahlen der tief stehenden Sonne, die klare Herbstluft und das Rascheln des bunten Laubs ein Gefühl von Geborgenheit und innerem Frieden. Es ist die Zeit des Durchatmens – für Mensch und Natur. Doch dieses Lebensgefühl endet nicht an den Landesgrenzen. Auch in den südlicheren Regionen Europas beginnt nun eine ganz besondere Jahreszeit. Was im Hochsommer von unzähligen Touristen belebt war, darf endlich zur Ruhe kommen. Die langen Sandstrände Italiens, die romantischen Kiesbuchten Kroatiens und die türkisfarbenen Buchten der Balearen atmen auf. Die drückende Hitze weicht angenehmen Temperaturen, das Meer strahlt eine wohltuende Gelassenheit aus, und die Landschaft entfaltet ihren ursprünglichen Charme. Wer jetzt unterwegs ist, erlebt diese Orte von ihrer stillen, authentischen Seite: voller Leichtigkeit, Wärme und einer ganz besonderen Energie. Die Möwen erobern den Strand Stück für Stück zurück und ihre Rufe ersetzen langsam den Trubel des Sommers. Die letzten Plastikliegen werden weggeräumt, die Strände wirken wieder ursprünglich und das Meer gewinnt seine klare, schimmernde Farbe zurück. Mit jedem ruhiger werdenden Tag gewinnt die Natur ein Stück Raum zurück. Und während vielerorts der Winter Einzug hält, erwacht der Süden zu neuem Leben: Im November und
Dezember beginnt die Landschaft zu ergrünen, erste Blüten setzen farbenfrohe Akzente und die Natur zeigt sich von ihrer sanften, mediterranen und überraschend lebendigen Seite.
Der Herbst auf den Balearen Der Herbst auf den Balearen ist ein ganz besonderes Erlebnis. Während in vielen Teilen Europas die Natur langsam zur Ruhe kommt und Bäume ihre Blätter verlieren, beginnt hier ein faszinierendes Naturschauspiel. Mit den lang ersehnten Herbst- und Winterregen kehrt das Leben zurück. Die Landschaft ergrünt, mediterrane Wildblumen setzen farbenfrohe Akzente und die Inseln wirken, als würden sie nach dem trockenen Sommer tief durchatmen. In der klaren Luft liegt der würzig-harzige Duft sonnengewärmter Pinien, vermischt mit dem Geruch feuchter Erde und frischer Kräuter. Die Natur erwacht zu neuer Kraft und zeigt sich von einer Seite, die viele Besucher des Sommers nie kennenlernen. Die Inseln zeigen eine stille, ursprüngliche Schönheit – voller Farben, Düfte und einer wohltuenden Ruhe, die den Herbst auf den Balearen so einzigartig macht.
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Romantische kroatische Küstenstädte
Rovinj
Auf den Balearen wird Wandern zum besonderen Naturerlebnis. Zwischen Pinienwäldern, alten Trockensteinmauern und stillen Buchten führt jeder Schritt ein Stück weiter weg vom Alltag. Die klare Luft, das milde Klima und die mediterrane Landschaft schenken neue Energie und wohltuende Ruhe.
Selbst im November lädt das Mittelmeer vielerorts noch zum Baden ein. Das Wasser ist angenehm temperiert, klar und erfrischend – perfekt für alle, die das Meer ohne die Menschenmassen des Sommers genießen möchten. Die Strände sind ruhig, das Wasser schimmert in intensiven Türkistönen und die Natur scheint wieder ganz bei sich zu sein. Gleichzeitig haben viele Restaurants, Cafés und Bars auch im November und teilweise noch länger geöffnet, sodass Besucher die balearische Gastfreundschaft in entspannter Atmosphäre erleben können. Im Herbst bieten die Balearen zudem ideale Bedingungen zum Wandern. Ob durch das beeindruckende Tramuntana-Gebirge auf Mallorca oder entlang des historischen Camí de sa Pujada auf Formentera, der auch als Camí Romà bekannt ist – die schönsten Wanderwege führen vorbei an jahrhundertealten Klöstern, uralten Trockensteinmauern, knorrigen Olivenbäumen und friedlich grasenden Schafherden. Wer die Inseln in dieser Jahreszeit erkundet, erlebt die Balearen von ihrer authentischsten Seite.
Der Herbst in Kroatien Der Herbst ist wohl die schönste Zeit, um Kroatien in seiner ganzen Ursprünglichkeit zu erleben. Fernab vom Trubel der Hochsaison kehrt nach lebhaften Sommermonaten an der
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Zadar Auch Zadar begeistert mit seiner Meeresorgel und spektakulären Sonnenuntergängen. Ohne Sommertrubel lässt sich die Altstadt in aller Ruhe erkunden. Gerade im Herbst macht ein Einkaufsbummel in Kroatien besonders viel Spaß. Die Altstädte sind nicht mehr überfüllt, man kann in Ruhe durch kleine Gassen schlendern und entdeckt viele individuelle Läden, die im Sommer oft unter dem Besucherandrang untergehen.
Split Die Altstadt von Split rund um den Diokletianpalast ist ideal für einen entspannten Einkaufsbummel. Zwischen historischen Mauern finden sich kleine Modeboutiquen, Schmuckgeschäfte, Kunsthandwerk und Feinkostläden mit regionalen Spezialitäten.
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Aufatmen zwischen Wald und Bergen
Rovinj gilt für viele als die schönste Stadt Kroatiens. Die verwinkelten Gassen, kleinen Cafés und der malerische Hafen wirken im Herbst besonders idyllisch, wenn in den Gassen wieder mehr Einheimische als Urlauber unterwegs sind.
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Adriaküste wieder Ruhe ein. Die malerischen Altstädte von Rovinj, Zadar oder Dubrovnik lassen sich entspannt erkunden, die Uferpromenaden laden zu langen Spaziergängen ein und an den Stränden hört man statt Stimmengewirr wieder das sanfte Rauschen der Wellen. Das Meer ist vom Sommer noch angenehm warm und vielerorts bis weit in den Oktober hinein ideal zum Baden. Die Luft ist klar, das Licht weich und die Sonnenuntergänge tauchen die felsige Küste in goldene Farben. Gleichzeitig beginnt die mediterrane Natur nach den ersten Regenfällen wieder zu ergrünen, und der Duft von Pinien, Rosmarin und salziger Meeresluft liegt in der Luft. Wer Kroatien im Herbst bereist, erlebt das Land authentischer, entspannter und näher an der Natur. Viele Besucher empfinden gerade diese entschleunigte Atmosphäre Kroatiens als besonders wohltuend. Es ist eine Zeit, in der Körper und Geist gleichermaßen zur Ruhe kommen.
Herbst an der Côte d’Azur – im Zauber des besonderen Lichts Man schlendert an einem Herbstnachmittag durch die Gassen von Nizza oder Cannes. Die Sonne steht tiefer als im Sommer und taucht die Fassaden in ein warmes Licht. Es ist angenehm mild und meist reicht ein leichter Pullover oder eine dünne Jacke. Die Luft ist noch von der Wärme des Meeres erfüllt und trägt den Duft von Pinien, Salz und frisch gebackenen Croissants aus den kleinen Bäckereien. Entlang der Promenade glitzert das Mittelmeer in intensiven Blau- und Türkistönen. Die Wellen rollen ruhig über die hellen Kiesel am Strand, Möwen ziehen ihre Kreise über dem Wasser, während Einheimische und Besucher entspannt spazieren gehen. Im Herbst ist alles etwas gelassener. Cafés haben wieder freie Plätze, und man kann das Leben beobachten, ohne vom Trubel überrollt zu werden. In den Altstädten fällt sofort der Kontrast ins Auge: ockergelbe, terrakottafarbene und rosafarbene Häuser, schmale Gassen, die sich zwischen kleinen Boutiquen, Delikatessengeschäften und Straßencafés hindurchschlängeln. Über den Balkonen ranken Grünpflanzen und Bougainvilleen, die selbst im Herbst noch Farbtupfer setzen.
Hinter jeder Ecke scheint sich ein kleiner Platz zu öffnen, auf dem Menschen bei einem Espresso oder einem Glas Wein zusammensitzen. Eine besondere Rolle spielt das Licht. Die Côte d’Azur ist seit Generationen ein Anziehungspunkt für Künstler. Gerade im Herbst ist der Himmel oft außergewöhnlich klar. Die Farben wirken intensiver: das tiefe Blau des Meeres, die hellen Fassaden, das satte Grün der Palmen und Pinien und die ersten goldenen Blätter der Platanen. Tausende kleine Lichtreflexe glitzern auf den Wellen, ohne zu blenden. Dieses gleichmäßige Spiel aus Bewegung und Licht zieht den Blick fast automatisch an. Man schaut hinaus, atmet langsamer und verliert für einen Moment das Gefühl, ständig an etwas denken oder etwas erledigen zu müssen. Besonders reizvoll zu dieser Jahreszeit ist ein Ausflug in die malerischen Dörfer des Hinterlandes. Orte wie Grasse, Gourdon, Tourrettessur-Loup oder Saint-Paul-de-Vence wirken dann beinahe zeitlos. Enge Natursteingassen, kleine Kunstgalerien, traditionelle Cafés und farbenfrohe Wochenmärkte laden zum entspannten Bummeln ein. Rund um Grasse, die Welthauptstadt des Parfüms, liegt noch immer der feine Duft mediterraner Pflanzen in der Luft. In den umliegenden Hügeln reifen Oliven, Weintrauben und Feigen, während goldene Sonnenstrahlen die Landschaft in ein warmes Licht tauchen. Wer die Côte d’Azur im Herbst besucht, entdeckt nicht nur ihre berühmte Küste, sondern auch ihre ruhige, authentische Seele.
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Während unsere Seelen voller Gefühle sind, sind unsere Reden voller Anteilnahme“ sinngemäß nach Luc de Clapiers
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Das Wunder der Empathie Wie uns echte Wertschätzung wieder verbinden kann
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Text: Lisa Gutzelnig
er Mensch ist nicht nur ein denkendes, handelndes, rationales, verspieltes und transzendentes Wesen – er ist vor allem auch ein emotionales und grundsätzlich empathiefähiges Wesen. Auch wenn wir es gerne wegreden und den Schleier abgeklärter „Coolness“ über unser Handeln legen, bleibt der Mensch während seines gesamten Lebens auf Zuwendung, Nähe und Anerkennung angewiesen. Gleichzeitig besteht das Bedürfnis, diese Gefühle auch anderen entgegenzubringen. Um diese zutiefst menschlichen Bedürfnisse erfüllen zu können und sowohl die eigene Emotionalität als auch Mitgefühl für andere zu entwickeln, ist die Fähigkeit erforderlich, sich selbst wahrzunehmen und sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Eine wesentliche Voraussetzung für Empathie ist daher die Selbstempathie beziehungsweise das Selbstmitgefühl (engl. Self-Compassion). Die Art und Weise, wie wir die Gefühle, Gedanken und Handlungen anderer Menschen wahrnehmen und bewerten, wird maßgeblich von unseren eigenen Emotionen, Einstellungen und Werten beeinflusst. Deshalb stellt sich die grundlegende Frage: Wie gut kennen wir uns selbst? Empathie beginnt bei der eigenen Selbstwahrnehmung. Wer die eigenen Gefühle und Reaktionen bewusst wahrnimmt, kann oft leichter nachvollziehen, was in anderen Menschen vor-
geht. So entsteht die Fähigkeit, ihre Sichtweisen, Beweggründe und Gefühle besser zu verstehen und ihnen mit Mitgefühl zu begegnen.
Was Empathie bedeutet Die deutsche Psychologin Lena Funk definiert Empathie wie folgt: „Empathie bezeichnet das nichtwertende Eingehen und somit das echte Verständnis der Mitmenschen, egal welcher Herkunft oder Meinung.“* Empathie sensibilisiert den Menschen für die Gefühlswelt anderer und ermöglicht es ihm, deren Gedanken, Beweggründe und Bedürfnisse zumindest teilweise nachzuempfinden. Ein solcher emotionaler Austausch setzt die Fähigkeit voraus, sich in die Lage eines anderen Menschen zu versetzen. So kann ein Verständnis dafür entstehen, wie sich eine Situation aus der Sicht des Gegenübers anfühlt.
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Selbstwahrnehmung schafft Nähe Wer die eigenen Gefühle bewusst wahrnimmt und ihnen mit Mitgefühl begegnet, kann auch andere Menschen besser verstehen.
*Lena Funk, „Empathie“, in: Dieter Frey (Hrsg.), Psychologie der Werte, Springer, 2016.
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Auch Sigmund Freud griff den Gedanken der Einfühlung für die Psychoanalyse auf. Für ihn war sie ein wichtiger Zugang zum Erleben anderer Menschen: Sie sollte helfen, innere Vorgänge nachzuvollziehen, die dem Gegenüber selbst möglicherweise nur teilweise bewusst oder zugänglich sind. Einfühlung wurde damit zu einem wichtigen Bestandteil des psychotherapeutischen Verstehens. Aus entwicklungspsychologischer Sicht gilt die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme als ein wesentlicher Meilenstein der sozialen Entwicklung. Mithilfe des sogenannten False-Belief-Tests konnte gezeigt werden, dass Kinder etwa ab dem vierten oder fünften Lebensjahr beginnen zu verstehen, dass andere Menschen Überzeugungen und Wissensstände besitzen können, die von den eigenen abweichen. Beim False-Belief-Test wird untersucht, ob ein Kind versteht, dass eine andere Person eine falsche Überzeugung über die Welt haben kann – also eine Perspektive, die sich von der eigenen unterscheidet. Diese Fähigkeit gehört zur sogenannten Theory of Mind: Tom legt eine Murmel in einen Korb
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und verlässt den Raum. Peter nimmt die Murmel aus dem Korb und legt sie in eine Schachtel. Tom kommt zurück. Das Kind wird gefragt: „Wo wird Tom nach seiner Murmel suchen?“
Kinder unter etwa 4 Jahren antworten häufig: „In der Schachtel.“ Sie gehen von ihrem eigenen Wissen aus und berücksichtigen Toms falsche Überzeugung noch nicht. Kinder ab etwa 4 bis 5 Jahren antworten meist: „Im Korb.“ Sie erkennen, dass Tom nicht wissen kann, dass die Murmel in die Schachtel umgelegt wurde. Die klassische Annahme der Entwicklungspsychologie lautet daher, dass Kinder zwischen dem 4. und 5. Lebensjahr eine „Theory of Mind“ entwickeln und zunehmend in der Lage sind, die Perspektive anderer Menschen ein-
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Perspektiven verstehen lernen Schon im Kindesalter entwickelt sich die Fähigkeit, Gedanken und Gefühle anderer nachzuvollziehen. Sich in fremde Sichtweisen hineinzuversetzen, bildet eine wichtige Grundlage für Empathie.
zunehmen. Unabhängig von den unterschiedlichen psychotherapeutischen Schulen besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Fähigkeit zu empathischem Verhalten auf einer guten Selbstwahrnehmung beruht. Die wichtigsten Empathie-Booster in der Entwicklungspsychologie sind eine sichere Bindung in der Kindheit, ein feinfühliges Vorbildverhalten der Bezugspersonen sowie regelmäßige soziale Interaktionen, in denen Gefühle benannt und verstanden werden. Kinder entwickeln Empathie besonders dann, wenn sie selbst Mitgefühl, Wertschätzung und emotionale Sicherheit erfahren und lernen, die Perspektive anderer einzunehmen. Auch Naturerfahrungen und achtsame Begegnungen mit Tieren und der Umwelt können Empathie fördern, da sie Verbundenheit, Fürsorge und ein bewusstes Wahrnehmen der eigenen und fremden Bedürfnisse stärken.
Wertschätzung und Selbstwert Das eigentliche Wesen der Wertschätzung ist bereits im Wort selbst angelegt. Als „Wert“ umfasst sie all das, was für den Menschen von Bedeutung ist: Respekt, Anerkennung, Achtung und Bewunderung, vor allem aber die Würde jedes einzelnen Menschen. Wertschätzung ist damit weit mehr als eine freundliche Geste – sie stellt eine grundlegende Haltung gegenüber dem Leben und den Mitmenschen dar.
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Wertschätzung besitzt zudem eine besondere heilsame Qualität, da sie in zwei Richtungen wirkt. Sie kommt nicht nur dem Gegenüber zugute, sondern stärkt zugleich das eigene Selbstwertgefühl. Je mehr Wertschätzung ein Mensch sich selbst entgegenbringen kann, desto eher ist er auch in der Lage, anderen mit Offenheit, Respekt und Wohlwollen zu begegnen. In diesem Sinne wirkt echte Wertschätzung verbindend: Sie fördert einen achtsamen Umgang mit anderen Menschen und trägt zugleich zu einem verantwortungsvollen Verhältnis zur Umwelt bei. Wertschätzung setzt neben Empathie eine grundsätzlich positive und offene Haltung voraus. Sie begegnet Neuem mit Interesse und Offenheit, ohne dabei die Erfahrungen und Weisheiten traditioneller Werte aus dem Blick zu verlieren. Wahrhaftige Wertschätzung bedeutet jedoch keineswegs Kritiklosigkeit oder unreflektiertes Lob. Vielmehr zeichnet sie sich durch eine wohlwollende Grundhaltung aus, die den Menschen in seiner Würde anerkennt und ihm mit Respekt, Vertrauen und einer grundsätzlich lebensbejahenden Einstellung begegnet.
stärken, nicht genügend anerkannt, angenommen oder geliebt zu werden. Daraus können Selbstzweifel, anhaltender innerer Stress und psychische Belastungen entstehen. Fehlt Wertschätzung über längere Zeit, kann sich dies deshalb auch auf das körperliche und seelische Wohlbefinden auswirken.
Wertschätzung als Heilkraft Eine Haltung, die dem Gegenüber vermittelt: „Du bist als Mensch wertvoll, unabhängig von deinem Verhalten, deiner Meinung oder deinen Fehlern“ kann dazu beitragen, verletzte Beziehungen zu heilen. Hier sind einige Beispiele:
Carl Rogers: Bedingungslose Wertschätzung In der klientenzentrierten Psychotherapie beschreibt Carl Rogers die bedingungslose positive Wertschätzung (unconditional positive regard) als eine der drei Grundbedingungen therapeutischer Veränderung. Wenn ein Klient erlebt, dass er angenommen wird, ohne bewertet oder verurteilt zu werden, sinken Scham und Abwehr. Dadurch wird es möglich, sich auch schmerzhaften Gefühlen zuzuwenden und neue Seiten der eigenen Persönlichkeit zu entwickeln. Die therapeutische Beziehung wird so zu einer korrigierenden Beziehungserfahrung.
Willst du Dich Deines Wertes freuen, so musst der Welt Du Wert verleihen“ Johann Wolfgang von Goethe
Folgen fehlender Wertschätzung
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Wenn Kränkungen, Beleidigungen und Traumatisierungen als Ursachen vieler psychischer Störungen gelten, trifft dies in besonderem Maße für die Kränkung durch mangelnde Wertschätzung, also durch Nichtachtung oder Missachtung zu. Denn kaum etwas wird als so kränkend erlebt wie vorenthaltene Anerkennung, fehlendes Lob und nicht erfüllte Wünsche nach Zuwendung. Wiederholte Kränkungen können den Selbstwert empfindlich treffen und die Sorge ver-
Paartherapie In der Paartherapie wird häufig daran gearbeitet, dass Partner einander wieder bewusst Wertschätzung ausdrücken. Bereits kleine, authentisch ausgesprochene Wertschätzungen können die emotionale Distanz verringern und die Bereitschaft erhöhen, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Besonders die Forschung von John Gottman zeigt, dass stabile Beziehungen durch ein deutliches Übergewicht positiver gegenüber negativer Interaktionen gekennzeichnet sind.
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Mitgefühl schafft Verbindung Wer die Verletzlichkeit hinter dem Verhalten eines Menschen erkennt, kann Konflikte mit mehr Verständnis betrachten und neue Wege zu Nähe, Vertrauen und Versöhnung öffnen.
Mitgefühl Im Zusammenhang mit Wertschätzung kommt auch dem Begriff des Mitleids eine besondere Bedeutung zu. Dabei ist Mitleid nicht im Sinne von Herablassung oder Überlegenheit zu verstehen, sondern als Ausdruck echten Mitgefühls und menschlicher Anteilnahme. Es beschreibt die Fähigkeit, das Leid eines anderen Menschen emotional nachzuempfinden, zu erfassen und daraus den Wunsch entstehen zu lassen, Hilfe zu leisten. Bereits Augustinus erkannte diese Bedeutung des Mitleids und formulierte es wie
Mitgefühl für die eigene Familiengeschichte kann helfen, frühere Verletzungen neu zu betrachten, Zusammenhänge zu verstehen und der eigenen Herkunft mit mehr Menschlichkeit zu begegnen.
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folgt: „Was aber ist Mitleid anderes als das Mitempfinden fremden Elends in unserem Herzen, durch das wir jedenfalls angetrieben werden zu helfen, soweit wir können.“ Empathie sollte jedoch nicht mit Sympathie gleichgesetzt werden. Während Sympathie eine emotionale Zuneigung oder Übereinstimmung im Fühlen voraussetzt (das Präfix sym- bedeutet hier „mit“ oder „gemeinsam“), ist Empathie vor allem wertneutral. Sie beschreibt die Fähigkeit, die Gedanken, Gefühle und Perspektiven eines anderen Menschen nachzuvollziehen, ohne diese zwangsläufig zu teilen oder zu bewerten. Empathie setzt daher weder Zustimmung noch persönliche Verbundenheit voraus. Sie ermöglicht vielmehr ein verstehendes Einfühlen in das Erleben des Gegenübers, auch dann, wenn dessen Einstellungen, Werte oder Verhaltensweisen nicht mit den eigenen übereinstimmen. Mitleid beziehungsweise mitfühlende Anteilnahme kann dazu beitragen, in konflikthaften Situationen wieder eine Verbindung zum Gegenüber herzustellen. Wer das Leid, die Verletzlichkeit oder die Beweggründe eines anderen Menschen wahrnimmt, verlässt die eigene Verteidigungshaltung und entwickelt Verständnis für dessen Erleben. Psychologisch betrachtet fördert diese Perspektivenerweiterung die Empathie, reduziert feindselige Emotionen und erleichtert Versöhnungsprozesse. Mitleid bedeutet dabei nicht, das Verhalten des anderen gutzuheißen. Vielmehr eröffnet es die Möglichkeit, hinter den Konflikt auf den Menschen zu blicken und dessen Verletzlichkeit anzuerken-
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nen. Dadurch können gegenseitiges Verständnis, Vertrauen und die Bereitschaft zum Dialog entstehen. In diesem Sinne besitzt Mitleid das Potenzial, trennende Erfahrungen zu überwinden und zwischenmenschliche Beziehungen wieder zu verbinden. Mitgefühl kann sich auch auf die eigene Familiengeschichte richten. Wenn es gelingt, die Eltern nicht nur in ihrer Rolle als Erwachsene, sondern auch als die Kinder zu sehen, die sie einst waren – mit ihren Verletzungen, unerfüllten Bedürfnissen und dem Wunsch nach Liebe und Geborgenheit – entsteht häufig ein tieferes Verständnis für ihr Verhalten. Denn stellt man sich die eigenen Eltern als die Kinder vor, die sie einst waren und die ebenfalls nach Liebe und Geborgenheit suchten, kann sich die Perspektive verändern. Viele ihrer Verhaltensweisen lassen sich als Strategien begreifen, die ihnen einst halfen, schwierige Lebensumstände zu bewältigen und emotional zu überleben. Die Familiengeschichte durch die Brille des Mitgefühls zu betrachten, bedeutet nicht, erlittenes Leid oder verletzendes Verhalten zu entschuldigen. Vielmehr eröffnet es eine Möglichkeit, Zusammenhänge zu erkennen, Verbitterung zu lösen und den Blick auf die eigene Herkunft mit mehr Verständnis und Menschlichkeit zu richten.
Fazit
einer Kränkung umgehen. Hilfreich kann es sein, sich bewusst zu machen, welche Bedeutung die betreffende Person für das eigene Leben hat, die Verletzung offen anzusprechen und zu prüfen, was die Situation über die eigenen empfindlichen Punkte oder Erwartungen verrät. Manchmal kann es helfen, das Gegenüber auch als verletzlichen Menschen mit eigener Geschichte zu betrachten. Dann stellt sich die Frage: Was wollte die Person eigentlich ausdrücken – und welche eigene empfindliche Stelle hat die Kränkung berührt? Wertschätzung ist wie Medizin für die Seele – ihre heilende Kraft entfaltet sie jedoch nur, wenn sie freiwillig und von Herzen geschenkt wird. Sie verliert ihren Wert, sobald sie eingefordert werden muss. Gerade schwierige Begegnungen können uns mitunter besonders viel über uns selbst lehren und auch Kränkungen oder Abwertungen können Anlass sein, eigene empfindliche Punkte und alte Muster besser zu erkennen. Die besten Lehrmeister im Leben können auch die Dysfunktionen unseres eigenen Familiensystems sein – da sind oft die wahren Schätze verborgen. Wenn man sie zu nehmen weiß, wenn man sie deuten kann und erkennt, dass diese rein gar nichts mit unserem „eigenen Wert als Mensch“ zu tun haben, können sie uns zur seelischen Befreiung führen.
Wertschätzung besitzt ein hohes therapeutisches Potenzial, weil sie Menschen die Erfahrung vermittelt, trotz ihrer Fehler, Verletzungen oder schwierigen Lebensgeschichte angenommen zu sein. Wird Wertschätzung in Beziehungen bewusst ausgedrückt, kann sie verhärtete Konflikte aufweichen, Empathie fördern und den Weg zu Versöhnung und einem erneuten Miteinander eröffnen. Damit ist Wertschätzung nicht nur eine ethische Grundhaltung, sondern zugleich ein wesentlicher Wirkfaktor psychotherapeutischer Prozesse. Wichtig ist auch festzuhalten, dass sich Wertschätzung nicht erzwingen lässt. Manchmal geht es im Leben auch darum, wie man in einer weniger wertschätzenden Welt mit dem als ungerecht erlebten Mangel zurechtkommen kann. Auch wenn Wertschätzung von anderen ausbleibt, können wir beeinflussen, wie wir mit Bilder: Envato
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Digitale Resilienz Wenn die Welt zu laut wird Wie wir mit schlechten Nachrichten umgehen und in der Natur wieder zur Ruhe finden
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riege, Krisen, Gewalt und Katastrophen: Wer täglich Nachrichten verfolgt oder durch soziale Medien scrollt, kann schnell den Eindruck gewinnen, die Welt bestehe fast nur noch aus schlechten Nachrichten. Doch was macht es mit unserer Psyche und unserem Körper, wenn wir Tag für Tag mit einer solchen Flut belastender Meldungen konfrontiert werden? Wir müssen nicht lange suchen, um mit dem Leid der Welt in Berührung zu kommen. Ein Griff zum Smartphone am Morgen, der Blick auf die E-Mails, ein kurzer Aufenthalt auf Instagram oder der Fernseher am Abend – und schon erreichen uns Nachrichten über Kriege, Gewalt, Katastrophen, politische Krisen oder Menschen, die vermisst werden. Selbst in den Momenten, in denen wir eigentlich zur Ruhe
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kommen möchten, bleibt die Welt digital nur einen Fingertipp entfernt. Besonders eindrücklich ist jener Moment kurz vor dem Einschlafen: Wir liegen bereits im Bett, der Tag ist eigentlich vorbei, und wir schauen „nur noch einmal kurz“ in unsere E-Mails. Zwischen Rechnungen und Terminen erscheint plötzlich eine Nachricht über ein verschwundenes Kind. Wir kennen dieses Kind nicht. Wir sind nicht vor Ort. Und dennoch kann die Information etwas in uns auslösen. Denn unser Gehirn unterscheidet nicht immer so nüchtern zwischen einer unmittelbaren Bedrohung und einer erschütternden Information, die wir auf einem Bildschirm lesen. Auch solche Informationen können als bedrohlich oder emotional bedeutsam wahrgenommen werden und Stressreaktionen im Körper auslösen. Herzschlag und Aufmerksamkeit können sich verändern,
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Text: Lisa Gutzelnig
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der Körper geht in eine erhöhte Wachsamkeit, und Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol spielen dabei eine wichtige Rolle. Forschung zu negativen Nachrichten zeigt, dass solche Inhalte unsere spätere Stressreaktion beeinflussen können und dass gerade negative Informationen besonders eindrücklich im Gedächtnis bleiben. Das Problem ist also nicht nur, was wir lesen – sondern auch, wann wir es lesen. Kurz vor dem Schlafengehen braucht unser Organismus eigentlich einen Übergang: vom Außen ins Innen, von Aktivität in Ruhe, von Aufmerksamkeit in Regeneration. Stattdessen konfrontieren wir unser Nervensystem mit Bildern und Geschichten, die es emotional beschäftigen. Wir legen das Telefon anschließend beiseite – aber die Nachricht legen wir nicht unbedingt mit ab. Die Gedanken wandern weiter. Was ist mit dem Kind passiert? Warum konnte niemand helfen? Was wäre, wenn es mein eigenes wäre? Und während der Körper eigentlich herunterfahren möchte, arbeitet der Kopf weiter. Dabei hat unser Gehirn eine bemerkenswerte Schwäche für schlechte Nachrichten. In einer internationalen Untersuchung mit Menschen aus 17 Ländern reagierten die Teilnehmenden im Durchschnitt physiologisch stärker auf negative als auf positive Nachrichten. Die sogenannte Negativitätsverzerrung ist tief in unserer Wahrnehmung verankert: Denn Gefahr zu erkennen war für unsere Vorfahren wichtiger als Harmonie.
Unser Gehirn möchte wissen, was schiefgehen könnte – und richtet seine Aufmerksamkeit deshalb besonders zuverlässig auf das Bedrohliche. Das war einmal in unserer Ahnengeschichte eine große Stärke.
Und heute? Unser Warnsystem ist überfordert Unser Gehirn stammt noch immer aus einer Zeit, in der es überlebenswichtig war, Gefahren möglichst schnell zu erkennen. Doch in der modernen Informationswelt wird genau dieser Mechanismus auf eine harte Probe gestellt. Die Neurowissenschaftlerin Maren Urner beschreibt in ihrem Buch ‚Schluss mit dem täglichen Weltuntergang‘, wie stark unser Alltag inzwischen von Meldungen über Krisen, Konflikte und Katastrophen geprägt ist. Negative Nachrichten ziehen unsere Aufmerksamkeit besonders stark auf sich. Die alte Redaktionsweisheit „If it bleeds, it leads“ – also sinngemäß: „Wenn es blutet, wird es zur Schlagzeile“ – beschreibt diesen Mechanismus treffend. Dramatische Meldungen werden häufiger beachtet und angeklickt und erzielen dadurch oft eine größere Reichweite. In sozialen Netzwerken kann sich dieser Effekt noch verstärken, weil Algorithmen Inhalte bevorzugen, die starke Reaktionen hervorrufen: Was uns emotional berührt, empört oder beunruhigt, hält uns länger auf der Plattform oder veranlasst uns sogar, einen Kommentar zu schreiben. Kontroverse, negative Inhalte sind damit für die Werbewirtschaft besonders wertvoll. So kann ein Kreislauf entstehen, in dem unser ausgeprägter Blick für mögliche Gefahren auf eine Informationswelt trifft, die unsere Aufmerksamkeit mit immer neuen Krisenmeldungen bindet – rund um die Uhr. Was einst unser Überleben sichern sollte, kann heute zur permanenten inneren Alarmbereitschaft werden.
Wenn Nachrichten krank machen Die tägliche Flut negativer Meldungen kann unser Nervensystem dauerhaft in Alarmbereitschaft versetzen. Besonders abends fällt es dann schwer, innerlich zur Ruhe zu kommen.
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darin, Grenzen zu setzen – Zeiten, in denen wir bewusst offline gehen, das Smartphone beiseitelegen und unsere Aufmerksamkeit wieder dem unmittelbaren Leben schenken. Denn zwischen Anteilnahme und Überforderung liegt ein wichtiger Unterschied: Wir dürfen wissen, was in der Welt geschieht, ohne alles, was dort geschieht, ungefiltert in jeder Minute in uns hineinzulassen.
Die Natur als Gegengewicht
Heute kann genau dieser Negativity Bias, der tief in unserer Wahrnehmung verankert ist, zur Überforderung beitragen. Denn während unsere Vorfahren gelegentlich tatsächlich mit einer unmittelbar lebensbedrohenden Gefahr konfrontiert waren, können wir heute innerhalb weniger Minuten in Dutzende Katastrophen aus aller Welt eintauchen. Sie alle liegen nur einen „Scroll“ von uns entfernt. Wir sitzen dabei vollkommen sicher zu Hause – doch unser Bewusstsein reist ständig dorthin, wo gerade etwas Schlimmes geschieht. Informiert zu sein ist wichtig. Wegzuschauen ist aber auch keine Lösung. Zwischen Informiertheit und permanenter Überflutung liegt jedoch ein entscheidender Unterschied. Und vielleicht liegt genau hier eine der großen Gesundheitsfragen unserer Zeit:
Wie viel Welt vertragen wir? Müssen wir wirklich morgens beim Aufwachen schon wissen, was über Nacht geschehen ist? Müssen wir vor dem Einschlafen noch die neuesten Schlagzeilen lesen? Und wie viele Krisen aus aller Welt können wir aufnehmen, ohne dass sie unsere eigene Wahrnehmung und Stimmung bestimmen? Es geht dabei nicht darum, die Augen vor den Problemen unserer Zeit zu verschließen. Im Gegenteil: Wer informiert ist, kann Zusammenhänge verstehen, mitreden und Verantwortung übernehmen. Aber wir müssen nicht rund um die Uhr auf Empfang sein. Vielleicht besteht ein gesunder Umgang mit Nachrichten deshalb auch
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Was können wir also dieser täglichen Reizund Negativitätsflut entgegensetzen? Vielleicht etwas, das älter ist als jede Zeitung und jeder Algorithmus: die Natur. Zahlreiche Studien beschäftigen sich inzwischen damit, wie natürliche Umgebungen auf unsere Psyche und unseren Körper wirken. Der Umweltpsychologe Roger Ulrich zeigte bereits Anfang der 1990er-Jahre, dass Menschen sich nach einer Stresssituation schneller erholen, wenn sie anschließend Natur wahrnehmen, statt einer städtischen Umgebung ausgesetzt zu sein. Auch neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Zeit im Wald oder in anderen grünen Räumen Stress reduzieren und das emotionale Wohlbefinden verbessern kann. Vielleicht brauchen wir deshalb nicht noch mehr Informationen, sondern zwischendurch weniger davon: einen Spaziergang ohne Kopfhörer, den Blick ins Grüne ohne das Handy in der Hosentasche, das Rauschen der Blätter wahrnehmen, den Wechsel der Jahreszeiten erleben und etwas Unerklärliches einfach mal als das stehen lassen, was es ist: Im Moment unerklärlich. Vielleicht sollten wir eine Informationslücke auch einmal aushalten, ohne sofort ChatGPT zu fragen und unser Wissen auf den neuesten Stand zu bringen.
Fazit – Was also ist zu tun? Die Journalistin Ronja von Wurmb-Seibel beschreibt in ihrem Buch Wie wir die Welt sehen, wie ein dauerhaft negativer Nachrichtenfokus unser Bild von der Wirklichkeit beeinflussen kann. Wer ständig mit Krisen und Katastrophen konfrontiert ist, kann zunehmend das Gefühl entwickeln, den Problemen der Welt machtlos gegenüberzustehen. Wurmb-Seibel spricht in diesem Zusammenhang auch von ‚gelernter
Gesellschaft
Unser Buchtipp: Wie wir die Welt sehen In ihrem Buch „Wie wir die Welt sehen“ beschäftigt sich die Journalistin Ronja von Wurmb-Seibel mit der Frage, wie Nachrichten unsere Wahrnehmung prägen. Sie zeigt, warum ein ständiger Fokus auf Krisen und Katastrophen Gefühle von Ohnmacht verstärken kann – und plädiert für einen Journalismus, der nicht nur Probleme benennt, sondern auch Zusammenhänge erklärt und Handlungsmöglichkeiten sichtbar macht. ISBN-13: 978-3-466-34780-3, Kösel-Verlag, 224 Seiten
können – statt einer weiteren Last, die wir mit uns herumtragen. Die Natur holt unsere Aufmerksamkeit zurück aus der digitalen Welt – und zurück in den gegenwärtigen Moment. Anstatt in der Flut von Negativinformationen zu ertrinken, könnten wir uns bewusst entscheiden, stattdessen ein Bad im Meer der Artenvielfalt zu nehmen und die tausend verschiedenen Farben und Düfte zu erleben, die direkt vor unserer Haustüre auf uns warten. Sie laden uns ein, uns zu öffnen und in die wohltuende Vielfalt der Natur einzutauchen. Bäume existieren schon seit über 300 Millionen Jahren auf der Erde und tragen die Spuren einer langen Entwicklungsgeschichte in sich. Für viele Menschen tragen sie die Urkraft, die Urinformation von Mutter Erde in sich. Sie können Helfer, Wegweiser und Begleiter sein und uns dabei unterstützen, unser Körpersystem wieder in eine als göttlich empfundene Ordnung zu bringen – was nichts anderes bedeutet, als dass Körper, Geist und Seele wieder eine Einheit bilden.
Bilder: Envato
Hilflosigkeit‘. Dabei kann der Eindruck entstehen, ohnehin nichts an den großen Problemen unserer Zeit ändern zu können – obwohl wir sehr wohl selbstwirksam handeln können. Die Verantwortung liegt nicht allein bei den Lesern und Konsumenten. Auch Medien und soziale Netzwerke stehen in der Pflicht. Experten plädieren unter anderem für mehr Medienkompetenz – möglichst schon in der Schule – und für einen bewussteren Umgang mit sozialen Plattformen. Doch auch der klassische Journalismus sollte sich fragen, welche Wirkung seine Berichterstattung auf die Menschen hat. Nachrichten müssen über Missstände, Krisen und Gefahren informieren. Gleichzeitig können sie Zusammenhänge erklären und aufzeigen, welche Möglichkeiten es gibt, mit Problemen umzugehen. Ronja von Wurmb-Seibel plädiert deshalb dafür, Probleme nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch einzuordnen und mögliche Wege aufzuzeigen, wie wir mit ihnen umgehen können. Denn eine Nachricht allein hilft uns wenig, wenn sie uns lediglich mit Angst und Ohnmacht zurücklässt. Man könnte es auch mit einem Bild aus der Natur sagen: Was nützt es dem Hasen, wenn er pausenlos vor dem Fuchs gewarnt wird, aber niemand ihm zeigt, wo er Schutz findet? Wir brauchen nicht nur Informationen darüber, was in der Welt schiefläuft. Wir brauchen eine Orientierung, Zusammenhänge und vor allem das Gefühl, nicht vollkommen machtlos zu sein. Erst dann wird aus einer schlechten Nachricht eine Information, mit der wir etwas anfangen
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Wie stärken uns Brain- und Soulfood? Eine spannende Frage, die mit der fortschreitenden Entschlüsselung des Mikrobioms und der Neurobiologie im Kontext unserer Ernährung immer wieder auftaucht. Eine Frage, die uns gleichzeitig den eigenen Speiseplan hinterfragen lässt.
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Text: Michaela Hocek
Mörkl), die an der Medizinischen Universität Graz lehrt und forscht, hinterfragt – auch im Hinblick auf den Herbst und die Umstellung des Biorhythmus auf weniger sonnenreiche Tage. Welche Lebensmittel und Gerichte sind im Herbst besonders nährend? Im Herbst dürfen wir wieder mehr auf wärmende und nährende Gerichte setzen. In unserem Kochbuch „Ernährung für die Psyche“ zeigen wir, dass Essen nicht nur Energie liefert, sondern auch Nährstoffe bereitstellt, die für Gehirn, Nervensystem und Darmmikrobiom wichtig sind. Ein Schwerpunkt liegt deshalb auf pflanzenbasierter Kost. Also Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, aber auch Fisch und andere Lebensmittel, die unter anderem Ballaststoffe, Omega-3Fettsäuren, Vitamine und antioxidativ wirksame Pflanzenstoffe liefern.
Nicht nur, was wir essen, sondern auch wann und wie regelmäßig wir essen, ist für die gesunde Ernährung wichtig. 74
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Ernährung für die Psyche – Das Kochbuch Die aktivierenden, beruhigenden, mikrobiomregulierenden und die Gehirngesundheit anregenden Rezepte in diesem Buch werden ergänzt durch leicht verständlich vermitteltes Wissen rund um die Biochemie der Gefühle, die DarmGehirn-Achse, Nervennahrung und Ernährungstherapie bei psychischen Erkrankungen wie Depression, Bipolarität, Traumata, Vergesslichkeit und Demenz, Schlafstörungen, Angstzuständen und Zwangsstörungen. Die Autoren Prof. Priv. Doz. DDr. Sabrina Leal Garcia (ehemals Mörkl) und Attila Várnagy gehen u. a. der Frage nach, warum Entzündungen im Körper sich auf die psychische Gesundheit auswirken können, geben aber auch praktische Tipps zur Vorratshaltung. 256 Seiten ISBN 978-3-7423-2548-8 Verlag riva
Bilder: LKH-Univ. Klinikum Graz (M. Kanizaj), Annamaria Zinnau
esundes Essen ist glücklicherweise längst nicht mehr nur eine Frage des optimalen BMIs (B o dy-Mass-Index). Regelmäßig nährstoffreiche und möglichst unverarbeitete Lebensmittel als Ausgangsprodukte für wohlschmeckende, nährende Rezepte zu verwenden, wirkt sich auch positiv auf Psyche und Seele aus. Wie sehr sich Ernährung auf Psyche und Seele auswirkt, haben wir im Interview mit Prof. Priv. Doz. DDr. Sabrina Leal Garcia (ehemals
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Jetzt eignen sich dafür besonders Kürbis, Wurzelgemüse, Rote Rüben, Kohl, Pilze, Äpfel und Birnen. Idealerweise in Kombination mit Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen sowie hochwertigen Ölen und Fetten. Daraus lassen sich wunderbar Suppen, Eintöpfe, Ofengerichte oder warme Getreidegerichte zubereiten. Ein Prinzip unseres Kochbuchs ist dabei besonders wichtig: Wir müssen für eine „Ernährung für die Psyche“ nicht exotisch kochen. Viele heimische, saisonale Lebensmittel sind hervorragendes Brainfood. Entscheidend sind Vielfalt, möglichst wenig hochverarbeitete Lebensmittel und eine gute Versorgung mit pflanzlichen Lebensmitteln und vor allem auch eine Anpassung der Ernährung an den eigenen Organismus und die eigenen Bedürfnisse.
Wir müssen für eine „Ernährung für die Psyche“ nicht exotisch kochen. Kann man mit bestimmten Nährstoffen einer Winterdepression vorbeugen? Eine saisonale Depression lässt sich leider nicht durch einen einzelnen Nährstoff verhindern. Ein wesentlicher Faktor der sogenannten „Winterdepression“ ist der Lichtmangel, weshalb die Lichttherapie bei Winterdepression eine wichtige Rolle spielt. Aus ernährungspsychiatrischer Sicht ist vor allem Vitamin D hervorzuheben, da die körpereigene Bildung in unseren Breiten während der Wintermonate deutlich abnimmt. Grundsätzlich sollte man Nährstoffe jedoch immer in der Gesamtschau betrachten: Für die Synthese von Neurotransmittern wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin benötigt unser Gehirn zahlreiche Nährstoffe, die sowohl als Bausteine, Regulatoren als auch als Co-Faktoren
HaferflockenQuark-Plätzchen Zubereitung
1
Quark mit Haferflocken verrühren und abgedeckt 30 Minuten im Kühlschrank quellen lassen. Karotten schälen, waschen und in kleine Stücke schneiden. Zwiebel schälen und klein schneiden. Petersilie waschen, trocken tupfen und klein hacken.
2
Olivenöl in einem Topf erwärmen, klein geschnittene Zwiebel dazugeben und auf mittlerer Temperatur glasig dünsten. Karotten und Thymian hinzufügen. Mit Salz, Pfeffer, Muskat und Kreuzkümmel würzen. Mit Orangensaft aufgießen. Die Karotten zugedeckt auf mittlerer Temperatur bissfest schmoren. Vom Herd nehmen und abgedeckt stehen lassen.
3
Haferflocken-Quark-Mischung aus dem Kühlschrank nehmen. Eier, 1 EL gehackte Petersilie, Kurkuma dazugeben und gut vermengen. 8 gleichmäßige Plätzchen formen und mit wenig Rapsöl braten.
Mikrobiomregulierend
Zutaten • 250 g Magerquark • 100 g Haferflocken • 800 g Karotten • 1 Zwiebel • 2 EL Petersilie • 2 EL Leinöl • 3 EL Olivenöl • 1 Zweig Thymian • 1 Prise geriebener Muskat • ½ TL Kreuzkümmel • 200 ml Orangensaft • 2 Eier • 1 TL Kurkumapulver • 3 EL Rapsöl zum Braten • Salz und Pfeffer aus der Mühle
4
Karotten wieder aufkochen, 2 EL Leinöl und die restliche Petersilie dazugeben und sofort auf vier Teller verteilen. Die fertigen Plätzchen auf die Karotten platzieren.
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enzymatischer Reaktionen dienen. Dazu zählen beispielsweise Omega-3Fettsäuren, B-Vitamine wie Folat, B6 und B12 sowie Eisen, Magnesium und Zink. Entscheidend ist daher weniger ein einzelner „Stimmungsnährstoff “ als vielmehr eine vielfältige, nährstoffreiche Ernährung und bei Nährstoffdefiziten eine gezielte Gabe der fehlenden Bausteine.
Wie wichtig ist das Essen im Biorhythmus? Ist die Anzahl der Mahlzeiten ebenfalls mitentscheidend? Ein regelmäßiger Essrhythmus ist aus meiner Sicht sehr wichtig, denn die Nahrungsaufnahme wirkt als Zeitgeber für unsere innere Uhr und beeinflusst Stoffwechsel, Verdauung und zahlreiche hormonelle Prozesse. Dieser Rhythmus kann jedoch individuell
Für die Gehirngesundheit
sehr unterschiedlich sein: Nicht jeder Mensch benötigt dieselbe Anzahl an Mahlzeiten oder exakt dieselben Essenszeiten. Entscheidend ist vielmehr, dass der Essrhythmus möglichst gut mit dem persönlichen Schlaf-WachRhythmus abgestimmt ist. Jetlag, häufige Reisen über Zeitzonen, Schicht- und Nachtarbeit, aber auch ausgeprägtes nächtliches Essen („Night Eating“) können diese zeitliche Abstimmung vehement stören. Gerade deshalb sollten wir bei einer gesunden Ernährung nicht nur darauf achten, was wir essen, sondern auch darauf, wann und wie regelmäßig wir essen.
Blumenkohl-LinsenPaprika-Ragout mit Vollkornreis Zubereitung
1
Petersilienwurzel schälen und fein reiben. 2 l Wasser mit 1 TL Salz zum Kochen bringen. Die geriebene Petersilienwurzel mit dem Reis dazugeben und fertig kochen. Wenn der Reis weich ist, abseihen und warm stellen.
Zutaten • 100 g Wurzelpetersilie • 240 g Vollkornreis • 200 g Blumenkohl • 3 EL Rapsöl • 2 Knoblauchzehen • 150 g Zucchini • 1 gelbe Paprikaschote • 1 TL getrocknete Chili • 2 EL rotes Currygewürz • 80 g gedämpfte Linsen (Dose) • 150 g Kichererbsen (Dose) • 200 ml Kokosmilch • 3 EL Gemüsefond (Glas) • 30 Cashewkerne (60 g) • Salz und Pfeffer aus der Mühle
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2
Blumenkohl putzen und in Röschen schneiden. In einer Pfanne 3 EL Rapsöl erwärmen und die Blumenkohlröschen dazugeben. Knoblauch schälen und klein schneiden. Mit in die Pfanne geben, würzen.
3
Zucchini waschen, entkernen, in Würfel schneiden und zum Blumenkohl geben. Paprika waschen, entkernen, in Würfel schneiden und zu Zucchini und Blumenkohl geben. Mit Chili und rotem Curry würzen.
4
Linsen und Kichererbsen in ein Sieb geben, gut abwaschen und zum Gemüse geben. Gut umrühren und mit 100 ml Wasser, Kokosmilch und 3 EL Gemüsefond aufgießen. Aufkochen und 5 Minuten abgedeckt bei mittlerer Temperatur kochen lassen.
5
Reis auf vier Teller verteilen und mit dem Blumenkohl-LinsenCurry bedecken. Mit Cashewkernen servieren.
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Vollkornnudeln in Blumenkohl-Cashew-Soße mit Leinsamen-Parmesan-Crunchy Zubereitung
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Den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze (160 °C Umluft) vorheizen.
Parmesan grob reiben, mit den Leinsamen und etwas grobem Pfeffer vermengen. Jeweils 1 EL Parmesan in einem Abstand von 10 cm auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben und etwas flach drücken. Im vorgeheizten Backofen 6–8 Minuten goldbraun backen. Leinsamen-Parmesan-Crunchy vollständig auf dem Blech abkühlen lassen.
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Petersilie waschen, abtupfen, abzupfen und fein hacken.
Die äußeren Blätter vom Blumenkohl entfernen. Blumenkohl säubern und in Röschen schneiden. Die Röschen in ein Sieb geben und unter kaltem Wasser waschen. In einem Topf ca. 1,5 l Wasser mit Gemüsefond und Kümmel aufsetzen. Wenn das Wasser kocht, Blumenkohlröschen hineingeben und ca. 5 Minuten lang weich kochen. Wenn der Blumenkohl weich ist, abseihen. Kochwasser auffangen.
Zutaten • 100 g Parmesan (ganzes Stück) • 2 EL Leinsamen • Pfeffer aus der Mühle • 1 Bund Petersilie • 1 Blumenkohl (kleines Stück ca. 400 g) • 3 EL Gemüsefond (Glas) • ½ TL gemahlener Kümmel • 1 TL Kurkumapulver • 2 EL Leinöl • 100 g Cashewkerne • ½ TL getrockneter Lavendel • 400 g Vollkornnudeln (Linguine oder Pappardelle) • Salz und Pfeffer aus der Mühle
Bilder: Annamaria Zinnau
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Den noch heißen Blumenkohl mit Kurkuma, etwas Pfeffer, Leinöl und Cashews in einen Mixer geben und mit löffelweiser Zugabe des Kochwassers zu einer cremigen Masse pürieren.
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Das restliche Kochwasser mit 2–3 l Wasser in einem Topf aufsetzen und die Vollkornnudeln darin laut Herstellerangabe bissfest kochen und anschließend abseihen.
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Blumenkohl-Cashew-Creme in einem Topf aufwärmen, die Nudeln, Lavendel und die klein geschnittene Petersilie hinzufügen. Kurz umrühren, anschließend auf vier tiefe Teller verteilen. Mit Parmesan-Crunchy garnieren.
Beruhigend
Gut leben
Einfach mal langsamer 7 kleine Wege zu mehr Entschleunigung im Herbst
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Text: Harald Gutzelnig
m Herbst verändert sich der Rhythmus der Natur. Die Tage werden kürzer, das Licht weicher, die Temperaturen sinken. Bäume lassen ihre Blätter fallen, Wachstum und Aktivität gehen zurück. Eigentlich wäre es die ideale Zeit, auch selbst einen Gang herunterzuschalten. Doch unser Alltag kennt kaum Jahreszeiten. Termine, E-Mails und Verpflichtungen laufen weiter, oft wird es Richtung Jahresende sogar hektischer. Gleichzeitig sind wir nahezu ständig erreichbar – vom ersten Griff zum Smartphone am Morgen bis kurz vor dem Einschlafen. Entschleunigung braucht weder einen Rückzug für Wochen noch einen neuen Lebensstil. Oft bringen schon kleine Veränderungen mehr Ruhe in den Tag. Gerade der Herbst lädt dazu ein, das eigene Tempo wieder stärker selbst zu bestimmen.
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Den Tag ohne Handy beginnen Der Wecker klingelt, wir greifen zum Smartphone – und noch bevor wir richtig wach sind, wissen wir, wer geschrieben hat, was in der Welt passiert ist und welche E-Mails warten. Der eigene Tag beginnt damit häufig schon mit den Gedanken und Erwartungen anderer. Dabei können gerade die ersten Minuten am Morgen den Ton für die nächsten Stunden setzen. Warum also nicht das Handy nach dem Aufstehen noch eine Weile liegen lassen? Fenster öffnen, duschen, Kaffee oder Tee zubereiten, frühstücken – und erst danach Nachrichten und E-Mails öffnen. Schon 20 oder 30 Minuten ohne Smartphone schaffen Abstand zwischen Aufwachen und digitalem Alltag. An dunkleren Herbstmorgen kann daraus ein schönes Ritual werden: warmes Licht, ein heißes Getränk und ein paar Minuten, die nur uns gehören.
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Nicht jede freie Minute verplanen Freie Zeit ist erstaunlich selten wirklich frei. Ein offener Nachmittag wird schnell mit Erledigungen oder Verabredungen gefüllt. Selbst kurze Pausen nutzen wir, um noch rasch etwas abzuhaken. Entschleunigung beginnt deshalb auch damit, Lücken wieder auszuhalten. Eine Stunde ohne Plan muss nicht automatisch sinnvoll genutzt werden. Sie darf einfach frei bleiben. Gerade im Herbst kann es wohltuend sein, einen Nachmittag bewusst nicht zu verplanen. Vielleicht ergibt sich ein Spaziergang, vielleicht ein Buch, vielleicht auch gar nichts. Nicht jede Minute muss ein Ergebnis hervorbringen.
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Bilder: Envato
Eine Sache nach der anderen tun Beim Frühstück Nachrichten lesen, während eines Telefonats E-Mails beantworten, beim Fernsehen durch soziale Medien scrollen – vieles passiert heute gleichzeitig. Das wirkt effizient, sorgt aber dafür, dass unser Kopf ständig zwischen unterschiedlichen Reizen wechseln muss. Das Gegenmittel: wieder öfter nur eine Sache tun. Beim Essen essen. Beim Spaziergang gehen. Beim Gespräch zuhören. Beim Lesen lesen. Der Herbst eignet sich gut, diese Form der Aufmerksamkeit neu zu entdecken. Eine Suppe kochen, Äpfel schneiden oder ein Buch lesen – einfache Tätigkeiten, die wohltuend langsam werden, wenn wir ihnen volle Aufmerksamkeit schenken. Entschleunigung bedeutet also nicht unbedingt, weniger zu tun. Oft reicht es, nicht alles gleichzeitig zu tun.
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Kleine Wege wieder zu Fuß machen Wir sind gewohnt, Wege möglichst schnell hinter uns zu bringen. Manchmal lohnt es sich aber, bewusst eine langsamere Variante zu wählen. Zum Bäcker gehen statt fahren. Nach dem Mittagessen eine Runde durch den Park drehen. Auf dem Heimweg eine Haltestelle früher aussteigen. Oder am Wochenende spazieren gehen, ohne Kilometerziel und ohne Schrittzähler. Gerade im Herbst lädt langsames Gehen zum Wahrnehmen ein: raschelndes Laub, feuchte Erde, Nebel, tief stehendes Licht, kühlere Luft. Wer langsamer unterwegs ist, entdeckt Dinge, die im normalen Tempo leicht unsichtbar bleiben. Vielleicht liegt genau darin Entschleunigung: nicht nur schnell anzukommen, sondern wieder mehr vom Weg mitzubekommen.
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Die 10-Minuten-Regel
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Mahlzeiten wieder zur Pause machen
Essen wäre eigentlich wie geschaffen für eine Unterbrechung. Trotzdem geschieht es oft nebenbei: vor dem Computer, mit dem Smartphone in der Hand oder während im Hintergrund Nachrichten laufen. Im Herbst lässt sich daraus leicht wieder ein kleines Ritual machen. Ein gedeckter Tisch, eine warme Mahlzeit, eine Tasse Tee – und das Handy bleibt für eine Weile außer Reichweite. Wer langsamer isst, nimmt Geschmack und Geruch intensiver wahr. Noch wichtiger: Eine Mahlzeit wird wieder zu einer echten Pause und nicht bloß zu einem weiteren Programmpunkt. Auch gemeinsame Mahlzeiten gewinnen an Qualität, wenn kein Display dazwischenfunkt. Ein Gespräch ohne ständige Unterbrechung kann erstaunlich entspannend sein.
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Entschleunigung scheitert oft an dem Gedanken, dafür viel Zeit zu brauchen. Doch zehn Minuten können bereits reichen. Zehn Minuten am Tag, in denen nichts erledigt werden muss. Kein Smartphone, keine E-Mails, keine Aufgabe nebenbei. Einfach einen Kaffee trinken, aus dem Fenster schauen, Musik hören, auf einer Bank sitzen oder bewusst durchatmen. Wer möchte, verbindet diese zehn Minuten mit einem festen Herbstmoment: morgens mit der ersten Tasse Tee, nach dem Mittagessen oder abends, wenn es draußen dunkel wird. Wichtig ist nur eine Regel: Diese zehn Minuten müssen keinen Zweck erfüllen. Sie sind kein Training und kein weiterer Optimierungstipp. Sie gehören einfach uns.
Unerreichbarkeit wieder zulassen Das Smartphone hat vieles einfacher gemacht, aber auch die Erwartung erzeugt, jederzeit erreichbar zu sein. Doch nicht jede Nachricht ist dringend und nicht jede E-Mail muss sofort beantwortet werden. Wer entschleunigen möchte, kann mit kleinen Grenzen beginnen: Push-Mitteilungen ausschalten, das Handy beim Spaziergang in der Tasche lassen oder abends für eine Stunde in einen anderen Raum legen. Auch ein bewusst smartphonefreier Sonntagnachmittag kann überraschend befreiend wirken. Unerreichbarkeit bedeutet nicht, sich von anderen abzuschotten. Sie schafft vielmehr Zeiten, in denen wir wieder selbst entscheiden, womit wir uns beschäftigen möchten.
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Den Tag bewusst herunterfahren So wie wir morgens einen Übergang in den Tag brauchen, tut uns auch am Abend ein langsames Herunterfahren gut. Häufig passiert jedoch das Gegenteil: Bis kurz vor dem Schlafengehen beantworten wir Nachrichten, sehen Serien oder scrollen durch soziale Medien. Der Herbst macht es leicht, dem Abend wieder einen eigenen Rhythmus zu geben. Licht dimmen, eine Kerze anzünden, Tee kochen, Musik hören, lesen oder ein warmes Bad nehmen – kleine Rituale helfen, vom Tag in die Ruhe zu wechseln. Entscheidend ist weniger, welches Ritual wir wählen, sondern dass der Tag nicht abrupt endet. Es soll entlasten, nicht zur neuen Pflicht werden.
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Das eigene Tempo wiederfinden Die Natur zeigt im Herbst sehr selbstverständlich, dass nicht jede Phase von Wachstum und Aktivität geprägt sein muss. Rückzug, Ruhe und Erholung gehören genauso dazu. Natürlich können wir unseren Alltag nicht für drei Monate anhalten. Aber wir können entscheiden, wie viele Reize wir zulassen, ob wirklich jeder Termin notwendig ist und ob das Smartphone vom ersten bis zum letzten Moment des Tages unsere Aufmerksamkeit bekommt. Entschleunigung bedeutet nicht, möglichst wenig zu tun. Sie bedeutet auch nicht, grundsätzlich langsamer zu werden. Vielmehr geht es darum, das eigene Tempo wieder stärker selbst zu bestimmen. Vielleicht ist der Herbst deshalb die beste Zeit, damit anzufangen. Nicht mit einer großen Veränderung, sondern mit einer kleinen: morgen früh zum Beispiel, indem das Handy einfach noch eine halbe Stunde liegen bleibt.
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