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DAS MAGAZIN FÜR DIE MOBILITÄT VON MORGEN

Erste Klasse in die Zukunft

Leistung, Komfort und Reichweite: Der BMW iX3 setzt den Maßstab

Tour

zum Start

Der Premium-SUV im exklusiven Praxistest

S. 48

VISION TECHNIK

Xpeng-Chef Markus Schrick im Interview

S. 18

STARKE TRANSPORTER S. 40

Mehr Komfort, mehr Volumen: Lieferwagen 2026 im Überblick

Was die neuen Wallboxen leisten

STROM QUELLEN S. 88

MESSE MÜNCHEN

Die Internationale Fachmesse für Ladeinfrastruktur und Elektromobilität

n Charging the future of mobility: Märkte, Geschäftsmodelle und Wachstumsperspektiven

n Innovationen erleben: Ladeinfrastruktur, bidirektionales Laden, Megawatt Charging & Smart Charging

n Integration im Fokus: Elektromobilität im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien und vernetzten Energiesystemen

n Branchentreffpunkt: 100.000+ Experten und rund 2.800 Aussteller auf vier parallelen Fachmessen

D POINTE MIT E

ie Mobilität von morgen wirkt in diesem Frühjahr wie ein bunter Strauß. Oder wie das Feuerwerk der guten Laune. Mit vielversprechenden Botschaften und Schlagworten von besonderer Kraft. Neue Klasse, Megawatt-Charging, Förderprämie. Für weniger als 10.000 Euro, China-Speed und bidirektionales Laden. Wie Pilze schießen die Ladesäulen landauf, landab aus dem Boden, werden die Firmenflotten elektrifiziert und Wallboxen montiert. Der Strom fließt, idealerweise intelligent gesteuert, genau dort, wo das E-Auto steht – zuhause, im Büro, auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums oder vor dem Restaurant. Klar zu vernehmen ist der steigende Anteil der surrenden und schnurrenden Stromer.

Zumindest die Freunde der batteriegetriebenen Fahrzeuge werten diesen Trend als positiv. Die Transformation läuft auf Hochtouren und 2026 wird als Schlüsseljahr der Verkehrswende in die Annalen eingehen. Wer genauer hinsieht, hat allerdings zu konstatieren: Das Potenzial bleibt auch und speziell in dieser Phase des Aufschwungs hoch. Ja, der von Grund auf neu entwickelte BMW iX3 erlaubt es dem Fahrer, selbst 100 Kilometer und mehr freihändig auf der Autobahn zu fahren. Dieses Automobil überholt sogar vollautomatisch, und es schert auch wieder ein. Den Blick von der Fahrbahn zu wenden, auf dem Smartphone zu daddeln oder gar einzuschlafen, ist dem Fahrer jedoch in keiner Sequenz gestattet. Er hat den Blick konsequent auf die Fahrbahn zu richten, bleibt selbstverständlich für den Kurs des Fahrzeugs verantwortlich. Atemberaubend wirken die 400 Kilowatt, mit denen dieses erste Modell der als Neue Klasse betitelten Baureihe die Kilowattstunden aus

der Ladesäule saugt. Die Stromstellen, welche die Energie konstant in dieser Geschwindigkeit bereitstellen, sind jedoch noch selten.

Einen Spitzenplatz im Rennen um technologischen Fortschritt peilt auch Xpeng an. Der chinesische Hersteller, dessen Fahrzeuge ebenfalls herausragende Ladeleistungen vorzuweisen haben, präsentiert bereits die Modelle der nächsten Dimension. Ein fliegendes Auto zum Transport von Personen ist in der Heimat testweise im Einsatz. Selbst humane Roboter hat das Unternehmen, an dem auch der Volkswagen-Konzern beteiligt ist, bereits vorgestellt. Xpeng präsentiert sich auf Automessen genauso wie in der Tech-Branche. Auf dem europäischen Markt und besonders in der Autorepublik Deutschland geht es nun vorrangig darum, als Marke bekannt und etabliert zu werden. Und wie? Auch mithilfe renommierter Autohändler, die teils über Jahrzehnte den vertrauenswürdigen Umgang mit ihren Kunden pflegen.

Die Weichen sind gestellt. Jetzt heißt es, den Betrieb der Elektromobile sukzessive zu optimieren und für noch mehr potenzielle Nutzer attraktiv zu gestalten. Es gilt vor allem für den Akt des Stromziehens. Das größte Manko ist und bleibt bis auf weiteres die undurchsichtige Preispolitik an den Ladesäulen. Welcher Tarif ist der günstige? Dies ist selbst für fachkundige Marktbegleiter oft schwer zu deuten. Dagegen könnte das bidirektionale Laden für manche Besitzer von E-Fahrzeugen ein lukratives Geschäft werden. Den über die eigene Photovoltaik erzeugten Strom in der Autobatterie speichern, bei Bedarf ins öffentliche Netz einspeisen und dadurch Erlöse generieren – es klingt wie eine brillante, gewinnbringende und nachhaltige Pointe der großen Transformation.

Viel Spaß beim Lesen!

Rubriken

IMPRESSUM

Drive

„WIR SPRECHEN VOM ERSTEN KI-DEFINIERTEN FAHRZEUG“

Markus Schick, Deutschland-Chef von Xpeng, im exklusiven Interview

DUETT KOMPLETT

Opel und Leapmotor entwickeln gemeinsam einen kompakten Elektro-SUV für Europa

DAS BLAUE VOM HIMMEL

Ferraris erster E-Sportwagen polarisiert mit Design, Leistung und Komfort

STIMMEN FÜR DIE BESTEN

Die hochkarätige Jury des Fachpreises BEST IN CLASS hat das Wort

Die Schenna E-Motion führt E-Autos über malerische Alpenrouten

IM BLICKPUNKT

Zwei Hersteller setzen spürbare Akzente für die Mobilität von morgen

GROSSE ELECTRICARLESERUMFRAGE

Die electricar-Leser küren ihre Favoriten rund um Laden, Energie und Mobilität

Markt für E-Transporter wächst mit neuen Modellen und Konzepten

BÜHNE FÜR DEN WANDEL

Die IAA Transportation zeigt die neuen Trends in der professionellen Branche

Im Interview: Markus Schick (li.) von Xpeng.

Polestar 4: Eleganter Stromer mit Komfort

TEST: POLESTAR 4

Einzigartiges Design trifft auf Komfort und Performance

Stilvoll, geräumig, ausdauernd: Der Nobel-SUV fährt vor

TEST: BMW IX3 RELEASE: VW ID. POLO

Dieser Münchner Premiumstromer setzt in jeder Sequenz den Maßstab

Volkswagens kultiger Kleinwagen fährt elektrisch

Fakten zu E-Autos, die weniger als 60.000

kosten

Neue Stromer für Gewerbe und urbane Lieferwege

Experte für komplexe

Projekte: IAV-Chef

Jörg Astalosch

Business

SPEZIALISTEN FÜR SERVICE UND SERIENHÄRTE 68

IAV unterstützt Hersteller bei komplexen Entwicklungsprojekten bis zur Serienreife

BOXENSTOPP IN FRANKFURT 72

Die Automechanika 2026 rückt Software, KI und Werkstatttechnik in den Fokus

ERST DENKEN, DANN LADEN 74

Beim Umstieg auf E-Flotten entscheidet die genaue Planung über den Erfolg

LIEFERN MIT E-FAKTOR 78

Elektro-Lkw bringen Freistädter Bier leise und emissionsarm in die Region

Mobility

HPC-LADER IM TEST 80

Quer durch alle Bundesländer: Österreichs Ladestromanbieter auf dem Prüfstand

AMTRON® 4You 400. Das neue, intelligente Einstiegsmodell für das Laden zu Hause: AFIR-konform, mit Solarfunktion und steuerbar per App.

EINFACH STROMZIEHEN 86

EWE Go und Hochtief eröffnen einen nachhaltigen Schnellladepark in Oldenburg

LADEN MIT SYSTEM 88

Neue Wallboxen verbinden Leistung, Solarstrom und smarte Steuerung

KRASS AM KASTEN 92 80

Schnelle Stromstellen: Ladestationen im Praxistest

Premiumklasse: Bei Keba wird aus vielen Bauteilen ein intelligenter Wandlader

Vision

VISION STROMSTELLE 94

Die Ladestellen der Zukunft bieten mehr als nur frische Energie

Hamburg: Zahl der elektrischen Taxis steigt

In der Hansestadt fährt inzwischen mehr als jedes vierte Taxi rein elektrisch. Nach Angaben des Senats lag der Anteil im April bei 26,4 Prozent. Seit 2020 wächst die Zahl der E-Taxis stetig, zuletzt von 685 auf 747 Fahrzeuge. Grundlage hierfür ist das Hamburgische Klimaschutzgesetz: Seit 2025 dürfen nur noch lokal emissionsfreie Taxis und Mietwagen neu zugelassen werden. Für Großraumtaxis gilt die Vorgabe ab 2027. Förderungen sollen den Umstieg der Taxibetriebe weiter erleichtern.

BYD: Frisches Hybrid-Modell

Der Produzent aus China erweitert seine Modellpalette in Europa um den Dolphin G DM-i. Der kompakte Fünftürer wurde für internationale Märkte entwickelt und nutzt einen Plug-in-Hybridantrieb, der elektrisches Fahren mit hoher Langstreckentauglichkeit verbinden soll. Mit voller Batterie und vollem Tank nennt BYD mehr als 1.000 Kilometer Reichweite. In Deutschland ist das Modell gerade vorgestellt worden, die ersten Auslieferungen sind für Spätsommer und Frühherbst geplant.

Zwei frische MG-Modelle für den deutschen Markt

Der chinesische Hersteller erweitert sein Angebot in Deutschland um zwei neue vollelektrische Modelle der neuen IM-Baureihe. Die Limousine MG IM 5 und das SUV MG IM6 setzen auf eine 800-Volt-Architektur, eine 100-kWh-Batterie und Elektroantriebe mit bis zu 553 Kilowatt. Je nach Version nennt der Hersteller Reichweiten von bis zu 655 Kilometern nach WLTP. An Schnellladesäulen mit mehr als 350 kW soll der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent rund 17 Minuten dauern. Beide Modelle sollen damit vor allem hohe Fahrleistungen mit kurzen Ladepausen verbinden. Zur technischen Ausstattung gehören außerdem Allradlenkung, moderne Assistenzsysteme und eine stark digitalisierte Bedienoberfläche. Der Innenraum besticht mit einem 26,3-Zoll-Display, elektrisch verstellbaren Sitzen, induktivem Laden und einem Audiosystem mit 20 Lautsprechern. Preislich soll der IM 5 bei rund 42.000 Euro starten, der IM6 kostet 8000 Euro mehr.

Legendäres Muscle-Car kehrt als E-Auto nach Europa zurück

Dodge bringt den neuen Charger jetzt nach Europa. Die achte Modellgeneration kann ab sofort bestellt werden und wird als vollelektrischer Charger Daytona sowie als Benziner angeboten. Beide Varianten basieren auf der STLA-Large-Plattform und sind wahlweise als Zwei- oder Viertürer erhältlich. Der elektrische Daytona setzt auf Allradantrieb, zwei Elektromodule und eine 100,5-kWh-Batterie. In der Scat-PackAusführung leistet er bis zu 500 kW (670 PS), die R/T-Variante hat eine Motorleistung von 400 kW (536 PS). An der Schnellladesäule soll der Akku in rund 27 Minuten von 20 auf 80 Prozent laden. Innen setzt Dodge auf ein fahrerorientiertes Cockpit mit moderner Anzeige- und Lichttechnik.

dodge.com

Faktor

Flotte:

Citroën ë-C3 überzeugt mit Preisvorteil

Der Kleinwagen in der Variante ë-C3 Standard Range Plus zeigt, dass ein gutes Flottenauto keineswegs überdimensioniert zu sein braucht. Mit 322 Kilometern WLTP-Reichweite, 16,7 kWh Verbrauch je 100 Kilometer und einem Listenpreis von 25.650 Euro eignet sich der Citroën perfekt für planbare Kurz- und Mittelstrecken. Dazu kommen der Vortrieb von 113 PS und das Kofferraumvolumen von 310 Litern. Im Preis-Leistungsvergleich für Kurzstrecken- und Einsatzfahrzeuge von electricar erreicht der ë-C3 die Note „Hervorragend“ und eine Wertung von 93,1 Prozent. Der frische Franzose punktet mit einem attraktiven Gesamtpaket und klar kalkulierbaren Kosten.

Toyota Hilux jetzt auch mit Elektroantrieb

Das Erfolgsmodell, das zu den erfolgreichsten Pick-ups weltweit zählt, fährt erstmals auch in der rein elektrischen Variante vor. Der batteriegetriebene Hilux nutzt zwei Elektromotoren für permanenten Allradantrieb und eine 59,2-kWh-Batterie. Toyota gibt eine Reichweite von bis zu 257 Kilometern an, im Stadtverkehr sollen bis zu 380 Kilometer möglich sein. Die Batterie ist in den Rahmen integriert, damit Robustheit und Geländetauglichkeit erhalten bleiben. Nutzlast und Anhängelast liegen bei 715 beziehungsweise 1.600 Kilogramm. An einer Schnellladestation soll der Akku in rund 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent laden. Ergänzend dazu gibt es eine Hybrid-Version.

Foto: Citro ë n
Foto: Nissan

Skoda: Effizientes SUV für die Stadt

Solarautos: Deutlich weniger Bedarf an Strom?

Fahrzeuge mit integrierten Solarmodulen könnten künftig einen deutlich größeren Beitrag zur Elektromobilität leisten als bisher angenommen. Das zeigt das Forschungsprojekt Solar Moves unter Leitung von TNO und Fraunhofer ISE. Demnach könnten E-Autos in Mitteleuropa künftig bis zu 35 Prozent ihres jährlichen Energiebedarfs direkt über integrierte Solarpanels decken, in Südeuropa sogar bis zu 50 Prozent. Für die Studie wurden 18 Fahrzeuge, darunter Pkw, Lieferwagen, Busse und Lkw, mit Sensoren ausgestattet und über mehr als eine Million Kilometer im realen Straßenverkehr untersucht. Die Forscher analysierten, wie viel Solarenergie Fahrzeuge während des Fahrbetriebs und im Stand tatsächlich erzeugen.können.

Ja, klar, er will nur spielen … Zur Weltpremiere stellen die Strategen von Skoda den Epiq tatsächlich in ein Bällebad, das sie in der Züricher Umwelt Arena aufgebaut haben – frei nach dem Motto: frisch und froh, bunt und munter. Nüchtern betrachtet, fährt hier ein ausgewachsener Stadt-SUV vor, der speziell im Vergleich zu den bereits präsentierten Konzernbrüdern massiv wirkt. Für einen Kleinwagen bietet er reichlich Platz, auch im Kofferraum. Dazu kommt das Interieur, das der traditionsreiche Hersteller im markentypischen Solid-Stil verfeinert hat. „Design, Technik und Leidenschaft“, so umreißt es Klaus Zellmer, der Chef von Skoda: „Der Epiq ist ein Maßstab im Einstiegssegment und macht E-Mobilität für eine deutlich breitere Kundengruppe zugänglich.“ In den Kernfakten ausgedrückt, bedeutet dies: drei Varianten im Antrieb, 115 bis 211 PS, Reichweite 310 bis 440 Kilometer, ab 25.900 Euro – im Leasing ab rund 300 Euro im Monat. Der vom Hersteller angegebene Verbrauch liegt bei 13,9 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Am Schnelllader kann die Batterie in 24 Minuten von zehn auf 80 Prozent geladen werden.

Foto: shutterstock
Fotos: Skoda

Xpeng entwickelt erstes serienreifes Robotaxi

Der chinesische Elektroautohersteller hat einen wichtigen Meilenstein im Bereich autonomes Fahren erreicht: In Guangzhou ist erstmals ein seriengefertigtes Robotaxi des Unternehmens offiziell vom Band gelaufen. Nach Angaben von Xpeng handelt es sich dabei um das erste in China vollständig in Eigenentwicklung produzierte Robotaxi mit Level-4-Autonomie. Das Fahrzeug basiert auf der neuen GX-Plattform und wurde speziell für den fahrerlosen Einsatz entwickelt. Xpeng setzt dabei auf einen sogenannten Pure-Vision-Ansatz ohne Lidar-Sensoren oder hochauflösende Karten. Stattdessen verarbeitet ein KI-System die Umgebungsdaten ausschließlich über Kameras und eigene KI-Chips. Pilotprojekte mit den neuen Robotaxis sollen noch 2026 starten. Bereits Anfang 2027 plant Xpeng laut Unternehmensangaben den vollständig autonomen Betrieb ohne Sicherheitsfahrer im Fahrzeug. Damit positioniert sich der Hersteller zunehmend als direkter Konkurrent zu Tesla, Baidu oder Waymo im globalen Rennen um autonome Mobilitätsdienste.

INFO bit.ly/ec37-xpeng-robotaxi

8. – 12. 9. 2026

Jetzt Ticket sichern!

Leapmotor B10 und Fiat 500: Kompakt, klein und cool

Der chinesische Newcomer Leapmotor und Italiens Traditionsmarke Fiat im Gleichtakt? Diese zunächst überraschende Verbindung ergibt durchaus Sinn. Zum einen sind das immerhin 4,53 Meter lange SUV Leapmotor B10 Hybrid EV und der 3,63 Meter kurze Stadtflitzer Fiat 500 schlüssig als Stellvertreter zum Aufzeigen der zeitgemäßen Bandbreite an Karosseriekonzepten im Stellantis-Konzern. Dessen Verkaufs- und Servicenetzwerk nutzt Leapmotor seit 2024 für die eigene Expansion in Europa. Fiat wiederum ist seit der Fusion von FCA und PSA – angekündigt 2019, finalisiert 2021 – nicht bloß eine der 14 Auto-Marken von Stellantis. Vielmehr dürfen die Italiener fortan als eines der sogenannten Core-Four-Labels von Stellantis neben Peugeot, Jeep und Ram etwa auf großzügige Investitionsbudgets zählen.

Zum anderen bieten die Baureihen B10 und 500 interessante Motorisierungskonzepte mit Elektrifizierungsgraden für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke. So ist der kompakte Leapmotor in Europa als reiner Stromer erhältlich – und in einer Reev-Version, mit Range Extender. Angetrieben werden in beiden Modellen die Hinterräder. Der kleine Fiat hingegen ist stets ein Fronttriebler. In der

batteriegetriebenen Ausführung stehen zwei Leistungsstufen (70 kW/95 PS und 87 kW/118 PS) zur Verfügung. Zur 500Variante „Mild Hybrid“ mit 48 kW/65 PS schreibt Fiat: „Der Elektromotor wird aus einer Batterie gespeist, die während der Fahrt geladen wird. Er unterstützt den Benzinmotor beispielsweise beim Anfahren aus dem Stand und beim Beschleunigen“. So weit jeweils zur Theorie.

Die Testfahrt startete electricar am Flughafen München mit einem Leapmotor B10 Hybrid EV. Zielort im Navigationssystem, das auf den folgenden rund 500 Kilometern vorbildlich funktionierte: Das „Castello di Casiglio“ in Erba unweit vom Comer See. Die Strecke über Landsberg/Lech, Bregenz am Bodensee, das Fürstentum Liechtenstein und Lugano bot flotte Autobahnpassagen, enge Serpentinen sowie wuseligen Stadtverkehr. Dabei erwies sich der Reev-B10 als bei jeder Gangart cooles Allroundtalent. Den kleineren und wendigeren Fiat 500 lobt electricar-Autorin Beatrice Bohlig nach einer kurzen Ausfahrt in der Idylle der norditalienischen Region Lombardei als einen „knuffigen City-Flitzer, der einfach gute Laune macht“.

Fotos:
Beatrice Bohlig, Stellantis

Audi Q4 e-tron: Feine Akzente und mehr Reichweite

Der Fortschritt ist mitten in Wien zu begutachten. Kärntner Straße, keine 500 Meter vom Stephansdom entfernt. Im House of Progress von Audi steht, diskret geparkt, der neue Q4 e-tron. Dieses kompakte Modell, erhältlich als SUV und schnittiger Sportback, ist an den relevanten Stellen spürbar aufgewertet worden: Reichweite neu bis zu knapp 600 Kilometer, Ladeleistung neu bis zu 185 Kilowatt, Anhängelast neu 1.800 Kilogramm. Auch optisch hat der Q4 fein akzentuiert zugelegt. Im Innenraum wirkt nun das frische, leicht gekrümmte Panoramadisplay, im Fachjargon als „Digital Stage“ bezeichnet. Optional gibt es erstmals auch einen eigenen Bildschirm für den Beifahrer. Preis? Ab 45.676 Euro der SUV, der Sportback ab 47.596 Euro. Das Leasing startet bei gut 400 Euro im Monat.

Die witty Familie Laden ohne Grenzen

Die witty Familie von Hager bietet für jede Anforderung die passende Ladelösung – vom Einfamilienhaus bis in den öffentlichen Raum. Ein System, das heute schon alle Anwendungen abdeckt und morgen noch mehr möglich macht – mit der witty flex für bidirektionales Laden im Einfamilienhaus (verfügbar ab Q4/2026).

hager.de/witty-familie

Mehr erfahren unter: hager.de/witty-familie

Einstiegsmodell und Siebensitzer: MG im Praxistest

Der chinesische Autoanbieter MG Motor arbeitet im laufenden Geschäftsjahr an einer deutlichen Stärkung seiner Präsenz in Deutschland. „Derzeit bilden 183 Standorte unser Netzwerk auf Europas Schlüsselmarkt“, sagt Marc Hecht, bei MG Motor Deutschland verantwortlich unter anderem für das Ressort Marketing. „Das Ziel bis Ende 2026 ist die 220er-Marke“.

Wie der Manager im Rahmen der Fahrvorstellung der Modelle MG4 EV Urban und MGS9 PHEV in München weiter ausführte, „betrug das MG-Wachstum im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 12,3 Prozent – mehr als das Doppelte des Gesamtmarkts“. Interessante Zahlen dahinter schlüsselte Hecht auf Anfrage von electricar und Rückmeldung aus MG Motors Landeszentrale im hessischen Neu-Isenburg auf. Demnach entfallen durchschnittlich 55 Prozent des MG-Neuwagenab-

satzes auf private Kunden und 35 Prozent auf gewerbliche Abnehmer. Hecht: „Zehn Prozent sind Eigenzulassungen.“

Neuland befährt die seit 2007 zum SAICKonzern zählende Traditionsmarke MG Motor mit dem MGS9 PHEV – es ist ihr erstes SUV mit Platz für sieben Personen. Das Innen- und Gepäckraumkonzept überzeugte bei der Testtour in Bayern auf ganzer Linie. Die Länge von 4,98 Metern und 20-Zoll-Felgen mit Bereifung im Format 245/50 R20 verleihen dem MGS9 PHEV eine stattliche Erscheinung. Dazu passt die Kombination von 1,5-Liter-Turbobenziner (105 kW/142 PS) und E-Maschine (170 kW/ 231 PS), was eine souveräne Systemleistung von 220 kW/299 PS ermöglicht. Die Version „Comfort“ preist MG Motor mit 44.990 Euro ein. In der Ausführung „Premium“ kostet der MGS9 PHEV fast 4.000 Euro mehr. Als Stadtauto charakterisiert der Hersteller den MG4 EV Urban. Es ist ein ab 24.990 Euro erhältlicher Fronttriebler, der „zeitgemäßen Komfort mit viel Praxistauglichkeit“ bietet. electricar kann nach der Testfahrt citytaugliche Wendigkeit attestieren, gute Rundumsicht – und ein üppiges Kofferraumvolumen. Für Letzteres haben sich die Ingenieure hinab in die Tiefen der Fahrzeugstruktur gewagt.

Renault 4: Studie mit Retro-Charme

Das 4 JP4x4 Concept ist eine spielerische Outdoor-Variante des Renault 4 E-Tech elektrisch. Das Showcar erinnert an frühere R4-Ableger wie Plein Air von 1969 und JP4 von 1981, setzt aber stärker auf Freizeitinszenierung. Offenes Dach, kurze Türen, klappbare Heckpartie und Surfbretthalterung lassen den Kleinwagen wie eine Mischung aus Strandbuggy und Pick-up wirken. Technisch fällt vor allem der zweite Elektromotor an der Hinterachse auf, der permanenten Allradantrieb ermöglicht. Ob es zur Serienreife gelangt, bleibt offen.

Foto:Renault
Fotos: Beatrice Bohlig

Rolls-Royce Spectre II mit mehr Reichweite vorgestellt

Der britische Edelproduzent kündigt eine überarbeitete Version seines Elektroautos an. Optisch bleibt das Luxusfahrzeug weitgehend vertraut, technisch legt es zu: Die WLTP-Reichweite steigt auf 628 Kilometer, die Leistung auf 442 Kilowatt. Die Black-Badge-Version kommt auf eine Motorleistung von bis zu 500 Kilowatt und gilt als stärkstes Serienmodell der Marke. Innen gibt es neue Materialien, mehr Individualisierung und ein dunkleres Interieur.

INFO rolls-roycemotorcars.com

Mercedes erweitert Modellreihe

Mercedes-Benz vergrößert die elektrische GLC-Baureihe um zwei zusätzliche Varianten. Der GLC 250 schafft bis zu 650 Kilometer WLTP-Reichweite, der GLC 300 4matic bis zu 616 Kilometer. Beide Modelle sollen kurze Ladestopps ermöglichen und in zehn Minuten Energie für mehr als 250 Kilometer nachladen. Neben Reichweite und Ladeleistung stehen Komfort, Raumangebot und Alltagstauglichkeit im Fokus. Dazu zählen ein 128-Liter-Frunk, bis zu 2,4 Tonnen Anhängelast, optional Hinterachslenkung und der große MBUX-Hyperscreen. Gefertigt wird der elektrische GLC nun in Bremen im Dreischichtbetrieb.

INFO mercedes-benz.de

Rivian R2: SUV für Europa

Rivian bereitet mit dem R2 den nächsten Schritt seiner Expansion vor. Das mittelgroße Elektro-SUV ist kompakter als die bisherigen Modelle R1T und R1S und soll damit auch für europäische Märkte besser passen. In den USA läuft der Marktstart an, in Europa soll dieser 2027 folgen. Der R2 misst rund 4,70 Meter und zielt auf ein Segment, in dem viele Hersteller um alltagstaugliche, elektrische Familien-SUV konkurrieren. Zum Start bietet Rivian eine leistungsstarke Allradversion an, weitere Varianten mit niedrigeren Preisen und unterschiedlichen Antriebskonzepten sind geplant. Je nach Ausführung sind Reichweiten von mehr als 500 Kilometern nach US-Norm vorgesehen. Im Innenraum setzt Rivian auf ein variables Raumkonzept und digitale Bedienung. Für Volkswagen ist der R2 wichtig: Der Konzern arbeitet mit Rivian in einem Joint Venture an Software und Elektronikarchitekturen für künftige Elektroautos. Die Technik aus dieser Zusammenarbeit soll zunächst in Rivian-Modellen wie R2, R3 und R3X genutzt werden, später aber auch Volkswagen helfen, neue Fahrzeuge schneller und softwareorientierter zu entwickeln.

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Polestar: Modelle 3 und 4 technisch aufgewertet

Der schwedisch-chinesische Hersteller überarbeitet seine beiden SUV Polestar 3 und Polestar 4 und spendiert den Fahrzeugen einige Verbesserungen, die sich positiv auf das Fahrerlebnis auswirken sollen. Der Dreier erhält eine 800-Volt-Architektur, die unter optimalen Bedingungen eine Ladeleistung von bis zu 350 kW erlaubt. Der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent soll damit 22 Minuten dauern. Zusätzlich nutzt Polestar die Batteriesoftware Breathe Charge, die den Zustand des Akkus überwacht und die Ladegeschwindigkeit laufend anpasst. Auch der Antrieb wurde überarbeitet: In der PerformanceVersion steigt die Systemleistung auf bis zu 500 kW. Der Hauptcomputer arbeitet nun mit einem leistungsstärkeren Prozessor, wodurch mehr Rechenleistung für Fahrzeugfunktionen, Sensorik und aktive Sicherheit bereitsteht. Beim Polestar 4, der nun offiziell Polestar 4 Coupé heißt, liegt der Schwerpunkt auf Fahrdynamik und Klimabilanz. Eine neue Fahrwerksabstimmung soll Agilität, Komfort und Lenkpräzision verbessern. Die Allradvarianten beschleunigen in 3,8 Sekunden auf 100 km/h. Zugleich gelten für den Polestar 4 niedrigere CO2-Werte bei Produktion und Auslieferung. Die Preise beginnen bei 79.900 Euro für den Polestar 3 und 59.900 Euro für den Polestar 4.

Citroën: Kult-Ente 2CV fährt bald elektrisch vor

Citroën holt eine Ikone zurück: Der 2CV, in Deutschland als „Ente“ bekannt, soll als neues Elektroauto wiederbelebt werden. Offiziell spricht die Marke von einem Modell, das vom Geist des legendären 2CV inspiriert ist – also von Einfachheit, Praktikabilität, geringem Gewicht und leistbarer Mobilität. Damit will Citroën nicht nur Retro-Gefühle wecken, sondern auch eine Lücke schließen, die am europäischen Automarkt immer größer geworden ist: wirklich günstige Elektroautos. Besonders spannend ist die Preisansage. Citroën-Chef Xavier Chardon kündigte im Rahmen des Stellantis Investor Day ein vollelektrisches, in Europa gebautes Modell für unter 15.000 Euro an. Produziert werden soll das Fahrzeug ab 2028, weitere Details will Citroën auf dem Pariser Autosalon im Oktober 2026 zeigen. Technische Daten zu Akku, Reichweite, Ladeleistung oder Abmessungen gibt es bislang allerdings nicht.

INFO bit.ly/ec37-2cv

Fotos: Polestar
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Nissan Ariya: Jetzt mit bidirektionalem Laden

Der Nissan Ariya startet mit einem frischen Update ins neue Modelljahr und erhält dabei sichtbare wie technische Neuerungen. Der Elektro-Crossover zeigt sich nun mit einer überarbeiteten Frontpartie, neuen Leuchten und zusätzlichen Designakzenten, die den Auftritt klarer und moderner wirken lassen sollen. Auch im Innenraum hat Nissan nachgeschärft: Eine neu gestaltete Mittelkonsole bietet mehr Stauraum. Ergänzt wird das Ambiente durch eine Beleuchtung mit 64 Farboptionen. Neu ist außerdem die Vehicle-to-Load-Funktion. Über sie kann der Ariya externe elektrische Geräte mit bis zu 3,7 Kilowatt versorgen, etwa E-Bikes, Laptops oder Campingzubehör. Damit erweitert Nissan den praktischen Nutzen des Fahrzeugs über die reine Mobilität hinaus.

Raval und ID. Polo rollen vom Band

Im spanischen Martorell beginnt für die Marke Cupra ein wichtiger Abschnitt der Elektrifizierung. Das Werk hat die Produktion des Cupra Raval und des Volkswagen ID. Polo aufgenommen. Beide Modelle gehören zur urbanen Elektrofahrzeugfamilie des Volkswagen-Konzerns, die Seat und Cupra für die Markengruppe Core koordiniert. Insgesamt umfasst das Projekt vier vollelektrische Modelle von drei Marken, die alle in Spanien gefertigt werden. Für Martorell ist der Anlauf zugleich Teil einer umfassenden Umstellung: Der Standort soll künftig flexibel Elektroautos, Hybridmodelle und effiziente Verbrenner bauen können. Nach Angaben des Unternehmens wurden mehr als drei Milliarden Euro in das Werk investiert. Markus Haupt, CEO von Seat und Cupra (siehe Bild rechts), bezeichnete den Produktionsstart als Meilenstein für die Transformation des Unternehmens. Der Raval soll im Sommer 2026 starten und rund 450 Kilometer Reichweite bieten. Der ID. Polo folgt als elektrische Neuinterpretation des bekannten Kleinwagens und soll bis zu 454 Kilometer schaffen.

INFO nissan.de
Foto: Nissan
Fotos: Seat, Cupra

Lesenswert: Tipps zweier Insider für die Transformation

Selbst lange vom Erfolg verwöhnte Premiumhersteller wie Mercedes-Benz oder Porsche streichen Arbeitsplätze. Und traditionsreiche Top-Zulieferer à la ZF oder Bosch verlagern wichtige Teile ihrer Wertschöpfungsketten ins kostengünstigere Ausland. Kein Zweifel, Deutschlands Fahrzeuggilde – noch Schlüsselindustrie – läuft nicht mehr rund. Auf derlei schmerzhaften Einsichten fußt das neue Buch „Kraft statt Krise“ aus dem Verlag Delius Klasing. „Auto-Republik am Abgrund: Wenn das Herz der Wirtschaft kollabiert“, so überschreiben denn auch Thomas Sedran und Harald Hamprecht ein Kapitel ihres 319-Seiten-Werks. Beide Autoren agieren seit Jahrzehnten im PS- und Kilowatt-Metier: Sedran war unter anderem CEO von VW Nutzfahrzeuge in Hannover, Hamprecht etwa Chefsprecher des Rüsselsheimer Volumenherstellers Opel. Interessante Blicke über die deutschen Landesgrenzen wirft das Duo vor allem in den Teilen zwei und drei von insgesamt fünf ihrer Branchenbetrachtung. Sie beleuchten „Tesla & Elon Musk“ (USA), „Toyota & Akio Toyoda“ (Japan) sowie mit „Ferrari & Enzo“ (Italien) weitere Ikonen auf vier Rädern respektive zwei Beinen.

Rüsselsheim baut den nächsten Astra

Opel rückt den Astra klar ins Zentrum seiner Modellplanung. Die nächste Generation des erfolgreichen Kompaktwagens soll am Stammsitz in Rüsselsheim entworfen, entwickelt und gebaut werden. Als Basis dient die neue STLA-One-Plattform von Stellantis. Für den Standort ist das ein Signal, weil ein Kernmodell dort gebündelt bleibt. Bis 2030 plant Opel mindestens vier neue Modelle, darunter auch die nächste Corsa-Generation und ein neues C-SUV.

Warp4: Wallbox mit Weitblick

Tinkerforge bringt die Warp4, eine neue Generation seiner Wallbox auf den Markt. Sie soll das Laden zu Hause einfacher und besser steuerbar machen. Viele Funktionen laufen direkt über das Gerät, ohne verpflichtende Cloud-Anbindung. So kann die Wallbox Solarstrom nutzen, Ladezeiten an Strompreise anpassen und den verfügbaren Strom im Haus berücksichtigen. Auch bestehende Stromzähler, Solaranlagen und Batteriespeicher vieler Hersteller lassen sich einbinden. Die Warp4 ist so für künftige Anwendungen vorbereitet bei denen Elektroautos auch Strom ins Haus zurückgeben. INFO warp-charger.com

Foto: Beatrice
Bohlig
Foto: Tinkerforge

sigl@electricar

E-MAIL AUS INGOLSTADT

Hier schreibt Kurt Sigl

Er streitet, poltert und insistiert. Er treibt und verbindet, erklärt und stört. Kurt Sigl ist Experte der Elektromobilität und schickt für jede Ausgabe von electricar eine E-Mail aus Ingolstadt, in der er aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Themen seiner Branche analysiert und kommentiert. Als Mitbegründer und langjähriger Präsident des Bundesverbandes eMobilität gilt Sigl als Leitfigur auf den Gebieten der Elektromobilität und der erneuerbaren Energie. Der kernige Oberbayer, einst im Dienst von Audi, punktet mit seiner über Jahrzehnte ausgeprägten Expertise und der Gabe, Menschen zusammen zu bringen. Mit Nachdruck arbeitet er daran, traditionelle Strukturen und Denkmuster zu hinterfragen, um Raum für neue und zukunftsfähige Modelle zu schaffen.

Vom Heldenlärm zur leisen Verunsicherung

Einst war die Welt am Erzberg noch in Ordnung. Die Motorräder, die beim härtesten Bergrennen der Welt vor der massiven Kulisse der Obersteiermark, gefahren wurden, waren laut und schwer. Sie rochen nach einer Mischung aus Benzin, Öl und fragwürdigen Lebensentscheidungen. Wer am Berg bestehen wollte, musste nicht nur fahren können, sondern auch bereit sein, die Umwelt akustisch darüber zu informieren. Das Dröhnen der Motoren war schließlich ein wesentlicher Bestandteil des Naturerlebnisses.

Doch nun hält der Wandel des Antriebs Einzug. Elektromotorräder erobern die Strecke – und mit ihnen eine völlig neue Form der Identitätskrise. Jahrzehntelang wurde Leistung in Dezibel gemessen. Heute kommt plötzlich ein Motorrad daher, das klingt wie ein elektrischer Rasenmäher auf dem Motivationsseminar und zieht trotzdem mühelos den Hang hinauf. Für alle Traditionalisten ist das schwer zu verkraften. Wie soll man seinen Enkeln später erzählen, dass man am Erzberg gekämpft hat, wenn auf den Videos im Hintergrund nur Vogelgezwitscher zu hören ist? Wo bleibt die Romantik, wenn man nach dem Rennen keine schwarze Rußschicht im Gesicht hat, sondern lediglich die Erkenntnis, dass Technologie manchmal tatsächlich funktioniert?

Besonders bitter: Die Physik zeigt sich erstaunlich unbeeindruckt von Nostalgie. Der Berg fragt nicht, ob die Energie aus einem Tank oder einer Batterie kommt. Er fragt nur: Kommst du rauf? Und während manche noch darüber philosophieren, ob Strom im Gelände überhaupt Männlichkeit transportieren kann, liefert das E-Motorrad sein Drehmoment bereits ab der ersten Umdrehung – völlig emotionslos und ohne die sonst übliche mechanische Oper. Es wird immer Menschen geben, die überzeugt sind, dass ein Kraftrad erst dann richtig läuft, wenn Nachbardörfer über die erhöhte seismische Aktivität informiert werden müssen. Aber die Zukunft fährt bereits mit. Leiser. Effizienter. Und besonders gemein: oft schneller. Der Erzberg bleibt dabei der perfekte Schauplatz für diesen Kulturkampf. Auf der einen Seite die Verfechter des traditionellen Motorradlärms, auf der anderen die elektrische Fraktion, die ihre Konkurrenten überholt, ohne dabei die Zuschauer zu stören.

Der Berg selbst dürfte darüber schmunzeln. Schließlich hat er Generationen von Fahrern scheitern sehen. Ihm ist es völlig egal, ob jemand mit Benzin, Strom oder purem Starrsinn antritt. Am Ende liegen alle gleich erschöpft im Staub. Die einen riechen nach Kraftstoff. Die anderen nach Zukunft. Und beide sind überzeugt, im Besitz der einzig wahren Wahrheit zu sein, Das macht die Sache am Erzberg fast noch unterhaltsamer als das Rennen selbst.

„WIR SPRECHEN VOM ERSTEN KI-DEFINIERTEN FAHRZEUG”

Markus Schrick, Deutschland-Chef von Xpeng, über die neue Limousine in seinem Portfolio, beeindruckende Ladeleistungen und die zukunftsweisende Technologie, für die der chinesische Hersteller steht.

Text: Armin Grasmuck

Sie kommen gerade von der Testfahrt mit dem neuen Modell P7+ zurück. Wie ist der erste Eindruck?

Markus Schrick: Ich finde persönlich, es ist ein sehr gelungenes Produkt. Der P7+ ist als Fastback ausgelegt, hat jede Menge Platz im Innenraum und einen sehr großen Kofferraum, ideal für Familien. So viel Auto für einen vergleichbar attraktiven Preis – der P7+ startet bei 46.600 Euro – mit Vollausstattung, außergewöhnlich guter Verarbeitungsqualität und viel Bequemlichkeit gibt es sonst kaum mehr. Es ist übrigens der erste Xpeng, der mit KI entwickelt wurde und mit KI produziert wird. Wir sprechen deshalb vom ersten KI-definierten Fahrzeug der Marke. Er hat die neuesten Assistenzsysteme an Bord für maximale Sicherheit beim Fahren. Das Highlight ist jedoch die Ladegeschwindigkeit. In nur zehn Minuten kann man die Batterie von 20 Prozent auf 80 Prozent nachladen. Das ist branchenweit ein Bestwert. Kurz und gut: Das Paket passt.

Mit welchen Attributen kann diese rund fünf Meter lange Limousine der gehobenen Mittelklasse gegen die etablierte Konkurrenz in Europa punkten?

Der P7+ glänzt mit all den USPs, die für Xpeng stehen: Dieses smarte Elektrofahrzeug bietet ein außergewöhnlich hohes Niveau an Technologie, mit kraftvollem Elektroantrieb, ultraschnellem Laden mit bis zu 446 kW und dank großer Batterie mit bis zu 530 Kilometern Reichweite. Zudem hat es die nächste Generation der 800-VoltLadearchitektur an Bord, die mit der branchenweit ersten 5C-LFP-Hochvoltbatterie kombiniert ist. Der Lithium-EisenphosphatAkku kommt ohne seltene Mineralien wie Kobalt, Mangan und Nickel aus.

Stichwort Preis. Wie schaffen Sie es, dieses Gesamtpaket zu vergleichsweise attraktiven Konditionen anbieten zu können? Was viele nicht wissen: Xpeng produziert in Europa für Europa. Neben dem P7+ werden

auch unsere SUV G6 und G9 bei Magna in Graz gefertigt. Das hat direkte Konsequenzen auf die EU-Besteuerung der Fahrzeuge und damit auch auf den Preis. Wir haben auch eine Modellstruktur, die es uns erlaubt, die Fahrzeuge fair einzupreisen. Wir arbeiten bewusst mit wenig Varianten: In der Regel gibt es drei Ausstattungsversionen, zwei Batterie- und zwei Antriebsvarianten. Die bestellbaren Optionen beschränken sich auf eine Anhängekupplung und Sonderfarben, das war es schon.

Hervorstechend sind bei allen Fahrzeugen von Xpeng die herausragenden Ladeleistungen. Warum haben Sie im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten den Fokus auf den vehementen Stromfluss gelegt? Dahinter steht eine bewusst gewählte Politik. Wir setzen auf einen effizienten Mix aus Batteriegröße und ultraschnellem Laden. Natürlich kann man größere Batterien wählen, um die Reichweite zu erhöhen, das geht aber zu Lasten des Gewichts und des Preises eines Fahrzeugs. Höheres Gewicht bedeutet gleichzeitig aber auch: höherer Verbrauch. Mit ultraschnellem Laden reduzieren wir die Standzeiten an der Ladesäule. Den P7+ kann man dank seiner Ladepower in nur zehn Minuten von 20 auf 80 Prozent laden. Das entspricht bei einem

EXKLUSIVES INTERVIEW

Markus Schrick (links) mit electricar-Chefredakteur Armin Grasmuck.

„Das hohe Niveau an Technologie in unseren Fahrzeugen wird zum Game-Changer“

Durchschnittsverbrauch von 17 kWh/100 km, die realistisch erreichbar ist, mehr als 300 frisch geladene Kilometer.

Was entgegnen Sie den Zweiflern, die befürchten, dass das permanente Schnellladen der Batterie und letztendlich auch dem Auto schadet?

Xpeng verfügt inzwischen über eine mehr als zehnjährige Erfahrung im Einsatz von batterieelektrischen Fahrzeugen. Die gesammelten Daten aus dieser Zeit belegen, dass das Schnellladen keine negativen Auswirkungen im Langstreckenverkehr hat. Entgegen früherer Vorgaben, definiert Xpeng inzwischen sogar das Aufladen der Batterie bis 90 Prozent als optimal.

Sie waren zuletzt auch als Aussteller auf der internationalen Hannover Messe präsent, bei der es um zukunftsweisende Technologien, von autonomen Robotern bis hin zur generativen KI ging. Was hatte es damit auf sich? Wir haben die Messe gewählt, um uns als Hightech-Unternehmen und globaler Technologieführer im Bereich KI-Mobili -

SIEBENSITZER AM START -

Diesen Sommer kommt der Xpeng-Van X9 in Europa auf den Markt.

tät zu positionieren, denn Xpeng ist mehr als ein traditioneller Automobilhersteller. Das hohe Niveau an Technologie in unseren Fahrzeugen wird zum Game-Changer für die Mobilität der Zukunft werden, davon sind wir überzeugt. Ein Highlight in Hannover war auch die Europapremiere des Land Aircraft Carrier. Dieses hybride Land-Luft-Fahrzeuggespann, also eine Kombination aus Fahrzeug mit Fluggerät, steht exemplarisch für den erweiterten Ökosystemansatz von Xpeng, der weit über klassische Fahrzeuge hinausgeht und Lösungen in den Bereichen Luftmobilität und humanoide Robotik integriert.

Ist das Land-Luft-Gespann serienreif?

Grundsätzlich ist der Land Aircraft Carrier von Aridge, einem Tochterunternehmen von Xpeng, bereits serienreif. Ab der zweiten Jahreshälfte wird die Produktion des hybriden Konzepts in der Nähe von Guangzhou starten. 2027 sollen die Auslieferungen in China und dem Nahen Osten gestartet werden. Als Vorgeschmack dessen, was möglich ist, hat Aridge bei einer Flugshow in Dubai einen bemannten Demonstrationsflug

Foto: Xpeng

durchgeführt – zum ersten Mal außerhalb Chinas. Laut Aridge sind bereits mehr als 7000 Bestellungen eingegangen.

Wo sollen Ihre humanoiden Roboter eingesetzt werden, die ebenfalls in Hannover zu sehen waren?

Die humanoiden Roboter Iron von Xpeng sollen keine Arbeitsplätze ersetzen, sondern Menschen unterstützen. Im ersten Schritt werden sie vor allem für Assistenz-, Guidance- und Support-Aufgaben im Servicebereich des Handels eingesetzt. Im zweiten Schritt ist geplant, die Roboter auch in der Fahrzeugproduktion unterstützend einzusetzen. Langfristig verfolgt Xpeng die Vision, dass humanoide Roboter künftig auch im privaten Haushalt alltägliche Aufgaben übernehmen und Menschen entlasten können.

Wie eng ist die Zusammenarbeit mit dem Volkswagen-Konzern, der knapp fünf Prozent an Xpeng hält?

Die Zusammenarbeit beschränkt sich aktuell auf die Entwicklung und Pro -

FUTURISTISCHE KONZEPTE

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Der Land Aircraft Carrier, ein hybrides Land-Luft-Fahrzeuggespann, ist bereits serienreif – und der humanoide Roboter Iron soll künftig auch im privaten Bereich eingesetzt werden können.

duktion von Fahrzeugen in China für den chinesischen Markt. VW hat jüngst Modelle in China auf die Straße gebracht, die stark von den Innovationen der E/EPlattform von Xpeng profitieren. Die Zusammenarbeit ist also sehr fruchtbar und sehr gut, was ich höre. Natürlich ist man im beständigen Austausch.

Sie sind seit fast drei Jahren bei Xpeng im Einsatz. Wie fällt Ihre persönliche Zwischenbilanz aus?

Ich fühle mich außergewöhnlich wohl. Die Arbeit macht riesigen Spaß, die Teams wachsen kontinuierlich und der Erfolg ist da und sichtbar. Die Zusammenarbeit mit dem Headquarter in China ist ebenfalls sehr positiv und fruchtbar. Entscheidend für den Erfolg von Xpeng im Markt werden drei Faktoren sein: eine deutlich breitere Modellpalette, ein stark wachsendes Händlernetz und stabile Rahmenbedingungen bei Preisen und Restwerten. Ich bin sehr zuversichtlich, den Erfolg von Xpeng in Deutschland weiter voranzubringen

VW ALS PARTNER IN CHINA

Der Volkswagen-Konzern ist seit rund drei Jahren mit rund 4,99 Prozent an Xpeng beteiligt, hat dafür etwa 700 Millionen US-Dollar investiert. Die Beteiligung ist Teil einer größeren China-Strategie, mit der VW sein schwächelndes E-Auto-Geschäft im wichtigsten Automarkt der Welt stärken möchte. Volkswagen und Xpeng kooperieren finanziell, vor allem jedoch technologisch. Für VW ist die Beteiligung auch ein Signal in Richtung Software, Plattformstrategie und Lokalisierung. Der Konzern wollte damit schneller, kosteneffizienter und näher an den chinesischen Kunden entwickeln. Xpeng profitiert im Gegenzug von Kapital, Reichweite und industrieller Erfahrung des großen Konzerns. VW erhielt nur einen Beobachterposten im Board, was dokumentiert, dass es weniger um Kontrolle als um eine strategische Allianz ging. Das erste Modell, das Volkswagen in China zusammen mit Xpeng entwickelt hat, ist der VW ID.Unyx 08, der im vergangenen November vorgestellt wurde. Dieser fünf Meter lange SUV nutzt die sogenannte Edward-Plattform von Xpeng, auf der auch der SUV G9 des chinesischen Herstellers konzipiert ist. Im April dieses Jahres folgte das zweite Modell aus der Kooperation: der ID.Unyx 09, eine elektrische Limousine im Format der Oberklasse – und ein weiterer Beleg für die VW-Strategie «In China für China».

Foto: Xpeng
Fotos: Xpeng

KOMPAKT IN DIE ZUKUNFT So wie auf diesem von KI generiertem Foto könnte der neue SUV von Opel auf Basis der Leapmotor-Technologie aussehen.

DUETT KOMPLETT

Opel plant in Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor einen SUV im kompakten Segment – konzipiert

in Rüsselsheim und gebaut in Saragossa.

Angedacht haben es die Strategen von Stellantis bereits seit längerem. Selbstverständlich sei es denkbar, so lautete es stets aus den höchsten Kreisen des Automobilkonzerns, dass zusammen mit dem Kooperationspartner Leapmotor neue Modelle konzipiert werden. Jetzt nimmt die Zusammenarbeit konkrete Formen an: Opel wird mit dem chinesischen Hersteller einen Elektro-SUV entwickeln. Das Beste aus zwei Welten – so lautet das Motto.

Das neue Modell soll im kompakten Segment angesiedelt sein. Es basiert auf der Architektur des Leapmotor B10, der gerade in Europa auf den Markt gekommen ist. Dieser wird mit Batterien in der Größe von wahlweise 56 oder 67 Kilowattstunden angeboten, die Reichweiten von bis zu 434 Kilometern nach WLTP-Standard ermöglichen. Seine Ladeleistung liegt bei maximal 168 Kilowatt. Das geplante Modell von Opel wird die SUV-Palette des traditionsreichen Autobauers folglich verstärken, auf einer Ebene mit dem Grandland Electric und oberhalb des Mokka Electric.

CEO Huettl: Wichtiger Schritt

„Unser neuer SUV soll bei Opel in Rüsselsheim designt und erschaffen und von unseren internationalen Teams in Deutschland und China entwickelt werden“, sagte Florian Huettl, CEO von Opel und Chef des Gesamtkonzerns in Deutschland, auf dem Stellantis‘ Investor Day. „Die Partnerschaft mit Leapmotor soll ermöglichen, das Fahrzeug in weniger als zwei Jahren zu entwickeln. Damit plant Opel einen weiteren wichtigen

Schritt bei der Entwicklung hochmoderner und erschwinglicher Elektrofahrzeuge für unsere Kunden.“

Das neue Modell soll demnach die zentralen Komponenten der neuen elektrischen Architektur und der Batterietechnologie von Leapmotor nutzen – im Zusammenspiel mit dem typischen Design von Opel, dem Bedien- und Nutzererlebnis, der Fahrwerkskompetenz sowie der Licht- und Sitztechnologie, für die der deutsche Hersteller steht. Am Hauptsitz in Rüsselsheim wird großer Wert darauf gelegt, dass das neue Fahrzeug von den Kunden in jeder Sequenz als echter Opel wahrgenommen wird.

Gebaut in Spanien

Produziert werden soll der rein elektrische Kompakt-SUV in Saragossa. In dem Stellantis-Werk der nordostspanischen Metropole rollt bereits seit 44 Jahren der Corsa, der höchst erfolgreiche Kleinwagen des deutschen Autobauers, vom Band. „Mit diesem Projekt beabsichtigt Opel, deutsche Ingenieurskunst mit globaler technologischer Innovationsgeschwindigkeit zu vereinen“, sagt Xavier Chéreau, Vorsitzender des OpelAufsichtsrates und bei Stellantis verantwortlich für die Personalstruktur und Nachhaltigkeit: „Innovationsgeist prägt das nächste Kapitel unserer globalen Zusammenarbeit mit Leapmotor. Opel übernimmt eine Vorreiterrolle.“

Es klingt, als würden die Konzernoberen bereits über Kooperationen von weiteren Herstellern des Konzerns – wie Citroën, Fiat oder Peugeot – mit Leapmotor befinden. Opel fällt damit die Rolle des wichtigen Treibers auf dem Weg in die Mobilität von morgen zu.

STRATEGIE MIT DRIVE

Der deutsche Autobauer Opel intensiviert die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Hersteller Leapmotor, übernimmt damit die Rolle als wichtiger Treiber für Wertschöpfung innerhalb des Konzerns Stellantis.

Marktreif innerhalb von nur zwei Jahren.

Der Leapmotor B10, umgestylt mit den Logos von Opel – so einfach läuft es folglich auf keinen Fall. Aufbauend auf die Grundarchitektur, die aus China kommt, übernimmt das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim elementare Aufgaben wie das Abstimmen des Fahrwerks, die einzigartige Lichttechnik und das Design des Innenraums. Typisch Opel eben.

Faktor Zeit

Ein entscheidender Faktor bezüglich der Effizienz sind die dadurch deutlich verkürzten Entwicklungszeiten. Marktreif innerhalb von nur zwei Jahren, wie von CEO Huettl umrissen. Das klingt vielversprechend im Vergleich zu den fünf bis sieben Jahren, die üblicherweise für die Konzeption eines neuen Modells veranschlagt werden. Dazu kommt: Durch die lokale Produktion im spanischen Werk können die von der EU veranschlagten Zölle umgangen werden, was sich auch auf den Preis durchschlägt.

Die Architektur von Leapmotor unterscheidet sich stark von den Plattformen

Foto: Stellantis, shutterstock.com

AUTO AUS ARAGONIEN

Der neue Kompakt-SUV wird im Stellantis-Werk in Saragossa gebaut –wie der Opel Corsa..

von Stellantis, etwa der STLA Medium, auf welcher der Opel Grandland gebaut wird. Dort sind die Batterien beispielsweise 87 bis 104 Kilowattstunden groß und ermöglich Reichweiten von bis zu 700 Kilometern. Dagegen setzt Leapmotor konsequent auf kostengünstigere Produktionselemente.

Für den neuen SUV von Opel soll dies bedeuten: chinesische Technologie, schnell entwickelt, zum Bestpreis – mit der speziellen Kraft, welche die Modelle mit dem Blitz-Logo seit nunmehr 127 Jahren auszeichnet.

Hauptsitz in Hangzhou

Erst 2015 wurde Leapmotor von Elektroingenieur Zhu Jiangming als Produzent von batteriegetriebenen Fahrzeugen gegründet. Bezahlbare E-Mobilität mit eigener Technik zu verbinden, so lautete seine Philosophie. Der Hauptsitz des Herstellers ist in Hangzhou, einer Zehn-Millionen-Einwohner-Stadt nahe Shanghai. Mittlerweile hat Leapmotor auch eigene Plattformen und Batterien auf

den Markt gebracht, unter anderem die CTC-Technologie, die seit 2022 bevorzugt eingesetzt wird.

Gut eineinhalb Jahre nach dem Marktstart kann Leapmotor in Europa ein solides Wachstum vorweisen. Im Verlauf des Jahres 2025 wurden nach Angaben des Herstellers mehrfach starke Sprünge verzeichnet. Im Mai und Juni des vergangenen Jahres lag die Zahl der neu zugelassenen Fahrzeuge jeweils über 1000 – wie auch im Februar 2026.

Bewährte Händlerstruktur

„Wir haben diese erste Phase gemeistert, die Zulassungszahlen gehen in die richtige Richtung“, sagt Martin Resch, der Deutschland-Chef von Leapmotor, im Gespräch mit electricar: „Das Händlernetz hat sich schneller entwickelt, als wir es uns erhofft hatten. Wir sind auf dem richtigen Kurs.“ Er verweist auch auf eine Privatkundenquote von deutlich mehr als 75 Prozent, was auf eine relativ breite Akzeptanz bei den Endkunden hindeute.

Leapmotor kann in Europa ein solides Wachstum vorweisen.

Leapmotor profitiert von der über Jahrzehnte bewährten Händlerstruktur. Die Modelle des chinesischen Herstellers stehen in den Autohäusern Seite an Seite mit den Fahrzeugen von renommierten Marken wie eben Opel, Citroën, Fiat oder Peugeot – und profitieren von deren Strahlkraft. Im Gegenzug kommen potenzielle Kunden von Leapmotor in den Verkaufsräumen auch in Kontakt mit diesen traditionsreichen Marken. Europaweit spricht Leapmotor bereits von mehr als 800 Verkaufs- und Servicestellen. Im stetigen Takt arbeitet der chinesischen Produzent zudem daran, seine Mo-

JOINT VENTURE

Kooperation großes Potenzial.

dellpalette in Europa zu erweitern. Nach dem Kleinstwagen T03 – rein elektrisch, 95 PS, ab 18.900 Euro – sind der Mittelklasse-SUV C10 und der kompakte SUV B10 vorgefahren. Diese beiden Modelle sind batteriegetrieben und als Hybride mit Range-Extender-Technologie zu Preisen ab 37.600 respektive 29.900 Euro erhältlich.

Faktor Energiekosten

Mit großen Vorschusslorbeeren wird gerade die attraktive gestaltete Kompaktlimousine B05 in den Markt eingeführt, die bereits auf der IAA Mobility im vergangenen Herbst in München vorgestellt wurde. Urbane Fahrer mit dem ausgeprägten Sinn für Fahrspaß und Lifestyle haben die Strategen von Leapmotor für diesen Neustarter im Blick. Ebenfalls noch in diesem Jahr soll der B03X, ein zwischen dem B05 und dem T03 angesiedelter SUV erhältlich sein. Das Modell, das Opel auf Basis der Technologie von Leapmotor entwickelt, soll in zwei Jahren auf den Markt kommen – geplanter Produktionsstart 2028.

GLOBAL

Die 2023 vereinbarte Partnerschaft zwischen Stellantis und Leapmotor umfasst eine Investition von rund 1,5 Milliarden Euro. Der europäische Konzern hält damit etwa 20 Prozent an dem chinesischen Elektroautobauer sowie 51 Prozent am Joint Venture „Leapmotor International“. Ziel ist der Vertrieb von E-Fahrzeugen außerhalb Chinas, insbesondere in Europa. Leapmotor bringt kostengünstige Technologie ein, Stellantis stellt Produktion, Vertrieb und Infrastruktur. Erste Modelle von Leapmotor sind seit 2024 in europäischen Märkten eingeführt worden – die Nachfrage nach den bezahlbaren E-Autos steigt stetig.

HOCHMODERN UND ERSCHWINGLICH
Florian Huettl, CEO von Opel und Chef von Stellantis in Deutschland, sieht in der neuen

DAS BLAUE VOM HIMMEL

Text: Beatrice Bohlig und Henning Krogh
Luce, italienisch für Licht, heißt der erste reine Stromer von Ferrari. In der Sphäre der Elektromobilität soll dieser flotte Fünfsitzer alles überstrahlen. Zum Start des Boliden in Rom ist electricar geladen.

John Jacob Philip Elkann strahlt über das ganze Gesicht. Gerade erst hat der Präsident des italienischen Luxuslabels Ferrari mit seinem Führungsteam die statische Weltpremiere des E-Sportwagens Luce in Rom beendet. Sekunden später nur beginnt der Sturm des Publikums auf die Bühne mit fünf Exemplaren des neuen Boliden. Ein orkanartiger Sturm, um genau zu sein. Gewissermaßen Windstärke elf. Kein Wunder – das mit höchster Spannung erwartete Karosseriedesign ihres jüngsten Wurfs hielten die Strategen um Ferrari-CEO Benedetto Vigna bis zuletzt strengstens geheim.

Rund acht Monate zuvor, nach der Enthüllung des Chassis‘ und erster Eckdaten zum damals noch nebulös Elettrica genannten Starkstromer, hatte sich Elkann am Ferrari-Stammsitz Maranello entspannt Zeit genommen für ein Gespräch mit der Redaktion. Nun, in der architektonisch kühn gestalteten Eventlocation „Vela di Calatrava – Citta dello Sport“, stellt sich der sichtlich stolze Spross der altehrwürdigen AgnelliDynastie am blauen Luce bereit für ein Bild mit Autorin Beatrice Bohlig. Allein – für Roberto, den Hausfotografen, ist partout kein Durchkommen im Gedränge der neugierigen Ferrari-Gäste. „Dann beim nächsten Treffen“, so Elkann – was die Vorfreude auf das dynamische Erleben des Luce abermals steigert. electricar wird berichten.

Disput um das Design

Das überbordende Interesse am Ferrari Luce in der italienischen Hauptstadt setzt sich bis heute fort. Unvermindert. Rund um die Welt. Vor allem im Internet. Auf Fahrzeugforen, in Memes oder über das Karrierenetzwerk LinkedIn tauschen sich etablierte Ferrari-Eigner und solche, die es wahrscheinlich gern wären, intensiv über

das erste reine E-Mobil mit dem tänzelnden Pferd im Wappen aus.

Der meistdiskutierte Aspekt des Luce ist zweifellos dessen äußere Gestaltung. Es polarisiert die Betrachter enorm, das vom kalifornischen Kreativverbund Lovefrom unter der Leitung des Ex-iPhone-Designers Sir Jony Ive und Marc Newson entworfene Exterieur des Luce. Letzteres Wort bedeutet aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt schlicht Licht. Wo es ist, findet sich bekanntlich auch Schatten. Etwa in Form mal mehr, meist weniger fachkundiger Kommentare, die bisweilen so maliziös ausfallen, dass der Ferrari-Vertrieb seine offiziellen Handelspartner inzwischen um Stillschweigen auf externe Anfragen bittet.

Nähern wir uns sachlich dem Luce-Look. „Die Karosserieform wird vom Glass House

E-ENTSCHEIDER

Die Ferrari-Granden John Elkann (rechts) und Benedetto Vigna nach der Premiere ihres neuen Modells.

Fotos: Ferrari

GROSSE ÜBERRASCHUNG IN ROM

electricar-Reporterin Beatrice Bohlig bei der Präsentation des ersten rein elektrischen Ferrari.

MIT VOLUMEN

Zwei Einzelsitze vorn und die Dreier-Rückbank machen den Luce zu einem vollwertigen Sportwagen für die Familie.

bestimmt“, heißt es völlig zutreffend beim Hersteller. „Ein kompromissloses, schalenförmiges Design – schwebend wirkende Flügel vorn und hinten optimieren die Aerodynamik ebenso wie die Leistung“. Apropos: Bis zu 772 Kilowatt stehen in diesem flotten Viertürer bereit, umgerechnet 1050 PS beträgt die Höchstleistung. Lediglich 6,8 Sekunden vergehen beim Vollspurt aus dem Stillstand. Auf Tempo 200, wohlverstanden. Von null auf stammtischhundert schießt der 2,3-Tonner laut Datenblatt in 2,5 Sekunden. Auch die Höchstgeschwindigkeit – souveräne 310 Kilometer pro Stunde – kündet von einem Supersportwagen. Zu dessen Blickfängern zählen hier „die größten gestuften Radgrößen, die je bei einem Ferrari Serienmodell für die Straße verbaut wurden“, wie es im Luce-Vademekum heißt, „23 Zoll vorn und 24 Zoll hinten“. Zwei Arten von Felgen stehen zur Aus -

wahl – eine im aerodynamisch optimierten Turbinentrimm, dazu das Schmiederad mit offenem Fünfspeichendesign, wie es das electricar-Fotofahrzeug ziert. Die Bereifung vorn im Format 265/35 und hinten 315/30 liefern die Premiumanbieter Pirelli, Michelin sowie Bridgestone zu. Ein weiterer Eyecatcher ist die eigentümliche Anordnung der Scheibenwischerarme – in Ruhestellung liegen sie satt auf den A-Säulen des Luce.

Ära, wem Ära gebührt

Ferraris erstes Elektroauto ist zugleich der erste Fünfsitzer der Marke. Beim anderen Viertürer aus Maranello hingegen, dem Purosangue mit V12-Front-Mittelmotor und Getriebe hinten, lässt diese sogenannte Transaxle-Bauweise nur vier Einzelsitze zu. Beide Baureihen eint, dass ihre Portale im Heck gegenläufig zu den Vordertüren angeschlagen sind. Nach der Sitzprobe auch auf der Rückbank des Luce können Reporterin Bohlig, 1,80 Meter groß und schlank, sowie Autor Henning Krogh, gar nochmals 16 Zentimeter länger, jedoch von weitaus weniger zierlicher Statur, dem Ferrari kommode Reisetauglichkeit für ein Erwachsenen-Quintett attestieren. Zumal Ferrari das Kofferraumvolumen mit beachtlichen 597 Litern beziffert.

Für ausgedehnte Touren in einem EFahrzeug ist dessen Reichweite mit einer Batterieladung von besonderer Bedeutung.

Für den Luce schätzt Ferrari, dass 530 Kilometer möglich sind. Noch läuft die entsprechende Homologation, nach deren Abschluss auch Werte zum Verbrauch nach WLTP-Zyklus verfügbar sein werden. Jetzt steht schon fest, dass sich an Schnellladestationen mit einer Leistung von bis zu 350 Kilowatt innerhalb von 20 Minuten 70 Kilowattstunden einspeisen lassen. Zur Einordnung: Insgesamt bietet der tief im Wagenboden platzierte Traktionsakku mit seinen 210 Pouch-Zellen, die der südkoreanische Zulieferer SK beisteuert, eine Kapazität von 122 Kilowattstunden.

Lang ist beim Luce die Liste weiterer technischer Highlights: Karbon-KeramikBremsen beispielsweise, Hinterachslenkung und ein vom Hypersportwagen F 80 deriviertes Aktivfahrwerk. Das Zusammenspiel mit den vier Permanentmagnet-Syn-

MUTIGE LINIEN

Trotz charakteristischer Rundleuchten wirkt das wuchtige Heck auf manche Betrachter stark gewöhnungsbedürftig.

chronelektromotoren, die jeweils ein Rad antreiben, wird sich allerdings erst nach der eingangs erwähnten Dynamikpräsentation dieses Ferrari bewerten lassen.

Akustiken der Extreme

Ein wichtiges Entwicklungsziel der Ingenieure bestand darin, dem Luce mit allerlei strömungstechnischen Kniffen „den mit Abstand niedrigsten Luftwiderstandsbeiwert in der Geschichte der Straßenmodelle aus Maranello“ (Ferrari) zu verschaffen. Dies soll dem Stromverbrauch zugutekommen – und dem Geräuschpegel für Passagiere und Passanten bei bewusst ruhigem Dahingleiten.

Ferrari spricht von „maximaler Stille“.

Doch der Luce kann auch ganz anders: „Die Geräusche, die die elektrischen Achsen erzeugen und als Vibrationen durch das Metall übertragen, werden in Echtzeit von einem Präzisionsbeschleunigungsmesser im Hinterachsgehäuse erfasst“, lässt Ferrari zum per Wahlschalter im Volant („e-Manettino“) variierbaren Sound wissen. „Der Sensor überträgt die lebendige Klangstruktur rotierender Komponenten, Zahnräder und Elektromotoren in den Innenraum, mit jeweils eigenem Klangprofil für die linke und rechte Seite“. Und weiter: „So entsteht eine unmittelbare Reaktion auf die Interaktion zwischen Pilot, Straße und Antriebseinheit“.

Bei der Uraufführung des Luce in Rom bekam das Publikum von der Ferrari-Regie per Videoeinspielung schon mal kräftig entsprechenden Schalldruck auf die Ohren. Und diese Hörprobe kann man sich ungefähr vorstellen als den Mix aus LiveÜbertragung aus einer Gesteinsmühle, dem Dröhnen der Turbofan-Triebwerke startender Jumbo-Jets des Typs Boeing 747-8 sowie den schmissigen E-Gitarren-Riffs im Sportwagen-Song „Red Barchetta“.

Portfolio mit Potenzial

Dieser Gassenhauer des kanadischen RockTrios Rush fußt auf der Science-Fiction-

Novelle „A Nice Morning Drive“ von Richard S. Foster und zeichnet eine dystopische Zukunft, in der Sportwagen mit lärmender Verbrennungskraftmaschine wie der legendäre Ferrari 166 MM gesetzlich rigoros verboten sind. Dem setzen die Italiener realiter ihre sogenannte Multi-Energie-Strategie entgegen: „Entsprechend dem Prinzip der Technologieneutralität ist Elektrifizierung nur eines der Mittel, mit denen Ferrari sein Gestaltungspotenzial in Bezug auf Produktarchitektur, Leistung, Design und Fahrerlebnis erweitern kann, ohne die bestehenden Motoren zu ersetzen“, verlautet es aus dem Management in Maranello zur Einführung des Luce.

Zu dessen Marktstart können Kaufinteressenten unter fünf Lacktönen wählen: „Rosso Fiammante“ (flammendes Rot), „Giallo Luce“ (pastellgelb), „Azzurro la Plata“ (hellblau), „Rosso Dino“ (blutorange) und „Bianco Artico“ (gedecktes Weiß).

In Deutschland kostet der Luce 538.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

„Wir haben ein Modell entwickelt, das einzigartige Emotionen beim Fahren mit außergewöhnlicher Leistung, Fahrvergnügen und Komfort für die Ferraristi von heute und morgen vereint“, resümiert Benedetto Vigna. Dabei lächelt auch Ferraris Vorstandschef rundum zufrieden.

DAS AUGE FÄHRT MIT

Das Interieur des neuen Ferrari mutet so klar wie hochwertig an.

Fotos: Ferrari

STIMMEN FÜR DIE BESTEN

BEST IN CLASS: Die hochkarätig besetzte Jury kürt und prämiert die herausragenden

Elektroautos des Jahres. Den einzigartigen Fachpreis betrachten die Mitglieder dieses Expertenkreises selbstverständlich aus verschiedenen Blickwinkeln.

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?

Die wirklich entscheidenden Eigenschaften eines großartigen Autos sind für mich zunächst einmal völlig unabhängig vom Antrieb: Design, Komfort, Package, Anmutung, Markenwelt, ServiceErlebnis – all das entscheidet darüber, ob Menschen sich emotional mit einem Fahrzeug verbinden. Das Elektroauto bringt darüber hinaus seine eigene Magie mit: diese unmittelbare Beschleunigung, dieses lautlose Gleiten. Das ist kein technischer Vorteil mehr – das ist ein neues Fahrerlebnis. Das echte Differenzierungspotenzial entsteht aber an anderer Stelle: in der intelligenten Nutzung von Energie und in der radikalen Vereinfachung des Alltags.

schen in Verantwortung, sich wirklich unabhängig vom Fossilen zu machen. Gerade Europa verschenkt derzeit leichtfertig enorme Wertschöpfungspotenziale. Umso wichtiger ist es, dass die E-Mobilität aus der Nische kommt, für breite Bevölkerungsschichten erreichbar wird. Genau dort entscheidet sich die Zukunft. Eine epochale Transformation kann man nicht einfach dem Markt überlassen. So etwas muss strategisch gestaltet werden.

Welches ist das nächste „Big Thing“ der großen Transformation?

Kurt Sigl Mobility Consultant, Gründer, langjähriger Präsident Bundesverband E-Mobilität

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?

Der Gewinner des Awards sollte folgende Attribute vorweisen können: bidirektionale Ladefähigkeit, selbstverständlich Schnellladefähigkeit, eine moderne Optik das Äußere betreffend und eine feine Haptik im Innenraum. Klar übersichtlich und selbsterklärend. Kompakt und nicht monströs.

Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt? Wir stehen immer noch mitten in einem mentalen Übergang. Technologisch ist vieles längst möglich – gesellschaftlich fehlt aber oft noch die echte Überzeugung. Vor allem fehlt mir der Mut vieler Men -

Ich sage: Think bigger! Wir müssen das Automobil aus dem klassischen Blechverarbeitungsdenken herausholen. Ich kenne keinen relevanten Automobilhersteller mit einem Enterprise Value weit über 100 Milliarden Dollar. Aber ich kenne praktisch keinen bedeutenden Plattformanbieter, der darunterliegt. Der eigentliche Wert der Zukunft entsteht nicht mehr nur durch Hardware – sondern durch Plattformen, Software, Daten und intelligente Services. Deshalb geht es jetzt nicht mehr um Optimierung. Es geht um Überlebensfähigkeit. Die Arche Noah hatte am Ende auch nicht Platz für alle – sondern für die Richtigen.

Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?

Derzeit in erster Linie an den Zulassungszahlen und am Schub auf dem Gebrauchtwagenmarkt für E-Fahrzeuge. Nicht zuletzt auch an der Berichterstattung der Mainstream-Medien. Leider verunsichert die Politik die Verbraucher noch.

Wie kann ein Elektroauto besonders effizient und umweltfreundlich betrieben werden?

Ein E-Auto sowie übrigens auch ein E-Zweirad ist grundsätzlich effizient und ja, auch hier geht es immer ein Stück besser – in der Kombination mit den Erneuerbaren. Oder wie ich es seit 17 Jahren formuliere: Energie- und Mobilitätswende gehören einfach zwingend zusammen gedacht und umgesetzt.

Astrid Witzany

Geschäftsführerin

Witzany GmbH, Kongressmanagerin El-Motion

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?

Ein Elektroauto sollte in der heutigen Zeit nicht nur über den gleichen Komfort eines gewöhnlichen Kfz verfügen, damit meine ich die Reichweite im Sommer mit Klimaanlage wie Winter mit Heizung, sondern auch die Möglichkeit haben, schnell die Batterie laden zu können.

Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?

Sobald ein E-Fahrzeug preislich wie auch vom Komfort äquivalent zum Verhalten der Konsumenten ist, gewinnt es an Relevanz. Kunden kaufen Fahrzeuge und an deren Bedürfnisse sollte sich die Technologie anpassen, nicht andersherum.

Wie können Unternehmen ihre Fuhrparks und Flotten idealerweise elektrifizieren?

Da ist die Sicht auf das Fahr- und Nutzungsverhalten der Mitarbeiter ein entscheidender Punkt. Im E-LkwBereich sind mehrere Themen relevant: Einerseits das Thema Nachhaltigkeit und VSME, besonders aus Zustellverkehr- und Frächtersicht, andererseits die Förderungen. Im Pkw-Bereich ist in Österreich gerade die Diskussion wegen dem Sachbezug entbrannt, wobei da ehrlicherweise anzumerken ist, dass dieser dann noch immer weit unter dem Sachbezug eines Hybrids respektive Verbrenners liegt. Für Unternehmen sind immer die Kosten entscheidend und entsprechend wird sich auch die Technologie entscheiden.

Harald Gutzelnig

Verleger, Gründer elektroauto-datenbank.com

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?

Das Gewinnerauto muss mehr sein als ein Fahrzeug mit guten Laborwerten. Entscheidend sind ein überzeugendes Gesamtpaket aus Effizienz, Reichweite, Ladeleistung, Sicherheit, Alltagstauglichkeit und einem fairen Preis-LeistungsVerhältnis. Ein Best-in-Class-Modell sollte zeigen, dass Elektromobilität nicht mehr Verzicht bedeutet, sondern in Komfort, Bedienung und Fahrfreude mindestens auf Augenhöhe mit klassischen Antrieben liegt.

Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?

Man erkennt es daran, dass die Diskussion nicht mehr nur von Technikbegeisterten geführt wird. Heute fragen Familien, Pendler, Gewerbetreibende und Dienstwagenfahrer ganz konkret nach Reichweite, Ladezeiten, Leasingraten, Stromkosten und Wiederverkaufswert. Sobald nicht mehr die Frage lautet, ob ein E-Auto grundsätzlich funktioniert, sondern welches Modell am besten zum eigenen Alltag passt, ist die breite Mitte erreicht.

Welche Kerndaten sind beim Kauf eines E-Autos entscheidend?

Die wichtigsten Kerndaten sind reale Reichweite, Verbrauch, Ladeleistung und Ladezeit – idealerweise nicht nur nach Prospekt, sondern unter Bedingungen des Alltags. Dazu kommen Batteriekapazität, Effizienz, Garantiebedingungen, Softwarequalität, Platzangebot und natürlich der Preis. Am Ende zählt nicht der einzelne Spitzenwert, sondern wie stimmig das Gesamtpaket im Alltag funktioniert.

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?

Das Gesamtpaket muss stimmen. Mich begeistern E-Autos, die in Ihrer Klasse keinen Grund mehr offen lassen, vom Verbrenner auf Elektro zu wechseln. Dazu gehören Alltagstauglichkeit, Features und Technik, Spitzigkeit und auch ein tolles Design. Und als Keba Group achten wir natürlich ganz speziell auf die Spezifikationen, was das Laden betrifft.

Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?

Am Straßenbild. Es sind zwar erst rund fünf Prozent der österreichischen und deutschen Gesamtflotte rein elektrisch. In den Städten und auf den Autobahnen sind E-Fahrzeuge aber keine Seltenheit mehr. Wichtig wird, dass ein gesunder Gebraucht-E-Automarkt entsteht, auf dem die vielen E-Firmenwagen in private Hand wechseln. Alles eine Frage der Zeit – und je schneller, umso besser für die Energiewende und das Klima.

In welchen Bereichen hat die Ladeinfrastruktur das größte Potenzial?

In allen. Unverändert bleibt, dass ein E-Auto immer dort geladen und entladen werden sollte, wo es parkt. Zuhause, am Arbeitsplatz und im Urlaub beim Hotel – mit niedriger Leistung, was die Netze schont. Außerdem will und muss die „Batterie auf vier Rädern“ bewirtschaftet werden, wenn Sektorenkopplung gelingen soll und Sonnen- bzw. Windstrom auch bei Nacht und Flaute zur Verfügung stehen soll. Bi-di macht das in AC und DC möglich. Mega-Potenzial bietet zudem das Schnellladen im E-Auto – aber vor allem auch im Bereich der E-Lkw. Um den Schwerverkehr zu elektrifizieren, braucht es noch jede Menge Schnellladepunkte entlang den Autobahnen und in den Logistikzentren.

Chief Executive Officer Keba Group AG
CHRISTOPH KNOGLER
Fotos: electricar, Keba, elmotion

MATTHIAS GROHER

Geschäftsführer Institut Neue Mobilität

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?

Um was es nicht geht: PS und maximale Reichweite. Sondern vielmehr um: im Alltag, auf der Langstrecke, bei Kosten, Sicherheit und Nachhaltigkeit besonders ausgewogen überzeugen. Schön im Sinne von Design und Emotion. Auch innovative Technik, natürlich Sicherheit und schließlich muss Preis-Leistung stimmen.

Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?

Es geht heute zum Glück endlich weniger um Ideologie und mehr um praktische Fragen: Was kostet mich das Auto im Monat? Wie weit komme ich wirklich? Wo kann ich laden? Passt es zur Familie, zum Pendeln, zum

Professor und Diplomingenieur, GF Teamobility GmbH, Strategieberater, Designer, Erfinder des Smart

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?

Es muss kein Beschleunigungs- und Reichweitenweltmeister sein! Für den weiteren Durchbruch der Elektromobilität braucht es meines Erachtens mehr universell einsetzbare und alltagstaugliche Elektroautos zu fairen Preisen und hoher Werterhaltung. Also ein E-Auto, das für unsere europäischen Verkehrsverhältnisse und Fahrgewohnheiten bestens geeignet und nicht mit unnötigen Features überfrachtet ist.

Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?

Die Mobilität von morgen und welches Antriebssystem ist dafür nachhaltig sinnvoll? Womit halten wir uns zukünftig individuell mobil? Diese Fragen beschäftigen die Mitte der Gesellschaft spätestens seit der Nahost- und Iran-Krise noch intensiver.

Was ist der Schlüsselfaktor der großen Transformation?

Wenn wir es in den nächsten paar Jahren nicht hinkriegen, speziell in den Urbanisationen, also überall dort, wo E-Autos am meisten Sinn machen und parken, eine funktionierende und leicht zugängliche Ladeinfrastruktur zu installieren, die bestenfalls auch das bidirektionale Laden ermöglicht, vergeben wir die Chance einer großen Transformation.

Urlaub? Harte Marktzahlen: der Anteil an batteriegetriebenen Fahrzeugen liegt mittlerweile bei 19,1 Prozent. Damit ist das E-Auto nicht mehr Randerscheinung, sondern ein relevanter Teil des Neuwagenmarkts. Ich kenne Autohändler bei denen sind 70 Prozent der Neuwagen rein elektrisch.

Welche Newcomer werden in der Branche kurz- und mittelfristig nachhaltig Akzente setzen?

Spannende Frage, weil ja Newcomer nicht automatisch Gewinner bedeutet. Die Newcomer, die wirklich nachhaltig Akzente setzen, sind nicht zwingend die lautesten Marken, sondern die, die drei Dinge gleichzeitig schaffen: bezahlbare Produkte, technologische Differenzierung und ein belastbares Vertriebs- und Servicenetz. Letzteres ist für mich sogar das wichtigste nach dem alten Grundsatz „Autos kaufen keine Autos, Menschen kaufen Autos.“

Welche Attribute sollte das E-Auto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?

Wichtig ist ein überdurchschnittlich stimmiges Gesamtpaket aus Technik, Alltagstauglichkeit, Nachhaltigkeit, Innovation und Design. Die Reichweite ist entscheidend für die Kundenzufriedenheit, die Ladeleistung muss der Alltagsrealität entsprechen, die Software muss eine gute Navigation mit Ladeplanung, Echtzeitverbrauch, Smartphone-Integration und Over-the-Air-Updates bieten. Wichtig sind auch innovative und recycelte oder recyclingfähige Materialien. Und neben den Fakten muss das Fahrzeug auch über das Fahr- und Innenraumerlebnis begeistern können.

ten im öffentlichen Raum wird parken und laden zunehmend zur Normalität. Genau das ist für die breite Mitte wichtig: zu sehen, dass es funktioniert und dass diejenigen, die es nutzen, gut zurechtkommen und zufrieden damit sind. Und, last but not least, sehen wir einen Imagewandel: Elektromobilität wird mehr und mehr mit Fahrspaß und Design verbunden, gilt als modern, zukunftsorientiert, und attraktiv.

In welchen Bereichen hat die Verkehrswende noch Aufklärungsbedarf?

Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?

Es gibt inzwischen Elektroautos in allen Segmenten, wir sehen steigende Zulassungszahlen und damit mehr und mehr E-Autos auf den Straßen. Sie werden von immer mehr Menschen ohne Probleme im Alltag, zum Pendeln und für Urlaubsfahrten genutzt. Und mit den vielen Lademöglichkei -

Bei der Elektromobilität gibt es bei denjenigen, die sie noch nicht kennen, nach wie vor Informationsdefizite bei Reichweite und Alltagstauglichkeit. Insbesondere das Thema „Laden unterwegs“ wirft bei Interessierten und Neueinsteigern Fragen auf: Wo kann ich laden? Wie kann ich laden? Mit welcher Ladekarte? Wie funktioniert Roaming? Und bei gebrauchten Elektroautos, die ein guter Einstieg wären, ist die Unsicherheit groß, was den Wertverlust und die Haltbarkeit der Batterie angeht. Wir wissen um diesen Aufklärungsbedarf und bieten zum Beispiel im Rahmen des e4 Testivals, bei dem auch der BEST IN CLASS Award verliehen wird, Informations- und Austauschformate an, um hier mehr Klarheit zu schaffen und Entscheidungssicherheit zu bieten.

Johann Tomforde
Ursula Kloé
Managing Partner Ju-Know GmbH
Fotos: Institut Neue Mobilität, vibe, JU-KNOW GmbH, Beatrice Bohlig

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?

Für mich disqualifiziert sich jedes Auto, das nach Kompromiss riecht – also keine Resterampe aus dem Verbrenneruniversum, der man nachträglich eine Batterie verpasst hat. Ein Award-Auto muss von Grund auf elektrisch gedacht sein, nicht elektrisch nachgerüstet. Dann die Hausaufgaben: ehrliche Reichweite, die auch im Januar bei Minusgraden hält, und Laden, das schneller geht als mein Kaffee an der Raststation. Aber das ist nur die Eintrittskarte. Die eigentliche Frage ist eine andere: Macht das Auto Lust? Ich will dieses Grinsen beim Ampelstart. Und ein Siegerauto sollte schon weiterdenken –bidirektional laden, Strom also nicht nur ziehen, sondern auch abgeben können. Ein Auto, das zum rollenden Kraftwerk wird. Das gewinnt bei mir.

Christian Clerici

Fernsehjournalist, Moderator, Produzent, Autor und Unternehmer, Head of Content & Creation bei Vibe

menflotten. Das heißt, das E-Auto kommt nicht über den Öko-Pionier mit Eigenheim und Photovoltaik in die Gesellschaft, sondern über den Außendienstmitarbeiter, die Pflegekraft, den ganz normalen Dienstwagen. Und das dritte: Es wird nicht mehr ideologisch diskutiert, sondern gerechnet. Wenn die Leute anfangen zu rechnen statt zu glauben, dann ist ein Thema erwachsen geworden.

Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?

Ehrlich gesagt, erkenne ich es nicht an den Hochglanzmagazinen, sondern am Boulevard. In dem Moment, wo das Boulevardblatt plötzlich eine gute Nachricht über erneuerbare Energien bringt statt der nächsten Untergangsgeschichte, weiß ich: Jetzt ist es in der Mitte angekommen. Das zweite Signal sehe ich täglich bei Vibe – der überwiegende Teil unseres Geschäfts läuft über Fir-

Beatrice Bohlig

Autorin und Geschäftsinhaberin BeHonest

Welche Attribute sollte das Elektroauto, das diesen Award gewinnt, auf jeden Fall haben?

Für mich muss jeder Siegerstromer unbedingt Emotionen wecken, sein Charakter, das wahre Wesen des Wagens einnehmend sein. Schön ist, wenn das Elektrofahrzeug für möglichst breite Interessentenkreise vergleichsweise erschwinglich ist. Und mindestens ein so richtig erstrebenswertes Detail sollte gegeben sein – ganz besonders schnelles Laden der Fahrbatterie etwa oder eine überragende Reichweite.

Was entgegnen Sie den Autofahrern, die immer noch von Batteriephobie, Reichweitenangst und Ladepanik geplagt sind? Zuerst einmal nehme ich diese Sorgen ernst, ich mache mich nicht darüber lustig. Wer jahrzehntelang getankt hat, dem treibt man die Routine nicht in zwei Sätzen aus. Aber dann sage ich gern: Schauen Sie sich Ihren eigenen Alltag an. Ihr Auto steht rund 90 Prozent seiner Zeit herum, und die wenigsten von uns pendeln mehr als 25 Kilometer zur Arbeit. Reichweitenangst sitzt fast immer im Kopf, selten auf der Straße. Ich gebe es ehrlich zu – meine Frau Marion und ich haben uns auf einer Venedig-Reise am Supercharger auch ordentlich gestritten. Aber das ist Jahre her. Heute lädt man in der Zeit, in der man ohnehin einen Kaffee trinkt. Mein bester Rat ist deshalb gar kein Argument, sondern eine Einladung – fahren Sie einfach zwei Wochen elektrisch. Wer das einmal gemacht hat, will meistens nichts anderes mehr. Es braucht dafür keinen Mut, nur ein bisschen weniger Angst.

Woran erkennen Sie, dass die Mobilität von morgen nun auch in der breiten Mitte der Bevölkerung an Relevanz gewinnt?

Ich lebe in Hamburg und sehe hier immer mehr Ladestationen am Straßenrand sowie verschiedenste Wallboxen in der Nachbarschaft, im Freundes- und Bekanntenkreis. Viel öfter als früher brummt der Betrieb an all diesen Anlagen im Norden. Es ist keine Seltenheit, dass E-Autonutzer eine Weile warten müssen, bis ein Kabel frei wird.

Welche Akzente machen ein E-Auto außen wie innen einzigartig?

Das Design ist entscheidend. Beim Exterieur gefallen mir persönlich klare Linien, ruhige Flächen. Und unverwechselbare Lichtsignaturen, an der Front wie am Heck. Aber bitte nie übertreiben – opulente Ornamentik, womöglich gar schwülstiges Styling sind mir ein Graus. Im Interieur sollte das Cockpit keinesfalls beliebig wirken, sondern eine individuelle Note vermitteln. Das gelingt etwa über die Haptik von Tasten, Schaltern, Knöpfen. Für mich muss nicht alles über zig Menütiefen des Zentralmonitors zu regeln sein.

DER GROSSE PREIS AM RING

BEST IN CLASS – die besten Elektroautos des Jahres werden von der Jury ermittelt sowie im Rahmen des e4 Testivals am 16. Oktober am Hockenheimring gekürt und prämiert. Bewertet werden alle in Deutschland angebotenen E-Autos anhand ihrer Spezifikationen – von der Oberklasse bis zu den Klein- und Kleinstwagen. Effizienz und Nachhaltigkeit stehen hier genauso im Fokus wie klassische Werte in den Bereichen Fahrleistung, Komfort und Qualität. Zudem gibt es spezielle Einreichkategorien, für die sich Automobilhersteller und andere Produzenten der Elektromobilität in Eigeninitiative mit ihren Modellen und Projekten bewerben können. «Bestes Design», «Bestes Familienfahrzeug», «Bestes Flottenfahrzeug», «Bestes Stadtfahrzeug» sowie «Newcomer der E-Mobilität» und «Best Global Brand» sind die Auszeichnungen in diesen Sonderklassen.

STROMERN MIT GENUSS

Elektrisierendes Gipfeltreffen:

Die Schenna E-Motion führt die Freunde der batteriegetriebenen Modelle sogar auf die höchste Passstraße Italiens.

Text: Armin Grasmuck

Die Königsetappe ist auch ein energisches Surren wider Wind und Wetter. Kurve um Kurve, Kehre um Kehre steil bergauf. Maximale Steigung: 15 Prozent. Der Regen prasselt auf den Asphalt, der Scheibenwischer arbeitet auf Hochtouren – heftig wirken die Sturmböen. Dem eindrucksvollen Panorama fehlt in diesem Mix aus Wolkenguss und Nebeldunst die Tiefe. Und doch: Die Fahrt auf das Stilfser Joch ist einzigartig. Rauf auf 2757 Meter, der höchste asphaltierte Gebirgspass Italiens, auch enge Passagen, umgeben von alpinen Massiven. Auf dem höchsten Punkt der Strecke, in der rustikalen Tibet Hütte, werden Spezialitäten serviert, die für diese Region typisch sind: Käsenocken und Pizzoccheri, diese Buchweizennudeln samt Wirsing, Kartoffeln und Schmelzkäse – und bergab wird rekuperiert. Drei Tage, in jeder Sequenz genussvoll, im Elektroauto kreuz und quer durch Südtirol: Das ist die Schenna E-Motion, dieses Gipfeltreffen für die Freunde der batteriegetriebenen Modelle. Bis zu 30 Elektroautos sind bei der dritten Auflage dieser einzigartigen Ausfahrt am Start. Hier fahren nagelneue Modelle wie der BMW iX3 und der Mazda 6e Seite an Seite mit Flitzern wie dem Ford

EXKLUSIV IN SÜDTIROL

electricar-Chefredakteur Armin Grasmuck fährt die Schenna E-Motion im neuen BMW iX3.

IM HOCHGEBIRGE BEI WIND UND WETTER -

Die Fahrt über das Stilfser Joch ist die Königsetappe der E-Ausfahrt – und die höchste asphaltierte Passstraße Italiens.

Mustang Mach-E, dem Porsche Taycan und dem Model S von Tesla, Kalibern wie dem Xpeng G9 und dem VW ID. Buzz sowie mit Stromern mit Wow-Faktor à la Lotus Emeya und Abarth 600e.

Am ersten Tag führt die Route auf knapp 70 Kilometern entlang der Südtiroler Weinstraße – von Schenna aus über Nals, Unterrain, Sankt Pauls und den Golfclub Eppan bis in die Orchideenwelt nach Gargazon. Stromern als Hochgenuss, den Zwischenstopp im traditionsreichen Sektbunker unter fachkundiger Anleitung inklusive.

Abstecher in die Schweiz

Dem Anstieg auf das Stilfser Joch, der am zweiten Tag direkt von Schenna aus angesteuert wird, folgt die Abfahrt in die Schweiz, genauer ins Val Müstair und wenige Kilometer weiter – wieder zurück in Südtirol – der Stopp in der Malser Hofkäserei Englhorn. Natur pur, idyllisch am rauschenden Gebirgsbach, faszinierende Wortbeiträge und Käse der herausragenden Art. Auf dem Rückweg der 200 Kilometer langen Tagestour stehen noch Geschicklichkeitstests auf dem Programm. Wer schafft es, seinen Stromer auf die Sekunde über eine Strecke von bestimmter Länge zu bewegen? Viele in etwa, keiner so richtig genau.

Im traumhaften Ambiente, auch was die Außentemperaturen betrifft, gleiten die Fahrerinnen und Fahrer am dritten und finalen Tag der Schenna E-Motion durch die Dolomiten. Unterrinn, Sankt Peter, Sankt Ulrich, Kastelruth, der malerische Völser Weiher vor dem mächtigen Massiv des Schlern. Milde Brise, blau der Himmel. Insgesamt rund 170 Kilometer – und auf dem Rückweg talwärts

wieder kräftig rekuperieren.

„Wir wollen zeigen, dass Elektromobilität auch in den Bergen funktioniert – technisch, aber vor allem auch emotional“, sagt Stefan Kaserbacher, Geschäftsführer des Tourismusbüros Schenna, das die E-Ausfahrt konzipiert und umsetzt: „Wir registrieren, dass die Elektromobilität populärer wird – und wir möchten unseren Teil dazu beitragen, sie weiter voranzutreiben. Mit dem genussvollen Element, für das Südtirol steht.“

Auch Alpitronic mit auf Touren

Mit spürbarem Stolz hat der Chefstratege vernommen, dass sich nun auch Alpitronic auf der E-Motion engagiert. Der Bozener Spitzenproduzent von Schnellladesäulen als Sponsor der batteriegetriebenen Rundtour – das passt. Im Tourismusbüro Schenna werden bereits die Routen für 2027 geplant.

KILOWATTSTUNDEN IM BLUT -

Die Fahrerinnen und Fahrer der Schenna E-Motion – am zweiten Tag sind mehr als 30 Elektroautos am Start.

Fotos: electricar

IM BLICKPUNKT

Marken, Modelle und Services mit besonderer Relevanz für die Elektromobilität

Sicherheit: Volvo

Sicherheit ist bei Volvo weniger ein einzelnes Ausstattungsmerkmal als ein durchgängiger Entwicklungsansatz. Die Marke arbeitet seit Jahrzehnten daran, die Fahrzeuginsassen besser zu schützen und kritische Situationen früher zu erkennen. Dieser Anspruch reicht vom Dreipunkt-Sicherheitsgurt, dessen Patent Volvo für andere Hersteller freigab, bis zu heutigen Assistenz- und Sensorsystemen.

Bei aktuellen Modellen zeigt sich Sicherheit auf mehreren Ebenen: in stabilen Karosseriestrukturen, wirksamen Rückhaltesystemen, automatisierten Brems- und Warnfunktionen sowie in Technologien, die den Zustand des Fahrers überwachen. Der EX90 ist dafür ein aktuelles Beispiel. Er erreichte bei Euro NCAP die Höchstwertung von fünf

Elektromobilität verändert sich nicht nur über neue Fahrzeuge, sondern auch über Themenfelder wie Software, Sicherheit, Service, Ladeleistung und Marktpräsenz. Dadurch rücken Hersteller in einzelnen Bereichen stärker in den Vordergrund, ohne dass daraus automatisch ein Gesamturteil über die Marke entsteht. Auf dieser Doppelseite stellt die electricar-Redaktion zwei Unternehmen vor, die im aktuellen Marktumfeld durch ein klares Profil auffallen. Die Auswahl basiert auf einer redaktionsinternen Analyse der vergangenen Monate. Bewertet wurden unter anderem technische Ent-

Sternen und verbindet Kameras, Radar, Ultraschallsensoren und Lidar mit einer softwaregestützten Sicherheitsarchitektur.

Entscheidend ist jedoch, dass dieser Ansatz nicht auf ein Modell beschränkt ist. Auch bei anderen Baureihen bleibt Volvo darauf ausgerichtet, Schutz im Fahrzeug und Unfallvermeidung zusammenzudenken. Diese Kontinuität macht den Unterschied: Volvo stützt weiter seine Sicherheitsrolle auf Tradition, Tests, technische Weiterentwicklung und klare Relevanz im realen Verkehr.

FÜNF VON FÜNF

Vom Sicherheitsgurt bis zum EX90: Volvo steht für konsequente Fahrzeugsicherheit und erhält 5 Euro NCAP-Sterne.

Text: Philipp Lumetsberger
REDAKTIONS - ANALYSE
JAHRES
Fotos: Volvo

Unsere Analyse zeigt,

wo ein Hersteller besondere Akzente setzt.

wicklungen, strategische Ausrichtung, Sichtbarkeit im Markt, Kundennähe und das Potenzial, den Alltag der Elektromobilität spürbar zu verbessern. Im Mittelpunkt steht daher keine klassische Testsituation, sondern eine Einordnung konkreter Stärken. Die Empfehlung bezieht sich jeweils auf die genannte Kategorie und zeigt, wo ein Hersteller derzeit besonders klar überzeugende Akzente setzt – etwa durch innovative Technik, ein breites Angebot, zuverlässige Services oder eine konsequente Marktstrategie.

Kundenservice: Leapmotor

Bei einer jüngeren Marke ist der Kundenservice nicht erst nach dem Kauf entscheidend. Wichtig ist, ob Interessenten schnell Ansprechpartner finden und ob für spätere Wartung, Reparaturen und Servicefragen ein breites Werkstattnetz vorhanden ist. Genau hier liegt die Stärke von Leapmotor: Der Aufbau des Vertriebsnetzes in Europa erfolgt über Leapmotor International, ein von Stellantis geführtes Joint Venture. Damit kann der chine-

sische Hersteller in ein bestehendes Vertriebs- und Werkstattumfeld eingebunden werden.

Nach Stellantis-Angaben wurden europaweit inzwischen mehr als 800 Verkaufs- und Servicestellen eingerichtet. Gegenüber 2024 hat sich das

SO ENTSCHEIDET DIE REDAKTION

Für die Redaktionsanalyse sammelt die electricar-Redaktion Kandidaten in verschiedenen Kategorien. Anschließend werden zu diesen Unternehmen Fakten und aktuelle Entwicklungen zusammengetragen und eingeordnet. Abschließend bestimmt die gesamte Redaktion den „Aufsteiger des Jahres“ in der jeweiligen Kategorie. Das Ergebnis ist eine redaktionelle Entscheidung, die auf geprüften Informationen und gemeinsamer Einordnung basiert.

Netzwerk somit fast verdoppelt. Auch in Deutschland wurde der Ausbau früh vorangetrieben: Mitte 2025 gab es bundesweit bereits mehr als 100 Vertriebsstandorte von Leapmotor. Kunden ist das bei einer neuen E-Auto-Marke besonders wichtig. Neben Modellangebot und Preis braucht es erreichbare Beratung, Probefahrtmöglichkeiten und kurze Wege für Wartung, Reparatur und Servicefragen im Alltag. Diese Verbindung aus schnellem Marktstart und breitem Servicefundament gibt den Ausschlag.

GUT VERNETZT

Leapmotor erschließt in Kooperation mit Stellantis Europa mehr als 800 Servicestellen.

Fotos: Leapmotor

LESER UMFRAGE

MITMACHEN . ABSTIMMEN . GEWINNEN!

Wer baut die beliebtesten E-Autos?

Welche Wallbox, welche Ladekarte, welcher Stromtarif hat sich im Alltag bewährt? Bei der großen electricar-Leserumfrage 2026 küren Sie die beliebtesten Marken der Elektromobilität –in 26 Kategorien rund um Fahrzeuge, Laden, Energie und Services.

Welche Anbieter und Produkte überzeugen Sie am meisten?

Wir begleiten die Elektromobilität seit Jahren kritisch, konstruktiv und praxisnah. Mit unserer großen electricar-Leserumfrage 2026 möchten wir erneut Ihre Stimme

attraktivste THG-Angebot oder den transparentesten Stromtarif? Welcher Ladepark macht den Ladestopp auf der Langstrecke angenehm? Und nicht zuletzt: Welcher Reifenhersteller hat das Thema Elektromobilität technologisch wirklich verstanden?

Die Teilnahme dauert nur wenige Minuten und erfolgt direkt online. Dabei wählen Sie aus umfangreichen Anbieterlisten – oder tragen einfach Ihre eigene Empfehlung ein, falls Ihr Favorit nicht dabei ist. In den Fahrzeug-Kategorien können Sie zudem die aus Ihrer Sicht beliebtesten Hersteller nennen, etwa bei Familienfahrzeugen, SUV-Modellen, Kompakt- und Stadtflitzern oder den innovativsten Marken.

Unter allen Teilnehmern verlosen wir Preise im Wert von 4.700,- Euro

Unter allen Teilnehmern verlosen wir attraktive Preise: vier hochwertige Ladelösungen – die mobile Ladeeinheit NRGkick 16A von DiniTech sowie die Wallboxen Juice CHARGER me 3, Ohme Home Pro und KEBA KeContact P40 –, zwei Urlaubsboxen Premium „Exklusive Tage“ im Wert von je 329 Euro und 20 Amazon-Gutscheine im Wert von je 50 Euro. Teilnahmeschluss ist der 12. Juli 2026.

4 x Wallbox im Gesamtwert von 3000,- Euro

2 x Urlaubsbox im Gesamtwert von 650,- Euro 20 x Amazon Gutscheine im Gesamtwert von 1000,- Euro

Fotos: Hersteller, electricar

Text: Philipp Lumetsberger

Neue Plattformen, größere Akkus und mehr Varianten prägen den Markt der E-Transporter. Sechs aktuelle Modelle zeigen, wie verschieden Hersteller die Anforderungen von Lieferverkehr, Handwerk, Shuttle-Diensten und Flotten angehen.

lektrische Transporter sind längst keine Randerscheinung mehr. Was vor wenigen Jahren noch als Speziallösung für einzelne Lieferdienste galt, entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil gewerblicher Mobilität. Der Druck kommt dabei aus mehreren Richtungen: strengere CO₂-Vorgaben, wachsende

E LEISE LASTEN TRÄGER

Alltag zählen Reichweite, Ladeleistung, Nutzlast, Laderaum, Wendigkeit und die Frage, wie gut sich das Fahrzeug in bestehende Abläufe integrieren lässt. Viele Hersteller entwickeln ihre Elektrotransporter deshalb nicht mehr nur als umgerüstete Verbrenner, sondern auf stärker elektrifizierte oder eigene Plattformen. Im Folgenden werden sechs batteriebetriebene Modelle vorgestellt, vom großen Personenwagen bis hin zum kompakten Stadtlieferwagen.

Anforderungen an eine emissionsarme Stadtlogistik, steigende Betriebskosten von Transportern mit Verbrennungsmotor und ökologische Erwartungen von Kunden und Auftraggebern. Gleichzeitig werden die Fahrzeuge vielfältiger. Neben kompakten Lieferwagen für die letzte Meile entstehen größere Modelle für Handwerk, ShuttleDienste, Flottenbetrieb und längere Strecken. Entscheidend ist dabei keineswegs allein, dass ein Transporter elektrisch fährt. Für den electricar Magazin

Mercedes-Benz VLE

Mit dem VLE schlägt Mercedes-Benz ein neues Kapitel bei den elektrischen Vans auf. Das Modell basiert auf der Van Electric Architecture und soll den Raumkomfort eines Großraumfahrzeugs stärker mit dem Fahrgefühl einer Limousine verbinden. In der Praxis bedeutet das: Platz für bis zu acht Personen, flexible Sitzkonzepte im Fond und ein Innenraum, der je nach Ausführung eher Familienauto, Shuttle oder Reisewagen sein kann. Trotz seiner Größe setzt der VLE auf Technik, die ihn im Alltag handhabbar halten soll. Die optionale Hinterachslenkung reduziert den Wendekreis auf 10,9 Meter, die Luftfederung passt die Fahrzeughöhe an und kann Einstieg, Komfort oder Bodenfreiheit beeinflussen.

Beim Antrieb zeigt Mercedes, wohin die nächste Van-Generation gehen soll. Mit 800-Volt-Technik, einer Batteriekapazität von 115 kWh und einer WLTP-Reichweite von über 700 Kilometern zielt der VLE auf längere Strecken. An passenden Schnellladesäulen sollen in 15 Minuten bis zu 355 Kilometer Reichweite nachgeladen werden. Vorne bündelt Mercedes viele Funktionen in einem digitalen Cockpit mit bis zu drei Displays, MB.OS und dem MBUX Virtual Assistant. Im Fond stehen Komfort und flexible Nutzung im Mittelpunkt, etwa mit Klapptischen und bequemen Sitzen.

Modell: Mercedes-Benz VLE (5-Sitzer)

Modellstart: 6/26

Preis: ab 82.260 Euro

Motorleistung: 203 kW (276 PS)

Akku: 115 kWh (brutto)

Reichweite: 713 km WLTP

mercedes-benz.de

VW e-Caravelle

Der e-Caravelle ist die rein elektrische Variante des klassischen Personentransporters Volkswagen Nutzfahrzeuge. Es handelt sich dabei keineswegs um ein Luxusmodell, sondern um ein großes Fahrzeug für Shuttle-Dienste, Familien oder gewerbliche Personenbeförderung. Angeboten wird es in mehreren Ausstattungsvarianten, darunter Life, Edition und Pan Americana. Je nach Konfiguration sind bis zu neun Sitzplätze möglich, dazu kommen Schiebetüren und ein großzügiger Innenraum mit genug Platz für Passagiere und Gepäck. Technisch nutzt die Elektroversion eine Batterie mit 70,9 kWh netto. Die Leistungsstufen reichen von 100 über 160 bis 210 kW, Kunden können neben Heck- auch Allradantrieb wählen. Je nach Version reicht eine vollständige Ladung für eine Strecke von bis zu 380 Kilometern. Gleichstromladen ist mit bis zu 125 kW möglich, der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent dauert rund 30 Minuten. Die elektrische Variante verändert vor allem die technische Basis, nicht den grundsätzlichen Charakter des Fahrzeugs. Der e-Caravelle bleibt ein großformatiger Personentransporter, der seine Stärken über Platzangebot und planbare Nutzung ausspielt.

2Modell: VW e-Caravelle

Modellstart: 2/25

Preis: ab 66.080 Euro

Motorleistung: 100 kW (136 PS)

Akku: 70,9 kWh (netto)

Reichweite: 369 km WLTP volkswagen-nutzfahrzeuge.de

Renault Trafic E-Tech

Der Renault Trafic E-Tech markiert den Wechsel der Baureihe auf eine neue elektrische Plattform. Vorgestellt wurde bislang der Kastenwagen, der Ende 2026 auf den Markt kommen soll. Renault setzt bei diesem auf ein spezielles Design mit kurzem vorderem Überhang, langem Radstand und einer Höhe von weniger als 1,9 Metern.

Beim Laderaum nennt Renault 5,1 Kubikmeter für die Version L1 und 5,8 Kubikmeter für den längeren L2. Über Seiten- und Hecktüren lassen sich Europaletten verladen. Die Nutzlast liegt bei bis zu 1,25 Tonnen, die Anhängelast bei zwei Tonnen. Der Elektromotor leistet 150 kW. Für die Batterie sind zwei Varianten vorgesehen: eine NMC-Version mit bis zu 450 Kilometern WLTP-Reichweite und eine später folgende LFP-Version mit bis zu 350 Kilometern. Die 800-Volt-Technik soll das Laden von 15 auf 80 Prozent in etwa 20 Minuten vonstattengehen. V2L-Funktionen sind integriert und eine neu entwickelte Software unterstützt vernetzte Dienste und lebenslange Fahrzeugaktualisierungen.

Modell: Renault Trafic E-Tech

Modellstart: Ende 26

Preis: nicht bekannt

Motorleistung: 150 kW (204 PS)

Akku: keine Angabe

Reichweite: bis zu 450 km WLTP renault.de

Iveco eJolly

Der Iveco eJolly ergänzt das elektrische Transporterangebot im mittleren Segment und ist vor allem für den Einsatz im urbanen Raum konzipiert. Mit 4,98 oder 5,33 Metern Länge ist er vergleichsweise kompakt, bietet aber je nach Version ein Ladevolumen von 5,3 bis 6,6 Kubikmetern. Die Höhe liegt bei rund 1,95 Metern, wodurch viele Parkhäuser und innerstädtische Zufahrten weiterhin erreichbar bleiben. Beim zulässigen Gesamtgewicht nennt Iveco Werte von 2,8 bis 3,2 Tonnen, die Nutzlast reicht je nach Batterie, Länge und Ausführung bis 1,29 Tonnen.

Beim Antrieb setzt der Hersteller auf einen rein elektrischen Antrieb. Angeboten wird der Transporter mit zwei Batteriegrößen mit jeweils 49 oder 75 kWh. Mit der größeren Batterie soll der eJolly eine Reichweite von bis zu 351 Kilometern schaffen, außerdem sollen zehn Minuten an der Ladesäule für eine Strecke von bis zu 100 Kilometern reichen. Der Innenraum ist dabei ganz klar auf den Arbeitsalltag ausgerichtet. Neben einem niedrigen Einstieg ist der Transporter mit Schiebetüren, einer Rückfahrkamera und einem 10-Zoll-Touchscreen ausgestattet. Digitale Dienste sollen bei Routenplanung, Ladezustand und Flottenverwaltung gezielt unterstützen.

Modell: Iveco eJolly

Modellstart: 2. Quartal 2026

Preis: nicht bekannt

Motorleistung: 100 kW (136 PS)

Akku: 49 kWh bzw. 75 kWh

Reichweite: 233 km (49 kWh) bzw. 351 km (75 kWh) WLTP iveco.com

Kia PV5 Cargo

Mit dem PV5 Cargo steigt Kia in den Markt vollelektrischer Transporter ein. In Deutschland wird zunächst die Langversion L2H1 angeboten. Mit knapp 4,70 Metern Länge, 1,90 Metern Höhe und einem Radstand von 2,99 Metern ist der Transporter sehr kompakt, bietet aber einen Laderaum von 4,42 Kubikmetern. Auf dem flachen Boden finden zwei Europaletten Platz, die Ladekanten fallen mit 399 Millimetern an der Seite und 419 Millimetern am Heck niedrig aus. Je nach Ausführung beträgt die Nutzlast bis zu 790 Kilogramm.

Zum Start stehen zwei Batteriegrößen mit 51,5 und 71,2 kWh zur Wahl. Die kleinere Version ist mit einem 89 kW E-Motor ausgestattet und erreicht bis zu 297 Kilometer WLTP-Reichweite, die größere kommt auf 120 kW und bis zu 416 Kilometer. Beide Akkus lassen sich unter passenden Bedingungen in rund 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent laden. Der PV5 Cargo ist frontgetrieben, darf Anhänger bis 750 Kilogramm ziehen. Der Wendekreis beläuft sich auf 11 Meter. Im Innenraum setzt Kia auf ein klares, sachliches Arbeitsumfeld mit vielen Ablagen, 12,9-Zoll-Infotainment-Display, kabelloser Smartphone-Einbindung und zahlreichen Assistenzsystemen.

Ford Transit City

Die elektrische Ford Transit-Familie bekommt mit dem Transit City Zuwachs. Das Modell eignet sich besonders für kurze Strecken. Der Transporter ist unterhalb von E-Transit Custom und E-Transit positioniert und soll vor allem im innerstädtischen Liefer- und Serviceverkehr zum Einsatz kommen. Zum Marktstart Ende 2026 sind Kastenwagen mit zwei Radständen und Höhen sowie ein Fahrgestell mit Einzelkabine vorgesehen. Der elektrische Frontantrieb leistet 110 kW, die Energie liefert eine LFPBatterie mit 56 kWh Nettokapazität. Ford nennt eine WLTP-Reichweite von bis zu 254 Kilometern. Geladen wird serienmäßig mit 11 kW Wechselstrom, an Schnellladesäulen sind bis zu 87 kW möglich. Der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent soll rund 33 Minuten dauern.

Je nach Ausführung bietet der Transit City bis zu acht Kubikmeter Ladevolumen und eine Nutzlast von bis zu 1275 Kilogramm. Punkten soll der E-Transporter vor allem mit niedrigen Betriebskosten, eine auf Flotten zugeschnittene Ausstattung und digitale Dienste aus dem Ford-Pro-Ökosystem.

6Modell: Kia PV5 Cargo Essential

Modellstart: 5/26

Preis: ab 32.933 Euro

Motorleistung: 89 kW (122 PS)

Akku: 51,5 kWh

Reichweite: 297 km WLTP kia.com

Modell: Ford Transit City Van Trend 2027

Modellstart: 10/26

Preis: ab 42.828 Euro

Motorleistung: 110 kW (156 PS)

Akku: 56 kWh (netto)

Reichweite: 254 km WLTP ford.de

BÜHNE FÜR DEN WANDEL

EINFACH EINSTEIGENAm Check-in-Stand der IAA Transportation können Besucher eine Testfahrt mit ElektroTrucks und emissionsfreien Nutzfahrzeugen anmelden.

Auf der IAA Transportation 2026 zeigen

Hersteller, Zulieferer und Start-ups, wie E-Antriebe, Software und Ladeinfrastruktur den Transport künftig moderner, vernetzter und so effizienter machen.

Vom 15. bis 20. September 2026 wird Hannover zum Treffpunkt der Nutzfahrzeug-, Transport- und Logistikbranche. Auf dem Messegelände stehen Lkw, Transporter, Busse und digitale Lösungen im Mittelpunkt. Die IAA Transportation versteht sich keineswegs nur als Produktschau, sondern als internationale Leitplattform für die Zukunft des Transports. Unter dem Motto „We Deliver“ soll sichtbar werden, wie klimaneutrale Logistik, neue Antriebe, Digitalisierung und Partnerschaften im Alltag funktionieren.

Für Hersteller, Zulieferer, Aufbautenhersteller, Energieunternehmen, Softwarefirmen, Logistiker und Flottenbetreiber ist die Fachmesse damit ein wichtiger Ort des Austauschs. Denn die Branche steht unter erheblichem Veränderungsdruck: Lieferketten müssen verlässlich funktionieren,

Transporte wirtschaftlich geplant werden, Fahrer fehlen vielerorts, zugleich steigen die Anforderungen an Effizienz, Nachhaltigkeit und Transparenz. In Hannover treffen diese Herausforderungen auf Technologien, Konzepte und Geschäftsmodelle, die zeigen sollen, wie der Wandel praktisch umgesetzt werden kann.

Nutzfahrzeuge unter

Strom

Besondere Aufmerksamkeit wird der elektrische Schwerverkehr erhalten. Während batterieelektrische Pkw in vielen Märkten längst zum Straßenbild gehören, stellt die Elektrifizierung von Lkw, Bussen und Transportern die Unternehmen vor komplexere Aufgaben. Reichweite, Nutzlast, Standzeiten, Ladefenster und Depotplanung entscheiden darüber, ob ein Fahrzeug wirtschaftlich nutzbar ist. Für viele Flotten geht es deshalb um weit mehr als das einzelne Modell – um das professionelle Zusammenspiel aus Fahrzeug, Ladepunkt, Software, Energieversorgung und Einsatzprofil.

Auf der IAA Transportation stehen also keineswegs nur neue E-Lkw und E-Transporter im Fokus. Ebenso wichtig sind Lösungen für Logistikzentren, Kommunen und Handelsstandorte. Gerade im Fernverkehr wird leistungsfähiges Schnellladen zunehmend relevant. Systeme mit sehr hoher Ladeleistung sollen schwere Nutzfahrzeuge in planbaren Pausen mit großen Energiemengen versorgen und so längere Strecken ermöglichen. Gleichzeitig bleibt das Depotladen ein zentraler Baustein vieler

Text: Philipp Lumetsberger
Fotos: IAA

NEUAUFLAGE

Messe kompakt

Termin: 15. – 20. September 2026

Ort: Messegelände Hannover

Turnus: Zweijährlich (nächste Ausgabe: 2028)

Schwerpunkte: Zukunft der Nutzfahrzeuge, Ladeinfrastruktur und Batterietechnik, Autonomer Transport, Software, KI und vernetzte Fahrzeuge, Regulierung und Branchenresilienz, Alternative Antriebstechnologien, Flottenmanagement

Highlights: IAA Experience, IAA Conference, IAA Startup Area, IAA Familien und Fahrerwochenende

Öffnungszeiten: Di–Sa 9:00 – 18:00 Uhr, So 9:00 - 16:00 Uhr

IAA EXPERIENCE

Im Rahmen der IAA Experience können Besucher Nutzfahrzeuge selbst fahren und deren Fahrerassistenzsysteme bei begleiteten Fahrten hautnah erleben.

IAA CONFERENCE

Auf mehreren Bühnen treffen Entscheider und Experten aus Industrie, Politik und Logistik zusammen und diskutieren die Zukunft des globalen Transports.

TESTSTRECKE

Besucher können auf einem abgesperrten Rundkurs mit realitätsnahen Hindernissen die neuesten Cargobikes ausgiebig testen.

Flotten. Wer nachts oder während längerer Standzeiten lädt, kann Routen besser planen und Energiekosten gezielter steuern.

Schlüsselfaktor Software

Die zweite große Veränderung findet in den Fahrzeugen und in den digitalen Systemen dahinter statt. Software in Fahrzeugen ist längst nicht mehr nur ein Thema für den Pkw-Bereich. Auch Nutzfahrzeuge werden stärker vernetzt. Funktionen lassen sich per Update erweitern, Wartungsdaten können früher ausgewertet werden, Routenplanung und Energieverbrauch greifen enger ineinander. Für Flottenbetreiber entstehen dadurch neue Möglichkeiten, Fahrzeuge effizienter einzusetzen und Ausfälle zu vermeiden. Künstliche Intelligenz spielt eine wachsende Rolle. Sie kann helfen, Touren zu

optimieren, Ladezeiten vorherzusagen, den Zustand von Komponenten zu überwachen oder Fahrer im Alltag zu entlasten. Auch automatisierte Transportlösungen rücken stärker in den Mittelpunkt. Auf abgesperrten Arealen, in Häfen, auf Betriebshöfen oder in der Werkslogistik sind solche Anwendungen oft leichter umsetzbar als im öffentlichen Verkehr. Auf diese Weise können sie darstellen, wie sich Personalmangel, Sicherheitsanforderungen und Effizienzdruck miteinander verbinden lassen.

Topthema Flottenmanagement

Ein zentraler Punkt bleibt das Flottenmanagement. Unternehmen müssen entscheiden, welche Fahrzeuge sie wann ersetzen, welche Strecken elektrifiziert werden können und wie sich Ladeinfra-

Fotos: IAA

struktur in den Betrieb integrieren lässt. Dabei geht es um mehr als die Auswahl eines passenden Modells. Entscheidend sind Gesamtbetriebskosten, verfügbare Ladeleistung, Standorte, Wartung, Fahrerakzeptanz und die Frage, wie flexibel sich eine Lösung später erweitern lässt.

Aber auch die Ladeinfrastruktur selbst wird zum Thema für Fuhrparkmanager. Auf Betriebshöfen müssen Lastspitzen vermieden, Netzanschlüsse sinnvoll genutzt und Energieflüsse koordiniert werden. In Verbindung mit Photovoltaikanlagen, Speichern und dynamischen Tarifen können

Ladepunkte Teil einer umfassenden Energiestrategie werden. Der Nutzfahrzeugsektor nähert sich damit Fragen, die aus der Elektromobilität im Pkw-Bereich bekannt sind, allerdings mit deutlich größeren Leistungen, komplexeren Einsatzprofilen und engeren betrieblichen Vorgaben.

Erlebnis statt reiner Produktschau

Die IAA Experience setzt auf Formate, die Technik erfahrbar machen. Testfahrten gehören zu den zentralen Elementen: Besucher können neue emissionsarme und emissionsfreie Nutzfahrzeuge sowie Busse bei begleiteten Fahrten direkt erleben. Ein Cargobike-Parcours ergänzt das Angebot und zeigt, dass zeitgemäße Transportlösungen weit mehr umfassen

als schwere Lkw. Auch Start-ups erhalten eine eigene Fläche. Junge Unternehmen aus Software, Energie, Logistik und Sensorik präsentieren dort ihre Konzepte einem Fachpublikum – und bringen frische Impulse in eine Branche, die traditionell von den großen Herstellern geprägt ist.

Debatten mit Gewicht

Im Rahmen der IAA Transportation findet auf der IAA Conference der fachliche Austausch statt. Zahlreiche Vorträge, Podiumsdiskussionen und Gesprächsrunden widmen sich den Kernthemen der Veranstaltung: Flottenelektrifizierung, Ladeinfrastruktur, autonome Systeme, KI-Anwendungen sowie regulatorische Rahmenbedingungen. Vertreter aus Industrie, Politik, Wissenschaft und Logistik diskutieren, welche Schritte nötig sind, damit klimaneutraler Transport in der Breite Wirklichkeit wird.

Die IAA Transportation zeigt die Welt der Nutzfahrzeuge im Umbau. Trucks, Busse und Transporter bleiben das sichtbare Zentrum. Doch um sie herum wächst ein Ökosystem aus Ladeinfrastruktur, Energieversorgung, Daten, Software, Service und Partnerschaften. Die relevanten Marktteilnehmer nutzen Hannover als einzigartige Plattform der Branche.

IAA Startup Area

Junge Unternehmen aus Software, Logistik, Energie und Sensorik erhalten auf rund 700 Quadratmetern die Möglichkeit, ihre Ansätze direkt neben renommierten Ausstellern zu präsentieren. Voraussetzung ist ein klarer Bezug zu Mobilität, Transport oder Logistik sowie ein Unternehmensalter von maximal zehn Jahren. Neben der Ausstellungsfläche haben Startups zudem die Möglichkeit, sich bei Pitches vor internationalem Fachpublikum vorzustellen.

UNTER FREIEM HIMMEL -

Das Freigelände der IAA Transportation zeigt die Nutzfahrzeugwelt von ihrer praktischen Seite.

electricar Magazin

Mobilität von morgen im Premiumsegment:

Der BMW iX3 setzt

Text: Armin Grasmuck

W NEUE KLASSE MIT DRIVE

er ihm tief in die Scheinwerfer blickt, spürt es sofort: Hier fährt die nächste Generation der Automobile vor. Der BMW iX3 ist schon lange, bevor er auf den Markt kommt, viel mehr als nur ein Versprechen. Neue Klasse, so lautet die große Überschrift, die gemäß dem bayerischen Premiumhersteller für einen Quantensprung in der Entwicklung von Fahrzeugen stehen soll. Neuer Antrieb, neue Technik, neues Fahrerlebnis. Mehr Leistung, mehr von allem. Es ist umso bemerkenswerter, da BMW technologisch ohnehin als einer der großen Taktgeber der Branche gilt.

Jetzt steht sie tatsächlich vor uns, die funkelnagelneue Klasse, die offiziell im Segment der kompakten SUV geführt wird. Und es ist faszinierend, wie dieses Fahrzeug im ersten Eindruck wirkt. Ein BMW, klar. Doch die typische Frontpartie ist kräftig nachgeschärft worden. Dynamischer, kantiger, die eigene Identität markant vorgetragen. Ebenso futuristisch erscheint das Heck, reduziert und doch charakterstark durch die breiten, horizontal ausgelegten Leuchten. Das Design ist wirklich neu, und es hat Klasse. Unser Testwagen ist ein Modell der Variante iX3 50 xDrive. Das klingt kräftig. Ein kurzer Blick auf das Datenblatt, als

in jeder Sequenz den Maßstab.

Anschmecker quasi: Allrad, 469 PS, in 4,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Und sagenhafte 805 Kilometer, die BMW als Reichweite für eine voll geladene Batterie angibt. Wow! Da spürt selbst der routinierte Fahrer ein sanftes Kitzeln im großen Zeh.

Animation im Zeitgeist

Wir nähern uns dem Fahrzeug und –schwupps – fahren uns automatisch die Griffe entgegen, die zuvor dezent in den Türen versteckt waren. Kurz daran gezogen, auf die Tür und hinein in den

kapitalen Neustarter. Boah, bereits nach wenigen Sekunden und noch bevor wir einen Meter gefahren sind, können wir feststellen, dass auch der Innenraum von Grund auf neu konzipiert worden ist. Das Lenkrad, der zentrale Bildschirm, die Mittelkonsole – alles frisch definiert. Das Fahrerdisplay? Ja, wo ist das Fahrerdisplay? Die traditionelle Anzeige hinter dem Lenkrad fehlt. Das Fahrerdisplay heißt jetzt BMW Panoramic Vision und zieht sich in einem massiven, 1,1 Meter langen Band am unteren Rand und über die gesamte Breite der

PREMIERE EXKLUSIV electricar-Chefredakteur Armin Grasmuck auf der ersten Testfahrt mit dem neuen BMW iX3.

LINIEN -

Langer Radstand, aerodynamisch geschnitten: Der iX3 fährt in einem Design des Zeitgeists vor. Bis zu 1750 Liter fasst der Kofferraum.

Windschutzscheibe. Auf einem dunkel getönten Glaselement zeigt es in großen Bildern und entsprechend leicht zu erfassen die für den Fahrer relevanten Daten an. Geschwindigkeit, Reichweite, Navigation, auch Uhrzeit, Außentemperatur, Himmelsrichtung und der aktuell eingestellte Radiosender werden hier stilvoll animiert offeriert.

Wuhuuu, im Zentrum dieser eindrucksvollen Datenschau wiegt sich frisch und munter auch ein kugelrundes Köpfchen mit funkelnden Augen. Was ist das denn? Ein Avatar, den wir gleich in Aktion erleben können. Der Fahrer drückt die Taste, die ein Mikrofon zeigt, auf der rechten Seite des Lenkrads und sagt: „Fahre uns zum Hotel Hohenwart nach Schenna.“

Navigationssystem übernommen und die direkte Route aus dem Münchner Umland nach Südtirol ermittelt. Fahrzeit, Ankunftszeit, Batteriestand am Zielort –alles da und leicht zu konsumieren. Ja, es kann wirklich so einfach sein.

Unser Blick fällt auf die Mittelkonsole, ein Schockmoment. Denn das multifunktionale Drehrad, über das sich in den BMW-Modellen viele Funktionen schnell und einfach steuern ließen, hat im iX3 keinen Platz mehr. Dieser einzigartige Controller, seit einem Vierteljahrhundert verbaut, ist ihm Zeitalter von Avataren und künstlicher Intelligenz offenbar überflüssig. In die Mittelkonsole sind vor der großen, aufklappbaren Ablagebox

Avatar

im Display

blinzelt zweimal und sagt: „Alles klar!“

die Schalter zum Regeln der Fahrstufen, Becherhalter und Ladeschalen für Smartphones integriert. Das hochwertige Interieur wirkt insgesamt klar strukturiert und auffallend aufgeräumt.

Lenkrad neu gestaltet

Unterhalb des Avatars erscheint diese Ansage in geschriebener Form. Die lustige Kugel blinzelt zweimal und antwortet: „Alles klar!“

Kein Nachfragen, kein Bestätigen. Der iX3 hat sofort verstanden, den gewünschten Zielort sogleich in das

Wir fahren los – und direkt in Richtung Autobahn. Das Lenkrad, ebenfalls neu gestaltet, haben wir kurz zu inspizieren. Im Hochformat sind da die Bedientasten angeordnet. Die Druckknöpfe für den Fahrassistenten auf der linken Seite des Lenkrads, das Infotainment rechts. Alle leicht mit den Fingern zu erreichen, wenn der Fahrer erst einmal weiß, wo und wie.

Selbstverständlich schnurrt der Stromer klar und direkt los, so wie wir es von BMW kennen. Leicht zu steuern, souverän und zuverlässig in jeder Sequenz. Ein kurzer Tritt auf das Strompedal ... oh ja, er schiebt natürlich auch kräftig an. Kurz vor München fahren wir auf die Autobahn. Da scheint sich der iX3 besonders wohl zu fühlen – und wir auch.

Stichwort Autobahnassistent. Es ist ein besonderes Vergnügen – zumindest für diejenigen, die bereit sind, die moderne Technik machen zu lassen und

KLARE

das Lenkrad aus der Hand zu geben. Wie bitte?!?! Ja, genau so ist es gemeint. Ein kurzer Drücker auf die Taste für die Tempoautomatik, links auf dem Lenkrad. Jetzt übernimmt der BMW. Das Fahrzeug erkennt und adaptiert die erlaubte Geschwindigkeit, es bremst und beschleunigt automatisch und abhängig vom Verkehrsgeschehen.

Hände weg vom Steuer

Doch es kommt noch besser. Nach ein paar Kilometern erklingt ein spezieller Ton und im Panorama-Display erscheint eine grün leuchtende Animation, die den Fahrer tatsächlich auffordert, die Hände vom Steuer zu nehmen. Wir kennen die Technologie, haben sie bereits in der Praxis getestet. Es bleibt eine Glaubensfrage, auch und speziell, wenn – wie bei uns gerade – links und rechts der Autobahn die Gewitter aufziehen. Also, Hände weg vom Lenkrad. Der BMW steuert nun bei Tempo 130 in Eigenregie. Erfordert es die Verkehrslage, überholt er auch vollautomatisch – und er schert wieder nach rechts ein. Klar ist auch: Die Verantwortung für das Auto trägt weiterhin der Fahrer, der jederzeit seine volle Aufmerksamkeit zu

Auch die Ladeleistung von 400 Kilowatt ist höchst imposant.

dokumentieren hat. Über Kameras im Innenraum kontrolliert der iX3 den Fahrer durchgehend. Die Augen einen Moment zu lange von der Fahrbahn gewandt. Da ertönt schon der Warnton – und das Infodisplay schreibt: „Blickabwendung erfasst. Aufmerksam bleiben.“

Agil und kraftvoll

Sollte der Fahrer kein angemessenes Verhalten zeigen, würde der künstlich intelligente Fahrassistent umgehend den Dienst einstellen, im weiteren Verlauf das Auto sicher am Rand der Fahrbahn abstellen und in letzter Konsequenz einen Notruf abgeben. Wir haben absolut kein

Das Fahrerdisplay des BMW iX3 erstreckt sich am unteren Rand der Windschutzscheibe über die gesamte Breite des Fahrzeugs. Oppulent ist das Platzangebot im Fond.

Interesse, das auszuprobieren und halten den Blick konstant auf der Fahrbahn. Der Autobahnassistent funktioniert auf unserer Ausfahrt auch in Österreich und Italien einwandfrei. Den Brenner überqueren wir allerdings auf der legendären Passstraße, die mit ihren flotten Kurven perfekt zu dem agilen wie kraftvollen Gesamtpaket iX3 passt. 345 Kilowatt im Vorschub, das sind 469 PS. Der Fahrspaß scheint per Definition garantiert zu sein.

Mehr als 50.000 Bestellungen

Die 115 Kilowattstunden große Batterie soll laut Hersteller die Reichweite von 805 Kilometer nach WLTP-Standard ermöglichen. Ebenso imposant: die Ladeleistung von maximal 400 Kilowatt. Am Brenner haben wir es kurz getestet: fünf Minuten laden, 357 Kilowatt in der Spitze, gut 320 im Schnitt, das sind mehr als 160 frische Kilometer in der Batterie – stark. 75.220 Euro kostet der BMW iX3 50 xDrive, den wir als Testwagen fahren. Die große Nachfrage nach diesem ersten Modell der neuen Klasse bestätigt seine. Attraktivität. Mehr als 50.000 Vorbestellungen haben die bayerischen Autobauer bereits verbucht. Im Leasing gibt es den SUV zu Monatsraten ab rund 700 Euro.

TECHNISCHE

HERSTELLER MODELL

ANTRIEBSART

MASSE / GEWICHT LEISTUNG

ANTRIEBSACHSE ANZAHL DER TÜREN

KOFFERRAUMVOLUMEN

REICHWEITE 0-100 KM/H

SPITZE

PREIS

electricar Magazin

STRAHLKRAFT INKLUSIVE

Der Polestar 4 besticht durch einzigartiges Design, gediegenen Komfort und kräftigem Vorschub.

Text: Armin Grasmuck

Zugegeben, es hat eine ganze Weile gedauert, bis der Polestar 4 bei uns auf dem Hof steht. Vorgestellt wurde das SUV-Coupé des schwedisch-chinesischen Herstellers, einem Joint Venture von Volvo und Geely, bereits Ende 2023, kurz darauf kamen die ersten Exemplare auf den Markt. Und obwohl dieses Modell modern gezeichnet, rasant umrissen und entsprechend motorisiert erscheint: Es ist gerade erst dabei, richtig Fahrt aufzunehmen. Ob es an der Heckscheibe liegt? Dieses Auto hat keine.

Ja, richtig gelesen. Der Polestar 4 ist das erste Serienfahrzeug, das bewusst ohne gläsernes Element auf der Rückseite vorfährt. Keine Heckscheibe! Dafür gibt es eine hochauflösende Weitwinkelkamera, die im Heck verbaut ist und fortwährend Live-Bilder auf den digitalen Spiegel im Innenraum überträgt, sowie das gläserne, bis an die Kante der Heckklappe gezogene Panoramadach. Boah, krass, daran hat sich speziell der Fahrer erst einmal zu gewöhnen. Und darüber wird noch zu reden sein ...

Die Koordinaten unseres Testwagens lassen sich gut von den dezent angebrachten Aufklebern an den vorderen Türen ablesen: Polestar 4, 100 kWh/200 kW, das heißt Größe der Batterie 100

Kilowattstunden, Leistung des Antriebs 200 Kilowatt, also 272 PS. Heckscheibe hin oder her – das klingt verlockend nach Reichweite und kräftigem Vorschub. Optisch erscheint dieser einzigartige Stromer ohnehin ansprechend.

Dynamisch wirkt das SUV-Coupé mit der weit nach unten gezogenen Front und dem speziellen Design der geteilten LED-Scheinwerfer. Flach die Haube, flach die lang gezogene Windschutzscheibe, die Dachlinie fällt sanft nach hinten ab. Und am Heck: Ja, die Scheibe fehlt. Doch von außen betrachtet, macht es keinen Unterschied. Im Gegenteil: Auch das Heck

wirkt sportlich wie modern: die klare Abrisskante, darunter die schmale, über die gesamte Breite gezogene Leiste mit den Rückleuchten und das Markenlogo – nordisch dezent. Dieses Design gibt dem Polestar, zu Deutsch: Polarstern, seine spezielle Strahlkraft.

Reduziert und nachhaltig

Dies gilt auch für den Innenraum, der bewusst reduziert, gehaltvoll und nachhaltig gestaltet ist. Holz und Chrom, nein danke. Alle Materialien im Interieur sind recycelt oder wiederverwertbar. Wir setzen uns hinein – und wir sitzen gut.

AM STEUER electricar-Chefredakteur Armin Grasmuck fährt den Polestar 4 als Testwagen.

RASANT GESCHNITTEN

Die Silhouette des Polestar 4 unterstreicht die markante Form des SUV-Coupés. Einzigartig: In der lang gezogenen Heckklappe fehlt das gläserne Element, eine hochauflösende Kamera ersetzt die Rückscheibe

Jetzt geht‘s los. Ja, und zwar ohne großes Tamtam. Der Polestar 4 hat keinen Startknopf, er ist einsatzbereit, sobald der Fahrer am Lenkrad sitzt. Einfach das Bremspedal treten, den rechten Lenkstockhebel auf D wie Drive drücken – und das Fahrzeug rollt vom Fleck.

Wir sind keine 100 Meter gefahren, natürlich, der Blick geht sofort auf den Rückspiegel, der in diesem Fall eben ein digitaler Bildschirm ist. Klarer Blick nach hinten. Der Horizont ist allerdings etwas breiter, als wir es vom traditionellen Rückspiegel kennen. Das ist neu, daran haben wir uns tatsächlich zu gewöhnen. Gut, nach fünf Minuten ist das Thema erledigt – und kein Problem. Viel mehr fällt uns auf, wie leise der Polestar dahingleitet. Selbst wenn wir das Strompedal etwas fester treten. Er schnurrt, surrt, bleibt jedoch in jeder Sequenz souverän. Straff liegt das SUV-Coupé auf dem Asphalt, doch mit dem gebotenen Komfort. Wir fühlen uns wohl und genießen

die Ausfahrt. Vielleicht liegt es auch daran, dass die künstlich intelligenten Assistenzsysteme in diesem Fahrzeug dezenter als bei manchem Marktbegleiter agieren. Kein nervöses Gebimmel, dafür sanfte wie bestimmte Hinweise auf Tempolimits und vermeintlich abgelenkte Steuermänner.

Künstlich intelligente Helfer

Die Assistenten im Polestar 4 wirken unterstützend beim automatischen Regeln der Geschwindigkeit und beim Spurwechseln. Sie warnen vor Fahrzeugen im toten Winkel und Querverkehr, erkennen mithilfe von je zwölf Kameras und Ultraschallsensoren sowie einem

Das Infotainment ist einfach zu steuern wie ein Smartphone.

Radar auch Fußgänger und Radfahrer, leiten bei Bedarf entsprechend die Notbremsungen ein. Im Premiumsegment, zu dem Polestar gehört, ist dies der Standard. Uns gibt es ein gutes Gefühl. Auch betrachten wir das Cockpit samt Infotainment als höchst attraktiv. Klar, modern, ohne aufdringlich zu sein. Einfach zu erfassen und zu bedienen. Das 10,2 Zoll große und volldigitale Fahrerdisplay hinter dem Lenkrad liefert, grafisch ansprechend und gut zu lesen, die wichtigsten Informationen wie Geschwindigkeit, Reichweite und Akkustand. Klar strukturiert ist auch das Head-up-Display, das die Daten an die Windschutzscheibe projiziert.

Ladestopp automatisch geplant

Der zentral über der Mittelkonsole angeordnete Touchscreen misst 15,4 Zoll. Auch hier gilt: modern, dezent, intuitiv zu bedienen. Ein Fingerwisch, schwupp, ist die Karte der Navigation den gewünschten Tick größer. Es hat was von Smartphone – und es fühlt sich gut an. Dazu passt, dass auch Google mit an Bord ist. In der Landkarte, auch als sprachgesteuerter Assistent. Ein Knopf-

druck auf dem Lenkrad, die Ansage aus dem Mund des Steuermanns: „Fahre mich nach München, Olympiapark.“ Der Polestar versteht es auf Anhieb, kennzeichnet die Strecke entsprechend auf der Landkarte im Display – und die Navigation beginnt. Selbstverständlich ist es auch möglich, per Sprachbefehl die passende Ladesäule zu finden. Auf längeren Strecken plant die Software des Fahrzeugs etwaige Stopps zum Stromziehen automatisch mit ein.

Reichweite bis 620 Kilometer

Apropos Energiefluss. An Schnellladesäulen saugt der Polestar 4 den Strom mit der Leistung von bis zu 200 Kilowatt in seine Batterie. Laut Angaben des Herstellers können die Akkus in rund 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent geladen werden. Im Wechselstrombetrieb, etwa an der 11-kW-Wallbox zuhause oder am Arbeitsplatz, braucht es zehn bis elf Stunden, um die fast leere Batterie auf 100 Prozent zu laden.

In der von uns gefahrenen Long-RangeVersion soll das SUV-Coupé bis zu 620 Kilometer weit kommen, ohne nachzuladen.

Das klingt vielversprechend. Auf unserer Testfahrt bemerken wir wohl, dass der Po-

Der Vierer bringt es zusammen: sportlich und komfortabel.

lestar selbst auf der Autobahn bei Tempo 130 vergleichsweise effizient unterwegs ist. Im Durchschnitt verbraucht der flotte Stromer mit weniger als 20 Kilowattstunden auf 100 Kilometer unterwegs. Okay, wir sind relativ entspannt unterwegs. Die Höchstgeschwindigkeit von 200 steuern wir testweise nur kurz an.

Genussvoll in jeder Sequenz

Wir halten fest, dass der Polestar auch bei höherer Geschwindigkeit jederzeit ruhig, stabil und kontrolliert zu steuern bleibt. Er schiebt auch bei 150 noch kräftig an, die Bremsen greifen konsequent. Doch ganz ehrlich: Tempo 130 auf

IM STIL DER MODERNE

Klar und einfach strukturiert, hochwertige Materialien: Der Innenraum ist bewusst reduziert gestaltet – auch die hinteren Sitze bieten genügend Beinfreiheit.

der rechten Spur oder in der Mitte, das reicht uns vollkommen. Sportlich und komfortabel, der chinesische Schwede bringt es in seiner stilvollen Originalität zusammen. Wir genießen die Ausfahrt bis zum letzten Stopp.

Weitere Version geplant

Der Polestar 4 steht in der Version Long Range Single Motor mit 61.900 Euro auf der Preisliste. Er ist, was Komfort und Sicherheit betrifft, vergleichsweise umfangreich ausgestattet. Als Extras werden beispielsweise Räder auf 22 Zoll und das Harman-Kardon-Audiosystem angeboten. Die Leasingraten starten bei gut 400 Euro im Monat. Für alle Liebhaber der Heckscheibe sei an dieser Stelle noch angemerkt: Die Konstrukteure von Polestar arbeiten gerade an einer weiteren Version des Modells. Der neue Vierer soll laut Hersteller „den Raum eines Kombis mit der Vielseitigkeit eines SUV“ verbinden und im vierten Quartal dieses Jahres auf den Markt kommen. Unter der Gürtellinie, wie es im Fachjargon heißt, bleibt das Fahrzeug gleich, darüber sollen 48 Teile der Karosserie geändert werden. Und, jahaaa, die Heckscheibe wird integriert.

TECHNISCHE

HERSTELLER

MODELL

ANTRIEBSART

LEISTUNG

MASSE / GEWICHT

ANTRIEBSACHSE ANZAHL DER TÜREN

KOFFERRAUMVOLUMEN

REICHWEITE 0-100 KM/H

SPITZE

PREIS

REICHWEITE MIT STIL

DS N°7:

PREMIUM UND DAS GEWISSE ETWAS

Jetzt geht der französische Hersteller in die Vollen. Der DS N o 7, mit rund zwei Dritteln der neu zugelassenen Fahrzeugen größter Umsatztreiber der Premiummarke, wird fortan elektrisch angetrieben. Entsprechend der neuen Nomenklatur fährt der kompakte SUV künftig als N o 7, sprich Nummer Sieben, E-Tense vor – selbstverständlich im Pariser Chic und mit dem gewissen Etwas, für das DS traditionell steht. Allein die Frontpartie unterstreicht diese spezielle Mixtur aus kraftvollen Akzenten und moderner Eleganz, die der Nummer

Sieben ihren einzigartigen Charakter verleiht. Stilvoll wirkt auch das Heck mit der tief gezogenen Dachlinie, den betont schmalen Lichtelementen sowie den edel aufgesetzten Schriftzügen für Marke und Modell. Im Innenraum dominieren das Lenkrad im extravaganten Speichendesign und der 16 Zoll große Bildschirm für das Infotainment, der zentral über der Mittelkonsole angebracht ist. Auch ein Head-up-Display, das die für den Fahrer relevanten Daten an die Windschutzscheibe projiziert, ist an Bord. Für das Interieur stehen Bezüge aus Stoff, Alcantara oder Nappaleder zur Wahl. DS treibt die Nachhaltigkeit in der Produktion konsequent voran. Rund 60 Prozent der im

Am Heck prangen die edel aufgesetzten Schriftzüge für Marke und Modell neben den betont schmalen Rückleuchten.

Text: Armin Grasmuck
FLOTTER ABSCHLUSS

Innenraum verwendeten Rohstoffe kommen aus dem Recycling. Knapp 90 Prozent aller in dem Kompakt-SUV verbauten Teile stammen aus Europa. Die Motoren werden im französischen Werk Trémery gefertigt.

740 Kilometer, ohne Nachladen

Der No7 E-Tense kommt in drei Varianten auf den Markt. Im frontgetriebenen Einstiegsmodell ist eine 73,7 Kilowattstunden große Batterie verbaut, die Reichweiten von bis zu 543 Kilometern ermöglichen soll. Dagegen hat die Long-Range-Variante einen 97,2-kWh-Akku, der stolze 740 Kilometer ohne Nachladen verspricht. In der Allradversion sollen mit der gleichen Batterie bis zu 679 Kilometer möglich sein.

Laut DS sorgt die ausgefeilte Aerodynamik für höchste Effizienz. Selbst bei Tempo 120 auf der Autobahn sollen mehr als 450 Kilometer ohne Ladestopp gefahren werden können. Das heißt: von Frankfurt nach Hamburg nonstop und von Hamburg nach München mit nur einer Pause zum Nachladen. Die Ladeleistung des neuen E-Tense beträgt maximal 160 Kilowatt. Laut Angaben des Herstellers kann die Batterie in 17 Minuten von 20 auf 80 Prozent geladen werden – oder auch 200 Kilometer frische Reichweite in zehn Minuten.

An der 11-kW-Wallbox, etwa zuhause oder am Arbeitsplatz, können die Akkus in neun

bis zehn Stunden von null auf 100 Prozent gefüllt werden. Was den Vortrieb betrifft, reicht das Spektrum von 160 bis 257 Kilowatt, also von 230 bis 375 PS. Das maximale Drehmoment ist bei den frontgetriebenen Modellen mit 343, in der Allradversion mit 509 Newtonmetern angegeben. Bei Tempo 190 wird der Neustarter abgeregelt. Vielversprechend, speziell für Gewerbetreibende und die Verantwortlichen von Fuhrparks und Flotten, klingt das Platzangebot im neuen DS. Der im Vergleich zu den Vorgängermodellen um fünf Zentimeter auf nun 2,79 Meter verlängerte Radstand sorgt dafür, dass auch die Fahrgäste in der zweiten Reihe komfortabel sitzen können. Dazu kommt das üppige Ladevolumen im Kofferraum, das bis zu 560 Liter beträgt.

Attraktiv im Leasing

Zum Marktstart ist der DS No7 E-Tense in der besonders exklusiv ausgestatteten Edition La Première zum Preis ab 68.150 Euro erhältlich. Das Basismodell startet bei 56.300 Euro. Die allradgetriebene Topversion steht mit dem Grundpreis von 66.600 Euro auf der Liste, in der La-Première-Variante werden hier mindestens 78.450 Euro fällig. Attraktiv wirken die Leasingangebote, die DS kommuniziert. Bereits zu monatlichen Raten von 299 Euro kann das neue Premium-Crossover gefahren werden.

FEINES AMBIENTE

Für den Innenraum stehen Bezüge aus Stoff, Alcantara und Nappaleder zur Wahl.

TECHNISCHE DATEN

HERSTELLER MODELL ANTRIEBSART

ANTRIEBSACHSE TÜRANZAHL

KOFFERRAUMVOLUMEN MASSE / GEWICHT LEISTUNG

REICHWEITE 0-100 KM/H SPITZE PREIS

DS Automobiles No7 E-Tense Elektro

ab 169 kW / 230 PS

Vorderrad, Allrad 5

560 bis 1570 l 4660 x 1900 x 1625 mm / ab 2091 kg

543 - 679 km (WLTP) ab 5,4 Sekunden 190 km/h ab 56.300 Euro

EDEL WIE PRAKTISCH

Auf der Mittelkonsole können die Fahrmodi und die Lautstärke des Infotainments geregelt werden.

Fotos: Stellantis

KLASSIKER UNTER STROM

VW ID. POLO: KLEINWAGEN IM FRISCHEN DESIGN

Text: Armin Grasmuck

Der Polo. Unter Strom. So schaut‘s aus. Dieses Erfolgsmodell aus dem Hause Volkswagen, seit 51 Jahren auf dem Markt sowie mehr als 20 Millionen Mal gebaut und ausgeliefert, rollt batteriegetrieben in die Zukunft. Die siebte Modellgeneration des Klassikers ist die erste rein elektrische – und damit die Einstiegsvariante in die Mobilität von morgen. VW verspricht einen Kleinwagen mit viel Platz, moderner Technik und frischem Design. Einer für alle soll er sein. Massentauglich und optisch im Zeitgeist, so umreißt es Andreas Mindt, der

Designchef des Herstellers. Der über die gesamte Front gezogene Lichstreifen inklusive beleuchtetem Markenlogo ist eines der Merkmale, die das neue VW-Format kennzeichnen. Serienmäßig sind die LEDScheinwerfer eingebaut, gegen Aufpreis gibt es die Matrix-LED-Variante.

Dreidimensional am Heck

Der neue Polo ist klar und souverän gezeichnet. Für spezielle Effekte sorgen bezüglich der Außenansicht die dreidimensional wirkenden Rückleuchten und als Extra die bis zu 19 Zoll großen Alufelgen.

Auch im Innenraum präsentiert sich der Stromer betont nüchtern und aufgeräumt.

NACH VORN

Pure Positive, so heißt das neu entwickelte Markendesign – mit klaren Linien, ruhigen Flächen und ausgewogenen Proportionen.

KLAR
Fotos: Volkswagen

Kein futuristisches Chichi, dafür bekannte wie bewährte Strukturen. Auffallend: Die Tasten und Druckknöpfe sind zurück. Dafür werden die Touchflächen, aus früheren IDModellen bekannt, eliminiert – was auch und speziell auf dem neu entwickelten Lenkrad zu erkennen ist.

Im Innenraum hat der Polo genauso viel Platz wie der klassenmäßig höher angesiedelte Golf, so wirbt VW. Tatsächlich bietet der Kleinwagen auch in der zweiten Sitzreihe vergleichsweise ordentlich Beinfreiheit. Der Kofferraum, mit einem variablen Ladeboden versehen, fasst 441 Liter. Sind die Rücksitze umgeklappt, steigt das Ladevolumen auf bis zu 1243 Liter.

Reichweite bis zu 455 Kilometer

In zwei Akkuvarianten fährt der ID. Polo vor. Das Einstiegsmodell hat eine 37 Kilowattstunden große Batterie an Bord, die wahlweise 116 oder 135 PS im Antrieb offeriert und bis zu 329 Kilometer nach WLTP-Standard ohne nachzuladen ermöglichen soll. 90 Kilowatt beträgt die maximale Ladeleistung, damit kann der Akku in einer knappen halben Stunde von zehn auf 80 Prozent geladen werden.

Kraftvoller ist der kleine Volkswagen mit der 52-kWh-Batterie ausgelegt, die mit 211

PS anschiebt, Reichweiten von bis zu 455 Kilometer bietet und bei der Ladeleistung von maximal 105 kW in 24 Minuten auf 80 Prozent geladen werden kann. Bereits angekündigt ist auch eine GTI-Version des Polo, deren Vortrieb bei 226 PS liegt.

Anhänger

als Option

Die Batterie des Polo ermöglicht auch bidirektionales Laden – zumindest im einfachen Modus Vehicle-to-Load, kurz V2L. Elektrische Geräte, die mit maximal 3,7 kW betrieben werden, können bequem mit Strom aus dem Auto versorgt werden. Der Adapter für Schukostecker steht als Extra in der Zubehörliste. Zudem kann dieser ID auch mit Anhängerkupplung konfiguriert werden. In den Fahrzeugen, die mit kleinem Akku ausgestattet sind, beträgt die Anhängelast 500 Kilogramm. Ist die große Batterie eingebaut, liegt dieser Wert bei 1200 Kilo. Der VW ID. Polo ist bereits bestellbar, die ersten Modelle sollen im September ausgeliefert werden. Auf der Preisliste steht die Basisversion mit 24.995 Euro. Für höherwertig ausgestattete Fahrzeuge, etwa in den Varianten Life oder Style, werden zwischen rund 33.000 und 42.000 Euro fällig. Als günstigste Leasingrate gibt VW 266 Euro pro Monat an – plus Sonderzahlung. Im Rahmen des Marktstarts wird zudem der Rabatt von 30 Prozent auf alle Wallboxen des Modells ID. Charger 2 gewährt.

TECHNISCHE DATEN

HERSTELLER MODELL

ANTRIEBSART

LEISTUNG

ANTRIEBSACHSE TÜRANZAHL

KOFFERRAUMVOLUMEN MASSE / GEWICHT

REICHWEITE 0-100 KM/H SPITZE PREIS

VW

ID. Polo Elektro

ab 85 kW / 116 PS

4050 x 1820 x 1530 mm / 1576 kg

Vorderrad 5

441 - 1243 l

329 - 454 km (WLTP) ab 6,8 Sekunden

160 - 175 km/h

ab 24.995 Euro

PLATZ IM FOND

Kleinwagen mit Volumen. Die zweite Sitzreihe im ID. Polo bietet laut VW so viel Platz wie der im höheren Segment angesiedelte Golf.

FÜR FAMILIEN

Auf diesen Seiten finden Sie die wichtigsten Daten, Fakten und Preise zu den aktuellen Familienfahrzeugen des Modelljahres 2025 / 2026 . Berücksichtigt wurden ausschließlich Modelle mit einem Preis von maximal 60.000 Euro, einem Verbrauch von höchstens 20 kWh pro 100 Kilometer sowie einer WLTP-Reichweite von mindestens 400 Kilometern . Zusätzlich erfüllen alle Fahrzeuge Anforderungen an Alltagstauglichkeit und Komfort –darunter eine DC-Ladeleistung von mindestens 120 kW, ein Kofferraumvolumen von mindestens 450 Litern sowie die Karosserieformen SUV oder Kombi .

Listenpreis (€ inkl USt) 47.500 € 53.500 € 55.900 €

Modellstart 7/26 7/26 7/26

Antriebsart RWD RWD AWD

Karosserieform SUV SUV SUV Fahrzeugklasse Mittelklasse Mittelklasse Mittelklasse

REICHWEITE Kapazität

Verbrauch / KWh/100

/ WLTP

Reichweite City / WLTP k.A. k.A. k.A.

LEISTUNG

BATTERIE

GRÖSSE

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Listenpreis (€ inkl USt)

REICHWEITE

BATTERIE

GRÖSSE

LEISTUNG

MARKE

Eichrechtskonformes

Laden. Kein Mehraufwand für Ihre Flotte.

MID-zertifizierte Messung, dynamisches Lastmanagement und 5 Jahre Garantie. Vom Depot bis nach Hause, auf einer Plattform.

Bis zu 22 kW pro Ladepunkt, bis zu 101 Ladepunkte pro Stromkreis

Eichrechtskonforme, rechtssichere Abrechnung

99 % Verfügbarkeit, 97 % der Servicefälle aus der Ferne gelöst

MARKE OPEL PEUGEOT PEUGEOT RENAULT RENAULT SKODA

Erfolgreiches Jubiläumsjahr für go-e

Für den österreichischen Wallbox-Hersteller go-e war 2025 ein Jahr von besonderer Bedeutung. Trotz eines wirtschaftlich anspruchsvollen Umfelds setzte das Unternehmen seinen Wachstumskurs fort, erschloss neue Märkte und festigte seine führende Position im Home-Charging-Segment in Deutschland und Österreich.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor waren starke Partnerschaften, darunter neue Kooperationen mit E.ON, GridX und EcoFlow. Gleichzeitig setzte go-e gezielte Impulse im Produktportfolio. Mit dem go-e Charger PRO CABLE 11 kW, der ISO-15118-V2Xready und MID-konform ist, reagierte das Unternehmen auf zentrale Anforderungen rund um Dienstwagenabrechnung und gemeinschaftliche Ladeinfrastruktur. Ergänzend dazu wurde mit dem go-e Portal eine webbasierte Lösung vorgestellt, die das Management von Ladepunkten auf Firmenparkplätzen und in Tiefgaragen erleichtert.

Angesichts der dynamischen Entwicklung der Elektromobilität blickt go-e ambitioniert nach vorne. Neben dem Forschungsprojekt „Shared Charging“ plant das Unternehmen zusätzliche Produktvarianten, darunter eine mess- und eichrechtskonforme Version des go-e Charger PRO, eine 22-kW-Ausführung sowie eine Variante mit Typ-2-Dose.

SKODA SKODA
SKODA SKODA SKODA SKODA

ELEKTROAUTO DATENBANK

Vergleichen Sie alle in Deutschland verfügbaren E-Autos online unter: dietester.de

Die Kompetenzen von IAV erläutern CEO Jörg Astalosch, Techniker Ronny Pfeil und CTO Sebastian Sinning (von rechts) dem Autoren Henning Krogh am Beispiel des XL 1 von VW.

Spezialisten für Service und Serienhärte

Die Konzeption ganzer Batteriesysteme für E-Fahrzeuge kostet Autohersteller oft allzu viel Zeit, Geld und Nerven. Auch hier kann die IAV GmbH als Entwicklungsdienstleister wertvolle Unterstützung leisten. Electricar sprach mit dem CEO, dem CTO – und einem „Flying Doctor“.

Auf die Frage, was sich hinter „IAV“ verbirgt, muss Jörg Astalosch nicht lange überlegen. Klar, die drei Buchstaben dienen als Abkürzung für „Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr“. Vier andere Worte allerdings sind dem CEO der in Berlin ansässigen GmbH noch wichtiger: „Wir stehen für Serienhärte“, hebt Astalosch hervor. Und das bedeute, „dass wir gemeinsam mit unseren Kunden kompromisslos serienhart, also SOP-reif, die Entwicklungsprojekte durchführen“. Beim Beginn der industriellen Massenfertigung, dem Start of Production (SOP) etwa eines neuen Automodells, dürfen nun mal keine Fehler passieren.

Zum Interview mit Astalosch und Sebastian Sinning, dem CTO der IAV GmbH, macht sich electricar auf nach Gifhorn nahe Wolfsburg. „VW ist einer unserer Shareholder“, sagt Astalosch – und betont: „Wir sind nicht konsolidiert und damit völlig eigenständig“. Neben der Volkswagen AG (50 Prozent) ist die Aumovio Germany GmbH (10 Prozent), hervorgegangen aus der Abspaltung des Sektors Automotive beim Zuliefererkonzern Continental, ein namhafter Gesellschafter der IAV.

Suche nach neuen Aufgaben

Deren weltweit 6600 Mitarbeitende, verteilt auf 25 Standorte, erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 910,6 Millionen Euro. Der Technikchef skizziert die aus all dem resultierende „IAV-Mentalität“ (Sinning) mit Stolz: „Wir verbinden Engineering-Know-how, Methoden und Tools zu einem Entwicklungsansatz, mit dem wir die komplexesten Herausforderungen unserer Kunden auf dem Weg zur Serienreife lösen.“

Zur Wahrheit gehört aber ebenso, dass die IAV stark vom Automotive-Geschäft getrieben ist. Das steckt bekanntlich vielerorts tief in der Krise, und so müssen sich auch Astalosch und Sinning im IAVFührungsteam mit personellen Anpassungen bis hin zum Streichen von Stellen beschäftigen. Aktuell macht die Arbeit für die Automobilindustrie inklusive Nutzfahrzeuge rund 90 Prozent des IAV-Umsatzes aus. Allein im Bereich Powertrain hat der Entwicklungsdienstleister rund 2000 Beschäftigte. „Wir diversifizieren unser Geschäft gleichzeitig weiter, setzen dabei auf Kunden aus Defense, Agrar und Energie“, berichtet Astalosch. Doch die tiefgreifende Transformation im Fahrzeug-Business bietet eben

AUTOQUARTETT IN GIFHORN IAV-Chef Astalosch und CTO Sinning im Gespräch mit den electricar-Reportern Krogh und Bohlig (von links).

BESTENS INFORMIERT

electricar-Leser Astalosch (Mitte) und Sinning mit Autorin Bohlig.

VW GANZ IN DER NÄHE

Der große IAV-Standort im niedersächsischen Gifhorn.

zugleich ein enormes Chancenpotenzial: „Wer heute den Antriebsstrang von morgen entwickelt, steht vor unzähligen Optionen: vom Verbrenner über Hybrid bis zum reinen BEV, für unterschiedliche Plattformen, Leistungsklassen und Zielmärkte“, erklärt der Chief Technology Officer Sinning. Und weiter: „Früh im Entwicklungsprozess muss die passende Konfiguration gefunden werden, die zu Kosten,

Performance, Effizienz, Reichweite und Nachhaltigkeit passt“. Mit Blick auf die bewusst globale Aufstellung von IAV ergänzt Astalosch zwei Beispiele: „In China sind wir seit Langem aktiv. Auf dem brasilianischen Markt haben wir eine starke Präsenz, sind seit 20 Jahren vor Ort“.

Gespür für knifflige Aufträge

Man habe manche „Herausforderung antizipiert“, sagt Sinning, und könne daher für zahlreiche OEM und Tier-1-Zulieferer „frühzeitig die passende Lösung (...) identifizieren“. Um verschiedenste Varianten zu berechnen und konsequent zu vergleichen, setzen der CTO und seine Ingenieursteams gern auf ihr sogenanntes

Powertrain-Synthesis-Tool: „So können Entwicklungsverantwortliche verschiedene Konzepte hinsichtlich Kosten, Effizienz, Performance oder Bauraum bewerten“, sagt Sinning.

Ziel sei es, ein ausgewogenes SystemSetup zu identifizieren, das die jeweiligen Anforderungen erfüllt. „Die Ergebnisse

Die IAV-Tools können den Testaufwand reduzieren und die Qualität erhöhen.

liefern bereits früh im Entwicklungsprozess konkrete technische Vorgaben für Systeme und Komponenten“, so der IAV-Cheftechniker, „und bilden damit eine fundierte Basis für die weitere Konzeptentwicklung“.

Zeitersparnis mittels KI

In der Akkukreation sei der Hebel besonders wirkungsvoll. „Viele unserer Kunden entwickeln Batteriesysteme oder spezifizieren deren Anforderungen in-house“, sagt Sinning. „Dabei stehen sie unter großem Zeit- und Kostendruck“. Mit den IAV-Tools könne man gemeinsam den Testaufwand deutlich reduzieren und gleichzeitig die Qualität erhöhen.

„Mit unserem Digital Twin und unserer End-to-End-Toolchain lassen sich das

elektrische, thermische und mechanische Verhalten von Komponenten und Systemen über ihre gesamte Lebensdauer hinweg abbilden“, erklärt der CTO. Mit KI-gestützten Messstrategien und einem Closed-Loop-Testmanagement würden Simulation und reale Erprobung „intelligent verknüpft und so Prüfstandsaufwände deutlich reduziert“.

Ob 800-Volt-Architektur für den Maschinenraum eines reinen Stromers oder 1600 PS für den 16-Zylinder-Motor im feinen Bugatti-Bolide – bei den Kraftquellen kennt die IAV keinerlei Tabus: „Wir sind Antriebsagnostiker – technologieoffen und damit auf ganzer Linie überaus kundenorientiert“, sagt Jörg Astalosch.

Sein Technikkollege Sebastian Sinning assistiert: „Ich glaube, das persönliche Kundengespräch ist besonders wichtig“.

Langjährige Partnerschaft

So war es schon zu den Glanzzeiten von Ferdinand Karl Piëch (1937 – 2019). Der frühere VW-Patriarch trieb als Mastermind das Revival von Bugatti ebenso voran wie die Realisierung des extrem sparsamen Ein-Liter-Autos XL 1 von Volkswagen: „Wir waren schon bei der Entwicklung des

FRÜHER PLUG-IN-HYBRID

Der einstige VW-Vordenker Ferdinand Karl Piëch ließ am Projekt Niedrigverbrauchsfahrzeug ab 2014 technikaffine Kundschaft mit dem XL 1 teilhaben.

BREITES SPEKTRUM

Zu den IAV-Kunden zählen weltweit bekannte Hersteller von Pkw und Lkw sowie Zulieferer.

Niedrigverbrauchsfahrzeugs dabei“, blickt Sinning zurück. Damals habe sich die Kardinalfrage gestellt, wie fachgerechte Pflege mitsamt umfassender Wartung zu gewährleisten ist, wenn die Kleinstserie zu den Käufern kommt. Sinning: „Wir haben dann die Verantwortung übernommen,

„Das persönliche Kundengespräch ist besonders wichtig.“

zu sagen: Wir kennen das Fahrzeug, wir kennen dessen Architektur, wir kennen das Backend durch unsere Expertise rund um den VW-Konzern“.

Seither liegen Service und Inspektion des Ein-Liter-Autos prinzipiell bei IAV. „Wir haben die Flying Doctors, und wir sind immer noch die Schnittstelle“, sagt der CTO von IAV. Einer dieser bei Bedarf international einfliegenden XL-1-Doktoren ist IAV-Techniker Ronny Pfeil, der beim Gespräch in Gifhorn erstaunliche Einsätze bei bekennenden Car-Nerds schildert.

Tempo und Verlässlichkeit

Sinning überlegt einen kurzen Moment – und ergänzt: „Gewissermaßen waren bereits Bugatti Chiron und XL 1 frühe Vertreter der smarten SDV-Konzeption.

Also Software-defined Vehicles, über Telemetrie im Auto selbst verbunden mit dem Backend im Unternehmen“. Jörg Astalosch stimmt zu: „IAV kann schnell und qualitativ hochwertig entwickeln“. Das Resümee des Topmanagers unterstreicht das Selbstbewusstsein in den Reihen dieses routinierten Spezialdienstleisters: „Wir beherrschen sehr komplexe Projekte, weil wir ganze Systeme verstehen.“

OFFEN FÜR NEUE IMPULSE

Die Ingenieursteams von IAV widmen sich verstärkt zusätzlichen Aufgaben in Bereichen wie Energie, Agrartechnik und Verteidigung.

BOXENSTOPP IN FRANKFURT

Die Fachmesse Automechanika setzt auf Software, KI und neue Antriebe. Es geht auch um die Entwicklung von vernetzten Fahrzeugen, Cybersecurity, Energiemanagement und anderen digitalen Services.

Text: Philipp Lumetsberger

Transformation, Digitalisierung und Elektromobilität prägen die Automobilbranche seit Jahren. Auf der Automechanika Frankfurt 2026 werden diese Entwicklungen greifbar: als Produkte, Technologien, Dienstleistungen und Diskussionen für den Aftermarket. Internationale Aussteller aus Industrie, Werkstatt und Handel

zeigen, welche Themen den Markt in den nächsten Jahren bestimmen – von softwarebasierten Fahrzeugfunktionen über nachhaltige Werkstatttechnik bis hin zu nachhaltigen und emissionsarmen Mobilitätslösungen.

Neu im Programm ist das Forum HighTech4Mobility in der Festhalle. Im Mittelpunkt stehen vernetzte Fahrzeuge, Assistenzsysteme, autonomes Fahren, Cybersecurity, Energiemanagement und

Messe kompakt

Termin: 8. – 12. September 2026

Ort: Messe Frankfurt, Frankfurt am Main

Turnus: Zweijährlich (nächste Ausgabe: 2028)

Schwerpunkte: Software Defined Vehicle, KI und Digitalisierung, E-Mobilität, Diagnose & Reparatur

Highlights: Forum HighTech4Mobility, Automechanika Pit Lane, Experience Park Öffnungszeiten: Di–Sa 9:00 – 18:00 Uhr

electricar Magazin

digitale Services. Softwareunternehmen, Fahrzeughersteller, Zulieferer und Branchenexperten diskutieren, wie stark Software und Daten den Werkstatt- und Teilemarkt künftig verändern werden – und welche neuen Geschäftsmodelle damit im Aftermarket entstehen. Fachvorträge, praxisnahe Use Cases und eine eigene Networking-Lounge in der Festhalle laden zum fachlichen Austausch und zur gezielten Vernetzung mit neuen Partnern aus der gesamten Branche ein.

Mehr Action, mehr Erlebnis

Wer die Messe auch abseits der klassischen Hallen erleben möchte, findet auf dem Freigelände mehrere neue Formate. Die „Automechanika Pit Lane“ unter den Arkaden der Halle 4 bringt Motorsport, Fahrzeuge, Mechaniker und exklusive Einblicke hinter die Kulissen zusammen. Der „Experience Park“ vor den Hallen 9 und 11 setzt auf automobile Vielfalt zum Anfassen – unter anderem mit Monstertrucks, Caravaning, Unimog-Parcours und einem Überschlag-Simulator. Auf der Agora lädt der Future Mobility

NEUE FORMATE, STARKE THEMEN

Park ein, neue Mobilitätslösungen und emissionsarme Antriebskonzepte live zu erleben und zu testen. Testfahrten mit E-Fahrzeugen und weiteren alternativen Antrieben machen die Entwicklungen praktisch erlebbar.

Klassiker und Nachwuchs

Auch Old- und Youngtimer sowie junge Fachkräfte rücken stärker in den Fokus. In Halle 11.1 entsteht mit dem Classic Car Network eine zentrale Anlaufstelle für Klassik-Experten aus Werkstatt, Handel und Industrie. Dort geht es um Ersatzteilversorgung, Know-how-Transfer und neue Geschäftsmodelle für eine spezialisierte Branche. Hinter dem Netzwerk steht die neu gegründete Classic Alliance. Unterstützt wird die Initiative unter anderem von FIVA sowie den Partnern Bosch, DAT, Eucon und Rowe. Für den Nachwuchs öffnet das Format Ambition erstmals die Türen der Festhalle. Gaming, Workshops, Live-Demos, Karriereinformationen und innovative Technologien sollen junge Menschen für Berufe rund um Mobilität und Fahrzeugtechnik begeistern.

Von der Werkstatt bis zum vernetzten Fahrzeug: Die Automechanika bündelt die Innovationskraft der Branche. Weitere Infos finden Sie unter automechanika.messefrankfurt.com

Zukunftswerkstatt im Live-Modus

Die Zukunftswerkstatt in Halle 11 zeigt, wie sich der Werkstattalltag durch neue Technologien verändert. Auf rund 440 Quadratmetern entsteht eine zentrale Plattform für Innovationen rund um die Werkstatt von morgen. Partnerunternehmen präsentieren ihre Zukunftstechnologien in thematisch gegliederten Bereichen. Ergänzt wird der Auftritt durch eine Show- und Werkstattfläche, auf der ausgewählte Technologien live erlebbar sind. Ein begleitendes Rahmenprogramm sorgt für Einordnung, Austausch und Inspiration.

ERST DENKEN, DANN LADEN

Vom Großkonzern bis zum Kleinbetrieb: Die Transformation der Flotten steht in vielen Unternehmen kurz- oder mittelfristig an. Die Elektrifizierung des Fuhrparks sollte klar umrissen und konsequent umgesetzt werden.

Vermutlich gibt es Manager von Fuhrparks zuhauf, denen die Erderwärmung kein bisschen den Schlaf raubt. Und sicherlich nicht wenige, die den Kolbenmotor als einzigen verlässlichen Antrieb schätzen. Aber selbst, wenn diesen wie jenen eine Flotte von Elektroautos aus Prinzip nicht auf den Hof käme – beim Blick auf die nackten Zahlen sollten sie eigentlich anderen Sinnes werden. Staatliche Förderung, Steuervorteile und nicht zuletzt horrend gestiegene Spritpreise: Wer da den Umstieg Richtung E-Mobilität nicht wenigstens erwägt, ist in seinem Job womöglich nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit.

ENERGIEQUELLE

Leistungsstarke Infrastruktur und Speicher sind essenziell, wenn Fahrzeuge zuverlässig geladen werden sollen.

Andererseits: Blinder Aktionismus bei der Transformation ist für die Firmenfinanzen mindestens ebenso schädlich. Denn egal, ob nun große Spedition oder kleiner Lieferdienst: Im Spannungsfeld zwischen Stromanschluss, Tourenplanung und Steuererklärung verbergen sich jede Menge Möglichkeiten für folgenschwere – und vor allem teure – Fehler. Nur bei richtiger Planung profitieren am Ende Umwelt und Unternehmen. Das wohl größte Risiko lauert bei der Kalkulation von Netzkapazität und Infrastruktur am Standort. Dabei entscheidet sich genau hier, ob für die Flotte überhaupt genügend Strom fließen kann. Wer bei Leitungen und Speichern zu kleinlich kalkuliert, kann später womöglich nicht genügend Fahrzeuge in ausreichender Zeit laden. Als Folge drohen Verzögerungen, teurere Tarife, Umsatzeinbußen und vergraulte Kunden. Im schlimmsten Fall muss umständlich und für viel Geld nachgerüstet werden. Die erhoffte Ersparnis durch den Wechsel zum Elektroantrieb wäre dahin,

noch bevor Projekt – und Flotte – auch nur ansatzweise ins Rollen kämen.

Achtung, Folgekosten!

Auch der Alltagsnutzen will durchdacht sein. Es hilft herzlich wenig, wenn vor dem Headquarter öffentlichkeitswirksam ein halbes Dutzend Schnelllader stehen, die kaum jemand nutzt – und auf dem Betriebshof tobt der tägliche Streit um drei mickrige Wallboxen. Derartige Fehlentscheidungen erhöhen unnötig den Investitionsaufwand und gefährden damit die wirtschaftliche Tragfähigkeit des gesamten Modells. Zumal Service und Wartung für die DC-Säulen in schöner Regelmäßigkeit hohe Folgekosten nach sich ziehen. Also vielleicht besser jemanden fragen, der sich damit auskennt. Zumindest braucht es eine kluge Verteilung des Stroms. Es ist in aller Regel eben keineswegs so, dass sämtliche E-Autos zur selben Zeit mit voller Leistung laden müssen. Genau diese Lastspitzen überlasten unwei-

Auch die kluge Verteilung des Stroms ist ein entscheidender Faktor.

gerlich das Netz. Eine banale Erkenntnis, die im Grunde schon aus der Dieselzeit bekannt sein müsste. Auch da versammelt sich ja zweckmäßigerweise nicht der komplette Fuhrpark zur selben Minute an der firmeneigenen Zapfsäule. Im Normalfall steht zumindest ein Teil der Elektroflotte über Nacht auf dem Hof und lässt sich mit dynamischem Lastmanagement zeitversetzt und ohne das Risiko einer Überlastung versorgen.

KLARE KALKULATION

Bevor die erste Wallbox oder Schnelllader installiert werden, haben die Manager der Fuhrparks den Bedarf zu ermitteln.

Kollateralnutzen des Modells: Eine pfiffige Software nutzt günstige Tarife optimal aus und lädt Fahrzeuge mit dringenden Terminen vorrangig. Zugleich maximiert sie – wo vorhanden – den Eigenverbrauch aus der Photovoltaikanlage. Alles kein Hexenwerk.

Allerdings ist die Elektrifizierung einer Firmenflotte auch eine strategische Investition

Über ein dynamisches Lastmanagement können die Fahrzeuge der Firmenflotte je nach Dringlichkeit auch zeitversetzt geladen werden.

in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Und im besten Fall startet eine nüchterne Analyse, noch bevor das erste Kabel gelegt wird. Es ist tatsächlich kein bisschen so, dass sich Flotten deckungsgleich von Sprit auf Strom umstellen lassen. Reichweiten, Ladezeiten, Nutzlast und sogar Außentemperaturen erfordern in der Regel eine komplette Neuorganisation der Tourenplanung. Obendrein laden manche Mitarbeiter zuhause, andere in der Firma, die einen fahren vorrangig lange Strecken, wieder andere sind nur gelegentlich unterwegs. Da gibt es vorab mächtig was zu tüfteln.

Komplexe Finanzplanung

Auch ein Weg durch den Dschungel aus Steuerrecht und staatlichen Förderungen will gefunden sein. Im Dickicht aus Bundesprogrammen, Landesbeihilfen, KfWZuschüssen und regionalen Initiativen kann man sich schnell hoffnungslos verirren. Sei es beim Geld für Netzanschlüsse, Fahrzeuge, Wallboxen und Planungsleistungen, der Befreiung von der Kfz-Steuer oder der degressiven Abschreibung im Rahmen des Investitionsboosters. Und ja: Mit der THGQuote lässt sich Jahr für Jahr ein ansehnliches Sümmchen verbuchen. Aber drum kümmern muss man sich halt auch wer. Apropos Sümmchen: Auch wenn sich der einstmals gewaltige Preisabstand

Fotos: Envato Foto: shutterstock.com

VOLLE FLEXIBILITÄT

Manche Dienstwagenfahrer laden ihr Fahrzeug bevorzugt in der Firma, andere unterwegs oder zuhause.

zwischen E-Autos und Verbrennern immer schneller schließt und die Attraktivität von Stromern weiter erhöht, die Einsparungen über die geringeren Betriebskosten kommen deutlich zeitversetzt zu den Investitionen. Selbstverständlich sind Leasingmodelle auch hier eine Alternative, hohe Einzelposten in planbare monatliche Raten umzuwandeln. Rundum-Sorglos-Pakete schließen auf Wunsch Infrastruktur, Wartung und Versicherung ein. Anbieter von Auto-Abos verlangen für ihren All-inclusiveService zwar spürbar höhere Monatsraten, bieten aber meist auch deutlich kürzere Laufzeiten an als klassische Leasingfirmen.

Oft genug mit der Möglichkeit, das Fahrzeug zu wechseln und so Erfahrungen mit unterschiedlichen Fabrikaten zu sammeln. Es ist womöglich ein Zugang zur Elektromobilität für Unternehmen, die gegen eine längerfristige Bindung noch Bedenken haben. Der große Vorteil hier wie dort: Das Risiko des immer noch schnellen Fortschritts bei Antrieb oder Batterien muss einen nicht bekümmern, weil man nach Vertragsablauf einfach zu Modellen mit modernerer Technologie wechseln kann.

Konkrete Eckpunkte

Und da nun mal alles mit allem zusammenhängt, sollte klugerweise auch datentechnisch alles mit allem verknüpft sein. Doch ähnlich wie bei staatlicher Verwaltung sind auch in vielen Firmen immer noch Insellösungen mit verschiedenen Zuständigkeiten gang und gäbe. Dabei kosten getrennte Systeme für Fahrzeuge, Tourenplanung und Lademanagement nicht bloß Nerven. Oft genug sind außerdem Standzeiten und damit Umsatzeinbußen die Folge. Zudem braucht es im gewerblichen Umfeld exakte Voraussetzungen für Zugriffe, Nutzerverwal -

tung, Energiemanagement und Abrechnung. Ansonsten drohen unklare Kostenstellen oder Verstöße gegen Datenschutzrichtlinien.

All das erfordert Expertise, die angesichts der Komplexität intern nur allzu oft fehlt. Die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche Unternehmen, die den Wandel zur Elektroflotte professionell planen, projektieren und begleiten.

Im gewerblichen Umfeld sind die Nutzer- und Verbrauchsdaten generell professionell zu pflegen.

Allerdings ist das größte Problem meist nicht die Technik, sondern immer noch der Mensch. Er fürchtet – oft genug ohne eigene Erfahrung – alle möglichen Unannehmlichkeiten durch lange Standzeiten, Probleme an der Ladesäule und leere Batterien kurz vor Feierabend. Liest man ja immer mal so. Klugerweise verfügt man in der Chefetage also keinen simplen Technologietausch, sondern gestaltet aktiv einen Kulturwandel. Mit klarer Kommunikation und frühzeitigen Schulungen. Denn klar ist auch: Was hilft am Ende das schönste Plus fürs Unternehmen, wenn die Belegschaft immer nur ein dickes Minus sieht?

LIEFERN MIT

Logistik mit Zukunft: Die Braucommune

Freistadt stellt ihre Lkw-Flotte schrittweise auf batteriegetriebene Modelle um, betrieben mit Strom aus der eigenen PV-Anlage.

W E-FAKTOR

enn Tradition die Quellen der Innovation anzapft ... Als einer der ersten Bier herstellenden Betriebe elektrifiziert die Braukommune im oberösterreichischen Freistadt ihre LkwFlotte in konstanten Schritten. So lautet die Nachricht, die keineswegs nur die Anhänger des gehaltvollen Hopfengebräus elektrisiert.

Braucommune? Diese historische Brauerei beruht auf einer einzigartigen Eigentümerstruktur, die bereits seit 1770 besteht. Demnach sind exakt 149 Hausbesitzer in der Freistädter Altstadt berechtigt, ihr eigenes Bier zu brauen. Das Freistädter Bier und der angeschlossene Braugasthof sind seit jeher weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

E-Flotte? Bereits seit Ende Februar 2024, als der erste batteriegetriebene Lkw des

Moderne Produktion: Die Braucommune gibt es bereits seit dem Jahr 1770.

Das Bier aus Freistadt wird nur in einem Umkreis von rund 50 Kilometern im Raum Mühlviertel, Linz und Wels ausgeliefert.

electricar Magazin

Text: Armin Grasmuck
Fotos: Keba

Die Elektro-Lkw der Freistädter Braucommune sind mit bunt und munter gestalteten Werbebotschaften verziert, die auf den batteriegetriebenen Vertrieb hinweisen.

Typs Mercedes E-Actros 300 angeschafft wurde, liefert die Braucommune viele ihrer Flaschen und Fässer mit Elektrofahrzeugen. „Wir sind bestrebt, unseren CO2-Fußabdruck zu reduzieren“, sagt Paul Steininger, der Geschäftsführer. „Durch den Einsatz von umweltfreundlichen Fahrzeugen leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zeigen, dass nachhaltige Mobilität auch in der Logistikbranche möglich ist.“

Reichweite bis zu 300 Kilometer

Nachhaltigkeit – mit diesem Thema ist die Braucommune bereits seit mehr als 250 Jahren beschäftigt. Das Freistädter Bier wird mit regionalen Rohstoffen hergestellt und nur im Umkreis von rund 50 Kilometern vertrieben.

Das Unternehmen hat inzwischen drei rein elektrische Mercedes-Laster zur Bierverteilung im Raum Mühlviertel, Linz und Wels im Einsatz. Im Logistikzentrum läuft ein eigener Transformator, die Energie kommt aus der hauseigenen Photovoltaikanlage. In Zahlen ausgedrückt: Die Braucommune produziert rund 700.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr – und spart gleichzeitig 510.000 Kilogramm CO2 ein. Bis zu 300 Kilometer schaffen die E-Lkw mit einer voll geladenen Batterie. Der Stolz und der Spaß, mit dem die Freistädter die Mobilität von morgen vorantreiben, lässt sich auch gut an den Werbebotschaften

ablesen, die an den Bierlastern prangen: „Der voll elektrische Freistädter LKW“, so ist dort in großen Buchstaben zu lesen: „Pure E-Motion“ Oder auch: „Null Emission, voll geladen“.

Elektrolaster werden zuverlässig über Nacht aufgeladen.

Seit Beginn dieses Jahres hat die Brauerei die Ladevorgänge ihrer E-Flotte weiter professionalisiert – mit einer skalierbaren Splitlösung von Keba, bestehend aus Stromsäulen des Typs KeContact DCL10 und der externen Power Unit KeContact DCU10. „Für uns war entscheidend, dass die Lösung im Alltag funktioniert“, erklärt Geschäftsführer Steininger: „Unsere Fahrzeuge müssen jeden Morgen einsatzbereit sein. Gleichzeitig war es eine klassische Brownfield-Situation – wir mussten die Ladeinfrastruktur in ein bestehendes Depot integrieren. Umso wichtiger war ein System, das sich flexibel anpassen lässt, mit unserer Flotte mitwächst und durch die Integration von Photovoltaik auch wirtschaftlich schnell amortisiert.“

Im Praxisfall heißt das: Kehren die E-Lkw am Abend in die Braucommune zurück, sind ihre Akkus so gut wie leer gefahren. Gleichzeitig

ergibt sich über Nacht der Energiebedarf von rund 400 Kilowattstunden pro Fahrzeug. Gemessen an der verfügbaren Standzeit, kommt dies einer durchschnittlichen Ladeleistung von 40 Kilowatt gleich.

E-Lkw auch in Bayern

„Mit der Integration von Photovoltaik und Speichern wird das Depot vom reinen Energieverbraucher zum aktiven Teil des Energiesystems – der Betreiber wird zum Prosumer“, sagt Stefan Richter, CEO von Keba Energy Automation. „Entscheidend ist jedoch, diese Energie so zu steuern, dass sie zum richtigen Zeitpunkt verfügbar ist. Denn am Ende geht es darum, dass missionskritische Flotten zuverlässig einsatzbereit sind – jeden Tag.“

Die Transformation des Freistädter Biervertriebs verläuft mustergültig – und sie scheint Schule zu machen. Auch die Staatsbrauerei Weihenstephan im bayerischen Freising plant den Gerstensaft künftig mit E-Lkw auszuliefern. Die nach Firmenangaben älteste Brauerei der Welt hat bereits ein batteriegestütztes Schnellladesystem in Betrieb genommen.

electricar in der Braucommune: Franziska Pointner, CEO des CDA Verlags, und Key Account Manager Johannes Edl.

HPC LADER IM TEST

Von electricar exklusiv und unabhängig ermittelt: So schneiden die Anbieter für möglichst schnelles und komfortables Stromziehen in Österreich ab.

Mehrere tausend Kilometer in 14 Tagen, neun Bundesländer – Dutzende von Ladesäulen. Der große Praxistest, den die Redaktion von electricar an ausgewählten Schnellladepunkten in Österreich durchführt, ist ambitioniert, umfangreich und herausfordernd. Geprüft und begutachtet werden vergleichsweise neue HPC-Ladepunkte von mehr als 150 Kilowatt Leistung der neun größten Anbieter des Landes. Das Motto lautet: einfach hinfahren, möglichst schnell und komfortabel Strom ziehen – und weiter geht‘s.

Um den zeitlichen Aufwand rund um den Ladevorgang auf ein Minimum zu reduzieren, soll ausschließlich mit Debit- oder Kreditkarte bezahlt werden. Dieser Service, zumindest für neue Ladestationen verpflichtend, hakt jedoch auch im Jahr 2026 noch an der einen oder anderen Stelle. Und: Das Bezahlen zum Ad-hoc-Tarif per Karte ist preisintensiver als die günstigen Spezialkonditionen, die beispielsweise die Ladestromanbieter im Internet oder über ihre Applikationen offerieren.

Der Praxistest belegt, wie groß die Unterschiede in diesem dynamisch wachsenden Segment sind. Obwohl bevorzugt Ladepunkte ausgesucht werden, die erst in diesem oder im vergangenen Jahr ans Netz gegangen sind, offenbaren diese mitunter große Diskrepanzen, bezogen auf Leistung, Lage, Komfort und Service. Auch die mutmaßlich stärkste Ladestation des Landes, der erst im April eröffnete Hub von Electra in Völkermarkt, wird angesteuert. Doch zum Zeitpunkt der Testfahrt sind die Säulen mit Bauzäunen abgesperrt – das Dach wird installiert.

Große Bandbreite

Alle getesteten HPC-Lader liefern zumindest klare Informationen zum Ladestand der Batterie sowie zur Ladezeit und der geladenen Strommenge. Der Gesamtpreis der Ladung ist jedoch keineswegs an jeder Säule klar zu erkennen. Und der Zahlungsbeleg? Offizielle Quittungen können teils mit dem Smartphone vom Bildschirm der Säulen abfotografiert, ausgedruckt oder per E-Mail angefordert werden. Auch die Standorte und die Infrastruktur rund um die Stromstellen unterscheiden sich gravierend.

NEUE TECHNIK IM EINSATZ

Alle für diesen Vergleich relevanten Schnellladungen werden an dem Premiummodell Volvo EX90 in der Variante Fully Electric Single Motor Plus durchgeführt. electricar-Chefredakteur Armin Grasmuck fährt die aktualisierte Version, die über ein höchst modernes 800-Volt-Bordnetz verfügt. Das batteriegetriebene Fahrzeug der Oberklasse verspricht außergewöhnliche Ladeleistungen. Im Praxistest erreicht der EX90 Spitzenwerte von 327 Kilowatt und durchschnittliche Leistungen von bis zu 295 Kilowatt.

Text: Armin Grasmuck
Fotos: electricar

Der norwegische Schnellladeanbieter hat im Mai seinen 100. Standort in Österreich eröffnet. Er ist oft auf Parkplätzen von Schnellrestaurants zu finden, setzt auch auf das neue HYC1000-System des Ladesäulenbauers Alpitronic, das Leistungen von bis zu einem Megawatt bietet. Von electricar getestet wurden u. a. die Mer-Ladestationen in Graz (Foto oben), Lieboch (beide Steiermark) und Sankt Pölten (NÖ, unten).

Der Energiekonzern betreibt aktuell mehr als 230 Schnellladepunkte in Österreich mit Ladeleistungen von bis zu 360 Kilowatt – entlang großer Routen und an Supermärkten. Von electricar getestet wurden u. a. die Shell-RechargeLadestationen in Völkermarkt (Kärnten, Foto links), Ansfelden (Oberösterreich, unten) und Nestelbach (Steiermark).

Der Ladestromanbieter hat ein Netz von europaweit mehr als 700 Stationen mit gut 6000 High-Power-Charging-Punkten. Von electricar getestet wurden u. a. Ionity-Stationen in Flachau (Salzburg, Foto), Amstetten und Sankt Pölten (beide NÖ).

Die Volkswagen- und Porsche-Tochter betreibt in Österreich rund 530 Schnellladepunkte. Von electricar getestet wurden u. a. die Moon-Stationen in Braunau (Oberösterreich, Foto), Bad Aussee (Steiermark) und Leonding (Oberösterreich).

electricar Magazin

Der Energieversorger treibt den Ausbau seines Netzes massiv voran – 350 neue Schnellladepunkte allein 2025. Von electricar getestet wurden u. a. die EVN-Stationen in Amstetten (Foto), Böheimkirchen (beide NÖ) und Mariazell (Steiermark).

Mit mehr als 450 Ladepunkten im eigenen Netz gehört das Innsbrucker Unternehmen zu den größten Anbietern in Österreich – mit HPC-Säulen auch an den Skiliften. Von electricar getestet wurden u. a. die Da-Emobil-Stationen in Fügen (Foto), Kufstein (beide Tirol) und Guntramsdorf (Niederösterreich).

Das Joint Venture betreibt das größte flächendeckende Schnellladenetz des Landes – rund 700 HPC-Punkte an über 100 Standorten. Von electricar getestet wurden u. a. die Smatrics-EnBW-Ladestationen in Suben (OÖ, Foto rechts), Sebersdorf (Steiermark, unten) und Meggenhofen (OÖ).

Der Energiekonzern ist aktuell österreichweit an rund 200 Standorten mit insgesamt etwa 800 Schnellladepunkten zu finden – zumeist an den Hauptrouten und eigenen Tankstellen. Tendenz steigend. Von electricar getestet wurden u. a. die OMV-Ladestationen in Kapfenberg (Steiermark, Foto), Wiener Neudorf und Deutsch-Wagram (beide Niederösterreich).

Der französische Anbieter mit Hauptsitz in Paris ist dabei, sich in Österreich zu etablieren. Aktueller Stand: 26 Standorte mit knapp 200 Schnellladepunkten. Von electricar getestet wurden u.a. die Electra-Ladestationen in Reutte (Tirol, Foto), Villach (Kärnten) und Roßleithen (Oberösterreich).

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LADENETZ: HPC-ANBIETER IM

So wurde getestet

Welche Anbieter im Bereich der Hochleistungsladenetze – im Fachjargon: High Power Charging, kurz HPC – bieten die besten Konditionen in Österreich? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit und der Leistung der einzelnen Ladepunkte aus? Und welcher Ladestromanbieter kann durch attraktive Tarife sowie hohe Ladegeschwindigkeit überzeugen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt unseres großen Vergleichstests „HPC Ladenetz Österreich.“ Geprüft und begutachtet wurden mindestens drei Ladepunkte der neun größten Anbieter für Schnellladesäulen in Österreich.

Anbieter und Ladepunkte

Die Supercharger von Tesla wurden im Ergebnis jedoch nicht berücksichtigt, weil sie nicht an jedem Standort Zahlung per Debit- und Kreditkarte anbieten. Mit dem Testfahrzeug Volvo EX90 wurden mindestens drei Ladepunkte pro Anbieter angefahren und bewertet. Die Ladevorgänge wurden von einem niedrigen Ladestand aus gestartet und bei maximal 75 Prozent beendet. Die Analyse basiert zudem auf Informationen des Ladestellenverzeichnisses der E-Control, einer Initiative des Bundesministeriums für Innovation,

Mobilität und Infrastruktur (ladestellen.at), das als wertvolle Datengrundlage zur Verfügbarkeit und Leistungsbewertung diente. Der Testzeitraum erstreckte sich von 14. bis 27. Mai 2026.

Kategorien und Bewertungskriterien Um umfassende und verlässliche Bewertungen gewährleisten zu können, wurden Kategorien festgelegt. Neben „Durchschnittliche Nennleistung in Kilowatt (kW)“ und „Durchschnittlich gemessene maximale Ladeleistung (kW)“ wurde der „Abfall der Ladeleistung in Prozent (%)“

PRAXISTEST

während des Ladevorgangs gemessen. Die „Anzahl der Ladepunkte“ pro Anbieter und deren Verteilung auf die neun Bundesländer waren von Bedeutung, wie auch die Ad-hoc-Preise pro Kilowattstunde (kWh), die vorhandenen Bezahlmöglichkeiten sowie Komfort und Lage der Ladestationen.

Gewichtung und Bewertung

Die Beurteilungen der Kategorien erfolgten prozentual im Vergleich zum besten Anbieter, der als Referenz die Höchstnote von 100 % erhielt. Die weiteren Anbieter wurden entsprechend abgestuft.

Die Mindestbewertung liegt bei 40 %. Zwischenwerte wurden im Verhältnis zum besten Anbieter entsprechend angepasst. Bei Kostenkategorien wurde die Bewertung entsprechend invers vorgenommen: Der niedrigste Preis erhielt die höchste Bewertung. Dieser Ansatz garantiert, dass die Bewertung vergleichbar bleibt und die Unterschiede zwischen den Anbietern klar hervortreten.

Besonderheiten und Transparenz

Die Kategorien wie „Bewertung Durchschnittliche Nennleistung (kW)“ und „Bewertung Anzahl der Ladepunkte in Österreich“ spiegeln spezifische

Aspekte der Ladeverfügbarkeit und Leistungsstabilität wider, welche aus dem Ladestellenverzeichnis der E-Control entnommen worden sind. Die Testtabellen präsentieren die Gesamtnoten sowie detaillierte Bewertungen in allen Kategorien, somit ist eine transparente und verständliche Übersicht der besten HPC-Ladenetzanbieter in Österreich gewährleistet. Die Redaktion von electricar hat den Test exklusiv und in jeder Sequenz unabhängig konzipiert, durchgeführt und abgeschlossen. Die Werte, die den Testtabellen zu entnehmen sind, bieten somit verlässliche Kennzahlen.

Diesen Test finden Sie auch online auf:

EINFACH STROM ZIEHEN

EWE Go und Hochtief eröffnen einen neuen

Ladepark, der Maßstäbe setzt: Schnell und komfortabel können Elektrofahrzeuge mit frischer Energie versorgt werden.

Text: Armin Grasmuck

Hoch im Norden. EWE Go und Hochtief haben in der niedersächsischen Großstadt Oldenburg einen neuen Schnellladepark eröffnet. In Zahlen ausgedrückt: rund 3000 Meter verlegte Kabel, über 11.000 Kilogramm verbautes Holz und auf mehr als 270 Quadratmetern montierte Solarpanels – für zwölf Schnellladepunkte, aus denen Elektrofahrzeuge einfach und komfortabel den Strom in ihre Batterien ziehen können.

„Mit dem neuen Schnellladepark in Oldenburg ist ein echtes Herzensprojekt realisiert worden“, sagt Christian Friege, Marktvorstand bei der EWE AG. „Nicht nur, weil EWE Go und Hochtief nun auch in der Heimatstadt von EWE und EWE Go zu Hause sind, sondern auch, weil wir damit einen weiteren Schritt für die Verkehrswende und die Klimaneutralität Deutschlands gegangen sind.” Nachhaltigkeit und Klimaschutz für die Region und damit auch Resilienz und größere Unabhängigkeit von krisengeschüttelten Weltmärkten seien für EWE ein besonderes Anliegen. Dafür investiert der Energieversorger in den kommenden Jahren mehr als 16 Milliarden Euro in

LADEEINHEIT ZUR PREMIERE

Der neue Ladepark in Oldenburg bietet zwölf Schnellladepunkte mit Leistungen von bis zu 400 Kilowatt – direkt am Bahnhof Wechloy und in unmittelbarer Nähe zur Autobahn A28.

LADEPARK

FÜR DIE MOBILITÄT VON MORGEN

Zur Premiere in Oldenburg (von links): EWE-Vorstand Christian Friege, Landrätin Karin Harms, Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, Hochtief-Geschäftsführer Piotr Soltyski und Moderatorin Ilka Groenewold.

den Umbau der Energieversorgung – unter anderem in erneuerbare Energien, Netzinfrastruktur, Wasserstoff, Großspeicher, Wärmenetze und natürlich Elektromobilität.

Der neue Ladepark liegt direkt am Bahnhof Oldenburg-Wechloy, neben dem Famila-Einkaufsland und nahe der Autobahn A28. Er bietet den E-Autofahrern Leistungen von bis zu 400 Kilowatt pro Ladepunkt. Viele Fahrzeuge können in weniger als 30 Minuten aufgeladen werden. Der neue Standort ist Teil des von der Bundesregierung initiierten Deutschlandnetzes, für das EWE Go und Hochtief bis Ende 2027 bundesweit rund 850 Schnellladepunkte realisieren werden (siehe Kasten rechts).

Nachhaltiges Konzept

Als attraktiv gilt die Lage, doch der Standort zeichnet sich auch durch sein Gesamtkonzept aus, das in jeder Sequenz nachhaltig

gestaltet ist. Die massive Dachkonstruktion schützt vor Wind und Wetter – und sie erzeugt Strom. Die Fundamente stammen vom niederländischen Familienunternehmen Bosch Beton, einem anerkannten Pionier für nachhaltige Betonproduktion. Das Dach wurde von der RSB Rudolstädter Systembau GmbH aus nachhaltigem Holz und CO₂-reduziertem Beton gefertigt sowie durch in Deutschland produzierte Photovoltaikmodule ergänzt.

Die Ladepunkte sind zudem mit einem intelligenten System zum Energiemanagement von be.storaged ausgestattet. Das Unternehmen gehört ebenfalls zur EWE und sorgt laut Hersteller mit seiner Software Okean dafür, dass die verfügbare Netzleistung am jeweiligen Standort dynamisch und in Echtzeit auf mehrere Ladepunkte verteilt wird. So wird eine Überlastung verhindert und die Energie effizient genutzt.

STARKE PARTNER

EWE Go, der Betreiber von Ladeinfrastruktur, und der Baukonzern Hochtief kooperieren bei der Errichtung von Schnellladeparks. Im Rahmen des Deutschlandnetzes, einer Initiative des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr zur flächendeckenden Ladeinfrastruktur für Elektroautos, erhielten die renommierten Partner Ende 2023 den Auftrag für Finanzierung, Planung, Bau und Betrieb von 850 Schnellladepunkten im Norden und Nordwesten der Republik. Die erste gemeinsame Station wurde im Januar 2025 im ostwestfälischen Lübbecke eröffnet. Alle Ladeparks des Deutschlandnetzes werden barrierearm gebaut und mit 100 Prozent Ökostrom versorgt. Je nach Umfang verfügen sie über vier bis 16 Schnellladepunkte mit jeweils mindestens 200 Kilowatt Ladeleistung. Größere Ladeparks sind zumeist überdacht.

LADEN MIT SYSTEM

Neue Wallbox-Modelle für Heim und Büro verbinden Leistung, PV-Nutzung und volle Konnektivität

MText: Philipp Lumetsberger it dem wachsenden Angebot an Elektroautos rückt auch die passende Ladeinfrastruktur stärker in den Mittelpunkt. Für viele Fahrer entscheidet nicht allein die Reichweite darüber, wie selbstverständlich Elektromobilität im Alltag funktioniert, sondern auch die Frage, wie einfach, sicher und planbar das Fahrzeug geladen werden kann. Wallboxen spielen hier eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen das Laden dort, wo das Auto ohnehin längere Zeit steht: in der eigenen

Garage, auf den Stellplatz vor dem Haus, in die Tiefgarage oder auf den Parkplatz am Arbeitsplatz. Dadurch wird der Ladevorgang weniger zu einem zusätzlichen Termin und stärker zu einem festen Bestandteil des Tagesablaufs.

Gegenüber der Haushaltssteckdose bieten Wallboxen mehr Sicherheit, Komfort und Leistung. Sie sind für hohe Ströme ausgelegt, überwachen den Ladevorgang und ermöglichen Ladeleistungen, die das Aufladen über Nacht oder während der Arbeitszeit abdecken. Gleichzeitig hat sich die Technik weiterentwickelt. Moderne Geräte sind nicht mehr nur robuste

Stromlieferanten, sondern vernetzte Schnittstellen zwischen Fahrzeug, Gebäude, Energieversorgung und Nutzer. Entscheidend ist daher keineswegs nur, wie schnell geladen werden kann, sondern auch, wie intelligent die Energie eingesetzt wird.

Intelligente Steuerung der Leistung

Ein wichtiger Baustein ist das dynamische Lastmanagement. Es sorgt dafür, dass die Anschlussleistung eines Hauses oder Betriebs nicht überschritten wird, wenn mehrere Verbraucher gleichzeitig aktiv sind. Läuft die Wärmepumpe, wird gekocht oder laden

mehrere Fahrzeuge parallel, kann die Wallbox die Ladeleistung automatisch anpassen. Das verhindert Überlastungen und macht den Betrieb auch dort möglich, wo nicht unbegrenzt Netzkapazität vorhanden ist. Gerade in Mehrparteienhäusern, auf Firmenparkplätzen oder bei Flotten ist diese Steuerung wichtig. Zusätzliche Bedeutung gewinnt die Einbindung von Photovoltaikanlagen. Wer eigenen Solarstrom erzeugt, möchte ihn möglichst direkt nutzen und nicht nur ins Netz einspeisen. Viele aktuelle Wallboxen unterstützen deshalb PV-optimiertes Laden. Sie erkennen, wann überschüssige Energie vom Dach verfügbar ist, und regulieren den Ladevorgang entsprechend. So steigt der Eigenverbrauch, während

PV-optimiertes Laden für effizienten Verbrauch wird von vielen

Modellen unterstützt.

die Stromkosten sinken können. In Verbindung mit Batteriespeichern oder variablen Stromtarifen entstehen weitere Möglichkeiten, Ladevorgänge effizienter zu planen. Die Wallbox wird damit zu einem aktiven Bestandteil des Energiesystems.

Mehr Anforderungen, mehr Auswahl

Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Einsatzort. Im Einfamilienhaus stehen einfache Bedienung, Solarstromnutzung und Design im Vordergrund. Am Arbeitsplatz geht es stärker um mehrere Nutzer, belastbare Hardware, Lastverteilung und Abrechnung. In Wohnanlagen müssen Lösungen möglichst erweiterbar sein, ohne die elektrische Infrastruktur zu überfordern. Hinzu kommen Fragen nach Konnektivität, Updatefähigkeit und Datenschutz.

Vor diesem Hintergrund ist die Auswahl größer und vielfältiger geworden. Manche Wallboxen setzen auf kompakte Bauweise, andere auf hohe Vernetzung, App-Funktionen oder eine flexible Installation. Für Nutzer bedeutet das mehr Möglichkeiten, aber auch einen höheren Informationsbedarf. Denn die passende Lösung hängt nicht allein vom Fahrzeug ab, sondern vor allem vom Standort, vom Stromanschluss und vom Nutzungsverhalten. In diesem Beitrag stellen wir acht aktuelle Wallboxen unterschiedlicher Hersteller vor und zeigen, welche Schwerpunkte moderne Ladelösungen setzen.

ZAPTEC

GO-E

Die Zaptec Go 2 ist eine kompakte ACWallbox für den privaten Ladeplatz und lädt Elektroautos mit bis zu 22 kW. Der integrierte MID-zertifizierte Energiezähler erfasst den Stromverbrauch nachvollziehbar, ein Display zeigt die Werte direkt am Gerät. Für Haushalte mit Photovoltaikanlage unterstützt die Wallbox solaroptimiertes Laden und schaltet automatisch zwischen ein- und dreiphasigem Betrieb um. So lassen sich auch kleinere Überschüsse besser nutzen. Die Online-Anbindung erfolgt über WLAN oder 4G, Updates können aus der Ferne eingespielt werden. Zudem ist die Zaptec Go 2 auf bidirektionales Laden nach ISO 15118-20 vorbereitet, sobald Fahrzeug, Netz und Rahmenbedingungen dies unterstützen.

TECHNISCHE DATEN

Preis: € 779,-

Abmessungen

178 x 239 x 73 mm

Gewicht 1,6 kg

Nennstrom 32 A

Fahrzeugladestecker Typ-2

Maximale Ladeleistung 22 kW

Besonderheiten

- IP54-Zertifizierung - integrierter Energiezähler - Überspannungsschutz

Link zum Hersteller bit.ly/ec-zaptecgo2

Der go-e Charger Gemini flex 2.0 11 kW ist eine mobile Wallbox, die an einer 16-ASteckdose betrieben und bei Bedarf in einer Wandhalterung fixiert werden kann. Die Ladeleistung lässt sich direkt am Gerät oder per App einstellen. Über WLAN und integrierte Mobilfunkanbindung sind Fernzugriff, Updates und Diagnosen möglich. RFIDZugangskontrolle, Energieerfassung und Lastmanagement unterstützen den Einsatz durch mehrere Nutzer. In Kombination mit dem go-e Controller lässt sich die Wallbox zudem in Photovoltaikanlagen einbinden, sodass überschüssiger Solarstrom gezielt für das Laden genutzt werden kann.

TECHNISCHE DATEN

Preis: € 819,-

Abmessungen 155 x 260 x 110 mm

Gewicht ca. 1,63 kg

Nennstrom 16 A, 32 A

Fahrzeugladestecker Typ-2

Maximale Ladeleistung 11 kW

Besonderheiten

- RFID- oder App-Zugangskontrolle - IP65-Zertifizierung

- Ladeleistung per Knopfdruck einstellbar

Link zum Hersteller https://bit.ly/ec-geminiflex2

779,€ 819,-

FRONIUS

Wattpilot Home 11 J

Die Fronius Wattpilot Home 11 J ist eine fest installierte Wallbox für die private Nutzung und bietet eine Ladeleistung von bis zu 11 kW. Im Zusammenspiel mit einer Photovoltaikanlage kann vorhandener Solarstrom direkt für das Laden des Elektroautos genutzt werden. Die Steuerung erfolgt über verschiedene Lademodi, darunter ein Modus für möglichst niedrige Stromkosten und ein Modus für das Laden mit PV-Überschuss. Über die dazugehörige App lassen sich Ladevorgänge einstellen und überwachen. Die Wallbox unterstützt zudem eine automatische Umschaltung zwischen ein- und dreiphasigem Laden und kann dadurch auch kleinere Solarüberschüsse zum Laden nutzen. Die Freigabe und Zuordnung der jeweiligen Ladevorgänge erfolgt per RFID.

KEBA

Für Ladepunkte zu Hause, in Betrieben oder auf halböffentlichen Stellflächen bietet Keba mit der KeContact P40 Pro eine vernetzte AC-Ladelösung an. Ladeleistungen von bis zu 22 kW sind damit möglich. Die Anbindung erfolgt über Ethernet, WLAN, Bluetooth und optional Mobilfunk. Für die Freigabe einzelner Ladevorgänge kann die RFID-Zugangskontrolle genutzt werden, zudem gibt es Varianten mit eichrechtskonformer Verbrauchserfassung. Die Pro-Version ist zudem für die Einbindung in Abrechnungssysteme vorbereitet und unterstützt Funktionen wie automatisches Authentifizieren am Ladepunkt sowie künftiges bidirektionales Laden. Außerdem vereinfacht der Aufbau der Ladestation Wartung und Service vor Ort.

TECHNISCHE DATEN

Preis: € 776,-

Abmessungen

155 x 287 x 109 mm

Gewicht 1,85 kg

Nennstrom (konfigurierbar) 6 bis 16 A

Fahrzeugladestecker Typ-2

Maximale Ladeleistung 11 kW

Besonderheiten - dynamische PV-Überschussladung - IP65-Zertifizierung - per App bedienbar

Link zum Hersteller bit.ly/ec-wattpilothome

TECHNISCHE DATEN

Preis: € 1.759,-

Abmessungen

476 x 221 x 142 mm

Gewicht 6,2 kg

Nennstrom 16 A, 32 A

Fahrzeugladestecker Typ-2

Maximale Ladeleistung 22 kW

Besonderheiten

- IP54-Zertifizierung - integrierter Energiezähler - PV-optimiertes Laden

Link zum Hersteller bit.ly/ec-p40pro

HUAWEI

SCharger-22KT-S0

Mit der Wallbox SCharger-22KT-S0 bietet Huawei eine dreiphasige Wallbox für private Haushalte an. Das Gerät lädt Elektroautos mit bis zu 22 kW und ist mit einer Typ-2-Steckdose ausgestattet, die sich per App verriegeln lässt. Die Freigabe von Ladevorgängen erfolgt wahlweise per App, Bluetooth oder RFID-Karte. Über WLAN oder Ethernet kann die Wallbox in das Heimnetz eingebunden und aus der Ferne überwacht werden. Neben normalem und zeitgesteuertem Laden unterstützt sie einen Modus, der bevorzugt Solarstrom aus einer Photovoltaikanlage nutzt. Schutzfunktionen gegen Fehlerströme, Überstrom, Übertemperatur und Überspannung sind integriert. Sie kann sowohl im Innen- als auch im Außenbereich montiert und genutzt werden.

TECHNISCHE DATEN

Preis: € 449,-

Abmessungen

335 x 180 x 145 mm

Gewicht 3,1 kg

Nennstrom (konfigurierbar) 6 bis 32 A

Fahrzeugladestecker Typ-2

Maximale Ladeleistung 22 kW

Besonderheiten

- Übertemperaturschutz

- Überspannungsschutz

- RFID-Zugangskontrolle

Link zum Hersteller bit.ly/ec-scharger

MENNEKES AMTRON 4Business 710 22 C2

Die Mennekes Amtron 4Business 710 22 C2 ist für das Laden auf Firmenparkplätzen, in Betrieben oder halböffentlichen Bereichen konzipiert und stellt bis zu 22 kW Ladeleistung bereit. Das fest angeschlossene Typ-2-Ladekabel ist 7,5 Meter lang, eine Halterung am Gehäuse erleichtert das ordentliche Verstauen nach dem Laden. Der MID-konforme Energiezähler erfasst den Stromverbrauch, die Freigabe des Ladevorgangs kann per RFID-Karte erfolgen. Per LAN oder WLAN lässt sich die Wallbox in Lade- und Abrechnungssysteme einbinden.

Fernüberwachung, Abrechnung, Lastmanagement und Solarladen sind möglich, sofern die dafür erforderlichen Zähler oder Energiemanagementsysteme vorhanden sind.

ELLI Charger Connect 2

Der Elli Charger Connect 2 ist eine Wallbox für den privaten Ladeplatz und kann je nach Ausführung mit 11 oder 22 kW laden. Beim fest angeschlossenen Typ-2-Kabel stehen Varianten mit 4,5 oder 7,5 Metern Länge zur Wahl. Die Lade-Freigabe erfolgt per RFID-Karte, zusätzlich lässt sich das Gerät über die Elli Charging App steuern und überwachen. Per LAN oder WLAN wird die Wallbox online angebunden, wodurch Fernzugriff, Softwareupdates und die Anzeige einzelner Ladevorgänge möglich sind. Für Haushalte mit Photovoltaikanlage unterstützt sie PV-Überschussladen, SolarPrognose-Laden und dynamische Phasenumschaltung. Außerdem lässt sich die Ladeleistung an die verfügbare Stromkapazität im Gebäude anpassen.

TECHNISCHE DATEN

Preis: € 1.189,-

Abmessungen

402 x 226 x 168 mm

Gewicht 6,8 kg

Nennstrom 32 A

Fahrzeugladestecker Typ-2

Maximale Ladeleistung 22 kW

Besonderheiten

- MID-konformer Stromzähler - LED-Statusanzeige - Dynamisches Lastmanagement

Link zum Hersteller bit.ly/ec-4business710

TECHNISCHE DATEN

Preis: ab € 759,-

Abmessungen

372 x 260 x 116 mm

Gewicht k.A.

Nennstrom (konfigurierbar) 6 bis 16 A bzw. 6 bis 32 A

Fahrzeugladestecker Typ-2

Maximale Ladeleistung (konfigurierbar) 11 bzw. 22 kW

Besonderheiten - Überlastschutz - integrierter Energiezähler - PV-Überschuss-Laden

Link zum Hersteller bit.ly/ec-chargerconnect2

Für Ladepunkte zu Hause, in Wohnanlagen, Bürogebäuden oder an Firmenstandorten bietet ABB die Terra AC Wallbox an. Sie versorgt Elektroautos mit einer Ladeleistung von bis zu 22 kW mit frischer Energie und ist mit Typ-2-Steckdose oder festem Ladekabel erhältlich. Die Freigabe kann per RFID-Karte oder App erfolgen. Über WLAN, LAN und optional auch Mobilfunk lässt sich die Wallbox vernetzen und aus der Ferne verwalten. Jene Varianten mit MID- oder eichrechtskonformem Energiezähler ermöglichen eine nachvollziehbare Verbrauchserfassung. Integrierte Schutzfunktionen erkennen Fehlerströme und Überlastungen und erhöhen so die Sicherheit. Bei mehreren Ladepunkten kann die verfügbare Leistung verteilt und an die aktuelle Auslastung angepasst werden.

TECHNISCHE DATEN

Preis: ab € 799,-

Abmessungen 320 x 195 x 110 mm

Gewicht k.A.

Nennstrom 32 A

Fahrzeugladestecker Typ-2

Maximale Ladeleistung 22 kW

Besonderheiten

- DC-Fehlerstromerkennung

- Schutz vor Über- und Unterspannung

- integrierter Energiezähler

Link zum Hersteller bit.ly/ec-terraac

Special Edition: electricarChefredakteur Armin Grasmuck mit der Keba KeContact P40, die er selbst zusammengebaut hat.

KRASS

AM KASTEN

Text: Armin Grasmuck

In

der Produktion einer Wallbox aus dem Premiumsegment stecken hochwertige Bauteile, Präzision und jede

EMenge positive Energie.

in schnödes Kästchen? An der Wand angebracht, mit Kabel, damit das Elektroauto geladen werden kann? Eine Wallbox des Jahres 2026 ist viel mehr – und sie bietet viel mehr. Zumindest das Modell aus dem Premiumsegment.

Ortstermin bei der Keba Group AG, Reindlstraße 51 in Linz, nur wenige Schritte von der Donau entfernt. Es ist die Zentrale des international agierenden Technologieunternehmens, das seit fast 60 Jahren durch innovative Lösungen für die Automation von Industrie, Banken, Dienstleis-

tungen sowie im Energiebereich bekannt ist – und für seine Wallboxen.

Gefertigt in Österreich

Made in Austria – mit diesem Gütesiegel sollen der gehobene Standard und die erstklassige Qualität der Wandlader von Keba hervorgehoben werden. Tatsächlich sind die Modelle wie die neue KeContact P40 in Linz gefertigt. Wer die Möglichkeit hat, sich intensiver mit der Produktion zu beschäftigen, erkennt schnell: Es ist ein beeindruckendes Zusammenspiel von perfekt automatisierten Sequenzen, moderner Technik und mitunter filigraner Handarbeit. Teil für Teil, Schritt für Schritt,

Sieht einfach aus, erfordert höchste Konzentration: das Fixieren der modularen Steuerplatine, im Fachjargon Mainboard, mit dem Akkuschrauber.

nachvollziehbar, dokumentiert und in jeder Phase auch akkurat kontrolliert.

„Als Hersteller von Wallboxen hat sich Keba dank hoher Qualität made in Austria, einfacher Bedienbarkeit für die Installateurbetriebe und Anwender, offener Schnittstellen und der umfangreichen Servicestellen einen Namen gemacht“, sagt Stefan Richter, CEO von Keba Energy Automation: „Wir können heute Ladelösungen von vier bis 480 Kilowatt anbieten.“ Der Hersteller stuft seine Produkte zudem als CO2-optimiert ein, was dem Ziel von null Emissionen in der E-Mobilität entspricht.

KI unterstützt

Mit welcher Stringenz die Produktion der Wallboxen vollzogen wird, ist auch in der Elektronikfertigung zu sehen, die neben Forschung und Entwicklung in einem eigenen Bereich am Hauptsitz der Keba Group angesiedelt ist. In den weiten Räumen werden vor allem Steuerungen und Bedienkonzepte für komplexe Systeme der Automatisierung realisiert – darunter das Herzstück der Wallbox, dieses Mainboard, wie die modulare Steuerplatine der Wallbox im Fachjargon genannt wird.

Zusammengebaut werden die Wandlader gut drei Kilometer weiter, am KebaStandort in der Linzer Industriezeile. Es ist ein Musterbeispiel der modernen Werkhalle. Großzügig, sauber, intelligent strukturiert. Die eigentliche Produktion wird über spezielle Software vom Computer aus gesteuert. Effizient wie praktisch lautet das Prinzip: Der Rechner sagt, was und wie zu tun ist. Griffbereit liegen die Einzelteile und das benötigte Werkzeug bereit. Gehäuse, Schrauben, Akkuschrauber. Die Fachkraft aus Fleisch und Blut sorgt dafür, dass der Arbeitsschritt entsprechend ausgeführt wird. Alles klar?! Die von künstlicher Intelligenz unterstützte Software prüft schließlich, ob das Ergebnis den hohen Ansprüchen des Unternehmens genügt.

Tech-Paket als Extra Höchst beeindruckend ist, wie speziell sich manche Sequenz darstellt. Da wird das vermeintlich einfache Anbringen des für jede Wallbox individuell angefertigten Aufklebers mit Typ und Seriennummer

Handarbeit 2.0: Jede Bauphase wird vom Computer vorgegeben und von künstlich intelligenten Assistenten überwacht.

zur herausfordernden Fingerarbeit. Ein Millimeter zu weit rechts – Fehlproduktion. Aufkleber abziehen, noch einmal ausdrucken und noch einmal aufkleben.

Der Unterschied zwischen hoher und höchster Qualität liegt auch hier im Detail. Nur wenn die Hauptkomponenten der Wallbox – etwa die Typ-2-Steckdose, der integrierte Energiezähler, der wichtige FI-Schutzschalter, das WLAN-Modul, die LED-Statusanzeige oder das sechs Meter lange Ladekabel – perfekt integriert sind, geht der Wandlader in den Handel. Und nur wenn das Typenschild richtig aufgeklebt ist.

In der Elektronikproduktion: Stefan Richter (links), CEO von Keba Energy Automation und Projektmanager Stefan Zeitlinger (rechts) mit Chefredakteur Grasmuck.

SMART UND MODERN

Die Wallbox KeContact P40 ist das Topmodell des renommierten Produzenten Keba. Laut Hersteller ist dieser moderne und intelligente Wandlader speziell für den Einsatz im privaten wie im halböffentlichen Bereich geeignet. Er wird in den Farben Weiß oder Schwarz ausgeliefert. Die P40 ist das Nachfolgemodell der erfolgreichen KeContact P30, die mehr als 500.000 verkauft wurde. Sie kann schnell und einfach über Bluetooth und die E-Mobility-App von 0 installiert werden, bietet Ladeleistungen von bis zu 22 Kilowatt. Auch LAN und WLAN unterstützt die Wallbox, sie kann auch mit einem 4G-Modem genutzt werden. Die Variante P40 Pro bietet ein integriertes LTE-Modul, den präzisen Stromzähler, Plug-and-Charge und bidirektionales Laden. Beide Modelle gibt es auch als Socket-Edition mit Typ-2-Buchse. Preis der P40 in der Basisversion: ab 969 Euro.

Fotos: Keba

VISION STROMSTELLE

Einfach,

komfortabel

und

transparent:

Die Ladestationen der Zukunft sollen mehr als nur frische Energie bieten.

Text: Armin Grasmuck

Gediegener Komfort, fortschrittliche Technologie und nachhaltige Energie. So lauten die Attribute, mit denen die Ladeparks für batteriegetriebene Fahrzeuge in Zukunft umrissen sein werden. In dieser Phase, da sich die Elektromobilität in der breiten Mitte der Gesellschaft etabliert, geht es darum, die Stromstellen von morgen entsprechend ganzheitlich zu konzipieren. Es gilt, Konzepte zu entwerfen, in denen das Laden einer von mehreren relevanten Punkten ist.

Das Auge lädt mit. Selbstverständlich spielt – egal ob auf beruflichen oder privaten Touren – auch bei der Wahl des Ladeparks der erste Eindruck eine entscheidende Rolle: sauber, frisch, möglichst großzügig, was die Zufahrt und den Ladeplatz betrifft, sowie barrierefrei. Die herausragenden

Stromtankstellen der Zukunft sorgen zudem stilistisch architektonisch für positive Energie.

Stärker, schneller, kürzer: Höchst moderne Ladetechnologie wird bereits in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass die E-Autos den Strom einfacher und effizienter in die Akkus ziehen können. Das HighPower-Charging mit Ladeleistungen von mehreren Hundert und sogar mehr als 1000 Kilowatt wird zur Normalität. Fahrer, die es besonders eilig haben, können die Ladezeit auf ein Minimum von wenigen Minuten reduzieren. Fortschrittliche Elemente wie das induktive Laden, automatisiertes Management des Kabels oder Click-and-charge, wie das einfache Ein- und Ausstecken mit automatischer Abrechnung über die Kreditkarte bezeichnet wird, machen das Laden komfortabler.

Der Bedarf an Ladestrom steigt mit dem Aufschwung der E-Mobilität. Folglich sind die Anbieter des Ladestroms und die Netzbetreiber aufgefordert, die

electricar Magazin

STROMSTELLE

Stromstellen mit moderner Software auszustatten, die intelligentes und effizientes Management der Energie ermöglicht. Über diese Systeme wird der Strom bedarfsgerecht koordiniert und verteilt. Im Idealfall fließt auch lokal erzeugter Strom aus Solar-, Wasser- oder Windkraft in die Säulen, der die CO2Bilanz entsprechend verbessert.

Laden, wo es passt. Es ist bereits heute zu vernehmen, dass viele Schnellladesäulen an Orten des öffentlichen Lebens – im Fachjargon: multifunktionale Einrichtungen – installiert werden. Die Ladepunkte stehen vermehrt auf Stellflächen oder in Parkhäusern in nächster Nähe zu Einkaufszentren, Restaurants oder Sportstätten. Manche bieten außerdem attraktive Lounges mit WLAN und smarten Shops, in denen es Getränke und frisch zubereitete Snacks gegen Kreditkarte gibt. Das Laden des Autos kann auf diese Weise einfach und komfortabel in den Alltag des Fahrers integriert werden. Digital und künstlich intelligent: Es liegt auf der Hand, dass der Ladepark der Zukunft in Echtzeit angesteuert werden kann. Über speziell entwickelte Applikationen im Smartphone ist leicht zu erkennen, welche Vorzüge der jeweilige Standort bietet, ob und zu welchen Konditionen die Ladepunkte verfügbar sind. Stromziehen per Fingerwisch – einfach, transparent und in jeder Sequenz professionell.

Neue Welt der Mobilität

In Deutschland gibt es bereits einige Ladeparks, die optisch und inhaltlich futuristisch gestaltet sind und das Stromziehen in weiter gefasste Gesamtkonzepte integriert haben: Aral Pulse (Foto) im Mönchengladbacher Nordpark, EnBW am Kamener Kreuz und in Lichtenau bei Chemnitz (siehe Seite 97) sowie Sortimo am Innovationspark Zusmarshausen, 30 Kilometer westlich von Augsburg direkt an der Autobahn A8. Noch etwas weiter Richtung Stuttgart, in Merklingen (BadenWürttemberg), hat sich der gesamte Ort der Mobilität von morgen verschrieben. In dieser 2200-Einwohner-Gemeinde gibt es rund 70 Schnelllader nahe der Autobahn und am Bahnhof 259 (!) Ladepunkte mit der Leistung von je elf Kilowatt.

Fotos: KI (Midjourney), electricar

Faktor Premium: Energie exklusiv

Autohersteller der gehobenen Klasse, wie Mercedes (Foto), Porsche oder Audi, sind dabei, Premiumladeparks entlang der großen Routen zu etablieren. Das durchdachte Design, etwa mit charakteristischen Markenelementen wie dem Chromstern von Mercedes, Plug-and-charge sowie generell barrierefreie und großzügig konzipierte Parkflächen geben dem Zwischenstopp die exklusive

Note. „Wir bringen Innovation, Zuverlässigkeit und höchsten Komfort beim Reise- und Ladeerlebnis an den zentralen Hauptverkehrsknotenpunkten zusammen: erstklassige Lade- und Gastronomieinfrastruktur, die optimal auf die Bedürfnisse unserer E-Mobilitätskundinnen und -kunden abgestimmt ist“, sagt Michael Springmann, CEO High Power Charging Europe bei Mercedes.

Logistik: Partner im Schwerverkehr

Flash Charging: Akku voll in fünf Minuten

BYD bringt gerade die neue Ladetechnologie Flash Charging nach Europa, die Elektroautos mit bis zu 1500 Kilowatt versorgen soll. In nur fünf Minuten können die Batterien der Fahrzeuge auf 70 Prozent gefüllt werden. Der Ladevorgang von zehn auf 90 Prozent dauert laut Hersteller lediglich neun Minuten – selbst bei extremen Außentemperaturen von minus 30 Grad. Dieser rekordverdächtige Akt des Stromziehens erfordert selbstverständlich ein optimal abgestimmtes Gesamtsystem aus Ladesäule und Fahrzeug. Das heißt: 1000-Volt-Architektur, Blade-Batterie 2.0 und flüssigkeitsgekühlte Kabel. Als erstes Modell wird der Z9GT von der luxuriösen Tochtermarke Denza das Flash Charging in Europa ermöglichen.

Zeit ist Geld – speziell in der Logistik. Um auch dem Anspruch der umweltfreundlichen Belieferung durch batteriegetriebene Lkw gerecht werden zu können, kooperiert die Supermarktkette Kaufland künftig mit Milence, dem Betreiber von Ladestationen. In unmittelbarer Nähe des Verteilerzentrums von Kaufland in Barsinghausen, 25 Kilometer westlich von Hannover, wird gerade ein neuer Ladepark fertiggestellt. Elektro-Lkw können künftig an den vier 400 Kilowatt starken Säulen der Milence-Station den Strom ziehen. Laut Kaufland ist geplant, die Ladekapazität in Zukunft zu erhöhen. Zeitgleich mit der E-Ladestation im Verteilerzentrum werden sechs weitere E-Lkw für die Kaufland-Logistik zum Einsatz kommen. Die neuen Stromstellen ermöglichen den verstärkten Einsatz von batteriegetriebenen Lastern mit größerer Reichweite, so können weiter entfernte Filialen in Norddeutschland von Barsinghausen aus beliefert werden.

Verteiler: Effizienz und Flexibilität mit System

MS-Tankstelle – so heißt das Zukunftsprojekt, an dem die Experten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE zusammen mit renommierten Industriepartnern arbeiten. Es geht um eine Mittelspannungssystemtechnik, die Spitzenlasten von bis zu 3,5 Megawatt an Schnellladestationen ermöglicht. Durch den Einsatz innovativer Siliziumkarbidhalbleiter und die Anhebung des Spannungsniveaus sollen der Materialeinsatz und die Kosten für diese leistungsstarken Ladesäulen nachhaltig reduziert werden können. Die großen Vorteile des neu entwickelten Systems: Effizienz und Flexibilität. Es lässt sich problemlos an die Größe des jeweiligen Ladeparks anpassen, kann verschiedenste Fahrzeugtypen mit Energie versorgen.

Next Level: Nachhaltig

komplett

Der Prototyp des Schnellladeparks der Zukunft ist bereits in Lichtenau bei Chemnitz am Netz. „Next Level“, so nennt es EnBW, mit mehr als 8000 Ultraschnellladepunkten und einem Anteil von mehr als 30 Prozent der Marktführer bei Schnellladevorgängen in Deutschland. Next Level, die nächste Ebene, bedeutet bezogen auf das Stromziehen: Das Unternehmen plant Nachhaltigkeit von der Konstruktion bis zum Betrieb des Standorts in drei Dimensionen mit ein – ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich. In Chemnitz wird zum Beispiel neben dem Holzdach mit Photovoltaikanlage unter anderem auch die Umgebung großflächig begrünt. 24 Schnellladepunkte stehen den Autofahrern bereit. Jeder mit der Leistung von bis zu 400 Kilowatt. Autos, die mit der entsprechend leistungsstarken Ladetechnik ausgestattet sind, können innerhalb von 15 Minuten bis zu 400 Kilometer in ihre Batterien ziehen.

In Peking auf der Bühne: Audi-CEO Gernot Döllner präsentiert den E7X, einen neuen SUV, den das chinesische Schwesterunternehmen speziell für den heimischen Markt konzipiert hat.

Foto: EnBW
Foto: Fraunhofer Institut

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