

Zukunft zwischen Reis und Pak-Choi
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Liebe Leserin, lieber Leser

«Lassen Sie uns Sorge tragen, dass sich die Welt in die richtige Richtung dreht.»
Wir sagen Ja: Ja zu einer Welt ohne Armut. Wir wollen Armut in der Schweiz und weltweit überwinden. Armutsbekämpfung war seit jeher das Kernanliegen der Caritas – schon bei ihrer Gründung 1901. Und es gilt mehr denn je heute, wo wir auf ein Jahr zurückschauen, das vielerorts auf der Welt grosse Turbulenzen und Verunsicherung mit sich brachte. Vielleicht teilen Sie meinen Eindruck: Im Jahr 2025 hat sich die Erde nicht nur gedreht. Sondern manchmal schien sie sich rückwärts zu drehen. Denken wir an die Kriegswirren, etwa im Nahen Osten, in der Ukraine und im Sudan. Beobachten wir den Zulauf, den autokratische Bewegungen haben – nicht nur weit weg, sondern auch in Europa. Bedenken wir, wie reiche Staaten inklusive der Schweiz die Gelder für weltweite Solidarität gekürzt haben.
Umso entschiedener laden wir Sie ein, mutig und mit einer klaren Vision ins neue Jahr zu schreiten: 2026 feiern wir das 125-jährige Bestehen von Caritas Schweiz. Wir nehmen diesen Meilenstein zum Anlass, uns ein neues Leitbild und eine neue Strategie zu geben. Im Zentrum unseres Tuns steht die Überwindung von Armut in der Schweiz und weltweit. Darüber hinaus sagen wir Ja zu Chancengleichheit für alle: Alle Menschen sollen Zugang haben zu Nahrung, Unterkunft und Bildung. Und alle Menschen sollen ein Einkommen erzielen, das ihre Existenz sichert. Das ist die Vision von Caritas Schweiz. Nur so können wir alle auch angemessen Sorge tragen, dass die Welt nicht weiter aus den Fugen gerät – und dass sie sich in die richtige Richtung dreht.
Liebe Leserin, lieber Leser, machen Sie sich auf den nächsten Seiten ein Bild, wie die Caritas diese Ziele verfolgt: in Blatten, im Nahen Osten. Im kambodschanischen Gemüse-Garten, auf der Rechtsberatungsstelle. Dank Ihrer treuen Unterstützung können wir dort überall tatkräftig Wirkung entfalten. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich.
Ich wünsche Ihnen einen friedlichen Jahresausklang, besinnliche Weihnachten und viele bestärkende Erfahrungen und Begegnungen im neuen Jahr.
Ihr Peter Lack
Direktor Caritas Schweiz
In Kambodscha packen alle mit an
Kleinbauernfamilien, Unternehmen, Staat und Kooperativen arbeiten in Kambodscha Hand in Hand an einer zukunftsfähigen Landwirtschaft. In vier Provinzen an der Grenze zu Thailand bringt Caritas Schweiz die verschiedenen Akteure zusammen, um das verfügbare Wasser fair zu verteilen, Reis und Gemüse ertragreich anzubauen und ökologische Verfahren zu fördern. Seite 6

5 Menschen: Durchhalten im Nahen Osten

Der Krieg hat viele Gesichter: Drei Stimmen aus Gaza, Syrien und dem Libanon.
11 Am Puls: Schalotten-Ernte dank Widerstandskraft

Ein Caritas-Programm in Mali fördert die Ernte, aber auch den sozialen Zusammenhalt.
13 Blatten: Ringen um Perspektiven

Auf den Bergsturz folgt tatkräftige Hilfe. Laut Bewohnerin Sarah Ebener «von überall».
IMPRESSUM
Das Magazin von Caritas Schweiz erscheint sechsmal im Jahr. Herausgeberin ist Caritas Schweiz, Kommunikation und Fundraising, Adligenswilerstr. 15, Postfach, 6002 Luzern, E-Mail: info@caritas.ch, www.caritas.ch, Tel. +41 41 419 24 19
Redaktion: Bettina Schucan-Birkhäuser (bs); Livia Leykauf (ll); Daria Jenni (dj); Niels Jost (nj); Vérène Morisod Simonazzi (vm); Fabrice Boulé (fb); Tamara Bütler (tb); Stefan Gribi (sg); Lena Baumann (lb); Isabelle Müller (im); Patrick Bisch (pb). Das Abonnement kostet fünf Franken pro Jahr und wird einmalig von Ihrer Spende abgezogen. Grafik: Urban Fischer Titelbild: Nicolas Honoré Druckerei: Kyburz, Dielsdorf Papier: 100 % Recycling Spendenkonto: IBAN CH69 0900 0000 6000 7000 4 Nachhaltig produziert. Ihre Daten werden bei uns geschützt. Informationen zum Datenschutz von Caritas Schweiz finden Sie unter www.caritas.ch/datenschutz
Armut in der Schweiz: Blickwinkel aus
Politik, Wissenschaft und Kultur
Wo steht die Schweiz bezüglich Armut? Zu ihrem 125-Jahr-Jubiläum greift die Caritas diese brennende Frage im neuen Sozialalmanach 2026 auf. Auch am Caritas-Forum steht Armutspolitik im Fokus, mit Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider als Rednerin.

Auch Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider ist dabei, wenn die Caritas im Januar zu einer Standortbestimmung zur Armut in der Schweiz einlädt.
Konsequente Armutspolitik fristet in der Schweiz ein Schattendasein. Es dominieren Sparzwänge und sozialpolitische Grabenkämpfe. Die Anzahl Menschen in prekären finanziellen Verhältnissen hat in den vergangenen zehn Jahren zugenommen. Dabei orientiert sich die Armutsgrenze an einem sehr tiefen Existenzminimum –Ausgaben für soziale Teilhabe umfasst es nicht. Familien geraten durch stetig steigende Wohnkosten und Krankenkassenprämien immer stärker ans Limit. Viel zu viele Kinder sind von Armut betroffen. Ihr 125-jähriges Bestehen nimmt Caritas Schweiz zum Anlass, nach dem Zustand der sozialen Schweiz zu fragen. Und Lösungen zu finden. Welche Rolle soll der Bund dabei einnehmen? Dazu wird Bundesrätin Elisabeth BaumeSchneider nach ihrem Referat dem Publikum persönlich Rede und Antwort stehen. Die Tagung vom 30. Januar 2026 in Bern bietet überdies Einblicke in das neue Armutsmonitoring des Bundes, neuste Erkenntnisse aus den Hochschulen und die Sicht der Caritas auf die Entwicklun-
gen im sozialen Bereich. Angesichts der Herausforderungen ist gezieltes Handeln gefragt.
Das seit 1998 erscheinende Jahrbuch Sozialalmanach präsentiert in der Jubiläumsausgabe eine Auslegeordnung. Im Zentrum stehen Armut und Armutsbekämpfung – heute und in Zukunft. Gut verständliche Fachbeiträge beleuchten Kinderarmut, das Reform-Modell der allgemeinen Erwerbsversicherung oder Prekarität in Bergregionen. Bereichert wird der Band durch literarische und politische Texte. Autorinnen und Autoren wie Catherine Lovey, Yari Bernasconi und Migmar Dolma treffen dabei unter anderem auf die Politikerinnen Mandy Abou Shoak und Patricia von Falkenstein. Auch Menschen, die Armut aus persönlicher Erfahrung kennen, kommen zu Wort. Vielschichtige Perspektiven auf das Phänomen der Armut in einem reichen Land sind garantiert. (sg)

Bestellung Sozialalmanach 2026 shop.caritas.ch
Medienecho
Blick | Caritas erwartet Schock für ärmere Leute | 23.9.2025 «‹Die Gesundheitskosten sind in fast jedem Beratungsgespräch ein zentrales Thema›, bestätigt Aline Masé (39) (…) Bei den ärmeren Haushalten fressen die Ausgaben für Wohnen und Gesundheit im Durchschnitt die Hälfte des Bruttoeinkommens auf. Ein grosser Teil der Betroffenen habe Zahlungsausstände bei den Kassen oder gehe nicht zum Arzt, obwohl das nötig wäre. (…) Masé fordert, dem Kostenanstieg mit höheren Prämienverbilligungen für ärmere Haushalte zu begegnen. (…) Caritas Schweiz schlägt vor, die Gesundheitskosten solidarischer zu verteilen, etwa einen Prämiendeckel im Verhältnis zum Bruttoeinkommen oder zum verfügbaren Einkommen einzurichten. Den gibt es bereits in einzelnen Kantonen wie der Waadt, er wird auch andernorts diskutiert. Eine weitere Möglichkeit seien einkommensabhängige Franchisen oder Prämien.»
Programm und Anmeldung Caritas-Forum vom 30. Januar 2026: caritas.ch/forum
SRF Reporter | Textilrecycling statt Kleiderfriedhof | 26. 8. 2025 Zu nicht mehr getragenen Kleidern: «Das Beste ist natürlich schon, man findet jemanden im Freundeskreis, der einem seine Kleider noch weiter trägt. Das Zweitbeste ist, man bringt sie in einen Altkleider-Shop. Ich bin jetzt hier bei Caritas Zürich gelandet (…) [Zur Laden-Leiterin:] ‹Das sind die Sachen, von denen ich das Gefühl habe, da könnte wirklich noch etwas darin sein, das man hier – bei Caritas – gebrauchen könnte.› [Chatrina Nicolay, Leiterin Secondhand Caritas ZH:] ‹Es muss einfach sauber sein und ganz. Es darf keine Löcher haben, keine Risse (…) Es muss gepflegt aussehen.› (…) Im Caritas-Laden gleich nebenan wird mein Blazer dann verkauft. Der Erlös kommt sozialen Projekten zugute.»
Wenn der Krieg alles abverlangt
Der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe. In Gaza, Syrien und im Libanon leiden Millionen Menschen unter Gewalt, Vertreibung und bitterer Armut. Wie schaffen es die Menschen, unter schwierigsten Umständen ihren Alltag zu bestreiten? Drei Frauen erzählen.



Gaza: «Ihr Lächeln bestärkte mich»
Schon vor dem Krieg war das Leben von Israa Ayad geprägt von Entbehrungen. Doch der Einschlag einer Bombe in Deir al-Balah, im Zentrum von Gaza, veränderte alles. «Ich sass mit meinen Schwestern im Wohnzimmer – es war unser letztes Gespräch», erzählt die 29-Jährige. Ihre Schwestern überlebten nicht. Israa selbst verlor ein Bein. 21 Tage lag sie im Spital – für eine längere Behandlung reichte der Platz nicht. Israa wandte sich an eines der zehn Gesundheitszent«Dieses Kleid habe ich komplett selbst genäht», sagt Rana Al-Sofy stolz. Ihr kleiner Laden in einem Dorf nahe der syrischen Küste floriert – wieder, um genau zu sein. Denn der Bürgerkrieg zwang Rana, alles hinter sich zu lassen: ihr Zuhause, ihre Familie, ihre Schneiderei. Mit ihren vier Kindern fand sie Schutz in den Bergen. Doch als Witwe musste sich Rana alleine um das Einkommen und die Erziehung kümmern. «Ich hatte
ren von Caritas Jerusalem, das mit Unterstützung von Caritas Schweiz betrieben wird. Dort wurden ihre Wunden versorgt und sie erhielt fachliche Betreuung. Israa blickt zwar in eine ungewisse Zukunft, doch sie sagt: «Die Freundlichkeit und das Lächeln der Mitarbeitenden bestärkten mich, nicht aufzugeben.»
Syrien: «Das Nähen gibt mir Kraft»
Libanon: «Ich will stark sein für die Kinder»
Eigentlich möchte Fawzieh Matar weg. Weg aus ihrer maroden Wohnung. Weg aus dem Libanon, wo sie all den Schmerz erlitten hat. Erst erhielt ihre 16-jährige Tochter Alaa eine Krebs-Diagnose, dann mussten sie vor dem Krieg fliehen. «Wir konnten nicht in eine Notunterkunft», erzählt Fawzieh. «Die miserablen hygienischen Zustände hätten Alaa weiter geschwächt.» Als einzige Option blieb eine enge Wohnung. Die 41-jährige Fawzieh schläft auf dem Boden, die Kinder auf dünnen
grosse Angst, die Familie nicht durchzubringen», sagt die heute 42-Jährige. Als Rana mit ihren Kindern in ihr Dorf zurückkehren konnte, schöpfte sie neue Hoffnung. Mit Unterstützung von Caritas Schweiz und ihrer Partnerorganisation GOPA-DERD konnte sie ihren Laden wiedereröffnen. Rana: «Das Nähen gibt mir Kraft. Auch weil ich wieder für meine Kinder sorgen kann. Sie waren meine Motivation, selbst in den düsteren Zeiten.» Matten. Dies belastet ihre Gesundheit – die Arbeiten als Reinigungskraft und Stahlhändler vermögen Fawzieh und ihr Mann kaum mehr zu leisten. Und immer wieder müssen sie entscheiden: Medikamente für Alaa – oder Essen für alle?
Caritas Schweiz und ihre Partnerorganisation Caritas Libanon unterstützen die Familie bei Alaas Behandlung sowie mit einem monatlichen Zustupf. Fawzieh hat neuen Mut geschöpft: «Ich will stark sein für die Kinder.» (nj)
Link zu Video von Israa: caritas.ch/israa
Mehrere Tausend Personen haben im Gaza-Krieg ein Körperteil verloren – so wie Israa Ayad (29).
Rana Al-Sofy (42) aus Syrien konnte ihre Schneiderei nach der Flucht wiedereröffnen.
Fawzieh Matar (41) sorgt sich um ihre krebskranke Tochter.
Kambodscha: Wasser, Reis und Zukunft sichern
Text: Daria Jenni
Bilder: Nicolas Honoré

Das veränderte Klima stellt den wasserintensiven Reisanbau im Norden Kambodschas auf die Probe. Es wird immer schwieriger, davon zu leben – neue Lösungen müssen her.
Sophea und Romodol leben seit Juni hauptsächlich vom Gemüse, das sie in der Nachbarschaft verkaufen. Ihre Anbaumethoden haben sie seither perfektioniert.

In den Dörfern im Nordwesten Kambodschas leben viele Familien vom Reisanbau. Doch die unsichere Wasserversorgung und zunehmende Wetterextreme bedrohen ihre Ernte. Gemeinsam mit einem starken Netzwerk gestalten Bäuerinnen und Bauern ihre Landwirtschaft neu – vom Anbau bis zum Verkauf.
Zwischen Gurken-Ranken und Pak-ChoiBlättern gehen Sophea Phoeurn (48) und ihr Mann Romodol Lin (49) ihrer täglichen Arbeit nach. Vorsichtig pflücken sie das
« Neben dem Reis bauen wir auch Gemüse an – das benötigt weniger Wasser. »
knackige Gemüse, das sie später in der Nachbarschaft verkaufen. Noch vor wenigen Monaten lag hier ein staubiger Acker. Heute gedeiht von Auberginen bis Wassermelonen alles bunt, in Reih und Glied.
«Das neue Wissen über Anbau, Bewässerung und Pflanzenschutz hat uns die Augen geöffnet», sagt Sophea und wischt sich über die Stirn. Seit drei Mona -
ten nehmen sie an den Schulungen des Caritas-Partners East-West Seed Knowledge Transfer teil. Dort lernen sie, Setzlinge selbst zu ziehen, Beete besser vorzubereiten, Schädlinge früh zu erkennen und eine einfache Buchhaltung zu führen. «Die Kurse verändern die Art, wie wir unser Gemüse hegen und pflegen.» Mit den zusätzlichen Einnahmen konnten Sophea und Romodol ihre Schulden abbauen, etwas sparen – und sogar eine neue Idee umsetzen: Romodol züchtet seit Kurzem nebenbei Frösche und Schnecken, um sie zu verkaufen.
Wenn Reis nicht mehr zum Leben reicht «Früher konnten wir vom Reisanbau leben», sagt die Bäuerin. Dieser war einst das Rückgrat vieler Bauernfamilien im Nordwesten Kambodschas, doch er si-
chert schon lange kein stabiles Einkommen mehr. Zu unregelmässig fällt Niederschlag, zu oft bedrohen Starkregen oder Schädlinge die Ernte. «Unsere Felder liegen zu weit vom Wasserkanal entfernt», erklärt Sophea weiter. Dieser würde die Bewässerung in der Trockenzeit und damit eine zweite Ernte ermöglichen. «Deshalb pflanzen wir jetzt vermehrt Gemüse –das braucht weniger Wasser.»
Viele Bäuerinnen und Bauern müssen gar ihre Dörfer verlassen und in Städten oder in Thailand nach Arbeit suchen. Sie sind oft monatelang getrennt von ihren Kindern und finden sich auch dort in prekären Lebensbedingungen wieder. Das Projekt «Nurture» von Caritas Schweiz und HEKS setzt hier an: Mit effizienter Bewässerung, neuem Wissen und besserem Marktzugang können viele Menschen wieder in ihrer Heimat leben und ein Einkommen erwirtschaften, das zum Leben reicht (siehe Grafik auf Seite 9).
Die Organisationen unterstützen die Gemeinden in vier Provinzen an der Grenze zu Thailand – jeweils dort, wo der Bedarf
Bündel um Bündel ernten Kon und die anderen Bäuerinnen und Bauern den Reis.

am grössten ist. Während das Dorf, in dem Sophea und Romodol leben, vor allem auf Gemüse setzt, optimieren Kon Piseth und seine Nachbarschaft den Reisanbau und die Wasserverteilung. Nun steuert dort ein Wasser-Nutzungs-Komitee die Landwirtschaft nach einem festen Kalender. «Früher haben hier alle nach Gutdünken gesät und getränkt», erzählt Kon und schüttelt den Kopf. «Heute planen wir Anbau und Bewässerung gemeinsam und sorgen dafür, dass das Wasser für alle reicht.»
Weniger Kosten, mehr Ernte
Doch selbst wer genug Wasser hat, steht vor den Herausforderungen von stark schwankenden Marktpreisen und hohen Produktionskosten. Um Saatgut und Dünger zu kaufen, nehmen viele Bauernfamilien sogar Kredite auf, die sie selbst nach der Erntezeit kaum zurückzahlen können.
grüsst. Der 30-Jährige kennt fast jede Familie in den sechs Gemeinden, die er begleitet. Mal sitzt er mit einem Bauern wie Kon unter einem Palmendach, mal verhandelt er im Büro einer lokalen Behörde über die Reparatur eines Wasserkanals. «Meine Aufgabe ist es, Menschen an einen Tisch zu bringen», sagt er. «Nur so
« Wenn die Menschen von Anfang an einbezogen werden, wächst ihr Vertrauen. »
finden wir die richtigen Lösungen für die Zukunft.» Er und elf weitere Projektmitarbeitende organisieren die Zusammenarbeit zwischen den Bauernfamilien, Behörden, landwirtschaftlichen Kooperativen und Unternehmen.
Deshalb setzen die Bäuerinnen und Bauern, die am Projekt teilnehmen, vermehrt auf alternative Methoden: Sie verwenden Asche gegen Schädlinge, pflanzen Nutzhanf, um den Boden zu stärken, und setzen auf organischen Dünger. So senken sie ihre Kosten, während die Qualität der Produkte steigt. «Das Klima verändert sich – die Trockenzeit wird immer länger», fasst Kon nachdenklich zusammen. «Darauf müssen wir uns einstellen.»
Damit die neuen Ideen auch langfristig tragen, braucht es Koordination – Menschen wie Vanchet Sey, die Familien, Behörden und Organisationen in den Dörfern zusammenbringen.
Ein starkes Netzwerk bringt Sicherheit
Wenn Projektkoordinator Vanchet durch die Reisfelder streift, wird er überall ge-
So entsteht Schritt für Schritt ein dichtes Netzwerk, das den Bäuerinnen und Bauern Sicherheit gibt. Die Wirkung zeigt sich klar: In mehreren Gemeinden haben Familien ihre Anliegen direkt in die Verwaltung eingebracht. So wurde die jahrelang aufgeschobene Sanierung eines Wasserkanals durch beharrliche Verhandlungen ins offizielle Budget aufgenommen. «Wenn die Menschen von Anfang an einbezogen werden, wächst ihr Vertrauen –und die Ansätze passen wirklich zu ihrem Alltag», versichert Vanchet.
Solarpumpen und Wetterstationen gegen die Unberechenbarkeit Um sich auch in Zukunft gegen klimatische Veränderungen und unberechenbare Wetterextreme wappnen zu können, testen Vanchet und sein Team mit den Bauernfamilien innovative Lösungen. In Peam pumpt eine Solaranlage der lokalen Firma EGE Cambodia Energy Solutions Wasser aus dem Fluss über einen Kanal auf die Felder. So können die Bäuerinnen und Bauern ihre Reispflanzen auch in Trockenperioden bewässern und eine zweite Ernte pro Jahr erwirtschaften.
Einige Dörfer weiter messen drei Wetterstationen neuerdings Werte wie Temperatur und Niederschlag. Sie liefern wertvolle Daten für eine gezieltere Landwirtschaft – ein System, das die Caritas in Tadschikistan bereits erfolgreich nutzt (siehe Box). Vanchet zeigt auf ein Feld mit Cherry-Tomaten: «Hier testen wir, ob die Pflanzen besser gedeihen, wenn wir die Bewässerung auf Basis der Wetterdaten steuern.»
Vom Feld auf den Markt –und nach Europa Wer vom Gemüse- und Reisanbau gut leben will, muss seine Produkte auch verkaufen können. Darum unterstützt die Caritas lokale Märkte, Start-ups und Kooperativen mit kleinen Beiträgen. Händlerinnen und Händler können dadurch mehr regionale Produkte anbieten und ein Bioladen kann sein Sortiment erweitern. Eine ehrgeizige landwirtschaftliche Kooperative wagt sogar den Schritt nach Europa: Sie schult ihre Mitglieder, um die nötigen Export-Standards zu erfüllen. Der erste Reis hat alle Tests bestanden und hat das Lager bereits Richtung Westen verlassen. Für diese Familien ist das ein Meilenstein: Ihr Reis, aus kleinen Parzellen in Kambodscha, schafft den Sprung auf die Weltmärkte. Wenn Vanchet von den Erfolgen erzählt, klingt er überzeugt. «Am wichtigsten ist die Nähe zu den Menschen. Wir müssen zuhören, ihre Sorgen ernst nehmen – und dann gemeinsam Zukunftslösungen entwickeln.» Diese Haltung prägt
Sophors ist Verkäuferin auf dem Markt in Mongkol Borei. Sie bringt das lokale Gemüse der Bauernfamilien aus ihrer Gemeinde zu den Menschen.

das Projekt: Nicht eine Organisation gibt den Weg vor, sondern ein Netzwerk aus vielen Menschen und Institutionen gestaltet ihn zusammen.
Weitere Informationen: caritas.ch/reis
ung, Strateg ieundMassnahmen
Nurture-Projekt
Stärkung der Resilienz von Kleinbauernfamilien und ihren Gemeinden uz r A n p assung an dieKlimakrise Sbisne i
Klimaresiliente LandwirtschaftundErschliessung neuerMärkte
Mit einem bunten Strauss an Massnahmen verbessern Bauernfamilien, Regierung und Unternehmen gemeinsam die Landwirtschaft im Norden Kambodschas. Die Ansätze lassen sich den drei abgebildeten Bereichen und Hauptzielen zuordnen.
Wetter-Wissen aus Tadschikistan in Kambodscha nutzen
Vor fünf Jahren hat Caritas Schweiz in Zusammenarbeit mit Partnern wie MeteoSchweiz in Tadschikistan einen ausgeklügelten Wetter-Wasser-KlimaDienst (WWCS) eingeführt. Das Ziel: die Landwirtschaft den veränderten klimatischen Bedingungen anpassen und nach dem Wetter ausrichten. Heute erfassen dort mehr als 300 Stationen Daten wie Temperatur, Feuchtigkeit, Wind und Bodenklima. Die Bäuerinnen und Bauern erhalten per Nachricht auf ihr Mobiltelefon täglich Empfehlungen für Aussaat, Bewässerung und Ernte sowie Warnungen vor Extremwetter.
Der Erfolg überzeugt. Er soll sich nun in Kambodscha wiederholen: Gemeinsam mit dem Team aus Tadschikistan haben Vanchet und andere lokale Mitarbeitende bereits drei Wetterstationen installiert. Derzeit wird das System auf die tropischen Bedingungen angepasst. So sollen auch hier die Bauernfamilien rechtzeitig mit verlässlichen Informationen versorgt werden –damit sie ihre Ernte schützen und verbessern können.

Ukraine: Geteilte Realität, gemeinsame Hoffnung
Während im Osten und Süden der Ukraine der Alltag vom Überleben geprägt ist, suchen Vertriebene im Westen nach neuen Perspektiven. Die Unterstützung der Caritas passt sich daran an: schnelle Hilfe in umkämpften Gebieten und langfristige Programme dort, wo Aufbau möglich erscheint.
«Im Osten geht es in erster Linie um das Hier und Jetzt», sagt Margot Mayoraz, Programmverantwortliche für die Ukraine bei Caritas Schweiz. Das Projekt nahe der Front ist stark vom Rhythmus des Krieges
«Im Osten geht es in erster Linie um das Hier und Jetzt.»
bestimmt: Angriffe, Zerstörung, provisorische Lösungen – an Aufbau ist kaum zu denken.
Das Sozialgefüge stärken
Mit Lohnzuschüssen werden Menschen vorübergehend in Arbeit gehalten: Kleine und Kleinst-Unternehmen aus den Bereichen Textil, Bäckerei und Honigproduktion können sich für eine einmalige Finanzhilfe und Coaching bewerben. «Wir haben in einer Studie herausgefunden, dass diese Sparten die Versorgungsketten festigen und die Gesellschaft stabilisieren. Das ist in den unsicheren Zeiten des Krieges wichtig», weiss die Programmverantwortliche. Wegen der Spannungen zwischen den intern Vertriebenen und den Aufnahmegemeinden haben die Projekte auch hier immer eine soziale Komponente.
Zwei Strategien, ein Ziel
Die militärische Realität in der Ukraine prägt die Projektlandschaft. Schnelle Hilfe, wo noch gekämpft wird – längerfristige Stabilisierung, wo sich neue Perspektiven eröffnen. Beide Ansätze sind nötig, um Menschen nicht nur zu unterstützen, sondern ihnen wieder Hoffnung zu geben.
Doch trotz der unterschiedlichen Realitäten bleibt das ganze Land vom Krieg gezeichnet. Auch in weniger stark betroffenen Regionen leben die Menschen mit Angriffen, nächtlichen Luftalarmen und in ständiger Ungewissheit. Daher positioniert sich Caritas Schweiz klar: Eine Rückführung ukrainischer Geflüchteter in vermeintlich sichere Gebiete wäre verfrüht. Solange der Krieg anhält, brauchen alle Ukrainerinnen und Ukrainer Schutz und Unterstützung – egal, wo sie sich befinden. (ll)
Die Regionen im Westen hingegen sind ein Zufluchtsort für Hunderttausende Binnenvertriebene. Das ist eine enorme Herausforderung für das Sozialgefüge und die regionale Wirtschaft. Deswegen verfolgt die Caritas dort längerfristige Ansätze und stärkt die sich neu findende Gemeinschaft. «Hier können wir den Blick stärker nach vorne richten», sagt Margot Mayoraz.
Verschiedenes ist nötig, um den Lebenswirklichkeiten gerecht zu werden: Die Caritas unterstützt Familien, deren Häuser zerstört wurden, mit Reparaturen. Besonders geschätzt wird Bargeldhilfe für nötige Anschaffungen wie Medikamente oder Kleidung. Kinder erhalten psychologische Begleitung, um mit den traumatischen Erlebnissen klarzukommen. Eine weitere Projekt-Komponente ist Rechtsberatung.
Weitere Informationen: caritas.ch/ukraine
Valentyna Babenko führt in Pivdenne, in der Nähe von Odessa, ein Nähatelier. Trotz des Kriegs sichert sie Arbeitsplätze und erbringt wichtige Dienstleistungen für die Gemeinde.

Gute Schalotten-Ernten sind lebenswichtig für die Bauernfamilien in der Region Bandiagara.
Resilienz stärken im Zentrum von Mali
In den Dörfern in Bandiagara herrscht grosse Armut. Es gibt drei zentrale Herausforderungen: die Ernährungssicherheit verbessern durch neue Landwirtschaftstechniken und angepasstes Saatgut, Lebensmittel verteilen an Menschen in Not und den sozialen Zusammenhalt in den Gemeinden fördern.
In der Region Bandiagara im Zentrum von Mali leben die meisten Menschen von dem, was sie selbst anbauen. Doch nur 10 Prozent der Böden sind kultivierbar und es herrscht grosse Armut. Caritas Mopti,
«Angesichts der wiederkehrenden Krisen in der Region muss unser humanitärer Ansatz verstärkt werden.»
die lokale Partnerorganisation von Caritas Schweiz, realisiert ein von der DEZA mitfinanziertes Programm zu Ernährungssicherheit: Es unterstützt Kleinbäuerinnen und -bauern bei der landwirtschaftlichen Produktion und ermöglicht ihnen einen besseren Marktzugang. Mehr als 40 000 Personen nehmen am Programm teil.
Unterstützung jetzt – und langfristig Das unvorhersehbare Wetter ist eine grosse Herausforderung für die landwirtschaftliche Produktion – auch für die Menschen der 56 Dörfer, die im Programm mitmachen und auf sieben Gemeinden verteilt sind. Bereits 2024 haben Dürren und darauf folgende Starkregen Ausfälle verursacht bei der Produktion von Hirse, Reis, Schwarzaugen-Bohnen und Schalotten. Diese Nahrungsmittel sind essenziell für die Bevölkerung, sowohl für den Eigenkonsum als auch den Verkauf auf den Märkten. Die aussergewöhnlich frühen Niederschläge im März 2025 richteten ebenfalls Schäden an. Frühwarn-Komitees versuchen fortlaufend, ihre Vorhersagen zu verbessern und verlässliche Informationen bereitzustellen. Die diesjährige Anbau-Saison wurde entsprechend gut geplant und
1120 Haushalte erhielten vom Programm angepasstes Saatgut für Reis und Schwarzaugen-Bohnen. Die Ernte war ein Erfolg. Diese Massnahmen reichen jedoch nicht immer aus. In der prekärsten Zeit – von August bis Oktober –werden zuweilen Nahrungsmittel verteilt. Dank dieser punktuellen Unterstützung können sich die Familien ansonsten selbst versorgen.
Agroökologische Techniken tragen Früchte
Die Bauernfamilien erhielten zudem landwirtschaftliche Geräte und erlernten neue agroökologische Praktiken. So wurden über eine Strecke von mehr als 80 Kilometern kleine Deiche angelegt, die gut acht Hektaren Land vor Erosion schützen. Dank einem neuen Staudamm und der Sanierung von zwei bestehenden können die Kulturen besser bewässert werden. Die Frauen diversifizieren ihre wirtschaftlichen Aktivitäten. Zudem tragen verbesserte Wertschöpfungsketten zu höheren Verkaufspreisen für Schalotten bei. Mehrere Genossenschaften wenden das «Warrantage-System» an, das heisst, die Ernte wird zunächst gelagert, damit sie später zum bestmöglichen Preis verkauft werden kann.
Diese Massnahmen tragen dazu bei, die äusserst fragilen Produktionsbedingungen in der Region zu stabilisieren. Gleichzeitig hat das Caritas-Programm das soziale Gefüge im Auge. Fragen rund um Landbesitz führen nämlich häufig zu Spannungen. 2025 konnten 71 von 80 gemeldeten Konflikten gelöst werden –das stärkt die sozialen Bande in den Dörfern. (fb)
Weitere Informationen zum Projekt: caritas.ch/maliwiderstandsfähigkeit

Sich einem Ort zugehörig zu fühlen, kann für Staatenlose schwierig sein.
Kein Land – mein Land
Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es wäre, keine Staatsangehörigkeit zu haben? Die Auswirkungen auf Ihr Leben wären enorm. Die Rechtsberatungsstelle der Caritas hilft Betroffenen, dass die Behörden ihre Staatenlosigkeit anerkennen. Lesen Sie die Geschichte von Samira*.
Gemäss den Vereinten Nationen sind weltweit mindestens zehn Millionen Menschen staatenlos. Ende 2024 lebten laut Staatssekretariat für Migration (SEM) 1275 Staatenlose in der Schweiz.
Staatenlose können sich meist nicht frei bewegen oder reisen.
Staatenlosigkeit kann entstehen, wenn ein Staat zerfällt und nicht sichergestellt ist, dass alle die Staatsangehörigkeit des Nachfolgestaates erwerben oder ihre alte behalten. Es gibt auch Fälle, in denen Staaten ethnische, religiöse oder andere Minderheiten bewusst von der Staatsbürgerschaft ausschliessen. Das bedeutet, dass sie keine politischen Rechte haben und dass sie kaum Zugang erhalten zu sozialer Unterstützung, zum Arbeits-
markt und zu Bildung. Staatenlose haben in der Regel keine Identitätsdokumente und können sich daher nicht frei bewegen oder reisen. Ausserdem ist kein Staat verpflichtet, ihnen im Falle einer Verfolgung Schutz zu gewähren.
Ohne Ausweis, aber mit langem Atem Samira, eine Kurdin aus Syrien, wandte sich an die Rechtsberatungsstelle Zentralschweiz von Caritas Schweiz. Sie hatte im Herbst 2021 in der Schweiz um Asyl ersucht. Das Gesuch wurde im Sommer 2022 abgelehnt. Weil ihre Rückkehr nach Syrien allerdings nicht zumutbar war, wurde sie vorläufig aufgenommen. Bereits im Asylverfahren hatte Samira darauf hingewiesen, eine sogenannte «Maktuma» zu sein, also eine nicht-registrierte Staatenlose. In Syrien wurde 1962 120 000 bis 150 000 Kurdinnen und Kur-
den die Staatsbürgerschaft aberkannt, weil sie angeblich illegal aus dem Irak und der Türkei eingewandert seien. Auch ihre Nachkommen, zu denen Samira zählt, gelten seither als Staatenlose.
Samira verfügte weder über eine Geburtsurkunde noch über ein sonstiges Identitätspapier. Selbst ihre Ehe mit einem Kurden, der im Bürgerkrieg ums Leben kam, konnte sie nie registrieren lassen. Immerhin besass sie eine Kopie eines inoffiziellen Ausweises, welche sie als Maktuma identifizierte.
Die Rechtsberatungsstelle führte mehrere Gespräche mit Samira. Im November 2022 reichte sie beim SEM ein Gesuch um Anerkennung ihrer Staatenlosigkeit ein. Doch das SEM bezweifelte, dass die Bestätigung der Staatenlosigkeit echt war, und stellte zahlreiche Fragen. Die Rechtsberatungsstelle half Samira, alle zu beantworten und die Zweifel zu beseitigen. Als Analphabetin wäre Samira dazu alleine ausserstande gewesen.
Als Staatenlose endlich Schutz Anfang 2025 anerkannten die Schweizer Behörden Samira als Staatenlose. Damit hat sie nun Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung sowie auf einen Reiseund Identitätsausweis. Und was für sie besonders wichtig ist, da sie noch immer unter dem Trauma des Krieges leidet: Sie steht nun unter dem Schutz der Schweiz. Bei guter Integration wird Samira dereinst Chancen haben, die schweizerische Staatsangehörigkeit zu erlangen. Samira könnte dann zum ersten Mal in ihrem Leben sagen: «Jetzt habe auch ich endlich ein Land: mein Land – die Schweiz.» (im)
* Der Name wurde zum Schutz der Betroffenen geändert.
Weitere Informationen unter: caritas.ch/rechtsberatung


Als der Berg ihr Zuhause verschluckte
Innert kürzester Zeit musste die Familie Ebener ihr Haus verlassen, in den Händen nur ein paar gepackte Taschen. Tage später begrub der Bergsturz in Blatten ihr gesamtes Hab und Gut. In einer Mietwohnung lebend bewältigt die Familie wieder ihren Alltag –doch etwas Entscheidendes fehlt.
Als Sarah und Oliver Ebener am Freitag mit ihren beiden Buben von den Ferien in Frankreich heimkehrten, sahen sie eine Meldung in der Gemeinde-App: Beim Kleinen Nesthorn habe es Boden-
«Das alles zu verlieren, schmerzt sehr.»
bewegungen gegeben und es sei zu einem Murgang gekommen, die Bevölkerung müsse vorbereitet sein. «Zuerst haben wir uns nicht viele Gedanken gemacht», erinnert sich die 37-Jährige, «wir aus dem Lötschental sind Naturereignisse gewohnt.» Doch bereits am nächsten Tag war klar: Sie müssen ihr Zuhause sofort verlassen.
Statt die Kinder am Samstagabend wie geplant ins Bett zu bringen, brachte
Sarah sie zur Grossmutter in Ferden. Das Paar hatte anderthalb Stunden Zeit, das Nötigste zu packen. Dabei griffen sie vor allem nach Kleidern. «Wir dachten, es komme vielleicht eine Schlamm-Lawine, und alles, was höher als einen Meter über dem Boden platziert ist, sei sicher», sagt Oliver (35). Ein Irrtum, der schmerzt: Einige Tage später begrub eine gewaltige Geröll-Lawine das ganze Dorf Blatten –und mit ihm alle Erinnerungsstücke der Familie Ebener: die Taufkerzen und ersten Schuhe der Kinder, die FasnachtsMasken.
Eine Wohnung, aber kein Zuhause
Heute lebt die Familie in Ferden, nur wenige Hundert Meter von Sarahs Mutter entfernt. Sie konnten eine Wohnung beziehen, die einem Paar aus dem Kanton Bern gehört. Ein Glücksfall: genug Platz,
vertraute Umgebung, freundliche Vermieter. «Aber es ist nicht unser Zuhause», sagt Sarah. Der ältere Bub fragte einmal, ob es je wieder so riechen werde wie in seinem alten Zimmer. «Wir sind sehr dankbar, doch hier sind wir Gäste.»
Das Haus, das Sarah und Oliver vor sieben Jahren gebaut hatten, war gewachsen: hinzu kamen Spielplatz, Gartenhäuschen, Blumenrabatten. «Das alles zu verlieren, schmerzt sehr», sagt Sarah traurig. Auch für die Kinder ist vieles anders. Früher konnten sie sich auf dem Grundstück austoben, draussen auf der Quartierstrasse spielen, Nachbarskinder treffen. Von einem Moment auf den anderen haben sie ihr Zuhause verloren.
Hilfe kam von überall
In dieser schwierigen Zeit erlebt die Familie grosse Herzlichkeit. Ein Mädchen aus dem Kindergarten schenkte dem jüngeren Sohn eine Gummi-Spielzeugschlange, eine Bekannte brachte TrippTrapp-Stühle für die Kinder vorbei, in Gampel wurde eine Sammelaktion organisiert. Auch Caritas Schweiz organisierte umgehend Spendenaufrufe und stellt finanzielle Unterstützung bereit, die auch der Familie Ebener zugutekommt. Doch die Hilfe anzunehmen, fällt nicht leicht. «Manchmal fühlt es sich an wie Betteln», sagt Oliver.
Sehnsucht nach etwas Eigenem Trotz aller Dankbarkeit bleibt der Wunsch nach Eigenständigkeit. «Wir sind Bergmenschen», so Oliver, «für uns gehört dazu ein Zuhause, das unseres ist – ein Ort, an dem wir bleiben können und unsere Kinder aufwachsen dürfen.» Für die Eltern ist klar: Ihren Söhnen wieder ein eigenes Daheim zu bieten, ist das Wichtigste. (tb)
Weitere Informationen unter: caritas.ch/blatten
Auch das Haus von Sarah und Oliver Ebener wurde in Blatten verschüttet.
Schulden? Die Caritas bietet unkompliziert Beratung

wenden sich über 3000 Menschen an die SOS-Schuldenberatung. Die Gründe für die Not sind vielfältig: Schicksalsschläge, ein unerwarteter Jobverlust, steigende Fixkosten. Jemand verpasst es aufgrund einer Depression, Rechnungen zu begleichen. Eine andere Ratsuchende verliert schlicht den Überblick über die Finanzen. Es kann alle treffen.
Nebst dieser direkten Unterstützung für Ratsuchende berät Caritas Schweiz Fachstellen aus dem Schulden-Bereich bei rechtlichen Fragen. (pb/bs)
Agenda
Verleihung youngCaritas-Award 6. Dezember 2025, 18 Uhr, Neubad Luzern youngcaritas.ch
Eine Million Sterne Dezember 2025
Setzen Sie ein Zeichen der Solidarität, zünden Sie eine Kerze an für Armutsbetroffene. Standorte ersichtlich unter: einemillionsterne.ch
Wer in akuter Geldnot steckt, gelangt oft an die Caritas. Um die Schwellen zu senken, hat die Caritas die SOS-Schuldenberatung etabliert: Sie gibt telefonisch und online eine Kurzberatung. Wenn ein Fall komplexer ist, vermittelt sie die nächste Stelle, die vor Ort beraten kann. Pro Jahr

Mehr zum Angebot unter caritas.ch/schuldenberatung
Caritas-Forum 2026: Armut hier und heute –wo steht die soziale Schweiz? 30. Januar 2026, 9.30 Uhr, Eventforum, Bern caritas.ch/forum
Veranstaltungen der regionalen Caritas-Organisationen Veranstaltungen in Ihrer Nähe: caritas-regio.ch/agenda
Caritas-Markt:
Rabatte und Infos dank neuer App
Täglich kaufen über 3600 Menschen im Caritas-Markt ein. Neu gibt es für den Einkauf dort eine App namens «Bonus+»: Sie gewährt Kundinnen und Kunden jede Woche zusätzliche Rabatte auf acht ausgewählte Produkte, etwa Olivenöl für 5.90 Franken statt für 6.50 Franken. Auch die KulturLegi, die im Laden vorgewiesen werden muss, kann in der App hinterlegt werden. Zudem informiert die App über Wochenhits, Rezepte und weitere Caritas-Angebote.
«Nicht alle, die bei uns einkaufen, kennen zum Beispiel unsere kostenlose
Schuldenberatung oder die Bildungsangebote», sagt Thomas Künzler, Geschäftsleiter Genossenschaft CaritasMarkt. «Die App führt nicht nur beim Einkaufen zu Entlastung, sondern auch in anderen Lebensbereichen.»
Die App hat in der Kategorie Barrierefreiheit den Gold-Award von «Best of Swiss Apps» gewonnen. (nj)
Weitere Informationen: caritas-markt.ch
Verschuldung kann jede und jeden treffen.

Die Teilnehmenden vom youngCaritas-Award 2024 engagieren sich in vielfältigen Projekten.


youngCaritas-Award 2025: Anerkennung für junges Engagement
Der youngCaritas-Award zeichnet junge Menschen aus, die sich mit selbst aufgegleisten Projekten für eine solidarische und nachhaltige Gesellschaft einsetzen. Bald ist es wieder so weit.
Junge Menschen übernehmen Verantwortung und setzen sich mit Herzblut für eine solidarische und nachhaltige Gesellschaft ein. Ihre Projekte beweisen: Engagement macht die Welt ein Stück besser und verbindet Menschen.
Dies hebt der youngCaritas-Award hervor, indem er den Projekten eine Bühne bietet. Bereits seit über 20 Jahren – und schon bald wieder: Am Samstag, 6. Dezember 2025, findet im Neubad in Luzern die diesjährige Preisverleihung statt. Offen für alle, die sich inspirieren lassen möchten.
Als Hauptpreis für die Teilnehmenden lockt ein bedingungsloses Projekt-Einkommen von monatlich 500 Franken für ein Jahr. Am Anlass geht es jedoch nicht nur ums Gewinnen. Der Event würdigt
den freiwilligen Einsatz junger Menschen, rückt ihre Ideen ins Rampenlicht und bietet Raum für Austausch. Ein Marktplatz vor Ort stellt Initiativen und Förderprogramme aus dem youngCaritas-Netzwerk vor, die zum Mitmachen und Vernetzen einladen.
Auch 2025 haben sich zahlreiche Projekte für den youngCaritas-Award beworben, die durch Kreativität, Mut und Engagement beeindrucken. Eine fünfköpfige Jury kürt die Gewinnerinnen und Gewinner und vergibt neben dem Hauptpreis auch Zusatzpreise. Überdies wird ein Publikumspreis vergeben. (lb)
Früher ausgezeichnete Projekte

Wir lernen weiter
«Wir lernen weiter» verteilt Laptops an Armutsbetroffene in der Schweiz und gewann 2020 den youngCaritasAward. Gründer Tobias Schär: «Es war unser erster Award – eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind und wichtige Lücken schliessen.»

WildFlower
«WildFlower» – prämiert 2024 – ermöglicht Mädchen in Afghanistan kostenlosen Online-Unterricht durch ein internationales Freiwilligen-Team. Dank youngCaritas konnte sich ein Teil des Teams erstmals persönlich treffen – ein wichtiger Schritt für Zusammenhalt, Effizienz und Unterstützung.

Weitere Informationen: youngcaritas.ch
Nein, das ist keine Ernte

Unsere Projekte schaffen Beschäftigung und Einkommen und führen Menschen aus der extremen Armut.
Ja zu einer Welt ohne Armut