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Natur+Umwelt 3-2026

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LANDWIRTSCHAFT & ERNÄHRUNG Ratgeber: Per Bahn ver­reisen Aktuell: Kritik an Endlagersuche


BAYERNS MOORE BEWAHREN

Foto: Piotr Krzeslak, stock.adobe.com, Bildhintergrund mit KI erweitert · Design: WVD Dialog Marketing GmbH

Für Artenvielfalt und Klimaschutz

Ihre Spende hilft bei:  Flächenankäufen  Wiedervernässung und Pflege  Aufklärung

SPENDENKONTO BUND NATURSCHUTZ IBAN: DE24 7002 0500 9300 0005 00 Bitte geben Sie als Verwendungszweck „Moore bewahren“ an. Bei Spenden bis zu 300 € erkennt das Finanzamt die vereinfachte Spendenbescheinigung in Verbindung mit Ihrem Kontoauszug als Spendennachweis an: www.bund-naturschutz.de/ infos-zu-ihrer-spende

Oder nutzen Sie unser Onlineformular unter: www.bund-naturschutz.de/bayerns-moore-retten


Natur +Umwelt 3 | 26 › INHALT 3

Inhalt

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Foto: stock.adobe.com – rh2010

Foto: Stefan Grebner

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AKTUELLES 4/5 Aktuelle Meldungen 6 Kommentar 7 Gerettete Landschaft 8/9 Aktuelle Meldungen aus Bayern 10 Suche nach Endlager 11 Neue Serie: Was ist eigentlich …? TITELTHEMA 12 Landwirtschaft + Ernährung 13 Aus der Abhängigkeit 16 Gemeinsame Agrarpolitik 17 Tierhaltung kennzeichnen 18 Bio? Logisch! 19 Interview mit Gerd Kämmer 20 Bio-Branche in Bayern 21 Wasser in der Landwirtschaft AKTION 22/23 Bäume schützen NATUR IM PORTRÄT 24 Pflanzenporträt Rittersporn 25 Naturschutzgebiet Brönnhof 26/27 Artenschutz: Großer Abendsegler 28/ 29 Jahr der Hirten & Weiden 30/31 Bedroht: Äskulapnatter 32/33 Frei fließende Flüsse 34/35 Renaturierung der Isar

Die Natur+Umwelt ist das Mitgliedermagazin des BUND ­Naturschutz und die bayerische Ausgabe des BUNDmagazins.

Foto: Jonas Kaufmann

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INTERNATIONALES 36 Energieriese verurteilt 37 Abbau von Kobalt UMWELTPOLITIK 38 Initiativen für Suffizienz URLAUB & FREIZEIT 40 Reise: Normandie 41 Wanderung BN AKTIV + NAH 42 BN-Fläche 43 Editorial des Vorstands 44/45 Delegiertenversammlung 2026 46–48 Meldungen 49 Naturschutzpreis für Leonore Gewessler 51 Umweltbildung 52 Rat für nachhaltige Entwicklung 53 Porträt 54–60 Regionalseiten SERVICE 61 Medien und Reisen 62/63 Leserbriefe 64 Ratgeber 65 Ökotipp 66 Kontakt & Impressum

LIEBE LESERINNEN UND LESER, haben Sie schon vom globalen Erd­ überlastungstag gehört? Er markiert ­alljährlich den Zeitpunkt, an dem die Menschheit die natürlichen Ressourcen eines Jahres ausgeschöpft hat – also die Menge nachwachsender Rohstoffe und ökologischer Dienstleistungen, die uns die Erde bieten kann, ohne übernutzt zu werden. Der Tag fiel dieses Mal auf den 30. Juli. Bis zum Jahresende plündern wir nun eine Zukunft, die uns nicht gehört. Dazu der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt: »Der Erdüberlastungstag ist die Quittung für eine umweltpolitische Insolvenz­ verschleppung. Unser Wirtschafts­ system frisst seine eigene Substanz und zerstört damit die Lebensgrundlage künftiger G ­ enerationen. Wir sollten die­ sen Tag als lauten Weckruf verstehen. Und als A ­ uftrag, politisch umzusteuern und die Grenzen der Belastbarkeit unse­ res P ­ laneten zu respektieren.« Der BUND nahm den Tag zum Anlass, ein weiteres Mal darauf zu drängen, ­keine fossilen Energien mehr zu nutzen. Wussten Sie, dass die Landwirtschaft eine wesentliche Abnehmerin von Gas, Öl und Kohle ist? Und warum das gleich mehrfach problematisch ist? Lesen Sie dazu unser aktuelles Titelthema.

Luise Frank

Severin Zillich

Redaktion Natur+Umwelt

Redaktion BUNDmagazin


4 Natur +Umwelt 3 | 26 › AKTUELLES

Aktuelles

Am 9. Juni unterzeichnete der BUND Nordrhein-Westfalen eine Verständigung zum Schutze des Hambacher Waldes, zusammen mit Land, Region und RWE Power. Nach jahrzehntelangem Kampf ­ gegen den Braunkohlentagebau Hambach und für die Erhaltung dieses wertvollen Waldes ist das ein großer Erfolg. Die gemeinsam verfassten Empfehlungen zielen darauf, die verbliebenen Wälder im südlichen Teil des Tagebaus großflächig zu vernetzen und dauerhaft zu ­erhalten. Dazu der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht: »Somit wird die ökologische Wie­ derbelebung der geschundenen Region

Foto: Dirk Jansen

WALD WIRD ZUR WILDNIS

einen wichtigen Schritt vorangebracht. Wir freuen uns, dass unser Vorschlag, den Hambacher Wald als Wildnisentwick­ lungsgebiet zu sichern, auf eine so breite Zustimmung stieß.« Im Kern bedeutet dies, dass sich der Eichen-Hainbuchenwald künftig ungestört ökologisch entwickeln darf – zum Schutz etwa der Bechsteinfledermaus, die hier

Um ein Haar wäre der Hambacher Wald den Kohlebaggern zum Opfer gefallen.

eins ihrer landesweit größten Vorkommen hat. Über grüne Korridore sollte der Wald mit dem bereits geschützten Waldgebiet der Steinheide und dem Merzenicher Erbwald verknüpft werden.

www.bund-nrw.de/ hambacher-wald-wird-wildnis

URLAUB AUF BURG LENZEN

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­ puren hinterlassen. Unternehmen S Sie Radtouren und Wanderungen am Fluss. Oder erkunden Sie die Elbe per Kanu oder Boot. Nach einem erlebnis­ reichen Tag erwartet Sie abends wohl­ tuende Stille und ein beeindruckender Sternenhimmel.

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Natur +Umwelt 3 | 26 › AKTUELLES 5

kurz & gut »Only bad news is good news« heißt es, vor allem schlechte Nachrichten erregen also unsere Aufmerksamkeit. Doch positive Neuigkeiten aus dem Naturund Umweltschutz tun einfach gut. Einige aus jüngster Zeit haben wir wie immer für Sie ausgewählt.

Mehr Platz für die Weser: Der BUND Nie­ dersachsen hat begonnen, die Flussauen entlang der Oberweser zu renaturieren. Gemeinsam mit seinen Partnern im Pro­ jekt »OberweserAuen« wird er bis Ende 2030 Teile der Aue wieder mit dem Fluss verbinden. Neue Flutrinnen, Auwälder und Stillgewässer werden zu Lebensräumen bedrohter Arten. Der BUND koordiniert das Projekt, gefördert von Bundesamt für Na­ turschutz und Bundesumweltministerium. Dazu die Landesvorsitzende Susanne Gerstner: »Geeignete Flächen haben wir bereits identifiziert. Jetzt freuen wir uns, ins Handeln zu kommen!« > www.bundniedersachsen.de/oberweserauen

Verschollene Vögel wiederentdeckt: Vogelarten, die mindestens zehn Jahre nicht mehr nachgewiesen wurden, landen auf der Liste der »Lost birds«. Die meisten dieser aktuell mehr als hundert Arten leb(t)en in schwer zugänglichen Welt­ regionen, von manchen fehlt seit 150 Jahren jede Spur. Doch gleich fünf der Vögel wurden seit dem Mai wiederentdeckt – drei bei einer ge­ zielten Exkursion auf die Insel Neu­ irland (Pa­pua-Neuguinea): EichhornLederkopf, Dreifarbensper­ ber und Weißnackenlori. Grund zur Hoffnung, diese Arten noch retten zu können. > www.searchforlostbirds.org

Biosphärengebiet deutlich erweitert: Die Schwäbische Alb und ihr Vor­ land bilden eine über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft. Teile davon sind seit 2009 als UNESCOBiosphärenreservat geschützt. Nun gelang es, diese Modellregion für Nachhaltigkeit um satte 42 Prozent zu erweitern. Die Kernzone wuchs um 1050 Hektar, die Pflegezone um rund 5100 Hektar. Sechs neue Kom­ munen brachten sich in die jetzt mehr als 120000 Hektar große Bio­ sphäre ein. Der BUND hat die Erwei­ terung wirkungsvoll begleitet.

Hoffnung für die Doggerbank: Seit Jahren kämpft der BUND dagegen, dass selbst Schutzgebiete mit zer­ störerischen Grundschleppnetzen befischt werden. Davon betroffen ist auch die größte Sandbank der Nordsee, die Doggerbank. Unser niederländischer Partner »Dogger­ land Foundation« hat wie wir dage­ gen geklagt – und jüngst gewonnen. Dem Urteil zufolge ist für das Fischen mit diesen Netzen eine Lizenz nötig, die nur erteilt werden darf, wenn eine Verträglichkeit mit dem Meeresschutz gesichert ist. Die aber wurde auf der Doggerbank nie geprüft. Das Urteil ist ein gutes Omen für unsere eigene Klage.

Wichtiges Signal: Ein Schutzgebiet in Sachsen-Anhalt bleibt tabu für den Abbau von Naturgips. Der Koalitionsausschuss des Landes ent­ schied sich gegen die geplante Um­ wandlung eines rund 125 Hektar großen »Vorranggebietes für Natur und Landschaft« im Gipskarst bei Breitungen (Landkreis MansfeldSüdharz). Dazu der BUND-Landes­ vorsitzende Ralf Meyer: »Der Süd­ harzer Gipskarst ist weltweit einzig­ artig und lässt sich, einmal zerstört, nie wieder herstellen.« Statt ihn zu einem Spielfeld von multinationalen Konzernen zu machen, müsse die Politik die Weichen für eine echte Kreislaufwirtschaft und ein hoch­ wertiges Gipsrecycling stellen.


6 Natur +Umwelt 3 | 26 › AKTUELLES

OLAF BANDT ist der Vorsitzende des BUND.

KOMMENTAR

Natur braucht Demokratie Im Herbst wählen die Menschen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern neue Landtage. Viele sehen unsere ­Demokratie in Gefahr. Für mich stellt sich außerdem die Frage: Was bedeutet diese Entwicklung für Natur und Umwelt? Meine Antwort ist einfach: Natur braucht Demokratie. Und sie braucht Organisationen, die sich schützend vor sie stellen. Die aber geraten zunehmend unter Druck. Umweltverbände werden infrage gestellt, ihre Legitimität angezweifelt. Beteiligungsund Klagerechte oder Möglichkeiten der Finanzierung werden zum Gegenstand harter politischer Auseinandersetzungen. Das betrifft auch unsere Arbeit im BUND.

Der BUND war schon immer mehr als eine Organisation, die Missstände benennt. Wir schaffen Verbindungen. Zwischen Stadt und Land. Zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Zwischen Energiewende und Artenschutz. Genau darin liegt für mich unsere Stärke.

Wo Misstrauen an die Stelle von Dialog tritt und zehntausendfaches ehrenamtliches Engagement angegriffen wird, leidet nicht nur unsere Demokratie. Es werden die Voraussetzungen dafür ausgehöhlt, Natur und Umwelt erfolgreich zu schützen. Daher treten wir als BUND diesen Angriffen klar entgegen. Wir bleiben nicht still, sondern melden uns zu Wort, wie wir das immer getan haben.

Erfolgreicher Naturschutz entsteht nicht gegen die Menschen, sondern mit ihnen. Das gilt ebenso für die Energie- und Wärme­ wende. Sie wird nur gelingen, wenn sie naturverträglich gestaltet wird und die Menschen vor Ort beteiligt sind und selbst gestalten können. Etwa in Bürgerenergie-Gemeinschaften oder konkret am Tag des offenen Heizungskellers (21. November) als Impuls für die Wärmewende zuhause. Unsere Antwort auf gesellschaft­ liche Konflikte lautet daher nicht weniger Demokratie, sondern mehr Beteiligung.

Optimistisch macht mich, wenn ich durch Deutschland reise und unsere Projekte besuche. Hier erlebe ich oft eine andere Wirk­ lichkeit als in politischen Schlagzeilen oder bei Podiumsdebatten in Berlin. Ob wir Moore wiedervernässen, naturnahe Auen entwickeln, die Wildkatze schützen oder den Biotopverbund am Grünen Band stärken – Bürgermeisterinnen und Landnutzer, Ehrenamtliche, Verwaltungen und Naturschutz arbeiten vor Ort gemeinsam an Lösungen. Menschen unterschiedlicher politi­ scher Überzeugung verbindet die Verantwortung für ihre Heimat.

Die nahen Landtagswahlen werden wichtige Weichen stellen. Unabhängig von ihrem Ausgang bleibt unser Auftrag derselbe: Wir suchen, wo möglich, den Dialog. Und wir widersprechen, wo Natur und Umwelt oder die demokratische Zivilgesellschaft unter Druck geraten – in unseren Publikationen, in den Medien und auch auf Demonstrationen. Denn Natur braucht ­Demokratie. Und die Demokratie lebt von Menschen, die Verantwortung über­ nehmen. So, wie die vielen Ehren- und Hauptamt­lichen im BUND es jeden Tag mit Verantwortungsgefühl und Begeisterung tun.


Die BUND-Gruppe Stralsund/Rügen setzt sich seit Jahren für die Halbinsel Devin am Strelasund ein, gemeinsam mit einem Förderverein. Auf 106 Hektar leben hier Seltenheiten wie Trauermantel, Feuer- und Dukatenfalter, Moor- und Laubfrosch oder Brutvögel wie Uferschwalbe, Karmingimpel und Sprosser. Die Hügellandschaft mit Weißdornbäumen

Foto: Bettina Baier

GERETTETE LANDSCHAFT und ausgedehnten Magerrasen wird von Schafen und Rehen offengehalten. Ein Weg passiert das Birkmoor, wo Königs- und Kammfarn, Sonnentau und Sumpfporst ­ FH-, wachsen. Die artenreiche Halbinsel ist F Vogelschutz- und Naturschutzgebiet sowie Teil des »Grünen Bands der Ostsee­küste«, eines Projekts des BUND.


Eine bereits seit 2024 vorliegende, aber erst jetzt veröffentlichte neue Prognose für den Flughafen München bis 2033 zeigt klar: zwei Start- und Landebahnen decken den Bedarf. Aktuell läuft bei den beteiligten Kommu­ nen und Verbänden das Verfahren zur Festlegung der Lärmschutzzonen am Münchner Flughafen. Grundlage sind neue Prognosen zu den Flugbewegungen. Der BUND Naturschutz forderte das ent­ sprechende Gutachten an. Es offenbarte, worauf das Bündnis gegen die dritte Bahn schon lange hinweist: Es gibt keinen Be­

darf für eine dritte Start- und Landebahn! Der BUND Naturschutz, das Bündnis auf­ geMUCkt und die Schutzgemeinschaft fordern daher von der bayerischen Staats­ regierung, diese Fakten anzuerkennen und die dritte Bahn endlich aufzugeben. Christine Margraf, stellvertretende Lan­ desbeauftragte des BN, betonte: »Mit dem neuen Bedarfsgutachten fällt das Luftschloss dritte Startbahn endgültig in sich zusammen. Wir brauchen mehr Kli­ maschutz, Moorschutz und Schutz der Natur im Vogelschutzgebiet Erdinger Moos statt mehr Flüge, Versiegelung und Entwässerung.«

HITZE UND DÜRRE Hitze, Trockenheit, Waldbrandgefahr – bereits ab Mai litten die Menschen und die Natur in Deutschland unter extremer Hitze und Trockenheit. Der BUND Naturschutz fordert von der Bayerischen Staatsregierung verbindliche Maßnahmen zum Schutz von Wasser, Wäldern und Landwirtschaft. Angesichts der Hitze- und Dürresituation in Bayern fordert der BN ein Klimaanpas­ sungsprogramm für den Freistaat. »Tem­ peraturen von bis zu 40 Grad, extrem tro­ ckene Böden und hohe Waldbrandgefahr sind dramatische Folgen der Klimakrise«, erklärt der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe. Vor massiven Problemen steht die Landwirtschaft, denn sie ist verstärkt auf Bewässerung angewiesen. Beim dafür benötigten Grundwasser ist die Lage aber Foto: stock.adobe.com – BIB-Bilder

ZWEI BAHNEN REICHEN

Foto: stock.adobe.com – Markus Mainka

8 Natur +Umwelt 3 | 26 › AKTUELLES › Meldungen aus Bayern

Foto: BN

Der BN-Landesvorstand protestierte vor Ort gegen das Gipsbergwerk.

KOMMT DAS BERGWERK? Ist Profit wichtiger als Trinkwasserschutz? Die Regierung von Unterfranken hat einem geplanten Gipsbergwerk im Trinkwassereinzugsgebiet der Stadt Würzburg die Raumverträglichkeit bescheinigt. Das Vorhaben nimmt damit eine der größten Hürden. BUND Naturschutz ist entsetzt. »Die Entscheidung der Regierung von Un­ terfranken erstaunt in diesen Hitzetagen besonders. Am gleichen Tag wird der Alarmplan Main ausgelöst, was die Dring­

lichkeit des sorgsamen Umgangs mit Wasser deutlich macht«, betont der BNLandesvorsitzender Martin Geilhufe. »Wir appellieren eindringlich an das Bergamt als letzte Entscheidungsgewalt, das ge­ plante Bergwerk zu stoppen. Die Trink­ wasserversorgung der Stadt Würzburg darf nicht gefährdet werden!« Man habe den Eindruck, so Andrea An­ genvoort-Baier, die Vorsitzende der BNKreisgruppe Würzburg, »dass der Regie­ rung von Unterfranken der Mut fehlt, sich konsequent für den zwingend gebotenen Trinkwasserschutz einzusetzen.« Bergbau in Wasserschutzgebieten ist eigentlich untersagt. Mit einer Genehmi­ gung des Bergwerks in der geplanten Er­ weiterung des Schutzgebietes »Zeller Quellstollen« könnten auch in anderen ­Regionen Bayerns Begehrlichkeiten ent­ stehen. Das macht dieses Projekt zu ei­ nem Präzedenzfall.

ebenso dramatisch. In Bayern wird seit 2003 jedes Jahr 13 Prozent zu wenig Grundwasser neu gebildet. Die aktuelle Hitzewelle beschleunigt das Defizit bei der Grundwasserneubildung zusätzlich, Bäche und Fließgewässer führen zu we­ nig Wasser. Der BN fordert deshalb konkrete Maß­ nahmen, dazu gehört vor allem ein besse­ rer Wasserrückhalt in der Fläche. Es braucht zudem eine Agrarstrategie, die eine schonende Landwirtschaft und na­ turnahe Wasserrückhaltung in der Agrar­ landschaft fördert.

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Natur +Umwelt 3 | 26 › AKTUELLES › Meldungen aus Bayern 9

Im Landkreis Landsberg sind bis zu zehn neue Erdgas-Bohrstellen geplant, diese drohen die Suche nach Trinkwasser zu behindern. Im Juli haben deshalb die Bürgermeister*innen und die Wasserzweckverbände der betreffenden Gemeinden sowie die Landrätin in einem offenen Brief den bayerischen Wirtschafts-

AKTIV AUF INSTAGRAM

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– cnono07

Igelgeburt, Vogelzug und Mimikry – wir zeigen dir, was in der Natur um dich herum gerade passiert.

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minister Hubert Aiwanger aufgefordert, die auslaufende Konzession für den Investor MCF Energy nicht zu verlängern. In ihrem Schreiben erklären sie, wie die geplanten Gasbohrungen die laufende – und bisher wenig erfolgreiche – Suche nach Trinkwasser in der Region erschwe­ ren oder sogar verhindern. Erst nach An­

GRUNDWASSER BESSER SCHÜTZEN Der BUND Naturschutz warnt vor einer gefährlichen Fehlsteuerung in der Wasserpolitik des Freistaats. Gerade in Zeiten von Klimakrise, Dürre und sinkenden Grundwasserständen muss der Schutz der örtlichen Trinkwasserversorgung oberste Priorität haben. Doch Anspruch und Wirklichkeit liegen zum Teil weit auseinander. So dürfen mehrere Getränkehersteller weiterhin be­ sonders reines und wertvolles Tiefen­ grundwasser entnehmen, trotz zuneh­ mender Trockenheit und damit geringerer Grundwasserneubildung. Absurd ist die Situation im Raum Treuchtlingen: Dort wird Tiefengrundwasser für die Mineral­ wasserproduktion entnommen, während

– Nowotny

WIDERSTAND GEGEN GASBOHRUNGEN

lage neuer Brunnen und Ausweisung neu­ er Wassereinzugsgebiete könne über wei­ tere Gasbohrungen in den verbleibenden, für die Wassergewinnung nicht benötig­ ten Gebieten nachgedacht werden. »Die Versorgung der Bevölkerung mit Trink­ wasser ist zentraler Bestandteil der öf­ fentlichen Daseinsvorsorge und muss Vorrang vor der Suche nach neuen Gas­ quellen haben«, schreiben die Kommunal­ politiker*innen unterschiedlicher Parteien. »Hubert Aiwanger steht jetzt vor der Entscheidung zwischen sicherem Trink­ wasser für eine ganze Region und Profit­ interessen eines privaten Investors«, er­ gänzt BN-Vorsitzender Martin Geilhufe. »Die auslaufende Konzession darf nicht verlängert werden, das Gas muss im Bo­ den bleiben!« Aus dem Widerstand gegen die geplan­ ten Gasbohrungen ist bereits eine neue BN-Ortsgruppe Reichling entstanden, die sich über das Energiethema hinaus auch für den Artenschutz einsetzen will.

com Foto: stock.adobe.

Foto: Albert Augustin

Eine Protestaktion vor dem Turm der ersten Probebohrung in Reichling

die Stadtwerke gut 90 Prozent ihres Trink­ wasserbedarfs über Fernwasser decken. Auch andere Getränkehersteller benut­ zen die kostbare Ressource. Wie die Süd­ deutsche Zeitung im Juli berichtete, ver­ wenden auch die Münchner Brauereien Tiefengrundwasser. Zumindest bei eini­ gen Herstellern wird dieses Wasser offen­ bar auch zum Spülen von Flaschen und Biertanks verwendet. Der BN bekräftigt deshalb seine Forde­ rung nach einem wirksamen Wasserent­ nahmeentgelt in Bayern – das gerade für Tiefengrundwasser deutlich höher sein muss.


10 Natur +Umwelt 3 | 26 › AKTUELLES › Suche nach Endlager

ATOMMÜLL-KOMMISSION

Endlager gesucht Wohin bloß mit dem deutschen Atommüll? Die Zahl der möglichen Standorte soll bald deutlich eingegrenzt werden.

Protest gegen die Castor-Transporte, ganz links Klaus Brunsmeier

Vor zehn Jahren legte die AtommüllKommission von Bundestag und Bundesrat ihren Abschlussbericht vor – und der BUND ein Sondervotum. Die Kommission und ein Gesetz sollten die Endlagersuche für hochradioaktive Abfälle neu ordnen. Was blieb von dem viel beschworenen Neustart? Als Jugendlicher fuhr Klaus Brunsmeier mit dem Mofa zur Infoveranstaltung über ein geplantes Atomkraftwerk und landete mitten in der »Schlacht um Grohnde«. Seitdem ließ ihn der Widerstand gegen die Atomkraft und die drängende Frage »Wohin mit dem Atommüll?« nicht mehr los. Knapp 40 Jahre später, im Juli 2016, stimmte er als Einziger der Kommission gegen deren Abschlussbericht. ANSPRUCH VERFEHLT Nach langem Abwägen hatte sich der BUND entschieden, in der Kommission mitzuwirken. Klaus Brunsmeier, damals stellvertretender BUND-Vorsitzender und bis heute aktiv in Nordrhein-Westfalen,

übernahm die Aufgabe. Doch am Ende erwies sich der Abschlussbericht als sehr lückenhaft. Der Atomausstieg kam nicht ins Grundgesetz, der Standort Gorleben wurde nicht ausgeschlossen, die Rechte der Öffentlichkeit waren zu schwach ver­ ankert. »Mit unserer Arbeit wollten wir das Verfahren konstruktiv verbessern. Die Kommission hat ihre eigenen Ansprüche verfehlt«, so Brunsmeier damals. Danach berief ihn der Bundestag in ein Gremium, das die Endlagersuche unab­ hängig begleiten soll. Bis Ende 2025 nahm er regelmäßig Stellung, wälzte Akten, beauftragte Studien und stellte un­ bequeme Fragen. »Klaus Brunsmeier hat dafür gesorgt, dass die Standortsuche im Blickpunkt blieb«, bedankt sich der BUNDVorsitzende Olaf Bandt. IN WEITER FERNE Die Suche kam in den letzten Jahren vor­ an. So schied der ungeeignete Standort Gorleben 2020 aus. Doch das Endlager liegt in weiter Ferne. Noch ist ein Viertel

JAN WARODE ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des BUND für Atompolitik.

der Fläche Deutschlands im Rennen, im Oktober will man weiter eingrenzen und ab dem Jahreswechsel 2027/2028 die geeignetsten Regionen vorschlagen. Dann haben die Betroffenen nur wenige Monate Zeit, um sich in Regionalkonferenzen mit der komplexen Materie zu befassen und Prüfaufträge zu stellen. Dazu Klaus Brunsmeier: »Bald wird we­ niger als ein Dutzend Regionen übrig sein. Deshalb sind jetzt Transparenz und eine frühzeitige Beteiligung gefragt – sonst wird es später ungemütlich.« Stattdessen überlegt die Bundesregierung das Verfah­ ren zu beschleunigen und begründet das auch mit dem steigenden Risiko an den Zwischenlagern. Der Müll wird dort noch Jahrzehnte verbleiben. Eine vermeintlich schnellere Suche macht diese Lager nicht sicherer. Dafür stehen bei der Endlagersuche nun auch Beteiligung und Klage­ rechte auf der Kippe. REALES PROBLEM Der BUND fordert, ein tragfähiges Konzept für die oberirdischen Zwischenlager zu erstellen und sie zügig nachzurüsten. Gleichzeitig muss weiterhin nach dem sichersten Standort für ein Endlager gesucht werden. Wie real das AtommüllProblem ist, zeigt der Blick nach NRW. Dort werden seit diesem Frühjahr CastorBehälter von Jülich nach Ahaus gebracht – von einem unsicheren Zwischenlager ins nächste, insgesamt 152 Stück. Der BUND NRW kämpft juristisch und auch auf der Straße dagegen. Klaus Brunsmeier ist mit dabei. Und das genauso entschlossen wie einst in Grohnde.

Mehr zum Thema www.bund.net/endlagersuche Am 10. November bietet der BUND eine Online-Veranstaltung zum Thema: www.bund.net/stand-der-endlagersuche


Natur +Umwelt 3 | 26 › AKTUELLES › Neue Serie: Was ist eigentlich ...? 11

Ä B R Ä L K R BN-E Gerettet dank Verbandsklage­ recht: das Blumenparadies am Geigelstein. Mehr Infos dazu hier:

Foto: Sonja Kreil

VERBANDSKLAGERECHT

Für die Umwelt vor Gericht ziehen In unserer neuen Reihe erklären wir zentrale ­Begriffe und Instrumente des Umwelt- und ­Naturschutzes – verständlich, kompakt und auf den Punkt. Diesmal: Was hinter dem Verbandsklagerecht steckt und warum es so wichtig ist. FLORIAN KAISER BN-Referent für politische Planung

Was ist das Verbandsklagerecht? Einzelpersonen, der Staat oder Unterneh­ men können auf die Einhaltung der Geset­ ze klagen – und durch diese Regelung auch Verbände oder Vereine wie der BUND Naturschutz. Sie können aber nicht aus privatem Interesse klagen, sondern um die Rechte der Allgemeinheit durchzu­ setzen, also die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen. Klagen kann nur ein Verein, der vom Staat als klageberechtigt aner­ kannt wird. Warum ist das so wichtig? Weil sonst zum Beispiel große Infrastruk­ tur-Projekte wie Autobahnen oder neue Gewerbegebiete ohne wirksame Kontrol­

R

le blieben. Ein zentrales und starkes In­ stru­ment, um gegen Rechtsverstöße von Behörden oder Unternehmen vorzugehen und die Interessen der Allgemeinheit und der Natur zu vertreten, würde fehlen. Wieso soll das Verbandsklagerecht abgeschafft oder eingeschränkt werden? Meist wird als Begründung genannt, dass Umweltverbände zu viel klagen, Baupro­ jekte verzögern und den Staat in seiner Handlungsfähigkeit beeinträchtigen. Was ist dran? Die Hindernisse liegen ganz woanders: fehlendes oder überlastetes Fachperso­ nal in den Behörden, Planänderungen durch Auftraggeber während des Verfah­ rens und andere Gründe. Und wenn nicht alle sinnvollen Alternativen geprüft oder die Öffentlichkeit nicht wie gesetzlich vor­ gesehen beteiligt wurde, fordern Betroffe­ ne ihr Recht individuell ein.

Klagt der BN so viel? Klagen kosten uns Geld und sehr viel Zeit. Deshalb klagt der BN zielgerichtet nur, wenn es um viel geht und der Rechtsver­ stoß eindeutig ist. Wenn Umweltverbände klagen, sind sie in der Mehrzahl der Fälle erfolgreich. Klagen von Umweltverbän­ den machen nur 0,2 Prozent der Klagen­ in Deutschland aus. Wer Verbandsklage­ rechte einschränkt, hebelt den Rechts­ staat aus. Worum geht es wirklich? Der BN klagt für die, die es nicht selbst können: Biber, Flüsse oder das Klima. Der Angriff auf Verbände und Verbandsklage­ recht soll den ungehinderten Eingriff in Natur und Umwelt ermöglichen – allen bekannten Folgen zum Trotz. Und er soll von eigenem Versagen ablenken: Dass die öffentliche Infrastruktur marode ist, die Kommunen überschuldet sind und der Verwaltung die Mittel für zügige Planung, Genehmigung und Umsetzung fehlen, liegt an politischen Entscheidungen der letzten Jahrzehnte, nicht an Umweltver­ bänden. Wie geht es weiter? Das Verbandsklagerecht kann nicht ohne Weiteres eingeschränkt werden, es ist völ­ kerrechtlich geschützt. Trotzdem sind die Angriffe auf Umwelt-, Natur- und Klima­ schutz und die Verbände, die sich dafür einsetzen, ernst zu nehmen. Wir halten dagegen: durch Aufklärung, gute fachli­ che Arbeit und auch Klagen – dort, wo sie nötig sind und die Rechte von Natur und Umwelt eindeutig missachtet werden.


12 Natur +Umwelt 3 | 26 › TITELTHEMA

Landwirtschaft & Ernährung

Sojaernte auf dem Weltacker des BUND in ­­ Bamberg. Hier wachsen über 40 der häufigsten Kultur­ pflanzen gemäß ihrem Anteil an der globalen Anbaufläche – ein Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche.

Auf welche Weise ein Weidetierhalter und drei Essensberaterinnen demonstrieren, wie es auch anders geht. Und weshalb es so wichtig ist, die Herkunft von tierischen Produkten endlich besser zu kennzeichnen. Dazu veranschaulichen Fotos einige ausgewählte BUND-Aktivitäten rund um ein Thema, das uns alle tagtäglich beschäftigt.

Foto: Christine Hertrich

Wie lassen sich gesunde Lebensmittel naturgerecht und nachhaltig erzeugen? Und warum ist das Gros der deutschen Landwirtschaft schlecht für den Krisenfall aufgestellt? Keine Frage, darüber kann man dicke Bücher schreiben. Unser kompakter Schwerpunkt zeigt Mut zur Lücke. Lesen Sie auf den nächsten Seiten, warum der BUND das deutsche Ernährungssystem und die Agrarpolitik der EU kritisch sieht.


Natur +Umwelt 3 | 26 › TITELTHEMA 13

LANDWIRTSCHAFT

Aus der Abhängigkeit Noch immer wird nur ein kleiner Teil Deutschlands ökologisch bewirtschaftet. Dabei kommt uns die industrielle Landwirtschaft in vieler Hinsicht teuer zu stehen. Höchste Zeit für eine Agrarwende.

CORINNA HÖLZEL

auf unsere Umwelt, das Gesundheitssys­ tem und kommende Generationen.

und …

sind Mitarbeiterinnen im BUND-Team Landnutzung.

Lebensmittel sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Seit 2020 stiegen die Preise in Deutschland um mehr als ein Drittel. Wir alle merken das beim Einkauf von Brot, Gemüse, Milch oder Speiseöl. Doch zeigen die Preise im Supermarkt nur einen Teil der wirklichen Kosten unseres Ernährungssystems. Viele Folgekosten tauchen auf unserem Kassenzettel gar nicht auf. Wir tragen sie als Allgemeinheit, etwa über Steuern oder unsere Beiträge zur Krankenkasse und zum Umweltschutz. So fallen Kosten an, um nitratbelastetes Trinkwasser zu reinigen, Böden und Gewässer wiederzubeleben oder Menschen zu behandeln, die – besonders in der Landwirtschaft – Pestiziden und anderen Agrargiften aus­ gesetzt sind. Lebensmittel erscheinen oft nur deshalb günstig, weil ein Teil ihrer realen Kosten ausgelagert wird –

15 %

aller fossilen Brennstoffe werden für die globale Ernährung genutzt (vor allem die industrielle Landwirtschaft)

Jeden Herbst schreiten BUND-Aktive auf zahllosen Streuobstwiesen zur Ernte. Die mehr als 400 Obstbäume der BUND-Ortsgruppe Lemgo tragen neben Birnen, Kirschen oder Pflaumen über hundert alte Apfelsorten. (Interessanter Aspekt: www.bund-lemgo.de/apfelallergie.html)

Foto: W. Hennebrüder

PIA VOELKER

ABHÄNGIG Hinzu kommt: So, wie sich die Mensch­ heit heute ernährt, ist sie massiv von fos­ siler Energie abhängig. Weltweit bean­ spruchen Ernährungssysteme rund 15 Prozent aller fossilen Brennstoffe. Diese stecken weniger im Warentransport als in der industriellen Landwirtschaft selbst – in Düngemitteln und Pestiziden oder im Diesel für Landmaschinen. Steigt der Öl- und Gaspreis, steigen meist auch die Preise unserer Lebensmittel.


14 Natur +Umwelt 3 | 26 › TITELTHEMA

Diese Abhängigkeit birgt gleich drei Gefahren. Erstens macht sie die Lebens­ mittelversorgung extrem anfällig für Preissprünge auf dem Energiemarkt. Zweitens verschärft sie die Erderwärmung, die wiederum Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle verursacht. Drittens profitieren in Krisenzeiten häufig speziell Agrar-, Energie- und Lebensmittelkonzerne. Während der Corona-Pandemie und nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine erzielten große Anbieter von Dünge- und Lebensmitteln Rekordgewinne. In den USA fand man heraus, dass die Teuerung von Lebensmitteln zwischen 2020 und 2021 zu 54 Prozent auf höhere Unterneh­ mensgewinne zurückzuführen war. VERWUNDBAR Wie verwundbar das System ist, zeigen aktuelle geopolitische Konflikte. Span­ nungen im Nahen Osten und die Blockade wichtiger Handelswege (wie der Straße von Hormus) beeinträchtigen weltweit

Bei der jährlichen BIO-Landpartie des BUND Mecklenburg-Vorpommern öffnen sich Höfe, Werkstätten und Manufakturen – im Bild der Alte Pfarrhof Elmenhorst. Demnächst wieder am 19. September!

EU NORD­AFRIKA, NAHER OSTEN, GOLFSTAATEN, CHINA

den Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln. Ein erheblicher Teil dieser Rohstoffe wird über Seewege transportiert. Sind Liefer­ ketten unterbrochen, steigen die Preise und die Verfügbarkeit sinkt – oft noch Monate nach dem eigentlichen Konflikt. Europa und Deutschland sind dabei doppelt abhängig: von den Preisen einge­

führter Rohstoffe und von ihrer generellen Verfügbarkeit. So wird für die Herstellung von Stickstoffdünger Erdgas benötigt. Die EU importiert sehr viel Gas sowie Roh­ stoffe für Dünger aus Nordafrika, aus dem Nahen Osten oder den Golfstaaten. Auch Phosphat, ein zentraler Bestandteil vieler Dünger, stammt großteils aus wenigen Ländern, etwa Marokko oder China. Ohne diesen Import könnte Europas industrielle Landwirtschaft kaum in ihrer heutigen Form bestehen. WIDERSTANDSFÄHIG Agrarverbände fordern in Krisenzeiten meist, die Einfuhr günstiger Düngemittel zu gewährleisten. So verlangte der Deut­ sche Bauernverband nach Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine niedrigere Importzölle und einen leichteren Zugang zu Pflanzennährstoffen. Nur genügend Mineraldünger sichere die Erträge und verhindere steigende Preise.


Natur +Umwelt 3 | 26 › TITELTHEMA 15

Landwirtschaft und Ernährung sind auch ein Schwerpunkt der BUNDjugend. Hier Ex-Bundesvorständin Lotta auf der Demo »Wir haben es satt!«

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Der BUND bewertet die Lage grundlegend anders. Aus unserer Sicht zeigt die aktuelle Krise erneut, wie riskant und wenig zukunftsfähig das bestehende Agrar- und Ernährungssystem geworden ist. Statt die Höfe noch abhängiger von fossilen Betriebsmitteln zu machen, müs­ sen wir sie widerstandsfähiger, regionaler und ressourcenschonender aufstellen. Nur so werden sie zukünftig noch auf fruchtbare Böden und auf bestäubende Insekten zurückgreifen können, die für unsere Versorgung mit gesunden Lebens­ mitteln nötig sind. VIELFÄLTIG Im Mittelpunkt stehen dabei Ökolandbau und Agrarökologie. Beide Ansätze zielen darauf, natürliche Kreisläufe zu stärken und den Einsatz externer Betriebsmittel wie Mineraldünger und Pestizide deutlich zu verringern. Gelingen kann das mit viel­ fältigen Fruchtfolgen, Mischkulturen, Agro­ forstsystemen, Lebensraum für Nützlinge oder der Kombination von Ackerbau und Viehhaltung. Hülsenfrüchte wie Klee oder Bohnen vermögen Stickstoff im Boden zu

binden und dadurch synthetischen Dünger zu ersetzen. All das können übrigens auch konventionelle Betriebe umsetzen. Internationale Studien zeigen: So kann das Klima, der Boden und die biologische Vielfalt geschützt und gleichzeitig die Ernährung gesichert werden. Beson­ ders erfolgreich sind agrar­ ökologische Systeme, die mehrere Maßnahmen verbinden und regionale Netzwerke von Land­ wirt*innen stärken. Weltweit haben be­ reits Millionen von Betrieben auf agrar­ ökologische Metho­ den umgestellt. Sie sind damit deutlich unabhängiger von fossiler Energie und deshalb robuster gegenüber globalen Preisschocks. AUF GEGENKURS Auch die Welternährungsorganisation und der Weltklimarat betonen inzwischen, wie wichtig agrarökologische Methoden für den Klimaschutz und die Anpassung an die Erderhitzung sind. Denn das heutige industrielle Ernährungssystem trägt erheblich zum Ausstoß von Treibhausgasen, zum Naturverlust und zur Wasser­ verschmutzung bei. Doch die EU-Kommission steuert in die Gegenrichtung. So schlägt sie vor, Pestizide künftig unbefristet zuzulassen und nicht mehr regelmäßig auf mögliche Risi­ ken zu überprüfen. Gefährliche Pestizide blieben damit noch länger im Einsatz – ein Verstoß gegen das Vorsorgeprinzip und eine Gefahr für Mensch und Umwelt. Und sie plant neue Gentechnikverfahren. Nicht nur der BUND warnt davor, die Pflicht zur Transparenz und Kennzeich­ nung gentechnisch veränderter Organis­ men zu schwächen und weniger vorsichtig beim Schutz der Natur zu sein. Zugleich drohen die neuen Verfahren die industrielle Landwirtschaft weiter zu festigen – mit ihrer Abhängigkeit von Pestiziden und der wachsenden Marktmacht der Konzerne.

ROBUSTER Die aktuelle Krise verdeutlicht: Der Preis unserer Lebensmittel hängt nicht nur vom Wetter oder von der Ernte ab. Hinter je­ dem Produkt stehen globale Rohstoff­ märkte, geopolitische Konflikte, Umwelt­ kosten und politische Entscheidungen. Solange ein Ernährungssystem auf fossi­ len Energien, langen Lieferketten und we­ nigen mächtigen Konzernen beruht, bleibt es anfällig. Robuster wird es, wenn es möglichst regional, vielfältig und ökolo­ gisch gestaltet ist – und damit nicht nur stabile Preise garantiert, sondern auch das Klima schützt und unsere Gesundheit und Ernährung sichert. Der BUND fordert die EU und Bundesregierung dazu auf, die Chance für einen Wandel der Landwirtschaft zu nutzen. Sie müssen die Bäuerinnen und Bauern bei der Umgestaltung unterstützen und ihre Leistungen für Umwelt und Natur ange­ messen entlohnen. Darauf hat auch die Zukunftskommission Landwirtschaft bereits gedrängt.


16 Natur +Umwelt 3 | 26 › TITELTHEMA

GEMEINSAME AGRARPOLITIK

Was die EU-Kommission für die künftige Agrarpolitik und die Förderung des ländlichen Raums vorschlägt, birgt Sprengstoff. Vor allem der Naturschutz auf landwirtschaftlichen Flächen ist bedroht. SEBASTIAN KÖNIG ist Sprecher des Arbeitskreises Landwirtschaft.

DANIELA WANNEMACHER leitet das Team Landnutzung des BUND.

Mit 36 Prozent beansprucht die Gemeinsame europäische Agrarpolitik (GAP) aktuell noch den größten Brocken des EU-Haushaltes. Seit Gründung der Wirtschaftsgemeinschaft soll sie gewährleisten, dass die Bevölkerung sicher und ausreichend versorgt ist. Wie – und wie nachhaltig – dies geschehen kann, ohne neuere EU-Ziele zum Schutz der Natur oder des Klimas zu torpedieren, wird mit jeder Förderperiode neu diskutiert. Meist alle sieben Jahre werden mit dem neuen Haushalt auch die Leitlinien der GAP neu beschlossen, die derzeitige Periode endet 2027. In den letzten Jahr­ zehnten fand dabei eine stetige Um­ schichtung zum Umwelt- und Natur­ schutz statt. So wurde etwa die Pflege von Hecken stärker gefördert und eine häufigere Fruchtfolge vorgeschrieben.

WETTLAUF NACH UNTEN Ab 2028 will die EU-Kommission jedoch den Rückwärtsgang einlegen. Künftig soll sich wieder mehr Fläche auszahlen, nicht aber mehr Naturschutz. Dabei sind sich die Wissenschaft und gesellschaftliche Gremien wie die Zukunftskommission Landwirtschaft einig: Zukunftsfähig ist die Agrarförderung nur, wenn sie Natur und Landwirtschaft gemeinsam in den Blick nimmt. Die Kommission aber will den Rotstift bei den Betrieben ansetzen, die sich Naturschutz als Betriebszweig aufgebaut haben und wichtige Leistungen fürs Gemeinwohl erbringen, von sauberem Wasser bis Tierwohl und Insektenschutz. Dafür plant sie, verbindliche Anforde­ rungen der GAP beim Umwelt- und Klima­ schutz aufzuweichen oder ihre Definition den Mitgliedsstaaten zu überlassen. So droht ein Wettlauf nach unten. Warum soll ein Land mit seinen Betrieben über ein Mindestmaß beim Wiesen- oder Moor­ schutz streiten, wenn das Nachbarland die Subventionen einfach so auszahlt? Langfristig zerstört das die Basis jeder Landwirtschaft: Böden verarmen, Arten verschwinden, die Wasserqualität leidet.

36 %

des EU-Haushalts fließen in die ­Förderung der Landwirtschaft

Foto: Birgit Gleixner

Weniger­ Naturschutz? Walzenöd bei Landshut: Bei der Wiesenmeisterschaft des BUND Naturschutz prämierte Wiese

KÜRZUNGEN DROHEN Die EU-Kommission plant zudem, die Mit­ gliedsstaaten jenseits der pauschalen Flächenzahlungen deutlich stärker zu be­ lasten. Bei uns betrifft das vor allem die Bundesländer. 500 Millionen Euro wären jedes Jahr nötig, um nur die aktuellen Agrar­ ­ umweltprogramme zu sichern. So drohen empfindliche Kürzungen bei der regionalen Förderung des Ökolandbaus und der Landschaftspflege sowie bei großflächigen Maßnahmen, die Landwirt­ schaft und Naturschutz gemeinsam um­ setzen. Viele vorbildliche Projekte könnten damit (weiter) unter Druck geraten, ob zur Bewahrung von Mittelgebirgs- und Streu­ obstwiesen, zum Schutz der Wiesenvögel oder zum Pestizidverzicht. GEMEINWOHL FÖRDERN Statt also unsere Ernährung nachhaltig zu sichern, könnte die neue Agrarförderung der EU vielmehr zu großer Unsicherheit führen. Sie benachteiligt die, die schon heute besonders ressourcenschonend wirtschaften, sorgsamer mit dem Boden, dem Wasser und der biologischen Vielfalt umgehen und ihre Tiere besser halten. Diese Leistungen fürs Gemeinwohl müssen weiter verlässlich honoriert werden. Die Vorschläge der EU zielen also genau in die falsche Richtung. In den nun anstehenden Verhandlungen zwischen den Mitgliedsstaaten, der EU-Kommission und dem Europäischen Parlament wird sich der BUND deshalb für grundlegende Änderungen starkmachen. Denn bäuerliche, ökologische und regional verankerte Betriebe schaffen echte Wertschöpfung und verdienen unsere Unterstützung.


Natur +Umwelt 3 | 26 › TITELTHEMA 17

TIERHALTUNG

Label­dschungel lichten Nur wenn tierische Produkte wie Fleisch, Käse oder Milch transparent ­gekennzeichnet sind, können wir uns beim Einkauf gut entscheiden. PATRICK MÜLLER ist BUND-Experte für Agrarpolitik.

Foto: blattwerker.de /U. Behr

Auf dem deutschen Markt existieren hunderte Label, Siegel und Werbeversprechen für tierische Produkte. Einige davon, etwa die Eierkennzeichnung oder das Bio-Siegel, bieten echte Orientierung. Mit ihrer Hilfe können wir Lebensmittel aus besserer Tierhaltung und mit geringerer Umweltbelastung wählen. Doch daneben dominiert, von der Industrie gewollt, ein Dschungel aus bunten Symbolen und irreführenden Begriffen, die kaum mehr aussagekräftig sind. So wird verschleiert, wie grausam die aller­ meisten Tiere konventionell gehalten werden. Das führt dazu, dass viele Men­ schen mit ruhigem Gewissen zu den Billigprodukten der Tierindustrie greifen.

Teile der Politik und Industrie legen dies als fehlendes Interesse am Tierwohl aus. Tatsächlich aber werden wir beim Einkauf systematisch im Unklaren gelassen. Dieser »Consumer-Citizen-Gap« ist seit Jahren bekannt. Rund 90 Prozent der Deutschen wünschen sich in Umfragen regelmäßig eine bessere Tierhaltung, knapp 70 Prozent würden dafür auch mehr bezahlen. An der Supermarktkasse aber scheitert das oft an mangelnder Kennzeichnung und Vergleichbarkeit. GESETZ VERSCHLEPPT Entschieden sich dank größerer Transpa­ renz mehr Menschen für eine gute Tier­ haltung, käme mehr Geld ins System. Geld, das die Betriebe brauchen, um ihre Tierställe umzubauen. Gleichzeitig täte sich der Gesetzgeber leichter, die ärgs­ten Haltungsformen abzuschaffen. Der BUND fordert daher seit Langem, alle tierischen Produkte verpflichtend, staatlich kontrol­ liert und gut verständlich zu kennzeichnen.

90 %

der Deutschen wünschen sich eine bessere Tierhaltung Auf Initiative des damaligen Agrarministers Cem Özdemir wurde die Kenn­ zeichnung der Tierhaltung 2023 erstmals zur Pflicht – wenn auch nur für frisches Schweinefleisch und für unverarbeitete Produkte deutscher Herkunft. Doch die Einführung wird bis heute verschleppt. Nachfolger Alois Rainer verschob das Ge­ setz wegen »zu viel Bürokratie« zunächst um acht Monate – ohne in dieser Zeit eine tragfähige Alternative vorzustellen. MEHR TRANSPARENZ Weitere Verzögerungen folgten. Derzeit prüft Brüssel, ob der neueste Vorschlag des Agrarministeriums mit den EU-Grund­ sätzen konform ist – was durchaus unklar ist. Und die Bundesregierung torpediert nicht nur das Gesetz zur Kennzeichnung. Sie hat auch ein wichtiges Programm ge­ stoppt, das den Betrieben helfen sollte, mit dem Umbau ihrer Ställe in mehr Tier­ schutz zu investieren. Die werden mit ihren Kosten nun alleingelassen. Der BUND fordert, tierische Produkte endlich konsequent zu kennzeichnen und diese Kennzeichnung auf alle Produkte tierischer Herkunft und auf alle Verkaufs­ wege auszuweiten. Nur mit voller Trans­ parenz können wir gut informiert einkau­ fen und auf der Speisekarte auswählen. Und damit besonders qualvolle Haltungs­ formen schrittweise vom Markt drängen und eine tiergerechtere Landwirtschaft voranbringen.

www.bund.net/ haltungskennzeichnung Seit Jahren hält der BUND in der Diepholzer Moor­ niederung hunderte Moorschnucken. Die robusten Schafe halten wertvolle Moorflächen offen.


18 Natur +Umwelt 3 | 26 › TITELTHEMA

BESSER ERNÄHREN

Bio ? Logisch ! Seit 1998 klärt die BN-Kreisgruppe München über die Vorteile einer gesunden und nachhaltigen Ernährung auf, mit Aktionen etwa in Schulen oder Firmen. Wir – derzeit drei Frauen – beraten zudem die hiesige Gastronomie. Unser Ziel ist, den Anteil von Lebensmitteln aus dem Ökolandbau und der Region zu erhöhen. Bis 2030 wünschen wir uns 30 Prozent »bio«. Dieses Ziel verfolgen wir gemeinsam mit der Landeshauptstadt München, die seit zwanzig Jahren »Biostadt« ist und unsere Projektstelle fördert.

jektstelle in der Öffentlichkeitsund Pressearbeit und erstellt unser Info- und Werbematerial. Damit wol­ len wir mehr Menschen und vor allem Tischgäste überzeugen, wie wichtig eine gesunde Ernährung für Mensch und Natur ist. Komplettiert wird das Trio durch mich, Susanne Kiehl, als Köchin in fünfter Generation, Kräuterpädagogin und Ge­ würzsommelière. Ich unterstütze Küchen dabei, mehr Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb praktisch umzusetzen. Ehrenamt­ lich engagiere ich mich zudem als Vor­ ständin des Münchner Ernährungsrates.

WER WIR SIND Zu unserem Team gehört Anna Becker, die nach einem Studienpraktikum bei der Kreisgruppe München zehn Jahre später als Projektleiterin zurückgekommen ist: mit einem Master in Biologie und viel Wis­ sen über eine nachhaltige Ernährung. Eva Dutz unterstützt die Pro­

WAS WIR TUN In unserer täglichen Arbeit beraten und vernetzen wir Küchen mit bio-regionalen Lieferanten. Dies erfolgt sowohl vor Ort in den Unternehmen als auch in größerem Rahmen. Wir veranstalten Kochworkshops etwa zu Algen als Zukunftsfood in der Ge­ meinschaftsverpflegung. Ein spannendes

ANNA BECKER

SUSANNE KIEHL

Foto: alegra kommunikation

EVA DUTZ

Foto: Manfred Walser

Die Projektstelle »Ökologisch Essen« möchte mehr Münchner*innen dafür gewinnen, sich außer Haus bio-regional zu verpflegen.

Der BUND-Regionalverband Bodensee-Ober­schwaben hat ein Netzwerk aus 120 Walnuss­bauern, Ölmühlen, Verarbeiterinnen und Händlern geknüpft, um Anbau und Vermarktung regionaler Walnüsse zu fördern.

Thema, um auf die Überfischung der Meere hinzuweisen und für das »Gemüse aus dem Meer« zu werben. Geschmacklich und bezüglich der Inhaltsstoffe kann es wirklich überzeugen. Neben der Gastronomieberatung errei­ chen wir auch über Flyer und Rezeptkarten, über unseren Instagram-Account und die Homepage immer mehr Menschen mit unserem Anliegen. Dazu veranstalten wir viermal im Jahr Kochkurse für Privatpersonen. Auch sind wir auf Großveranstaltungen präsent, wie dem Tollwood-Festival oder der Klimadult – mit einem Getreiderätsel und BohnenQuiz oder unserem Smoothie-Fahrrad. VERNETZEN Auch andernorts ist der BUND für eine ge­ sunde und nachhaltige Ernährung aktiv, etwa im BUND-Arbeitskreis Ernährungs­ wende in Hessen. Gerne würden wir uns über München und Bayern hinaus mit Gleichgesinnten im Verband austauschen und ein deutschlandweites Netzwerk auf­ bauen. Bitte gerne bei uns melden unter: bio@bn-muenchen.de Susanne Kiehl

Mehr zum Thema www.oekologisch-essen.de; Instagram: bn_muenchen_oekologisch_essen Mehr zum Thema Ernährung: www.bund.net/konzernatlas


Natur +Umwelt 3 | 26 › TITELTHEMA 19

INTERVIEW

Bunte Weiden

GERD KÄMMER

Gerd Kämmer betreibt einen vorbildlichen BiolandBetrieb im Norden Schleswig-Holsteins. An dessen Wiege stand eine Arbeitsgruppe des BUND. Herr Kämmer, Sie sind Vorstand und Mitgründer von »Bunde Wischen«. Was zeichnet Ihren Hof aus? Für einen landwirtschaftlichen Betrieb eher ungewöhnlich, haben wir uns dem Naturschutz verschrieben. Wir sind eine gemeinnützige Genossenschaft. Ich selbst bin zudem kein Landwirt, sondern habe in Kiel Biologie studiert, mit dem Schwerpunkt Naturschutz. Von Beginn meines Studiums an habe ich Bunde Wischen aufgebaut. Unser Schwerpunkt hier ist die biologische Vielfalt, dem ord­ net sich alles andere unter. Als Schlüssel­ faktor dafür dient uns eine extensive Beweidung. Am Schluss vermarkten wir das Fleisch unserer Tiere, damit sich der Betrieb wirtschaftlich trägt.

2 ha WEIDEFLÄCHE

Welche Vorteile bietet Ihre Weidehaltung für die Natur und Ihre Tiere? Extensiv heißt: wenige Tiere auf großer Fläche. Jedes unserer tausend Rinder hat zwei Hektar zur Verfügung. Weil wir nicht mähen, haben wir immer blühende Pflan­ zen auf unserer Fläche, ein ganzjähriges Angebot für Insekten. Und weil unsere Tiere im Sommer nicht alles fressen kön­ nen, werden genügend Kräuter samenreif und können sich fortpflanzen. Der Über­ schuss ernährt unsere Weidetiere dann im Winter, ohne Kraftfutter, Maissilage et cetera. Der Tierschutz steht für uns ganz weit oben. Unsere Tiere leben hier natürlich und artgerecht. Und sie sterben

stressfrei per Kugelschuss auf der Weide, ohne lange Transporte zu Schlachthöfen wo auch immer. Warum ist eine so natur- und tiergerechte Weidehaltung in Deutschland nicht weiter verbreitet? Gute Frage. Wohl weil das doch mit viel Arbeit und persönlichem Engagement verbunden ist. 40 Jahre hat es gedauert, unserem Betrieb diese Größe und Struk­ tur zu geben. Die ersten Rinder haben ein Studienkollege und ich schon als Erst­ semester angeschafft, hobbymäßig aus einer BUND-Arbeitsgruppe heraus. Dafür pachteten wir eine Orchideenwiese, die sich dank der Beweidung deutlich besser entwickelte als der gemähte Rest der Wiese. So erfuhr ich zum ersten Mal, wie bedeutsam große Weidegänger für die biologische Vielfalt sind. Ob Wisente, Auerochsen oder Wildpferde, sie alle hat der Mensch hier ausgerottet. Ihre Funktion können heute extensive Hausrinder über­ nehmen, bei uns vor allem Galloways; und in zwei großen Projektgebieten auch Koniks, Wildpferde aus Polen. Um die Abermillionen Schweine, Rinder und Hühner, die heute in Mastanlagen vegetieren, derart großzügig weiden zu lassen, fehlt wohl der Platz? Das stimmt natürlich. Großflächig funk­ tioniert das nur, wenn wir unsere Tierhaltung und Er­ nährung auf weniger Fleisch umstellen. Persönlich erfah­ re ich, dass die

Leute, die unseren Hofladen aufsuchen, seltener, aber dafür hochwertiges Fleisch essen möchten. Die meisten Rinder wer­ den ja heute nicht mehr von der Weide er­ nährt, sondern vom Acker. Oder von be­ wirtschaftetem Moorgrünland wie hier im Norden, was die Böden zersetzt und die Milchproduktion maximal klimaschädlich macht. Unsere Weidehaltung ist dagegen klimaverträglich. Sie haben einen BUND-Standpunkt zur Weidehaltung mitverfasst, engagieren sich also bis heute bei uns. Richtig, die Verbundenheit ist geblieben. Der BUND steckt ja noch immer in unse­ rem Namen, der plattdeutsch »bunte Wiesen« bedeutet. Gemeinsam mit dem Landesverband Schleswig-Holstein habe ich zuletzt für die Einführung einer Weide­ prämie geworben – was die Bundesregie­ rung leider abgelehnt hat. sz

www.bundewischen.de www.bund.net/ standpunkt-weidehaltung Auf »Bunde Wischen« weiden eintausend Rinder.


20 Natur +Umwelt 3 | 26 › TITELTHEMA

ÖKOLANDBAU IN BAYERN

Die Nachfrage nach Bioprodukten wuchs 2025 ­ um rund 10 Prozent, während die Zahl der Erzeugerbetriebe und die Fläche stagnieren, auch in Bayern. Woran liegt das?

HARALD ULMER BN-Agrarreferent

Die Entwicklung zeigt: Der Zuspruch zu Bio-Produkten nimmt an der Einkaufstheke kontinuierlich weiter zu – seit drei Jahrzehnten. Aber: Der Anteil von Bioprodukten am gesamten Lebensmittelmarkt 2025 in Deutschland liegt erst bei 6,5 Prozent. Gefühlt ist Bio jetzt überall. Bioprodukte, teils auch von Anbauverbänden mit stren­

6,5 % Anteil an Bioprodukten am ­gesamten Lebensmittelmarkt ­ in Deutschland 2025

geren Regeln als die EU-Bioprodukte, gibt es inzwischen auch beim Discounter. Doch nach wie vor treffen wir als Verbrau­ cher*Innen zu selten die Entscheidung für ein Bioprodukt, denn sie ist immer auch eine Entscheidung für mehr Natur-, Tier-, Klima-, Biodiversitäts- und Ressourcen­ schutz. FALSCHE SIGNALE Die Bayerische Staatsregierung hat nach dem Bienen-Volksbegehren ein Wachs­ tum des Ökolandbaus im Freistaat auf 30 Prozent bis 2030 ausgerufen. Auf euro­ päischer Ebene sind 20 Prozent bis 2030 anvisiert. Doch trotz positiver Marktsig­ nale stagniert die Umstellung bei den Be­ trieben; das Wachstum kommt nicht vor­ an. 2025 wurde in Bayern auf rund 13,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche und in Deutschland auf rund 11,5 Prozent der Fläche ökologisch gewirtschaftet. Was hält die Landwirt*innen davon ab, auf Bio umzustellen? Es ist vor allem die gesellschaftspolitische Stimmung, die Probleme verharmlost und jedes nachhal­ tige, auf ökologischer Vernunft basieren­ de Vorgehen attackiert. Bundeslandwirt­ schaftsminister Alois Rainer (CSU) ver­ senkt die ausgearbeiteten Vorschläge der Zukunftskommission Landwirtschaft im Papierkorb. Und im EU-Parlament in Brüs­

Foto: stock.adobe.com – rh2010

Zwischen Boom und Blockade Bayerns Bio-Bauernhöfe unterstützen – das geht am besten mit regionalem Einkauf von Bio-Lebensmitteln.

sel werden, angeführt von Manfred Weber (CSU), der Green Deal und die damit ver­ bundene Farm-to-Fork-Strategie Schritt für Schritt abgewickelt. Das sind keine Si­ gnale zur Umstellung auf Ökolandbau an die bayerischen Landwirt*innen. Andererseits sind alle großen Lebens­ mittelhändler in den Biomarkt eingestie­ gen und setzen auf seine positiven, von den Verbraucher*innen getriebenen Ent­ wicklungen und treiben die Bundesregie­ rung bei der Tierschutzkennzeichnung vor sich her. Während also im EU-Parlament ein ideologischer Kampf geführt wird gegen alles, was den Natur-, Tier-, RessourcenKlima- und Biodiversitätsschutz voran­ bringen würde, scheinen zumindest die Wirtschaftsunternehmen und die Verbrau­ cher*innen verstanden zu haben. Persönlich können wir alle jeden Tag ei­ nen kleinen Beitrag leisten, indem wir uns für Bioprodukte entscheiden. Darüber hin­ aus kommt es nun insbesondere auf uns als Zivilgesellschaft an, uns in den Regio­ nen für den Ökolandbau zu engagieren und auf Landes-, Bundes- und Europa­ ebene für Rahmenbedingungen zu kämp­ fen, die den Ökolandbau und Naturschutz unterstützen statt verhindern. Der BUND Naturschutz bleibt dran!


Natur +Umwelt 3 | 26 › TITELTHEMA 21

ZUKUNFTSFAKTOR WASSER

Zu viel oder zu wenig? BN-Agrarreferentin

Lange Dürrezeiten wie in diesem Frühjahr und Sommer führen dazu, dass Getreide zu früh reift und Grünland wesentlich weniger Ertrag bringt. Wenn dann bei heftigen Gewittern viel zu viel Regen fällt, setzt Erosion ein und der fruchtbare Oberboden wird vom Feld in die Gräben geschwemmt. Beide Extreme beschleunigen sich gegenseitig, denn ein ausgetrockneter Boden kann kein Wasser aufnehmen. Eines ist klar: Landwirtschaft braucht Wasser. Doch die Ressource Wasser ent­ wickelt sich gerade rasant zum Zukunfts­ faktor: Sie wird knapper, umkämpfter und politischer. Politischer wird Wasser vor allem in der Diskussion um unsere Trinkwasservorrä­ te, die Vorrang haben in der langen Reihe der Wassernutzungen. Hohe Nitratwerte durch Überdüngung gehören schon län­ ger zu den Problemen der Trinkwasser­ versorger. Um Grundwasser langfristig als verlässliche Quelle für sauberes Trink­ wasser zu sichern, muss es gelingen, die überschüssigen Einträge von Nitrat aus der Landwirtschaft zu verhindern. Hier ist politisch im Jahr 2026 einiges passiert. Leider wurden Instrumente wie Dokumen­ tationspflichten für Einzelbetriebe und – vor allem auf Initiative aus Bayern – die Erfassung nitratbelasteter Gebiete mit Auflagen für die Bewirtschaftung abge­ schafft. Die neuen Düngegesetze, die ge­ rade entstehen, müssen unbedingt die

Verursacherbetriebe mit hoher Tierdichte identifizieren und zum Handeln zwingen. Zusätzlich steigt mit zunehmenden Re­ genpausen rasant der Wunsch nach Be­ wässerung. Für viele Betriebe wird nicht nur die Frage wichtig, ob und welche Kul­ turen sie bewässern, sondern auch wie. Nach dem neuen bayerischen Wasser­ gesetz ist die Bewässerung über Wasserund Bodenverbände vom Wassercent befreit. Das könnte einerseits gemein­ ­ schaftliche, technisch effiziente Bewäs­ serungskonzepte mit bodennahem Tröpf­ chenverfahren und präziser Steuerung in­ teressant machen, andererseits aber auch die Flucht in die großtechnische Be­ wässerung erleichtern. Hier ist ein Pro­ zess im Gang, den der BUND Naturschutz bereits kritisch begleitet. Doch Landwirtschaft kann mehr als Wasser konsumieren. Sie ist eine der ent­ scheidenden Stellschrauben, wenn es da­ rum geht, das Wasser dezentral in der Landschaft zu halten, bevor

Verschwenderisch: Bei dieser Art der Bewässerung verdunstet viel Wasser.

es bei Starkregen mitsamt wertvollem Oberboden in den Bächen und Flüssen landet. Das vermag eine Landwirtschaft, die den Bodenaufbau vorantreibt. Denn ein lebendiger Boden mit hohem Anteil an Humus verschlämmt nicht an der Ober­ fläche und kann Wasser direkt aufneh­ men. Zusätzlich kann das Wasser über Regenwurmröhren tiefer abgeleitet und dort langfristig gespeichert werden – und der Kulturpflanze im entscheidenden Mo­ ment zur Verfügung stehen. Darauf muss sich die bayerische Agrarpolitik mit ihren Förderprogrammen ausrichten. Der Auf­ bau von Humus, die Vermeidung von Bo­ denverdichtung und die Belebung unserer Böden wären zukunftsweisend, gerade im Hinblick auf die knapper werdende Ressource Wasser. Für diese Dienstleis­ tungen müssen Bäuerinnen und Bauern fair entlohnt werden.

Foto: clipdealer/deyangeorgiev

RITA ROTT

Wasser war in der bayerischen Landwirtschaft lange kein beachtetes Thema. Das hat sich grundlegend geändert. Es sind zwei Extreme, die die Landwirtschaft vor große Herausforderungen stellen: zu viel oder zu wenig Wasser.


22 Natur +Umwelt 3 | 26 › AKTION › Baumschutz

WAS KANN ICH TUN? Wer Stadt- oder Gartenbäume unterstützen möchte, kann mit einfachen Maßnahmen viel bewirken:

Foto: Yvonne Schöpf

• Selten, dafür gründlich gießen: Statt täglich kleine Mengen zu verteilen, besser ein- bis zweimal pro Woche durchdringend wässern. J ­e nach Baumgröße und Standort können dafür zwischen etwa 50 Litern (junge Bäume) und 100 bis 150 Litern (Altbäume) sinnvoll sein. So gelangt das Wasser in tiefere Bodenschichten und erreicht die Wurzeln.

SELBST AKTIV WERDEN

Bäume gegen Hitze Wenn im Sommer der Asphalt glüht, zeigt sich, wie wertvoll jeder einzelne Baum ist. Doch gerade die Bäume, die unsere Städte kühlen sollen, geraten zunehmend an ihre Belastungsgrenze.

Foto: stock.adobe.com – satori

Extreme Hitze und lange Trockenperioden setzen ihnen ebenso zu wie verdichtete Böden, versiegelte Flächen, Streusalz, Abgase und der oft stark eingeschränkte Wurzelraum. Was oberirdisch noch gesund aussieht, hat unter der Erde mit vielen Problemen zu kämpfen: Verdichtete oder ausgetrocknete Böden erschweren die Wasser-, Nährstoff- und Sauerstoffversorgung erheblich. Viele Schäden beginnen deshalb unsichtbar – lange bevor sich erste Sym-

ptome in der Baumkrone zeigen. Genau deshalb lohnt es sich, unsere Stadtbäume aufmerksam zu beobachten. Mit der kostenlosen »Mein Baum«-App des BUND Naturschutz können Bürger*innen Stadt-, Dorf- und auch Privatbäume erfassen, ihre Baumart bestimmen, den Standort dokumentieren und Veränderungen am Baum festhalten. Zwar kann die App nicht sichtbar machen, was sich im Boden abspielt, wohl aber die Folgen und Entwicklungen am Baum dokumentieren. Werden

• Langsam gießen: Das Wasser sollte nach und nach in die Baumscheibe einsickern und nicht oberflächlich abfließen. Ist der Boden stark ­ausgetrocknet, hilft es, zunächst eine kleinere Wassermenge vorzu­ legen und anschließend gründlich nachzugießen. • Morgens oder abends wässern: Dann verdunstet deutlich weniger Wasser als in der Mittagshitze. • Regen- oder Brauchwasser nutzen: Aufgefangenes Regenwasser oder sauberes Brauchwasser schont wertvolles Trinkwasser. Kronenschäden, Trockenstress oder andere Veränderungen regelmäßig dokumentiert, entsteht ein wertvolles Bild darüber, wie sich unsere Bäume unter den Herausforderungen des Klimawandels entwickeln. So verbindet die App praktischen Naturschutz mit Bürgerwissenschaft. Jeder erfasste Baum liefert wichtige Informatio-


Natur +Umwelt 3 | 26 › AKTION › Baumschutz 23

• Mulchen oder bepflanzen: Eine ­lockere Mulchschicht auf der Baumscheibe hilft, die Feuchtig­ keit im B ­ oden zu halten und schützt vor Austrocknung. Sie ­sollte nicht direkt an den Stamm reichen, damit keine Fäulnis ­entsteht. Alternativ kann die Baumscheibe mit heimischen, ­insektenfreundlichen Gewächsen bepflanzt werden. • Vorher abklären: Sprechen Sie ­Maßnahmen mit Ihrer Haus- oder Gemeindeverwaltung ab.

nen, die helfen können, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und den Wert des Baumbestands sichtbar zu machen. Gleichzeitig wächst eine Datengrundlage, die Kommunen, Fachleuten und engagier­ ten Bürger*innen Hinweise darauf geben kann, wo Bäume besonders unter Stress stehen und wo Handlungsbedarf besteht.

Foto: Astrid Schnell

Ein Urteil des Amtsgerichts Regensburg setzt ein wichtiges Signal für den Schutz alter Stadtbäume. Das Gericht hat die Fällung einer über 60 Jahre alten Stiel­ eiche, die nach der kommunalen Baumschutzverordnung geschützt ist, vorläufig gestoppt. In seiner Begründung hebt es hervor, dass große Bäume einen unverzichtbaren Bei­ trag zum Stadtklima leisten und als natür­ licher Hitzeschutz zugleich dem Gesund­ heitsschutz der Bevölkerung dienen. Die­ ser Aspekt müsse bei Entscheidungen über Baumfällungen angemessen be­ rücksichtigt werden. Das Gericht kritisiert, dass bei der Fäll­ genehmigung die klimatische Wirkung des Baumes und sein Beitrag zum Schutz der Anwohner*innen vor Hitze nicht aus­

reichend gewürdigt wurden. Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig. Seine Be­ gründung macht jedoch deutlich: Der Wert alter Bäume für Klimaanpassung, Biodiversität und Gesundheit muss bei behördlichen Entscheidungen künftig stärker berücksichtigt werden.

BN BEI DEUTSCHEN BAUMPFLEGETAGEN Mit vielen inspirierenden Gesprächen, neuen Kontakten und einem rundum gelungenen Messeauftritt blickt der BUND Naturschutz auf die Deutschen Baumpflegetage in Augsburg zurück. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher informierten sich am BN-Stand über den Baumschutz, die App »Mein Baum« sowie unsere vielfältigen Projekte und Mitmach­ angebote. Auf besonders großes Interes­ se stieß die Schutzaktion »EichhörnchenSeilbrücken«, die bei den Fachleuten auf viel Zuspruch und spannende Diskussio­ nen traf.

Die vielen positiven Rückmeldungen zeigen, wie groß das Interesse an einem lebendigen und praxisnahen Baumschutz ist. Umso mehr freuen wir uns, dass wir zahlreiche neue Kontakte knüpfen und bestehende Netzwerke weiter stärken konnten.

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• Junge Bäume besonders im Blick behalten: Alte Parkbäume oder Waldbäume kommen oft ohne zu­ sätzliches Gießen aus. Besonders wichtig ist die Unterstützung für Straßenbäume, neu gepflanzte ­ und junge Bäume sowie Bäume an stark versiegelten Standorten, weil sie den größten Stress haben.

GERICHT SCHÜTZT BAUM

hre Foto: Martina Ge

• Richtig gießen: Damit das Wasser im Wurzelbereich ankommt, die Baumscheibe bewässern und nicht an den Stamm gießen.

Diese Stieleiche darf vorerst nicht gefällt werden.


24 Natur +Umwelt 3 | 26 › NATUR IM PORTRÄT › Pflanzenporträt

PFLANZENPORTRÄT

Feldrittersporn Foto: stock.adobe.

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Leuchtend blauviolett mit langem Sporn kann der ­Rittersporn aus Ackerrändern und Stoppelfeldern leuchten – aber nur, wenn dort extensiv gewirtschaftet wird. Im Grünland ist er kaum mehr zu finden.

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zug. Doch heute wird, wie in anderen Le­ bensräumen, in kurzer Zeit zerstört, was über lange Zeit entstanden ist.

IRMELA FISCHER Die Autorin arbeitet selbststän­ dig als Naturbegleiterin und Um­ weltpädagogin. Sie bietet auch für den BUND Naturschutz und das NEZ Allgäu Exkursionen und Kräuterwanderungen an.

Foto: stock.adobe.com – Andrii

Der Feld- oder Ackerrittersporn (Consolida regalis oder Delphinium consolida), die Blume des Jahres 2026, gehört zur Vielfalt der Ackerwildkräuter wie auch Kornrade oder Klatschmohn, die höchst gefährdet sind. Ihre Lebensräume verschwinden durch Düngung, Herbizideinsatz und den Verlust von Ackerrändern. Das ist besonders tragisch, da Äcker zu den größten Öko­systemen in Deutschland gehören. Mit der Ausbreitung der Landwirtschaft hat sich über Jahrtausende ein artenrei­ cher Lebensraum mit Ackerwildkräutern, feldbewohnenden Tieren wie Feldhams­ ter oder Feldlerche und Nutzpflanzen ent­ wickelt. In diesen Lebensraum hielt auch der Rittersporn als früher Kulturfolger Ein­

VORTEIL BEI TROCKENHEIT Der Feldrittersporn entwickelt Balgfrüch­ te mit bis zu 200 Samen, die zehn Jahre im Boden überdauern können. Er braucht die regelmäßige Bewirtschaftung seiner Standorte, da er sonst durch konkurrenz­ stärkere Arten verdrängt wird. Als Licht­ keimer ist er auf offene Bodenstellen an­ gewiesen. Mit seinen stark zerteilten Blät­ tern kann er allerdings Wasserverluste begrenzen, um einen Vorteil in sonnigen, trockenen Regionen zu haben. Pollen und Nektar bietet er für langrüss­ lige Insekten wie Wildbienen, Eulenfalter und Taubenschwänzchen. Auf ihn spezia­ lisierte Arten sind wie er stark gefährdet, die Rittersporn-Sonneneule ist bereits ausgestorben.

Früher war die Pflanze so häufig, dass sie als Wundheilmittel (consolidare – festmachen, zusammenheilen), zur För­ derung der Geburt, gegen Läuse und zum Blaufärben von Wolle verwendet wur­ de. Heute landen manchmal noch Blüten­ blätter ihrer Farbe wegen in Tees. Zum Erhalt von Ackerwildkräutern wie dem Feldrittersporn braucht es dringend extensivere Bewirtschaftungsformen ohne Einsatz von Pestiziden mit Aus­ gleichsflächen wie Blühstreifen, Feldvo­ gelinseln, Lerchenfenster und den politi­ schen Willen, der Intensivierung Einhalt zu gebieten. Der BUND Naturschutz setzt sich in vielen Projekten dafür ein, zum Bei­ spiel mit dem Ackerwildkraut-Wettbe­ werb, den der BN mit mehreren Partnern veranstaltet. Prämiert werden Äcker, auf denen zwischen der Feldfrucht auch noch seltene Ackerwildkräuter wachsen.

FELDRITTERSPORNE (Consolida) Hahnenfußgewächse, ca. 40 Arten, einjährig, giftig (insbesondere die ­Samen) Eng verwandt mit der Gattung der ­Rittersporne (Delphinium – mehrjährig mit 3-teiligen Früchten, die meisten ­unserer Zucht-Ritterspornarten in Gär­ ten, sehr giftig). • Gewöhnlicher Feldrittersporn (Consolida regalis) mit 5 – 8 Blüten in traubigem Blütenstand, auf Kalk, in Winterkulturen, Blume des Jahres

2026, in wärmeren Ackerbauland­ schaften im Osten und Süden, ­besonders in den Mittelgebirgen, im Lebensraum gefährdet – Bayern Rote Liste 3 • Garten-Feldrittersporn (Consolida ajacis) in Gärten und verwildert auf Schutt und an Straßenrändern mit mehr Blüten • Spanischer Feldrittersporn (Con­ solida hispanica) mit dichtblütiger ­Rispe, verwildert


NEUES NATURSCHUTZGEBIET

Über 1400 Hektar für Bayerns Natur Das Naturschutzgebiet Brönnhof in Unterfranken wurde im Juni feierlich eingeweiht. Zu seiner ­Entstehung hat der BN maßgeblich beigetragen.

Gebüschen, lichten Waldrändern und klei­ nen, zeitweise wasserführenden Tüm­ peln. Künftig sollen sich die Wälder des Brönnhofs naturnah entwickeln dürfen. Um die Lebensräume für die Arten der Offenlandflächen zu erhalten, haben ­ fried­ liche Landschaftspfleger die Arbeit der Panzer übernommen: Schafe, Ziegen, Angusrinder und Konik-Wildpferde bewei­ den heute die Flächen. Seit 2016 ist der Brönnhof bereits Nati­ onales Naturerbe, seit März 2026 auch Naturschutzgebiet. Bei der offiziellen Ein­ weihung nannte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber das Gebiet »ein Naturju­ wel von landesweiter Bedeutung«. lf

Foto: Marcus Bosch

Foto: Wolfgang Willner

Viele Wander- und Radwege im Brönnhof laden zum Entdecken ein. Mehr Infos gibt es hier:

Foto: Wolfgang Willner

Hirschkäfer, Bechsteinfledermaus, Wild­ katze oder Schachbrettblume. Das Areal wurde seit den 30er Jahren militärisch genutzt, ab 1952 von der USArmee. Nach deren Abzug 2014 setzte sich die BN-Kreisgruppe Schweinfurt mit ihrem Vorsitzenden Edo Günther dafür ein, dass das Areal unter Naturschutz ge­ stellt wird – mit Erfolg! Durch die frühere militärische Nutzung entstand eine Landschaft mit vielen ver­ schiedenen Lebensräumen: Wiesen, Bra­ chen, mageren Trockenrasen, Säumen, einzelnen alten Bäumen, Obstbäumen,

Wald und Offenland wechseln sich ab im Natur­ schutzgebiet Brönnhof. Mit etwas Glück bekommt man auch die Konik-Wildpferde zu Gesicht.

Foto: Christoph Bosch

Wo einst Panzer rollten und Granaten detonierten, weiden heute Wildpferde und Schafe. Naturnahe Wälder laden zu Spaziergängen ein, und in einem Mosaik verschiedener Biotope finden selten gewordene Arten Lebensraum. Mit seinen 1456 Hektar gehört der Brönn­ hof zu den größten Naturschutzgebieten Bayerns außerhalb des Alpenraums. Mit seinem Mosaik verschiedener Biotope bietet es einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Über 1500 Arten wurden hier bereits nachgewiesen, darunter mehr als 300 gefährdete wie

Foto: Stefan Grebner

Natur +Umwelt 3 | 26 › NATUR IM PORTRÄT › Brönnhof 25

Hirschkäfer

Schachbrettblume

Wildkatze

Bechsteinfledermaus


26 Natur +Umwelt 3 | 26 › NATUR IM PORTRÄT › Projekt »Fledermausschutz durch Kuh & Co.«

SCHUTZ FÜR BEDROHTE ARTEN

Kühe als Artenschützer Vierbeinige Helfer für den Fledermausschutz: Kühe und Wasserbüffel

Foto: Andreas Zahn

sache ist aber: Wenn wir Fledermäuse durch ein reiches Insektenleben fördern, profitieren auch sehr viele andere Arten davon.

Im fünfjährigen Projekt »Fledermausschutz durch Kuh & Co.« fördert der BN gemeinsam mit Partnern naturnahe Weiden. BN-Experte Andreas Zahn erklärt, warum extensive Beweidung Insekten, Fledermäuse und ganze Ökosysteme fördert. Natur+Umwelt: Herr Zahn, was haben Kühe mit Fledermausschutz zu tun? Andreas Zahn: Große Weidetiere wie Rin­ der, Pferde oder Wasserbüffel ziehen nicht nur tagsüber Insekten an – sie tun das auch nachts. Ihr Dung lockt diese ebenfalls an, vor allem die Dungkäfer. Fle­ dermäuse gehen deshalb auf Weideflä­ chen und ganz besonders im Umfeld von Weidetieren intensiv auf Insektenjagd. Die Wiederbelebung bäuerlicher Weide­ landschaften ist also eine sehr wirkungs­ volle Möglichkeit, Insekten und zugleich Fledermäuse zu fördern. Gilt das für alle Fledermausarten? Für die meisten, ja. Besonders profitieren Arten, die im freien Luftraum jagen, zum Beispiel Tiere aus der Gruppe der Zwerg­

fledermäuse, der Abendsegler und der Zweifarbfledermäuse. Auch Arten, die In­ sekten am Boden oder bodennah jagen, wie das Mausohr oder die Breitflügel-Fle­ dermaus profitieren von Weiden. Warum brauchen Fledermäuse überhaupt Hilfe? Die Bestände mancher Arten nehmen der­ zeit ab. Unter anderem der Große Abend­ segler. Und weil er öfter an Windkraftanla­ gen verunglückt, gehört er zu den Tieren, auf die ein nAHP, also ein nationales Ar­ tenhilfsprogramm des Bundesamts für Naturschutz, abzielt. Es fördert Arten, die potenziell vom Ausbau der erneuerbaren Energien betroffen sind. Fledermäuse wie der Abendsegler stehen daher im Fokus unseres fünfjährigen nAHP-Projekts. Tat­

Welche sind das? Insekten bilden die Grundlage vieler Nah­ rungsketten, deshalb profitieren Amphibi­ en, Reptilien, Vögel und wirbellose Räuber wie Spinnen von den wilden Weiden, die wir neu schaffen werden. Allgemein för­ dert Beweidung sehr artenreiche, vielfälti­ ge Lebensräume. Denn ohne weidende Großtiere ist unsere Natur nicht komplett. Weil Wisent, Elch und Auerochse als Le­ bensraumgestalter ausgeschaltet wur­ den, müssen Kuh, Pony und Co. ihre öko­ logische Rolle übernehmen. In Bayern sieht man doch Kühe auf der Weide. Gibt es trotzdem Handlungsbedarf? Beweidung wird heute immer seltener. Früher war sie landschaftsprägend. So­ gar der Wald wurde beweidet oder die ­Getreidefelder vor dem Schossen. Heute fördern die meisten Weiden den Insekten­ reichtum nicht. Einerseits, weil die Bewei­ dung sehr intensiv ist. Artenarme Gras­ gesellschaften, die von Weidetieren in kurzer Zeit abgefressen werden, bringen der Insektenwelt nichts. Andererseits Familie: Glattnase (Vespertilionidae) Gattung: Abendsegler (Nyctalus) Art: Großer Abendsegler (Nyctalus noctula) Gefährdung: Vorwarnliste der Roten Liste Schutz: streng geschützt nach Anhang IV der FFH-Richtlinie


Natur +Umwelt 3 | 26

› NATUR IM PORTRÄT › Projekt »Fledermausschutz durch Kuh & Co.« 27

Geschickter Jäger Foto: stock.adobe.com – Bernd Wolter

Großer Abendsegler

werden die Weidetiere in der konventio­ nellen Haltung regelmäßig entwurmt. Und die Wurmmittel töten die Insekten im Dung. Wie gewinnen Sie Landwirte für das Projekt? Wer Rinder oder Büffel als Landschafts­ pfleger hält, kann das Fleisch gut als Pro­ dukt vermarkten, das im Einklang mit dem Tierwohl entstanden ist. Dazu kom­ men finanzielle Anreize – etwa über das bayerische Vertragsnaturschutzpro­ gramm, das eine Entschädigung für weni­ ger intensive Flächennutzung vorsieht. Außerdem können Ausgleichsflächen, die Unternehmen oder Kommunen anlegen müssen, aber auch Flächen, die dem Was­ serrückhalt dienen, Landwirten zur Verfü­ gung gestellt werden. Diese können dann Naturschutz durch Beweidung betreiben, ohne eigene Flächen einbringen zu müs­ sen. Gerade bei der Renaturierung der Moore, überfällig schon aus Gründen des Klimaschutzes, kann die Beweidung eine ideale Nutzungsform sein. Im Projekt werden auch Hirten eingesetzt – warum? In vielen Auen wie etwa am Inn ist eine Zäunung kaum umsetzbar: Hochwasser, unebenes Gelände und natürlicher Ge­ hölzaufwuchs erschweren Zaunbau und Pflege massiv. Deshalb setzt das Projekt dort auf behirtete Rinderherden. Räti­ sches Grauvieh wird von den BN-Hirten Martina und Marko darauf trainiert, gut mit Menschen zusammenzuarbeiten. Die Behirtung ist eine alte Tradition, die es in ganz Osteuropa noch gibt. Bei uns ist sie im Falle der Rinder komplett verlo­ rengegangen. Wir lassen also auch eine Kulturform wieder aufleben. Davon profi­ tieren die Auen. Dort breiten sich Neophy­ ten wie Springkraut und Riesenbärenklau, aber auch nährstoffliebende heimische

Weil es viel weniger Insekten gibt als früher, ist der Große Abendsegler, eine der größten Fledermausarten Deutschlands, in Gefahr. Der Große Abendsegler hat einfarbig rostbraunes, kurzes, anliegendes Fell. Die Körperlänge beträgt maximal acht, die Flügelspannweite etwa 40 Zentimeter. Nur das Große Maus­ ohr bringt es bei den in Deutschland vorkommenden Fledermausarten mit bis zu 45 Zentimetern auf mehr ­Flügelspannweite. Als geschickter und schneller Jäger ist der Große Abendsegler oft schon in der frühen Abenddämmerung un­ terwegs und sucht über weite Distan­ zen nach Insekten. Dabei fliegt er im offenen Luftraum in 15 bis 50 Metern Höhe und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 60 Stundenkilometern. ­Seine hauptsächliche Nahrung sind Nachtfalter, größere Zweiflügler und andere fliegende Insekten. Jagd­ gebiete sind Gewässer, Wälder und Waldränder, Weiden und Wiesen. Abendsegler wohnen in baumhöh­ lenreichen Wäldern und Parkanlagen, Stauden wie die Brennnessel aus und ver­ hindern, dass sich der Auwald verjüngt. Langfristig hilft hier nur die Renaturierung der Flüsse, doch kann man durch die ge­ zielte Beweidung lokal wieder etwas Dy­ namik in die Aue bringen. Die Rinder sor­ gen durch Fraß und Tritt für offene Boden­ stellen, auf denen Samen keimen können. Auch der großräumige Artenaustausch soll durch das Projekt gefördert werden. Wie das? Weidetiere transportieren Pflanzensa­ men, aber auch bestimmte Tierarten im Fell von A nach B. Bei einer Behirtung gibt es ja immer Zugwege, auf denen die Tiere von einem Ort zum anderen kommen.

aber auch in Wohnsiedlungen. Neben Baumhöhlen und ersatzweise Vogel­ nist- oder Fledermauskästen nutzen Einzeltiere oder auch Gruppen sehr oft Außenverkleidungen und Spalten an hohen Gebäuden als Quartier und zur Überwinterung. In Bayern pflanzt sich die große­ ­Fledermaus nur in wenigen Regionen im Nordosten fort. Sie ist eine typi­ sche Wanderfledermaus und legt im Frühjahr und Frühherbst Strecken von bis zu 1000 Kilometern zurück. Im Frühjahr wandern die Tiere ins nord­ östliche Mitteleuropa, im Spätsom­ mer kehren sie zurück. Der Große Abendsegler ist in erster Linie durch die Abnahme der Insekten gefährdet, aber auch durch den Ver­ lust von Höhlenbäumen und durch Gebäudesanierungen. Er verunglückt auch an Windkraftanlagen. Text und Interview: Heidi Tiefenthaler Und wo immer so ein Weg naturnah ist, hat man einen Trittstein, der es »mitge­ brachten« Pflanzen und Tieren erlaubt, sich anzusiedeln und so vielleicht eine ausgeräumte Ackerlandschaft zu über­ winden. Aber damit Weidetiere ihre Rolle als Artentaxis wirksam ausfüllen können, muss der Biotopverbund in Bayern noch massiv ausgebaut werden. & Co.« wird durch das ermausschutz durch Kuh riums Das Verbundprojekt »Fled Bundesumweltministe utz (BfN) mit Mitteln des rsch Natu für im t sam ­Bunde are Sicherheit (BMUKN) nukle und utz rsch Natu . für Umwelt, Klimaschutz, mms (nAHP) gefördert rogra hilfsp Arten Rahmen des Nationalen


28 Natur +Umwelt 3 | 26 › NATUR IM PORTRÄT › Jahr der Hirten und Weiden

Einer der ältesten Berufe der Menschheit: ein Wanderhirte mit Hunden und Schafherde

TRADITION TRIFFT ZUKUNFT

Foto: stock.adobe.com – Bergringfoto

Herden schaffen Vielfalt Die UNO hat 2026 zum »Internationalen Jahr der Weidelandschaften­ und des Hirtentums« erklärt. Kein Wunder, denn Weiden sind besonders artenreiche Ökosysteme. Hirtenkulturen nutzen und erhalten diese Graslandschaften zusammen mit Wildtieren wie Zebra & Co. ANDREAS ZAHN BN-Artenschutzreferent

KATHARINA KURTZ macht Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt »Fledermausschutz durch Kuh und Co«

In wilden Graslandschaften prägen große Pflanzenfresser den Lebensraum: Lichthungrige Samen keimen in Trittspuren. Insekten nutzen Dung als Kinder­ stube. Dichtes, verbissenes Gesträuch schützt Vogelnester. Und die Humusschicht der Weide speichert jede Menge Kohlenstoff. Weidelandschaften prägten auch Mittel­ europa seit jeher. Grasten früher Wisent, Auerochse und Wildpferd, waren es spä­ ter Rind, Pferd, Schaf und Ziege. Wan­ dernde Herden trugen zur Vielfalt unserer Pflanzenwelt bei. Denn Samen reisten im

Fell oder im Magen über weite Strecken, etwa beim Viehtrieb aus Osteuropa bis nach Bayern (»Ochsenweg«). Doch das änderte sich in wenigen ­Jahrzehnten: Weidelandschaften wichen Äckern, fetten Wiesen, Forsten, Straßen und Siedlungen. Auch aus vielen Schutz­ gebieten wurde die Dynamik verbannt, denn selbst der Naturschutz hatte lange ein statisches Bild von Landschaft und Lebensräumen. Doch Natur braucht Dy­ namik, sei es die Kraft wilder Flüsse oder Tritt und Fraß großer Weidetiere.

In dieser ehemaligen Kiesgrube im Inntal schafft der BUND Natur­ schutz mit Rindern und Ziegen eine bunte, artenreiche Weidelandschaft.

Foto: Andreas Zahn

Foto: Andreas Zahn

Auch in den Alpen hat Weide­ wirtschaft eine lange Tradition.


Natur +Umwelt 3 | 26 › NATUR IM PORTRÄT › Jahr der Hirten und Weiden 29

BN TRITT BÜNDNIS FÜR HIRTENTUM UND WEIDELANDSCHAFTEN BEI Auch in Deutschland schließen sich im »Internationalen Jahr der Weideland­ schaften und des Hirtentums« Organi­ sationen aus der Landwirtschaft und dem Naturschutz zusammen, um ­Weiden neu zu beleben. Der BUND ­Naturschutz in Bayern unterstützt das »Bündnis für Weidelandschaften und Hirtentum«. Das Bündnis aus

Mehr Infos unter: weidelandschaft-hirtentum.de

BUNDJUGEND HILFT BEI ZAUNBAU Herdenschutz, wenn der Wolf zurückkehrt, das heißt oft Zaunbau – auch in schwierigem Gelände. Seit einigen Jahren unterstützen junge Ehrenamtliche der BUNDjugend Betriebe in Bayern dabei. Im April waren die Teenager und jungen Erwachsenen im Landkreis Rosenheim aktiv. Nach einer Einführung packten sie ein ganzes Wochenende kräf­ tig mit an: Zunächst musste an mehreren Stellen Buschwerk entfernt werden, dann wurden Mobilzäune aufgebaut und Litzen eingezogen, Zaunstrecken freigeschnit­ ten und im steinigen Boden eine Erdung eingegraben. Ein besonderes Highlight war auch das Kennenlernen der Tiere – wenige Tage vor dem Einsatz waren zwei Kälber zur Welt gekommen.

Sie sorgen als »Biobagger« für Artenvielfalt: Wasserbüffel im Niedermoor des Isentals.

Mit anpacken: Ehrenamtliche der BUNDjugend halfen beim Zaunbau für den Herdenschutz.

Für beide Seiten war die Aktion ein vol­ ler Erfolg: Die Jugendlichen konnten un­ gewohnte Einblicke in den Arbeitsalltag eines Weidebetriebs gewinnen und die Landwirtsfamilie zeigte sich begeistert über die motivierten und engagierten Ju­ gendlichen, die in kurzer Zeit unglaublich viel Arbeit bewältigten. BUNDjugend Bayern/lf

Gerettet: Der BN bewahrte das Rhönschaf, eine alte Nutztierrasse, vor dem Aussterben.

Foto: Claudia Ciecior-Bordonaro

Foto: Andreas Zahn

Prak­ti­kern, Hirten- und Naturschutz­ organisationen fordert, extensive Weide­haltung als Naturschutzleistung anzuerkennen und langfristig zu ­fördern.

ern Foto: BUNDjugend Bay

Weidelandschaften sind weit mehr als nur eingezäunte Wiesen, auf denen Tiere grasen. Sie sind komplexe Ökosysteme, die eine essenzielle Rolle für Biodiversi­ tät, Bodenfruchtbarkeit und sogar den Kli­ maschutz spielen und die Grundlage für eine nachhaltige Tierhaltung bilden. Bei der Wiederherstellung von Ökosystemen spielen sie eine Schlüsselrolle. Der BN setzt seit über 30 Jahren Weide­ tiere als Naturschützer ein. Gerade ent­ stehen im Projekt »Fledermausschutz durch Kuh und Co.« neue wilde Weiden als insektenreiche Jagdgebiete für Fle­ dermäuse (gefördert vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesum­ weltministeriums im Rahmen des Natio­ nalen Artenhilfsprogramms), siehe Seite 26/27. Der Hirtenberuf ist, abgesehen von Al­ men und Schäfereien, bei uns fast ausge­ storben. Gerade Rinderbeweidung ohne Zaun ist ohne Behirtung unmöglich, wäre aber in unwegsamen Lebensräumen wie Auen oder Mittelgebirgen naturschutz­ fachlich ein Gewinn. Das zeigen Weide­ landschaften in Ost- und Südeuropa wie die Puszta. In Deutschland und global stoßen Hirt*innen auf große Hürden, von gesetzlich erschwerter Mobilität bis zum Zugang zu Weideflächen. Ihre Leistung für Naturschutz, artgerechte Tierhaltung und nachhaltige Ernährung wird heute dringend gebraucht. Höchste Zeit also, um Weiden und Hirtentum zu unterstüt­ zen! Eine Weide selbst anlegen? Der BUND Naturschutz hilft bei Naturschutzfragen: wildeweiden@bund-naturschutz.de.


Bis zu zwei Meter lang wird die Äskulapnatter, die größte Schlange Mitteleuropas. In Deutschland kommt sie nur noch im Taunus und im südlichen Odenwald sowie im Südosten Bayerns vor, an der Donau (bei Passau), an Inn und Salzach. Hier besiedelt sie feuchtwarme Lebensräume in lichten Laub- und Mischwäldern, in Bachtälern oder Streuobstwiesen, in Weinbergen, Steinbrüchen und Gärten.


Foto: mauritius images/Alamy Stock Photos

Bedroht

Äskulapnattern können ganz hervorragend klettern. Ihre Beute – hauptsächlich Mäuse, ­Jungvögel und Eidechsen – töten sie durch Umschlingen. Für uns Menschen ist die elegante Schlange harmlos. Als stark gefährdet gilt sie, weil viele ihrer Lebensräume immer intensiver genutzt oder überbaut werden. Der BUND kümmert sich um den Schutz der seltenen Art.


32 Natur +Umwelt 3 | 26 › NATUR IM PORTRÄT › Frei fließende Flüsse

2000 Kilometer frei fließende Flüsse 4000 Kilometer Potenzial für 2000 Kilometer frei fließende Flüsse Gesamtflussnetz (ohne Seen)

Gewässernetz: geoportal.bafg.de (CC BY 4.0) | Bearbeitung Geo-Daten: UIH Planungsbüro

Große Flüsse: Elbe, Weser, Rhein, Main, Donau

Der BUND fordert die Bundesregierung auf, mehr für die Renaturierung unserer Flüsse zu tun. Wir wollen, dass sie auf 2000 Kilometer Länge wieder frei fließen. Ein nationaler Wiederherstellungsplan ist dazu gerade in Arbeit. Viele unserer Gruppen und Aktiven beteiligten sich. Auf der nebenstehenden Karte sind gut 4000 Kilometer unseres Flussnetzes grün hervorgehoben. Der BUND lässt derzeit vom Bundesumweltministerium prüfen, ob sie im Sinne einer EU-Verordnung wie­ derhergestellt werden können. Im Rahmen einer öffentlichen Beteiligung haben viele unserer Gruppen und Landesverbände Flüsse zur Renaturierung ange­ meldet. Der BUND fordert, min­ destens die Hälfte der mar­ kierten Flüsse wieder frei fließen zu lassen. Eigentlich müssten weit mehr Flüsse ­ renaturiert werden. Das hier bezeich­ nete Potenzial sehen wir deshalb als Anfang – und als große ­Chance. Frei fließende Flüsse bieten Lebensräume für viele Pflanzen und Tiere, reinigen auf na­ türliche Art das Wasser, tragen zum Schutz des Klimas bei und helfen vernetzt mit ihren Auen, die Folgen von Hochwasser zu mildern. Uns Menschen dienen sie als Erholungsort und schenken Abkühlung bei Hitze.

www.bund.net/flüsse


Natur +Umwelt 3 | 26 › NATUR IM PORTRÄT 33

GRÜNES BAND

Mehr als hundert Menschen drängten am 6. Juli ins Deutsch-Deutsche Museum im bayerisch-thüringischen Mödlareuth. Der Grund: An historischer Stätte – die Mauer verlief mitten durch das winzige Dorf – gab Ministerpräsident Markus ­Söder den Startschuss für das trilaterale Naturschutzprojekt »Grünes Band im Dreiländereck Bayern-Sachsen-Thüringen«. Bis 2029 wird der BUND nun Vorschläge erarbeiten, wie ein 100 Kilometer langer Abschnitt des Grünen Bandes erhalten und entwickelt werden kann. Dies ge­ schieht gemeinsam mit Land- und Forst­ wirtschaft, Regionalentwicklung und Tou­

M. Kreutz

Dreiländereck im Visier Übergabe des Förderschecks: Der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe (5. von rechts) mit Markus Söder sowie Ministern, Staatssekretär*innen und Landräten

rismus (gefördert im Bundesprogramm chance.natur und von den drei Ländern). Die Ergebnisse dieser Planungsphase sollen im folgenden Jahrzehnt umgesetzt werden. Zentral ist dabei die Zusammen­ arbeit mit Agrarbetrieben, um den länder­ übergreifenden Biotopverbund zu stärken. Das Großprojekt bildet einen wichtigen

Baustein, um das 1400 Kilometer lange Grüne Band auf dem Weg zum UNESCOWelterbe voranzubringen. Geleitet wird es von unserem Kompetenzzentrum. Melanie Kreutz, Liana Geidezis

www.bund.net/gruenes-band

HOHE SCHRECKE

Thomas Stephan

Mehr wilder Wald

Der Laubwald der Hohen Schrecke bleibt künftig auf weit größerer Fläche sich selbst überlassen.

Im Schwerpunkt »Chance Wildnis« des jüngsten BUNDmagazins haben wir die Hohe Schrecke in Thüringen als außerordentlich artenreiches Wildnisgebiet vorgestellt. Nun konnte die Naturstiftung David des BUND das Gebiet noch einmal deutlich erweitern. Gefördert vom Bundesumweltministerium, gelang es der Stiftung, 770 Hektar dieses

bewaldeten Höhenzuges aus Privathand zu erwerben. Die besonders wertvolle Waldfläche vergrößert das Wildnis­ gebiet auf rund 3000 Hektar. Zum Tag der Umwelt im Juni ließen sich Bundesumweltminister Carsten Schneider und Thüringens Umweltminis­ ter Tilo Kummer den wilden Wald zeigen. Adrian Johst, Geschäftsführer der Natur­ stiftung David: »Die Hohe Schrecke ver­ deutlicht, was der langfristige Einsatz von Naturschützern und Waldbesitzerinnen, Anrainerkommunen sowie Bund und Land bewirken kann.« Der jetzt angekaufte, teils urwüchsige Wald zeichnet sich durch eine hohe Arten­

vielfalt aus. Dass er sich künftig frei ent­ wickeln kann, kommt einer Fülle seltener und störungsempfindlicher Arten zugute, darunter Schwarzstorch, Wildkatze und diverse Fledermausarten. Auf lange Sicht speichern unbewirtschaftete Laubwälder außerdem viel Kohlenstoff. Das trägt zum Schutz des Klimas bei. Besuchen Sie die Hohe Schrecke! Dank einem Netz von Wanderwegen lässt sich ihr Zauber aus nächster Nähe und zu jeder Jahreszeit erleben.

www.naturstiftung-david.de/ hohe-schrecke


Wild und wertvoll

Über umgestürzte Bäume und durch hoch aufgeschossene Auenpflanzen bahnt sich Christine Margraf ihren Weg zur Isar. Mehrfach kreuzt sie Trampelpfade der Biber, von deren Treiben viele angenagte Weiden und Eschen zeugen. Unzählige Mücken und Prachtlibellen tanzen im Sonnenlicht, auch der Kleine Eisvogel – ein Schmetterling – flattert vorbei. Als die Naturschutzexpertin des BUND das Ufer erreicht, fliegt ein Seidenreiher flussabwärts. Hier, wo der Semptkanal und die Dorfen münden, zeigt sich die Isar von ihrer wilden Seite. Ein paar Meter weiter riecht es mit einem Mal nach Verwesung. Vor einer Kiesinsel liegt rücklings ein Biber im Wasser. Der nur noch schütter behaarte Kadaver ist aufgebläht, wirkt aber äußerlich unversehrt. Woran das Tier wohl verendet ist?

DREIMAL SO BREIT Auf einer Kiesbank am anderen Ufer er­ kennen wir kurz darauf Wolfgang Willner, den Vorsitzenden der BN-Kreisgruppe Freising. Wie kaum ein anderer ist er mit der Lebenswelt der Isaraue vertraut. Mit einem Kescher erkundet er an diesem Nachmittag die Insekten- und Spinnen­ fauna am Fluss. Seit die Wasserwirtschaft im Jahr 2000 begann, die Uferbefestigung Stück für Stück zu entfernen, ist die Vielfalt sprung­ haft gestiegen. Warum, weiß Christine Margraf: »Das Flussbett ist heute dreimal so breit. An etlichen Stellen hat sich die Isar in mehrere Arme aufgefächert und Kiesinseln mit verschiedensten Lebens­ räumen gebildet.« Einen großen Einfluss auf diese Dynamik hat das Flussholz. Uferbäume stürzen häufiger ins Wasser,

Ortstermin in der Isaraue (von links): Manfred Drobny (Geschäftsführer BUND Freising), Europaabgeordnete Jutta Paulus, Projektleiterin Korinna Kappler und die ­Vorsitzenden der Kreisgruppe, Christine M ­ argraf (Stellvertreterin) und Wolfgang Willner

verkeilen sich und stranden auf den Inseln. Jedes Mal suchen sich die Fluten dann kleinräumig neue Wege. WILDER WALD Nicht nur im Fluss und direkt am Ufer er­ wacht die Natur aus ihrem Dornröschen­ schlaf. Im Jahr 2020 gab der Freistaat be­ kannt, seine Wälder entlang der mittleren Isar nicht länger bewirtschaften zu lassen.

W. Willner

Nach und nach wird die Isar am Mittellauf von ihrem Steinkorsett befreit. Zugleich dürfen sich ihre Auwälder zwischen München und Landshut wieder natürlich entwickeln. Der BUND Naturschutz hat dazu wesentlich mit beigetragen.

Die renaturierte Isar zwischen Freising und Moosburg

Das angebrochene Ufer und die Kiesinsel hinten zeugen von der neuen Dynamik des Flusses.

Foto: Klaus Leidorf

MITTLERE ISAR


Natur +Umwelt 3 | 26 › NATUR IM PORTRÄT 35 Die an der Isar einst verbreitete Lavendel-Weide ist dank der ­Renaturierung ­zurückgekehrt.

Landshut

R

ISA

Der Naturwald an der mittleren Isar liegt eingebettet in ein großes FFH- (und teilweise Naturschutz-)Gebiet.

Foto: W. Willner

Freising

Illustration: J+R

A 92

Garching

Foto: Hans Glader/BIA

f ra arg C. M

Moosburg a. d. Isar

Flussregenpfeifer mit K ­ üken auf einer Kiesbank

Naturwald »Auwälder ­an der mittleren Isar« FFH-Gebiet »Isarauen von ­Unterföhring bis Landshut«

Auf 50 Kilometer Länge entstand zwi­ schen München und Landshut der größte Naturwald Bayerns. »Dazu haben sicher unsere Untersuchungen im Zuge der Renaturierung beigetragen. Immer wieder haben wir betont, wie wichtig die Aue für die Artenvielfalt ist und wie wertvoll wilde Wälder sind«, so Christine Margraf. Die Referentin des bayerischen BUND ist im Ehrenamt zweite Vorsitzende der Kreis­ gruppe. Wolfgang Willner wird ihr später beipflichten: »Diese Waldwildnis ist ein Er­ folg unseres jahrzehntelangen Einsatzes für eine naturnahe Isaraue.« TAUSENDE ARTEN Der Insektenspezialist ist am Tag unseres Besuchs im Auftrag des BUND unter­ wegs, er dokumentiert zum wiederholten Male den Boom der biologischen Vielfalt. Doch ist er bei Weitem nicht der einzige, der an der Isar auf Entdeckungstour geht. Mit ihm untersuchen zahlreiche Fachleute des BUND Naturschutz großteils ehren­ amtlich, wie sich Vegetation und Tierwelt und der Fluss selbst verändern. Verstärkung bieten seit vergangenem Jahr hunderte Freizeitforscher*innen. Im Rahmen eines Citizen-Science-Projekts

des BUND haben sie im Auwald der Isar schon über zehntausend Beobachtungen gemeldet. Über die App Obsidentify sind damit bislang mehr als 1800 Tier- und Pflanzenarten zusammengekommen. Gemeinsam wird so der Naturwald in einem Projekt namens »A-DUR« erforscht, mit Expert*innen etwa der TU München. MENSCH UND NATUR Wer Fragen hat, kann Korinna Kappler kontaktieren. Die Projektleiterin des BN freut sich, dass die Zahl der neugierigen Laien stetig wächst: »Ihre Funde ergänzen die wissenschaftlichen Daten, bereichern unsere Öffentlichkeitsarbeit und regen nicht zuletzt alle Beteiligten dazu an, ihre Artenkenntnis zu erweitern.« Neben der Natur profitieren also auch viele Menschen von der Verwandlung der Isar. Haben sie doch eine großartige Land­ schaft gewonnen, die immer mehr daran erinnert, wie es hier früher mal aussah. Die man, wie wir heute, vielseitig erkunden kann und die beste Erholung bietet. KONFLIKTE Tatsächlich hat sich der Reiz dieses ­Naturraums herumgesprochen. Christine

Wiederentdeckt: Der Kieslauf­ wolf ­Pardosa wagleri kommt nur auf Schotterbänken von Gebirgs­flüssen vor.

Margraf sieht den wachsenden Rummel mit einem lachenden und einem weinen­ den Auge. »Natürlich sind wir froh, dass so viele Menschen unsere Begeisterung für die frei fließende Isar teilen. Doch nicht nur sie haben die neuen Kiesbänke wiederentdeckt, sondern auch der gefähr­ dete Flussregenpfeifer.« Zum Schutz der Gelege bittet man auf Schildern dar­um, bestimmte Kiesbänke nicht zu betreten, ob vom Ufer oder vom Boot aus. Auch deshalb fordert die Biologin, den Fluss weiter zu entfesseln: »Je rascher und großflächiger die Isar wieder wilder wird, desto weniger werden die verschiedenen Ansprüche kollidieren. Hier lassen sich noch viele Deiche zurücklegen und Ufer­ bauten entfernen. Den Rest macht die Isar dann überraschend schnell alleine.« Severin Zillich

Mehr zum Thema Mehr zu den Aktivitäten der Freisinger Kreisgruppe an der Isar: www.freising.bund-naturschutz.de Auskunft über das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt »A-DUR« erhalten Sie von: korinna.kappler@bund-naturschutz.de


36 Natur +Umwelt 3 | 26 › INTERNATIONALES

Programmatisch: Gruppenbild vom Treffen bei Paris

Arbeitsbereiche besser zu vernetzen. In Workshops tauschten wir Erfahrungen sowie Erfolge und Rückschritte aus.

FRIENDS OF THE EARTH

Im Austausch Gleich zweimal kam unser europäischer Dachverband im ersten Halbjahr zusammen. Vor der Mitgliederversammlung der »Friends of the Earth Europe« im Juni trafen sich viele Gruppen schon im Mai beim »All Programmes Meeting«. Auch der BUND nahm mit zwei Fachleuten teil. Unweit von Paris diskutierten wir über die Rolle der Umweltbewegung in einer

Zeit, da überall auf dem Kontinent die politischen Herausforderungen wachsen und der Druck undemokratischer Kräfte steigt. Im Mittelpunkt stand, unser Netzwerk strategisch auszurichten, gemeinsame Kampagnen zu schmieden und diverse

NEUE SCHWERPUNKTE Im Juni folgte die jährliche Mitgliederversammlung am ungarischen Balaton. Dabei wurde ein neuer Vorstand gewählt und die Jugendorganisation »Young Friends of the Earth Europe« mit einem Stimmrecht versehen. Drei strategische Schwerpunkte sollen die nächsten Jahre prägen: »Community Organizing« (eine Methode, um Bürger*innen aktiv einzubinden), der Umgang mit dem erstarkten Rechtsextremismus und die ökologischen Auswirkungen von Rechenzentren. Neben der Tagesordnung bot dieses Treffen Gelegenheit zum Austausch mit lokalen Initiativen, die sich für den Schutz des Balaton und seiner Natur einsetzen. Eine vorgeschaltete Konferenz war der Bürgerenergie gewidmet und stellte erfolg­ reiche Beispiele aus Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Österreich vor. Susann Scherbarth

KLIMASCHUTZ

Foto: Serge Mouraret/Al

amy Stock Photo

Energieriese verurteilt Ein wegweisendes Urteil aus Frankreich setzt ein Signal für mehr Klimaverantwortung großer Unternehmen. Mit einer viel beachteten Klimaklage nimmt unser Partner Milieudefensie (Friends of the Earth Niederlande) seit Jahren den Konzern Shell juristisch in die Verantwortung. Nun hat ein Gericht in einem Verfahren der Stadt Paris und französischer Umweltverbände gegen einen anderen Giganten entschieden. Demnach verletzt TotalEnergies seine Sorgfaltspflichten für den Schutz des Klimas.

TotalEnergies gehört zu den weltweit größten Öl- und Gaskonzernen, er sorgt damit für einen enormen Ausstoß fossiler Treibhausgase. Zudem wird das Unter­ nehmen seit Jahren wegen seines Um­ gangs mit Umwelt- und Menschenrechten in Fördergebieten wie dem Nigerdelta kritisiert, auch von unserem Partner »Les Amis de la Terre France«. Das Gericht entschied nun, dass TotalEnergies auch die Emissionen mindern

Protestplakat in Lyon gegen den Vorstandsvorsitzenden von TotalEnergies

müsse, die durch die Nutzung seiner Pro­ dukte entstehen, etwa bei Autofahrten mit Kraftstoffen des Konzerns. Es pochte darauf, dass Unternehmen die gesamten Klimafolgen ihres Geschäftsmodells zu verantworten hätten. Und es verpflichtete den Konzern, bis Januar einen neuen »Sorgfaltsplan« vorzulegen. SuS


Natur +Umwelt 3 | 26 › INTERNATIONALES 37

ABBAU VON KOBALT

ier/streets Foto: Johannes Me

Die Energiewende ist unverzichtbar, um die Klimakrise zu bewältigen. Doch mit den benötigten Rohstoffen müssen wir nachhaltig und gerecht verfahren, sonst ist auch dem Klima nicht geholfen. Das bedeutet: Der Verbrauch von Primärrohstoffen muss sinken, Produkte müssen langlebiger und reparierbar werden und Rohstoffe konsequent recycelt werden. Kobalt verdeutlicht diese Herausforderung. Der Rohstoff wird vor allem für Lithium-­ Ionen-Batterien in Elektroautos, Laptops und Smartphones eingesetzt. Je nach Batterietyp werden pro Elektroauto bis zu zehn Kilogramm Kobalt benötigt. Rund 70 Prozent des weltweiten Kobalts stammen aus der Demokratischen Republik Kongo, wo der Abbau vielfach mit ausbeuterischer

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Nicht nachhaltig Kinderarbeit, gefährlichen Arbeitsbedingungen, Um­ weltzerstörung und auch Vertreibung verbunden ist. MEHR SORGFALT! Der Dachverband der Kritischen Aktionä­ rinnen und Aktionäre – hier engagieren sich auch BUND-Mitglieder – weist regel­ mäßig darauf hin, dass Unternehmen für ihre Lieferketten verantwortlich sind. So kritisiert er zum Beispiel, dass BMW sich zu stark auf Zertifizierungen und Audits verlässt, die Menschenrechtsverletzungen beim Abbau von Kobalt nicht zuverlässig erfassen. Dabei ist BMW hier gesetzlich zur Sorgfalt verpflichtet, muss Risiken in seiner Lieferkette ermitteln und geeignete

Dieser Arbeiter ernährt mit dem Abbau von Kobalt seine Familie.

Abhilfe schaffen. Für die Energiewende sind faire Lieferketten nötig, ein sparsamer Umgang mit Rohstoffen und eine konsequente Kreislaufwirtschaft. Nur so kann sie langfristig nachhaltig sein und dem Klimaschutz dienen. Moritz Böttcher/Susann Scherbarth Anzeige

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38 Natur +Umwelt 3 | 26 › UMWELTPOLITIK › Suffizienz

Foto: Jörg Farys

Im Gemeinschaftsgarten des BUND Hamburg im Ortsteil Wilhelmsburg

SUFFIZIENZ

Bewusst & miteinander Wie sorgt der BUND für mehr Suffizienz, also weniger Material- und Energie­verbrauch und mehr gemeinschaftliches Tun? STEFANIE KOLB ist Teil des Teams Engagement & Mitmachen.

CHRISTINE WENZL betreut das Thema Nachhaltigkeit.

Vom Repaircafé über Warentauschtage und Pflanzenbörsen bis zu Stadtteilgärten und Streuobstwiesen: Die Aktivitäten, die wir quer durch die Landesverbände recherchiert haben, ergeben ein buntes Bild. Viele Menschen engagieren sich im BUND für Suffizienz, für ein gutes Leben und für sozialen Zusammenhalt. Suffizienz steht für einen Lebensstil, der Ressourcen schont und Lebensqualität, Gemeinschaft und einen bewussten Um­ gang mit Energie und Materialien vereint. Angesichts von Klimakrise und Artenverlust, von knappen Ressourcen und steigenden Energiepreisen müssen wir uns fragen: Wie gelingt ein gutes Leben innerhalb der ökologischen Grenzen?

TAUSCHEN, REPARIEREN … Unsere Ergebnisse zeigen: Suffizienz wird im BUND vielfältig gelebt. So organisieren unsere Gruppen landauf, landab rund 30 Repaircafés. Kompetente Ehrenamtliche prüfen gemeinsam mit den Hilfe suchen­ den Gästen, ob und wie sich Mitgebrachtes reparieren lässt. Andernorts bietet der BUND Tauschbörsen und -boxen an. Oder bringt in urbanen Gärten speziell Kindern und Jugendlichen die natürliche Vielfalt nahe. Im Rahmen von Programmen wie den Münchner Naturerlebnistagen finden jedes Jahr Hunderte von Veranstaltungen für Klein- und Schulkinder statt. Die Zusammenschau der Initiativen ver­ deutlicht, wie viele Menschen der BUND mit seinen Angeboten erreicht. Mit dem Projekt »Initiativen für Suffizienz im Um­ welt- und Naturschutz« wollen wir helfen, diese Aktivitäten zu vernetzen und lang­ fristig zu stärken. EINANDER BEGEGNEN Besonders am Herzen liegt uns dabei das soziale Miteinander. Repaircafés sind nämlich auch Orte des Austauschs und der Begegnung. In Gemeinschaftsgärten und auf Streuobstwiesen wird zusammen

gepflanzt, gepflegt und geerntet. Waren­ tauschtage und Sommerfeste schaffen Gemeinsamkeit und laden zum Mitmachen ein. All das wirkt der Vereinzelung und Einsamkeit entgegen. Zugleich eröffnet unser Projekt die Chance, neue Zielgruppen anzusprechen. Weniger Autoverkehr, ein Recht auf Repa­ ratur, mehr regionale Lebensmittel oder gemeinschaftlich genutzte Freiräume sind Anliegen, die ökologische und soziale Vorteile verbinden. So hoffen wir auch Menschen zu erreichen, die sich dem klassischen Umweltschutz bislang wenig verbunden fühlen. MITMACHEN Um Suffizienz an Infoständen des BUND anschaulich und spielerisch zu vermitteln, haben wir einige Angebote entwickelt. Zum Beispiel ein Glücksrad mit Fragen rund um Suffizienz für Erwachsene und Kinder, ein Memo-Spiel, das Problem und Lösung gegenüberstellt, sowie weitere Ideen für niedrigschwel­liges Mitmachen. Damit lässt sich über ganz Alltägliches ins Gespräch kommen – in der Hoffnung, mehr Menschen für den Umwelt- und Naturschutz zu begeistern und für ein Engagement im BUND zu gewinnen.

Mehr zum Thema ... unter: www.bund.net/suffizienz


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40 Natur +Umwelt 3 | 26 › URLAUB & FREIZEIT › Reise

UMWELTFREUNDLICH REISEN

Genussvoll unterwegs

Weite Sandstrände und Granitfelsen, Apfelwiesen und Wälder, Flusstäler und alte Hafenstädte: In der Normandie liegen sehr unterschiedliche Landschaften nah beieinander. Auf dieser zwölftägigen Aktivreise entdecken wir die Region zu Fuß, mit dem Fahrrad, im Kajak und auf dem Schiff. Den Auftakt bildet Caen, die einstige Resi­ denzstadt Wilhelms des Eroberers. Zu Fuß erschließen wir uns ihre Geschichte, vorbei an mittelalterlichen Burgmauern, durch Gärten und das Hafenviertel. Von Caen aus folgen wir mit dem Fahrrad der Orne in Richtung Küste. Im Vogelschutz­ gebiet Gros Banc öffnet sich eine Land­ schaft aus Wasser, Watt und Schilf. Mit etwas Glück zeigen sich Stelzenläufer oder Sandregenpfeifer. Wir betreten hier einen Naturraum, in dem Süß- und Salz­ wasser, Ebbe und Flut ein sensibles Gefü­ ge bilden. Im Landesinneren wird die Landschaft hügeliger und grüner. In der Normanni­ schen Schweiz prägen Schiefer- und Gra­ nitfelsen das Tal der Orne. Wir setzen mit dem Kajak auf den Fluss auf und gleiten vorbei an Felsen und Wald und unter ­Brücken hindurch. Wir landen in Clécy an,

Viel zu entdecken gibt es entlang der normannischen Küste.

einem der charmantesten Orte Frank­ ­ reichs, der mit seinen Geschäften und Restaurants zum Flanieren lädt. Am Folgetag erkunden wir die Norman­ nische Schweiz in Wanderschuhen. Zur Region gehört der Geschmack von Apfel: In einer Bio-Cidrerie erfahren wir, wie Cid­ re, Calvados und Pommeau entstehen. Wer keinen Alkohol mag, probiert Apfelund Birnensaft. Dann zieht es uns an die Küste des Är­ melkanals. Ziel ist Granville, alte Seefah­ rer- und Freibeuterstadt, später Seebad und bis heute geprägt von Hafenleben. Am Havre de la Vanlée, einer Flussmün­ dung nördlich der Stadt, treffen Süß- und Salzwasser aufeinander. Bei Carolles zeigt sich die Normandie wild und windgeprägt: Granitklippen, Hei­ dekraut, Ginster und Schlehen, dazwi­ schen das V-förmige Tal des Flüsschens Lude. Von der Küstenlinie reicht der Blick bis zur Bucht des Mont Saint-Michel. Ein Schiff bringt uns zu den Îles Chausey. Auf der Hauptinsel verbringen wir einen erhol­ samen Tag mit einer kleinen Wanderung, einem Picknick und Zeit, um zu entspan­ nen.

Zum Abschluss nähern wir uns dem be­ rühmtesten Ort der Normandie auf tradi­ tionelle Weise: Wie frühere Pilgernde ge­ hen wir bei Ebbe zu Fuß durch die Bucht zum Mont Saint-Michel, begleitet von ei­ nem Wattführer. Mit Schlick unter den Sohlen erreichen wir die Abtei, die die Fel­ seninsel krönt. Nach einer Stärkung in ei­ ner Crêperie führt uns Andrea durch »La Merveille«, das gotische Meisterwerk der Abtei, das zum großen Teil aus dem 13. Jahrhundert stammt. Zurück in Granville lassen wir die Reise bei einem gemeinsa­ men Essen ausklingen. Diese Reise ist ideal für Menschen, die gern aktiv unterwegs sind, aber zwischen­ drin innehalten und sich Zeit zum Schau­ en nehmen möchten. Der Genuss der französischen Küche kommt dabei nie zu kurz. Lucia Vogel

REISETERMIN 2. – 13. Juni 2027 Infos zu Reisepreis und Anmeldung BUND-Reisen ReiseCenter am Stresemannplatz Stresemannplatz 10, 90489 Nürnberg Tel. 09 11/ 5 88 88-20 www.bund-reisen.de

Foto: Andrea Hippe-Bouet

Eine neue Reise in die Normandie vereint Eindrücke von Küste, Flusslandschaften und Hafenstädten.


Natur +Umwelt 3 | 26 › URLAUB & FREIZEIT › Wanderung 41

Der Apollofalter (unten) und viele andere Schmetter­ lingsarten flattern durch das Kleinziegenfelder Tal.

INFOS ZUR WANDERUNG

Foto: Christoph Bosch

• Ausgangspunkt: Wanderparkplatz Kleinziegenfeld oder Bushaltestelle Weihersmühle • Länge: knapp 10 km (mit Abstecher Wallersberg, sonst ca. 8,5 km) • Höhenunterschied: 360 m (mit Ab­ stecher Wallersberg, sonst 260 m) • Einkehr: Schrepfersmühle, Arnstein

GERETTETE LANDSCHAFTEN ENTDECKEN

Paradies für Schmetterlinge Eines der schönsten Täler der nördlichen ­Frän­kischen Schweiz ist das Kleinziegenfelder Tal. Dank der Beharrlichkeit eines BN-Aktiven steht es seit 1954 unter Schutz. Viele heutige Schutzgebiete wurden erst auf beharrliches, zuweilen jahrzehntelanges Drängen von Naturfreunden und Umweltverbänden hin ausgewiesen. Doch nur selten lässt sich dies eindeutig belegen: Die zahllosen Gespräche, Führungen und Vorträge werden ebenso wenig aktenkundig wie Kartierungen und Verhandlungen. Beim Kleinziegenfelder Tal, das 1954 zum Landschaftsschutzgebiet wurde, ist dies anders. Bei diesem landschaftlichen Ju­ wel, berühmt für seine Apollofalter, dank­ te das BN-Mitgliedermagazin in Heft 3-4 / 1955 ausdrücklich »unserem alten Mitglied J. B. Johannes, Erlangen, der seit Jahrzehnten bei allen einschlägigen Stel­ len Sturm gelaufen ist, um die Natur­ schönheiten seiner Heimat zu erhalten«. Bekannt sind die Trockenhänge dieses Tals für ihre Schmetterlingsvielfalt, allen voran der seltene Apollofalter. Aber auch andere Raritäten wie der Östliche Sche­ ckenfalter, das Kleine Wiesenvögelein und der Schwarzkolbige Braun-Dickkopf­

falter fliegen dort noch herum, von Admi­ ral und dem Schwalbenschwanz gar nicht zu reden. Seit 1982 stehen zwei ökologisch be­ sonders wertvolle Flächen des Tals auch unter Naturschutz. Dennoch ist der BN Lichtenfels immer wieder gezwungen, weiter für den Schutz des Tals zu kämp­ fen, etwa gegen einen Ausbau der bei Mo­ torradfahrern allzu beliebten Talstraße St 2191, gegen eine »Regelflurbereini­ gung« oder gegen die Verbreiterung des idyllischen Wanderwegs entlang der Weismain zu einer zweistreifigen »Fahr­ radautobahn«. Flugsaison der meisten Schmetterlinge ist von Mai bis September. Doch auch zu anderen Jahreszeiten – und außerhalb der Motorradsaison! – ist das Kleinzie­ genfelder Tal unbedingt eine Wanderung wert. Wer zum ersten Mal da ist, für den ist es fast zwingend, beim Quellbecken der Weismain in Kleinziegenfeld zu begin­ nen. Von dort zieht es einen förmlich wei­ ter in das Trockental hinein.

Nach ein paar hundert Metern biegen wir nach links ab in einen der vielen Tram­ pelpfade den Hang hinauf. Ab jetzt sind wir im Naturschutzgebiet und beachten daher das Wegegebot. Denn die Vegeta­ tion ist empfindlich, und das Tal hat viele Besucher: Der Einzelne würde nicht viel Schaden anrichten, aber die Masse macht’s (kaputt). Im weiten Bogen geht es oben an Hang nach Kleinziegenfeld zu­ rück; von dort nehmen wir den idyllischen Weg entlang der Weismain talabwärts zur Schrepfersmühle und von dort weiter zur Weihersmühle. Wer noch genug Kondition hat, kann bei der Weihersmühle auf der anderen Talsei­ te stramm nach Wallersberg hinaufstei­ gen und südlich durch das kleine, aber fei­ ne Naturschutzgebiet wieder hinunter ins Tal. Wem das zu viel ist, geht auf der westlichen Talseite nicht ganz so stramm nach Arnstein hinauf und von dort am oberen Talrand zurück nach Groß- und weiter nach Kleinziegenfeld. Uli Rohm-Berner, Winfried Berner

Mehr entdecken Winfried Berner, Ulrike Rohm-Berner: Gerettete Landschaften Wanderführer, Verlag Rother, 14,90 Euro Bestellung: www.bn-onlineshop.de


42 Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Meldungen

BN aktiv + nah

Foto: A. Limbrunner/Naturfoto-Archiv Wolfgang Willner

Wachtelkönig

FREISINGER MOOS Kreisgruppe: Freising Fläche: 0,7 Hektar

Foto: Christine Margraf

Zielarten der Maßnahmen: Wachtel­ könig, Vogelazur­jungfer, Duftlauch, Wollgras

Der Wachtelkönig braucht solche ungemähten, aber nicht zu dichten Wiesen.

LEBENSRAUM FÜR DEN WACHTELKÖNIG Der BUND Naturschutz hat im Freisinger Moos ein Stück Moor gekauft, auf dem der seltene Wachtelkönig lebt. Doch die Fläche dient nicht nur dem Arten-, sondern auch dem Klimaschutz. Die 0,7 Hektar große Wiesenfläche liegt im europäischen Vogelschutzgebiet Frei­ singer Moos und unmittelbar neben FFHGebiet Moorreste im Freisinger Moos. Der Landkreis Freising, mit dem der BN eng zusammenarbeitet, hat direkt angrenzend eine gleich große Fläche gesichert. Das Freisinger Moos ist ein bayernweit be­

deutsamer Rückzugsraum für Wiesenbrü­ ter wie Wachtelkönig, Kiebitz oder Brach­ vogel und weitere Tier- und Pflanzenarten der kalkreichen Niedermoore, die durch Entwässerung und intensivierte Nutzung starke Verluste erlitten haben. Besonders wird das Grundstück unter anderem durch seine Bewohner: Seit 2024 hat man dort den Wachtelkönig (Crex crex) nachgewiesen, eine der am stärksten gefährdeten Vogelarten Deutsch­­lands und in Bayern in der Roten Liste in Kategorie 2 geführt (stark gefähr­

det). Zu sehen bekommt man den scheu­ en Wachtelkönig selten. Aber zusammen mit umgebenden Vorkommen bringt er das Moos in Frühsommernächten mit sei­ nen »Crex-crex«-Rufen zum Klingen. Der Wachtelkönig brütet auf dem Bo­ den. Da er erst relativ spät, selten vor An­ fang Mai, aus seinem Überwin­ terungsgebiet zurückkommt, braucht er ungemähte, aber nicht zu dichte Wie­ sen, wie er sie in Mooren und Feuchtwiesen noch


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findet. Seine Brut dauert bis in den späten Juli. Die Fläche wird daher weiterhin von einem Biobauern als Wiese genutzt, aber erst spät gemäht, wenn die jungen Wach­ telkönige flugfähig sind. Am östlichen Rand des Grundstücks verläuft ein Graben mit vergleichsweise hohem Grundwasserstand. Er gehört der Gemeinde Neufahrn. Gemeinsam mit ihr will der BN ihn so umgestalten, dass sich dort wieder typische Moorlebensräume entwickeln können. Denn unter der Gras­ narbe verbirgt sich, was die Fläche auch für den Klimaschutz so wertvoll macht: Bodenbohrungen des BN ergaben eine bis zu drei Meter mächtige Torfschicht. Solche Torfkörper binden enorme Men­ gen an CO2, aber nur, wenn sie nass sind. WEITERER TRITTSTEIN Gerade die Gräben sind wichtige Verbin­ dungsachsen für Moorarten wie Vogel­ azurjungfer, eine seltene Libellenart, Duft­ lauch oder Wollgras. Mit aus Samen ge­ zogenen Jungpflanzen und Mähgutüber­ tragung sollen letztere hier gefördert werden. Vielleicht hilft bei der Umgestal­ tung auch der Biber mit, dessen wertvolle Moorschutzarbeit in angrenzenden Grä­ ben leider nicht immer toleriert wird. Der Ankauf der Fläche ist Teil eines ­größeren Vorhabens: Seit 2023 setzt der BUND Naturschutz im Rahmen des Pro­ jekts »Biotopverbund und Moorschutz im Niedermoorverbund Dachauer-Freisin­gerErdinger-Moos« gezielt auf Flächenkäufe und die Anlage neuer Biotope, um Schutz­ maßnahmen zu intensivieren, Arten­ schutz- und Pflegemaßnahmen durchzu­ führen und in Teilgebieten den Was­ serstand anzuheben. Das Projektgebiet umfasst den Niedermoorgürtel am nörd­ lichen Rand der Münchner Schotterebene von Fürstenfeldbruck bis Erding und zählt nach dem Donaumoos zum zweitgrößten Niedermoorgebiet Bayerns. Mit dem neu­ en Grundstück im Freisinger Moos hat der BN einen weiteren Trittstein für den Moorund Artenschutz geschaffen. Das Projekt und der Flächenankauf wurden vom Baye­ rischen Naturschutzfonds gefördert. Heidi Tiefenthaler

Liebe Mitglieder in diesem Sommer erleben wir in vielen Regionen Europas beispiellose Hitzewellen mit Rekordtemperaturen, ­Wasserknappheit und Waldbränden. Die Hitze ist für viele alte oder kranke Menschen, für kleine Kinder oder ­Bewohner*innen völlig überhitzter Wohnungen ein ernstes Gesundheits­ risiko und fordert Todesopfer. Zudem schaden Hitzetage und Tropennächte unserer Wirtschaft. Das Beratungs­ unternehmen Prognos hat für die ­Hitzewelle vom 17. bis 30. Juni volks­ wirtschaftliche Schäden von mindes­ tens 6,3 Milliarden Euro berechnet. ­Diese Zahl ist eine klare Antwort auf alle Behauptungen, Klimaschutz müs­ se man sich erst mal leisten können. Sie belegt, was Umweltverbände schon lange sagen: Kein Klimaschutz wird am Ende noch viel teurer. Gleichzeitig gab es schon seit dem Frühjahr vielerorts extrem wenig­ ­Niederschläge. Kommunen in Bayern ­riefen zum Wassersparen auf. Es zeichnet sich ab, dass Wasser – unser wichtigstes Lebensmittel – ein immer knapperes Gut werden wird. Dieser Sommer macht klar: Die Klimakrise wartet nicht, nur weil Regierungen dem Thema Klimaschutz gerade keine ­Beachtung schenken. Sie passiert – jetzt und hier.

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Umso besorgniserregender ist es, dass parallel dazu in Deutschland und auf EU-Ebene verstärkt versucht wird, Umweltstandards abzubauen und B ­ eteiligungsrechte einzuschränken. ­Gerade jetzt zeigt sich jedoch: Transpa­ renz, starke Regeln und Mitsprache­ möglichkeiten für Bürger*innen und Ver­ bände wie den BUND Naturschutz sind kein unnötiger Bremsklotz. Sie sind eine zentrale Voraussetzung dafür, Fehlent­ wicklungen frühzeitig zu erkennen und wirksam gegenzusteuern. Neben den großen politischen Wei­ chenstellungen bleibt aber auch der ­Beitrag jeder und jedes Einzelnen wich­ tig. Schon kleine Entscheidungen im ­Alltag können Wirkung entfalten: Wer zu Bio-Lebensmitteln greift, unterstützt eine naturschonendere Landwirtschaft. Mehr dazu lesen Sie im Schwerpunkt­ thema dieser Ausgabe. Wer in Dürre­ perioden gestresste Stadtbäume gießt, hilft, unser unmittelbares Lebensumfeld zu erhalten. Vogel- und Insektentränken im Garten oder auf dem Balkon schaffen Rettungsinseln für Tiere, und das Enga­ gement für mehr Grünflächen in der ­eigenen Kommune stärkt Klima- und ­Lebensqualität vor Ort. Anregungen und Tipps dazu finden Sie auf unserer Homepage: www.bund-naturschutz.de.

Doris Tropper

Martin Geilhufe

Beate Rutkowski

stv. Vorsitzende

Landesvorsitzender

stv. Vorsitzende

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Fotos: Heinrich Inkoferer

»Hände weg von der Natur!« forderten die BN-Delegierten.

DELEGIERTENVERSAMMLUNG 2026

Angriffe auf die Natur stoppen! Die Delegiertenversammlung des BUND Naturschutz stand dieses Jahr im Zeichen der drohenden massiven Deregulierungen im Bereich des Umwelt- und Naturschutzes auf EU-Ebene, in Deutschland und in Bayern. Über 250 Delegierte trafen sich am 13. und 14. Juni in Deggendorf und verabschiedeten Anträge zu Deregulierungsbestrebungen, Jugendarbeit und Energiewende. Umweltminister Thorsten Glau­ber bezeichnete Verbände in seiner Rede als tragende Säule des Naturschutzes in Bayern. »Saubere Atemluft, reines Trinkwasser, gesunde Lebensmittel und intakte Natur sind unverzichtbare Grundlagen unseres Lebens«, erklärt dazu der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe. »Wir erleben aktuell auf fast allen politischen Ebenen einen Gene­ ralangriff auf Natur-, Umwelt und Klima­ schutz und die Rechte der Zivilgesell­ schaft. Doch nur mit frühzeitiger Beteili­ gung von Bürger*innen und Verbänden hat die Natur eine hörbare Stimme. Das

sichert langfristig das Vertrauen in die De­ mokratie.« Den Leitantrag »Angriff auf Umwelt-, Natur- und Klimaschutz stop­ pen: Hände weg von Gemeinwohl, Zivilge­ sellschaft und Demokratie!« verabschie­ deten die Delegierten einstimmig. Bayerns Umweltminister Thorsten Glau­­ber erklärte bei seiner Rede: »Wir set­ zen beim Naturschutz auch in Zukunft auf eine enge Zusammenarbeit mit unseren Partnern vor Ort. Der kooperative Natur­ schutz ist ein absolutes Erfolgsmodell. Vor allem die großen und in allen Regio­ nen Bayerns aktiven Naturschutzverbän­ de mit ihren zahlreichen Ehrenamtlern so­ wie die Landschaftspflegeverbände sind seit Jahrzehnten eine tragende Säule des Naturschutzes in Bayern. Trotz aller wirt­ schaftlichen Herausforderungen werden

wir den Naturschutz in Bayern mit Lan­ desmitteln noch einmal stärken.« Die zweite Bürgermeisterin von Deg­ gendorf, Renate Wasmeier (CSU), sagte im Hinblick auf den BN: »Sie sind die, die manchmal unbequeme Fragen stellen, die nicht locker lassen, die wachrütteln, die genau hinschauen. Naturschutz ist nicht nur Aufgabe des Staates, sondern auch der Menschen.« BUNDJUGEND FEIERTE JUBILÄUM Bernd Sibler (CSU), Landrat des Landkrei­ ses Deggendorf, ging in seinem Grußwort vor allem auf das Thema Hochwasser ein. Das Hochwasser von 2013 steckt noch in den Köpfen der Menschen, beton­ te er. Hochwasserschutz ist für den Land­ rat daher von hoher Bedeutung. Es sei völ­


Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Delegiertenversammlung 2026 45

Umweltminister Glauber hielt eine Rede auf der Delegiertenversammlung.

lig richtig, der Donau mehr Raum zu ge­ ben, das habe Deggendorf entlastet. Die stellvertretende Vorsitzende des BN-­ Bundesverbandes Bund für Umweltund Naturschutz Deutschland (BUND), Susanne Gerstner, kritisierte ebenfalls die Deregulierungsbestrebungen: »Gegen die­ se Angriffe müssen wir uns wehren, denn wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Wehren müssen wir uns auch gegen An­ griffe gegen unsere Demokratie – denn

sie ist aktiv bedroht.« In diesem Zusam­ menhang unterstrich sie: »Ihr schützt nicht nur Natur und Umwelt, sondern ihr schafft auch Angebote zum Zusammen­ halt.« Bezirkstagsvizepräsident Thomas Pröckl (CSU) sagte: »Natur ist Lebens­ grundlage, Heimat und Verantwortung. Dass der BN dafür eine starke Stimme ist, zeigt die beeindruckende Verwurzelung in der Fläche. Der BN ist nicht nur ein Ver­ band, sondern eine Bürgerbewegung. Hier in Deggendorf rückt in diesem Zu­ sammenhang eine Kreisgruppe in den Vordergrund, die zeigt, wie Naturschutz vor Ort gelingen kann.« Ein wichtiger Teil der DV war das Jubilä­ um zum 50-jährigen Bestehen des BN-­ Jugendverbandes BUNDjugend Bayern.

Die Zusammenarbeit mit dem Gesamt­ verband soll weiter intensiviert und ein entsprechender Antrag eingebracht wer­ den. Fabia Lausberg, Mitglied im BUNDju­ gend-Landesvorstand, erklärte hierzu: »Wir können stolz auf 50 erfolgreiche Jahre BUNDjugend Bayern zurückblicken, richten den Blick aber auch entschlossen in die Zukunft. Gerade in Zeiten zuneh­ mender politischer Extreme und multipler ökologischer Krisen, die von der Politik viel zu oft ignoriert werden, ist die gene­ rationenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Jugend- und Erwachsenenver­ band wichtiger denn je.« Außerdem wurde der BN-Vorstand ent­ lastet und der Haushaltsplan verabschie­ det. Felix Hälbich

EINNAHMEN UND AUSGABEN

2025

Einnahmen der Umweltbildungseinrichtungen

Beiträge von Mitgliedern und Förder*innen

368 000 Euro Zuschüsse für Ankäufe, Artenschutz, Projekte

6 668 000 Euro

12 295 000 Euro Gesamt­einnahmen*

27 Mio.

Erbschaften

Spenden inkl. Hausund Straßensammlung

3 582 000 Euro

3 160 000 Euro * inkl. Rücklagenzuführung/-entnahme

Mit der Naturschutzmedaille wurden in diesem Jahr ausgezeichnet: Peter Hirmer, stellvertretender Vor­ sitzender der Kreisgruppe Dingol­ fing-Landau und Sprecher des BNArbeitskreis Wasser, Peter Forstner, langjähriger Vorsitzender der Kreis­ gruppe Kelheim (2002 – 2021) und stellvertretender Vorsitzender der Ortsgruppe Abensberg, Andreas Molz, Vorsitzender der Kreisgruppe Straubing, sowie Georg Kestel, Vor­ sitzender der Kreisgruppe Deggen­ dorf.

Verwaltung, Miete und sonstige Ausgaben

Investitionen, Baumaßnahmen

244 000 Euro

3 045 000 Euro

Arten- und Biotopschutz

Verbandsorgane, Delegiertenversammlung, Naturschutzveranstaltungen

5 253 000 Euro Ankauf ökologisch wertvoller Grundstücke

747 000 Euro Unterstützung der Jugendarbeit

715 000 Euro Deutschlandweiter und internationaler Umweltschutz

1 502 000 Euro Information, Öffentlichkeitsarbeit, Pressearbeit, Internet, Mitgliederund Spendenwerbung

4 633 000 Euro Mitgliederservice »Natur+Umwelt«

1 103 000 Euro

Gesamt­ausgaben

27 Mio.

3 585 000 Euro Fach- und Lobbyarbeit in Natur- und Umweltschutz

1 029 000 Euro Unterstützung der Kreis- und Ortsgruppen

3 837 000 Euro Bildungsarbeit

1 106 000 Euro


46 Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Meldungen

25 JAHRE DONAUFEST Es ist einer der schönsten Erfolge der Naturschutzbewegung in Bayern: Die Donau darf zwischen Straubing und Vils­ hofen weiter frei fließen. Das jährliche Donaufest in Niederalteich wurde so von der Protestveranstaltung zum Freudenfest. In diesem Jahr fand es zum 25. Mal statt. Dass Bayerns großer Strom in Niederbay­ ern von Staustufen und Kanalwänden ver­ schont blieb, ist dem jahrzehntelangen, massiven Protest der Bevölkerung zu ver­ danken. Erst im Februar 2013 entschied sich die bayerische Staatsregierung für einen ökologisch optimierten, sanften Ausbau. Beim Jubiläums-Donaufest in Nieder­ alteich, das traditionell an Christi Himmel­ fahrt stattfand, blickte BN-Ehrenvorsit­ zender Hubert Weiger zurück auf die Ge­ schichte des Widerstandes: »Die Rettung der frei fließenden Donau ist einer der

Viele Menschen, die sich im Laufe der ­Jahrzehnte für die frei fließende Donau engagiert haben, wurden mit einer Urkunde geehrt. Unser Bild zeigt einige von ihnen.

größten Erfolge des Naturschutzes in der Nachkriegszeit, denn es handelt sich bei diesen 70 Kilometern zwischen Straubing und Vilshofen mit dem Isarmündungsge­ biet um eine der ökologisch wertvollsten Flusslandschaften Mitteleuropas. Die Rettung der freifließenden Donau ist ein großes Gemeinschaftswerk des BN und LBV gemeinsam mit Bauern, Fischern, Kanuten, kirchlichen Organisationen, lo­ kalen Bürgerinitiativen, Jugendverbän­ den, mit engagierter Politik auf allen Ebe­ nen, mit Wissenschaftlern und mit Hilfe von Kulturschaffenden. Das Entscheiden­ de war der Mut und das Durchhalten und das Nicht-Aufgeben in einem über 40 Jahre langen Kampf.« Eine Reihe von Freundinnen und Freun­ den der Donau, die sich viele Jahre lang mit Herzblut für »ihren« Fluss engagiert hatten, erhielten eine Auszeichnung. Zur Erinnerung an den Initiator des Fes­ tes, den ehemaligen Deggendorfer BN-Kreisvorsitzenden Dieter Scherf, wurde an der Fähranlegestelle ein Gedächtnisbaum gepflanzt. Dieser steht auch für den Einsatz aller Akti­ ven für den Erhalt der frei fließen­ den Donau. Niederalteichs Bürgermeister Julien Pursch, ein Vertreter der Spielvereinigung Nieder­ alteich und BN-Ehrenvorsitzender Hubert Weiger (vo. li.) pflanzten gemeinsam eine Linde am Donauufer.

Der BN-Ehrenvorsitzende wurde im Juli mit dem Bayerischen Verdienstorden aus­ gezeichnet. Es ist der zweithöchste Orden des Freistaats. Die bayerische Staatskanzlei schrieb zu der Ehrung: »Prof. Dr. Hubert Weiger ist seit Jahrzehnten eine zentrale Figur des Umwelt- und Naturschutzes in Bayern und weit darüber hinaus. Als Vorsitzender des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland sowie als langjähriger Lan­ desvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern hat er mit Fachkompetenz, Dia­ logbereitschaft und Beharrlichkeit die Umweltpolitik begleitet. Er setzte sich un­ ter anderem für den Erhalt wertvoller Na­ turräume, insbesondere des Grünen Ban­ des, sowie gegen das Artensterben ein. Er hat sich dadurch in herausragender Wei­ se um Bayern verdient gemacht.«

Foto: Bayerische Staatskanzlei

Fotos: Heinrich Inkoferer

VERDIENSTORDEN FÜR HUBERT WEIGER

Ministerpräsident Markus Söder (rechts) überreichte bei einem Festakt in der Münchner Residenz den Orden an Hubert Weiger und über 60 weitere Persönlichkeiten.

Hubert Weiger freute sich sehr über die­ se hohe Auszeichnung und betonte: »Es ist nicht nur eine Würdigung meines per­ sönlichen Einsatzes für Natur und Um­ welt, sondern auch der Arbeit des BN in unserer bayerischen Heimat.« Der Bayerische Verdienstorden wird »als Zeichen ehrender und dankbarer An­ erkennung für hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern und das bayeri­ sche Volk« verliehen. Die Zahl der leben­ den Ordensträger ist auf 2000 begrenzt.


Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Meldungen 47

Protest wirkt. Das zeigt sich derzeit auch bei der europaweiten Kampagne »Hands Off Nature!« (Hände weg von der Natur). Der BUND Naturschutz ist dabei aktiv im Einsatz. Atemluft, Trinkwasser, Lebensmittel, in­ takte Natur – all das hängt von wirkungs­ vollen Schutzgesetzen ab. Dennoch gibt es derzeit auf EU-Ebene Versuche, Geset­ ze zum Schutz von Natur und Umwelt auf­ zuweichen. Die Natur würde damit zu ei­ ner Ressource degradiert, die es auszu­ beuten gilt. Mehrere EU-Mitgliedstaaten – darunter auch Deutschland – drängen die Euro­ päische Union derzeit dazu, bestehende Natur- und Umweltschutzgesetze abzu­ schwächen. Begründet wird das mit Be­ griffen wie »Entbürokratisierung« und »Vereinfachung«. Doch tatsächlich geht

Foto: Thomas Frey

HÄNDE WEG VON DER NATUR!

es dabei oft nicht um schlankere Verfah­ ren, sondern um weniger Regeln – auf Kosten von Umwelt, Gesundheit und Ge­ meinwohl. Mit viel Öffentlichkeitsarbeit und einer EU-weiten Unterschriftensamm­ lung machen Umweltverbände mobil ge­ gen diese zerstörerischen Pläne. Allmäh­ lich beginnt sich auch in der Politik Wider­ stand zu regen. Immerhin wurde bisher keine Schwächung der für Natur und Um­ welt besonders wichtigen Regeln be­ schlossen. Jetzt heißt es dranbleiben! Sie

Das Isar-Donau-Mündungsgebiet steht als FFHund Vogelschutzgebiet unter europäischem Schutz. ­Diese Schutzrechte sollen abgeschwächt werden. Die Teilnehmer*innen dieser BN-Exkursion im Juni sagen dazu ganz klar: Hände weg von der Natur!

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! rvice – e S r e s stenlo o k r e s eder! i l Un g t i M r für nicht nu

Was muss ich für eine Balkonsolaranlage tun?

Wer ist für den Amphibienschutz an Straßen zuständig?

Was blüht denn da?

Sie haben Fragen zu den Themen Artenschutz, Naturschutz, Erneuerbare Energien, Energie sparen oder brauchen Hilfe bei der Bestimmung einer Art? Sie benötigen fachliche Beratung zum Thema? Schreiben Sie uns: frag-den-bn@bund-naturschutz.de Telefon 0 91 23 / 7 02 76 10 Unsere aktuellen Telefonzeiten finden Sie unter: www.bund-naturschutz.de/frag-den-bn

www.frag-den-bn.de www.bund-naturschutz.de


48 Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Meldungen

PATENSCHAFTEN FÜR BACHMUSCHELN Die Bachmuschel kämpft in Bayerns Gewässern ums Überleben. Sie ist auf naturnahe Bäche und Wirtsfische angewiesen, um sich zu vermehren. Die Kreisgruppe Traunstein hatte eine gute Idee, um ein Hilfsprojekt für die Weichtierart finanziell abzusichern: Patenschaften. An der Ischler Achen läuft derzeit ein Pro­ jekt zur Rettung der Bachmuschel. Dafür wurden und werden an mehreren Grund­ stücken des BN entlang des Gewässers die Uferbereiche aufgeweitet und renatu­ riert. Zusätzlich braucht es aber Nachzucht­ maßnahmen, die über die Projektschiene nicht finanziert sind. Hier kommt die Pa­ tenschaftsidee ins Spiel: Für 30 Euro kann man Bachmuschelpate oder -patin wer­ den und die Nachzucht unterstützen. Dazu werden einerseits lokale Jungmu­

Fotos: Claudia Lahr/Michael Schneider

BIBER-JUBILÄUM

Nach Renaturierungsmaßnahmen an der Ischler Achen in 2025 wurden in diesem Frühjahr erstmals Jungmuscheln in ihr neues Zuhause eingesetzt.

scheln in einer Bachmuschelaufzucht­ station gezogen und in der Ischler Achen eingesetzt. Die ersten Tiere wurden im Frühling 2026 eingebracht. In einem Stadium ihrer Entwicklung – als sogenannte Glochidien – brauchen die Muscheln Wirtsfische, in deren Kie­ men sie sich festsetzen. Deshalb ver­ sucht der BN derzeit in Zusammenarbeit mit einem Fachbüro und dem Bezirksfi­ schereiverband, geeignete Fischarten mit den Glochidien zu »impfen«, um die Nach­ zucht direkt vor Ort zu schaffen.

Sie interessieren sich für eine Patenschaft? Hier gibt es nähere Informationen:

Am 26. November 2026 findet die jährliche Bibertagung von BN und Haus im Moos statt. Es wird eine ganz besondere Tagung, denn sie findet 30 Jahre nach Beginn des Bayerischen Bibermanagements (1996) und 60 Jahre nach den ersten Biber-Wiederansiedlungen (1966) statt. Der Biber lebt heute wieder flächende­ ckend in Bayern und ist ein zentraler Bau­ meister für naturnähere Bäche und Flüs­ se geworden. Wo er die Gewässer umge­ stalten darf, explodiert die Artenvielfalt. Wenn die Nutzung zu nah ans Gewäs­ ser geht, können jedoch Konflikte mit Nutzun­ gen auftreten. Des­ wegen wurde das Bayerische Biber­ management ein­ geführt, getragen vom BN mit För­ derung des Bayeri­ k ra n schen Naturschutz­ hF Fo to : R a l p fonds. Die immer gut be­ suchten Bibertagungen informieren über Neuigkeiten, beantworten Fragen und die­ nen dem Erfahrungsaustausch und der Vernetzung. Nähere Infos: artenschutz@bund-naturschutz.de

ofe Foto: Heinrich Ink

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DONAU PER SCHIFF ERLEBEN

Ein Naturerlebnis der besonderen Art bietet der BUND Naturschutz am Sonntag, 11. Oktober an: eine Schifffahrt auf der frei fließenden Donau. Die Schifffahrt startet in Vilshofen und führt über Niederalteich nach Deggendorf

und schließlich nach Straubing. Dabei kann man neben den hoch über der Do­ nau gelegenen Burgruinen auch die Na­ turschutzgebiete »Winzerer Letten«, »Staatshaufen« und »Isarmündung« mit dem Barefoot-Boat der Reederei Wurm und Noé einmal vom Fluss aus erleben. Auf diesem Streckenabschnitt wird der BN-Ehrenvorsitzende und profunde Do­ naukenner Hubert Weiger Fluss, Land­ schaft und kulturelle Besonderheiten er­ läutern sowie den Hochwasserschutz und die aktuellen Planungen erklären.

In Deggendorf kommt die Band »Oane wia koane« an Bord an sorgt für musikali­ sche Unterhaltung. Abfahrt ist um 11 Uhr in Vilshofen an der PersonenschifffahrtsAnlegestelle der Firma Wurm + Noé an der Donaupromenade, Ankunft gegen 18 Uhr in Straubing. Das Bordrestaurant sorgt während der Fahrt für das leibliche Wohl, auch vegetarisch und vegan.

Infos und Tickets


Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Naturschutzpreis 49

BAYERISCHER NATURSCHUTZPREIS 2026

Der BUND Naturschutz hat die ­österreichische Politikerin Leonore Gewessler mit dem Bayerischen Naturschutzpreis geehrt. Ihrem mutigen Abstimmungsverhalten im EU-Rat 2024 ist es zu verdanken, dass ein wichtiges Gesetz zum Schutz der Natur verabschiedet wurde. Dank Leonore Gewesslers entscheidender Stimme im EU-Rat konnte das EUGesetz zur Wiederherstellung der Natur verabschiedet werden. Sie war damals Umweltministerin in der österreichischen Regierung. Ihr Votum löste in Österreich eine Regierungskrise aus, brachte ihr aber zugleich viel Respekt ein. Zu der Preisverleihung waren im Juni zahlreiche Gäste nach München gekom­ men, trotz eines WM-Spiels der deut­ schen Mannschaft am selben Abend und sengender Hitze. Leonore Gewessler sag­ te zu ihrer damaligen Entscheidung auf ihrer Dankesrede bei der Preisverleihung: »Ich habe mir vorgenommen, zu meiner Haltung zu stehen. Ich will nicht sagen müssen: Ich war da, aber mir hat im ent­ scheidenden Moment der Mut gefehlt. Dafür steht zu viel auf dem Spiel. Es geht um die Welt, in der künftige Generationen groß werden. Ihre Natur, ihre Lebensmit­ tel, ihre Luft: genau das schützt das Rena­ turierungsgesetz.« Der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe würdigte den außergewöhnlichen Mut der

Foto: Heinrich Inkoferer

Ihre Stimme veränderte Europa

Der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe und seine Stellvertreterin Beate Rutkowski überreichten die Auszeichnung an Leonore Gewessler (Mitte).

Preisträgerin: »Der BUND Naturschutz verleiht die höchste Verbandsauszeich­ nung an Leonore Gewessler für ihren Ein­ satz in ihren verschiedenen Funktionen für den Umwelt- und Klimaschutz und im Besonderen für ihren persönlichen Ein­ satz beim Zustandekommen der Wieder­ herstellungsverordnung der Natur. Mit ih­ rer Entscheidung ermöglichte sie das Zu­ standekommen eines der bedeutendsten Naturschutzgesetze Europas seit Jahr­ zehnten.« HALTUNG GEZEIGT Es gehe um die Frage, so der BN-Vor­ sitzende, ob Politiker*innen den Mut auf­ bringen, wissenschaftliche Erkenntnisse ernst zu nehmen. Und es gehe um die Fra­ ge, ob einzelne Menschen bereit seien, Verantwortung zu übernehmen, wenn es darauf ankomme. Genau dies hat Leono­ re Gewessler getan. Sie hat nicht nur ein Gesetz ermöglicht. Sie hat gezeigt, dass politisches Handeln auch unter schwieri­ gen Bedingungen von Haltung getragen sein kann. Durch den Koalitionspartner

angekündigte juristische Prozesse sind im Sande verlaufen.« VIELFÄLTIGES ENGAGEMENT Leonore Gewessler engagiert sich seit vielen Jahren im Umweltschutz und ist politisch für die österreichischen Grünen aktiv. Von 2014 bis 2019 war sie Ge­ schäftsführerin der Umweltorganisation Global 2000 und von 2020 bis 2025 öster­ reichische Klimaschutz- und Umweltmi­ nisterin. Neben ihrem Abstimmungsver­ halten bei der Wiederherstellungsverord­ nung war Gewessler außerdem für die Einführung des österreichischen Klima­ tickets und des Biodiversitätsfonds ver­ antwortlich. Der Bayerische Naturschutzpreis ist die höchste Auszeichnung des BUND Natur­ schutz. Der BN verleiht den Preis seit über 30 Jahren an hoch verdiente Persönlich­ keiten für ihr herausragendes Wirken im Natur- und Umweltschutz. Felix Hälbich


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Natur +Umwelt 3 | 26 › URLAUB & FREIZEIT › Bildung 51

Bildung TERMINE ESSEN IST POLITISCH

VORTRÄGE

Foto: BN

Der ÖPNV-Führerschein des BUND Naturschutz ist jetzt offiziell eine ausgezeichnete Idee. Im April erhielt das Projekt einen Anerkennungspreis des für Verkehr zuständigen bayerischen Innenministeriums. Mit dem »ÖPNV-Führerschein« lernen Schül­er*innen der 5. und 6. Klassen, Bus und Bahn sicher und selbstständig zu nut­ zen. In Theorie- und Praxismodulen, Ex­ kursionen und Rallyes erwerben sie wich­ tige Kompetenzen für den öffentlichen Nahverkehr. Dabei stehen sowohl Ver­ kehrssicherheit als auch nachhaltige Mo­ bilität im Mittelpunkt. Die Kinder lernen unter anderem, Ge­ fahrenstellen an Bahnhöfen zu erkennen, Schilder und Markierungen richtig zu deu­ ten und sich sicher auf Bahnsteigen so­ wie an Bushaltestellen zu bewegen.

SOCIAL DAY Immer mehr Unternehmen machen mit ihren Mitarbeiter*innen einen Social Day: Hier können Teams bei einer Auszeit vom Arbeitsalltag gemeinsam etwas Sinnvolles schaffen. Das BN-Bildungszentrum Wartaweil bietet Social Days an.

Foto: Katrin Kumschier

PREIS FÜR ÖPNVFÜHRERSCHEIN

Gleichzeitig erfahren sie, wie Bus und Bahn zu einem klimafreundlichen Alltag beitragen können. Das Bildungsangebot stärkt nicht nur die Selbstständigkeit der Kinder, sondern auch das Vertrauen der Eltern in die Mo­ bilität ihrer Kinder. Wer sicher mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, ­ kann häufiger auf das Elterntaxi verzich­ ten. Damit leistet der »ÖPNV-Führer­ schein« einen wichtigen Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit und zu einer nachhal­ tigen Verkehrswende. Weitere Informationen www.bund-naturschutz.de/ umweltbildung/oepnv-fuehrerschein

So war im Juni eine Gruppe mit viel Enga­ gement am Werk. Mit Säge und Akku­ schrauber haben die Teilnehmer*innen 25 Meter Zaun und Gerüst für eine Benjes­ hecke errichtet. Ein Social Day in Wartaweil ermöglicht Gruppen von acht bis 15 Personen Erleb­ nisse, die den Teamgeist stärken. Hier kann man mit Herz und Hand neue Fähig­ keiten entdecken, ob handwerklich, krea­ tiv oder organisatorisch. Eine Auszeit vom Arbeitsalltag ermöglicht Naturerleb­ nis und Inspiration. Informationen zu einem Social Day gibt es bei Birgit Geurden, Tel. 0 81 52/3 99 00 -2 32 oder wartaweil@bund-naturschutz.de

Dieser Infoabend beleuchtet die Zusam­ menhänge zwischen Ernährung, Klimaund Umweltschutz, globaler Gerechtigkeit und Frieden und zeigt auf, wie jede*r zu einer nachhaltigeren Lebens­ mittelversorgung beitragen kann. Es gibt Vorträge aus den Bereichen Theologie, Medizin, Gemeinschaftsver­ pflegung und Eine-Welt-Arbeit. Termin: Freitag, 16. Oktober, 19–21 Uhr Online via Zoom Anmeldung: lindau.bund-naturschutz.de/ termine/termin/vortrag-zumwelternaehrungstag-2026

CHAMER UMWELTTAGE Viele Aussteller, regionale Initiativen und Unternehmen präsentieren innovative Ideen und Lösungen zu den Themen er­ neuerbare Energien, Bio-Anbau, Perma­ kultur, Ressourcenschutz und Ernährung. Ein Programm mit Fachvorträgen, Work­ shops und Mitmachangeboten lädt zum Informieren und Austauschen ein. Termin: 3. und 4. Oktober Ort: Klostermühle Altenmarkt cham.bund-naturschutz.de/projekte/ chamer-umwelttage

LEBEN IM BACH Wie stellt man mit einfachen Mitteln fest, ob das Wasser eines Bachs eine gute Qualität hat? Die Natur selbst hilft uns ­dabei, mit den »kleinen Wundern«, die wir im Bach finden. Wir werden dabei Tiere entdecken und bestimmen, die uns teil­ weise an Aliens denken lassen und deren Leben sehr ungewöhnlich ist. Termin: Samstag, 3. Oktober, 13 Uhr Ort: Kreuzwertheim Infos und Anmeldung: main-spessart.bund-naturschutz.de/ termine/termin/schaetze-der-natur-1

Foto: stock.adobe.com – Julian Weber

PS WORKSHO EXKURSIONEN


52 Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH

NACHHALTIGKEITSRAT

Im politischen Berlin weht ein neuer Wind, der auch im Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) spürbar wird. Anfang des Jahres wurde er turnusgemäß neu besetzt. Viele engagierte Persönlichkeiten, die vor allem für den Naturschutz stehen, wurden nicht wieder berufen. Wohl aber Myriam Rapior für den BUND. Gut so. Denn wir müssen und wollen im Gespräch bleiben. Friedrich Merz möchte, dass sich der RNE vor allem mit Wirtschaft, Staatsmodernisierung und Sicherheit beschäftigt. Klassische Nachhaltigkeitsthemen sind das nicht gerade, doch folgt der Rat dem Wunsch des Kanzlers nun bis 2028. WEITERHIN GÜLTIG Myriam Rapior bringt sich in den Arbeits­ gruppen »Zukunftsfähige Wirtschaft« und

Foto: B. Ludewig / O. Ziebe, RNE

Wichtiger denn je »Sicherheit« ein. Für beide gilt: Ohne Um­ welt- und Naturschutz sind sie nicht zu diskutieren. Denn wer glaubt ernsthaft, dass eine Wirtschaft ohne sauberes Trinkwasser, fruchtbare Böden oder eine hitzemindernde grüne Infrastruktur florie­ ren kann? Und dass Deutschland krisenfest und souverän wird, solange es sich nicht aus der Abhängigkeit von fossiler Energie oder Düngemittelimporten löst? Die Anliegen des BUND haben nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Im Gegenteil, sie sind heute wichtiger denn je. Wer die Natur zerstört, untergräbt das Fundament unserer Wirtschaft und nationalen Sicher­ heit. Bei den Zukunftsdebatten im Rat bleibt die Stimme des BUND deswegen unverzichtbar. Dieses Jahr gibt es einen

Myriam Rapior (rechts) und Ratskollegin Katrin Böhning-Gaese (Mitte) überreichen Umweltstaatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter eine Stellungnahme des Nachhaltigkeitsrats.

besonderen Anlass, auf die deutsche Nachhaltigkeitspolitik zurückzublicken: Der RNE feiert sein 25-jähriges Jubiläum. Hubert Weinzierl, Angelika Zahrnt und ­Hubert Weiger haben als Vorsitzende des BUND ­die Arbeit des RNE über viele Jahre geprägt. Dafür sei ihnen herzlich gedankt!

Mehr zum Thema Am 29. September feiert der Rat seinen Geburtstag mit einer öffentlichen Veranstaltung in Berlin. Anmeldungen sind möglich über: www.nachhaltigkeitsrat.de

UMWELTBILDUNG

Neue Impulse

Aktive des BUND-Arbeitskreises Umweltbildung

Wie erkennt man Greenwashing? Und wie begeistert man Kinder für die Natur? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich der Bundesarbeitskreis Umweltbildung. Das eigene Unternehmen umwelt­ freundlicher darzustellen, als es ist,

das ist weit verbreitet – ob bei Anträgen auf Fördermittel, der Ansiedlung von Unternehmen, im Finanzsektor oder bei Zertifizierungsverfahren. »Deshalb entwickeln wir eine wissenschaftliche Position zum Greenwashing«, sagt die Arbeitskreis-Sprecherin Birgit Lutzer. Ab September verpflichte eine neue EU-Regelung dazu, Nachhaltigkeits- und Ökoversprechen besser zu belegen. Die Arbeitsgruppe Kinder- und Jugend­ bildung betreut das Projekt Heupferdchen. Nach dem Vorbild des »Seepferdchens«

beim Schwimmen lösen Kinder Aufgaben in der Natur und werden dafür ausgezeichnet. »Einige Kinder haben das Heupferdchen schon und sind richtig stolz«, so die Initiatorin Birgit Eschenlohr. Ihr Ziel: früh für Natur und Umwelt zu begeistern und bleibende Erinnerungen zu schaffen.

Aktiv werden Wer Lust hat, die Umweltbildung im BUND mitzugestalten, ist herzlich eingeladen. Kontakt: birgit.lutzer@bund.net


Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Porträt 53

IM PORTRÄT

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Funken der Begeisterung

Sarah Schmidbauer, einem breiten Publikum als Schauspielerin aus ­ Film und Fernsehen bekannt, leitet beim BN Irsee eine Kindergruppe. Dabei hilft ihr eine seltene Gabe: Menschen für etwas zu gewinnen, ohne sie zu drängen. Eine Gruppe Kinder hockt an einem heißen Samstagnachmittag im Schatten eines Baumes. Vor ihnen liegen Holzstücke, Schnüre und Messer. Konzentriert schnitzen die Jungen und Mädchen an Rundhölzern, bauen Bögen und versuchen sich an einer jahrtausendealten Technik: dem Feuerbohren. Zwei sechsjährige Mädchen haben ihr Werkzeug fertig. Eines spannt das Rundholz in die Sehne ein, setzt seine Spitze auf ein Holzbrett und beginnt, den Bogen hin und her zu bewegen. Ein kratzendes Geräusch ertönt. Ihre Be­ wegungen werden schneller. Plopp! Das Holz springt aus der Führung und rollt durch den Sand. Doch die beiden lassen sich nicht entmutigen. Auf dem Brett zeichnet sich bereits eine Brandspur ab. Sarah Schmidbauer beugt sich zu ihnen: »Super, ihr zwei! Ihr seid auf dem richtigen Weg.« Das Konzept der Wald- und Wiesen­ schule, die Schmidbauer 2021 unter dem Dach des BUND Naturschutz gegründet hat, entstand während der Coronazeit. »Ich hatte nach einer Möglichkeit ge­

sucht, wie Kinder unter freiem Himmel ler­ nen können.« Tatsächlich gleicht die Wald- und Wiesenschule einem grünen, fliegenden Klassenzimmer, das immer dort landet, wo es etwas zu entdecken gibt. Unter den Fittichen der BUNDjugend Bayern ist sie eine eingetragene Umwelt­ bildungs-Kindergruppe. GEPRÄGT VON KUNST UND NATUR Die Idee dafür wurzelt in Schmidbauers Kindheit bei Marktoberdorf. Kunst und Handwerk prägten ihre Familie. Über Va­ ter und Ziehvater begegnete sie früh der Welt von Theater und Bühne. Logisch. Ihre Mutter, eine Töpferin und Keramike­ rin, vermittelte ihr die Verbundenheit zur Natur. Das Draußen war Sarah Schmid­ bauers zweites Zuhause: im Wald spielen, im Gras liegen, Glühwürmchen beobach­ ten. »Ich war in meiner Kindheit mit all dem Lebendigen um mich herum emotio­ nal verbunden«, erinnert sie sich. Diese Verbundenheit möchte sie weitergeben. An diesem Nachmittag lernen die Kin­ der Wildbienenarten kennen und erfahren

auf einer BN-Blühwiese, wie Bienen Nek­ tar sammeln. Gegen den Durst gibt’s BioLimo. Ein Mädchen ruft: »Wenn der Nek­ tar den Bienen so gut schmeckt wie mir die Limo, dann will ich auch eine Blühwie­ se bei uns im Garten haben!« Sarah Schmidbauer lächelt. »Wenn ein Kind sich vorstellen kann, selbst wie eine durstige Biene zu sein, hat es schon viel verstan­ den.« KEIN »EIGENES SÜPPCHEN« KOCHEN Niemand muss an jedem Termin teilneh­ men. »Willkommen sind alle Kinder, auch wenn deren Lebensmittelpunkt sonst eher der Fußballplatz oder die Freiwillige Feuerwehr ist«, sagt Schmidbauer. »Wir wollten als BN auf keinen Fall unser eige­ nes Süppchen kochen.« Ihre empathische Grundhaltung, die sie auch als TV-Polizis­ tin Anna Prückl in der ZDF-Serie »Lena Lo­ renz« zeigt, ist authentisch. Jetzt liegt der Geruch von brennendem Gras und Birkenrinde in der Luft. Das Feu­ erbohren hat doch noch funktioniert. Margarete Moulin


54 Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Oberpfalz

Die Klage des BN stoppte eine weitere Bebauung der artenreichen Schlämmteiche.

Foto: Raimund Schoberer

NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

KREISGRUPPE REGENSBURG

Biotop gerettet

GESCHÜTZT: Auf großes Interesse stieß Mitte Mai eine Exkursion der BNKreisgruppe Tirschenreuth gemeinsam mit Partnerverbänden zu den Mooren im Steinwald. Wolfgang Schödel, stellvertre­ tender Kreisvorsitzender, erläuterte deren Bedeutung für Artenvielfalt, Wasserhaus­ halt und Klima. Bereits Anfang der 1990er Jahre begann die Wiedervernässung. Da­ mals stand der Artenschutz im Vorder­ grund – Wollgras, Rauschbeere, Kreuzot­ ter und Auerhuhn finden im Moor wertvol­ le Rückzugsräume. Heute ist angesichts der Klimakrise auch der Wasserrückhalt wichtig: Als natürliche Wasserspeicher speisen die Steinwaldmoore Quellen für die kommunale Wasserversorgung und kühlen den Wald in Hitzeperioden durch Verdunstung.

Mit seinem Urteil Ende April hat der ­ ayerische Verwaltungsgerichtshof den B entsprechenden Bebauungsplan der Stadt aufgehoben. Die weitere Überbauung der Schlämmteiche und der Ausbau der Kremser Straße sind vorerst vom Tisch. Auf dem Areal war ursprünglich ein Indus­ triegebiet geplant (siehe N+U 1/25). Zwei riesige Hallen wurden bereits gebaut; er­ halten geblieben sind rund 24 Hektar des ursprünglich 30 Hektar großen Biotops. Umso mehr freut sich der BN-Kreisvorsit­ zende Raimund Schoberer über die Ent­ scheidung: »Es ist ein großer Erfolg, dass dieses für die Artenvielfalt äußerst wert­ volle Areal nun in seiner ökologischen Be­ deutung erhalten bleibt.« Bereits Ende März hatte der BN-Landes­ vorstand die bedrohten Schlämmteiche besucht und der Regensburger Kreisgrup­

pe seine Unterstützung zugesichert. Der Konflikt steht beispielhaft für mehrere ge­ plante Eingriffe in ökologisch wertvolle Biotope und schützenswerte Landschaf­ ten im Stadtgebiet. Für den Kreisvorsitzenden Raimund Schoberer sind die Schlämmteiche ein Hotspot der Artenvielfalt: »Auch wenn wir hier ein Beispiel für Natur aus zweiter Hand haben, ist das Gebiet als Lebens­ raum für viele seltene und geschützte Tier- und Pflanzenarten nicht minder wertvoll.« Die Kreisgruppe werde sich deshalb weiterhin für den dauerhaften Schutz des Areals einsetzen. Zugleich er­ innerte Schoberer daran, dass Regens­ burg als Gründungsmitglied der Initiative »Kommunen für biologische Vielfalt« eine besondere Verantwortung für den Erhalt solcher Lebensräume trage. Reinhard Scheuerlein (as)

Foto: Wolfgang Schödel

Die Klage des BUND Naturschutz gegen die ­Bebauung des Biotops »Schlämmteiche der ehemaligen Zuckerfabrik« im Südosten ­Regensburgs war erfolgreich.

GEFÄHRDET: Ende März besuchte der BN-Landesvorstand den Osten des Ober­ pfälzer Seenlands im Landkreis Schwan­ dorf, das aus dem Braunkohle-Tagebau entstand. Während etliche Seen touris­ tisch erschlossen sind, sieht der Regio­ nalplan für die ehemaligen Tagebauseen Ausee und Lindensee eine Biotopentwick­ lung vor. Daher setzen sich die BN-Kreis­ gruppe und vier weitere Umweltverbände seit 2012 dafür ein, das Areal als Natur­ schutzgebiet auszuweisen. Damit ließe sich einer schleichenden touristischen Nutzung entgegenwirken. IHR ANSPRECHPARTNER Oberpfalz: Reinhard Scheuerlein Tel. 09 11/ 8 18 78-13 reinhard.scheuerlein@ bund-naturschutz.de


Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Unterfranken 55

Die Wannig bei Großwenkheim: In diesen Bachlauf münden die ­Entwässerungsgräben, die heute das fossile Niedermoor durchziehen.

Die Kreisgruppe Bad Kissingen des BUND ­Naturschutz setzt sich für die Erforschung und den Schutz eines ehemaligen Niedermoores am östlichen Rand des Landkreises ein. Dazu soll zunächst für eine 25 Hektar große Kernzone des Moorgebiets bei Großwenkheim geprüft werden, wo eine Wiedervernässung sinnvoll und umsetzbar ist. Die Kreisgruppe hat hierzu bereits eine Vorstudie erstellen lassen. Das jahrtausendealte, kalkreiche Nieder­ moor liegt auf Gipskeuper und weist teils bereits fossile Torfschichten auf: Minera­ lische Sedimente haben im Laufe der Zeit den Moorkörper überlagert. Frühere Ent­ wässerungsmaßnahmen haben zudem den Wasserhaushalt verändert. Dadurch kann der im Torf gespeicherte Kohlen­ stoff als Kohlendioxid freigesetzt werden. Eine Wiedervernässung könnte diese Emissionen verringern und zugleich wert­ volle Lebensräume erhalten. Die 2025 von der Technischen Hoch­ schule Bingen im Auftrag der Kreisgruppe

erstellte Vorstudie zeigt, dass das Gebiet bereits im jetzigen Zustand eine hohe Be­ deutung für die Vogelwelt hat. Vorhande­ ne Teiche sind ein Hotspot für seltene Brutvögel und dienen als Rastgebiet für Zugvögel. »Auch botanisch ist das Gebiet sehr wertvoll«, betont der Kissinger BNKreisvorsitzende Alexander Beck. Als Nächstes stehen Analysen des Torfkörpers im Untergrund und hydrolo­ gische Untersuchungen an. Die Kreis­ gruppe plant weiter Gespräche mit Flä­ cheneigentümern und Nutzern, um die Wiedervernässung und künftige Nutzung des Moorgebiets, etwa durch Beweidung und Schilfanbau, zu diskutieren. Eine In­ formationsveranstaltung des BN zum Thema stieß Ende Mai in Großwenkheim auf breiten Zuspruch. Steffen Jodl (as)

GEFEIERT: Ulf Zeidler, Urgestein und Eh­ renvorsitzender des BN in Bad Kissingen, feierte im März seinen 90. Geburtstag. 30 Jahre war er Vorsitzender der Kreisgrup­ pe, prägte die Arbeit vor Ort und begeisterte Menschen für die Natur. Sein Wissen und Organisationstalent sind bei den Aktiven auch wei­ terhin sehr gefragt. Fo t

o: Elisabet

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GESCHÄDIGT: Im Frühjahr 2026 ge­ langte bei Spülbohrungen für die Sued­ Link-Trasse mehrfach Bentonit in die Streu bei Mellrichstadt. Die Spülsuspensi­ on wanderte im Untergrund fast vier Kilo­ meter weit und trat erst im FFH-Schutzge­ biet wieder aus. Dort verstopfte sie die Gewässersohle und gefährdete seltene Arten wie Bachneunauge, Mühlkoppe und Bachmuschel. Nur bedingt gelang es dem Betreiber TransNetBW, den Eintrag zu stoppen. Der BN forderte einen Bau­ stopp und lückenlose Aufklärung. IHR ANSPRECHPARTNER Unterfranken: Steffen Jodl Tel. 01 60/5 61 13 41 steffen.jodl@bund-naturschutz.de

Foto: Steffen Jodl

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Ein Moor kehrt zurück

an

KREISGRUPPE BAD KISSINGEN

GEEHRT: Edo Günther, langjähriger Vor­ sitzender der Kreisgruppe Schweinfurt, wurde im Juni mit der Naturschutzme­ daille des BN geehrt. Als Landesbeirat, BUND-Delegierter, Sprecher des BUND-­ Arbeitskreises Atomenergie und Strahlen­ schutz von 2014 bis 2021 und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des BUND en­ gagiert sich Edo Günther landes- und bun­ desweit. Die Ausweisung des Naturschutzgebietes Brönnhof, mit rund 1500 Hektar das drittgrößte zu­ sammenhängende Natur­ schutzgebiet Unterfran­ kens (siehe Seite 25), zählt zu seinen wichtigs­ ten Erfolgen.

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Foto: Carina Kömpel

NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

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56 Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Oberfranken

Gemeinsames Gedenken am Tschernobyl-Denkmal des BUND Naturschutz in Bamberg

Foto: Artur Schmidt

NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

KREISGRUPPE BAMBERG

Tschernobyl mahnt

ERNÜCHTERND: Mitte Juni informier­ te die Regierung von Oberfranken am re­ naturierten Selbbach bei Selb über die Fortschreibung der Europäischen Was­ serrahmenrichtlinie (WRRL). Der Bach zeigt beispielhaft, wie Flüsse wieder na­ turnäher gestaltet werden können. Trotz solcher Einzelprojekte fällt die Bilanz nach 25 Jahren WRRL schlecht aus: Nur rund zehn Prozent der oberfränkischen Fließgewässer erreichen bislang einen guten ökologischen Zustand. Im Herbst beginnt die Öffentlichkeitsbeteiligung zum vierten Bewirtschaftungsplan ab 2028. Der BN fordert, Gewässerrenaturie­ rungen stärker zu priorisieren – als Grund­ lage für einen stabilen Wasserhaushalt, Klimaresilienz und Artenvielfalt.

Dabei ging es nicht nur um die Folgen des GAU von 1986, sondern auch um aktuelle Atompolitik: Im Gemeindezentrum der Erlöserkirche diskutierten BN-Aktive, Fachleute und Gäste aus Deutschland und Österreich über die ungelöste Endlagerfrage, Risiken der Zwischenlagerung und die vermeintliche Renaissance der Atomkraft in Europa. Anschließend fand am Regnitzufer ein öf­ fentliches Gedenken mit Musik, Redebei­ trägen und stillen Momenten des Innehal­ tens statt. Im Mittelpunkt stand das be­ reits 2011 errichtete Tschernobyl-Denk­ mal des südkoreanischen Künstlers Jin Mo Kang, der zum 40. Jahrestag persön­ lich an der Veranstaltung teilnahm. Der BN-Ehrenvorsitzende Hubert Wei­ ger erinnerte an die Tage nach dem 26. April 1986, als nur bruchstückhaft Infor­ mationen über die Katastrophe bekannt

wurden. Während die Sowjetunion das Unglück zu vertuschen versuchte, seien auch in Deutschland Informationen zu­ rückgehalten worden. Der BN habe da­ mals mit eigenen Messungen früh auf radioaktive Belastungen aufmerksam ­ gemacht. Zugleich würdigte Weiger die ­ prägende Rolle des Verbands im jahrzehn­ telangen Widerstand gegen die Atomkraft in Bayern. Anschließend warnte BN-Landesvorsit­ zender Martin Geilhufe eindringlich davor, Atomkraft erneut als Zukunftstechnolo­ gie darzustellen. Gerade der Krieg in der Ukraine zeige, wie verwundbar nukleare Infrastruktur sei. Auch vermeintlich neue Reaktorkonzepte wie sogenannte »Small Modular Reactors« lösten die Probleme der Atomenergie nicht, so Geilhufe. Er be­ tonte: »Atomkraft bleibt eine Hochrisiko­ technologie.« Jörg Hacker (as)

Foto: Jörg Hacker

Mit einer zentralen Gedenkveranstaltung in Bamberg erinnerte der BUND Naturschutz am 26. April an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 40 Jahren.

MEHR SCHUTZ: Bei einem Fachge­ spräch mit Exkursion ins Lindauer Moor bei Trebgast beriet die BN-Kreisgruppe Kulmbach Anfang Mai gemeinsam mit Dr. Christine Margraf und Stefan Maurer von der BN-Landesebene sowie Fachbehör­ den und Landschaftspflegeverband über Möglichkeiten, das wertvolle Moor besser zu schützen. Es gilt als eines der bedeu­ tendsten Moorrelikte im Obermainischen Hügelland. IHR ANSPRECHPARTNER Oberfranken: Jörg Hacker Tel. 01 60/ 7 92 02 67 joerg.hacker@bund-naturschutz.de


Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Schwaben 57

Früher machten Entwässerungsgräben Fichten-Monokulturen im Degermoos möglich (links). Durch die Vernässung kann es sich nun wieder zum Moor entwickeln.

KREISGRUPPE LINDAU

Wege zu mehr Moor Die Renaturierung von Mooren ist gut für ­Klimaschutz und Biodiversität. Doch dafür sind große zusammenhängende Flächen nötig, was oft an zersplittertem Grundbesitz scheitert. Wie es funktionieren kann, zeigt das Beispiel des Degermooses im Landkreis Lindau. Dort gab es im vergangenen Winter einen freiwilligen Landtausch, an dem sich auch der BUND Naturschutz beteiligte. Der BN tauschte mit einem Landwirt ein knapp 0,7 Hektar großes Waldgrundstück gegen eine Moorwaldfläche. Eine WinWin-­ Situation: Der Grundbesitzer erhielt wirtschaftlich besser nutzbaren Wald und der BN konnte die Moorfläche in die Rena­ turierungsmaßnahme des Landschafts­ pflegeverbandes Lindau einbringen. Gerade bei Moorrenaturierungen ent­ scheidet die Verfügbarkeit der Flächen über den Erfolg: Für die Wiedervernäs­ sung braucht es das Einverständnis aller betroffenen Grundeigentümer. Doch im Allgäu sind viele Flächen kleinteilig par­ zelliert, was großflächige Maßnahmen er­

schwert. Der BN sieht daher im Land­ tausch ein wichtiges Instrument der Flur­ bereinigung, um Moorflächen für die Re­ naturierung zu arrondieren. Damit gelang es im Degermoos, in den ersten Monaten dieses Jahres fünf Hekt­ ar ehemalige Moorfläche wieder zu ver­ nässen. Mit 51 Torfdämmen wurden alte Entwässerungsgräben verschlossen. Da­ durch bleibt das Wasser im Moor und 50 Tonnen Kohlendioxid können jährlich ein­ gespart werden. Ergänzend gab es Maß­ nahmen für den Artenschutz: Neu ange­ legte Kleingewässer und strukturreiche Lebensräume bieten Refugien für seltene Amphibien, Schlangen und Libellen. Das Degermoos ist als Fauna-Flora-Habitatge­ biet europäisch geschütztes Naturerbe. Durch die Renaturierung wird sein dauer­ hafter Erhalt gesichert. Thomas Frey (as)

VERBOTEN: Mitte April 2026 hob das Verwaltungsgericht Augsburg eine Verfü­ gung des Landkreises Oberallgäu zum Bi­ berabschuss auf. Damit hätten Biber pau­ schal entlang überörtlicher Straßen und Bahnstrecken geschossen werden dür­ fen; dies hätte über 1000 Gewässerab­ schnitte auf rund 3700 Hektar Fläche be­ troffen. Auf seine Klage 2025 dagegen bekam der BN nun auch im Hauptsache­ verfahren Recht. Biberreviere sind wichtig für Klima- und Hochwasserschutz, Was­ serrückhalt und Artenvielfalt. Entspre­ chend streng sind die gesetzlichen Vorga­ ben: Ein Abschuss ist nur im Einzelfall, bei erheblichen Schäden und wenn es keine Alternativen gibt, zulässig. Foto: stock.adobe.com – Stan

Fotos: LPV Lindau-Westallgäu

NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

SCHÜTZEN: Die Memminger Schotter­ ebene versorgt 80 000 Menschen im Raum Memmingen mit Trinkwasser. Doch die intensive Milchviehwirtschaft dort sorgt für hohe Nitratwerte im Grundwas­ ser. Ende Juni veranstaltete die BN-Kreis­ gruppe Memmingen-Unterallgäu deshalb einen gut besuchten Infoabend zum The­ ma. Nach der Begrüßung durch Florian Frey von der Ortsgruppe Memmingen führte Kreisvorsitzender Martin Muth in das Thema ein, bevor Hydro­geologe Dr. Otto Heimbucher Ursachen, Risiken und Gegenmaßnahmen erläuterte. Der BN setzt sich für vorsorglichen Trinkwasser­ schutz ein. Denn sind die Grenzwerte erst einmal überschritten, wird es schwer, die Nitratbelastung wieder zu senken. IHR ANSPRECHPARTNER Schwaben: Thomas Frey Tel. 01 70 / 4 31 12 73 thomas.frey@bund-naturschutz.de


58 Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Oberbayern

Die heckenreichen »Egarten« zählen zu den schönsten Kulturlandschaften des bayerischen Oberlands – und sind von der Schutzgebietspanne betroffen.

KREISGRUPPE MIESBACH

Auf der Kippe Der Landkreis Miesbach gilt als einer der schönsten Bayerns. Ausgerechnet hier stehen derzeit sechs Landschaftsschutzgebiete auf rechtlich unsicherem Boden. Die Schutzgebietsverordnungen, unter anderem für das Tegernseer Tal, das Schlierseegebiet und die Egartenlandschaft bei Miesbach, hatte der damalige Landrat Anton Bauer bereits in den 1950er Jahren erlassen, um die Landschaft zu bewahren. Was folgte, war eine Serie von Behördenpannen. So wurde in den 1990er Jahren festge­ stellt, dass die Originalkarten von 1978 zu den Verordnungen sowohl im Landrats­ amt als auch bei der Regierung von Ober­ bayern verschwunden waren. Warum, ist bis heute ungeklärt. 2012 wurde dies öf­ fentlich. Da die Karten wesentlicher Be­ standteil der Verordnungen sind, galten diese schließlich als unwirksam. 2019 scheiterte der Versuch des Kreistags, den Gebietsschutz abzusichern, an formalen Fehlern. Erst 2022 sicherte der Landkreis die betroffenen Gebiete vorläufig.

Diese Übergangsregelung läuft Ende Dezember aus. Bis dahin muss der Kreis­ tag neue, rechtssichere Verordnungen be­ schließen. Besonders brisant: Der Land­ kreis Miesbach verfügt bis heute über kein einziges Naturschutzgebiet. Der großflächige Schutz von Natur und Land­ schaft beruht deshalb fast ausschließlich auf den Landschaftsschutzgebieten. Unter Federführung der Schutzgemein­ schaft Tegernseer Tal und des Vereins zum Schutz der Bergwelt fordern daher elf Umweltverbände, darunter auch der BUND Naturschutz, vom Kreistag eine rechtzeitige Neuausweisung der betroffe­ nen Gebiete. Es wäre ein historisches Ver­ sagen, wenn der Schutz wertvoller Kultur­ landschaft an Verwaltungsfehlern schei­ tern würde. Anne Räder (as)

WEGBEREITER: Diethelm Henrici, der frühere Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Erding, feierte im Juni seinen 90. Geburts­ tag. Ende des Monats wurde er zudem mit der Goldenen Ehrennadel des Ver­ bands ausgezeichnet (siehe Bild). Der ge­ lernte Zimmerer und Bauingenieur erfüllte sich im Ruhestand einen Jugendtraum und studierte Philosophie. Über den Land­ kreis hinaus bekannt wurde er durch sei­ nen beharrlichen Widerstand gegen die Autobahn A 94 durchs Isental. Von 1987 bis 1995 stand er an der Spitze des Er­ dinger BN. In dieser Zeit gründete er den Arbeitskreis Wasser, der mit regelmäßigen Nitratmessungen die Trinkwasserqualität im Landkreis untersuchte. Weiter engagierte sich Henrici für das Volks­ begehren »Das besse­ re Müllkonzept«.

ANSPRECHPARTNERINNEN Annemarie Räder (Südostoberbayern, Oberland) Julika Schreiber (Region München) Lena Maly-Wischhof (Region Ingolstadt) Tel. 01 70 / 3 56 96 47 oberbayern@bund-naturschutz.de

Grafik: BN/Kreisgruppe München

NATUR ERLEBEN: Mit über 100 Füh­ rungen, Exkursionen und Aktionen feierte München am 10. Mai erstmals den »Lan­ gen Tag der Stadtnatur«. Die BN-Kreis­ gruppe organisierte das Festival gemein­ sam mit dem LBV und rund 30 weiteren Verbänden. Das Programm reichte von Vogel- und Amphibienführungen über Mountainbike-Touren bis zum gemeinsa­ men Bau von Hochbeeten. Ziel des neuen Formats ist es, die biologische Vielfalt im urbanen Raum erlebbar zu ma­ chen – direkt vor der eigenen Haustür.

Foto: Julika Schreiber

Foto: Jörg Bodenbender

NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN


Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Niederbayern 59

Der Naturgarten in Gündlkofen entstand neben einem bestehenden Biotop.

KREISGRUPPE LANDSHUT

Grüne Oase auf kleinem Raum Der Naturgarten der Ortsgruppe Bruckberg/ Gündlkofen des BUND Naturschutz hat sich bereits im zweiten Jahr zu einem wertvollen Refugium für Tiere und Pflanzen entwickelt. Seit langem betreut der BN ein aus einer Kläranlage entstandenes Biotop mit Teich in Gündlkofen. 2024 wurde der angrenzende Schrebergarten in eine naturnahe Oase umgewandelt. Die Idee dazu hatte eine Familie aus der Ortsgruppe. Im Mittelpunkt stehen heimische, stand­ ortgerechte Pflanzen und Sträucher. Sie bieten Insekten, Reptilien, Amphibien und vielen weiteren Tierarten Nahrung, Schutz sowie Nist- und Überwinterungsmöglich­ keiten. Unterschiedliche Strukturen, Son­ nenlagen und natürliche Materialien schaffen vielfältige Lebensräume. Auf chemische Dünger und Pestizide wird konsequent verzichtet. Stattdessen wer­ den natürliche Kreisläufe gefördert. Bereits bei den Bau- und Pflanzaktio­ nen vor zwei Jahren engagierten sich über 30 Ehrenamtliche aus verschiede­ nen Generationen. Und auch heute küm­ mern sich Mitglieder der Ortsgruppe um Pflege, Rückschnitt, Bewässerung und

die Weiterentwicklung des Gartens. Viele Materialien stammen aus Spenden oder wurden – wie Steine und Ziegel – nach­ haltig wiederverwendet. Im Garten finden zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause, darunter Wild­ bienen, Schmetterlinge, Eidechsen, Grasfrösche, Ringelnattern, Libellen und Stieglitze. Es gibt ein Sandarium für Wild­ bienen, Totholzbereiche und eine Repti­ lienburg aus Natursteinen. Blühende Wild­ ­pflanzen wie Königskerze, Wiesenknopf, Wilde Möhre und Salbei machen die Flä­ che zu einem wertvollen Trittstein für die Artenvielfalt und einem gelungenen Bei­ spiel für gelebten Naturschutz vor Ort. Martin Nehmer, Lena Maly-Wischhof (as)

AUF GEHT’S: Unter diesem Motto stand ein Konzert, zu dem die BN-Kreisgruppe Regen Anfang März in die Stadthalle Viechtach eingeladen hatte. Das gleich­ namige Musikprogramm von Monika Drasch (siehe Bild), Martin Danes und Jo­ hannes Öllinger widmet sich den 17 Nach­ haltigkeitszielen der Vereinten Nationen und verbindet gesellschaftliche Themen wie Klima, Frieden, Gerechtigkeit und Na­ turschutz mit Musik und kurzen Texten. Genreübergreifend präsentierte das Trio einen Mix aus Volksmusik, Klassik und Jazz und vermittelte trotz der ernsten Thematik Zuversicht, Humor und Leich­ tigkeit. Das begeisterte Publikum dankte es mit tosendem Applaus.

Foto: Eva Molz

Foto: Martin Nehmer

NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

AUFRUF: Die BN-Kreisgruppe Straubing lädt gemeinsam mit örtlichen Bürgerini­ tiativen für Freitag, 16. Oktober, zu einer Exkursion nach Unterrödel bei Hilpolt­ stein ein. Dort stellt Gernot Hartwig, Spre­ cher des BN-Landesarbeitskreises Mobili­ tät und Verkehr, das bayernweit beachte­ te Pilotprojekt einer verkehrsberuhigten Ortsdurchfahrt vor. Unterrödel zählt zu den wenigen Orten in Bayern, in denen eine umfassende Verkehrsberuhigung als Alternative zu einer Ortsumfahrung um­ gesetzt wurde. Infos: www.straubing.bund-naturschutz. de, Anmeldung: Juliane.Friedrich@bundnaturschutz.de, Tel. 01 70/3 56 96 47. IHRE ANSPRECHPARTNERIN

Mehr zum Thema Wer den Garten besichtigen möchte, wendet sich an: Martin Nehmer, Mail: info@martin-nehmer.de

Niederbayern: Lena Maly-Wischhof Tel. 01 60 / 96 20 70 80 lena.maly-wischhof@ bund-naturschutz.de


60 Natur +Umwelt 3 | 26 › BN AKTIV + NAH › Mittelfranken

Beim BN-Sommerfest gab es auch eine Führung zum Naturteich auf dem Gelände des Margarete-Meyer-Hauses.

Foto: Jonas Kaufmann

NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

KREISGRUPPE NÜRNBERGER LAND

Auftakt und Abschluss Mit dem BUND Naturschutz begannen und ­endeten die zweiten Nachhaltigkeitswochen im Nürnberger Land. Vom 7. bis 28. Juni gab es über 60 Veranstaltungen. Den Auftakt machte Anfang Juni eine öffentliche Führung im BN-eigenen Wengleinpark bei Eschenbach. Der 1930 von Carl Wenglein gegründete Park ist einer der ältesten Naturschutzparks Bayerns. Er steht beispielhaft für den Schutz wertvoller Kulturlandschaften und ist bis heute ein bedeutender Ort der Umweltbildung. In den folgenden drei Wochen wurde im gesamten Landkreis ein bemerkenswert breites Programm geboten. Damit setzte bereits der Beginn ein starkes Zeichen für den Zusammenhang von Natur-, Artenund Klimaschutz. Das Spek­trum reichte von Exkursionen und Vorträgen über Workshops bis zu Filmabenden und Mit­ machaktionen. Die Veranstaltungen grif­ fen Themen wie biologische Vielfalt, Ener­ gie, Mobilität und nachhaltigen Konsum auf und machten deutlich, dass Nachhal­

tigkeit viele Lebensbereiche umfasst. Den gelungenen Abschluss bildete das Som­ merfest der BN-Kreisgruppe im Naturgar­ ten des Margarete-Meyer-Hauses in Win­ kelhaid. Führungen am Naturteich und zur Kompostierung zeigten, wie sich na­ turnahe Gärten als Lebensraum für Tiere und Pflanzen gestalten lassen. Musik, Kinderprogramm und zahlreiche Gesprä­ che boten Gelegenheit zum Austausch der beteiligten Initiativen und Akteure. An den Nachhaltigkeitswochen wirkten Kommunen, Vereine, Bildungsträger, Ini­ tiativen, Unternehmen und Ehrenamtliche mit. Gemeinsam machten sie das Pro­ gramm möglich und zeigten, wie vielfältig nachhaltiges Engagement im Nürnberger Land bereits ist und welche neuen Impul­ se durch die Zusammenarbeit entstehen können. Jonas Kaufmann (as)

SCHORSCH UND SCHUTZ: Beim Tag der Franken in Treuchtlingen am 5. Juli stellte die BN-Kreisgruppe WeißenburgGunzenhausen das nahe FFH-Gebiet Schambachried vor, eines der ältesten Naturschutzgebiete Mittelfrankens, und warb unter dem Motto »Natur ist Heimat« für dessen Schutz. Eindeutiger Publi­ kumsmagnet am Infostand war jedoch ein ehemaliges Verkehrsopfer – der prä­ parierte Biber »Schorsch«. Er regte zahl­ reiche Gespräche über den Nutzen des Bi­ bers, seine Bedeutung für Natur-, Hoch­ wasser- und Klimaschutz und mögliche Konfliktlösun­ gen an. Großen Zu­ spruch fanden au­ ßerdem Tipps für eine naturnahe, in­ sektenfreundliche Gartengestaltung. Fo

to :

Stefan Ballak

ENTSCHEIDENDE PHASE: Nach den Erörterungsterminen Ende April und Mitte Juli schreitet das Verfahren für die Jura­ leitung weiter voran. Für den Transport von Strom aus erneuerbaren Energien soll eine neue 380-kV-Leitung von Raitersaich bis Altheim die bestehende Trasse erset­ zen. Doch wegen der Eingriffe in wertvolle Lebensräume ist das Projekt umstritten. Der BN drängt unter anderem auf den Er­ halt eines seltenen Flatterulmenbestands im Nürnberger Land sowie auf Waldüber­ spannungen statt breiter Schneisen, etwa bei Raitersaich. Nach Abschluss der Er­ örterungsphase nach der Sommerpause stehen die Beschlüsse zur Planfeststel­ lung für die einzelnen Leitungsabschnitte an. IHR ANSPRECHPARTNER Mittelfranken: Jonas Kaufmann Tel. 01 60 / 7 75 18 31 jonas.kaufmann@bund-naturschutz.de


Natur +Umwelt 3 | 26 › SERVICE › Medien und Reisen 61

MEDIEN

2026, 320 Seiten, 23 Euro, Malik Verlag

ACHTUNG PLASTIK! Plastikflut und Schadstoffe gefährden Umwelt und Gesundheit Bezug: Jetzt kostenlos bestellen oder online lesen: www.bund.net/achtung-plastik

Achtung Plastik Der BUND hat seine erfolgreiche Broschüre »Achtung Plastik!« komplett überarbeitet und neu aufgelegt. Fast sechs Millionen Tonnen Plastikmüll fielen 2023 in Deutschland an. Ob als Tüte, Trinkbecher, Kinderspielzeug oder Abfall: Kunststoffe belasten unse­ re Gesundheit und die Ökosyste­ me. Mit dem Untertitel »Plastik­ flut und Schadstoffe gefährden Umwelt und Gesundheit« führt die Broschüre in Deutschlands Plastikproblematik ein. Was hat die Chemieindustrie damit zu tun? Wie kann ich Plastik vermei­ den? Welche Plastiksorten und Schadstoffe sind besonders pro­ blematisch? Zu jedem Thema gibt es Tipps für den Alltag. Erfahren Sie mehr, von Leit­ fäden für Kommunen bis zu Müll­ sammelaktionen.

11. – 18. Oktober 2026, Deutschland Das Elbsandsteingebirge ist eine der spektakulärsten Landschaften Deutsch­ lands. Dicht bewaldete Ta­ felberge und freistehende Sandsteinfelsen bilden mit engen Schluchten und dem blauen Band der Elbe eine

Foto: A. Dürkoop

ERZGEBIRGE UND DRESDEN

faszinierende Naturland­ schaft. Wanderungen führen zu Highlights des National­ parks Sächsische Schweiz. Dann führt die Reise ins »Elb­ florenz« Dresden.

CINQUE TERRE 9. – 18. Oktober 2026, Italien Felsige Küstengebirge, ­malerische Dörfer und ein­ drucksvolle Terrassenland­ schaften – das sind die Merkmale der Cinque Terre, dem bekannten Küsten­ strich im Südosten der Re­ gion Ligurien, Nationalpark und UNESCO-Weltkultur­

FRANKREICHS SÜDWESTEN 30. September – 9. Oktober 2026, Frankreich Das von den Flussläufen der Vézère und der Dordogne

Foto: C. Unger

Peter Wohlleben

Einflussreich Sie sind überall, doch mit bloßem Auge nicht erkennbar. Bakterien sind die heimlichen Helden der Erde. Ohne sie wäre Leben auf un­ serem Planeten nicht möglich. ­Erfolgsautor Peter Wohlleben zeigt uns in seinem neuen Buch die Welt dieser mikroskopisch kleinen Wunderwerke. Wie trugen Bakterien zur Entstehung des ­Lebens bei? Welchen Einfluss ­haben sie auf unseren Alltag? Und wie können sie Verbündete wer­ den bei der Gestaltung u ­ nserer Zukunft? Kurzweilig und leicht verständ­ lich beschreibt Wohlleben, wie vielfältig Bakterien wirksam wer­ den – sei es als Krankheitserreger oder bei der Herstellung von Le­ bensmitteln wie Käse und Sauer­ kraut. Dabei wird deutlich, wie sehr in der Natur alles mit allem verknüpft ist. Und dass Bakterien eine wesentliche Rolle zukommen wird, wenn es darum geht, die He­ rausforderungen des Umwelt- und Klimaschutzes zu meistern.

Foto: G. Müller

BAKTERIEN – DIE HEIMLICHEN HELDEN Wie sie uns Menschen prägen und die Natur beeinflussen

BUND-REISEN

erbe. Im mediterranen Klima gedeihen Feigen, Oliven, Zitro­ nen und Wein. Wanderungen führen durch duftende Mittel­ meermacchia oder durch ­Wälder mit Kastanien und Flaumeichen.

eingerahmte Périgord Noir wird von den Einheimischen auch »Le Triangle d’Or«, das Goldene Dreieck, genannt. Die Reisenden entdecken be­ waldete Hügellandschaften, malerische Dörfer und die ­wilde Atlantikküste. Prä­ historische Fundstätten wie die Höhle von Lascaux, mittel­alterliche Städtchen und i­mposante Schlösser sind Zeugen Jahrtausende alter Kulturgeschichte.

Weitere Informationen

Tel. 09 11/ 588 88 20 · www.bund-reisen.de


62 Natur +Umwelt 3 | 26 › SERVICE › Leserbriefe

LESERBRIEFE MEHR WILDE WÄLDER Zum Titelthema »Chance Wildnis« in N+U 2/2026 Wildnis = Prozessschutz = Naturschutz, das sollte die Kernaufgabe eines Na­ turschutz-Verbandes wie dem BN sein; schön, dass dieses Thema es nun auch als Titelstory in Natur & Umwelt geschafft hat. In Deutschland heißt das Endstadium der Sukzession in aller Regel Buchen-Mischwald und genau für diesen haben wir international auch eine Hauptverantwortung. Ich wünsche mir, dass der BN viel mehr Flächen, gerne auch initial, naturschutzfachlich völlig unbedeutende, erwirbt, um dort der Sukzession freien Lauf zu lassen statt wie derzeit mit hohem Personal- und Ressourcenaufwand Kulturlandschaften zu be­ gärtnern. Mehr wilde Wälder braucht das Land, gerne auch aus zweiter Hand. Christian Janßen, Hartkirchen

Foto: stock.adobe.com – Wim

Stellungnahme der Redaktion: Vielen Dank für Ihren engagierten Leserbrief und Ihre klare Unterstützung für mehr Wildnisgebiete. Als Naturschutzverband sehen wir Wildnis und Prozessschutz ebenso als zentrale Aufgaben – gerade mit Blick auf unsere besondere Verantwortung für Buchen-­ Mischwälder. Zugleich sind traditionelle Kulturlandschaften wichtige Lebensräume für viele gefährdete Arten, die auf Offenland und bestimmte Nutzungsformen angewiesen sind. Deshalb setzen wir uns bewusst für beides ein: mehr wilde Wälder, aber auch artenreiche Wiesen, Weiden und Felder.

BEDROHUNG FÜR HEIMISCHE FAUNA? Zur Meldung »Der Goldschakal hat den Norden erreicht« in N+U 2/2026 Ich bin seit einigen Jahren Mitglied im »BUND«, beim Lesen der aktuellen Mitgliederzeitschrift 2/26 musste ich beim Lesen der Rubrik »kurz & gut« mit Befremden feststellen, dass die Ankunft

des Goldschakals in Mittelholstein sehr positiv und völlig unkri­ tisch bewertet wurde. Der Autor der Pressemeldung freut sich regelrecht über das heulende Goldschakalpärchen und den wahrscheinlich zu erwartenden Nachwuchs. Wer sich sicherlich nicht freut, ist die heimische Fauna, denn Goldschakale machen Jagd auf Hasen, Rehe und Bodenbrüter. Der BUND engagiert sich zwar auch für Letztere und entwi­ ckelt Konzepte, um seltene heimische Tierarten wie den Brach­ vogel und die Sumpfohreule zu erhalten, aber wie positioniert sich der Verband gegen die inzwischen vielen und schädlichen invasiven Arten wie zum Beispiel auch den Waschbär, der keine natürlichen Feinde hat und die Bestände von Vögeln und Amphi­ bien bedroht? Wäre es nicht auch Angelegenheit des BUND, Kon­ zepte zur Eindämmung invasiver Arten zu entwickeln, in letzter Konsequenz auch eine Bejagung zu befürworten? Wenn man auf heimischen Gewässern noch einheimische Ar­ ten wie das Blesshuhn bewundern will, muss man zum Beispiel ins Altmühltal fahren, denn dort haben Nil- und Kanadagänse die einheimischen Wasservögel noch nicht verdrängt. Nichts in die­ ser Hinsicht zu tun und zu hoffen, dass sich die Dinge von selbst regulieren, halte ich für den falschen Weg. Wann unternimmt der BUND endlich etwas? Sabine Lotz-Wagner

Stellungnahme der Redaktion: Vielen Dank für Ihren Leserbrief. Wir verstehen die Sorge um heimische Arten. Goldschakale wandern natürlicherweise von Südosteuropa zu uns ein. Der Goldschakal ist deshalb im Gegensatz zum Waschbär keine invasive Art. Ob Goldschakale hier tatsächlich Schäden verursachen, ist derzeit wissenschaftlich nicht belegt. Für den Umgang mit invasiven Arten orientiert sich der BN an der Definition und den Maßnahmen des Bundesamts für Naturschutz und setzt auf differenzierte, regionale Lösungen. Für den Waschbär gibt es in Deutschland und europaweit bereits Maßnahmenpläne. Es bleibt aber darauf hinzuweisen, dass die Haupttreiber des Artensterbens industrielle Landwirtschaft, Pestizideinsatz, Flächenverlust, Entwässerung und Klimakrise sind. WOHER DIE RESSOURCEN NEHMEN? Zum Beitrag »Grube frisst Grün« in N+U 2/2026 Schätzungen beziffern den Bedarf allein für die Energiewende in­ klusive Heizung auf 65 000 bis 85 000 Windkraftanlagen der 7,2-MW-Klasse. Jede Anlage benötigt für Fundament, Turm, Tra­ fohäuschen und Zuwegung mindestens 2 000 Tonnen Sand. Rechnet man noch Infrastruktur und Fundamente für rund 15 Millionen Wärmepumpen hinzu, benötigen wir 150 bis 200 Millio­ nen Tonnen Sand, der irgendwo herkommen muss. Wer den massiven Ausbau der Windkraft fordert, aber gleich­ zeitig – wie kürzlich in Franken, in Schwarzach, Grafenreinfeld


Natur +Umwelt 3 | 26 › SERVICE › Leserbriefe 63

Willi Rößner, Stadtbergen

Stellungnahme der Redaktion: Sand ist für Energiewende und Bau wichtig, zugleich aber eine endliche und bereits knapp werdende Ressource mit hoher Bedeutung für Biodiversität und Wasserhaushalt – gerade in Bayerns Sand-Lebensräumen. Daher ist es kein Widerspruch, Windkraft zu befürworten und neue Sandgruben kritisch zu sehen. Neben flächensparendem Wohnungsbau braucht es effizientere Nutzung, Ersatzstoffe und deutlich mehr Recycling von Baustoffen, das energetisch günstiger ist als der Abbau frischen Sands. Nur so lässt sich der notwendige Ausstieg aus fossilen Energieträgern naturverträglich gestalten.

SOMMERFEST FÜR INSEKTEN Zum Ökotipp »Hände weg vom Kirschlorbeer« in N+U 1/2026 und den Leserbriefen dazu in N+U 2/2026 Ich bin begeistertes Mitglied und lese gern euer Heft Natur+Umwelt. Ich Argu­ möchte mich der Leserbrief-­ men­tation von Dr. Slavik anschließen, vor allem Punkt 2. Wir wohnen in Schnaittach in einem 450 Jahre alten Fachwerkhaus mitten im historischen Stadtkern mit kleinem, verwunschenem und verstecktem Stadtgarten. Dort wächst seit bestimmt vielen, vielen Jahrzehnten ein gi­ gantischer Kirschlorbeer, bestimmt 3,50 m hoch und 4,50 m breit (siehe Foto)! Er beheimatet jedes Jahr Vogelfamilien, und es summt und brummt das ganze Jahr von aller Art heimischer Insekten. Wenn er blüht, feiern alle Insekten quasi wochenlang ein Sommerfest. Schmetterlinge und dicke Hummeln werden gesichtet. Mäuse verstecken sich im Unterholz und sogar Fledermäuse kreisen abends oberhalb des Gartens und finden Schutz. Unsere Hunde verstecken sich unter diesem Baum und schlafen in der Hitze in selbst aufgeharkten Erdlöchern. Ein Paradies! neider Foto: Daniela Sch

und Wolkersdorf – Sandgrubenprojekte ablehnt, manövriert sich in einen tiefen Widerspruch. Sand kann nur dort gewonnen wer­ den, wo er vorkommt, und muss aus Gründen des ökologischen Fußabdrucks nah am Verbrauchsort abgebaut werden. Betonrecycling funktioniert nur für den Schotterersatz. Das Vermahlen von Altbeton bis auf Sandkörnung erfordert giganti­ sche, lärm- und feinstaubbelastete Industrieanlagen, deren eige­ ner Energiebedarf und Flächenverbrauch extrem hoch wären. Hier erwarte ich vom BUND Naturschutz eine klare Antwort: Wie und wo soll der Sand für die Energiewende – und den ohne­ hin stockenden Wohnungsbau- gewonnen werden?

Daniela Schneider, Schnaittach Anzeige

Foto: Helga Hochrein

TURMFALKEN-NACHWUCHS Nachdem sich immer wieder ein Turmfalke unter dem Dachvorsprung unseres Nebengebäudes am Abend ­niedergelassen hat, haben wir vor 6 Jahren einen Turm­ falkenkasten gebaut. Mit Hilfe eines Hubsteigers haben wir ihn am Dachvorsprung auf ca. 15 Meter Höhe befes­ tigt. Rasch nahm ein Turmfalkenpaar davon Besitz und verteidigte ihn gegen die Tauben, die sich dort auch gerne eingenistet hätten. 2024 hatten die Turmfalken ein Junges. Im letzten Jahr konnten wir drei Küken aufwachsen sehen. In diesem Jahr brütete das Turmfalkenweibchen auf einem Gelege mit fünf Ei­ ern. Zu unserer großen Überraschung sind fünf Junge geschlüpft und sitzen nun in Reih und Glied vor der Kasten­ öffnung. Bald werden sie ihre ersten Flugver­ suche unter­nehmen. Helga Hochrein, Bergrheinfeld


64 Natur +Umwelt 3 | 26 › SERVICE › Ratgeber

BAHNREISEN

Viele Vorteile

GABRIEL KAPFINGER ist BUND-Mitarbeiter für Verkehrspolitik.

Gerade für Familien bieten Zugreisen Vorteile. Vor allem die Kinder freuen sich über mehr Bewegungsfreiheit, und die Eltern über weniger Stress als auf langen Autofahrten. Ob zu mehreren oder allein, ob Urlaubstrip, Geschäftsreise oder große Europatour: Gut geplant ist Bahnfahren oft günstiger und entspannter als gedacht. Und umweltschonender sowieso. INTERRAIL Mit der Bahn unterwegs in ganz Europa, das ermöglicht seit 1972 der InterrailPass. Und das nicht nur für junge Erwach­ sene. Kinder bis elf Jahre reisen kosten­ los mit ihren Eltern oder Großeltern. Wer über 60 ist, erhält zehn Prozent Rabatt auf den Pass, junge Erwachsene bis 27 sogar 25 Prozent. Von vier Reisetagen binnen einem Monat bis zu drei Monaten am Stück – per Interrail lassen sich fast alle denkbaren Reiserouten in Europa nutzen. Selbst manche Nachtzüge und Fähren sind so zu buchen. FAHRTZIEL NATUR Von den Alpen bis zum Wattenmeer, vom Bliesgau bis zur Sächsischen Schweiz:

Unsere Kooperation »Fahrtziel Natur« vereinigt 24 Gebiete in Deutschland, Öster­ reich und der Schweiz. Alle bieten eine besonders attraktive Reisekette: bequeme Anreise mit der Bahn, gute Mobilität vor Ort und kostenlose Nutzung von Bus und Bahn mit der Gästekarte. So erleben Sie Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks entspannt, klimafreundlich und ohne eigenes Auto. DEUTSCHLANDTICKET Das Deutschlandticket gilt bundesweit im öffentlichen Nah- und Regionalverkehr. Für den Urlaub ist das besonders praktisch. Es erlaubt Ihnen, Städte und Regionen samt ihren Sehenswürdigkeiten flexibel und unkompliziert zu erkunden. Das Ticket bringt Sie mit der Regionalbahn nach Rügen oder Cuxhaven wie auch ins Allgäu oder ins Elbsandsteingebirge. Und das kostengünstig und umweltfreundlich. Nur genug Zeit müssen Sie mitbringen bei weiten Anreisen. Dafür sind spontane Änderungen oder Pausen auf der Strecke möglich. Allerdings sollten Sie sich vor Fahrtantritt informieren. Manche Verbin­ dungen sind speziell an Wochenenden oder zur Urlaubszeit stark ausgelastet. Falls möglich, weichen Sie auf Zeiten mit weniger Andrang aus. Übrigens können Sie auch einige Fährverbindungen oder historische Dampfloks mit dem Deutsch­ landticket nutzen.

Ann-Kathrin Hahn/Das Illustrat

Der nächste Urlaub kommt bestimmt. Sie sind bisher nur sporadisch per Zug verreist? Dann entdecken Sie ein nachhaltiges und meistens komfortables Verkehrsmittel. GUT ANKOMMEN Klar, nicht jede Reise mit der Bahn ist ein Vergnügen. Zugausfälle, Verspätungen durch schadhafte Gleise und Weichen, schlechte Anschlüsse … Neben der Bahn selbst müssen Bundesregierung, Bundes­ länder und Kommunen hier aktiv werden. Die nämlich finanzieren den Personenverkehr auf der Schiene. Um Bahnreisen verlässlicher und bequemer zu gestalten, braucht es mehr Geld dafür. Worauf Sie selbst achten können: 1. Planen und buchen Sie frühzeitig, um mit Fernzügen günstig zu verreisen. 2. Sind Sie mit Freunden und Familie unterwegs? Dann lohnt es einen Blick auf Gruppentickets für Ihr Bundesland oder ganz Deutschland zu werfen. 3. Wählen Sie Verbindungen möglichst ohne viele Umstiege. So senken Sie das Risiko, einen Anschluss zu verpassen. 4. Greifen Sie für längere Touren auf Spe­ zialisten wie die Agentur Kopfbahnhof zurück. Sie haben viel Erfahrung und kennen alle Kniffe beim Buchen von Bahnreisen. 5. Für Familien gibt es in allen Fernzügen der Deutschen Bahn ein Kleinkindabteil oder einen Familienbereich. www.interrail.eu www.fahrtziel-natur.de www.kopfbahnhof.info


Natur +Umwelt 3 | 26 › SERVICE › Ökotipp 65

ÖKOTIPP

Frei von PFAS? Viele Bratpfannen und Heißluftfritteusen haben eine Antihaftbeschichtung. Doch die enthält oft schädliche Chemikalien. Worauf Sie achten sollten. Hinter dem Markennamen Teflon oder dem Hinweis auf Polytetrafluorethylen (PTFE) verbergen sich in vielen Küchen­ geräten PFAS, also per- und polyfluorierte Alkyl­verbindungen. Einige stehen im Verdacht, unser Immunsystem zu schwächen, das Hormonsystem zu be­ein­flus­sen, die Leber zu schädigen oder sogar Krebs hervorzurufen. Beim Einsatz von Heißluftfritteusen (Airfryern) und Pfannen sollten Sie deshalb PFAS vermeiden. Dazu Chemieexpertin Janna Kuhlmann: »Beschichtungen mit PFAS schaden, wenn sie korrekt behandelt werden, nicht direkt unserer Gesundheit. Kritisch wird es bei zu hoher Temperatur oder wenn die Be­ schichtung schadhaft ist. Dann können PFAS freigesetzt und über die Nahrung oder Luft in unseren Körper gelangen.« Damit diese Stoffe nicht in die Umwelt entweichen, gehören zerkratzte Pfannen in den Restmüll. Zwar werden PFAS erst bei über 1000 Grad zuverlässig zerstört. (Müll wird meist bei 850 Grad verbrannt.) Doch private PFAS-Produkte systematisch

BUND-Expertin Janna Kuhlmann rät, bei Pfannen genauer hinzuschauen.

als Sondermüll zu verbrennen, ist derzeit verfahrenstechnisch leider nicht möglich. ALTERNATIVEN Küchengeräte ohne PFAS sind längst verfügbar – neben Pfannen und Airfryern auch Waffeleisen und Ähnliches. Guss­ eiserne Pfannen kommen ohne Beschich­ tung aus. Ihre Antihaftwirkung entsteht durch eine Patina aus eingebranntem Öl. Sie sind langlebig, aber auch schwer und

Selbst bei korrekter Verwendung sind PFAS sehr problematisch. Denn schon bei der Herstellung und später bei der Entsorgung gelangen sie in die Umwelt. Dort bleiben sie über Jahrhunderte erhalten und reichern sich über Luft, Wasser und Nahrung in unserem Körper an.

pflegeintensiv. Als Alternative bieten sich leichtere unbeschichtete Pfannen oder solche mit Keramikschicht an. Achten Sie auf den Hinweis PFAS- oder PFC-frei. Auch Airfryer gibt es ohne PFAS, mit gläsernem oder keramikbeschichtetem Korb. Übrigens: Ein herkömmlicher Back­ ofen mit Heißluftfunktion bereitet viele Gerichte genauso knusprig zu. Nicht alle Hersteller kennzeichnen ihre Produkte eindeutig. Rufen Sie im Zweifel beim Kundenservice an oder nutzen Sie unsere App ToxFox: einfach den Barcode scannen und den Hersteller nach PFAS und anderen Schadstoffen fragen.

Mehr zum Thema www.bund.net/pfas; zum Produktcheck per ToxFox: www.bund.net/toxfox Kontakt: janna.kuhlmann@bund.net Weitere Ökotipps des BUND finden Sie unter: www.bund.net/oekotipps

Sei t20J ahr endi eAl t er nat i vez uMa i ns t r ea mDa t i ngPl a t t f or men Mi t gl i e de rv onGl e i c hk l a ngwol l e ndi ena t ür l i c he nL e be ns r e s s our c e nuns e r e sPl a ne t e ne r ha l t e n. I mGe ge ns a t zz umhe ut i ge nOnl i ne Da t i ngs e t z tGl e i c hk l a ngni c hta uf Abl e nk ungundS uc ht me c ha ni s me n, s onde r na uf t a t s � c hl i c heBe z i e hungs �ndung. Be i Gl e i c hk l a ngk önne na uc hF r e unds c ha f t e n, Pr oj e k t eundGe me i ns c ha f t e nge f unde nwe r de n. Fürnac hhal t i geBez i ehungeni nei nerni c htnac hhal t i genWel t :

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66 Natur +Umwelt 3 | 26 › SERVICE › Kontakt und Impressum

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Foto: Marcus Bosch

Birgit Quiel 0941 297 20 69 birgit.quiel@bund-naturschutz.de

BUND Naturschutz Stiftung Dr.-Johann-Maier-Str. 4 93049 Regensburg

Weitere Informationen unter:

www.bund-naturschutz-stiftung.de


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