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BN 50 Jahre BUND

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JAHRE 5

04

INHALT

BEGRÜSSUNG

Richard Mergner

Vorsitzender des BUND Naturschutz bis November 2025

06 GRUSSWORT

Erwin Scheiner

Vorsitzender der Kreisgruppe

Main-Spessart des BUND Naturschutz

08 GRUSSWORT

Olaf Bandt

Vorsitzender des BUND

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FESTVORTRAG

Prof. Dr. Frank Uekötter Professor für Technik- und Umweltgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum

18 TALKRUNDENBEITRÄGE

Prof. Dr. Hubert Weiger

Ehrenvorsitzender des BUND und des BUND Naturschutz

20 TALKRUNDENBEITRÄGE

Sylvia Pilarsky-Grosch

Vorsitzende des Verbandsrates, Vorsitzende des BUNDLandesverbandes

Baden-Württemberg

22

SCHLUSSWORT

Doris Tropper

Beisitzerin im Bundesvorstand, stellvertretende Landesvorsitzende des BUND Naturschutz

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50 JAHRE

Eine kurze Chronik

27 INTERVIEW mit Prof. Dr. Hubert Weiger

Vor 50 Jahren, im Sommer 1975, wurde im unterfränkischen Marktheidenfeld der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) aus der Taufe gehoben. 22 Personen aus allen Ecken Deutschlands hatten sich versammelt, um einen Bundesverband zu gründen, der Umwelt- und Naturschutz zusammendachte. Gefragt war ein politisch aktiver Bundesverband, der die Umweltprobleme an der Wurzel packt.

Einen solchen Verband gab es damals in Deutschland nicht. Nach einem halben Jahrhundert kehrte der Verband für einen Festakt zu seinem Geburtsort zurück. In diesem Heft sind Grußworte, Redebeiträge und der Festvortrag des Umwelthistorikers Prof. Dr. Frank Uekötter dokumentiert. Die Rück- und Ausblicke zeigen: Nach vielen bedeutenden Erfolgen wird der BUND heute mehr gebraucht denn je.

BEGRÜSSUNG

Richard Mergner

Vorsitzender des BUND Naturschutz bis November 2025

Ein herzliches Willkommen zur Jubiläumsfeier »50 Jahre BUND« hier in Marktheidenfeld, just an dem Ort und an dem Tag, an dem der BUND vor 50 Jahren gegründet worden ist. Wir haben jemanden unter uns, der damals als junger Naturschützer, als Beauftragter des BUND Naturschutz für Nordbayern, mit dabei war. Sein Name war damals noch nicht so bekannt, aber er war bei der Gründung dabei und er ist somit ein Zeitzeuge, Professor Dr. Hubert Weiger, der Ehrenvorsitzende des BUND und des BUND Naturschutz. Ich freue mich, dass Du die heutige Geburtstagsfeier initiiert hast. Ich begrüße den stellvertretenden Landrat von Main Spessart, Christoph Vogel und den zweiten stellvertretenden Bürgermeister von Marktheidenfeld, Christian Menig sowie den BUND Naturschutz-Kreisgruppenvorsitzenden Erwin Scheiner und unseren BUND Vorsitzenden Olaf Bandt sowie die Verbandsratsvorsitzende und Landesvorsitzende des BUND Baden-Württemberg, Sylvia Pilarsky-Grosch. Begrüßen darf ich ebenso Professor Frank Uekötter – herzlich willkommen bei uns. Sie haben zum 100. Jubiläum des BUND Naturschutz in Bayern bereits unsere 100-jährige Geschichte ausgearbeitet und wir freuen uns nun sehr, dass Sie für Ihren heutigen Festvortrag die 50-jährige Geschichte des BUND aufbereitet haben. Ich begrüße die Vertreterinnen und Vertreter, Vorstände und Ge-

schäftsführer von unseren befreundeten Verbänden, die heute hier sind. Das ist einmal EuroNatur, das ist die Deutsche Umwelthilfe, das ist der WWF und das ist der Bayerische Landesbund für Vogel- und Naturschutz und natürlich auch die Medien, die uns hier begleiten. Aus der ganzen Republik sind Vorsitzende, ehemalige Vorsitzende, Geschäftsführinnen und Geschäftsführer und Vertreter und Vertreterinnen aus unseren Landesverbänden angereist. Auch aus Bayern sind Mitglieder des Landesvorstandes und viele Kreisvorsitzende gekommen., All dies zeigt, dass die Veranstaltung und auch der Ort richtig gewählt sind. Ganz herzlichen Dank für Euer Kommen, Ihr habt weite Wege auf Euch genommen und die BUND-Familie ist so gut vertreten wie sonst fast nur bei Delegiertenversammlungen. Der BUND wird geprägt durch seine Basisorientierung und die vielen ehrenamtlichen Kreisvorsitzenden, die heute hier vertreten sind. Der BUND verfügt aber auch über Arbeitskreise, in denen fachliche Arbeit geleistet wird. Wir sind ein Fachverband, deswegen gibt es auch den Wissenschaftlichen Beirat, und es sind in den letzten 50 Jahren eine Vielzahl von Initiativen, aber auch von Positionen entwickelt worden. Sie sind diskutiert worden, manchmal sehr strittig oder streitbar diskutiert, aber immer mit dem Ziel, für das Gemeinwohl Positionen zu entwickeln und nicht für den eigenen Profit. Wegmarken

waren beispielsweise die Studien mit Misereor zu einem zukunftsfähigen Deutschland. Wir waren also auch und verstehen uns im BUND, und natürlich auch im BUND Bayern, als Vordenker für die Gesellschaft und für die Umweltbewegung. Wir sind aber auch letztlich Teil derjenigen, die die Protestbewegung seit den 70er-Jahren mit angeführt oder zusammen mit Bürgerinitiativen unterstützt haben. Für viele junge Menschen ist beispielsweise das Waldsterben kein Begriff mehr oder maximal einer aus den Geschichtsbüchern, wenn man überhaupt darüber etwas erfährt. Aber das waren die ersten Kämpfe, die für die Entschwefelung und Entstickung der Kraftwerke geführt werden mussten, es gab Demonstrationen – gerade auch von Hubert Weiger mitinitiiert – mit Gewerkschaften, mit Waldbesitzern. Es war letztlich der BUND, der maßgeblich zu den politischen Entscheidungen für die Reinhaltung der Luft beigetragen hat. Ein zweiter erfolgreicher Kampf ist der Ausstieg aus der lebensbedrohenden Atomenergie. Hier hatten wir auch in Bayern eine große Verantwortung, denn es war unser früherer Ministerpräsident, Franz-Josef Strauß, der letztlich als Minister auf Bundesebene uns die gesamte Atomenergienutzung eingebrockt hatte. Aber neben dem Vordenken, dem Protestieren, dem Demonstrieren, war der BUND auch immer ein Ratgeber für einen umweltbewussten Lebensstil und ist es weiterhin. Wir versuchen weiter, die Menschen davon zu überzeugen, dass es in ihrem eigenen Interesse ist, wenn sie sich umweltbewusst verhalten und damit das Klima, die Artenvielfalt und ihre eigene Gesundheit schützen. Nicht zuletzt sind wir Retter für bedrohte oder in Deutschland ausgestorbene Tiere, beispielsweise den Biber, der heute vielerorts wieder dafür sorgt, dass wir in Trockenzeiten überhaupt noch Wasser in der Landschaft haben und dass Fische nicht sterben, weil ihre Gewässer eben nicht austrocknen, wenn der Biber sie anstaut. Aber wir wissen natürlich, dass der Biber in einer hochtechnisierten und besiedelten Landschaft durchaus auch gemanagt werden muss. Auch hier hat sich der Verband weiterentwickelt, denn wir sind keine Einzeltierschützer, sondern es geht uns um die Populationen und um deren Lebensraum. Auch die Wildkatze ist so ein Beispiel, das den Verband bundesweit mit den entsprechenden Projekten zusammengeführt hat, um

letztlich der Wildkatze auch wieder Wege zu eröffnen und sie nicht zu isolieren, zu verinseln. Und nicht zuletzt zu erwähnen sind das Grüne Band Deutschland und das Grüne Band Europa, die 1989 von Professor Kai Frobel und von Hubert Weiger initiiert worden

»Unsere finanzielle Unabhängigkeit ist wichtiger denn je.«

sind und sich zu einem großen Verbandsidentitätsnetzwerk entwickelt haben. Auch in sehr herausfordernden Zeiten wie derzeit, wo Natur- und Umweltschutz letztlich in den Nachrichten, aber auch in der politischen Aufmerksamkeit nach hinten rücken, wo auch in der Allgemeinheit Krisen und Ängste vorherrschen, brauchen wir diese Breite des BUND, wir brauchen seine finanzielle Unabhängigkeit – die ist wichtiger denn je – um eben nicht abhängig zu sein, deswegen ist die Mitgliederorientierung und der dezentrale Aufbau des BUND unser größtes Pfund. Von daher ist bei der heutigen Feier der Blick zurück genauso wichtig wie der Blick nach vorn.

GRUSSWORT

Erwin Scheiner

Vorsitzender der Kreisgruppe Main-Spessart des BUND Naturschutz

Herzlich willkommen hier in Marktheidenfeld. Ich freue mich und begrüße alle ehrenamtlichen und hauptamtlichen Funktionsträger im Naturschutzbereich und Freunde des BN. Ich bin natürlich sehr stolz und es erfüllt mich mit Freude, dass der BUND hier in Marktheidenfeld gegründet wurde, hier in diesen Räumen. Der frühere Kreisvorsitzende Dr. Fritz Lechner hatte einen guten Draht zu Hubert Weiger, und Marktheidenfeld hatte damals noch eine Eisenbahnanbindung. Jetzt ist es sehr schwierig nach Marktheidenfeld zu kommen, das haben Sie sicher oder Ihr alle gemerkt. Also, Herr Bürgermeister, das diskutieren wir dann mal zu zweit. Herr Lechner hat eben diese Räumlichkeiten hier genutzt und hat hier eingeladen. Heute merkt man: Der BUND und der BN sind einfach nicht mehr aus der Gesellschaft wegzudenken.

1975 war ich gerade mal 18 Jahre alt, das war die Zeit des großen wirtschaftlichen Aufschwungs. Damals war ich noch nicht beim BN, ich war überzeugter Feuerwehrmann, ich habe 40 Jahre aktiv Feuerwehr gemacht und dann hat mich ein guter Freund auf die Seite genommen und hat gesagt, er sucht jemanden, der mitgeht zum Kröten retten. Dann hat

er gesagt »Du hast doch Zeit, du gehst da mit.« Und so bin ich zum BN gekommen und bin jetzt fast 30 Jahre dabei. Die Gründung des BUND habe ich damals so noch gar nicht mitbekommen. Heute sehe ich, wie notwendig und wie stark der BUND und der BN sind. Diese Stärke sieht man in den Strukturen: Wir handeln lokal, es entfaltet bundesweite Wirkung. Wir haben ein supertolles Ehrenamt mit Fachkompetenz unterfüttert, sei es jetzt im BUND oder sei es in den Kreisgruppen. Wir können immer wieder auf den Landesverband oder auf den Bundesverband zurückgreifen. Was für mich persönlich ganz, ganz wichtig ist: Wir sind nicht käuflich. Wir leben von Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Wenn ich hier vor Ort mit jungen Leute spreche und das erkläre, wissen sie das oft gar nicht. Man sieht ja ständig im Fernsehen, wie Verbände zum Beispiel über eine Biermarke Werbung machen. Wir machen das alles nicht. Dafür stehe ich auch gerne mit meinem Gesicht hier im Main-Spessart.

Vor 50 Jahren gab es noch wilde Müllkippen, die Flüsse wurden sauberer gehalten, es hat sich einfach sehr viel getan und ich habe noch ganz kurz zwei

Beispiele hier aus dem Main-Spessart, aus unserer Region. Im Moment gilt es die Diskussion um das Biosphärenreservat im Spessart anzustoßen, da sind über 80 Prozent der Kommunen und 89 Prozent der Bevölkerung dafür. Das betrifft drei Landkreise, anschließend Aschaffenburg, Miltenberg, Main-Spessart und die Stadt Aschaffenburg. Und im Moment ist es ja mit schlechten Nachrichten, die verkaufen sich besser, und im Moment läuft es etwas holprig. Die Landrätin hier im Main-Spessart steht noch dazu, macht die Kreistagentscheidung, das soll jetzt weiterlaufen, und es stehen Entscheidungen im Raum Aschaffenburg und in Miltenberg an. Das muss man mal abwarten, was sich da noch tut und das Biosphärenreservat ist ja keine Enteignung, kein Stillstand und ist ja einfach eine gute Entwicklung hier für unsere Region, und eine Einladung für den Naturschutz und für die Weiterentwicklung. Es ist ja kein Nationalpark, sondern ist Entwicklung in der ganzen Fläche.

Wie der Martin gesagt hat, ich habe mich dann irgendwann in den Landes- und in den Bundesarbeitskreis Verkehr schieben lassen. Man macht das ja oft nicht so aus freien Stücken, sondern man wird da irgendwo ab und zu mal ein bisschen hingetrieben,

aber das ist ein ganz bestimmtes Projekt. Wir haben hier eine B 26 n, die von Schweinfurt rüber, also von der A 7 zur A 3 eine Verbindung quer durch den Landkreis schlagen will. Das Projekt zieht sich schon 50, 60 Jahre hin und auf der anderen Seite im Raum Arnstein – das ist jetzt im östlichen Landkreis – wird gerade eine Schwammregion ins Leben gerufen – da bin ich morgen Abend mit dabei in der Diskussion – und genau da soll diese Autobahn durchkommen. Also, wenn die Politik verlässlich oder glaubwürdig sein soll und eine Schwammregion kommen soll, dann muss als erstes diese B 26 endlich mal raus aus der ganzen Planung.

50 Jahre BUND sind kein Schlussstrich, sondern ein Auftrag!

Wir sind hier im Spessart und da gibt es die Spessarteiche, und ich habe hier ein Brett, nicht vor dem Kopf, sondern für die neue Geschäftsstelle. Wir machen in der Kreisgruppe solche Schilder aus Eichenholz und lasern sie. Ich hoffe, dieses hier wird einen Platz in der Bundesgeschäftsstelle finden.

Zum Entstehen des Nationalparks Bayerischer Wald hat der Landesverband Bayern des BUND maßgeblich beigetragen.

GRUSSWORT

Olaf Bandt

Vorsitzender des BUND

Meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde im BUND, herzlich willkommen und schön, dass Sie alle an diesen besonderen Ort gekommen sind. Hier wurde der BUND geboren; heute kehren wir hierhin zurück zum Feiern, zum Erinnern, zum Kraft schöpfen. Das ist gerade in dieser Zeit dringend notwendig. Ich glaube, die Gründerinnen und Gründer – 21 Männer und eine Frau waren es – wären heute stolz darauf, was aus ihrer Idee geworden ist. Ganz viele, die hier im Raum sind, haben daran mitgewirkt. Es fühlt sich fast an wie ein Familientreffen mit Geschichte, mit Menschen, die gemeinsam über viele Jahre etwas bewegt haben, noch bewegen und nie aufgegeben haben: Das ist eine zentrale DNA des BUND: Wir stehen dafür, dass wir nicht aufgeben, wenn wir einmal nicht gewinnen, sondern uns fragen, was der nächste Schritt sein kann. Mein Dank geht an den BUND Naturschutz Bayern. Ohne euch hier im BUND Naturschutz gäbe es den BUND wohl nicht. Ihr wart die ersten, die gesagt haben: Wir brauchen einen starken Bundesverband. Danke für euren Mut, eure Hartnäckigkeit und für die 50 Jahre gemeinsamer Arbeit, die manchmal durchaus anspruchsvoll war, aber immer wieder die Möglichkeiten und wirklich

große Anlässe gegeben haben das zu feiern, was wir gemeinsam erreicht haben. Denken wir an diesen Tag vor 50 Jahren zurück. 21 Männer, eine Frau, genau hier. Diese Menschen hatten keine Mehrheit in der Gesellschaft. Das, was wir heute diskutieren, das war

»Heute ist Zeit für Stolz, für Dankbarkeit, für neuen Mut.«

vollkommen undenkbar zu der Zeit, aber sie hatten ein klares Ziel: einen Verband, der eingreift, dort wo die Probleme entstehen, auf der Bundesebene in der Politik. Das war damals sehr mutig. Es war unbequem und es war genau das Richtige. Es hat sich einiges geändert: Der BUND ist vielfältiger, demokratischer, politisch und klug, aber immer noch leidenschaftlich. Auch Frauen prägen den Verband, führen

ihn, tragen ihn, oft auch mit weniger Worten, aber mit Klarheit und mit großer Durchsetzungskraft und das gehört auch zum BUND, wie er sich entwickelt hat. Der Geist von damals lebt, und wir brauchen ihn auch heute, denn wir erleben wieder viel Gegenwind. Umwelt- und Naturschutz werden entweder kleingeredet, die Umweltkatastrophen gar nicht erst betrachtet. Aber der BUND ist niemals gegründet worden, um zuzuschauen, sondern um einzugreifen. Und das ist auch das Motto für die nächsten 50 Jahre. Heute ist auch der Moment, an unseren gerade verstorbenen, langjährigen Bundesvorsitzenden Hubert Weinzierl zu erinnern. Er verkörperte die Stärken des BUND in besonderer Weise. Klare Kritik, kämpferisch und dabei auch die Gemeinsamkeiten suchen und politische Kompromisse finden. Das hat uns Hubert Weinzierl mit auf den Weg gegeben. Man sieht diese Haltung auch heute noch bei vielen Aktiven und Mitarbeiter*innen. Wir werden uns heute an vieles erinnern: das Grüne Band, zukunftsfähiges Deutschland, Atomund Kohleausstieg, die Klimaklagen, der Einstieg in die Agrarwende. Wichtig ist: Der BUND hat Eindruck hinterlassen auch bei denen, die uns lieber gar nicht zugehört haben oder die uns auch heute nicht zuhören wollen. Sie wissen, warum sie gegen den BUND ankämpfen. Auch das gibt Hoffnung und Kraft, dass wir etwas erreicht haben. Heute ist Zeit für Stolz, für Dankbarkeit, für neuen Mut, für Gemeinschaft, für das, was wir alle miteinander geleistet haben und das, was noch kommt. Ich danke Ihnen und Euch fürs Kommen, fürs Dabeibleiben, fürs Streiten, Zuhören, Nachdenken und mit dieser Gesellschaft in Dialog und Kooperation gehen, weil all das hat die Stärken und die Leistungen des BUND in den letzten 50 Jahren verursacht und das ist die Grundlage dafür. Ganz, ganz herzlichen Dank.

1975

Eine der ersten Vorstandssitzungen des BUND im Gründungsjahr.

1978

Kampagnen für den Artenschutz wie »Rettet die Vögel« oder später »Rettet die Frösche« tragen ganz wesentlich zur Finanzierung des jungen BUND bei.

1976

In Sasbach am Kaiserstuhl begründet der BUND mit einer Ausstellung zur Sonnenenergie die erste deutsche Umweltmesse – eine Frucht des erfolgreichen Widerstands gegen das unweit geplante Atomkraftwerk bei Wyhl.

1979

Von links: Bodo Manstein, Herbert Gruhl, Hubert Weinzierl, Bernhard Grzimek und Helmut Steininger.
Radolfzell: Gerhard Thielcke (rechts im Bild), BUND-Vorsitzender von 1977 bis 1983, und sein Mitarbeiter Wolfgang Friedrich auf dem Weg zum Eisvögel-Füttern.

FESTVORTRAG

Prof. Dr. Frank Uekötter

Professor für Technik- und Umweltgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum

Fünfzig Jahre BUND – das sind fünfzig Jahre voller Dynamik. Naturschutz und Umweltschutz sehen heute anders aus als 1975, Politik und Gesellschaft haben sich verändert, und natürlich hat sich auch der BUND selbst verändert: Von mehr als einer halben Millionen Mitgliedern bundesweit hat zum Beispiel in den ersten Jahren gewiss niemand geträumt.

50 Jahre BUND – das sind eine Menge Themen, eine Menge Konflikte und nicht zuletzt eine Menge Menschen; und wenn man versucht, dieser Vielfalt im Rahmen eines solchen Vortrags gerecht zu werden, dann kann man eigentlich nur scheitern. Deshalb sei hier gleich zu Anfang betont, dass es mir in diesem

Vortrag ganz gewiss nicht um Vollständigkeit geht. Was ich versuchen möchte, ist etwas anderes: Ich möchte aus 50 Jahren BUND ein paar Fäden herausziehen, die mir mit Blick auf die Gegenwart von besonderem Interesse zu sein scheinen: Situationen, Probleme, schwierige Entscheidungen, historische Ereignisse, bei denen wir merken, dass eine 50jährige Geschichte auch ein Schatz von Erfahrungen sein kann. Man lernt beim Blick auf frühere Umgangsweisen mit Herausforderungen etwas über die Zusammenhänge, die man im Blick behalten sollte, und die Voraussetzungen für erfolgreiches Handeln, und nicht zuletzt lernt man, wie Entscheidungen nach einiger Zeit wirkten.

»50 Jahre BUND.
Eine durchaus vorläufige Zwischenbilanz.«

Das Gründungsjahr 1975 erinnert an die gegenwärtige Situation des BUND. Wenn man die aktuellen Debatten in Politik und Medien verfolgt, drängt sich der Eindruck auf: Die Zeiten sind gerade nicht gut für Menschen, denen Umweltthemen am Herzen liegen. Da ist es vielleicht tröstlich zu erfahren: So war das auch, als der BUND gegründet wurde. Die Umweltgeschichte der Bundesrepublik ist auch eine Geschichte ständiger Pendelschwünge zwischen ökologischer Reformpolitik und Stagnation oder gar Rückschritten, und da war die zweite Hälfte der siebziger Jahre eine Zeit der Flaute. Ein paar Jahre früher hätte der BUND noch im Wind des Zeitgeists segeln können. Die Zeit um 1970 war in allen westlichen Ländern eine Zeit des Aufbruchs, ja die Zeit, in der der Umweltbegriff als Dachbegriff für ökologische Herausforderungen aller Art überhaupt erst in den Sprachgebrauch einging. Die neue sozialliberale Bundesregierung präsentierte 1969/70 das erste Umweltprogramm einer Bundesregierung, 1970 war Europäisches Naturschutzjahr, und 1972 fand in Stockholm der erste moderne Umweltgipfel statt.

Vom atomaren Protest zur Verbandsgründung: Krisen, Konflikte und erste Wachstumsschmerzen

Das waren eine Menge Hoffnungen und Erwartungen, aber das verlief sich recht schnell, und Mitte der 1970er Jahre war von Aufbruchsstimmung nicht mehr viel zu spüren. Es waren wirtschaftlich schwierige Zeiten: 1973 hatte die erste Ölkrise das Ende des langen Nachkriegsbooms besiegelt. 1979/80 kam die zweite Ölkrise, und da sorgten sich viele eher um die lahmende Konjunktur und die hohe Arbeits-

losigkeit. Erst Anfang der achtziger Jahre wurde die Stimmung besser, als die Angst vor dem Waldsterben Menschen aus allen politischen Lagern bewegte. Das dominierende umweltpolitische Thema der ersten Jahre war die Atomenergie. Für den BUND der siebziger Jahre war der Streit um die Atomenergie eine ambivalente Erfahrung. Einerseits brachte das Thema Menschen auf die Straße und zum BUND, insbesondere in Baden-Württemberg, wo mit der legendären Bauplatzbesetzung von Wyhl am Kaiserstuhl ein erstes und durchaus charismatisches Zentrum der Proteste entstand. Anderseits gingen zu einschlägigen Demonstrationen auch eine Menge Linksextreme, die im Kampf gegen den Atomstaat auch Gewalt für legitim hielten. So sah sich der BUND gleich in seiner Gründungszeit mit einer eskalierten Debatte konfrontiert, und das war ziemlich ungemütlich für eine Gruppe, die zunächst in ihrer Mehrheit aus Naturfreunden bestand, die gewiss nicht auf einen Grundsatzkonflikt mit der Staatsgewalt aus waren. Hinzu kam etwas, was man mit Blick auf den letztlichen Erfolg der Anti-Atomkraft-Bewegung leicht vergisst: Zunächst machte der Protest zwar eine Menge Wind, aber in der Sache bewegte sich nichts. Der erste greifbare Erfolg kam erst 1979, als der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht das Nukleare Entsorgungszentrum im Wendland stoppte.

Die Gründungsjahre des BUND waren keine einfache Zeit für den Umweltschutz und keine einfache Zeit für Aktive. Da kann man rückblickend schon die Frage stellen: Warum entstand dennoch 1975 ein neuer Umweltverband?

Für die Gründerväter war die Antwort vermutlich ganz einfach: Es musste sein. Nach dem Konsumrausch der Wirtschaftswunderjahre brauchte man als umweltbewusster Mensch nur um sich schauen,

um zu sehen, dass es so einfach nicht weitergehen konnte. Es gab verschmutzte Flüsse, Kohlekraftwerke, die massenhaft und ohne Filter Schwefeldioxid in die Luft schickten; die chemische Industrie entledigte sich der Dünnsäure, indem sie diese einfach in die Nordsee kippte; es gab immer mehr Müll, immer mehr Autos, immer mehr versiegelte Fläche. Die ökologische Krise war in den siebziger Jahren keine abstrakte Formulierung, sondern eine unmittelbare Erfahrung. Dass die Umwelt verschmutzt war, das konnte man sehen, riechen, hören und schmecken.

Sehr schnell machte der BUND dann eine Erfahrung, die vermutlich jeder neue Verband früher oder später macht: Es gab die Vision, das Anliegen, die Magie des Aufbruchs – und es gab die Mühen der Ebene. Für einen neuen Umweltverband brauchte es tragfähige Strukturen, klare Aufgabenprofile und Menschen, die diese Aufgaben übernehmen wollten, es brauchte Netzwerke und finanzielle Mittel – und ein Zugpferd, eine bekannte Figur an der Spitze, die dem neuen Verband zu öffentlicher Sichtbarkeit verhalf. Das jedenfalls glaubte der BUND und hofierte deshalb den Mann, der gerade den Umwelt-Bestseller des Jahres 1975 geschrieben hatte: den CDU-Politiker Herbert Gruhl, Autor des Buchs »Ein Planet wird geplündert«. Im November 1975 wurde Gruhl zum ersten wirklichen Vorsitzenden des BUND gewählt. Diese Zeit wurde zu einem Lehrstück darüber, wie schwierig es war, einen Verband zu führen, der schon damals eine große Zahl aktiver und selbstbewusster Mitglieder hatte. Gruhl war ein eigensinniger Mensch, er fremdelte mit dem Naturschutz und den Naturschützern, er bezog andere Vorstandsmitglieder kaum in die laufenden Geschäfte ein. Das Ende vom Lied war, dass Gruhl nach 18 Monaten eine Kampfabstimmung um den Vorsitz verlor und seinen Austritt aus dem Verband erklärte. Einen solchen Abgang wünscht man sich nicht für einen jungen Verband, aber die Folgen hielten sich in Grenzen.

In der Gründungszeit konnte der BUND in jedem Jahr einen kräftigen Zuwachs an Mitgliedern verzeichnen, aber dahinter verbarg sich eine Phase, die von ziemlich vielen Querelen geprägt waren. Unter den Streitthemen gab es eines, das für die Zukunft des Verbands von zentraler Bedeutung war – nämlich

die Frage, was für eine Art von Verband da gerade gegründet worden war. Darüber gab es unterschiedliche Auffassungen. Das hatte die kuriose Folge, dass die Bedeutung einer Mitgliedschaft im BUND je nach Landesverband zunächst unterschiedlich aussah. So gab es 1978 Landesverbände wie Hamburg, Schleswig-Holstein und Hessen, in denen jedes Mitglied im Landesverband zugleich Mitglied des BUND war, in Nordrhein-Westfalen waren dagegen nur 69 Prozent der Mitglieder zugleich bundesweit organisiert, in Baden- Württemberg waren es nur 16 Prozent – und dann gab es da noch einen Landesverband, der sich mit Mitgliedschaften auf Bundesebene noch schwerer tat. In Bayern gab es seit Jahrzehnten den mitgliederstarken Bund Naturschutz, und der war schon ziemlich nah dran an der Art von Umweltverband, die der BUND werden wollte: handlungsfreudig, politisch, offen für Aktive aus Bürgerinitiativen. 1970 hatte es im Bund Naturschutz eine Palastrevolte gegeben, als der Vorsitzende seinen Rücktritt erklärte und damit eine lange Tradition handzahmer, staatsnaher Naturschutzarbeit beendete. Der neue Vorsitzende machte ordentlich Dampf, und Sie alle kennen seinen Namen: Das war Hubert Weinzierl, später von 1983 bis 1998 Vorsitzender des BUND, danach Ehrenvorsitzender und am 16. Juni 2025 verstorben im Alter von 89 Jahren.

Föderale Vielfalt und lokales

Engagement: Der Weg zum Mitgliederboom der 80er Jahre

So gab es also in den siebziger Jahren ganz verschiedene Landesverbände je nach Bundesland: Es gab jene, die erst einmal auf die Beine kommen mussten, es gab einige, die schon ganz gut unterwegs waren – und es gab Bayern. Das sortierte sich nach einigen Jahren aus, es war bald klar, dass der BUND ein Mitgliederverband war und kein Dachverband von Ländern. Die großen Unterschiede zwischen den Landesverbänden wurden auch eine Schule für den Umgang mit interner Vielfalt, denn dabei lernte man nicht nur den Wert der bundesweiten Solidarität. Man merkte auch, dass es Vorteile hatte, wenn man es mit der bundesweiten Vereinheitlichung nicht zu weit

trieb: Es brauchte schlagkräftige Umweltverbände auf allen Ebenen, und die konnte es nur geben, wenn man ein gewisses Maß von Autonomie zuließ. Gerade bei den Bundesländern sprach viel dafür, den einzelnen Landesverbänden die Freiheit zu belassen, ihre eigenen Netzwerke zu entwickeln und auch eigene Prioritäten zu setzen, und das nicht nur, weil Naturschutz in Schleswig-Holstein nun mal anders aussah als Naturschutz im Schwarzwald. Jedes Bundesland hat sein eigenes politisches Mikroklima, und da boten sich unterschiedliche politische Verhaltensstile an. In Nordrhein-Westfalen war der BUND zum Beispiel stark sozialdemokratisch eingefärbt, weil dort über Jahrzehnte die SPD regierte, seit 1980 mit absoluter Mehrheit – dagegen kam man zum Beispiel in Bayern nicht weit, wenn man die Beziehungen zu SPD-Politikern pflegte. Wie Sie alle wissen, sind es oft vor allem Behörden auf Landesebene, die für Fragen des Natur- und Umweltschutzes entscheidend sind. Da lag es nahe, auf eine gute Arbeitsbeziehung zu den entscheidenden Stellen hinzuarbeiten. Damit habe ich gleich das nächste Thema erwähnt, das sich durch 50 Jahre BUND zieht: Wie sollte die konkret aussehen, diese »gute Arbeitsbeziehung«?

Der BUND entstand als Reaktion auf einen staatsnahen Naturschutz, der nicht die Erfolge gebracht hatte, die man wollte. Aber zugleich gab es beim BUND

ganz klar einen Zug zum konstruktiven Gestalten, zum Mitreden bei politischen Entscheidungen, und dazu brauchte es Gespräche. In dieser Hinsicht war der BUND ein echter Gegenentwurf zu Verbänden wie Greenpeace, die ganz auf plakativen Protest und spektakuläre Aktionen des zivilen Ungehorsams setzten, um die Mächtigen »wachzurütteln«.

Ein Vortrag über 50 Jahre BUND wäre jedoch unvollständig, wenn er nicht auch einen Blick auf die Basis wirft, auf die Orts- und Kreisgruppen in all ihrer Vielfalt. Ich bin mir sicher: Der Aufstieg von Natur- und Umweltschutz in den siebziger und achtziger Jahren hatte auch eine Menge damit zu tun, dass viele der einschlägigen Themen auf der lokalen Ebene greifbar waren: Naturschutzgebiete, Müllhalden, Verkehrsprojekte, vernachlässigte Parkanlagen, schmutzige Fabriken – wer mit offenen Augen auf die eigene Umgebung schaute, konnte ganz konkret erfahren, wie ökologische Kommunalpolitik das Leben besser machte, und ich bin mir sicher, dass das auch für viele Aktive im BUND eine wichtige Erfahrung war: Nichts beflügelt so sehr bei der politischen Arbeit wie das Gefühl, dass man etwas bewegen kann. Die achtziger Jahre wurden zu einer Zeit des Booms, beginnend mit der schon erwähnten Debatte über das Waldsterben, die ein wichtiger Türöffner war.

Unser Ehrenvorsitzender Bernhard Grzimek entlässt im Spessart eine vom BUND aufgezogene Wildkatze in die Freiheit.

Seit 1984 gibt es die BUNDjugend für alle Mitglieder des BUND bis 27 Jahre. Hier präsentiert sich das Leitungsteam

Weinzierl, BUND-Vorsitzender von 1983 bis 1998, mit der damaligen Bundesumweltministerin Angela Merkel auf dem Seelensteig im Nationalpark Bayerischer Wald.

Anders als der Atomkonflikt, der die Gesellschaft gespalten hatte, ging die Sorge um den kranken Wald quer durch alle politischen Lager. Der Boom zeigte sich auch in den Mitgliederzahlen: Bis zum April 1982 hatte es der BUND geschafft, die Schwelle von 10.000 Mitgliedern zu überschreiten – nur vier Jahre später war man dann schon bei 32.000 Mitgliedern und am Ende des Jahrzehnts bei über 50.000. Aber auch in solchen Zeiten gab es Konflikte. Dazu gehörte der Konflikt um die atomare Wiederaufarbeitungsanlage im bayerischen Wackersdorf, wo sich Anti-Atomkraft-Bewegung und Staatsgewalt in einem hässlichen Kleinkrieg verhakten, der sich über Jahre hinzog. Das wurde für den BUND zu einer Gratwanderung.

Globales Denken, deutsche Einheit und interne Krisen:

Die Neuorientierung in den 90er Jahren

in

Auf den Boom der achtziger Jahre folgte in den frühen neunziger Jahren eine gewisse Ernüchterung. Es gab die Krisenstimmung nach der Wiedervereinigung, es wehte der harsche Wind der Globalisierung, und da kamen Natur- und Umweltschutz in der öffentlichen Debatte vor allem als Investitionsbremse vor. Aus heutiger Sicht waren die Konjunkturen der öffentlichen Aufmerksamkeit freilich weniger bemerkenswert als die kreative Reaktion des Verbands. Er tat sich mit Misereor und dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie zusammen und veröffentlichte 1996 die Studie Zukunftsfähiges Deutschland – mitten hinein in die damalige Debatte über den Standort Deutschland, ohne Scheu, die Frage nach dem guten Leben und den wahren menschlichen Bedürfnissen zu stellen und mit scharfem Bewusstsein dafür, dass jede ökologische Politik Fragen nach Gerechtigkeit und sozialer Fairness aufwirft. Das zukunftsfähige Deutschland wurde in dieser Studie im weltweiten Kontext diskutiert, und die Auswirkungen unseres Lebensstils auf die Länder des globalen Südens waren ein wesentliches Thema. Das war auch dringend nötig; denn der Boom der achtziger Jahre war ein sehr bundesdeutscher Boom

gewesen. Hier und da schaute man schon mal über den Tellerrand, aber im Mittelpunkt standen deutsche Probleme und deutsche Lösungen. Bezeichnenderweise beschloss der BUND erst 1989 den Beitritt zu Friends of the Earth International, was schon damals als überfällig galt. Zur Internationalisierung gehört auch die wachsende Bedeutung der Europäischen Union. In den achtziger Jahren entwickelte sich Brüssel zu einem ernsthaften umweltpolitischen Akteur, bei einigen wichtigen Debatten, so etwa beim Feinstaub und bei den Nitraten im Grundwasser, kamen die entscheidenden Impulse von EU-Richtlinien, und deshalb war es nur konsequent, dass der BUND 1991 ein Büro in Brüssel eröffnete.

Neben der Internationalisierung gab es in den neunziger Jahren noch eine zweite große Baustelle, nämlich den Aufbau von Verbandsstrukturen nach der Wende in Ostdeutschland. Auch in der DDR hatte es in den achtziger Jahren eine lebhafte Umweltdebatte gegeben, aber unter ganz anderen Vorzeichen: Dort waren Umweltthemen vor allem ein Vehikel für den wachsenden Unmut in den letzten Jahren des Realsozialismus. Es gab 1989 zahlreiche agile Umweltgruppen, aber das führte keineswegs zu einer ähnlich lebendigen Verbandslandschaft nach der Wende. Dahinter steckten nicht nur die gesellschaftlichen Folgen der tiefen Wirtschaftskrise nach dem Zusammenbruch der Planwirtschaft, es lag wohl auch daran, dass eine offene demokratische Gesellschaft einen ganz anderen politischen Habitus brauchte als die realsozialistische Diktatur.

Es gab einen Umweltverband, der nach der Wende forsch ans Werk ging und die bestehenden ostdeutschen Umweltgruppen förmlich einsammelte – aber das war nicht der BUND, sondern der Deutsche Bund für Vogelschutz, wenig später umbenannt in NABU. Der BUND agierte in dieser Situation eher behutsam, man setzte vorzugsweise auf Gruppen, bei denen die Initiative von Ostdeutschen kam, und wenn Westdeutsche in die neuen Bundesländer gingen und beim Aufbau neuer Strukturen halfen, dann waren das persönliche Wege.

Mitten hinein in diese Turbulenzen kam dann auch noch 1994 das Debakel um das Pumpspeicherwerk der VEAG im thüringischen Goldisthal. In geheimen Verhandlungen hatte der BUND Thüringen einen Deal mit den Bauherren ausgehandelt und eine anhängige Klage gegen eine millionenschwere Spende für eine Naturschutzstiftung zurückgezogen – dafür gab es gute Gründe, nicht zuletzt prozesstaktische, aber als das öffentlich bekannt wurde, war die Kritik verheerend: Der BUND schien käuflich zu sein, und alle Hinweise, dass die Angelegenheit in Wirklichkeit komplizierter war, machten die Sache eher noch schlimmer. Es ist rückblickend schon fatal, dass diese unangenehme Geschichte ausgerechnet von einem ostdeutschen Landesverband losgetreten wurde, also von Menschen, die in dieser Zeit unheimlich viel lernen mussten, über sich selbst und ihr Selbstverständnis nachdenken mussten und dabei eigentlich jedes Recht auf Fehler gehabt hätten. Mit dem Abstand von drei Jahrzehnten kann man die Vermutung wagen: Ein solcher Skandal hätte den BUND früher oder später ohnehin erwischt. Das lag am Jagdfieber der damaligen Journalisten. »Geldmaschine Greenpeace« hieß 1991 eine Titelgeschichte des Spiegel, 1995 folgte eine Spiegel-Geschichte über den »Feldzug der Moralisten« und den Trend »vom Umweltschutz zum Öko-Wahn«. Da war klar, dass irgendwann auch der BUND dran war, und wo kriegt man einen Umweltverband besser als beim Geld. Für Vergleichsverhandlungen gab es keine Patentlösungen, die man am grünen Tisch entwickeln konnte, gleiches galt für Sponsoring, Großspenden, Transparenzregeln, und natürlich war das alles auch so eine Art Kulturbruch für einen Verband, der mit viel ehrenamtlichem Engagement groß geworden war. In den frühen Jahren war die Unabhängigkeit des Verbands noch kein großes Thema gewesen, dafür war die Haltung vieler Gründerväter viel zu eindeutig: Niemand wäre auf die Idee gekommen, dass zum Beispiel ein Horst Stern käuflich gewesen wäre. Aber mit dem Wachstum des Verbands und der immer größeren Zahl der Themen brauchte es allgemeine Regeln, auch wenn sich das irgendwie seltsam anfühlte in einem Verband, der nach wie vor von viel Idealismus getragen wurde. Unabhängigkeit gab es nicht zum Nulltarif, sie musste immer wieder neu

Hubert
UN-Klimakonferenz
Bonn: Mit einem riesigen selbst gebauten Rettungsboot voller Botschaften aus aller Welt fordern BUND und »Friends of the Earth« mehr Tempo beim Schutz des Weltklimas.

definiert und gepflegt werden, nicht zuletzt mit Seitenblick auf konkurrierende Verbände, die es in dieser Hinsicht nicht immer ganz so genau nahmen. Das Resultat sehen Sie heute auf der Internetseite des BUND. Da gibt es eine eigene Rubrik »Transparenz«, wo Sie zum Beispiel die Gehaltsstruktur des Bundesverbands und die Zahl der Mitarbeiter finden können als eine von zehn zentralen Informationen, die nach den Leitlinien der Initiative Transparente Zivilgesellschaft in einfacher Form zugänglich sein sollten. Wenn es eine Gewissheit aus 50 Jahren BUND gibt, dann wohl die, dass man sich nie zu sicher sein sollte, wie es laufen muss. Spielregeln im Verband veränderten sich, Problemstellungen veränderten sich und der Gesamtzusammenhang der bundesdeutschen Demokratie veränderte sich erst recht. Veränderung ist nie einfach; aber in der jüngsten Zeit mischt darin doch etwas Neues, nämlich ein Gefühl, dass wir nicht einfach Veränderung erleben, sondern Niedergang. Demokratische Selbstverständlichkeiten im Umgang mit der politischen Konkurrenz sind nicht mehr selbstverständlich; wissenschaftliche Forschung und faktenbasierte Meinungsbildung stehen unter Druck; rechtspopulistische Parteien erzielen Wahlergebnisse, bei denen man damit rechnen muss, dass sie vielleicht demnächst Teil einer Landes- oder Bundesregierung werden.

Naturschutz in Zeiten bedrohter Demokratie: Fünf Lehren für die Zukunft

Ich möchte diesen Vortrag deshalb schließen mit fünf Überlegungen, was es für einen Verband wie die BUND bedeutet, Natur- und Umweltschutz zu betreiben in einer Zeit, in der Demokratie nicht mehr selbstverständlich ist. Es gibt kein Patentrezept in dieser Zeit, und das Wichtigste sind wohl ohnehin nicht irgendwelche Rezepte, sondern die Bereitschaft, Rückgrat zu zeigen, wenn jemand Grenzen überschreitet und dann klipp und klar zu sagen: so nicht – nicht mit uns – nicht in diesem Verband.

Aber ich glaube, man kann aus 50 Jahren Verbandsgeschichte auch etwas über die neue Bedrohung von rechts lernen.

1.Es ist tatsächlich eine NEUE Bedrohung. Eine Partei wie die AfD hat der BUND noch nie erlebt. Bislang konnte der BUND davon ausgehen, dass alle Parteien, die im Bundestag vertreten waren, die Umweltproblematik grundsätzlich ernst nahmen und dass sie wissenschaftliche Befunde nicht einfach ignorierten. Natürlich gab es Unterschiede im umweltpolitischen Engagement, es gab auch populistische Kampagnen, aber all das verblasst im Vergleich mit einer AfD, die den Klimawandel nicht für menschengemacht hält und die Dekarbonisierung einfach abblasen will. Es ist eine gute bundesdeutsche Tradition, mit allen zu reden, und der BUND hat von dieser Kultur des Gesprächs enorm profitiert und enorm dazu beigetragen – aber man sollte sich sehr überlegen, ob man reden will mit Leuten, die sich auf einer ganz anderen Gesprächsgrundlage bewegen.

2.Auch

wenn es seltsam klingt: Kompetenz kann eine Bürde sein. Ein Verband wie der BUND ist in öffentlichen Debatten strukturell im Nachteil, weil er weiß, wie kompliziert viele Probleme und ihre Lösungen sind. Wenn jemand den Klimawandel zur Lüge erklärt, dann ist das zwar Blödsinn, aber auch wunderbar einfach – und da kommt man schnell in die Defensive, wenn man kompetent und differenziert argumentieren will. Da könnte man sehnsüchtig zurückschauen auf die frühen Jahre des BUND, als man Umweltpolitik noch mit einfachen Parolen machen konnte: Filter für dreckige Kraftwerke! Keine Chemie im Essen! Atomkraftwerke abschalten! Richtig einfach war Umweltpolitik auch damals nicht, aber sie wurde so präsentiert; und wer es genauer wissen wollte, konnte dann tiefer einsteigen. Ich erwähne hier nur die Aktion »Rettet die Vögel« der späten siebziger Jahre, die erste große Kampagne des BUND, die ganz wesentlich dazu beitrug, dass der Verband in einer schwierigen Zeit auf die Beine kam und ein erstes Erfolgserlebnis hatte. Wenn man den Band »Rettet die Vögel« zur Hand nimmt, sieht man: Es ging da nicht um possierliche gefiederte Freunde, sondern um eine Einführung in die natürlichen Zusammenhänge, die man verstehen musste, um vernünftigen Natur- und Umweltschutz zu betreiben. So ähnlich kann es vielleicht auch gehen bei den komplexen Themen wie Energiewende, Verkehrswende, ökolo-

gische Landwirtschaft: keine Angst vor Klarheit und Einfachheit bei den politischen Lösungen und bei der Vermittlung dieser Lösungen! Und wenn es einigen dann vielleicht zu einfach wird, dann kann man den Leuten ganz gewiss helfen.

3.Demokratie ist etwas Fragiles, Demokratie ist nicht einfach, und gerade deshalb braucht es eine Solidarität aller Demokraten. Das klingt einfach, bis man merkt, was das konkret bedeuten kann –zum Beispiel, dass auch ein Verband wie der BUND sich solidarisch fühlen sollte mit Klimaklebern und anderen Menschen, die zivilen Ungehorsam praktizieren. Inzwischen gibt es millionenschwere Schadenersatzforderungen gegen die Klimakleber, und zwar ganz konkret als juristische Forderung, und da werde ich als Historiker hellhörig. Denn Entschädigungsforderungen an protestierende Menschen – die gab es schon mal. Zum Beispiel damals in Wyhl, beim legendären Atomprotest. Als sich Landesregierung und Bürgerinitiativen nach dem Ende der legendären Platzbesetzung am Verhandlungstisch trafen, da forderte die Betreiberfirma einen finanziellen Ausgleich für die kostspieligen Verzögerungen, und das ganz konkret, mit einer schwindelerregenden Zahl: Die Forderung an die Anti-Atomkraft-Demonstranten belief sich auf 856 Millionen Mark. Das ging damals glimpflich aus, aber da sehen Sie, wie schnell eine Sache hochbrisant wird. Wenn solche Schadenersatzforderungen einreißen, dann ist das eine existentielle Bedrohung für jeden, der eine Bürgerinitiative gründen will und erst recht für einen Verband wie den BUND. Da muss man zusammenstehen gegen Anwaltskanzleien, die solche Forderungen bearbeiten. Das ist wirklich ein Fall von »wehret den Anfängen«.

4.Reden

Sie über Erfolge – nicht nur, weil sie damit Ihren Verband profilieren können, sondern auch als Dienst an der Demokratie. Politik muss frei sein von diskriminierenden Tönen, aber sie muss auch liefern: Sie muss zeigen, dass sie in der Lage ist, Probleme anzugehen, einzuhegen, in den Griff zu bekommen, ohne dass deshalb jemand unerträgliche Härten erleidet. Demokratie muss liefern, und sie KANN auch liefern. Es ist gar nicht so leicht, ein gut gepflegtes Naturschutzgebiet zu schaffen, Grenzwer-

te zu erlassen und umzusetzen, Infrastrukturprojekte zu verhindern oder umweltverträglich umzuplanen. Wir wissen aus der Geschichte, dass es sich autoritäre Regime in solchen Situationen gerne einfach machen. Da werden dann irgendwelche Falschinformationen in die Welt gesetzt, Daten gefälscht und Verfahren ausgehöhlt oder Belastungen auf jene abgewälzt, die nicht zum eigenen Machtkartell gehören. So etwas geht in freiheitlichen Demokratien nicht so leicht, und deshalb können sie bessere Lösungen bieten, und darüber sollten wir viel mehr reden: 50 Jahre BUND sind auch eine Leistungsschau für all das, was Demokratie bewegen kann.

5.Bei

den Themen des Natur- und Umweltschutzes gibt es jedoch einen Trumpf, den der BUND schon sehr früh entdeckte und seither beharrlich pflegt: die gründliche, wissenschaftlich fundierte Sacharbeit. Die Arbeitskreise des BUND gab es schon ganz am Anfang, 20 an der Zahl für das ganze Spektrum der Themen, sie waren schon in der ersten Satzung verankert. Was immer der BUND tat – es musste von der Sache her Sinn machen, und das prüfte man am besten durch einen Kreis von Frauen und Männern, die etwas von der Sache verstanden. Es ist bemerkenswert, wie früh man das im BUND als eine eigene Stärke empfand. Auf Dauer merken es Menschen, wenn ein Verband solide Arbeit macht und fundierte Argumente liefert. Als der BUND nach Tschernobyl eine eigene Strahlenschutzkommission berief, liefen bald die Telefone heiß, weil viele besorgte Menschen der Expertise des BUND mehr trauten als den Verlautbarungen der amtlichen Stellen. Nach 50 Jahren BUND ist der Wert des Sachverstands völlig offenkundig. Über 50 Jahre gab es im BUND eine Menge Menschen, die mit Herzblut und Idealismus bei der Sache waren, es gab eine Menge Freunde in der Politik, in Behörden, in der Wissenschaft, in den Medien, es gab viele Menschen, die all das durch Mitgliedschaften und Spenden unterstützen wollten – aber es gilt eben auch: Wenn der BUND über all die Jahre so viel bewegte, dann lag das auch daran, dass er ziemlich oft ziemlich gute Argumente hatte.

Hubert Weiger TALKRUNDEN-BEITRÄGE

Prof. Dr.

Ehrenvorsitzender des BUND und des BUND Naturschutz

Wenn ich auf die Arbeit des BUND in den vergangenen 50 Jahren zurückblicke, … … sehe ich eine Bewegung, die aus dem Mut zum Handeln entstanden ist – und diesen Mut immer wieder erneuert hat. Eine meiner prägendsten Erinnerungen ist eine Demonstration der Klimaallianz 2007 in Berlin, die zunächst nur relativ wenige Menschen anzog. Für uns war das aber kein Grund zur Resignation, sondern der Anstoß, die Frage zu stellen: Was müssen wir verändern, damit wir mehr Menschen erreichen? Schon ein Jahr später erlebten wir in Berlin die erste große Klimademonstration mit über 10 000 Teilnehmenden – und kurz darauf die vom BUND zentral mitinitiierte »Wir haben es satt!«-

Demo mit 30 000 Menschen. Solche Wendepunkte haben den BUND immer getragen.

Das Prinzip des »Selbstmachens« zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte. Ob Solarinitiative oder Windkraft – wir haben bewiesen, dass Engagement von unten Veränderungen bewirken kann. Ich erinnere mich gut an das erste Windrad, das der BUND 1995 in Bayern aufgestellt hat – ein Symbol, das inzwischen im Deutschen Museum ausgestellt wird. Ebenso eindrücklich ist das Beispiel der Wiederansiedlung des Bibers in Bayern, maßgeblich von unserem Ehrenvorsitzenden Hubert Weinzierl in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts

initiiert: Aus einer kleinen Idee ist ein ökologischer Erfolg geworden, der bayernweit wirkt. Heute leben in Bayern über 30 000 Biber, die kostenlos das tun, was Millionenbeträge kosten würde – sie renaturieren unsere Landschaften. Solche Erfolge zeigen: Wir sind ein Verband der Handelnden, nicht der Jammernden. Auch auf internationaler Ebene hat unser Einsatz Spuren hinterlassen. Ohne die entschlossene Arbeit des BUND wäre das TTIP-Abkommen in Europa wohl kaum verhindert worden. Ich erinnere mich an die gewaltige Demonstration 2015 in Berlin – 250 000 Menschen. Dieser Tag war ein Beweis dafür, dass zivilgesellschaftliche Kraft Politik verändern kann. Ebenso lehrreich war der lange und vergebliche Kampf gegen den Rhein-Main-Donau-Kanal in den 1970er und 80er Jahren. Aus dieser Niederlage erwuchs der Sieg für die frei fließende Donau zwischen Straubing und Vilshofen auf rund 70 Kilometer Länge. Denn wir haben aus der damaligen Niederlage die Konsequenz gezogen, dass entscheidend für unseren Erfolg gegen Großprojekte die Gewinnung der Mehrheit der Bevölkerung vor Ort für unsere Ziele ist. Unsere beharrliche Dokumentation der Zerstörungen machte vielen bewusst, welche Werte auf dem Spiel standen – und inspirierte bis nach Südkorea, wo ein ähnliches Kanalprojekt aufgrund unserer Arbeit eingestellt wurde. Das zeigt: Engagement wirkt über Grenzen hinaus – lokal, regional und global. Ein weiterer Grundpfeiler unseres Erfolgs liegt in der fachlichen Tiefe unserer Arbeit. Wir haben Themen durchdiskutiert, manchmal bis zur Erschöpfung, aber das Ergebnis war stets verlässlich. Diese wissenschaftliche Gründlichkeit ist das Fundament, auf dem Politik und Öffentlichkeit uns vertrauen können.

Von zentraler Bedeutung ist auch die Bündnisarbeit.

Der BUND war immer stark, wenn er gemeinsam mit Betroffenen kämpfte – beim Waldsterben in den 1980er Jahren etwa mit den Waldbesitzerverbänden.

Heute stehen wir vor der Herausforderung, das ökologische mit dem sozialen Anliegen zu verbinden. Gerade in industriell geprägten Regionen, in denen Menschen Angst um ihre Arbeitsplätze haben, verfängt die Klimawandelleugnung besonders leicht. Es ist eine unserer wichtigsten Aufgaben, hier Brücken zu schlagen – zwischen Umweltbewegung und Arbeitnehmerschaft.

In der Vielfalt unserer Themen liegt unsere Stärke, aber auch unsere Herausforderung. Immer wieder ringen wir darum, Schwerpunkte zu setzen, ohne die Breite unserer Bewegung zu verlieren. Für mich steht heute fest: Der wichtigste Schwerpunkt muss die Stärkung der Demokratie sein. Ohne Demokratie wäre keiner unserer Erfolge möglich gewesen. Wir müssen sie verteidigen – gegen Entmutigung, gegen Gleichgültigkeit und gegen die Feinde demokratischer Werte.

»Die Macht des gemeinsamen Handelns darf man nie unterschätzen.«

Wir haben keine wirtschaftliche Macht, aber wir haben die Macht der Überzeugung und die Macht des gemeinsamen Handelns. Diese dürfen wir nicht unterschätzen. Es liegt an uns, die Erzählung von gelingendem Engagement weiterzutragen – gerade den jungen Menschen zu zeigen, dass Einsatz nicht nur notwendig, sondern wirksam ist. Ich wünsche mir, dass der BUND auch in den kommenden Jahrzehnten unbequem bleibt – hinterfragend, mutig, solidarisch. Wir sind mehr als ein Umweltverband: Wir sind Teil einer starken Zivilgesellschaft, die sich für die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen einsetzt. Das ist die Aufgabe, die uns in die Zukunft führt – und die unseren Verband lebendig hält.«

TALKRUNDEN-BEITRÄGE

Sylvia PilarskyGrosch

Vorsitzende des Verbandsrates, Vorsitzende des BUND-Landesverbandes Baden-Württemberg

Wenn ich auf die Arbeit des BUND in den vergangenen 50 Jahren zurückblicke, … … dann sind es vor allem die großen Gemeinschaftsmomente, die mir lebendig vor Augen stehen. Unvergessen bleibt unsere Menschenkette gegen Atomkraft zwischen Neckarwestheim und Stuttgart – damals, kurz nach dem Unglück in Fukushima. Wir haben gezweifelt, ob wir überhaupt genügend Menschen mobilisieren können, um die gesamte Strecke zu füllen. Doch am Ende standen 60 000 Menschen Schulter an Schulter. Dieser Tag zeigte mir, wie viel man bewegen kann, wenn Organisation und Zeitgeist zusammenkommen. Solche Sternstunden, bei denen man spürt, dass Engagement wirklich etwas verändert, gehören für mich zum Herzstück unseres Verbandes.

Auch später, etwa bei der großen TTIP-Demonstration auf dem Stuttgarter Schlossplatz, erlebte ich, wie stark die Zivilgesellschaft sein kann, wenn sie gemeinsam aufsteht. Für mich sind Demonstrationen ein wichtiges Instrument – nicht als Selbstzweck, sondern als Zeichen dafür, dass Menschen sich bewegen lassen. Diese Kraft darf man nie unterschätzen.

Unsere Rolle endet aber nicht auf der Straße. Der BUND ist auch eine Stimme in der internationalen Debatte. Wir bringen unsere Erfahrungen und Analysen ein, etwa bei europäischen Initiativen und Konferenzen. Dabei sehe ich die deutsche Umweltbewegung eher in einer moderierenden Rolle – impulsgebend, aber nicht dominierend.

Auf der Ebene der Europäischen Union ist es wichtig, wachsam zu bleiben, wenn politische Rückschritte drohen, und auf Fehlentwicklungen hinzuweisen. Auch Politikerinnen und Politiker aus Deutschland arbeiten da aktuell an einem großen Rollback. Monika Hohlmeier ist so ein unrühmliches Beispiel. Darauf aufmerksam zu machen, ist Teil unserer Verantwortung.

Besonders am Herzen liegt mir unsere Arbeit in Bündnissen. Ob mit Gewerkschaften, Sozialverbänden oder anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen – diese Kooperationen machen unsere Anliegen stärker und breiter wirksam. Entscheidend ist für mich die Kontinuität: Es geht nicht nur um gemeinsame Papiere oder Absichtserklärungen, sondern um den stetigen Austausch, um voneinander zu lernen

»Flächenschutz ist die Grundlage für alles – für Klima, Artenvielfalt und Lebensqualität.«

und miteinander gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen. Gerade dort, wo soziale Gerechtigkeit und ökologische Verantwortung sich berühren, brauchen wir die Kraft des BUND.

Natürlich geht es auch darum, unsere Botschaften klar und verständlich zu formulieren. Wir haben hervorragende wissenschaftliche Grundlagen, aber die Kunst besteht darin, daraus einen eingängigen Slogan zu machen, etwas, das Menschen erreicht und bewegt. Dafür brauchen wir Einigkeit über die zentralen Themen, die uns tragen. Für mich persönlich steht dabei eines im Mittelpunkt: der Flächenschutz. Der sparsame Umgang mit Boden ist schlicht entscheidend für alles andere – für Artenvielfalt, Klima, Wasserhaushalt und Lebensqualität.

Wenn ich an die Zukunft des BUND denke, wünsche ich mir, dass wir den wachsenden Angriffen auf die Zivilgesellschaft standhalten. Die Strategien, mit denen demokratisches Engagement ausgehöhlt werden soll, sind genau kalkuliert – und wir müssen ihnen mit Klarheit, Zusammenhalt und Mut begegnen. Mein Wunsch für die kommenden Jahrzehnte ist, dass der BUND weiterhin stark darin bleibt, Haltung zu zeigen, Menschen zu verbinden und unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu verteidigen – in Deutschland, in Europa und darüber hinaus.«

Frauen an der Spitze des BUND: das weibliche Führungstrio bei einer Vorstandsklausur im Jahr 2004; die Vorsitzende Angelika Zahrnt (Mitte) mit ihren Stellvertreterinnen Doris Tropper (li.) und Brigitte Dahlbender. 2004

2007 wird Hubert Weiger zum Vorsitzenden gewählt. Hier spricht er in Berlin auf einer Kundgebung der Demo »Wir haben es satt«. 2015

Michail Gorbatschow präsentiert seine Aktionärsurkunde am Grünen Band, umrahmt von der BUND-Vorsitzenden Angelika Zahrnt und Hubert Weiger (links) sowie Umweltminister Jürgen Trittin. 2002

SCHLUSSWORT

Doris Tropper

Beisitzerin im Bundesvorstand, stellvertretende Landesvorsitzende des BUND Naturschutz

Es ist eine schwierige Aufgabe, ein Schlusswort zu sprechen, wenn die Veranstaltung laut Plan bereits seit über einer halben Stunde vorbei ist. Gestatten Sie mir trotzdem ein paar abschließende Gedanken. Zuallererst bedanke ich mich ganz herzlich für die engagierte und spannende Talkrunde. Man erlebt nicht alle Tage die Personen, die hier gemeinsam vorne standen, alle haben uns viel mitgegeben für den Weg, den wir noch vor uns haben. Ganz herzlich möchte ich mich auch bei Ihnen bedanken, Herr Prof. Uekötter. Selten habe ich jemanden so kurzweilig, so spritzig und so ehrlich bilanzierend über den BUND referieren hören. Es war ein echtes Highlight – und meistens war die BUND-Geschichte auch ganz unterhaltsam.

Ich wurde um ein kurzes Schlusswort gebeten und diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich aus Franken komme. Kurze Schlussworte in Franken heißen: »Schön wars, passt scho, ade!« Doch diese fränkische Kurzform würde unserem einzigartigen Verband in keinster Weise gerecht werden. Erlauben Sie mir bitte ein paar Gedanken als jemand, der 33 Jahre von diesen 50 Jahren im BUND aktiv mitgestaltet hat, jetzt als Beisitzerin im Bundesvorstand, früher als stellvertretende Bundesvorsitzende und von Anfang an im Verbandsrat des BUND. Von daher könnte

ich viele Geschichten erzählen, aber das möchte ich an dieser Stelle nicht. Anekdoten kann man nur am Abend bei Wein oder Bier erzählen. Dieses mein Engagement war immer zusammen mit vielen engagierten Männern, Frauen und Jugendlichen und es macht mich ein bisschen stolz, dass ich 33 von den 50 Jahren mit dabei gewesen bin.

Wenn wir heute in Politik und Gesellschaft schauen, müssen wir feststellen – und wir haben es gehört –, dass wir als BUND nötiger denn je sind: In unserer Rolle als Mahner und Wächter. Beispielsweise sind wir gezwungen, mit Klagen vor Gericht bestehende (!) Rechtsstandards einzuklagen. In unserer Rolle als Visionär und Ideengeber, indem wir exemplarisch aufzeigen, wie notwendige Veränderungen umgesetzt werden können. In unserer Rolle als Kooperationspartner, wo wir zusammen mit anderen gesellschaftlichen Gruppen wie den Gewerkschaften, Bürgerinitiativen und Vereinen die dringend notwendigen Veränderungen im Umwelt- und Naturschutz lautstark und nachdrücklich einfordern und auf den Weg bringen! Wir müssen stets Dialogforen anbieten und Lösungen erarbeiten für die Herausforderungen unserer Zeit und diese Lösungen notfalls eben erkämpfen. Dieser »Dreiklang« ist der Schlüssel für unsere erfolgreiche Umweltschutzarbeit.

»Wir haben ziemlich oft ziemlich gute Argumente.«

Und wenn Klaus Holetschek, der CSU-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, den jährlichen Klimabericht als, ich zitiere: »bürokratischen Ballast«, bezeichnet, den man abschaffen kann und zwar ziemlich schnell, dann ist das nur ein deutliches Zeichen dafür, wohin die Reise geht und dass wir als Verband mehr denn je gefordert sind. Denn, sind wir mal ehrlich: Man schimpft ja gerne auf die CSU in Bayern – macht irgendwie Spaß, verstehe ich auch -, aber wir leiden in Bayern unter den Entscheidungen dieser Regierung und die Natur auch, schon lange. Und wir wissen alle, dass weder die SPD auf Bundesebene, noch die CDU, so ganz anders sind in den Dingen, die uns jetzt drohen. Denn die SPD und die CDU stehen mit ihren Forderungen nach Planungsbeschleunigungen und mit den sogenannten Modernisierungen der CSU in keinster Weise nach.

Die Herausforderungen unserer Zeit sind gewaltig, aber wir als BUND mit unseren 674 000 Mitgliedern und Förderern und mit den 2000 Basisgruppen können viel bewegen. Das haben wir in den letzten 50 Jahren bewiesen. Denn wir haben – Zitat Professor Uekötter – »ziemlich oft ziemlich gute Argumente«. Wir sind viele, wir haben Antworten und wir machen Umweltschutz nicht erst seit gestern!

Lasst uns gemeinsam die erfolgreiche Geschichte unseres Verbandes fortschreiben. Machen wir die Gründungsmitglieder stolz. Denn die Natur, die Landschaft und die Umwelt braucht eine Stimme und zwar unsere BUND-Stimme. Ad multos annos!

50 Jahre BUND – eine

kurze Chronik

1975 gründet sich im fränkischen Marktheidenfeld der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Seine Wurzeln liegen im Naturschutz und dem kämpferischen Umweltschutz der Bürgerinitiativen.

Wie wurde der BUND zu dem, der er heute ist?

Im Rahmen des Projektes »Lebendige Auen für die Elbe« hat das BUND-Auenzentrum an der Hohen Garbe in Sachsen-Anhalt rund 420 Hektar wertvollen Auwald wieder an die Dynamik der Elbe angeschlossen.

Gentechnikfreie Regionen 2003

Der BUND initiiert die Aktion »Faire Nachbarschaft – Gentechnikfreie Regionen«.

Rettungsnetz für Wildkatze 2004

Energiewende retten 2014

Der BUND organisiert deutschlandweit mit Verbündeten Demos zum Thema »Energiewende retten – Wind und Sonne statt Kohle, Fracking und Atom«. Über 30 000 Menschen fordern einen schnellen Abschied von atomaren und fossilen Energieträgern.

Unsere Landesverbände in Thüringen, Hessen und Bayern gründen gemeinsam ein Rettungsnetz für die Wildkatze. Ihr Ziel: Naturnahe und gut vernetzte Wälder als Lebensräume für die gefährdete und kaum bekannte Art zu schaffen. 2006 entsteht ein erster Wanderkorridor zwischen dem Nationalpark Hainich und dem noch nicht besiedelten Thüringer Wald.

Hubert Weiger neuer Vorsitzender 2007

Angelika Zahrnt tritt nicht mehr für das Amt der Vorsitzenden an. Als ihr Nachfolger wird Hubert Weiger gewählt. Der Forstwirt ist BUND-Gründungsmitglied und seit 2002 Vorsitzender des BUND in Bayern. Er bleibt bis 2019 an der Verbandsspitze.

Wir haben es satt! 2009

Der BUND organisiert die erste »Wir-haben-es-satt!«Demo in Berlin. Träger ist ein Agrarbündnis, das 5000 Menschen mobilisiert.

BFD-Zentralstelle 2011

Der BUND wird zur Zentralstelle für den Bundesfreiwilligendienst im Bereich Umweltund Naturschutz. Bis heute haben sich rund 3000 Menschen aller Altersgruppen sechs bis zwölf Monate lang in einer der insgesamt 400 anerkannten Einsatzstellen des BUND engagiert.

Vermüllung der Meere 2013

Der BUND versammelt zur Konferenz »Vermüllung der Meere« die internationale Fachwelt in Berlin.

Gorleben kein Endlager 2020

Das niedersächsische Gorleben wird von der Liste der Endlagerstätten für Atommüll gestrichen – ein großer Erfolg der Anti-AKWBewegung und unserer fachlichen Arbeit. Dafür haben BUNDAktive und Verbündete viele Jahre lang gekämpft.

Grundrecht auf Klimaschutz 2021

2018 reicht der BUND gemeinsam mit dem Solar- energie-Förderverein Deutschland eine Verfassungsbeschwerde für mehr Klimaschutz ein. Im Jahr 2021 urteilt das Bundesverfassungsgericht, dass der Staat die Pflicht habe, das Leben und die Gesundheit der Menschen vor den Gefahren des Klimawandels zu schützen. Damit hat erstmals eine Umweltklage vor diesem Gericht Erfolg, die Regierung muss handeln. Im Sommer 2021 reformiert sie darum das BundesKlimaschutzgesetz.

AKWs vom Netz 2023

INTERVIEW MIT

Prof. Dr. Hubert Weiger

Am 19. und 20. Juli 1975 fand in Marktheidenfeld die Gründungsversammlung des BUND statt. Als jüngster Teilnehmer war unser Ehrenvorsitzender mit dabei.

Herr Weiger, 21 Männer und eine Frau trafen sich vor 50 Jahren in Unterfranken, um den BUND zu gründen. Erinnern Sie sich noch an diese zwei Tage?

Waren sich in Marktheidenfeld alle einig über die Ziele des neuen Verbands?

Der BUND und andere Umweltverbände mobilisieren über 250000 Menschen, die in Berlin gegen das umweltschädliche TTIP-Abkommen demonstrieren.

Die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft für freien Handel zwischen der EU und den USA ist bis heute nicht in Kraft. Mobil gegen TTIP 2015

Der BUND startet die ToxFox-App. Alltagsdinge wie Kosmetik, Spielzeug und Elektrogeräte können damit gratis auf Schadstoffe überprüft werden. Inzwischen wird sie von 3,5 Millionen Verbraucher*innen genutzt. ToxFox startet 2016

2000 BUND-Gruppen 2017

Der BUND hat nun 2000 lokale Gruppen, die sich für die Umwelt und Natur vor ihrer Haustüre einsetzen.

Der BUND ist Mitorganisator der Proteste gegen die Abholzung des Hambacher Walds. Der BUND NRW klagt gegen den Hauptbetriebsplan von RWE, um die Rodung des Walds zu stoppen. Im Oktober gibt ihm das Oberverwaltungsgericht recht: Der Wald darf nicht gerodet werden. Hambacher Wald 2018

Olaf Bandt Vorsitzender 2019

Olaf Bandt wird zum Vorsitzenden des BUND gewählt. Sein Engagement beim BUND begann bereits 1992 als Campaigner für Abfallvermeidung.

Mit der Abschaltung der letzten drei Atomkraftwerke ist der deutsche Atomausstieg besiegelt. Ein großer Erfolg der Anti-AtomBewegung, in der sich der BUND von Anfang an stark engagiert hat.

Welterbe und Grundstein 2024

Auf BUND-Initiative schlägt Deutschland das Grüne Band als UNESCO-Welterbe vor. Im Juli legt der BUND den Grundstein für seine neue Bundesgeschäftsstelle in Berlin.

Der BUND wird 50 2025

Der BUND feiert sein 50-jähriges Jubiläum mit mehr als 674 000 Unterstützer*innen und über 2000 ehrenamtlichen Gruppen.

SCROLLEN SIE

Tauchen Sie ein in die Geschichte des BUND – mit unserem multimedialen Scrollytelling. In fünf Kapiteln zeigen wir anhand von Videos, Fotos und Radiobeiträgen die Meilensteine unserer Geschichte und feiern unsere Erfolge.

www.bund.net/

50-Jahre-BUND

Ja, sogar lebhaft. Es herrschte eine große Aufbruchstimmung. Auch wenn sich viele in Marktheidenfeld zum ersten Mal sahen, hat man sich in kürzester Zeit inhaltlich hervorragend verstanden. Da traf sich eine Wertegemeinschaft, die der wachsenden Umweltzerstörung nicht länger tatenlos zuschauen wollte.

Was gab den Anstoß zu diesem Treffen?

Hier muss ich kurz ausholen: 1970 beauftragte das Bundesinnenministerium den Bund Naturschutz in Bayern (BN), das Europäische Naturschutzjahr auszurichten. Mehr als 2000 Menschen nahmen im Deutschen Museum an der ersten großen Naturschutzversammlung seit dem 2.Weltkrieg teil. In der Folge entstand in Bayern das bundesweit erste Umweltministerium. Uns im BN wurde damals deutlich: Wir benötigen eine wirkungsvolle Vertretung des Naturschutzes auf nationaler Ebene. Denn in Bayern vollzog man ja vielfach nur, was in Bonn beschlossen wurde – agrar-, energie- und verkehrspolitisch. Vor allem Hubert Weinzierl, unser Vorsitzender seit 1969, und der BN-Geschäftsführer Helmut Steininger ergriffen dann die Initiative.

Dabei gab es doch einen Dachverband, den Deutschen Naturschutzring?

Richtig, er unterstützte unser Anliegen, war selbst aber dadurch lahmgelegt, dass er auch die Jäger und Fischer zu vertreten hatte. Und die waren in wichtigen Fragen ganz anderer Auffassung. Auf unserer Seite hatten wir außerdem die »Gruppe Ökologie« mit Bernhard Grzimek, Konrad Lorenz, Horst Stern und anderen.

Einig waren wir uns, dass sich der Naturschutz auf nationaler Ebene dringend fortentwickeln und viel ganzheitlicher agieren muss. Dazu gehörte ganz zentral, Umweltaspekte wie die Energiepolitik zu integrieren. Auch wollten wir öffentlich sichtbar und wirksam sein und zugleich für einen guten fachlichen Background sorgen. Schon in der ersten Sitzung haben wir daher einen Fachbeirat mit kritischen Wissenschaftlern etabliert, den Vorsitz übernahm Enoch zu Guttenberg.

Wie kamen Sie damals dazu?

Und warum gerade Marktheidenfeld? Ich stieß im Jahr 1971 als erster Zivildienstleistender zum BN und wurde 1973 zum Beauftragten für Nordbayern. Als Mitglied unseres Vorstandes konnte ich die Gründungsversammlung mit vorbereiten. Dass wir uns in Marktheidenfeld trafen, ist dem BN-Kreisvorsitzenden von Main- Spessart, Fritz Lechner, zu verdanken. Er wies uns im Vorfeld auf einen schönen Gasthof am Main hin, dessen Wirtsleute ihre Räumlichkeiten gratis bereitstellten. Da dieser Gasthof unweit von Frankfurt und damit halbwegs zentral gelegen war, kamen wir dort zusammen.

Waren Sie sich der historischen Tragweite dieser Versammlung bewusst? Immerhin fehlten etliche Prominente, die bald eine große Rolle spielen sollten, wie Bernhard Grzimek oder Herbert Gruhl. Richtig, diese Persönlichkeiten standen hinter uns, haben aber mühsame Details wie die Finanzierung des neuen Verbandes oder Satzungsfragen gerne anderen überlassen. Die Tragweite dieser Gründungsversammlung habe ich damals noch nicht abgesehen. Ich war einfach fest überzeugt, dass ein Verband wie der BUND dringend gebraucht wird.

Severin Zillich

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Redaktion:

BUND Naturschutz, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Luise Frank Gestaltung: JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter Stand: Dez. 2025

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Bilder: gettyimages, fotolia, istockphoto, Peter Roggenthin, photografic berlin, privat, Alfred Dill, Michael Schwettmann, Puder, Frank Mueller, Simone M. Neumann

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