November 2016 / Nr. 100 | 3,50 Euro
RUDOLF KLAFFENBÖCK
Bedrückendes Kopfkino
BLAUER BOCK
In der Gerüchteküche
Ausgabe 100
ZEITSPRUNG 4 192303 803504
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Passau vor 100 Jahren
KAPFINGER-AREAL
Gefährlicher Kindergarten
MEINUNGEN
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Passauer Freie Presse
IMPRESSUM Zum CSU-Generalsekretär: "Will er es sich mit allen verscherzen?"
Scheuer spielt den "Bad Guy" 99
Oktober | 2016
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Nr. 99 3 Euro
Passauer Freie Presse
DER FALL YUSUF
Photo: Tobias Köhler
Zwischen Güte und Gesetz
Elektroautos Leise Kraftpakete
Schrebergarten Tödlicher Kampf
Bierschau Echtes Erlebnis Lesen, was die Stadt bewegt! | www.buergerblick.de
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Bürgerblick Oktober 2016 | Nr. 99
Die menschenverachtenden und rassistischen Äußerungen, die Scheuer ausstößt, sind völlig verantwortungslos. Klar ist deshalb auch: Seehofer muss Andreas Scheuer als Generalsekretär entlassen. Ebenso klar ist aber auch: Er wird es nicht tun. Weil Scheuer im Auftrag Seehofers handelt, der an der Spitze dieser extrem hierarchischen Partei steht. Die CSU-Spitze verteilt ihre Rollen sehr bewusst. Scheuer spielt den "Bad Guy", bricht immer wieder – wie auch bei der AfD Tabus. Die "Good Guys" haben dann die Aufgabe zu relativieren oder ein bisschen zurückzurudern. Der Tabubruch bleibt aber, soll bleiben. Scheuer spricht also nicht nur für sich, wenn er in unerträglicher Weise gegen Flüchtlinge die Stimmung anheizt. Er spricht für die gesamte CSU-Spitze. Weder Seehofer noch Söder, noch Herrmann oder Kreuzer werden sich von ihm distanzieren, weil er seinen Teil ihres ebenso eiskalt kalkulierten wie infamen Doppelspiels perfekt erfüllt. Deshalb ist es wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger von Passau geschlossen und klar jenen Leitkult-Predigern Scheuer´scher Prägung entgegen treten, denen, die Ressentiments gegen alles Unbekannte, alles Fremde schüren. Ob Bayern gut funktioniert, das hängt alleine vom Verhalten jedes Einzelnen ab und nicht von seiner Herkunft! Unsere Werte spiegeln sich wider in den Werten unserer Verfassung, des Grundgesetzes: gegenseitiger Respekt, unantastbare Würde des Menschen, Ermöglichen von Vielfalt, wie in Bayern schon seit jeher vielfältige Traditionen gleichwertig nebeneinander stehen.
Herausgeber Hubert Jakob Denk
BILDER DES MONATS
Kapuzinerstr. 19 94032 Passau Telefon 0851 93 46 800 Fax 0851 93 46 801 www.buergerblick.de info@buergerblick.de
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Redaktion Hubert Jakob Denk (V.i.S.d.P.)
Grafik/Produktion Florian Stern (Berlin) Tomasz Bolik (Katovitz) Tobias Köhler (Passau)
Bürgerblick
November 2016
Druck Druckerei Tutte, Salzweg
TITEL
ZEITSPRUNG
Stadt vor 100 Jahren 32 Die Bauern brachten mit Pferd und Karren ihre
Redaktion Bürgerblick Kapuzinerstraße 19 94032 Passau
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Vertrieb/Sekretariat Telefon 0851 93 46 648 Di. und Mi. 9-12, 13-17 Uhr abo@buergerblick.de IT-Technik Michael Schön (München)
Stadtentwicklung: Gefährlicher Kindergarten Fliegerbombe: Fünf Stunden Ausnahmezustand Innpromenade: Stimmen und Fakten Bodenerosion: Braune Flüsse, verlorene Erde
GESELLSCHAFT
Marketing/ Video Stephan Gauer gauer@buergerblick.de
leserbriefe@buergerblick.de
Danke an unsere Lektorin Elisa Lopatta in Nürnberg.
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Elisa Lopatta (Lektorat) Karl-Heinz Hasenöhrl (Satire) Tobias Mayerhofer (Text) Dominik Kalus (Kultur) Tobias Köhler (Foto) Ingo Zahlheimer (Foto)
Was bewegt Sie? Schreiben Sie uns!
- Fehlanzeige -
LOKALES
Freie Mitarbeiter
Eike Hallitzky Landesvorsitzender Bündnis 90/ Die Grünen
Passauer Freie Presse Fehlerteufel
Kastanienallee: Dunkle Wolken Sprengmeister: Neue Helden Georg Höltl: Starke Persönlichkeit
Waren zum Wochenmarkt am Residenzplatz. Für unsere Geschichte "Passau vor 100 Jahren" hat Grafiker Tomasz Bolik ein altes Foto mit einer aktuellen Aufnahme kombiniert. Ein zufällig entdeckter Stadtführer aus dem Jahr 1908 und das freundliche Team vom Stadtarchiv lieferten die Vorlagen für unsere Zeitreise.
Hans Wimmer: In der Gerüchteküche Konrad Kellermann: Verlagsfronten gewechselt Achim Dilling: Vom Banklehrling zum Kanzler
KULTUR UND FREIZEIT 40 50 52
Kreative Bauern: Ernte im Stadtgebiet Rudolf Klaffenböck: Bedrückendes Kopfkino Ingo Zahlheimer: Nördlich vom Polarkreis
KOMMENTAR UND SATIRE 3 44 66
Editorial: Kein Jubiläumsrausch Karl-Heinz Hasenöhrl: Passauer Tölpel Tatort Netz: Polizei im PR-Einsatz
Bilder des Monats
Dunkle Wolken über der Allee In der Rathaussitzung hatten sie zwei Stunden lang über das Schicksal dieser Uferpromenade diskutiert. Hochwasserschutz bauen und Bäume der naturgeschützten Kastanienallee opfern? Oder lieber die Finger von diesem kleinen Stadterholungsgebiet am Inn lassen? Die Stadträte spürten, dass es hier nicht bloß um ein paar Bäume geht, sondern dass dieses Fleckchen den Passauern eine Herzenangelegenheit ist. Der Oberbürgermeister, wohl die Fördergelder vor Augen, rührte vergeblich die Werbetrommel für Zustimmung. Die Entscheidung wurde vertagt. Der Himmel ließ zur brisanten Debatte theatralisch dunkle Wolken über der Innpromenade aufziehen. Tags darauf der Sturm der Entrüstung im Netz: 2.100 Passauer haben eine Petition für den Erhalt der Allee unterschrieben. S. 17. FOTO | TOBIAS KÖHLER
Nr. 100
Reisereport Skandinavien
Stilles land Photos: Ingo Zahlheimer
Der Jakobsweg ist verglichen mit den Pfaden der skandinavischen Nationalparks eine ruhelose Rennbahn. Der Passauer Naturfotograf Ingo Zahlheimer hat diesen Sommer die menschenleeren Weiten im Norden Europas besucht. Hier die ErstverĂśffentlichung seiner besten Bilder. Der Sonnenuntergang spiegelt sich in einem TĂźmpel mit glasklarem Wasser: Moor- und Seenlandschaft im Norden Finnlands.
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BĂźrgerblick
Bären im moor
Reisereport Skandinavien
LAPPLAND
POLARKREIS
SCHWEDEN FINNLAND NORWEGEN
DEUTSCHLAND OBEN: Ingo Zahlheimer in einer Beobachtungshütte für Bären. UNTEN: Mit diesem VW-Bus, Baujahr 1993, fuhr er 10.000 Kilometer.
Das Ziel das Passauer Naturfotorgrafen war Lappland, die Gebiete nördlich des Polarkreises.
D
en wohl ergreifendsten Moment seiner Reise hätte Ingo Zahlheimer beinahe verpasst. Er war in seinem alten VW-Campingbus beim Zähneputzen, wollte zu Bett gehen, da klopfte es an der Scheibe: „Schnell, das müsst ihr sehen!“ Der Priester, der in der menschenleeren Gegend für ein paar Tage zum Weggefährten geworden war, holte den Passauer hinaus in die kalte Mitternacht, um ihm ein spektakuläres Himmel-
sereignis zu zeigen: Polarlichter von ungewöhnlicher Kraft. „Musik des Himmels“ nennen die skandinavischen Rentierhüter die grünen, tanzenden Lichter. Sie verpasste der nachtschwarzen Landschaft am finnischen Inarisee eine mystische Aura. 2.000 Kilometer weiter westlich schaltete in dieser Nacht Reykjavik, Islands Hauptstadt, seine Straßenlaternen aus, damit die Bürger die Lichtspiele besser sehen können. Die Himmelsmusik 54
spielte fast zwei Stunden lang. Am Inarisee knoteten die beiden ihre Hängematten zwischen die Bäume, schwiegen und staunten. „Atemberaubende Landschaft so weit das Auge reicht: nur Moore, Wälder und Seen. Man teilt sich den Schlafplatz mit Bären, Wölfen, Elchen, Luchsen und anderen Tieren, die bei uns schon ausgerottet wurden“, fasste Ingo Zahlheimer für seine Freunde im Netz in wenigen Worten zusammen, wie er Lappland,
An der finnisch-russischen Grenze: Ein Braunbär streift durchs Heidekraut einer Moorlandschaft.
das Ziel seiner Reise erlebte. Mitte August war der Passauer Naturfotograf, der zum freien Team dieses Magazins gehört, erneut ins Abenteuer aufgebrochen. Er hatte sich einen alten VW-Bus gekauft, wetterfeste Bekleidung eingepackt und ausreichend Akkus für Fotoapparat sowie Flugkamera. Als 17-jähriger Gymnasiast hat er sich 2014 mit einer Aufnahme vom Nationalpark „Bayerischer Wald“ in London den Titel „Wildlife Photo-
grapher of the Year“ geholt. Diesen Sommer erkundete er die Wildnis nördlich des Polarkreises, es ist das Siedlungsgebiet der Samen, dem Volk der Rentierhüter. 2 Einwohner leben hier statistisch pro Quadratkilometer, außerhalb der Städte faktisch 0. Er begegnet dem Priester, der auf der Suche nach einem Pilgerweg fernab der Menschen und deren Nöten die Stille Skandinaviens zu schätzen gelernt hat. Zahlheimer hat Geräusche ver-
nommen, die er nie vergessen wird: Das Schmatzen der Erde, wenn Braunbären mit ihren großen Tatzen durchs Moor stapfen. Währenddessen saß er allein in einem Holzverschlag, am Ausguck sein Teleobjektiv in Anschlag gebracht. Braunbären sind am häufigsten im Nordosten Finnlands anzutreffen, nahe der russischen Grenze. Geschäftstüchtige Finnen haben dort für Fotojäger kleine Beobachtungshütten eingerichtet. Sie sind
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Bürgerblick