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B端ndner

Wald

Jahrgang 69 | April 2016

Willkommen im Herzen Europas

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Inhalt

Willkommen im Herzen Europas Editorial.................................................. 4

Comic Theo & Heinz.................................. 63

Ün cordial bainvgnü in Val Müstair!............. 5

Protokoll der 11. Generalversammlung

Willkommen in der UNESCO-Biosfera

Graubünden Wald..................................... 65

Val Müstair – Parc Naziunal......................... 6

Programm der Versammlung

Das Forstrevier Val Müstair.......................... 8

vom 27. und 28. Mai 2016......................... 70

Rutschungen und Murgänge

Jahresbericht 2015 des Vorstands

im Val Müstair........................................... 11

von Graubünden Wald.............................. 72

Handwerk im Val Müstair –

Holen Sie sich den

vier Elemente «jauers».............................. 16

«Bündner Wald» ins Haus......................... 79

Die ArvenArche Val Müstair....................... 18

Erläuterungen des Kassiers

Wild und Jagd im Val Müstair.................... 21

zur Jahresrechnung und Bilanz 2015.......... 80

Proget pel mantegnimaint

33. Skipostenlauf auf Grüsch-Danusa......... 83

da l’av nair in Val Müstair.......................... 25

Positionspapier zum Einfluss des Schalenwilds

Ein kurzer Einblick in die Geschichte

auf die Waldverjüngung............................ 86

des Val Müstair......................................... 28

15. Bündner Holzhauereimeisterschaft

Nicht ohne Holz – der erste Weltkrieg auf dem

am 1. / 2. Juli 2016 in Arosa........................ 93

Pass Umbrail............................................. 31

ARGE-TAGUNG 9. / 10. Juni 2016.............. 94

Flurbewässerung im Val Müstair................ 35

Vorschau «Bündner Wald» Juni 2016......... 95

GEO-Tag, Artenvielfalt in der UNESCO Biosfera – Parc Naziunal............................ 39 Erzwespen – Artenvielfalt im Dunkeln........ 40

Titelbild:

Schmetterlingsfauna des Val Müstair.......... 44

Blick aus südöstlicher Richtung auf den oberen Teil

Orchideenwelt – im Val Müstair................. 48

des Val Müstair. (Bild: Livio Conrad)

Auf Tuchfühlung mit Moosen im Val Müstair........................................... 54

Bild Inhaltsverzeichnis:

Von Zug- und anderen Vögeln

Blick zur Sonnenterrasse Lü, der Piz Chavalatsch im

im Val Müstair........................................... 57

Hintergrund ist der östlichste Punkt der Schweiz.

Viel länger hier als wir!.............................. 60

(Bild: Jörg Clavadetscher) Bündner Wald 2/2016 3

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Editorial Willkommen im Herzen Europas! Zugegeben, der diesjährige Tagungsort liegt nicht ganz im Zentrum des Kantons Grau­ bünden oder gar der Schweiz. Im Val Müs­ tair befindet sich der östlichste Punkt der Schweiz und somit findet die Generalver­ sammlung 2016 genau am Anfang der Schweiz statt. Dieser Anfang der Schweiz liegt bekanntlich recht zentral, wenn man dies etwas internationaler, europäischer halt, betrachtet. Beispiele gefällig? Mit dem Auto benötigt man vom Val Müstair aus ca. vier Stunden nach Zürich oder Venedig und ca. drei Stunden nach München. Mit dem ÖV sind wir nach ebenfalls etwa vier Stunden am HB in Zürich, wenig länger dauert die Reise mit dem ÖV nach München, Mailand oder Venedig. Die nächsten Flughäfen mit internationaler Anbindung sind in Innsbruck und Bozen und auch innerhalb von zwei Stunden erreichbar. Und hier, was haben wir denn eigentlich hier im Val Müstair? Nun, wir haben hier wohl so ziemlich genau das Gegenteil der obge­ nannten Metropolen zu bieten. Ruhe, Na­ tur, Kulturelles und anderes mehr, was die Lebensqualität massgeblich und den Erho­ lungseffekt nachhaltig positiv beeinflusst. So haben wir zum Beispiel ein Seitental, das Val Mora, welches in renommierten Bike­ magazinen in höchsten Tönen als Bike-Eldo­ rado gelobt wird. Doch auch abgesehen vom Val Mora findet hier (fast) jeder Biker eine passende Strecke. Das über 1200 Jahre alte Kloster Son Jon in Müstair wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet und ist ebenfalls etwas Einzigartiges. Jährlich zieht das Kloster Son Jon etwa 50 000 bis 60 000 Besucher ins Val Müstair. Die teils noch gut erhaltene und reichhaltige Kultur­ landschaft bietet manch seltenen Lebewesen einen Lebensraum. Und zu guter Letzt wur­ de das Val Müstair zusammen mit dem

Schweizerischen Nationalpark und dem Val S-charl als UNESCO-Biosphärenreservat an­ erkannt. Letztendlich kann mit Bestimmtheit gesagt werden, dass es hier, eben am Anfang der Schweiz, absolut lebenswert ist. (Dies hat sich offenbar auch in Bärenkreisen herumge­ sprochen, denn Vertreter dieser pelzigen Spezies besuchen das Val Müstair regelmäs­ sig.) Auch klimatisch bietet das Tal recht unter­ schiedliche Lagen und man kann je nach sei­ nen eigenen Vorzügen den idealen Standort finden. Während in den tieferen Lagen der Talsohle an geschützten Ecken dank der warmen Oktobersonne süsse Trauben rei­ fen, kann auf der Sonnenterrasse von Lü ein relativ langer Winter und der ausgeprägte Bergfrühling genossen werden. Die warmen Sonnenhänge laden immer wieder zu Früh­ lings- und Herbstwanderungen ein und un­ terscheiden sich mit ihrem trockenen Klima stark von den schattigen Lagen auf der oro­ grafisch rechten Talseite. Vor allem sind es aber die sonnigen Flanken, welche für selte­ ne Gräser, Falter, Reptilien und Skorpione noch immer geeignete Standorte und Le­ bensräume bieten. Auch im Wald können markante Seltenheiten gefunden werden. So findet man beispielsweise oberhalb Tschierv stattliche Exemplare der Engadiner Waldföhre. Verschiedene Bestände bieten auch dem Auerwild Unterschlupf und Le­ bensraum. Mit etwas Glück kann während der Balz das eine oder andere Exemplar die­ ses wunderbaren Waldvogels beobachtet werden. Jörg Clavadetscher, Redaktor Bündner Wald Ruinas, CH-7535 Valchava forestal-muestair@bluewin.ch

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Ün cordial bainvgnü in Val Müstair! Id es per mai ün’onur ed ün grond plaschair cha la società God Grischun salva quist’on sia radunanza generala in Val Müstair. Ch’Ellas/ ch’Els sajan cordialmaing bainvgnüts illa val­ lada da la Biosfera, sco eir illa vallada da la renomnada clostra benedictina Son Jon, chi’d es gnüda admissa l’on 1983 davart da l’UNESCO illa glista da la ierta culturala mundiala. L’on 2008 han ils ses cumüns da la Val Müstair decis la fusiun, chi’d es entrada in vigur legala als 1. schner 2009. Il cumün da Val Müstair as cumpuona da las fracziuns Fuldera, Lü, Müstair, Sta. Maria, Tschierv e Valchava. Sco la gronda part da las regiuns muntagnardas vivan eir ils Jauers in prüma lingia dal turissem. Sco parc da natüra Bio­ sfera spordscha la Val Müstair al giast nume­ rusas pussibiltats per as recrear dürant tuot l’on. Nus chattain quia üna bella e vasta rait da sendas da chaminar, numerusas rutas da bike, bellas loipas da passlung, il pitschen, però squisit territori da skis Minschuns, e. o. pl. Natüralmaing cha nos god giova eir üna gronda rolla sco lö da recreaziun pel turissem, però el ha eir otras funcziuns fich importantas. Da la surfatscha cumünala totala da 20 000 ha sun 26 % surfatscha da god. Da quella accumplischan radond 33 % funcziuns da protecziun per aglomeraziuns, per vias da colliaziun e vias chantunalas. Nos god cun seis numerus progets forestals es eir ün important patrun da lavur pella gruppa forestala e per diversas impraisas privatas ed es cun quai ün important motor pell’economia cumünala. Nos uffizi forestal vegn manà in möd fich professiunal. Grazcha a quel fat han pudü absolver dürant ils ultims ons divers giarsuns bos-cher lur giarsunadi cun success, quai chi’d es fich important per üna cuntinuità cun success illas gestiuns fore­ stalas. Jau Tillas / Tils giavüsch üna buna radunanza ed üna bella dmura in Val Müstair!

Es ist mir eine Ehre und grosse Freude, dass der Verein Graubünden Wald seine Jahres­ versammlung 2016 im Val Müstair abhält. Ich heisse Sie im Tal der Biosfera sowie im Tal des weltberühmten Benediktinerinnenklos­ ters St. Johann, welches im Jahre 1983 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde, herzlich willkommen. Im Jahre 2008 haben die sechs Gemeinden des Tals zu einer Gemeinde fusioniert, die am 1. Januar 2009 in Rechtskraft erwachsen ist. Die Münstertaler (Jauers) leben hauptsäch­ lich vom Tourismus. Als regionaler Naturpark bietet die Biosfera Val Müstair zahlreiche Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten. Der Wald spielt als Erholungsraum eine wichtige Rolle und erfüllt noch andere wichtige Funk­ tionen. Die Gesamtfläche der Gemeinde Val Müstair beträgt 20 000 ha, wovon 26 %   der Waldfläche erfüllen Wald sind. 33% wichtige Schutzfunktionen. Der Wald bietet Arbeitsplätze für die Forstgruppe und für verschiedene private Unternehmen. Mit sei­ nen Forstprojekten stellt er einen wichtigen Motor für die Wirtschaft des Tals dar. Unser Forstamt wird sehr professionell geführt. In den letzten Jahren konnten hier einige junge Lernende ihre Forstwartlehre mit Erfolg ab­ schliessen, was für eine positive Entwicklung in den Forstbetrieben sehr wichtig ist. Ich wünsche Ihnen eine gelungene Ver­ sammlung und einen schönen Aufenthalt im Val Müstair!

Arno Lamprecht President cumünal CdVM CH-7534 Lü arno.lamprecht@cdvm.ch

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Willkommen in der UNESCO-Biosfera Val Müstair – Parc Naziunal Geniessen Sie unberührte Landschaften, Wildnis, Ruhe und Sonne pur und erleben Sie ein vielfältiges Erholungs- und Sport­ angebot in einer einzigartigen Naturlandschaft von nationaler Bedeutung. An der Grenze zum Südtirol gelegen, bildet unser Val Müstair gemeinsam mit dem Schweizerischen Nationalpark das einzige romanischsprachige UNESCO-Biosphären­ reservat der Welt. Voraussetzung dafür sind einerseits die einzigartige und reiche Naturlandschaft und andererseits die Bewohner, die mit ihrem Bekenntnis zu einer nachhaltigen Entwicklung dieser rund 450 km² grossen Bergregion, dem Leben und der Kultur in dieser wunderschönen Landschaft ihren Charakter geben. Vom Talgrund mit dem Rombach, einem der letzten unverbauten Wildflüsse der Schweiz, bis hinauf zu den höchsten Gipfeln findet man eine beeindruckende Biodiversität, die ihresgleichen sucht. Nicht nur Steinbock, Hirsch und Bartgeier fühlen sich hier wohl, auch den Bären verschlägt es zeitweise in Blick auf Sta. Maria, Val Müstair, im Hintergrund Piz Daint und Piz Dora. (Bild: © www.bilder.gr)

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die einsamen Täler der Region. Eine Naturund Kulturlandschaft mit aussergewöhnlichem Charakter – blühende Hangwiesen im Sommer, golden leuchtende Lärchenwälder im Herbst und märchenhaft verschneite Arvenwälder im Winter. Neben dem gut ausgebauten Wander- und Bikeangebot zeichnet sich unsere Region auch durch einige ganz besondere touristische Sehenswürdigkeiten aus – das seit 1983 zum UNESCOWelterbe zählende Kloster St.  Johann in ­Mü­stair, die Handweberei Manufactura Tessanda in Sta. Maria, die typischen Bündner Dörfer mit den herrlichen Fassadenbemalungen und die auch heute noch sehr lebendige romanische Sprache und Kultur. Dieses ausgewogene Zusammenspiel von Ökologie und Ökonomie ist aber nicht selbstverständlich. Im Gegenteil; es soll die Lebensgrundlage für die einheimische Bevölkerung garantieren und langfristig Bestand haben. Daher ist die Nachhaltigkeit in der UNESCO-Biosfera Val Müstair – Parc Naziunal fest verankert. 80 Prozent der lokalen Landwirte im Val Müstair produzieren beispielsweise rein biologisch. Auf Basis der regionalen Erzeuger und der handwerklichen Traditionen werden in enger Zusammenarbeit mit den Einwohnern und den unterschiedlichen Interessengruppen im Tal, aber auch über Grenzen hinweg mit unseren Nachbarn in Tirol, im Vinschgau und der Lombardei die regionale Wertschöpfungskette gestärkt und neue Angebote im Bereich des naturnahen Tourismus geschaffen. Davon profitieren die einheimische Bevöl­ kerung wie auch unsere Gäste. Lokale Arbeitsplätze können gesichert werden und die Qualität der lokalen Erzeugnisse gestärkt und weiterhin garantiert werden – ganz im Sinne des Leitbilds unseres UNESCO-Biosphärenreservates und unserer Partnerbetriebe.

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Was ist ein Naturpark von nationaler Bedeutung bzw. ein UNESCO-Biosphärenreservat? UNESCO-Biosphärenreservate sind Gebiete, die im Rahmen des UNESCO-Programmes «Der Mensch und die Biosphäre» (MAB) anerkannt sind. Das MAB-Programm ist ein weltweites interdisziplinäres Forschungs- und Ausbildungsprogramm der UNESCO. Das Konzept der Biosphärenreservate betrifft eine der wichtigsten Fragen, denen die Welt heute gegenübersteht: Wie können wir den Schutz der biologischen Vielfalt, das Streben nach wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung und die Erhaltung kultureller Werte miteinander versöhnen? Im März 1995 organisierte die UNESCO in Sevilla/ Spanien eine internationale Expertenkonferenz. Die dort ausgearbeitete Sevilla-Strategie empfiehlt konkrete Schritte für die weitere Entwicklung der Biosphärenreservate im 21. Jahrhundert. Biosphärenreservate sind ähnlich ausgerichtet wie Naturpärke, unterscheiden sich aber einerseits durch eine Zonierung (Kern-, Pflege- und Entwicklungszone) und haben andererseits einen inhaltlichen Schwerpunkt in der Forschung sowie in der Sensibilisierung und der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Die Zonierung wird anhand der naturräumlichen Voraussetzungen und der Intensität der menschlichen Aktivitäten definiert und soll den verschiedenen Ansprüchen der nachhaltigen Entwicklung räumlich ein unterschiedliches Gewicht geben. In der UNESCO-Biosfera Val Müstair – Parc Naziunal bilden die Flächen des Schweizerischen Nationalparks die Kernzone. Hier ist die menschliche Nutzung ausgeschlossen. Der Naturpark Biosfera Val Müstair bildet die Pflege- und Entwicklungszone, wo die bisherigen Nutzungen beibehalten werden können und eine nachhaltige Ausrichtung angestrebt wird. Künftig stellt auch die Gemeinde Scuol einen Teil ihrer wertvollen Naturräume für die Erweiterung der Pflegezone zur Verfügung. Weitere Infos unter: www.bafu.admin.ch/landschaft

Wie profitieren Wald und Holz von der UNESCO-Biosfera Val Müstair – Parc Naziunal? Die Biosfera arbeitet seit Jahren eng mit dem Forstdienst zusammen. Verschiedene Aufwertungsmassnahmen und Gruppeneinsätze konnten gemeinsam umgesetzt und somit Synergien für beide Seiten genutzt werden. In der Umweltbildung und der Öffentlichkeitsarbeit ist das Ökosystem Wald ein fester Bestandteil, um dem Gast wie auch der einheimischen Bevölkerung die zahlreichen Funktionen, aber auch Herausforderungen für den Wald stärker bewusst zu machen. In der kommenden Programmperiode 2016– 2019 arbeitet die Biosfera mit dem Forst-

dienst und der Wildhut eng zusammen. So sind z. B. konkrete Projekte zur Pflege des Auerwilds, der Optimierung von ökologischen Infrastrukturen in Wald und Landschaft wie auch zur Stärkung der regionalen Wertschöpfungsketten im Bereich Holz und Handwerk vorgesehen.

Ulf Zimmermann Geschäftsleiter Biosfera Val Müstair CH-7532 Tschierv ulf.zimmermann@biosfera.ch

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Das Forstrevier Val Müstair Der Forstbetrieb Val Müstair wurde nach der Fusion der sechs im Val Müstair liegenden Gemeinden im Jahr 2009 gegründet. Vor der Gemeindefusion existierten die drei Re­viere Fuldera-Lü-Tschierv (Terzal d’aint), Sta. Maria-Valchava (Terzal d’immez) und Müstair (Terzal d’ora), die teilweise zusammengeschlossen waren. Eckdaten zum Forstrevier Val Müstair Produktive Waldfläche 5480 ha Vorrat   190  Tfm / ha Zuwachs (max.)    4 m3 / ha Jährlicher Hiebsatz

6725  Tfm / Jahr

Das Val Müstair verfügt über eine produkti­ ve Waldfläche von 5480 ha, was rund 26 % der Gesamtfläche entspricht. Mit rund 1550 Einwohnern (Stand 2012) entspricht das ei­ ner durchschnittlichen Waldfläche pro Kopf von rund 3,5 ha. Dieser Wert ist mit den waldreichsten Gegenden Europas vergleich­ bar. Von der produktiven Waldfläche sind 5098 ha (93 %) im Besitz der Gemeinde Val Müstair. Die restliche Waldfläche teilt sich auf das Kloster St. Johann, die Gemeinde Taufers (Südtirol) und insgesamt 44 Privat­ waldbesitzer auf. Je nach Höhenlage, Ex­ position und Lage unterscheidet sich die ­Zusammensetzung des Waldes stark. Wäh­ rend auf der Schattenseite die Fichte domi­ niert, kommen auf der sonnigen Seite des Val Müstair vermehrt trockenheitsresistente Baumarten vor. In diesen Gegenden über­ wiegt vor allem die Lärche, welche auf besonders stark exponierten Lagen Rein­ ­ bestände zu bilden vermag. Da das Val Müs­ tair über ein sehr mildes und regen­ armes ma verfügt (durchschnittliche Jahresnie­ Kli­ derschlagsmenge ca. 800 mm), ist die Ver­ jüngungseinleitung auf diesen Extrem­stand­

orten besonders schwierig. Eine hohe Wild­dichte (Wintereinstandsgebiet) sowie eine starke Konkurrenzvegetation (Vergrasung) wirken sich zusätzlich negativ auf die Ver­ jüngung aus. Zufriedenstellende Resultate können nur mit einem relativ starken Öffnen der Bestände, gefolgt von Einzäunung und Aufforstung mit anschliessender Bewässe­ rung erreicht werden. Diese aufwendigen und teuren Massnahmen sind von grosser Bedeutung, damit die Schutzfunktion dieser teils stark überalterten Bestände langfristig garantiert werden kann. Die Bergföhre ist im Val Müstair eher selten anzutreffen, wobei sie vom Ofenpassgebiet bis nach Tschierv und im Val Mora bestandesbildend ist. Die Waldföhre kommt meist nur vereinzelt vor. Gegenüber den Hauptbaumarten kann sich die Waldföhre grossflächig nur auf der oro­ grafisch linken Seite von Tschierv (Uad da Munt) durchsetzen. In diesem Fall handelt es sich um eine Unterart der im Unterenga­ din heimischen Engadiner Waldföhre. Die Waldgrenze des Val Müstair bildet ein Lär­ chen- und Arvenwaldgürtel, welcher sich bis auf eine Höhe von 2300 Metern erstreckt. Auf dem Talboden wachsen entlang den Flüssen und Bächen schützenswerte Auen­ wälder aus Erlen, Weiden und anderen Laubbaumarten. Lärchenweidewälder sind im gesamten Val Müstair anzutreffen und werden bereits seit Jahrhunderten in dieser Form bewirtschaftet. Der Forstbetrieb Val Baumartenzusammensetzung Fichte 48% Lärche 32% Arve 10% Berg- und Legföhre   8% Waldföhre  1% Laubholz  1%

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Ausgedehnte Waldflächen der Gemeinde Val Müstair und des Klosters St. Johann mit Blick in Richtung Val Mora. (Bild: Adrian Conrad)

Müstair möchte diese alte Bewirtschaftungsart auch für zukünftige Generationen erhalten. Seit 2005 ist die Waldfläche der Gemeinde Val Müstair sowie des Klosters St. Johann FSC-zertifiziert. Mit einem mittleren Vorrat Tfm  /  ha und einem maximalen von 190  ­Zuwachs von 4 m3 / ha / Jahr entspricht der jährliche Hiebsatz rund 6725 Tfm. Ein grosser Teil des durch die Waldpflege anfal­ lenden Nutzholzes wird ins benachbarte Südtirol verkauft. Wenn immer möglich ­ wird versucht, den Wünschen der einheimischen Holzwirtschaft gerecht zu werden. Arvennutzholz findet beispielsweise bereits seit Jahrzehnten grossen Absatz bei hei­ mischen Schreinereien. Seit einigen Jahren produziert der Forstbetrieb auch Mond­ holz, welches im Holzbau vermehrt Verwendung findet.

Der Forstbetrieb Val Müstair wird seit 2015 durch Livio Conrad als Betriebsleiter geführt. Dem Betriebsleiter obliegen vor allem die Erarbeitung und Bauleitung von Projekten, die Vermarktung von Rundholz sowie die stra­ tegische Leitung des Betriebs. Die weiteren operativen Tätigkeiten werden zwischen den zwei Revierförstern Flurin Bott und Jörg Clavadetscher aufgeteilt. Für die waldbaulichen Massnahmen ist jeder Förster in einem Teilgebiet des Reviers zuständig. Spezielle Aufgaben werden von je einem Förster über das gesamte Revier wahrgenommen. Dazu zählen die Forst-BAR, Lehrlingsausbildung, Koordination der Arbeitsplanung und Arbeit für Dritte. Um alle Aufgaben zu bewältigen, beschäftigt der Forstbetrieb Val Müstair einen Vorarbeiter, fünf Forstwarte (davon ein Saisonnier), vier Waldarbeiter sowie zwei ­ Lehrlinge. Die Lehrlingsausbildung hat in unBündner Wald 2/2016 9

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Forwarder-Vorführung beim Waldtag 2006. (Bild: Flurin Bott)

serem Forstbetrieb einen hohen Stellenwert. Es wird versucht, alle zwei Jahre einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen. Zu den Kerngeschäften gehört die Holzernte und Holzbringung. Diese werden mit den betriebseigenen Maschinen (zwei konventionelle Seilkräne) und in enger Zusammenarbeit mit modern eingerichteten Forstunternehmen ausgeführt. In den Holzschlägen wird sowohl das motormanuelle, wie auch das teilmechanisierte Verfahren mit einem Schreitbagger-Harvester angewandt. Verschiedene Bauarbeiten gehören ebenfalls zu den Tätigkeitsbereichen des Forstbetriebs. Der Betrieb konnte sich dadurch ein grosses Fachwissen bezüglich Grün- und Hangverbau sowie Waldstrassenbau aneignen. Diese Arbeiten werden ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit einheimischen Unternehmen ausgeführt. Im Forstwerkhof werden Brennholz, Tische, Bänke, Querabschläge, Ent­ wässerungskanäle und andere Holzprodukte hergestellt. Diese Arbeiten werden falls mög-

lich für die Überbrückung von Schlechtwettertagen aufgespart. Das Forstrevier unterhält ca. 60 km Alp- und Meliorationsstrassen, 63 km Waldstrassen und ca. 300 km Wan­ derwege. Mit dem Bauamt wird eng zu­ sammengearbeitet. Trotz klar getrennten Arbeitsgruppen werden je nach Bedarf Angestellte und Maschinen zwischen den Gemeindebetrieben ausgetauscht. So werden beispielsweise Waldarbeiter für die Schneeräumung eingesetzt. Für die Unterhaltung der Sport- und Gemeindeinfrastruktur ist die Unterstützung durch den Forstbetrieb ebenfalls willkommen. Öffentlichkeitsarbeit wird hauptsächlich im Rahmen des jährlichen Waldtages durch Waldführungen mit verschiedenen Schulklassen betrieben. Die Information und Sensibilisierung der einheimischen Bevölkerung in Bezug auf Natur- und Waldthemen ist sehr wichtig. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Schulung von Kindern und Jugendlichen gelegt. Mit der Geschäftsführung des regionalen Naturparks Biosfera Val Müstair wird ein enger Kontakt gepflegt. Der Forstbetrieb unterstützt die Leitung und Ausführung von verschiedenen Teilprojekten der Biosfera Val Müstair. Zusammenfassend ist der Forstbetrieb Val Müstair breit aufgestellt. Nebst den klassischen Tätigkeiten eines Forstbetriebs werden auch verschiedenste kommunale Aufgaben und Arbeiten im Natur- und Landschaftsschutz abgedeckt.

Livio Conrad Revier forestal Val Müstair Ruinas, CH-7535 Valchava livio.conrad@cdvm.ch

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Rutschungen und Murgänge im Val Müstair Die periodischen Murgangereignisse der 13 ausgesprochenen Wildbäche des Val Müs­ tair suchen die Dörfer seit der Besiedlung der Talschaft immer wieder heim. Die Aus­ führung und Instandhaltung von Schutzbau­ ten sind Daueraufgaben. Prozessbeurteilun­ gen sind unabdingbare Grundlagen für alle Verbaumassnahmen von Murgang- und Rutschungsgebieten. Beurteilungs­schemas volle für Bach- und Hangverbau sind wert­ Hilfsmittel für den Entscheid Massnahme ja oder nein, für die Festlegung von Massnah­ mensystemen und Verbautypen. Einleitung Die Natur wird heute fast überall stark von menschlichen Einflüssen beeinflusst und reguliert. Dabei versucht der Mensch die ­ Natur im Gleichgewicht und das, was ihm wichtig erscheint, konstant zu halten. Diese ausgleichenden und regulierenden Einflüsse stehen in krassem Gegensatz zur Dynamik, die in der Natur herrscht: Überschwem­ mungen, Murgänge, Lawinen, S­ turzprozesse und Rutschungen gefährden Personen und Sachwerte. In früheren Jahrhunderten muss­ ten sich die Menschen gegen die ­Naturkräfte wehren, wenn sie überleben wollten. Dabei standen ihre beschränkten technischen Mit­ tel in einem gewissen Gleichgewicht mit den Kräften der Natur. Culmann schrieb in sei­ nem «Bericht an den hohen schweizerischen Bundesrath» 1864 über das Val Müstair: «Das Thal gehört zu den Gegenden, welche von Wildbächen am schwersten heimge­ sucht sind, wo die Bewohner gerne etwas thun würden, um sich zu helfen, allein aus Mangel an Rath und Anleitung nicht wissen, wie es anzufangen, indem bei der abgelege­ nen Lage des Thales selten Ingenieure und Forstleute es besuchen.» Die Naturkata­ strophen bewirkten, dass Wildbachverbau­ ungen realisiert, Hänge entwässert, mit

Stütz­ bauwerken und Grünverbaumassnah­ men stabilisiert und Massnahmen der Raumund Notfallplanung umgesetzt wurden. Die Probleme wurden in der Regel objektbezo­ gen mit immer bes­seren technischen Mitteln gelöst. Und plötzlich zeigte sich, dass einzel­ ne Bauwerke u ­ nerwünschte «Hypotheken» für uns und kommende Generationen dar­ stellen: Rohrsysteme, die bei Unwettern in labilen Zonen abscheren, sodass das Wasser von Entwässerungen konzentriert ins ge­ fährdete Gebiet abfliessen kann; gebro­ chene Betonmauern mit grossem Rückhalte­ volumen, die bei Murgangereignissen die Intensität des Gefahrenprozesses erhöhen; Siedlungsgebiete mit überbauten ehemali­ gen Gewässern und ohne Platz für offene Gerinne werden immer öfter von Ereignissen betroffen. Mit dem zunehmend besseren Verständnis der Naturgefahren entwickelte sich die Einsicht, dass diese umfassend ana­ lysiert und bewertet werden müssen. Die umfangreichen Erfahrungen konnten an­ lässlich der AWN-internen Hang-/Bachver­ bautagung 2015 im Val Müstair weitergege­ ben werden. Lage, Geologie und Klima (aus Charta Biosfera Val Müstair März 2011) Das Val Müstair verbindet das Engadin mit dem Südtirol. Das West-Ost-Tal senkt sich stufenweise von der Ofenpasshöhe (2149 m ü. M.) über Tschierv und Fuldera, dann über Valchava und Sta.  Maria nach Müstair (1247 m ü. M.) und auf italienischem Boden weiter über Taufers nach Glurns hinunter. Der Süden des Val Müstair grenzt sich durch eine Bergkette mit bis zu 3000 m hohen Gip­ feln gegen Italien ab, wobei die Gipfelhöhe nach Osten kontinuierlich etwas abnimmt. Der Piz Chavalatsch, der östlichste Punkt der Schweiz, ist 2763 m hoch. Eine kontinentale Wasserscheide liegt zwischen dem Val Vau Bündner Wald 2/2016 11

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und dem Val Mora. Während der Rom (Einzugsgebiet 130,6 km2) das Val Müstair über die Etsch ins Adriatische Meer entwässert, fliesst das Bächlein Aua da Val Mora (68 km2) via Spöl, Inn und Donau ins Schwarze Meer. In geologischer Hinsicht liegt das Val Müstair im ostalpinen Deckensystem und ist in die altkristalline Scarl-Decke eingelassen. Eine starke Aufsplittung in mehrere K ­ ristallin- und Sedimentspäne sowie ein komplizierter Faltungsablauf mit ungewöhnlichen west- und sogar südgerichteten Überschiebungen machen die Region nicht leicht verständlich. Grosse Pakete der Sedimente sind schiefrig, zermürbt und daher leicht abtragbar. Viele Murgangereignisse mit hoher Periodizität erstaunen daher nicht. Die Seitenbäche des ANZEIGE

Roms führen das Material in die Talsohle und deponieren es in Form von Schuttkegeln. Diese decken den Talboden fast vollständig zu und stellen für die Landwirtschaft günstige Lagen dar. Klimatisch liegt das Val Müstair im Bereich der kontinental geprägten inneralpinen Trockenzone mit leichtem mediterranem Einfluss. Das Klima ist mild und regenarm (durchschnittlich ca. 5,6   °C Jahrestemperamm Jahresniederschläge auf tur und 800  1400 m ü. M.); noch geringer sind die Niederschläge im Alpenraum nur im benachbarten Vinschgau, im mittleren Wallis und im Aostatal. Das Klimaregime begünstigt das Vegetationswachstum im Val Müstair, indem die Höhenstufen gegenüber dem Alpennord- und -südhang deutlich gehoben sind (Waldgrenze auf etwa 2300 m ü. M.; Obst bis 1470, Getreide bis 1900 m ü. M.). Integrales Risikomanagement Dank Gefahrenkarten wissen wir weitgehend, wo unsere Siedlungsgebiete von welchen Naturgefahren besonders bedroht sind. Seit Jahrzehnten werden Schutzbauten erstellt und Schutzwälder gepflegt. Unser Ziel: Wir wollen mit minimalem Aufwand grösstmögliche Sicherheit. Die Massnahmen werden anhand von Gefahrenkarten und ­Risikoanalysen priorisiert. Es verbleiben immer Restrisiken, die von Einsatzkräften im Ereignisfall bewältigt werden müssen. 2015 wurde für das Val Müstair eine Interven­ tionskarte bezüglich der Wassergefahren erarbeitet und für die Sofortmassnahmen ­ nach den Unwetterereignissen vom 7. August 2015 «getestet». Erfahrungen Vallatscha, Sta. Maria Otto Kaiser schrieb im «Bündner Wald» Nr. 5 /1983 über Rüfen und Wildbäche im Münstertal: «Bei der Amtsübergabe 1963

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Vallatscha, Sperrensanierung mit vorbetoniertem

Vallatscha, Einbau von Baumfaschinen in stark

«Kasten» – eine stabile Gerinnesohle ist Basis

bewegtem Gelände; anschliessende Oberflächen-

für das gesamte Geländestabilisierungssystem.

stabilisierung mittels Grünverbau- und Wild-

(Bilder: Hj. Weber)

schutzmassnahmen.

vererbte mir mein Amtsvorgänger Eduard Campell ein ihn stark beschäftigendes Pro­ blem. Er legte mir die ständige Beobachtung der sich zusehends anbahnenden Rüfe Vallatscha sehr ans Herz. Infolge Finanzie­ rungsschwierigkeiten war und wurde die Verbauung der Vallatscha ... immer wieder zurückgestellt.» Im Mai/Juni 1977 erfolgten dann extrem starke Geschiebebewegungen durch Murgänge (20 bis 30 Minuten Inter­ valle), Rutschungen der Seiteneinhänge, ein Geschiebeabtrag von einer halben bis zu ei­ ner Million Kubikmeter Material, die Hebung der Rombachsohle (Vorfluter), Auflandun­ gen in Müstair, Sofortmassnahmen sowohl im Einzugs- als auch im Ablagerungsgebiet. In den Jahren 1978 bis 1980 wurde ein kon­ ventioneller Betonsperrenverbau der Val­ latscha realisiert, die Seitenhänge mit PVCRohrsystemen entwässert und die natürlichen Gewässer mit Rohr­leitungen grossräumig um das Rutschge­biet umgeleitet. Die Pfingstun­ wetter vom 21. bis 23. Mai 1983, eine Kom­ bination aus Schneeschmelze und Dauerre­ gen, führten in der Vallatscha zu neuen Geländerissen, Schäden an den Betonsperren und Wasserableitungsmassnahmen sowie zur Unterbrechung der Erschliessungsstras­ sen. Als Folge dieser Ereignisse haben sich

Trinkwasserquellen der Höfe von Terza 60 bis 100 Höhenmeter talwärts verschoben und konnten nicht mehr genutzt werden. Nach diesem Ereignis haben Wasserbau und ­Forstdienst sämtliche Sanierungs- und Stabi­ lisierungsmassnahmen koordiniert. Im Bach­ verbau kommen in sich stabile Kastenkonst­ ruktionen zum Einsatz. Die Hangstabilisierungen erfolgen mit flexi­ blen Stützbauwerken, mit offenen, flexiblen Wasserableitungssystemen in der Falllinie sowie grossflächigen Grünverbaumassnah­ men. Die Gewässer werden aus den alten Rohr­ systemen zurück in die natürlichen Wasserläufe geführt und falls notwendig stabilisiert. Die Ereignisse vom 7. Mai 1987 sowie vom 17. und 18. Juli 1987 hatten die letzten grossen Geländebrüche und Murgänge bewirkt. Heute vermittelt das ­ ­Einzugsgebiet der Vallatscha mit Investitio­ nen von etwa 10 Mio. Franken ein gutes Gefühl: Bei er­ ­ eignisträchtigen Schnee­ schmelz- und Starkniederschlagssituationen wird die Val­latscha nicht speziell überwacht! Erfahrungen im Val Brüna, Müstair Die Ortsbezeichnung «Plaun Chanals» weist auf eine lange Tradition der gesicherten Was­ serableitung mit Holzkanälen im Ein­ Bündner Wald 2/2016 13

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Val Brüna, zerstörter Stützverbau, zerstörtes Wasserableitungssystem; der starke Bewuchs mit Weiden und Grünerlen vermittelt eine scheinbare Stabilität des Geländes.

zugsgebiet des Val Brüna hin. Die grossen Murgangereignisse in den Jahren 1917 und 1928 mit Aufstau des Roms bedingten umfassende Sanierungen. Nach dem Ereignis 1977 mit grossen Flurschäden und Aufstau des Roms wurden konventionelle Rohrentwässerungen und Betonsperren zur Hangstabilisierung realisiert. Die Pfingstunwetter 1983 zerstörten einen Grossteil der Bauten wieder. Ein Geschiebesammler für 15 000 m3 Material und 29 Sperren wurden neu erstellt, eine 7,2 ha grosse Rutschfläche mit einer mittleren Mächtigkeit von 4 bis 7 m forstlich «stabilisiert». Die Geländebewegungen werden seit 1990 jährlich geodätisch vermessen. Über eine Fläche von etwa 2,5 ha wurde eine mittlere Bewegung talwärts von 0,5 m in der Periode 1990 /1991 sowie von 1,4 m in der Periode 1991/1992 festgestellt. Vermutlich als Folge der Realisierung von Entwässerungsmassnahmen und Aufforstungen haben sich die Bewegungen kurzfristig auf 0,2 m bis 0,5 m pro Jahr verlangsamt. Infolge der doch beträchtlichen jährlichen Rutschungsaktivitäten musste das Entwässerungssystem periodisch immer wieder in-

stand gestellt werden. Bei einem defekten System können lokal unerwünschte Wasserkonzentrationen auftreten, welche sich negativ auf die Stabilität auswirken. Die Tatsache, dass der Winkel der Scherfestigkeit des anstehenden Materials bei 35,7° bis 38,4° liegt und das Val Brüna Hangneigungen bis zu 40° und mehr aufweist, hat aber gezeigt, dass die ausgeführten Massnahmen längerfristig nicht erhalten werden können. Klimatische Situationen wie im November 2000 mit Hangbewegungen bis zu 7, 0 m verursachten so starke Schäden an den Verbau- und Entwässerungsmassnahmen, dass diese heute praktisch ohne Effekt sind. Der Bachverbau, im Grenzbereich von Fels und Lockermaterial erstellt, hält den enormen Belastungen nicht stand. Die gebrochenen Sperren des Val Brüna sind eine grosse Hypothek für das Val Müstair und bedingen erhöhte Überwachungen für das gesamte Rutschgebiet. Massnahmen in der Rutschfläche des Val Brüna, die sich von 1990 bis 2015 im Mittel um einen Meter pro Jahr talwärts bewegt hat, sind heute kein Thema mehr. Fazit Grundlage für alle künftigen Bach- und Hangverbaumassnahmen müssen vorgängige Prozessbeurteilungen sein: Gerinne, Einzugsgebiet, Geologie, Neigungsverhältnisse, Bodenbeschaffenheit, Bodenkennwerte, Schwachstellen, Schutzbauten. Die Nullvariante oder eben keine Massnahme im Einzugsgebiet kann eine valable Variante sein. Hansjörg Weber Forstingenieur ETH Lingia 7 B, CH-7535 Valchava weber.hansjoerg@bluewin.ch

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Handwerk im Val Müstair – vier Elemente «jauers» Das Val Müstair, eines der schönsten Südtäler Graubündens, heute wie früher immer noch gerne ein Durchgangstal für die Reise in den Süden, stellt seit jeher einmalige Handwerksstücke her. Durch den frühen Handel musste der Münstertaler immer noch etwas innovativer sein als andere Bergler. Der speziell blaue Himmel, die wilden Bergbäche, der fruchtbare Boden sowie das einmalige Unesco-Juwel, das Kloster St. Johann, diese Elemente haben das Tal sowie seine Bewohner sehr geprägt. Erde: Bereits in frühen Zeiten wurde das Trachtengewand, für Mann und Frau, hier im Tal in den alten Bauernstuben entworfen und von Hand gewoben. Als die Handweberei entstand, hatten die Frauen und jungen Mädchen endlich einen Ort, um unter men­ schenwürdigen Bedingungen gemeinsam weben zu können. Denn vom Anbau von Flachs bis hin zur Aussteuer, alles wurde durch kunsthandwerkliches Geschick herge­ stellt beziehungsweise gewoben. Gleichzei­ tig wurde, wie an vielen anderen Orten auch, aus dem Wald wertvolles Holz abge­ baut. Der einheimische Schreiner darf heute gemeinsam mit dem Förster seine Lieblings­ bäume aussuchen. Daraus stellen die Hand­ werker bis heute nachhaltige Dachstöcke, duftende Arvenstuben, aber auch zeitlose Möbel, Küchen, Schränke sowie andere ­Gebrauchsgegenstände her. Die feinen Bio­ sfera-Spezialitäten aus dem Val Müstair ver­ einen sich in einer fein duftenden ArvenholzGeschenkskiste, Surpraisa jaura genannt. Dies zeigt auf, wie ein sinnvolles Geschenk alle lokal produzierenden Hersteller vereinen kann und so für alle eine Erhöhung der Wert­ schöpfung sicherstellt. Feuer: Das Kunsthandwerk rund um die Bear­beitung von Stahl und Eisen dürfte im Val Müstair sowie im Val S-charl sehr alt

sein. Die frühe Besiedlung, der ständige Wechsel der Herrschaften, welche sich um die angrenzenden Gebiete stritten, die Nähe zum Süden, diese rege Bautätigkeit trägt bis heute noch dazu bei, dass die stattlichen Häuser mit grosser Vorliebe mit Malereien oder Sgraffito oder mit schwungvoll gebo­ genen Schmiedeisen ausgestattet werden. Wasser: Dank diesem Element entstanden die Mühlen im Tal. Dank aufwendiger Arbeit wurde die kleine, jedoch renovationsbedürf­ tige Mühle Mall wieder instand gestellt. So können die einheimischen Getreide wie Bio­ roggen und Biogerste wieder gemahlen res­ pektive gequetscht werden. Die Wertschöp­ fungskette vom Anbau beim Bauern bis zur Verarbeitung von Spezialitäten ist somit per­ fekt vollzogen. Der Besucher kann auch wie­ der gerne selber Brot backen, eine schöne Abwechslung für unsere Feriengäste. Leider ist der Beruf als Müller/in nicht mehr trag­ bar, aber jedesmal, wenn die ­Mühle läuft, ertönt ein gleichmässiges Lied der klaren Bergwasser als Zeichen für die vergangenen Zeiten und ein Jubeln für den Liebhaber ein­ heimischer Lebensmittel. Luft: Was wären wir denn ohne Luft? Eisen sowie Glas benötigen Luft, um geformt zu werden – alle Lebewesen und so natürlich auch wir Menschen lieben die würzige Berg­luft. Luft bedeutet auch die Nähe zum Himmel – die Nähe zur Spiritualität. Diesen Geist hauchen die Schwestern im Benedek­ Johann den wunder­ tinerinnenkloster St.  vollen handgestickten Vorhängen ein. So entstehen leichte und lichtdurchflutete Stoffe, welche uns die einmaligen Blautöne des Himmels über dem Val Müstair erken­ nen lassen. Diese Leichtigkeit wird durch lauschige Spaziergänge in der freien Natur unterstützt. Diese Kreativität beflügelt das einheimische Handwerk immer wieder. So stammt der

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Berufsweltmeister der Plattenleger aus dem Tal, und auch sonst zählen die Lernenden fast jedes Jahr bei den Berufsabschlüssen zu den erfolgreichsten des Kantons oder der Schweiz. Der Kreis schliesst sich wieder bei der kleinsten Berufsschule der Schweiz. Hier werden noch einige handwerkliche Berufe wie Schreiner, Elektriker, Maurer sowie die Textilgestalter unterrichtet. Diese poly­ valente Schule kann nur dank eines gesun­ den Mix und dank der grossartigen Unter­ stützung seitens des Kantons, der Gemeinde und des Ütil public weiter bestehen. Weiter kommen alle Textilgestalter/innen aus der ganzen Schweiz nach Sta. Maria, um die

Ausbildung zu absolvieren. Für unser klei­ nes Tal ist diese Schule auch für die Zukunft eine wichtige Institution. Das Verständnis für andere Berufe kann so gefördert wer­ den, aber auch der Ansporn, aus einem klei­ nen Tal auch grosse Leistungen vollbringen zu können, wird somit nur gefördert.

Gabriella Binkert Präsidentin HGV VM Pütschai 136, CH-7536 Sta. Maria g.binkert@bluewin.ch

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Die ArvenArche Val Müstair Das Arvenholz (Zirbelkiefer) erinnert eher an «Grossvaters Zeiten»; die ArvenArche ist seit 2002 einen innovativen Weg gegangen. Die Idee eines gemeinsamen Marktauftrittes einiger Schreinereien des Val Müstair entwickelte sich im Sommer 2002 nach mehreren Gesprächen zwischen den Partnern der ArvenArche Val Müstair und den damaligen Leitern der movingAlps Val Müstair, Thomas Malgiaritta, Fausto de Stefani und Danilo Nussio. In einer Zeit der marktübergreifenden Globalisierung war das Ziel, in einer eher ungünstigen geografischen Ausgangslage wie das Val Müstair ein so ehrgeiziges Projekt anzugehen, eher aussichtslos beziehungsweise demotivierend. Trotzdem konnten sich fünf Unternehmen – Frars-Hohenegger SA aus Fuldera, Curdin Bott aus Valchava (heute Armon Feuerstein, Valchava), Frars Fallet aus Müstair, AMAR Arvenmöbel SA aus Müstair sowie die Producta Marketing GmbH – dazu entschliessen, die Ziele des gemeinsamen Projektes ArvenArche Val Müstair zu verfolgen. Die Stuhl aus der Möbellinie «Carlin». (Bilder: ArvenArche)

Möbellinie «Quarto».

grosszügige Unterstützung des Kantons gab dann den endgültigen Startschuss. Dass die Arve (Zirbelkiefer) in der Region wächst und die Schreiner mit dem Konzept der ArvenArche die ganze Wertschöpfungskette im Val Müstair unterstützen konnten, war eines der Hauptziele der Partnerschaft. Das ist nach 14 Jahren immer noch so. Man legt grossen Wert auf Authentizität und garantiert dadurch die Nachhaltigkeit. Nicht nur in der Theorie, sondern in Fakten. Andererseits war es für die Unternehmen des Val Müstair an der Zeit, sich an einen Tisch zu setzen und die gemeinsamen Pro­ blemfelder zu durchleuchten. Es galt, den Versuch zu starten, unter Mitbewerbern einen gemeinsamen und sinnvollen Weg zu gehen. Die Auslastung der Unternehmen, die Sicherung der Arbeitsplätze, die Aussicht, neue Märkte ausserhalb des Val Müstair zu öffnen, waren nur einige der grundlegenden Aspekte, welche in der Gründerzeit der ArvenArche genug Moti-

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vation gaben, sich in die gleiche Richtung zu bewegen. Weiter wurden die langjährige Tradition in der Verarbeitung und die gesundheitlichen Aspekte des Arvenholzes zu den Haupt­ verkaufsargumenten der ArvenArche: Es ist u. a. wissenschaftlich erwiesen, dass sich Atmung und Herzfrequenz in einem Arven­ bett anders verhalten als in einem Schlaf­ zimmer, welches ohne Arvenholz oder gar ohne Massivholz ausgestattet ist. Unter der Leitung von Prof. Martin Kuban der Design-Universität Bozen (Südtirol/Ita­ lien) konnte die ArvenArche Val Müstair im Jahr 2002 dreissig internationale Designer davon überzeugen, neue Möbelideen mit Arvenholz in einen Designerwettbewerb einzubringen. Aus den über 40 Designvor­ schlägen konnten im Januar 2003 drei Mö­ bellinien entwickelt und realisiert werden. Zurzeit werden drei Produktgruppen und diverse Sonderanfertigungen angeboten: Die Möbellinie «Carlin», «Quarto» und das Möbelkonzept «studiarve, das Denker­ brett», welches nach den Feng-Shui-Geset­ zen konzipiert und kreiert wurde. In der Zwischenzeit hat sich die Konstella­ tion der Partner verändert. Curdin Bott ist in den wohlverdienten Ruhestand getreten. An dieser Stelle hat mit Armon Feuerstein, ein junger Schreiner mit eigener Firma, ei­ nen Platz im Team der ArvenArche gefun­ den. 2014 wurde die ArvenArche mit dem Innovationspreis der Region Unterengadin Val Müstair ausgezeichnet. Auch dies gab wieder Ansporn, neue Ideen zu erarbeiten und mit Zuversicht in die Zukunft zu bli­ cken. Die ArvenArche verfolgt für die kommenden Jahre eine intensivere Zusammenarbeit in­ nerhalb der fünf Partnerunternehmen. So konnte u. a. die Auslastung der vier Schrei­ nerbetriebe in Zeiten von Produktionseng­

«studiarve, das Denkerbrett».

pässen auf alle verteilt beziehungsweise auf­ geteilt werden. Gemeinsam werden auch künftig die Einkäufe von Holz, Verbrauchs­ material usw. getätigt. Einige Lieferanten der ArvenArche-Partner belohnen diese Ini­ tiative durch die Vergabe von besonderen Rabatten und Jahresendebonus. Dass die ArvenArche von verschiedenen Gremien immer wieder gerne als Pilotpro­ jekt strukturarmer Gebiete vorgezeigt wird, ist eine besondere Genugtuung. Weitere Informationen unter: www.arvenarche.ch Walter Gamper Producta Marketing GmbH CH-7537 Müstair walter@producta.ch

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Wild und Jagd im Val Müstair Das Rotwild war in Graubünden und auch im Val Müstair um 1860 nicht mehr vorhanden. Ab 1870 besiedelte es ausgehend von Vorarlberg Nordbünden und um 1920 wanderte es vom Südtirol her ins Val Müstair und vermehrte sich schnell. In den 60er-, 70er- und 80er-Jahren erreichten die Rotwildbestände hier ihren Höhepunkt. Rotwild findet die Ruhe im SNP Der grösste Teil des Rotwildes fand im Schweizerischen Nationalpark (SNP) das perfekte, vor Störung geschützte Sommereinstandsgebiet. Obwohl das Val Müstair als Wintereinstand genutzt oder im Frühling und Herbst durchwandert wurde, war der Standwildanteil sehr gering, was auch auf der Hochjagd deutlich spürbar war. In normalen Jahren war der Jagderfolg im September sehr gering. Wenn aber Trocken­ heit herrschte oder im September Schnee fiel, wanderte das Rotwild vom SNP zurück in das Val Müstair und der Jagderfolg stieg sehr stark an. Diese idealen Jagdvoraussetzungen wiederholten sich nur selten. Somit war der Jagderfolg im Val Müstair sehr stark vom Wetter abhängig, was auch die sehr grossen Schwankungen bei den Abschüssen bis Ende der 80er-Jahre erklärt. In den 90er-Jahren begann man auch im Val Müstair mit der Schaffung von mehreren kleinen Wildschutzgebieten, gut verteilt auf das Jagdgebiet und in guten Hirscheinständen. Seither sind die Abschüsse im September ausgeglichener und steigend, was auch die Hochjagd attraktiver macht. Die Abhängigkeit vom SNP ist zwar kleiner als früher, aber für die Jagdplanung immer noch von Bedeutung.

ist es häufiger und es hält sich im Val Müstair und im angrenzenden Südtirol von Taufers bis Mals auf. Im Frühling beginnt die Wanderung in Richtung Sommereinstand SNP. Mit den Frühlingszählungen kann man diese Wanderungen gut dokumentieren. Im Sommer bis Spätherbst bleiben die Hirsche im SNP und wandern erst bei Wintereinbruch wieder zurück.

Abb. 1: Rotwildzählungen im Val Müstair, 1973 – 2015. (Alle Grafiken: Jon Gross, AJF)

zähIm April werden seit 1973 die Hirsch­ lungen durchgeführt. Seit 2003 werden zusammen mit dem Vinschgau und dem ­ ­Nationalpark Stilfserjoch zwei bis drei grenzüberschreitende Zählungen organisiert. Diese sind für die Bestandeserhebung und eine gute Jagdplanung sehr wichtig. Abb. 2: Rotwildabschüsse auf der Hochjagd im Val Müstair, 1965 –  2015.

Rotwild, ein grenzüberschreitendes Problem? Der Standwildanteil des Rotwildes ist im Val Müstair nach wie vor eher gering. Im Winter Bündner Wald 2/2016 21

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Abb. 3: Rotwildzählung SNP, Taufers, 10. – 11. 4. 2007 (380 Rotwild).

Abb. 4: Rotwildzählung SNP, Taufers, 26. – 27. 4. 2007 (366 Stück Rotwild).

Eine Abschussplanung zusammen mit dem Südtirol ist wegen der unterschiedlichen Jagdsysteme aber schwierig. Wildschäden und Fallwild Die Sonnenseite des Val Müstair ist sehr trocken und die dortigen Wälder schützen die darunter liegenden Dörfern vor Lawinen und Erdrutschen. Früher wurden sie mit vielen Geissen und Vieh stark beweidet. Die natürliche Waldverjüngung war ohne Massnahmen daher kaum möglich. In den 80er-Jahren wurden diese Gebiete im Rahmen von Waldweideprojekten eingezäunt, damit der Wald sich wieder verjüngen konnte. Die damals (1960 –1980) anhaltend hohen Hirschbestände verursachten einen untragbar hohen Wildverbiss. So wurden in den Jahren 1980 bis 2000 im Val Müstair

auf einer Länge von über 50 Kilometern 2 m hohe Wildschutzzäune gebaut. Innerhalb der Zäune waren die Verjüngungserfolge rasch sichtbar. Heute können wieder viele Kilometer dieser Zäune durch den Forstdienst und die Jäger demontiert werden. Diese Gebiete sind als gute Einstände wiederum fürs Wild nutzbar und die Wälder erfüllen die Schutzfunktion. Die Überbestände an Rotwild in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren waren nicht nur wegen der Wildschäden ein Problem, auch auf das Wild selbst wirkten sie sich negativ aus. Kondition und Konstitution der Tiere waren sehr schlecht (schwächer als heute) und sie waren gegen Krankheiten weniger resistent. Im Winter waren die Fallwildzahlen sehr hoch, bedingt durch Nahrungskonkurrenz innerhalb des Rotwildbestandes und die zu hohen Bestände. Das folgende Beispiel belegt dies eindrücklich. Nachdem man im Val Müstair im Jahr 1976 während der Hochjagd 267 Hirsche erlegt hatte, starben im folgenden Winter nochmals 132 Hirsche. Solche Verhältnisse waren untragbar und deshalb musste man mit der Sonderjagd intensiver in die Bestände eingreifen. In einem ersten Schritt mussten die Bestände reduziert werden, um sie dann anschliessend regulieren zu können. Sonderjagd notwendig Das Erreichen der Abschusspläne alleine mit der Hochjagd ist im Val Müstair sehr schwierig, weil die Zuwanderung der Na­ tionalparkhirsche meistens erst ab Mitte November oder noch später erfolgt. Deshalb ist es wichtig, dass die Herbstjagd erst dann beginnt, wenn die Nationalparkhirsche zugewandert sind. Es ist aber sehr wichtig, dass die Abschusspläne erfüllt werden. Überbestände verursachen Schäden in Schutzwäldern und Wiesen. Das Rotwild ist

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sehr lernfähig und sehr schwer zu bejagen. Trotz motivierter Jäger wurde der Abschussplan von 110 Hirschen in den letzten zwölf Jahren nicht immer erfüllt. Dieser Umstand ist auch mitverantwortlich, dass der Rotwildbestand in den letzten Jahren wieder zunimmt. Ohne Herbstjagd würden in kurzer Zeit die Probleme der 1970er- und 1980er-Jahre zurückkehren. Das folgende Beispiel zeigt, ausgehend von der Frühlingszählung 2013 (401 Hirsche), wie sich der Bestand im Val Müstair bei einer jährlichen Reproduktion von 35 Prozent ohne Abgänge durch Jagd und Fallwild entwickeln würde. – Im Herbst 2013 wären es 541 Hirsche, im 2014 wären es 730 Hirsche und im 2015 wären es 985 Hirsche. – Ohne Jagd hätten wir nach drei Jahren etwa 1000 Hirsche im Val Müstair. – Ohne Herbstjagd würde es nur sechs Jahre dauern bis zum gleichen Ergebnis. – Die negativen Folgen wären vorprogrammiert. Problem: Gämsen in Wildschutzzäunen In der Fraktion Tschierv wurden seit 1980 viele Wildschutzzäune gebaut, um die Waldverjüngung zu fördern. Das Gamswild hat in

Abb. 5: Rotwildabschüsse im Val Müstair, 1972 – 2015.

diesem Gebiet in den letzten Jahren stark zugenommen. In diesem steilen Gelände schaffen es die Gämsen im Sommer wie im Winter in die Zäune zu kommen. Wenn bis zu 30 Gämsen die Verjüngung beschädigen und verbeissen, ist die Verjüngungsarbeit stark gefährdet. Die meisten Gämsgeissen haben in diesem Gebiet ein Kitz, und die Jährlinge sind konditionell in einem sehr guten Zustand und deshalb geschützt. Im Jahr 2015 entschied man sich, die Höhenlimite auf 2100 m ü. M. zu setzen und dadurch den Abschuss von Jährlingen und zweijährigen ­ Geissen auf der linken Talseite zu fördern. Diese Massnahme war erfolgreich und es konnten in diesem Jahr zehn Gämsen mehr erlegt werden. Durch die Abschüsse und den Jagddruck wurde die Verteilung der Gämsen

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in diesem Gebiet verbessert. So können auch Wildschäden reduziert werden. In Zukunft muss die Situation im Auge behalten werden, es ist aber notwendig, dass man bei solchen Situationen flexible Lösungen für den Jagdbetrieb findet. Das Val Müstair für Pilotprojekte immer bereit Schon ab 1973 war das Val Müstair bei der Hirschforschung im «Proget d’ecologia» um den SNP beteiligt. Im Jahr 1997 jagten erstmals im Kanton Graubünden 77 Jäger im Val Müstair Rehkitze und Rehgeissen auf der Herbstjagd. Sie erlegten 23 Rehe und erfüll-

ten den Abschussplan an einem Vormittag. 2012 jagten erstmals Jäger im Val Müstair Rehkitze an den letzten zwei H ­ ochjagdtagen. Diese Beispiele zeigen, dass die Münstertaler Jäger gerne mithelfen, die Bündner Patentjagd weiterzuentwickeln.

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Proget pel mantegnimaint da l’av nair in Val Müstair Co s’ha l’av nair sviluppà ils ultims decennis e tschientiners in Val Müstair (VM)? Ils apicultuors ils plü vegls as regordan ed eir ils protocols muossan cha l’av nair chi’d es adüna stat qua, s’ha chasà aint ed ha survivü in VM. El es per uschè dir, l’av uriunt indigen chi s’ha acclimatisà in nossa regiun munta­ gnarda.

sun las mammas dals pövels as copuleschan i’l svoul, nun ha l’apicultur ningüna con­ trolla e ningüna influenza sün quai. (sch’el nu piglia masüras urgiaintas!) Il resultat es, chi dà bastards hibrids chi nu sun predschats, pervi cha’ls gens uriunts e paschaivels van sforzadamaing a perder. Quista tendenza ha manà uschè inavant cha l’av nair es uossa periclità.

Wie hat sich die Dunkle Biene während der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte im Val Müstair entwickelt? Ältere Bienenzüchter erinnern sich und Pro­ tokolle bestätigen, dass es hier die Dunkle Biene immer gegeben hat. Sie ist somit die ursprüngliche Biene, die sich unserem Berg­ klima und unserer Region angepasst hat, bis zu ihrer Bedrängung durch eine fremde ­Rasse. Dem will man hier mit einem Projekt entgegenwirken.

I nascha l’idea dal proget Dal 2005 d’eira amo adüna üna gronda part dals apicultuors chi tgnaivan cun persvasiun l’av nair. Güsta da quel temp es gnü discuttà e decis in VM cun gronda majurità, l’idea da la Biosfera VM-Parc naziunal. Quista novità es gnüda cuntschainta eir giò la Svizra Bassa. Sün quai ha l’Uniun Svizra per la mellifera, VSMB, fat attent a nus api­ cultuors, cha quist saja il dret mumaint per coordinar las ideas da protecziun da la Biosfera-Parc naziunal ed elavurar ün proget per la protecziun e mantegnimaint da l’av nair.

Derivanza e situaziun generala L’av nair, cul nom latin: Apis mellifera melli­ fera, ha üna lunga istorgia. El ha survivü il temp da glatsch e s’ha lura derasà in tuot l’Europa al nord da las alps. Sia derasaziun as stendaiva quella jada da las Pyreneas fin pro l’Ural e d’eira l’unic av chi gniva avant oriundamaing quia. L’av nair posseda gens tipics chi sun differents dad otras razzas. Las finas strivlinas sün seis corp davo, til dan la tipica culur naira, chi til es favuraivla per ch’el riva da’s s-chodar eir pro tempera­ turas bassas. Ils ultims 150 ons es l’av nair gnü s-chatschà our da bleras regiuns da l’Europa, tras l’import da razzas estras nan dal süd, uschè eir in Svizra. Pro nus in Val Müstair es quai capità pür davo la seguon­ da guerra mundiala. Crajond cha razzas im­ portadas portan daplü mel e sajan plü pru­ sas, haja dat displaschaivelmaing il masdügl da las razzas. Cun quai cha las reginas, chi

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Ils 3 tips d’av: raïna (45), a dretta d’ella üna clotscha (mas-chel) e lavuraintas. (Purtrets e grafica: Balser Fried)

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L’av indigen, aclimatisà in nossas regiuns, ed adüsà a nos clima chi variescha cun temperaturas tanter fich crüj e chaluors s’ha adattà a la flora e fauna. El es quel chi fructifichescha nossas plantas, fluors, frus-chaglia e pomma in prada, god e pas-ch fin in otezzas muntognardas. L’uman nu s’es plü co ­facil gnanca consciaint quant gronda part da la natüra chi’d es dependenta dals avs. La collavuraziun tanter la Società d’api­cultuors da la Val Müstair e la Biosfera es importanta.

l’Uffizi Federal per Agricultura (UFA) e vain acceptà al principi da l’on 2007. – La ProSpecieRara, PSR, fa la punt tanter mainaproget e l’UFA, chi subvenziunescha il proget, e fa l’administraziun dal proget. In la seguonda fasa dal proget vain quista funcziun surtutta da l’api­ suisse, l’organisaziun tet dals apicultuors Svizzers, chi survaglia ils 4 progets svizzers dal Chantun Glarus, Melchtal, Diemtigtal e Val Müstair.

Ils partenaris dal proget e lur funcziun: – La Società d’apicultuors VM pissera per raïnas s-chettas, saja quai tras cumprita o tras allevamaint, chüra la staziun da copulaziun da raïnas, infuormescha e parta sü las lavuors internamaing. – Il VSMB organisescha e maina tras analisas geneticas in möd professiunal. El accumpogna e cussaglia il proget in dumondas praticas e scientificas. – La Biosfera sustegna il proget cun til integrar aint il concept general. Uschè as po tour a nüz sinergias. Üna proposta es da realisar ün local d’exposiziun per quist ed oters progets. – La dumonda da finanzaziun cun tuot ils detagls dal proget per trais ons, va a

Lavuors concretas dal proget Persvasiun: Dal 2007 cumainzan las lavuors concretas vi dal proget. In prüma lingia esa importamt cha’ls apicultuors stettan plainamaing davo l’idea e piglian serius la neces­ sità dal proget. Persvader da quai po be la natüra, l’av svess. La lavur activa dals apicultuors es da tscherner pövels da razza tipica per trar da quels raïnas juvnas. Las provas da quels pövels ston gir tuttas exactamaing tenor prescrip­ ziun e tramissas ad ün institut per examinar geneticamaing la pürtà da raz. Üna nozza per vita düranta: Cur ch’üna ­raïna es sviluppada svou’la sül viadi da nozzas ingio ch’ella vain copulada da plüssas clotschas. Ella tuorna in seis pövel, metta övs e po viver 4 – 5 ons sainza chi fetscha dabsögn dad otras copulaziuns. Per quai esa important ch’ella inscuntra sül svoul be clo­ tschas da l’aigna razza. Per evitar ch’ellas vegnan copuladas da clotschas estras esa necessari dad avair üna staziun da copula­ ziun da raïnas cun pövels clotschers da raz pür. Quista staziun as nomna «Las Clastras» ed as rechatta 12 km davent da Sta. Maria, sün ün’otezza da 2000 m s. m. Quia vivan tuot on pövels da razza netta chi sun eir gnüts examinats cun analisas geneticas. Ils apicultuors pon manar lur princessas giuvnas sü

Saiv da protecziun cunter l’uors pro la staziun da copulaziun «Las Clastras».

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quia per chi vegnan copuladas be da clo­ tschas da razza tipica e sun lura raïnas chi mettan övs e chi pon gnir missas pro in ün pövel. Uschè as sviluppa lura ün pövel cun avs da raz pür, sco previs aint il proget. Il proget vain prolungà per 3 ons Cun l’on 2012 es ida a fin eir la seguonda fasa dal proget intensiv. Adonta da tschertas difficultats o perditas p.ex. tras la visita da l’uors o pervi da trid taimp as po sainz’oter guardar inavo sün ün resultat positiv. Dürant quists 6 ons dal proget es minch’on gnü trat ca. 100 raïnas l’on e tillas scumpar­ tidas süls apicultuors. Dal 2014 ha il UFA insembel cun apisuisse lantschà ün nouv proget 2015 –2017 per la coordinaziun e finanzaziun da quatter pro­ gets da mantegnimaint in Svizra, simils sco quel in VM. Is tratta quia da regiuns il Chan­ tun Glarus, il Melchtal OW ed il Diemtigtal BE. Sguard inavant i’l avegnir Ün tal proget nun es a fin cur cha’ls formu­ lars chi sun prescrits da las administraziuns sun implits oura. Id es da selecziunar in­ avant! Quellas raïnas chi nu sun bunas o nu sun s-chettas esa da rimplazzar cun mel­ dras. Be las meldras da las meldras cun­ taintan. Mincha singul apicultur po uossa as duman­ dar svessa quant efficiaint cha nos proget es? Quista resposta po e sto eir minchün as dar svess cun dir: Il resultat po be esser uschè bun sco ch’eu svessa m’ha dat fadia da con­ tribuir al bön da nossa società e da nos av nair chi meritta tuotta attenziun e chüra. Nus eschan sün buna via da ragiundscher il böt cun avs da bunas qualitats e da portar pro al mantegnimant da la razza da l’av nair. I manca pac da quel total da 100 % – ma i manca amo per cha nus possan laschar früt­

Völker

reine Mellifera

La grafica muossa il resultat e’l success.

tar las raïnas, in ün möd il plü natüral e cun damain lavur e cuosts, nempe be sper cha­ monna – e quai cun la plaina persvasiun dad avair contribui alch al bön d’üna chadaina illa natüra. Wir sind auf dem besten Weg zum Ziel, um Bienen mit den besten Voraussetzungen und mit guten Eigenschaften zu imkern und da­ mit etwas zur Erhaltung der Dunklen Biene beizutragen. Es fehlt nur wenig bis zum hundertprozen­ tigen Erfolg in unserem Tal. Unser Ziel und Wunsch ist es, dass wir unsere Königinnen auf natürlichem Weg, einfach vor dem Bie­ nenhaus begatten lassen können. Dies wäre für uns Imker mit weniger Arbeit und weniger Kosten verbunden. Dann dürften wir mit Stolz behaupten, im Val Müstair mit Überzeugung etwas Wichtiges zugunsten der Vernetzung in der Natur beigetragen zu haben.

Renata Bott presidenta da la Società d’apiculturs VM Clüs 29, CH-7532 Tschierv renata.bott@bluewin.ch

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Ein kurzer Einblick in die Geschichte des Val Müstair «L’essentiel est invisible pour les yeux .../ Das Wesentliche kann man nicht mit den Augen sehen ...» Diese Einsicht (des Fuchses!) aus St. Excupéry’s Kleinem Prinzen gilt ganz besonders auch fürs Val Müstair! Der vor 50 Jahren verstorbene Engadiner und Münstertaler Kreisförster Jon Guidon (1892 –1966) beschreibt das in vielen seiner über 150 gedruckten rätoromanischen Gedichte auf seine Art: Hinter dem, was vor Augen ist, befindet sich noch viel mehr: In der Natur – aber auch in der Geschichte! Mai Larsch, co glüschan tas paluondas sco in sonch’aspettativa cha’l sulai cun chodas uondas tuot teis milli büttels driva e cun verd darcheu t’cuverna. Glüschan tas paluondas, di’m, pervia ch’ellas saintan eir danouv l’eterna vibraziun e melodia?

davos la natira en tut sias furmas multifaras a glischar anc ina realitad pli profunda che el cun l’entira creaziun spetga, da la quala el resenta adina puspè gist en la natira «l’eterna vibraziun e melodia». Sche jau driz ussa il sguard sin l’istorgia da la Val Müstair, lura pudess er jau ma perder en la spessaglia dals eveniments e da las datas istoricas tranter Carl il Grond che en il 8avel tschientaner stat davos la fundaziun da la claustra San Jon a Müstair, las bleras dispitas politicas sco la battaglia da Chalavaina 1499 e la vendita da la Val Müstair l’on 1728 als Habsburgais, las diras cuntraversas religiusas incl. rapinar vicendaivlamain uffants en il 17avel tschientaner, enfin ch’il maletg miraculus da Maria ha dal 1838 stuì cridar sosas larmas e. u. v. Ma sche jau emprov cun Jon Guidon da ­guardar quasi tras la surfatscha e l’apparien­ tscha superfiziala, lura ves jau davos ils differents eveniments da l’istorgia savens dolurusa ina brama profunda per ina convivenza paschaivla ed ina autodeterminaziun en libertad: Quai cumenza gia ditg avant l’istorgia, en la mitologia! Las bleras ditgas da las dialas, da las mummas veglias, da la Juata (ch’è nagut auter che la furma diminutiva da la «Son­tga Margriatta») admoneschan da viver en armonia cun las forzas misteriusas da la natira.

Blick auf Fuldera 1939, damals noch ohne Umfahrung. (Bilder: zVg; Biblioteca Jaura, Valchava)

Questa poesia ha scrit Jon Guidon (1892– 1966), il selvicultur cirquital da l’Engiadina e da la Val Müstair ch’è mort avant 50 onns. I dat glieud che, suenter ina noziun tudestga, na vesa nagin guaud pervia da las bleras plantas. Al cuntrari tar Jon Guidon: El vesa

Carl il Grond è politicher. El pensa ed agescha en maniera strategica. E tuttina: Cur che la Val Müstair en la segunda mesadad dal 8avel tschientaner daventa in mument impurtanta sco ultim piz da ses reginam tranter ils Langobards ed ils Bajuvars, n’installescha el betg ina garnischun militara en Val, ma fundescha el ina claustra per muntgs benedictins che cun lur «Ora et la-

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bora» urbariseschan la Val e: mussan vi sin la vita eterna. Ma ils Jauers na sa laschan prescriver, ni co manar lur vita dal mintgadi, ni co s’acquistar ina plazza en la vita eterna. Enturn 1500 cumbattan els d’ina vart «frestgamain» cun las truppas grischunas cunter la pussanza mundiala da quella giada e per lur autode­ terminaziun politica (quai ch’els repetan en il 18avel tschientaner, enfin che Maria Teresia suttascriva dal 1762 il document da liber­ tad), e d’autra vart pretendan els libertad er en dumondas religiusas. Dal 1528 elegia ina maioritad da Sta. Maria in «preditgant evan­ gelic» che na suttastat betg a l’uvestg – e s’arranscha ella il medem mument cun la minoritad catolica uschia ch’els dovran per 100 onns la baselgia paschaivlamain ense­ men! Pir dal 1620 cumenzan las cuntraversas tran­ ter refurmads e catolics, tranter la Val aint e la Val ora, adina puspè bain envidada da pussanzas estras e lur interess strategicas: quasi ina guerra civila fraida che va passa 300 onns!

Betg che quai giess adina be glisch e senza discussiuns. Ma er sche quai dat da las gia­ das er puspè in pass enavos, essan nus pers­ vas ch’en general essan nus en Val Müstair sin ina buna via! Es leuchten, Lärche, deine Zweige wie von heiliger Erwartung, dass die Sonn’ mit ihrer Wärm’ sich zeige, deine Knospen bringe zur Entfaltung. Neues Grün umhüllt dich wieder leise. Ist’s nicht fast wie eine Ahnung? Wohl ein Hauch nur, eine ferne Weise, aber an die Ewigkeit Gemahnung?

Sta. Maria in den 1930 er-Jahren, mit Blick gegen Valchava, im Hintergrund die landschaftsprägen-

Tge è stà finalmain la chaschun che quai è sa midà, uschia che nus lavurain oz puspè en­ semen sur tut ils cunfins politics e religius vi? Raschunaivlamain avain nus reorganisà las structuras politicas e socialas en Val. Il cunfin n’ans serra betg pli en u ora. Dal 1999 avain nus festegià 500 onns Chalavaina, cun noss vischins tirolais ensemen! Na 500 onns bat­ taglia, mabain 500 onns convivenza pa­ schaivla! E nus emprendain di per di da pu­ dair far anc bler dapli ensemen – a l’avantatg da tuts. E dal 2005 ha la Val acceptà cun gronda maioritad da stgaffir la Biosfera Val Müstair – Parc Naziunal, quasi ina conviven­ za e collavuraziun conscienta cun la natira.

den Piz Dora und Piz Daint.

So in etwa der Sinn des Gedichts des vor 50 Jahren verstorbenen Engadiner und Münstertaler Kreisförsters Jon Guidon (1892–1966). In vielen seiner Gedichte, von denen sehr viele (!) auch vertont wurden, bringt er zum Ausdruck, dass der Wald, ja die gesamte Natur ein Fenster zur geheim­ nisvollen jenseitigen Welt sein kann, die uns alle erwartet. Wenn wir uns mit der bewegten und oft auch leidvollen Geschichte des Val Müstair beschäftigen, so könnten wir uns in der Viel­ zahl der Ereignisse und Jahreszahlen verlie­ Bündner Wald 2/2016 29

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ren – oder aber, wie Jon Guidon, nach den Beweggründen fragen, die dahinter stehen. Und da zeigen sich vor allem zwei Aspekte: Einmal das jahrhundertelange Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung. Nicht Habs­ burger Untertanen, sondern freie Bündner sein: Deshalb die Calvenschlacht 1499, des­ halb nach 1728 das zähe Ringen und Ver­ handeln, bis Maria Theresia 1762 endlich den Freiheitsbrief unterschrieb, deshalb be­ reits 1528 die Anwendung der Ilanzer Re­ formbeschlüsse, die freie Pfarrerwahl (ohne Mitsprache des Bischofs!) verlangten. Zum anderen können wir immer wieder das Bemühen um friedliches Zusammenleben, auch im Einklang mit der Natur, erkennen. Dazu ermahnen bereits die aus vorchrist­ licher Zeit stammenden Sagen mit den Dia­ len und «Mummas veglias». Das sehen wir in den fast 100 Jahren friedlicher Koexistenz beider Konfessionen und gemeinsamer Nut­ zung der Kirche Sta. Maria, bevor sich ab 1620 fremde Mächte mit ihren vor allem politischen Interessen und Machtansprü­ chen einmischten und das Miteinander für Jahrhunderte vergifteten. Seit über 50 Jah­ ren sucht man aber im Val Müstair wieder nach sinnvoller Zusammenarbeit, bis hin zur Gemeindefusion 2009 und zum Entscheid der Münstertaler Bevölkerung bereits im Jahr 2005, sich mit der Errichtung der «Bio­ sfera Val Müstair – Parc Naziunal» auch be­ wusst für einen nachhaltigen Schutz unserer Natur- und Kulturlandschaft einzusetzen. Nein! Das Münstertal ist nicht (immer) das Paradies auf Erden! Aber wir spüren doch

Sta. Maria vor etwa 100 Jahren. Die markanteste Ver­änderung an dieser Stelle ist der Strassenbelag.

immer wieder: Es ist gar nicht so weit ent­ fernt! Und: Der Himmel ist schon jetzt di­ rekt über uns!

In Kürze zum Autor (Anmerkung der Redaktion): Hans-Peter Schreich-Stuppan amtete bis  2015 während 40 Jahren als evange­lisch-reformierter Pfarrer im Val Müstair. Mit einer fast unermüdlichen Passion leitet er auch heute noch die Dokumen­ tationsbibliothek «Biblioteca Jaura» in Valchava.

Hans-Peter Schreich-Stuppan Lingia 100, CH-7535 Valchava bibliotecajaura@bluewin.ch

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Nicht ohne Holz – der Erste Weltkrieg auf dem Pass Umbrail an der Adria sollten dem jungen National­ staat nach Kriegsende zugesprochen wer­ den; so das Zugeständnis der siegesgewis­ sen Briten und Franzosen. Diese lagen seit Anfang August 1914 in Frankreich und Belgien den Armeen des deutschen Kaisers gegenüber. Dieser wie­ derum hatte zugleich noch den Aufmarsch des russischen Zarenreichs aufzufangen. Österreichs Streitkräfte waren mit der «Be­ strafung Serbiens» und dem durch Bünd­ nisverträge mit Deutschland zugesicherten Aufmarsch gegenüber Russland vollkom­ men überfordert. In Galizien (heute West­ ukraine und Südpolen) gerieten grosse Teile der Armee in Gefangenschaft und auf dem Balkan kam man nicht vom Fleck.

Im Frühjahr vor 100 Jahren erreichte der Erste Weltkrieg mit den unvorstellbaren Materialschlachten bei Verdun und an der Somme seinen unrühmlichen Höhepunkt. 17 Millionen Gefallene und 21 Millionen Verwundete waren Ende des Krieges zu beklagen. Den geografischen Höhepunkt sollte dieses weltweit erste Völkermorden u ­ nweit der Schweizer Grenze finden. Österreich brachte im Juli 1916 das erste Geschütz auf den Gipfel des 3905 Meter hohen Ortlers. Der Kampf im Gebirge war hart, gefährlich und ohne Beispiel. Aber: Er war weit weniger verlustreich als jener an der West- oder Isonzofront. In der Region des Stilfserjochs und des Pass Umbrail lagen sie sich gegenüber, Alpini und Standschützen, sehr genau beobachtet von Schweizer Wehrmännern. Im Mai 1915 erklärte Italien dem ehema­ ligen Bündnispartner Österreich-Ungarn den Krieg. Schlecht gerüstet und ebenso ausgebildet liess sich Rom von den En­ tentemächten dazu bewegen, ÖsterreichUngarn zur Eröffnung einer dritten Front zu veranlassen. Der Lohn für den Kriegs­ eintritt Italiens war zu verlockend. Südtirol und weitere Teile der K.-u.-k.-Monarchie

Mobilmachung in der Schweiz Am 1. August 1914 besetzte die Schweiz ihre Grenzen. Das Schwergewicht der mili­ tä­ rischen Kräfte wurde in die Nord­west­schweiz schen verlegt, da hier der Konflikt z­wi­ Deutschland und Frankreich unmittelbar be­ vorstand. Eine glaubwürdige Truppenprä­ senz sollte verhindern, dass sich die beiden Kontrahenten das neutrale Territorium zu­

Holztransport nahe Plattatschas.

Bau einer Unterkunftshütte im Winter

(Bilder: Sammlung «Verein Stelvio-Umbrail 14/18»)

auf dem Pass Umbrail.

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Mit anfangs erwähntem Kriegseintritt Ita­ liens wurde dieses Detachement auf Batail­ lonsstärke erhöht (rund 950 Mann), die ­Sicherung des Pass Umbrail einer nun stän­ digen Besatzung durch zwei Kompanien (ca. 400 Mann) übertragen. An Infrastruktur war auf dem Umbrail nichts vorhanden. Lediglich auf der Dreisprachen­ spitze gab es das gleichnamige Hotel, wel­ ches sich in Besitz einer österreichischen Familie befand, aber vollumfänglich auf ­ Schweizer Territorium stand. Im Tal bezog die Truppe Unterkunft in Stallungen, Privat­ häusern, Hotels und anfangs auch Zelten.

Das schweizerische Grenzdispositiv. (aus: Quellenangabe gem. Literaturverzeichnis S. 34)

nutze machten. Das Vertrauen gegenüber Italien war zwiespältig. Rom sah sich gegen­ über Österreich und dem Deutschen Reich nicht bündnisverpflichtet und erklärte zu Kriegsbeginn seine Neutralität. Doch wirk­ ten in Italien Kräfte, die sich wiederholt für die Befreiung «italienischsprachiger Minder­ heiten» ausserhalb des Landes aussprachen. Konkret ging es um die «Welschtiroler» (Trentino), mit Sicherheit aber auch um die Tessiner und die Bewohner der Bündner Südtäler. Vorsicht war geboten und entspre­ chend versah der Ge­neralstabschef der Ar­ mee, der Maienfelder Korpskommandant Theophil Sprecher von Bernegg, auch die Südgrenze mit schwachen Grenzschutz­ detachementen. Einem dieser Detachemen­ te wurde am 20. August 1914 der Schutz des Val Müstair anvertraut, die Beobachtung des Übergangs am Pass Umbrail nahm ihren Lauf.

Unterkunft für 600 Mann Selbstredend, dass in der Folge auf dem Umbrail eine intensive Bautätigkeit einset­ zen musste. Stellungen waren zu errichten. Von entscheidender Bedeutung jedoch war die Erstellung von wintersicheren, beheiz­ baren Unterkunftsmöglichkeiten. Die Zeit drängte. Bis zum erwarteten Winterein­ bruch, der auf diesen Höhen schon mal Ende September einsetzen konnte, blieben im besten Fall vier Monate. Verstärkt durch eine Sappeureinheit erstellten Füsiliere aus dem St. Galler Oberland zunächst notdürfti­ ge Baracken in Nähe der Passhöhe (2500) und ein Grabensystem, welches sich von dieser über rund 1,5 km in nordöstlicher Richtung zum Gipfelaufbau (2800) des Piz Umbrail erstreckte. Der Zugang zur Drei­ sprachenspitze (2840) musste zum Saum­ pfad ausgebaut werden und auf der Pun­ ta di Rims (2946) waren Unterkünfte für den dort zu besetzenden Beobachtungsposten zu erstellen. Es ist davon auszugehen, dass damals alle Soldaten der eingesetzten Batail­ lone zu Wald-, Bau- und Schanzarbeiten kommandiert wurden. An Arbeit fehlte es wahrlich nicht. Steine wurden vor Ort aus dem Fels gebrochen. Das Bauholz musste

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aus dem Tal durch den Train auf den Pass transportiert werden. Auch Brennholz erreichte die Versorgungsbasis auf dem Pass auf diesem Weg. Quellen gibt es auf Schweizer Boden genau zwei. Eine auf der nördlichen Seite der Passhöhe (hier wurde die zentrale Küche erstellt) und eine weitere, kaum der Erwähnung wert, am Weg zur Dreisprachenspitze. Entsprechend wurden die Pferdestallungen auf der Alp Muraunza (rund 400 Höhenmeter unterhalb der Passhöhe) bezogen, da erst dort der Bach eine ausreichende Wassermenge zur Tränkung der Tiere mit sich führte. So betrachtet fiel dem Bedarf an Holz die wohl grösste Bedeutung zu. Man brauchte es für den Bau der Stellungen, der Unterkünfte, für die Zubereitung warmer Mahlzeiten in der zentralen Küche, zum Heizen aller Unterkünfte und zum Schmelzen von Schnee, um insbesondere während des Winters über eine ausreichende Menge an Wasser verfügen zu können. Ohne Holz geht nichts Wir verfügen über keinerlei Quellen, die etwas über die dazu notwendige Menge an geschlagenem Holz aussagen. Wenn wir hier erstmals eine approximative Hochrechnung anstellen, dann basieren wir auf nachfolgenden Fakten (F) und Annahmen (A): Anzahl an Unterkunfts- und Beobach(F), Anzahl Kochherde: tungshütten: 21  10  (A), Anzahl an Tragöfen: 30 (A). Anzahl Kriegswochen: 156 (F). Dies führt zu einem Gesamtbedarf von 155,4 m3 an Bauholz und 11 700 Ster Brennholz. Bei Anwendung des gängigen Ausnützungsanteils berechnet sich der Rundholzbedarf für das Bauholz auf rund 207 m3. Den verbliebenen «Abfall» dem zuvor erwähnten Brennholzbedarf angerechnet, beläuft sich der gesamte Bedarf an Rundholz

auf ca. 8930 m3. Mit der Forstwirtschaft vertrauten Lesern mag diese Zahl Information genug sein. Laien, wie der Schreibende, bedürfen eines vorstellbaren Vergleichs: 8000 Fichten und Lärchen mussten geschlagen werden, die eine Fläche von rund 55 ha – also 77 Fussballfeldern – beanspruchten. Wohlgemerkt, dass es sich dabei lediglich um den Bedarf der eigentlichen Frontsoldaten handelte, Haushaltungen im Tal wollten ebenfalls mit Brennholz beliefert werden. Bei einem derartigen Arbeitsvolumen mag es dann auch nicht verwundern, dass eine Kompanie der Münstertaler Bataillone stets zu Waldarbeiten kommandiert wurde. Das Holz schlugen sie an der Waldgrenze im Val Muraunza. Bilder belegen, dass dort, so nahe der Front wie immer möglich, auch Bretter und Balken zugeschnitten wurden. Eine weitere Kompanie versah den Dienst an der Grenze bei Taufers und auf der Alp Clastra (Val Vau), betrieb Ausbildung im Tal und wurde bei Bedarf zur Unterstützung der Erntearbeiten eingesetzt. Der Krieg entlang der Grenze Der Einsatz entlang der Landesgrenze in der Umbrailregion war zwei weiteren Infanterieeinheiten vorbehalten. Mit allen Hilfsdiensten (Train, Wegmacher, Melder,

Holztransport im Val Muraunza. Bündner Wald 2/2016 33

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Signalisten etc.) versehen, belief sich der dortige Bestand auf gut 500 Mann. Das Gros konzentrierte sich auf die Passhöhe; auf der Punta di Rims und der Dreispra­ chenspitze wurden Kontingente von je 30 bis 50 Mann eingesetzt. Dort beobachteten sie die Artillerieduelle zwischen den Kriegsgegnern und achteten darauf, dass keiner der beiden die neutrale Grenze verletzte. Die Befürchtung, dass italieni­sche Truppen überraschend über den Umbrail ins Tal stossen und von dort via Tau­ fers und Glurns die österreichische Verteidi­ gung umgingen, war real. Vielmehr jedoch versuchten beide Kontrahenten den Schutz dieser neutralen Grenze zu ihrem Vorteil aus­ zunutzen. Je näher man sich an dieser auf­ hielt, umso unwahrscheinlicher war es, dass man gegnerischem Feuer zu Opfer fiel. «Kleiner Grenzverkehr» Fotos belegen regelmässige Begegnungen zwischen Schweizern und Italienern auf der Passhöhe und der Punta di Rims bzw. zwi­ schen Schweizern und Österreichern auf der Dreisprachenspitze. Diese Begegnungen wa­ ren herzlich, und der Tausch von Salami gegen Schokolade bereicherte den sonst ­ nicht sehr abwechslungsreichen Menüplan

auf angenehme Weise. Fand dann doch eine «Grenzverletzung» statt, so handelte es sich fast immer um Soldaten, die sich durch die Flucht in die Schweiz ein Ende ihres persön­ lichen Kriegsdienstes versprachen. Wurden sie in Grenznähe aufgegriffen, schickte man sie zurück. Gelang ihnen die Flucht aber bis ins Tal, meldeten sie sich bei der Ortswache und baten um ihre Internierung. Die Gebirgsfront im Ortlergebiet bestand bis zum Waffenstillstand im November 1918, ohne deren Verlauf während 156 Kriegswochen wesentlich zu ändern. Öster­ reich-Ungarn existierte nicht mehr, Südtirol wurde Italien zugesprochen, was wiederum eine andere Geschichte wäre. Literatur, siehe Abbildung auf S. 32: Accola David, Fuhrer Hans Rudolf, Stilfser­ joch-Umbrail 1914–1918, Militärgeschichte zum Anfassen, Au 2000. (www.stelvio-umbrail.ch/publikationen) David Accola Verein Stelvio-Umbrail 14/18 Junkern, CH-3537 Eggiwil kontakt@stelvio-umbrail.ch

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Flurbewässerung im Val Müstair Die traditionelle Wiesenbewässerung ist in fast allen Teilen Europas verschwunden. In den letzten Jahren ist aber eine vermehrte Aufmerksamkeit für dieses Kulturgut zu beobachten, so auch im Val Müstair. Den An­stoss für eine Inventarisierung der Spuren der letzten «Auals» gab die Stiftung Landschafts­schutz Schweiz (SL). Heute bereichern fünf wieder instand gesetzte Wasserkanäle die Kulturlandschaft. Der Begriff Bewässerung führt uns gedanklich vielleicht zuerst ins biblische Zweistromland von Euphrat und Tigris. Hierzulande sind sicher die Suonen im Wallis oder die Waale im Südtirol weitherum bekannt. Es ist Christian Leibundgut zu verdanken, dass die Vielfalt und die überraschende Verbreitung der traditionellen Wiesenbewässerung in den Trocken-, aber auch feuchteren Gebieten E­ uropas nun aufgearbeitet wurde (Leibundgut & Kohn 2014 a, b). Diese Ausdehnung hängt mit den regional sehr unterschiedlichen Funktionen der Bewässerung zusammen: Nebst der eigentlichen Befeuchtung der Wiesen sind auch der Düngeeffekt, die thermische Wirkung, Bodenbildung, Pflanzenselektion, Schädlingsbekämpfung (Mäuse u. a.) und auch die Drainagefunktion zu erwähnen. Grundsätzlich lassen sich zwei Haupttypen der

Bewässerung unterscheiden: Die Hangberieselung und die Riesel- oder Staubewässerung in den Ebenen. Zu den regional­ typischen Funktionen der Bewässerung ge­hören auch die Bauwerke, die Hilfsgeräte und vor allem die sozialen Regeln des Zeitmanagements der Bewässerung mit den entsprechenden Rechten und Pflichten des einzelnen Wässerers hinsichtlich Unterhalt, Überwachung, Mitsprache und Sanktionen (Schweizer et al. 2014). In allen Bewäs­ serungsregionen vollzog sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts ein drastischer Rückgang der traditionellen Bewässerung. Da­ ran ­beteiligt waren die Intensivierung und Rationa­ lisierung der Landnutzung, aber auch die Urbanisierung und Verdrängung der Wiesennutzung durch Ackerbau in den ehema­ligen ebenen Wässerwiesenland­ schaften. Meliorationsprojekte setzten seit den 1930er-Jahren gezielt Sprinkleranlagen zur Wiesenbewässerung ein. Die ökologischen Auswirkungen der Umstellung auf Beregnung sind nicht immer eindeutig: Eine Verarmung der Artenvielfalt der Wiesen ist vor allem einer der Bewässerung folgenden Intensivierung geschuldet. Neue Studien im Rahmen des NFP61-Projekts «Waterchannels» zeigten eine gewisse Veränderung der Artenzusammensetzung (Tendenz zur

Lärchensäule mit Hinweisschild, welches

Wasser, ein anziehendes und im wahrsten Sinne

den Wanderer auf den Aual aufmerksam macht.

des Worts belebendes Element.

(Bild: Jörg Clavadetscher)

(Bild: Raimund Rodewald)

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Spaziergänge entlang des Auals Claif bei Sta. Maira VM sind im Sommer bei Einheimischen und Gästen gleichwohl beliebt. (Bild: Raimund Rodewald)

Vergrasung, Riedener et al. 2013). Von den offenen Bewässerungs­ kanälen profitieren auch Waldbäume. Die langjährige passive Bewässerung aufgrund der Versickerung des Wassers aus dem Kanal erhöht die Vitalität und fördert das Wachstum der ­ Triebe, Nadeln und Jahrringe der Waldföh­ re (Feichtinger et al. 2014). Aual Foppumvasch: Einbau von Lärchenkanälen. (Bild: Jörg Clavadetscher)

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Die Wiesenbewässerung im Kanton Grau­ bünden war ursprünglich in ähnlicher Wei­ se zu finden wie im Wallis und im Vinsch­ gau und reicht bis ins Frühmittelalter zurück (Bundi 2000). Viele Bewässerungsgräben (genannt «Auals») verschwanden in den Talflächen des Engadins und im Val Müs­tair. Die Mechanisierung führte dazu, dass die Gräben zwecks besserer Befahrbarkeit der Parzellen aufgefüllt wurden. Die Rekon­ struktion des historischen Bewässerungs­ netzes ist dadurch stark erschwert. Seit den 1980er-Jahren wurden Rettungs­ aktionen zugunsten der Wasserleitungen im Wallis und im Vinschgau gestartet. Im Val Müstair hingegen bestanden solche Aktivi­ täten nicht, abgesehen von dem in den 1990er-Jahren auf Privatinitiative hin akti­ vierten Aual Claif und dem rekonstruierten Arvenholzkanalabschnitt der Fassung am Aual Foppumvasch 2003. Zur breiten Sensi­ bilisierung für die Auals schlug Martin Bundi (2000) eine Erweiterung des Wanderweg­ netzes entlang einstiger Wassergräben im Val Müstair vor. Diesen Vorschlag griff der Geschäftsleiter der SL auf und lancierte im Oktober 2003 das Projekt «Auals in Val Müstair». Dieses sah eine mehrjährige Kartierung der noch vorhandenen Spuren der Wasserkanäle und eine touristische ­Inwertsetzung vor. Die damalige Gemeinde Müstair, der Turissem Val Müstair und später auch die Biosfera Val Müstair beteiligten sich am Projekt. Die kantonale Denkmalpflege, die Mava-Stiftung, die Göhner Stiftung, die SL und die Migros Ostschweiz unterstützten finanziell das Vorhaben, das auch Aufnahme fand im europäischen Forschungsprogramm COST A27. Die Inventarisierung wurde von Jörg Clavadetscher und Lucian Ruinatscha zwischen 2005 und 2008 durchgeführt (Ro­ dewald 2008) und umfasste Literaturrecher­ chen, die Dokumentation der mündlich

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überlieferten Geschichte (oral history) und Archivstudien. Ziel der Studie war der Vergleich des heutigen Zustands mit den kartografischen Aufnahmen der Auals durch Ralf Freund von 1971/1972, also vor der Gesamtmelioration und Umstellung auf Sprinkleranlagen (Furrer & Freund 1974). Für die Erhebungen wurden auch Luftbilder aus dem Archiv des Nationalparks beigezogen. Die Befragungen älterer Personen im Val Müstair und die Suche nach Dokumenten, z.  B. Wasserrodel (Protokoll der Wasserrechte), stellten einen wichtigen Projektteil dar. Die Ergebnisse waren beeindruckend und überraschend: Wiederentdeckt wurden 25 Auals zwischen Tschierv und Müstair, Reste von Holzkanälen, Sockel- und Verteileranlagen, Mikroreliefspuren von Bewässerungswiesen an den Hanglagen; aber auch schöne Wasserschaufeln sowie eine reiche Geschichte wurden zutage gefördert (Bundi et al. 2009). Im Rahmen des Projekts wurde 2007 der Aual Foppumvasch ob Guad auf der ganzen Strecke reaktiviert, ein Aual, der noch bis etwa 1980 für die Brauchwasserversorgung einzelner Höfe verwendet wurde. Es folgten weitere Instandstellungen von Auals. Heute führen insgesamt wieder fünf Wasserkanäle regelmässig Wasser und sind mithilfe einer Broschüre, einer App der Bio­ sfera Val Müstair und einer Signalisierung, die 2015 errichtet wurde, zu entdecken. Die Arbeiten wurden vom Forstrevier Val Müs­ tair ausgeführt, teilweise im Rahmen von Bergwaldprojektwochen und dank zusätzlicher Sponsoren wie Victorinox. Das grosse Interesse an den angebotenen Vortragsveranstaltungen und Exkursionen zeigt, dass eine früher unverzichtbare Einrichtung der Wasserversorgung, die in besonderer Weise Natur und Kultur verband, wieder Teil der heutigen Identität der Bevölkerung werden konnte. Vielleicht wird einst ja auch ein Ab-

Bei einer geführten Exkursion kann ein alter Arvenkanal des Auals Soncoschen besichtigt werden. (Bild: Constanze Conradin)

schnitt des grössten Auals des Tals, des Auals Sura, der heute auf dem Wanderweg Senda Val Müstair verläuft, reaktiviert und vielleicht wird gar eine traditionelle Wiesenbewässerung mit dem Clostra Son Jon eingerichtet. Wasser als Lebenselixier, Kulturgut und Lebensraum auf diese Weise als wertvolle und knappe Ressource sichtbar zu machen, versinnbildlicht die Notwendigkeit eines schonungsvolleren Umgangs mit unserer Natur. Dies nicht mit einem pädagogischen Fingerzeig, sondern auf sinnlich erlebbare Weise. Literaturverzeichnis unter: www.buendnerwald.ch/seite/ausgaben Raimund Rodewald Geschäftsleiter SL Schwarzenburgstr. 11, CH-3007 Bern r.rodewald@sl-fp.ch

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GEO-Tag, Artenvielfalt in der UNESCO Biosfera – Parc Naziunal

Blütenreiche Trockenwiese oberhalb Tschierv mit Blick in Richtung Piz Daint, aufgenommen am 27. Juni 2015. (Bild: Sarah Burg)

Der GEO-Tag der Artenvielfalt wurde 1999 vom Magazin «GEO» initiiert. Es handelt sich dabei um eine öffentliche, 24-stündige Aktion, an der eine Bestandesaufnahme der vorkommenden Organismen in einem bestimmten Untersuchungsgebiet durchgeführt wird, um insbesondere das Bewusstsein für die Artenvielfalt und deren Bedeutung zu fördern. Neben der jährlich stattfindenden Hauptveranstaltung in Deutschland werden GEO-Tage mittlerweile in verschiedenen Regionen und Ländern durchgeführt. So auch seit 2011 alle zwei Jahre in der UNESCO Biosfera Val Müstair – Parc Naziunal, wo am 26./27. Juni 2015 der dritte GEO-Tag der Artenvielfalt stattfand. Insgesamt 36 Artexperten und -expertinnen trafen sich, um das Untersuchungsgebiet am Fusse des Ofenpasses beim Dorf Tschierv unter die Lupe zu nehmen. Untersucht wurden Kieselalgen, Pilze, Flechten, Moose, Gefässpflanzen, Schmetterlinge, Heuschrecken, Ameisen, Bienen, Schlupfwespen, Fliegen und Mücken, Käfer, Spinnen, Skorpione, Amphibien, Reptilien, Vögel, Fledermäuse, Insektenfresser und Nagetiere. Schlussendlich wurden 1271 Arten erhoben, darunter auch etliche Erstnachweise. Begleitend zu den Erhebun-

gen fanden verschiedene Exkursionen und Vorträge zur Artenvielfalt der Region statt. Die nachfolgenden vier Artikel in dieser Ausgabe des «Bündner Wald» enthalten unter anderem auch Nachweise und Resultate des GEO-Tags 2015 bei Tschierv. Die GEO-Tage im Val Müstair sind wertvolle Momentaufnahmen, die bei wiederholten Durchführungen und zusammen mit anderen Arbeiten eine gute Übersicht über die Artenvielfalt der Region liefern. Zudem kann die Aktion das Thema Artenvielfalt und die Lebewesen des Tals einer breiten Öffentlichkeit näherbringen. Referenz: Conradin, Constanze: GEO-Tag der Artenvielfalt 2015 in der UNESCO Biosfera Val Müstair – Parc Naziunal, Jber. Natf. Ges. Graubünden 119 (2016)

Constanze Conradin Projektleiterin Forschung Biosfera Val Müstair, CH-7532 Tschierv constanze.conradin@biosfera.ch

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Erzwespen – Artenvielfalt im Dunkeln Erzwespen sind wichtige Feinde von pflanzenfressenden Insekten und spielen eine entscheidende Rolle für das Gleichgewicht im natürlichen Ökosystem. Wo sie fehlen, nehmen häufig Schädlinge überhand. Dennoch sind Erzwespen noch weitgehend unerforscht und selbst bei uns werden immer wieder neue Arten entdeckt. Die Temperaturen waren schon recht mild an jenem 28. Februar 2004, als Jacqueline Gros­ jean, Mitarbeiterin am Naturhisto­ rischen Museum Bern, von ihrer Wohnung in Nie­ derwangen im Westen von Bern zu einem Spaziergang aufbrach. Der leidenschaftli­ chen Insektensammlerin, die selbst in dieser Jahreszeit immer ein waches Auge auf alles richtet, was kreucht und fleucht, fiel am Ein­ gang der Fussgängerpassage, die in Nieder­ wangen zugleich unter der Autobahn A1 und der Eisenbahnlinie durchführt, sogleich die Puppe eines Admirals auf, welche reglos an der Wand hing. Das machte sie stutzig, denn

ein Tagfalter wie der Admiral schlüpft nor­ malerweise bereits im Herbst und überwin­ tert als Schmetterling an einem geschützten Ort. Dennoch packte sie die Puppe ein und steckte sie zu Hause in einen kleinen Zucht­ behälter. Bereits am 16. März schlüpfte da­ raus eine Schar winziger, metallisch grüner Erzwespen, die sich als sogenannte Parasitoi­ de auf Kosten des Schmetterlings entwickel­ ten (siehe Kasten «Was sind Erzwespen»). Am darauffolgenden Tag hatte ich den Fund meiner Kollegin auf meinem Pult. Ein Blick durchs Mikroskop, und mir war klar, diese Exemplare gehörten ganz offensichtlich ei­ ner noch unentdeckten, für die Wissen­ schaft neuen Erzwespenart an, die sich auf­ fallend von allen anderen unterschied. Als Entdeckerin durfte Jacqueline Grosjean den Namen für die neue Art wählen. Ihres Zeichens ein grosser Fan der Rockgruppe ­ Rolling Stones, wollte sie die Art dem Grün­ dungsmitglied Brian Jones widmen, der an

1 mm Die Erzwespe Pteromalus briani wurde nach dem «Rolling Stones»-Mitbegründer Brian Jones benannt. (Bild: Hannes Baur) 40

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Porträt von Stenomalina fervida, einer Erzwespe, die im Juni 2015 anlässlich des GEO-Tages

1 mm der Artenvielfalt in Tschierv (GR) erstmals in der Schweiz nachgewiesen wurde. (Bild: Hannes Baur) einem 28. Februar geboren wurde. Ihm zu Ehren heisst die neue Erzwespe jetzt Pteromalus briani (siehe Baur 2015). Erzwespen, eine Terra incognita unter den Insekten Die neue Art wurde also nicht in fernen tropischen Gefilden entdeckt, sondern direkt vor unserer Haustür, in einer künstlichen, fast schon lebensfeindlichen Umgebung. Um zu verstehen, wie aussergewöhnlich das ist, stellen wir uns mal Folgendes vor: Ein Schmetterling, ein Käfer, eine Spinne, eine Schnecke oder gar ein Wirbeltier, zufällig irgendwo aufgegriffen, entpuppt sich als ­ völlig unbekannte Art – beim heutigen Stand der Kenntnisse kaum vorstellbar! Bei Erzwespen ist dies dagegen nicht so ungewöhnlich, denn regelmässig werden in Mitteleuropa neue Arten entdeckt. Wie ich unlängst feststellen konnte, stecken in den naturwissenschaftlichen Sammlungen der Schweiz weitere unentdeckte Arten, die fein säuberlich präpariert darauf warten, beschrieben zu werden.

Erzwespen sind also eine noch weitgehend unerforschte Tiergruppe. Dies lässt sich mit Zahlen gut belegen. Weltweit sind etwa 22 000 Arten bekannt und in einer ­OnlineDatenbank, der Universal Chalcidoidea Database von Noyes (2015), abrufbar. Schätzungen zufolge ist jedoch eine weitaus höhere Artenzahl zu erwarten, nämlich etwa eine halbe Million. Demnach wäre weniger als ein Zwanzigstel aller Arten beschrieben! Das hat nun Auswirkungen auf andere Untersuchungen, etwa zur Verbreitung der Arten. Dies gilt selbst in Nord- und Mitteleuropa, wo die Verbreitungsgebiete der meisten Tiere und Pflanzen oft besonders gut dokumentiert sind. Bei Erzwespen gibt es jedoch grosse Kenntnislücken, vor allem in der Schweiz. Dies zeigt eine Studie, die im Rahmen des GEO-Tags der Artenvielfalt vom 26. bis 27. Juni 2015 in einem Gebiet bei Tschierv (GR) durchgeführt wurde (Baur 2016). Während 24 Stunden wurden die ­Arten einer einzigen Erzwespenfamilie, den Pteromalidae, gesammelt. Von diesen könnten durchaus 600 bis 700 Arten in der Bündner Wald 2/2016 41

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Schweiz vorkommen, nachgewiesen sind aber gerade mal 102 Arten (Noyes 2015). Die Exkursion in Tschierv förderte nun 32 Arten zutage, die sicher bestimmt werden konnten. Davon waren 17 Arten, also mehr als die Hälfte, Erstnachweise für die Schweiz. Bemerkenswert war jedoch, dass bei zehn Arten die Bestimmung unsicher war und weitere 25 bis 30 Arten sogar nur der Gattung zugeordnet werden konnten. Diese waren natürlich nicht alle Neuentdeckungen für die Wissenschaft, aufgrund fehlender Bestimmungsliteratur konnten sie nur nicht einer Art zugeordnet werden. Das Standardwerk, «The Pteromalidae of North-Western Europe» von Graham (1969, siehe Noyes 2015), ist trotz seiner unbestrittenen Qua­ lität in die Jahre gekommen und deckt die ­Arten der Alpenländer nur unvollständig ab. Ferner sind seither nur wenige Bestimmungs-

schlüssel über einzelne Gattungen hinzugekommen. Die Untersuchung in Tschierv zeigt daher exemplarisch die Auswirkungen fehlender Grundlagenforschung auf andere Forschungsgebiete. Ein riesiges Heer winziger Nützlinge Erzwespen kontrollieren sehr effektiv die Populationen anderer Gliedertiere, insbesondere auch von pflanzenfressenden Insekten. Im Ökosystem sind sie daher unentbehrlich, was besonders dann deutlich wird, wenn sie fehlen. Ein Beispiel hierfür ist die Edelkastaniengallwespe, die aus China eingeschleppt wurde und mangels natürlicher Feinde im Tessin massenhaft auftritt und dadurch grosse Schäden bei der Kastanienernte verursacht (EPSD 2012). Mithilfe eines Gegenspielers, einer Erzwespe, soll diese Gallwespe nun bekämpft werden. Ganz generell

Was sind Erzwespen? Erzwespen gehören zusammen mit den Stechimmen (z. B. Ameisen, Bienen, Falten- und Goldwespen) und den Pflanzenwespen zu den Hautflüglern. Sie sind Teil einer Gruppe, die als Schlupfwespen bezeichnet wird und sehr artenreich ist. In Mitteleuropa gibt es wahrscheinlich mindestens so viele Schlupfwespen wie Käfer, also über 6000 Arten. Die meisten Erzwespen haben mit den anderen Schlupfwespen gemein, dass sie als so­ genannte Parasitoide an anderen Insekten schmarotzen. Das Weibchen legt sein Ei an oder in einen Wirt, z. B. in eine Schmetterlingsraupe, eine Fliegenmade oder ein Wanzenei. Die Erzwespenlarve frisst während ihrer Entwicklung den Wirt so weit auf, dass dieser in jedem Fall stirbt. Dies unterscheidet den Parasitoiden von einem Parasiten (z. B. Floh), dessen Wirt (z. B. Katze) normalerweise problemlos überlebt. Erzwespen haben ein wesentlich breiteres Wirtsspektrum als andere Schlupfwespen. Es werden fast alle Insekten parasitiert, ferner auch Milben, Zecken und Spinnen. Einige Arten sind keine Parasitoide, sondern ernähren sich pflanzlich wie die Feigenwespen. Die Anpassung an die unterschiedlichsten Wirte und ökologischen Nischen führte zu einer riesigen morphologischen Vielfalt, sodass es schwer fällt, Erzwespen anhand weniger Merkmale zu beschreiben. Auffallend ist neben der geringen Körpergrösse oft ein metallisch grüner oder blauer, d. h. erzfarbener Glanz, welchem die Erzwespen ihren Namen verdanken.

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Die Erzwespe Tomicobia seitneri ist soeben aus einem Borkenkäfer, dem Buchdrucker Ips typographus, geschlüpft. Man beachte das Loch hinten am Käfer! (Bild: Beat Fecker, WSL Birmensdorf)

spielen in der biologischen Schädlingsbe­ kämpfung Erzwespen eine he­ rausragende Rolle. Ob Kulturen im Freiland oder in Ge­ wächshäusern, aus dem integrierten Pflan­ zenschutz sind sie nicht mehr wegzudenken. Selbstverständlich gilt auch hier: Wo die Grundlagenforschung fehlt, wird weiterer Nutzen behindert oder gar verunmöglicht. Es stellt sich natürlich die Frage, warum Erz­ wespen so unerforscht sind. Ihre unglaubli­ che Artenfülle könnte mit ein Grund sein. Tatsächlich spielt auch ihre geringe Körper­ grösse eine Rolle. Die meisten Arten sind nur wenige Millimeter lang, einige gar unter einem halben Millimeter. Solche Winzlinge werden daher oft schlicht und einfach über­ sehen. Zudem haben in der Vergangenheit grössere Insekten, etwa Schmetterlinge, ­Libellen und Käfer, deutlich mehr Zuwen­ dung von Forschern erhalten. Referenzen Baur, H. (2015) Pushing the limits – two new species of Pteromalus (Hymenoptera, Chal­ cidoidea, Pteromalidae) from Central Europe

with remarkable morphology. ZooKeys 514, 43 – 72. Baur, H. (2016) Schlupfwespen (Hymenop­ tera Parasitica). In: Conradin, C. GEO-Tag der Artenvielfalt 2015 in der Unesco Biosfera Val Müstair-Parc Naziunal. Jahresbericht der ­Naturforschenden Gesellschaft Graubünden 119. Noyes, J. S. (2015) Universal Chalcidoidea Database. Available from: http://www.nhm.ac.uk/chalcidoids (20. Oktober 2015). EPSD (2012) Edelkastaniengallwespe Dryo­ cosmus kuriphilus. Eidg.  Pflanzenschutz­ dienst, BAFU & BLW.

Hannes Baur Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern Bernastrasse 15, CH-3005 Bern hannes.baur@nmbe.ch

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Schmetterlingsfauna des Val Müstair

Chazara briseis, die Berghexe oder Felsenfalter

Aethes aurofasciana (Enzianwickler).

(links) und ein Schachbrett (rechts). (Bilder: Hans-Ueli Grunder und Jürg Schmid)

Die meisten Menschen verstehen unter Schmetterlingen farbenprächtige zarte Wesen, welche an sonnigen Sommertagen nektarsaugend Blüten besuchen. Nur die wenigsten wissen, dass daneben noch eine viel grössere Artenzahl an meist unscheinbaren nachtaktiven Schmetterlingen vor unserer Haustüre lebt. Unser Wissen über sie ist oft dürftig!

– unsere «Sommervögel» – und 1400 mehr­ heitlich nachtaktiv sind. Die Tagfalter grup­ pieren sich in fünf Familien, die Nachtfalter in 63 Familien, wobei allein die Kleinschmet­ terlinge 54 Familien bilden! Diese Tiere be­ siedeln mit Ausnahme der nivalen Stufe sämtliche Lebensräume der Schweiz. Notodonta ziczac – Zickzack-Zahnspinner.

Artenspektrum Schweiz Der Artbestand aller in der Schweiz bisher registrierten Schmetterlinge beträgt knapp 3700 Arten. Bei mehr als der Hälfte davon (2100 Arten) handelt es sich um sogenannte Kleinschmetterlinge. Darunter fallen z. B. die Kleidermotte und der Lärchenwickler, aber auch ganz farbenprächtige Wesen, welche allein wegen ihrer Kleinheit meist unbeach­ tet bleiben. Niemand kann abschliessend beantworten, wie viele Arten zurzeit im Val Müstair leben! Bei den restlichen 1600 Arten spricht man von Grossschmetterlingen, wovon wiede­ rum rund 200 Arten ausschliesslich tagaktiv 44

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Die geografische Situation des Val Müstair Die Schweiz wird in sechs Faunenregionen gegliedert (Fauna Helvetica Lepidoptera, CSCF 2010). Das Val Müstair wird hier neu der «südlichen Schweiz» zugeordnet. Ob zu Recht, ist unter Fachleuten umstritten. Tat­ sache ist jedoch, dass das Val Müstair zwar in nordöstlicher Richtung in den angrenzen­ den Vinschgau mündet, dort aber via Etsch­ tal barrierefrei südwärts in die Poebene wei­ terführt. Das niederschlags­arme Tal liegt zu 100 Prozent in der montanen bis alpinen Stufe zwischen 1220 m ü. M. (Müstair) und 3180 m ü. M. (Piz Murtaröl).

rierten knapp 1300 Arten werden rund 755 ­ avon (58 %) auch im Val Müstair gefunden. D sind 17 Arten Singularitäten, d. h. sie kom­ men in GR ausschliesslich in diesem Tal vor. Bekanntestes Beispiel ist der Felsenfalter.

Schmetterlingsfauna des Münstertales Das Tal wird von ausgedehnten Na­ del­ wäldern dominiert. Die prägenden Bäume der kollinen Stufe – Buche und Eiche – fehlen praktisch vollständig, ebenso grössere Feucht­gebiete und damit auch die Lebens­ grundlage vieler laubwaldgebundenen Ar­ ten. Von den im Kanton Graubünden regist­

Artenschutzprojekt Felsenfalter Der Felsenfalter ist ein Bewohner der ex­ trem trockenheissen Felsensteppen. Seine Raupen leben überwinternd an Gräsern der Gattung Festúca. Die Tiere besiedeln ganz Südeuropa, Nordafrika und Innerasien. Der Falter ist primär durch die zunehmende Ver­ buschung seines ehemals offenen Lebens­ raumes gefährdet. Pro Natura initiierte 2004 ein Programm mit dem ehrgeizigen Ziel, verlorene Lebensräu­ me im Tal zurückzugewinnen. Mit gezielten forstlichen Eingriffen und kontrollierter Be­ weidung durch Ziegen und Schafe soll dem Felsenfalter geholfen werden. Auch alle an­ deren weniger populären wärmeliebenden Insekten könnten davon profitieren. Aller­ dings liegen dabei Nutzen und Schaden

Überweideter Lebensraum Felsensteppe.

Boloria pales – Alpenmatten-Perlmuttfalter. Bündner Wald 2/2016 45

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nahe beieinander, da Ziegen und Schafe in erster Linie genau diese Gräser und vor al­ lem alle Schmetterlingsblütler bevorzugt abfressen und damit den Schmetterlingen die Nahrungsgrundlage entziehen. (In der Botanik gilt nach wie vor Kreuzblütler, Korbblütler, Schmetterlingsblütler usw.) Farne, Lärchen und Haselsträucher breiten sich trotzdem aus. Ohne radikale forstliche Eingriffe und schonendere Beweidung wird das ehrgeizige Ziel nicht zu erreichen sein! Eine Besonderheit – Noctua interposita Noctua interposita ist eine Nachtfalterart aus der Familie der Eulenfalter. Die Falter der Gattung Noctua zeichnen sich durch leuch­ tend gelbe, schwarz eingefasste Hinterflügel aus. Ihr Vorkommen ist aus Südeuropa, Nord­afrika bis Innerasien bekannt. Es scheint eine expansive Art zu sein, welche als Gele­ genheitswanderer auch schon in Skandina­ vien gefunden wurde. In der Schweiz war

aus den letzten 150 Jahren nur ein sicherer Fund von 1986 (H. Blöchlinger) aus dem Tessin bekannt. Der Autor fing im Tal zwischen 2012 und 2015 einige Exemplare auf über 1800 m ü. M. Die anfänglich skeptische Fachwelt bestätig­ te den aussergewöhnlichen Fund (nachträg­ lich wurde noch ein weiterer Fund aus der Zentralschweiz durch L.  Reser gemeldet). Noch ist nicht bekannt, ob die Art inzwi­ schen im Val Müstair sesshaft geworden ist oder ob sie alljährlich aus dem Südtirol ein­ wandert. Biodiversitätsmonitoring Für verlässliche Aussagen benötigen wir Ver­ gleichszahlen. 1881 schuf Eduard Killias das erste regionale Verzeichnis der Schmetterlin­ ge Graubündens. Über 100 Jahre später hat sich Jürg Schmid aus Ilanz die Mühe genom­ men, Periodika und Sammlungen systema­ tisch nach Bündner Angaben zu durch­

Lycia isabellae – Isabellenspanner. 46

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Papestra biren – Moorwald-Blättereule.

Zygaena carniolica – Esparsetten-Widderchen.

forschen, zusammenzutragen und 2007 in gebundener Form als «Kritische Liste der Schmetterlinge Graubündens und ihre geografische Verbreitung» zu publizieren. Damit ist eine Basis geschaffen, welche allfällige Veränderungen längerfristig erkennen lassen könnte. Dabei dürfte es sich aber bestenfalls um Tendenzen handeln, da sich nachtaktive Schmet­ terlinge nur punktuell beobachten und zählen lassen und zudem ihre Häu­figkeit von Jahr zu Jahr naturgegebenen Schwankungen unterworfen ist.

Die Natur unterliegt permanenten Veränderungen. Arten verschwinden, neue Arten wandern ein oder werden eingeschleppt. Klimaveränderungen eröffnen neue Lebensbedingungen für Pflanzen und damit auch für Schmetterlinge. Die meisten Lebensräume im Val Müstair werden gar nicht oder nur extensiv bewirtschaftet und haben vermutlich eine seit Jahrzehnten unverändert gute Biodiversität. Verluste sind jedoch im intensiv bewirtschafteten Landwirtschaftsgebiet im Talboden zu beobachten, wo einst blumenreiche Naturwiesen durch Überdüngung, Bewässerung und mehrere Schnitte pro Jahr in artenarme Graswüsten umgestaltet wurden.

Die Situation im Val Müstair Der Autor betreibt seit acht Jahren intensive Feldarbeit mit dem Ziel, möglichst viele der bisher im Tal gefundenen Arten zu bestätigen und damit etwas über die Biodiversität respektive die Qualität des Lebensraumes Val Müstair aussagen zu können. Natürlich konnten in dieser kurzen Zeit noch längst nicht alle in den letzten Jahrzehnten gefundenen Arten bestätigt werden. Überraschenderweise wurden aber 26 neue Arten erstmals im Tal gefunden! Wie ist das zu werten?

Hans-Ueli Grunder Craistas 145 CH-7536 Sta. Maria Val Müstair h-u.grunder@bluewin.ch

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Orchideenwelt – im Val Müstair

Abb. 1: Rotes Waldvöglein. (Bilder: Gottfried Grimm)

Orchideen sind schweizweit geschützte Pflanzen. Sie wachsen auf stickstoffarmen Böden: an Waldrändern und Strassenböschungen, auf mageren Wiesen und in Feuchtgebieten. Mit schonender Waldbewirtschaftung und Verzicht auf frühes Mähen kann der Forstdienst wesentlich zur Erhaltung von Orchideenstandorten beitragen. Auch andere Arten werden dadurch gefördert. «Orchideen im Val Müstair?», so haben mich vor einigen Jahren zwei Frauen am Tisch des Hotels Chalavaina in Müstair gefragt, – «Orchideen stammen doch aus den Tropen und sind in jedem Blumenladen erhältlich.» Ich erklärte ihnen, dass im Val Müstair 28 Arten wild wachsender Orchideen blühen, in der Schweiz 75! Diese Information zeigte Wirkung: Am nächsten Abend präsentierten mir die Damen zwei Fotos, die sie auf ihrer Wanderung gemacht hatten. Mir blieb der Mund offen: «Diese Orchidee suche ich seit einem Jahr vergeblich im Val Müstair, das Rote Waldvöglein, Cephalanthera rubra (Abb. 1), – wo haben Sie das ge-

funden?» Dieser kurze Erlebnis­bericht mag als Einleitung genügen. Kommen Sie mit auf eine Orchideenfahrt über den Ofenpass nach Müstair! Erste Station machen wir auf der Passhöhe Süsom Givè. Von Mitte Juni bis Ende Juli wandern wir nördlich der Passstrasse über einen prächtigen Blumenteppich. Zahllose Orchideen sind eingebettet in eine Vielfalt von Alpenblumen. Landschaftlich wilder und botanisch interessanter ist hingegen die Südseite des Passes. Wir steigen Richtung Jalet und entdecken bei genauem Hinsehen Korallenwurz, Corallorhiza trifida, eigentlich eine Orchidee schattiger Nadelwälder. In dieser Höhenlage aber wächst sie ­büschelweise zwischen Zwergsträuchern aus dem Schutt. Auf schmalem Pfad traversieren wir die Geröllhalden auf der Südseite des Jalet, vorbei an Abertausenden von Wohlriechendem Handwurz, Gymnadenia odoratissima, und Braunrotem Stendelwurz, Epipactis atrorubens. Wir lernen ­Orchideen als Pionierpflanzen kennen, die sich auf diesem mageren Biotop ­wohlfühlen. Auf dem Sattel von Davo Plattas erteilen uns Orchideen eine Lektion in Geologie und Bodenkunde: Die Wohlriechende Handwurz wächst nur auf Kalk, hier oben wächst auch die sauren Boden anzeigende Weisszunge, Abb. 2: Schwarzes Männertreu, gelbblühende Farbvariante.

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Pseudorchis albida. Zwar besteht der Untergrund weitgehend aus Kalkgestein, da liegen jedoch grobe Steine mit Landkartenflechten – ein Hinweis darauf, dass auch kristallines, d. h. saures Gestein vorhanden sein muss. Wir entdecken eine botanische Besonderheit: Ein Schwarzes Männertreu, Nigritella rhellicani, mit gelben Blüten (Abb. 2), keine eigene Art, sondern eine seltene Farbvariante. Eine Rarität im Val Müstair ist aber das Rote Männertreu, Nigritella rubra; dies ist eine eigene Art und gedeiht nur auf Kalk. Auf der Kuppe des Jalet wächst eine weitere Spezies aus dem Reich der Orchideen, die Zwergorchis, Chamorchis alpina (Abb. 3). Sie hat sich auf erstaunliche Weise an das raue Gebirgsklima angepasst: Von 1500 m ü. M. steigt sie hinauf bis auf 2700 m ü. M. und liebt windgepeitschte Grate, wo der Schnee weggefegt wird. Auch mit ihrer Grösse von 5 bis 15 cm ist der Zwerg unter den einheimischen Orchideen an seine Umgebung bestens angepasst. Im Val Müstair kommt sie im ganzen Gebiet zwischen Ofenpass und Pass Costainas vor, sie wächst auch vom Serraglio bis zum Lai da Rims. Ihr Verbreitungsgebiet wirkt merkwürdigerweise wie mit dem Messer abgeschnitten. Ein Blick auf die geologische Karte zeigt uns warum: Das Ofenpassgebiet besteht fast aus-

schliesslich aus Kalkgesteinen der Trias, die aber aus Richtung Nordost mit älterem Verrucano überschoben wurden. Kalke reagieren basisch, Verrucano sauer und die Zwergorchis liebt eben Kalk. Ähnlich auf der Nordseite des Münstertals: Die Grenze zwischen Kalk und Verrucano lässt sich leicht an Orchideenfunden ablesen. Magerwiesen und Wälder vom Ofenpass bis über Lü hinaus beherbergen Tausende von Orchideen aller Arten, auf der Linie Lüsai–Urschai–Alp Tabladatsch aber hat die Herrlichkeit ein Ende und nur da und dort sind vereinzelt säuretolerante Arten zu finden. Damit sind wir bereits an unserer zweiten Station angekommen. Westlich von Tschierv bewegen wir uns durch die regelmässig von Kalkschutt übersarte und von meist wasserlosen Erosionsfurchen durchzogenen Multetta, die grossen Alluvionsfächer NE des Piz Daint, auf den ersten Blick ein trostloses Biotop, genauer betrachtet aber ein wahres Orchideenparadies: Da blühen die bereits bekannten Handwurz und Stendelwurz, die Weisszunge und Grüne Hohlzunge, Coeloglossum viride, aber auch gut versteckt ein Frauenschuh, Cypripedium calceolus, und an über 25 Stellen die Fliegen-Ragwurz Ophrys insectifera (Abb. 4). Alle RagwurzArten sind Sexualtäuschblumen: Ihre Lippe gleicht in Form und Behaarung einer Wild-

Abb. 3: Zwergorchis.

Abb. 4: Fliegen-Ragwurz.

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biene, mit ihrem Duft imitiert sie ein Weibchen. Mit ihrem speziellen «Chanel Nr. 5» lockt sie Wildbienenmännchen, die sich beim Kopulationsversuch Staubgefässe der Orchidee an Kopf und Hinterleib heften und zur nächsten Blüte tragen. Ganz vergeblich ist die Liebesmüh der Wildbienen also nicht, wenigstens für die Ragwurz nicht. Wandern wir von der Multetta talauswärts auf dem Waldsträsschen Richtung Funtauna Grossa und Fuldera, so wechselt der Charakter des Bergwalds; er wird schattiger und feuchter, an vielen Stellen wächst Moos – ein ideales Biotop für das Kleine Zweiblatt, 5), einen weiteren Listera cordata (Abb.  Winzling unter den Orchideen. Ein zarter Stängel, nur 5 bis 20 cm hoch, trägt 8 bis 15 winzige, braunrote, selten grünliche Blüten. Das Kleine Zweiblatt ist sehr standorttreu; ich konnte im Val Müstair Funde, welche der Botaniker Rudolf Gsell vor über 60 Jahren beschrieben hat, mühelos bestätigen. Gerade die Standorttreue vieler Pflanzen insgesamt verlangt vom Forstdienst Rücksicht: Eine Böschungsmahd auf einer Breite bis gegen drei Meter, oft auch mit Schäden am Wurzelwerk, ist nicht nur ein Ärgernis für wandernde Sommergäste, sondern zerstört empfindliche Standorte für Jahrzehnte. Vor Mitte September sollten Waldwegböschun-

Abb. 5: Kleines Zweiblatt.

gen in Ruhe gelassen werden, andernfalls können viele Pflanzen­samen, auch die der Orchideen, nicht ausreifen. Zudem kann der unsachgemässe Einsatz von schwerem Holzerntegerät wertvolle Wuchsorte verwüsten. Und wenn mitten im Wald flachere neue Böschungen mit Allerweltsgrassamen eingesät werden – ich habe da z. B. auch zahlreiche Roggenhalme gesehen – dann ist das standortsfremd und unerwünscht (Abb. 6). Warum lässt man Waldwegböschungen nicht einfach natürlich einwachsen?

Abb. 6: Waldstrassenböschung mit ortsfremden Gräsern begrünt.

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Abb. 7: Fuchs’ Fingerwurz.

Abb. 8: Breitblättrige Fingerwurz.

Als eine Art Hinweisschilder für die sensiblen Kleinstorchideen kann man Fuchs’ Fingerwurz, Dactylorhiza fuchsii (Abb. 7), betrachten, aus der Distanz schon wie weisse Kerzen leuchtend, zeigen sie aus der Nähe wunderschöne purpurviolette Schleifenmuster auf ihren Blüten. Weniger auffallend mit seinen grünen Blüten, aber ebenso weitverbreitet, ist das Grosse Zweiblatt, Listera ovata. Wenn wir auf die Sonnenseite des Tals wechseln, zeigt der Bergwald einen ganz andern Charakter. Hier wachsen vorwiegend Bergföhren und an trockene und halbtrockene Standorte angepasste Orchideen: Zehntausende Wohlriechende Handwurz, Tausende Dunkelrote Stendelwurz, aber auch Breitblättrige Stendelwurz, Epipactis helleborine, und selten Entferntblättrige Stendelwurz, Epipactis distans. An hellen, grasigen Stellen ist wieder die Fliegen-Ragwurz anzutreffen, nicht selten auch an relativ frischen Strassenböschungen. Und als regionale Seltenheit wächst hier das Rote Waldvöglein mit seinen zierlichen rosaroten Blüten. Seine weitabstehenden Sepalen erinnern tatsächlich an ein fliegendes Vögelchen (Abb. 1).

Ein besonderes Biotop in Tschierv ist das Gebiet Pezzas gleich unterhalb der Quelle des Roms. Entlang des Bachs ziehen sich Kiesbänke, bewachsen mit verschiedenen Weidenarten und Orchideen, die wir von der Multetta her kennen: Wohlriechende und Langspornige Handwurz, Gymnadenia conopsea, in rauen Mengen, dazwischen Dunkelrote Stendelwurz. Nördlich der Kiesbänke erstreckt sich ein ausgedehntes Feuchtgebiet, das eine bisher noch nicht beschriebene Orchideengruppe beherbergt, die Gattung der Fingerwurz: Lappländische und Breitblättrige Fingerwurz, Dactylorhiza lapponica und 8), Fleischfarbene und D. majalis (Abb.  Blutrote Fingerwurz, Dactylorhiza incarnata und D. cruenta. Dazwischen verdienen auch Nicht-Orchideen Beachtung: Die Europäische Trollblume, die seltene blaue Himmelsleiter, das Quirlblättrige und das Sumpf-Läusekraut. Vom Sonnenhang herunter leuchten Feuerlilien. Was Orchideenkennern Kopfzerbrechen bereitet, ist die Eigenschaft der Fingerwurz – sie werden auch als Knabenkräuter bezeichnet – naBündner Wald 2/2016 51

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Abb. 9: Weisses Breitkölbchen.

Abb. 10: Frauenschuh.

türliche Kreuzungen einzugehen. Da sich dabei ihre Bestimmungsmerkmale vermi­ schen, ist eine genaue Artbestimmung schwierig oder gar unmöglich. Nun fahren wir durch den untersten Ab­ schnitt des Tals. Die Unterlage aus saurem Gestein trägt wie überall eine artenärmere Flora. Vor allem aber die Bewässerungswirt­ schaft und der Einsatz von Jauche haben hier zu einer weitgehend verarmten Flora geführt. Doch gibt es auch einen botani­ schen Lichtblick: Wir halten beim Center da sandà Val Müstair in Sielva und steigen hin­ auf nach Belvair. Hier finden sich Hunderte von Weissen Breitkölbchen, Platanthera bifolia (Abb. 9), wegen ihres intensiven Dufts auch Waldhyazinthen genannt, Braunrote Stendelwurz, ja sogar Frauen­ schuh (Abb. 10) – alles Orchideen, die nur auf Kalk wachsen. Das Geheimnis liegt wohl in einer Rüfe oder einem Felssturz, der Kalk­ schutt in die Umgebung von Belvair hinun­ tergetragen hat. Andernorts sind Funde von Kalk liebenden Orchideen bekannt, wo of­ fenbar einige Körner Strassensplitt genügt

haben, einen sonst sauren Untergrund auf­ zukalken. Bei Belvair findet sich auch eine gelbblühende Form der Braunroten Stendel­ wurz. Eine Pflanze schön finden kann man nur, wenn man sie kennt – diesen provokativen Satz hat uns der Biologielehrer eingeprägt. Wir könnten fortfahren: Eine Pflanze schüt­ zen kann man auch nur, wenn man sie kennt. Als Forstleute sind sie den botani­ schen Kostbarkeiten sehr nahe. Ich kenne Forstleute, die, einmal in die Orchideen­ kunde eingeführt, zu begeisterten Orchide­ enschützern geworden sind. Lassen Sie sich Ihre Orchideen von Fachleuten und Orchi­ deenfreunden zeigen. Gemeinwesen kön­ nen übrigens für Bauvorhaben punkt­genaue Orchideendaten beim nationalen Datenund Informationszentrum der Schweizer Flora «info flora» beziehen und so schon bei der Planung von Pflegeplänen und Bauten auf Orchideen und ihre Biotope Rücksicht nehmen. Den letzten Halt auf unserer Reise machen wir in Müstair und wandern hinüber zum

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Feuchtgebiet Schler dal Podesta. Der Krautbewuchs hier ist recht üppig, dennoch finden sich viele nässeliebenden Orchideen, allen voran die Breitblättrige Fingerwurz mit ihren leuchtenden violetten Blütenständen. Ebenfalls weithin leuchtend ist die Langspornige Handwurz, etwas später blühend in vielen Exemplaren. Eine Legende weiss von einem Botanikprofessor, der seine Studenten durch dieses Feuchtgebiet führte. An einer Stelle soll er sich gebückt und eine Handvoll Pflanzen abgerissen haben. «Na was haben wir denn da», kommentierte er fachkundig seine Beute, «das ist ja das Einblättrige Weichkraut!» Diese äusserst seltene Orchi-

dee wurde seither im Val Müstair trotz intensiver Suche nicht mehr gesehen. Quellengaben und Adressen sind zu finden unter: www.buendnerwald.ch/seite/ausgaben

Gottfried Grimm alt Präsident AGEO Möwenweg 23 CH-8597 Landschlacht gottfried.grimm@bluewin.ch

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Auf Tuchfühlung mit Moosen im Val Müstair Moose sind überall, ausser im Meer, ein wichtiger Teil der Biodiversität, so auch im Val Müstair. In einigen Wäldern der Talschaft ist die Vielfalt beträchtlich und die ökologische Bedeutung dieser kleinen Pflanzen gross. An den Biodiversitätstagen von 2011 und 2015 haben sich die Autoren mit der Moosflora des Val Müstair befasst. Die Datenbank des Nationalen Inventars der Schweizer Moosflora enthält weitere Angaben aus dem Tal des Rom. Diese wurden für den vorliegenden Artikel auch verwendet. Der Abb. 1: Waldboden mit dichtem Moosrasen, der wie ein Schwamm wirkt. (Bilder: Norbert Schnyder)

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älteste bisher erfasste Fund stammt von 1858. Vollständig aufgenommen sind aber erst die Meldungen seit den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Zunächst ein paar Angaben zur allgemeinen Bedeutung der Moose: In der Schweiz machen sie mit über tausend verschiedenen ­Arten einen beträchtlichen Teil der pflanzlichen Vielfalt aus. Praktisch alle Lebensräume werden von Moosen besiedelt. Die grösste Diversität findet sich in Wäldern, Gebüschen und Zwergstrauchheiden. Moose haben im Vergleich zu ihrem Gewicht eine sehr grosse Oberfläche. Dies vor allem, weil die Moosblättchen nur eine Zellschicht dick sind. ­Daher können Moos­bestände rasch grosse Mengen an Regenwasser aufnehmen. Sie geben es aber nur langsam wieder an Boden und Luft ab. Dichte Moospolster gleichen darin einem Schwamm (Abb. 1). So wirken sie ausgleichend auf den Wasserhaushalt des Waldes und anderer Ökosysteme. Ebenso wie Bäume verhindern Moose auch stärkere Ero­sion. Sie sind Lebensraum für kleine und kleinste Tiere und ausserdem Keimbett für Blütenpflanzen. Viele Vögel nutzen Moose als Baumaterial für ihre Nester. Die Belastung der Umwelt mit den giftigen Schwermetallen wird heute vor allem durch die Analyse von Moosen gemessen. Diese nehmen die Schwermetalle leicht auf und speichern sie in den Zellwänden, ohne dabei Schaden zu nehmen. Neben diesen wichtigsten Aspekten wirkt die einzig bekannte Schadwirkung von Moosen bescheiden. Wenige Leute ­reagieren nämlich allergisch auf Hautkontakt mit bestimmten Lebermoosen. Vergessen wir auch nicht, dass sich viele Menschen unter anderem wegen Moosen an einer schönen Waldlandschaft erfreuen. Gegen 300 Laub- und Lebermoosarten sind gegenwärtig aus der Gemeinde Val Müstair bekannt. Das weiss man aus den 775 regis­

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Abb. 2: Bachbegleitendes Gehölz am Rom.

Abb. 3: Ein Spitz-Lebermoos (Lophozia incisa), das oft auf totem Holz zu finden ist.

trierten Aufsammlungen verschiedener Mooskundiger. Die Moosflora ist damit ­sicher noch nicht vollständig bekannt. Vom genannten Total sind 125 im Wald oder in bachbegleitenden Gehölzen gefunden worden (Abb. 2). Von einem gewissen Zersetzungsgrad an werden im Wald die Streu (von zehn Arten) und totes Holz (von 15 3). Manche Arten Arten) besiedelt (Abb.  können aber verschiedene Materialien als

Substrat nutzen. Nur elf Arten haben wir als Epiphyten, also an lebenden Bäumen und Sträuchern, gefunden. Das ist deutlich weniger als man sonst in Wäldern, vor allem in tieferen Lagen erwartet. Dies hängt mit dem relativ trockenen Talklima zusammen. Häu­ figkeit und Menge der Niederschläge und damit die Luftfeuchtigkeit sind hier weitherum ähnlich niedrig wie im Engadin. Ausserdem tragen Nadelbäume wegen der chemischen Eigenschaften ihrer Borke allgemein weniger Epiphyten als Laubbäume. Besonders die Bergföhre hat praktisch keine. Eine Aufnahme auf 100 m2 im Bergföhrenwald von Multetta bei Tschierv lieferte einzig das Kratz-Lebermoos (Radula complanata) an lebendem Holz, nämlich an einer frei liegenden Wurzel. Im Ganzen gibt es hier bloss 15 Moosarten. Im Gegensatz dazu steht eine Aufnahme gleicher Grösse oberhalb Funtauna Grossa bei Fuldera. Dort fanden sich total 48 Arten. Auch hier gibt es Epiphyten nur an der Basis von Stämmen der sechs Bäume (Arve, Lärche und Fichte) in der Fläche. Die hohe Artenzahl kommt ­daher, dass es dort neben trockenem Boden auch feuchte Stellen (Abb. 4) und Fels­ blöcke gibt. Wie anderswo, ist auch hier meistens der Wald am moosreichsten. Oft zeigt sich aber, dass die Moosschicht, dort, wo sie am üppigsten entwickelt ist, nur wenige Arten enthält. Umgekehrt sind am meisten Arten an Stellen zu finden, wo die Moose nicht stark in Erscheinung treten. Wesentlich geringer als in vielen Wäldern ist die Vielfalt in manchen anderen Lebensräumen des Gebiets. Ganz besonders artenarm sind die Fettwiesen mit maximal vier Arten. Deutlich mehr gibt es in Sümpfen, an Felsen und in Schutthalden. Man muss aber bedenken, dass die noch erhaltenen Moore wenig untersucht sind. In der Artenliste bemerken Spezialisten Bündner Wald 2/2016 55

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Abb. 4: Ein Wurzelsternmoos (Rhizomnium magnifolium) mit jungen Sporenkapseln, an einer feuchten Stelle.

ei­ nige Seltenheiten, z. B. ein Zwerg-Lebermoos (Cephaloziella spinigera) aus einem Moor im Gebiet von Buffalora. 17 der im Val Müstair gefundenen Arten sind in der Roten Liste der Schweizer Moose als gefährdet ­eingestuft. Zwei davon, nämlich zwei Birnmoose (Bryum mildeanum und B.  neo­ damense) sind sogar vom Aussterben bedroht. Einige der gefährdeten Moose sind dementsprechend in die Natur- und Heimatschutzverordnung des Bundes als geschützte Arten aufgenommen. Zu diesen gehören alle Torfmoose (Spha­gnum), von denen im Gebiet bisher zwei Arten nachgewiesen sind. Der Bestand an Moosen dürfte zum grös­ seren Teil in den weitgehend naturnahen Wäldern der «Bio­sfera Val Müstair» ge­sichert sein. Als Besonderheit darf der schon erwähnte Bergföhrenwald von Multetta eingeschätzt werden. Trotz, oder gerade wegen seiner Einförmigkeit ist er ein Juwel, und es

ist zu hoffen, dass ihn das Kieswerk an seinem Rand nicht weiter einschränkt. Man sieht: Gebiete wie die Talschaft Val Müstair tragen einige Verantwortung für den Schutz der Vielfalt von Moosen und wohl auch von anderen Lebewesen.

Edi Urmi Im Mattenacher 2 CH-8124 Maur e.urmi@ggaweb.ch

Norbert Schnyder Holzwiesstrasse 35 CH-8645 Jona norbert.schnyder@fub-ag.ch

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Von Zug- und anderen Vögeln im Val Müstair

Abb. 1: Raufusskauz in Schwarzspechthöhle.

Abb. 2: Junger Schwarzspecht.

(Bilder: Alessandro Pelli)

Im Val Müstair, wo sich Braunkehlchen und Neuntöter einen guten Morgen wünschen ... Es ist klirrend kalt in dieser Januar­ nacht: «uuu-uuu-uuu-uuu-uuu», ruft es vom nahen Bergwald. Der Raufusskauz – schön, dass er noch immer hier haust! Der Raufusskauz ist eine recht häufige Eule in unserem Tal. Er teilt die Waldgebiete mit dem Sperlingskauz und der Waldohreule. Letztere nistet in Bäumen, z. B. in alten Krähennestern. Raufuss- und Sperlingskäuze sind dagegen auf alte Spechthöhlen angewiesen. Brütet auch der Waldkauz im Tal? Nicht sicher. Vor zwei Jahren habe ich einen verletzten Waldkauz, welcher in Fuldera in eine Fensterscheibe geflogen ist, nach Brail in die Pflegestation gebracht. Eine Woche später konnten wir diesen wieder ob Tschierv freilassen. Seither ist mir kein Nachweis mehr gelungen. Der grösste heimische Singvogel ist der Kolkrabe. Kolkrabenpaare bleiben sich ein Leben lang treu. Je länger sie zusammen sind, desto spektakulärer und perfekter sind ihre synchronen Balzflüge. Kaum denkbar, dass ein noch so geübter Jetpilot, gar mit der neuesten Technik, dieser Akrobatik Paroli bieten könnte. Der Wald im Tal wird zwar genutzt, dennoch bleibt genug Altholz für Spechte übrig. Schwarzspecht, Bunt- und Grünspecht sind häufig anzutreffen, in höheren Lagen

finden wir mit etwas Glück den heimlich ­lebenden Dreizehenspecht. Spechte haben einen harten Schnabel und eine «stossdämpfende» Schädelkonstruk­ tion. Der Schwanz dient als Stütze beim Raushacken von Nahrung am Baumstamm. Das Trommeln (ein sogenannter Instrumentallaut) hat die gleiche Funktion wie der Gesang eines Singvogels, nämlich die der Revierverteidigung und Brautwerbung. Erst im Frühling kehrt der kleinste und einzige ziehende Specht im Münstertal, der Wendehals, von seinem Winterquartier in Afrika zurück. Mit seinem weichen, leicht gebogenen Pinzettenschnabel ist er nicht in der Lage, seine Höhle selbst zu zimmern und ist somit ebenfalls auf Baumhöhlen angewiesen. Während der Winterzeit lässt sich der Bartgeier auf seinen Suchflügen beobachten, welche er zeitgenau mehrere Tage hinter­ einander wiederholt. Der Bartgeier beginnt bereits nach der Jahreswende mit der Brut! Als Knochen- und Aasfresser findet er gerade im strengen Winter genug Nahrung von Fallwild. Auch der majestätische Steinadler, welcher regelmässig im inneren Tal brütet, verlässt sein angestammtes Revier im Winter zur Nahrungssuche. Falls er keine lebende Beute macht, frisst auch er Aas und ist mitunter am selben Fressplatz zu sehen wie der BartBündner Wald 2/2016 57

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Abb. 3: Kraniche in Tschierv, November 2014.

geier. Diese zwei grössten heimischen Vögel sind im Flug leicht an der Schwanzform zu unterscheiden: Der Bartgeier hat einen keilförmigen, der Steinadler einen leicht abgerundeten Schwanz. Von den grössten Vögeln zu den kleinsten, den Goldhähnchen. Mit gut 5 g wiegen sie gerade einmal so viel wie eine Kinderhand voll Kartoffelchips. Bei uns im Tal brüten das Winter- sowie das Sommergoldhähnchen in Nadelbäumen. Das Sommergoldhähnchen ist im Gegensatz zum Wintergoldhähnchen ein Kurzstreckenzieher und verbringt den Winter in südlicheren Gefilden. Es ist am schwarzen Augenstreif (Sonnenbrille) vom Wintergoldhähnchen gut zu unterscheiden. In strengen Wintern ist die Sterberate beim hier bleibenden, äusserst kleinleibigen Wintergoldhähnchen hoch, diese Verluste werden durch zwei Bruten mit einem grossen Gelege von acht bis elf Eiern wettgemacht. Die Alpendohlen lassen sich in dieser Jahreszeit in grossen Schwärmen zur Nahrungs­ suche im Talkessel nieder, die Nacht verbringen sie dann wieder in den felsigen Höhen. Insbesondere ist der Einflug vor einem Wetterwechsel zu beobachten, die Alpendohle ist für die Einheimischen ein Wetterbote. Am hoch frequentierten Futterhaus streiten sich nun Kohl-, Weiden-, Blau- und Tannenmeisen und natürlich die Haussperlinge. Bei Sperlingen lohnt sich immer ein genauer

Blick, neben dem Haus- und Feldsperling nistet auch der Italiensperling im äusseren Tal. Das Aussehen ähnelt dem des Feldsperlings, der schwarze Wangenfleck fehlt jedoch. Wenn die Alpenbraunelle in den Niederungen bei der Futtersuche anzutreffen ist, kommt mehr Schnee. Es will Frühling werden Der Winter schwächelt und die ersten Zugvögel kehren zurück. Die schokoladenbraune Felsenschwalbe sieht man oft schon im Februar auf der Jagd nach Insekten. Mehr und mehr nisten Felsenschwalben auch in Siedlungen, wo sie ein kunstvolles, oben offenes Nest an einer Hauswand bauen. Der Huflattich blüht, der Frühling ist nicht mehr fern. Jetzt beginnt die interessanteste Zeit für Vogelbeobachtungen. Im Val Müstair werden die Agrarflächen grösstenteils extensiv bewirtschaftet. Zusammen mit ­einer Vielzahl von Kleinstrukturen (Hecken, Trockenmauern etc.) zieht dieser Lebensraum jedes Jahr eine Schar von heute seltenen Vogelarten an. Es sind Indikatoren­arten für intakte Landschaften. So nisten in den Blumenwiesen Braunkehlchen, am Rand der bewaldeten Südflanken mit Berberitze finden wir Baumpieper und Neuntöter, in den Flächen der Niederung Feldlerche, Wachtel und der seltene Wachtelkönig. Letzterer kehrt erst im Juni von

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seinem Überwinterungsgebiet in Afrika ins Tal zurück und bevorzugt als Bodenbrüter Wiesenflächen mit 20 bis 30 cm hohem Bewuchs. Dieser gefährdeten Rallenart kommt in der Schweiz ein besonderes Artenförderungsprogramm zugute. Wird ein Rufer – der doppelsilbige, im Sekundentakt schnarrende Ruf «rrrep-rrrep, rrrep-rrrep, rrrep-rrrep» ist vor allem nachts stundenlang zu hören – mehrere Tage am selben Ort gehört, wird vom Bewirtschafter der betroffenen Parzelle unter Abgeltung ein freiwilliger Mahdaufschub bis etwa Ende August erbeten. Somit ist die wichtigste Bedingung für eine erfolgreiche Brut gegeben. Auch der Kuckuck ruft noch im Tal. Als Brut­ ­parasit legt das Weibchen die Eier zur Aufzucht in fremde Nester, zum Beispiel in das­ jenige eines Hausrotschwanzes oder einer Bachstelze. Auf dem Frühjahrszug in den Norden lassen sich bei uns regelmässig Wiedehopfe, Raubwürger und Kiebitze beobachten. Der Trauerschnäpper, ein Höhlenbrüter, ist mittlerweile als regelmässiger Brutvogel bekannt. Im selben Lebensraum brüten Grauschnäpper, Gartenrotschwanz und die für ihren wunderbar stimmungsvollen Gesang bekannte Singdrossel. Die anpassungsfähige Amsel ist ein ehemaliger Waldbewohner und gehört heute zu den häufigsten Brut­vögeln Europas. In den letzten Jahren konnte ich feststellen, dass sie immer häufiger auch in hohen Lagen brütet, so etwa im Gebiet des Lai da Valpaschun auf 2170 m ü. M. Wird die Amsel künftig die Ringdrossel bedrängen? Oberhalb der Waldgrenze erspähen wir nun Bergpieper, Steinschmätzer mit dem auffallend weissen Bürzel, mit etwas Glück den Singflug eines Steinrötels, Schneesperlinge oder ein davon trippelndes Alpenschneehuhn.

Auf dem abwechslungsreichen und idyllischen Wanderweg «a la Riva dal Rom», von der Quelle bis zur Grenze, wandert man an den meisten interessanten Plätzen vorbei. Die nach Köcherfliegenlarven tauchende Wasseramsel wird auf diesem Weg schnell zum treuen Freund und Begleiter. Es wird ruhig im Tal Anfang August verlassen uns bereits die ersten Zugvögel wieder in Richtung Süden. So zum Beispiel der Mauersegler, welcher nach nur drei Monaten mit einer einzigen Brut wieder in das bis zu 6000 km entfernte südliche Afrika zieht. Nach und nach leert sich das Val Müstair, es bleiben nur Vögel, welche noch Nahrung finden. Es sind vorwiegend Körner- oder Samenfresser wie der Stieglitz und der Bluthänfling. Infolge veränderten Zugverhaltens kriegen wir seit ein paar Jahren ein ganz besonderes eindrückliches Schauspiel zu sehen: den Durchzug der Kraniche. So zum Beispiel am 16./17. November 2014, als ein Trupp von über 30 Vögeln in Tschierv übernachtete, um besseres Wetter abzuwarten. Am darauffolgenden Tag verzog sich die ­dicke Nebelbank gegen Mittag und die Kraniche stiegen unter heftigem Stimmengewirr auf, drehten noch ein paar Runden und schwenkten dann ab in Richtung Vinschgau – welch ein Anblick! Letztes Jahr überflogen sie das Val Müstair just am Silvestertag, ein schöner Gruss zum neuen Jahr!

Alessandro Pelli Hobbyornithologe CH-7532 Tschierv chasuras51@bluewin.ch

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Viel länger hier als wir!

Der älteste Fund eines Fledermausskeletts wird auf mehr als 60 Millionen Jahre zu­ rückdatiert (Zingg, 2011). Der Körperbau war praktisch identisch mit demjenigen der heute lebenden Fledermäuse. Diese Ähnlichkeit weist darauf hin, dass bereits damals die meisten Fledermausarten die Echoortung für die Orientierung und für die Jagd nutzten. Die Echoortung ist den weltweit über 1200 Fledermausarten ge­ meinsam, trotzdem ernähren sie sich auf sehr verschiedene Art und Weise. Die 30 in der Schweiz nachgewiesenen Fledermaus­ arten sind allesamt Insektenfresser. Orientierung und Kommunikation Fledermäuse orientieren sich mit Ultraschall­ lauten und nutzen deren Echos für die Orientierung und die Jagd. Diese Echo­ ­ ortungsrufe liegen in einem für uns unhör­ bar hohen Frequenzbereich. Die Nacht­ schwärmer können aber auch mit hörbaren Soziallauten untereinander kommunizieren, was wir dann als mehr oder weniger lautes Gezwitscher wahrnehmen können. Auf ih­ rem Jagdflug sendet eine Fledermaus meh­ rere Ultraschalllaute pro Sekunde aus. Tref­ fen diese Signale auf einen Gegenstand, werden Echos zurückgeworfen, aus denen die Tiere Informationen über die Lage, Form, Grösse und Oberflächenbeschaffen­ heit des Gegenstands extrahieren können. Handelt es sich beim Gegenstand um ein Fluginsekt, gewinnt die Fledermaus zusätz­ lich Informationen über Bewegungsrich­ tung und Geschwindigkeit des Insekts (Zingg, 2004). Je näher die Jägerin einer Beute kommt, desto häufiger werden die immer kürzer werdenden Ultraschalllaute ausgesendet, um die genaue Position der Beute zu erör­ tern und um diese schlussendlich mit den Flügeln oder der Schwanzflughaut zu fan­

Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii). (Bilder: zVg Stiftung Fledermausschutz)

gen und zu fressen. Innerhalb einer Nacht kann eine Fledermaus bis zu 4000 Kleinst­ insekten wie Mücken vertilgen. Unterschiedliche Arten rufen teilweise auf verschiedenen Frequenzen und senden so­ mit unterschiedliche Ultraschalllaute aus. Die Echoortung ist daher ein Merkmal zur Artenerkennung. Forscher nutzen die Echoortungsrufe für die Identifizierung der Fledermausarten. Mit technischen Geräten können die Ultra­ schalllaute aufgenommen und in einen für uns hörbaren Bereich umgewandelt wer­ den. In Kombination mit einem Auswer­ tungsprogramm, das an der Eidgenössi­ schen Forschungsanstalt WSL entwickelt wurde, können die Fledermausarten er­ kannt werden. Die Erkennung basiert auf der zeitlichen und spektralen Charakteristik jedes einzelnen Rufs, welcher sich von Art zu Art unterscheidet. Bei der Nordfleder­ maus beispielsweise kann ein Ultraschalllaut bis 17 ms dauern. Innerhalb dieser Länge variieren die Lautstärke und die Frequenz in charakteris­tischer Art. Jeder Ruf weist eine

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maximale Laut­stärke auf, die bei einer soge­ nannten Haupt­frequenz liegt. Diese Haupt­ frequenz unterscheidet sich zwischen vielen ­Fleder­mausarten und daran orientiert sich das ­Art­erkennungssystem. Allerdings exis­ tieren Überlappungen in den Ultraschall­ lauten der verschiedenen Arten, was zu Fehlklassifikationen in der Artbestimmung führen kann. Wegen solcher Fehlklassifika­ tionen und aus Referenzaufnahmen schlies­ send, vermuten die Forscher an der WSL, dass Arten in unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Dialekte aufweisen könn­ ten. Ein Beispiel dafür sind die beiden Arten Breit­ flügelfledermaus (Eptesicus serotinus) und Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii). Diese kommen oft in denselben geografischen Ge­ bieten vor und senden Echoortungsrufe aus, die eine ähnliche Rufdauer und Hauptfre­ quenz aufweisen. Um die Hypothese der verschiedenen Dialekte zu überprüfen, wur­ de eine Studie lanciert, die das Ausmass der Über­lappung und Differenzierung der Ultra­ schalllaute der beiden Arten nördlich und südlich der Alpen untersucht. Dazu werden folgende Hypothesen getestet: 1. T iere einer Art rufen ähnlicher innerhalb einer Region als zwischen den Regionen. 2. Verschiedene Arten unterscheiden sich stärker innerhalb derselben Region als zwischen verschiedenen Regionen.

Würden sich die Dialekte der beiden Arten innerhalb einer Region weniger ähnlich sein, als zwischen den Regionen, wäre dies ein Indiz dafür, dass unterschiedliche Fleder­ mausarten, welche dieselbe ökologische ­Nische nutzen, differenzierte Anpassungen der Echoortung an den Lebensraum zeigen, um sich bei dessen Nutzung akustisch nicht in die Quere zu kommen.

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Vorgehen für die Untersuchung Wir testeten die Hypothesen, indem wir 39 Quartiere der Breitflügel- und Nordfleder­ maus in der ganzen Schweiz untersuchten. Bei einsetzender Dämmerung fliegen die Fledermäuse aus, um auf Nahrungssuche zu gehen. Ihre Echoortungsrufe wurden im Sommer 2015 mit einem Aufnahmegerät aufgezeichnet. Die Erhebungen resultierten in über 35 000 aufgenommenen Durchflü­ gen, die über 628 000 Rufe enthielten teil­ weise auch von anderen Arten, die in den­ selben Regionen vorkommen. Im Herbst 2015 wurden alle erhobenen Ultraschalllau­ te rechnerisch analysiert und jeder Durch­ flug jeweils einer Art zugeordnet. Insgesamt konnten über zehn Arten identifiziert wer­ den. In den folgenden Monaten wird nun mit statistischen Methoden analysiert, ob es zwischen und innerhalb der beiden Arten unterschiedliche Rufcharakteristika gibt. Die Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii) Von der Nordfledermaus sind einige Quar­ tiere im Kanton Graubünden bekannt. Die Nachweise dieser mittelgrossen Art (Flü­ gelspannweite: 24 – 28 cm, Berg & Wachlin, 2004) konzentrieren sich mehrheitlich auf das Engadin, das Puschlav, das Bergell und das Val Müstair. Wochenstubenkolo­ nien (Fledermausmütter mit ihren Jungen) sind hingegen nur im Engadin und aus dem Val Müstair bekannt (Lutz Mühlethaler  & Mühlethaler, 2015). Diese kälteresistente Art trifft man in der Schweiz mehrheitlich in Regionen bis zu Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus).

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2000 m ü. M., etwa in den Alpen, Vor­alpen und im Jura (Spitzenberger, 1984) an. Man findet Quartiere in Zwischendächern, Dachabdeckungen, hinter Wandverscha­ lungen oder hinter Fensterläden (Lutz Müh­lethaler & Mühlethaler, 2015). Wenn die Dämmerung eintritt, verlassen die Tiere ihre Quartiere zur Jagd auf Insekten, da­ runter vor allem Mücken (Berg & Wachlin, 2004). Ihre Jagdgebiete sind vielfältig und reichen von Fliessgewässern, Seen, Hoch­ moorflächen, Wiesen bis zu Waldrändern und Wäldern (Lutz Mühlethaler & Mühle­ thaler, 2015). Die Geburt der Jungtiere erfolgt im Zeitraum von Mitte Juni bis Ende Juli (Lutz Mühletha­ ler & Mühlethaler, 2015). Sollte es im Zeit­ raum vor der Geburt kühl und regnerisch werden, können die Weibchen – wie alle Fle­ dermäuse – ihren Stoffwechsel bis auf einen Drittel reduzieren und auf diese Weise die Geburt um einige Tage oder Wochen hinaus­ zögern. Nach der Geburt sind milderes Wet­ ter und damit ein gesichertes Nahrungsan­ gebot Voraussetzung für das Überleben der Jungen, bis sie im Alter von vier Wochen selbstständig sind (Berg & Wachlin, 2004). Danach verlassen auch die Muttertiere all­ mählich die Aufzugsquartiere. Als Winter­ quartiere dienen relativ trockene Verstecke wie Stollen oder Höhlen. Die Tiere hängen frei an offenen Strukturen oder an der Decke und ertragen Schlafplatztemperaturen bis – 7 °C (Berg & Wachlin, 2004).

Die Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) Diese Art ist in Graubünden nur durch weni­ ge Einzelfunde nachgewiesen und es sind bisher keine Quartiere im Kanton bekannt. Mit einer Flügelspannweite von 31 bis  38 cm gehört die Breitflügelfledermaus zu den gröss­ ten europäischen Fledermausarten

(Rosenau, 2001). Die wärmeliebende Art lebt als typische Dorfbewohnerin haupt­ sächlich in ländlichen Gebieten, wo sie in den Firsten von Dachstöcken ihr Quartier findet. Ebenfalls trifft man sie in Städten oder am Stadtrand hinter Fensterläden, Gebäudever­schalungen und Spaltenquartie­ ren wie Lüftungsschächten von Neubauten (Rosenau, 2001) an. Trotz der wenigen Nachweise im Kanton Graubünden sind in der Schweiz mehr Quar­ tiere der Breitflügelfledermaus bekannt, als solche der Nordfledermaus. Vor allem die Kantone Wallis und Tessin gehören zu ihren bevorzugten Regionen (Beck et al., 2006). Die Jagdgebiete erstrecken sich über Wiesen, Weiden, Strassen mit hohen Bäumen, Wald­ ränder, Baumreihen und höhere Hecken, Gärten, Parkanlagen, Sportplätze und kleine Gewässer (Rosenau, 2001). Maikäfer und Baumwanzen gehören zu den bevorzugten Beu­tetieren (Beck et al., 2006). Nach dem ener­gie­zehrenden Winter ist es wichtig, dass die Fledermäuse schnell wieder so viel Beute machen wie möglich, damit die Muttertiere im Juni genügend Energie haben, um die Jungen zu gebären und aufzuziehen. Nach etwa sieben Wochen sind die Jungtiere selbstständig und die Quartiere leeren sich allmählich (Rosenau, 2001). Als Winterquar­ tiere nutzen Breitflügelfledermäuse meist Keller, Stollen oder Höhlen. Die Temperatu­ ren an den Schlafplätzen fallen nie unter 0 °C (Rosenau, 2001).

Murièle Jonglez Eidg. Forschungsanstalt WSL Zürcherstr. 111 CH–8903 Birmensdorf mjonglez@gmail.com Co-AutorInnen: Martin K. Obrist, Miriam Lutz Mühlethaler

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Protokoll der 11. Generalversammlung Graubünden Wald Die Generalversammlung 2015 des Vereins Graubünden Wald fand am 29. Mai in St. Antönien statt. Das vorliegende Protokoll ist eine gekürzte Fassung. Das vollständige Protokoll kann auf der Homepage des ­Vereins eingesehen werden: (www.graubuendenwald.ch/Download)

Speziell begrüsst werden auch die Pressevertreter. Die Einberufung der Generalversammlung erfolgte statuten- und termingerecht durch den Versand der Zeitschrift «Bündner Wald» Nr. 2/2015. Die Generalversammlung ist damit beschluss­fähig.

Traktandenliste   1. Eröffnung durch den Präsidenten   2. Wahl der Stimmenzähler   3. Protokoll der GV vom 23. Mai 2014 in Donat   4. Jahresbericht 2014   5. Jahresrechnung 2014 und Revisoren­bericht   6. Budget 2016 und Festsetzung der Mitgliederbeiträge   7. Tagungsort 2016   8. Ernennung von Ehrenund Freimitgliedern   9. Anträge 10. Tätigkeitsprogramm 2015 11. Mitteilungen der FOPEKO mit Infos unseres Kantonsförsters R. Hefti 12. Anerkennungspreis 13. Varia

Die Abwicklung der Geschäfte wird gemäss Traktandenliste vorgenommen:

1. Eröffnung durch den Präsidenten Präsident Mario Riatsch eröffnet die 11. Generalversammlung von Graubünden Wald in St. Antönien und heisst 79 Vereinsmitglieder willkommen. Einen speziellen Gruss richtet er an die anwesenden Ehrenmitglieder Peder Spi­ natsch, ­Nicola Luzzi und Edi Taverna sowie an die Ehrengäste Regierungspräsident Mario ­Cavigelli, Nationalrat J. Gasser, Gemeindepräsident Jan Flütsch, SELVA-Präsident Leo Thomann, SELVA-Geschäftsfüh­ rerin Nina Gansner, Kantonsförster Reto Hefti, Regionalforstingenieur Mathias Zub­ ler und Co-Präsident VSF Arnold Denoth.

2. Wahl der Stimmenzähler Urs Fliri und Fadri Guler werden einstimmig als Stimmenzähler gewählt. 3. Protokoll der GV vom 31. Mai 2014 in Donat Das Protokoll der 10. GV in Donat wurde im «Bündner Wald», Nr. 6 /2014, und auf der Homepage von Graubünden Wald (www.graubuendenwald.ch) publiziert. Es wird – unter Verdankung an den Protokollführer Arno Kirchen – einstimmig genehmigt. 4. Jahresbericht des Vorstands und Kommissionsberichte Der detaillierte Jahresbericht 2014 wurde im «Bündner Wald», Nr. 2/2015, ­veröffentlicht. Auf eine erneute Wiedergabe des Berichts und der Kommissionsberichte verzichtet der Präsident deshalb. Die Schwerpunkte der Vereinstätigkeit bildeten im letzten Jahr der Skipostenlauf in Bivio, die Jahresversammlung in Donat, die 1. Liechtensteiner-Bündner Holzereimeisterschaft sowie die Lehrabschlussprüfung der Forstwarte in Chur. Der Verein zählt aktuell 587 Mitglieder. Seit der letzten Versammlung konnten folgende neue Einzelmitglieder aufgenommen werden: Linard Brosi, Gian Andri Godly, Corsin Jenal, Hannes Pfranger, Flurin Nuotclà, Daniel Vital, Anja Lebedicker, Simon Gredig, Bündner Wald 2/2016 65

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Urs Buchli, Ernst Gasser, Cla Duri Blancke, Rudi Unterthurner, Marcel Schlegel, Mattli Joos, Not Curdin Schlegel. Folgende neue Kollektivmitglieder konnten seit der letzten Versammlung gewonnen werden: Industria legnami Tirano SRL sowie die Gemeinde Domleschg. Das Ziel – 20 Neumitglieder pro Jahr – wurde dieses Jahr mit 17 Neumitgliedern knapp nicht erreicht. Es ist notwendig, aktiv mitzuhelfen, um den Nachwuchs zu fördern. Leider sind seit der letzten Versammlung auch vier Todesfälle zu beklagen: Peter Brosi, Ernst Hämmerle, Lorenz Tomaschet und Bartli Jäger. Die Versammlung erhebt sich zum Andenken an die Verstorbenen. Der Präsident Mario Riatsch bedankt sich bei seinen Vorstandskollegen und bei allen, die in irgendeiner Form zum Wohle unseres Vereins beigetragen haben. Ein spezieller Dank geht an Kantonsförster Reto Hefti, die Organisatoren der GV 2014 in Donat, die Organisatoren des Skipostenlaufs in Bivio sowie an die Organisatoren der Holzereimeisterschaft. Einen speziellen Dank richtet der Präsident an das OK des EFNS Lenzerheide mit OKPräsident Beat Philipp für die tadellose Organisation und Durchführung der Meisterschaften im Januar 2015.

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29.03.16

Der Jahresbericht von Graubünden Wald wird einstimmig angenommen. 5. Jahresrechnung 2014 und Revisorenbericht Gisep Rainolter erläutert die Rechnung 2014, welche im «Bündner Wald», Nr. 2/2015, publiziert worden ist. Sie schliesst mit einem Ausgabenüberschuss von Fr. 6627.40. Neu beträgt das Vermögen am 31. Dezember 2014 Fr. 75 525.10. Die Revisoren Pascal Murbach und Mattiu Cathomen haben am 25. Februar 2015 in Tamins die Buchführung geprüft. Der Revisor Mattiu Cathomen verliest den Revisorenbericht. Der Revisor empfiehlt der Versammlung, die Rechnung zu genehmigen und dem Kassier sowie dem Vorstand Decharge zu erteilen. Die Versammlung stimmt einstimmig zu. 6. Budget 2016 und Festsetzung der Mitgliederbeiträge Der Kassier Gisep Rainolter erläutert das Budget 2016. Das Budget 2016 rechnet bei Einnahmen von Fr. 52 950.– und Ausgaben von Fr. 56 200.– mit einem Ausgabenüberschuss von Fr. 3250.–.

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An der Delegiertenversammlung des VSF in Brienz wurde eine Erhöhung des Mitgliederbeitrags von Fr. 40.– auf Fr. 60.– beschlossen. Für Graubünden Wald bedeutet dies Mehrausgaben von knapp Fr. 2000.–. Der Vorstand macht den Vorschlag, die ­Mitgliederbeiträge für Einzelmitglieder auf Fr. 60.– und für Kollektivmitglieder auf Fr. 150.– zu belassen. Diskussionslos wird das Budget 2016, wie es im «Bündner Wald», Nr. 2/2015, publiziert wurde, und die Beibehaltung der Mitgliederbeiträge einstimmig genehmigt. 7. Tagungsort 2016 Jörg Clavadetscher schlägt vor, die GV 2016 am 27./ 28. Mai 2016 in Val Müstair abzuhalten. Der Vorschlag wird von der GV einstimmig angenommen. 8. Ernennung von Ehren- und Freimitgliedern Es sind keine Anträge eingegangen. 9. Anträge Eine Gruppierung aus Förstern und Forstingenieuren stellt den Antrag, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, welche ein Positionspapier zum Thema Wald-Wild im Kanton Graubünden aus fachlicher Sicht erarbeitet. Dieses Positionspapier soll der Information und Aufklärung dienen, die Diskussion versachlichen und entpolitisieren, die Fakten und Konsequenzen aber klar und deutlich aufzeigen. Domenic Bandli übernimmt als Vertreter der Gruppierung das Wort und erläutert den Antrag im Detail. Die Freude am Försterberuf wird durch die Verjüngungsproblematik stark getrübt. Nach einem Verjügungsschlag stellt sich die An­ samung ein. Weiter kommt die Verjüngung aber kaum, da sie vom Wild verbissen und

geschält werden. Als Folge davon fehlen ganze Baumgenerationen. Die Nachhaltigkeit ist stark gefährdet. Das Thema Wald-Wild ist und bleibt brisant. Nach einer angeregten Diskussion mit verschiedenen Wortmeldungen zugunsten des Antrags wird dieser durch die Versammlung einstimmig angenommen. Der Vorstand von Graubünden Wald wird beauftragt, eine Arbeitsgruppe zu bilden, welche sich dem Thema Wald-Wild widmet. 10. Tätigkeitsprogramm 2015 – Die EFNS fand vom 12. bis 17. Januar auf der Lenzherheide statt. – Der Skipostenlauf fand am 14. März in Davos statt. – Die Jahresversammlung in St. Antönien findet heute am 29. Mai statt. –D ie Lehrabschlussfeier findet auf der Diavolezza am 26. Juni statt. – Holzerei-WM 2014 fand vom 10. bis 14. September 2014 in Brienz statt. –D ie DV des VSF wird am 4. September 2015 in Zürich abgehalten. – Die Vorstandssitzung der «ARGE Alpenländischer Forstvereine» findet am 16. Oktober 2015 in Toblach statt. Das Tätigkeitsprogramm wird von der Versammlung einstimmig gutgeheissen. Als Voranzeige werden folgende Tätigkeiten 2016 bekannt gegeben: – Die Schutzwaldpreisverleihung 2015 findet am 22. Januar 2016 in Toblach statt. – Der Skipostenlauf wird Ende Februar 2016 in Grüsch abgehalten. – Im Juli 2016 wird der Holzereiwettkampf in Arosa durchgeführt.

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11. Mitteilungen der FOPEKO mit Infos unseres Kantonsförsters R. Hefti D. Buchli, Präsident der FOPEKO, hat zwei Informationen: Am 26. März 2014 fand ein Försteranlass statt. Der Forderung nach einer einheitlichen Lohneinteilung für Revierförster kann nicht nachgekommen werden. Der Kanton gibt diese nur für den gemeindeinternen Gebrauch preis. Es gibt keine offiziellen Lohneinteilungen. Am 13. November 2015 fand ein neuer Förstertag mit dem Thema Gemeinde-/Revierfusionen statt. Kantonsförster R. Hefti informiert folgendermassen: Er hätte den Antrag (Traktandum 9) unterstützt, wenn die Arbeit des AWN anders eingeschätzt worden wäre. Leider war das AWN nicht erfolgreich. Für die Arbeitsgruppe hat er folgende Tipps: – Man muss nach innen schauen. Wie können wir alle Förster überzeugen, dass die Sonderjagd notwendig ist. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, wenn das Positionspapier von «innen» kritisiert würde.

– Im Weiteren sollte die Thematik der Grossraubtiere in dieser Kommission behandelt wären. Hier wäre der Kontakt mit dem AJF wichtig. Bei den Leistungsvereinbarungen mit den Revieren gibt es keine Anpassungen, ausser es treten Veränderungen im Revier auf. Der Vertrag wird automatisch verlängert. Die Termine für die Abrechnungen bleiben gleich. Aufgrund der hohen Schadholzmengen konnten in den letzten drei Jahren die Schutz­ waldpflege nicht wie vorgesehen durch­ geführt werden. Die Holzpreise sind tief und vieles Holz kann gar nicht verkauft werden. Es ist vorgesehen, die Ertragspauschale zu erhöhen. Das AWN will für die nächsten Jahre beim Bund mehr Geld für den Schutzwald mit einem Nachtragskredit abholen. –A rnold Denoth, Co-Präsident des VSF, überbringt die Grüsse des VSF und erläutert mit einer Präsentation die Schwerpunktthemen 2015 des VSF. Er wünscht sich mehr Solidarität der einzelnen Sek­ tionen, mehr Mitglieder und eine einzige Stimme aus dem Wald.

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Bei angenehmem Wetter durften die Anwesenden nach der Versammlung den von der Gemeinde St. Antönien offerierten Apéro geniessen. (Bild: Sandro Krättli)

12. Anerkennungspreis Alle zwei bis drei Jahre verleiht Graubünden Wald Personen, welche sich besonders für den Bündner Wald verdient gemacht haben, den Anerkennungspreis in Form eines hand­ geschnitzten Lärchensamens. Die bisherigen Preisträger waren 1998 Georg Niggli, 2001 Magnus Rageth, 2004 Josef Dietrich, 2007 Bürgergemeinde Domat/Ems und die poli­ tische Gemeinde Domat/Ems, 2009 Stefan Engler, 2012 Ruedi Aggeler. 2015 wird der Anerkennungspreis an Beat Philipp, dem ehemaligen Präsidenten von Graubünden Wald, für seinen grossen Ein­ satz für den Verein, für die forstliche Nach­ wuchsförderung im Rahmen seiner Schu­ lungstätigkeit vormals beim AWN, heute in Maienfeld bei den angehenden Förstern, und nicht zuletzt für sein beherztes Quer­ denken verliehen. In seiner Laudatio umschreibt Lukas Kobler Beat Philipp als Freigeist und kreativen Querdenker. Im Dienst von Graubünden Wald hat er die Ziele wie die Vereinigung des Forstpersonals, die Förderung der Bünd­ ner Forstwirtschaft an sich, die forstlichen

interessen, die Aus- und Weiterbil­ Berufs­ dung, die Bedeutung des Waldes, der Ge­ dankenaustausch und die Kameradschaft stets in den Vordergrund gestellt. Beat Philipp bedankt sich für den Anerken­ nungspreis und für die Laudatio von Lukas Kobler. 13. Varia Das Wort wird nicht ergriffen. Präsident Mario Riatsch bedankt sich bei den Versammlungsteilnehmern für ihr Er­ scheinen und schliesst die 11. GV des Ver­ eins Graubünden Wald um 11.50 Uhr. Ramosch, im Juni 2015 Für das Protokoll: Arno Kirchen

Arno Kirchen Aktuar Graubünden Wald Schilana 71 A, CH-7556 Ramosch akirchen@bluewin.ch

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Programm der Versammlung vom 27. und 28. Mai 2016 Jahresversammlung 2016 Verein Graubünden Wald in Fuldera, Val Müstair

7.15 bis 8.30 Uhr Biosfera-Frühstück beim Biobauernhof Pütschai Josom

Freitag, 27. Mai 2016 9.00 bis 9.30 Uhr Gemeindehaus in Fuldera Eintreffen der Teilnehmer (Ankunft Postauto von Zernez um 9.03 Uhr) Kasse/Abgabe Bons

8.30 Uhr gemütlicher Spaziergang nach Valchava

9.30 bis 11.30 Uhr Jahresversammlung – Gemeindesaal Fuldera mit Grusswort des Präsidenten 9.30 bis 11.30 Uhr Begleitprogramm: Besuch der Handweberei Tessanda, Sta. Maria 11.30 bis 12.00 Uhr Apéro beim Gemeindehaus Fuldera 12.00 bis 13.30 Uhr Mittagessen – Landgasthof Staila Fuldera 13.30 bis 16.30 Uhr Wanderung/Führung entlang Rombach

Freitag, Abendprogramm 16.40 bis 18.30 Uhr Besuch/Führung Kloster Son Jon 19.00 Uhr Zimmerbezug individuell 19.30 Uhr Abendessen – Landgasthof Staila in Fuldera

Samstag, 28. Mai 2016 5.30 bis 7.00 Uhr ornithologische Frühexkursion bei Sta. Maria (Feldstecher mitnehmen; Transfer ist organisiert)

9.15 bis 12.00 Uhr Öffentlicher Waldtag in Valchava mit Besichtigung von Hang-/ Bachverbauungen und Aufforstungen (findet bei jeder Witterung statt) 12.30 bis 14.00 Uhr Mittagessen und individuelle Heimreise

Auskünfte: Jörg Clavadetscher, 079 681 89 60 joerg.clavadetscher@cdvm.ch Livio Conrad, 076 507 54 77 livio.conrad@cdvm.ch Traktandenliste   1. Eröffnung durch den Präsidenten   2. Wahl der Stimmenzähler   3. Protokoll der GV vom 29. Mai 2015 in St. Antönien   4. Jahresbericht 2015   5. Jahresrechnung 2015 und Revisorenbericht   6. Budget 2017 und Festsetzung der Mitgliederbeiträge   7. Statutenänderung Art. 16   8. Wahlen   9. Tagungsort 2017 10. Ernennung von Ehrenund Freimitgliedern 11. Positionspapier Wald/Wild 12. Orientierung WVS-GAV 13. Tätigkeitsprogramm 2016 14. Varia

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Um auch die neuen forstlichen Berufsgattungen zu berücksichtigen, schlägt der Vorstand vor, Art. 16 folgendermassen abzuändern: «Für den Vorstand sind, wenn möglich, Vertreter verschiedener Waldberufe und ein Vertreter der Politik zu wählen.»

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3. Statutenänderung Art. 16 Damit ein Zusammenschluss des damaligen Revierförsterverbands und des Forstvereins Graubünden zustande kam, wurde Art. 16 der Statuten folgendermassen formuliert: «Für den Vorstand sind mindestens drei Revierförster und ein Vertreter einer politischen Behörde zu wählen.»

Anmeldetalon für die Jahresversammlung des Vereins Graubünden Wald, Val Müstair, 27. und 28. Mai 2016 Name: Vorname: Adresse: PLZ/Ort: Mobile: E-Mail: Name(n) der Begleitperson(en): Ort/Datum: Unterschrift: Programm

Anzahl

Preis pro Person

Betrag

Jahresversammlung, Mittagessen, Nachmittagsexkursion

50.–

Begleitprogramm, Mittagessen, Nachmittagsexkursion

50.–

Menü vegetarisch

Nur Führung Kloster Son Jon, Müstair, inkl. Transfer

25.–

Gesamtes Abendprogramm mit Abendessen

80.–

Gesamtes Samstagsprogramm

60.–

Gesamtprogramm Fr/Sa, ohne Übernachtung

190.–

Total Rasche Anmeldung wird erwünscht ! Rücksendung bis spätestens 8. Mai 2016 an: Amt für Wald und Naturgefahren, Islas 244, 7524 Zuoz, Frau Renata Nyfeler Telefon: 081 851 20 90 / Fax: 081 851 20 91 / E-Mail: renata.nyfeler@awn.gr.ch Bündner Wald 2/2016 71

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Jahresbericht 2015 des Vorstands von Graubünden Wald Auszug aus dem Jahresbericht des Vorstands. Der gesamte Jahresbericht kann auf der Vereinshomepage eingesehen werden: www.graubuendenwald.ch 1. Vorstand Das Jahr 2015 ist auch schon wieder Geschichte. Es ist mein erstes volles Jahr als ­Präsident unseres Vereins. Bei mir ist vieles neu  ... Nach der Gemeindefusion Scuol 1. 1. 2015 habe ich die Herausforderung als Betriebsleiter des neuen Forstbetriebs angenommen. Die Umstrukturierung ist mit sehr viel Aufwand und Sitzungen verbunden. Anfang Jahr fehlte mir auch die nötige Energie, um mich voll ins Zeug zu legen. Die Trauer und der Schmerz zehrten noch sehr stark an meinen Kräften. In letzter Zeit hat sich dieser Zustand verbessert. Ich verspüre auch wieder vermehrt Lebensfreude und Motivation. Es wird aber sicher noch ein längerer Prozess sein, bis man einen solchen Schicksalsschlag verarbeitet hat. Obwohl die Belastung von Beruf, Familie, Vereinsleben und vieles mehr dieses Jahr sehr intensiv war, konnte ich immer wieder auch schöne Momente geniessen. Ich konnte jetzt auch alle Vereinsgeschäfte eines ganzen Jahres durchspielen und habe gemerkt, dass die Aufgabe als Präsident von GR-Wald mit einem beträchtlichen Aufwand verbunden ist. Obwohl ich von den Unterlagen meines Vorgängers Beat viel profitieren konnte, müssen immer wieder auch neue Arbeiten angegangen werden. Ich bedanke mich bei meinen ­ Vorstands­ mitgliedern für ihre Unterstützung und hoffe weiterhin auf eine kollegiale Zusammenarbeit. Einen speziellen Dank gebührt dem OK der EFNS mit dem Präsidenten Beat Philipp. Das OK hat hervorragende Wettkämpfe und vor allem auch ein tolles Rahmenprogramm auf

die Beine gestellt. Es gab durchs Band nur positive Rückmeldungen. Der Vorstand hielt im Vereinsjahr 2015 drei ordentliche Sitzungen ab. Die Schwerpunkte der Vereinstätigkeit können wie folgt zusammengefasst werden: – EFNS Lenzerheide 12. bis 16. Januar – Skipostenlauf in Davos Rinerhorn vom 14. März – Jahresversammlung 2015 in St. Antönien am 29. Mai – Lehrabschlussfeier der Forstwarte auf der Diavolezza am 26. Juni – Förstertag Domat/Ems am 10. Oktober 2. Aktivitäten 2.1 Jahresversammlung 2015 Die Jahresversammlung von Graubünden Wald fand am 29. Mai in St. Antönien statt. Das Protokoll wurde auf unserer Homepage und im «Bündner Wald» veröffentlicht. Nebst den üblichen Traktanden gab diesmal vor allem das Traktandum 11 viel zu reden und schürte auch einige Emotionen. In einem Antrag – von 28 Förstern und Forst­ingenieuren unterzeichnet – stellen sie die Forderung, dass eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern unseres Vereins, ein Positionspapier ausarbeiten soll, um die steigenden Schäden durch Wildverbiss in unseren Wäldern aufzuzeigen. Die Unterzeichneten wollen Folgendes erreichen, zitiere: «Dieses Positionspapier soll der Information und Aufklärung dienen, die Diskussion versachlichen und entpolitisieren, die Fakten und Konsequenzen aber klar und deutlich aufzeigen.» Das Thema Wald und Wild ist und bleibt brisant. Nach einer angeregten Diskussion mit verschiedenen Wortmeldungen zugunsten des Antrags wird dieser durch die Versammlung einstimmig angenommen.

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Das Positionspapier wird an der nächsten GV vorgestellt. Eine meiner Aufgaben als Präsident von Graubünden Wald sehe ich weiterhin darin, die verschiedenen Forstgattungen vom Forstwart bis zum Forstingenieur zu ver­ einen und so die Fusion vom Forstverein und dem Revierförsterverband zu stärken und einmal mehr zu rechtfertigen. Mit Genugtuung habe ich meine erste Ver­ sammlung als Präsident von Graubünden Wald geschlossen. Es hat mir viel Freude bereitet, dass 79 Vereinsmitglieder und zahlreiche Gäste an der diesjährigen GV teilgenommen haben. Ich freue mich und bin motiviert auf das nächste Amtsjahr. Anschliessend an unsere GV wurde der Apéro im Foyer des Schulhauses offeriert. Vielen Dank der Gemeinde St. Antönien, welche diesen übernommen hat. Kurz dar­ auf wurden wir mit einem feinen Mittag­ essen in der Turnhalle verwöhnt. Am Nachmittag hat uns der örtliche Revier­ förster und Mitglied von GR-Wald, Martin Hardegger, über seine 25-jährige Tätigkeit als Revierförster erzählt und eindrückliche Bilder gezeigt. Wir wünschen Martin wei­ terhin viel Freude und Genugtuung bei der Ausübung seines Berufs.

den Helfern des AWN und Forstdiensts ­ avos sei an dieser Stelle für den gelunge­ D nen Anlass nochmals herzlich gedankt.

2.2 Skipostenlauf Am 14. März 2015 fanden sich 121 Mitglie­ der und Familienangehörige von Graubün­ den Wald zum traditionellen Skipostenlauf in Davos ein. Der Forstdienst der Gemeinde Davos mit OK-Präsident Andres Kessler und die Berg­ bahnen Rinerhorn AG haben einen sehr schönen Anlass organisiert, der von guten Pisten und Wetterglück profitierte. Den Sponsoren des grosszügigen Gabentem­ pels, der Swiss Helicopter für die Gratisbe­ wirtung, den Bergbahnen Rinerhorn und

2.4 ARGE 2.4.1 Gründung Verein ARGE Alpenländischer Forstvereine Um einen klaren Ansprechpartner für das mehrjährige Engagement als Hauptsponsor des Alpinen Schutzwaldpreises durch das Versicherungsunternehmen Helvetia zu ha­ ben, wurde am 29. Januar 2015 in Galtür aus dem losen Zusammenschluss der Länderver­ eine ein gemeinnütziger Verein «ARGE Al­ penländischer Forstvereine» gegründet. Als erster Präsident wurde Dr. Josef Schmiedho­ fer (Südtirol) gewählt.

2.3 VSF 2.3.1 Präsidentenkonferenz des VSF in Olten vom 6. März 2015 An der PK in Olten hat uns Mario vertreten. Dabei wurde die Auslegeordnung der Vor­ standsarbeit diskutiert und die Marschrich­ tung des VSF-Vorstands positiv aufgenom­ men. Details sind auf der Homepage des VSF publiziert. 2.3.2 Delegiertenversammlung 2015 in Andelfingen An der DV nahmen Jakob Mani, Daniel Bür­ gi und Stefan Becker teil. Das wichtigste Geschäft ist momentan der GAV Forst. Dort wird zurzeit die Machbar­ keit und Allgemeinverbindlichkeit des GAV bei der zuständigen Bundesstelle (seco) ab­ geklärt. Obwohl die drei Verbände FUS, VSF und WVS unterschiedlich motiviert sind, einen GAV zu realisieren, ist man über­ zeugt, dass in dieser Angelegenheit zusam­ mengearbeitet werden muss. Weitere inte­ ressante Informationen sind auf der Homepage des VSF nachzulesen.

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2.4.2 Vergabe alpiner Schutzwaldpreis Am 30. Januar 2015 fand in Galtür zum 9. Mal die Verleihung des Alpinen Schutz­ waldpreises Helvetia durch den Verein «ARGE Alpenländischer Forstvereine» statt. Nominiert waren insgesamt zwölf Projekte aus den verschiedenen Mitgliedsländern des Vereins. In der Kategorie Erfolgsprojekte hat das Projekt aus Graubünden «Dorfschutz­ wald Vals – 105 Jahre Schutzwaldpflege» mit Revierförster Siegfried Berni gewonnen. Herzliche Gratulation! 2.4.3 Tagung der Vorstände der ARGE Alpenländischer Forstvereine Die alljährliche Zusammenkunft der Vorstän­ de der ARGE Alpenländischer Forstvereine ANZEIGE

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fand auf Einladung des Südtiroler Forstver­ eins am 16. Oktober in Enneberg im Pustertal statt. Die Sitzung fand wieder zusammen mit der Jury des alpinen Schutzwaldpreises statt. Die Bündner Delegation (Präsident und Kas­ sier, leider musste unser Aktuar Arno wegen familiärer Verpflichtungen die Teilnahme ab­ sagen) konnte wieder drei Wettbewerbs­ beiträge einreichen: Das Projekt Mondholz «GOD» aus dem Oberengadin, Löschwas­ serbecken für Waldbrandbekämpfung aus dem Misox und das Projekt Verjüngung von Trockenstandorten im Schutzwald aus dem Münstertal. Anschliessend wurden wir alle zum gemein­ samen Mittagessen in die Jagdhütte Tamers eingeladen. Auch hier haben die Südtiroler mit ihren guten, eigenen Weinen brilliert. Aktuelles über den Verein «ARGE Alpenlän­ discher Forstvereine» und vor allem über den alpinen Schutzwaldpreis kann auf der Website der ARGE nachgelesen werden un­ ter www.arge.forstvereine.eu.

3. Kommissionen 3.1 Redaktionskommission «Bündner Wald» Die Kommission traf sich am 19. August 2015 im Medienhaus Somedia in Chur zu ihrer ordentlichen Sitzung. Dabei wurden die Abrechnung 2014 und das Budget 2015 verabschiedet. Das Redaktionsprogramm für das Jahr 2016 wurde erstellt. Die Hompage www.buenderwald.ch wird mit überzähligen Fotos, welche man in der Printausgabe nicht berücksichtigen konnte bei den jeweiligen Berichten, zusätzlich be­ reichert. Alle Leser der Zeitschrift können weitere Fotos für die Startseite an die Redaktion senden.

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Im Rahmen der Bildungsstrategie Wald Schweiz hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) den Schweizerischen Forstverein (SFV) beauftragt, die Bündelung der forst­ lichen Zeitschriften und der Verbund ver­ schiedener Medien inklusive Social Media zu überprüfen. Infolge weiterer Gemeindefusionen sinkt die Mitgliederzahl weiter. Wieder ist die Min­ destauflage der Zeitschrift ein Thema. Eine aktive Bewerbung von Neumitgliedern ist dringend nötig Die kompetenten Redaktoren Sandro Krättli und Jörg Clavadetscher sowie die Intervie­ werin Nina Gansner haben hervorragende Arbeit geleistet und sechs abwechslungsrei­ che und spannende Ausgaben des «Bündner Walds» zusammengestellt. 3.2 Forstliche Aus- und Weiterbildungskommission OdA Wald Die forstliche Aus- und Weiterbildungskom­ mission hat unsere Anliegen an einer Sit­ zung der OdA Wald Graubünden vertreten. Im Herbst wurde das Kursangebot 2016 für das Bündner Forstpersonal zusammenge­ stellt. Das Angebot kann im Internet unter www.wald.gr.ch abgerufen werden. Im Berichtsjahr haben 328 Interessierte das Kursangebot genutzt, was eine erfreuliche Anzahl ist. 3.3 Forstpersonalkommission Am 13. November 2015 organisierte die ­Fopeko den zweiten Förstertag. Rund dreis­ sig interessierte Revierförster trafen sich am frühen Vormittag im Catramwerk in Unter­ vaz. Nach einem feinen Znüni, grosszügig offeriert durch die Catram AG, konnten wir unter fachkundiger Führung das Werk be­ sichtigen. Dabei erhielten wir einen lehr­ reichen Einblick in die Asphaltherstellung. Die Aufbereitung und Verwendung von Be­

lagsrecycling wurde dabei vertieft ange­ schaut. Nach einer kurzen Fahrt und einem kurzen Fussmarsch wurde allen Teilnehmern in ge­ mütlicher Atmosphäre ein feines Mittag­ essen in der Tegia da vaut Domat serviert. Anschliessend erzählte uns der Hausherr Marcel Lerch einiges über die Entstehung und den Bau der Tegia da vaut Domat. In Kurzreferaten wurden die Themen Reorga­ nisation und Fusion von Forstbetrieben und Gesamtarbeitsvertrag in der Forstwirt­ schaft beleuchtet. In der anschliessenden Diskus­ sion fand ein reger Meinungsaus­ tausch statt. Die Forstpersonalkommission ist immer offen und dankbar für Inputs, die die Anliegen der Forstangestellten betreffen. Die Fopeko dankt allen Forstleuten, die durch ihre Aktivi­ täten dem Wald ein Gesicht geben. 3.4 Arbeitsgruppe Wald und Wild An der GV in St. Antönien wurde der Vor­ stand beauftragt, eine Arbeitsgruppe Wald und Wild zu bilden. Das Ziel der Gruppe ist die Erarbeitung eines Positionspapiers Wald und Wild. Das Papier soll Fakten aufzeigen und mithelfen Lösungen zu finden. Die gebil­ dete Arbeitsgruppe besteht aus den Mitgliedern Christian Rüesch, Kenneth Da­ nuser, Marcel Lerch, Corado Niggli, Flurin Cathomas, Josias Gasser, Stefan Becker. An fünf Arbeitssitzungen wurde ein solches Papier zusammengestellt, welches an der Versammlung im Val Müstair vorliegt. 3.5 Jahresbericht Kommission Holzhauereimeisterschaften 10. Schweizermeisterschaften 2015 Am 7. Juli 2015 reiste eine hochmotivierte Bündner Truppe nach Niederbipp BE. Die Königsdisziplin «Baumfällen» stand bevor. Gut vorbereitet starteten Illien Arno, Pri­ Bündner Wald 2/2016 75

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noth Ralf, Lerch Orlando (alle in der Kate­ gorie Aktive) und unser neuer Junior, Netzer Enrico (U24), zu der sehr wichtigen Diszi­ plin. Bei einer unsäglichen Hitze von über 35 Grad wurden sehr gute Resultate erzielt. Unser Junior Enrico Netzer erzielte den her­ vorragenden 3. Rang und der Wettkampf war so richtig gut lanciert. Unsere hochge­ steckten Ziele waren immer noch möglich. Am 22./23. August 2015 wurde dann der zweitägige Wettkampf in Luzern anlässlich der Forstmesse Luzern mit viel Publikum und Interesse bei schönsten Bedingungen durchgeführt. Die emsigen Helfer und das Organisationskomitee betreuten die rund 70 Teilnehmer aus der ganzen Schweiz und die Gäste aus Deutschland und Österreich mit viel Herzblut und lieferten den Wett­ kämpfern tadellose Bedingungen auf dem Wettkampfplatz. Unser Team sägte zum Teil auf sehr hohem Niveau. Selektion Nationalmannschaft 2016–2019 Im Oktober/November 2015 wurden insge­ samt vier Selektionswettkämpfe in Ober­ ägeri ausgetragen. Für die U24 erkämpfte sich Enrico Netzer nach vier Wettkämpfen den hervorragenden 1. Rang mit einem Vorsprung von 194 Punk­

te auf den zweitplatzierten Eggenberger Pas­ cal aus St. Gallen. Er ist somit neu in der Na­ tionalmannschaft der U24 und muss sich nun in weiteren vier Wettkämpfen das Startticket für die WM in Polen holen. Bravo! Mach weiter so. Orlando Lerch schloss die Selektion nach vier Wettkämpfen auf dem undankbaren 7.  Rang ab. Nach acht Jahren in der Na­tionalmannschaft (sechs Jahre als U24) und vier Teilnahmen an Weltmeisterschaf­ ten in Deutschland, Kroatien, Russland und Brienz BE hat es nicht mehr ins National­ team gereicht: «Etwas enttäuscht nach der Selektion, aber auch sehr glücklich und zu­ frieden über das Erlebte, kann ich jetzt mei­ ne Freizeit auch einmal anders nutzen. Es war für mich eine sehr spannende Zeit und ich konnte Kontakte mit Forstleuten aus al­ ler Welt knüpfen. Die grossen Feste nach den Wettkämpfen werden für immer in bes­ ter Erinnerung bleiben. Der Aufwand war sicher oftmals recht hoch. Die Erlebnisse und die Erfolge können jedoch mit keinem Geld entlöhnt werden. Ich möchte allen, welche mich und unser Team (Bündner im Wettkampf) unterstützt haben, herzlich danken, allen voran natürlich dem Verein Graubünden Wald. Trotz der sehr knappen

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Liste der Neumitglieder Name

Vorname Ort

Eintritt

Pfranger

Hannes

7554 Sent

09.01.2015

Nuotclà

Flurin

7554 Sent

09.01.2015

Vital

Daniel

7554 Sent

09.01.2015

Lebedicker

Anja

D-85406 Zolling

09.01.2015

Gredig

Simon

8048 Zürich

09.01.2015

Gemeinde Domleschg

7418 Tumegl/Tomils

01.01.2015

Buchli

Urs

7444 Ausserferrera

21.01.2015

Gasser

Ernst

7523 Madulain

19.03.2015

Blanke

Cla Duri

7551 Ftan

17.04.2015

Unterthurner

Rudi

7551 Ftan

17.04.2015

Schlegel

Marcel

7522 La Punt Chamues-ch

04.05.2015

Joos

Mattli

7304 Maienfeld

08.05.2015

Jäger

Martin

7029 Peist

08.07.2015

Schilling

Dominic

7026 Maladers

14.07.2015

Vanoni

Marco

8052 Zürich

18.08.2015

Gartmann

Mauro

7426 Flerden

28.08.2015

Pro Valladas GmbH

Marcel Züger

7462 Saluf

16.09.2015

Livio

Albin

7127 Sevgein

17.11.2015

Paravincini

Roberto

7502 Bever

28.11.2015

Gwerder

Larion

7412 Scharans

07.12.2015

Jonglez

Murièle

8824 Schönenberg

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finan­ziellen Mittel im Verein wurden wir immer sehr grosszügig unterstützt. Ich wünsche Enrico eine gute Quali und ich hoffe, dass er mit der Nati nach Polen an seine 1. WM reisen darf.» Arno Illien entschied sich nach acht Jahren in der Nationalmannschaft und seiner WMTeilnahme 2012 in Minsk, nicht mehr anzutreten. Er möchte seine Freizeit vermehrt mit seiner Familie verbringen. Verständlich, denn der Aufwand für die Nationalmannschaft ist mittlerweile sehr hoch. Eine super Homepage für Interessierte, wo alle Resultate und viele Berichte über die Schweizer Holzhauereimeisterschaften und Weltmeisterschaften der letzten acht Jahre zu finden sind, ist:

http://www.holzhauerei-wettkampf.ch/ meisterschaften/schweizermeisterschaften 4. Mitglieder Die Mitgliederliste umfasst Ende Jahr 562 Personen. Der Mitgliederschwund durch Gemeindefusionen hat dieses Jahr wieder zu 22 Austritten von Kollektivmitgliedern geführt. Dieser Trend wird uns auch in den nächsten Jahren noch mehrere Kollektivmitglieder, bestehend aus Gemeinden im ganzen Kanton Graubünden, kosten. Im Berichtsjahr wurden 21 Neumitglieder registriert. In diesem Zusammenhang for­ dere ich alle Mitglieder auf, aktiv für neue Mitglieder zu werben. Vor allem meine Revierförsterkollegen bitte ich, in den ForstBündner Wald 2/2016 77

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gruppen unter den Forstwarten, Waldarbeitern und Lehrlingen Werbung zu betreiben. Dies vor allem, damit wir die angestrebte Zahl von BW-Ausgaben durch neue Einzelmitglieder kompensieren können. Todesfälle: – Von Sprecher Theophil, 7304 Maienfeld – Steinbacher Ludwig, 7403 Rhäzüns Mitgliederstand per 12. Januar 2016: 10 Ehrenmitglieder: Freimitglieder: 37 Einzelmitglieder: 405 Kollektivmitglieder: 110 Total: 562 5. Dank und Ausblick Wie schon im Eingang beschrieben, war das Jahr 2015 mit vielen Veränderungen verbunden. Ich hoffe, dass das Jahr 2016 etwas ruhiger wird und dass ich mich langsam an die vielen Veränderungen gewöhnen kann. Speziell danke ich:

– meinem Vorgänger und OK-Präsidenten der EFNS Beat Philipp – den Vorstandsmitgliedern und Revisoren – unserem Kantonsförster Reto Hefti – den Redaktoren vom «Bündner Wald» Jörg Clavadetscher und Sandro Krättli – der Arbeitsgruppe Wald und Wild – dem Präsidenten der Forstpersonalkommission Vielen Dank auch all jenen, die zum guten Gelingen unserer Vereinsaktivitäten beigetragen und aktiv an unserem Vereinsleben teilgenommen haben. Sent, 12. Februar 2015 Für den Vorstand Mario Riatsch Präsident Saglina, CH-7554 Sent m.riatsch@scuol.net

Typische Herbststimmung im Val Müstair mit gelben Lärchen und blauem Himmel. (Bild: Jörg Clavadetscher) 78

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Holen Sie sich den «Bündner Wald» ins Haus Die Zeitschrift «Bündner Wald» befasst sich mit dem weiten Fächer forstlicher Themen. Dazu gehört nicht nur der Wald oder das Holz, sondern ebenso die Landschaft, die Erschliessung und Holzernte, der Lawinenverbau, die Gefahrenzonen, das Forstrecht und vieles mehr. Der «Bündner Wald» er­scheint sechs Mal jährlich, wobei jede Nummer ein Sachgebiet besonders unter die Lupe nimmt. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er – sich im Wesentlichen auf Graubünden beschränkt; – sich im Besonderen auf den Gebirgswald ausrichtet; – und praxisorientiert ist. Deshalb setzt sich sein Leserkreis vor allem aus Naturfreunden, Forstleuten, Gemeinden, Firmen, aber auch aus Wissenschaftlern zusammen. Trägerschaft der Zeitschrift ist der Ve­ rein Graubünden Wald, die SELVA sowie das Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden.

✂

Werden Sie Mitglied des Vereins Graubünden Wald und abonnieren Sie den «Bündner Wald» (das Abonnement der Zeitschrift ist im Jahresbeitrag inbegriffen):

Einzelmitglied (Jahresbeitrag 60 Franken)

Kollektivmitglied (Jahresbeitrag 150 Franken) (zum Beispiel Gemeinden, Firmen etc.)

Name: Vorname: Strasse: PLZ/Wohnraum:

Falls Sie nur den «Bündner Wald» abonnieren und auf die Mitgliedschaft im Verein Graubünden Wald verzichten möchten, so melden Sie sich bitte hier an:

Abonnement «Bündner Wald» (Jahresabo 60 Franken/Ausland + Porto) Name: Vorname: Strasse: PLZ/Wohnraum:

Kreuzen Sie das gewünschte Feld an und senden Sie diese Anmeldung an:

Verein Graubünden Wald: Nur Abonnement: Herr Mario Riatsch Somedia Production Saglina Sommeraustrasse 32 CH-7554 Sent Postfach 491, CH-7007 Chur Vermerk: Bündner Wald Bündner Wald 2/2016 79

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Erläuterungen des Kassiers zur Jahresrechnung und Bilanz 2015 Buchführung Liebe Mitglieder von Graubünden Wald! Auch dieses Jahr möchte ich euch die Erfolgsrechnung und Bilanz kurz erläutern. Im Jahr 2015 mussten wir einen kleinen Ausgabenüberschuss verzeichnen, der aber nicht so gross ist wie budgetiert.

duction AG, konnte ich folgende Mitgliederbeiträge in Rechnung stellen: 396 Einzelmitglieder

à Fr. 30.– = Fr. 11 880.–

119 Kollektivmitglieder à Fr. 90.– = Fr. 10 710.– Total

Fr. 22 590.–

Mitgliederbeiträge Nach der Bereinigung der Mitgliederliste durch meine Person und der Somedia Pro-

Trotz der Beitragserhöhung für Kollektivmitglieder konnten wir bei diesem Budgetposten 1170 Franken weniger Einnahmen generieren.

Erfolgsrechnung 2015

Bilanz per 31. Dezember 2015

Einnahmen

Aktiven

Mitgliederbeiträge

Fr. 22 590.00

Kassa

Fr. 499.90

Zinsen von Sparheft / Obligationen

Fr.

518.55

Bankkonto GKB CK 432.035.200

Fr. 22 202.25

Shop / PR-Artikel

Fr.

810.00

Raiffeisenbank 41660.43

Fr. 2 024.50

PostFinance

Fr. 0.00 Fr.

Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Graubünden

Fr. 15 000.00

Lager Shop

GV von Graubünden Wald

Fr.

0.00

Termingeldanlage bei Raiffeisenbank Fr. 60 000.00

720.00

Tagungen / Veranstaltungen

Fr.

3 895.35

ARGE Alpenländische Forstvereine

Fr.

0.00

Transitorische Aktiven

Fr.

Schutzwaldpreis 2010

Fr.

0.00

Total Aktiven

Fr. 85 446.65

Fr. 42 813.90

Ausgaben

Debitoren

Fr. 0.00 0.00

Passiven

Jahresbeiträge

Fr. 10 620.00

Kreditoren

Fr. 0.00

Vorstand und Revisoren

Fr. 3 764.70

Transitorische Passiven

Fr. 11 863.05

Verwaltungsaufwand, Steuern

Fr.

965.05

Eigenkapital

Fr. 75 525.10

Shop / PR-Artikel

Fr.

800.00

Einnahmenüberschuss

Fr. – 1  941.50

GV von Graubünden Wald

Fr.

0.00

Total Passiven

Fr. 85 446.65

Tagungen / Veranstaltungen

Fr.

1 508.50

«Bündner Wald»

Fr. 13 218.35

Vermögensausweis

Leistungen des AWN Graubünden

Vermögen am 31. 12. 2014

Fr. 75 525.10

Berufsbildung

Fr. 10 142.70

Mehreinnahmen 2015

Fr. – 1 941.50

Holzhauereimeisterschaft

Fr. 2 000.00

Berufswettkämpfer

Fr. 0.00

Vermögen am 31. 12. 2015

Fr. 73 583.60

Anerkennungspreis / PR

Fr.

900.00

ARGE Alpenländische Forstvereine

Fr.

405.20

Schutzwaldpreis

Fr. 430.90

Fr. 44 755.40

Tamins, 15. Februar 2016

Ausgabenüberschuss

Fr. –1 941.50

Die Revisoren: P. Murbach, M. Cathomen

Der Kassier: G. Rainolter

80

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11.04.16 08:19


Bündner Wald 2/2016 81

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23 000.00 23 000.00

7 000.00 15 000.00

2 000.00 15 000.00

7 500.00

7 500.00

0.00 0.00 0.00

–1 104.65

0.00 0.00 0.00

0.00

– 4  190.00

0.00

Budget

18.55 450.00 100.00

– 410.00

0.00 3 895.35

Budget

2015 2016 2017

Differenz

1 000.00 5 000.00 1 000.00 5 000.00

Verwaltungsaufwand, Steuern

Shop / PR-Artikel

GV von Graubünden Wald

Tagungen / Veranstaltungen

2 000.00

405.20

1 000.00 1 000.00 1 000.00

Anerkennungspreis / PR

ARGE Alpenländische Forstvereine

Schutzwaldpreis

44 755.40 – 1 941.50

57 000.00 –  8  500.00

Einnahmen-/Ausgabenüberschuss

430.90

900.00

2 000.00

Berufswettkämpfer

0.00

10 142.70

Berufsbildung

10 000.00

13 218.35

1 508.50

0.00

800.00

965.05

3 764.70

10 620.00

42 813.90

Holzhauereimeisterschaften 0.00

Leistungen des AWN Graubünden

18 000.00

3 000.00

«Bündner Wald»

9 000.00

Vorstand und Revisoren

48 500.00

Jahresbeiträge

Ausgaben

6 558.50

– 12 244.60

– 569.10

–  594.80

– 100.00

–  2 000.00

2 000.00

142.70

– 4 781.65

– 3 491.50

– 1 000.00

– 4 200.00

– 34.95

764.70

1 620.00

–5 686.10

– 3 250.00

56 200.00

1 000.00

1 000.00

1 000.00

2 000.00

2 000.00

10 000.00

12 000.00

6 000.00

1 000.00

5 000.00

1 000.00

3 200.00

11 000.00

52 950.00

– 4 600.00

52 200.00

1 000.00

1 000.00

1 000.00

2 000.00

0.00

10 000.00

13 000.00

6 000.00

1 000.00

2 000.00

1 000.00

3 200.00

11 000.00

47 600.00

Schutzwaldpreis 0.00 0.00 0.00 0.00 0.00

0.00

0.00 5 000.00

810.00 15 000.00

5 000.00

518.55

22 590.00

15 000.00

500.00

23 000.00

GV von Graubünden Wald

ARGE Alpenländische Forstvereine

Rechnung

2015 2015

Budget

Tagungen / Veranstaltungen

Leistungsvereinbarung des AWN Graubünden

Shop / PR-Artikel

Zinsen von Sparheften / Obligationen

Mitgliederbeiträge

Einnahmen


Da viele Gemeinden fusioniert haben, spüren wir bei den Kollektivmitgliedern einen starken Schwund. Um diesem Zustand entgegenzuwirken, haben wir in einer Vorstandssitzung entschieden, dass wir Bauund Forstunternehmer anschreiben, um neue Kollektivmitglieder anzuwerben. Shop (Aufwand, Verkaufserlös, Lager) Auch im Jahr 2015 hielten sich Aufwand und Ertrag ziemlich genau die Waage. Unser schönes Sackmesser, welches in Nussholz eingebettet und mit unserem Logo versehen ist, kann man weiterhin kaufen. Transitorische Passiven Diese dienen Ende Jahr der Rechnungsabgrenzung mit offenen Rechnungen. Darin enthalten sind die Schlussabrechnung «Bündner Wald» mit 11 783.35 Franken, und 79.70 Franken für das Beiblatt der Aktualisierung der Adressen, das von der Somedia Production verschickt wurde. Diese ­Rechnungen sind bereits Anfang Jahr beglichen worden. Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Graubünden Im Rahmen der Leistungsvereinbarung mit dem Amt für Wald und Naturgefahren übernimmt Graubünden Wald unter anderem folgende Aufgaben: – Berufsbildung (OdA Wald, LAP-Feier, Prämierung Arbeitsbücher, Fachtagungen etc.) – Berufswerbung (Holzereiwettkampf, Berufsausstellungen etc.) – Interkantonale und internationale Kontakte (VSF, ARGE Alpenländische Forstvereine) Der finanzielle Aufwand für diese Aufgaben belief sich im Jahr 2015 auf 12 741.80 Franken. Das AWN unterstützt uns hierfür mit 15 000 Franken pro Jahr.

Veranstaltungen Die Kosten für den Apéro für die Förster­ delegation aus Kärnten, den Cristina Fisler organisiert hat, belief sich auf 600 Franken. Ein herzliches Dankeschön an Cristina Fisler für das Organisieren. Die Förstertagung vom 13. November 2015 in Domat/Ems wurde mit 152.50 Franken für die Endreinigung der Waldhütte und die konsumierten Kaffees in Rechnung gestellt. Die Organisatoren der EFNS (european forester’s competition in nordic skiing) konnten unserem Verein den Betrag in der Höhe von 1825.35 Franken auszahlen, da ein Gewinn erwirtschaftet wurde. Jahresbeiträge Wir bezahlen folgende Jahresbeiträge: – Marke «graubünden»: 540 Franken – Mitgliederbeiträge VSF: 9840 Franken (164 Mitglieder à 60 Franken) – Jahresbeitrag Graubünden Holz: 200 Franken – Jahresbeitrag WVS: 40 Franken Jahresabschluss Bei der Jahresabrechnung 2015 ergibt sich leider ein Ausgabenüberschuss von 1941.50 Franken. Somit vermindert sich unser Vereinsvermögen per 31. Dezember 2014 auf 73 583.60 Franken. Budgetiert war ein Ausgabenüberschuss von 8500 Franken. Der Kassier, 15.2.2016

Gisep Rainolter Kassier Graubünden Wald CH-7559 Tschlin g.rainolter@valsot.ch

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33. Skipostenlauf auf Grüsch-Danusa

«So auf dem Sesseli ... »: Martin Hardegger, Ernst Scherrer, Roman Flütsch und Vali Wieland. (Bilder: Heidi Wyss)

Bündner Forstleute massen sich auf Grüsch-Danusa Bei besten Wetter- und Pistenbedingungen gaben sich am Samstag, 27. Februar, Forstleute aus ganz Graubünden ein Stelldichein im Prättigau. Über 150 Teilnehmende mit Fans waren der Einladung des Vereins Graubünden Wald zum sportlichen Wettkampf im Schnee gefolgt. In seiner 33. Ausgabe konnte der beliebte Skipostenlauf somit einen neuen Teilnehmerrekord verzeichnen. Für die Durchführung im familienfreundli-

chen Skigebiet auf Grüsch-Danusa zeichneten die Forstbetriebe Furna, Grüsch und Seewis verantwortlich. Während das Skirennen zum festen Bestandteil des Programms zählt, hatten die Organisatoren in der Wahl weiterer Disziplinen wie immer freie Hand. Felix Wyss, Beat Bürzle und Hanspeter Thöny entschieden sich für einen Biathlon, bei welchem einerseits Treffsicherheit gefragt war, galt es doch, insgesamt vier «Hotschs» zu eliminieren, was heissen soll, dass die Scheiben sich dem Schützen oder der Schüt-

Sophia Clavadetscher aus Igis zählte zu den

Ein altbekanntes Gesicht: Jürg Hartmann sicherte

Jüngsten, welche die Stützlipiste hinunterkurvten.

sich einen Platz an der Sonne.

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zin in Gestalt eines Schweinchens präsentierten. Wollte man sich keine Strafsekunden einhandeln, hiess es, ruhig Blut zu bewahren. Weiter kamen beim Biathlon natürlich auch Sprinterqualitäten zum Tragen.

Über 150 sportliche Forstleute mit Fans gaben sich ein Stelldichein auf Grüsch-Danusa.

Endspurt: Burtel Juon (Nr. 86) und Roman Flütsch.

Der Skipostenlauf ist vor allem auch ein Tag der Begegnung.

Vier Kategorien Unterteilt in die Kategorien Herren, Damen, Lernende/Jugendliche und Kinder massen sich die 156 Startenden vorderhand im Riesenslalom, welcher durch die Mitarbeiter der Bergbahnen Grüsch-Danusa AG auf der «Stützlipiste» ausgesteckt worden war. Sowohl bei der Durchführung des Rennens als auch beim folgenden Biathlon spannte das OK mit den Bergbahnen zusammen und konnte somit auf deren Erfahrung abstützen. Auf dem Snowboard, auf Renn- oder Tourenski, ob rasant oder eher gemächlich, ob stilvollendet oder notgedrungen gar nur auf einer verbliebenen Latte, schliesslich gelangten sämtliche Fahrerinnen und Fahrer unfallfrei ins Ziel und auch der Biathlon ging ohne Ausfälle über die Bühne. Um in der Schlusswertung ganz vorne mithalten zu können, sahen sich die Athletinnen und Athleten dann vor die nicht ganz einfache Aufgabe gestellt, die Differenz zwischen der schnellsten sowie der langsamsten im Skirennen herausgefahrenen Zeit zu schätzen, was dem Parcours zusätzlichen Pep verlieh beziehungsweise Bewegung in die Ranglisten brachte. Wanderpreis blieb im Prättigau Als Gesamtsieger bei den Herren durfte der Seewiser Betriebsleiter Hanspeter Thöny den Wanderpreis gleich selbst hochstemmen. Im zweiten Rang klassierte sich mit Andres Scherrer aus Putz, Bergführer und Experte für Arbeiten am hängenden Seil und allgemein bekannt unter dem Namen «Bergmändli», ein weiterer Prättigauer. Den

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dritten Podestplatz erkämpfte sich Flurin Buchli aus Scharans. Bei den Damen wurde Madlaina Fliri (Bergün) als Gesamtsiegerin ausgerufen, gefolgt von Olivia Cathomen (Tamins) und Jolanda Guidon (Felsberg). Mit Claudio Flütsch aus Schiers stand bei den Lernenden ebenfalls das Forstrevier Seewis zuoberst auf dem Podest. Im zweiten Rang klassierte sich Roger Hobi, Valens/ Maienfeld, und den dritten Platz sicherte sich Claudio Rominger vom Forstbetrieb Davos. Bei den Kindern gewann Donato Rainolter aus Tschlin. Auf den Plätzen zwei bis vier trumpfte die Prättigauer Familie Scherrer mit Elia, Simon und Noah auf. Schneller Mario Riatsch Die Tagesbestzeit durfte sich Mario Riatsch (Sent) in einer Zeit von 00:38.26 notieren lassen. Er lag damit sieben Hundertstel vor Flurin Guidon, Felsberg, dem Viertplatzierten im Schlussklassement, und 17 Hundertstel vor Hanspeter Thöny. Riatsch, der Präsident von Graubünden Wald, vergab seinen Vorsprung bei der Schätzfrage und landete schliesslich auf Rang 17. Der Unterengadiner überbrachte der versammelten Forst-Familie die Grüsse des Vereins. Den Organisatoren stellte er ein gutes Zeugnis aus. Reicher Gabentempel Als Preise standen für sämtliche Teilnehmenden reichhaltige Naturalgaben, vorwiegend Prättigauer Produkte, zur Verfügung. Für das leibliche Wohl sorgte wie gewohnt die Swiss Helicopter AG, Untervaz, die als Hauptsponsor mit einer Gratisfestwirtschaft aufwartete. OK-Chef Felix Wyss richtete seinen Dank denn auch an die zahlreichen Sponsoren, welche den Anlass, bei welchem

Podest Junioren (v. l.): Roger Hobi, Hobi Forst Valens/Maienfeld (2. Rang), der Sieger Claudio Flütsch (Schiers), Forstrevier Seewis, und Claudio Rominger, Forstbetrieb Davos (3. Rang).

Spass und Geselligkeit im Vordergrund standen, erst ermöglichten. Nicht zu vergessen sind auch die freiwilligen Helfer, ohne die ein Sportanlass in diesem Rahmen undenkbar wäre. Sie alle haben dazu beigetragen, dass der Skipostenlauf 2016 von Graubünden Wald für Gross und Klein zu einem Erlebnis werden durfte, an welches man sich noch lange zurückerinnern wird, im Prättigau wie anderswo. Vollständige Rangliste auf: www.graubuendenwald.ch Heidi Wyss-Grischott Dorfstrasse 19 CH-7232 Furna h.wyss-furna@bluewin.ch

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Positionspapier zum Einfluss des Schalenwilds auf die Waldverjüngung Positionspapier von Graubünden Wald zum Einfluss des Schalenwilds auf die Waldverjüngung im Bündner Wald Erarbeitet und verfasst durch die Arbeitsgruppe Wald-Wild im Auftrag der Mitgliederversammlung von Graubünden Wald vom 29. Mai 2015. Das vorliegende Positionspapier bezieht sich auf die aktuelle Wald-Wild-Diskussion im Kanton Graubünden und wurde durch eine Arbeitsgruppe im Auftrag der Mitgliederversammlung von Graubünden Wald vom 29. Mai 2015 verfasst. Leicht gekürzte Version für den Abdruck im «Bündner Wald». Vollversion auf: www.graubuendenwald.ch Vorwort von Raphael Schwitter, Leiter Fachstelle für Gebirgswaldpflege (GWP): «Vor 20 Jahren konnte ich von Ernst Zeller die Leitung der Fachstelle für Gebirgswaldpflege übernehmen. Seither hatte ich im Rahmen von vielen Tagungen und Kursen Gelegenheit, die Wälder Graubündens und die Sorgen der Bündner Förster kennenzulernen. Es ist beunruhigend, wie oft dabei vorgeschlagene waldbauliche Massnahmen wegen zu grosser Wildeinflüsse als nicht zielführend beurteilt werden müssen und wie viele Diskussionen jeweils in einer gewissen Ratlosigkeit enden. Die in diesem Papier erwähnte Einschränkung in den Handlungsoptionen ist leider eine häufige Realität. Manche Praktiker suchen einen Ausweg, indem sie stärker eingreifen und für die Verjüngung grössere Öffnungen schaffen in der Erwartung, dass dadurch die jungen Bäume dem Äser schneller entwachsen oder dass sich vermehrt lichtbedürftige Baum­ arten einstellen werden. Dieses Vorgehen beinhaltet erhebliche Risiken. Denn wenn

sich die Verjüngung nicht wie erwartet einstellt, kann die sich ausbreitende Boden­ vegetation den Verjüngungsprozess langfristig behindern. Vermehrt sind Situationen anzutreffen, in denen den Förstern empfohlen werden muss, auf Eingriffe zu verzichten. Es ist nicht zumutbar, dass sie die Verantwortung für Massnahmen mit geringen Erfolgsaussichten übernehmen. Insbesondere für den Schutzwald sind das keine guten Nachrichten, denn aufwendige Sanierungsarbeiten können die Folge davon sein. Solche Veränderungen im Gebirgswald sind schleichende Prozesse, die methodisch schwer zu erfassen sind, und es dauert dann oft sehr lange, bis konkrete Folgerungen gezogen werden können. Obwohl in den letzten Jahren sowohl auf nationaler Ebene als auch in Graubünden verschie­dene Anstrengungen unternommen wurden, um das Wald-Wild-Verhältnis zu ­verbessern, ist die Situation immer noch unbefriedigend. Die gegenwärtige Wild­ belastung behindert auch die Erhöhung der Baumartenvielfalt, welche zur besseren ­Risikoverteilung gegenüber dem Klimawandel angestrebt wird. Ohne hier auf weitere Einzelheiten im vorliegenden Papier einzugehen, stimme ich deshalb mit den Bündner Förstern darin überein, dass es noch viel Verbesserungspotenzial gibt und ich begrüsse ihren gemeinsamen Vorstoss mit dieser Initiative.»

Maienfeld, 25. Februar 2016 Raphael Schwitter Leiter Fachstelle für Gebirgswaldpflege ibW Bildungszentrum Wald und Holz

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1. Ausgangslage – dem Bündner Wald fehlt sein Nachwuchs Der Wald wird in Graubünden durch den Forstdienst gepflegt, damit er auch in Zukunft seine vielfältigen Funktionen übernehmen kann. Mit Holzschlägen wird dafür gesorgt, dass immer wieder kleine Bäume das Sonnenlicht erblicken und aufwachsen können. In Bezug auf die Nachhaltigkeit eines Schutzwalds spielt die Frage nach der langfristigen Stabilität eine Schlüsselrolle. Um diese gewährleisten zu können, braucht es zum richtigen Zeitpunkt eine ausreichende und entwicklungsfähige Verjüngung. In einem langfristig stabilen Wald wachsen Bäume jeden Alters – vom kleinen Sämling bis zum grossen, imposanten Baum. Mit welcher Ausgangslage sind wir in Graubünden konfrontiert: – Aufgrund der periodischen Aufnahmen für die waldbauliche Planung stellen die Forstorgane eine Zunahme von Waldflächen mit einer ungenügenden Verjüngung fest (Betriebspläne, nur verjüngungsfähige Waldflächen). – Die Weisstanne fällt wildbedingt grossflächig aus. – FSC-Audits haben wildbedingte Mängel in der natürlichen Waldverjüngung festgestellt (SELVA). – Die Auswertungen der Landesforstinventare zeigen eine Zunahme der Verbiss­ belastung (LFI). – In verschiedenen Regionen konnte eine Zunahme des Wilddrucks auf die bisher als unproblematisch geltenden Baum­ arten Fichte und Buche dokumentiert werden, was aus forstlicher Sicht äusserst

problematisch ist (gutachtliche Umfrage bei den Revierförstern). – Wegen der grossen Verbissprobleme entstehen für die Waldbewirtschafter einerseits erhebliche Kosten und andererseits massive Einschränkungen in den waldbaulichen Handlungsoptionen, um die Baumartenmischung den Vorgaben von Nais (NaiS – Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald) gemäss, langfristig zu erhalten. In einer wissenschaft­ lichen Untersuchung wurde an der Rigi-Nordlehne berechnet, dass sowohl die Kosten für Verbauungen gegen Schnee­bewegungen wie auch diejenigen für Verbissschutzmassnahmen deutlich geringer wären, wenn die Verbisssitua­ tion in den vergangenen 20 Jahren verbessert worden wäre. Diese Probleme sind auch in Graubünden bekannt. So mussten beispielsweise temporäre Verbauungen in der Surselva oder im Prättigau erneuert werden, da sich ungenügend Verjüngung einstellte. – In verschiedenen Regionen Graubündens konnte in den letzten zehn Jahren – wie in den 80er-Jahren – wieder eine vermehrte Zunahme von Schälschäden festgestellt werden. Dies kann in direkte Verbindung mit Fütterungen gebracht werden und korreliert mit den steigenden Wildbeständen. – Das sogenannte Baumartenspektrum reduziert sich mit steigenden Höhenlagen und somit fällt ein Baumartenausfall in den höher gelegenen Wäldern auch stärker ins Gewicht.

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– Neben dem Hirsch sind örtlich unter­ schiedlich auch Reh und Gams für die Verbissschäden verantwortlich. Dies als Folge von Lebensraumverschiebungen dieser Tiere in den Wald. – Der Hirschbestand in Graubünden um­ fasste im Frühjahr 2015 rund 16 000 Hir­ sche. Im Jahr 2010 betrug der Bestand 13 500 und im Jahr 2000 noch 12 600 Rothirsche (Zahlen: AJF, Amt für Jagd und Fischerei Graubünden). 1.1 Blick in den Wald – die gutachtliche Beurteilung der Förster (Unterhalb von 800 m ü. M., kolline bis untermontane Höhenstufe). Rund 13 % des Bündner Walds sind hier zu finden. In diesen tiefen Lagen wachsen am meisten Baum­arten. Buche, Esche, Ahorn und Eiche sind die Hauptbaumarten. Wäh­ rend die Buche meist problemlos heran­ wächst und andere Baumarten gar domi­ niert, klappt das bei der Eiche in Nordbünden vielerorts nicht mehr. Die kleinen Eichen wer­ den gerne von Rehen und Hirschen verbis­ sen (Abfressen der Knospen im Winter). Da­ durch verlangsamt sich das Höhenwachstum und die kleinen Eichen werden jährlich aufs

Neue abgefressen, bis sie mit der Zeit abster­ ben. Als wärmeresistente Baumart ist die Eiche für die Herausforderung «Klimaver­ änderung» unverzichtbar. In Südbünden ist der Verbissdruck auf die Eiche weniger dra­ matisch als in den übrigen Regionen. 800 bis 1600 m ü. M. (montane bis hochmontane Höhenstufe) Rund 46 % des Bündner Walds befinden sich in dieser Höhenstufe. Die Hauptbaumarten sind Buche, Weisstanne und Fichte (Rot­ tanne). In Nordbünden wächst die Weiss­ tanne seit Jahrzehnten praktisch nirgends mehr auf. Betroffen sind vor allem die Regio­ nen Prättigau, Bündner Rheintal, Mittelbün­ den und auch teile der Surselva. Dort gibt es wenige Tannen, die dem Äser von Reh, Hirsch und Gämse entkommen. Die Weiss­ tanne ist beim Wild besonders beliebt und sie hat unverzichtbare Eigenschaften für den Gebirgswald (siehe Kasten). Ähnlich wie der Weisstanne ergeht es in Nordbünden auch dem Bergahorn: Praktisch jeder ungeschütz­ te junge Bergahorn wird vom Wild verbissen. In Südbünden hat sich der Wilddruck auf die Weisstannenverjüngung in den letzten Jahren massiv erhöht. Sie kann sich nur noch an einzelnen und eng begrenzten

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Standorten natürlich und ohne Schutzmass­ nahmen verjüngen.

Die Weisstanne im Schutzwald Die Eigenschaften der Weisstanne wirken sich im

Oberhalb 1600 m ü. M. (subalpine Höhenstufe) Hier stocken in etwa 41 % des Walds in Graubünden. Es herrscht die Fichte vor. In Mittelbünden und im Engadin wird sie nach oben von der Lärche und der Arve abgelöst. Die Wuchsbedingungen sind für kleine Bäu­ me naturbedingt erschwert (wegen des Schnees und der Kälte). Die Natur weiss sich aber zu helfen. So wachsen Fichten z. B. gut unter Vogelbeerbäumen heran. Der Förster spricht von einer «Vorverjüngung». Die Fichte wird vom Wild nur selten stark verbis­ sen, da diese Höhenstufen im Winter prak­ tisch schalenwildfrei sind. Die Vogelbeere, als sehr wichtige Baumart im Vorbau, hinge­ gen wird sehr stark verbissen, was sich indi­ rekt negativ auf das Aufwachsen der Fichte auswirkt. Die Zeiträume für die natürliche Verjüngung der Fichten werden dadurch massiv verlängert oder gar verunmöglicht, dies vor allem an ungünstigen Standorten. 1.2  Weitere Einschätzungen Die Waldföhre wächst in allen Höhenstufen und ist die Spezialistin für heisse, sehr tro­ ckene Hänge und Kuppen. In Nordbünden wächst ihre Verjüngung wildbedingt nur noch spärlich auf. Besonders betroffen sind die Regionen Bündner Rheintal und Mittel­ bünden als Hauptverbreitungsgebiete der Waldföhre in Nordbünden. In Südbünden ist die Situation weniger dramatisch, der Rück­ gang der Waldföhre ist hier hauptsächlich auf das «Föhrensterben» zurückzuführen. Die Revierförster kennen ihre Wälder sehr gut und können dank langjähriger Beob­ achtung eine Beurteilung zum Zustand der Waldverjüngung abgeben. Über den gan­ zen Kanton gesehen, fehlen momentan ak­

Schutzwald in vielerlei Hinsicht positiv aus: – Das geringe Lichtbedürfnis ermöglicht die Verjüngung auch in kleinen Lücken. – Die tiefe Durchwurzelung des Bodens verbessert die Armierung des Bodens und hemmt Erosion und oberflächliche Rutschungen. – Das Wurzelwerk vergrössert das Porensystem im Boden und verbessert die Infiltration und das Speichervolumen bei Starkniederschlägen. – Die Resistenz gegenüber Verletzungen erhöht die Beständigkeit bei Steinschlag. – Die tiefwurzelnde Weisstanne verleiht den Beständen eine grössere Stabilität gegenüber Stürmen. – In Beständen mit einem hohen Tannenanteil kann der Borkenkäfer (Buchdrucker) weniger Schäden bewirken.

tuelle, systematisch erhobene Zahlen zum Einfluss von Reh, Hirsch und Gämse auf die Waldverjüngung. Die offiziellen Daten sei­ tens Amt für Wald und Naturgefahren (AWN) basieren in den meisten Gebieten auf früheren nicht mehr aktuellen Erhebun­ gen, mit Ausnahme der Wald-Wild-Berichte im Oberengadin und im Val Poschiavo. Die ersten Resultate des 4. Schweizerischen 4) bestätigen, Landesforstinventars (LFI  dass in Graubünden die Weisstanne und der Bergahorn einem hohen Wilddruck ausgesetzt sind. Bei der Eiche bestätigt das LFI 4 die Beobachtungen der Förster auf den ersten Blick nicht; die Intensität des Verbis­ ses ist gering, die Anzahl der überhaupt vor­ handenen jungen Eichen allerdings auch. Dadurch wird eine verlässliche Aussage er­ schwert, denn wo es praktisch keine jungen Eichen hat, können diese auch nicht verbis­ sen werden. Bündner Wald 2/2016 89

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2.  Rechtliche Grundlagen zum aktuellen Zustand Damit der Wald im Kanton Graubünden seine Funktionen, insbesondere auch seine Schutzfunktion langfristig wahrnehmen kann, gibt der Gesetzgeber auf diversen Verfassungs-, Gesetzes-, Ausführungs- und Weisungsstufen klare Vorgaben: – Die Grundlage dafür bildet die Bundesverfassung (BV; SR 101) in Art. 77:

1. D er Bund sorgt dafür, dass der Wald seine Schutz-, Nutz- und Wohlfahrtsfunktionen erfüllen kann. 2.  Er legt Grundsätze über den Schutz des Walds fest. 3.  Er fördert Massnahmen zur Erhaltung des Walds.

– Das Bundesgesetz über den Wald (WaG; SR 921.0) enthält schon in Art. 1 Aussagen über einen Wald, der seine Waldfunktionen erfüllen muss, um die Menschen vor Naturereignissen zu schützen. 27 Abs.  2. Massgebend ist auch Art.  Massnahmen der Kantone: Sie (Die Kantone) regeln den Wildbestand so, dass die Erhaltung des Walds, insbesondere seine natürliche Verjüngung mit standortgerechten Baumarten, ohne Schutzmassnahmen gesichert ist. Wo dies nicht möglich ist, treffen sie Massnahmen zur Verhütung von Wildschäden. – Im Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wild lebender Säugetiere und Vögel (JSG; SR 922.0) ist im Art. 1 festgeschrieben, dass die von wild lebenden Tieren verursachten Schäden am Wald auf ein tragbares Mass zu begrenzen seien. Dies soll durch eine angemessene Nutzung durch die Jagd erfolgen.

– Weitere Gesetze, wie das Kantonale Waldgesetz (KWaG) und das Kantonale Jagdgesetz (KJG) sowie die zugeordneten Verordnungen dazu, enthalten sinngemässe Ausführungen wie oben bereits beschrieben. Wie diese Gesetze in der Praxis umzusetzen sind, geben die Vollzugshilfe Wald und Wild sowie die Wegleitung für Pflegemassnahmen in Wäldern mit Schutzfunktion (­NaiS – Nachhaltigkeit und Erfolgskontrolle im Schutzwald) vor, beide herausgegeben vom Bundesamt für Umwelt (BAFU). NaiS ist das Instrument für die forstliche Praxis, das ­einen langfristig wirksamen Schutzwald mit minimalem Aufwand sicherstellen soll. Gestützt auf die Annahme, dass der Waldzustand entscheidend ist für die Wirkung des Walds gegenüber Naturgefahren, werden waldbauliche Anforderungsprofile für die verschiedenen Waldstandorte und Naturgefahren beschrieben. Daneben umfasst das Konzept die Herleitung des Handlungsbedarfs, die Erfolgskontrolle und die Wirkungsanalyse. 3. Das vertritt Graubünden Wald Der Lebensraum Wald und besonders der Schutzwald sind für ein Leben in den Alpen von höchster Wichtigkeit. Dieser Lebensraum muss durch eine natürliche Waldverjüngung in Bezug auf die räumliche Ausdehnung und die Baumartenzusammensetzung langfristig Bestand haben – unabhängig der Schädigungsformen und -arten, welche dem Wald zusetzen. Relevante Verjüngungsprobleme, die ganz oder teilweise durch Reh, Hirsch und Gämse verursacht werden, bestehen aktuell bei sehr vielen verschiedenen Baumarten. Insbesondere sind dies Weisstanne, Vogel­ beere, Bergahorn, Waldföhre und Eiche.

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Durch den Ausfall der Hauptbaumart Weis­ stanne in ihrem Verbreitungsgebiet wird der waldbauliche Handlungsspielraum stark eingeschränkt und die Erfüllung der Wald­ funktionen, insbesondere die Schutz­ funk­ tionen, werden infrage gestellt. In einem langfristig naturnah aufgebauten Wald kommen alle Pflanzenarten vor, die den natürlichen Voraussetzungen im jeweils standortgerechten Waldtyp entsprechen. Der Forstdienst setzt sich hierbei in erster Linie für das Aufkommen aller standortgerechten Baumarten ein. Ein Wald ist umso stabiler, je mehr verschiedene standortge­ rechte Baumarten darin wachsen. Ein durchmischter Wald vermag Unwettern und dem Borkenkäfer besser zu trotzen als instabile Bestände mit wenig Baumarten. In Anbetracht der sich bereits abspielenden Klimaveränderung, deren Auswirkungen niemand genau kennt, ist es umso wichtiger, das Potenzial all unserer Baumarten zu erhalten. Die Rückkehr von Luchs und Wolf ist neben der Jagd und der Wintersterblichkeit ein er­ gänzender Einflussfaktor für die unabding­ bare Reduktion der Schalenwildbestände. Ihrer weiteren natürlichen Ausbreitung stehen wir grundsätzlich positiv gegenüber. 4. Forderungen – das will Graubünden Wald Graubünden Wald stellt im Zusammenhang mit dem aktuellen Wald-Wild-Problem folgende acht Forderungen auf: 1. Die Schalenwildbestände müssen an die Kapazität ihrer natürlichen Lebensräume angepasst werden, insbesondere an die Kapazität in den Wintereinständen. Die Zielgrösse von 10 000 Hirschen, welche die Bündner Regierung in einem Regie-

rungsbeschluss im Jahre 1986 erlassen hat, ist kurz- bis mittelfristig anzustreben. Langfristig ist zu überprüfen, ob sich bei dieser Zielgrösse eine erwartete Waldverjüngung wieder einstellt. Ähnliche Zielgrössen sind für das Reh- und Gamswild festzulegen. 2. Die Kapazität der Lebensräume ist auf­ grund der dynamischen Raumnutzung (Siedlung, Verkehr, Landwirtschaft, Freizeit) in unserer Kulturlandschaft perio­ disch zu überprüfen. 3. Der wildbedingte Ausfall der Haupt­ baumart Weisstanne in der Verjüngung muss gestoppt werden. Innert fünf bis ANZEIGE

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zehn Jahren muss das natürliche Auf­ wachsen der Weisstanne im entsprechen­ den Verbreitungsgebiet wieder möglich sein (gemäss Minimalanforderungen NaiS). 4. Der Informationsfluss der kantonalen Fachstellen Amt für Wald und Natur­ gefahren (AWN) und Amt für Jagd und Fischerei (AJF) zu den Waldeigentümern und Förstern als deren Fachvertreter muss verbessert werden. 5. Die Verjüngungssituation muss regelmässig im ganzen Kanton und mit geeigneten Instrumenten erhoben werden. Von Gesetzes wegen ist das Amt für Wald und Naturgefahren (AWN) dafür verantwortlich. 6. Waldanliegen müssen ein wesentlicher Bestandteil der Jagdplanung sein. Die aktuelle Verjüngungssituation muss als zentrales Element in die Jagdplanung fliessen. Wildschäden und deren Verhü­ tungsmassnahmen in Wald und Feld müssen konsequent und transparent quantifiziert und systematisch auf ihre Wirkung überprüft werden. Diese Über­ prüfung soll offen und nachvollziehbar erfolgen und entsprechend transparent kommuniziert werden. 7. Die Zusammenarbeit zwischen Jagd, Wildhut und Wald muss sich verbessern:

– Auf Stufe Kanton soll dafür die Fusion zwischen dem Amt für Wald und Natur­ gefahren (AWN) und dem Amt für Jagd und Fischerei (AJF) geprüft werden. Durch eine Fusion dieser Ämter unter eine Führung wäre ein konsequenter ge­ meinsamer Auftritt möglich. – Schaffung einer ständigen Arbeitsgrup­ pe, die Forstdienst, Jäger, Wildhut und Waldeigentümer regelmässig an einen Tisch bringt (Standortbestimmungen, PR-Aktionen etc.). 8. Die Wildruhezonen sind konsequent durchzusetzen.

Quellen sind in der Vollversion des Positions­ papiers ersichtlich, welches auf der Home­ page von Graubünden Wald zum Download bereitsteht: www.graubuendenwald.ch

Arbeitsgruppe Wald-Wild und Vorstand Graubünden Wald info@graubuendenwald.ch

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15. Bündner Holzhauereimeisterschaft am 1. /2. Juli 2016 in Arosa Herzlich willkommen zur 15. Bündner Holzhauereimeisterschaft am 1./2. Juli 2016 in Arosa. Die Bündner Holzhauereimeisterschaft, ver­ bunden mit dem Auftritt von verschiedenen Kettensägenkünstlern, findet am 1. / 2. Juli 2016 beim Obersee in Arosa statt. Unter dem Patronat von Graubünden Wald organisiert Forst Arosa diesen Anlass. Am Freitagabend findet im Festzelt die Lehr­ abschlussfeier der Forstwartlehrlinge statt. Anschliessend musikalische Unterhaltung und Barbetrieb. Am Samstag, 2. Juli 2016, organisiert am Abend der Motorradclub Arosa im Festzelt zu seinem 30-jährigen Bestehen Livemusik und Barbetrieb. Anmeldeformulare sowie die Reglemente werden aufgeschaltet auf: www.graubuendenwald.ch Wir freuen uns, euch in Arosa begrüssen zu dürfen! OK 15. Bündner Holzhauereimeisterschaft 2016, Försterhaus, 7050 Arosa Mobile: +41 79 669 54 41 Mail: forst.arosa@bluewin.ch

Orlando Lerch mit voller Konzentration bei den Schweizer Meisterschaften 2015 in Luzern.

Andi Müller, Orlando Lerch

(Bild: zVg HOLZdrive)

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ARGE-TAGUNG 9./10. Juni 2016 Die Tagung der ARGE Alpenländischer Forstvereine 2016 findet am 9. und 10. Juni 2016 in Kufstein, Tirol, zusammen mit der Tagung des Österreichischen Forstvereins statt. Thematisiert wird das Spannungsfeld «der Bergwald zwischen Holzfabrik, Funpark und Naturoase». Wir würden uns freuen, wenn unser Verein mit einer grossen Delegation an dieser inteExkursionsprogramm, 10. Juni 2016 Exkursion Ort Schätze des Kaisertales

Kaisertal

Faszination Natur – Moor & Mystikwald erleben

Walchsee

Mit der Natur arbeiten

Alpbachtal

Waldweidetrennung Brandenberg

Brandenberg

Netzwerk Naturraum Brixental

Brixental

Kitzbühel – intensiv genutzte Region

Kitzbühel

Hotspot Finsingtal

Fügen

Burgfräuleins und Waldkinder

Schwaz

Naturpark Karwendel

Achensee

Faszination Rad – rund um die Buchensteinwand

Fieberbrunn

Faszination Mountainbiken – auf dem Lisi Osl und Gaisberg Trail

Kitzbühel

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Kufstein

ressanten Tagung vertreten ist. Zu diesem Zweck organisieren wir eine gemeinsame Reise nach Kufstein. Die Reisedauer mit dem Postauto inkl. Pausen beträgt ab Chur ungefähr vier Stunden. Detaillierte Informationen zu der Tagung finden Sie auf der Homepage des Österreichischen Forstvereins unter: www.forstverein.at/de/forsttagung-2016/ Das Tagungsprogramm vom Donnerstag, 9. Juni 2016, sieht wie folgt aus: 13.00 Tagungsbeginn mit Begrüssung durch TFV und ÖFV 13.20 Vorträge zum Tagungsthema 15.00 Pause 15.45 Podiumsdiskussion 17.00 Zusammenfassung, Verabschiedung 18.30 Aperitif und Abendessen im Kaiserturm Am Freitag, 10. Juni 2016, finden zwölf Exkursionen statt: Zeitrahmen 8.00 bis 16.00 Uhr. Sobald die Reise organisiert ist, werden die Mitglieder von Graubünden Wald per E-Mail informiert. Für weitergehende Informationen sowie für Interessierte ohne ­E-Mail-Adresse wenden Sie sich bitte an: Cristina Fisler Amt für Wald und Naturgefahren Veia Dalmeras 13 7450 Tiefencastel Telefon: +41 81 659 00 71 E-Mail: cristina.fisler@awn.gr.ch

Alternativ: Firmenbesichtigung Glaswelten Riedel

Kufstein

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Vorschau «Bündner Wald» Juni 2016 Wege zu einer ökologischen Jagd Schon die Titelwahl dieser nächsten Ausgabe hat zu Reaktionen geführt. Grund für diese Schwerpunktnummer ist die Erarbeitung des Positionspapiers zum Einfluss des Schalenwilds auf die Waldverjüngung von Graubünden Wald, welches an der Jahresversammlung im Val Müstair diskutiert und verabschiedet werden soll. Heute wirkt die Mischung von Reh, Gämse und Hirsch bereits wie ein überdosierter Cocktail am Waldboden. Hier sehen wir die Wirkung bzw. die Reaktion je Baumart regional unterschiedlich in verschiedenen Ausprägungen. Das Positionspapier soll dies zum ­Ausdruck bringen, gegen innen bis zum Forstwartlernenden und gegen aussen zur Bevölkerung. Mittelfristiges Ziel, basierend auf konkreten

Forderungen, wird neben ­einer gefestigten forstlichen Haltung zur Thematik auch die Neutralisierung des überdosierten «Wildcocktails» sein. Mögliche Zutaten dazu werden in der nächsten Ausgabe vorgestellt. Nach der Erscheinung sind Reaktionen sehr erwünscht. Redaktion: Sandro Krättli Vorschau auf die nächsten Nummern: August 2016: Der Wald und sein(e) Wasser Redaktion: Jörg Clavadetscher Oktober 2016: Adern der Waldnutzung Redaktion: Sandro Krättli

Herausgegeben vonvon Graubünden Wald, Amt für Wald Graubünden undGraubünden der SELVA. Herausgegeben Graubünden Wald, Amt und für Naturgefahren Wald und Naturgefahren und der SELVA. Verleger: Südostschweiz Presse und Print AG, Südostschweiz CH-7007 Chur Sekretariat: SELVA, Christophe Trüb, Verlag: © Somedia Production AG, CH-7007 Chur Print, Sekretariat: SELVA, Urs Rutishauser, ­Bahnhof­Bahnhofplatz 1, CH-7302 Landquart, Telefon + 41 (0) 81 300 22 44, buendnerwald @  selva-gr.ch Redaktoren: Jörg Clava­

platz 1, CH-7302 Landquart, Telefon + 41 (0) 81 300 22 44, buendnerwald @  selva-gr.ch Redak-

detscher, Revier forestal da Val Müstair, CH-7535 Valchava, Telefon + 41 (0) 81 858 58 21, forestal-muestair @ bluewin.ch.

toren: Jörg Clava­detscher, forestal-muestair @ bluewin.ch. Sandro Krättli, sandro.kraettli @ awn.gr.ch.

Sandro Krättli, AWN GR, Sagastägstrasse 96, CH-7220 Schiers, Telefon + 41 (0) 81 300 24 11, sandro.kraettli @ awn.gr.ch.

Die Redaktion behält sich vor, Beiträge in nicht verlangter Form ohne Rückfrage zu ändern. H ­ er-

Die Redaktion behält sich vor, Beiträge in nicht verlangter Form ohne Rückfrage zu ändern Druckvorstufe (Satz, Lithos, Belich-

stellung: SomediaPresse Production, Chur. Erscheint sechsmal Auflage: 1700 tung)  : Südostschweiz und PrintCH-7007 AG, Südostschweiz Print, Antonin Friberg jährlich. Druck: Südostschweiz PresseExemplare und Print AG, Inserate: Somedia Promotion, Telefon + 41 1,(0) 81 650Chur, 00 70, thusis@somedia.ch Abonnements­ Süd­ ostschweiz Print, Postfach 508, Kasernenstrasse CH-7007 Telefon + 41 (0) 81 255 51 11, Fax + 41 (0) 81 255 52 89. Erscheint jährlich. 1700 Exemplare Inserate: Südostschweiz Publicitas AG, Neudorfstrasse 17, preise: CHF 60.– sechsmal (inkl. MwSt. fürAuflage Mitglieder Verein Graubünden Wald) Abonnemente/Adressände­ CH-7430 Telefon (0) 81 650 70, abo  Fax + 41 (0) 81 650 00www.buendnerwald.ch 74, thusis@so-publicitas.ch ­Abonnementspreise: rungen: Thusis, Telefon + 41 + 41 (0) 81 255 540054, somedia.ch,

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