BĂźndner
Wald
Jahrgang 67 | Juni 2014
Wechselwirkungen im WaldĂśkosystem
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Inhalt
Wechselwirkungen im Waldökosystem Editorial.................................................. 4 Wie viel Krankheit braucht der Wald?.......... 5 Forstschutzsituation der letzten 150 Jahre................................. 11 Grenzkontrollen Holzverpackungen........... 20 Edelkastaniengallwespe: Ein weiteres Problem für die Kastanie........................... 24 Der Kastanienrindenkrebs: Haben wir die Krankheit im Griff?............. 28 Der Hallimasch.......................................... 32 Streusalz – Auswirkungen auf die Bäume........................................... 36 Auffällige Insekten in Bündner Wäldern...................................... 42 Quarantäneorganismus in Graubünden – die Rotbandkrankheit................................ 46 Borkenkäfer aufgepasst: Dreizehenspecht....................................... 49
Titelbild: Der Dreizehenspecht (links Weibchen,
Stabilitätsabschätzung mit moderner
rechts Männchen) ist auf totholz- und damit
Kernfäulemesstechnik................................ 54
holzinsektenreiche Fichtenwälder angewiesen.
Regionalleiter Christian Barandun
Weitaus der grösste Teil seiner Nahrung
geht in Pension......................................... 61
besteht aus Borkenkäfern.
Vorschau «Bündner Wald»
(Bild: Beat Wermelinger)
August 2014............................................. 63 Bild Inhaltsverzeichnis: Leben und sterben – eine wesentliche Tatsache der Natur, hier ein Sperberweibchen mit einem Eichelhäher. (Bild: Sandro Krättli) Bündner Wald 3 /2014 3
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Editorial
Die verschiedenen Wechselwirkungen in einem Ökosystem sind gewaltig. Es gibt keinen Forschenden, welcher alle Verbindungen und Abhängigkeiten kennt. Aktuell geht man weltweit allein von 350 000 Pflanzenarten aus. Jede Pflanze steht für eine Erfindung der Natur. Die Vielfalt von Tieren über Flechten, Pilze oder Moosen ist schier nicht greifbar. Diese stehen wieder in direkten Verbindungen zu Pflanzen, erledigen sogar verschiedene Aufgaben für sie und erhalten im Gegenzug oft Nahrung. Allein das reiche Spektrum der verschiedenen Pflanzen können wir kaum erfassen. Ob im Meer oder im Hochgebirge, überall haben Pflanzen einen Weg gefunden Fuss zu fassen und eine Aufgabe im Gesamtökosystem zu übernehmen. Nur schon die Wälder Graubündens setzen sich wie ein hochkomplexes Uhrwerk zusammen, von welchem wir nur wenige der einzelnen Zahnräder wirklich kennen. Gleichwohl beeinflussen wir dieses anspruchsvolle Ökosystem wesentlich. Meist – so hoffe ich – nach bestem Wissen und Gewissen. Als Waldbauende setzen wir logischerweise die Bäume als Zahnräder für unsere Betrachtung in den Mittelpunkt – dies ist unser Job als Uhrmacher des Waldes. Mit dieser Optik kann natürlich eine Haltung entstehen, dass aus jeder vermeintlich negativen Einwirkung auf diese Bäume ein Schaden wird. Solche Beurteilungen konnten wir in den letzten Jahrzehnten dank Aufklärung und Beobachtungen immer wieder aufs Neue schärfen oder gar revidieren. Dank der Interpretation der Wissenschaft sind wir als Branche nicht stehen geblieben. Wir wissen wie wichtig Totholz ist, welche Rollen bspw. Tannenhäher oder Ameisen einnehmen können oder wie wesentlich die Symbiose von Mykorrhizapilzen und Baumwurzeln ist. Gleichzeitig gibt es
Probleme, die sehr wohl relevant sind und einen messbaren negativen Einfluss auf das Ökosystem Wald haben: Beispielsweise der Druck des Schalenwildes auf die Waldverjüngung. Wir tun uns seit Jahren schwer damit, diese Problematik zu kommunizieren. Vielleicht weil wir als Branche genauso Wechselwirkungen ausgesetzt sind – mal politischen, mal emotionalen, mal gesellschaftlichen. Immer scheint der Zeitpunkt ungünstig zu sein über die Wald-Wild-Problematik zu sprechen. Wenn aber zunehmend das Baumartenspektrum durch Reh, Gams und Hirsch in Bedrängnis gerät, ist dies meiner Meinung nach «öko»-systemrelevant und somit ein Thema, das stets präsent sein muss – unabhängig von Legislaturperioden, Schneehöhen oder Volksinitiativen. Denn einzelne Zahnräder im Uhrwerk Gebirgswald sind dadurch bereits ausgefallen und fehlen als wichtige Bindeglieder für ein gesundes und nachhaltiges Zusammenspiel. Aus kaputten Uhrwerken werden so tickende waldbauliche Zeitbomben, die wir langsam aber sicher zu entschärfen beginnen sollten. Diese Bündner Wald Nummer wird nur einen kleinen Einblick ins Uhrwerk des Gebirgswaldes geben. Wir versuchen mit kompetenten Autorinnen und Autoren ein paar besondere Zahnräder genauer zu beleuchten und ihre Funktionen aufzuzeigen ...wie sie in andere greifen, wie sie ausfallen, wie sie neu eingesetzt werden oder wie sie wegen äusseren Einflüssen korrodieren.
Sandro Krättli, Redaktor Bündner Wald Sagastägstr. 96, CH-7220 Schiers sandro.kraettli@awn.gr.ch
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Wie viel Krankheit braucht der Wald?
Links: Der Fichtennadelblasenrost verursacht nur in manchen Jahren auffällige Symptome und gefährdet die Fichte nicht. Rechts: Der Fichtennadelblasenrost ist wirtswechselnd. Das Bild zeigt Sporenlager des Pilzes auf der Unterseite von Blättern der Rostblättrigen Alpenrose (Rhododendron ferrugineum). (Bilder: Ottmar Holdenrieder)
Graubünden ist eine Gebirgs-Waldlandschaft: 28 % der Kantonsfläche sind bewaldet, davon sind 60 % als Schutzwald ausgewiesen. Diese Wälder sind überwiegend naturnah und in ihrer Baumartenzusammensetzung nicht sehr divers (Fichte 65 %, Lärche 14 %, Föhre 5 %, Tanne 4 % Arve 3%, Laubbäume 9 %). Die Holzwirtschaft ist seit den frühen 1990er-Jahren nicht mehr rentabel. Aber der Wald besteht nicht nur aus Bäumen und er produziert weit mehr als nur Holz. Graubünden besitzt prächtige naturnahe Gebirgsfichtenwälder, Lärchenwälder – deren Herbstfärbung nicht nur Touristen erfreut –, vom Tannenhäher begründete Arvenwälder, eindrucksvolle Föhrenbestände und alte Eichenwälder in tieferen Lagen. Diese Ökosysteme wollen wir vor Schäden bewahren. Das vorliegende Heft befasst sich mit verschiedenen Schaderregern im Bündner
Wald – mit Ausnahme des Menschen. Etwa 5 Mio. Franken werden dort jährlich für die Verhinderung oder Beseitigung von «Waldschäden» aufgewendet. Das entspricht ca. 25 Franken/ha. Aber die meisten Waldschäden sind nichts Unnatürliches. Sowohl Infektionskrankheiten als auch der Konsum von Biomasse durch Tiere und «Störungen» durch physikalische Ereignisse werden heute als natürliche Prozesse verstanden, von denen wir viel lernen können und die wir nicht immer verhindern sollten. Was ein Schaden ist und was nicht, das definiert nur der Mensch. Sowohl Wälder als auch menschliche Vorstellungen (und damit das Verhalten der Menschen) wandeln sich mit der Zeit. Wir müssen uns immer wieder neu fragen: Was ist ein gesunder Wald? Ist Waldschutz notwendig? Wie sollten wir mit neuen Waldschutzproblemen umgehen? Wie viel «Krankheit» (inkl. sonstige «SchäBündner Wald 3 /2014 5
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den» bzw. «Störungen») verträgt der Wald und wie viel davon braucht ein gesunder Wald? Was ist Waldgesundheit? Waldgesundheit ist mehr als das Vorhandensein von gesunden Bäumen. Ein gesunder Wald kann einen gewissen Stress ertragen, mit (einheimischen) Parasiten leben und sich Umweltveränderungen anpassen – und dies möglichst ohne viel Zutun des Menschen. Zum Beispiel trägt Totholzmangel zur Störung des ökologischen Gleichgewichts bei. Spechte könnten einen lokalen Borkenkäferbefall durchaus stoppen, wenn es genug davon gäbe. Aber sie brauchen auch in borkenkäferarmen Zeiten Nahrung und Nistgelegenheiten. Das Gleiche gilt für andere natürliche Feinde des Buchdruckers. Aber auch der Buchdrucker ist ein natürlicher Bestandteil des Fichtenwaldes, von dessen Aktivität viele andere Organismen profitieren. Dazu gehört auch die Fichte selbst: Der Käfer befällt überwiegend alte und gestresste Bäume und ermöglicht das Aufkommen einer neuen Baumgeneration. Dabei findet eine Selektion statt – die Fichte als Art kann sich so relativ rasch an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Selbst Fäulerreger an lebenden Bäumen haben gute Seiten: Sie töten nur Einzelbäume oder kleinere Baumgruppen und tragen so zur Strukturierung des Waldes bei. Gleichzeitig liefern sie Nistgelegenheiten für Spechte und deren Nachmieter, versorgen zahlreiche Insekten (und damit viele andere Tiere) mit Nahrung, führen Nährstoffe in den Kreislauf zurück und bilden Humus – und das alles ohne Lärm und ohne Subventionen. Deshalb möchte man im Wald gar nicht alle «Schädlinge» töten, sondern ein – aus menschlicher Sicht akzeptables – Gleichgewicht herstellen. Nichts tun kann in diesem
Zusammenhang sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht vorteilhaft sein. Das heisst aber nicht, dass Waldschutz sinnlos ist. Für den betroffenen Waldbesitzer kann der finanzielle Verlust beträchtlich sein und der ökologische Mehrwert ist dann nur ein schwacher Trost. Störungsereignisse wie Sturmschäden und Waldbrände wird es immer geben und wir müssen uns mit deren Folgen auseinandersetzen. Hinzu kommen neue Probleme durch die Klimaerwärmung und durch eingeschleppte Schaderreger. Invasive Schaderreger, gegen die unsere Bäume nur über geringe Abwehrkraft verfügen, üben einen gewaltigen evolutionären Druck aus. Sie können die Existenz einzelner Baumarten bedrohen und so auch die vielen Lebewesen, die von diesen Bäumen abhängig sind. Es braucht also nach wie vor die Vorbeugung gegen einen Befall und manchmal sogar die Bekämpfung des Schaderregers im Wald. Diese Massnahmen müssen auch wirksam und die Nebenwirkungen abschätzbar sein und sie dürfen nicht zu drastisch werden. Dazu muss man verstehen, wie das System funktioniert. Die Forschung leistet dazu einen wichtigen Beitrag, doch ist auch sie von der Komplexität des Ökosystems Wald oft überfordert. Wie wirken sich Klimaerwärmung und Globalisierung auf die Waldgesundheit aus? Der Klimawandel beeinflusst die Vermehrung und Ausbreitung von Schadorganismen. Dass Borkenkäfer und andere Insekten warme Sommer lieben, ist seit Langem bekannt. In Bayern wurde die bisher eher unauffällige Gebirgs-Fichtenblattwespe neuerdings zu einem ernsthaften Problem. In den südlichen Alpen hat der Kiefernprozessionsspinner infolge der milderen Winter stark
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zugenommen. Im Wallis breitete sich der Mistelbefall in höhere Lagen aus. Auch die Häufigkeit des Wurzelschwamms in höheren Lagen wird im wärmeren Klima zunehmen. Der Schneeschimmel wird zwar nach oben wandern, aber im Bereich der Baumgrenze wird er auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Der Klimawandel bewirkt sowohl eine Ausbreitung als auch einen Rückgang von verschiedenen Pflanzenarten. Dies wirkt sich auch auf das Auftreten von Parasiten aus, die von ihren Wirten abhängig sind. So hat sich z. B. die Grünerle in den letzten Jahrzehnten – allerdings nicht nur wegen der Klimaerwärmung – stark ausgebreitet. Gleichzeitig sterben die Grünerlen in den letzten Jahren häufiger ab. Die Ursache ist ein Pilz, der natürlicherweise die Grün erlen symptomlos besiedelt, aber bei höheren Temperaturen aggressiv wird. Offenbar sind verschiedene Pflanzenarten in Europa immer noch dabei, sich an die Klimaveränderung anzupassen, die seit dem Ende der letzten Eiszeit erfolgte. Und nun kommt die vom Menschen verursachte Erwärmung noch dazu. Die Waldföhre zieht sich im Wallis und in den Pyrenäen aus tieferen Lagen zurück. An der südlichen Verbreitungsgrenze der Buche laufen ähnliche Prozesse ab. Kann und soll man den Bäumen bei ihren Wanderungen helfen? Wie soll man mit den an der Rückzugsfront noch überlebenden Bäumen umgehen, die ja genetisch besonders wertvoll sein könnten? Sollte man neu einwandernde Baumarten bekämpfen? Sollten wir einfach abwarten, was passiert, oder sollte man Neueinwanderungen sogar durch gezielte Anpflanzungen fördern? Modellierungen zeigen, dass im Engadin (bei Bever) am Ende dieses Jahrhunderts Edelkastanien wachsen könnten. Der Klimawandel stellt für die Förster und
Försterinnen eine sehr anspruchsvolle Herausforderung dar. Bei der Entwicklung von Strategien zur waldbaulichen Milderung von Folgen der Klimaerwärmung dürfen wir die Begleitorganismen der Bäume jedenfalls nicht vergessen. Der zunehmende internationale Warenaustausch und vor allem der Transfer von Pflanzen sind ein Risiko: Schaderreger werden oft als blinde Passagiere verbreitet. Auch eingeführte oder eingewanderte Baumarten, die anfangs oft besonders gesund sind, rekruWeisser Schneeschimmel (Phacidium infestans) an Arve.
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tieren mit der Zeit Krankheitserreger und Insekten aus der Lebensgemeinschaft am neuen Standort oder diese werden aus dem Herkunftsgebiet der Bäume später eingeschleppt. Beispiele sind der Kastanienkrebs und die Kastaniengallmücke (vgl. S. 24 bis 31 in diesem Heft). Wenn man die Schäden reduzieren will, muss man manchmal auch den Mut haben, die Einwanderung weiterer Organismen zuzulassen. Aber wer weiss, ob diese wirklich auf ihren Wirt beschränkt bleiben oder gar mit einheimischen Arten hybridisieren und völlig neue Eigenschaften entwickeln? Was ist überhaupt einheimisch und was ist exotisch in einem sich rasch verändernden Klima und in einer zunehmend globalisierten Welt? Haben diese Begriffe überhaupt noch eine Berechtigung? Neue Ökosysteme können durchaus funktionieren und vielleicht ersetzt der Götterbaum einmal die Esche. Aber sicher ist das nicht und – unerwünschte – ökologische Überraschungen wird es immer wieder geben. Neue Baumkrankheiten sind unvermeidbar Wir sind mit neuen Baumkrankheiten konfrontiert, seit der Mensch Schaderreger verschleppt. Bäume und Krankheitserreger brauchen viele Generationen, um sich aneinander anzupassen. Und wir wissen nicht einmal, ob das immer gelingt. Neu eingeschleppte Krankheitserreger können mit wehrlosen Bäumen zusammentreffen und die Effekte können dramatisch sein. Das Eschentriebsterben ist ein aktuelles Beispiel dafür. Wir wissen nicht, wie der Erreger (der Pilz Hymenoscyphus pseudoalbidus) aus Ostasien Anfang der 1990er-Jahre nach Polen gelangte. Im Heimatgebiet verursacht dieser Pilz keinen Schaden. Theoretisch hat ein einziger infizierter Blattstängel, der vielleicht zwischen aus China importierten
Pflastersteinen lag, für die Einschleppung genügt. Heute geht man davon aus, dass bei uns über 90 % der Eschen absterben könnten. Mit der ökologisch sehr flexiblen Esche verliert der Wald auch eine wichtige Option, sich an die Klimaveränderung anzupassen. Exotische beziehungsweise eingebürgerte Baumarten gelten häufig als gesund. In Wirklichkeit sind sie aber oft nur ihren natürlichen Feinden entkommen bzw. die bei uns einheimischen Organismen konnten sich noch nicht an die neue Nahrungsquelle anpassen. In der Natur bleibt aber keine ökologische Nische dauerhaft frei, was auch für die Douglasie gilt. Wir müssen damit rechnen, dass auch exotische Bäume irgendwann von Parasiten entdeckt werden. Wie sollen wir damit umgehen? In den meisten Fällen wird man eingeschleppte Organismen nicht mehr los. Immerhin verursachen nur sehr wenige dieser Arten Probleme. Die grosse Mehrzahl verhält sich unauffällig und hat sich gut in das Ökosystem integriert. Wenn wir den Feind nicht besiegen können, sollten wir versuchen, uns mit ihm zu arrangieren – und ihn vielleicht sogar zu nutzen. Das ist der Grundgedanke der «Versöhnungsbiologie», Der Schlauchpilz Polystigma rubrum verursacht charakteristische Flecken auf den Blättern der Traubenkirsche.
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welche versucht, die Zuwanderer in ihrer ökologischen Funktion zu verstehen und die betroffenen Ökosysteme so zu steuern, dass man mit ihnen leben kann. Gewisse Veränderungen nimmt man dabei in Kauf und man geht auch bewusst Risiken ein. Biodiversität und Waldschutz Der Wert der Biodiversität als Lebensversi cherung für Ökosysteme in einer sich verän dernden Umwelt wird zunehmend erkannt. Je mehr verschiedene Organismen eine Gemeinschaft enthält, desto wahrscheinli cher ist es, dass einzelne seltene Arten mit Umweltveränderungen besser zurechtkom men als häufige, und dass solche bisher als wenig bedeutsam betrachteten Arten später wichtige Funktionen übernehmen können. Dabei vergisst man oft, dass Parasiten ei nen wesentlichen Teil der Biodiversität dar stellen: Wenn jede Pflanzenart eine auf sie spezialisierte Parasitenart hätte, gäbe es be reits gleich viele Parasiten wie Pflanzen. In Wirklichkeit hat jede Pflanze aber deutlich mehr Parasiten. Der grösste Teil der Lebewe sen lebt parasitisch und das ist ganz normal. Und letztlich verdanken wir die Baumarten diversität in vielen Waldökosystemen diesen Organismen, da sie die Dominanz einzelner Arten verhindern und – zusammen mit ande ren Umweltfaktoren – auch für die räumliche Verteilung der Bäume verantwortlich sind. Wir wissen nicht genau, mit welchen Baum krankheiten und Waldschäden wir in Zu kunft konfrontiert sein werden. Aber es ist sicher, dass solche Probleme weiterhin auf treten werden. Was kann man für die Siche rung der Erholungsfähigkeit (Resilienz) der Wälder tun? Die Erhaltung bzw. Förderung der natürlich vorhandenen Artenvielfalt ist sicher die wichtigste Massnahme und bei Bäumen ist das am einfachsten steuerbar. Wenn z. B. eine Baumart ausfällt, überneh
men andere deren Platz, so wie das derzeit bei der Esche der Fall ist. Zum Glück sind die meisten Schaderreger wirtsspezifisch. Aber leider gibt es auch solche, die eine Vielzahl von Wirten befallen und die sogar natür liche, artenreiche Wälder bedrohen (z. B. Phytophthora ramorum in Kalifornien oder der Asiatische Laubholzbock in Europa). Aber selbst in diesen Fällen ist eine hohe Baumartenvielfalt besser als eine niedrige. Daneben sind die Strukturvielfalt und Alters verteilung im Wald wichtig: Natürliche Fein de von Schaderregern stellen oft ganz be stimmte Ansprüche an ihre Umwelt und alte Bäume verhalten sich anders als junge. Die Artenvielfalt der Begleitorganismen der Bäume ist ähnlich wichtig für die Walderhal tung wie diejenige der Baumarten. Bäume brauchen z. B. nicht nur Mykorrhizapilze, sondern auch Parasiten: Schwache Parasiten können die Abwehr des Baumes aktivieren, einzelne können aggressivere Parasiten kon kurrenzieren. Der Feind meines Feindes ist mein Freund! Schwächeparasiten verstärken die Wirkungen verschiedener Stressfaktoren und beschleunigen die Walderneuerung, was in Zeiten starker Umweltveränderung durchaus erwünscht sein kann. Aggressivere Parasiten wirken selbst als Selektionsfakto ren, welche einen Teil der Bäume töten – und damit die Anpassung der Art an den Schadorganismus fördern. Wenn das nicht gelingt oder sehr lange dauert, dann neh men andere Baumarten den Platz ein und tragen zum Funktionieren des Waldökosys tems bei. Förderung der biologischen Viel falt ist eine Strategie, die auch in Zukunft vernünftig bleiben wird. Dabei sollten wir zuallererst darauf achten, dass keine Arten verloren gehen. Solange wir die Bedeutung der einzelnen Teile für das Funktionieren des Systems nicht kennen, sollten wir keine da von wegwerfen. Bündner Wald 3 /2014 9
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Eines ist sicher: Ein gesunder Wald braucht auch Parasiten, und wir müssen diese zulassen, wenn das Waldökosystem nachhaltig funktionieren soll. Wie viel Krankheit wirklich notwendig bzw. tolerierbar ist, lässt sich nicht generell beantworten. Jeder Wald ist etwas Einzigartiges und es braucht im Ernstfall immer eine möglichst gut begründete Ottmar Holdenrieder
Einzelfallentscheidung. Aber gerade das macht die Steuerung von Waldökosystemen zu einer ausserordentlich sinnvollen Aufgabe und einer spannenden Herausforderung.
Das Literaturverzeichnis ist bei den Verfassern erhältlich. Marco Pautasso
Professur für Forstschutz und Dendrologie, ETH Zürich
Forstschutz + Dendrologie ETH Zürich
8092 Zürich
8092 Zürich
ottmar.holdenrieder@env.ethz.ch
marco.pautasso@usys.ethz.ch
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Forstschutzsituation der letzten 150 Jahre Einleitung Im Folgenden werden einige Artikel in zusammengefasster Form wiedergegeben. Daraus wird ersichtlich, wie sich die Betrachtungsweise und der Umgang mit den Organismen im Wald entwickelt haben. Neben den Betrachtungen über die Waldgefährdung von Populationen einzelner Arten, die überdurchschnittlich stark auftraten, wurden auch die Stimmen aufgenommen, die auf die natürlichen Prozesse hinwiesen oder die besondere Beobachtungen hierüber machten. Dazu schien es wichtig, dass aufgezeigt werden kann, wie einige «Probleme» nicht erst in heutiger Zeit zum Ausdruck kommen, sondern schon über hundert Jahre die Gemüter der Forstleute und Waldeigentümer bewegen. Interessant sind auch die Hinweise auf einzelne Arten, die auch heute wieder zum Thema werden, jedoch von unseren forstlichen Vorfahren bereits untersucht und erkannt worden sind. Wenn man versucht, die Schriftstücke aus der Sicht der damaligen Zeit zu lesen, zu interpretierten und in diesen Zusammenhang zu stellen, wurden damals mit den zur Verfügung stehenden Mitteln einfache, gute, praktische und für jedermann umsetzbare Lösungen gefunden. Pilze 1947, Das Ulmensterben in Bern, SZF,
Mumenthaler, E., S. 239 Im Artikel werden eingehend der Befall und der Schaden durch die Krankheit behandelt. Neben der Bemerkung, wann und wie die Krankheit zum ersten Mal in Europa und in der Schweiz in Erscheinung trat, beschäftigt sich der Autor in emotionaler Art und Weise über den Verlust der Ulme als Wald-, Parkund Alleebaum. Der Autor weist allerdings auch darauf hin, dass Ulmen beobachtet werden können, die nicht durch den Pilz infiziert
wurden oder die Krankheit nur in einem geringen Ausmass durchgemacht hatten, ohne einen gravierenden Schaden zu erleiden. Die Argumentation erinnert sehr stark an die Diskussionen in jüngeren Jahren über das Eschentriebsterben oder andere eingewanderte und eingeführte Krankheiten, die nun unseren einheimischen Bäumen ans Leben wollen. Schon damals wollte man der Ulme keine Chance für die Zukunft voraus sagen und sie wurde praktisch aus dem heimischen Baumbestand verabschiedet. Dass sie wegen der aus Amerika eingeschleppten Ulmenwelke (Holländische Ulmenkrankheit [Ophiostoma ulmi, syn. Ceratocystis ulmi]) ganz aus unserem Wald verschwindet, ist unwahrscheinlich. Dadurch, dass Ulmen schon sehr früh fruktifizieren, wird es immer junge Ulmen geben, die bis in eine gewisse Durchmesserklasse anwachsen und erst dann vom Ulmensplintkäfer (Scolytus sp.) besiedelt werden, der auch den Pilz mit sich trägt. Was anschliessend auch zum Tod der Ulmen führt. Säugetiere: Nager 1854, Über schädliche Nagetiere und ihre Vertilger, SZF, Redaktion, S. 11 Hierbei wird der Schweizer Leserschaft ein Artikel aus Deutschland zur Lektüre wiedergegeben. Darin wird erläutert, welche Nagetiere den jungen Bäumen die Rinde abnagen und welche nicht. Dabei wird auf die unterschiedliche Ernährung zwischen den Mäusen als Nager und den Spitzmäusen als Insektenfresser hingewiesen. Im Weiteren werden diverse Mäuse und Schläferarten beschrieben und ihre Beziehung zum Wald erläutert. Es wird immer wieder betont, welche Arten für den Wald und somit als biologische Schädlingsbekämpfung wertvoll sind. So wird den Eulen als Mäusevertilger und dem Maulwurf als Engerlingfresser ein Bündner Wald 3 /2014 11
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Totalverbiss am Jungwald (Fichten) im Churer Fürstenwald 1983. Mit zunehmendem Wohlstand der Bevölkerung nahmen die Wildbestände zu und gleichzeitig auch die Schäden im Wald und in der Landwirtschaft. Solche Situationen führten zur revidierten Jagdgesetzgebung. (Bild: Archiv AWN)
Kränzchen gewunden. In einem Rechnungsbeispiel wird den Forstleuten vorgerechnet, wie wertvoll eine Eule für den Wald ist bzw. wie viele Mäuse eine Eule in einem Jahr frisst oder ihren Jungen verfüttert. Gleichzeitg wird empfohlen, die Kerne von Pfirsichen und Aprikosen als Giftköder auszulegen, damit die Mäuse, die diese fressen, an einer Blausäurevergiftung zugrunde gehen. In der weiteren Abhandlung über Schädlinge und Nützlinge für die Forstwirtschaft nimmt der Autor auch die Raub- und Rabenvögel ins Visier. So sollen die Raub- und Rabenvögel und der Uhu weiterhin gegen Schussgeld erlegt werden, da sie keine Nager, jedoch Singvögel fressen und Letztere sich unter anderem von schädlichen Forstinsekten ernähren. Eulen seien unbedingt zu schützen, da diese den Mäusen nachstellten. 1861, Schädlichkeit der Eichhörnchen,
SZF, E. Landold, S. 201 Damals wie heute verursachen Eichhörnchen verheerende Schälschäden an jungen Bäumen im Stangenholzalter. E. Landold beschreibt die Schäden an 10- bis 40 -jäh-
rigen Stämmen im Kanton Zürich, die von diesen baumbewohnenden Nagern verursacht wurden. Der Verfasser sieht keine andere Möglichkeit zur Verhinderung der Schäden als das «Wegschiesen der Thäter». Wieso die Tiere zu diesen Tätigkeiten neigen, konnte zu dieser Zeit niemand sagen. 1986 weist Schwenke in seinem Buch darauf hin, dass die Eichhörnchen den unter der Rinde befindlichen Baumsaft lecken und diesen auch aus der Rinde kauen. Mit Trockenheit oder Wassermangel scheint dieses Phänomen nichts zu tun zu haben, denn es wurden auch Bäume geschält, die direkt am Wasser standen. Auch hier ist nur der vordergründige Nutzen für die Forstwirtschaft, bezogen auf sichtbare Schädigungen von Haupt- oder Wirtschaftsbaumarten, von Bedeutung. Schalenwild 1964, Die Nachzucht der Tanne als Wildschadenproblem. Roth, C., S. 474 Der Autor aus Zofingen AG weist in der Einleitung zuerst darauf hin, dass die Rehwildschäden an jungen Weisstannen bereits Ende des 19. Jahrhunderts durch den Forstdienst thematisiert wurden. Die beschriebenen, kritischen Verhältnisse seien über zahlreiche Mittelland-Kantone aus den vergangenen Jahrzehnten bekannt. Er beleuchtet einen neuen Aspekt. So könne auf Standorten, an denen die Tanne nicht natürlich vorkomme, auf sie verzichtet werden. An Waldstandorten, an denen sie ihre natürliche Verbreitung hat, könne nicht auf sie verzichtet werden. Wenn die Tanne auf ihren angestammten Standorten durch den Verbiss nicht aufzukommen vermöge, so sei dies auf ein tragbares Mass zu reduzieren. Weiter schreibt der Autor in einem Kernsatz: «Das Grundprinzip, dass die angestammten Hauptbaumarten in natürlich
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aufgebauten Beständen ohne nennenswerte Schutzmassnahmen davonkommen sollen, muss vom Partner Jäger anerkannt und bei seinen Hegemassnahmen respektiert werden.» Eine Aussage, die in Revier- und auch in Patentjagdkantonen damals wie heute nichts an Aktualität verloren hat. In den folgenden Ausführungen werden die verschiedenen Anstriche gegen den Wildverbiss beschrieben. Dies könne durch ein Gemisch von Beton und Kalk oder auch mit verdünnter Dispersionsfarbe gemacht werden. Nicht bewährt hätten sich Anstriche mit Ölfarben. Kostengünstig können die Anstriche mit billigen Arbeitskräften (Frauen und Jugendlichen) am wirkungsvollsten Ende September / Anfang Oktober ange-
bracht werden. Als waldbauliche und wirkungsvollste Massnahme schlägt Roth vor, rasch möglichst naturgemässe Jungbestände zu schaffen, um das Äsungsangebot zu erhöhen. Weiter stellt er fest, dass sich das Weisstannen-Wildschadenproblem im Zusammenspiel mit Jagd- und Forstwirtschaft mit der Zeit von selbst löse. Das Spannungsfeld zwischen Jäger und Waldbesitzer wurde auch damals angesprochen und wegen der Interessenskonflikte als negativ empfunden. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich ein solch brisantes Problem nicht von selbst löst. Wenn sich die Waldbestände in den letzten Jahrzehnten auch natürlich verjüngt haben, so ist mit der Biotopverbes-
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serung auch der Wildbestand angewachsen und das Problem der Tannenverjüngung gleich geblieben. Es hat sich regional noch verschärft.
noch mit der Weideregelung auf Bundesebene beschäftigt. Auch heute ist der Druck auf den Wald in verschiedenen Regionen noch recht gross.
Kulturtiere 1887, Die Bedeutung der Ziegenwirtschaft für die schweizerischen Gebirgsgegenden in forstlicher und volkswirtschaftlicher Hinsicht, SZF, S. 153 Der Adjunkt des Eidgenössischen Oberforstinspektorates, Dr. Fankhauser, veröffentlichte eine Abhandlung mit dem oben genannten Titel. Darin führte er aus, dass nicht die Unterdrückung, sondern die Hebung der Ziegenwirtschaft mit geeigneten Mitteln der Schutz der Gebirgswälder sei. Man müsse zur Besserung der Existenz der Gebirgsvölker beitragen und dürfe «nicht drakonisch massregeln», um die Situation zu verbessern. Er schlägt Folgendes vor: – Einschränkung der Ziegenweide und «in Bann Legung» einzelner Bezirke (Waldteile) im Hügelland und den Vorbergen. – Im Gebirge ist die Ziegenweide auf geeignete Bezirke anzuweisen und deren Weideertrag künstlich anzuheben. – Die Ziegen sind zu behirten oder einzuzäunen. Die Kosten des Ziegenhirten, der durch die Gemeinde anzustellen sei, werden auf die Ziegenbesitzer aufgeteilt. – Mit dem Durchtrieb der Ziegen sind geeignete Wege so zu wählen, dass im Wald der Schaden am geringsten ist. Der Durchtrieb ist zu beschreiben und zu überwachen. – usw. Es wurde sehr darauf geachtet, dass das Weideverbot mit der Notwendigkeit des Kleinviehs für die Versorgung der Bevölkerung verträglich war. Zehn Jahre nach der Einführung des Eidg. Forstpolizeigesetzes war man also immer
Vögel: Vogelschutz 1894, Über das Anbringen von Nistkästen für Höhlenbrüter, SZF, P. Bandi, S. 70 Kreisförster Bandi beobachtet, dass durch die intensive Forstwirtschaft die grossen alten Bäume, die auch Baumhöhlen beherbergen, immer mehr verschwinden und die Höhlenbrüter, die «äusserst thätige Insektenvertilger» sind, keine natürlichen Brutstätten mehr finden. Er schlägt vor, diesen Mangel durch Nistkästen zu kompensieren. Er gibt auch gleich eine Anleitung zur Herstellung der Kästen, spezifisch zu den einzelnen Vogelarten, mit Innendurchmesser und Fluglochgrösse. 1917, Aufruf zur Förderung des
Vogelschutzes. SZF, H. Unter dem Obertitel «Notizen» wird dem Leser geraten, den Aufforderungen der Schweizerischen Ornithologischen Gesellschaft Folge zu leisten und zum Vogelschutz beizutragen. Der Forstdienst solle – auch zum eigenen Nutzen – noch viel mehr für den Vogelschutz unternehmen und ihm Aufmerksamkeit schenken. Die öffentlichen Waldbesitzer sollten es nicht unterlassen, alljährlich einen Beitrag für den Vogelschutz einzusetzen. Es sollte für jeden Förster und jeden Bannwart eine Freude sein, in seinem Revier eine grosse Anzahl von Nistkästen ausweisen zu können, von denen er weiss, ob, seit wann und von wem sie bewohnt sind. 1945, Eulenschutz und Mäuseschäden
im Walde. SZF, Rüedi, K., S. 123
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K. Rüedi setzt einleitend voraus, dass vom Forstmann mit Fug erwartet werden könne, dass Ornithologie und Vogelschutz für ihn keine fremden Gebiete seien und er zu den Freunden und Schützern der Natur gehöre. Im Weiteren beschreibt er, wie mit einfachen Mitteln der Mäuseplage in Forstgärten und Anpflanzungen begegnet werden kann. So könne mit dem Anbringen von Nisthilfen die Anwesenheit von Eulen, im Speziellen der Waldkauz, gefördert werden. Anhand eines Beispiels zeigt er auf, wie die Massnahme der biologischen «Schädlingsbekämpfung» wirksam umgesetzt werden kann. Gleichzeitig verweist er auf die chemischen Kampagnen, die unterschiedslos Schädlinge als auch Nützlinge dahinraffen. Heute weiss man, dass sich die Vogelpopulationen auch den Schwankungen im Insekten- und Kleinsäugerreich anpassen. Nur werden die Vogelbestände verzögert grösser, da sich aufgrund der grossen Nahrungsmengen die Gelege vergrössern oder der gesamte Bruterfolg höher ist. Eine hohe Grundpopulation von insektenfressenden Vögeln bricht auch heute noch den wachsenden Insektenpopulationen die Spitze. Im gesamten Beziehungsgefüge der Natur gilt das Gesetz, dass die Nahrungsgrundlage der einzelnen Arten nicht übernutzt und sich eine Art nicht die Existenzgrundlage selber zerstört. Ein Organismus reagiert auf den anderen und ist somit in einer ausgeglichenen Balance. Das Beispiel Tannenhäher 1916, Der Tannenhäher in der forstwirtschaftlichen Beziehung, A. Hess, S. 30 Der ganze Artikel ist eine Literatursammlung pro und contra in Bezug auf den Tannenhäher mit eindeutigen Zitaten. Autor Hess beginnt den Artikel sehr Häher-kritisch und zitiert anschliessend Alfred Brehm aus
Brehms Tierleben, der eindeutig darlege, dass der Tannenhäher die Samen da deponiert, wo weder der Mensch noch der Wind sie hinbrächten und so eine positive Wirkung auf die Arvenverjüngung habe. Er verweist auch auf einen anderen Beobachter, der den Tannenhäher als eine sowohl nützliche wie auch schädliche Vogelart betrachtete. Er vertilge viele schädliche Waldinsekten und die verschiedenen Nussarten und Waldbeeren wolle man ihm nicht vergönnen. Dass er jedoch die gesäten Samen in den Kulturen wieder aus der Erde heraushacke und die Mühe und den Fleiss des Forstmannes zunichte mache, verdiene der Erwähnung. Einige Autoren zeigen auf, wie ganze Wälder durch die Nusskrähe begründet wurden. Andere weisen darauf hin, dass der Häher die gepflanzten Samen aus dem Boden holte, auch wenn sie mit Vitriol oder Terpentin behandelt wurden. Die Wiedergabe aus dem Buch von Rickli über die Arve in der Schweiz besagt, dass der Tannenhäher in schlechten Samenjahren wohl ein Schädling sein kann. In guten Samenjahren dagegen, durch seine Eigenschaft zum Anlegen von Vorräten, sehr wohl ein Nützling sei und zur Verbreitung der Arve beitrage. 1949, Ist der Tannenhäher wirklich
nützlich? Revierförster Hans Kasper, Pontresina, «Bündner Wald», Nr. 5, S. 94 Der Revierförster beschreibt aus seiner Sicht den schädlichen Einfluss des Tannenhähers auf die Arvenverjüngung. Nach seinen Beobachtungen bemächtigen sich die Tannenhäher der Arvenzapfen und entziehen so der Forstwirtschaft wertvolles Samenmaterial für die Pflanzennachzucht im Forstpflanzgarten. Diese nachgezogenen Jungarven wären für die Waldvermehrung im Oberengadin besonders wertvoll. Sie würden an Orten gepflanzt, wo sie für den Aufbau Bündner Wald 3 /2014 15
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Durch Ziegenweide niedergehaltene Fichten im Rheinwald um ca. 1900. (Bild: Archiv AWN)
eines Schutzwaldes und für die spätere Nutzung sinnvoll wären. Die Häher lassen die Zapfen am Baum nicht reifen, sondern pflücken diese schon in den Wochen davor. Der Autor sieht wohl, dass die Waldgrenze mithilfe des Tannenhähers andauernd ansteigt und überall junge Arven gedeihen. Diese würden allerdings an Standorten aufwachsen, an denen kaum jemals ein Nutzen zu erhoffen sei. Dabei stelle sich nun die Frage, ob der Nutzen grösser sei als der Schaden. In der gesamten Literatur ist man sich nicht wirklich sicher, ob der Tannenhäher der Samenverbreitung diene oder nicht. Immer wieder schwanken die Argumente für und wider dieser braunen Vögel. In der Zwischenzeit sind die Arven-, Tannen-, Nusshäher oder Cratschla eidgenössisch geschützt (seit 1962) und die Arve breitet sich in ihren Verbreitungsgebieten prächtig aus. Die Bestände verjüngen sich in Symbiose mit dem Tannenhäher ohne Zutun des Menschen und die Waldgrenze steigt mit den jungen Arven weiter an.
erhahn, die im Bundesgesetz über die Jagd und den Vogelschutz vom 17. Herbstmonat 1875 verboten wurde – im Gegensatz zu Deutschland und Österreich, wo sich die Jagd noch der staatlichen Fürsorge erfreue. Das Verbot der Balzjagd hatte zur Folge, dass sich das Auerwild in ungewöhnlichem Masse vermehrte und nun in Kulturen und Forstgärten empfindlichen Schaden anrichtete. Im Weiteren wird beschrieben, dass vorwiegend der Auerhahn Baumknospen, junge Triebe und Keimlinge frisst. Daraufhin werden mehrere Fälle im Kanton Bern beschrieben, wo die gepflanzten jungen Arven unter dem Trieb- und Nadelverbiss arg zu leiden hätten. Es wurden auch kultivierte Bergföhren und in tieferen Lagen auch Fichten durch das Auerwild am Terminaltrieb verbissen. Es wird empfohlen, die Kulturen hoch genug einzuzäunen und an den Drähte Papierschnitzel oder Lappen aufzuhängen. Das Ganze wird mit einem Bild einer verbissenen Jungarve unterstrichen. Eine deutsche Waldarbeiterequipe beim Reinigen der Nistkästen in einem Waldföhrenreinbestand. Die Singvögel sollten die Schadinsekten vertilgen und grosse Schäden führten zur revidierten Jagdgesetzgebung. (Bild: Archiv AWN)
Raufusshühner 1899, Schaden durch Auerhähne, SZF, Redaktion, S. 369 Der unbekannte Autor bemängelt das Verbot der Balzjagd im Frühjahr auf den Au16
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Heute gehören Auerhühner zu den seltenen und geschützten Arten in der Vogelwelt in der Schweiz. Durch die unterschiedlichsten Einflüsse wird diese Wildart in ihrem Lebensraum bedroht. Mittlerweile werden verschiedene Anstrengungen unternommen, die die Lebensräume dieser heimischen Vogelart ihren Bedürfnissen anpassen und aufwerten. Frassspuren von Auerwild werden heute nicht als Schäden bewertet, sondern eher als Bereicherung betrachtet. Das Einzäunen von Jungwald dürfte bestimmt ein effizientes Mittel gegen das Auerwild gewesen sein. Zumal man heute weiss, wie gefährlich Drähte und Kabel für die Raufusshühner sind. Immer wieder finden diese dadurch den Tod, indem sie hi-
neinfliegen und sich tödlich verletzen. Aus diesem Grund sind nicht nur Wildschutzzäune, sondern auch Telefon- und Stromleitungen oder permanente Weidezäune von Waldweideausscheidungen, die Auerwildlebensräume durchschneiden, sehr umstritten und bilden ein sehr hohes Gefahrenpotenzial für diese grossen Vögel. 1973, Schäden in Gebirgsaufforstungen durch das Birkhuhn (Lyrurus tetrisx), «Bündner Wald», A. Streule, S. 249 In den aufgeforsteten Versuchsflächen der damaligen Eidg. Anstalt für das forstliche Versuchswesen am Davoser Stillberg wurden sehr gravierende Verbissschäden beobachtet. Die Schäden beschränkten sich nicht nur
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auf die Aufforstungen, sondern dehnten sich auch auf die natürlich verjüngten Jungbäume aus. Im Rahmen der Kontrollgänge konnten die Spuren von Birkwild ausgemacht werden. Die Schäden an den Jungbäumen waren erheblich und zeigten sich darin, dass Nadeln abgeäst, Endtrieb- und Seitenknospen abgebissen sowie Rindenteile an den Endtrieben teilweise abgerissen waren. An den Lärchen waren die Schäden am grössten. Hier wurden die Triebe bis zu 60 mm zurückgestutzt. Junge Fichte in Fideris, die an den obersten Trieben von einem Auerhuhn verbissen wurde, das gleichzeitig seine unverwechselbaren Spuren hinterliess. Heute sind solche Beobachtungen sehr erfreulich, da grosse Anstrengungen unternommen werden, das Auerwild in seinem Lebensraum zu fördern. (Bild: R. Wieser)
Erschwerend für das Wachstum der Bäumchen ist der Umstand, dass zu diesen Deformationen auch klimatische Schädigungen hinzu kamen. Wind- und Frosttrocknis lassen die obersten Kronenteile verbuschen, wenn sie über die Schneedecke hinausragen. In natürlichen Beständen an der oberen Waldgrenze ist diese Art der Nahrungsaufnahme ganz normal und sind natürliche Prozesse, die zum Ökosystem der Alpenwälder gehören. Zumal diese Art der Ernährung für die Raufusshühner im Winter die einzige ist. Zusammenfassung Über die gesamte Zeitspanne wird regelmässig die Borkenkäfer (Buchdrucker)-Situation thematisiert. Maikäfer und die gefährliche Weisstannentrieblaus sind in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer wieder ein Thema. Auch der Lärchenwickler wurde regelmässig zum Thema, das in der Fachzeitschrift behandelt wurde. Durch sein regelmässiges Auftreten und die auffälligen Schadenbilder wurde ihm sogar eine ganze Forschergruppe zur Seite gestellt. In dieser Phase wurden die allgemeinen Vorgänge eher von der Wissenschaft betrachtet und der Ansatz für die Lösung der Vorfälle aus der Forschung erarbeitet. Mit dem erweiterten Wissensstand und der umfassenden Ausbildung der Berufsgruppen wichen die beobachtende Haltung und die daraus resultierende Umsetzungsweise der hintergrundorientierten Wissenschaft. Anfänglich wurden die einzelnen Organismen, die in erster Linie sekundär auftraten, beobachtet und in Schädlinge und Nützlinge eingeteilt, ohne eigentlich die Hintergründe für ihr Auftreten zu kennen. Daraufhin wurden die auffälligen und vermeintlichen Schädlinge bekämpft. Heute wird versucht, die Auslöser für das Auftreten zu ergründen und auf die Ursache einzuwirken.
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Das Wildproblem ist über die Jahre ebenfalls das gleiche geblieben und hat bis zum heutigen Tag an Aktualität nicht nachgelassen oder sogar zugenommen. Über das Auftreten von Pilzen, die die Bäume im Wachstum hindern oder Holz zerstören, ist ganz wenig bis nichts zu finden. Über den pathogenen Kastanienrindenkrebs mit seiner weiten Ausbreitung in der Südschweiz wurde eingehend geforscht und auch publiziert. Erst gegen Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts
rückten die Pilze im Forstschutz in den Vordergrund. Nach den Betrachtungen all dieser Themen stellt sich nun die Frage: «Wer oder was ist denn ein Schädling?» Jürg Hassler Amt für Wald und Naturgefahren Loëstrasse 14, CH-7000 Chur juerg.hassler@awn.gr.ch
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Grenzkontrollen Holzverpackungen Ausgangslage Der Eidgenössische Pflanzenschutzdienst ( EPSD ) wird gemeinsam durch das Bundesamt für Landwirtschaft ( BLW ) und das Bundesamt für Umwelt ( BAFU ) geführt und hat die Aufgabe, die Einschleppung und Ausbreitung von besonders gefährlichen Schädlingen und Krankheiten von Pflanzen und Pflanzenerzeugnissen zu vermeiden. Er arbeitet mit in- und ausländischen Behörden, internationalen Organisationen sowie Verbänden und Betrieben in der Schweiz zusammen. Rechtliche Grundlage für phyto sanitäre Massnahmen in der Schweiz ist die Pflanzenschutzverordnung. Seit Herbst 2011 wurden in der Schweiz mehrfach Exemplare des Asiatischen Laubholzbockkäfers (Anoplophora glabripennis, kurz ALB ) entdeckt. So wurde der ALB im September 2011 erstmals in Brünisried ( FR ) gefunden, weitere Fälle wurden in Weggis ( LU ) und in Winterthur ( ZH ) beobachtet. Der ALB bringt Laubbäume zum Absterben und ist damit besonders gefährlich für Wälder, Park- und Alleebäume sowie Obstplantagen. Nach Europa kommen der Käfer, seine Larven oder Eier insbesondere in Holzverpackungen aus Ostasien. Eine der Massnahmen zur Bekämpfung des ALB war die Meldepflicht für Steinproduktelieferungen mit Verpackungsholz aus ostasiatischen Ländern, welche seit 9. Juli 2012 gilt. Der
Kontrolle von Holzverpackungen mit Steingut. (Bild: Pan Bern AG)
Eidg. Pflanzenschutzdienst des BAFU hat mit der Umsetzung die Firmen Pan Bern AG (Koordination und Backoffice), SGS (Containerkontrollen), Schweizerisches Kompetenzzentrum für Sicherheit mit Holz ( SKSH; Containerkontrollen) und Natec (Containerkontrollen) beauftragt. Sie wurden vom Eidg. Pflanzenschutzdienst in Basel unterstützt und beraten. Basierend auf den Erfahrungen der ersten Monate wurde die Meldepflicht am 14. Dezember 2012 auch auf Lieferungen von Keramik-, Aluminium-, Eisen-, Kupfer- sowie Glasprodukte mit Verpackungsholz ausgeweitet. Zusätzlich wurden ab Oktober 2013 besondere Anstrengungen unternommen, um die Einschleppung des Asiatischen Eschenprachtkäfers zu verhindern. Deshalb wurden neu auch Lieferungen aus den USA, Kanada und Russland gezielt kontrolliert.
Tabelle 1: Angemeldete und kontrollierte Lieferungen.
Lieferungen
Container
Anzahl
%
Anzahl
%
Anmeldungen
Ø pro Woche
Ø pro Woche
1909
100
25
3896
100
51
... davon kontrolliert
1719
90
22
3477
89
45
...Kontrollen mit Verfügung
107
6
1 – 2
207
5
2 – 3
5
< 1
< 1
8
< 1
< 1
mit ALB 20
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Ziele, realisierte Massnahmen und Wirkungen Ziel war, dass ab Juli 2012 alle Steingut lieferungen aus den Schwerpunktländern China, Vietnam und Südkorea vollständig sowie Lieferungen aus weiteren Drittstaaten stichprobenweise kontrolliert werden. Ab dem 1. Januar 2013 wurden auch kerami sche Waren, Glaswaren, Eisen und Stahl, Kupfer sowie Aluminium geprüft. Rückblickend kann festgestellt werden, dass in den ersten 18 Monaten alle angemelde ten Steingutlieferungen aus China, Vietnam und Südkorea kontrolliert werden konnten. Auch alle weiteren, prioritär zu kontrollie renden, neuen Warengruppen (keramische Waren, Glaswaren, Eisen/Stahl, Kupfer und Aluminium) aus den drei Schwerpunktlän dern wurden durchwegs kontrolliert. Die Kontrollen wirkten sich verschiedentlich aus: Sie erlaubten, die wichtigsten Impor teure grosser Mengen an Holzverpackungs material zu bestimmen. Als wichtige ergän zende Massnahme zu den Importkontrollen wurden auch gezielt Lagerkontrollen mit Spürhunden bei diesen Importeuren durch geführt. Die Qualität der Holzverpackun gen aus den Schwerpunktländern hat sich in den 18 Monaten seit Einführung der Kont
rollen stark verbessert. Mitverantwortlich dafür sind auch die Reklamationen der Im porteure bei ihren Lieferanten. So besuch ten mehrere Firmen ihre Lieferanten in China und anderen Ländern, um diese auf die ungenügenden Verpackungen aufmerk sam zu machen. Die Aufklärungsarbeit der Kontrolleure vor Ort hat auch bewirkt, dass sowohl die An sprechpersonen an den Kontrollorten wie auch die Chauffeure oder die Stapelfahrer bei den Importfirmen bezüglich der Schäd linge sensibilisiert wurden. Mittlerweile werden so auch bei nicht kontrollierten Lie ferungen (nicht anzumeldende oder freige gebene Warengruppen) mögliche Schädlin ge gemeldet, die dann von den Kontrolleuren nachträglich geprüft werden können. Ergebnisse Von Juli 2012 bis Dezember 2013 wurden insgesamt 1909 Lieferungen und ca. dop pelt so viele Container (3896 Stück) der ver schiedenen Warengruppen angemeldet. Davon wurden 90 % kontrolliert, was ca. 22 Lieferungen und 45 Containern pro Woche entspricht (vgl. Tab. 1). Zu Beanstandungen kam es bei 107 der an gemeldeten und kontrollierten Lieferungen
Tabelle 2: Angemeldete Lieferungen nach Warengruppen.
Anmeldungen Warengruppen Zolltarifkapitelnummer (ZK)
Anzahl
davon kontrolliert
Ø pro Woche
%
Anzahl
%
25 (Salz, Schwefel, Erden, Steine,...)
157
3
11
147.5
94
68 (Steine, Gips, Zement, Glimmer..)
908
17
63
895.5
99
69 (Keramische Waren)
201.5
4
14
196.5
98
70 (Glas)
20.5
<1
1
18
88
73 (Gusseisen, Eisen, Stahl)
133
3
9
70.5
53
–
–
–
–
–
15
<1
1
15
100
74 (Kupfer) 76 (Aluminium)
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( 6 %) und 207 Containern ( 5 %). Hierbei wurden in fünf Lieferungen und in insgesamt acht Containern Spuren von ALB nachgewiesen (Bohrlöcher, Bohrspäne, Käfer und/oder Larven). Ab Januar 2013 wurden die Kontrollen nach Warengruppen ausgewertet. Beanstandet wurden Lieferungen der ZK 25, 68, 69 und 76 (Tab. 1). Alle fünf Lieferungen mit ALBKäfern oder -Larven stammten aus Steingutlieferungen ( ZK 68 ). Mit insgesamt 84 % der Anmeldungen stammt der grösste Teil der Lieferungen aus China, Vietnam, Südkorea sowie Indien (ab März 2013) und den USA, Kanada und Russland (ab Oktober 2013 aufgrund der erhöhten Gefahr einer Einschleppung des als besonders gefährlich eingestuften Asiatischen Eschenprachtkäfers – Agrilus planipennis – in die Schweiz). Die meisten Lieferungen wurden aus China angemeldet (61 %), gefolgt von Indien (15 %), der Türkei ( 9 %) und Vietnam ( 7 %). Die Zahl der monatlichen Anmeldungen variierte zwischen 52 (Juli 2012, Beginn der Aufbauphase) und 168 (Mai 2013) sehr stark. Auch die Anzahl Verfügungen pro Monat war unterschiedlich: Während im April und November 2013 nur eine erfolgte,
waren es im August 2013 13 Verfügungen. Es wurden keine jahreszeitlichen Schwan kungen bei der Verteilung der Beanstandungen beobachtet. Die grosse Variation der Anmeldungen erklärt sich vor allem mit der Ausweitung der anzumeldenden Warengruppen ab Januar 2013 sowie mit der Reduktion der Bautätigkeit in den Monaten November bis April, welche jeweils zu weniger Importen von Steingut und anderen Warengruppen führt. Fast zwei Drittel der Kontrollen fanden im Grossraum Basel (1089 kontrollierte Lieferungen) und in der übrigen Nordschweiz statt ( 281 kontrollierte Lieferungen). Ausserdem wurden Kontrollen direkt beim Kunden durchgeführt ( 26 %). Seit Beginn der Kontrollen wurden insgesamt 107 Lieferungen ( 6 %) und 207 Container beanstandet. Bei ca. 70 % der beanstandeten Lieferungen wurden Spuren lebendiger Schädlinge (Kategorie B4; vgl. Tab. 3) gefunden. Von den 107 beanstandeten Lieferungen (vgl. Tabelle 3 ) wurden insgesamt 45 Proben an die WSL zur wissenschaftlichen Analyse geschickt. Die Befunde der WSL ergaben vier ALB-Befälle. Sieben Diagnosen betrafen andere Quarantäneschädlinge.
Tabelle 3: Arten von Beanstandungen.
Code
Beanstandung
Anzahl
mit ALB
Anzahl
mit ALB
B1
Markierung IPPC fehlt
10
–
15
–
B2
Markierung IPPC nicht eingebrannt oder gestempelt, nicht lesbar
9
–
13
–
B3
Tote Organismen vorhanden
9
–
11
–
B4
Lebende Organismen, frisches Bohrmehl, frische Bohrlöcher oder frische Ausfluglöcher vorhanden
79
5
168
8
107
5
207
8
Total
Lieferung
Container
22
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10.06.14 09:12
126
17 278 62
16
306 1166
177
15 9 8 6 6 4 19
CN -China
VN -Vietnam
KR -Korea
IN -Indien
US-USA
TR-Türkei
BR -Brasilien
ID -Indones.
TH -Thailand
MY -Malaysia
MX-Mexiko
JP-Japan
EG -Ägypten
Sonstige
Herkunft der angemeldeten Lieferungen.
Erkenntnisse und Folgerungen Der grosse Anteil an Beanstandungen zu lebenden Organismen, frischem Bohrmehl, Bohr- oder Ausfluglöcher, die fünf ALBFunde sowie die vielen weiteren gefundenen Schädlinge, unter ihnen sieben weitere offizielle Quarantäneschädlinge, belegen die Bedeutung und Berechtigung der durchgeführten Kontrollen. Die Erfahrungen (Anzahl Anmeldungen und Kontrollen, Qualität der Verpackungen, Verfügungen) wurden monatlich analysiert und die Kontrollziele gemeinsam mit dem BAFU bei Bedarf auf die Bedürfnisse und die aktuellen Gefährdungslagen angepasst. Die enge Zusammenarbeit zwischen EPSD und den Fachleuten der WSL hat sich bewährt und ist mittlerweile gut eingespielt. Durch den gezielten Einsatz von Spürhun-
den konnten die Kontrollen vieler Lieferungen wirkungsvoll unterstützt werden. Schliesslich ist sicher eine kontinuierliche und breite Information der wichtigsten betroffenen Akteure, so etwa der Baubranche, sehr wichtig. Andreas Bernasconi Pan Bern AG Hirschengraben 24, CH-3001 Bern andreas.bernasconi@panbern.ch
Urs Schroff Pan Bern AG Hirschengraben 24, CH-3001 Bern urs.schroff@panbern.ch
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Edelkastaniengallwespe: Ein weiteres Problem für die Kastanie
Abbildung 1: Lebenszyklus von Dryocosmus kuriphilus. A) Symptomlose, befallene Kastanienknospen im Winterzustand; B) grüne und C) rosarote Gallenbildung an den neuen Trieben; D) frisch verlassene Galle mit Ausfluglöchern; E) eingetrocknete Gallen und Triebteile nach dem Ausschlüpfen aller Gallwespen; F) aus dem Ei ausgeschlüpfte, überwinternde Larve im ersten Entwicklungsstadium; G) aktive Larven und dazugehörige Kammern im Galleninnern; H) weisse und dunkelbraune Puppen; I) Wespenweibchen bei der Eiablage an Kastanienknospen; J) frisch gelegte Eier in einer Kastanienknospe. (Bild: Giovanni Bosio, Eric Gehring, Patrik Krebs)
Herkunft und Biologie der Gallwespe Die Edelkastaniengallwespe (Dryocosmus kuriphilus) stammt ursprünglich aus dem Süden Chinas und lebt ausschliesslich auf Arten der Gattung Castanea. Von dort wur de sie bereits 1941 nach Japan, 1963 nach Korea, 1974 in die USA und 2002 nach Ita lien eingeschleppt, wo sie wahrscheinlich mit infiziertem japanischem Pflanzenmateri al von Kastanien eingeführt wurde (Forster et al. 2009 ). Es kommen nur Weibchen vor; die erwach senen Insekten sind nur 2,5 bis 3 mm gross. Sie fliegen einmal jährlich zwischen Juni und August (Abb. 1). In ihrem kurzen Leben (bis zu zehn Tagen) vermehren sich die Gallwes penweibchen ungeschlechtlich weiter, in dem sie bis zu hundert 0,1 mm kleine Eier in die neu gebildeten Kastanienknospen le
gen (I). Pro Knospe werden bis etwa zwölf Eier gelegt (J), ohne auffällige Symptome zu erzeugen (A). Aus den Eiern schlüp fen im Spätsommer und Herbst weissliche Larven, die im ersten Larvenstadium ohne zu fressen oder zu wachsen in den Knospen überwintern (F). Im Moment des Austriebs im Folgejahr werden die Larven aktiv und stimulieren die Kastanie zur Bildung von 0,5 bis 2,5 cm grossen, glattwandigen, hellgrünen (B) bis rosaroten Gallen (C). Im Innern der Galle bilden die Larven je eine Kammer (G), in welcher sie sich nach weni gen Wochen Frass verpuppen. Die Puppen sind anfänglich weiss und gehen mit der Zeit in eine dunkelbraune Färbung über (H). Von Juni bis Juli schlüpfen die erwachsenen Gallwespen der nächsten Generation und
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schwärmen auf der Suche nach geeigneten Kastanienknospen für die nächste Eiablage aus (I). Dabei werden sie durch den Wind unterstützt und können bis 20 km oder noch weiter fliegen. Befallsysmptome und Konsequenzen für die Bäume Die Gallen können sowohl an Blättern wie auch an Trieben und Blütenständen entstehen (Abb. 2). Je nach Gallengrösse und -anordnung wachsen die betroffenen Organe der Pflanze kaum oder unvollständig aus. Sobald die adulten Wespen aus den Gallen schlüpfen (Abb. 1D ), trocknen die mit der Galle verbundenen Pflanzengewebe ein (Abb. 1E ). Die so beschädigten Pflanzenteile stellen ideale Eintrittspforten und Wachstumssubstrate für weitere Krankheiten wie zum Beispiel dem Kastanienrindenkrebs dar (Prospero und Forster 2009 ). Mit den Jahren verursacht das Absterben der befallenen Partien, vor allem der Gallen an Trieben, die Beeinträchtigung der normalen Astarchitektur sowie eine fortschreitende Verlichtung der Krone und das Verkümmern der Bäume (Abb. 3 ). Der Baum versucht zu reagieren, indem er die schlafenden Knospen aktiviert und Ersatztriebe bildet. Diese Ersatztriebe bleiben im ersten Jahr gesund, da sie sich in der laufenden Saison entwickeln und somit zur Zeit des Fluges der Gallwespe noch keine neuen Knospen gebildet sind. Ab dem zweiten Jahr werden sie aber normal befallen, so wie auch die Augusttriebe, welche sich ab dem dritten Befallsjahr als Reaktion der Baumschwächung auch vermehrt bilden. Trotz vorübergehender Erholung durch die Bildung von Ersatztrieben, wie in Abb. 4 schematisch dargestellt, wird der Zustand der Bäume von Jahr zu Jahr kritischer. Zur Bildung von Ersatzkronen mobilisieren die
Bäume ihre Reserven, und diese werden dabei weitgehend aufgebraucht. Mögliche Bekämpfungsmassnahmen Eine chemische Bekämpfung der Gallwespe kommt nicht infrage, nicht nur weil die Hauptverbreitung des Schädlings im Wald ist, sondern auch weil die Kastaniengallwespen den allergrössten Teil ihres Lebens im Pflanzeninneren verbringen und somit von einem allfälligen Gift geschützt bleiben. Auch die mechanische Tilgung der befallenen Kronenteile ist hoffnungslos, sei es wegen der Grösse und Unerreichbarkeit der Baumkronen, wie auch wegen dem grossflächigen und über Jahre anhaltenden Befallsdruck. Es gibt einheimische Feinde, die sich der Gallwespe angepasst haben. Es sind einerseits pathogene Pilze, welche die Larven und die Puppen in der Galle infizieren und abtöten sowie andererseits Erzwespen, die normalerweise auf anderen Baumarten (z. B. Eichen) heimisch sind, aber auch fähig sind, Kastaniengallwespen zu parasitieren. Erzwespenweibchen können die Gallen gezielt aufsuchen, anstechen und so ihre eigenen Eier in die Dryocosmus-BrutkamAbbildung 2: Gallenbildung an verschiedenen Organen. Von links nach rechts: am Trieb, am Blatt und auf der Blüte. (Bild: Eric Gehring)
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Vielversprechend für die biologische Kon trolle der Kastaniengallwespe ist der Einsatz der aus China stammenden spezialisierten Schlupfwespe Torymus sinensis. Dieser na türliche Feind wurde in Japan bereits seit den späten Siebzigerjahren erfolgreich zur biologischen Bekämpfung der Gallwespe auf den japanischen Kastanien eingeführt (Moriya et al. 1989 ). Ausgehend von der japanischen Erfahrung wurde ab 2005 Tory mus sinensis auch in Italien und Frankreich freigesetzt (Quacchia et al. 2008 ).
Abbildung 3: Stark verlichteter Ast als Folge von wiederholtem Dryocosmus-Befall. (Bild: Eric Gehring)
mern legen. Diese Erzwespenlarven fressen den Kastanienparasiten bei lebendigem Leibe auf. Einheimische Erzwespen, die Dryocosmus befallen können, bilden aber meistens zwei Generationen pro Jahr und sind somit zum Überleben nach einer ers ten Generation auf die Kastaniengallwespe oder auf andere gallbildende Insekten an gewiesen, die es in der nötigen Menge und im geeigneten Entwicklungsstadium nicht gibt. Studien, die auf der Alpensüdseite in den vergangenen Jahren durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass die Reduk tion der Kastaniengallwespenpopulation durch diese einheimischen Feinde in den Jahren kaum über 20 Prozent steigt, wäh renddem für weitere 20 Prozent der Ausfäl le die Gründe für eine fehlerhafte Entwick lung der Gallwespe nicht bestimmbar sind (Bloch 2012 ).
Befallsituation und zukünftige Entwicklung in der Schweiz In der Schweiz wurde die Kastaniengallwes pe 2009 zum ersten Mal im Südtessin be obachtet. Ihre Ankunft dürfte bereits zwei Jahre vorher stattgefunden haben (Foster et al. 2009 ). Seitdem ist die Ausbreitung stark fortgeschritten und hat 2013 praktisch den ganzen Kanton Tessin und die Bündner Süd täler erreicht. Mit Pflanzmaterial gelangte die Gallwespe auch an den Genfersee, von wo aus sie sich in den Kantonen Waadt und Wallis ausbreitete. Mit befallenen Jungpflan zen fanden auch lokale Verschleppungen ins Mittelland statt. In Gebieten mit einer ho hen Dichte an Kastanienbäumen hängt die Befallsituation im Wesentlichen von der Zeit seit der Ankunft des Schädlings ab, wie in Abbildung 4 schematisch dargestellt. Nachdem die Schweiz aufgrund der offe nen Fragen betreffend biologischen und umweltrelevanten Risiken die Freisetzung von Torymus sinensis nicht bewilligt hat, ist der chinesische Antagonist spontan aus den Freisetzungsstandorten aus der nahen Lom bardei und dem Piemont eingewandert und wurde 2013 zum ersten Mal im Zentral- und Südtessin nachgewiesen. Erste Beobach tungen haben zum Teil bereits signifikante Infestationsraten bis zu 20 Prozent der un
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Abbildung 4: Schematische Darstellung der Änderungen an der Ast-Architektur der Kastanienbäume als Folge von wiederholtem Dryocosmus-Befall. (Bild: Eric Gehring)
tersuchten Gallwespenkammern bestätigt, was auf eine rasche Ausbreitung dieses natürlichen Feindes in der ganzen Südschweiz spekulieren lässt. Aufgrund der italienischen Erfahrungen ist aber jetzt schon klar, dass es einige Jahre (mehr als acht) und sehr hohe Parasitierungsraten von mehr als 90 Prozent benötigt, bis die befallenen Kastanienbäume wesentliche Erholungszeichen zeigen (Bosio et al. 2013 ). Eric Gehring Istituto Federale di Ricerca WSL Via Belsoggiorno 22 CH-6500 Bellinzona eric.gehring@wsl.ch
Auf Anfrage ist das Literaturverzeichnis bei den Autoren erhältlich.
Marco Conedera Istituto Federale di Ricerca WSL Via Belsoggiorno 22 CH-6500 Bellinzona marco.conedera@wsl.ch
Giovanni Bosio Settore fitosanitario – Regione Piemonte, I-10144 Torino giovanni.bosio@ regione.piemonte.it
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Der Kastanienrindenkrebs: Haben wir die Krankheit im Griff ? Eine Krankheit auf Weltreise Der Kastanienrindenkrebs ist eine gefährliche Erkrankung der Edelkastanie (Castanea sativa), die durch den Schlauchpilz Cryphonectria parasitica verursacht wird. Der pathogene Pilz stammt aus Asien, wo er auf den resistenten asiatischen Kastanienarten (C. mollissima, C. crenata) heimisch ist. Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde der Pilz von Asien in die USA eingeschleppt. Innerhalb von 30 Jahren brachte er dort die natürlich vorkommende amerikanische Kastanie (C. dentata) fast zur Ausrottung. 1938 wurde die Krankheit auch in Europa, im Hinterland vom internationalen Hafen von Genua (Italien), entdeckt. Sie breitete sich rasch in ganz Italien und den angrenzenden Ländern aus. Heutzutage ist der Kastanienrindenkrebs in allen wichtigen Kastaniengebieten Europas vorhanden, von Italien bis Deutschland und von Portugal über die Türkei bis zum Kaukasus. In der Schweiz wurde die Krankheit zum ersten Mal 1948 im Tessin (am Monte Ceneri) beobachtet. Schon in den 1970er-Jahren waren die meisten Edelkastanienbestände im Tessin, Misox, Bergell und Puschlav verseucht. Die zerstreuten Kastanienwälder auf der Alpennordseite und im Wallis blieben vorerst krebsfrei. Ab Mitte der 1980erJahre wurde die Krankheit auch im Chablais ( VS und VD ), in der Zentralschweiz ( ZG, LU ) und am Walensee ( SG ) gefunden. Die letzte offizielle Meldung kam 2005 aus der Region von Morges ( VD ) am Genfersee. Symptome der Krankheit C. parasitica ist ein Wundparasit, der die Rinde der Stämme und Äste der Edelkastanie befällt. Früchte, Blätter und unterirdische Pflanzenteile befällt er hingegen nicht. An der Infektionsstelle verfärbt sich die infizierte Rinde rot und springt auf. Der Baum
versucht, das erkrankte Gewebe zu überwallen und es entwickeln sich die typischen Rindenkrebse (Abbildung 1A ). C. parasitica wächst durch die Rinde und tötet das Kambium ab. Dadurch werden Transport- und Wachstumsgewebe zerstört und die Pflanzenteile oberhalb der Befallsstelle sterben ab. Welkende Blätter während der Vegetationsperiode (Abbildung 1A) oder braune, hängende Blätter an einzelnen Äste im Winter sind neben Stamm- oder Astkrebsen typische Zeichen eines Befalls. Unterhalb des Rindenkrebses treiben zahlreiche Wasserreiser. In der Rinde und im Kambiumbereich bildet der Pilz typische gelbliche Myzelfächer, mit denen er im Wirtsgewebe vordringt (Abbildung 1C ). Lebensweise des Pilzes Auf der befallenen Rinde bildet C. parasitica kleine Fruchtkörper, in denen die Pilzsporen produziert werden (Abbildung 1A). Diese dienen der Verbreitung des Pilzes. Wenn die Sporen auf frischen Wunden (z. B. Schnittwunden, Wachstumsrissen) landen, können sie den nächsten Baum infizieren. Nach dem Auskeimen der Sporen wächst C. parasitica in die Rinde und leitet somit einen neuen Befall ein. Fruchtkörper werden vom Pilz nicht nur auf der befallenen Rinde lebender Bäume gebildet, sondern auch auf frisch abgestorbener Rinde, zum Beispiel nach einem Waldbrand oder auf frisch gefällten Stämmen. Die Hypovirulenz: Ein Virus schwächt den Pilz Trotzt der relativ hohen Anfälligkeit der Edelkastanie verlief die Epidemie des Kastanienrindenkrebses in Europa weniger dramatisch als in den USA. Bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren wurden in Italien und Frankreich oberflächliche Rinden-
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Abbildung 1: (A) Virulenter Stammkrebs an einer jungen Edelkastanie mit roten, stecknadelkopfgrossen Fruchtkörper von C. parasitica auf der befallenen Rinde; (B) Welkende Blätter an einer veredelten Edelkastanie mit einem Befall von C. parasitica an der Veredelungsstelle; (C) Gelbliche Myzelfächer von C. parasitica unter der befallenen Rinde; (D) Dank einer Infektion mit dem Hypovirus ausgeheilte Krebsstelle. (Bilder: WSL)
krebse beobachtet, die nicht zum Absterben der befallenen Baumpartien führten (Abbildung 1D ). Aus diesen wurden atypische C. parasitica-Stämme isoliert. Später entdeckte man, dass diese Pilzstämme von einem Virus befallen waren, das sowohl die Virulenz wie auch die Fortpflanzung von C. parasitica reduziert. Das sogenannte Cryphonectria-Hypovirus kommt nur innerhalb der Pilzzellen vor und kann entweder bei einem direkten Kontakt zweier Pilzindividuen oder via asexuelle Pilzsporen verbreitet werden. Die Kontrolle des Kastanienrindenkrebses In Regionen, in denen der Kastanienrindenkrebs noch nicht vorhanden ist, sind präventive Massnahmem zu treffen, um seine Einschleppung zu verhindern. Diese umfassen insbesondere das Beziehen von Jungpflanzen und Edelreisern aus kontrollierten Baumschulen, mit Pflanzenpass. Aus Befallsgebieten wie dem Tessin und den Bündner Südtälern dürfen keine Pflanzen bezogen werden. Nach der Pflanzung sollten die Jungpflanzen regelmässig visuell auf
Symptome kontrolliert werden. Als Wundparasit befällt C. parasitica besonders gerne Veredelungsstellen. Deswegen ist eine regelmässige Kontrolle dieser Pfropfungen empfohlen. Da der Kastanienrindenkrebs ein Quarantäne-Organismus ist, sollten neue Befälle auf der Alpennordseite der WSL (waldschutz @ wsl.ch) oder dem kantonalen Pflanzenschutzdienst gemeldet werden. Phytosanitäre Massnahmen sind nur am Anfang eines Befalles sinnvoll, wenn einzelne Bäume vom Kastanienrindenkrebs befallen sind. Um die Krankheit zu tilgen, können zu diesem Zeitpunkt befallene Äste zurückgeschnitten oder ganze Bäume gefällt werden. Das kranke Pflanzenmaterial sollte sofort vor Ort verbrannt (Bewilligungspflicht) oder einer Verbrennungsanlage zugeführt werden. Kompostieren wird nicht empfohlen, da C. parasitica den Kompostierprozess überleben kann. Ist die Krankheit in einem Bestand schon weit verbreitet, ist eine Ausrottung nicht mehr realistisch. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, den Kastanienrindenkrebs Bündner Wald 3 /2014 29
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durch biologische Kontrolle mit dem Hypovirus einzudämmen. Wo die Hypovirulenz natürlicherweise aufgetaucht ist und sich etabliert hat, erfolgt diese Kontrolle spontan, ohne menschliche Eingriffe. Typischerweise kommen in solchen Beständen beide Formen des Pilzes (virulente und hypovirulente Stämme) vor. Auch wenn einzelne Bäume wegen des Kastanienkrebses absterben, ist das Überleben des Bestandes als ganzes nicht infrage gestellt.70 Auch ohne natürlich BÜNDNERWALD X100 auftretende Hypovirulenz gibt es HoffJUNI / DEZEMBER 2014 nung für die Edelkastanie. In diesem Fall kann das Hypovirus für eine aktive biologische Bekämpfung eingesetzt werden. Zu diesem Zweck werden virulente Rindenkrebse mit einem hypovirulenten Pilzstamm ANZEIGE
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behandelt. Der ganze Prozess braucht fünf verschiedene Schritte und zwar (Schritt 1) die Isolation von C. parasitica aus den zu behandelnden Rindenkrebsen, (Schritt 2 ) die Bestimmung der Typen der isolierten C. parasitica-Stämme, (Schritt 3) die Hypovirus-Übertragung in einen lokalen C. parasitica-Stamm, (Schritt 4 ) die Züchtung des hypovirulenten Pilzstammes als Flüssigkultur im Labor und (Schritt 5) die eigentliche Behandlung der Rindenkrebsen im Wald. Gelingt die Behandlung, dringt das Virus in die Krebsstelle ein und die Kastanie kann den Befall abwehren. Nach mindestens einem Jahr werden aus den behandelten Stellen Rindenproben entnommen, um die Anwesenheit des Hypovirus zu überprüfen. Das künstlich eingeführte Hypovirus breitet sich idealerweise sowohl in den behandelten Rindenkrebsen als auch auf weitere Rindenkrebse im Bestand aus. Die aktuelle Situation in der Schweiz Der Kastanienrindenkrebs ist heute leider in allen wichtigen Kastaniengebieten der Schweiz zu finden. Im Tessin und in den Südtälern des Kantons Graubünden hat sich die Hypovirulenz spontan etabliert und die lokalen Edelkastanienbestände sind nicht mehr bedroht. In den Befallsherden auf der Alpennordseite ( LU, SG, VD, ZG ) und im Wallis ist bisher keine natürliche Hypovirulenz aufgetreten. Die Forstdienste arbeiten zusammen mit der WSL daran, die Hypovirulenz aus dem Tessin künstlich einzuführen. Die ersten Behandlungen erfolgten 1995 und 1996 in Weggis ( LU ) und Monthey ( VS ). Bis Ende 2013 wurden in den fünf Kantonen insgesamt mehr als 1200 Rindenkrebse mit dem Hypovirus infiziert. Der Behandlungserfolg ist generell hoch. Die Mehrheit der behandelten Rindenkrebse heilte aus. Unterdessen wurden immer
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mehr unbehandelte Rindenkrebse beobachtet, die auf natürliche Weise mit diesem Hypovirus infiziert waren. Diese erfreuliche Entwicklung zeigt, dass eine nachhaltige Etablierung der Hypovirulenz auch auf der Alpennordseite möglich ist. Forschung für eine bessere biologische Kontrolle Obwohl seit der ersten Beobachtung des Kastanienrindenkrebses in den USA und in Europa erhebliche Fortschritte im Verständnis der Wechselwirkungen zwischen der Edelkastanie, C. parasitica und dem Hypovirus gemacht wurden, bleiben wichtige Fragen bezüglich der Evolution, Epidemiologie und Bekämpfung der Krankheit noch offen. Die in den letzten Jahren verfügbar gewordenen molekularen Techniken (z. B. DNA-Analysen) haben die Forschung über den Kastanienrindenkrebs in eine neue Ära gebracht. Mittels genetischer Marker können wir heute die eingesetzten Hypoviren identifizieren und deren Ausbreitung in der Umwelt verfolgen. Damit lässt sich abklären, ob die biologische Bekämpfung des Kastanienrindenkrebses nachhaltig ist. Die ersten Resultate sind positiv: In einem Niederwald im Kanton Wallis konnten wir das ausgesetzte Hypovirus nach 16 Jahren wiederfinden und zwar sowohl in damals behandelten als auch in zahlreichen unbehandelten Rindenkrebsen. Gleichzeitig versuchen wir, die klassische Behandlungsmethode zu optimieren. Diese ist insgesamt aufwendig und in manchen Fällen schwierig durchzuführen (z. B. wenn sich die Rindenkrebse in der Baumkrone befinden). Ausserdem sporulieren Pilzstämme, die mit dem Hypovirus infiziert sind, auf lebenden Kastanienbäume nur spärlich. Im Gegensatz dazu hat ein Versuch im Tessin gezeigt, dass auf frischem Edelkastanien-
Totholz Tausende von Hypovirus-infizierten Sporen gebildet werden. Die neue Methode, die zurzeit getestet wird, beinhaltet die Verwendung von künstlich beimpftem Totholz als Quelle für Hypovirus-infizierte Sporen. Der Kastanienrindenkrebs bereitet heute weniger Sorgen als vor rund 60 Jahren, als die Krankheit zum ersten Mal in der Schweiz festgestellt wurde. Dank der spontanen Ausbreitung der natürlichen Hypovirulenz sind die Kastanienwälder auf der Alpensüdseite nicht mehr unmittelbar bedroht. Die künstliche Ausbringung des Hypovirus auf der Alpennordseite hat auch hier erste Erfolge gezeigt. Weitere Anstrengungen sind allerdings nötig, um die Hypovirulenzbehandlungen zu verbessern und die langfristige Wirkung der biologischen Kontrolle zu sichern.
Simone Prospero Eidg. Forschungsanstalt WSL Zürcherstr. 111, CH-8903 Birmensdorf simone.prospero@wsl.ch
Marco Conedera Istituto federale di ricerca WSL Via Belsoggiorno 22 CH-6500 Bellinzona
Daniel Rigling Eidg. Forschungsanstalt WSL Zürcherstrasse 111 CH-8903 Birmensdorf
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Der Hallimasch
Pilze der Gattung Armillaria (Hallimasch) sind weltweit verbreitet und treten auch in der Schweiz in verschiedenen Waldtypen auf. Die heute bekannten Hallimasch-Arten unterscheiden sich in ihrem Wirtsspektrum und ihrer Fähigkeit, holzige Pflanzen zu befallen. Alle Hallimasch-Arten ernähren sich saprophytisch von totem Holz und sind damit wichtige Nährstoffrecycler im Ökosystem Wald. Einige Arten verursachen zusätzlich Stamm- und Wurzelfäulen an lebenden Pflanzen, was zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führen kann. Die Hallimasch-Arten der Schweiz Fünf Hallimasch-Arten sind in der Schweiz forstpathologisch von Bedeutung. Die häufigste Art ist der Keulige Hallimasch (A. ceAbbildung 1: Weisse Myzelmatten zwischen Rinde und Holzkörper einer befallenen Föhre. (Bilder: Eidg. Forschungsanstalt WSL)
pistipes). Diese Art ist weit verbreitet in Höhenlagen zwischen 600 und 1600 m ü. M. und tritt vorwiegend als Saprophyt an Nadelholz auf. Ebenfalls häufig in diesen Lagen anzutreffen ist der Dunkle Hallimasch (A. ostoyae). Diese Art ist jedoch deutlich aggressiver und kann Nadelbäume jeden Alters abtöten. Weniger häufig ist der Nördliche Hallimasch (A. borealis), der als Saprophyt ebenfalls bis in hohe Lagen vorkommt. In den Wäldern der tieferen Lagen dominiert der Gelbschuppige Hallimasch (A. gallica), der als Saprophyt oder Schwächeparasit vorwiegend auf Laubbäumen auftritt. Als aggressiver Parasit bekannt ist der Honiggelbe Hallimasch (A. mellea). Diese wärmeliebende Art befällt zahlreiche Laub- und einzelne Nadelgehölze, vor allem ausserhalb des Waldes in Garten- und Obstanlagen sowie Rebbergen. Eine sichere Bestimmung einer Hallimasch-Art ist oft schwierig und kann nur im Labor zuverlässig durchgeführt werden. Der grösste Hallimasch Europas In Graubünden wurde der Hallimasch ausführlich im Schweizerischen Nationalpark erforscht. Entlang der Ofenpassstrasse kommt der Dunkle Hallimasch bis fast zur Waldgrenze hinauf vor und ist zusammen mit dem Wurzelschwamm für das verbreitete Absterben der Bergföhren verantwortlich. Der Hallimasch breitet sich von Baum zu Baum mit Rhizomorphen, wurzelähnliche Stränge aus Pilzmycel, oder über Kontakte von Wurzeln benachbarter Bäume aus und kann sich mit der Zeit über ein grosses Waldgebiet ausdehnen. Genetische Untersuchungen zeigten, dass sich das grösste gefundene Individuum des Dunklen Hallimaschs über eine Fläche von 37 ha erstreckt. Es ist mehr als 1000 Jahre alt. Damit befindet sich im Bündner Wald nicht nur der
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Abbildung 2: Fruchtkörper des Dunklen
Abbildung 3: Rhizomorphen unter der Rinde eines
Hallimaschs.
toten Stammes.
grösste Hallimasch, sondern auch der grösste Pilz Europas.
(Abb. 1). Pathogene wie auch saprophytische Arten bilden jedoch auch Myzelmatten, um absterbende Bäume zu besiedeln. Dazu gehören insbesondere frische Baumstümpfe, Sturmholz oder auch Bäume, die durch Borkenkäfer befallen wurden. Mithilfe der schnell wachsenden Myzelmatten ist der Hallimasch in der Lage, innert kürzester Zeit frisch anfallende Holzressourcen für sich zu besetzen. Für den eigentlichen Holzabbau dringt der Pilz dann von den Myzelmatten aus in das Holz ein.
Befallsmerkmale Immer, wenn ein Baum oder Strauch abstirbt, muss mit einem Befall durch den Hallimasch gerechnet werden. Dieser kann bereits seit langer Zeit vorhanden sein, ohne dass deutliche Symptome sichtbar sind. Erst wenn ein beträchtlicher Teil der Wurzeln geschädigt ist, zeigen sich erste Befallssymptome. Im Anfangsstadium sind dies vermindertes Triebwachstum und Kleinblättrigkeit, später Verfärbungen der Nadeln bzw. der Blätter von der Triebspitze her sowie eine schüttere Krone. Bei Nadelbäumen kann Harzfluss am Stammfuss auftreten. Diese Symptome sind allerdings unspezifisch und können auch andere Ursachen haben, wie Insektenbefall, Trockenheit oder Befall durch andere Wurzelfäulepilze. Myzelmatten Eindeutiges Merkmal eines Hallimasch-Befalls sind die weissen Myzelmatten, mit denen der pathogene Pilz in der Wirtspflanze vordringt und das Kambium und Rindengewebe abtötet. Die Myzelmatten werden nach Entfernen der Rinde an den Wurzeln, am Wurzelanlauf oder Stammfuss sichtbar
Fruchtkörper Die Hallimasch-Fruchtkörper erscheinen häufig massenweise im Herbst an abgestorbenen Bäumen und Wurzelstöcken. Die wichtigsten Merkmale der hell- bis dunkelbraunen Fruchtkörper sind weisses Sporenpulver, ein ringförmiges Pilzhäutchen am Stiel und ein Hut mit Schuppen (Abb. 2 ). Die Sporen fallen in grosser Anzahl von den reifen Fruchtkörpern und sammeln sich als weissliches Pulver auf darunter wachsenden Fruchtkörpern (Abb. 2 ) oder auf Laub am Boden. Die Sporen sind sehr klein und damit bestens geeignet, um durch den Wind über grosse Distanzen verbreitet zu werden. Sie keimen auf einem geeigneten Substrat, z. B. auf einem frischen Baumstumpf oder Bündner Wald 3 /2014 33
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Abbildung 4: Hallimasch-Kernfäule an einer Fichte
Abbildung 5: Stockbruch einer faulen Fichte im
bei Trun.
Safiental.
auf verletzten Wurzeln. Damit sich wieder ein fortpflanzungsfähiger Hallimasch bilden kann, müssen sich zwei keimende, sexuell zusammenpassende Sporen vereinigen und zu einem diploiden Myzel auswachsen.
die Kernfäule bei der Fichte, die das Holz entwertet und die Stabilität der Bäume beeinträchtigt (Abb. 5 ). Diese Kernfäule wird auch als Hallimasch-Rotfäule bezeichnet, da sie sich äusserlich kaum von der eigentlichen Rotfäule unterscheidet, die durch den Wurzelschwamm verursacht wird. Beim Hallimasch steigt die Fäule jedoch selten höher als 50 cm den Stamm hinauf und verursacht dadurch weniger Holzverluste als diejenige des Wurzelschwamms. Der Hallimasch verursacht eine Weissfäule, d. h. er baut nicht nur Zellulose und Hemizellulose, die Kohlenhydrate des Holzes, ab, sondern auch das äusserst widerstandsfähige Lignin, einen organischen Stoff, der für die Verholzung zuständig ist. Dabei kommt es zu Farbreaktionen, die dem faulen Holz eine rötliche Erscheinung geben.
Rhizomorphen Als Besonderheit bildet der Hallimasch im Boden und unter der Rinde von toten Bäumen sogenannte Rhizomorphen aus (Abb. 3). Das sind schwarze bis rotbraune, wurzelähnliche Stränge, die in Tieflagen bis zu 5 mm dick werden können. Mit den Rhizomorphen durchwächst der Hallimasch den Waldboden und erschliesst neue Holzressourcen. Die Rhizomorphen wachsen meist in einer Tiefe von 5 bis 15 cm und können jahrelang überleben. Dadurch kann der Hallimasch ausgedehnte RhizomorphenNetzwerke bilden, in denen Wasser- und Nährstoffe transportiert werden. Pathogene Arten infizieren über die Rhizomorphen häufig die Wurzeln von neuen Wirtsbäumen. Kernfäule Bekannt ist der Hallimasch auch als Erreger von Kernfäulen. Dabei beschränkt sich der Befall auf das Kernholz des Baumes, ohne dass dieser abgetötet wird (Abb. 4 ). Von wirtschaftlicher Bedeutung ist vor allem
Forstliche Bedeutung und Gegenmassnahmen Hallimasch ist ein natürlicher Bestandteil unserer Wälder und spielt eine wichtige Rolle beim Abbau von toter Holzmasse. Indem er Bäume abtötet oder destabilisiert, fördert er in natürlichen Waldökosystemen die Verjüngung. Die gleichen Eigenschaften des Hallimaschs können aus wirtschaftlicher Sicht jedoch zu empfindlichen Schäden
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führen. Eine direkte Bekämpfung des Pilzes ist jedoch schwierig, da er weder im Baum noch im Boden erreicht werden kann. Im Wald kommen nur vorbeugende Massnahmen in Frage. Dazu gehören die Verwendung und Förderung von standortgerechten Baumarten, Vermeidung von Stamm- und Wurzelverletzungen und, bei einem starken Befall, ein Wechsel der Baumart. Bei einem Befall in Garten- und Obstanlagen sollten die Wurzelstöcke der betroffenen Bäume möglichst vollständig entfernt oder ausgefräst werden. Dadurch werden dem Hallimasch Nährstoffquellen entzogen, sodass er keine weiteren Bäume oder Sträucher befallen kann. Hallimasch-Befall in Nasslagern Auch bei der Holzlagerung führt der Hallimasch gelegentlich zu einer erheblichen Holzentwertung. Betroffen sind vor allem Nasslager mit Nadelholz, die der Hallimasch befallen kann. Dabei bildet sich im äusseren Splintholz eine sogenannte Mantelfäule, die über mehrere Zentimeter von aussen nach innen vordringt. Meistens liegt die Ursache darin, dass infizierte Stämme eingelagert wurden, von denen aus sich der Hallimasch mit Myzelmatten oder Rhizomorphen im
Holzpolter ausbreitet. Als vorbeugende Massnahme sollte zur Nasslagerung vorgesehenes Stammholz frei von HallimaschBefall und möglichst schnell eingelagert werden. Weiter kann durch das Entrinden der Stämme vor der Einlagerung ein Befall verhindert werden. Weiterführende Literatur –2 012, Nierhaus-Wunderwald, D.; Engesser, R.; Rigling, D.: Hallimasch – Biologie und forstliche Bedeutung. 2. überarbeitete Auflage. Merkblatt für die Praxis 21: 8 S. –2 013, Rigling, D.: Parasitische Pilze: die grössten Lebewesen im SNP. In: Haller, H.; Eisenhut, A.; Haller, R. (eds) Atlas des Schweizerischen Nationalparks: die ersten 100 Jahre. Nationalpark-Forschung in der Schweiz, Bd. 99 /l. Bern, Haupt. 196 – 197.
Dr. phil. Daniel Rigling Eidg. Forschungsanstalt WSL Zürcherstr. 111, CH-8903 Birmensdorf daniel.rigling@wsl.ch
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Streusalz – Auswirkungen auf die Bäume Aufgabe der Strassendienste ist es, die Sicherheit für den Benützer öffentlicher Strassen und Wege zu gewährleisten. Dazu gehört auch, bei Schnee, Frost und Eisglätte die Rutschgefahr möglichst klein zu halten. Diese Aufgabe ergibt sich als Konsequenz aus der Werkeigentümerhaftung gemäss OR Art. 58. Der Winterdienst versucht, den hohen Ansprüchen der Benützer weitgehend zu entsprechen. In kritischen Situationen und bei prekären Verhältnissen stösst er immer wieder an seine Grenzen. In der Schweiz wurden in den letzten Wintern durchschnittlich 300 000 – 350 000 t (300 – 350 Mio. kg) Auftausalze – vorwiegend Natriumchlorid (NaCl) – ausgestreut. In Abhängigkeit von Ort und Witterung waren es aufsummiert 100 bis deutlich über 1000 g NaCl pro Quadratmeter Fahrbahn. Wohin gelangen die Auftausalze? Nur ein Teil des Streusalzes in trockener Form bleibt auf der Fahrbahn respektive in den Fahrspuren. Ganz erhebliche Mengen werden unmittelbar nach dem Ausbringen durch Wind und vorbeifahrende Fahrzeuge verweht und gelangen so direkt auf die benachbarten Flächen, an die Bäume und
Sträucher, sei es als Salzstaub oder als Suspension in feuchter Luft (Aerosol). Auf der Fahrbahn haftendes Streusalz – sei es beim Trocken- oder beim Feuchtsalzverfahren – bildet mit Eis und Schnee ein Gemisch. Ein Teil der Tausalzlösung wird mit dem von der Strasse abfliessenden Schmelzwasser über die Abflusssysteme – oft über einen Vorfluter – in die Oberflächengewässer befördert und verdünnt, oder sie gelangt über die Kanalisation in eine Kläranlage. Ein weiterer Teil der Tausalzlösung wird durch die Fahrzeuge in Form von Gischt seitlich versprüht und gelangt so an die Bodenvegetation und direkt an die Strassenrandbäume. Besonders nachteilig ist zudem der seitlich deponierte Pflugschnee. Dadurch gelangt Salz an die exponierten Blattorgane, Zweige und Borken oder versickert nach dem Auftauen im Boden. Beim Einsatz von Schneeschleudern geht es ausschliesslich um die Beseitigung grosser Schneemengen. «Aus den Augen – aus dem Sinn», heisst meistens die Devise, auch wenn es sich um salzgetränkten Pflugschnee handelt. Dies kommt vor allem in Wohnquartieren mit Hecken und Bäumen, aber auch an Bergstrassen ausserorts mit
Wege der Auftausalze in der Umwelt: Die mechanisch ausgetragenen Auftausalze gelangen auf verschiedenen Wegen in die Umwelt und beeinträchtigen damit Pflanzen, Böden und Wasser. (Bild aus: Brod, H. G. 1993)
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eingeschränkter Fahrbahnbreite recht häufig vor. Auswirkungen von Streusalz auf Pflanzen und Böden Durch den direkten Kontakt mit den Bäumen gelangen die Salze in die pflanzlichen Gewebe und greifen in den Stoffwechsel ein. Verbräunungen der Nadeln und Blätter sind das Ergebnis von Austrocknung und Verbrennung der Gewebe. Sie sind jedoch erst im Frühling und Sommer erkennbar. Deponie des Schnees am Strassenrand stellt bei genügenden Platzverhältnissen den Normalfall dar. Der Pflugschnee ist bei Salzeinsatz mit hohen Konzentrationen an Streusalz befrachtet. Beim Eintrag des Salzes in den Boden verändert sich das Bodengefüge. Natrium- und Chlorid-Ionen gelangen so auf direktem Weg an die Pflanze. Sie werden über die Wurzeln aufgenommen und beeinträchtigen den Nährstoffhaushalt. Dies verursacht ebenfalls Trockenheitsstress, vor allem aber beeinträchtigt es die Stoffwechselvorgänge und zerstört Zellstrukturen. Auffälligste Schäden bei der Belastung des ganzen Systems sind Blattrandverbräunungen und Blattnekrosen. An den Blatträndern werden die höchsten Salzkonzentrationen nachgewiesen. Verhängnisvoller Kreislauf der Salze Die Streusalz-Ionen sind in stark belastetem Milieu allgegenwärtig: – durch Abwaschung von Nadeln und Blättern – durch Auswaschung aus Blattgeweben – durch Rückführung in den Boden bei vorzeitigem Blattfall – durch Verlagerung vor dem herbstlichen Blattfall in die Speicherorgane (Knospen, Zweige, Stamm, Wurzeln)
Salzeinfluss im unteren Bereich – Verbrennung – Vertrocknung – evtl. Käferbefall – Absterben. (Bild: Gian Cla Feuerstein)
–d urch Rückführung in die Nährlösung beim Abbau des Herbstlaubes – durch direkte Neuzufuhr in den Boden über Salzstaub, Gischt, Pflugschnee und Schmelzwasser – durch Speicherung in der Bodenlösung – durch Adsorption an Bodenteilchen – durch Aufnahme über die Wurzeln – durch Transport über die Leitgefässe in die Nadeln und Blätter Da das Salz in gelöster Form ins Ökosystem (Substrat, Begleitvegetation, Baum) aufgenommen und nur teilweise, z. B. durch Bodenauswaschung, eliminiert wird, bleibt es im System erhalten und wird jeden Winter zusätzlich aufdotiert. Die Bäume können sich nie vollständig erholen. Sie sind einem Dauerstress ausgesetzt. Bei fortlaufender Zudosierung gelangen die Salze in einen verhängnisvollen Kreislauf zwischen Baumkrone, Boden und Wurzelbereich. Aufgrund dieses Salzkreislaufs (winterliche Speicherung in Knospen und Zweigen sowie Verlagerung von Na + und Cl – aus Blättern in die Wurzel und wieder zurück in die Bäume) kann es über Jahre hinweg zu einer stetigen Salzanreicherung kommen, bis hin zu letalen Konzentrationen. Bündner Wald 3 /2014 37
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Augenfällig sind absterbende Bäume an exponierten Stellen mit intensivem Winterdienst, z. B. bei einer Bushaltestelle, bei einer Fussgängerüberquerung oder auf einem schattigen Abschnitt einer Bergstrasse.
ökologischen Auswirkungen auch die Aufwendungen für die Strassenentwässerung und die Spülung der Kanalisationen sowie die speziellen Vorkehrungen zum ordnungsgemässen Betrieb von Kläranlagen.
Grenzwerte für die eingebrachten Salzmengen sind weitgehend illusorisch Die Verteilung der gestreuten Salzmengen auf die verschiedenen Eintragungsorte (Pflanze, Strassenentwässerung, Boden etc.) ist nur schwer quantifizierbar. Aber auch die gemessenen Konzentrationen im Boden und in den Blättern/Nadeln können nicht verallgemeinert werden. Selbst Blätter ohne äusserlich erkennbare Schadensymptome können hohe Salzgehalte aufweisen. Zudem sagen die Konzentrationen wenig aus über die effektiv ausgebrachten Salzmengen des vergangenen Winters. Das System wird als Ganzes belastet, die Salze akkumulieren sich über mehrere Jahre und befinden sich in einem Kreislauf zwischen Boden und Baumkrone. Hinzu kommen die Mobilisierung in der Bodenmatrix und die Ausschwemmung aus dem Boden in das Grundwasser. Bei Abgasen, Staub, sauren Niederschlägen, Trockenheit und Merkmalen des Klimawandels wirkt sich die zusätzliche Belastung der Bäume durch Streusalz kumulativ aus.
Wird das Streusalz immer richtig dosiert? Diese Frage ist in Anbetracht der sehr un terschiedlichen Streumengen bei vergleichbaren Situationen gerechtfertigt. Auch bei guten Winterdienstkonzepten und einem zeitgemässen Maschinenpark liegt die Verantwortung letztlich zu einem grossen Teil beim Fahrer des Streufahrzeuges. Da er den aktuellen Zustand der Strasse während der Fahrt unmittelbar sieht, kann er aufgrund seiner Erfahrung die Streumenge jederzeit anpassen. Vorläufig muss noch davon ausgegangen werden, dass dies mindestens innerorts weitgehend manuell erfolgt, da dort noch wenige vollautomatisierte Fahrzeuge vorhanden sind, welche die Temperatur der Fahrbahnoberfläche und die Menge des Restsalzes messen. Diese subjektive Winterdienstpraxis führt jedoch fallweise zu sehr uneinheitlichen Streumengen in vergleichbaren Situationen. Jeder Winterdienstfahrer glaubt, erfahrungsgemäss die richtige Dosierung der Streumenge bis hin zu einer Maximalmenge von 40 g/m² Taumittel je Streudurchgang eingestellt zu haben. In der Wahrnehmung der Fahrer kann beides richtig sein. Wenn z. B. 10 g/m² ausreichen, würde wohl auch mit 20, 30 oder 40 g/m2 das gleiche Ergebnis erzielt. Zudem besteht die Tendenz, eher mehr zu streuen, um auf der sicheren Seite zu sein und allfällige rechtliche Probleme zu vermeiden. Daraus ergeben sich auch Sicherheitsbedenken über die notwendige Menge tendenziell erhöhter Streumengen. Durch die Verknüpfung der täglichen Streumengen mit den täglichen Schneefallmen-
Streusalz schädigt auch Bauten Die direkten Schäden an Betonbelägen und an Kunstbauten aus Beton und Stahl beziffern sich für die Schweiz auf 5 bis 6 Milliarden Franken pro Jahr. Hinzu kommen Korrosionsschäden an Fahrzeugen von mehreren 100 Millionen Franken pro Jahr. Auswirkungen auf die Gewässer Die direkten Auswirkungen auf die Gewässer lassen sich nicht beziffern. Zu einer genauen Kostenschätzung zählen neben den 38
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-30°C
Eutektisches Diagramm einer Natriumchloridsole in Abhängigkeit von Konzentration und Temperatur, wobei der Aggregatzustand im hellen Bereich flüssig, im dunklen fest ist. (Grafik: nach LIGHT, 2007)
gen werden diese uneinheitlichen Streudosierungen deutlich sichtbar. So kommt es selbst in der Präventivstreuung ohne Schneefall zu einer Bandbreite der Streumengen von 0 bis 40 g/m2, wobei in diesen Fällen 10 g/m2 zur Vermeidung von Reifglätte in jedem Fall ausreichend wären. Wasser gefriert bei ungefähr 0 °C. In Wasser gelöstes Salz, sogenannte (Salz-)Sole, hat je nach Konzentration einen deutlich tieferen Gefrierpunkt. Eine solche Salzlösung entsteht beim Aufbringen des Streusalzes auf die feuchte respektive schneebedeckte Fahrbahnoberfläche. Je mehr Eis, Reif oder Schnee durch das Salz aufgetaut wird und in Lösung geht, desto geringer wird die Konzentration der Salzlösung. Die Fahrbahnoberfläche ist meistens etwas wärmer als die Lufttemperatur. Ziel des auftauenden Streumittels ist es, zusammen mit dem Niederschlag auf der Fahrbahn eine Sole herzustellen, welche einen tieferen Gefrierpunkt hat als die Umgebungs- bzw. Fahrbahntemperatur. Aus physikalischen Gründen kann aber die Konzentration des
Salzes nicht beliebig erhöht und der Gefrierpunkt beliebig gesenkt werden. Für Natriumchlorid geht dies bis zu einer KonProzent bei entsprezentration von 23,4 chendem Gefrierpunkt von -22,6 °C. Das überschüssige Salz kristallisiert aus und wirkt sich negativ auf die Griffigkeit der Fahrbahnoberfläche aus. (Siehe Diagramm oben). Aus dem Diagramm ist ausserdem ersichtlich, dass es bei einer Fahrbahnoberfläche von beispielsweise - 5 °C theoretisch lediglich einer Solekonzentration von 7,5 Prozent bedarf, um die volle Tauwirkung zu erreichen. Eine grössere ausgebrachte Streusalzmenge dient allenfalls der Kompensation von Ausbringverlusten und als Reserve bei der Verdünnung der Salzlösung. Für die Winterdienstpraxis bedeutet dies, dass die ausgebrachte Salzmenge bei Trockensalz bzw. mit Soleanteil in der Feuchtsalzstreuung so lange Schnee oder Eis taut, bis sich eine Solekonzentration einstellt, deren Gefrierpunkt der Fahrbahntemperatur entspricht. Übersteigt der zwischen Bündner Wald 3 /2014 39
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zwei Streu- und Räumvorgängen gefallene Schnee jene Menge, die mit der ausgebrachten Salzmenge taubar ist, so kann die Fahrbahn selbst bei optimaler Räumung, das heisst bei kaum vorhandenem Restschnee, nicht über das gesamte Streuintervall schnee- bzw. eisfrei gehalten werden. Vielmehr kommt es nach dem Tauvorgang wieder zu einem sukzessiven Gefriervorgang, da die Sole durch den Verkehr und weitere Schneefälle so weit verdünnt wird, dass der Gefrierpunkt über dem der Fahrbahntemperatur liegt. Sobald der Gefrierpunkt der Sole über der Fahrbahntemperatur liegt, hat das Salz keine Wirkung mehr. Bei starkem Schneefall versagt das Streusalzverfahren grundsätzlich, weil der dabei entstehende Schneematsch die Griffigkeit der Fahrbahnoberfläche stark beeinträchtigt. In solchen Situationen hat die mechanische Schneeräumung absolute Priorität.
An der Kurve kann nicht abgelesen werden, wie viel Salz (g/m2 ) gestreut werden soll. Die richtige Ausbringungsmenge beruht auf Erfahrungswerten, welche die Wirtschaftlichkeit (Kosten), die verfügbaren Ressourcen (Salzbedarf) und die ökologischen Auswirkungen mitberücksichtigen. Beim Trocken- und beim Feuchtsalzverfahren dürften in der Regel etwa 10 bis 15 g (bis 20 g) Salz pro m2 und pro Streugang ausreichen, welche effektiv auf der Strasse haften. Bei Schneemengen ab 1 – 2 cm reicht das Salz nicht mehr, es kommt der Schneepflug zum Einsatz. Wie das Beispiel von NaCl zeigt, stellen Streusalze kein Allheilmittel dar. Sie haben nur begrenzte Tauwirkung und sollen in erster Linie der Bildung von Reif- oder Eisglätte vorbeugen. Jedenfalls ist Tausalz nicht für das Auftauen von Schneemengen von mehr als etwa 1 bis 2 cm bestimmt.
Wichtigste Beiträge zur Reduktion der Streusalzmengen Massnahmen
Voraussetzungen
differenzierter, auf die Strassenkategorien abgestimmter Winterdienst
entsprechende Winterdienstkonzepte und deren konsequente Umsetzung
Optimierung der Streutechnik und situationsgerechte Dosierungen
zweckmässiger Maschinen- und Gerätepark, Schulung und Instruktion des Personals; so weit möglich Feuchtsalz- und Soleverfahren * )
vorbeugende Streuung zum richtigen Zeitpunkt und mit dem richtigen Verfahren **)
Aufnahme der vorbeugenden Streuung in die ChemRRV (Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung), zwecks Einsparung Streusalzmengen und Entlastung der Umwelt
alternative Streumittel für wenig befahrene Strassen, Radwege, Fusswege etc., teilweiser Verzicht auf Schneeräumung
Verständnis und entsprechendes Verhalten der Verkehrsteilnehmer, bei Verzicht Signalisation
Überprüfung und Neuorientierung der Vergabe des Winterdienstes an private Unternehmen
Entschädigung nicht nach ausgebrachter Streugutmenge, sondern nach Betriebsbereitschaft gemäss Winterdienstkonzept und sparsamem Umgang mit dem Streugut
* Mehrkosten für teure Maschinen und Geräte lassen sich durch das eingesparte Salz innert weniger Jahre kompensieren. Spätere Salzeinsparungen entlasten das Haushaltsbudget spürbar. ** innerorts Einsparungen von 40 bis 45 Prozent der Salzmengen möglich
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Ähnliches gilt für andere Taumittel, wobei der sogenannte «eutektische Punkt» bei MgCl2 und bei CaCl2 tiefer liegt. Diese Salze sind wesentlich teurer und werden nur beim Feuchtsalzverfahren und beim Flüssigverfahren, dem sogenannten «Soleverfahren», mitverwendet. Möglichkeiten der Salzreduktion Es würde hier zu weit führen, auf alle technischen Aspekte der Ausbringung und Dosierung des Streusalzes einzugehen. Zusammenfassend kann aber gesagt werden: Eine Reduktion der ausgebrachten Salzmengen ist möglich. Sie entlastet das Budget, ist insgesamt wirtschaftlich und schont die Umwelt, namentlich auch die Bäume.
Literatur: – Zuber, R.: 2013. Streusalz: Auswirkungen auf die Stadtbäume. Merkblatt VSSG Vereinigung Schweizerischer Stadtgärtnereien und Gartenbauämter. 12 S. – Zuber, R.: 2013. Streusalz: Auswirkungen auf die Stadtbäume und Gegenmassnahmen. Literaturstudie. Bericht im Auftrag des VSSG. 96 S.
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Auffällige Insekten in Bündner Wäldern Untertitel Grundschrift
Durch Lärchenwickler kahl gefressene Lärchen im Engadin. (Bild: Beat Forster)
Nicht alle Forstinsekten sind der Bäume Tod In den vergangenen 30 Jahren haben Borkenkäfer in der Folge von Sturmschäden und Klimaveränderung massgeblich zur Umgestaltung des Bündner Waldes beigetragen. Allein der Buchdrucker (Ips typographus) schaffte es, in dieser Zeit im Kanton rund 750 000 m3 stehende Fichten zum Absterben zu bringen. Auch Weisstannen- und Arvenbestände wurden und werden immer wieder durch verschiedene Käferarten dezimiert. Ein besonderes Phänomen ist zudem der Sechszähnige Föhrenborkenkäfer (Ips acuminatus), dem es in nur zwei Jahrzehnten gelungen ist, rund die Hälfte der Waldföhrenbestände im Raum Brusio im Puschlav zu eliminieren. Dutzende andere Borkenkäfer- und Rüsselkäferarten können lokal ebenfalls zu Ausfällen von Bäumen führen, beeinträchtigen die Waldfunktionen aber kaum in grösserem Ausmass. Daneben gibt es zahlreiche weitere Insektenarten an Gehölzen, welche zu auffälligen Befallsbildern führen, dabei aber weit weniger gravierende Auswirkungen auf ihre Wirtsbäume haben und nicht als gefährliche
Schädlinge bezeichnet werden müssen. Allen voran ist da der Graue Lärchenwickler (Zeiraphera griseana) zu nennen, dessen Räupchen in regelmässigen Abständen Lärchen kahl fressen, dies vor allem im Oberengadin. Bei diesem Kleinschmetterling handelt es sich um eine der am besten untersuchten Forstinsekten Mitteleuropas. In regelmässigen Zyklen von rund neun Jahren tritt Kahlfrass auf. Der letzte Höhepunkt der Gradation war 2008 und 2009 zu beobachten, wenn auch nicht so ausgeprägt und weit verbreitet wie noch im 20. Jahrhundert. Die Lärchen erleiden durch den Frass einen Zuwachsverlust, sterben aber normalerweise nicht ab. Als winterkahle Konifere kann die Lärche besser mit dem Nadelverlust umgehen als beispielsweise die Arve, welche von der sogenannten Arvenform des Lärchenwicklers befallen werden kann. Glücklicherweise bleibt da der Frass auf den neuen Jahrestrieb beschränkt, so dass auch befallene Arven überleben. Buschigere Kronen oder Zwieselbildung können die Folgen sein. Der nächste Kahlfrass durch den Lärchenwickler dürfte ungefähr im Jahr 2018 auftreten.
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Einmaliger Kahlfrass wird oft verkraftet Weitere Insektenarten führen im Kanton Graubünden ebenfalls zu auffälligen Frassschäden an Baumkronen. Zum Glück sind mehrheitlich Laubbaumarten betroffen, welche mit einem einmaligen Kahl- oder Lichtfrass gut umgehen können und oft noch im selben Jahr Ersatzblätter bilden. So treten relativ häufig der Buchenspringrüssler (Orchestes fagi) oder die zwei Erlenblattkäfer (Agelastica alni und Melasoma aenea) in Erscheinung. Markant ist auch der alle drei Jahre stattfindende Reifungsfrass des Feldmaikäfers (Melolontha melolontha) an Waldrändern in der Bündner Herrschaft und im unteren Prättigau. Gerade 2014 ist wiederum ein Flugjahr. Ebenfalls zur Familie der Blatthornkäfer gehört der nur knapp 1 cm lange Gartenlaubkäfer (Phyllopertha horticola), welcher im Engadin und Münstertal häufig Laubgehölze wie Aspen und Birken kahl frisst. Auch da wird der Frass von den Bäumen gut ertragen, Schäden können hingegen durch die Engerlinge im Kulturland auftreten. Die lokale Bevölkerung bezeichnet den Gartenlaubkäfer fälschlicherweise oft als Junikäfer, da dieser im Juni zu fliegen pflegt. Der grössere, echte Junikäfer dringt aber kaum in die höheren Lagen der Alpentäler vor. Neben dem Lärchenwickler führen gelegentlich auch weitere Schmetterlingsraupen zu auffälligem Blatt- oder Nadelfrass an Gehölzen, so beispielsweise die Lärchenminiermotte (Coleophora laricella). Sehr auffällig sind fast jedes Jahr die entlaubten und mit weissen Gespinsten eingepackten Traubenkirschen, welche regelmässig durch Raupen der Gespinstmotte (Yponomeuta evonymellus) heimgesucht werden. Da der Frass bereits mit oder kurz nach dem Austrieb der Blätter erfolgt, haben die Trau-
Links: Maikäfer bei ihrem Reifungsfrass. Rechts: An diesem Waldrand haben sich die Maikäfer gütlich getan. (Bilder: Beat Forster)
Links: Der nur knapp 1 cm kleine Gartenlaubkäfer. Rechts: Kahle Aspen-Gruppe nach Frass durch den Gartenlaubkäfer. (Bilder: Beat Forster, Beat Wermelinger)
Links: Der auffällige Falter der Gespinstmotte. Rechts: Gespinstmottenraupen als Verpackungskünstler. (Bilder: Beat Forster, Beat Wermelinger)
benkirschen Zeit, die verlorene Blattmasse im Laufe des Sommers durch Nachtreiben zu ersetzen. Mehrere Jahre aufeinanderfolgender Frass kann die Widerstandskraft der Bäume aber beeinträchtigen. Relativ häuBündner Wald 3 /2014 43
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Links: Ein Räupchen des Fichtennestwicklers hat gerade begonnen, eine neue Nadel auszuhöhlen. Rechts: Spektakulär, aber relativ harmlos: Schadbild des Fichtennestwicklers. (Bilder: Beat Wermelinger, Beat Forster)
fig können befressene und eingesponnene Traubenkirschen im Engadin und Ober halbstein beobachtet werden, aber auch andere Regionen werden nicht verschont. Ein nur sporadisch auftretendes Phänomen war 2011 eine Massenvermehrung des Fich tennestwicklers (Epinotia tedella), welche in weiten Teilen der Schweizer Alpen und Vor alpen beobachtet werden konnte. Im Kanton Graubünden war vor allem das Oberland betroffen. Abertausende von klei nen Räupchen höhlten Fichtennadeln aus und überzogen die Äste mit ihren Gespins ten. Zum Glück waren die Symptome spek takulärer als der Schaden. Betroffen waren vor allem die unteren Kronenbereiche. Der Nadelverlust konnte durch verbliebene, stär ker assimilierende Nadeln in der Oberkrone kompensiert werden. Nur ganz wenige, voll ständig entnadelte Jungfichten starben ab. Lausige Zeiten in den Südtälern Nach milden Wintern kann es in Fichten beständen der Südtäler zu Massenvermeh rungen der Fichtenröhrenlaus (Liosomaphis abietina) kommen. Bleiben kalte Temperaturen aus, überleben die Stammmütter der Läuse zahlreicher. So
bald es wärmer wird, beginnen diese mit der Reproduktion, und es kommt im Früh ling zu einer kurzen, aber heftigen Massen vermehrung. Mit dem Austrieb der Fich ten brechen die grossen Lauspopulationen bereits wieder zusammen. Nach normalen Wintern müssen sich die Läuse zuerst aus den überwinterten Eigelegen entwickeln, und die günstige Zeit für eine Massenver mehrung ist zu kurz. Durch die Saugtätigkeit der Läuse verfär ben sich die Fichtennadeln und fallen ab. Die schütteren Bäume sehen ein Jahr lang bedenklich aus. Manchmal verbleibt nur der neue Nadeljahrgang an den Trieben. Erst im zweiten Jahr kommt es zu einer deutlichen Regeneration der Kronen, indem zahlreiche schlafende Knospen austreiben und den Nadelverlust ersetzen. Befürchtete Folge schäden durch Borkenkäfer treten glückli cherweise nur selten in Erscheinung. Komplex- Ereignisse erhöhen das Risiko von Folgeschäden Lange nicht jeder auffällige Insektenbefall zieht notwendigerweise Bekämpfungsein griffe nach sich. In vielen Fällen können und müssen keine Massnahmen getroffen werden. Wichtig sind aber die Information der besorgten Bevölkerung und die Beob achtung der gestressten Bestände. Es kann nicht immer ausgeschlossen werden, dass ein an und für sich harmloses, aber auffälli ges Ereignis zu einem Problemfall wird. Dies tritt ein, wenn verschiedene ungünstige biotische und abiotische Faktoren zusam mentreffen, welche die Stresstoleranz der Wirtsbäume arg strapazieren und sich an schliessend Folgeschäden einstellen. So ist beispielsweise oft zu beobachten, dass nach einem Kahlfrass der Ersatzaustrieb vom Sommer im nachfolgenden Herbst durch Frühfrost erneut geschädigt wird, da das
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Wachstum von Trieben und Blättern nicht rechtzeitig abgeschlossen werden kann. Im folgenden Jahr können die Bäume für weitere Schädlinge oder Pilzkrankheiten attraktiv sein. Als Beispiel für ein Zusammenspiel mehrerer Einflussfaktoren können die Schädlinge und Krankheiten der Arve genannt werden. Neben dem Lärchenwickler werden vor allem jüngere Arven bis ins Stangenholzalter auch durch die Arvenminiermotte (Ocnerostoma piniariella, syn. O. copiosella), die Rotgelbe Kiefern-Buschhornblattwespe (Neodiprion sertifer), die Arven-Wolllaus (Pineus cembrae) und diverse Pilzkrankheiten befallen. Treten mehrere der einzeln nicht besonders gefährlichen Organismen gleichzeitig oder kurz hintereinander auf, kann dies die Arven so stark schwächen, dass sie erfolgreich durch den Kleinen Arvenborkenkäfer (Pi tyogenes conjunctus) besiedelt werden und absterben. Weiterführende Hinweise Zu den erwähnten Insektenarten können unter www.waldschutz.ch (Diagnose online) zusätzliche Informationen abgerufen werden. Unter der gleichen Adresse sind auch die «Waldschutz Informationen» ver-
Links: Nomen est omen: Die Fichtenröhrenlaus mit ihren typischen Röhren am Körperende. Rechts: Durch die Fichtenröhrenlaus geschädigte Bestände im Misox: Deutlich heben sich die nicht betroffenen, grünen Weisstannen ab. (Bilder: Beat Forster, Aurelio Ciocco)
fügbar: Im «Waldschutz aktuell» und im jährlichen «Forstschutzüberblick» wird die Situation von Schädlingen und Krankheiten im Schweizer Wald laufend dargestellt und ergänzt.
Beat Forster Waldschutz Schweiz Eidg. Forschungsanstalt WSL Zürcherstr. 111, CH-8903 Birmensdorf beat.forster@wsl.ch
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Quarantäneorganismus in GR – die Rotbandkrankheit
Auf den Waldföhren zeigten sich die typischen Symptome der kranken Nadeln, die von der Spitze her verbraunen. Kranke Nadeln fallen ab und hinterlassen Lücken am Zweig. (Bilder: Alexander Angst)
Wie auch die Braunfleckenkrankheit der Föhre («Bündner Wald» 3 / 2012 ) wird auch die Rotbandkrankheit durch einen Nadelpilz hervorgerufen, welcher bereits vor einigen Jahren in die Schweiz eingeschleppt worden ist. Bislang beschränkte sich seine Verbreitung weitgehend auf Bergföhren in Gartenund Parkanlagen im Schweizer Mittelland. Im Frühjahr 2013 wurde der Pilz erstmals im Bündner Wald auf Waldföhren gefunden. Die Rotbandkrankheit (Dothistroma septosporum, Syn. Scirrhia pini) ist ein besonders gefährlicher Schadorganismus (Art. 5 Pflanzenschutzverordnung PSV ). Dieser Quarantäneorganismus unterliegt der Meldepflicht und muss von Gesetzes wegen bekämpft werden. Seit dem Erstfund 1989 auf einer Bergföhre (Pinus mugo) wurde der Pilz im Rahmen des Beratungswesens und eines gezielten Monitorings schweizweit insgesamt an 71 Fundorten entdeckt. Befallen waren nahezu ausschliesslich Bergföhren. Die Pilzsporen verbreiten sich ausschliesslich mit Regentropfen und Gischt. Deshalb kann behauptet werden, dass die Verbreitung der Krankheit über weite Distanzen überwiegend mit befallenem Pflanzenma-
terial erfolgt, über kurze Distanzen durch Sporenflug. Die Symptome sind von Auge nicht immer einfach erkennbar. Wie der deutsche Name sagt, sind rote Bänder auf den Nadeln das klassische Symptom dieser Pilzkrankheit. Im Zentrum der roten Bänder drückt der schwarze Fruchtkörper die Epidermis der Nadel empor, die dann längs auf zwei Seiten reisst. Ausserdem verfärben sich die Nadeln von der Spitze gegen die Basis braun. Die ältesten Nadeljahrgänge werden zuerst befallen. Der Pilz breitet sich dann zu den jüngeren Jahrgängen aus. Befallene Nadeln fallen später ab. Bei sehr starkem Befall verbleibt nur noch der jüngste Nadeljahrgang an den Ästen, was als Pudelschwänze bezeichnet wird. Langfristig führt der Befall zum Absterben der Föhre. Am besten ist die Krankheit in den Monaten Juni und Juli erkennbar. Eine gesicherte Diagnose ist nur im Labor mit dem Mikroskop möglich. Die Krankheit kann von blossem Auge leicht mit der Braunfleckenkrankheit verwechselt werden. Diese hat, im Gegensatz zur Rotbandkrankheit, statt den roten Bändern braune
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Flecken um den Fruchtkörper herum. Im Spätsommer und Herbst kann die Rotbandkrankheit ausserdem leicht mit der physiologischen Nadel-Schütte verwechselt werden. Diese ist mit dem herbstlichen Laubfall zu vergleichen und stellt einen natürlichen Prozess dar. Das Befallsgebiet der Rotbandkrankheit in der Schweiz beschränkte sich bis anhin auf das Mittelland von St. Gallen bis Biel und von Schaffhausen bis Interlaken und bis auf eine Höhe von 1000 m ü. M. Hauptsächlich befallen waren Bergföhren (P. mugo) und einzelne Waldföhren (P. sylvestris), Arven (P. cembra) und Schwarzföhren (P. nigra) in öffentlichen und privaten Gärten, Friedhöfen und Parkanlagen. Mitte April 2013 wurden dann zufällig oberhalb von Schiers am Schraubach im Wald auf einigen Waldföhren Symptome der Rotbandkrankheit entdeckt. Der Verdacht konnte im Labor bestätigt werden. Auf der relativ isolierten Fläche von rund 0,5 ha stockten circa 100 Waldföhren (P. sylvestris). Beigemischt waren Lärchen, Weiden, Erlen und Eschen. Alle Waldföhren wurden noch im selben Sommer aus dem Bestand entfernt und gehäckselt. Der Befall in Schiers gilt als getilgt. Von der Rotbandkrankheit befallenes Nadelsegment einer Bergföhre. Gut erkennbar ist, wie der schwarze Fruchtkörper die Epidermis der Nadel nach oben drückt, welche deshalb seitlich aufreisst.
Nur einige Wochen später wurde aufgrund eines Hinweises des kantonalen Forstdienstes der Autobahnanschluss A13 Thusis-Süd kontrolliert. Auf Tausenden jungen Waldföhren auf circa 2 ha Fläche konnte die Rotbandkrankheit diagnostiziert werden. Die Bäume wurden daraufhin im Sommer 2013 in einer Grossaktion entfernt und entsorgt. Unweit davon konnte in Sils i. D. nahe der Autobahn in einer Naturverjüngung auf Waldföhren erneut flächiger Befall durch die Rotbandkrankheit festgestellt werden. Auch in Rodels unweit der Autobahn konnte im Jungwuchs die Rotbandkrankheit nachgewiesen werden. Auffällig ist, dass sich das bislang entdeckte Befallsgebiet im Domleschg direkt neben der Autobahn A13 befindet. Es kann vermutet werden, dass sich die Sporen von einem einzelnen Befallsherd mit aufgewirbeltem Gischt, verursacht durch Lastwagen und kleinere Fahrzeuge, im ganzen Tal ausgebreitet haben. Erfahrungen aus dem Ausland haben gezeigt, dass eine rechtzeitige Tilgung wichtig ist, um eine flächige Verbreitung zu verhindern. So ist z. B. in Schottland der Kampf gegen die Rotbandkrankheit bereits verloren, weil zu spät eingegriffen wurde und bereits mehrere Zehntausend Hektaren Wald befallen sind. Dies zieht auch einen beachtlichen finanziellen Ausfall mit sich. In der Schweiz machen die Föhren zwar keinen grossen Anteil aus, dennoch existieren viele ökologisch wertvolle Bergföhren- und Arvenbestände, die es zu schützen gilt. Im Kanton Graubünden sind gemäss Landesforstinventar rund 8,5 % des Gesamtvorrates Pinus-Arten, mehr als doppelt so viel wie im Schweizer Durchschnitt (Speich et al., 2011). In der Absicht, die genaue Verbreitung der Krankheit innerhalb des Kantons zu erfahren, wurden die Mitarbeiter des ForstBündner Wald 3 /2014 47
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dienstes geschult, um die durch die Rotbandkrankheit verursachten Schadbilder zu erkennen und verdächtige Föhren zu melden. So kann das tatsächliche Befallsgebiet eruiert und danach allfällige Massnahmen eingeleitet werden. Der Kanton ist bemüht, einer weiteren Ausdehnung der Krankheit entgegenzuwirken, diese einzudämmen oder zu tilgen. Literaturnachweis – Angst, A., 2012: Die Braunfleckenkrankheit – Quarantäneorganismus im Anmarsch. «Bündner Wald» 3/2012, S. 93 ff. – Speich, S.; Abegg, M.; Brändli, U.-B., Cioldi, F.; Duc, P.; Keller, M.; Meile, R.;
Rösler, E.; Schwyzer, A.; Ulmer, U., 2011: Drittes Schweizerisches Landesforstinventar – Ergebnistabellen im Internet. Zweite stark erweiterte Ausgabe. [Published online 31. 3. 2011] Available from World Wide Web <http://www.lfi.ch/resultate/>. Birmensdorf, Eidg. Forschungsanstalt WSL.
Alexander Angst, dipl. Forsting. ETH Eidg. Forschungsanstalt WSL Zürcherstr. 111, CH-8903 Birmensdorf alexander.angst@wsl.ch
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ank der grosszügigen Unterstützung der Gemeinde Innerferrera, vieler Sponsoren und einigen anderen Institutionen und natürlich auch dank der Freiwilligenarbeit von Vereinsmitgliedern und Sympathisanten, die unzählige Stunden in dieses Projekt investiert haben, konnte das Bergbau-Museum am 5. April 2014 eröffnet werden. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Abtauchen in längst vergangene Zeiten!
– Öffnungszeiten: von April bis Ende Oktober täglich 08.30 Uhr bis 18.00 Uhr
BERGBAU-MUSEUM INNERFERRERA
– Führungen & Exkursionen: Donnerstags geführter Museumsbesuch (nachmittags) Freitags geführte Exkursion in das Abbaugebiet Gruobas (ganzer Tag) Die Führungen können über Viamala-Tourismus gebucht werden. www.viamala.ch Weitere Infos über den Bergbau sind über den Naturpark Beverin erhältlich: www.naturpark-beverin.ch
BERGBAU-MUSEUM INNERFERRERA
Unterstützung finanzieller Art sind dem Verein sehr willkommen. Verein Erzminen Hinterrhein Graubündner Kantonalbank IBAN: CH 34 0077 4010 0705 4130 0 Ganz herzlichen Dank!
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Borkenkäfer aufgepasst: Dreizehenspecht
Abbildung 1: Männchen eines Dreizehenspechts beim Trommeln an einer toten Fichte. (Bild: Beat Wermelinger)
Der Klimawandel wird voraussichtlich häu figer zu idealen Bedingungen für eine Mas senvermehrung von Borkenkäfern, speziell des Buchdruckers (Ips typographus), füh ren: höhere Temperaturen und damit mehr Generationen pro Jahr, trockenere Sommer und damit unter Wassermangel leidende Wirtsbäume (Fichten) und möglicherwei se häufigere Stürme als Initialzündung für Ausbrüche. Borkenkäfergradationen sind gefürchtet, ganz besonders in fichtendo minierten Beständen. Borkenkäfer werden bekämpft durch rasches vorbeugendes Räumen umgeworfener Bäume nach Sturm ereignissen und durch die Zwangsnutzung befallener stehender Bäume. Borkenkäfer werden durch natürliche Feinde wie Spech te, räuberische und parasitische Insekten, Milben, Pilze und Mikroorganismen regu
liert. Dieses Beziehungsgeflecht ist sehr komplex und hängt auch von abiotischen Faktoren ab. Wie der Klimawandel sich auf diese über Jahrtausende entstandenen Be ziehungen auswirken wird, kann nur schwer abgeschätzt werden. Bei den forstlichen Tä tigkeiten sollten die natürlichen Gegenspie ler aber unbedingt mehr einbezogen und gefördert werden. Zu den auffälligsten Bor kenkäferfeinden gehören die Spechte. Die ser Artikel geht der Frage nach, ob sie und insbesondere der Dreizehenspecht Picoides tridactylus (Abb. 1) einen entscheidenden Einfluss auf die Dezimierung von Borkenkä fern haben. Mehr Spechte bei Käfergradationen In der Dynamik von Borkenkäferpopula tionen wird dem Frass durch Wirbeltiere Bündner Wald 3 /2014 49
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häufig eine untergeordnete Rolle zugesprochen. Es ist zwar bekannt, dass das Entfernen von befallenen Bäumen während der Latenzphasen zwischen den Massenvermehrungen Spechtpopulationen negativ beeinflussen kann. Denn sie und vielfältige andere Borkenkäferfeinde tragen während der Latenzphase zum natürlichen Gleichgewicht bei und halten die Käferpopulationen unter Kontrolle. Seit mehr als 40 Jahren weiss man aus Untersuchungen in Amerika, dass Spechte sich nach Störungen auf borkenkäferreichen Flächen ansammeln. Die Anzahl nahrungssuchender Dreizehenspechte kann bei einer Zunahme der Borkenkäfer stark ansteigen. Im Vergleich zu anderen Spechtarten ist diese Eigenschaft beim Dreizehenspecht Abbildung 2: Energieintensive Hackarbeit, um an die Käferlarven zu kommen. Die Schnabelspuren sind im Holz sichtbar. (Bild: Rita Bütler)
besonders ausgeprägt. Während Borkenkäfergradationen wurden in Amerika bis zu 22,2 Spechte pro Hektare gezählt, am meisten zwischen August und Dezember, wenn die Jungvögel sich vom Nesthabitat entfernen. Im Kanton Schwyz wurden im Sommer 1994 14 bis 16 Dreizehenspechte auf einer Hektare vom Borkenkäfer befallener Waldfläche gezählt. Auch die Dichte der brütenden Spechte pro Waldfläche kann um einen Faktor von 2 bis 21 in die Höhe schnellen. Dreizehenspechte sind Borkenkäferliebhaber Analysen von Kot und Mageninhalt von Dreizehenspechten geben Aufschluss über die Nahrungszusammensetzung. Die Nahrung von adulten Dreizehenspechten wird von Borkenkäfern, Bockkäfern und Spinnen dominiert. Während der Fortpflanzungszeit verzehren adulte Vögel vor allem Bockkäfer, ausserhalb der Brutzeit in erster Linie Adulttiere und Larven von Borkenkäfern. Jungvögel hingegen werden häufig mit Spinnen und Bockkäferlarven gefüttert. Die Konsumation von Borkenkäfern variiert also im Laufe des Jahres und ist während der Fortpflanzungszeit am geringsten. Im Nationalpark Berchtesgaden in Deutschland machten Borkenkäfer über 80 % der Nahrung adulter Dreizehenspechte aus. In Finnland betrugen Borkenkäfer 97 % der Insektenbeute vor der Fortpflanzungszeit, während in Amerika bei Borkenkäfer-Massenvermehrungen vor allem im Winter gar 99 % der Nahrung aus Borkenkäfern bestand. Ganz allgemein steigt der Anteil von Borkenkäfern in der Nahrung von Dreizehenspechten mit steigenden Käferpopulationen an. Bei einer Temperatur von –12 °C entspricht der Energiebedarf eines Dreizehenspechts einer Anzahl von 3200 Borkenkäferlarven pro Tag und bei 10 °C muss er immerhin
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Abbildung 3: Subalpine Fichtenwälder mit lichten Stellen, alten Bäumen und viel Totholz sind das bevorzugte Habitat. (Bild: Beat Wermelinger)
noch 1700 Larven verschlingen. Bei Brutbeginn reduziert der Specht den Borkenkäferanteil zugunsten von kalorienreicherer Nahrung wie z. B. den grösseren Bockkäferlarven. Eine Untersuchung aus der Schweiz schätzt die Anzahl vertilgter Larven, Puppen und Käfer auf ungefähr 670 000 Individuen pro Jahr und Specht. Die gesamte Schweizer Dreizehenspechtpopulation frisst also jährlich geschätzte 1,7 Mia. Borkenkäfer. Im Vergleich dazu wurden in 5000 bis 25 000 Borkenkäferfallen zwischen 1984 und 1999 im Durchschnitt jährlich 85 Millionen Borkenkäfer gefangen, mit den höchsten Werten nach dem Sturm Vivian mit 137 Millionen Individuen im Jahr 1992. Dreizehenspechte sind also viel effizienter als Käferfallen, besonders während der Latenzphasen. Grosse indirekte Zerstörungswirkung Nebst direkter Vertilgung von Käferlarven verursacht der Dreizehenspecht durch seine Sucharbeit an Baumstämmen auch indirekte
Mortalität von Käferbruten. Er ist nämlich ein sogenannter Hackspecht, der mit seinen Schnabelhieben unzählige Rindenstücke ablöst und darunter nach Nahrung stochert. Stösst er auf einen nahrungsreichen Baum, kann er diesen innert kurzer Zeit fast vollständig schälen (Abb. 2 ). Dadurch werden die Käferbruten widrigen Umwelteinflüssen ausgesetzt und sie sterben zum Beispiel durch Austrocknung oder ungünstige Temperaturen ab. Ausserdem befallen Pilze die Brutgalerien durch die von Spechten verursachten Löcher und können ihrerseits die Bruten zerstören. Borkenkäferbrut in abgefallenen Rindenstücken kann am Boden von anderen Vögeln oder Kleinsäugern gefressen werden. Wird die Borkendicke durch die Ablösung von Rindenteilen reduziert, kann dies auch zu erhöhter Parasitierung der Borkenkäferlarven führen. Denn so können auch Schlupfwespen mit kurzem Eiablagestachel unter der Rinde liegende Larven erreichen, die sie bei normal dicker Rinde nicht parasitieren könnten. Diese indirekten Bündner Wald 3 /2014 51
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Zerstörungsmechanismen von Borkenkäfern infolge der Hackarbeit von Dreizehenspechten sind noch deutlich grösser als der direkte Verzehr. Eine amerikanische Studie belegt, dass die Populationsdichte von Borkenkäferpuppen durch die Tätigkeit des Dreizehenspechts von 15,3 Individuen pro dm2 auf 1,0 sank, die Dichte von adulten Käfern von 14,2 auf 11,6. Borkenkäferdichten sind knapp unterhalb der Stammesmitte am höchsten. Dementsprechend verweilen Dreizehenspechte dort am längsten, die Männchen eher im unteren Bereich und die Weibchen etwas höher. Eine Untersuchung von 225 Nahrungsbäumen hat gezeigt, dass bei höherer Käferbefallsdichte die Sucharbeit der Spechte intensiver verläuft und die Zerstörungsrate der Bruten dementsprechend höher ist. Bei schwacher Suche (weniger als 25 % der Rinde zerstört) wurden immerhin 45 % der Borkenkäfer vernichtet, bei mittlerer Suchintensität (26 – 74 % der Rinde zerstört) wurde bereits 65 % der Brut getötet und bei intensiver Suche (mehr als 75 % der Rinde zerstört) gar 98 %. Als vorläufiges Fazit können wir also festhalten, dass Dreizehenspechte für die Regulation von Borkenkäferpopulationen in nadelholzdominierten Wäldern eine grosse Rolle spielen können. Spechtpopulationen bei geringem Nahrungsangebot gefährdet Die Spezialisierung der Dreizehenspechte auf Borkenkäfer bedeutet aber, dass ihre Populationsdichte durch das Vorhandensein geeigneter Nahrung, insbesondere Borkenkäfer, limitiert ist. Der Nahrungsengpass besteht vor allem im Winter. Fällt das Nahrungsangebot für das Winterhalbjahr unter die Mindestanforderungen, ist das Habitat für den Specht nicht mehr geeignet. Dreize-
henspechte bleiben nämlich im Winter stationär in ihren Territorien, die oft sehr klein sind: In Südnorwegen hielten sich Spechtmännchen zwischen Oktober und März auf nur 5,5 bis 8 Hektaren grossen Flächen auf. Manchmal verweilten die Spechte tagelang auf demselben Baum, bis er völlig abgeschält war. Das bedingt eine hohe Anzahl larvenhaltiger Bäume pro Fläche, eine Bedingung, die nicht jeder Fichtenwald erfüllt. Im Januar erreichen Spechte ihr geringstes Gewicht als Folge der Nahrungsknappheit und dem hohen Energiebedarf. Zwar verweilen Spechte bei der Nahrungssuche eine gewisse Zeit auf einem ergiebigen Nahrungsbaum, jedoch ist das Abhacken von Rinde energieintensiv und das Auffinden von Nahrungsbäumen manchmal schwierig. Im Schwarzwald machte ein Specht innerhalb von fünf Stunden 70 Baumwechsel und legte eine Wanderstrecke von ungefähr 700 Metern zurück. Die Abhängigkeit der Spechte von einem genügend hohen Nahrungsangebot lässt sich anhand dreier Beobachtungen erläutern. Erstens erhöhen sich die Spechtdichten bei der Zunahme von Borkenkäferpopulationen und nehmen mit dem Rückgang der Borkenkäferpopulationen wieder ab. Zweitens hängt die Grösse des Aktionsraumes der Dreizehenspechte direkt mit der Anzahl toter und lebender Fichten (> 30 cm Durchmesser) pro Hektare zusammen: Je mehr solche Fichten es hat, desto kleiner sind die Aktionsräume von Dreizehenspechten. Denn dicke Fichten haben eine dickere Bastschicht als dünne und können umso mehr und grössere Insekten beherbergen. Eine dritte Beobachtung betrifft den Bruterfolg, der in unbewirtschafteten Wäldern mit viel Totholz höher ist als in bewirtschafteten Wäldern mit Borkenkäfergradationen, wo aber die befallenen Bäume entfernt wurden.
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Genügend Totholz für grosse Spechtpopulationen Wenn Dreizehenspechte in hoher Populationsdichte vorkommen, sind sie zweifach nützlich: als effiziente Vertilger und indirekte Zerstörer von Borkenkäfern halten sie diese während Latenzphasen in Schach und im Falle von Käfergradationen helfen sie mit, diese einzudämmen. Natürlich können sie allein eine Massenvermehrung von Borkenkäfern nicht verhindern. Welches sind die Haupteigenschaften eines geeigneten Dreizehenspecht-Lebensraums? In Mittel- und Nordeuropa korreliert das Vorkommen von Dreizehenspechten mit dem Anteil von über hundertjährigen Wäldern, dem Anteil dicker Bäume und dem Totholzangebot (Abb. 3). Gemäss einer Untersuchung im Kanton Schwyz sind die Nahrungsbäume zu etwa 97 % Fichten, davon 90 % sterbend oder bereits abgestorben, mit einem mittleren Durchmesser von rund 40 cm. Anhand eines bioenergetischen Modells untersuchte eine Studie in sechs Gebieten der Schweiz die Anzahl toter Bäume, die für die Deckung des Nahrungsbedarfs von Dreizehenspechten nötig ist. Bei mindestens 14 Dürrständern von über 21 cm BHD pro Hektare beträgt die Wahrscheinlichkeit 90 %, dass der Dreizehenspecht genügend Nahrung findet. Das entspricht einem Anteil von ca. 5 % Dürrständern (oder einer Grundfläche von > 1,6 m2 Dürrständer pro Hektare oder einem Volumen von > 18 m3 pro Hektare). Das gesamte Totholzvolumen von stehenden und liegenden Bäumen sollte sich auf mindestens 33 m3 pro Hektare belaufen. Dasselbe durchschnittliche Totholzvolumen ( 30 m3 pro Hektare) konnte auch im Nationalpark Berchtesgaden in
Deutschland in Dreizehenspecht habitaten nachgewiesen werden. Fazit Die Waldwirtschaft sollte sich die Gratisarbeit der Dreizehenspechte im Kampf gegen Borkenkäfer zunutze machen. Das bedeutet, den Spechten kontinuierlich geeignete Habitate zur Verfügung zu stellen, damit sie bei Käfergradationen eine genügend grosse Grundpopulation haben. Dazu gehören in erster Linie genügend geeignete Nahrungsbäume in Form von absterbenden und toten Fichten, um den Nahrungsengpass im Winter zu überbrücken. Die Bekämpfungswirkung in einem lokalen Käfernest hängt in erster Linie davon ab, wie viele Jungspechte den Ort erreichen können. Spechte haben einen grösseren Einfluss, wenn sie ab Beginn des Ausbruchs vor Ort sind. In Wäldern, wo sie ganzjährig vorhanden sind und somit auch brüten, ist ihre Wirkung am grössten. Auf Anfrage ist das Literaturverzeichnis bei den Autoren erhältlich.
Rita Bütler Eidg. Forschungsanstalt WSL Zürcherstr. 111, CH-8903 Birmensdorf rita.buetler@wsl.ch
Beat Wermelinger Eidg. Forschungsanstalt WSL Zürcherstr. 111, CH-8903 Birmensdorf beat.wermelinger@wsl.ch
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Stabilitätsabschätzung mit moderner Kernfäulemesstechnik
Abbildung 1: Schall- und Widerstandstomograf PiCUS (links) und «Kernfäuleschnelltest» Rotfinder (rechts). (Bilder: A. Plotzki und J. Wunder)
Schutzwälder nehmen mehr als 40 % der Schweizer Waldfläche ein. In den Gebirgsregionen ist ihr Anteil zum Teil deutlich höher; hier tragen vor allem Fichtenschutzwälder wesentlich zum Schutz von Menschenleben und Infrastruktur vor Naturgefahren bei. Viele dieser Schutzwälder wurden vor 100 bis 150 Jahren aufgeforstet und teilweise bis in die 1950er-Jahre intensiv beweidet. In Bezug auf ihre Wirtschaftlichkeit und Stabilität gelten viele dieser Bestände als überaltert. Holzzersetzende Kernfäulepilze bauen das Kernholz von infizierten Waldbäumen ab und können so zu einer Destabilisierung des Baumes beitragen. Eintrittspforten für Kernfäulepilze sind oft Verletzungen wie z. B. Wurzelverletzungen im Zuge von Pflanzungen, Viehtritt durch (ehemalige) Waldweide oder auch Stammwunden infolge von Astoder Kronenbruch, insbesondere bei alten Bäumen. Über Wurzelkontakte oder -verwachsungen werden die Fäulen von befallenen auf gesunde Bäume übertragen. Für den Kernfäulebefallsgrad von Schutzwäldern liegen bisher keine genauen Zahlen vor, vorsichtige Schätzungen gehen von ca. 20 % aus, wobei lokal weit höhere Werte auftreten können. Derartige Bestände sind einerseits weniger schutzwirksam gegen-
über Naturgefahren, andererseits steigt mit dem Kernfäulebefall auch die Windbruchwahrscheinlichkeit. Es ist anzunehmen, dass insbesondere in den überalterten Beständen eine weitere Ausbreitung der Kernfäulen stattfindet. Von erhöhten Temperaturen infolge der erwarteten Klimaänderung werden wohl eher die relativ kurzlebigen holzzersetzenden Pilze als die langlebigen Bäume profitieren. Die erwartete Zunahme von Extremereignissen könnte die Stabilität weiter reduzieren: Zum einen dürfte Trockenstress die Baumabwehr reduzieren und somit die Wahrscheinlichkeit erfolgreichen Pilzbefalls erhöhen, zum anderen können stärkere Stürme zu grossflächigen Zusammenbrüchen kernfauler Bestände führen. Dies würde zumindest lokal zu einer massiven Reduktion der Schutzwirkung führen. Es fehlen aber nach wie vor verlässliche Abschätzungen über den Kernfäulebefallsgrad und den damit verbundenen Stabilitätsverlust unserer Fichtenschutzwälder. Folglich fliessen diese wichtigen Informationen über das Vorhandensein von Kernfäule weder in die Beurteilung der Nachhaltigkeit von Schutzwäldern durch Forstpraktiker ein, noch können sie in aktuellen Waldsimulationsmodellen berücksichtigt werden.
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Abbildung 2: Markierung der Fäulnisstellen nach Zersetzungsgrad (Breil GR). Kernfäuleerreger: Hallimasch Armillaria cepistipes. (Bild: J. Wunder)
Im vorliegenden Projekt wurde der Kernfäulebefallsgrad in ausgewählten Schutzwäldern Graubündens erstmals mit hochauflösenden bildgebenden Verfahren erhoben. Dabei wurde das Innenleben von Bäumen mit verschiedenen neuartigen Messverfahren «durchleuchtet», einerseits mit HighTech-Schall- und Widerstandstomografie (PiCUS), andererseits mit einem relativ einfachen Messinstrument, geeignet für die Anwendung in der Forstpraxis (Rotfinder). Folgende Forschungsfragen standen im Fokus der Untersuchung: – Wie hoch ist der Kernfäulebefallsgrad in ausgewählten Schutzwäldern im Gebirgskanton Graubünden – und was sind die Konsequenzen für die Schutzwaldstabilität? – Wie präzise lässt sich Kernfäulebefall mit der Tomografiemethode ermitteln? Wie gut schneidet demgegenüber ein einfaches, preisgünstiges und handliches «Schnelltest»-Gerät ab? Methoden Im Sommer 2013 wurden 100 zum Fällen angezeichnete Fichten in zehn hochmontanen und subalpinen Gebirgsfichtenwäldern
der Region Surselva (Graubünden) mit modernen Messgeräten zur Kernfäuleanalyse «durchleuchtet»: Jeder untersuchte Baum wurde dabei sowohl mit einem Schall- und Widerstandstomograf (PiCUS argus electronic GmbH, Rostock, Deutschland, Abb. 1 links) als auch mit einem relativ einfachen «Kernfäuleschnelltest» (Rotfinder, Malmö, Schweden, Abb. 1 rechts) analysiert. Im Herbst 2013 wurden 70 der angezeichneten Bäume an sieben Standorten gefällt, 30 Bäume (drei Standorte) wurden aufgrund von Zwangsnutzungen durch die Sturmschäden Anfang August 2013 zurückgestellt. Bei diesen sieben Standorten wurde jeweils der oberste Teil der stehen gelassenen Stümpfe mit einer Motorsäge entfernt, sodass eine ebene Schnittfläche auf Höhe der angezeichneten Tomografiemessebene entstand (Abb. 1, links). Ein zweiter Schnitt etwas unterhalb der Messebene wurde gemacht, um eine 2 bis 5 cm dicke Stammscheibe zu erhalten. Diese wurde gesäubert, beschriftet und zusammen mit einem nach Norden ausgerichteten Kompass fotografiert (Abb. 2). Quantitative Erfassung von Kernfäule – Schadengrad nach Graber Falls kernfaule Stellen vorhanden waren, wurden diese in drei Stufen klassifiziert. Dafür wurde das Klassifizierungssystem nach Kató (1967 ) und Graber (1996 ) leicht modifiziert: – Stufe 1: Holz verfärbt, mechanische Eigenschaften (geringfügig) beeinträchtigt, Holz noch schnittfest – Stufe 2: Holz verfärbt, mechanische Eigenschaften stark beeinträchtigt, jedoch Gefüge erhalten – Stufe 3: Holz weich und faserig aufgelöst, Struktur völlig verloren, sodass meist im Stamm eine Höhlung entsteht Für jede Stufe wurde die zugehörige Fläche bestimmt (Fäulestufen als Farbcodes auf Bündner Wald 3 /2014 55
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Rotfinder: kernfaul Schadengrad: 259 ‰ Kernfäule-Erreger: Wurzelschwamm (Heterobasidion parviporum)
Rotfinder: gesund Schadengrad: 0 ‰ Kernfäule-Erreger: keine
Abbildung 3: Im vorgestellten Projekt wurden zwei Messgeräte vergleichend analysiert, einerseits der Schall- und -Widerstandstomograf (PiCUS), andererseits der Rotfinder «Kernfäuleschnelltest». Bild links: PiCUS-Schalltomogramm. Hohe Schallgeschwindigkeiten deuten auf gesundes Holz hin (braun), wohingegen kernfaules Holz zu relativ geringen Schallgeschwindigkeiten führt (violett und blau). Bild Mitte: PiCUS-Widerstandstomogramm. Gesundes Holz ist relativ trocken und führt zu hohen Widerstandswerten (rot), kernfaules Holz reduziert den Widerstand (blau). In gesunden Bäumen ist das «rote» Kernholz von «blauem» Splintholz umgeben, Kernfäule führt zu einem «umgekehrten» Bild. Bild rechts: Stammquerschnitt der gefällten Fichte. Rotfinder: Die qualitative Abschätzung des Rotfinders basiert auf einer punktuellen Widerstandsmessung. (Bilder: J. Wunder)
Plastikfolien, Abb. 2) und der Schadengrad wie folgt berechnet:
Schadengrad [‰] = 2 A1 − + 7 A2 − + 10 A3 − A A A
Für die resultierenden Schadengrade muss beachtet werden, dass diese nur theoretisch einen Wert von 1000 ‰ erreichen können, da derart faule Bäume nicht mehr standfähig sind.
Identifizierung der Erregerpilze Um die Erreger der Kernfäulen zu bestimmen, wurden von den faulen Stellen der Fichtenscheiben Holzwürfelchen entnommen, oberflächensterilisiert und auf Agar-Medium aufgelegt. Von den aus den Holzstücken auswachsenden Pilzmyzelien wurden Reinkulturen hergestellt. Die drei wichtigsten Kernfäuleerreger – Hallimasch (Armillaria sp.), Wurzelschwamm (Heterobasidion sp.) und Nordischer Porling (Climacocystis borealis) – wurden morpholoBündner Wald 3 /2014 57
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gisch bestimmt. Die genaue Artbestimmung erfolgte mithilfe von DNA-Analysen. 69 % faule Bäume Insgesamt wurde bei 69 % aller gefällten Fichten (n = 70 ) eine Fäule festgestellt, deren Ausmass jedoch stark variierte. Bei 40 % der kernfaulen Bäume wurden die oben genannten typischen Kernfäuleerreger identifiziert; bei weiteren 37 % wurden verschiedene andere Pilzarten isoliert. Bei 23 % der faulen Fichten konnte kein Erreger isoliert werden. Es handelte sich hierbei vor allem um Bäume mit beginnender Fäule. In einer früheren Studie zur Stammfäule in den Regionen Prättigau und Hinterrhein/Avers wurden bei insgesamt 70 % der untersuchten Bäume Fäulen (Kern- und/oder Wundfäulen) gefunden, wobei durchschnittlich 57 % der Bäume kernfaul waren (Huber et al. 1996 ). Graber (1996 ) zeigte, dass bei drei untersuchten Voralpenbeständen mit minimaler Bewirtschaftung eine «Grundbelastung» von ca. 15 bis 20 % Kernfäulebefall vorliegt – über alle seine Standorte gesehen wiesen knapp die Hälfte der untersuchten Fichten nördlich der Schweizer Alpen eine Kernfäule auf (Graber 1996). In einer nach dem Sturm Lothar durchgeführten Studie von Rigling ( 2005 ) wurde ein Fäulebefall von 48 % bei den stehen gebliebenen Fichten diagnostiziert – Fichten mit Stockbrüchen wiesen zu 100 % Fäule auf. Man muss jedoch beachten, dass in diesen Studien Bäume mit sehr kleinen Fäuleflächen bereits als «kernfaul» eingestuft wurden. Diese schwachen Fäulen haben keine grosse praktische Bedeutung und werden durch die angewendete Gewichtung (Schadengrad) entsprechend relativiert. Die Erfassung kleiner Kernfäulen ist jedoch sinnvoll, da bei diesen Bäumen oft bereits die Wurzeln faul sind. Zudem ist
bei einem fortlaufenden Wachstum auch eine Zunahme des Fäulebefalls im Stamm wahrscheinlich – die Bäume könnten somit in naher Zukunft zu stark kernfaulen Bäumen werden. Die durchschnittlichen Schadengrade pro Untersuchungsgebiet (vereinfacht nach Graber 1996 ) variieren stark zwischen 3 und 178 ‰. Vier der fünf ehemals beweideten Flächen weisen mit Abstand die höchsten Kernfäuleschäden auf (Riein – Plaunca, Breil – Sut Plaun Grond, Trun – Sur Seivs, Ruschein – Sut Alp Dado), einzig im ehemals beweideten Obersaxen – Zavragia ist der Kernfäulebefallsgrad relativ tief. Das höchste Befallsausmass auf den nicht beweideten Standorten wurde in Breil – Uaul Bacun gemessen – an den mit Abstand stärksten Bäumen (durchschnittlicher BHD: 72 cm) Gutes Abschneiden von Tomograf und «Kernfäuleschnelltest» Beide hier verwendeten Messgeräte können verlässlich Kernfäule erkennen. Der PiCUSSchall- und -Widerstandstomograf zeigt eine beachtliche Detailtreue über das Ausmass der Fäule (siehe Abb. 3). Der Rotfinder-«Schnelltest» erzielt mit einer Messdauer von nur zwei bis drei Minuten pro Baum eine ähnlich hohe Leistung in der qualitativen Kernfäulebestimmung wie der deutlich komplexere Picus-Tomograf (Messdauer 20 bis 30 Minuten). Schlussbemerkungen Die fast 70 % kernfaulen Bäume deuten daraufhin, dass die Schutzwaldstabilität zumindest stellenweise reduziert ist, insbesondere in ehemals beweideten Beständen. Die verwendeten Messgeräte zeigen zuverlässig Kernfäulen an, wobei sich der Rotfinder mit seiner einfachen Handhabung und kurzen Messdauer als Gerät für die Forstpraxis eig-
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nen könnte. Das Messgerät könnte zu einer nachhaltigen Schutzwaldbewirtschaftung beitragen, einerseits durch eine systematische Erfassung des Kernfäulebefallsgrades von wichtigen Schutzwäldern z. B. oberhalb von Autobahnen oder Eisenbahnlinien, in denen so frühzeitig kernfaule Bäume aus dem Bestand herausgenommen werden können. Andererseits könnte direkt beim Anzeichnen der Kernfäulebefallsgrad bestimmt und mit Farbspray am Baum markiert werden – und somit die Sicherheit bei den Holzfällarbeiten erhöht werden. Ein solcher «Schnelltest» wäre nicht nur für Schutzwälder, sondern allgemein für bewirtschaftete Wälder von grossem ökonomischen Interesse, da mit herkömmlichen Methoden nur ungenau abgeschätzt werden kann, ob ein Baum kernfaul ist oder nicht.
va sowie den Mitarbeitern des Amtes für Wald und Naturgefahren in Chur und Ilanz für die tatkräftige Unterstützung des Projektes. Weiterhin danken wir Peter Brang für fruchtbare Diskussionen, Harald Bugmann für die logistische Unterstützung des Projektes sowie dem Wald- und Holzforschungsfonds ( WHFF ) des Bundesamtes für Umwelt ( BAFU ) für den finanziellen Beitrag zur Realisierung dieser Forschungsarbeit.
Das Literaturverzeichnis kann bei den Autoren angefordert werden.
Jan Wunder
Danksagung Wir danken Anna Plotzki, Veronique Ringwald, Dieter Trummer und Lukas Rigling für ihre wertvolle Hilfe bei der Feldarbeit und den Revierförstern der Region Sursel-
Wunder Consulting, 8836 Wald jan@wunder.co.nz Eidg. Forschungsanstalt WSL 8903 Birmensdorf jan.wunder@wsl.ch Co-AutorInnen: Zoe Bont, WSL Daniel Rigling, WSL Andreas Rigling, WSL
Wald- und Holzforschungsfonds des BAFU Der Fonds zur Förderung der Wald- und Holzforschung hilft praktisch und effizient. Er unterstützt Projekte, die die Wettbewerbsfähigkeit der schweizerischen Wald- und Holzwirtschaft verbessern. Haben auch Sie eine Projektidee aus der Praxis? Mehr Informationen gibt es unter www.bafu.admin.ch/whff.
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Regionalleiter Christian Barandun geht in Pension Ich bin Christian – genannt Hitsch – zum ersten Mal begegnet, als ich noch Student war. Die Begegnung fand in seinem Wohnort Churwalden statt, wo er als Sohn des Pfarrers aufgewachsen war. Eine Bekannte hatte mich darauf hingewiesen, dass dieser Mann am Stammtisch ein Forstingenieur sei, der am Forstinspektorat – dem Ziel aller Bündner Forststudenten – arbeite. Damals, vor über 30 Jahren, hatten wir jungen Forstleute noch gewaltigen Respekt vor den Forstingenieuren des Inspektorats – weil ja eben jeder von uns dort Mitarbeiter werden wollte. Wie es sich für den Sohn eines Pfarrers gehört, hatte er nach der Grundschule in Churwalden an der EMS (Evangelische Mittelschule in Schiers) die Maturität erlangt. Das Studium der Forstwissenschaften an der ETH schloss er 1978 ab, nachdem er das forstliche Praktikum in St. Gallen und in Turtmann, im Wallis, absolviert hatte. Das Thema seiner Diplomarbeit lautete: «Erschliessungsprobleme des linksseitigen Albulatales, von Filisur bis Tiefencastel». Wer Hitsch kennt, der weiss, dass er das Thema und vor allem den Ort nicht rein zufällig gewählt hatte. Nach einer lehrreichen Zeit als Freierwerbender ( 78 – 82 ) wurde er 1983 als akademischer Mitarbeiter beim Forstinspektorat gewählt. Fortan überwachte er die Freierwerbenden bei den Stichproben und betreute die Wirtschaftsplanrevisionen. Sein Ziel war aber nicht der rückwärtige Dienst, sondern die Front. Ein erster Versuch ins Schanfigg missriet, wenn auch nur sehr knapp. Der zweite gelang dann umso glanzvoller. Aus 13 Anwärtern wählte die Regierung auf den 1. Juli 1984 Hitsch zum neuen Leiter des Forstkreises 17 (Albula). Aus der Zeit als Kreisförster gibt es über Hitsch nur Positives zu berichten, zumin-
dest finden sich keine andern entsprechenden Akteneinträge. Eine Anmerkung meines Vorgängers Andi Florin möchte ich noch erwähnen, als kleine Anekdote: «Am 2. 3. 1995 lud CB «turnusgemäss» seine Mittelbündner Forstkollegen zu einem Skitag ein. «Traktanden/Aktivitäten» waren Skifahren im Skigebiet Darlux, kleine Skitour in unmittelbarer Nähe des Skigebietes, Spaziergang im Skigebiet Darlux. Zeit: 8.45 bis ca. 16 Uhr. Bemerkung Flo zum Verteiler: Forstkreise 13, 15 – 17 Club?» Damit wird auch erhellt, dass Hitsch ein begeisterter und ausgezeichneter Skifahrer ist. Im April 1999 wurde Hitsch – im Zuge der Reorganisation des Bündner Forstdienstes – zum Leiter der Region Mittelbünden-Moesano berufen. Es gelang ihm in den darauf folgenden – nicht immer ganz einfachen – Darf ich vorstellen: Praktikant Hitsch Barandun. (Bilder: zVg. Ursula Barandun)
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Jahren, die ausgedehnte und anspruchsvolle Region ausgezeichnet zu organisieren. Seine konsequente und umsichtige Führung – immer auch mit Blick auf die Bedürfnisse der Gemeinden und Forstbetriebe – und seine Gabe, die Dinge zu Ende zu denken und auch zu Ende zu führen, brachten ihm viel Respekt ein, bei den Waldeigentümern, Förstern, Mitarbeitern und auch seinen Vorgesetzten. Hitsch hat seine vorzeitige Pensionierung auf Ende April 2014 beantragt. Ich verliere mit ihm einen ausgezeichneten und engagierten Regionalleiter. Es hat mich in den letzten Jahren immer wieder erstaunt, aber vor allem sehr gefreut, mit welchem Engagement er seine ANZEIGE
Hitsch Barandun als eifriger Wettkämpfer.
Aufgaben immer noch erfüllt hat. Seine Ungeduld passt überhaupt nicht zum Alter: Keine Spur von Altersmilde! Hitsch, ich lasse dich nicht gerne gehen und werde dich vermissen: Du bist aus dem richtigen Holz geschnitzt! Ich freue mich aber für dich und deine Frau, dass du deine grosse Energie auch einmal ausserhalb AWN und Wald einsetzen kannst und bin sicher, du wirst sie sinnvoll einsetzen. Ich danke dir im Namen des Bündner Forstdienstes für deinen tollen Einsatz.
Reto Hefti Kantonsförster AWN Loëstrasse 14, CH-7000 Chur reto.hefti@awn.gr.ch
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Vorschau «Bündner Wald» August 2014 Waldbau – Entwicklung und Strategien Auch der Waldbau unterliegt einer Art von Evolution. Im August möchten wir einige Zeichen, Erfahrungen, Lehren und Folgen unseres waldbaulichen Schaffens etwas genauer ansehen und uns Gedanken darüber machen, wie es wohl weitergeht und wo Einflussfaktoren zu finden sind. Wir suchen auch nach Antworten auf Fragen wie: «Welche waldbaulichen Ansichten hat die (Wald-)Wirtschaft?» oder «Beeinflusst die Nutzung auch den Waldbau?» Und natürlich blicken wir bei diesem Thema auch wieder zu den Nachbarn über die Landesgrenzen.
Vorschau auf die nächsten Nummern: Oktober 2014: Geologie in Graubünden Redaktion: Jörg Clavadetscher Dezember 2014: Wald und Klima Redaktion: Sandro Krättli
Redaktion: Jörg Clavadetscher
Herausgegeben von Graubünden Wald, Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden und der SELVA. Verleger: Südostschweiz Verlegerin: © Somedia (Südostschweiz Presse und Print Presse AG, Südostschweiz und Print AG), Print, CH-7007 CH-7007 Chur Sekretariat: SELVA, Chur Sekretariat: SELVA, Urs Rutishauser, ChristopheB Trüb, ahnhofBahnhofplatz platz 1, CH-7302 1, CH-7302 Landquart, Landquart, Telefon + 41 Telefon (0) 81 + 41 300 (0)22 8144, 300buendnerwald 22 44, buendnerwald Redaktoren: Jörg Redaktoren: Jörg Clavadetscher, Clava @ selva-gr.ch @ selva-gr.ch detscher, Revier forestal Revierdaforestal Val Müstair, da ValCH-7535 Müstair, CH-7535 Valchava,Valchava, Telefon + 41 Telefon (0) 81 + 41 858(0)588121, 858 forestal-muestair 58 21, forestal-muestair Sandro Krättli, @ bluewin.ch. @ bluewin.ch. Sandro AWN GR, Krättli, Sagastägstrasse AWN GR, Sagastägstrasse 96, CH-7220 Schiers, 96, CH-7220 TelefonSchiers, + 41 (0)Telefon 81 300+ 41 24 11, (0) 81 sandro.kraettli 300 24 11, @ sandro.kraettli wn.gr.ch. awn.gr.ch. Die @ aRedaktion Die behält Redaktion sich vor,behält Beiträge sichinvor, nicht Beiträge verlangter in nicht Form verlangter ohne Rückfrage Form ohne zu ändern. Rückfrage Herstellung: zu ändernSomedia Druckvorstufe Production, (Satz,Postfach Lithos, Belich508, tung) Kasernenstrasse 1, : Südostschweiz CH-7007 Presse Chur, und Print Telefon AG, + 41 Südostschweiz (0) 81 255 Print, 51 11,Antonin Fax + 41 Friberg (0) 81Druck: Südostschweiz 255 51 05. Erscheint sechsmal Presse und jährlich. Print AG, Süd Auflage: ostschweiz 1700 Exemplare Print, Postfach Inserate: Somedia 508, Kasernenstrasse Promotion, 1, CH-7007 Neudorfstrasse Chur, Telefon 17, CH-7430 + 41 (0)Thusis, 81 255Telefon 51 11,+ 41 Fax (0) + 4181(0)650 81 00 70, 255 Fax + 41 52 89. (0)Erscheint 81 650 00 sechsmal 74, thusis@somedia.ch jährlich. Auflage A 1700 bonnementspreise: CHF Exemplare Inserate: Südostschweiz 60.– (inkl. MwSt. Publicitas für Mitglieder AG, Neudorfstrasse Verein 17, CH-7430 Graubünden Thusis, Wald) Telefon Abonnemente/Adressänderungen: + 41 (0) 81 650 00 70, Fax + 41 Aboservice, (0) 81 650Postfach 00 74, thusis@so-publicitas.ch 508, Kasernenstrasse 1,A CH-7007 bonnementspreise: Chur, CHF Telefon 60.– + 41 (für(0) Mitglieder 81 255 54 Verein 54, abo Graubünden Wald) www.buendnerwald.ch Abonnemente/Adressänderungen: Südostschweiz Presse und Print AG, @ somedia.ch, Postfach Für Inseratetexte 508, Aboübernimmt und Zustellservice, die Redaktion Kasernenstrasse keine Verantwortung, 1, CH-7007auch Chur, muss Telefon die Meinung + 41 (0) 81 der255 Beiträge 50 50,nicht mit der Ansicht www.buendnerwald.ch der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Für Vorschläge Inseratetexte der Redaktion übernimmt einzureichen. die Redaktion keine Verantwortung, auch muss die Meinung der Beiträge nicht mit der Ansicht der Redaktoren übereinstimmen. Autoren, die zu obenstehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Vorschläge der Redaktion einzureichen.
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