Skip to main content

BueWa_02_2026_low

Page 1

Bündner Wald

Versammlung Graubünden Wald

Jahrgang 79 | April 2026


ANZEIGE

ANZEIGE

Für jeden Einsatz haben wir die passende Maschine. • • • • • • • •

Eco-log 590e mit Traktionswinde Eco-log 560e mit Mehrbaumaggregat John Deere 1510E mit Traktionswinde John Deere 1010E Eco Log 574 F mit 800er Bereifung Hacker Albach Diamant 2000 Spezialschlepper mit 9+13t Seilwinde und starkem Kran mit Greifersäge Bobcat mit Seilwinde und Zubehör

Ihr Spezialist für die vollmechanisierte Holzernte am Hang! Volktrans GmbH

Neulöserweg 5 7205 Zizers Tel: 079 246 52 16 Mail: info@volktrans.ch

www.volktrans.ch


16 Inhalt Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Herzlich willkommen in Thusis . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Portrait der Gemeinde Thusis . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Forstrevier Thusis/Masein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Die Nollaverbauungen im Wandel – Ersatzneubau der Sperre 8 . 16 fiba holzbau AG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Der Waldentwicklungsplan (WEP) am Beispiel des Revierforstamts Thusis-Masein . . . . . . . . . . . . . . . 26 Möbelwerkstatt Viamala GmbH . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Waldhütte Crappasusta, Thusis . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Waldwegsanierung in Mutten im Verbund gemeistert . . . . . 34 Regionalprodukte im Tourismusmarketing – eine Chance für nachhaltige Entwicklung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 Aktivitäten Kulturtenn Obermutten . . . . . . . . . . . . . . . 44 Mutten/Obermutten: Die Walsersiedlung und beliebtes Ausflugsziel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 Ein Marktplatz, der lebt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Die Forstunternehmung Kunfermann Forst AG . . . . . . . . . 49 Im Bregenzer Wald zu Gast . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 Jahresbericht 2025 des Vereins Graubünden Wald . . . . . . . 54 Jahresrechnung 2025 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 Budget 2026 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 Erläuterungen des Kassiers zur Erfolgsrechnung und Bilanz 2025 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 Generalversammlung 2026 des Vereins Graubünden Wald . . . 61 Anmeldetalon . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Vorschau «Bündner Wald» Juni 2026 . . . . . . . . . . . . . . 63 Titelbild: Die Altstadt von Thusis zeigt sich farbig und traditionell.

(Bild: demateo.com)

34

40


Blick auf Thusis, Austragungsort der diesjährigen Versammlung von Graubünden Wald.

(Bild: Philip Christen)


Editorial Liebe Leserschaft des «Bündner Wald» Die diesjährige Versammlung führt uns nach Thusis. Thusis ist ein Ort, durch den meist nur auf dem Weg in den Süden gefahren wird. Doch wer kurz innehält, merkt schnell, Thusis hat weit mehr zu bieten als nur eine Durchfahrt. Da wäre natürlich die weltbekannte Viamala-­ Schlucht, die seit Jahrhunderten Reisende beeindruckt. Doch auch rund um das Städtchen selbst eröffnet sich eine überraschend vielfältige Landschaft. Wälder, Schluchten und hohe Berge prägen die Umgebung und verleihen der Region ihren besonderen Charakter. Thusis zählt heute rund 3500 Einwohnerinnen und Einwohner. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 1675 Hektaren – vom Talboden (Thusis) auf 720 m ü. M. bis hinauf zum Muttnerhorn auf rund 2400 m ü. M. Diese Höhendifferenz sorgt für eine erstaunliche landschaftliche Vielfalt. In den Wäldern der Gemeinde Thusis und Masein findet sich besonders interessantes Holz. Hier wächst hochwertiges Klangholz, das wegen seiner feinen Jahrringe besonders geschätzt wird. Vor allem in den Nordlagen der Beverinkette finden sich diese wertvollen Fichten. Vielleicht entsteht aus ­diesem Holz später einmal ein Instrument? In Thusis sind zwei innovative Holzunternehmen zu Hause. Eine davon erstellte die Waldhütte Crappasusta, die aus einheimischem Holz angefertigt wurde, das sogar in der gemeindeeigenen Sägerei Dalin verarbeitet wurde. Doch nicht nur der Wald prägt die Region. Auch der Tourismus spielt eine wichtige Rolle. Eine besondere Bedeutung hat dabei die Rheinwaldziege – eine robuste und traditionsreiche Ziegenrasse, deren Haltung in der Region gezielt gefördert wird. Aus ihrer Milch und ihrem Fleisch entstehen vielfältige Produkte: Käse, Fleischspezialitäten und sogar Glaces. Wer Geissenprodukte liebt – oder sie einmal ausprobieren möchte – ist hier also genau richtig.

6

In dieser Gemeinde sind aber auch eine Vielzahl kleiner Unternehmen und Vereine tätig. Vielleicht hat Thusis doch mehr zu bieten, als man denkt. Viel Spass beim Lesen! Laura Nett-Brunner, Redaktorin


Herzlich willkommen in Thusis Mit Thusis haben Sie für Ihre Generalversammlung von Graubünden Wald einen traditionsreichen und zugleich dynamischen Zentrumsort im Herzen Mittelbündens gewählt. Das freut uns sehr. Thusis zählt rund 3500 Einwohnerinnen und Einwohner und gehört damit zu den zwölf grössten ­Gemeinden im Kanton Graubünden. Als historischer Verkehrsknotenpunkt zwischen Nord und Süd ist unsere Gemeinde seit jeher ein Ort der Begegnung, der Wertschöpfung und der Entwicklung. Diese Rolle prägt uns bis heute. Thusis bietet eine hohe Lebensqualität mit vielseitigen Sport und Freizeitmöglichkeiten: Fussballplatz, Tennisanlagen, Waldbadi, Trail Center, Vita Parcours sowie ein Campingplatz bereichern das Angebot für Einheimische und Gäste gleichermassen. Zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten, ein starkes Gewerbe und vielfältige Arbeitsplätze machen Thusis zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort der Region. Als Gesundheitszentrum mit Spital, Alters- und Pflegeheimen sowie Spitex-Diensten trägt die Gemeinde Verantwortung über ihre Grenzen hinaus. Die Stützpunktfeuerwehr, der Revierforst sowie die gut ausgebaute Sicherheitsinfrastruktur unterstreichen die Bedeutung von Thusis als regionaler Mittelpunkt. Mit der Truppenunterkunft des Militärs verfügt Thusis zudem über eine Infrastruktur, die sich auch bei Grossanlässen als strategischer Vorteil erweist. In einer Bergregion wie der unseren kommt dem Wald eine besondere Bedeutung zu. Er schützt Siedlungen und Verkehrswege, sichert Lebensräume und bildet die Grundlage nachhaltiger Wertschöpfung. Der Austausch innerhalb der Branche ist entscheidend, um diesen Auftrag auch in Zukunft verantwortungsvoll wahrzunehmen. Thusis wächst stetig und verfügt über weiteres Entwicklungspotenzial. Wir sind überzeugt, dass unsere Gemeinde auch künftig gesund und nachhaltig wachsen wird – im Einklang mit Natur, Wirtschaft und Gesellschaft.

Leo Bassy.

(Bild: zVg)

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Generalversammlung und einen angenehmen Aufenthalt in Thusis. Leo Bassy, Vize-Gemeindeammann Gemeinde Thusis

7


Portrait der Gemeinde Thusis Leitsatz: Wer den Charme einer naturnahen Wohngemeinde zu schätzen weiss und gleichzeitig vom Komfort einer städtischen Infrastruktur profitieren möchte, der ist in Thusis gerne zu Hause. Marco Bonorand

Historisches Der historisch erstmals 1156 erwähnte Ort Thusis verdankt sowohl seine Entstehung wie seine Entwicklung in den folgenden Jahrhunderten vor allem dem Durchgangsverkehr zu und von den Alpenpässen Splügen und San Bernardino. Der Ursprung von Thusis steht mit dem Bau und der Sicherung der Rheinbrücke, die eigentliche Entwicklung seit der Verlegung der Transitstrasse von der Domleschgerauf die linksrheinische Heinzenberger-Talseite mit der Verbesserung des Viamala-Durchgangs im Zusammenhang.

Die Neudorfstrasse präsentiert sich im Winterkleid.

8

Vor diesem unüberwindlichen Verkehrshindernis «staute» sich der Verkehr. Um der Konkurrenz anderer Alpentransversalen entgegenwirken zu können, wurde die Viamala 1473 (Viamalabrief) dem «Rad geöffnet». An diesem entscheidenden Ausbau haben die Thusner Transpörtler, die sich in «Porten» genossenschaftlich organisiert hatten, wesentlichen Anteil gehabt. 1738/39 wurde mit dem Bau der Wildenbrücken (1. und 2. Viamala-Brücke) die Strasse am gefährlichsten Teil auf die rechte Flussseite verlegt (heutige Kantonsstrasse). 1821–1823 wurde die Strasse,

(Bild: Philip Christen)


Thusis aus einer Gesamtbetrachtung mit Blick auf das Domleschg.

die bisher oberhalb Thusis über den Oberen Boden nach Rongellen führte, in den Osthang des Crapteig durchs «Verlorene Loch» verlegt. Damit war die ganze Viamala bezwungen. Wie bekannt und wichtig Thusis mit seinen Warenhäusern, Gaststätten und Pferdeställen für 400 Pferde als Etappenort im Laufe der Zeit geworden war, zeigt die Tatsache, dass nach dem grossen Brand von 1845, bei dem an die 80 Häuser und ebenso viele Ställe ein Raub der Flammen wurden, für den raschen Wiederaufbau des Ortes ansehnliche Gelder z. B. aus Zürich, Lindau, Ravensburg, Hamburg, Mailand und Venedig gespendet wurden. Durch die Eröffnung der Gotthardbahn im Jahr 1882 kam der mit Pferdewagen und Kutschen bewältigte Transitverkehr schlagartig zum Erliegen. Man bemühte sich aber immer wieder, den Verkehr erneut zurückzugewinnen. Um die Jahrhundertwende entstanden ein Splügen- und ein San-Bernardino-Bahn-

(Bild: Philip Christen)

projekt und beim Aufkommen des Benzinmotors schon 1927 das erste Projekt für einen San-Bernardino-Strassentunnel. Krisen- und Kriegsjahre verhinderten zwar zunächst die Verwirklichung dieses Plans, aber am 1. Dezember 1967 wurde der erste Nationalstrassen-Alpentunnel, eben der San-Bernardino-Tunnel, dem Verkehr übergeben. Er brachte Thusis ungeahnten Durchgangsverkehr, der nach der Eröffnung des Gotthard-Strassentunnels allerdings wieder leicht zurückging. Thusis – echt lebenswert! Städtischer Charakter mit ländlichem Charme – eine starke Infrastruktur und eine attraktive Lage machen Thusis zum Zentrumsort mit hoher Lebensqualität. Wer den Charme einer naturnahen Wohngemeinde zu schätzen weiss und gleichzeitig vom Komfort einer städtischen Infrastruktur profitieren möchte,

9


Mutten – Idyllisch und ruhig am Fusse des Muttnerhorns gelegen.

der ist in Thusis gerne zu Hause. Umgeben von der imposanten Kulisse der Bündner Berge und eingebettet in eine attraktive Alpenlandschaft, ist unsere Gemeinde ein wichtiger Zentrumsort für die Region Mittelbünden. Chur liegt nur einen Katzensprung entfernt, die Ferienregion Viamala wartet direkt vor der Haustür. Heute zählt Thusis rund 3500 Einwohnerinnen und Einwohner. Entlang der Neudorfstrasse, dem belebten Zentrum von Thusis, tummeln sich zahlreiche Fachgeschäfte und Dienstleister, mehrere Banken und eine Postfiliale – die Sie alle gerne persönlich bedienen. Auch Supermärkte sowie eine Industrie- und Gewerbezone stehen Ihnen zur Verfügung. Mehrere Cafés, Restaurants und ein hochklassiges Hotel verwöhnen Sie mit regionaler ebenso wie internationaler Kulinarik. Geniessen Sie einen Spaziergang am grünen Rheinufer oder halten Sie am Ufer der Nolla, direkt

10

(Bild: Philip Christen)

hinter dem idyllischen Altdorf, einen Cervelat übers Feuer. Wer es spritziger mag, trimmt sich auf dem Vita Parcours oder taucht ein in die Bahnen unserer Waldbadi. Im neuen Trail-Center steht der Spass im Vordergrund: Kinder, Familien und weniger Geübte finden dort ebenso die Möglichkeit, ihre Fahrtechnik zu schulen, wie Fortgeschrittene. Über zehn verschiedene Vereine laden Sie ausserdem ein, gemeinsam aktiv zu sein. Die zahlreichen Winter- und Sommeraktivitäten auf den umliegenden Bergen lassen die Herzen aller Outdoor-Begeisterten höherschlagen: Im Sommer stehen Wandern und Biken ganz oben auf dem Programm. In Obermutten verfügt unsere Gemeinde über einen Skilift, pflegt eine Skatingloipe und bietet einen Ausgangspunkt für Ski- und Schneeschuhtouren. Die Skigebiete Feldis, Heinzenberg, Splügen, Lenzerheide und Savognin liegen in der unmittelbaren Nachbarschaft.


Als Station der «Grand Tour of Switzerland» sind wir eine attraktive Destination für den Tourismus und ein beliebter Ausgangpunkt für die Erkundung der Region Viamala. Eine Bildungsstätte und ihr kulturelles Angebot Thusis legt Wert auf zeitgemässe Bildung: Die Schulanlage Compogna beispielsweise zählt zu den modernsten der Region. Sie ermöglicht innovatives Lernen, das vom Kindergarten bis zur Oberstufe alle Altersstufen an einem Ort vereint. Familien profitieren zudem von verschiedenen Betreuungsangeboten ab dem Kleinkindalter, welche auch Mittagstisch und Hortzeiten einschliessen. Eine Musikschule, ein Kino, die Regionalbibliothek sowie mehrere Kirchgemeinden vervollständigen das kulturelle Angebot für Jung und Alt. Verkehrsort Thusis Thusis ist sehr gut erschlossen und seit jeher ein Verkehrsknotenpunkt der Region: Die Rhätische Bahn (RhB) sichert eine gute Verbindung für Berufspendler nach Chur; für das Postautonetz sind wir eine lebendige Drehscheibe mit direkter Verbindung ins Tessin. Thusis ist ausserdem ein wichtiger Bahnhof der Albulalinie und gehört damit zum UNESCO-­ Welterbe RhB. Gesundheit Ein umfassender Gesundheitssektor mit Spital, Spitex, Alters- und Pflegeheim, Arztpraxen, Apotheke und weiteren Angeboten sorgt von der Geburt bis ins hohe Alter für die Menschen unserer Gemeinde. Der Polizeistandort und ein regionaler Feuerwehrstützpunkt sind zudem Einrichtungen, dank denen Sie sich bei uns mit Sicherheit wohlfühlen. Fraktion Mutten Klein, aber fein, das ist die Fraktion Mutten mit den drei Unterfraktionen Untermutten, Stafel und Obermutten. Der idyllische Ort hoch über der Viamala- und der Schynschlucht ist ideal für erholsame

Aussenansicht der Reformierten Kirche in Obermutten.

(Bild: Reformierte Kirchgemeinde Mutten)

Ferien mitten in der Natur, abseits vom Rummel und bietet einen optimalen Ausgangspunkt für Schneeschuh- und Skitouren, Wanderungen und Biketouren. Unter anderem führt die 6. Etappe des Wal­ serwegs Graubünden von Thusis nach Obermutten. Die Initiative für einen Gemeindezusammenschluss ging ursprünglich von der Gemeinde Mutten aus. Reformierte Kirche Obermutten Die reformierte Kirche in Obermutten in Graubünden ist ein evangelisch-reformiertes Gotteshaus unter kantonalem Denkmalschutz. Die Kirche ist der einzige Sakralbau in der Schweiz, der gänzlich aus Holz besteht. Zudem ist sie die höchstgelegene Holzkirche in Europa. Erbaut wurde sie 1718 aus Lärchenholz. Im Zentrum des schlicht gehaltenen Inneren steht ein aus Holz gefertigter, mobiler Taufund Abendmahlstisch. Ihm zur Seite befindet sich eine einfache Kanzel ohne Schalldeckel. Auf einer leicht erhöhten Empore hinter dem Abendmahlstisch steht eine Toggenburger Hausorgel von 1807.

Marco Bonorand ist Gemeindekanzlist der Gemeinde Thusis.

11


Forstrevier Thusis/Masein Die Waldpflege, insbesondere die Schutzwald­ pflege, wie auch die Ausbildung von Fachkräften sind wichtig für die Zukunft. Solche nachhaltigen Investitionen prägen Landschaft und Bevölkerung, erhalten und fördern die Lebens­ qualität einer Gemeinde und einer Region. Philip Christen

1. Einleitung und Revierstruktur Das Forstrevier umfasst die Waldflächen der Gemeinden Thusis und Masein. Es liegt im Herzen Graubündens und ist geprägt durch die topographische Lage am Zusammenfluss von Hinterrhein und Albula auf 660 m ü. M. sowie die steilen Flanken der Beverinkette. Seit der Fusion mit der Gemeinde Mutten im Jahr 2018 vergrösserte sich die Waldfläche und reicht nun bis zum Muttner Horn auf 2400 m ü. M. Speziell ist, dass die ehemalige Gemeinde

Kartenausschnitt Forstrevier Thusis/Masein.

12

Mutten und Thusis keine gemeinsamen Grenzen hatten und die Fraktion Mutten heute noch wie eine Exklave auf dem Plan ist. Auf den Nordlagen der Beverinkette wächst das wertvollste Holz im Revier. Tiefgründige, frische Böden lassen qualitativ hochwertiges Holz wachsen, welches als Instrumentenholz im Kanton vermarktet wird. Auch in hohen Lagen wachsen mächtige Fichten, welche durch ihre Feinjährigkeit im Klangholzmarkt gesucht sind.

(Karte: MapGR)


Gegenhangaufnahme des Perimeters des Naturwaldreservats Aclasura.

Grosse Teile der Waldfläche befinden sich im Seilkranbereich. Seilkranarbeiten werden an Forst­ unternehmungen zur Ausführung vergeben. Die restlichen Flächen, welche im Bodenzuggebiet sind, werden mit dem eigenen Personal bewirt­ schaftet. Die Forstgruppe, bestehend aus zwei Lehrlingen, drei Forstwarten und einem Revierförster, erledigt alle möglichen Arbeiten innerhalb der Reviergren­ zen. Obwohl die Forst- und Werkgruppe seit der Fu­ sion getrennt ist, werden bei Bedarf auch Arbeiten im kommunalen Bereich ausgeführt. Der Wald erfüllt hier primär zwei Funktionen: – Schutzfunktion: Schutz der Siedlungsgebiete und der Verkehrsinfrastruktur sowie der Einhänge zum Nolla. – Nutzfunktion: Bereitstellung von regionalem Bauund Energieholz.

(Bild: AWN)

Flächenangaben und Hiebsatz Kenngrösse

Thusis

Masein

Total Revier

Waldfläche (ha)

1096 ha

172 ha

1268 ha

Schutzwaldanteil

ca. 72 %

ca. 55 %

ca. 61 %

3200 Tfm

800 Tfm

4000 Tfm

Hiebsatz

2. Naturwaldreservate Zusammen mit den Nachbarsforstrevieren Zillis-­ Schamserberg und Innerdomleschg wurde das Na­ turwaldreservat Aclasura eingerichtet. Öffentliche und private Waldeigentümer haben sich entschie­ den, für die nächsten 50 Jahre auf einer Fläche von 239 ha auf eine Nutzung zu verzichten. Das Naturwaldreservat Aclasura liegt auf der oro­ grafisch rechten Seite des Hinterrheins, gegen­

13


Pfanzelt Pm Trac 3825 mit Forstgruppe Thusis/Masein.

über der Ortschaft Rongellen. Westlich wird der Perimeter durch den Hinterrhein begrenzt. Gegen Osten verläuft die Perimetergrenze im Bereich der «Muttner Berge» entlang der Gemeindegrenze der Gemeinden Sils im Domleschg und Thusis. Der Perimeter des Naturwaldreservats Aclasura ist vorwiegend westexponiert. Der tiefste Punkt liegt an der nördlichen Grenze des Perimeters auf der Höhe des Hinterrheins auf rund 720 m ü. M. Der höchste Punkt bildet die östliche Perimetergrenze bei «Ober Aclasura» auf rund 1750 m ü. M.

14

(Bild: Philip Christen)

Im Gebiet Nolla ist ein weiteres Naturwaldreservat in der Ausarbeitung. Dort entsteht ein «Komplexwaldreservat», welches das Naturwaldreservat (224 ha) wie auch ein Sonderwaldreservat (398 ha) beinhaltet. Der Zweck des Sonderwaldreservats ist die Förderung des Lebensraums für das Auerhuhn. 3. Holzvermarktung Die Gemeinden Thusis und Masein sind Gründungsmitglieder des Vereins LENCA Graubünden. Seit 2007 wird sämtliches Holz über das System


LENCA direkt in die Sägereien oder den Endkunden verkauft. Auch die Unternehmerleistungen werden über das System abgewickelt. Dank Zugriff auf die Datenbank hat der Revierförster jederzeit Zugriff auf alle Daten und somit besteht höchste Transparenz. 4. Infrastruktur Im Jahr 2012 konnte der neue Werkhof bezogen werden. Das Holzgebäude ist so ausgelegt, dass der Forst- und der Werkdienst dort Platz finden. Neben Werkstatt und Garagenplätzen bietet der Forstwerkhof auch vier Büroarbeitsplätze, Garderoben und einen Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter. Im Jahr 2025 wurde eine neue Forstmaschine angeschafft. Der Systemschlepper Pfanzelt Pm Trac 3825 passt hervorragend in den Betrieb und wird eine Leistungssteigerung bei der Holzernte ermöglichen. Die Flexibilität lässt auch weitere Arbeiten zu. Im Anhängerbetrieb wird der Pm Trac für Holz- und Hackschnitzeltransporte sowie im Winter bei Bedarf zum Abtransport von Schnee im Dorf eingesetzt.

6. Zukunft Das Forstrevier Thusis/Masein pflegt die Waldfläche der beiden Gemeinden, kümmert sich um den Unterhalt der Infrastrukturen wie Waldstrassen, Kunst- und Schutzbauten und noch vieler anderer Einrichtungen. Es bietet Arbeitsplätze in der Re­gion. Wir bilden Lehrlinge aus, welche teilweise wieder bei uns als Ausgelernte angestellt sind. Wenn es Notfälle innerhalb der Gemeinde gibt wegen Unwetter oder anderen Ereignissen, dann ist immer jemand innert nützlicher Zeit vor Ort. Es ist, wie viele andere Forstbetriebe auch, wesentlich mehr als nur ein Forstbetrieb. Es ist wichtig, in die Zukunft zu investieren. Philip Christen ist Betriebsleiter des Forstbetriebs Thusis/ Masein.

5. Wärmeverbund Im Herbst 1994 wurde der Wärmeverbund in Thusis in Betrieb genommen. Zuerst waren öffentliche Gebäude (Schulhaus, Rathaus, Spital) im Fokus, um Wärme zu liefern. Nach und nach wurden viele andere private Gebäude am Netz angeschlossen. Im Jahr 2014 stand der Ersatz des Hackschnitzelofens an. Die Anlage wurde an Energie 360° verkauft, welche die Investition tätigte und inzwischen das Netz erweitert hat. Die Gemeinde Thusis ist beauftragt für Betrieb und Unterhalt sowie die Lieferung der Hackschnitzel. Es werden rund 4500 Sm3 pro Jahr verbrannt. Das Holz stammt aus dem Forstrevier Thusis/ Masein und den umliegenden Forstrevieren im Tal. Über alle Jahre, seit die Anlage in Betrieb genommen wurde, konnten über 5 Millionen Liter Heizöl eingespart werden.

15


Die Nollaverbauungen im Wandel – Ersatzneubau der Sperre 8 Die Nolla zählt zu den dynamischsten und gefährlichsten Wildbächen der Schweiz. Hochwasser mit grossen Geschiebefrachten prägen das Einzugsgebiet seit Jahrhunderten. Entsprechend wichtig ist der Wildbachverbau mit seinen zahlreichen Sperren, die grosse Geschiebemengen zurückhalten, die Talflanken stabilisieren und damit Siedlungen und Infrastruktur schützen. In der jüngsten Instandsetzung 2022–2024 wurden zentrale Abschnitte erneuert und die Schutzwirkung der Sperrenkette für künftige Ereignisse gesichert. Kernstück war der Ersatzneubau der Sperre 8, welche als erstes Bauwerk an der Nolla konsequent auch auf seitliche Rutschkräfte ausgelegt wurde. Christian Vögeli

Einzugsgebiet und Geologie Das rund 30 km² grosse Einzugsgebiet der Nolla liegt südwestlich von Thusis und markiert die Grenze zwischen dem Heinzenberg im Norden und dem Piz Beverin sowie dem Val Schons im Süden. Ihre beiden Quellbäche, die Wiss und die Schwarz Nolla, vereinigen sich auf einer Höhe von 1120 m ü. M. und münden bei Thusis auf etwa 680 m ü. M. in den Hinterrhein. Geologisch ist das Gebiet durch instabile Formationen und Hangbewegungen geprägt. Es besteht überwiegend aus Mergelschiefer und Kalkphylliten mit Sandsteineinlagerungen. Während die rechte Talseite den Bündnerschiefer-Decken zugeordnet wird, ist die linke Talseite durch Sackungen geprägt und als Moräne charakterisiert. Diese Instabilität begünstigt Erosion, Rutschungen sowie grosse Geschiebefrachten und macht die Nolla seit Jahrhunderten zu einem gefürchteten Wildbach. Historische Hochwasser und Gefahren Historische Quellen berichten wiederholt von heftigen Ereignissen. Bereits 1585 verzeichnete der Chronist Hans Ardüser ein verheerendes Hochwasser, das ganze Landstriche verwüstete. Auch 1705 zerstörte die Nolla mit grosser Gewalt Dämme,

16

Brücken und umliegende Gebiete, was die Region nachhaltig prägte. Im späten 18. Jahrhundert vertiefte sich das Nollatobel stark, wodurch der Heinzenberg gefährdet wurde und das Dorf Tschappina wegen der fortschreitenden Erosion gar vollständig abzurutschen drohte. Grosse Geschiebemengen verursachten zudem regelmässig Überschwemmungen im Domleschg und zerstörten die wichtige Nollabrücke bei Thusis mehrfach. Im frühen 19. Jahrhundert untersuchte der damalige Präsident der Linth-Aufsichtskommission, Hans Conrad Escher, die Ursachen der massiven Ero­ sionserscheinungen. Er führte die Probleme auf die grossflächige Abholzung der Bergflanken und die unkontrollierte Versickerung von Wasser zurück. 1828 präsentierte der Oberbauingenieur Richard La Nicca ein umfassendes Schutzprojekt, welches nebst der Verbauung der Nolla auch die Kanalisierung des Hinterrheins beinhaltete. Obwohl das Projekt auf grosses Interesse stiess, wurde zunächst nur der Hinterrhein korrigiert, da die finanziellen Mittel für die Verbauung der Nolla fehlten. Verbauung, Aufforstung und Entwässerung Erst nach erneuten katastrophalen Hochwassern in den Jahren 1868–1870 begann der Kanton mit


Entwässerungskanal aus Holz zwischen Glaspass und

Historische Baustelle an der Nolla.

Tschappina.

(Quelle: Tiefbauamt Graubünden TBA GR,

(Quelle: Kulturarchiv

Thusis-Viamala KAT, Urheber unbekannt)

Urheber unbekannt)

der Umsetzung der Verbauungsmassnahmen. 1870/­71 wurden unter der Leitung von Oberingenieur von Salis die ersten drei Sperren errichtet, bis 1901 wuchs das System auf 70 Sperren im gesamten Einzugsgebiet an. Ziel dieser Bauwerke war es, Geschiebe zurückzuhalten und der Rutschung am Heinzenberg durch eine Anhebung der Bachsohle entgegenzuwirken. Ergänzend wurden die kahlgerodeten Bergflanken am inneren Heinzenberg systematisch aufgeforstet und Wasser gezielt über kilometerlange Holzkanäle und Zementschalen aus instabilen Bereichen abgeleitet. 1910 wurde zudem der Lüschersee, der als zusätzlicher Risikofaktor für die Hangbewegungen galt, vollständig über einen unterirdischen Stollen entwässert. Diese Kombination aus wasserbaulichen und forstlichen Massnahmen trug wesentlich zur Beruhigung der Situation bei.

Komplett gerodete (oben) und später wiederaufgeforstete Bergflanke (unten) am inneren Heinzenberg. (Quelle oben: Amt für Wald und Naturgefahren AWN GR, Urheber unbekannt. Unten: Schweizerische Luftwaffe 1942)

Heutige Herausforderungen Die Verbauungen der Nolla werden bei Hochwassern durch enorme Mengen an Wasser und Geschiebe stark beansprucht. Weil viele der Sperren enorme Mengen Material zurückhalten, hat sich bis heute ein erhebliches Schadenspotenzial aufgebaut. Ein plötzliches Versagen einer solchen Sperre könnte Hunderttausende Kubikmeter Geschiebe

17


Übersichtskarte mit den Sperren an der Nolla. Schlüsselbauwerke (rot) werden weiterhin unterhalten und instandgesetzt. Standardbauwerke (violett) übernehmen heute keine übergeordnete Schutzfunktion mehr.

mobilisieren und verheerende Schäden an den Ver­ bauungswerken selbst sowie den Schutzgütern im Unterlauf verursachen. Ab dem Jahr 2020 wurde die Schutzwirkung sämt­ licher Sperren in der Nolla überprüft. Dabei wurden die Sperren entsprechend ihrer Funktion im Ge­ samtsystem als Schlüsselbauwerke und Standard­ bauwerke beurteilt. Standardbauwerke überneh­ men heute keine übergeordnete Funktion mehr im System und werden künftig nicht mehr unterhalten. Bei Schlüsselbauwerken sind der kontinuierliche Unterhalt und die regelmässige Instandsetzung nach wie vor unerlässlich. Instandsetzung 2022–2024 In den Jahren 2022–2024 wurden die zentralen Schlüsselbauwerke instandgesetzt. Bei Sperre 1 wur­ de die stark abrasierte Abflusssektion mit Granitblö­ cken erneuert, bei den Sperren 2, 4, 5 und 6 wurden

18

(Hintergrundkarte: Bundesamt für Landestopografie swisstopo)

Bauwerksschäden behoben, Abflusssektionen er­ neuert und Leitwerke repariert. Im Mittelpunkt stand der Ersatzneubau der Sperre 8. Die 1946/47 als Schwergewichtsmauer errichte­ te Sperre 8 war durch die seitliche Einwirkung von Rutschkräften in ihrer Stabilität stark beeinträchtigt und wurde 2020 zusätzlich durch ein Sommerhoch­ wasser weiter beschädigt. Die Bauwerksüberprü­ fung zeigte, dass die Gebrauchstauglichkeit der Sperre nicht mehr gewährleistet war und ein Ersatz­ neubau notwendig wurde. Mit dem Neubau der Sperre 8 hielt eine neue Ge­ neration von Sperrbauwerken Einzug in die Nolla­ verbauung. Die neue Sperre 8 wurde direkt an die bestehende Sperre angesetzt und ist das erste Bau­ werk an der Nolla, das statisch konsequent auch auf seitliche Rutschkräfte bemessen wurde. Eine inte­ grierte Vorsperre erhöht die Kippsicherheit und ver­ bessert die Gesamtstabilität.


Längsschnitt des Ersatzbaus inkl. Vorsperre (grün): der

Vorbereitung der Fundation (Schalung, Bewehrung) der links-

Ersatzbau wurde direkt an die bestehende Sperre 8 (grau)

seitigen Vorsperrenhälfte und Unterfangungsaushub der

gesetzt.

bestehenden Sperre 8 für die Baugrube des Seitenflügels.

(Plan: B. Schlegel AG)

Neue Sperre 8 über die ganze Höhe: vom Fundament bis

Setzen der Blocksteine am rechten Leitwerk mit dem

zum Flügel.

Schreitbagger.

(Bild: P. Christen, Gemeinde Thusis)

Planung und Umsetzung der neuen Sperre 8 Der Ersatzneubau wurde so geplant, dass die unterhalb liegende, ebenfalls schadhafte Sperre 7 künftig nicht mehr instandgesetzt werden muss. Die Fundationskote der neuen Sperre 8 ist so tief gewählt, dass selbst bei einem Komplettversagen der unterliegenden Sperre 7 die Stabilität der Sperre 8 gewährleistet bleibt. Zudem wurde die Überfallsektion um 1 m angehoben, wodurch sich oberhalb der Sperre eine höhere Sohlenlage einstellt und die Nettofallhöhe der Sperre 9 auf 2 m reduziert wird. Dadurch entfällt auch die Notwendigkeit zur Instandsetzung von Sperre 9.

Die Gesamthöhe der neuen Sperre 8 beträgt 17 m, ihre Nettofallhöhe 13,5 m. Die Sperre ist 43 m breit. Verbaut wurden rund 205 Tonnen Stahl, 1800 ­Kubikmeter Beton sowie 4000 Tonnen Blocksteine. Die Ausführung erfolgte etappenweise während den wasserbaulich günstigen Jahreszeiten Herbst und Frühling. Zunächst wurde die linke Hälfte der Vorsperre, der Seitenflügel sowie die linke Seite der Hauptsperre errichtet. Anschliessend folgte dieselbe Vorgehensweise auf der rechten Seite. In der abschliessenden Bauphase erhielt die Hauptsperre über ihre gesamte Breite ihre endgültige Höhe.

19


Neue Sperre 8 nach Bauabschluss mit Sperre 9 im Hintergrund.

Sicherheit und Herausforderungen während des Baus Zur Sicherung der tiefen Baugrube kamen Bewehrungsnetze, Spritzbeton und Anker zum Einsatz. Die Stabilität der bestehenden Sperre wurde währenddessen laufend mittels Laservermessung überwacht. Zusätzlich sorgte ein Hochwasser-Alarmierungskonzept in Zusammenarbeit mit MeteoSchweiz für die notwendige Arbeitssicherheit. Der Bauablauf wurde durch mehrere Hochwasserereignisse beeinträchtigt. Beim Ereignis vom 22.10.2022 wurde die Baugrube mit Geschiebe gefüllt. Drei weitere Hochwasser während der Bauzeit führten dazu, dass die Fertigstellung der Sperre 8 nicht wie geplant im Dezember 2023, sondern erst im Frühjahr 2024 erfolgen konnte.

Franken. Die Finanzierung erfolgte zu 35 % durch den Bund und zu 30 % durch den Kanton. Die Restkosten wurden von den perimeterpflichtigen Gemeinden Thusis, Tschappina, Urmein, Flerden, Masein, Sils i. D. und Cazis gemäss dem im Jahr 1985 vertraglich geregelten Kostenteiler getragen. Eine zusätzliche finanzielle Unterstützung erhielten die Gemeinden teilweise von gemeinnützigen Organisationen. Die effektiven Gesamtkosten beliefen sich auf 3,8 Millionen Franken, womit die veranschlagten Kosten eingehalten werden konnten.

Kosten und Finanzierung Die veranschlagten Gesamtkosten für die Nolla-Instandsetzung 2022–2024 lagen bei 4,0 Millionen

Christian Vögeli (Verfasser Artikel), Rolf Eichenberger und

20

Ivo Thaler (Projektleitung Instandsetzungsprojekt), arbeiten bei der Auin AG, La-Nicca-Strasse 6, 7000 Chur.


ANZEIGE

Ihr Partner für die professionelle Holzernte im Gebirgswald. ➢ Holzernte ➢ Transporte ➢ Holzhandel Ihr FSC und PEFC zertifizierter Partner vom Wald bis ins Sägewerk. ANZEIGE


fiba holzbau AG Die fiba holzbau AG ist bekannt als zukunftsorientierter Betrieb. Die fiba zeichnet sich durch Flexibilität, Innovation und breitem Angebot aus. Andreas Suhner

Die fiba Der Betrieb wurde 1995 von Gion Fravi und Christoph Baumann als FIBA Holzbau AG gegründet. Nachdem der Standort an der italienischen Strasse zu klein wurde, zügelte die Firma 2012 an den heutigen Standort Schnittaweg 16 im Gewerbequartier in Thusis. Die grosszügigen Hallen mit einer Fläche von 1800 m² erlauben ein effizientes Arbeiten. Die heutigen Geschäftsführer Joos Baumann und Linard Fravi sind die Söhne der beiden Gründer. Mit heute 15 Mitarbeitern, davon zwei Lernenden, wird nicht nur für die Region, sondern für den ganzen Kanton Graubünden produziert. Die fiba setzt sich zum Ziel eine möglichst hohe regio­nale Wertschöpfung zu erzielen. Dazu bezieht

sie, wenn möglich, das Holz aus der Region. Neben dem Holzbau ist die fiba auch Gesamtdienstleister (Beratung, Architektur, Bauleitung). Dabei arbeitet sie mit regionalen Partnerfirmen zusammen. Innovativ Um einheimisches Holz verarbeiten zu können und um eine hohe Wertschöpfung zu generieren, wurde 2019 eine Abbundanlage Hundegger ROBOT-­Drive 1300 angeschafft. Die Maschine hat ein 6-Achsund ein 5-Achs-Aggregat. Mit dem grossen Werkzeugmagazin sind alle Bearbeitungen möglich, und dies mit hoher Genauigkeit. Es können effizient alte Holzverbindungen wie z. B. Schwalbenschwanzverbindungen gefräst werden. Mit der Abbundmaschine werden 1500 m³ pro Jahr bearbeitet, davon sind 40% Lohnabbund. Ein Elementtisch, eine Einblasvorrichtung und eigene Wechselpritschen bieten optimale Voraussetzungen für den Holzrahmenbau. 2020 wurde der Leica RTC360 3D-Laserscanner ­gekauft. Mit diesem Scanner können schnell und genau Umgebungen in 3D erfasst werden und dienen via CAD cadwork als Grundlage für die e­ xakte Bearbeitung auf der Abbundanlage.

Beispiele von Arbeiten

Firstpfette mit Schwalbenschwanz-Ausfräsungen.

22

(Bilder: zVg)

Schulhaus Compogna, Thusis, 2018 Die Gemeinde Thusis hat das Unterstufenschulhaus mit vier Klassenzimmern als Gesamtdienstleister-Wettbewerb ausgeschrieben. Sieben Interessenten bewarben sich um den Auftrag. Die fiba konnte mit ihrer Lösung, erarbeitet mit einem Thusner Architekten, die Gemeinde überzeugen. Das Projekt konnte termin- und fristgerecht an die Gemeinde


Schulhaus Thusis mit heimischer Lärchenfassade.

Kurhaus Bergün, Aussenbereich mit Ruheraum.

übergeben werden. Die Lärchenfassade besteht aus Holz aus dem Wald in Thusis. Der damalige Projektverantwortliche von der Fiba Christoph Baumann betonte an der Eröffnung: – 80 % der Aufträge wurden im Tal vergeben. – 12% der Aufträge wurden im Kanton vergeben. – Damit flossen nur noch 8 % der Bausumme von 4 650 000 CHF ins Unterland. Damit erbrachte die fiba einen schönen Beweis dafür, dass mit dem nötigen Willen und Einsatz eine sehr hohe lokale Wertschöpfung möglich ist! Kurhaus Bergün, Wellnessanlage, 2000 Die Genossenschaft Kurhaus Bergün mit ihrem Architekten Heiner Dalcher-Wey vergab die Wellness­ anlage als Direktauftrag an die fiba. Das Geflecht

war ein Wunsch des Architekten und wurde in Zusammenarbeit mit der fiba konkretisiert. Diese spezielle Konstruktion war nur dank der Abbundanlage preiswert zu realisieren. Waldhütte Crappasusta, Thusis, 2023 Die bürgerliche Genossenschaft Thusis lud zwei Holzbaubetriebe zu einem Projektwettbewerb ein. Es wurde ein Saal für 80 Personen, Küche und entsprechender Infrastruktur gewünscht. Die fiba konnte dank ihrer grossen Erfahrung als Gesamtdienstleister die Genossenschaft mit einem sehr detaillierten Projekt inklusive Kostenrahmen nach BKP überzeugen. Als Gesamtdienstleister übernahmen sie die Verantwortung für Aushub, den Anschluss des abgelegenen Ortes an die öffentliche Versorgung sowie den

23


Waldhütte Crappasusta, Thusis.

Zweifamilienhaus in Holzelementbau, Jenins.

kompletten Innenausbau. Der Abbund mit der eigenen Anlage und das Aufstellen der Waldhütte vor Ort war dann «daily business». Die schlüsselfertige Übergabe gelang frist- und termingerecht: Das war möglich dank dem starken Netzwerk von einheimischen Partnern. Mit dem gegenseitigen Vertrauen können Fragen schnell und einfach gelöst werden. Die Schalung ist aus den Thusner Wäldern und wurde in der Gemeindesäge Dalin eingesagt. Zweifamilienhaus Jenins, 2023 Die fiba machte die Holzbauplanung und den Abbund. Das Haus ist ein Elementbau in Holzrahmenkonstruktion. Dabei wurden die Elemente fertig in der Halle montiert und mit Zellulose isoliert. Die Fenster wurden bei der Auslieferung bereits mon-

24

tiert und Elektrorohre und weitere Installationen waren schon eingebaut. Mit dieser Arbeitsweise können 80% der Arbeiten im Betrieb witterungsunabhängig ausgeführt werden. Der Aufbau vor Ort wurde in Zusammenarbeit mit einer lokalen Zimmerei ausgeführt.

Andreas Suhner, pensionierter Schreiner und CAD-­ Consultant, Thusis.


25


Der Waldentwicklungsplan (WEP) am Beispiel des Revierforstamts Thusis-Masein Der WEP sichert die vielfältigen öffentlichen Interessen am Wald und sorgt für dessen langfristig nachhaltige Nutzung. Die im WEP festgelegten Planungsergebnisse sind deshalb innerhalb des Waldareals für die kantonalen und kommunalen Behörden verbindlich (AWN 2018). Im Folgenden wird ein Blick auf den WEP am Beispiel des Revierforst­amtes Thusis-Masein geworfen. Damian Cadotsch

Das Revierforstamt Thusis-Masein Nebst den Revierforstämtern Oberheinzenberg, Cazis, Ausser- und Innerdomleschg gehört das Revierforstamt Thusis-Masein zum ehemaligen Kreisforstamt 13. Bei der Reorganisation des kantonalen Forstdienstes im Jahr 2000 wurden die Forstkreise in Regionen und Subregionen aufgeteilt, wobei die genannten Revierforstämter seither der Subregion «Domleschg/Heinzenberg» angehören (Abb. 1). Seit der Fusion der Gemeinden Thusis und Mutten im Jahr 2018 gehört auch Mutten zum Revierforstamt Thusis-Masein und entsprechend zur Subregion «Domleschg/Heinzenberg».

Die Gesamtfläche des Revierforstamtes beträgt rund 2230 ha, wobei der höchste Punkt auf dem Muttnerhorn auf 2400 m ü. M. und der tiefste in der Talebene bei Thusis im Hinterrhein auf ca. 660 m ü. M. liegt. Die Gesamtwaldfläche im Revierforstamt Thusis-Masein beträgt rund 1300 ha. Die Wälder des Revierforstamtes sind im Allgemeinen durch das kontinentale und eher trockene Klima geprägt. Die Waldhöhenstufen reichen von den buchenfreien Laubwäldern in der Talsohle über die hochmontanen Tannen-Fichtenwälder mit eingestreuten Waldföhrenwäldern bis hin zu den subalpinen Fichtenwäldern im Bereich der Waldgrenze. In der subalpinen resp. obersubalpinen Stufe sind zudem vereinzelt Lärchen-Arvenwälder zu finden.

Waldentwicklungsplan – Objektblätter

Abb. 1: Blick von Scheid über die Subregion «Domleschg/ Heinzenberg» in Richtung Thusis. (Bild: Damian Cadotsch)

26

Schutzwald Mit über 800 ha Schutzwald ist mehr als die Hälfte der Wälder als Schutzwald ausgeschieden, wobei knapp ein Viertel eine direkte Schutzwirkung für Gebiete mit grossem Schadenpotenzial aufweist und deshalb dem Schutzwald-Typ A zugeordnet ist. 6% der Wälder werden als Schutzwald-Typ B (Schutzwirkung für Gebiete mit geringerem Schadenpotenzial) und knapp 32% als Schutzwald-Typ C (Gerinne-Schutzwälder) ausgewiesen. Damit der Schutzwald seine Funktion dauernd und uneingeschränkt wahrnehmen kann, muss er gepflegt und verjüngt werden. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der natürlichen Verjüngung.


Abb. 2: Auswertung der Beurteilung des Wildeinflusses im Jahr 2024 im Revierforstamt Thusis-Masein. (Grafik: AWN 2026)

Wald-Wild Funktioniert die Naturverjüngung nicht wie gewünscht, sind die Ursachen zu eruieren. Für die Verjüngung massgebend ist die Verjüngungsgunst des Standortes. Dazu gehören unter anderem ein ausreichendes Angebot an Samenbäumen, genügend Licht und Wärme sowie eine beschränkte Vegetationskonkurrenz. Je nach Standort sind zudem weitere Faktoren für das Aufkommen der Verjüngung limitierend. Sind die waldbaulich beeinflussbaren Faktoren erfüllt, ist es vor allem der hohe Wildeinfluss, welcher die Probleme bei der Waldverjüngung verursacht. Von einem grossen Wildeinfluss ist dann die Rede, wenn die Waldfunktionen beeinträchtigt werden und die waldbaulichen Ziele aufgrund des Schadens nicht oder nur teilweise erreicht werden können. Im Perimeter des Revierforstamtes Thusis-Masein treten wildbedingte Verjüngungsprobleme im gesamten Baumartenspektrum auf. Auf rund 52% der gesamten Waldfläche ist ein grosser bis sehr grosser Wildeinfluss festzustellen (Abb. 2 und 3). Weisstanne, Waldföhre, Vogelbeere, Eiche, Ahorn und weitere Laubbaumarten fallen mehrheitlich wildbedingt aus. Beispielsweise samt sich die Weiss­ tanne in ihrem Verbreitungsgebiet zwar sehr gut an, wird dann aber so stark verbissen, dass sie dem Äser nicht entwachsen kann und deshalb seit Jahren praktisch flächendeckend wildbedingt ausfällt.

Ohne entsprechende Wildschutzmassnahmen ist eine natürliche Tannen-Verjüngung in ihrem an­ gestammten Verbreitungsgebiet heute praktisch nicht möglich. Der grosse Wildeinfluss auch auf andere Hauptbaumarten, vornehmlich Laubhölzer und Föh­ren, welche vor allem in Zukunft aufgrund

Abb. 3: Beurteilung des Wildeinflusses im Jahr 2024 im Revierforstamt Thusis-Masein, AWN 2026; Massstab 1:50 000, LK100.

(© swisstopo)

27


Abb. 4: Perimeter Naturwaldreservat Aclasura Traversina (schwarz), AWN 2026; Massstab 1:15 000, BP und Swissimage.

des Klimawandels an Bedeutung gewinnen werden, schränkt den waldbaulichen Handlungsspielraum und damit den Erfolg betreffend Schutzwaldpflege zunehmend stark ein. Natur und Landschaft Der Wald verfügt über eine vielfältige Flora und Fauna und trägt somit viel zur Biodiversität bei. Der Erhalt der Artenvielfalt ist essenziell für ein gesundes und funktionierendes Ökosystem, welches auch im Revierforstamt Thusis-Masein eine grosse Bedeutung hat. Letztes Jahr konnte revierübergreifend ein neues Naturwaldreservat (NWR) eingerichtet werden (siehe auch Artikel von Philip Christen in dieser Ausgabe). Das NWR Aclasura Traversina befindet sich auf der orografisch rechten Seite des Hinter­rheins, gegenüber der Ortschaft Rongellen auf Gemeindegebiet von Thusis, Sils i. D. und Zillis-­ Reischen (Abb. 4).

28

(© swisstopo)

Nebst dem NWR und den bereits bestehenden Natur- und Landschafts-Objekten wie Waldrändern, Weidwäldern und dem Sonderwaldreservat (SWR) in Mutten ist im Übernollagebiet ein Komplexwaldreservat in Planung, mit welchem unter anderem folgende Ziele verfolgt werden sollen (AWN 2025): – Durch die Schaffung und den Erhalt von reich strukturierten Wäldern wird das Auerhuhn gefördert (Sonderwaldreservat). – In einer festgelegten Zone wird die natürliche Dynamik zugelassen und auf forstliche Nutzungen verzichtet (Naturwaldreservat). – Durch das Nebeneinander von extensiv genutzten Wiesen und teilweise alten und tief beasteten Bäumen erweitern die in den oberen Lagen gelegenen Weiden das Spektrum an Naturwerten. – Weiter sollen einzelne Altholzinseln im Sonderwaldreservat eingerichtet werden.


Von diesem integrativen Ansatz mit einer Kombination von Sonderwald- und Naturwaldreservat sowie Altholzinseln und Waldweiden werden eine Vielzahl verschiedener Arten in diesem Ökosystem profitieren. Holznutzung Die «klassische» Holznutzung hat heutzutage nicht mehr denselben Stellenwert wie früher. Mit dem Rückgang der Holzpreise und den hohen Produktionskosten hat die Bedeutung der Holznutzung abgenommen. Dennoch macht es an verschiedenen Orten Sinn – auch aus ökonomischer Sicht – Holz zu nutzen (AWN 2018). Überdurchschnittliche Holzqualitäten sind im Revierforstamt Thusis-Masein insbesondere im Bäumliwald zu finden. Die schattige und nordexponierte Lage führt dazu, dass die Bäume regelmässig und langsam wachsen. Nicht selten kann das geerntete Holz aus dem Bäumliwald als Instrumenten-Holz genutzt werden und entsprechend höhere Erlöse erzielen. Erholung und Tourismus Der Wald spielt als Erholungsraum eine wichtige Rolle. Seit Jahrzehnten wird er von Erholungssuchenden rege genutzt, und auch Outdooraktivitäten haben in den letzten Jahren zugenommen. Dazu stellt der Tourismus in Graubünden einer der wichtigsten Wirtschaftszweige dar. Obschon die Region Viamala weniger von diesem abhängig ist als andere Regionen im Kanton, spielt er auch hier eine wichtige Rolle (Minsch und Bühler 2004). So gibt es auch in der Subregion Domleschg / Heinzenberg sowohl im Sommer als auch im Winter verschiedene Angebote (z. B. vier kleinere Skigebiete). Die Herausforderung für die Waldbewirtschaftung hinsichtlich Erholung und Tourismus liegt darin, die Ansprüche der verschiedenen Interessensgruppen im Wald zu erfüllen, ohne die Walderhaltung und die Erfüllung der Waldfunktionen zu gefährden. Diese Herausforderung zeigt sich vor allem im Talboden im Bereich von Pantun, wo die Waldföhren-

wälder aufgrund der touristischen Infrastruktur vermehrt unter Druck geraten (Bikepark, Camping). Weidwald Die Waldbeweidung ist eine Mischnutzung durch Forst- und Landwirtschaft, welche vor allem in Mutten eine lange Tradition hat und sowohl das Landschaftsbild als auch die Biodiversität positiv beeinflussen kann. Seit 2018 ist in Mutten die Beweidung im öffentlichen Wald geregelt. In den letzten Jahren wurden im Rahmen des Programms Waldbiodiversität zahlreiche forstliche Eingriffe zur Erhaltung von kulturbedingten Weidwäldern sowie zur Förderung der Tier- und Pflanzen-Vielfalt ausgeführt. Um die waldbaulichen Massnahmen und die landwirtschaftliche Nutzung in Einklang zu bringen, wurde zudem 2013 das Waldweidekonzept Tristel–Muttner Höhi erarbeitet. Erschliessung Die Anforderungen an die Walderschliessung haben sich im Laufe der Zeit verändert. Die Waldstrassen werden heute nicht nur für den Abtransport des Holzes verwendet, sondern sie dienen auch als Arbeits- und Aufrüstplatz. Ein Blick in den WEP zeigt, dass die Erschliessung im Revierforstamt Thusis-Masein mehrheitlich den Anforderungen an den Stand der Technik entspricht, womit eine effiziente Holzernte gewährleistet ist. Schlusswort Damit der Wald auch in Zukunft seine Funktionen nachhaltig erfüllen kann und für die künftigen Herausforderungen gewappnet ist, muss er weiterhin bewirtschaftet und gepflegt werden. Zudem müssen die vielen und hohen Ansprüche an den Wald aufeinander abgestimmt und potenzielle Konflikte frühzeitig erkannt werden. Der WEP bietet dazu eine gute und zukunftsfähige Planungsgrundlage. Damian Cadotsch, Spezialist Wald-Wild und Regionalforstingenieur in der Region 4 in Tiefencastel.

29


Möbelwerkstatt Viamala GmbH Die Möbelwerkstatt Viamala GmbH ist eine vielseitige Schreinerei: individuell, kreativ, lösungsorientiert. Andreas Suhner

Der Betrieb Die Möbelwerkstatt hat als Schreinerei den Schwerpunkt auf Innenausbau, Küchen und Möbel. Im Angebot sind ebenfalls Restaurierungen, Reparaturen und Kundenservice. Die Firma ist gut eingerichtet und hat zeitgemäss auch eine CNC im Einsatz. Aufträge von Privatkunden und Architekten halten sich in etwa die Waage. Die Möbelwerkstatt Viamala GmbH entstand 2006 aus dem Zusammenschluss der Betriebe Andreas Suhner, Möbel und Innenausbau (gegr. 1985) und der Schreinerei Martin Buchli (gegr. 2003). 2012 zügelte die Firma an den heutigen Standort an der Italienischen Strasse 3. Hier stehen grosszügige Räumlichkeiten für die Produktion zur Verfügung. Aktuell beschäftigt die Firma neun Mitarbeitende, davon zwei Lernende. Der Betrieb legt sehr grossen Wert auf die Ausbildung. Dank der vielen Standardmaschinen und den vielfältigen Arbeiten geniessen die Lernenden eine umfassende Ausbildung.

Massivholzarbeiten Der Anteil an Massivholzarbeiten ist relativ hoch. Sie machen 40–60 % des Umsatzes aus. So werden, was eher selten ist, auch noch Stühle aus Massivholz angefertigt. Dazu besteht ein umfangreiches Massivholzlager mit vielen einheimischen Holzarten. Obstanbau hat im Domleschg eine lange Tradition. Regelmässig kauft die Möbelwerkstatt Obstholz aus dem Tal ein, welches in der lokalen Sägerei eingesägt wird.

Arventor in Bergün.

Treppe in Esche und Weisstanne, Alvaneu.

30

(Bilder: zVg)

Arventor, Bergün Das Haus steht unter Denkmalschutz, darum musste die Türe dem ortsüblichen Bild entsprechen. Statt den üblichen zwei Toren gibt es nun eine Türe. Damit konnte die Isolation nach den heutigen Anforderungen ausgeführt werden. Die Öffnung wurde mit einem 3D-Scanner ausgemessen. Damit entfiel das aufwendige Anpassen vor Ort. Die Mondholz Arve stammt aus der Sägerei Florinett in Bergün.


Arvenstühle in Mondholz aus Bergün.

Treppe in Esche/Weisstanne, Alvaneu Die Treppe ist ein Entwurf des Architekten und geht über drei Stockwerke. Es war ihm wichtig, dass die Treppe in sich ein Ganzes bildet und durchgängig über alle Stockwerke ineinandergreifen soll. Ein vor­ gängiges Ausmessen mit dem Distolaser erleichterte die Planung, die Produktion und die Montage. Die Pfosten sind wie Orgelpfeifen gebaut und die Trep­ pentritte sind unsichtbar an der Wand befestigt. Alle Tritte sind in Esche ohne Braunkern, was für die Beschaffung sehr anspruchsvoll war. Geländer und die restlichen Innenausbauarbeiten sind in Weiss­ tanne. Arvenstühle aus Bergüner Mondholz, Tenna Das Altershospiz in Tenna/Safien suchte nach Stühlen aus einheimischem Holz. Der Entwurf von M. Buchli überzeugte. Die Sägerei Florinett in Ber­ gün konnte die Arve in den Dimen­sionen 30, 60, 90 mm liefern. Die 50 Stühle sind aus dem Vollen gefräst und unbehandelt. Ergänzend dazu wurden ebenfalls in Arve massiv Tische und Raumtrenner geliefert. Raiffeisenbank, Ulmengeländer mit Treppe, Thusis Der Innenausbau wurde durch den Architekten in dunkler Ulme geplant. Die Ulme kommt aus der Region Rheintal. Bedingung war, dass alle beteilig­ ten Firmen die Ulme vom gleichen Händler bezie­ hen mussten, sowohl Furnier als auch Massivholz, um die Einheitlichkeit zu wahren. Die Umsetzung war wegen den Anforderungen des Brandschutzes anspruchsvoll. Erwähnenswert ist der grosse Hand­

Geländer mit Treppe in Ulmenholz.

Lärche Blockholz optimal kombiniert mit Beton.

lauf in massiver Ulme mit den Dimensionen von 80 × 100 mm. Die Treppentritte wurden ebenfalls in Ulme massiv ausgeführt. Innenausbau in Lärche massiv, Latsch Der ganze Innenausbau besteht aus Lärchen-Block­ holzplatte 5-Schicht respektive 3-Schicht von Schu­ lerholz. Die Lärche konnte von der Kundschaft vor Ort ausgesucht werden, sie entschied sich für Berg­ lärche astig. Die Platten bestehen aus 600 mm lan­ gen und 25 mm breiten Streifen, wobei der Aufbau durchgehend in Lärche ist. Mit den Lärchen-Blockholzplatten wurden Trenn­ wände, Wandverkleidungen, Schränke, Küchen­ fronten, Gestelle, Möbel und sogar die Betten aus­ geführt. Türrahmen und Türblätter sind passend dazu vom gleichen Lieferanten. Die Oberflächen wurden roh unbehandelt belassen. Andreas Suhner, pensionierter Schreiner und CAD-­ Consultant, Thusis.

31


Waldhütte Crappasusta, Thusis Die Waldhütte Crappasusta, die als Schulzimmer und Begegnungsort für waldinteressierte Personen dient, feiert in diesem Frühjahr ihr dreijähriges Bestehen. Seit ihrer Eröffnung erfreut sich die Waldhütte einer konstant hohen Nachfrage. Das Interesse entspricht nicht nur den ursprünglichen Erwartungen, sondern bestätigt den bestehenden Bedarf nach einem naturnahen Bildungs- und Aufenthaltsort. Das vielfältige Angebot wird von der Bevölkerung sehr geschätzt und trägt wesentlich zur Sensibilisierung für die Themen Wald, Natur und Landschaft bei. Hanspeter Conrad, Reto Liver

Die Idee zum Bau einer Waldhütte entstand bereits vor über zehn Jahren. In der Region bestand schon damals ein ausgewiesenes Bedürfnis nach einem Schulzimmer im Wald. Da die Bürgerliche Genossenschaft Thusis (vormals Bürgergemeinde Thusis) jedoch über keine geeignete Waldparzelle verfügte und das Interesse der politischen Gemeinde an einem solchen Bauvorhaben zu diesem Zeitpunkt gering war, wurden die Pläne vorerst zurückgestellt. Im Jahr 2021 wurde das Projekt erneut aufgenommen und die Suche nach geeigneten Standorten innerhalb der Gemeinde Thusis intensiviert. Dank der guten Zusammenarbeit und dem wiedererlangten Interesse der politischen Gemeinde Thusis konnte schliesslich eine tragfähige Lösung gefunden werden. Durch den Tausch zweier gleichwertiger Waldparzellen entstand die Grundlage für die Realisierung des Projekts. Im Rahmen eines Projektwettbewerbs setzte sich das Konzept der Holzbaufirma Fiba durch. An der Generalversammlung der Bürgerlichen Genossenschaft Thusis im Jahr 2022 wurde der notwendige Kredit, mit sehr grosser Mehrheit, für den Bau der Waldhütte Crappasusta bewilligt. Nach nur einem Jahr Bauzeit konnte im Juni 2023 die feierliche Eröffnung der Waldhütte stattfinden. Die rasche Umsetzung des Projekts war insbesondere der konstruktiven Zusammenarbeit mit allen involvierten Ämtern zu verdanken. Hervorzuheben sind dabei das Amt für Wald und Naturgefahren, die po-

32

litische Gemeinde Thusis sowie die privaten Grundstückseigentümer, welche die erforderlichen Durchleitungsrechte für die vollständige Erschliessung mit Wasser, Abwasser und Strom gewährten. Sämtliche Arbeiten wurden an ortsansässige Unternehmen ver-

Die Waldhütte Crappasusta.


geben. Das Holz für die Aussenschalung stammt aus dem Thusner Wald und wurde in der Sägerei Dalin in Cazis eingeschnitten. Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf rund 1 700 000 Franken. Davon wurden rund 350 000 Franken in die Erschliessung investiert, exklusive der bereits bestehenden Zufahrtsstrasse. Mit einer Kapazität von rund 75 Personen bietet die Anlage ideale Voraussetzungen für Veranstaltungen und Anlässe in einem ansprechenden und funktionalen Rahmen. Die Waldhütte Crappasusta dient als Aus- und Weiterbildungsstätte für Waldberufe sowie als Lern- und Begegnungsort für Schulen, Kindergärten, Vereine, Organisationen und weitere am Wald interessierte Personen. Den Nutzerinnen und Nutzern, abgesehen von Personen, die die Waldhütte

privat nutzen, werden nur die Kosten der Reinigung in Rechnung gestellt. Im Fokus steht die Vermittlung von Wissen zu Wald und Natur. Ein wirtschaftliches Geschäft stellt die Waldhütte für die Bürgerliche Genossenschaft Thusis nicht dar und soll es auch nicht sein. Vielmehr versteht sich das Projekt als Beitrag zur Bereicherung des Angebots für die Bevölkerung der Region. Die Bürgerliche Genossenschaft Thusis freut sich, den Verein Graubünden Wald im Mai 2026 in der Waldhütte Crappasusta begrüssen zu dürfen, und wünscht bereits heute eine gelungene Generalversammlung mit spannenden Referaten und interessanten Führungen. Hanspeter Conrad und Reto Liver, Bürgerliche Genossenschaft Thusis.

(Bild: Hanspeter Conrad)

33


Waldwegsanierung in Mutten im Verbund gemeistert Durch ein erfolgreiches Teamwork zwischen Forstbetrieb, Lehrlingsbaukurs der Forstwarte und externen Unternehmungen konnte der Waldweg «Hinder brannta Wold» in Mutten fachgerecht instandgesetzt und die Funktions- und Gebrauchstauglichkeit wiederhergestellt werden. Mit den baulichen Massnahmen kann die Zugänglichkeit sowie die Sicherheit für Forstbetrieb aber auch andere Interessensgruppen wieder gewährleistet werden. Urs Hemmi und Gian Barandun

In Mutten, Fraktion der Gemeinde Thusis, wurde in der vergangenen Bausaison ein wichtiger Forstweg im Gebiet «Hinder brannta Wold» erfolgreich in­ stand gestellt. Die Arbeiten wurden in einer gemein­

Abb. 1: Übersichtsplan der ausgeführten Massnahmen, die Massnahme im Muttnertobel befindet sich beim roten Punkt. Die Massnahmen am Waldweg «Hinder brannta Wold» befinden sich bei der roten Linie. Plan nicht massstäblich.

34

(© Kanton Graubünden/GeoGR AG/Swisstopo)

schaftlichen Zusammenarbeit durchgeführt, an der mehrere meist lokale Akteure beteiligt waren: – Kommunaler Forstdienst – Forstwartlehrlings-Baukurs – Externe Bauunternehmungen Durch dieses erfolgreiche Teamwork konnte der Waldweg fachgerecht instandgesetzt und die Funk­ tions- und Gebrauchstauglichkeit wiederhergestellt werden. Durch die baulichen Massnahmen kann die Zugänglichkeit sowie die Sicherheit für Forstbetrieb aber auch andere Interessensgruppen wieder ge­ währleistet werden. Im Rahmen des Projekts wurde am Waldweg im Muttnertobel eine Schadstelle, die im Jahr 2024 durch einen Steinschlag entstanden war, vorgelagert instand gestellt. Der Weg wurde dadurch wieder nutzbar und insbesondere die Fahrsicherheit im fel­ sigen, steilen Bereich ist damit wieder gesichert. Das Wiederinstandstellungsprojekt war für Thusis bzw. für Mutten wichtig, da ein grosser Teil der Wald­ fläche derzeit unternutzt ist und Erschliessungen es­ senziell für die Bewirtschaftung, den Schutzwald und auch die bestehende Freizeitnutzung sind. Die Projektidee wurde im Jahr 2022 durch Philip Christen, Revierförster des Forstdiensts Thusis-Ma­ sein, gemeinsam mit der Region 4 des Amts für Wald und Naturgefahren (AWN) in Tiefencastel aufge­ gleist. Ziel war es von Beginn an, ein geeignetes Ob­ jekt für einen Lehrlingsbaukurs der Forstwarte zu nutzen und zugleich die Basiserschliessung des gros­


Projektüberblick Höhe über Meer

1660–1730 m ü. M.

Gesamtwaldfläche im Perimeter

112 ha, davon 42 ha Schutzwald Typ B

Holzanfall nächste 40 Jahre

15 000 m3

Strassenlänge

920 m, Ausbau auf 820 m

Projektorganisation – Bauherrschaft

Gemeinde Thusis, vertreten durch Philip Christen

– Projektoberleitung

Iris Castelberg, AWN Region Tiefencastel

– Baukurs

Flurin Guidon, AWN, sowie diverse Kursleiter

– Bauleitung

BAP Ingenieure AG, Urs Hemmi/Gian Barandun

– Baumeister

Fasolini AG / Josef Gall Forstunternehmung AG

– Baumeister Baukurs

Bagger Jeger

Bauzeit

August 2024 – Oktober 2025

Projektkosten

590 000 Franken

sen Waldgebietes «Hinder brannta Wold» wiederherzustellen bzw. zu verbessern. Ausgangslage – Hohe Bedeutung der Waldbewirtschaftung im grossen Projektperimeter – Schlechter Zustand der bereits bestehenden Erschliessungswege – Bedarf an einer nachhaltigen, langfristig gesicherten Forsterschliessung Projektziele Das Hauptziel bestand darin, die Sanierung des Waldwegs mit Fokus auf den bestmöglichen Erhalt vorhandener Infrastrukturen zu planen. Dabei sollten die finanziellen Aufwendungen verhältnismässig und effizient eingesetzt werden, um eine langfristig stabile Erschliessung für die Waldbewirtschaftung zu sichern (Nutzungsintervall ca. alle 10–15 Jahre). Daher wurden 33 bestehende Infrastrukturelemente des Weges betreffend Zustand und Fortbestehen untersucht. Neun Elemente wurden als intakt eingestuft – hier wurden keine oder nur geringfügige

Arbeiten ausgeführt. Bei 24 Elementen wurden zusammenfassend die folgenden Massnahmen zur Sanierung vorgesehen: – Räumung und Rodung des Strassenperimeters inkl. betroffene Böschungen – Diverse Holzkasten – Vermörtelte Bruchsteinmauern nötigenfalls abbrechen und neu aufbauen – Zwei fast vollständig übersarte Brücken freilegen und instand stellen – Überprüfung bestehende Entwässerung und abhängig vom Zustand erneuern – Verankerte Pfahlwände – Ersatz Drahtgitterkörbe durch Holzkasten oder Trockenmauer – Fahrbahninstandsetzung und Erneuerung Zaunabschrankungen Projektaufteilung und Beteiligte Die Arbeiten für den Lehrlingskurs sollten dem Machbaren entsprechen und möglichst vielfältig, interessant und sinnvoll sein. Nachgelagert wurde festgelegt, welche Arbeiten durch den kommunalen Forstdienst bzw. externe Unternehmungen ausge-

35


Abb. 2: Durch Steinschlag zerstörte Fahrbahn im Muttnertobel (links). Instandstellung der Schadstelle mit verankerter Pfahlwand der Josef Gall Forstunternehmung AG (rechts).

(Bilder: Gian Barandun)

führt werden konnten. Da die Arbeiten für die Lehrlinge teilweise abhängig von Vorarbeiten durch die Unternehmungen waren, war von allen Beteiligten ein hohes Mass an Flexibilität gefragt. Die Planung und Umsetzung erfolgte in enger Abstimmung mit dem Revierförster, dem AWN sowie den Kursleitern. Die Arbeiten verlangten eine intensive Koordination und Kommunikation von allen Beteiligten. Aufgrund von Eingriffen in zwei Gewässerläufen wurde während der Projektausarbeitung eine fischereirechtliche Bewilligung beim Amt für Jagd und Fischerei (AJF) eingeholt. Diese wurde unter Auflagen erteilt. Die Umsetzung während der Bauphase wurde mit dem zuständigen Fischereiaufseher laufend abgesprochen.

Damit konnte für weitere Arbeiten eine sichere Zufahrt gewährleistet werden. Anschliessend fand der Lehrlingsbaukurs der Forstwarte statt. Der Baukurs wurde im Juli 2025 in zwei Gruppen durchgeführt und trotz teils regnerischem Wetter reibungslos abgeschlossen. Im Anschluss setzten die Fasolini AG und der kommunale Forstdienst die restlichen Sanierungsarbeiten gemäss Zeitplan bis Ende Oktober 2025 um. In den Abbildungen 2 und 3 werden einige sanierte Elemente im Überblick mit einem Vorher-­NachherVergleich aufgezeigt. Erstaunlicherweise waren die Brückenplatte, die Widerlager sowie die Flügelmauern der Brücke noch intakt. Die wenigen Risse in der Vermörtelung der Widerlager wurden neu ausgefugt. Der obere Teil der Bruchsteinmauer war ausgebrochen und drohte abzukippen (Abb. 4). Im hinteren Abschnitt war bereits ein Teil der Bruchsteinmauer ausgebrochen und wurde durch einen Holzkasten ersetzt, welcher bereits ebenfalls wieder morsch war. Die Neuerstellung der Bruchsteinmauer wurde durch die Fasolini AG ausgeführt. Im Weiteren lag das Fundament der Bruchsteinmauer frei und wurde bei der Sanierung wieder gesichert. Zur Zeit der Projektierung der Brücke Nr. 2 war das Objekt fast vollständig übersart, und allfällige not-

Bauausführung Aufgrund der kurzen Bauzeit in Mutten erforderte die Bauausführung eine grosse Koordination und teilweise Kompromissbereitschaft zwischen allen Beteiligten. Zudem konnten die Zufahrtswege nur eingeschränkt gleichzeitig von mehreren Parteien genutzt werden. Da die Strasse bereits bei Projektanfang durch eine umstürzende Stützmauer beschädigt war, wurden die Arbeiten zuerst durch die Fasolini AG und die Forstunternehmung Josef Gall AG begonnen.

36


Abb. 3: Waldweg «Hinder brannta Wold»: Übersarte Brücke Nr. 1 (links) sowie wieder freigelegte und instand gestellte Brücke (rechts).

Abb. 4: Bruchsteinmauer neben Brücke Nr. 1.

Abb. 5: Übersarte Brücke Nr. 2 (links). Freigelegte und sanierte Brücke (Mitte und rechts).

wendige Massnahmen konnten nur vermutet werden (Abb. 5). Während der Freilegung der Brücke zerbrachen Teile des orografisch rechten Widerlagers, und dieses drohte zu kippen. Unter Abstützung wurde das Widerlager in drei Etappen neu

auf­betoniert. Die Ausführung erfolgte durch die Fasolini AG. Mit dem Lehrlings-Baukurs konnten mehrere Holzkasten gemäss den folgenden Abbildungen erstellt werden:

37


Abb. 6: Diverse Holzkasten; der Holzkasten bei Objekt 29 wurde passgenau mit Steinen aus den bestehenden Drahtgitterkörben ausgefacht. Beim Bild unten rechts ist auch eine durch den Lehrlings-Baukurs erstellte Trockenmauer zu sehen.

38


Abb. 7: Teamwork ist angesagt: die Lernenden im Einsatz.

(beide Bilder: Flurin Guidon)

Fazit Dank der intensiven Zusammenarbeit zwischen dem kommunalen Forstdienst, den Kursleitenden, den externen Unternehmungen und dem AWN und AJF

konnte ein anspruchsvolles Sanierungsprojekt erfolgreich umgesetzt werden. Die Integration eines Lehrlingsbaukurses erwies sich als sehr erfreulich. Die Lehrlinge haben mit dem Baukurs am Endergebnis der Wegsanierung einen massgeblichen Anteil (siehe auch Abbildung 8) beigetragen. Abschliessend ist zu erwähnen, dass im Hintergrund der Ausführung der Massnahmen stets die Devise galt, die Funktion des Waldwegs einzig für Waldbewirtschaftung auszulegen. An diesem Beispiel konnte sehr gut aufgezeigt werden, dass mit zielgerichteten, einfachen Massnahmen die Fahrtauglichkeit sowie Sicherheitsvorgaben für die Waldbewirtschaftung und ggf. auch weiteren Interessensgruppen wieder erfüllt werden können.

Abb. 8: Fertiggestellter Holzkasten mit Steinausfachung

Gian Barandun und Urs Hemmi, BAP Ingenieure AG,

des Baukurses.

Heinzenbergstrasse 17, 7421 Summaprada.

39


Regionalprodukte im Tourismusmarketing – eine Chance für nachhaltige Entwicklung? Die Rolle von Destinations-Management-Organisationen erlebt derzeit einen relevanten Wandel. Die Veränderungen gehen von reinen Marketing- und Kommunikationsagenturen für Gäste hin zu Plattformen, die Tourismus mit Weitund Rundumblick ermöglichen. Als Tourismusorganisation beschäftigen wir uns neuerdings mit Themen wie der Verschmelzung von Erlebnis- und Lebensraum, Akzeptanz bei der lokalen Bevölkerung oder der Steigerung der regionalen Wertschöpfung. Reto Thörig

Historische Handelsroute Die Region Viamala zieht sich entlang des Hinter­ rheins vom San-Bernardino-Pass Richtung Norden. Durch das Rheinwald vorbei an Splügen hinunter durch die Rofflaschlucht ins Schams mit dem Haupt­ ort Andeer und letztlich durch die Viamala-Schlucht nach Thusis und ins Domleschg. Dazu gehören auch die Berg- und Talschaften Feldis, Heinzenberg, Schamserberg, Ferrera und das Avers. Felszeichnun­ gen aus der Bronzezeit legen nahe, dass es schon vor über 3500 Jahren Verkehr durch die Viamala gegeben hat. Die Römer haben die Passstrasse über den Splügen ausgebaut, sie gewann vor allem mili­ tär-strategisch an Bedeutung. Mit dem Aufkommen

des Säumertums und insbesondere dem Bau der Commerzialstrasse ab 1822 wurde die Verbindung über den Splügenpass ein bedeutender Handels­ weg. Transportiert wurden Südfrüchte, Gewürze, Wein oder Baumwolle von Süden nach Norden und Leinen und Flachs in der umgekehrten Richtung. In der gleichen Zeit haben immer mehr Reisende die Splügenroute gewählt, wie zum Beispiel die Influ­ encer dieser Zeit, Goethe oder Nietzsche auf dem Weg nach Süden. Es entstand eine Hotel- und Bä­ derkultur und führte zu einer eigentlichen Blütezeit. Mit der Eröffnung der Gotthard-Bahn und der spä­ teren Erschliessung des Simplons verlor die Region Viamala an Bedeutung und mit Eröffnung der Na­

Auf den Spuren der Säumer weist die viaSpluga bis heute

Splügen bewahrt den Charakter einer Zeit, in der hier das

den Weg durch die Geschichte.

Tor zum Süden lag.

40

(Bild: Viamala Tourismus)

(Bild: Viamala Tourismus)


Wo einst Waren über die Alpen transportiert wurden, wandern heute unsere Gäste. (Bild: Switzerland Tourism/Ivo Scholz)

tionalstrasse 13 im Jahr 1967 wurde die Durchfahrt wesentlich erleichtert und beschleunigt. Transitregion mit Herausforderungen Mit heutigen Fahrzeugen kann die Region vom Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein bis zum Tunnelportal des San Bernardinos in 45 Minuten durchfahren werden. Der Anteil an Tagestouristen ist mit 60% für den Kanton Graubünden überdurchschnittlich hoch. Entsprechend ist die Wertschöpfung pro Gast und Tag mit rund 65 Franken überdurchschnittlich tief. Entscheidend für erfolgreiche Tourismusregionen ist die Anzahl der Übernachtungsgäste. Bei Weitwandergästen auf der viaSpluga – dem seit 25 Jahren erfolgreichsten Produkt – liegt dieser Wert bei 168 Franken. Verankerung in der Tourismusstrategie Ein wesentlicher Punkt der strategischen Positionierung ist die Differenzierung. Neben all den Herausforderungen gilt es doch, die Attraktivität unserer Region herauszustreichen: fast unberührte Täler, Wanderungen für begeisternde Eindrücke,

eine jahrhundertealte Geschichte und lebendige Kultur. Und nicht zu vergessen sind die Pioniere der Bio-Landwirtschaft: Die Region Viamala hat nach der Valposchiavo den höchsten Anteil an nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktion im Kanton. Die unterschiedlichen Höhenlagen begünstigen die Diversität: Das Domleschg ist bekannt für seine einheimischen Apfelsorten. Hier werden auch Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse angebaut. Verständlicherweise überwiegt in höheren Lagen der Anteil an der Fleisch- und Milchproduktion. Es ist also naheliegend, das Thema Genuss touristisch zu bespielen, denn die vor Ort produzierten Grundprodukte sind hervorragend. Zudem existiert eine Gastronomie, die mit diesen Zutaten umzugehen weiss; die Palette reicht von der einfacheren Dorfbeiz bis zur Punkte- und Sterne-Gastronomie. Geissen im Tourismusmarketing? Über den Genuss definieren sich einige Regionen mit ausgewählten Produkten wie etwa St. Gallen mit der Bratwurst, Basel mit dem Läckerli oder der Jura mit der Damassine. Was also ist das herausra-

41


Die Rheinwalder Ziege prägt Landschaft und Lebensgrund-

Mitten im Dorf Hinterrhein zeigt sich, wie nah Tier und

lage zugleich.

Alltag hier verbunden sind.

(Bild: zVg)

gende Produkt der Region Viamala, das uns wirklich differenziert? Wir setzen auf die Rheinwalder Ziege. Acht Familien leben von und mit rund 300 Tieren. Ihnen kommt eine wichtige Rolle in der Landschaftspflege zu: Sie schützen die Weiden und Alpen vor Verbuschung. Die Geiss ist vielseitig nutzbar. Zwei Sennereien produzieren feinsten Ziegenkäse, das Fleisch ist äusserst schmackhaft und sogar das Fell kann weiterverarbeitet werden. Diese Tiere erzählen also eine Geschichte, die wunderbar in die Werbung passt, denn sie sind auch Sympathieträ-

«Ziegen sind nicht nur Landschaftspflegerinnen, sondern auch sympathische Botschafterinnen für unsere Destination» ger. Dennoch, die Vermarktung des Fleisches ist nicht ganz ohne Herausforderungen. Anders als in Südtälern fehlt die Tradition, Gitzifleisch zu essen. Hier setzt unsere Initiative an. Wir diskutieren zusammen mit den Produzent:innen, den Verarbeitungsbetrieben und den Gastronom:innen, welche Produkte fehlen und wie bestehende eingesetzt werden können. So entstehen zum Beispiel auf kommenden Sommer Geissen-Luganighe, Mostbröckli, luftgetrockneter Schinken oder aus der

42

(Bild: zVg)

Milch entsteht auch schon mal ein Glace. Dass auch der Käse eingesetzt wird, versteht sich von selbst. Für unsere Gäste wird Landschaft in aller Tiefe erlebbar. Die Wanderer treffen die Tiere unterwegs, lernen über die Bedeutung der Tiere in der Alpwirtschaft und geniessen die Produkte in einem Partnerbetrieb. Im Idealfall nehmen sie sogar ein Andenken mit nach Hause und berichten ihren Freunden davon. Erfolgsfaktoren, oder warum es funktionieren könnte Es ist ganz erstaunlich, welche Dynamik durch diese Positionierung bei allen Beteiligten entsteht. Es ist zuallererst eine Chance für die regionale Vermarktung und den Verbleib von Wertschöpfung in der Region. Das ist auch ein Beitrag zum Erhalt der Herden; denn nur wer davon einigermassen leben kann, nimmt die schwere Arbeit auf sich. Die Kommunikation des Themas durch den Tourismus gibt auch eine gewisse Sicherheit. Wenn Gäste in die Täler kommen und ein paar Tage bleiben, werden Produkte in der Gastronomie abgesetzt und die Produktion macht sich bezahlt. Das Vertrauen wächst und ermöglicht die gemeinsame Weiterentwicklung. Ganz im Sinne eines zeitgemässen Tourismusverständnisses, das Ein­heimische, Gastronomie und Gäste verbindet. Reto Thörig ist Direktor von Viamala Tourismus.


ANZEIGE

ANZEIGE

Neu in unserem Angebot:

Hydraulische Nass-Ansaat Die Methode der Anspritzbegrünung ist ideal für jedes Gelände. Sie ermöglicht es den Samen in kurzer Zeit, auch unter wiedrigsten Bedingungen, sich zu entfalten. Interessiert? Kontaktieren Sie uns! Zarucchi Gartenbau AG 7500 St. Moritz 081 837 06 65 www.zarucchi-gartenbau.ch ANZEIGE

seit 1 999


Aktivitäten Kulturtenn Obermutten Im Mai 2015 wurde der Verein Kulturtenn Obermutten gegründet, aus der Idee heraus, in Obermutten eine Zwischenstation des WalserWeitwanderwegs einzurichten. Urs Nutt

Der Verein setzt sich zum Ziel, die Bereiche Landwirtschaft, Kultur und Tourismus in Mutten zusammenzubringen. Die Aktivitäten sollen die gemeinsame Identität stärken und die Kultur sowie die Kulturlandschaft erlebbar machen. Der Verein ist gemeinnützig und verfolgt keine kom­merziellen Zwecke. Nach persönlichen Kontakten mit einer Bauernfamilie in Mutten konnten wir in einem Gebäude in Obermutten Pläne für ein Kulturtenn in der leer stehenden Hälfte des Gebäudes mit finanzieller Hilfe von Kanton, Berghilfe und weiteren Unterstützern

Fotoausstellung Outdoor in Obermutten.

44

umsetzen. Die Besitzerin stellt uns diesen Raum langfristig zur Verfügung. Ein Raum im ehemaligen Heustock wurde als Mehrzweckraum ausgebaut, dazu ein WC, behindertengerechter Zugang, Multimedia und eine Heizung integriert. Daneben mit separatem Eingang ein kleines Einkaufszentrum, «inscha Laada». Vereinsmitglieder sind die Lieferanten, der Laden wird von zwei Frauen betreut, aufgefüllt und mit den Lieferanten abgerechnet. Ein elektronisches Schloss gewährt zwölf Stunden pro Tag den Eintritt, bezahlt wird bar in eine Kasse oder mit Twint.

(Bilder: Urs Nutt)


Unsere kulturellen Angebote richten sich nicht immer nur an unsere Mitglieder; Feriengäste, Tagestouristen, Bewohner von Mutten und der Umgebung sind ebenso unsere Kunden. Viele Besucher verknüpfen einen Aufenthalt in Mutten und Obermutten mit einer Aktivität unseres Vereins. Vor dem Kulturtenn haben wir eine kleine, öffentliche Bibliothek eingerichtet, die von Gästen und Einheimischen benutzt werden kann. Unser Vereinsausflug führt uns immer kulturell in die Fremde: beispielsweise ins Bergell, zu Käsereien, Mühlen, Grossbauernhöfen etc. In den vergangenen Jahren haben wir verschiedene grosse und kleine Projekte umgesetzt: Im Kulturtenn selber: – Kinoabend zwischen Weihnachten und Neujahr – Kaffee und Kuchen, wenn das Restaurant «Post» geschlossen ist – Pizzoccheri-Workshop – Capuns-Workshop – Risotto-Workshop – Thailändisch-Workshop – Neujahrs-Apéro mit ca. 60 bis 80 Teilnehmenden – Lesungen im Kulturtenn In Mutten selber: – Brot und Zöpfe backen im Backhaus – Wursten im Backhaus – Osterbacken im Backhaus – Birabrot-Workshop – Vogelexkursion im Dorf Mutten mit Morgenessen auf dem Bauernhof Am Stafel: – Waldausflug mit Baumfällen und Holz fürs Backen rüsten In Obermutten selber: – Dorfführungen – jährlicher Paradieslilien-Ausflug mit Apéro im Kulturtenn – Stallbesuche bei allen Bauernfamilien in Mutten – inscha Laada, jeden Tag offen für alle – Vogelexkursion in Obermutten mit Brunch im Kulturtenn

Paradieslilien-Ausflug zu den Naturbergwiesen hinter Obermutten.

– Wildtier-Beobachtungen mit dem Wildhüter – Iglu-Bauen mit Fachspezialisten – Flugtag mit Modellflug und Referat Patrouille ­Suisse – grosse und aufwendige Outdoor-Fotoausstellung rund um Obermutten – 1.-August-Feier auf dem Dorfplatz von Obermutten Zukunft Kulturtenn Obermutten Es ist im August ein Freilichttheater in Obermutten bei der Kirche geplant. Brotbacken, Paradieslilien-­ Ausflüge und Kinoabende werden folgen. Kulturelle Anlässe werden immer ein grosses Anliegen unseres Vereins sein. Urs Nutt, Präsident des Vereins Kulturtenn Obermutten.

45


Mutten/Obermutten: Die Walsersiedlung und beliebtes Ausflugsziel Seit der Gemeindefusion per 1. Januar 2018 ist die ehemalige Gemeinde Mutten Teil der Gemeinde Thusis. Die landwirtschaftlich geprägte Fraktion liegt südlich der Schynschlucht zwischen Thusis und Tiefencastel. Bei der Abzweigung «Soliser Brücken» führt die Strasse hoch nach Mutten und weiter durch die Maiensässe Spina und Stafel nach Obermutten, wo sich als Teil der typischen Walsersiedlung die höchstgelegene Holzkirche Europas befindet. René Frauenfelder

Obermutten im Sommer Mutten (1400 m ü. M.) und Obermutten (1860 m ü. M.) sind Ausgangs- und Zielpunkt für herrliche Wanderungen und Biketouren. Zum Beispiel auf

dem Walserweg Graubünden «Route 35» (Etappen 6 –10: Thusis– Obermutten – Andeer – Ferrera – Juf – Alp Flix) ist Obermutten einer der Etappenorte. Oder auf einer Kulturwanderung nach Samest –­

Blick Richtung Norden – im Vordergrund die Walsersiedlung Mutten, im Hintergrund die Tektonikarena Sardona. (Bild: Marc Hassler)

46


Skiliftbetrieb in Obermutten.

Zillis, mit Besuch der Kirche St. Martin, die für ihre Deckenmalerei bekannt ist. Von den beiden Aussichtspunkten «Muttner Höhi» (2001 m ü. M. – 30 Min. Fussmarsch ab Obermutten) und «Muttner Horn» (2394 m ü. M. – knapp 2 Stunden Fussmarsch ab Obermutten) kann bei schönem Wetter die herrliche Rundsicht vom Rheinwald, vom Schamser Berg über den Heinzenberg, dem Domleschg, der Lenzerheide und dem Albulatal genossen werden. Bei idealer Weitsicht zeigen sich dem kundigen Berggänger das Vorabgebiet, die Glarner Alpen und die Bergspitzen entlang dem Bündner Rheintal. Obermutten im Winter Südlich von Thusis, auf dem Hochplateau zwischen der Schin- und Viamala-Schlucht liegt das kleine, familienfreundlichen Skigebiet Obermutten. Ein Ort

(Bild: Demateo.com)

für alle, die von der Hektik auf heutigen Skipisten genug haben und Ruhe und Beschaulichkeit in den Bergen suchen. Ideal auch für Familien, um mit ihren Kindern die ersten Skiversuche zu unternehmen, damit sie dann allein und ohne grössere Wartezeiten den Wintersport mit gleichgesinnten geniessen können. Ein Skilift mit 3 km bestens präparierten Skipisten erwartet die Wintersportler. Diverse Winterwanderwege und eine kurze, aber anspruchsvolle Langlaufloipe ergänzen das Angebot rund um Obermutten.

René Frauenfelder ist Gemeinderat in Thusis und Ver­ waltungsrat/Geschäftsführer der Skilift Obermutten AG.

47


Ein Marktplatz, der lebt Wenn im Dorfzentrum Leben spürbar wird, entsteht das, was Thusis ausmacht: Nähe, Begegnung und Verbundenheit in einem urbanen Dorf. Der Verein Marktplatz und Zentrumsort Thusis bringt genau das zusammen. Mit Herzblut, Initiative und einem starken Netzwerk lokaler Fachgeschäfte, die den Marktplatz gemeinsam beleben und weiterentwickeln. Werner Elmer

Gemeinsam stark im Zentrum Der Verein setzt sich für ein lebendiges, wirtschaftlich starkes Zentrum ein. Im Fokus steht die Zusammenarbeit: gemeinsam auftreten, kommunizieren und profitieren. Dieser Ansatz schafft Sichtbarkeit und stärkt den Standort Thusis nachhaltig. Der Verein ist dabei weit mehr als ein organisatorischer Rahmen. Er ist die Plattform, auf der Interessen gebündelt und konkrete Impulse für Betriebe sowie Kundinnen und Kunden entwickelt werden. Aktionen mit direktem Nutzen Damit der Marktplatzgedanke im Alltag spürbar wird, initiiert der Verein gezielte Formate, die über die Region hinausstrahlen. Zwei Beispiele, welche jährlich sehr grossen Anklang finden: Ladies Night: Ein etablierter Anlass, der besondere Einkaufsatmosphäre mit hoher Aufmerksamkeit für die beteiligten Geschäfte verbindet. Weihnachtsmarken: Eine beliebte saisonale Aktion im Advent, die den Einkauf in Thusis belohnt und die lokale Treue stärkt. Solche Aktionen schaffen Frequenz, erhöhen die Reichweite der Betriebe, fördern die Bindung zur lokalen Einkaufswelt und schaffen die Möglichkeit von wertvollen Begegnungen. Bedeutung für Thusis Ein funktionierender Marktplatz braucht Engagement, Koordination und Qualität. Genau hier liegt

48

Strassensperrung am Muttertag.

(Bild: Werner Elmer)

die Stärke des Vereins: Er vernetzt die Fachgeschäfte und sorgt dafür, dass das Zentrum als Einkaufsort mit Persönlichkeit wahrgenommen wird. Der Verein steht für eine klare Vision: ein starkes Thusis mit einem aktiven Zentrum, in dem lokale Akteure gemeinsam die Zukunft gestalten. Werner Elmer ist Vereinspräsident vom Verein Marktplatz und Zentrumsort Thusis.


Die Forstunternehmung Kunfermann Forst AG Die Forstunternehmung wurde 2013 von Enrico Kunfermann als Einzelfirma gegründet und entwickelte sich seither stetig weiter. Heute wird der Betrieb von Enrico Kunfermann und Mauro Gartmann geführt. Im Zentrum stehen die Holzbringung mit Mobilseilkran, die Sicherheitsholzerei sowie anspruchsvolle Auflichtungsprojekte. Interview mit Mauro Gartmann, Geschäftsführer Kunfermann Forst AG

Kurz ein paar geschichtliche Hintergründe zur Forstunternehmung Kunfermann Forst AG. Die Forstunternehmung wurde 2013 von Enrico Kunfermann als Einzelfirma gegründet. Bereits Ende des ersten Jahres beschäftigte die Firma drei Forstwarte. In den folgenden Jahren wuchs der Betrieb kontinuierlich – sowohl personell

Kombiseilgerät von Tröstl Seilkräne Türnitz.

als auch im Maschinenpark, der laufend erweitert und modernisiert wurde. 2019 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft und ­ Mauro Gartmann stieg in die Geschäftsführung ein. Heute beschäftigt die Forstunternehmung zehn Vollzeitmitarbeitende, zwei Teilzeitangestellte sowie drei Lernende. Die Kunfermann Forst AG arbeitet mit einem Kombiseilgerät, einem Mobilseilkran, einem Rad­ bagger-Prozessor sowie drei HSM Forstspezialschlepper. Ihre Spezialisierung liegt bei der Holzbringung mit Mobilseilkran, der Sicherheitsholzerei sowie bei Auflichtungsprojekten. Dem Grundprinzip ist das Unternehmen jedoch stets treu geblieben: sicheres, sauberes und pflichtbewusstes Arbeiten. In welchen Arbeitsgebieten ist die Forstunternehmung tätig? Hauptsächlich sind wir in der Region Mittelbünden im Einsatz. Darüber hinaus führen wir Holz-

(Bilder: Fabia Meyer)

49


Der TST 800 im Einsatz bei der Bergabseilung in Trans.

schläge im gesamten Kanton Graubünden aus – unter anderem im Schanfigg, im Prättigau, in der Bündner Herrschaft sowie im Bergell. Was sind typische Arbeiten der Kunfermann Forst AG? Unsere Kernkompetenz liegt in der Holzernte im Seilkrangebiet. Zusätzlich führen wir sämtliche im Wald anfallenden Arbeiten aus – darunter Pflanzungen, Jungwaldpflege, Jungwuchszäune, Strassenunterhalt sowie die Bekämpfung von Neophyten. Welche Maschinen kommen zum Einsatz und worauf legt die Kunfermann Forst AG bei der Holzernte Wert? Je nach Auftrag kommt die vom Auftraggeber gewünschte Maschine zum Einsatz. Dabei achten wir konsequent darauf, den verbleibenden Waldbestand und die vorhandene Infrastruktur zu schonen und Schäden so gering wie möglich zu halten.

50

Was bedeutet für euch naturnaher Waldbau und wie beeinflusst dies eure Arbeit? Naturnaher Waldbau bedeutet, dass sich der Wald durch Naturverjüngung selbst regenerieren kann – ohne künstliche Schutzmassnahmen oder Pflanzungen. Bei unserer Arbeit achten wir darauf, die bereits bestehende Verjüngung bestmöglich zu erhalten und zu schützen. Betreffend Sicherheit und Zeitdruck: Was heisst das für euch? Egal wie hoch der Leistungs- oder Zeitdruck auch sein mag, wir legen grössten Wert auf Arbeitssicherheit. Unsere oberste Priorität ist, dass jeder Mitarbeiter am Ende des Tages gesund und zufrieden nach Hause geht – Kompromisse gibt es dabei keine. Mit welchen Herausforderungen wird die Forstunternehmung in den nächsten zehn Jahren konfrontiert sein? Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken,


Bergaufseilung mit einer Tagesleistung von 220 m3.

Der TST 800 hat eine Nutzlast von 4 t und eine Tragseilspannung von 12 t.

Radbagger mit Harvesterkopf von TST mit innenliegen-

MSK Anhängerversion von TST mit einer Nutzlast

dem Kettenband für den Vorschub im Einsatz in Präz.

von 3 t.

bilden wir selbst Lernende aus. Uns ist es ein grosses Anliegen, durch ein gutes Arbeitsklima Mitarbeiter langfristig zu binden. Dank unseres jungen Teams konnten wir in der Vergangenheit immer wieder motivierte Lehrabgänger gewinnen, was uns besonders freut. Für unsere Firma ist es zudem entscheidend, dass der Rohstoff Holz auch in Zukunft gefragt bleibt, damit die Waldbesitzer weiterhin interessiert sind, Holz zu schlagen.

ierlich auszubauen und zu modernisieren, um unsere Arbeit auch in den kommenden Jahren möglichst effizient und zuverlässig ausführen zu können.

Wo steht die Unternehmung in fünf Jahren? Unser Ziel ist es, den aktuellen Mitarbeiterbestand langfristig zu halten und auch in Zukunft weiterhin Lernende auszubilden. Gleichzeitig planen wir, unseren Maschinenpark kontinu-

Ein prägendes Erlebnis aus dem Alltag? Für uns gibt es kein einzelnes Highlight – das Schönste am Tag ist immer wieder dasselbe: die eigene Arbeit im Wald zu sehen, zufrieden zurückzublicken und müde, aber glücklich nach Hause zu gehen. Der Teamanlass vor Weihnachten im Jahr 2025 hat mich besonders geprägt. Wir holzten wie vor 100 Jahren – mit der Axt und ganz von Hand. Es war deutlich anstrengender als heute, dafür aber ruhig und frei von Lärm.

51


Im Bregenzer Wald zu Gast Drei Bündner Projekte an der internationalen Helvetia Schutzwaldpreisverleihung in Mellau ausgezeichnet. Walter Krättli

Jedes Jahr rückt der «Schutzwaldpreis Helvetia» herausragende Projekte, die sich für den Erhalt und die nachhaltige Entwicklung des Schutzwaldes im Alpenraum einsetzen, ins Rampenlicht. Die diesjährige Preisverleihung, organisiert vom Vorarlberger Waldverein, fand in Mellau (AUT) statt. Mit drei eingereichten Projekten machte sich auch unser Verein auf, um die von der Jury ausgezeichneten Projekte zu würdigen und vielleicht gar einen begehrten Schutzwaldpreis in einer der vier Kategorien zu erlangen. Die Ausgezeichneten In der Kategorie «Öffentlichkeitsarbeit, Schutzwaldpartner, Innovation» ging das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF mit der Versuchsaufforstung Stillberg an den Start und wurde für «50 Jahre Forschung für den Schutzwald der Zukunft» ausgezeichnet. Der Kategoriensieg ging je doch an das Südtiroler Projekt «Jung & MischwAlt –

gemeinsam wachsen wir», bei welchem Kinder und Senioren gemeinsame Pflanztage erlebten. In der Kategorie «Medienpreis» wurde ebenfalls ein Bündner Projekt ausgezeichnet. Der sehr stimmungsvolle, authentische RTR-Beitrag «Bun enfin miserabel – il stan dal guaud grischun» von Bertilla Giossi zeigt die aktuellen Herausforderungen des Bündner Waldes an den Beispielen von Borkenkäfer-Befällen im Unterengadin, trockenheitsgeplagten Lärchen in Tamins und dem unter Wilddruck leidenden Uaul Puzzastg oberhalb von Surrein. Der Kategoriensieg ging hier an das österreichische Landesfernsehen (ORF) für die Gesamtberichterstattung zu Berg- und Schutzwaldthemen. Schutzwaldpreis Helvetia in der Kategorie «Schul- und Jugendprojekte» an die Schule Jenins Die Waldwoche der Schule Jenins überzeugte die Jury zur Vergabe des Kategoriensieges in der Ka-

Die Ausgezeichneten vom Projekt Stillberg (v. l. n. r.: Walter Schönenberger, Viktoria Frank, Peter Bebi (alle SLF), Monika Frehner (Jurymitglied) und Josef Geisler (Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreter)).

52

(Bild: Emanuel Sutterlüty)


Weitere Kategorien und Preisträger Die übrigen Preise gingen in der Kategorie «Sonderpreis der Jury» an das Vorarlberger Projekt «Wald ist genial. Plenterwald noch viel genialer» und in der Kategorie «Erfolgsprojekte» gewann der St. Galler «Schildkrötenwald Galans – Schutz durch Struktur».

Bertilla Giossi (rechts) mit der Auszeichnung neben Ange­ lika Simma-Wallinger (Chefredakteurin ORF).

(Bild: Emanuel Sutterlüty)

tegorie «Schul- und Jugendprojekte». Dank der Klassenlehrperson Martin Gredig und mit Unterstützung des Zweckverbands Falknis sowie dem Waldpädagogen Günter Dünser durften die Kinder eine unvergessliche Waldwoche erleben und letztlich noch einen Preis dafür entgegennehmen. Engagement für den Wald ist somit gesät. Es keime und spriesse.

Ein Preis mit Tradition und Zukunft Seit seiner Gründung 1981 setzt sich die Arbeitsgemeinschaft Alpenländischer Forstvereine (ARGE) mit Unterstützung der Versicherung Helvetia dafür ein, den Bergwald als naturnahen Lebensraum zu bewahren. Bayern, St. Gallen, Südtirol, Tirol, Vorarlberg, Kärnten, Liechtenstein und Graubünden arbeiten gemeinsam daran, die Zukunft unserer Schutzwälder zu sichern. Gemeinsam geht besser. Der Schutzwaldpreis Helvetia wird jährlich in einem der ARGE-Länder verliehen. Nächstes Jahr treffen wir uns in Bayern. Habt ihr Ideen und Projekte, die wir für die nächste Schutzwaldpreisverleihung einreichen können? Dann meldet euch beim Vorstand.

Die jubelnden Jeninser Kinder mit dem Schutzwaldpreis Helvetia.

(Bild: Land Vorarlberg, B. Hofmeister)

53


Jahresbericht 2025 des Vereins Graubünden Wald 1. Vorstand

An drei Vorstandssitzungen wurden die Geschäf­ te des Vereins im Groben gelenkt. Nach Mitte Jahr zeigte sich der Vorstand weiter stark verjüngt, und ein frischer, freundschaftlicher Spirit begleitet die Sitzungen nach wie vor. Dies macht mir besonders Freude im Hinblick auf meinen 2026 bevorstehen­ den Rücktritt aus dem Vorstand. – Eigentlich ist es nicht viel, und doch. Was wäre, wenn kein Grau­ bünden Wald existieren würde?

2. Aktivitäten

2.1 Jahresversammlung 2025 Unsere Jahresversammlung fand wieder einmal in einem der Valli statt. Wir weilten für zwei Tage als Gäste der Gemeinde und des Forstbetriebs Po­ schiavo. Unsere Gastgeber haben uns mit sehr viel Herzlichkeit, Grosszügigkeit und spannendem Pro­ gramm den Aufenthalt versüsst. An der statutari­ schen Versammlung wurden neue Chargenträger gewählt. Für die Poschiavina Cristina Fisler, welche nach elf Jahren im Vorstand und als Vizepräsiden­ tin verabschiedet wurde, wählte die Versammlung Anita Zuidema, Forstingenieurin im Ingenieurbüro Gadola in Rabius. Fisler wurde aufgrund ihres aus­ serordentlich grossen Einsatzes für den Verein zum Ehrenmitglied des Vereins gewählt. Gian Tschuor wurde neu anstelle des abrupt zurückgetretenen Urs Buchli in die Holzhauereikommission gewählt. 2.2 Skipostenlauf Am Samstag, den 1. Februar 2025, fand der 39. Bündner Skipostenlauf in Zuoz statt. In Chastlatsch trafen sich 90 Personen des Bündner Forstpersonals, wel­ che beim Riesenslalom um die ersten Ränge kämpf­ ten. Bei diesem Anlass, der von den Revierförstern des Oberengadins organisiert wurde, steht der Spass an erster Stelle. Denn es sind Geschick beim Mikadospiel sowie Treffsicherheit beim Luftgewehr schiessen und Schnelligkeit auf den Skiern gefragt. Ein Wettkampf für Gross und Klein! Den Tagessieg holte sich Gianni Bürgi aus Flerden.

54

Dieser spezielle Tag findet für die Mitarbeiter und Familien der Waldbranche unter dem Patronat Ver­ ein Graubünden Wald statt. Dank den vielen Unter­ stützenden und Sponsoren aus dem ganzen Kanton konnte unter dem OK «Oberengadin» ein toller Tag gestaltet werden. 2.3 Lehrabschlussfeier der Bündner Forstwarte Mitte Juni traten 31 angehende Forstwarte aus dem Kanton Graubünden und dem Fürstentum Liech­ tenstein den letzten Teil ihrer Lehrabschlussprüfung in Vaduz und Schaan FL an. Die traditionelle Lehrab­ schlussfeier, welche vom Verein Graubünden Wald organisiert wurde, fand am 27. Juni 2025 auf dem Jakobshorn oberhalb von Davos statt. 29 frisch diplomierte Forstwarte, Berufsbildner, Ex­ perten und Gäste, alles in allem rund 150 Personen trafen sich, um den erfolgreichen Lehrabschluss zu feiern. Die Festredner Walter Krättli und Claudia Bieler, Landrätin Davos und Viola Sala, Bereichs­ leiterin Schulung AWN, würdigten die Leistungen der erfolgreichen Absolvierenden und gratulierten ihnen zur bestandenen Lehrabschlussprüfung. Die feierliche Übergabe der eidgenössischen Fähig­ keitszeugnisse mit der Prämierung der drei besten Lehrabschlüsse wurde von Flurin Guidon angeleitet, wobei er tatkräftig von den Festrednern unterstützt wurde. 2.4 Verband Schweizer Forstpersonal (VSF) 2.4.1 Präsidentenkonferenz des VSF in Olten Am 7. März fand die Präsidentenkonferenz des VSF in Olten statt. Thema war vor allem das vorge­ schlagene Entlastungspaket des Bundes, was auch die Waldbranche und insbesondere die Waldbil­ dung sehr einschneidend treffen würde. Neben der Stellungnahme des nationalen Verbandes wurden auch die Teilverbände ermutigt, eine solche in An­ lehnung an den nationalen Verband zu tun und so bestmöglich Wirkung zu erzielen. Weiter wurde auch über die ausgeschriebene Geschäftsführung der Codoc beraten, und ob der Verband sich dafür


bewerben soll. Die Konferenz lehnte dies jedoch letztlich ab. 2.4.2 Delegiertenversammlung und Verbandsjubiläum des VSF in Losone Der Verband Schweizer Forstpersonal (VSF) hat am Freitag, 12. September 2025 seine ordentliche Delegiertenversammlung durchgeführt. Graubünden Wald, vertreten durch Mitglieder der Forstpersonalkommission und des Vorstandes, war mit vier Stimmen dabei. Der VSF konnte insbesondere über Zuwachs in den Westschweizer Kantonen berichten, was für die Vertretung nationaler Anliegen erfreulich ist. Ebenso ist eine mehrjährige Finanzplanung in Erarbeitung, damit bessere Planbarkeit gegeben ist. Im Anschluss an die Versammlung wurde der Pentathlon del boschaiolo oder Tessiner Holzhauereianlass besucht. Dieser ist für die ganze Bevölkerung offen, mit Wettkämpfen auch für die Kleinsten und ein richtiges Volksfest und beste Lehrlingswerbung. Das Protokoll der DV ist auf der Website des VSF abgelegt. 2.5 ARGE 2.5.1 Vergabe alpiner Schutzwaldpreis Am 14. März 2025 wurden in Brixen gleich zwei Bündner Projekte mit einem ARGE Schutzwaldpreis Hel-

vetia ausgezeichnet. Ein drittes Bündner Projekt wurde hingegen nicht nominiert. Doch der Reihe nach. Die Gelegenheit, ins schöne Südtirol zu reisen, mit fachlicher Vertiefung und gemütlicher Aufenthaltsverlängerung, liessen sich zehn Mitglieder GR Walds nicht entgehen. So reisten sie mehrheitlich am 13. März schon an und genossen Brixen schon einen Tag vor den Feierlichkeiten. Die schöne Feier im Forum in Brixen bescherte zwei Bündner Kategoriensieger. Der Waldbaulehrpfad Unterengadin gewann in der Kategorie Öffentlichkeitsarbeit/Innovation und die Wiederbewaldung am Calanda in der Kategorie Erfolgsprojekte. Giorgio Renz als Vertreter des Engadiner Projektes und Stefan Becker der Churer konnten schwerbepackt und stolz die Weiterreise antreten. Mit Siegestaumel und Unterstützung der ganzen Reisegruppe fiel das leicht. Schon am Nachmittag der Preisverleihung stand der Besuch einer Kelterei auf dem Programm. Am nächsten Tag fand das fachlich spannende Eintauchen ins Windwurf gebeutelte Villnösstal zur Sägerei und in die Waldungen des Waldbesitzers Peter Prader statt. Die Führung wurde begleitet von einem lokalen Förster, der seine Erfahrungen ebenso schilderte. Schliesslich fuhren wir am Sonntag mit zwei Preisen und reich an neuen Eindrücken nach Hause.

ANZEIGE

55


2.5.2 Tagung der Vorstände der ARGE Alpenländischer Forstvereine Im Herbst 2025 trafen sich die Vorstände der ARGE Alpenländischer Forstvereine in Hohenems im Vor­ arlberg, dessen Waldverein die diesjährige Verlei­ hung des Schutzwaldpreises veranstaltet. Neben dem Präsidenten Walter Krättli war erstmals Anita Zuidema als Vertreterin von Graubünden Wald da­ bei. An der diesjährigen Herbst-Sitzung tauschten sich die Mitgliederländer über die aktuellen Waldthe­ men aus, wobei das Thema «Wald-Wild» omniprä­ sent war. Der Erfahrungs-, Meinungs- und Ideen­ austausch an den ARGE-Treffen ist dabei jeweils besonders wertvoll. Aber auch die kulturelle Weiter­ bildung kommt nicht zu kurz. Nach der Sitzung wur­ den die Teilnehmenden von Willy Kreier durch sei­ ne eindrückliche Motorsägen-Sammlung geführt, wobei Dutzende solcher aus aller Welt zu bestaunen waren.

3.2 Forstliche Aus- und Weiterbildungskommission OdA Wald GR Die ODA Wald Graubünden ist nach wie vor gleich zusammengesetzt und wird von Flurin Guidon des AWN geleitet. Philip Christen, Curdin Gregori und Andi Stucki sind die Vertreter von Graubünden Wald. Das Weiterbildungskonzept sieht dreijährige Schwer­ punktthemen vor, wobei 2025 mit dem Thema Holz­ bringung begonnen wurde. Bereits jetzt wurden schon Inputs für die Phase nach 2027 gesucht. Aus der Grundbildung ist zu berichten, dass wie er­ wähnt 29 frische Forstwartinnen und Forstwarte in der Berufswelt begrüsst werden konnten. Im ver­ gangenen August fingen sodann 33 neue Lernende in den Bündner Wäldern ihre dreijährige Lehre an.

3. Kommissionen

3.4 Arbeitsgruppe Wald und Wild Wie schon im vergangenen Jahr hat sich die Ar­ beitsgruppe mit der Umsetzung der Strategie «Le­ bensraum Wald-Wild 2021» befasst. Gerne haben wir zur Formulierung der Wald-Wild-Strategie der ­SELVA Stellung genommen. Nach dem irrtümlichen Abschuss dreier Luchse während der Wolfsregu­ lation 2024 haben wir koordiniert mit der SELVA der Regierung und dem AJF vorgeschlagen, den Moment als Chance für eine notwendige Genauf­ frischung der Schweizer Luchse mit der Ersatzan­ siedlung von Individuen aus fremden Populationen zu nutzen. Mit einer zeitlich unbedachten Medien­ mitteilung zur Ersatzansiedlung zweier Luchse noch während der Dezembersession des Grossen Rates standen die Vorzeichen für ein Zustandekommen zweier parlamentarischer Aufträge, die beide den dauerhaften Verzicht auf die Wiederansiedlung von Luchsen fordert, optimal. – Für uns ein Zeichen mehr, wie wichtig ein kantonales Kommunikations­ konzept im Bereich Wald-Wild wäre.

3.1 Redaktionskommission «Bündner Wald» An der jährlichen Sitzung der Redaktionskommis­ sion im August 2025 wurde Cristina Fisler als lang­ jährige Vorsitzende verabschiedet. Als Nachfolgerin wird Anita Zuidema diese Arbeit übernehmen. Im Namen der ganzen Redaktionskommission und von Graubünden Wald bedanken wir uns herzlich bei Cristina für ihr grosses, jahrelanges Engagement für den «Bündner Wald»! Neben der Rechnung 2024, der provisorischen Rechnung 2025 sowie dem Budget 2026 wurde insbesondere das Redaktionsprogramm für 2026 behandelt. Dafür standen diverse spannende The­ men zur abwechslungsreichen Gestaltung unserer Zeitschrift zur Auswahl. Unser grosser Dank geht an dieser Stelle an die beiden Redaktorinnen Susi Schildknecht und Laura Nett, die mit ihrem grossen Engagement, innovativen und konstruktiven Inputs und ihrer vorbildlichen Arbeit zur Attraktivität des Bündner Waldes beitragen.

56

3.3 Forstpersonalkommission Die Tätigkeit der Forstpersonalkommission be­ schränkte sich auch 2025 auf den Austausch mit dem nationalen Verband Schweizer Forstpersonal.


3.5 Jahresbericht der Kommission Holzhauereimeisterschaften Im Jahr 2025 fanden keine nationalen oder internationalen Wettkämpfe statt. Neben dem Kanton Graubünden organisierten jedoch auch die Kantone Wallis und Bern ihre kantonalen Wettkämpfe. An diesen Anlässen nahmen ebenfalls die drei aktiven Bündner Nico Widmer, Jan Boner und Gian Tschuor, teil. Sie sind Mitglieder der Nationalmannschaft und trainieren gemeinsam in der losen Vereinigung «Bündner im Wettkampf», welche eine strukturierte Trainingsumgebung bereitstellt. Im Oktober wurde zudem die Bündner Holzhauereimeisterschaft in Lostallo durchgeführt, welche in Zusammenarbeit mit der regionalen Festa del Àrbol organisiert wurde. So kamen die Bündner Forstleute nach der Generalversammlung schon ein zweites Mal in den Genuss der Herzlichkeit der Valli. Am Wettkampf nahmen zahlreiche Bündnerinnen und Bündner aus der Region teil. Viele von ihnen standen zum ersten Mal an einer Bündner Holzhauereimeisterschaft im Einsatz, während andere bereits an früheren Austragungen teilgenommen hatten. Gewonnen wurde der Teamwettkampf vom Forst Cazis, der Einzelwettkampf und Bündnermeistertitel ging an Gian Tschuor, bei den Lehrlingen siegte Damian Tönz und bei den Gästen gewann Urs Amstutz. Der Erfolg der 18. Bündner Holzhauereimeisterschaft ist schliesslich allen Wettkämpferinnen und Wettkämpfern sowie den zahlreichen Helferinnen und Helfern zu verdanken, die mit ihrem Engagement zum Gelingen dieses Anlasses beigetragen haben.

5. Dank und Ausblick

Austausch und Diskussion, Einsatz für Gemeinsames, Bündeln der Stimmen von Waldbesitz, Waldbewirtschaftung und Verwaltung, Wertschätzung für Ökologie, Holz und Arbeit, Freundschaft und Horizonterweiterung, Konfrontation mit Unbekannten und Unbekanntem, Berufsstolz, Menschen, Spass und Freude verbinde ich ganz persönlich mit Graubünden Wald. Daher möchte ich mich herzlich bei euch allen bedanken. Ist’s gemeinsam nicht viel einfacher? Untervaz, Februar 2025 Für den Vorstand Walter Krättli

4. Mitglieder

Per 31. Dezember 2025 zählte der Verein 461 Einzelmitglieder und 100 Kollektivmitglieder, insgesamt somit 561 Mitglieder. Die Gesamtzahl der Mitglieder ist gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig. Von den 461 Einzelmitgliedern sind 11 Ehrenmitglieder und 32 Freimitglieder.

57


Jahresrechnung 2025 Erfolgsrechnung 2025

Bilanz per 31. Dezember 2025

Einnahmen

Aktiven

Mitgliederbeiträge Zinsen Sparheft, Obligationen Shop / PR Artikel Leistungsvereinbarung Kt. Graubünden GV Graubünden Wald Tagungen / Veranstaltungen

24 231.25

Kassa

0.00

0.00

Bankkonto GKB CK 432.035.200

60 114.97

0.00

Bankkonto GKB CK 432.035.201

0.00

15 000.00

Debitoren

0.00

Verrechnungssteuer

0.00

Transitorische Aktiven

Ausserordentlicher Ertrag

3 700.00

Total Einnahmen

42 931.25

Total Aktiven

15 000.00 0.00 0.00 75 114.97

Passiven Kreditoren

Ausgaben

12 734.65

Jahresbeiträge

9 100.50

Transitorische Passiven

Spesen Chargenträger

4 421.75

Eigenkapital

Verwaltungsaufwand, Steuern

667.00

Gewinn / Verlust

4 996.85

Shop / PR Artikel

2 538.15

Total Passiven

75 114.97

GV Graubünden Wald

2 084.65

Tagungen / Veranstaltungen «Bündner Wald»

0.00 11 146.00

Leistungen AWN Graubünden Berufsbildung

6 976.35

Holzhauereimeisterschaft

1 000.00

Berufswettkämpfer

0.00

Anerkennungspreis / PR

0.00

ARGE Alpenländische Forstvereine

0.00

Total Ausgaben

37 934.40

Gewinn / Verlust

4 996.85

58

0.00 57 383.47

Vermögensausweis Vermögen am 31.12.2024

57 383.47

Gewinn / Verlust 2025

4 996.85

Vermögen am 31.12.2025

62 380.32

Der Kassier: G. Barandun Summaprada, 5. Februar 2026 Die Revisoren: P. Murbach / M. Cathomen


Budget 2026 Einnahmen

Budget 2025

Rechnung 2025

Differenz 2025

Budget 2026

25 500.00

24 231.25

–1 268.75

24 000.00

15 000.00

15 000.00

3 700.00

3 700.00

40 500.00

42 931.25

2 431.25

Jahresbeiträge

12 000.00

9 100.50

–2 899.50

9 000.00

Spesen Chargenträger

4 000.00

4 421.75

421.75

4 000.00 800.00

Mitgliederbeiträge Zinsen Sparhefte, Obligationen Shop / PR Artikel Leistungsvereinbarung AWN Graubünden

17 500.00

GV Graubünden Wald Tagungen / Veranstaltungen ARGE Alpenländische Forstvereine Schutzwaldpreis Ausserordentlicher Ertrag Total Einnahmen

41 500.00

Ausgaben

Verwaltungsaufwand, Steuern

800.00

667.00

–133.00

Shop / PR Artikel

2 400.00

2 538.15

138.15

500.00

GV Graubünden Wald

1 500.00

2 084.65

584.65

2 000.00

Tagungen / Veranstaltungen

500.00

0.00

–500.00

500.00

15 200.00

11  146.00

–4 054.00

13 200.00

Berufsbildung

9 000.00

6 976.35

–2 023.65

9 000.00

Holzhauereimeisterschaft

1 600.00

1 000.00

–600.00

Berufswettkämpfer

1000.00

0.00

–1 000.00

0.00

0.00

«Bündner Wald» Leistungen AWN Graubünden

Anerkennungspreis / PR ARGE Alpenländische Forstvereine

1 000.00 2 000.00

500.00

0.00

–500.00

500.00

Total Ausgaben

48 500.00

37 934.40

–10 565.60

42 500.00

Einnahmen- / Ausgabenüberschuss

–8 000.00

4 996.85

12 996.85

–1 000.00

59


Erläuterungen des Kassiers zur Erfolgsrechnung und Bilanz 2025 Liebe Mitglieder von Graubünden Wald Im Budget wurde mit einem Defizit von Fr. 8000.– gerechnet. Effektiv resultierte ein Gewinn von Fr. 4996.85. Dadurch vergrössert sich das Vereins­ vermögen per 31. Dezember 2025 auf Fr. 62 380.32. Kreditoren Diese setzten sich aus folgenden Rechnungen zu­ sammen: Bündnerwald Schlussrechnung, Kosten GV in Poschiavo und Spesen eines Kommissionsmit­ glieds. Mitgliederbeiträge und ausserordentlicher Ertrag An der GV 2024 wurde eine Mitgliederbeitragser­ höhung beschlossen, welche für das Jahr 2025 zum ersten Mal verrechnet wurde. Zudem ergab sich ein ausserordentlicher Ertrag, da in der Buchhaltung 2024 eine Spesenauszahlung (Berufswettkämpfer) vorgesehen war, welche anschliessend nicht aus­ gezahlt wurde und so in der Buchhaltung 2025 als Ertrag resultiert. Ausgaben Im Vergleich zum Budget fielen die Ausgaben für die Jahresbeiträge, den Bündner Wald und die Berufs­ wettkämpfer tiefer aus. Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Graubünden Im Rahmen der Leistungsvereinbarung mit dem Amt für Wald und Naturgefahren übernimmt Grau­ bünden Wald unter anderem folgende Aufgaben: – Berufsbildung (OdA Wald, QV-Feier, Prämierung der besten Lehrabschlüsse, Fachtagungen etc.) – Berufswerbung (Berufswettkampf Holzerei, För­ derung von Berufswettkämpfen, Mitwirkung bei Berufsschauen) – Interkantonale und internationale Kontakte (VSF, ARGE Alpenländische Forstvereine)

60

Der direkt diesen Aufgaben zuweisbare finanzielle Aufwand belief sich im Jahr 2025 auf Fr. 7976.35. Darunter befinden sich die Spesen für die erfolg­ reiche Durchführung der Bündner Holzereimeis­ terschaft. Die Lehrabschlussfeier fand in Davos statt. Die Kosten des Aperitifs wurden von der Ge­ meinde übernommen. Herzlichen Dank! Das AWN unterstützte uns wie vereinbart laut Leistungsver­ einbarung mit Fr. 15 000.– in diesem Jahr und hat für das Jahr 2026 eine Unterstützung in Höhe von Fr. 17 500.– in Aussicht gestellt. Der Kassier: Gian Barandun, 6. Februar 2026


Generalversammlung 2026 des Vereins Graubünden Wald Freitag, 8. Mai 2026, Thusis Waldhütte Crappasusta Programm und Anmeldung 9.00 Uhr Eintreffen der Teilnehmer, Kaffee und Gipfel, Tageskasse 9.30 Uhr Beginn Jahresversammlung Graubünden Wald 2026 (Traktandenliste und weitere Informationen sind online) 11.30 Uhr Apéro 12.15 Uhr Mittagessen 14.00 Uhr Kurzvortrag und anschliessende Begehung der Wildbachverbauung Nolla ca. 16.00 Uhr Ausklang Traktanden 1. Eröffnung, Grusswort 2. Wahl der Stimmenzähler 3. Protokoll der GV 2025 4. Jahresbericht 2025 5. Jahresrechnung 2025 und Revisorenbericht

6. Budget 2026 und Mitgliederbeiträge 2027 7. Tätigkeitsprogramm 2026 8. Wahlen 9. Anerkennungspreis/Ernennung von Freiund Ehrenmitgliedern 10. Anträge 11. Mitteilungen Kommissionen/Arbeitsgruppen 12. Tagungsort 2027 13. Informationen des AWN GR 14. Varia Weitere Informationen Aus ökologischen Gründen bitten wir Sie, wenn möglich Fahrgemeinschaften zu bilden bzw. mit dem öffentlichen Verkehr anzureisen. Die Bezahlung erfolgt am Freitag, 8. Mai, an der ­ ageskasse vor Ort (am liebsten bar, möglich auch T mit Twint). Auskünfte Philip Christen: Tel. 081 650 09 41 Anmeldung Rasche Anmeldung ist erwünscht, spätestens jedoch bis am 24. April 2026, online auf unserer Webseite oder mit nachfolgendem Anmeldetalon.

61


Anmeldetalon

Name

Vorname

Adresse

PLZ/Ort

Mobile

E-Mail

Ort/Datum

Unterschrift

Programm

Preis/Person

bitte ankreuzen

Nur Jahresversammlung

kostenlos

Jahresversammlung mit Mittagessen

Fr. 50.–

Jahresversammlung, Mittagessen und Begehung Nolla

Fr. 50.–

vegetarisches Mittagsmenü

Rasche Anmeldung ist erwünscht! Rücksendung bis spätestens 24. April 2026 an: Graubünden Wald, Postfach 17, 7450 Tiefencastel

Hier gehts zur Online-Anmeldung: graubuendenwald.ch/GVAnmeldung26 oder über nebenstehenden QR-Code.

62


Vorschau «Bündner Wald» Juni 2026 Unwetter Misox Die verheerenden Unwetter im Misox vom Juni 2024 bleiben unvergessen … Zwei Jahre danach liegt die offizielle Ereignisanalyse vor. Klar ist, 100% Schutz vor Naturgefahren ist nicht realistisch, es gilt aber, neue Erkenntnisse zu implementieren und auch hier interdisziplinär vorzugehen. Die strategische Bündner Antwort auf diese Herausforderungen heisst Integrales Risikomanagement bei Naturgefahren. Im «Bündner Wald» teilen verschiedene Akteure von damals ihre Erfahrungen. Redaktion: Susi Schildknecht

Vorschau auf die nächsten Nummern: August 2026: Pioniere Redaktion: Laura Nett-Brunner Redaktionsschluss: 12. Juni 2026 Oktober 2026: Waldbau Redaktion: Susi Schildknecht Redaktionsschluss: 7. August 2026

Herausgegeben von Graubünden Wald und der SELVA Verlag: © Somedia Production AG, CH-7007 Chur Sekretariat: SELVA, Bahnhofplatz 1, CH-7302 Landquart, Telefon ­+ 41 (0) 81 300 22 44, buendnerwald @ selva-gr.ch Redaktion: Susi Schildknecht, susi.schildknecht@bluewin.ch, Laura Nett, redaktion@buendnerwald.ch. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge in nicht verlangter Form ohne Rückfrage zu ändern. ­Herstellung: communicaziun.ch, 7130 Ilanz. Erscheint sechsmal jährlich. Auflage: 1300 Exem­­plare Inserate: Somedia Promotion AG, Telefon + 41 (0) 81 650 00 70, thusis @ somedia.ch Abonnements­ preise: CHF 70.– (inkl. MwSt. für Mitglieder Verein Graubünden Wald) Abonnemente/Adressände­rungen: Telefon 0844 226 226, mutationen@graubuendenwald.ch, www.buendnerwald.ch Für Inseratetexte übernimmt die Redaktion keine Verantwortung, auch muss die Meinung der Beiträge nicht mit der Ansicht der Redaktion übereinstimmen. Schreibende, die zu oben stehenden Themen publizieren möchten, sind herzlich eingeladen, ihre Vorschläge der Redaktion einzureichen.

63


ANZEIGE

Kraft Präzision Verlässlichkeit

Wir sind genau, effektiv und modern. Zudem zeichnet uns das spezielle Transportsystem, die Arbeitssicherheit sowie das umweltschonende Arbeiten aus.

Tabrec Recycling AG Industriestrasse 19 . CH-7304 Maienfeld Telefon +41 81 303 73 60 . r.kollegger@tabrec.swiss ANZEIGE

Naturstrassensanierung Schlitzfräse für Wasserrinnen

Bodenstabilisierung Asphaltfräsen

Hangverbauungen Rekultivierungen

Forstmulcharbeiten Wurzelstockfräsen

PIRMIN COTTI ¦ VEIA DA FLIX 16 ¦ 7456 SUR ¦ 079 745 61 21 ¦ PIRMIN@VEIAS.CH ¦ NATURSTRASSEN.CH


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
BueWa_02_2026_low by buendnerwald.ch - Issuu