Das JahresMagazin
Weitergeben | Doris KÜnig wird neue Präsidentin der Bucerius Law School Lernen | Wie Moot Courts auf das Berufsleben vorbereiten Vorausdenken | Neues IP-Center zum geistigen Eigentum im 21. Jahrhundert
Bu c er iu s La w S c h o o l Ma g a z in e 2009
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… ein Blick zurück und nach vorn
Foto: Odile Hain. Titelfoto: Achim Liebsch
Liebe Alumni, liebe Studierende, liebe Freunde der Bucerius Law School, aus vielen Rückmeldungen wissen wir, dass die re.vision – unser Jahresbericht – nicht nur Leser, sondern auch schon Sammler hat. Kein Wunder, denn neben dem (dank der ZEIT-Stiftung sowie zahlreicher Förderer zum Glück immer positiven) nüchternen Zahlenwerk bildet er mit Geschichten und Fotos ab, was innerhalb des vergangenen akademischen Jahres wichtig war. Dieses Jahr kommt ein besonderer Blick zurück und zugleich nach vorn dazu: die Staffelübergabe im Präsidentenamt, von Karsten Schmidt zu Doris König. Wir nutzen diesen prominenten Platz im Editorial, um uns vor unserem bisherigen Präsidenten, dem großen Wissenschaftler, engagierten Lehrer und vielleicht letzten Universalgelehrten Karsten Schmidt, zu verneigen und ihm zu danken für die wunderbare Zusammenarbeit während seiner beiden Amtszeiten. Wir sehen zugleich dem künftigen Zusammenspiel mit Doris König freudig entgegen und ermuntern – ganz in ihrem Sinne – Sie alle, an der Weiterentwicklung unserer Hochschule auch künftig teilzuhaben: als Alumni, Freunde, Förderer, Eltern, Studenten und Wegbegleiter. Dass es sich lohnt, an einem so inspirierenden und immer wieder nach Exzellenz strebenden Wunderwerk wie einer privaten, forschungsorientierten Stiftungshochschule mitzuwirken, veranschaulicht nicht zuletzt dieses Magazin. Viel Freude beim Lesen, Ihre
Dr. Hariolf Wenzler Geschäftsführer
Benedikt Landgrebe Stellvertretender Geschäftsführer
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Tagesschau
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06 Der Gerd Bucerius Tag Die K rönung
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10 Präsidentenwechsel an der Bucerius Law School Bucerius Clips # 01
15 Kurz vermeldet
Täuschend Echt
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Unter Verschluss Studenten öffnen ihre Fächer
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Neues Recht für neue R äume
22 Das IP-Center
Bucerius Clips # 0 2
27 Kurz vermeldet
Ansichtssache
28 Die Hochschule auf dem Prüfstand Persönlichkeiten gesucht
30 Studium generale und Studium personale
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Ankl age und Ver teidigung
33 Hochschulen und private Förderer Richtig ver ze ttelt
34 Outlaw: Hans Siem Schweiger Masters of the Universe
36 Grüße aus Istanbul und London 39
Fac ts & Figures Der Jahresabschluss
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In der Cof fee Lounge
44 ... mit Michael Stich und Sebastian Bong Compliance Check
48 Im Test: das Facility Management Gästebuch
49 Appelle ans Auditorium … und, wie war ich?
50 Felix Wendenburg über seine Premiere als Mediator
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Tagesschau Der Gerd Bucerius Tag
Ein Tag, zehn Projekte und über 100 Teilnehmer: Beim ersten Gerd Bucerius Tag setzten sich am 13. Juni 2012 die Studenten für die Gesellschaft ein – von Aktionen in einem Seniorenheim und im Wilhelmsburger Haus der Jugend bis hin zu Einsätzen bei der Stiftung Mittagskinder. Das Ziel: eine Initialzündung für mehr gesellschaftliches
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Engagement zu liefern.
Um 14:00 Uhr starteten die Aktionen. Vom Campus aus machten sich die Gruppen gemeinsam auf den Weg.
Text: Xenia von Polier. Fotos: Odile Hain
Äpfel, Bananen – was fehlt noch? Wissenschaftliche Hilfskraft Paul Rühmann besorgte die Verpflegung für das Fußballturnier auf der Moorweide.
Die Hauptperson: Gerd Bucerius als Vorbild und Stifter. Im Andenken an ihn wollten die Studenten gemeinsam in und für Hamburg aktiv werden.
Ihren Einsatz haben die Studenten selbst organisiert. Dazu zählte die Auswahl der verschiedenen Projekte und die Koordination der einzelnen Gruppen. Unterstützung bekamen sie vom ZSP, dem Zentrum für Studium generale und Persönlichkeitsentwicklung.
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Eine Erfahrung, die sich vielen Teilnehmern einprägte: wie viel Zuneigung und Aufmerksamkeit speziell die Kinder brauchen und wie viel sie davon gleichzeitig zurückgeben.
Barrieren lassen sich oft spielend abbauen: So versucht das Projekt „Sport und Spaß mit Kindern“ in Wilhelmsburg, interkulturellen Dialog und wechselseitiges Kennenlernen zu fördern.
Perspektivwechsel vor Ort: Ziel der gemeinsamen Aktionen war es unter anderem, die Lebenswirklichkeiten verschiedener Gesellschaftsgruppen kennenzulernen.
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Doch was bringt ein solcher Sozialtag eigentlich für die Betroffenen? Und warum lohnt sich der Einsatz für die Studenten?
Der Verein will 15 Kindern aus dem verstrahlten Tschernobyl-Gebiet Erholungsurlaub in der Nähe von Hamburg finanzieren.
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Und auch mit Fachwissen kann man helfen: Anastasia Shelestova, Franziska Maktée, Anna Lena Garde und Benjamin Fischer beschäftigten sich mit der Frage, wie man das Fundraising im Verein „Privet – Hilfe für Tschernobyl Kinder“ verbessern kann.
„Hände hoch für Waffenkontrolle – Jede Minute stirbt ein Mensch durch Waffengewalt“: Unter diesem Motto wollte die Amnesty-InternationalHochschulgruppe mit einem Flashmob auf dem Jungfernstieg den Beschluss eines UNO-Vertrags zur Kontrolle des Waffenhandels unterstützen.
Dazu verteilten die Studierenden als Handgranaten verpackte Äpfel an Passanten.
Schuss, Tor und eine Siegerurkunde von Tina Klapproth, Hamburger Geschäftsführerin des Mentorenprojekts „Big Brothers, Big Sisters“. Das Ziel des Turniers: ein Auftakt für mehr Engagement. Mehr als 100 Jungen und Mädchen suchen noch Mentoren.
Umsorgt werden, aber auch selbst anpacken: Bei der Stiftung Mittagskinder kochten die Studenten mit Kindern aus sozial benachteiligten Familien.
Jeder kann durch persönlichen Einsatz einen Unterschied machen: Beim Sektempfang ließ Karsten Schmidt noch einmal seine Erinnerungen an Gerd Bucerius wach werden.
Am Ende waren sich alle einig: An einem Tag kann man schon viel erreichen, und davon profitieren alle Beteiligten. Doch die studentischen Organisatoren Jonas Versen und Jasper Castell betonten auch: Es reicht nicht, sich für einen Tag einzusetzen. Wichtig ist stetes und langfristiges Engagement.
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Die Krönung
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Pr äsiden t en w echsel a n Der Bucerius L aw School
Doris König, die neue Präsidentin der Bucerius Law School und Inhaberin des neu eingerichteten ClaussenSimon-Stiftungslehrstuhls für Internationales Recht, und ihr Vorgänger Karsten Schmidt sprechen mit einem Studierenden und einem Alumnus über Frauenquoten, die Entwicklung der juristischen Ausbildung und die künftige Rolle der Alumni. Lukas Zöllner, Generalsekretär der Studierendenschaft der Bucerius Law School: Herr Schmidt, es ist bekannt, dass Sie gerne Geige spielen. Haben Sie durch das Musi zieren etwas gelernt, das Sie hier für Ihre Tätigkeit als Prä sident und Professor gebrauchen können? Karsten Schmidt: Das müsste der Umgang mit Lam penfieber sein, aber das habe ich in Vorlesungen nicht. Eigentlich stört mich die Musik bei meinen Vorlesungen
eher, da ich immer etwas Symphonisches oder ein Streich quartett im Kopf habe. Ich denke dennoch, dass die Be fassung mit Kunst für Jura eine ganz große Rolle spielt. Jura ist Kunst. Man kann es auch als Handwerk betrei ben. Aber irgendwo sollte es einen künstlerischen An spruch haben. Zöllner: Frau König, von Ihnen wissen wir, dass Sie vor einiger Zeit den Kilimandscharo bestiegen haben. Inwie fern hat Sie diese Erfahrung geprägt hinsichtlich Ihrer Tätigkeit als Professorin und zukünftige Präsidentin der Bucerius Law School? Doris König: Die Eigenschaften, die man benötigt, um Professorin zu werden, braucht man auch am Kili mandscharo: Man benötigt Ausdauer, muss auch mal einen Hänger überwinden und das Ziel vor Augen haben. Das war ein einmaliges Erlebnis und sicherlich eine Erfah rung, die man hier im Alltag ab und zu einbringen kann. Obwohl ich nicht hoffe, dass ich mich hier ständig in Grenzsituationen befinden werde. Schmidt: Das ist unwahrscheinlich. Zöllner: Was sagen Ihre Freizeitaktivitäten über Ihre Führungsstile aus?
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Ein Ort, der beide Präsidenten verbindet: Karsten Schmidt, Experte für Handelsrecht, und Doris König, Expertin für Seerecht, am Hamburger Hafen
Welche Aufgaben haben Ihnen als Präsident am meisten Spaß gemacht? Schmidt: Die großen Ereignisse: die Eröffnung des akade mischen Jahres, die Orchesterveranstaltungen, alles, was mit Kunst zu tun hat. Aber auch das Tagesgeschäft ist hier weniger Arbeit als ein riesiges Vergnügen. Der „Spirit“ ist hier so besonders. Hejma: Was waren die wichtigsten Beiträge Ihrer Präsi dentschaft? Schmidt: Ich hoffe, dass ich die Internationalisierung vorangebracht habe. Doch der wichtigste Beitrag war ei gentlich vor meiner Amtszeit: das Wagnis, die Bucerius Law School zu gründen, das wir in der ZEIT-Stiftung ein gegangen sind. Was ich während meiner Präsidentschaft getan habe, halte ich nicht für bedeutend. Ich denke mir nicht allein etwas aus, und dann muss es getan werden. Das kommt aus der Fakultät, aus der Studierendenschaft und aus der Hochschulleitung. Wir sammeln im Team ständig Ideen für die Zukunft. Hejma: Und was erwarten Sie von Frau Königs Präsident schaft? Schmidt: Für mich ist dies ein großes Versprechen und eine glückliche Wahl, dass Frau König meine Nachfolge rin wird. Ich freue mich auch deswegen darauf, weil ich weiterhin an der Bucerius Law School tätig sein werde. Ich will nicht sagen als ihr Untertan – aber eine Königin braucht Menschen, die ihr zuarbeiten. Ich werde im Team bleiben. Zöllner: Frau König, an welche Erfolge von Herrn Schmidt möchten Sie anknüpfen? König: Die Internationalisierung wird ein wichtiges Thema bleiben, das wir ausbauen sollten – zum Beispiel, indem wir noch engere Beziehungen zu Partneruniver sitäten knüpfen. Im Bereich Doktoranden- und Postgra duierten-Studium können wir Kooperationen erweitern. Ich halte es für wichtig, interkulturelle Kompetenzen zu fördern. Wir könnten weitere Zusatzveranstaltungen an bieten – auch für die Alumni. Zöllner: Frau König, vor Kurzem haben Sie in einem In terview geäußert: „Die Gleichstellung ist für mich noch lange nicht abgehakt.“ Nun aber sind Sie eine von gerade mal drei Professorinnen an der Bucerius Law School. Was muss an unserer Hochschule in diesem Bereich geschehen? König: Da gibt es tatsächlich deutlichen Optimierungsbe darf. Allerdings geht es bei Berufungen natürlich um glei
Meinen Sie Tennis? Nun, die Präsidentschaft ist ein ernstes Geschäft, das man auch spielerisch betreiben kann. Die Führung einer Hochschule ist Teamwork. Ich bin entschieden gegen autokratische Methoden. Zöllner: Wie ist Ihr Führungsstil, Frau König? König: Ich würde ihn als kommunikativ beschreiben. Ich arbeite gern mit Kollegen zusammen. Doch wenn es im Team nicht klappt, werde ich auch ein ernstes Wort spre chen. Ich hoffe aber, dass ich hier im Zusammenspiel mit den Kollegen so führen kann, wie es bei Herrn Kötz und Herrn Schmidt üblich war. Martin Hejma, Alumnivertreter der Bucerius Law School: Herr Schmidt, ein Rückblick auf Ihre Präsidentschaft: Welche Erwartungen hatten Sie, als Sie vor acht Jahren Präsident wurden? Schmidt: Ich bin nicht mit einem festen Plan hergekom men, sondern ein bisschen hineingeschlittert. Eigentlich wollte ich damals vermeiden, Präsident der Hochschule zu werden, weil ich im Vorstand der ZEIT-Stiftung sitze und als Mitgründer ein Problem darin sah, auf der Geber- und Nehmerseite zu stehen.
Aufgezeichnet von: Xenia von Polier. Fotos: Odile Hain
Schmidt:
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Hejma:
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che Qualifikationen. Aktuell haben wir ein Berufungs verfahren für eine Junior-Professur. Unter den Bewerbern gibt es auch Frauen. Doch erst mal kommt es auf die Leis tung an. Es ist nicht meine Art zu sagen: Es wird auf jeden Fall die Frau genommen – das wäre übrigens auch rechts widrig. Weiter nachdenken müssen wir aber auch über unseren Anteil von Studentinnen. Der liegt bei nur knapp 35 Prozent. An staatlichen Universitäten sind es ungefähr 50 Prozent. Noch ist nicht ganz klar, woran das im Ein zelnen liegt: Ist das nur eine Frage der Ermutigung und Werbung? Oder hat es mit unserem schriftlichen Test zu tun? Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass Frauen diese Art Tests nicht so gut bestehen wie Männer. Dem müssen wir nachgehen. Hejma: Was halten Sie von einer festen Frauenquote? König: Ich weiß, dass die sehr umstritten ist. Zunächst müssen wir daher überlegen, ob es auch andere Möglich keiten gibt – etwa eine Veränderung des Tests. Eine harte Frauenquote ist immer das allerletzte Mittel – aber ganz ehrlich: Wenn es nicht anders gehen sollte, wäre ich nicht völlig dagegen. Schmidt: Ich aber! Wegen der Quote, nicht wegen der Frauen. Hejma: Wir haben im Alumni-Verein schon 800 Mit glieder und eine Organisationsquote von über 80 Pro zent. In den nächsten Jahren werden wir immer mehr. Welche Mitwirkung erhoffen Sie sich von den Ehema ligen? König: Ich wünsche mir, dass sie weiterhin mitgestalten, Ideen beitragen und Diskussionsbereitschaft zeigen. Wünschenswert ist natürlich auch, dass die Organisati onsquote so hoch bleibt, denn das ist für die Hochschule
„Eine harte Frauenquote ist immer das allerletzte Mittel – aber ganz ehrlich: Wenn es nicht anders gehen sollte, wäre ich nicht völlig dagegen.“ sehr wichtig. Und wenn Sie alle in gut bezahlten Positi onen sind, freue ich mich, wenn Sie auch finanziell an ihre alte Hochschule denken. Amerikanische Universitäten beispielsweise leben von den Spenden ihrer Alumni. Aber es geht auch um Input und Mentoring: Es wäre schön, wenn wir in die bestehenden Mentorenprogramme auch unsere eigenen Alumni einbinden könnten. Wichtig ist mir zudem die Bereitschaft vonseiten der Absolventen, mit Rat und Tat den Studenten zur Seite zu stehen – viel leicht auch die Bereitschaft, das kategorische Nein zur Frauenquote noch einmal zu überdenken und ein wenig offener in diese Diskussion zu gehen. Hejma: Wie schaffen wir es weiterhin, besondere Stu denten an die Bucerius Law School zu holen? Hilft der Auswahltest dabei oder ist dieses Außergewöhnliche et was, das erst durch die Gemeinschaft hier an der Hoch schule entsteht? Schmidt: Beides. Jedenfalls hoffe ich, dass der Auswahl test ganz erheblich dazu beiträgt. Es geht nicht darum, die besten Musterschüler herzuholen. Zwar muss man Menschen finden, die in der Lage sind, solch ein Studium durchzuhalten. Aber gleichzeitig ist es das Ziel dieses Auswahltests, Offenheit und Entfaltungsmöglichkeiten zwischen den Studierenden zu gewährleisten.
Ich denke, die Studierenden suchen sich hier Gleichgesinnte und spornen sich gegenseitig an. Ein tolles Beispiel ist die Law Clinic, die von der Studierendenschaft initiiert worden ist. Unter den Tisch kehren möchte ich aber nicht, dass ich ein bisschen Sorge habe, dass dieser Wettbewerb nicht nur positiv ist. Manchmal scheint es, dass sich einige Studenten verrückt machen, indem sie im mer wieder schauen, wer wie viele Punkte hat. Dem müs sen wir mit Gesprächen entgegenwirken. Hejma: Es fällt während des Studiums schon sehr früh der Begriff der „Neun-Punkte-Grenze“. Sollte nicht verhindert werden, bereits im ersten Jahr das Studium damit zu belasten? König: Das ist keine Grenze, die wir setzen. Entweder man besteht eine Klausur oder nicht. Der Druck, neun Punkte oder mehr zu erreichen, entsteht unter den Studenten. Ei nige erreichen neun Punkte oder mehr – prima. Andere brauchen eben ein bisschen länger, um das juristische Den ken und das Klausurenschreiben zu lernen. Es gibt genü gend Beispiele von Studenten, die im ersten Jahr schwächer waren und im zweiten und dritten Jahr zulegten. Am Ende machten sie dann gute Examina. Hejma: Wenn Sie die Entwicklung der Jura-Ausbildung an der Bucerius Law School betrachten, was hat sich in den vergangenen zwölf Jahren verändert? Schmidt: Im Detail gibt es viele Veränderungen, im Kon zept nur wenige. Das hängt damit zusammen, dass sich im Großen und Ganzen das vom ehemaligen Präsidenten Professor Kötz gesponnene Netzwerk mit den auslän dischen Universitäten und das Studienprogramm sehr bewährt haben. Wichtig war aber auch, dass alle an einem Strang gezogen haben. Hejma: In welchen Bereichen könnte man wieder einen Schritt nach vorn machen? Schmidt: In der Entwicklung der juristischen Ausbildung. Es geht um Fragen wie: Was wird aus dem Referendariat? Was wird aus der Fortbildung und der Beteiligung von Anwälten als Executive Education? Im Promotionswesen muss man überlegen, wie Promotionen in Zukunft aus sehen werden. Eine Möglichkeit wäre, näher an den J.D. heranzurücken. Es schreiben dann diejenigen eine Promo tion, die wirklich Wissenschaft machen wollen. Und all jene, die in die Praxis wollen, brauchen den Doktor viel leicht nicht mehr so dringend. Hejma: In der Forschung sind die staatlichen Universitäten im Vorteil und weisen ein größeres Renommee vor. Wie ist die Bucerius Law School als relativ junge Universität aufge stellt? König: Die Forschung hat bei uns einen hohen Stellenwert. Aber wir müssen darüber nachdenken, ob wir Forschungs schwerpunkte bilden wollen. Wir sind eine kleine Fakul tät. Die Frage, die wir diskutieren müssen, lautet also: Ist es sinnvoll, viele dazu zu bringen, in einem Bereich zu for schen, obwohl sie vielleicht ganz andere Interessen haben und in anderen Strukturen zusammenarbeiten wollen? Gleichzeitig denken wir darüber nach, ein Graduierten programm aufzustellen. Das wäre in gewisser Weise ein gemeinsames Forschungsprojekt. Mindestens vier bis sechs Kollegen müssten ganz eng zusammenarbeiten. Zöllner: Herr Schmidt, Sie behalten Ihren Lehrstuhl und werden weiterhin an der Bucerius Law School Dozent und Forscher sein. Was wollen Sie den Studenten in Zukunft mit auf den Weg geben? König:
Ich bringe ihnen Dinge bei, die ich selbst noch nicht weiß. So ist die Praxis, und so ist die Lehre. Man gibt nicht das weiter, was man irgendwann mal aufgenommen hat, sondern man lernt selbst hinzu. Wichtig ist, dass man für das Unerwartete gerüstet ist. Zöllner: Wie waren Sie beide eigentlich in Ihrer Studen tenzeit? Waren Sie gelassen? König: Nicht unbedingt, aber auch nicht karrierefixiert. Natürlich wollte ich ein gutes Examen machen. Aber dieses Verkrampfte, das ich hier manchmal erlebe, hatte ich nicht. Ich war vor allem sehr viel unbedarfter. Ich habe Jura angefangen, ohne mir große Gedanken darüber zu machen. Natürlich wusste ich, dass ich mein erstes Exa men machen muss. Über das zweite Examen habe ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht. Als ich das Völker recht für mich entdeckt habe, hat es angefangen, mir rich Schmidt:
„Dass man später sehr viel arbeiten muss, ist völlig klar. Aber auch da wirkt es sich aus, woher man seine Inspiration nimmt und wo der Lebensgenuss herkommt.“ tig Spaß zu machen. In einem Interview haben Sie gesagt, dass Sie im zweiten Semester einen Hänger hatten. König: Ja, stimmt. Ich war kurz davor, etwas anderes zu machen: Ich dachte darüber nach, Dolmetscherin zu wer den. Ich habe es mir dann aber noch einmal überlegt. Schmidt: Ich wollte anfangs gar nicht Jurist werden, sondern das Examen nur bestehen, um hinterher journalistisch tätig zu sein. Dazu studierte ich zusätzlich Geisteswissenschaften. Die Juristerei ging aber nachher sehr viel besser, als ich ge dacht hatte, und so bin ich hängen geblieben. Den philolo gischen Touch habe ich aber nie ganz abgelegt. Zöllner: Wann haben Sie entschieden, kein Journalist zu werden? Schmidt: Schon vor dem ersten Staatsexamen, weil Jura doch ganz spannend war. Man muss ja ziemlich viel ar beiten, daher habe ich keine Praktika mehr gemacht, die Philosophische Fakultät beiseite gelassen, aber weiter gelesen, gelesen, gelesen. Ich habe vor allem mit Büchern studiert. Zöllner: Haben Sie sich auch mit anderen Studenten aus getauscht? Schmidt: Nein, ich habe auf eine Weise studiert, die ich niemandem empfehlen kann. Ich war immer für mich und hatte keine Arbeitsgemeinschaft mit Kommilitonen. Die Scheine habe ich irgendwie gemacht und mich dann zum Examen gemeldet. Das ging zum Glück wunderbar. Zöllner: Herr Schmidt, Sie haben mal gesagt: „Unser Ideal student paukt nicht nur, sondern spielt abends noch Streich quartett, treibt Sport, engagiert sich in einer Partei oder Or ganisation.“ Würden Sie das heute noch unterschreiben? Schmidt: Ja. Ob das nun unbedingt das Streichquartett oder die Parteiarbeit ist – das sind Beispiele. Aber ich halte es für wichtig, dass man auf Vielfalt ausgerichtet ist. So sind die Juristen, von denen ich mir später im Beruf viel verspre che. Dass man später sehr viel arbeiten muss, ist völlig klar. Aber auch da wirkt es sich aus, woher man seine Inspiration nimmt und wo der Lebensgenuss herkommt. Es kommt nicht nur auf den Golfclub und die Weinsorten an. Wich Zöllner:
tig ist auch die Frage, welche Bücher man liest und was für Theaterstücke man sieht. Das wird früh angelegt. Zu sagen: „Wenn ich 50 bin, fange ich damit an“, ist illusorisch. Hejma: Frau König, wie viel Zeit darf denn ein BuceriusLaw-School-Student zu Hause auf der Couch verbringen? König: Das überlasse ich gerne den Studenten selbst. Aber sie sollten ruhig einfach mal die Seele baumeln lassen. Im Übrigen lege ich mich auch mal auf die Couch, da unter scheide ich mich wohl von Herrn Schmidt. Schmidt: Es kommt bei der Couch natürlich immer da rauf an, ob man sie als Unterlage zum Fernsehen oder zum Lesen nimmt. Hejma: Wie sieht für Sie in der Praxis der ideale Jurist aus? König: Der ideale Jurist ist für mich jemand, der verant wortungsbewusst ist und Lösungen anstrebt, die pragma tisch sind und zu einer Befriedung beitragen. Das ist na türlich sehr als Richterin gedacht. Aber letztlich muss ich auch als Anwalt dazu beitragen, dass man zu einer halb wegs befriedenden Lösung kommt. Man muss auch immer im Kopf behalten: Was für Konsequenzen hat das für die Menschen, die hinter den Akten und Fällen stehen? Schmidt: Ich möchte noch den Mut ergänzen. Mut hat ja mit der Bereitschaft zu tun, Verantwortung zu tragen und auch mal unkonventionell zu sein. Gerd Bucerius, den ich sehr gut gekannt habe, sagte immer: Der Tatbestand kommt vor den Entscheidungsgründen. Er war ein Mann, der immer darüber nachgedacht hat, was als Ergebnis he rauskommt, und der sich nicht immer nur nach Beifall um gesehen hat. Man muss einerseits ein Gefühl dafür besitzen, was akzeptiert wird, und andererseits seinen Prinzipien treu bleiben. Hejma: Frau König, was bedeutet Ihnen der Namensgeber Bucerius? König: Ich habe ihn nicht mehr persönlich gekannt, aber ich habe mich natürlich in Büchern informiert. Gerd Buce rius war sicherlich ein streitbarer Mann, ein mutiger Mann, ein gradliniger Mann, der auch durchaus mal einen flotten Spruch drauf hatte. Und natürlich muss man ihm im Nach hinein dankbar sein, dass er die Weitsicht hatte, sein Geld in dieser Stiftung anzulegen. Sonst gäbe es uns heute nicht. Ohne ihn glorifizieren zu wollen, denke ich, dass Gerd Bu cerius ein Vorbild ist.
Im Gespräch an der Bucerius Law School
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Raum für kluge Köpfe, Platz für unvergessliche Feste Sie planen eine Veranstaltung – Bucerius Event bietet Ihnen die passende Kulisse. Im Herzen Hamburgs oder im großzügigen Goßlers Park in Blankenese konferieren und feiern Sie in schönstem Ambiente! Die Bucerius Law School: Lassen Sie sich von Kontrasten zwischen modernem Design, historischer Bauweise und der Campus-Atmosphäre inspirieren! In unmittelbarer Nähe zum Hamburger Stadtzentrum finden Sie im gläsernen Auditorium, in Seminarräumen und dem neuen Bibliotheksund Hörsaalgebäude den idealen Rahmen für Veranstaltungen mit wissenschaftlichem Flair. Das Goßlerhaus: Stilvolle Räume vereinen Tradition und Moderne in wundervoller Umgebung. Die klassizistische Villa in Elbnähe bildet eine exklusive hanseatische Kulisse für Vorstandssitzungen, Seminare, Empfänge, festliche Dinner, Konzerte sowie für Hochzeiten, Taufen, Konfirmationen, Jubiläumsfeierlichkeiten ... Das Bucerius Event-Team freut sich über Ihre Anfrage. Kontakt: www.bucerius-event.de, bucerius-event@law-school.de, (040) 3 07 06-217 Bucerius Education GmbH, Bucerius Conference & Event Management, Jungiusstraße 6, 20355 Hamburg Die Bucerius Education GmbH ist eine 100% ige Tochter der Bucerius Law School – Hochschule für Rechtswissenschaft – gGmbH
Bucerius Clips # 01
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Champions Trophy 2012
Vor 300 Jahren wurde Friedrich der Große geboren – doch was für ein Mensch war der Preußenkönig eigentlich? Antworten bot eine vierteilige Vortragsreihe, die das Studium generale und die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius zwischen Januar und Juni 2012 an der Bucerius Law School organisiert hatten.
>>> Rückblick 2011/2012
28. Oktober 2011 Erster Elterntag an der Bucerius Law School 2. Dezember 2011
Menschen - campus - themen - Leben - welt
Friedrich der GroSSe
„3 Days, 9 Sports, 2 Parties“ – unter diesem Motto haben Studenten der Bucerius Law School vom 4. bis 6. Mai die Champions Trophy 2012 veranstaltet. Über 450 Studenten von 13 europäischen Hochschulen nahmen an dem Sportfest teil. Besonderer Höhepunkt: ein überraschender Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die zufällig in der Nähe des Ziels vom Alsterlauf gelandet war.
Affiliate Professor Reinhard Zimmermann wird neuer Präsident der Studienstiftung
Fussball für den guten Zweck
24. Februar 2012
Die Gewinner dieses Spiels standen schon vor dem Anstoß fest: die mittellosen Kinder, für die beim Bucerius Benefiz Cup am 9. Juni 2012 acht Teams aus Hamburger Anwälten und Richtern kickten. Für den Missionseinsatz sammelten die Studenten der Bucerius Law School Startgelder in Höhe von über 4 600 Euro ein.
Startschuss für das Bucerius Mentoring-Programm 13. – 16. März 2012 52. Assistententagung Öffentliches Recht in Hamburg 13. Mai 2012 Zukünftige Kooperation
Fotos: Bucerius Law School, Kai Kullen (r.u.)
Neues Fakultätsmitglied
Prominenter Zuwachs: Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Wolfgang Hoffmann-Riem ist seit Juni neues Fakultätsmitglied der Bucerius Law School. Der frühere Jus tizsenator der Stadt Hamburg und emeritierte Professor der Universität Hamburg wird an der Hochschule seine Forschungen über das Verhältnis von Recht und Innovation fortsetzen. Kleine Pause
Lust auf ein kleines Nickerchen? Im ausgeb auten Dachgeschoss der Bucerius Law School gibt es seit März 2012 den „Napping Room“. Um ihre Konzentrationsfähigkeit zu steigern, können Studenten dort hinter Vorhängen kurze Pausen einlegen. Übernachtungen sind allerdings nicht gestattet.
Mit einer Debatte zum Thema „Trends in der Zusammenarbeit von Unternehmen und Kanzleien“ startete am 18. November 2011 die erste Tagung des Bucerius Center on the Legal Profession. 100 Teilnehmer tauschten sich über Innovatio nen in der Rechtsdienstleistung und Kriterien bei der Auswahl von Kanzleien aus. L aw Clinic
In Kooperation mit dem Diakonischen Werk Hamburg gründet die Bucerius Law School ein Zentrum für Rechtsberatung. Ab Herbst 2012 unterstützen in der Law Clinic engagierte Studenten sowie erfahrene Anwälte ehrenamtlich Ratsuchende in Rechtsangelegenheiten. Schwerpunkte sind Sozial-, Asyl- und Ausländerrecht.
Bundesfachschaftentagung an der Bucerius Law School 14. Mai 2012 Erste LL.M.-Messe an der Bucerius Law School 21. – 25. Mai 2012 Fünftes Bucerius Leadership Program 5. Juni 2012 Zehn Jahre Jusos an der Bucerius Law School 7. Juni 2012 Erste Christian-WildeGedächtnisvorlesung 8. Juni 2012 Absolventenehrung 15. Juni 2012
Stiftertag im Bucerius Kunst Forum 22. Juli 2012
Beginn des Bucerius Summer Programs 27. Juli 2012 Beginn des Discovery Summer Camp an der Bucerius Law School
Täuschend echt
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Moot Cour ts
Bei nationalen und internationalen Moot Courts haben Studenten der Bucerius Law School im vergangenen Jahr ihr Talent als Anwälte bewiesen. Warum waren sie so erfolgreich? Eine Spurensuche. Für die Parteien geht es um viel Geld: Das Unternehmen Nexus Construction hat für die University of the West Midlands ein Institut für Weltraumforschung gebaut. Während der Bauphase verhandelte Nexus drei Millionen Pfund nach – andernfalls könne das Institut nicht fristge-
recht fertiggestellt werden. Doch der Beklagte, die Universität, will nur den ursprünglich vereinbarten Preis zahlen und hält dagegen: Nexus hätte sie erpresst, das Gebäude ohne die Extrazahlungen nicht rechtzeitig fertig zu bauen. Und später habe die Firma auch noch durch einen Baufehler Schaden an einem Teleskop verursacht. Jetzt sitzen je zwei Anwälte beider Parteien in ihren schwarzen Anzügen vor drei Richtern. Abwechselnd bringen sie ihre Argumente vor. „Die schlechte Kostenkalkulation des Beschwerdeführers hat das Problem überhaupt erst verursacht“, sagt Georg Lorenz, 23, der zusammen mit Kornelius Lotha, 23, die Universität vertritt. „Nexus Construction hat für die zusätzlichen drei Millionen Pfund keine Gegenleistung erbracht.“ Die Nexus-Anwälte Caroline Huy, 28, und Johannes Stahl, 21, halten dagegen:
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Text: Silvia Tyburski. Fotos: Odile Hain
Es habe durchaus eine Gegenleistung gegeben: Immerhin habe die Uni dank der schnellen Fertigstellung den Termin für die Einweihung halten können. Und zu dieser war immerhin Königin Elizabeth II. eingeladen. Am Ende der Verhandlung spielt es keine Rolle, welche Seite gewinnt. Das Verfahren endet ohne Richterspruch. Stattdessen überreicht James Faulkner, der vorsitzende Richter, Huy und Stahl, den Anwälten von Nexus, einen Pokal für die überzeugendere Argumentation und als Preis zwei Schecks über 250 Euro. Den Fall Nexus Construction versus University of the West Midlands gibt es nicht, und den Pokal für den Gewinner des Bucerius Law School Common Law Moot wird Faulkner im nächsten Jahr nach einem neuen Verfahren an ein anderes Anwaltsteam überreichen. Die Richter sind Dozenten, die Anwälte Studenten. James Faulkner, Leiter des Fremdsprachenprogramms der Bucerius Law School, und sein Team haben den Prozess Baufirma contra Universität ausgerichtet, denn das Simulieren gerichtlicher Plädoyers, meist in englischer Sprache, ist ein wichtiger Bestandteil des Fremdsprachenprogramms. Mit solchen Moot Courts, also fiktiven Gerichtsverhandlungen, üben die angehenden Juristen, später vor Richtern souverän ihre Plädoyers vorzubringen. „Man lernt vor allem, sich vor Gericht nicht verunsichern zu lassen und sein Argument konsequent zu verfolgen“, sagt Faulkner. Fähigkeiten, die zumindest einige seiner Studenten offenbar schon gut beherrschen: Beim Vis Moot, der seit 1994 jedes Jahr in Wien stattfindet, erreichte das Team der Bucerius Law School 2012 den fünften Platz – als eine von 282 Mannschaften aus 68 Ländern. Damit wurden die Teilnehmer der Bucerius Law School das beste deutsche Team. Der Vis Moot, bei dem es um internationales Handelsrecht geht, gilt neben dem amerikanischen Jessup Moot Court, der Völkerrecht verhandelt, als einer der zwei renommiertesten internationalen Wettbewerbe für künftige Juristen. „Das ist eine hervorragende Leistung – zumal dort auf Englisch verhandelt wird. Studenten von Universitäten aus dem angloamerikanischen Sprachraum haben es in diesem Punkt leichter“, sagt Faulkner. Dass das Team so gut abgeschnitten habe, liege auch daran, dass an der Bucerius Law School großer Wert auf gute Englischkenntnisse gelegt werde. Auch die Spezialisierung der Hochschule auf Wirtschaftsthemen und internationale Aspekte des Rechts hätten zum Erfolg beigetragen, so Faulkner.
Vielleicht seien die Teams der Law School aber auch besonders engagiert und von vornherein sehr leistungsbereit, mutmaßt Faulkner. Denn wer sich dafür entscheidet, an so einem Wettbewerb teilzunehmen, der weiß, dass viel Extraarbeit auf ihn zukommt. Und dass er im Unterschied zu Studenten anderer Universitäten aufgrund des Studienplans kein Freisemester dafür nehmen kann. Stattdessen müssen die Teilnehmer in ihrer Freizeit recherchieren, Schriftsätze erstellen, Plädoyers schreiben und ihre Vorträge üben – all das neben dem straff durchgeplanten Studium. Und auch dann, wenn Mitglieder des Teams gerade im Ausland studieren. Dann wird der Fall eben per E-Mail oder Skype besprochen. „Die Studenten sind schon vor ihrer Zeit an der Bucerius Law School sehr engagierte, offene und interessierte Menschen“, sagt der Arbeitsrechtler Professor Matthias Jacobs. „Bei uns wird das dann noch verstärkt, durch das fördernde und inspirierende Umfeld der Schule selbst, aber auch durch die vielen anderen Kommilitonen, die ähnlich ticken.“ Die Studenten seien sicher nicht ehrgeiziger als die anderer Universitäten, sagt er. „Aber vielleicht glauben sie mehr an sich.“ Credit Points gibt es für die Teilnahme an Moot Courts nicht. Trotzdem profitieren die Teilnehmer davon schon im Studium. „Die Argumente einer Partei vor einem Tribunal so knapp, klar strukturiert und überzeugend wie möglich darzulegen – diese Fähigkeit braucht man später in der mündlichen Prüfung für das Staatsexamen“, sagt Dr. Stefan Kröll, Anwalt in Köln und Experte im Bereich Schiedsgerichtsbarkeit. Kröll, seit vielen Jahren Dozent im Bucerius/ WHU Masterprogramm, hat als Assistent am Rechtszentrum für Europäische und Internationale Zusammenarbeit in Köln zehn Jahre lang die Teams der Kölner Uni für den renommierten Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot Court, kurz Vis Moot, gecoacht. Heute entscheidet er dort selbst – als einer der Schiedsrichter. Die Erfahrungen, die angehende Juristen bei den ausgefeilten Rollenspielen sammeln können, würden jedoch nicht nur im Studium helfen, sondern vor allem auf das spätere Arbeitsleben vorbereiten, sagt Kröll. „Die Fälle, die in Vorlesungen und Seminaren durchgenommen werden, müssen die Studenten meist aus der Perspektive eines Richters betrachten und die Argumente beider Seiten abwägen. Als Anwalt interpretiert man später den Fall aber aus der Sicht der Partei, die man vertritt“, sagt er. „So eine praxisnahe und intensiv betreute Ausbildung bekommt man im
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Die Fälle sind fiktiv, doch die Verhandlung verläuft fast wie im richtigen Leben
Caroline Huy: „Die Uni konnte dank Nexus’ Einsatz immerhin den Einweihungst ermin einhalten“
Begehrter Preis: Johannes Stahl und Caroline Huy mit dem Common Law Moot Pokal
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James Faulkner und seine Kollegen Lezel Crook (links) und James Caldwell (rechts) als Richter
Studium nie wieder.“ Weil die Teilnehmer in den fiktiven Verfahren – anders als in der Wirklichkeit – Schriftsätze sowohl für den Kläger als auch für den Beklagten erstellen müssen und so aus dem Blickwinkel beider Parteien argumentieren, lernen sie auch, wie man durch das Auslegen der Argumente einen einzelnen Sachverhalt zweimal komplett unterschiedlich interpretieren kann. Ein weiteres Plus: Die Studenten trainieren ihre Rhetorik. Diese Fähigkeit, die im angloamerikanischen Raum traditionell eine entscheidende Rolle spielt, gewinne auch im deutschen Rechtssystem an Bedeutung, sagt Kröll. „Deshalb gibt es inzwischen auch Moot Courts zu nationalem Recht.“ Auch beim Wettbewerb des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt bewiesen die Studenten der Bucerius Law School schon sehr erfolgreich ihr Können: Von den bislang vier Prozess-Simulationen belegten Studenten von Professor Matthias Jacobs und seinen Mitarbeitern zweimal den ersten Platz. Beim steuerrechtlichen Moot Court des Bundesfinanzhofs in München erreichte die Mannschaft der Law School in diesem Jahr die Endrunde und gehörte mit dem dritten Platz zu den besten Teams. Und bei anderen internationalen Veranstaltungen wie dem Mediationswettbewerb der internationalen Handelskammer in Paris (ICC International Commercial Mediation Competition) lagen die Vertreter der Hamburger Hochschule ebenfalls weit vorn: 2011 kamen sie ins Viertelfinale, als eine von 66 Universitäten. Das hatte bislang noch kein anderes deutsches Team geschafft. „Es nehmen immer mehr Fachbereiche der Bucerius Law School an den verschiedenen Moot Courts teil“, sagt Johanna Büstgens, die mehrmals beim Vis Moot dabei war, erst als Studentin, später als Coach. In den Fachbereichen des Privatrechts seien es bereits ein Drittel. Es setze sich bei Professoren wie bei den Studenten zunehmend die Erkenntnis durch, wie sehr die angehenden Juristen von den praxisorientierten Wettbewerben profitieren. So entsandte der Fachbereich Arbeitsrecht 2006 drei Teams und stockte dann auf vier auf. Und 2013 werden erstmals Kandidaten der Bucerius Law School sowohl beim Vis Moot in Wien als auch in Hongkong starten. Bislang waren sie pro Jahr nur bei jeweils einem der beiden Vis Moots. Der Grund: „Mit den Erfolgen der vergangenen Jahre ist auch die Bereitschaft der Studenten gewachsen, sich dort zu engagieren“, sagt Martin Kilgus, der mit Büstgens die Teams der Bucerius Law School auf die renommierte Veranstaltung in Wien vorbereitete.
Gerade die prestigeträchtigen internationalen Wettbewerbe können für die angehenden Juristen ein Karrieresprungbrett sein. „Bei diesen Veranstaltungen trifft sich alles, was in der Branche Rang und Namen hat – besonders beim Vis Moot“, sagt Martin Kilgus. „Die großen Kanzleien nutzen diese Treffen auch, um Nachwuchs zu rekrutieren.“ Bei einem solchen Prozess-Wettkampf mitzumachen sei für spätere Bewerbungen in jedem Rechtsbereich ein Pluspunkt, meint auch Stefan Kröll. „Wenn das im Lebenslauf steht, wird man im Vorstellungsgespräch fast immer darauf angesprochen.“ James Faulkner ist zudem überzeugt: „Wer an so einem Wettbewerb teilgenommen hat, zeigt, dass er sich über einen längeren Zeitraum intensiv mit einem Thema befasst hat. Dieses Engagement wissen die Kanzleien zu schätzen.“ Auch auf die Teamarbeit, die die Studenten dabei üben, legen viele spätere Arbeitgeber Wert. Dieser Gemeinschaftsgeist ist laut Matthias Jacobs bei den Law-School-Studenten besonders ausgeprägt und sei ein weiterer Grund dafür, dass sie beispielsweise beim Moot Court des Bundesarbeitsgerichts so gut abgeschnitten hätten: „Der Spirit ist besser als bei vielen Teams von anderen Unis“, berichtet er. „Wir fahren hin, um gemeinsam zu gewinnen. Und wenn wir nicht gewinnen, waren wir jedenfalls zusammen da und haben das Beste gegeben.“ Neben diesen wichtigen „Soft Skills“ trainieren die Studenten noch viele andere Fähigkeiten, die man später als Anwalt braucht, sagt Martin Kilgus, „zum Beispiel souverän aufzutreten“. Ein typischer Anfängerfehler sei es beispielsweise, sich von kritischen Nachfragen verunsichern zu lassen. „Das ist wirklich eine der größten Herausforderungen“, sagt Caroline Huy. „Man weiß ja vorher nie, was die Richter fragen werden. Wir haben jedes einzelne Argument wieder auseinandergenommen. Das hat richtig Spaß gemacht.“ Auch Georg Lorenz und Kornelius Lotha haben während der Vorbereitung mit verteilten Rollen versucht, sich auf kritisches Nachhaken des Gerichts einzustellen. „Das war das Tolle an der Teamarbeit“, sagt Kornelius Lotha. „Man erkennt schon vor der Verhandlung die eigenen Schwächen und findet die tieferen Argumente.“ Er und sein Verhandlungspartner Georg Lorenz werden das, was sie bei James Faulkner gelernt haben, bald in die Praxis umsetzen können: Die beiden stecken schon mitten im Staatsexamen. Und für Caroline Huy und Johannes Stahl ist klar: Das war nicht ihr letzter Wettkampf.
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Unter Verschluss
722 persönliche Schließfächer gibt es an der Bucerius Law School, und in jedem einzelnen Spind steckt eine andere Geschichte. Vier Studenten haben ihr eckiges Geheimnis gelüftet. Daniela Dressler, 10. Trimester:
Jonas Hjortskov, 12. Trimester:
Der Schrank ist für mich ein rein funktionales Examensvorbereitungs-Fach. Mir ist es wichtig, dass es übersichtlich ist. Deshalb liegen darin nur die Gesetzestexte, die Skripte und ein paar Blatt Papier. Mehr brauche ich zum Lernen nicht.
Für mich müssten die Schränke deutlich größer sein. Mein erstes Schließfach ist inzwischen so voll, dass ich zusätzlich ein zweites habe. Es gehört meinem Freund, der bereits Examen gemacht hat und es nicht mehr braucht. Aufgeräumt habe ich die Fächer bisher höchstens rudimentär. Darin liegen eigentlich alle Unterlagen seit Beginn meines Studiums sowie Marker, Karteikarten, für die Pausen Kaffeepads und von einer Freundin eine Postkarte – „Die geilsten Schnallen vom Kiez“.
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Jan Mysegades, 12. Trimester:
In meinem Schließfach habe ich nur das Nötigste: den Schönfelder, den Sartorius und die Landesrecht-Hamburg-Sammlung. Die Bücher brauche ich eigentlich jeden Tag für meine Examensvorbereitung. Wichtig sind außerdem das Kissen, das in der SchlafsackVerpackung steckt, und die Schlafmaske mit dem Spruch „Ich sorge für ausgeschlafene Juristen“. Die hat mir meine Freundin geschenkt. In den Vorlesungspausen gehe ich damit gelegentlich in den Napping Room und erhole mich für 10 bis 20 Minuten.
Leonard Hoeft, 12. Trimester:
Mein Spind führt ein dem juristischen Alltag entrücktes Eigenleben. Er ist Zwischenlager für ausgeliehene Bücher, Lebensmittel und Medikamente sowie für diverse verschollen geglaubte Gegenstände. Im Alltag vermeide ich deswegen das ihm innewohnende Chaos und verlasse mich auf Tasche und Bibliothek.
Text: Xenia von Polier. Fotos: Odile Hain, fotolia.com (r.u.)
Menschen - campus - Leben
Studenten öf fnen ihre Fächer
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Neues Recht für neue Räume
Das neue IP-Center an der Bucerius L aw School
Text: Andin Tegen. Illustrationen: Beck, schneeschnee.de
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In einer globalisierten Welt wird der Kampf um geistiges Eigentum härter. Die Bucerius Law School verstärkt nun die Forschung in diesem Rechtsgebiet.
Ein wolkenverhangener Tag im Februar dieses Jahres: Ein Pulk von über 4 000 Demonstranten zieht vom Gänsemarkt zum Hauptbahnhof, auf Bannern und Plakaten stehen Worte ihrer Wut: „Stoppt Acta“ lautet eine Forderung, dazu umarmt ein Krake den Erdball. „Download this“ steht auf einem anderen Schild, darunter ist ein Pfeil aufgemalt, der auf den Plakatträger zeigt. Die Teilnehmer des Protestzuges fürchten den Verlust ihrer Freiheit. Doch nicht nur in Hamburg, in fast jedem Land der Welt ist die Diskussion um das umstrittene Urheberrechtsabkommen bereits so hoch gekocht, dass Tausende auf die Straßen gezogen sind. Nur wenige Wochen zuvor: Kim Schmitz sitzt mit einer abgesägten Schrotflinte im Schutzraum seiner Villa und wartet. Der Erfinder der Internet-Portale Megaporn, Megalife und Megaupload ist aufgeflogen, nun kreisen Polizeihubschrauber über seinem Anwesen in Neuseeland. Seit vielen Jahren betreibt der 38-Jährige Portale im Internet, von denen man unter anderem Filme herunterladen kann. Die Gebühren dafür kommen nicht der Unterhaltungsindustrie zugute, sondern fließen in seine eigene Tasche. Kim Dotcom, wie er sich nennt, ist zum Multimillionär geworden – jetzt soll er verhaftet werden.
Dies sind zwei Beispiele für ein Thema, das zurzeit die Meinungen auf dem ganzen Erdball spaltet. Zum einen geht es um die Sorge um die Freiheit im Internet. Zum anderen geht es um einen kalkulierten Rechtsbruch – geradewegs durch diese Freiheit erzeugt. Beide Ereignisse haben nun ein Rechtsgebiet in den Mittelpunkt gerückt, das bis vor einigen Jahren ein Nischendasein in der Welt der Juristen geführt hat: das Urheberrecht. Nun mobilisiert das Thema neben den Medien, der Politik und Justiz auch die Massen. Wie schüt z t man geistiges Eigentum?
„Im Grunde geht es um die Frage, ob und wie im Zeitalter der Globalisierung geistiges Eigentum noch geschützt werden kann“, fasst Professor Dr. Dana Beldiman das weltweite Aufbegehren zusammen. Beldiman ist seit vergangenem Oktober Honorarprofessorin an der Law School und hat der Hochschule bei einem spannenden Projekt rund um Streitfragen zum geistigen Eigentum geholfen – der Errichtung eines IP-Centers an der Bucerius Law School, wobei das Kürzel „IP“ für „Intellectual Property“, also geistiges Eigentum, steht. Damit öffnet sich die Bucerius Law School für ein Rechtsgebiet im Inneren der Globalisierung.
Um der wachsenden Relevanz des Themas gerecht zu werden, startete die Hochschule vor drei Jahren mit einer internationalen Lecture Series zu aktuellen IP-Themen. Die Veranstaltungen mit nationalen und internationalen Wissenschaftlern stießen auf reges Interesse bei Studenten und der IP-Szene in Hamburg. Der Erfolg der Vorlesungsreihe ermutigte die Hochschulleitung, die Aktivitäten und Angebote im IP-Law weiter auszubauen. Dazu wurde ein Academic Advisory Council mit international renommierten deutschen und ausländischen Wissenschaftlern ins Leben gerufen und der Aufbau eines Centers für Intellectual Property Law unter der Ägide von Dana Beldiman anvisiert. Die US-Anwältin und Expertin für geistiges Eigentumsrecht verkörpert die internationale Ausrichtung des Centers. Seit 2004 lehrt sie jedes Herbsttrimes ter Comparative Intellectual Property bei Bucerius und ist seit letztem Jahr als Honorarprofessorin Mitglied der Fakultät. Im Frühlingssemester unterrichtet sie an der UC Hastings in San Francisco. Sie ist in der internationalen IP-Szene gut vernetzt und nutzt diese Kontakte für die Aktivitäten des Centers. Mithilfe dieses Netzwerks, eines überzeugenden Konzepts und des guten internationalen Rufs der Hochschule gelang es ihr, exzellente Wissenschaftler für eine große Auftaktkonferenz zu gewinnen. So konnte das Center for Transnational IP, Media and Technology Law and Policy im Mai dieses Jahres mit einer wissenschaftlichen Konferenz unter dem Titel „The Access Challenge in the 21st Century: Emerging Issues in Intellectual Property Laws and Knowledge Governance“ eröffnet werden. Über 100 Gäste aus der ganzen Welt kamen und diskutierten zwei Tage lang unter anderem über Lizenzierungsfragen im Patentrecht, den freien Zugang zu Forschungsergebnissen, das Spannungsverhältnis von Markenschutz und Marktzugang sowie die Schwierigkeiten des ACTA-Abkommens. „Mit der Konferenz hat die Hochschule in der IP-Szene einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Nun gilt es, auf diesen Erfolg aufzubauen“, betont Law-School-Präsident Karsten Schmidt. Dazu werden jetzt auch die Angebote für die IP-interessierten Studenten ausgeweitet. „Die Studenten sollen Kurse am IP-Center belegen und erhalten die Möglichkeit, ein IP-Zertifikat zu erwerben“, erläutert Beldiman. Die angehenden Juristen gewinnen dabei unter anderem Einblicke in den gewerblichen Rechtsschutz, ins Urheberrecht sowie ins internationale
IP- und Online-Medien-Recht. „Schätzungsweise 70 Prozent eines heutigen Unternehmens besteht aus immateriellen Werten: patentgeschützte Erfindungen, urheberrechtlich geschützte Inhalte, firmeninternes Know-how – alles, was durch menschliche Intelligenz erschaffen und wirtschaftlich verwertbar ist“, sagt die Professorin. „Ein Anwalt, der Mandanten vertritt, sollte zumindest grob mit dem Recht immaterieller Werte vertraut sein: Wie sichert man Schutzrechte in Deutschland und international, wie werden Rechte an Dritte lizenziert, wie bringt man Verletzungsklagen vor Gericht?“ Jenseits kl assischer Rechtsgebie te
Auch Professor Karsten Thorn, Inhaber des Lehrstuhls für Internationales Privatrecht an der Bucerius Law School und Mitinitiator des IP-Centers, sieht die Einführung des Zertifikats sehr positiv: „Das Interesse der Studenten an diesen Themen war immer da. Aber durch das Center und die Einführung des IP-Zertifikats können wir ihnen nun ein erweitertes Angebot machen, das schon auf große Resonanz gestoßen ist. Nach anfänglichen Bedenken, unser schon umfangreiches Kursangebot noch weiter auszubauen, stehen auch die anderen Professoren hinter dieser Entwicklung. Die Themen sind zu wichtig, als dass wir sie auf Dauer nur am Rande behandeln können.“ Schon 2009, als die ersten Veranstaltungen der IP Lecture Series begannen, war das Ziel, Fragen des geistigen Eigentums gezielt rechtsgebietsübergreifend und international zu behandeln. Die Trennung zwischen privatem Medienrecht auf der einen Seite und öffentlichem Medienrecht auf der anderen Seite war nicht mehr zeitgemäß. Auch eine rein nationale Betrachtungsweise führt in den meis ten Fällen nicht mehr weiter. „Man merkte, was für einen Bedarf es am Austausch zwischen Experten aus verschiedenen Ländern gibt“, sagt Kristoff Ritlewski. Der Rechtsanwalt kümmert sich am IP-Center um die Veranstaltungskonzeption und die Einladung von Dozenten für die Lecture Series in Hamburg. Der heute 34-jährige Ritlewski gehörte 2000 zum ersten Studentenjahrgang; seine Dissertation schrieb er über die Rundfunk-Regulierung. Als 2009 ein wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Organisation der geplanten Lecture Series im IP-Law gebraucht wurde, fragte Professor Karsten Thorn bei ihm an. Auch als Ritlewski 2010 seine
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kurz: ACTA Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement – kurz: ACTA – ist ein Abkommen, das Produktpiraterie und Urheberrechtsverstöße strafrechtlich verfolgen sollte. Gegenstand des Abkommens sind unerlaubte Kopien von Musik, Filmen und Software sowie Imitate von Markenkleidung und gefälschte Medikamente. Es geht also nicht nur um geistiges Eigentum im digitalen Umfeld – die Spannbreite reicht vielmehr von Musikern, deren Songs im Internet illegal heruntergeladen werden, bis hin zu großen Markenherstellern, deren Produkte etwa in Asien kostengüns tig nachgeahmt und in Europa verkauft werden. Deshalb hatten sich viele Betroffene zuletzt stark gemacht für die Einführung dieses länderübergreifenden Abkommens. Bereits im Februar sprach sich Professor Axel Metzger vom Institut für Rechtsinformatik der Universität Hannover im Rahmen einer IP Lunchtime Lecture der Bucerius Law School gegen ACTA aus. Axel Metzger ist Mitglied des Academic Advisory Boards und Gastprofessor an der Bucerius Law School. Gefährlich fand er unter anderem die Politisierung des Urheberrechts. „Für die Rechteinhaber wäre der Gewinn durch ACTA begrenzt“, erklärte er, „aber teuer erkauft, da die Akzeptanz des sogenannten geistigen Eigentums noch weiter sinken würde.“
Karriere als Rechtsanwalt für gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht begann, hielt er der Bucerius Law School die Treue – und blieb als Counsel im IP-Center weiterhin für die Lecture Series verantwortlich. Der Rechtsanwalt sucht immer nach Themen, die Gegenstand einer deutschen und internationalen Vorlesung, einer Diskussion oder zukünftig auch von Seminaren sein können – zum Beispiel die sozialen Netzwerke im Internet. „Wenn ich auf Facebook eigene Fotos von Dritten verbreite, greift das Persönlichkeitsrecht. Wenn ich selbst Fotos von Dritten unrechtmäßig verbreite, greift das Urheberrecht“, erklärt er. Diese Rechtsformen könnten nun nicht mehr getrennt voneinander betrachtet werden. „Wir brauchen als Juristen immer mehr technischen Sachverstand. Gerade für IT-Themen.“ Nicht nur im Internet, auch in Medien wie dem Fernsehen muss um die Definition geistigen Eigentums immer wieder neu gerungen werden. Aus diesem Grund lud Ritlewski im Januar 2011 einen externen Fachmann in die Bucerius Law School ein, einen Einkäufer für TV-Formate, jemanden, der TV-Sendungen in aller Welt auf weitere Nutzungsmöglichkeiten prüft und analysiert, ob sich Showkonzepte für eine Übertragung auf das eigene Land lohnen. Juristisch ging es dabei um die Frage, ob man Formate wie „Wer wird Millionär?“ überhaupt urheberrechtlich schützen kann. Star thil fe k am aus den USA
Auch nichtjuristische Experten will das Center regelmäßig in die Veranstaltungen einbinden. „Wenn man eine Marke in leicht abgewandelter Form für sein eigenes Produkt benutzt, wird die Gefahr von Verwechslungen vom Richter normativ bestimmt“, sagt Ritlewski, „aber in der Wahrnehmungspsychologie gelten zum Teil völlig andere Grundsätze. Es ist eigentlich klar, dass diese Erkenntnisse in der Rechtswissenschaft Berücksichtigung finden müssten, das ist jedoch kaum der Fall.“ Das IP-Center will genau diese Schnittstelle von fachlichem Sachverstand und der juristischen Herangehensweise stärker in den Mittelpunkt rücken. Weit verbreitet ist es in Deutschland noch nicht, einen Dialog zwischen den IP-Juristen und anderen Disziplinen zu organisieren. Unbestritten ist in Deutschland der steigende Bedarf an Expertise in diesem Bereich. Doch die entscheidende Starthilfe zur Gründung des IP-Centers kam aus den USA: Dana Beldiman, die privat wie beruflich zwischen zwei Kontinenten hin und her pendelt, konnte das Thema bei den American Friends of Bucerius platzieren. In den USA ist IP-Law eines der zentralen wirtschaftsrechtlichen Themen und wird an den dortigen Law Schools großgeschrieben. Die weltweit größte angloamerikanische Anwaltskanzlei DLA Piper begeisterte sich für die Idee gemeinsamer IP-Veranstaltungen in den USA – und leis tet seit letztem Jahr nun auch finanzielle Unterstützung für die Aktivitäten in Hamburg. Ohne dieses Engagement wäre die Gründung des neuen Centers nicht möglich gewesen. Nicht nur die Einbindung der American Friends of Bucerius beim Aufbau des Centers ist ein Novum. Auch die Internationalität und der Netzwerkcharakter des Centers stehen für einen besonderen Ansatz beim Aufbau eines neuen Forschungsbereichs an der Hochschule. „Ohne
eigenen Lehrstuhl und daher mit überschaubarem finanziellen Aufwand, aber viel Engagement aller Beteiligten ist es gelungen, das Thema auf hohem Niveau an der Hochschule zu etablieren“, sagt auch der Geschäftsführer der Hochschule, Hariolf Wenzler. So wurde bei der Eröffnungskonferenz deutlich, wie sehr das IP-Center bereits in der Wissenschaftsgemeinde als eine Art Thinktank angenommen wird: Zur Premiere kamen Vertreter renommierter Universitäten aus Amsterdam, Oxford, Turin, Brüssel oder Amerika nach Hamburg. Professor Jerome Reichman von der Duke University in North Carolina, einer der weltweit führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet des geistigen Eigentums, betonte, dass das Center eine ausgezeichnete Idee sei, in die er hohe Erwartungen lege. Gerne werde er sich für die Einrichtung engagieren. Ähnlich äußerte sich Roger Kampf von der World Trade Organization. Er hob zudem hervor, wie bedeutend Fragen um das geistige Eigentumsrecht für die Weltwirtschaft noch werden. Auch der Präsident der Bucerius Law School, Professor Dr. Karsten Schmidt, lobte das Center dafür, dass es durch seine Internationalität und Praxisrelevanz dem Profil der Hochschule besonders entspreche. E xper ten für IP-L aw sind gefr agt
Die zunehmende Bedeutung dieses Rechtsgebiets macht sich auch an anderer Stelle bemerkbar: „In der maßgeblichen Berufsvereinigung GRUR – der Deutschen Vereinigung für gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht – sind zwar rund 5 000 Kollegen organisiert, aber es besteht erheblicher Nachwuchsbedarf “, berichtet Ritlewski. Der DLA-Piper-Anwalt Dr. Jan Geert Meents, Managing Partner für Deutschland und Leiter der Practice Group Intellectual Property and Technology, unterstreicht dies: „Die Nachfrage nach hoch qualifizierten und international orientierten Juristen mit IP-Kenntnis ist enorm. Da besteht in Deutschland noch einiger Nachholbedarf. Daher unterstützen wir auch mit großer Begeisterung den
Aufbau des IP-Centers an der Bucerius Law School.“ Viele Law-School-Absolventen haben die Chancen in diesem Rechtsgebiet auch erkannt und arbeiten bereits im Referendariat in diesem Themenbereich. Auch aus diesem Grund soll das Center for Transnational IP, Media and Technology Law and Policy mit dem Ziel eines eigenen Stiftungslehrstuhls weiter ausgebaut werden. Im nächsten Schritt sollen deutsche und ausländische Doktoranden ermutigt werden, ihre Forschungsvorhaben am IP-Center weiterzuverfolgen. Die rechtsübergreifende und hochpolitische Natur dieses Themas beweisen ACTA und der Fall Kim Dotcom auf ganz unterschiedliche Art: So haben die Anwälte von Kim Schmitz’ Megaupload jüngst beantragt, das Strafverfahren gegen das Unternehmen ganz einzustellen. Es geht dabei um einen Formfehler: Die für einen korrekten Prozess notwendige Strafanzeige wurde ihren Angaben zufolge Megaupload nie zugestellt. Möglicherweise, weil das Unternehmen seinen Firmensitz in Hongkong hat und keine Niederlassung in den USA betreibt. „Gerade dieser Fall zeigt deutlich, wie man heute als Urheber- und Medienrechtler den Bogen zu anderen Rechtsgebieten und Rechtskreisen schlagen muss“, sagt Kristoff Ritlewski. Das ACTA-Abkommen ist nicht zuletzt durch die internationalen Proteste vom Europaparlament gestoppt worden. 478 Parlamentarier stimmten mit Nein, nur 39 mit Ja. 165 Abgeordnete enthielten sich ihrer Stimme. In der EU gehört das Abkommen damit der Vergangenheit an – denn ohne Zustimmung des Europaparlaments kann es in der EU nicht in Kraft treten. Doch die Frage, ob und wie das Urheberrecht in Zukunft international noch wirkungsvoll geschützt werden kann, ist damit noch lange nicht beantwortet. Es bleibt also viel zu tun. Das IP-Center der Bucerius Law School will seinen Beitrag dazu leisten. Mehr Informationen zum IP-Center unter ipcenter.law-school.de
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ist Teil von DLA Piper, einer weltweit tätigen Anwaltskanzlei, die durch eigenständige Rechtsträger agiert. Weitere Informationen über diese Rechtsträger finden Sie unter www.dlapiper.com. Copyright © 2012 DLA Piper. All rights reserved.
Bucerius Clips # 02
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Fotowet tbewerb
16. März
Wie lassen sich Studieninhalte reformieren, ohne das Staatsexamen abzuschaffen? Über diese Frage haben im März Partner und Donatoren der Bucerius Law School beim alljährlichen President’s Table debattiert. Das Ergebnis der von zwei Alumni initiierten Debatte: Die Hochschule sollte den Pflichtstoff entschlacken und noch stärker auf Kenntnis und Kreativität ihrer Studenten setzen.
Bachelor-Verleihung (LL.B.)
neuer Stif tungslehrstuhl
Neuer Lehrstuhl für die neue Präsidentin: Ab Oktober 2012 richtet die Hochschule – gefördert durch die Claussen-Simon-Stiftung– einen Stiftungslehrstuhl für Internationales Recht ein. Doris König wird als neue Präsidentin der Bucerius Law School die Leitung übernehmen. Damit soll die Forschung über Internationales Recht weit über die Grenzen der Hochschule und Hamburgs hinaus sichtbar gemacht werden.
31. März Eine verrostete Wassertonne steht neben einem alten Holzzaun auf einer Wiese. In der Ferne scheint der Horizont zu glühen. Mit diesem Landschaftsmotiv aus Queensland, Australien, gewann Reto Gericke im März 2012 den Wettbewerb des International Office um die besten Fotos aus dem Auslandstrimester. Den zweiten und dritten Platz belegten Lydia Rautenberg und Kilian Wegner. Forschungspartner
Die Gebr. Heinemann SE sind seit dem 1. April neuer Partner der Bucerius Law School. Das Familienunternehmen ermöglicht der Hochschule die Einrichtung der „Heinemann Forschungsstelle Familie und Unternehmen“. Ein Jahr lang sollen dort die Besonderheiten erforscht werden, die unternehmerisches Vermögen für eine Familie mit sich bringt.
Bewerbungsschluss Bucerius/ WHU Master of Law and Business – Joachim Herz Program 15. April Bewerbungsschluss für das International Exchange Program 30. April Bewerbungsschluss für die Bucerius Summer Programs 15. Mai Bewerbungsschluss für das JuraStudium (LL.B./Staatsprüfung) 31. Mai – 1. Juni International Alumni Reunion in Paris 21. Juli – 16. August Bucerius Summer Programs
Fotos: Bucerius Law School, Kai Kullen (r.u.)
Begegnungen im Recht
Mit Dankesworten von Christian Bumke und mit der Überreichung des Buchs „Begegnungen im Recht“ an Karsten Schmidt – so ging am 11. Januar 2012 die gleichnamige Ringvorlesung zu Ende. Durch die Veröffentlichung ihrer Vorträge ehrten die Professorinnen und Professoren der Bucerius Law School Karsten Schmidt zu seinem 70. Geburtstag.
Erfolgreicher Auf takt
26. August
Die Posaunen und Gitarren waren zwar gerade im Auslandstrimester, trotzdem sorgte die Bucerius Big Band mit ihrem ersten Auftritt beim Landeswettbewerb „Jugend jazzt“ im November 2011 für Begeisterung. 20 Minuten lang boten die Musiker einen Mix aus Swing, Latin, Funk und Rock. Am Ende erhielten sie von der Jury den 1. Preis für „hervorragende Leistungen“.
Beginn Bucerius/WHU Master of Law and Business – Joachim Herz Program (Jg. 2013) Anfang September Beginn Jura-Studium (LL.B./Staatsprüfung) 3. September Graduation Ceremony Bucerius/ WHU Master of Law and Business – Joachim Herz Program (Jg. 2012) 4. September – 20. Dezember International Exchange Program 27. September Akademische Feier Erscheinungstermin re.vision 2013
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Ausblick 2013 >>> President’s Table 2012
Ansichtssache
Die Hochschul e auf dem Prüfstand
Text: Marisa Strobel. Illustrationen: Xenia Fink
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Beim CHE-Hochschulranking bekommt die Bucerius Law School Bestnoten. Zu Recht? Wir haben uns umgehört. Einen Titel zu verteidigen ist nicht leicht. Vor allem dann nicht, wenn man sich gegen ein erstklassiges Umfeld behaupten muss. Der Bucerius Law School ist dieser Coup gelungen. Beim CHE-Hochschulranking 2011 hat sie zum zweiten Mal die Spitzenposition eingenommen. Der Campus wird als hervorragender Platz für Forschung und Lehre empfohlen. Das CHE-Ranking ist die derzeit umfassendste und detaillierteste Bewertung deutscher Universitäten und Fachhochschulen. 32 Fächer untersuchen die Experten. Neben persönlichen Einschätzungen von über 200 000 Studenten und 15 000 Professoren fließen auch Zahlen und Fakten ein – darunter die Höhe der Forschungsgelder pro Wissenschaftler, die Zahl der Hauptfachstudenten sowie die Habilitationen pro Jahr. Erstellt wird die Liste durch das gemeinnützige Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Seine Träger sind die Hochschulrektorenkonferenz sowie die Bertelsmann Stiftung. Jährlich aktualisiert erscheint das unabhängige und international anerkannte Ranking im ZEIT-Studienführer. Dafür werden die verschiedenen Fächergruppen alle drei Jahre neu bewertet, Jura zuletzt 2011. Als vorbildlich gilt der Hochschulvergleich unter anderem aufgrund des Verzichts auf eine Gesamtnote. Stattdessen teilen die Prüfer die verschiedenen Kategorien in Leistungsgruppen – Spitzen-, Mittel- und Schlussgruppe – ein. Dabei wurde bei der letzten Bewertung der Jura-Fakultäten erneut deutlich: Die Bucerius Law School ist auf ihrem Gebiet eindeutig führend. Bestnoten gab es in 13 von 15 Kategorien – darunter die Bereiche Betreuung, Bibliotheksausstattung, Forschungsgelder und Studiensituation. Nur in den Feldern Forschungsreputation und Promotionen pro Professor kann sie noch aufholen. Klingt gut! Doch was steckt tatsächlich hinter den Bewertungen? re.vision hat Studenten und Jura-Professoren in und außerhalb der Bucerius Law School gefragt, was sie von den Leistungen der Hochschule in fünf ausgewählten Kategorien halten.
Prof. Dr. Henning Radtke, Universität Hannover, zu Forschungsgeldern: Wie viele Forschungsgelder einem Wissenschaftler zur Verfügung stehen, sagt natürlich nicht unmittelbar etwas über die Qualität der Lehre aus. Allerdings fließen im Idealfall bei Professoren, die auf hohem Niveau forschen, die Ergebnisse auch in die Lehre ein – vorausgesetzt der Professor ist kein völliger Versager im Hörsaal. Es ist eben faszinierender, von einem Wissenschaftler wie Frank Saliger eine Vorlesung zu seinem Spezialgebiet Umweltstrafrecht zu hören, als wenn ein Dozent fremde Forschungsergebnisse reproduziert.
Prof. Dr. Anne Röthel, Bucerius Law School, zu Forschungsgeldern: Das Einwerben von Forschungsgeldern ist für mich ein Ansporn, aber kein Muss, denn an der Bucerius Law School kümmert sich eine eigene Abteilung um Drittmittel. So hat mir die Hochschule mein aktuelles Projekt „Familiale Verträge“ ganz kurzfristig und unkompliziert finanziert. Normalerweise habe ich aber auch jährlich ein Thema, für das ich Zuschüsse von Institutionen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhalte. Mir ist wichtig zu zeigen, dass unsere wissenschaftliche Arbeit so interessant ist, dass sie auch von dritten Stellen gefördert wird.
Prof. Dr. Wendy Perdue, University of Richmond, zur Forschungsreputation: Im Ausland ist die Bucerius Law School bekannt für ihre gute Forschung und Lehre. Auf internationalen Konferenzen ist sie stets vertreten. Die Publikationen und Vorträge ihrer Professoren sind immer von hoher Qualität. Deshalb habe ich die Universität auch für das Center for Transnational Legal Studies vorgeschlagen, ein internationales Konsortium, das 2008 in London gegründet wurde. In diesem gehört die Bucerius Law School als Affiliate-Partner zu einem kleinen Kreis weltweit hoch anerkannter Jura-Schulen.
Persönlichkeiten gesucht Studium gener al e und Studium personal e
Text: Judith-Maria Gillies. Illustrationen: Sabrina Müller-Wüsthoff
Menschen - campus - themen
Persönlichkeitsentwicklung war an der Bucerius Law School schon immer ein wichtiges Ausbildungsziel. Neben dem etablierten Studium generale bietet das neue Studium personale den Studenten nun vielfältige Möglichkeiten, ihre individuellen Potenziale zu entdecken. Ein amüsiertes Raunen geht durch den Raum. Rund 30 Studenten verfolgen gebannt, wie Kindergartenkinder sich bemühen, der Versuchung eines einzelnen Marshmallows zu widerstehen. Weiß, dick und duftend liegt er vor ihnen auf einem Teller. Doch die Kids reißen sich zusammen, schließlich wurde ihnen ein weiterer Mäusespeck versprochen, wenn sie mit dem ersten warten können. Was folgt, ist rührend und lustig zugleich: sehnsüchtige Kinderaugen, schnüffelnde Kindernasen, tastende Kinderfinger. Als sich ein kleines Mädchen den Schaumzuckerklops herzhaft in den Mund stopft, geht ein Lachen durch die Reihen. Trotz der heiteren Stimmung: Die Anwesenden sind nicht etwa zum Vergnügen hier. Per Kurzfilm verfolgen sie gerade einen wissenschaftlichen Versuch: das Marshmallow-Experiment. Langzeitstudien, so erklärt der Dozent, hätten ergeben, dass die selbstdisziplinierten Kinder im Leben mehr erreicht haben als ihre ungeduldigeren Kameraden.
Der Film ist Teil des Workshops „Führungsherausforderungen im 21. Jahrhundert“, der zum neuen MentoringProgramm der Law School gehört. Studenten des Jahrgangs 2009 haben hier die Chance, zusammen mit einem Mentor aus dem Berufsleben ihre Fragen zum Thema Studiengestaltung und Karriereplanung zu diskutieren oder Anregungen zur persönlichen Lebensplanung zu sammeln. „Die Studenten starten immer jünger ins Studium und brauchen mehr Anleitung als frühere Jahrgänge“, erklärt Dr. Ulrike Pluschke, Direktorin des Zentrums für Studium generale und Persönlichkeitsentwicklung (ZSP). „Von 17-jährigen Abiturienten können wir nicht erwarten, dass sie als ausgereifte Persönlichkeiten an die Hochschule kommen. Fachkenntnisse und Soft Skills sind längst nicht alles, um die Anforderungen der heutigen Berufswelt meistern zu können“, erklärt Pluschke. Wichtig für den beruflichen Erfolg sei immer auch die Persönlichkeit. Um deren Entwicklung künftig noch intensiver zu fördern, hat die Law School das etablierte Studium generale um ein Studium personale ergänzt, die nun beide unter dem Dach des ZSP zusammengefasst sind. Zu den bewährten Angeboten wie dem Coaching und den Workshops zum Erwerb von Schlüsselkompetenzen wird nun ein knapp einjähriges Mentoring-Programm angeboten, zudem erhalten Interessierte die Gelegenheit, sich sozial zu engagieren. Startschuss dazu war der erste Gerd Bucerius Tag am 13. Juni: Rund 100 Teilnehmer unter-
stützten tatkräftig zehn gemeinnützige Projekte, die von den Studenten in Kooperation mit sozialen Einrichtungen organisiert wurden. Hochkarätige Unterstützung kommt aus der Wirtschaft. Die Siemens AG fördert das ZSP finanziell mit einer Fördersumme im sechsstelligen Bereich sowie ideell mit Input aus der Unternehmenswelt. Der Vortrag mit dem Marshmallow-Experiment ist dafür ein Beispiel, denn bei dem Dozenten handelte es sich um Dr. Nicolas von Rosty-Forgách, Leiter der Hauptabteilung Corporate Development Executives bei Siemens in München. Sein Anspruch an die kommende Führungsgeneration: „Neben exzellenten Fachkenntnissen sollten Juristen einen gesunden Menschenverstand, ein starkes Rückgrat sowie die Fähigkeit, Nein sagen zu können, mitbringen.“ Ein Anspruch, der für Versuchungen aller Art gilt – von Marshmallows bis zum Management: „Juristen müssen mehr und mehr auch Manager mit starker Führungspersönlichkeit sein“, ist von Rosty-Forgách überzeugt. Dafür will sein Arbeitgeber beim potenziellen Nachwuchs schon heute die Weichen stellen. Alice Möller gehört zu diesem Nachwuchs. Frisch zurückgekehrt vom Auslandsaufenthalt in Berkeley, meldete sie sich sogleich für das neue Mentoring-Programm an. Eine wichtige Erkenntnis, die sie aus dem LeadershipWorkshop des Programms mitgenommen hat: „dass Führung nicht angeboren ist, sondern dass man lernen kann,
Menschen zu führen“. Möllers Mentor ist ein Rechtsanwalt, den sie beim Auftaktdinner des Mentoring-Programms im Februar kennengelernt hat. Seitdem tauschen sich die beiden etwa alle zwei Wochen per Mail aus. Und dreimal haben sie sich bereits persönlich getroffen. An das erste Mal erinnert sich die Studentin noch lebhaft. Ihr Mentor lud sie zum Mittagessen in die schicke Hamburger Brasserie „Die Bank“ ein. Man verstand sich auf Anhieb, und so konnte Möller viele ihrer Fragen gleich in offener Atmosphäre stellen. Ob man sich mit dem ersten Job schon festlegt (nein, alles findet sich). Oder wann man im Job eine Zeit lang ins Ausland gehen kann (Chancen nutzen, wenn sie kommen). Was Möller besonders beeindruckte: wie entspannt ihr Mentor war. „Bei der Arbeit in der Kanzlei erscheinen die Anwälte immer viel gestresster“, sagt die Studentin. „Mein Mentor hat mir gezeigt, dass hinter jedem Anwalt auch ein Mensch steckt, der sich mit ganz ähnlichen Fragen beschäftigt wie ich selbst.“ Auch andere Branchen gewähren den Law-School-Mentees Einblicke in ihre Arbeits- und Denkwelt. Dr. Hedda von Schaumann-Werder, Alumna der Law School, arbeitet heute als Beraterin bei McKinsey & Company in Hamburg und engagiert sich inzwischen auch als Mentorin. Sie erinnert sich noch gut, wie sie sich an einem Samstag nachmittag im März mit ihrer Mentee zum ersten Mal auf einen Kaffee traf. In diesen zweieinhalb Stunden hatte
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die 32-Jährige genug Zeit festzustellen, wie „wahnsinnig umtriebig“ die Law-School-Studenten heute seien. „Die Studenten glauben, wenn sie nicht fünf Fremdsprachen und zehn Praktika einbauen, haben sie keine Chance im Job.“ Und lachend fügt sie hinzu: „Denen muss man eher erklären, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, auch mal drei Wochen Urlaub zu machen.“ Doch „ihre“ Studentin hatte noch viel mehr Fragen – zu Praktika, Hausarbeiten und Zeitmanagement, Examensvorbereitung, Nebenjobs und Zeit für Hobbys. Von Schaumann-Werder konnte nicht nur mit Rat zur Seite stehen, sondern auch mit Tat. So vermittelte sie ihrer Mentee eine chinesische Kollegin, mit der die angehende Juristin ihre Sprachkenntnisse vervollständigen kann. Auch nach dem offiziellen Abschluss des Programms im Januar 2013 will von Schaumann-Werder gern weiter mit ihrem Schützling in Kontakt bleiben – so wie viele andere Mentoring-Tandems auch. Der Erfolg des Programms bahnte sich bereits vor dessen offiziellem Start an. Statt der angepeilten 30 Tandems fanden sich 43 Mentoring-Partner. Und das, obwohl das Mentoring als freiwilliges Angebot zusätzlichen Einsatz bedeutet. Persönlichkeitsentwicklung lässt sich nicht anordnen. „Aber wir können Rahmenbedingungen gestalten, die die Studenten zur Selbstreflexion anregen“, sagt Pluschke. „Wir suchen uns vielseitig begabte und interessierte Studenten aus und wollen sie dann an der Hochschule nicht einfach auf Jura reduzieren.“ Auch im Studium generale bot das abgelaufene Studienjahr viele Höhepunkte, in denen genau dies gelungen ist. So startete im April eine Vorlesung zum 300. Geburtstag Friedrichs des Großen, bei der die Studenten in einem kurzweiligen Mix aus historischer Wissenschaftsbetrachtung und schauspielerischer Lesung Widersprüche und Missverständnisse über den Preußenkönig kennenlernten. Mitte Juni brachen 17 Studenten nach Kassel zur aktuellen Documenta 13 auf, um dort einen Einblick in die zeitgenössische Kunstszene zu erhalten. Ein weiteres Highlight folgte Ende Juni, als die ersten 14 Studenten als Anerkennung für ihre vertiefte Auseinandersetzung mit der Philosophie das Zertifikat „Philosophicum“ verliehen bekamen.
Derzeit wird der weitere Ausbau des Studium personale vorbereitet. Bereits im nächsten Studienjahr können Interessierte einen wissenschaftlichen Persönlichkeitstest mit individueller Beratung durchlaufen. Zudem wird das Workshop-Angebot im Bereich Schlüsselkompetenzen fortentwickelt. Das soziale Engagement der Studenten soll im Bereich „Service Learning“ weiter gefördert werden. Auch das Mentoring-Programm soll wachsen – im 2010er Jahrgang auf voraussichtlich 50 Tandems. Dr. Antonia Küper freut das. Die Managerin bei der Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Hamburg war gleich begeistert, als ihr eine Mentorenschaft angeboten wurde. „So ein Programm hätte ich mir zu Studienzeiten auch gewünscht“, sagt die Rechtsanwältin und Steuerberaterin. „Bei abnehmender Halbwertzeit von Fachwissen gewinnen Persönlichkeit, Methodenkompetenz und Erfahrungsschatz mehr und mehr an Bedeutung im Job.“ Ein Stück ihrer Erfahrung versucht sie daher auch, ihrer Mentee weiterzugeben. Als Sparringspartner – „und nicht als altkluge Ratgeberin, die alles besser weiß, nur weil sie ein paar Jahre älter ist“, wie Küper klarstellt. Ihre wichtigste Botschaft an die Law-School-Studenten: „Auch mal entspannt bleiben!“ Wie wichtig diese Aufforderung ist, weiß Bruno Gebhardi. „An der Uni wird uns dauernd der ideale Karriereweg geschildert“, erzählt der 23-jährige Student. „Da kann man schon mal Panik bekommen, was wohl passiert, wenn man nicht den perfekten Lebenslauf abliefert.“ Sein Aha-Erlebnis im Mentoring: „als mein Gegenüber mir klarmachte, dass es im wahren Leben nicht immer die geraden Linien sind, die zum Ziel führen.“ Das Mentoring sieht er wie das Studium generale als wichtige Ergänzung zu den Fachvorlesungen, „um zu unserem juristischen Selbst eine gesunde Distanz zu bekommen“, wie er sagt. Ob Orchester, politische Vorträge oder das Rhetorikseminar: „Ich habe neben Jura viele andere Dinge kennengelernt, die die Welt bunt machen“, sagt Gebhardi. „Also definitiv ein Gewinn – fürs Studium und fürs Leben.“
Ankl age
Ver teidigung
„Da hil f t nur eins: Ver treibt die Unternehmen aus den Unis!“
„Wo w erden denn Absolventen verk auf t ?“
Herzlich willkommen, wo wollen Sie Platz nehmen? Vielleicht im easyCredit-Hörsaal an der Universität Nürnberg oder im Hörsaal Aldi-Süd der Fachhochschule Würzburg? Reicht es bei Ihnen für einen Platz in der Hengeler Mueller-Bibliothek an der Bucerius Law School? Gleich wo – wer an deutschen Hochschulen studiert, kommt um die Belästigung durch Unternehmen nicht herum. Im irren Willen, das angelsächsische Hochschulsystem zu importieren, hat auch in Deutschland die Krankheit um sich gegriffen, die Qualität einer Hochschule daran zu messen, wie gut sie sich verkaufen lässt. Welche Forschungsfrage erzielt das größte Income? Was sind die Absolventen auf den Märkten wert? Und wie viele Taler gibt es für die Namensrechte der Academia? So lautet diese Plage. Dagegen hilft nur eins: Vertreibt die Unternehmen aus den Unis! Bei der Hochschulbildung sollte es nicht nur um Profite und Karrieren gehen, sondern, um mit Humboldt zu sprechen, um eine ganzheitliche Ausbildung, frei von fremden Zwängen und Interessen. Und wissenschaftliche Forschung darf nicht dem Patentmarkt gelten, sondern schlicht dem Allgemeinwohl. Ein verlässlicher innerer Kompass – den benötigen Studierende ebenso wie ihre Professoren – entsteht nur durch größtmögliche Unabhängigkeit. Hört sich altmodisch an, stimmt aber trotzdem. Doch immer dreister halten die Universitäten ihre Taschen auf. An zwei Berliner Universitäten erhielt die Deutsche Bank etwa Einfluss auf die Lehre, in Köln hält die Universität aus Rücksicht auf die Bayer AG Wissen vor der Öffentlichkeit zurück. Und auf dem Markt der Gefälligkeitsgutachten ist zu haben, was bezahlt wird. Längst bedienen sich Unternehmen an deutschen Hochschulen frei nach Laune – die Unis machen willfährig mit. Dabei hat niemand etwas dagegen, dass Unternehmer sich engagiert in die Hochschulfinanzierung einbringen. Das beste Mittel dazu heißt: ordentliche Spitzensteuersätze, weniger Steuerschlupflöcher und mehr Geld für Bildung. Das ist nicht nur gut für den Hochschulstandort – sondern auch sozial gerecht.
Ob nun im lächerlichen „easyCredit“-Hörsaal oder wie gehabt in irgendeinem namenlosen: In der Wissenschaft zählen Tatsachen. Wie groß also ist der Anteil privater Drittmittel an den universitären Haushalten? Ein Fünftel des akademischen Budgets kommt aus Drittmitteln, 20 Prozent davon steuert die Wirtschaft bei. Ein Fünftel eines Fünftels – das soll jetzt die Ökonomisierung der Universitäten sein? Wo werden denn Absolventen verkauft? In welchen Fächern wird nach dem Geldeinkommen der Forscher und nicht nach ihrer Reputation gefragt? Und den Fetisch des Drittmittelumfangs als Ausweis guter Forschung – hat ihn sich denn die Wirtschaft ausgedacht oder nicht vielmehr die Politik und die Wissenschaftsfunktionäre? Die Entgegensetzung von Privatinteresse und Gemeinwohl bringt also nicht viel. Im Namen von beidem wird Gutes und Unfug finanziert. So wenig eine staatlich finanzierte Universität deswegen „politisiert“ wäre, ist eine privatwirtschaftlich unterstützte damit schon „kommerzialisiert“. Die entscheidende Frage ist vielmehr, ob Universitäten ihre Autonomie gegenüber Finanzgebern bewahren können. Sie tun es nicht, wenn sie mit Firmen kooperieren, die verlangen, Forschungsergebnisse geheim zu halten. Auch Interventionen in die Lehre sollten zurückgewiesen werden. Kann man Unternehmen nicht klarmachen, dass sie am meisten von Universitäten haben, die das tun, was sie am besten können? Forschen Wissenschaftler hingegen, privat gefördert, an Technologien, um sich deren Erträge dann mit Firmen zu teilen, ist nicht zu sehen, was daran falsch sein sollte. Dasselbe gilt für das Interesse, das Studenten wie Firmen an der Berufsfähigkeit von Absolventen haben. Bildung meint ja nicht: Unbrauchbarwerden für praktische Zusammenhänge. Problematisch ist also nur eine dumm wirtschaftsgläubige Universität. Unproblematisch hingegen ist eine, die das Geld nimmt, das sie bekommen kann, und im Austausch dafür verspricht, wozu sie in der Lage ist: junge Leute intelligenter zu machen.
Martin Kaul, „taz – die tageszeitung“
Jürgen Kaube, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
themen
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Richtig verzettelt
Menschen - campus - Leben
Outl aw: Hans Siem Schw eiger
Wie kann man das Wissen vernĂźnftig sortieren? Hans Siem Schweiger, COO bei Citavi, im Kunstantiquariat LĂźhrs
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„Auch wenn ich nur selten Bücher lese, ich liebe es einfach, Wissen zu organisieren.“
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Ein riesiger Stapel Bücher und Fotokopien liegt auf dem Schreibtisch, darin Hunderte markierte Absätze, und zur Orientierung kleben an unterschiedlichsten Stellen bunte Post-its – nur die entscheidende Passage, die gerade in der Seminararbeit zitiert werden soll, ist nirgends auffindbar. Jeder Student kennt dieses Problem. Hans Siem Schweiger hat die Lösung zu seinem Beruf gemacht – mehr aus Zufall, wie er sagt. Vermutlich lag es aber auch an seinem ungewöhnlichen Engagement. Der schlanke, dunkelhaarige Mann sitzt in seinem kleinen Hamburger Büro, das unter dem Dach seines Hauses im Stadtteil Alt-Osdorf liegt. Auf dem Schreibtisch stehen zwischen einem Haufen Skizzenblätter zwei große Monitore. Direkt dahinter hat der 33-Jährige eine Rudermaschine aufgebaut. Daneben steht ein kleiner Kinderschreibtisch, an dem seine zwei Söhne und seine Tochter gelegentlich malen. Für einen Juristen ist dies wohl eher ein ungewöhnlicher Arbeitsplatz. Doch mit Jura hat der ehemalige Bucerius-LawSchool-Student auch nur noch in Ausnahmefällen zu tun. Eine Seminararbeit, die Schweiger in seinem dritten Studienjahr schreiben musste, brachte ihn auf andere Wege. Den Anstoß gab sein Sinn für Systematik: „Wie kann man das Wissen vernünftig sortieren? Und auf welche Weise lassen sich Zusammenhänge so darstellen, dass man sie schnell versteht und leicht darauf zurückgreifen kann?“, fragte sich Schweiger damals, als er versuchte, das Gelesene zu ordnen. Im Internet stieß er auf eine Antwort: das Literaturverwaltungsprogramm LiteRat. „Das Programm war allerdings von 1995 und damals schon veraltet“, erzählt Schweiger. Doch eine neue Version wurde bereits angekündigt: Citavi. Eine Software, die Anwendern hilft, Ordnung in wissenschaftliche Arbeiten zu bringen – durch die Organisation von Fußnoten, Verweisen, Kategorien und Schlagwörtern. Inzwischen ist sie unter Studenten und Wissenschaftlern weit verbreitet und an über 200 Universitäten und Hochschulen im Einsatz. Längst gibt es Citavi auch auf Englisch und Polnisch. Über Händler wird die Software mittlerweile weltweit angeboten. Schweiger war schon vor der Einführung von der Idee begeistert – nicht, weil er Bücher liebt. Und auch Programmieren hat er nie gelernt. Es war vor allem die systematische Herangehensweise, die ihm gefiel. Im November 2005 – über ein Jahr vor der Erstveröffentlichung – schrieb er den Entwicklern eine Mail: „Sehr geehrtes Citavi-Team, ich warte schon seit Mai auf Ihr Programm
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und bin so großer Erwartung, dass Weihnachten im Vergleich so einschläfernd ist wie Schafe zählen. (...) Wird das Programm auch die Möglichkeit bieten, Urteile in die Datenbank aufzunehmen? Sollte das noch nicht der Fall sein, so wünsche ich es mir hiermit und mache gleich ein paar Vorschläge für die nötigen Felder: Gericht, Urteil/ Beschluss, Aktenzeichen (...).“ Das ungewöhnliche Engagement machte die Citavi-Gründer neugierig. Sie boten dem Jura-Studenten an, Beta-Tester zu werden – es war der Beginn einer Zusammenarbeit, aus der im Januar 2011 eine Festanstellung wurde. Seitdem ist Schweiger Chief Operating Officer bei Swiss Academic Software, den Entwicklern des Programms. Als „Mädchen für alles“, wie er sich selbst bezeichnet, kümmert sich Schweiger um die gesamte Koordination und verantwortet das Marketing sowie die Budgetplanung und die Preisfindung für Einzel- und Campuslizenzen weltweit. Er reist zu internationalen Bibliotheksmessen und einmal pro Monat zu seinen neun Kollegen, die 900 Kilometer entfernt in Wädenswil bei Zürich arbeiten. Dort hat das Unternehmen seinen Sitz. Ein Umzug in die Schweiz wäre Schweiger allerdings schwergefallen. „Meine Familie ist in Hamburg verwurzelt“, sagt er. „Ein Ortswechsel hätte für uns alle viele Veränderungen bedeutet.“ Und dennoch: Neben der Begeisterung für Citavi machen für Schweiger vor allem das herzliche und vertrauensvolle Miteinander mit den Kollegen sowie das gemeinsame Streben nach der besten Lösung den Job so reizvoll. „Die Chemie muss stimmen“, sagt Schweiger. „Das tut sie bei uns.“ Das Jura-Studium hätte Schweiger für seine aktuelle Stelle vermutlich nicht gebraucht – doch er ist überzeugt, dass er ohne das Studium wohl nicht auf Citavi gestoßen wäre. Und obwohl er kein leidenschaftlicher Jurist geworden ist, bringt er gelegentlich gern seine Rechtskenntnisse zum Einsatz: „Dank meiner juristischen Ausbildung kümmere ich mich um rechtliche Aspekte in der Firma, checke AGBs oder bin in markenrechtlichen Fragen der Ansprechpartner“, erzählt er. Für die Stelle qualifiziert hätten ihn aber auch seine kaufmännischen Kenntnisse: „Vor dem Besuch der Law School habe ich ein duales BWL-Studium absolviert und im Anschluss an das Jura-Studium kurze Zeit als Berater bei Boston Consulting gearbeitet.“ Doch viel wichtiger ist für Schweiger, dass er zum Beruf gemacht hat, wofür er sich begeistern kann: „Auch wenn ich nur selten Bücher lese, ich liebe es einfach, Wissen zu organisieren.“
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III II I IIII IIII IIIIIIIII Text: Christine Knust, Xenia von Polier. Foto: Odile Hain
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Vergleichswerte Deutschland: Einwohner 81 472 000 BIP pro Kopf 2011 31 500 € InterneTNutzer 65 125 000
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Anwaltshonorar
200 bis 500 € (Billable Hour in Großkanzleien) StrafmaSS für Mord
lebenslänglicher Freiheitsentzug
Trunkenheit am Steuer
Duygu Acar, Sie sprechen fließend deutsch. Haben Sie vor dem MLB-Programm schon in Deutschland gelebt?
Türkei
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> 0,5 Promille: 1 Monat Fahrverbot, Bußgeld von 250 € Coffee to Go 3,80 € (bei Starbucks in Hamburg) HemdReinigung 1,30 € Porsche 55 978 € (Boxster S)
Duygu Acar, 31,
Einwohner
74 724 000
Währung
arbeitet für Caga, Istanbuls älteste Anwaltskanzlei. Während des MLB-Programms rief ihr Chef sie an und sagte: „Wenn Sie mit dem Master zurückkommen, werden Sie innerhalb von anderthalb Jahren zur Partnerin befördert.“
1 Türkische Lira (TRY) = 0,45 € BIP pro Kopf
8 365 €
InterneTNutzer
33 178 000
Anwaltshonorar
140 bis 600 € (Billable Hour je nach Größe der Kanzlei) bzw. ab 4 000 € pro Monat in großen Kanzleien
Das Vogue – Duygus Lieblingsrestaurant in Istanbul
StrafmaSS für Mord
mindestens 5 Jahre Trunkenheit am Steuer
> 0,5 Promille: Geldstrafe 120 €, 6 Monate Führerscheinentzug Coffee to Go
3,25 € (bei Starbucks) HemdReinigung
1,50 €
Porsche
125 000 € (Boxster S)
Hier entlang! Der Weg zur Arbeit Lieblingsplatz: Blick auf die erste Bosporus-Brücke
Ja, vor sieben Jahren war ich neun Monate lang in München. Meine Kanzlei hatte dort ein Projekt mit Rechtsanwälten von Beiten Burkhardt. Deutsch habe ich aber schon vorher gelernt: Mit zwölf Jahren bin ich in Istanbul auf eine deutsche Schule gekommen und habe dort auch das Abitur gemacht. Die deutschen Schulen haben in der Türkei den besten Ruf. 90 Prozent meiner Anwaltskollegen waren auf einer. Gilt das nur für die Schulen oder auch für die Universitäten? Auch mit einem deutschen Hochschulexamen verbessert man seine Chancen. Deshalb wollte ich, nachdem ich meinen Bachelor of Law in Istanbul gemacht hatte, den Master in Deutschland absolvieren. Allerdings war es mir wichtig, auf Englisch zu studieren, denn unsere Kanzlei ist sehr international ausgerichtet. Dafür kamen nur zwei Hochschulen infrage. Ein Partner von Beiten Burkhardt empfahl mir das MLB-Programm der Bucerius Law School. Sie haben vor Beginn des Masterstudiums schon gearbeitet. Wie fand Ihr Chef Ihren Plan, für ein Jahr im Ausland zu studieren? Er hat das stark unterstützt. Die Kanzlei übernahm die gesamten Studiengebühren und hat mir auch mein Gehalt fortgezahlt. Einzige Voraussetzung war, dass ich nach dem Abschluss wieder auf meine alte Stelle zurückkehre. Als ich bereits in Hamburg war, rief mich mein Chef extra noch mal an und sagte: „Wenn Sie mit dem Master zurückkommen, werden Sie innerhalb von anderthalb Jahren zur Partnerin befördert.“ Im Januar hat er sein Versprechen eingelöst. Was haben Sie im Studium für Ihren Berufsalltag gelernt? Viel. Ich berate internationale Unternehmen, darunter verschiedene Banken und Airlines, im Bereich Mergers and Acquisition. Dreimal pro Woche habe ich Meetings mit den Mandanten. Mit meinen Wirtschaftskenntnissen verstehe ich inzwischen ihre Belange deutlich besser. Aber auch auf juristischer Ebene kann ich vieles von dem, was ich gelernt habe, anwenden. Das türkische Rechtssystem ist dem deutschen sehr ähnlich.
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Universe
Einwohner
61 792 000
Währung
Mark, für das MLB-Programm haben Sie sich mit einem Abschluss in Englischer Literatur beworben. Das ist eher ein ungewöhnlicher Hintergrund, oder?
Mark Ashurst, 42,
ist Journalist und Geschäftsführer des von ihm gegründeten Medienunternehmens Black Cat Media in London. Aktuell bei ihm im Angebot: Publikationen, politische Analysen, Beratung und demnächst eine App zu Biografien berühmter Persönlichkeiten.
1 Pfund Sterling (GBP) = 1,27 € BIP pro Kopf
30 681 €
InterneTnutzer
51 444 000
Anwaltshonorar
10 000 bis 14 000 € im Monat (als junger Anwalt in einer großen Kanzlei)
StrafmaSS für Mord
lebenslänglich, mindestens 12 Jahre
Schöner Heimweg: entlang des Beddington Park Marks Lieblingsplatz: der Trafalgar Square
Text: Xenia von Polier. Fotos: privat
Trunkenheit am Steuer
> 0,8 Promille oder ab 4 Alkohol einheiten (vier kleine Gläser Wein oder zwei Pints Bier zu je 0,57 Liter), Strafe: bis 7 350 € und Führerscheinentzug Coffee to Go
2,80 € (bei Starbucks)
HemdReinigung
1,70 €
Porsche
57 550 € (Boxster S)
Das stimmt. Aber ich habe vorher als Journalist einige Jahre lang für den „Economist“ und die „Financial Times“ geschrieben. Und auch bei meiner Arbeit für das Africa Research Institute, einen Thinktank, den ich 2007 gründete, habe ich mich bereits viel mit politischen und wirtschaftlichen Themen beschäftigt. Insofern hatte ich zumindest Praxiswissen. Wie sind Sie auf das MLB-Programm an der Bucerius Law School aufmerksam geworden? Eine Anwältin aus Simbabwe hatte mir davon erzählt. Ihre Empfehlung machte mich neugierig, denn ich habe ungefähr 15 Jahre lang darüber nachgedacht, einen MBA oder LL.M. zu machen. Patentrecht und geistiges Eigentum waren wichtige Themen für meine Arbeit, doch ich hatte keine Lust, ein ganzes Jura-Studium zu absolvieren. An eine Business-School in den USA wollte ich aber auch nicht gehen, als ich kurz nach Ausbruch der Finanzmarktkrise konkret über ein weiteres Studium nachdachte. Als alternatives Modell zum angloamerikanischen Kapitalismus fand ich das deutsche System interessant. Und wie beurteilen Sie das MLB-Programm rückblickend? Das Studium hat eine ganze Bandbreite an Themen abgedeckt. Vor allem aber haben mich die Kurse zu Verhandlungstechniken beeindruckt. Von den Analysemethoden hatte ich zuvor noch nie gehört. Wenn Parlamente und Zivilgesellschaft Wege fänden, solche Modelle anzuwenden, könnte ihnen das sehr nützen. Sie arbeiten in London als Journalist. Was für einen Artikel würden Sie über Ihre Zeit in Deutschland schreiben?
Freizeit: Shopping mit dem Nachwuchs
Ich würde ein Stadtporträt über Hamburg schreiben. Mich hat überrascht, wie international die Hamburger ausgerichtet sind. Vielen ist es wichtig, kosmopolitisch zu sein. Man trifft Menschen unterschiedlichster Nationalitäten. Durch den Hafen hat die Stadt natürlich enge Verbindungen zum Welthandel. Und die meisten Hamburger sind sehr fleißig und erfolgreich. Zweiter zu sein bedeutet hier, der erste Verlierer zu sein. Andererseits ist es aber auch eine sehr ent spannte Stadt, und sie ist viel kleiner, als man erwartet. Ich mag diese Mischung.
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Organisation
Studiengänge / Programme
Hochschulleitung
Studenten / Absolventen
Die Bucerius Law School – Hochschule für Rechts wissenschaft wird getragen von der Bucerius Law School gemeinnützige GmbH, deren alleinige Gesellschafterin die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius ist. Die Bucerius Law School gGmbH hat im Jahr 2005 die Bucerius Education GmbH gegründet, die Executive Education und Conference & Event Management anbietet. Trägerin des Masterprogramms ist die Bucerius Master of Law and Business gemeinnützige GmbH.
Präsident/in (akademische Leitung)
— Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Karsten Schmidt (bis 30. September 2012) — Prof. Dr. Doris König, M.C.L. (ab 1. Oktober 2012) Vizepräsident
— Prof. Dr. Hermann Pünder, LL.M. (akademisches Jahr 2011/12) — Prof. Dr. Rüdiger Veil (akademisches Jahr 2012/13) Geschäftsführung
— Dr. Hariolf Wenzler — Benedikt Landgrebe (Stv.) AUFSICHTSRAT
Der Aufsichtsrat bestellt und berät die Geschäftsführung und überwacht die finanzielle Entwicklung der Gesell schaft und der Hochschule. — Prof. Dr. Michael Göring, Vorsitzender — Dr. Henneke Lütgerath — Dr. Henning Voscherau KURATORIUM
— Dr. Henning Voscherau, Vorsitzender — Dr. Christoph von Bülow — Prof. Dr. Michael Göring — Dr. Tessen von Heydebreck — Prof. Dr. Michael Hoffmann-Becking — Rolf Hunck — Dr. Klaus Landry — Prof. Dr. Katharina Pistor — Dr. h.c. Volker Röhricht — Nicolai von Ruckteschell — Roman Strecker, LL.B. — Wolfgang Sturm — Dr. Jan Christoph Witte
— Jura mit den Abschlüssen Bachelor of Laws (LL.B.) und Erste Prüfung — Bucerius/WHU Master of Law and Business – Joachim Herz Program — International Exchange Program (für Studenten der 95 Partnerhochschulen weltweit) — Bucerius Summer Program in International Business Law — Bucerius Summer Program in Mediation — Executive-Education-Programme — 546 Jura-Studenten — 48 Masterstudenten aus 35 Ländern — 286 Promotionsstudenten — 110 Teilnehmer von 53 Partnerhochschulen aus 24 Ländern am International Exchange Program 2011 — 37 Teilnehmer aus 17 Ländern am Bucerius Summer Program in International Business Law 2012 — 20 Teilnehmer aus 13 Ländern am Bucerius Summer Program in Mediation 2012 — 99 LL.B.-Absolventen 2012 — 81 Absolventen der Ersten Prüfung (September 2011 – August 2012)
Forschung & Lehre
— 15 Lehrstühle — 1 Juniorprofessor — 5 Affiliate Professors — 2 Honorarprofessoren — 2 Emeriti — 6 4 Wissenschaftliche Mitarbeiter und Assistenten — 54 Mitarbeiter im Hochschulmanagement, inkl. Hengeler Mueller-Bibliothek — 4 6 abgeschlossene Promotionen (Sept. 2011 – August 2012) — Institut für Stiftungsrecht und das Recht der Non-ProfitOrganisationen — Institut für Unternehmens- und Kapitalmarktrecht — Center for Transnational IP, Media and Technology Law and Policy — Zentrum für Studium generale und Persönlichkeitsentwicklung — Zentrum für Juristisches Lernen — Fremdsprachenprogramm — Programm Wirtschaftswissenschaften
Menschen - campus - themen - welt
Die Bucerius Law School
Facts & Figures
Geschäf tsbericht der Bucerius Law School gemeinnüt zige GmbH für 2 011
Bil anz
Dem vollständigen Jahresabschluss und dem Lagebericht hat die BDO Deutsche Warentreuhand AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft am 9. März 2012 einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erteilt.
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AK TIVA
Stand 31.12.2011 EUR
A. ANLAGEVERMÖGEN I. Immaterielle Vermögensgegenstände 274.050,00 II. Sachanlagen Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 1.307.805,00 III. Finanzanlagen 6.288.930,47 B. UMLAUFVERMÖGEN I. Waren (Merchandising) II. Forderungen und sonst. Vermögensgegenstände 1. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 386.221,76 2. Forderungen gegen verbundene Unternehmen 198.187,99 3. Sonstige Vermögensgegenstände 372.727,25 III. Kassenbestand und Guthaben bei Kreditinstituten 760.810,09 c. RECHNUNGSABGRENZUNGSPOSTEN D. Aktiver Unterschiedsbetrag aus Vermögensverrechnung
PASSIVA A. EIGENKAPITAL I. Stammkapital II. Andere Gewinnrücklagen III. Gewinnvortrag IV. Jahresüberschuss B. RÜCKSTELLUNGEN 1. Rückstellungen für Pensionen 2. Steuerrückstellungen 3. Sonstige Rückstellungen c. VERBINDLICHKEITEN 1. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 2. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen 3. Sonstige Verbindlichkeiten D. RECHNUNGSABGRENZUNGSPOSTEN
Vorjahr EUR
298.489,00 1.458.725,99 7.870.785,47
5.701.560,00
37.579,35
41.473,16
957.137,00
556.372,86
760.810,09
1.106.069,99
83.427,60
85.961,92
0,00
45.998,00
9.709.739,51
9.294.650,92
Stand 31.12.2011 EUR
Vorjahr EUR
1.500.000,00
1.500.000,00
155.608,00
155.608,00
6.111.732,46
5.480.667,01
424.402,73
8.191.743,19
631.065,45
595,00 6.766,42 262.586,09
269.947,51
311.584,44
1.245.112,36
1.212.379,42
2.936,45
3.346,60
9.709.739,51
9.294.650,92
312.450,55 760.864,00 171.797,81
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Jahresabschluss für das Geschäf tsjahr vom 1. Januar bis zum 31. De zember 2 011 Ge winn- und Verlustrechnung
1. Rohergebnis
Vorjahr EUR
15.803.716,35
davon Zuwendungen ZEIT-Stiftung
8.397.634,00
davon Studiengebühren
3.596.846,50
davon Spenden / Sponsoring
1.967.613,80
davon sonstige Einnahmen
1.482.514,88
2. Personalaufwand
a) Löhne und Gehälter b) Soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung – davon für Altersversorgung: EUR 520.662,83 (Vorjahr: TEUR 452)
7.098.509,40 1.662.922,08
6.781.608,76 8.761.431,48
1.565.976,53
481.945,63
480.456,46
6.199.093,92
5.976.973,76
0,00
0,00
237.565,71
222.491,77
122.115,00
71.555,00
6.307,00
319,00
470.389,03
720.338,21
49.787,00
68.391,93
-3.800,70
20.880,83
424.402,73
631.065,45
3. Abschreibungen auf immaterielle Vermögens-
gegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen 4. Sonstige betriebliche Aufwendungen 5. Erträge aus Beteiligungen
15.374.735,95
6. Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 7. Abschreibungen auf Finanzanlagen 8. Zinsen und ähnliche Aufwendungen 9. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 10. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 11. Sonstige Steuern 1 2. Jahresüberschuss
Der Jahresüberschuss ist ein buchhalterischer Wert. Er entsteht durch als Erträge gebuchte Forderungen aus dem Um gekehrten Generationenvertrag (UGV), nicht verbrauchten Mitteln bzw. Minderaufwendungen bei Personal- und Sachkosten sowie durch Mehreinnahmen von Spenden; abzüglich der Abschreibungen auf Sachanlagen und Investitionen. Die Bucerius Law School gemeinnützige GmbH führt keine Gewinne ab. Nicht verbrauchte Mittel werden auf folgende Haushaltsjahre vorgetragen. Die Zuwendungen der ZEIT-Stiftung werden auf Grundlage der durch den Aufsichtsrat genehmigten Haushaltspläne für jeweils ein Geschäftsjahr festgesetzt. Die hohe Bilanzsumme der GmbH spiegelt fast ausschließlich die als Finanzanlagen ausgewiesenen Forderungen aus dem Umgekehrten Generationenvertrag wider.
Ausgaben
54 %
Einnahmen
ZEIT-Stiftung
54 %
Personalaufwand
10 %
4 %
Sonstige Einnahmen
Abschreibungen
13 %
Spenden/Sponsoring
42 %
Sachaufwand
23 %
Studiengebühren
campus - themen
2011 EUR
Unsere größten Unterstützer 2 011/ 2 012
Gründerin und einzige Gesellschafterin
campus - welt
— ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
Partner
Förderer
— Deutsche Bank AG — Commerzbank-Stiftung
— Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung — Beiten Burkhardt — Berenberg Bank — British American Tobacco Germany — Cleary Gottlieb Steen & Hamilton LLP — Deloitte & Touche GmbH — Deutsche Lufthansa AG — ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG — Friedrich Stiftung — Funk Gruppe GmbH — Generali Versicherung AG — Graf von Westphalen — Gustav und Catharina Schürfeld-Stiftung — Hamburger Sparkasse AG — Hamburgische Notarkammer — Harmsen Utescher — Heuking Kühn Lüer Wojtek — Huth Dietrich Hahn — Johanna und Fritz Buch Gedächtnisstiftung — Latham & Watkins LLP — Max Kade Foundation — Noerr LLP — Norton Rose LLP — Renzenbrink Raschke von Knobelsdorff Heiser — Rolf und Sigrid Hunck — Ruge Krömer Rechtsanwälte — Schomerus & Partner — Thomas J. C. und Angelika Matzen Stiftung — White & Case LLP
— Claussen-Simon-Stiftung — Clifford Chance — DLA Piper — Freshfields Bruckhaus Deringer LLP — Gebr. Heinemann SE & Co. KG — Heinz Nixdorf Stiftung — Hengeler Mueller — Joachim Herz Stiftung — Linklaters LLP — Siemens AG — The Boston Consulting Group GmbH — UBS Deutschland AG
Donatoren — Allen & Overy LLP — Audi AG — Baker & McKenzie — CMS Hasche Sigle — Ernst & Young GmbH — Gleiss Lutz — Hogan Lovells International LLP — Shearman & Sterling LLP — Taylor Wessing — Notar Dr. Michael Ehlke (†)
sind ein wichtiger Faktor für die Innovationskraft des deutschen Bildungswesens. Die Bucerius Law School befindet sich in einer glücklichen Ausnahmesituation wie nur wenige andere private Hoch schulen in Deutschland: Als forschungsorientierte Stiftungsgründung steht sie auf einem soliden wirtschaftlichen Fundament. Alleinige Gesellschafterin ist die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, die die Hochschule im Jahr 2000 gegründet hat. Sie finanziert bis heute den überwiegenden Anteil des jährlichen Budgets der Hochschule. Die ZEIT-Stiftung hat zudem eine Garantie gegenüber dem Senat der Freien und Hansestadt Hamburg abgegeben, die die Finanzierung der Hochschule auf Dauer zusichert.
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Dr. Alexander Schwarz, Partner
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„Druck ist etwas Gutes“
Menschen - themen - Leben
In der Cof fee lounge mit Michael Stich und Sebastian Bong
Ein Studium an der Bucerius Law School ähnelt gelegentlich einer Karriere im Spitzensport. re.vision sprach mit Tennislegende Michael Stich und mit dem besten Bachelor-Absolventen des Jahrgangs 2008, Sebastian Bong, über das Streben nach Höchstleistung und warum Niederlagen nützlicher sein können als Erfolge.
Herr Stich, welchen Moment auf dem TennisCourt werden Sie nie vergessen? Michael Stich: Ach, da gibt es so drei, vier wahrscheinlich. Natürlich einmal Wimbledon, das Finale 1991. Oder diese neun vergebenen Matchbälle im Davis Cup 1995 gegen Russland. re.vision: In Spielen wie diesen standen Sie ja unter einem enormen Leistungsdruck. Wie schafft man es, sich trotzdem noch auf den Sieg zu fokussieren, obwohl gerade alles schiefläuft? Stich: Also in dem Moment denkt man sich: Na ja, du hast einen vergeben, du hast zwei vergeben, na ja, komm, du kriegst einen dritten. Aber Leistungsdruck ist auch etwas Gutes, etwas Spannendes, was uns zu höheren Leistungen antreibt, und natürlich gehört auch Verlieren dazu. In dem Moment zu scheitern und das Match zu verlieren war zwar frustrierend. Aber als viel schlimmer habe ich es damals empfunden, dass ich es nicht geschafft habe, für die Mannschaft dieses Jahrhundert-Davis-Cup-Finale gegen Sampras und Agassi in Deutschland zu erreichen. re.vision: Herr Bong, was waren während Ihrer Zeit an der Bucerius Law School bislang die schwierigsten Situationen? Sebastian Bong: Sehr anstrengend war die Schwerpunktklausur letzten Winter, außerdem die Examensseminararbeit, die wir in vier Wochen im Sommer schreiben re.vision:
mussten. Aber selbst da war natürlich der Druck nicht vergleichbar mit so einem Moment auf dem Tennisplatz. Insofern denke ich, dass ich vergleichbare Niederlagen noch nicht erlebt habe. Ich musste ja auch noch nichts Vergleichbares leisten. Stich: Das würde mich jetzt interessieren, weil ... Ich sage einfach mal du, wenn das o.k. ist? Bong: Ja, klar. Stich: Ich finde das spannend: Warum glaubst du, dass du weniger Druck hast? Bong: Ich denke, dass die Situation bei sportlichen Ereignissen viel einmaliger ist. Selbst beim Staatsexamen hat man ja immer noch zwei Versuche. Aber ein Finale in der Heimat gegen eine bekannte andere Mannschaft, das kommt nur einmal. re.vision: Herr Stich, hatten Sie denn damals Angst in der Schule? Stich: Die Schule war in Ordnung, aber heute ist die Vorstellung, ich müsste noch mal mein Abitur machen, wirklich eine Horrorvorstellung. Bong: Wieso fällt es dir leichter, mit sportlichen Stresssituationen umzugehen? Stich: Wenn ich auf dem Platz stehe, kann ich mich selbst und meine Leistungsfähigkeit sehr gut einschätzen. Aber wenn ich in einer Klausur einen Blackout habe, dann ist das unwiderruflich der Moment, wo es nicht funktioniert. Das Maß der Enttäuschung ist dann für jemanden wie dich, Sebastian, wahrscheinlich gleichzusetzen mit meiner Niederlage im Finale der French Open 1996. An dem Tag habe ich nicht meine beste Leistung abgerufen, ich habe wirklich versagt. Ich bin einfach ins Match reingegangen, ohne an mich zu glauben. Dementsprechend habe ich auch verloren.
Menschen - themen - Leben
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Wie gehen Sie mit solchen Niederlagen um? Indem ich nächste Woche wieder losgehe und das nächste Match spiele. Ich kann mich immer wieder herausfordern. Das herauszufinden ist ja auch das Schwierige im Leben: Worin bin ich wirklich gut? Bong: Also hilft dir das Selbstvertrauen und der Glaube an dich selbst, diese Situation zu meistern? Stich: Man muss das Selbstbewusstsein haben, eine Herausforderung einfach anzunehmen und zu sagen: Das schaffe ich. Sonst sollte man es nicht tun. Und man muss negative Erlebnisse ins Positive drehen können und sich sagen: Nächstes Mal mache ich es besser. Bong: Also kannst du Niederlagen in Motivation um wandeln? Stich: Ja, wenn man aus Niederlagen nicht lernt, wann dann? Für mich sind Niederlagen in meiner Karriere viel einfacher gewesen, auch im realen Leben, weil sie immer beinhalten, dass ich es beim nächsten Mal besser machen kann. Einen Erfolg zu verarbeiten ist viel schwerer, weil ich zu glauben beginne, dass ich nicht mehr an mir arbeiten muss. re.vision: Wie ist das bei Ihnen, Herr Bong? Sehen Sie in Erfolgen auch Risiken? Bong: Erfolge sind zunächst eine Belohnung, die motiviert. Sie können allerdings auch dazu verleiten, erstmal bequem zu werden. Aber im Studium kommt immer irgendeine Klausur, die einem die Grenzen aufzeigt. Der Stoff ist außerdem so umfangreich, dass man nie das Gefühl hat, man könne sicher sein. Ich versuche, auch nach einem Erfolg mir immer wieder das nächste Ziel zu stecken und mich zu motivieren, so wie jetzt für das Staatsexamen. Stich: Was hast du denn für eine Vision, die dich beim Examen antreibt? Du könntest ja auch sagen: „Ich will ein re.vision:
Interview: Roman Heflik. Fotos: Odile Hain
Stich:
Einser-Examen machen, aber am Ende mache ich dann eine Arbeit für Ärzte ohne Grenzen.“ Oder ist es das Materielle, das Einkommen, das dich antreibt? Bong: Ich denke, Letzteres eher nicht. Ich möchte mir die Möglichkeit schaffen, nachher das machen zu können, was mich tagtäglich erfüllt, was mir Spaß macht und wo ich parallel noch genug Zeit zum Ausgleich habe. Stich: Also wenn du mich fragen würdest: „War es das Materielle oder das Tennisspielen?“, würde ich ganz klar sagen: Das Materielle hat keine Rolle bei meiner Entscheidung gespielt. Mein Berufswunsch war nie, Tennisprofi zu werden, ich habe nie als Kind darauf hingearbeitet. Das hat sich durch Zufall ergeben. Bong: Mir geht es auch nicht ums Geld. Aber wenn sich mir später zwei ansonsten gleichwertige Alternativen bieten, von denen eine einen materiellen Vorteil hat, dann kann ich nicht ausschließen, dass das ausschlaggebend wäre. Was war denn der Grund für dich, mit dem Leistungssport anzufangen? Stich: Dass ich das perfekte Tennis spielen wollte, aber ausschließlich für mich. Vom Platz zu gehen und zu sagen: Das war annähernd dran an dem, was perfekt ist. Dass man wirtschaftlich gut da steht, dass man Anerkennung bekommt, das sind Faktoren, die folgen dann eher nach. Ich wollte in erster Linie das Gefühl haben, dass ich meine Leistungsgrenze erreicht habe. Bong: Und das war für dich wichtiger als die Frage, ob du gewonnen hattest? Stich: Natürlich wollte ich gerne ein Grand-Slam-Turnier und den Davis Cup gewinnen. Aber verbunden damit war, möglichst stolz auf meine eigene Leistung zu sein. Es gab genügend Matches, die ich gewonnen, aber schlecht
Menschen - themen - Leben
Lasso tat vendit praesenim do delEm dolent ute mincidunt praesed do eriure min utem velis nullutp atisim nulla commy nostrud magnibh euipsum quipit, sent laorper alit auguer adignia mconulp utatie feugueril dio odo odionsectem
gespielt habe. Andererseits habe ich aber auch bei der ATP-Weltmeisterschaft das Finale gegen Pete Sampras gewonnen, da hätte ich nichts mehr besser machen können. Und selbst wenn ich in fünf Sätzen verloren hätte, hätte ich gesagt: Besser geht es nicht, perfekt. re.vision: Dieses Streben nach Perfektion behindert und stresst Sie also nicht, sondern motiviert Sie? Stich: Absolut. Ich habe in meiner Karriere zwei oder drei gefühlt perfekte Tennismatches gespielt – und ich habe als Profi vielleicht 600 Matches gespielt. Der Prozentsatz der Perfektion ist also nicht so hoch (lacht). Ich finde, Druck im Sinne von Stress macht sich jeder immer erst mal selber, weil er sich entweder einer Situation aussetzt, der er nicht gewachsen ist, oder weil er sich selbst falsch eingeschätzt hat. Das Reden vom „Druck“ wird aus meiner Sicht oft als Ausrede verwendet, auch im Sport. Bong: Ich versuche, diesen Leistungsdruck beim Studium so zu kanalisieren, dass ich meine eigenen Ziele setze und dann auf diese Ziele und auf die Zwischenschritte hinarbeite. Wenn der Druck zu viel wird, überlege ich mir: O.k., was ist jetzt schiefgelaufen und was kann ich an meinem Alltag ändern, um zufrieden zu bleiben? Stich: Ist „Druck“ als Wort etwas Negatives für dich? Bong: Es hängt davon ab, wie man selbst damit umgeht. Die gute Seite ist, dass es einen zur Leistung anspornt, aber wenn dann die eigene Motivation umschwingt und man vom Druck und nicht mehr von dem, was man selbst erreichen will, bestimmt wird, dann ist der Druck was Negatives. re.vision: Herr Stich, Sie haben sich auch nach Ihrer Sportlerkarriere nicht ins Private zurückgezogen, sondern leiten weiter Ihre Stich-Stiftung gegen HIV, die Sie bereits
während Ihrer aktiven Tenniskarriere gegründet haben. Warum wollten Sie sich um HIV-Infizierte kümmern? Stich: Ich wollte eine Stiftung gründen, um in einem Bereich zu helfen, der mich interessiert. Und es sollte etwas mit Kindern sein. Dabei war eines der Themen, die in diesem Zusammenhang auftauchten, HIV. Bevor ich mich mit dem Thema näher beschäftigt habe, hatte ich genau die gleichen Berührungsängste wie die meisten Menschen. Das hat mich wiederum herausgefordert. Ich habe mir gesagt: Da kannst du was lernen und vielleicht durch den Quereinstieg auch einen Unterschied machen, weil du Dinge anders angehst. re.vision: Würden Sie dieses soziale Engagement auch jüngeren Menschen empfehlen, die keine Aussichten auf hohe Preisgelder haben? Stich: Absolut. Aber nicht wegen einer Pflicht zum sozialen Engagement, sondern weil das eine unglaublich gute Schule fürs Leben ist. So wie ich immer jungen Menschen sagen würde: Geht für ein Jahr irgendwo ins Ausland, da ist eine Welt, die ist so spannend und so groß und die hat so viel zu bieten. re.vision: Herr Bong, kann man als Student von Michael Stich etwas lernen? Bong: Mit Sicherheit. Einerseits von ihm als Leistungssportler die Disziplin, sich auf ein Ziel zu fokussieren, und den Glauben an sich selbst in jeder Situation. Außerdem habe ich das Gefühl, dass er eigentlich alles, was er macht – ob Tennis oder soziales Engagement –, aus einer eigenen Schaffenskraft heraus macht und nicht, weil er sich irgendwie von außen dazu verpflichtet fühlt. re.vision: Bleibt an der BLS genug Freiraum, um sich selbst noch zu engagieren?
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„Man muss nicht erst 60 werden, um etwas Gutes zu tun.“ Michael Stich
„Im Studium schließen sich Teamgeist und Ehrgeiz ja auch nicht aus.“ Sebastian Bong
Ich habe selbst mal auf dem Wannsee und auch auf der Alster fünf Jahre gerudert, und da merkt man dann im wahrsten Sinne des Wortes, dass man nur vorankommt, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht. Sitzt du auch selbst mit im Drachenboot? Stich: Ja, ich paddle schon mit. Aber wir müssen natürlich auch wahnsinnig viel organisieren: Wir haben tagsüber an der Alster etwa 500 Teilnehmer und bei der Abendveranstaltung so zwischen 1 000 und 1 100 Gäste. re.vision: Bei den Rennen wird ja auch ziemlich viel geschrien und getrommelt. Worum geht es da, um Mannschaftsgeist oder um Konkurrenz? Stich: Die Idee dahinter war, dass die Teams, die dabei mitmachen, ihren Teamgeist fördern können. Das kann eine Abteilung sein oder eine Firma, die Gäste oder Mitarbeiter einlädt. In den ersten Jahren ging es vor allem um die Teilnahme wegen der guten Sache. Inzwischen aber sind viele Teams schon seit Jahren dabei. Eine Mannschaft ist jetzt seit vier Jahren ungeschlagen, und der sportliche Ehrgeiz bei den Teilnehmern wächst, sie endlich zu besiegen. re.vision: Was ist aus Ihrer Sicht grundsätzlich wichtiger für eine erfolgreiche Karriere: der Mannschaftsgedanke oder der Wille zum Siegen? Stich: Das hängt ganz davon ab, wo man tätig ist. In meinem Job als Tennisprofi war Egoismus natürlich wichtig. Auf dem Platz konnte ich mich nicht darum kümmern, ob mein Gegner ein netter Kerl ist. Man sollte aber nicht vergessen, dass man einen Job nie wirklich ganz allein machen kann. Auch ich brauchte meinen Trainer und ein funktionierendes Umfeld. Allerdings glaube ich, dass auch ein Team dann am besten ist, wenn jeder versucht, sein Bestes mit einzubringen, und an seine Leistungsgrenze geht und auch eine Erwartungshaltung an seine Teammitglieder formuliert. Bong: Im Studium schließen sich Teamgeist und Ehrgeiz ja auch nicht aus. Gemeinsam kommt man am besten weiter. Natürlich will hier jeder etwas erreichen. Aber gerade das trägt dazu bei, dass die Atmosphäre sehr motivierend ist. Wichtiger ist aber noch, dass man im Gespräch und in der Zusammenarbeit mit den anderen immer etwas lernt und den Stoff erst richtig versteht. Stich: So wie du es beschreibst, sollte es auch sein: voneinander lernen, miteinander etwas entwickeln und auch dadurch wieder besser werden, also seinen Horizont erweitern. Sozusagen als Schule fürs Leben. Bong:
Menschen - themen - Leben
Ich denke schon. Die Arbeitsbelastung ist natürlich hoch, aber es ist auch nicht nötig, dass man sieben Tage die Woche und jede freie Stunde des Tages mit dem Studium verbringt. Es bleibt immer genug Zeit, um auch eigenen Neigungen und Interessen nachzugehen. Stich: Ich bin da immer sehr schwarz-weiß: Ich glaube, jeder hat die Möglichkeit, sich sozial einzubringen. Aber es muss eine Herzensangelegenheit sein. Die Zeit hat jeder, beispielsweise ins Altersheim nebenan zu gehen und alten Menschen vorzulesen oder eine Rechtsberatung zu geben für Menschen, die sich das nicht leisten können. Man muss nicht erst 60 werden, um etwas Gutes zu tun. Ich selbst habe meine Stiftung mit 26 gegründet und war damals der jüngste Stifter Deutschlands. Es wäre schön, wenn junge Menschen sagen: Wir haben die finanziellen Mittel oder das Know-how, wir stellen jetzt mal unsere Zeit zur Verfügung. Wie alt bist du, Sebastian? Bong: 23. Stich: Das sind 20 Jahre zwischen uns. Eure Generation hat schon wieder ein ganz anderes Verständnis für das, was heute da draußen passiert. Deswegen wäre es toll, wenn immer wieder junge Menschen nachkommen, die sich engagieren. re.vision: Sie haben anfangs mit Ihrer Stiftung Aufsehen erregt, indem Sie eine Schock-Werbekampagne gefahren haben, zum Beispiel ein Kinderwagen in Form eines kleinen Sarges. Warum diese Schockeffekte? Stich: Die Kampagne hat sich ja ausschließlich an Menschen gerichtet, die sich mit dem Thema sonst nie beschäftigt haben. Heute ist es fast schon gesellschaftskonform zu sagen: „Durch die Medikamentierung ist HIV ja eigentlich nur eine chronische Krankheit.“ Aber HIV ist letztlich immer noch tödlich. Die Kampagne sollte Aufmerksamkeit generieren und ein Bewusstsein schaffen, und das hat sie geschafft. re.vision: Und wozu dient das Drachenbootrennen, das Ihre Stiftung jährlich ausrichtet? Stich: Zur Spendenakquise. Wir wollen Spaß und Sport verbinden mit dem Gedanken: „Man kann was für eine gute Sache tun.“ Ich habe die Idee zwei, drei Jahre mit mir herumgetragen, weil ich auf der Alster immer diese Drachenboote gesehen und gedacht habe: Mensch, damit kannst du mal irgendwas machen. Und dann brauchte das UKE Geld für die Immundefektambulanz, die wir schon seit fast 20 Jahren unterstützen. Da habe ich gesagt: „Jetzt machen wir ein Event daraus und holen Partner, Firmen und Freunde mit ins Boot.“ Bong:
Compliance Check im test: Das Facilit y Management
Organisationsform: Teil des Hochschulmanagements der Bucerius Law School Tätigkeitsgebiet: Campus-Pflege, Technik, Umbau Team: Rudi Wende, Torben Behnke, Waldemar Bünger Motto: „Wir halten geräuscharm und unsichtbar eine kleine Stadt in Betrieb“ Hardware: Diverse Werkzeuge: darunter 21 Zangen, 3 Bohrmaschinen, 14 Kabeltrommeln, 30 neue Klobrillen pro Jahr Eigener Anspruch: „An 365 Tagen im Jahr sorgen wir dafür, dass die Infrastruktur der Bucerius Law School elegant und ohne große Störungen läuft. Wenn es Probleme mit der Heizung, dem Wasser, der Elektrotechnik oder der Lüftung gibt, sind wir sofort zur Stelle. Bei Umbaumaßnahmen sollen die Studenten möglichst nicht durch Lärmgeräusche belästigt werden. Wohlbefinden und Hilfsbereitschaft sind für uns keine Fremdworte.“
Testfrage 1 (Probleme mit der Lüftung): Ihr Anspruch ist, stets für das richtige Raumklima zu sorgen. Nun sitzt Maria Müller in dünner Bluse und kurzem Röckchen in der Bibliothek und friert. Zwei Tische weiter bringt die Examensvorbereitung Fritz Fricke mächtig ins Schwitzen. Sie fragt: „Können wir die Heizung höherstellen?“ Er möchte, dass die Temperatur gesenkt wird. Was tun Sie? Bünger: Ich erkläre beiden Studenten, dass wir gemäß § 3 Abs. 1 der Arbeitsstättenverordnung immer eine Temperatur von 21,7 Grad fahren. Mein Tipp für Maria Müller: Bring dir mal eine dicke Decke oder einen Poncho mit. Fritz Fricke beruhige ich: Das Examen haben schon einige vor dir bestanden. Und wenn du im Sommer statt eines dicken Rollkragenpullis ein T-Shirt anziehst, ist dir vielleicht nicht ganz so heiß.
Testfrage 2 (Lärmgeräusche): Ein Student schreibt Ihnen eine Mail: „Lieber Herr Bünger, die Bauarbeiten im Dachgeschoss sind viel zu laut. Mittels Handy-App konnte ich feststellen, dass die Bohrungen eine Lärmbelastung von über 92 Dezibel erreichen. So können wir hier im Kleingruppenraum unmöglich arbeiten.“ Was antworten Sie ihm? Bünger: Für mich sind bohrende Geräusche ja Musik in den Ohren, aber ich kann verstehen, dass der Lärm für andere anstrengend ist. Wir versuchen natürlich, die Reparaturen schnellstmöglich zu beenden.
Testfrage 3 (Hilfsbereitschaft): Ein Student kommt zu Ihnen in die Werkstatt und sagt: „Ich habe mein Fahrrad am Dammtorbahnhof angeschlossen und den Schlüssel verloren. Leider ist das Schloss so sicher, dass man es nicht mit einer Zange zerbrechen kann.“ Können Sie ihm helfen? Bünger: Ich sage immer: Wir fliegen bis zum Mond, also muss auch das möglich sein. Aber zunächst frage ich natürlich noch mal nach: Ist das wirklich dein Rad? Wenn der Student das glaubhaft bestätigt, gebe ich ihm eine Kabeltrommel und eine Flex in die Hand. Das dürfte das Problem beheben.
Waldemar Bünger, Leiter Facility Management
Text: Xenia von Polier. Foto: Odile Hain
Menschen - campus - themen
Versprechen kann man viel – wir messen Einrichtungen und Unternehmen der Bucerius Law School an ihren eigenen Ansprüchen.
Gästebuch
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23. Februar 2012: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler referiert zur Euro-Krise.
„Sollten die Pläne von Bundesregierung und EU-Kommission, einen griechischen Bankrott abzuwenden, letztendlich nicht aufgehen, gilt es genug Zeit zu gewinnen, damit sich andere gefährdete Staaten wie Italien, Spanien oder Portugal gegen eine Ausweitung der Krise absichern können.“
15. Mai 2012: Bundesverteidigungsminister Dr. Thomas de Maizière hält an der Bucerius Law School einen Vortrag zu seinem Konzept moderner Sicherheitspolitik.
„Sicherheit umfasst nicht nur die Verteidigung der eigenen Landesgrenzen, sondern auch die Wahrung legitimer staatlicher Interessen weltweit.“
15. Februar 2012: Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz zu Gast an der Bucerius Law School.
14. Mai 2012: Gregor Gysi wirbt in einem Impulsvortrag an der Bucerius Law School für den europäischen Gedanken.
„Der europäische Wirtschaftsraum muss um eine soziale Komponente erweitert werden.“ 10. Mai 2012: Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, ist zu Gast an der Bucerius Law School.
„Europa hat zwei Gründe, sich zusammenzuschließen: die Vergangenheit und die Zukunft.“
5. Dezember 2011: Chris Steinegger, State Senator in Kansas, spricht im Rahmen der Lunchtime Lectures über die Präsidentschaftswahlen 2012 in den USA.
„Wie seinerzeit Carter hat heute Obama trotz aller Sympathien mit einer Wirtschaftskrise zu kämpfen. Verglichen mit dem Beginn seiner Amtszeit geht es den Bürgern finanziell schlechter, was einen Stimmenverlust zur Folge haben könnte.“ 2. November 2011: Besuch des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust an der Bucerius Law School.
1. März 2012: Martin Hoffmann, Intendant der Berliner Philharmoniker, zu Gast an der Bucerius Law School.
„Aus Erfahrung und Qualität wächst dem Orchester ein großes Selbstbewusstsein.“
„Wenn Sie glauben, Sie säßen zu Recht auf Ihrem Stuhl, dann sitzen Sie da nicht lange.“ 1. November 2011: Holger Jung, Agentur Jung von Matt, berichtet über aktuelle Herausforderungen der Werbebranche.
„Es geht darum, dem Konsumenten einen Handel anzubieten: eine spannende Geschichte im Tausch gegen ein wenig Aufmerksamkeit.“
Fotos: Bucerius Law School
24. Februar 2012: José Manuel Barroso spricht zu den Law-SchoolStudenten.
„Es ist illusorisch gewesen zu denken, eine gemeinsame Währung könne funktionieren, wenn man die Wirtschaftspolitik auf nationaler Ebene belässt.“
24. August 2012: Valéry Giscard d’Estaing, französischer Staatspräsident a .D., und Helmut Schmidt, deutscher Bundeskanzler a. D., debattieren über Europas Rolle in der Welt.
Helmut Schmidt: „Die öffentliche Meinung in den meisten europäischen Staaten wird immer nationalistischer. Der Nationalismus ist vielerorts die Antwort auf das fehlende Verständnis der Krise.“ Valéry Giscard d’Estaing: „Das ist kein Nationalismus. Es ist Egoismus. Das Problem ist, dass Europa keine solidarische Struktur hat. Wir brauchen eine Kultur der Solidarität.“
Impressum
VERLAG TEMPUS CORPORATE GmbH – Ein Unternehmen
HERSTELLUNG Thorsten Bastian (verantw.), Dirk Schmoll
HERAUSGEBER Bucerius Law School – Hochschule
des ZEIT Verlags, Buceriusstraße/Eingang Speersort 1,
DRUCK MEDIA DRUCKWERK Gruppe GmbH, Rondenbarg 6,
für Rechtswissenschaft VERANTWORTLICH FÜR
20095 Hamburg GESCHÄFTSFÜHRUNG Ulrike Teschke,
22525 Hamburg AUSGABE Nr. 4, Oktober 2012
DEN INHALT Benedikt Landgrebe, stellvertretender
Manuel J. Hartung PROJEKTLEITUNG Andrea Rützel
AUFLAGE 5 000 ERSCHEINUNGSWEISE Jährlich
Geschäftsführer (V.i.S.d.P.) KOORDINATION Klaus Weber,
REDAKTIONSLEITUNG Roman Heflik, Xenia von Polier
KONTAKT Bucerius Law School, re.vision – Bucerius Law
Anouk Lunkenheimer, Hochschulkommunikation Bucerius
Gestaltung Kai Kullen FOTOGRAFIE Odile Hain
School Magazin, Jungiusstraße 6, 20355 Hamburg
Law School ANZEIGEN Ingrid Herzig
KORREKTORAT Volker Hummel
re.vision@law-school.de, Tel. 040 – 30706-0
Menschen - campus - Leben - welt
„Angesichts der grassierenden Wohn raumknappheit und eines Bevölkerungs zuwachses von mindestens 5 000 Menschen pro Jahr muss die Erweiterung des Wohnraums im Mittelpunkt stehen.“
Menschen - campus - Leben
Felix W endenburg über seine Premiere al s Mediator
Die Aufregung überfiel mich ganz plötzlich, als die Tür zum Kunden – einer Anwaltskanzlei – aufging. Zuvor war ich eigentlich ganz entspannt gewesen. Ich hatte vormittags in der Uni an meiner Doktorarbeit geschrieben, bin dann zum Umziehen kurz heim und habe mich anschließend in den Zug gesetzt. Der Kollege, mit dem ich die Mediation leiten sollte, holte mich eine Stunde später am Bahnhof ab. Er ist Psychologe und sehr erfahren in der Vermittlung zwischen Konfliktparteien. Ich freute mich über sein Angebot, ihn bei der Mediation zu begleiten. So würde ich endlich ausprobieren können, worüber ich in der Uni schon so viel gelesen und gehört hatte. Über den Fall wusste ich nur so viel: Die Partner der Kanzlei konnten sich nicht über eine neue Vergütungsregelung einigen, manche überlegten deswegen sogar auszuscheiden. Es hatte Tränen gegeben und Türenschlagen. Bis ich die Methode der Mediation entdeckte, war mir das Studium immer etwas einseitig vorgekommen. „Wer will was von wem woraus?“ – das kennt jeder Jurist im Schlaf. Aber wer fragt nach den Hintergründen? In der Mediation sind die Antworten auf das „Warum?“ unser Motor, und das Ziel ist nicht, dass einer der Beteiligten gewinnt, sondern dass die Lösung allen Interessen gerecht wird. Die Räume der Kanzlei waren nobel und sehr repräsentativ: Am Empfang standen drei Damen, die uns begrüßten und die Mäntel abnahmen. Sie führten uns in einen Konferenzsaal mit einem ovalen Tisch für mindestens 20 Personen, von der Fensterfront aus konnte man über die ganze Stadt schauen. Als ich da so stand
und über die Dächer blickte, fragte ich mich plötzlich, ob ich das überhaupt kann. Bisher wusste ich ja alles nur aus Büchern: Man muss darauf achten, wie die Stimmung zwischen allen Anwesenden ist, welche Interessen man heraushört und ob es kognitive Verzerrungen gibt. Das ist super, um Aufsätze darüber zu schreiben, aber in echt? Wie sollte ich diesen Anwälten mit so viel Berufserfahrung helfen können? Würden sie mich, der so viel jünger war, überhaupt ernst nehmen? Dann kamen sie: elf Herren zwischen 40 und 65. Ich war froh, dass mein Kollege den Small Talk übernahm. Man muss dabei gut aufpassen, nicht mit einer Partei mehr zu reden als mit der anderen – nur weiß man zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht, wer zu wem gehört und welches Gesprächsthema den Konflikt betreffen könnte. Dann stellte mein Kollege uns vor und eröffnete die Sitzung: „Mit welchen Gedanken sitzen Sie heute hier?“ Es war faszinierend, in dieser harten und analytischen Wirtschaftswelt Menschen zu beobachten, die so deutlich emotional angespannt sind. Und wie sie, die sonst so rational und strukturiert sind, im Konflikt plötzlich alles durcheinanderbringen: Interessen, Vorwürfe, Positionen, Emotionen. Ich stand hinter meinem Kollegen am Flipchart. Ich glaube, nach einiger Zeit hatten alle vergessen, dass ich überhaupt da war. In einer Gesprächspause war dann mein erster Auftritt. Weil Streitende oft ihre eigene Position in langen Monologen vortragen, aber gleichzeitig gar nicht richtig zuhören, wenn der „Gegner“ spricht, ist es eine wichtige Aufgabe der Mediatoren, ab und an das Gesagte zusammenzufassen. „Sie meinen also ...“ Als meine Stimme plötzlich unerwartet laut durch den Raum drang, erschraken alle. Ich auch. Als wäre ich aus dem Nichts aufgetaucht und erst jetzt wirklich anwesend. Meine erste Zusammenfassung war nicht brillant, eher tastend und zögerlich, aber okay. Mein Kollege zwinkerte mir aufmunternd zu, und im Laufe der Sitzung wurde ich immer sicherer. Es kam bald heraus, dass die Kanzlei überraschend schnell gewachsen war, ohne Struktur oder Konzept. Die Partner mussten sich grundlegende Gedanken machen, welches Selbstbild sie hatten und nach außen tragen wollten. Wir vereinbarten einen Strategie-Workshop in einem Tagungshotel – das Vergütungsmodell, das zum Ausbruch des Streits geführt hatte, war danach nur noch eine Formsache. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es bei dem Termin um grundlegende Konzeptfragen gehen würde, aber mittlerweile habe ich in diesem Punkt Demut gelernt: Man weiß vorher nie, worum es in den Konflikten wirklich geht. Als wir später wieder auf der Straße vor der Kanzlei standen, schwirrten 1 000 Fragen durch meinen Kopf: Hatte ich zu viel gesagt? Oder eventuell Mist erzählt? Mich in der falschen Situation eingemischt? Mein Kollege machte genau das, was ich in dem Moment brauchte: Statt alles auseinanderzunehmen, hob er die Hand, rief „High Five!“ und klatschte mich begeistert ab.
Protokoll: Katrin Zeug. Foto: Odile Hain
… und, wie war ich?
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