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Wer sich beim Sex „nur“ mit Syphilis angesteckt hat, ist vielleicht erst mal erleichtert. Denn trotz der möglichen schweren Folgen gilt bei rechtzeitiger Behandlung: Syphilis ist heilbar. HIV und Aids nicht. Kondome schützen vor HIV und Aids. Und sie helfen, andere sexuell übertragbare Krankheiten (STDs) wie Syphilis, Tripper, Feigwarzen, Chlamydien und Herpes zu vermeiden, die das Risiko einer HIV-Übertragung erhöhen können. Bei häufig wechselnden Sexpartnern oder Verdacht auf Ansteckung empfehlen wir Beratung, Untersuchung und – wenn nötig – Behandlung. Das gilt auch für die Sexpartner! Mehr Informationen: www.stdinfo.de. Persönliche Beratung: www.aidshilfe-beratung.de und (02 21 ) 89 20 31 (BZgA-Beratungstelefon).

Eine gemeinsame Anzeige der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Deutschen AIDS-Hilfe e.V., unterstützt vom Verband der privaten Krankenversicherung e.V.

Verband der privaten Krankenversicherung e.V.


Editorial

+ /– Liebe Leser,

Foto: Dirk Baumgartl

wir alle leben mit HIV und Aids. Weil wir selber betroffen sind, unsere Lover oder unsere Freunde. Dieses MÄNNER-Sonderheft HIV/Aids wendet sich deshalb an alle, Positive, Negative und Ungetestete. Das ist keine leichte Aufgabe, denn die Fragen für Positive und Negative sind nicht immer dieselben. Die medizinische Versorgung in Deutschland ist gut; für die Positiven ist das Hauptproblem heute nicht unbedingt ihre Gesundheit, sondern vielmehr die Angst davor, diskriminiert zu werden. Aufklärungsarbeit zu HIV und Aids muss für Positive deshalb heißen: Akzeptanz fördern. Für alle, die negativ sind, ist die Frage eine andere: Wie schafft man es, sich nicht zu infizieren? Wie kann ich mich schützen und trotzdem guten Sex haben? Wir brauchen eine wirkungsvolle Präventionsarbeit, die dafür sorgt, dass die Infektionszahlen nicht weiter steigen. Doch wie soll die aussehen, muss man immer wieder die alte Angstkeule hervorholen, oder was sind zeitgemäße Mittel, damit die Jungs vernünftig bleiben? (S. 32) Aus dieser Doppelperspektive sieht es fast so aus, als wäre das, was für die einen gut ist, für die anderen schlecht: Wenn wir Porträts von positiven Männern zeigen, die mit ihrem Leben klarkommen (S. 6), verharmlosen wir damit die Krankheit? Wenn wir zu Vorsicht mahnen und daran

erinnern, dass HIV nach wie vor tödlich ist (S. 26), unterstützen wir damit die Stigmatisierung von Positiven? Wie schafft man es also, Solidarität mit Positiven zu zeigen, ohne Negative zu gefährden? Und wie kann man Negative schützen, ohne Positive zu diskriminieren? Das ist schwieriger, als man gerne zugibt, und trotzdem müssen wir eine Sprache finden, der es gelingt, dass Positive und Negative miteinander im Gespräch bleiben und sich nicht in ihre getrennten Welten zurückziehen, wie es heute schon oft der Fall ist. Wie wollen wir miteinander umgehen, beim Sex, davor und danach? Lasst uns drüber reden. Dieses Sonderheft ist ein Versuch, das zu tun.

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Impressum, Contributors & Inhalt

Herausgeber Bruno Gmünder (V.i.S.d.P.)

ANdreas Marschner

Chefredakteur Dr. Peter Rehberg (reh) Art Director Mathias Vef

Unter dem Motto „Kitsch ist die Kehrseite des Schreckens“ flüchtete der geborene Weltenbummler im 20. Jahrhundert aus der DDR und verließ sich erst mal auf gar nichts. Das hat sich bis heute nicht geändert. Nach einer Ausbildung zum Krankenpfleger, Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie und Lebenskunst lebt der Gelegenheitsraucher und Kontrollfreak als freier Journalist in Berlin. Für diese Ausgabe ließ er sich von Dr. Keikawus Arastéh alle offenen Fragen, die wir noch zum Thema HIV hatten, beantworten (Seite 30).

Redaktion Johannes J. Arens (ja), Christian Lütjens (cl) Tel: + 49 (0)30 615 003 33 E-Mail: MAenner@brunogmuender.com Bildredaktion Dirk Baumgartl bildredaktion@brunogmuender.com Grafik Mathias Vef, Henning Wossidlo Coverfoto Ralf Rühmeier – www.ralfruehmeier.de

Foto: Privat

Autoren dieses Sonderhefts Götz Bähr, Jens Brodzinsky (brod), Corinna Gekeler, Andreas Marschner (mars), Mario Wirz

Götz Bähr

Lektorat Helmut Lotz Fotos und Illustrationen dieses Sonderhefts AVK, BZGA, Jop van Bennekom, bussmann-design. de, DPA, Istockphoto, Christian Lütjens. Achim Melde, Michael Stich Stiftung, Photocase, Ralf Rühmeier, Ralf Scheiber/p239com, SPD, Ullsteinbild Verlag Bruno Gmünder Verlag GmbH, Kleiststr. 23 - 26, 10787 Berlin, Tel.: +49.30.615 003-0 Fax Verlag und Redaktion: +49.30.615 003-20 Anzeigen Thomas Purz +49.30.615 003-26 Fax +49.30.615 003-61 Anzeigen@brunogmuender.com Kleinanzeigen +49.30.615 003-0, Fax +49.30.615 003-20 Abos Bruno Gmünder Verlag GmbH Aboservice, Manuel Bieber, Postfach 30 13 40, 10721 Berlin +49.30.615 003-30, Fax +49.30.615 003-20 abo@brunogmuender.com Vertrieb Bruno Gmünder Verlag GmbH +49.30.615 003-50 Fax +49.30.615 003-53 distribution@brunogmuender.com Herstellungsleitung: Carol Schubert/CS Print Consulting GmbH Repros Europrint Medien GmbH, Berlin Druck Möller Druck, Berlin MÄNNER+ ist eine Beilage der MÄNNER, die monatlich zum Heftpreis von € 7,95 erscheint. 12 Ausgaben im Abonnement € 69,95 inkl. Porto und Verpackung. Für unverlangt eingesandtes Material wird nicht gehaftet, es wird nicht retourniert. Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages. Alle Rechte vorbehalten. Aufnahme in Online-Dienste und Internet sowie Vervielfältigungen auf Datenträger wie CD-ROM, DVD-ROM etc. nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung des Bruno Gmünder Verlages. Der Rechtsweg für jegliche Verlosung im Heft ist ausgeschlossen. Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 17 vom 01.12.2007

Foto: Privat

CORINNA GEKELER Die freiberufliche Redakteurin und Autorin lebte 25 Jahre in Amsterdam, von wo aus sie bereits Anfang der 90er Jahre für „Männer Aktuell“, „DAH aktuell“ und „Magnus“ berichtete. Ihre Themen sind sexuelle Identitäten, Anti-Diskriminierung und „Visibility“. Für die Deutsche Aids-Hilfe brachte sie „Blickpunkt Aids“ mit heraus, wofür sie 2007 den Medienpreis der Deutschen Aids-Stiftung erhielt. Für uns kommentierte sie die Debatte um die Nachricht des „Eidgenössischen Komittees für Aidsfragen“ (EKAF), dass unter bestimmten Bedingungen HIVPositive nicht infektiös seien (Seite 29). Foto: privat

ralf Rühmeier

© 2008: Bruno Gmünder Verlag Berlin

ISSN 0935-8838

www.m-maenner.de

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Götz Bähr ist Chemiker. Nach seinem Einsatz für den mikrobiologischen Abbau von Schadstoffen in Boden, Luft und Wasser arbeitete er in der Umweltanalytik und der industriellen Wäsche vergifteter Böden. Seit 15 Jahren engagiert er sich für Informationsangebote für Menschen mit HIV. Zurzeit ist er Berater bei Pluspunkt Berlin. Für diese Ausgabe verfasste er den Artikel über neue HIVMedikamente (Seite 44) und eine tabellarische Übersicht aller verfügbaren HIV-Medikamente (Seite 50).

Foto: selbstporträt

Ralf Rühmeier machte eine Ausbildung zum Fotografen und studierte im Anschluss Grafikdesign mit dem Schwerpunkt Fotografie. Er nahm an Workshops von Wolfgang Tillmans, Nan Goldin und Simon Puschmann teil und war von 2000 bis 2002 Gastprofessor an der Hochschule für Künste in Bremen. Als freier Fotograf und Autor arbeitet er unter anderen für das Magazin „musicals“. Für dieses Sonderheft fotografierte er das Cover und die Porträtserie HIV-Positiver (ab Seite 6).


3 Editorial 4 Impressum/Contributors 6 HIv Heute – 5 Porträts 16 „… Leider Positiv“

Nach dem Testergebnis – ein Erfahrungsbericht

18 Zärtlichkeit und Arschtritte

Serodifferente Paare

22 Pornostar & Positiv

Gerrit-Jan Wielinga und Jörg Andreas über HIV und Pornos

24 Altes aids

Diskriminierung positiver Senioren

26 ULLA SCHmidt

Interview

29 Sprich mit Mir!

Kommentar von Corinna Gekeler

30 Noch Fragen?

Dr. Keikawus Arastéh im Interview

34 sicher nicht lustig!

HIV-Kampagnen und ihre Wirksamkeit

36 safer sex 2008

Umfrage und Tipps

38 „A wie Arschlecken“

Syphilis, Hepatitis & Co.

40 Rita Süssmuth

Interview

42 Soli-beitrag

Die Zukunft des Gesundheitssystems

44 Bitte warten

Schwerpunktpraxen in der Krise

46 Neue Kombi?

Neues auf dem Pillenmarkt

49 Das war’s

Gedichte von Mario Wirz

52 alle HIV-Medikamente im Überblick 56 Adressen

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Leben mit HIV

HIV heute Interviews: redaktion, Fotos: Ralf Rühmeier

Nach wie vor ist in Deutschland keine Gruppe so sehr von HIV betroffen, wie Schwule. Aber die Krankheit hat ihr Gesicht verändert. Fünf Männer erzählen von ihrem Leben mit HIV

Thilo 36, ist seit 2002 positiv. Neben seinen Tätigkeiten als PRBerater, Ökogärtner und Yogalehrer war er von November 2005 bis Oktober 2006 Chefredakteur der MÄNNER aktuell. Seit zwei Jahren kümmert er sich mehr um sich selbst als um die Krankheit.

Hallo Thilo, wie hast du erfahren, dass du positiv bist? Ich bin 2002 zu unterschiedlichen Ärzten gegangen, weil ich mich nicht gut fühlte. Alle haben immer wieder die Frage nach HIV gestellt. Ich sah aber nicht wirklich ein Infektionsrisiko oder wollte es nicht sehen, darum habe ich einen Test abgelehnt. Letztendlich habe ich mich dann aber doch testen lassen. Als der Folgetermin nach hinten verschoben wurde, und die Sprechstundenhilfen dann besonders nett zu mir waren, da wusste ich schon, was kommen würde. Das war furchtbar. Als ich das positive Resultat dann mitgeteilt bekommen habe, war das im ersten Moment aber auch befreiend. Ich dachte: Jetzt hast du wirklich einen Grund, dein Leben in die Hand zu nehmen, so zu leben, wie du das wirklich willst. Es hat aber ein paar Jahre gedauert, bis ich das Schritt für Schritt umgesetzt habe. Du bist gerade auf dem Weg nach Bali und Indien, was machst du da? Ich habe mir eine Auszeit genommen und bin jetzt erst einmal ein halbes Jahr unterwegs. Ich werde mir Land und Leute anschauen, und wenn es mir da gefällt, dann kümmere ich mich um eine Arbeit. Hast du keine gesundheitlichen Bedenken? Hast du denn gesundheitliche Bedenken, wenn du morgens aus dem Bett aufstehst? Nun ja, Indien ist von den Hygiene-Standards nicht unbedingt mit Deutschland zu vergleichen. Ich mache mir da keine Sorgen. Wenn ich krank werden sollte, komme ich früher wieder zurück. Das hat sich aber verändert, früher war Angst durchaus ein Grund, bestimmte Dinge nicht zu tun. Der Traum, irgendwohin zu fahren und mal eine Zeit lang woanders zu leben, der war ein paar Jahre lang gestorben.

„Ich gehe heute liebevoller mit meinem Körper um. Früher war Sex auch schon mal Ersatzhandlung“ Du hast dich 2005 im Editorial von MÄNNER aktuell als positiv geoutet. Warum? Ich habe mich darüber geärgert, dass man bei einer Krebs-Diagnose von allen Mitleid bekommt, Aids aber eine Krankheit ist, über die nicht geredet wird. Wenn wir nicht darüber reden, wie soll sich dann etwas verändern? Wie soll sich dann im Umgang mit Sexualität etwas verändern, was ja die Voraussetzung dafür ist, dass HIV sich nicht weiter verbreitet? War das ein schwerer Schritt für dich? Ja. Ich wusste ja nicht, wie Menschen darauf reagieren, die nichts von meinem positiven Status wussten. Viele haben mir später zu meinem Mut gratuliert. Du hast damals geschrieben, dass man aus Fehlern lernen kann und dass sie auch Entwicklungschancen bieten. Was hast du gelernt? 6

Ich gehe heute liebevoller mit dem Thema Sex und auch mit meinem Körper um. Früher war Sex auch schon mal Ersatzhandlung, jetzt gibt es bei mir auch mal Phasen, in denen ich mehrere Monate oder ein halbes Jahr gar keinen Sex habe. Das wäre für mich damals nicht wirklich vorstellbar gewesen. Sex wird zu ernst genommen? Das ist ein Thema für die Schwulen insgesamt, weil wir uns nach dem Coming-out über unsere Sexualität definieren. Aber das ist einfach nicht alles, es gehört so viel mehr zum Leben. Es ist relativ leicht, sich in dieser Definition über Sexualität zu verfangen und sein Leben dann auch danach auszurichten. Zum Beispiel: Ich gehe ins Sportstudio, um gut auszusehen, weil ich dann mit hübscheren Männern ins Bett steigen kann. Plötzlich trifft man viele Entscheidungen des Lebens aus sexuellen Gründen. Dabei ist Sex einfach nur ein klitzekleiner Aspekt des Lebens. Wie hat diese Bewusstwerdung bei dir funktioniert? Ich habe ganz ehrlich in mich hineingehorcht und mich gefragt, warum kommt jetzt in mir dieser Impuls hoch, mir ein Sexdate zu suchen, oder warum war ich jetzt zwei Stunden bei GayRomeo online? Was hätte ich in den zwei Stunden anderes machen können, was mir auch oder vielleicht sogar noch mehr Spaß macht. Das waren einfach Fragen, die ich mir vorher nicht gestellt habe. Dann habe ich gemerkt, wie viel Zeit und wie viel Raum das einnimmt und wie viel andere Dinge es gab, von denen ich immer träumte, die dann einfach nicht stattgefunden haben. Die habe ich dann in mein Leben integriert. Karriere ist dann auch nicht mehr so wichtig? Ich messe Dinge wie Karriere und Beruf jetzt mit anderen Maßstäben, würde ich sagen. Was kann ich da lernen, und was kann ich für mich mitnehmen? Mache ich das, was ich da tue, auch wirklich gerne, stehe ich dahinter? Finde ich die Arbeit und ihr Ergebnis sinnvoll? Ist HIV für dich denn noch ein Thema, mit dem du dich viel beschäftigst? Nicht mehr. Das war es früher. Zum Beispiel bei Reisen in die USA. Da durfte man als Positiver ja nicht einreisen und musste sich überlegen, wo man die Tabletten versteckt. Generell ergibt sich im Alltag immer die Frage, wann und wo nehme ich meine Tabletten. Gehe ich mit meiner Pillendose in der Tasche aufs Klo, oder nehme ich sie ganz offen. < (Interview: Johannes J. Arens)


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Leben mit HIV

Christian

Hallo Christian, du lebst in einer Beziehung, wie läuft das? 32, ist seit zehn Jahren Ich habe seit fünfeinhalb Jahren eine Beziehung. Nach positiv. Ein Schamaeinem halben Jahr habe ich festgestellt, das funktione in Guatemala hat niert monogam für mich nicht. Wir haben immer noch ihm geholfen, mit der Infektion offener Sex. Er ist negativ. umzugehen. Nachdem Welche Rolle spielt positiv sein in eurer Bezieer nach Deutschland hung? zurückgekehrt war, hat Eine geringe Rolle. Wir machen Safer Sex miteinander, er eine Ausbildung zum also mit Gummi, trotz der rausgegebenen Studie der Heilpraktiker gemacht. Heute berät er HIV-Posi- Eidgenossen (siehe auch S. 29). tive, wie sie ihre Therapie Hast du nicht gedacht, jetzt könnte man eigentlich mit Naturheilkunde auch mal ohne? ergänzen können. Nein. Also ganz eindeutig nicht, nicht mit ihm. Das könnte ich mir nicht verzeihen, wenn es passiert. Damit könnte ich nicht leben, glaube ich. Auch wenn ich grundsätzlich mit dem Risiko lebe, dass es passieren könnte. Aber ich glaube, es wäre ganz schwer, es dann zu tragen. Ich hätte schon das Gefühl, das würde ich tragen, auch wenn er die Verantwortung mitträgt. Ich will mit ihm nicht ohne Gummi ficken. Ich bin an der Stelle ganz klar, so klar, wie man sein kann. Wenn du außerhalb der Beziehung Sex mit anderen hast, erzählst du denen, dass du positiv bist? Nee, wenn wir nicht vorher drüber gesprochen haben, tu ich das nicht. Was heißt, wenn ihr vorher nicht drüber gesprochen habt? Im Chat. Es gibt da Leute, die meiden das Thema gänzlich, und wenn mich jemand fragen würde, ob ich positiv bin, würde ich das sagen. Aber es gibt fast nie jemanden, der fragt. Das Wichtige ist halt, dass im Chat vorher immer geklärt wird, dass es safe ist. Ansonsten

„Es gibt fast nie jemanden, der fragt. So erlebe ich auch die Szene: Die Leute wollen das Thema an der Stelle nicht haben“ habe ich mich da immer zurückgehalten, auch um das Leben für mich nicht schwerer zu machen. So erlebe ich auch die Szene: Die Leute wollen das Thema an der Stelle nicht haben. Und wie ist es, wenn gefragt wird? Komisch, weil ich den dann ja gar nicht kenne. Passiert ungefähr einmal im Jahr, also ich bin jetzt nicht jeden Tag im Chat, eher einmal in der Woche. Aber du kriegst im Chat ein Gefühl dafür, mit wem du dich unterhältst. Wie sind die Reaktionen, wenn du sagt, du bist positiv? Ganz unterschiedlich. Ich habe schon welche gehabt, die gesagt haben, okay, dann mag ich nicht. Aber ich habe auch schon welche gehabt, die sagen, ich bin auch positiv. Wissen deine Freunde, dass du positiv bist? Ich habe seit über zehn Jahren HIV. Der größte Teil meines Freundeskreises weiß das. Ich war ein Jahr lang in Lateinamerika und habe da auch so einen Schamanen getroffen, der hat mich an das Thema HIV rangeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste es niemand. Ich habe es niemandem erzählt, nicht mal meinem Mitbewohner. Ungefähr ein Jahr lang. Warum nicht? 8

Das ist eine gute Frage. Ich konnte nicht, ich habe mich nicht getraut. So wie du dich früher nicht getraut hättest, zu sagen, dass du schwul bist. Diese Hemmungen, sich zu zeigen, wie man ist, und die Angst davor, wie man danach bewertet wird. Da hatte ich immer schon ein Problem mit, Selbstsicherheit und zu mir zu stehen. Das ist mit HIV noch mal schwieriger, weil das eine ganz andere Marke ist, die du da aufgedrückt bekommst. Oder sogar ein Makel, ja genau, ein Makel. Ich glaube, ich hatte immer das Bedürfnis, überall gut zu sein, gemocht und akzeptiert zu werden, und das wäre dann konträr gelaufen. So weit war ich da noch nicht. Wie hast du es dann geschafft? Diesem Schamanen habe ich das erzählt. Unter Tränen, bis ich es dann rausbekommen habe, das war für mich schon eine heftige Überwindung. Und dann habe ich dort beschlossen, mithilfe der Entfernung, diesen Rundumschlag zu machen, das allen per E-Mail zu erzählen. Und dann bin ich wieder zurück nach Deutschland gekommen und habe ein Jahr später die Ausbildung zum Heilpraktiker gemacht. Weißt du, wo du dich infiziert hast? Ich war früher ziemlich unsafe. Einfach so? Ja, es war mir echt egal, ob mit oder ohne. Ich glaube, das ist bestimmt passiert, als ich von Wiesbaden nach Berlin kam. Da habe ich in Moabit gewohnt, um die Ecke vom Tiergarten, und war da echt regelmäßig zum Cruisen im Park. Und weil ich eher passiv bin, hatte ich sowieso die höhere Wahrscheinlichkeit. Man lässt ja auch jemanden in sich hinein. Es hat auch was mit Drogen zu tun gehabt, nicht ganz da zu sein und sich dem so hinzugeben. Ich hatte davor aber auch schon unsafe Geschichten. Ich war mit 16 beim Gesundheitsamt und hatte da einen Test gemacht und weiß noch, wie schlimm das war. Die Horrorvorstellung schlechthin. Und das hat dich nicht beeindruckt, du hast danach trotzdem keine Angst gehabt beim unsafe Ficken? Nein, die Angst war nicht präsent. Höchstens dann, wenn ich mich dem Thema wieder genähert habe, vielleicht, oder wenn es mal wieder zum Test ging, aber nicht während des Sex. Ich habe das nicht an mich herangelassen. Das war schon getrennt voneinander. Weil man beim Sex die Kontrolle verliert? Ich glaube, wenn man sich bei Sex fallen lassen kann, kommt man zu einer Ebene, die sehr unbewusst ist. < (Interview: Peter Rehberg) www.heilehaus-berlin.de/hiv-aids.html


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Leben mit HIV

Markus 26, lebt seit acht Jahren mit seiner HIV-Infektion und hat in dieser Zeit schon viele Rückschläge erlebt. Durch seinen offenen Umgang mit der Krankheit macht er sich nicht nur Freunde. Als junger Positiver ist er einer der Protagonisten in „Positiv leben“, dem Begleitfilm zur „Ich weiß, was ich tu“-Kampagne der Deutschen Aids-Hilfe.

Du hast bereits im Alter von 18 erfahren, dass du positiv bist. Was ging nach der Diagnose in dir vor? Als mir der Arzt das Ergebnis mitteilte, gingen bei mir erst mal die Schleusen auf. Ich hab mich aber relativ schnell wieder gefangen. Als ich später aus der Praxis raus bin, hab ich schon recht nüchtern darüber nachgedacht, wie es weitergehen sollte. Klingt einigermaßen cool … Ich hatte über einen Bekannten bei der Frankfurter Aids-Hilfe schon Kontakt zu HIV-Positiven gehabt. Ich wusste also, dass man mit der Krankheit sehr wohl leben kann. Ich habe auch nie Berührungsängste gehabt oder mit dem Finger auf die Leute gezeigt. Allerdings ist es natürlich etwas anderes, nur Leute zu kennen, oder das Virus selber zu haben. Wie ging es bei dir weiter? Die Krankheit war damals schon ziemlich weit fortgeschritten. Ich konnte schon bald nicht mehr arbeiten, weil ich so starke Schmerzen hatte. Ein halbes Jahr lang habe ich dann 24 Medikamente pro Tag nehmen müssen. Darauf habe ich sehr heftig reagiert. Die Haut hat sich gedellt, ist absolut ausgetrocknet, ich hatte Schwellungen, wo ich vorher nie im Leben welche erwartet hätte, ich hatte Schmerzen und war nur noch müde. Ich beschreibe die Zeit immer so, dass ich 23 Stunden am Tag geschlafen und die übrige Stunde damit zugebracht habe, meine Medikamente runterzuwürgen. Damals dachte ich wirklich, jeden Moment geht die Himmelspforte auf. Und dann? Nach einem halben Jahr wurde es besser. Aber dann gab es ein weiteres Problem. Die Medikamente haben eine Gelatine-Ummantelung. Eigentlich soll Gelatine

„Ich habe 23 Stunden am Tag geschlafen, und die übrige Stunde damit zugebracht, meine Medikamente runterzuwürgen“ ja nicht riechen, aber als ich die Packung aufgemacht habe, wurde mir von dem Geruch echt übel. Als ich die Dinger dann schluckte, kamen sie sofort wieder hoch. Ich habe das fünf Mal versucht, dann bin ich zu meinem Arzt gegangen und hab gesagt: „Entweder Sie lassen mich jetzt sterben, oder Sie geben mir eine andere Medikation.“ Ich war nicht mehr bereit, mich so zu quälen. Der Arzt hat gut reagiert. Ich habe dann von 24 Tabletten am Tag auf vier gewechselt. Danach hat es ganz gut geklappt. Die Zeit davor war aber echt hart. Ich hatte Glück, dass mein damaliger Freund hinter mir stand und mich unterstützt hat. Heute seid ihr nicht mehr zusammen? Nein, nur noch sehr gute Freunde. Dass wir uns getrennt haben, ging aber von mir aus. Meine Reaktion nach der Diagnose war erst mal, ihn nicht mehr nah an mich heranzulassen. Ich musste selber lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Ich habe mein Sexleben dann mehr in Saunen ausgelebt. Irgendwie hatte ich auf einmal Angst, ich würde sonst etwas verpassen. Das war keine Basis für eine Beziehung. Wie gehst du mittlerweile denn mit deiner Krankheit um, wenn du Männer kennenlernst? 10

Ich sage den Leuten immer gleich, dass ich positiv bin – egal ob bei einem Tête-à-Tête oder einem One-NightStand. Dann können sie selbst entscheiden, ob sie mehr wollen oder nicht. Ich versuche meine Sexpartner zu schützen, deshalb sage ich ihnen, woran sie bei mir sind. Und wie reagieren die Leute auf deine Offenheit? Es gibt unterschiedliche Reaktionen. Der eine findet gut, dass ich offen damit umgehe, der andere kriegt die blanke Panik. Letzteres ist schon häufig vorgekommen, was es nicht unbedingt einfacher macht. Es gibt auch Leute, die mit dem Finger auf mich zeigen und rufen „Du Aidskranker“. Oder der Mann einer Freundin von mir wurde angesprochen, ob seine Frau es nötig hat, mit Aidskranken rumzuhängen. Er hat aber ganz locker reagiert und der Person gesagt, dass die Unterhaltung damit beendet wäre. So ist es auch bei meinen Freunden. Die halten zu mir. Andere Leute haben in meinem Freundeskreis keine Chance. Hat sich dein Freundeskreis seit der Diagnose verändert? Ja, definitiv. Ich hatte vorher ziemlich viele Freunde. Nachdem das mit der Krankheit rauskam, wurden das rapide weniger. Heute habe ich eine Handvoll Leute, von denen ich weiß, dass ich mich 100-prozentig auf sie verlassen kann. Es kommt aber bis heute vor, dass Leute erfahren, dass ich positiv bin, und dann in die große Funkstille abtauchen. Das macht traurig, aber nicht betroffen. Ich will niemanden belehren. Wenn die Leute Angst haben, kann ich das sogar nachvollziehen. Aber die Angst könnte man beseitigen. Ist halt schade, wenn Leute nicht mehr meine Persönlichkeit sehen, sondern nur noch ein riesengroßes Virus. Ist dein sonstiger Alltag durch die Krankheit bestimmt? Das kommt sehr auf Tagesform und auch aufs Wetter an. Es gibt immer noch Tage, an denen ich nicht aus dem Bett komme, weil die Medikation mal wieder reinhaut oder ich totale Kopfschmerzen habe. Aber mittlerweile gibt es mehr gute Phasen als schlechte. Ich habe gerade meine zweite Kombitherapie angefangen, die relativ gut anschlägt. Wirkt sich die Krankheit auf deine Zukunftsplanung aus? Ich lebe das Virus nicht, ich habe es nur. Also baue ich meine Zukunft nicht darauf auf. In meiner persönlichen Entwicklung hat mich die Krankheit auch sehr stark gemacht. Ich mache mich gerade mit einem Freund im Event-Bereich selbstständig. Den Mut, das wirklich durchzuziehen, hätte ich ohne die Krankheit vielleicht nie gehabt. < (Interview: Christian Lütjens)


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Leben mit HIV

Uwe 44, infizierte sich vor 15 Jahren mit HIV. Zuvor hatte er sich durch die Positiven-Fax-Line und Kontaktanzeigenkampagnen als „Frau Görke“ einen Namen gemacht. Seit 1993 versucht er als „Privataktivist und Alt-HIVler“ Aids ein Gesicht zu geben.

Hallo, Uwe. Wie geht es dir momentan?

Ich habe gestern Abend meine Werte bekommen, die sind ziemlich gut. Ist zwar eigentlich doof, aber das macht mich immer so ein bisschen stolz. Mein Virus war zum letzten Mal vor zwei Jahren aktiv. Momentan bin ich aber unter der Nachweisgrenze und bei 752 Helferzellen. Hast du Angst, bevor du zur Untersuchung gehst? In der Dortmunder Ambulanz, wo ich hingehe, da sitzen auch die Alt-HIVler, die in der Szene nicht mehr so oft gesehen werden. Wenn es dir selbst gut geht, und du siehst plötzlich mal wieder Menschen mit eingefallenem Gesicht und dünnen Armen, wird dir die Krankheit wieder bewusst. Ich sitze da meistens ein, zwei Stunden und höre, was die so durchmachen. Das macht mich vorher immer unruhig. Ist es in der Szene eigentlich ein Tabu, zu sagen, dass es einem nicht so gut geht? Da wollen wir uns nichts vormachen. Leute, denen es schlecht geht, siehst du nicht. Wenn du zum Beispiel drei Tage aus heiterem Himmel diese Durchfälle und dir die Rosette wund geschissen hast – da redet doch keiner drüber! Das ist den Leuten unangenehm. Ich als Rebell frage mich dann, warum ich nicht sagen kann, wenn es mir schlecht geht. Das darf doch jeder mit einer anderen Krankheit auch. Warum der Positive nicht? Hat sich der Umgang mit HIV und Aids unter Schwulen denn verändert? Diejenigen, die die Krankheit seit 15, 20 Jahren mitmachen und finanzielle Reserven haben, die lassen sich jetzt heimlich den Arsch und die Wangen wieder aufspritzen, damit man das alles nicht mehr sieht. Fatal ist, dass vor allem junge Leute glauben, dass man eine Pille nimmt und keine Nebenwirkungen mehr hat. Wer sagt

„Da wollen wir uns nichts vormachen. Leute, denen es schlecht geht, siehst du nicht“ dir das? Wer gibt dir die Gewährleistung, dass du die Kombi gut verträgst? Ich finde, dass man auch die Kehrseite einer HIV-Infektion öffentlich zeigen muss. Wie findest du die neue Kampagne der Deutschen Aids-Hilfe „Ich weiß, was ich tu“? Die Kampagne ist mir zu perfekt. Das sind doch alles schöne Gesichter. Warum ist da kein Positiver mit Hautausschlag drin? Ich glaube, dass man den jungen Schwulen auch Gesichter zeigen muss, die von der Krankheit gezeichnet sind. Das heißt ja nicht, dass es so kommen muss, aber dass es so kommen könnte. Eigentlich sollen solche Kampagnen ja dazu führen, dass wir das Kondom nehmen. Also Aids-Prävention wie bisher? Ich kann auf diesen Zug mit der Schweizer Studie nicht aufspringen (siehe S. 29 & S. 30). Ich lebe ja selber mit einem negativen Partner zusammen, und wir halten uns an die Safer-Sex-Regeln. Klar gibt es da auch Situationen, wo wir sagen: „Stopp, wie weit gehen wir eigentlich?“ Früher haben wir den Test alle sechs Monate ge12

macht, jetzt einmal im Jahr. Obwohl wir so aufpassen, haben wir immer wieder Schiss. Ich habe einfach keinen Bock, dass Benny dieses Virus kriegt, auch wenn es mir jetzt gerade gut geht. Sind Krankheit und Sterben ein Thema für euch? Ja, wir haben vor einiger Zeit eine Patientenverfügung gemacht. Wir sind ja 18 Jahre auseinander, und Benny ist negativ. Wir haben wirklich über alles geredet und die Nachbarn dazugeholt, die mit unterschrieben haben. Es liegt alles beim Notar, es ist alles geregelt. Fällt es dir schwer, mit ihm darüber zu reden? Ich gebe zu, dass ich ihn ab und zu schone. Es gibt Momente, in denen ich mich zusammenreiße, damit er nicht alles mitkriegt. Er steht ja in der Blüte seines Lebens, und ich ziehe den Hut davor, dass er das überhaupt so durchzieht und hinter mir steht. Aber wir haben viel Humor, und es gibt bei uns nicht nur HIV und Aids, auch wenn das manchmal so aussieht. Wie läuft denn ein ganz normaler Tag bei euch ab? Ich bringe Benny morgens zur Arbeit, nehme meine Medikamente und frühstücke. In der Siedlung, in der wir leben, habe ich einen Job als Hausmeister. Ich mache die Biotonnen, fege die Garagendächer, meistens so von zehn bis eins. Dann setze ich mich an den PC und beantworte meine E-Mails, telefoniere, gehe in Schulen oder habe irgendwelche Auftritte, bei denen ich über HIV und Aids aufkläre. Im Endeffekt ist es immer ein ausgeglichener Tag. Langeweile habe ich nie. Du bist quasi Rentner. Ja, ich bin erwerbsunfähig. Ich gehöre zu den Ratten, die überlebt haben. 1993 wurden wir in Rente geschickt, weil man uns höchstens noch fünf Jahre gegeben hat. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, war das katastrophal. Ich war davor immer sehr aktiv gewesen, hatte zehn Stunden malocht und abends noch in Köln in der Disco gearbeitet. Und plötzlich hast du dann den ganzen Tag für dich und siehst alle Symptome, so wie sie sind. Es war ein Albtraum. Kommst du denn mit Nebenjob und Rente über die Runden? Nein. Ich habe eine Rente von 700 Euro. Vom Nebenjob bezahlen wir den Wagen ab. Ein normaler Lebensstandard ist nur möglich, weil ich einen Lebenspartner habe, der einen vollen Job hat. Hast du dich mit deiner Situation abgefunden? Ich kämpfe nicht gegen mein Virus. Ich bin mit ihm im Einklang. Aber ich lerne immer noch, mit der Angst im Körper umzugehen. Ich lerne immer noch, was mein Virus mit mir anstellen kann. Früher war ich ein Clown, weil ich mit Reden und Humor meine Ängste unterdrückt habe. Heute lasse ich meine Ängste zu, das ist ein Lernprozess. < (Interview: Johannes J. Arens) Uwe Görke – Mein Leben mit HIV Andy Claus Himmelstürmer Verlag 2008 176 Seiten, 16,90 Euro


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Leben mit HIV

Achim, weiSSt du, wie du dich infiziert hast?

Ja, das hat allerdings eine kleine Vorgeschichte. Ich war Anfang der 1990er mit meinem damaligen Freund ein Wochenende an der Ostsee, Dort haben wir ganz viel gefickt. Da passierte dann Folgendes: Ficken, rausziehen, Kondom zerrissen und wir dachten: Scheiße! Ich hatte in ihm abgespritzt. Wir haben in den Wochen darauf einen HIV-Test gemacht, der war bei uns beiden negativ. Und dann haben wir gesagt, okay, dann können wir auch auf Gummis verzichten. Das hat mich dann so ein bisschen verdorben. Da war ich Anfang, Mitte 20. Das mit uns zwei ging dann einige Jahre so weiter, danach hatte ich wieder Sex mit Anderen. Da gab es so ein paar unsafe Situationen, das war einfach eigene Dummheit oder Leichtsinn. Es war vermutlich ein einziger falscher Fick. Wie hat sich deine Sexualität dadurch verändert, dass du positiv bist? Ich dachte, ich will niemanden in so eine Situation bringen. Ich will niemanden infizieren. Was hast du also gemacht? Zum Einen sage ich sofort, dass ich positiv bin. Zum Anderen: Wenn es sexuell gut klappt, bin ich gerne Wiederholungstäter. Da hat sich dann so ein Kreis rausgebildet von Leuten, mit denen ich mich immer wieder getroffen habe. Es muss dann nicht mehr darüber gesprochen werden, dass man positiv ist und untereinander ohne Gummi ficken kann. Der positive Aspekt daran, positiv zu sein (lacht). Was ist mit anderen STDs? Das war damals – 1997/98 – noch nicht so ein Thema. Die erste Syphilis hatte ich 2001, meinen ersten Tripper erst 2004. Aber dann ging es auch wirklich ab, und ich dachte, ich gehe ins Kloster, ich hatte überhaupt keine Lust mehr. Warum nicht einfach wieder Kondome? Wenn du die ein paar Jahre weggelassen hast … (denkt nach) Also, ich muss jetzt mal intim werden. Ich bin mehr oder weniger nur aktiv, ich lasse mich eher ungern ficken. Und mit Gummi rumfummeln, dann gehen die kaputt, und dann machst du irgendwie mit Crisco rum – das ist Käse, das ist echt Käse. Natürlich kann man sich das wieder antrainieren. Aber ich wollte es nicht mehr. Ich habe ab und zu noch mal safer Sex und ich denke, es ist okay, aber es ist jetzt echt nicht so der Brüller. Ich finde, es hemmt so den Fluss am sexuellen Treiben. Das würde wahrscheinlich fast jeder sagen … Ja, vermutlich. Ich habe meine Konsequenzen daraus gezogen. Ich mache mir da seit Jahren Gedanken drum. 2004, als ich die zweite Syphilis hatte, und in meinem Freundeskreis auch gerade alle mit einer Syphilis rumrannten, habe ich versucht, eine Strategie daraus zu entwickeln und war eben in diesem Dilemma: mit Kondom will ich nicht. Dann habe ich meine Sexpartner angeschrieben. Meine Idee war: Lasst uns eine „geschlossene Benutzergruppe“ gründen, so 20 bis 30 Leute. Es müsste doch möglich sein, sich den einen oder anderen Spontanfick zu verkneifen. Wir machen jetzt einen Stichtag aus, lassen uns alle auf Alles testen und dann bewegen wir uns sexuell nur noch innerhalb dieser Gruppe. Wenn man sich doch mal herausbewegt, muss man Verantwortungsbewusstsein zeigen und sich eben wieder in „Quarantäne“ begeben. Das wurde von

allen als tolle Idee aufgenommen, aber die Umsetzung stockte dann einfach, weil Schwule doof sind. Weil Schwule doof sind. Was anderes fällt mir wirklich nicht ein. Hepatitis C war damals übrigens noch nicht so ein Thema. Dadurch hat sich in den letzten Jahren die Situation meiner Meinung nach sogar noch verschärft. Da werden die doofen barebackenden Schwulen noch ganz schön Augen machen. Untereinander ohne Gummi und bei anderen mit, das kann ja schon in einer Beziehung schwierig werden. Das jetzt multipliziert mit 20 oder 30, da musst du die Leute doch einsperren! Nee, man muss sie nicht einsperren. 30 potenzielle Sexpartner sollten doch reichen, oder? Aber ich dachte eben, dass es die Leute ähnlich nervt, eine Syphilis zu haben, wie es mich genervt hat. Aber offenbar vergessen die Schwuppen so ein Generve schneller als ich dachte, und sie haben auch kein Problem, sich alle drei Monate Antibiotika geben zu lassen. Und in der Phase, wo ich diese „Sorgenfreificken-Gruppe“ gründen wollte, bin ich einem Mann begegnet, mit dem ich dann drei oder vier Jahre zusammen war. Beides Schlampen eigentlich, aber er war auch abgegessen von dem Zeug. Weil wir uns sexuell mehr oder weniger genügt haben, und uns fast nur noch auf uns beschränkt haben. Ihr ward dann monogam? Ja, mehr oder weniger. Das war die Konsequenz. Als die Beziehung vorbei war, habe ich gedacht, ich stelle den Sex doch lieber ganz ein. Ich habe jetzt wirklich bis vor sechs Wochen ein Jahr lang keinen Sex mehr gehabt. Am Anfang ist es mir schwer gefallen, aber dann geht’s.

Achim 42, hat sich Anfang der 1990er infiziert. Seitdem hat er viele Modelle von SexPartys für Positive bis zu monogamer Beziehung und Abstinenz durchgespielt. Er ist eines der Rollenmodelle der neuen „Ich weiß, was ich tu“-Kampagne der Deutschen Aids-Hilfe.

„Ich habe jetzt wirklich ein Jahr lang keinen Sex mehr gehabt. Am Anfang ist es mir schwer gefallen, aber dann geht’s.“ Lieber kein Sex als Sex mit Gummi? (lacht) Ja. Ich bin auch immer noch, nach fast zehn Jahren, total ratlos. Du kannst ja nicht jemanden, den du gut findest, sofort heiraten und zu ewiger Treue verdonnern. Würdest du Leuten raten, beim Kondom zu bleiben, weil, wenn man einmal damit aufhört, ist man für immer verdorben? (lacht) Mit meiner Geschichte schon. Außer der Theorie „alle Schwule sind doof“ habe ich auch die Theorie „alle Schwule sind Dosen“. Und ich glaube, als Passiver hat man es einfacher, auf safer Sex zu bestehen, da hat man mit dem Gummi nicht so viel zu tun. Und jetzt, kein Sex ist ja auch doof, oder? Ja. < (Interview: Peter Rehberg)

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Leben mit HIV

Die meisten kennen dieses dumpfe Gefühl, dass sich

„...leider positiv“

Text: anonym, Foto: photocase

Die Angst vor dem Test kennt jeder. Unser Autor erzählt, wie es war, als der Arzt ihm sagte, dass er HIV hat. Das Ergebnis behält er meistens für sich

unmittelbar vor dem Arzttermin einschleicht. Ein kurzes Aufflackern jener Angst, die man sonst so gut beiseitedrängt – und aufgrund derer man dann doch wieder länger als geplant nicht beim Test war. Es können, so ganz nebenbei, schnell mehrere Jahre werden, in denen man „einfach nicht geschafft“ oder „vergessen“ hat zu tun, was doch in schwulen Kreisen eigentlich als Selbstverständlichkeit gilt. Sich regelmäßig, mindestens einmal im Jahr, testen zu lassen. Damit man „es“ weiß, damit man sich behandeln lassen kann. Und zuletzt: damit man niemanden ansteckt. Ja, das zuletzt. Schon deutlich weniger kennen diese dumpfe Ahnung, dass irgendwas nicht stimmt. Das Schrillen einer inneren Alarmglocke, das jedoch nur ganz leise zu hören ist, als ob ein dickes, gemütliches Kissen darüber gedeckt ist. Ein Kissen, auf dem womöglich mit liebevoller Stickerei geschrieben steht: „Die Welt ist schön“ oder „Alles ist in bester Ordnung“. Das Schrillen ist aber trotzdem da. Das Gefühl, als ob sich irgendwas verändert hat. Etwas, worüber man nicht so genau Bescheid wissen möchte, und lieber gar nichts tut. Und dann gibt es da noch all jene, die sich an den Moment erinnern können, wenn der Arzt gegenüber plötzlich so einen seltsamen Gesichtsausdruck hat und man ahnt, dass nun nichts mehr so wie sonst ist. Die Welt eben nicht in Ordnung ist, und vielleicht auch nie wieder alles gut werden wird. Der Gesichtsausdruck changiert zwischen Ernst und Mitgefühl, aber der Text, den der sensible Arzt in Richtung seines Gegenübers spricht, kommt nicht richtig an. Er hört sich an wie aus einem sozialkritischen ZDF-Film am Mittwochabend. „Das Ergebnis war, leider, positiv.“ Ja, leider. Der Teppich wird einem keineswegs unter den Füßen weggezogen, die meisten Arztpraxen sind teppichlos. Es tut sich auch kein Abgrund auf oder so was. In der Regel bricht man auch nicht weinend zusammen. Das Verrückte ist, dass in diesem Moment alles wahr wird, wovor man immer schon Angst hatte. Wovor die Eltern Angst hatten nach dem Coming-out des Sohnes. Wovor Freunde Angst hatten. Und wenn das, wovor man immer Angst hatte, wahr wird, muss man keine Angst mehr haben. Das darf man eigentlich nicht schreiben, weil es präventionspolitisch gefährlich ist. Ein positves Test-Ergebnis, das ein Gefühl der Erleichterung auslöst ... Aber das ist eben nur ein Aspekt, nur ein Teilgefühl. Klar ist es erleichternd, wenn man aus der Tür eines Flugzeugs geschubst wird und man sich in freiem Fall befindet. Für einen kurzen Moment zumindest, denn wenn man

Plötzlich hat der Arzt so einen seltsamen Gesichtsausdruck, und man ahnt, dass nun nichts mehr so wie sonst ist. Die Welt eben nicht in Ordnung ist, und vielleicht auch nie wieder alles gut werden wird nun nicht recht bald die Reißleine zieht, ist der Sturz nicht nur tief, sondern tödlich. Es ist gerade dieses kurze Gefühl von Erleichterung und Freiheit, diese deutliche Ahnung von Todesnähe, dieser wahrhaftig existenzielle und doch recht flüchtige Moment nach dem Ergebnis, der für die dann kommende Zeit so wichtig ist. Dieser Moment ist in Wirklichkeit die Reißleine: So ist das also! Das Leben ist also doch ernst! In diesem Moment fällt man ganz auf sich selbst zurück und kann sich (endlich?) spüren. Was sehr wichtig für das nun Folgende wird, denn fortan, nach Beginn einer Therapie, entscheidet man sich jeden Tag aktiv für oder gegen das Leben: Ist es einem so ernst mit sich selbst, dass man tatsächlich jeden Tag seine Tabletten einnimmt? Hat man sich selbst so gern, dass man in Zukunft ein wenig auf sich acht gibt? Was geht jetzt noch? Und was geht nicht mehr? Noch eine Menge, aber eben mit Einschränkungen. Mit den Medikamenten ist man ab jetzt verheiratet – sie sind ein Partner, der einem das Leben zwar rettet, aber manchmal auch ganz schön schwer 16


macht. Oft muss man diesen Partner verheimlichen. Da die meisten Menschen mit dem Thema HIV trotz aller Aufklärung völlig überfordert sind, ist es – das muss man deutlich sagen – häufig ratsam, seine Erkrankung für sich zu behalten. Im Beruf gilt man mit einer solchen Diagnose als nicht mehr leistungsfähig bzw. belastbar (was meistens nicht zutrifft). Im Freundes- und Bekanntenkreis kann es einem passieren, dass man gemieden wird, und zwar aus vielfältigen Gründen: Schwule Freunde haben Angst vor einem, weil sie selbst eine höllische Angst vor einer Infektion haben und alles verdrängen und meiden, was damit zusammenhängt. Heterosexuelle Freunde geraten mitunter an die Grenze zwischen theoretischer und praktischer „Toleranz“ gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen – da kommt es durchaus vor, dass man die kleine Eva-Charlotte eben nicht in den Arm gelegt bekommt. HIV, das ist eben nicht irgendeine Krankheit. Es ist nicht Krebs oder Diabetes oder MS. Es ist die moderne Pest, assoziiert mit Sex, Prostitution, Drogen, Elend. Mit Randständigkeit. Und mit Schuld: HIV gilt als schuldhaft erworbene Krankheit, und das bekommt man als Betroffener zu spüren – und denkt es mitunter selbst, weil man eben auch nur ein Mensch ist, ein Teil der Gesellschaft. Die einen auch nicht ausstößt: Ich lebe, weil ich Mitteleuropäer bin und krankenversichert. Die Kosten für die Medikamente übersteigen mein monatliches Einkommen als Angestellter. Alles ist anders. Auch der Blick auf die Welt. Menschen, die keine Mitteleuropäer sind und keine Krankenversicherung haben, müssen an dieser Krankheit elendig verrecken. Das ist nicht gerecht. Und ich? Ich kann leben, ziemlich gut. Ich würde so weit gehen, mich als glücklichen Menschen zu bezeichnen. Aber doch ist da ein Schatten auf meiner Seele: Es ist das Schweigen und Verheimlichen. Manchmal ist das wie eine Grabplatte, die schwer auf mir lastet. Ich habe (noch?) nicht den Mut, sie beiseitezustoßen. Sie ist allemal besser, als die Angst in den Augen anderer Menschen zu sehen. Angst vor mir. Und wie verrückt ist das eigentlich: Nach dem Coming-out dachte ich, dass mir so etwas nie wieder passiert. <

Hiv-tests 1. ELISA

3. Schnelltest

2. PCR

4. Heimtest

Die gängigste Testmethode ist die Enzyme-linked Immunosorbent Assay, kurz ELISA, bei der die nach etwa zwölf Wochen vom Körper produzierten Antikörper auf das HI-Virus nachgewiesen werden können. Da es statistisch gesehen bei etwa einem Prozent der Getesteten zu einem falsch-positiven Ergebnis kommt, wird bei einem positiven Ergebnis ein weiterer Test nach der aufwendigeren Western-Blot-Methode durchgeführt.

Bei dem erheblich kostspieligeren PCR-Verfahren (Polymerase Chain Reaction) wird das Virus selbst nachgewiesen. Wenn der Test negativ ausfällt, liegt entweder keine Infektion vor, oder die Viruslast liegt unter der Nachweisgrenze. Da in den ersten 15 Tagen nach einer möglichen Infektion die Viruskonzentration im Normalfall jedoch aufgrund der noch fehlenden Antikörper hoch ist, gilt ein negatives Testergebnis als zuverlässig.

In Deutschland in der Regel nur in begrenzten Notfallsituationen (beispielsweise im Krankenhaus) zugelassen. Das Ergebnis eines Schnelltests liegt bereits nach wenigen Minuten vor, ist jedoch weniger sicher als bei den anderen Methoden. Bei einem positiven Ergebnis ist ein weiterer Test nach einem der oben genannten Verfahren unumgänglich.

In Deutschland nicht zugelassen, im europäischen Ausland aber für etwa 25 Euro erhältlich. Während die Handhabung des Heimtests vergleichsweise einfach ist und ein Ergebnis innerhalb von nur 15 Minuten vorliegt, rät die DAH vom Gebrauch ohne fachkundige Aufsicht ab. Zum einen sind falsche Testergebnisse bei unsachgemäßer Handhabung nicht ausgeschlossen, zum anderen fehlt die notwendige Beratung vor und nach dem Test.

5. Speicheltest

Bei dem in den USA bereits häufig durchgeführten Verfahren können mittels eines Teststreifens Antikörper nachgewiesen werden. In Deutschland jedoch aus denselben Gründen wie der Heimtest nicht zugelassen.

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lEbEn mit hiV

ZÄrtlICHKeIt und arsCHtrItte tExt: Christian lütJEns, illustration: p239Com

leben mit hiV ist nicht nur für den infizierten eine herausforderung. wenn ein negativer partner mit im boot sitzt, wird die Krankheit für viele beziehungen zur zerreißprobe. Vier paare erzählen, wie sie es packen laut EinEr studiE des Soziologen Michael Bochow

aus dem Jahr 2004 haben sieben Prozent der schwulen Paare in Deutschland einen unterschiedlichen Serostatus. In der Fachsprache nennt man sie „serodifferente“ Paare: Ein Partner ist HIV-positiv und der andere HIV-negativ. Keine unproblematische Konstellation. Zweisamkeit kann schnell ihre Leichtigkeit verlieren, wenn ihr das Gespenst HIV permanent im Wege steht. Aber es gibt auch Chancen. Rüdiger (40) hat klare Vorstellungen vom angemessenen Umgang mit HIV in einer Beziehung: „Man sollte die Situation gestalten. Man muss das Virus aktiv annehmen und einbauen in den Lebensentwurf. Und manchmal muss man sich gegenseitig in den Arsch treten.“ Rüdiger ist seit sieben Jahren mit Kay (40) zusammen, der seit neun

Da bietet die Medizin schon Chancen, und der feige Hund will kneifen.“ Letztendlich ging er doch zur Bestrahlung. Heute, fünf Jahre später, hat er sich erholt – und merkt manchmal selber kaum, dass er HIV-positiv ist: „Seit ich Medikamente nehme, war die Viruslast immer unter der Nachweisgrenze. Ich habe keinen so tollen Helferzellenstand, aber das ist für mich erst mal nur eine Zahl, die mir nicht so wichtig ist, solange ich mich gut fühle.“ Dass er bei Rüdiger von vornherein mit offenen Karten gespielt hat, hat er nie bereut. Genauso wenig wie die Tatsache, dass die beiden das Virus nie zum Mittelpunkt ihres gemeinsamen Lebens erklärt haben: „Das muss nicht sein. Wir haben uns unseren Ängsten zu einer Zeit stellen müssen, in der das die meisten noch nicht müssen. Und wir verstecken uns nicht.“

„als ich zu der zeit im Krankenhaus war, habe ich zum ersten mal zugelassen, dass wir öffentlich vor allen leuten händchen halten und uns küssen. ich hatte ja nichts mehr zu verlieren“ Jahren positiv ist. „Das hat er mir auch gleich an unserem ersten Abend aufs Brot geschmiert“, sagt Rüdiger. „Die Offenheit, die er mir damals gegeben hat, zieht sich bis heute durch unsere Beziehung.“ Von der Krankheit ist der Alltag der beiden Dortmunder aber nicht geprägt. Zwar benutzen sie beim Analverkehr trotz Monogamie Kondome und meiden Besuche bei Freunden, die gerade mit Grippe im Bett liegen, aber dass Kay morgens um halb acht seine Pillen einwirft, bekommt Rüdiger schon gar nicht mehr mit. Es gab allerdings auch andere Zeiten. 2003 erkrankte Kay an einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL), einer Krebsvariante, die seine Hals-Lymphknoten um ein Vielfaches anschwellen ließ. Plötzlich war einer der eingangs zitierten „Arschtritte“ vonnöten. „Kay fi ng plötzlich an zu überlegen, ob er überhaupt eine Chemotherapie macht. Bestrahlung wollte er auch nicht. Ich dachte, ich hör nicht richtig: 18

Dem pfl ichtet Jean-Luc aus Braunschweig bei: „Positive müssen offen mit der Krankheit umgehen. Das hilft auch dem Partner“, rät der 63-Jährige. Jean-Luc ist ein HIV-Patient der ersten Generation. 1987 erfuhr er, dass er positiv ist. „Damals war eine solche Diagnose ein Todesurteil. Ich bin erst mal in ein großes Loch gefallen. Es hat auch etwas gedauert, bis ich offen damit umgehen konnte.“ Als er drei Jahre später Jürgen (49) kennenlernte, sagte er ihm, dass er positiv ist, bevor die beiden das erste Mal miteinander ins Bett gingen. Für Jürgen, der zuvor bereits platonischen Kontakt zu Positiven gehabt hatte, kein Problem. „Ich habe Jean-Luc in den Arm genommen und gesagt, dass das schon okay wäre. War es auch. Ich wusste ja, dass ich mich schützen muss.“ Nach der gemeinsamen Nacht kam er aber doch ins Grübeln. Einerseits wollte er Jean-Luc wiedersehen, andererseits … Sollte er sich auf >


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lEbEn mit hiV

eine mögliche Beziehung mit einem Partner einlassen, der vielleicht schon bald sterben würde? Seine Bedenken nahm ihm das Telefonat mit einem Freund: „Der fragte mich: ‚Wie lange hat deine letzte Beziehung gedauert?’ Ich antwortete: ‚Sechs Wochen.’ - ‚Und die davor?’ – ‚Etwa genauso.’ – ‚Na, bitte. Glaubst du, dass Jean-Luc noch sechs Wochen leben wird? Mach einfach schön Safer Sex, und dann geht es gut, solange es gut geht.’“ Mittlerweile geht es seit 18 Jahren gut. Jean-Luc und Jürgen leben gemeinsam in Braunschweig. HIV haben sie als Teil ihres Lebens akzeptiert, der ihnen sogar hilft, die eingangs geforderte Offenheit zu verwirklichen. „Uns persönlich hat Aids viel mehr gebracht als gekostet“, sagt Jean Luc. „Es hat uns geholfen, zu dem zu stehen, was wir sind.“ Auch Karl-Heinz (45) und Dieter (57) aus Heidelberg sehen die Krankheit als verbindendes Element. Für die beiden gehört sie zum Leben dazu. Während Karl-Heinz seit 1987 mit HIV lebt, leidet Dieter unter Retinitis Pigmentosa, einer Krankheit, die zu Erblindung führt, weil sie die Netzhaut nach und nach zerstört. Karl-Heinz: „Als mein Aidstest positiv ausfiel, waren wir im Prinzip mehr auf einer Ebene als vorher. Nun hatten wir beide eine Krankheit, die relativ schnell und in Schüben voranschreiten kann. Vorher war immer Dieter der Behinderte gewesen.“ Dass Karl-Heinz sich infi zierte, während die beiden schon zusammen waren, ist für Dieter kein Problem: „Wir hatten immer eine offene Beziehung. Und ich hab es zu der Zeit selbst relativ wild getrieben.“ Dadurch, dass er durch seine Blindheit das Gefühl kennt, auf Hilfe angewiesen zu sein, war es für ihn wichtig, seinem Freund zur Seite zu stehen: „Wenn man sich wirklich mag, sollte man gemeinsam weitergehen, und sich nicht von der äußeren Situation aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Das ist nicht leicht. Mir wurde das auch manchmal zu viel, und ich habe gesagt, dass ich gehe. Aber in Wirklichkeit stand es für mich nie zur Debatte, einen kranken Menschen zu verlassen.“ Dieses auf Gegenseitigkeit beruhende Verständnis half den beiden, schwere Zeiten durchzustehen. „Im Winter 1991 ging es Karl-Heinz so schlecht, dass alle dachten, er würde nicht mehr lange leben“, erinnert sich Dieter. „Ich weiß noch, wie ich bei der Ärztin saß und zu ihr sagte: ‚Ich wünsche mir noch einen Sommer mit ihm.‘ Aber sein Zustand verschlechterte sich täglich.“ Erst als Karl-Heinz zu Silvester eine Bluttransfusion bekam, ging es aufwärts. Die Erinnerung an diese erste große Krise sitzt bei dem Paar tief. Doch sie haben ihr auch etwas Schönes zu verdanken: „Als ich zu der Zeit im Krankenhaus war, habe ich zum ersten Mal zugelassen, dass wir öffentlich vor allen Leuten Händchen halten und uns küssen“, erzählt Karl-Heinz. „Vorher war ich eher der versteckte Schwule. Was das betrifft, hat HIV mir geholfen,

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offener zu sein. Ich hatte ja nichts mehr zu verlieren.“ Die Offenheit blieb auch nach der Krise – und überdauerte die nächste. 1997 musste Karl-Heinz ein Bein abgenommen werden, weil es zu stark von Kaposi-Sarkomen befallen war. Seitdem ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. Dank neuer Medikamententherapie geht es Karl-Heinz heute gut. Die Zeit der Kämpfe ist vorbei, seine Beziehung mit Dieter im 25. Jahr. Seit Karl-Heinz unter der Viruslast-Nachweisgrenze ist, verzichten die beiden beim Sex sogar wieder auf Kondome. Mit anderen ist ein Gummi Pfl icht. Sex steht allerdings ohnehin nicht im Mittelpunkt ihrer Beziehung. Zärtlichkeit ist wichtiger. „Für mich war es ein schönes Gefühl, meinem Freund in schweren Momenten die Zärtlichkeit geben zu können, die man braucht, wenn man krank ist. Ich bin bis heute davon überzeugt, dass er sie brauchte, um zu überleben.“ Wolfgang (55) und Andreas (41) waren bereits elf Jahre zusammen, als Andreas sein positives Testergebnis bekam. Da auch sie immer eine offene Beziehung hatten, war die Diagnose kein Grund, ihre Gefühle zueinander infrage zu stellen. Ein bis dahin gültiges Motto musste Wolfgang allerdings über Bord werfen: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal mit einem Positiven ficke.“ Mit diesem Slogan wird der 55-Jährige demnächst im Rahmen der „Ich weiß, was ich tu“-Kampagne der Aids-Hilfe an die Öffentlichkeit gehen. Er erklärt ihn folgendermaßen: „Wir haben am Anfang unserer Beziehung jeder einen Aidstest gemacht und waren beide negativ. Weil ich davon ausging, dass wir zusammenbleiben, war ich nicht davon ausgegangen, dass ich irgendwann mal mit einem Positiven rumvögeln würde. Konnte ich wissen, dass Andreas sich innerhalb der Beziehung infi ziert?“ Übel genommen hat er es ihm aber nie. Als Andreas nach dem Testergebnis die Frage stellte, ob Wolfgang ihn jetzt verlassen würde, bekam er eine klare Antwort: „Bist du bekloppt? Wenn du Krebs hättest, würde ich dich doch auch nicht sitzen lassen. Jetzt hast du HIV, und wir müssen lernen damit zu leben.“ Heute gehen sie locker mit der Krankheit um. Andreas geht alle drei Monate zur Kontrolluntersuchung, nimmt morgens und abends eine Kombi-Tablette. „Andreas hat auch kein Aids. Er ist nur HIV-positiv und seit sechs Jahren unter der Nachweisbarkeitsgrenze. Beim Sex benutzen wir trotzdem ein Kondom. Ansonsten geht Andreas ganz normal arbeiten.“ Wolfgang selbst arbeitet nicht mehr, nachdem er zwei Herzinfarkte hatte. Deshalb ist für ihn klar: „Wenn die Krankheit bei Andreas ausbricht, geht er sofort in Rente, und wir machen uns noch ein schönes Leben. Aber auch schon jetzt erleben wir unsere Beziehung intensiver.“ <


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Leben mit HIV

pornostar & Positiv Interview: johannes j. arens, Foto: Jop van Bennekom/BUTT-magazine

Im Jahr 2000 bewarb sich Gerrit-Jan Wielinga aus Langeweile mit ein paar Fotos beim Pornolabel Cazzo und wurde prompt unter Vertrag genommen. Dass er positiv ist, war kein Thema, Safer Sex schon Hallo Gerrit-Jan, erzähl mal, wie du Pornostar ge-

worden bist! Vor acht Jahren habe ich im Chat einen Fotografen kennengelernt, der gerne Bilder von mir machen wollte. Die Fotos fand ich dann ziemlich geil. Freunde haben mich überredet, mich damit bei Cazzo zu bewerben. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt eh nicht so viel zu tun und hab’s einfach gemacht. Ich habe drei Bilder losgeschickt, und einen Monat später lag ein Ticket für einen Pornodreh auf Mallorca im Briefkasten. Warum hast du nach zwei Filmen wieder aufgehört? Viele Leute um mich herum haben gesagt: Mach das! Ich habe damals schon gemerkt, dass das etwas war, was sie persönlich eigentlich auch mal gerne machen würden. Ich selbst wollte einfach mal sehen, wie das auf dem Set so läuft, was da so abgeht. Nachdem ich die beiden Filme gemacht habe, habe ich gedacht: Na ja, jetzt hab ich’s ja gesehen. Es hat mich nicht mehr wirklich interessiert. Also eine Art Feldforschung? Ja, vielleicht. Ich war eher ein Beobachter, als dass ich mich da echt ins Zeug gelegt hätte. Es gab aber auch Jungs auf dem Set, die wirklich an ihrer Karriere gebastelt haben. Du warst damals schon positiv. Hat man dich nach deinem Status gefragt, als man dich engagiert hat?

gerne Amateure im Netz an. Da merke ich dann, dass mir die Bareback-Sachen in jedem Fall besser gefallen. Was spricht dich denn da an? Das sind echte Menschen, die echt Sex haben. Die meisten Filme sind mit dem Handy aufgenommen. Das erzeugt so eine Nähe. Meinst du nicht, dass auch solche Clips einen negativen Einfluss haben könnten? Bareback könnte doch zur Norm werden? Diese ganze Diskussion finde ich komisch. Die Institutionen gehen davon aus, dass Schwule dumm sind und nicht selbstständig denken können. Man behandelt sie wie Kinder, denen man ganz genau erklären muss, wie das mit dem Sex funktioniert und wann er safe ist und wann nicht. Fuck off! Es geht um erwachsene Männer, die einen eigenen Kopf haben und durchaus über diese Dinge nachdenken. Du hast gerade deinen Debüt-Roman „Schaduwland“ veröffentlicht. Da spielt HIV keine Rolle. Wenn du ihn richtig gelesen hättest, dann hättest du es doch gefunden. Ich hab es erst bis zur Hälfte geschafft. Na denn. Die Wörter HIV und Aids kommen im Roman in der Tat nicht vor. Das habe ich bewusst so gehalten, weil

„Wenn damals auf dem Set eine Fick-Szene gedreht wurde, dann gab’s Kondome und es wurde davon ausgegangen, dass sie auch benutzt wurden“ Nein, da wurde kein Wort drüber verloren. War es einfach ein Tabu in der Pornowelt, über HIV zu sprechen? Ich glaube nicht, dass das ein Tabu war. Die ganze BarebackDiskussion gibt es ja erst seit ein paar Jahren. Wenn damals auf dem Set eine Fick-Szene gedreht wurde, dann gab’s Kondome, und es wurde davon ausgegangen, dass die auch benutzt wurden. Es gab gar nicht das Bedürfnis, darüber zu reden. Es war auf dem Set immer alles safe. Das Einzige, was zu Diskussionen führte, war die Frage, wie viel Viagra man bekam. Was hältst du persönlich denn von Bareback-Filmen? Meine Lieblingspornos wurden alle Mitte der 80er gedreht, also in der Zeit von Lee Ryder und Jeff Stryker. Das war die Zeit meines eigenen sexuellen Erwachens, wenn man das so nennen will. Das gucke ich mir sehr gerne an, und das ist nun mal alles bareback. Darsteller wie Chad Douglas oder Lee Ryder sind aber dann ja auch an den Folgen von Aids gestorben. Und Filme von heute? Um ganz ehrlich zu sein, gucke ich keine Pornos, die nach 1990 gedreht wurden. Die meisten Filme finde ich eher langweilig, die machen mich irgendwie gar nicht an. Was ich gut finde, sind Sites wie zum Beispiel Dudes Nude. Ich guck mir 22

ich nicht wollte, dass es nur um die Krankheit geht. HIV und Aids tendieren dazu, sehr viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, das wollte ich vermeiden. Ist das die Art und Weise, wie du mit HIV im Alltag umgehst? Ich bin ja schon seit 1993 positiv. In den ersten Jahren war das „really in my face“. Damals war HIV noch tödlich, also ein echter Schock für mich. Ich war damals 22 Jahre alt und sah ganz gut aus. Wenn ich das den Leuten erzählt habe, haben alle gedacht: „So ein hübscher Jung, und bald ist er tot.“ Als ich 1996 die Kombitherapie anfing, musste ich mich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, dass ich weiterleben würde. Auf einmal hieß es, dass man doch nicht bald sterben muss. Da habe ich erst einmal gedacht: Was in Gottes Namen soll ich jetzt mit meinem Leben tun? Wenn man so Anfang 20 ist, das formt einen doch fürs Leben. Die Zeit hat wahrscheinlich noch immer Einfluss auf mein Leben. Aber wenn du mich fragst, ob HIV etwas ist, wo ich jeden Tag drüber nachdenke – nein! < Schaduwland uitgeverij Lemmens 2008 154 Seiten, 17, 99 Euro (bisher nur auf Niederländisch) www.gjwielinga.com


Interview mitJörg Andreas, Cazzo: Jörg Andreas studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. 1996 war er Mitbegründer von Cazzo. Seitdem führte er bei knapp vierzig Porno-Produktionen Regie. Für „Berlin Privat 6“ bekam er den European Gay Porn Award 2008 für den „Best Hunk Film“.

Gerrit-Jan Wielinga

Wird das Thema Safer Sex im Rahmen der SelbstverantwortlichkeitsDebatte in der Pornobranche neu diskutiert? Ich kann nicht für die Branche sprechen, aber für uns ändert sich dadurch wenig. Grundsätzlich gilt: Kondome müssen bei Sex mit jemandem, dessen Immunstatus man nicht kennt, weiterhin die Regel bleiben. Müsst ihr als Safer Sex-Label Umsatzeinbußen in Kauf nehmen, seitdem die Bareback-Pornos boomen? Wir müssen Umsatzeinbußen in Kauf nehmen. Inwieweit das auf das Konto der Bareback-Konkurrenz geht, vermag ich nicht zu sagen. Die DVD-Verkaufszahlen sind insgesamt rückläufig. Ihr macht Safer-Sex-Spots in Zusammenarbeit mit der Aids-Hilfe. Wie wollt ihr es schaffen, Safer Sex sexy zu verkaufen? In einem Spot lassen wir zum Beispiel sexy Kerle mit Ständer posieren. In einer typischen Pornofoto-Pose, in der die Kerle sonst aber nie ein Kondom draufhätten. In unserem Spot jetzt schon. Der Spot heißt „Geil Mit Gummi“. Ich glaube, das kommt auch rüber. Gibt es Darsteller, die auf Sex ohne Kondom drängen und deshalb vom Set fliegen? Nein, das ist noch nie passiert. Bei manch einem gehen aber schon mal die Pferde durch, und er leckt, nachdem der andere gekommen ist, das Sperma weg. Aber da schreite ich nicht ein, das kann man ja rausschneiden. Wären Bareback-Pornos für Cazzo eine Option? Wir stellen kein unveränderliches Dogma auf. Wenn die schwule Community die Vorbehalte gegen Bareback-Pornos verliert, Safer-Sex-Pornos nicht mehr gekauft werden oder alle wichtigen Studios umschwenken, werden wir nicht mit der Safer-Sex-Fahne in der Hand in den Untergang reiten. ‹

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Leben mit HIV

altes aids Text: Christian Lütjens, Foto: Photocase

Die gute Nachricht: Man kann mittlerweile trotz HIV-Infektion das Seniorenalter erreichen. Die schlechte: Weder die Gesellschaft noch Altersheime empfangen HIV-positive Rentner mit offenen Armen. Wenn sie dann noch schwul sind, wird es doppelt schwierig

„Die Situation ist ganz schlimm. Die Leute

werden belästigt, verachtet und diskriminiert. In manchen Altersheimen bekommt man sogar zu hören: ‚Für Schwule und Positive haben wir keinen Platz.’“ Gerda Meinert kommt in Rage, wenn sie über die Situation von HIV-positiven Homo-Senioren spricht. Betroffen ist sie von den Zuständen zwar nur indirekt, trotzdem bekommt sie es hautnah mit, was es bedeutet, schwul, positiv und alt zu sein. Seit 2003 hat die 58-Jährige ihren Bekannten Hermann Kujadt (62) bei acht Umzügen begleitet. Sie hat desaströse Zustände in Seniorenheimen von Düsseldorf bis Berlin erlebt, erschreckende Ahnungslosigkeit des Pflegepersonals im Umgang mit HIV und nicht zuletzt immer wieder die Ablehnung, die ihr selbst als Betreuerin eines positiven Schwulen entgegenschlug. Hermann Kujadt selbst hat bis zum Alter von 48 Jahren als Sänger gearbeitet, Mitte der 90er Jahre fiel sein Aidstest positiv aus. Mittlerweile ist er 62 und hat die Krankheit dank Privatversicherung, guter Ernährung und guten Medikamenten im Griff. Seine gesundheitliche Robustheit schützt Kujadt aber nicht vor Diskriminierung. In Altersheimen ist man nicht auf einen mobilen und exaltierten Schwulen wie ihn eingerichtet – weder von Pfleger- noch von Bewoh-

wenn überhaupt – noch in der Testphase und Privileg der Großstädte. Für HIV-Positive gibt es sie gar nicht. Zudem ist die Lebensrealität älterer HIV-Patienten noch viel weniger in der Gesellschaft akzeptiert, als das bei jüngeren der Fall ist. In Schwerpunktpraxen beobachten die Ärzte, dass schwule Patienten über 50 häufig nicht offen zu ihrer Homosexualität stehen. Sie gehören zu der Generation, die mit dem Paragraf 175 aufwuchs und somit ein gestörtes Verhältnis zum Schwulsein hat. Auch die Infektion verheimlichen sie. Um auf der Arbeit nicht von ihrer Krankheit erzählen zu müssen, flüchten viele sich in die Frührente. Frühverrentung birgt aber die Gefahr von Isolation. Eine amerikanische Studie ergab im Jahr 2006, dass ältere HIV-Patienten erheblich unter Vereinsamung leiden. Ob sich diese Verhältnisse auf Deutschland übertragen lassen, ist noch nicht erwiesen, ein Problem ist das Thema aber allemal. Marco Pulver, Leiter der Gruppe HIV 40+ bei der Berliner Schwulenberatung, wird immer wieder mit der Angst vor Vereinsamung konfrontiert. „Die Menschen, die zu uns kommen, müssen sich im Alltag doppelt behaupten: Einmal als Schwule und einmal als Positive. Sie haben Angst vor Mobbing – ob auf der Arbeit oder in ‚normalen’ Altersheimen – und zie-

Mal wurde Kujadt von Mitbewohnern beschimpft, mal wollte das Personal ihn im Zimmer einsperren, weitere Einrichtungen nahmen ihn erst gar nicht auf nerseite. Über den Umgang mit HIV-Positiven wissen sowieso die wenigsten Bescheid. Mal wurde Kujadt von Mitbewohnern beschimpft, mal wollte das Personal ihn im Zimmer einsperren, weitere Einrichtungen nahmen ihn gar nicht erst auf. Die Folge: Er wechselte immer wieder die Heime. Momentan steht sein neunter Umzug bevor. Die Probleme von Hermann Kujadt sind symptomatisch für die Situation von HIV-positiven Homo-Senioren – aber trotzdem nicht alltäglich. Kujadt gehört zur ersten Generation von Infizierten, die mit ihrer Krankheit alt werden. Bis in die 90er Jahre starben HIV-Patienten innerhalb weniger Jahre, manchmal Monate, an der Krankheit. Dank erfolgreicher Therapien ist das heutzutage anders, worauf Gesundheitsund Altenpflegesysteme allerdings nicht ausreichend vorbereitet sind. Die Gründungen von Heimen oder Pflege-Etagen, die sich auf den Umgang mit schwulen und lesbischen Bewohnern spezialisieren, sind – 24

hen sich deshalb zurück. Diese psychische Belastung darf man nicht unterschätzen.“ Selbsthilfegruppen und Austauschforen wie „HIV 40+“ können ein Ventil sein, um Hemmungen zu lösen. Wohnprojekte wie die „Regenbogenvilla“ in Berlin oder die „Villa anders“ in Köln ebenso. Gerda Meinert fordert allerdings noch mehr, um die Berührungsängste von und mit schwulen HIV-Senioren zu lindern: „Was die Altenheime angeht, sollten bundesweit Schulungen und Seminare durchgeführt werden, die sowohl die Pfleger als auch die Bewohner über den Umgang mit Schwulen und HIV-Positiven aufklären.“ Um wirklich umfassend aufklären zu können, müssen allerdings noch viele sowohl medizinische als auch soziologische Probleme zur Situation von HIV-Rentnern beseitigt werden (siehe Interview). Dann ist es vielleicht irgendwann eine vollends gute Nachricht, dass es möglich ist, schwul, positiv und alt zugleich zu sein. <


Interview mitDr.med. HansJäger Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte zur Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ) startet derzeit die Studie „50/2010“. Sie soll mehr Klarheit über die Situation von HIV-Patienten über 50 bringen. Ein Gespräch mit HIVArzt Hans Jäger, München, der das Projekt mit initiierte.

Herr Jäger, was war der konkrete Anlass für die 50/2010-Studie? Wir berücksichtigen in diesem Projekt die Tatsache, dass der Horizont der Lebenserwartung von HIV-Patienten mittlerweile offen ist – im Gegensatz zu früher, wo die Betroffenen oft schnell starben. Außerdem beobachten wir, dass sich Menschen in der Altersgruppe 50 plus vermehrt neu anstecken. Sie betreten mit der Studie Neuland? Genau. Bisher wurden immer nur jüngere HIVPatienten mit älteren verglichen. Das sagt aber wenig darüber aus, was die spezifischen Probleme von älteren HIV-Patienten im Gegensatz zu anderen älteren Menschen sind. Treibt eine HIVErkrankung zum Beispiel Herz- und Kreislaufveränderungen an, oder sind das altersbedingte Parallelerscheinungen? Genauso ist auch denkbar, dass HIV-Medikamente zusätzliche Auslöser für derartige Erkrankungen sein könnten. Wie gehen Sie bei der Studie vor? Wir untersuchen bis zum Jahr 2010 halbjährlich 250 Diabetes-Patienten, 250 HIV-Patienten und 250 nicht chronisch erkrankte Patienten über 50. Die Ergebnisse werden verglichen. Neben medizinischen Daten – welche Neuerkrankungen haben die Patienten, wie fühlen sie sich allgemein, welche Medikamente nehmen sie – gehen wir auch auf ihre psychosoziale Situation ein. So werden wir beispielsweise prüfen, ob eine Vereinsamung bei HIV-Patienten in höherem Maße auftritt als bei negativen Menschen über 50. Theoretisch könnte auch das Gegenteil der Fall sein. Geht die Studie gesondert auf schwule Patienten ein? Die Studie widmet sich in erster Linie dem älteren Patienten und der älteren Patientin. 20 Prozent der HIV-Infizierten in Deutschland sind Frauen. Ein Großteil der untersuchten HIV-Patienten wird sich automatisch aus schwulen Männern zusammensetzen. In Deutschland sind sie nun mal mit Abstand die größte betroffene Gruppe. Es heißt ja, dass HIV-Patienten schneller altern. Stimmt das? Es gibt in der Tat die Vermutung, dass die HIV-Infektion den Alterungsprozess beschleunigt. Das kann ich aus meiner persönlichen Praxis-Erfahrung nicht bestätigen, aber auch darüber wird die Studie Aufschluss geben. ‹ (Interview: Christian Lütjens) 25


Prävention

Vorsicht! Interview: Peter Rehberg, Fotos: Spd & Deutscher Bundestag

Die Bundesministerin für Gesundheit Ulla Schmidt (SPD) über Prävention, Schwerpunktpraxen und was der Gesundheitsfonds, der ab Januar 2009 in Kraft tritt, für HIV-Positive bedeutet

Frau Ministerin, Wie kANN Man dafür sorgen, dass Männer, die Sex mit Männern haben

(MSM), nicht aus dem Blickfeld der Gesundheitspolitik verschwinden, gerade in einer Zeit, in der die Infektionszahlen steigen? Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) spricht mit ihrer zielgruppenspezifischen Kampagne „Ich weiß, was ich tu““ genau diese Gruppe an. Mit dem zentralen Internetportal wird die Möglichkeit eröffnet, neue Zielgruppen innerhalb der heterogenen Gruppe der MSM besser zu erreichen. Dafür bekommt die DAH zusätzliches Geld bereitgestellt. Worauf kommt es aus Ihrer Sicht bei Präventionsarbeit an, damit sie wirkungsvoll ist? Es gilt bei der jeweiligen Zielgruppe zunächst Aufmerksamkeit zu erzielen, damit eine Verhaltensänderung bewirkt werden kann. Dabei muss die Ansprache zielgruppengerecht sein. Denn sie muss von den Adressaten verstanden und angenommen werden. Das Konzept der DAH, in dem mit realen Rollenmodellen gearbeitet wird, ist ein vielversprechender

steigen. Außerdem sollte man HIV/Aids nicht nur aus der nationalen Perspektive betrachten. Noch gibt es in den meisten Ländern dieser Welt weder umfassende Präventionskonzepte noch einen ausreichenden Zugang zur Behandlung. Einige dieser Länder, wie zum Beispiel die Ukraine, liegen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Wir werden unser Engagement auch hier weiter ausbauen und fortsetzen müssen. Eine der Konsequenzen der „Normalisierung“ von HIV ist, dass die Aids-Pauschale für HIVSchwerpunktpraxen gekürzt wird, wie im Bundesland Berlin gerade geschehen. Werden mit einer solchen Politik nicht genau die Strukturen kaputt gemacht, die nicht nur eine gute medizinische Versorgung, sondern auch einen wertvollen Beitrag zur Prävention seitens der Arztpraxen sichergestellt haben? Ich kann sehr gut verstehen, dass sich HIV-Patienten um ihre ambulante Versorgung sorgen, wenn gerade die Praxen, die sich besonders um sie kümmern,

„Die Deutsche Aids-Hilfe spricht mit ihrer Kampagne „Ich weiß, was ich tu“ Männer, die Sex mit Männern haben, an. Mit dem zentralen Internetportal wird die Möglichkeit eröffnet, neue Zielgruppen innerhalb der MSM besser zu erreichen. Dafür bekommt die DAH zusätzliches Geld“ Weg. Eine begleitende Evaluation halte ich dabei für sehr wichtig. Durch ständige verbesserte Therapiemöglichkeiten verliert HIV allmählich seinen bisherigen Sonderstatus und wird zu einer „normalen“ chronischen Krankheit. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? Vorsicht: HIV/Aids ist zwar dank medizinischer Forschung therapierbar geworden. Die Krankheit ist aber nach wie vor unheilbar und tödlich! Unser gemeinsames Ziel muss sein, Prävention und Aufklärungsarbeit weiter zu stärken, damit Infektionen vermieden werden. Wir haben die Mittel für die HIV-Prävention, die jährlich bereitgestellt werden, letztes Jahr um 3 Mio. Euro erhöht. Im nächsten Jahr wird diese Summe nochmals um eine Mio. auf dann 13,2 Mio. Euro 26

erhebliche Vergütungsrückgänge hinnehmen sollen. Warum die Berliner Krankenkassen eine solche Honorarpolitik unterstützen, verstehe ich nicht. Ich habe deshalb die Verantwortlichen in der gemeinsamen Selbstverwaltung aufgefordert, alles zu unterlassen, was die bewährten Strukturen beeinträchtigt. Wie schätzen Sie diese Entwicklung insgesamt ein, und warum gibt es eigentlich keine bundesweite Lösung des Themas „Schwerpunktpraxen“? Ich würde es sehr begrüßen, wenn die ärztlichen Leistungen für HIV-Patienten in Schwerpunktpraxen bundesweit einheitlich besondere Vergütungen oder Qualitätszuschläge bekämen. Dies liegt jedoch in der Verantwortung der gemeinsamen Selbstverwaltung, also bei den Ärzten und Krankenkassen. Was


die zukünftige Versorgung von HIV- und Aids-Patienten insgesamt anbelangt, ist Folgendes zu sagen: Die Honorarreform für Vertragsärzte, die ab 2009 gilt, verbessert die finanzielle Situation der Ärzte erheblich. Denn in Zukunft tragen die Krankenkassen alle finanziellen Lasten, wenn sich der Behandlungsbedarf für die Versicherten, zum Beispiel aufgrund einer steigenden Zahl von HIV-Patienten, erhöht. Heute ist die Steigerung der Arzthonorare an die Entwicklung der Löhne und nicht an den Behandlungsbedarf gekoppelt. Die medizinische Versorgung HIV-Positiver wird auch weiterhin kostenintensiv sein. Ein gesellschaftliches Klima zunehmender Eigenverantwortlichkeit geht teilweise so weit, dass der Solidaritätsgedanke, ein Pfeiler unseres Gesundheitssystems, infrage gestellt wird. Es gibt bereits Debatten über selbst verschuldete Infizierungen mit Konsequenzen für den Versicherungsstatus der Betroffenen. Wie können Sie sicherstellen, dass im Spannungsfeld von Wirtschaftlichkeit und Solidarität chronisch Kranke wie HIVPositive nicht benachteiligt werden? Unabhängig von der Erkrankung hat jeder Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung einen Anspruch auf medizinisch notwendige Behandlung. Daran wird sich nichts ändern. Deswegen kämpfe ich, seitdem ich Ministerin bin, dafür, dass notwendige Reformen gemacht werden. Nur so kann unser solidarisch finanziertes Gesundheitssystem erhalten bleiben. Jeder kann sich ein Schnupfenmittel für drei Euro kaufen, aber kaum jemand kann eine teure Krebs- oder Aidstherapie bezahlen. Nur ein solidarisches Gesundheitssystem, in dem Gesunde für Kranke und Menschen mit höherem Ein- > 27


Prävention Ulla Schmidt (SPD)

ist seit sieben Jahren Bundesministerin für Gesundheit, zunächst in der rot-grünen Regierung von Gerhard Schröder und seit 2005 im Kabinett der großen Koalition von Angela Merkel (CDU). Damit ist sie die dienstälteste Gesundheitsministerin in Europa. 2003 hat sie erstmalig ihre umstrittene Gesundheitsreform vorgestellt, deren zweiter Teil mit dem Gesundheitsfonds 2009 in Kraft tritt

kommen für die mit geringem Einkommen einstehen, ist aus meiner Sicht zukunftsweisend und sozial. Deshalb streitet die SPD für eine Bürgerversicherung. Ab Januar 2009 gibt es den Gesundheitsfonds, Krankenkassen werden Ausgleichszahlungen bekommen, entsprechend der Anzahl ihrer Versicherten, die tatsächlich krank sind. Eine besondere Rolle werden dabei chronisch Kranke spielen, sie werden sozusagen zu einer Garantie für die Krankenkasse, regelmäßig zusätzliche Leistungen aus diesem Fonds zu beziehen. Werden sich in Zukunft die Krankenkassen also um HIV-Patienten prügeln? Und wäre das tatsächlich ein Vorteil für die Patienten? Die Kassen werden es nicht tun, und es wäre auch kein Vorteil für HIV-Positive. Vorteile bringen nur gute Versorgungsangebote. Und dafür brauchen wir faire Bedingungen. Deshalb erhält eine Krankenkasse mit der Einführung des Gesundheitsfonds ab 2009 für jeden Versicherten monatliche Zuweisungen

Versorgung. Dadurch bleiben sie in der Lage, Schwerkranken – wie zum Besispiel HIV-Patienten – alle medizinisch notwendigen Leistungen zu erstatten. Das entbindet die Kassen aber nicht davon, das Geld der Beitragszahler wirtschaftlich einzusetzen. Ich bin mir sicher, dass jede Krankenkasse auch weiterhin einen hohen Anreiz hat, ihre Versicherten wirtschaftlich zu versorgen. Denn sollte sie mit dem vorab festgelegten Geld aus dem Fonds nicht auskommen, müsste sie Zusatzbeiträge erheben. Die Versicherten stimmen in solchen Fällen „mit den Füßen ab“ und wechseln die Krankenkasse. Welche Veränderungen haben sich für HIV-Positive mit der Gesundheitsreform sonst noch ergeben, und welche Unterschiede gibt es dabei zwischen gesetzlichen und privaten Krankenkassen? Im Bereich der privaten Krankenversicherung (PKV) haben wir mit der jüngsten Reform einen sogenannten „modifizierten Standardtarif“ (ab 2009 Basista-

„Jeder kann sich ein Schnupfenmittel für drei Euro kaufen, aber kaum jemand kann eine teure Krebs- oder Aidstherapie bezahlen“ in einer vorab festgelegten Höhe. Ein wesentlicher Fortschritt ist, dass die Zuweisungen nicht mehr nur Alter, Geschlecht und Bezug einer Erwerbsunfähigkeitsrente berücksichtigen. Vielmehr wird jetzt auch der hohe Versorgungsbedarf von 80 schwerwiegenden oder kostenintensiven chronischen Krankheiten erfasst und bei den Zuweisungen berücksichtigt. Das Bundesversicherungsamt hat diese 80 Krankheiten letzten Mai festgelegt, zu ihnen gehört auch HIV/ Aids. Die Krankenkassen, die viele chronisch kranke Menschen haben und höhere Ausgaben schultern müssen, werden in Zukunft bessergestellt sein. Sie werden spezielle Versorgungsprogramme für Versicherte anbieten können, um so die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Versorgung zu verbessern. Davon werden HIV-Infizierte wie andere chronisch kranke Menschen profitieren. Wie können Sie eigentlich sicherstellen, dass über diesen Umverteilungsmodus die Kosten im Gesundheitswesen reguliert werden und nicht weiter explodieren? Durch den Gesundheitsfonds erhalten Kassen mit mehr Kranken in Zukunft auch mehr Geld für deren 28

rif) eingeführt, von dem schon viele chronisch Kranke profitieren konnten. Weil die PKV in diesem Tarif kranke Menschen nicht mehr abweisen kann und auch keine Risikozuschläge erheben darf. Für HIVInfizierte, die sich aufgrund ihres beruflichen Status privat versichern müssen und bislang wegen ihrer Erkrankung schlechte Karten bei der PKV hatten, ist das eine große Verbesserung. Außerdem haben wir die Möglichkeit zur ambulanten Behandlung chronisch kranker Menschen durch Krankenhäuser geschaffen. Der Patient oder die Patientin kann so von speziellen ambulanten Versorgungsangeboten der Krankenhäuser profitieren, und ein ständiger und mühsamer Wechsel von notwendigen Krankenhausaufenthalten und Facharztbesuchen kann entfallen. <


Kommentar

Sprich mit mir! Kommentar von Corinna Gekeler

Seit Anfang des Jahres wird diskutiert, ob HIV-Positive mit gut funktionierender Kombitherapie und ohne andere Geschlechtskrankheiten das Virus überhaupt noch weitergeben können. Gerade weil diese Position umstritten ist, macht sie vor allem eins deutlich: Safer Sex heißt, miteinander reden

Es ist Zeit für ein paar Lockerungsübungen in der

sogenannten EKAF-Diskussion. Was als eine „gute Nachricht für wenige“ angekündigt wurde, war bereits lange vor dem Papier der Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen in vieler Munde und in nicht wenigen Betten angekommen. Wenn Ärzte bei Syphilis, Tripper und Co. oder in Zeiten eines Therapiewechsels vor einer erhöhten Infektiosität warnten, konnte man schlussfolgern, dass man bei einer stabilen antiretroviralen Therapie, (sART) und guter Therapietreue das Kondom auch mal weglassen könnte. Manche Ärzte sprachen diese Erkenntnisse zumindest hinter vorgehaltener Hand auch aus. Und das Robert Koch-Institut für Virologie in Berlin geht seit Längerem davon aus, dass ohne den positiven Effekt der Pillen auf die Infektiosität die Zahl der HIV-Neudiagnosen noch höher wäre. In Präventionsbotschaften konnte man diese Informationen jedoch bislang nicht finden. Dies steht im deutlichen Widerspruch zur Grundlage der Prävention, dem „Informed Consent“: Jeder soll seine Entscheidungen zu Safer Sex auf der Grundlage der nötigen Informationen treffen können. Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) fängt gerade vorsichtig an, das zu kommunizieren, was ihre bisherigen Kondom-Botschaften unterlaufen könnte. „Das Kondom ist zwar

Dadurch wurde sich endlich wieder daran erinnert, dass es Safer Sex heißt. Auch Kondome boten nie 100-prozentige Sicherheit, und es ging schon immer um den Umgang mit einem Restrisiko und dem, was statistische Wahrscheinlichkeit von individuellen Risiken unterscheidet. Doch wenn das Übertragungsrisiko mit dem Risiko auf einen Flugzeugabsturz verglichen wird, vergessen auch die Schweizer das sogenannte kumulative Risiko. Schlicht gesagt: Wer öfter Sex hat, als er fliegt, hat auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren, als abzustürzen. Wobei man auch beim ersten Mal Pech haben kann – es sitzen schließlich auch nicht nur Vielflieger in Absturzmaschinen. Abgesehen davon, dass längst nicht alle Positiven unter der Viruslast und ohne STIs sind, spricht natürlich weiterhin für Kondome, dass sie zusätzlich vor den meisten STIs schützen und dass man mit hoher Wahrscheinlichkeit mitkriegt, wenn etwas schiefgeht. Ob und in welcher Situation man das Kondom weglassen und das Restrisiko einer „sART ohne STI“ nehmen mag, muss jeder für sich und mit seinem Partner entscheiden. Womit wir wieder beim Thema Kommunikation wären, denn Sicherheitsbedürfnis und Risikobereitschaft beider Partner müssen be-

Wer öfter Sex hat, als er fliegt, hat auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren, als abzustürzen. Wobei man auch beim ersten Mal Pech haben kann – es sitzen schließlich auch nicht nur Vielflieger in Absturzmaschinen nach wie vor ‚Goldstandard‘, da es am besten schützt, aber man muss auch darüber reden, wann man es ohne Bedenken weglassen kann. Dazu braucht es Kommunikationsbereitschaft“, hieß es zum Start der neuen DAH-Kampagne „Ich weiß, was ich tu“. Eine offizielle Positionierung zum Schweizer Papier und seinen eventuellen Auswirkungen auf deutsche Präventionspolitik wird seit Anfang 2008 mit anderen Gesundheitsorganisationen abgestimmt. Über die Verzögerungen verärgerte Selbsthilfegruppen und Aktivisten hatten sich bereits diesen Sommer international zusammengetan und zur Welt-Aids-Konferenz in Mexiko eine gemeinsame Resolution aufgestellt, deren Kernaussage das Recht auf Wissen war. Dabei geht es nicht darum, die Meldung der Schweizer einfach nachzuplappern. Denn die EKAF-Meldung stößt auch auf inhaltliche Kritik. Ihre Empfehlungen auf der Basis bekannter Studien finden nicht wenige Experten zu gewagt. Inzwischen werden Fälle dokumentiert, in denen es trotz gut funktionierender HIV-Therapie zu einer Übertragung kam. Auch den internationalen Aids- und Gesundheitsorganisationen ist die Datenlage zu dünn, um sich den Empfehlungen anzuschließen. Die wichtigste offene Frage betrifft die Aussagekraft der Studien, die unter Heterosexuellen gemacht wurden, auf das HIV-Übertragungsrisiko bei Analverkehr. Die Schweizer bezeichnen das Restrisiko einer HIV-Übertragung unter „sART und ohne STIs“ als normales Lebensrisiko, halten es also für vernachlässigbar klein.

sprochen werden, um gemeinsam zu einer bewussten Entscheidung zu kommen. Dass dies nur in sogenannten kommunikativen Settings möglich ist, erscheint logisch. Ob es dazu einer festen Partnerschaft bedarf, ist ebenfalls Diskussionsstoff. Schließlich kennt nicht jeder immer die aktuelle STI vom noch so festen Partner. Und darüber, ob man auf den Therapieerfolg als Kriterium für ungeschützten Sex vertrauen kann, können auch Sexpartner ohne feste Beziehung, die sich aber gut genug kennen, miteinander kommunizieren. Geradezu euphorisch reagierten einige Positive auf die Vorstellung, für andere nicht mehr gefährlich zu sein. Dieses Wissen kann enorm entlasten, da die Infektiosität für viele das größte Problem mit HIV ist. Für die einen ist diese zusätzliche Sicherheit sehr beruhigend, für andere ein Grund, wieder Sex ohne Kondom zu haben. Manche sehen sogar das Ende der gesellschaftlichen Stigmatisierung HIVPositiver nahe. Es muss aber bezweifelt werden, dass sich Vorurteile durch Informationen über Laborwerte zur Viruslast allein abbauen lassen. Da wäre es doch sinnvoller, insgesamt mehr Aufklärung und Kommunikation über Ängste zu befördern, und zwar unabhängig von Laborwerten. Womit wir beim Klima wären, das bekanntlich auch unter Schwulen nicht immer gerade dazu einlädt, über HIV zu sprechen. Dabei wäre es schon ein großer Fortschritt, wenn alle Beteiligten sich in der Verantwortung fühlten, Safer Sex respektvoll zu klären, egal ob mit oder ohne Worte. Gut, dass wir darüber geredet haben. < 29


Prävention

Noch Fragen? Interview: andreas Marschner, Foto: AVK

Die Zahl der HIV-Infizierten in Deutschland steigt. Bei der Behandlung gibt es Fortschritte, eine Heilung ist jedoch nicht in Sicht. Wir trafen Dr. Keikawus Arastéh und stellten alle Fragen, die wir noch hatten. Das Wichtigste über Prophylaxen, Therapiemöglichkeiten und gefährliche Missverständnisse BEI DEM VERDACHT, dass man sich mit dem HI-Virus infiziert haben könnte, wird häufig die sogenannte Post Expositions Prophylaxe (PEP) angewandt. Wann genau werden die „Pillen danach“ verordnet ,und wie sicher ist eine PEP überhaupt? Es gibt derzeit keine gesicherten Zahlen darüber, wie hoch das Risiko ist, sich mit HIV zu infizieren, wenn zum Beispiel das Kondom platzt oder die Schleimhaut verletzt ist. So wie bei Verletzungen mit Nadeln oder Skalpellen, machen wir auch bei möglichen Verletzungen im sexuellen Bereich eine Infektions-Prophylaxe mit antiretroviraler Therapie (ART). Damit sollte im besten Fall unmittelbar, also bis zu zwei Stunden danach begonnen werden, aber es gibt möglicherweise auch eine Wirkung noch bis zu 74 Stunden danach. Das ist von den medizinischen Unfällen her bekannt. Aber um eine wissenschaftliche Basis zu bekommen, sind Fallkontrollstudien nötig. Sichere Forschungsergebnisse zu den PEPs gibt es also kaum. Heißt das, Schwule sind derzeit so was wie „Versuchskaninchen“? 30

Wie sich jeder vorstellen kann, kann man für sexuelle Risikofälle keine experimentelle Situation herstellen und einfach Menschen gefährden. Insofern kann man da schlecht eine Studie machen. Kombinationstherapien, die wir jetzt als PEP machen, sind noch gar nicht untersucht. Wir gehen davon aus, je besser die Therapie wirkt, desto besser wird auch der prophylaktische Schutz sein. Und wie verhält es sich mit der sogenannten Prä Expositions Prophylaxe (PrEP), den „Pillen davor“? Die PrEP wird derzeit nur in Studien durchgeführt, zum Beispiel mit Sexworkern in Afrika, meist weiblichen Prostituierten. In Europa gibt es noch keine Studien dazu. Bei der PrEP geht es darum, dass man sexuellen Verkehr hat, ohne mit HIV infiziert werden zu können – auch wenn man keine Kondome benutzt. Dazu wird ein einzelnes Medikament genommen, keine Kombinationstherapie. Wie wirksam das sein wird und welche Risiken es gibt, wissen wir noch nicht. Erste Ergebnisse der Studie erwarten wir im nächsten Jahr. Wer HIV-positiv getestet wurde, reagiert oft pa-


nisch und verunsichert. Ist es ratsam, mindestens zwei Ärzte zu konsultieren, um verschiedene Meinungen zum Therapie-Beginn einzuholen? Für alle wesentlichen Entscheidungen in der Medizin empfehle ich allen Menschen, die zu mir kommen, sich eine zweite Meinung einzuholen. Dazu sollte der Patient auch vom Arzt aufgefordert werden. Das sollte Standard in der Medizin sein. Vor einigen Jahren wurden Kombinationstherapien wegen ihrer toxischen Nebenwirkungen eher spät verordnet. Jetzt gibt es einen Paradigmenwechsel: Mit der Therapie soll so früh wie möglich begonnen werden, um die Viruslast unter die Nachweisgrenze zu bekommen. Wird die Kombi heute generell sofort verordnet? Das erste Paradigma, was bei der antiretroviralen Therapie herausgegeben wurde, war „hit hard and early“. Das hieß, jeder mit positivem Nachweis bekam eine HIV-Therapie. Das Ziel damals war, das HI-Virus aus dem Körper rauszuschmeißen. Das ist aber leider nicht geglückt. Niemand ist das Virus losgeworden. Damals waren die Medikamente „schwierig“, um es mal freundlich zu formulieren. Viele bekamen sofort Resistenzen, obwohl sie noch gar nicht in der Phase um 200 Helferzellen waren (normal sind je nach Labor 650 bis 1200), in der die meisten Krankheiten auftreten. Es folgte das Motto „don’t run out of options before you get sick“. Also nicht die ganzen Möglichkeiten verbrennen, bevor man überhaupt krank wird. Jetzt haben wir Medikamente und Konzepte, die von den Nebenwirkungen möglicherweise genauso problematisch sind, aber es gibt fast immer eine Kombination, die für den Einzelnen gut in das Leben passt. Jetzt geht es darum, das Leben zu normalisieren. Wir haben neue Medikamente, es kann früher mit der Therapie begonnen werden. Die Frage

Durch die frühere Ansicht, so spät wie möglich medikamentös zu therapieren, waren lange Zeit viele hochinfektiöse Männer in der Szene unterwegs. War das möglicherweise auch ein Grund für den Anstieg der Neu-Infektionen? Ob das eine Rolle gespielt hat oder nicht, das kann ich nicht sagen. Aber nachdem, was mir Patienten erzählen, ist der Grund für den Anstieg der Neuinfektionen relativ banal. Kondome zu gebrauchen ist zumindest in Berlin fast merkwürdig geworden. Die Stadt ist eine Hochburg im Nicht-Kondom-Gebrauchen. Viele kommen gern mal übers Wochenende hierher aus Ost- und Westeuropa, machen Party. Dabei das Kondom mitzuführen ist fast schon peinlich, weil es kaum einer nutzt. Das Kondom sollte zu einem Reflex werden. Man sollte aus dem Kondom nicht so ein Riesending machen. Einfach benutzen und gut. Drogen und HIV-Infektion – wie ist es da mit dem Safer-Sex-Verhalten? Gibt es dazu Untersuchungen? Ja, gibt es. Das funktioniert dann gar nicht. Bei einer Sucht rückt die Abhängigkeit als Ordnungsprinzip an die erste Stelle, und alle anderen Ordnungsprinzipien wie etwa Rücksichtnahme – auch gegenüber sich selbst – treten einfach in den Hintergrund. Da kann man nur mit einem Suchtprogramm helfen, gutes Zureden reicht da nicht mehr. Die Eidgenössische Kommission für Aidsfragen (EKAF) hat im August 2008 auf der Welt-AidsKonferenz in Mexiko-Stadt ihre Position verteidigt, dass HIV-Positive unter bestimmten Voraussetzungen ungeschützten Sex mit Negativen haben könnten. Demnach ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des HI-Virus zu vernachlässigen, wenn der Betroffene eine erfolgreiche Therapie

Prof. Dr. Keikawus Arastéh ist Direktor

der Klinik für Innere Medizin und Infektiologie am Victoria-Auguste-Krankenhaus in Berlin und betreut dort seit 1986 Aids-Patienten

„Das Kondom sollte zu einem Reflex werden. Man sollte aus dem Kondom nicht ein Riesending machen. Einfach benutzen und gut“ nach dem richtigen Therapiebeginn muss aber grundsätzlich noch geklärt werden. Die Therapien werden jedenfalls heute viel individueller als früher gehandhabt. Wie toxisch sind die Therapien noch? Von Medikamenten, die dauerhaft eingenommen werden, gibt es keines ohne Nebenwirkungen. Die Frage ist, wie passt diese Nebenwirkung zu einem selber, kommt man damit klar oder nicht. Bis zu 40 Prozent der Patienten bemerken keine Nebenwirkungen. Andere spüren sie, kommen aber damit zurecht. Meistens ist es Durchfall, und der ist tierisch gefährlich. Wenn man etwa ein Date hat, ins Kino oder die Oper gehen will, dann nimmt man mal eben die Tabletten nicht und gefährdet so möglicherweise die Therapie. Da es heute mehr Medikamente gibt, kann die Behandlung leichter auf den Einzelnen abgestimmt werden, um das zu vermeiden. Sind Therapiepausen nach wie vor nötig? Dazu gibt es zwei Studien. Die eine sagt, wir machen mal Pausen, wenn die Patienten über 550 Helferzellen haben, und fangen wieder an, wenn sie 350 Helferzellen aufweisen. In der anderen Studie heißt es, wir machen Pause, wenn sie über 350 Helferzellen gegangen sind, und beginnen wieder, wenn sie 250 unterschritten haben. Letztere Studie ergab, dass die Patienten in Pausenzeiten mehr Nebenwirkungen haben, weil eine hohe Viruslast, die sich dann wieder nach oben jubelt, Krankheitsphänomene macht und der Leber und dem Herzen nicht guttut. Trotzdem gibt es natürlich Situationen, wo jemand sagt, ich habe die Schnauze voll. Ich brauche jetzt eine Pause. Dann muss der Arzt die Pause begleiten.

durchführt und an keinen anderen Krankheiten leidet. Das Risiko bei ungeschütztem Sex soll der EKAF zufolge so gering sein, dass es praktisch keine Ansteckungsgefahr gibt. Teilen Sie diese Position? Das war eine Empfehlung für Paare, die sich in fester Partnerschaft befinden. Es ging darum, wie hoch denn das Risiko ist, wenn beide keine weiteren Geschlechtskrankheiten haben und der positive Partner über sechs Monate oder sogar ein Jahr unter der Nachweisgrenze ist. Es ist nicht die Rede von Zufallsbekanntschaften gewesen. Ich finde es jedoch gut, dass die Leute in diesem Zusammenhang wieder über das Thema Kondom diskutieren. Die neue Präventionskampagne der Deutschen Aids-Hilfe heißt „Ich weiß, was ich tu“. Sind Positionen wie die der Schweizer Aids-Kommission „Unter Therapie ist Sex mit Positiven kein Risiko“ dagegen nicht nur missverständlich, sondern auch gefährlich? Solche Statements wie die eidgenössische Empfehlung haben natürlich eine Gefahr in sich. Aber genauso haben Statements eine Gefahr in sich, wie zum Beispiel, dass wir HIV besser therapieren können. Diese Position der EKAF war für mich der Anfang für ein erneutes Gespräch, das es viele Jahre gar nicht gab. Und jetzt wäre es schön, wenn es das nächste Gespräch gäbe, zum Beispiel durch die Kampagne der Deutschen Aids-Hilfe. Denn klar ist, wir brauchen in der Bundesrepublik dringend Kampagnen, die die Leute auch erreichen. < 31


Rubik’s Cube® verwendet mit Erlaubnis von Seven Towns Ltd. www.rubiks.com.

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Das Leben ist kom Sprechen Sie mit Ihrem Ar


mpliziert genug. rzt 端ber Ihre HIV-Therapie.

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Prävention

sicher nicht lustig TExt: Johannes J. Arens, Fotos: BZGA, Michael Stich Stiftung

Zitronen, lustige Gummibärchen oder das Gesicht von Fußballnationalspieler Philipp Lahm – wie sieht gute HIVPrävention aus? Ein Kommentar zu den auffälligsten Kampagnen der letzten Jahre Von der Entdeckung von Aids bis zur ersten Kampagne der Deutschen AidsHilfe (DAH) vergingen ein paar Jahre. Im September 1984 erschien das Faltblatt „Wenn ein Freund Aids hat“, das sich an schwule Männer richtete und den emotionalen Umgang mit Aidskranken zum Thema hatte. Von großflächigen Plakaten mit deutlich erkennbaren Kondomen oder gar vom werbetauglichen Einsatz eines Fußballnationalspielers zu Präventionszwecken wagte man damals nicht zu träumen. Noch 1986 erntete der bayerische Staatssekretär Gauweiler mit seinen Forderungen nach zwangsweise durchge34

führten Reiheunntersuchungen von Risikopersonen nicht nur Unverständnis, an zielgruppenorientierte, sprich an schwule Männer gerichtete Kampagnen im öffentlichen Raum war nicht zu denken. Seitdem hat sich eine Menge getan. Spätestens seit der Modekonzern Benetton 1993 mit seinen Anzeigenmotiven von „HIV positiv“-Tätowierungen und Bildern eines sterbenden Aids-Patienten die Krankheit in die bunte Konsumwelt zerrte und damit Proteststürme auslöste. Im selben Jahr startete auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter dem Motto „Mach’s mit“


eine langfristig angelegte Maßnahme. Im Laufe der vergangenen 15 Jahre wurden Motive wie die rosarote Brille, das kleine Schwarze oder die Ampel aus Kondomen zur vermutlich bekanntesten Präventionskampagne Deutschlands. 2006 wurden im Rahmen eines Kreativwettbewerbs Design-Studenten aufgerufen, die Kampagne weiterzuentwickeln. Heraus kam Obst und Gemüse, wie es momentan an fast jeder Straßenkreuzung zu sehen ist. Die „Mach’s mit“-Kampagne hat sicherlich dazu beigetragen, Kondome zum alltäglichen Gegenstand zu machen, die Risikobereiche der schwulen Community erreicht sie indes nicht. Spargel, Erdbeeren und Bananen, mit Gummi und einem „frechen“ Spruch bestückt, haben wenig mit Darkrooms, Bareback und Stutenmarkt zu tun. „Es gibt eine klare Arbeitsteilung zwischen unserer Behörde und der DAH“, sagt Dr. Marita Völker-Albert, Pressesprecherin der BZgA. „Wir richten uns mit unseren Medien und Maßnahmen an die Gesamtbevölkerung, während die DAH sich auf Männer, die Sex mit Männern haben, konzentriert.“ Trotzdem verwunderlich bleibt, dass die 65.000 kostenlos vom Fachverband Außenwerbung zur Verfügung gestellten Großplakatfl ächen genau an der B e völ ke r u n g s g r u p p e vorbeigehen, die laut Robert Koch-Institut in den letzten sieben Jahren die meisten Neudiagnosen zu verzeichnen hat. Doch das Aushängeschild der BZgA ist nicht die einzige Kampagne, die kritisch betrachtet werden muss. Der ehemalige Profi-Tennisspieler Michael Stich gründete 1994 unter dem Motto „den Kindern ein Lachen schenken“ eine gemeinnützige Stiftung für HIV-infi zierte, -betroffene und an Aids erkrankte Kinder. Im letzten Jahr veröffentlichte die Stiftung in einer Print-Kampagne diverse Motive, die die Infektion von Babys bei der Geburt oder beim Stillen in den Vordergrund rückten. Dazugehörige Slogans wie beispielsweise „Ganz die Mama. HIV Positiv“ führten zu umfangreichen Protesten. Die DAH forderte den sofortigen Stopp der Anzeigenkampagne und beschuldigte Stich, Vorurteilen Vorschub zu leisten und Ängste aufzubauen. „HIV-positive Schwangere werden als ‚Richterinnen’ dargestellt, die ihr Kind ‚unschuldig’ zum Tode verurteilen und letztendlich als Mörderinnen dastehen“, heißt es in einem offenen Schreiben des Bundesvorstands an den Stiftungsvorsitzenden. In Bremen führte die Beschwerde der örtlichen Frauenbeauftragten dazu, dass der Außenwerber JCDecaux die Plakate wieder entfernen ließ. Die Kampag-

ne wurde trotz der herben Kritik vom Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) in diesem Jahr für ein effi zientes Kosten-Nutzen-Verhältnis ihrer ehrgeizig gesetzten Marketingziele ausgezeichnet. Der Fall Stich zeigt, wie schwierig die Gratwanderung zwischen gut und gut gemeint sein kann. Ein hoher Bekanntheitsgrad und ein ehrgeiziges Marketing sind eben noch keine Garantie für eine vorurteilsfreie und nicht-stigmatisierende Öffentlichkeitsarbeit. Auf Popularität setzt auch die aktuelle Kampagne zum Weltaidstag. Zugpferd ist auch in diesem Jahr der Abwehrtrumpf der Fußballnationalmannschaft Philipp Lahm. Mit dem Bundesministerium für Gesundheit, der BZgA, der Deutschen Aids-Hilfe und der Deutschen Aids-Stiftung scheinen alle Institutionen im Boot. Wirklich alle? In einer Pressemitteilung des Regenbogen e.V., einer privaten Initiative aus Saarbrücken, wird vor einem Aids-Monopol gewarnt. Der Vorstandsvorsitzende Jan Schwertner ist erbost und berichtet, kleinere ehrenamtliche Organisationen würden immer wieder an die Seite gedrängt. „2006 bekamen wir beispielsweise einen Brief von der BZgA, in dem sie uns mitteilten, dass sie als Ausrichter des Weltaidstags die Domain weltaidstag.de von uns übernehmen würden.“ Erst nach langem Hin und Her einigte man sich auf den Verkauf der Website an die Behörde. Die Pressesprecherin der fraglichen Behörde kennt den Fall nicht, betont aber die Bedeutung des starken Unterbaus. „Natürlich brauchen wir die Initiativen vor Ort. Wir hatten in diesem Jahr beispielsweise einen Bundeswettbewerb Aidsprävention ausgeschrieben, weil die Hilfen vor Ort ja häufig sehr interessante und unkonventionelle Wege gehen.“ „Unkonventionell“ passt sicher auch zur neuen DAH-Kampagne, die eben nicht mit Promis, sondern mit Rolemodels zum Anfassen wirbt. 24 Jahre nach dem ersten Flugblatt betritt die Deutsche Aids-Hilfe Neuland und konzentriert sich auf das „neue Aids“. Wie zu erwarten war, bewegen sich die ersten Reaktionen zwischen kritischer Unterstützung (siehe zum Beispiel Seite 26, Ulla-Schmidt-Interview) und teilweise Unverständnis (zum Beispiel Seite 10). Die Kampagne wird laufend evaluiert und auch eventuell wieder verändert. Was sie gebracht hat, wird sich erst in ein paar Jahren sagen lassen. Bis dahin wird hoffentlich noch viel gestritten, denn eine Aktion, bei der sich alle einig sind, verfehlt das primäre Ziel einer jeden Kampagne: Bewusstsein zu schaffen. < 35


PräVentIon

mit Safer SeX 2008 eiGenverantwortlichKeit Und riSiSKomanaGement Sind die Stichworte, die von PräventionSKamPaGnen raUSGeGeben werden. waS daS GenaU heiSSt, Soll Jeder für Sich entScheiden. fünf JUnGS erzählen, waS für Sie Safer SeX bedeUtet

tim,20

ralPh,27

SebaStian,30 PaUl,17

„Safer Sex ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Ich hab mich auch umfassend informiert. Schon aus eigenem Interesse. Wenn ich einen Freund habe, schlafe ich mit dem erst ohne Kondom, wenn wir einen gemeinsamen Test machen. Und wenn eine Vertrauensbasis da ist. Wann die erreicht ist, würde ich nicht von der Zeit abhängig machen, sondern vom Bauchgefühl. Wenn ich keinen Freund habe, mach ich’s nur mit Kondom. Ich hab ja keine Lust, mir irgendwelche Killerpilze einzufangen. Es gab zugegebenermaßen auch schon mal einen Ausrutscher, als ich betrunken war. Aber das war mit meinem besten Freund. Bei dem weiß ich ja, wer dran war.“

„Safer Sex bedeutet für mich, sowohl vorsichtig zu sein mit sich selbst, als auch Respekt zu haben gegenüber dem Sexpartner. Also Kondome benutzen, kein Sperma in den Mund nehmen, usw. Ich mache immer Safer Sex. Mit22 oder 23 hab ich im Suff auch mal das Kondom vergessen. Inzwischen passiert das nicht mehr. Obwohl ich zugebe, dass die Versuchung groß ist, mal aufs Kondom zu verzichten, wenn man länger mit einem Typen zusammen ist. Aber auch da sollte man beim Gummi bleiben. Ich sag immer: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Es gibt bei dem Thema auch noch so viele Widersprüche. Mir hat mal ein Arzt gesagt, HIV wäre eine der am schwersten übertragbaren Krankheiten überhaupt, und man sollte nicht so gehemmt sein. Andererseits liest man im Internet oder in Beratungsstellen dann wieder, dass, wenn man sich gerade frisch rasiert hat und dann Sperma auf die Haut bekommt, doch Gefahr besteht. Das finde ich sehr kompliziert.“

„Safer Sex ist für mich Analverkehr mit Kondom. Ob das als wirkliche Sicherheit reicht, liegt im Ermessensspielraum des Einzelnen. Ich gebe zu, dass ich mich in meinen Anfängen auch nur mit Gummi hab blasen lassen. Mittlerweile mache ich es ohne und passe auf, dass nicht im Mund abgespritzt wird. Ich bin seit vier Jahren in einer festen Beziehung. Da finde ich das okay. Beim Analverkehr benutzen wir trotzdem Kondome. Man kann ja nie genau wissen, was der andere so treibt – selbst wenn man sich ewige Treue schwört. Wir sind halt alle nur Menschen. Nachher hat der andere Angst, einen Fehltritt zu beichten, und schon wird es gefährlich. Dass HIV-Positive das Kondom weglassen sollen, wenn sie unter der Nachweisgrenze sind, halte ich für sehr problematisch. Auch wenn die Viruslast durch Medikamente unter die Nachweisgrenze gedrückt wird, haben die Leute das Virus ja trotzdem noch im Körper.“

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„Unter Safer Sex verstehe ich vor allem den Schutz vor Krankheiten – in erster Linie Aids. Das heißt für mich, dass man beim, Pardon, Arschficken ein Kondom benutzt. Allerdings kann man sich Tripper, glaube ich, auch ohne Kondom holen. Das weiß ich nicht ganz genau. Aber ich suche mir auch nicht irgendwelche Leute aus, bei denen ich Angst haben muss, dass sie einen Tripper haben. Ich mache keinen Sex mit Leuten, die ich nicht kenne. Ich hab sowieso nicht so oft Sex. In der schwulen Szene sind die meisten Leute so drauf, dass sie einmal Sex mit dir haben und sich dann nie wieder melden. So was kann ich nicht ab. Ich will eine Beziehung – in der ich gegebenenfalls sogar auf ein Kondom verzichten würde, wenn mein Freund das unbedingt will und wir schon eine Weile zusammen wären. Aber eigentlich habe ich, wenn ich Sex habe, auch immer Kondome im Haus.“


abSPritzen Golden Shower blaSendie häUfiGSten fraGen arSchlecKen zU SaferSeX

itSchlUcKen? oderohne?

1. wann darf ich beim SeX daS Kondom weGlaSSen? > Die Antwort auf diese Frage hängt vom Serostatus der Sexpartner ab. Grundsätzlich kann man sagen, dass Positive das Gummi nur weglassen dürfen, wenn sie mit Positiven vögeln, und Negative nur, wenn sie mit Negativen vögeln. Ob Top oder Bottom, spielt keine Rolle. Bei den Negativen kommt das Problem dazu, dass man die absolute Gewissheit über den HIV-Status des Sexpartners nie haben kann. Hier kann lediglich das Vertrauen zu dem Gegenüber als Entscheidungshilfe dienen – und ist leider kein objektiver Anhaltspunkt.

2. daS Schweizer GremiUm für aidSfraGen SaGt, daSS man aUch alS PoSitiver ohne Kondom SeX haben Kann, ohne den anderen zU infizieren. Stimmt daS?

SPiKe,19 „Für mich ist Safer Sex ein Muss. Gerade in der Schwulenszene, wo der ganze Sex-Kram völlig überbewertet wird. Die Leute gehen ja total verschwenderisch damit um. Erst bumsen sie rum, und dann wundern sie sich, dass sie HIV haben. Ich kenne auch viele jüngere Leute, die positiv sind. Bei Gayromeo geben viele ja an, dass sie nur Safe Sex machen, wenn man sie dann aber trifft, sagen sie: „Nee, ich verhüte nicht.“ Geht‘s noch? Ich riskiere doch nicht mein ganzes Leben, nur damit ich fünf Minuten was spüre. Ich finde es naiv, wenn Leute sich ohne Gummi ficken lassen, nur weil der andere ihnen erzählt, dass er gesund ist. Märchen kann jeder erzählen. Ich kann ja auch sagen, ich hätte einen 30Zentimeter-Schwanz.“ (Text/Fotos: Christian Lütjens)

> Die Studie der Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen ist umstritten und kann nicht als verbindliche Regel gelten. Sie besagt, dass Positive nicht infektiös sind, wenn: – sie seit mindestens sechs Monaten unter der ViruslastNachweisgrenze liegen (in Zahlen: 40 oder weniger Virenkopien pro Mikroliter Blut nachweisbar sind) – sie ihre antiretrovirale Therapie konsequent einhalten und unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle stehen – sie keine anderen sexuell übertragbaren Infektionen (z. B. Herpes, Syphilis) haben Alle drei Punkte sind in der Realität schwer nachprüfbar – und unterliegen somit dem unter den Sexpartnern bestehenden Vertrauen, das nie absolute Sicherheit bietet, egal ob in Beziehungen oder zwischen Sexbuddies.

3. wie weit darf ich beim blaSen Gehen, ohne mich zU Gefährden? > Blasen gilt als sicher, solange nicht im Mund abgespritzt wird. Wenn man trotzdem Sperma geschluckt hat, gibt es keine desinfizierenden Nachspülungen. Mit hochprozentigem Alkohol zu gurgeln ist vielleicht besser als nichts, aber in keinem Fall sicher. Auch die Frage, ob man jemandem einen blasen darf, der vorher bereits abgespritzt hat, muss grundsätzlich mit „Nein“ beantwortet werden. Mediziner raten deshalb, bei Sexpartys oder Orgien ganz aufs Blasen verzichten.

4. waS iSt mit arSchlecKen, PiSSen Und KotSPielen? iSt daS Safe? > Sowohl Rimmen als auch Golden Showers und Scatting sind unbedenklich, wenn es um eine Infektion mit HIV geht – zumindest solange dabei kein Blut fl ießt. Andere sexuell übertragbare Krankheiten (z. B. Hepatitis) kann man sich auf diese Weise allerdings schon holen. In jedem Fall sollte man gegen Hepatitis A und B geimpft sein. Eine Analdusche vor dem Rimmen kann auch nicht schaden.

5. blaSen, ohne im mUnd zU Kommen, iSt oKay. Gilt daS aUch für analverKehr? > Das sogenannte „Dippen“ (also den Schwanz ohne Kondom in den Arsch „tunken“) ist auf keinen Fall Safer Sex. Dabei kommt die Schleimhaut des Schwanzes mit der Darmschleimhaut in Kontakt, und „freie Viren“ können übertragen werden. Zumal leichte Blutungen beim Analverkehr häufig vorkommen.

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Prävention

Behandlung von Syphiliskranken, Holzschnitt, 15. Jahrhundert

„a wie austern oder arschlecken“ Text: Johannes J. Arens, Fotos: Ullsteinbild & bzga

Seit Jahren infizieren sich immer mehr schwule Männer mit Syphilis, Hepatitis und Co. Neben HIV wirken sie harmlos. Zu Unrecht DIE SYPHILIS ist wieder auf dem Vormarsch. Seit 2001 sind

die Zahlen um ein Dreifaches gestiegen und verbleiben seit ein paar Jahren auf hohem Niveau. „Es gibt auch Leute mit Gonorrhö. Aber bei der Syphilis ist es wirklich augenfällig, dass sie zunimmt“, sagt Dr. Heribert Knechten, Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter. Als einen möglichen Grund für die Zunahme von Geschlechtskrankheiten unter Schwulen nennt er das sogenannte Sero-Sor38


ting: „Leute, die angeben, nicht infiziert zu sein, nehmen beim Sex kein Kondom, und auch Positive haben untereinander ungeschützten Verkehr.“ Darüber hinaus seien die Zeiten vorbei, in denen schwule Männer aus Angst vor einer HIV-Infektion ihre sexuellen Aktivitäten dramatisch einschränkten. Bei der Bewertung der Meldezahlen müssen jedoch viele Faktoren berücksichtigt werden: „Negative schwule Männer gehen seltener zum Arzt, HIV-positive Patienten hingegen werden regelmäßig durchgecheckt, da wird dementsprechend häufiger Syphilis diagnostiziert.“ Positive mit einer unbehandelten Syphilis geben das HI-Virus schneller weiter, denn die Geschwüre enthalten sehr viele Entzündungszellen. „Umgekehrt können aber auch Schädigungen der Schleimhäute durch Syphilis-Geschwüre eine HIV-Infektion begünstigen“, beschreibt Knechten eine mögliche Wechselwirkung zwischen den Krankheiten. „Von der Hepatitis wissen wir, dass HIV-infizierte schwule Männer anscheinend höhere Übertragungswerte haben.“ Andreas ist 25 und positiv. Seine HIV-Infektion kam heraus, als er vor zwei Jahren wegen einer Hepatitis A im Krankenhaus lag. Bevor er krank wurde, wusste er nicht viel über Hepatitis, hatte allenfalls mal von der „Gelbsucht“ gehört. „Ich habe immer noch die These, dass ich mich mit Hepatitis A und mit HIV gleichzeitig angesteckt habe.“ Knechten sagt, „man muss sich im Klaren sein, dass bestimmte Erreger mit bestimmten Praktiken leichter übertragen werden. Das gilt auch für die Hepatitis A. Die Übertragungswege kann man sich leicht merken, ‚A’ wie Austern oder Arschlecken“. Vor Infektionen mit Syphilis oder Hepatitis kann man sich im Unterschied zu HIV nicht unbedingt durch ein Kondom schützen. Syphilis kann man auch beim Küssen bekommen. Der Wissensstand der Patienten zu den Übertragungswegen der Krankheiten ist sehr unterschiedlich. „Bei einigen ist es erschreckend, wie wenig sie informiert sind. Zum Beispiel wissen viele Leute nicht, dass sie sich beim aktiven Fisten mit Hepatitis C infizieren können. Man muss ganz klar über sexuelle Aktivitäten sprechen, um bestimmte Risiken definieren zu können.“ Inzwischen kennt Andreas Risiken und Ansteckungswege. Beim Sex mit anderen Positiven benutzt er jedoch nicht grundsätzlich ein Kondom. „No risk, no fun“, sagt er, „ein Raucher raucht auch und weiß, was das für Folgen haben kann. Ich lasse mich jedes Vierteljahr durchchecken, und wenn was ist, dann wird man das zeitnah erkennen und behandeln. Mit einer Antibiotika-Spritze kann ich leben.“ Angst vor neuen Infektionen hat er nicht. Wie Andreas denken anscheinend viele. „Es gibt Leute, die alle zwei, drei Monate wieder mit einer frischen Syphilis kommen. Wir haben ständig Reinfektionen“, so Heribert Knechten. Dabei war die Krankheit bis in die späten 90er Jahre eher exotisch, ein Leiden, das man allenfalls mit Heine, Nietzsche oder Schubert, den prominentesten Opfern im 19. Jahrhundert, in Verbindung brachte. Resistenzen gegen die geläufigen Mittel und Engpässe in der Versorgung mit Antibiotika sind zwar nicht zu befürchten, aber trotzdem –Penicillin ist kein Hustensaft, die Nebenwirkungen auf Verdauungs- und Immunsystem sind nicht zu unterschätzen. Syphilis ist kein Aids, so viel ist klar, aber auch kein harmloser Schnupfen. <

Syphilis Sexuell übertragbare, durch Bakterien verursachte Krankheit. Übertragen wird sie hauptsächlich durch Schleimhautkontakte bei sexuellen Handlungen, inklusive Küssen. Typische Symptome der ersten Stadien sind beispielsweise Schleimhautgeschwüre und Lymphknotenschwellungen. Die Krankheit kann zunächst aber auch völlig ohne sichtbare Symptome verlaufen. Eine Nicht-Behandlung führt im Endstadium zur Zerstörung des zentralen Nervensystems. Die Syphilis kann durch Antibiotika behandelt werden.

Hepatitis Sexuell übertragbar sind die durch Viren verursachten Hepatitisformen A (Schmierinfektion), B (kleine Wunden) und C. Nur gegen A und B kann man sich impfen lassen, nicht gegen die gefährlichere Hepatitis C, die zum Beispiel beim Fisten übertragen werden kann. Andere Formen der Hepatitis können durch dauerhaften Konsum von Medikamenten, Alkohol oder Drogen verursacht werden.

Gonorrhö Umgangssprachlich auch als Tripper bezeichnet, ist die Gonorrhö die häufigste sexuell übertragene Krankheit. Die bakteriellen Erreger, sogenannte Gonokokken, werden beim Oral- oder Analverkehr über die Schleimhäute übertragen. Ein Tripper ist mit Antibiotika behandelbar, jedoch zeichnen sich zunehmende Resistenzen des Erregers ab.

Robert Koch-Institut www.rki.de Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung www.bzga.de

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Politik

neues Aids? Text: Peter Rehberg, Foto: dpa

Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens veranstaltete die Deutsche Aids-Hilfe diesen Sommer eine Konferenz zum Thema HIV und Ethik. Dort unterhielten wir uns mit der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Rita Süssmuth (CDU)

Rita Süssmuth,

71, (CDU) war von 1985 bis 1988 Bundesgesundheitsministerin im Kabinett von Helmut Kohl, bis 1998 war sie Präsidentin des Deutschen Bundestages. In den 1980er Jahren sorgte Süssmuth dafür, dass sich in der Gesundheitspolitik ein liberaler Kurs etablierte, der auf Aufklärung und nicht Ausgrenzung setzte. Damit gewann sie auch die Auseinandersetzung in den eigenen Reihen gegen Hardliner wie Peter Gauweiler (CSU), der damals Ideen wie Zwangstests und Internierungslager für Positive in die Diskussion brachte.

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Frau Süssmuth, in ihrem Vortrag haben Sie beschrieben, wie die abendländische Kulturgeschichte Sexualität traditionell als etwas Gefährliches verstanden hat. Werden schwule Männer, die HIV-positiv sind, in Europa in diesem Sinne immer noch als Verkörperung des „Bösen“ gesehen, oder haben wir das hinter uns gelassen? Wir haben fast einen Quantensprung gemacht. Das schließt nicht aus, dass es nach wie vor Menschen gibt, die sagen, Homosexualität sei ein Fluch oder eine Sünde, aber gemessen an dem, was wir Mitte der 1980er Jahre erlebt haben, ist das nichts. Die Folge der Epidemie war eben auch, dass man sich mit den Themen Homosexualität und Aids befasst hat. Und zwar nicht nur mit der Frage, woher kommt der Virus, was ist es für ein Virus, sondern dahinter stand auch die Frage, dürfen Menschen so leben, wie sie wollen? Und da muss ich wirklich sagen, sind wir in einer viel besseren Situation als damals. Sie sind optimistisch. Es gibt auch Leute, die sagen, hinter einigen Darstellungen von Homosexualität in den Medien lauert heute immer noch das Bild des „Monsters“ von früher. Es schließt sich nicht aus, dass Neues sich Bahn bricht und gleichzeitig Altes noch besteht. Das ist auch in der Frauenfrage so, oder in der Migrantenfrage. Und das liegt vor allem auch daran, wie gefährlich Aids ist. Es sind auch Ängste da: Ich kenn das nicht, ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Auf dieser Konferenz wird ein Unterschied von „neuem Aids“ und „altem Aids“ gemacht. Was halten Sie davon? Ich habe mit dieser Begrifflichkeit Schwierigkeiten, und sie bedarf dringend der Kommentierung. Diese Unterscheidung „alt“ und „neu“ müsste mit anderen Begriffen belegt werden. Denn es geht ja nicht um „neues Aids“, sondern um andere Möglichkeiten der Behandlung. Stichwort: chronische Erkrankung. Ich würde noch einmal darüber nachdenken, ob das so richtig ist. Weil es eine Verharmlosung ist? Wenn ich diesen Begriff „neues Aids“ richtig verstehe, dann heißt das, behandeln wir es wie alle anderen chronischen Krankheiten. Trotzdem ist es bei dieser chronischen Krankheit so, dass ich einen viel größeren Grad an Verhinderungsmöglichkeiten habe. Wenn ich aber diese Richtung einschlage und sage, es ist eine Krankheit wie jede andere – um die Debatte ging es übrigens auch schon damals in den 1980ern –, also wenn ich das

will, muss ich das mit aller Konsequenz tun. Die Gefahr ist, dass es dann keine Solidarität mehr gibt. Das alte Aids war ja nicht irgendeine Krankheit, es gab viele, die tatsächlich erkrankt sind, und viele Tote. War die Präventionsarbeit früher einfacher als heute, weil sie eindeutiger war? Wir hatten es nicht einfach, wir hatten es immens schwierig. Wir mussten nämlich erst mal ein Tabu brechen. Wir mussten aus der Schmuddelkrankheit, die man verhindern kann, eine Krankheit machen, für die man Mitgefühl hat. Ich weiß noch, wie wir mit der Sammelbüchse herumgingen und kein Geld bekamen. Was wir zu hören kriegten: Sie sind selbst schuld. Außerdem: Heute mit Kondomen zu arbeiten ist ein Leichtes. Damals war das ein Tabu. Womit wir es damals vielleicht einfacher hatten, war das Geschäft mit der Angst. Aber das haben wir sehr bald aufgegeben. Wo die Menschen Angst haben, werden sie nicht freier, sondern verstärken eher die Berührungsängste. Heute gibt es wieder Schwierigkeiten, Klartext über Sexualität zu reden – etwas, was Sie damals gerade mit erstritten hatten! Also ich beobachte heute, dass man so tut, als habe man diese Problematik gelöst. Und da muss ich nun sagen, dass ich das überhaupt nicht so sehe. Wir sind höchstens ein kleines Stück weitergekommen im Sprechen über Sexualität. In Ihrem Vortrag haben Sie auch darauf hingewiesen, dass es praktisch keine gesellschaftliche Institution gibt, in der eine ethische Haltung gegenüber HIV-Positiven verankert wäre. Weder in Arztpraxen noch in Gesundheitsämtern gibt es eine Garantie dafür, dass mit Positiven ethisch richtig umgegangen wird. Was wäre dann also der Ort, wo Ethik ihren sicheren Platz haben sollte? Diese These ist sehr provokant und wird den Menschen nicht gerecht, die jeden Tag in den Gesundheitsämtern und Praxen arbeiten und ethisch handeln. Aber ich kann mich darauf nicht verlassen. Es gibt diejenigen, die sagen „selbst schuld“, es gibt diejenigen, die nach dem Seuchengesetz handeln und sagen „das erfülle ich“. Aber was ist mit dem Menschen? Ihre Frage war, was ist dann der Ort von Ethik? Die Öffentlichkeit! Das haben wir damals in Teilen erreicht, bei aller Polemik, die es auch manchmal gab. Ich brauche den öffentlichen Ort, ich brauche die Medien, ich brauche das Forum in meiner Kommune, und ich brauche es auch in der Politik. Frau Süssmuth, vielen Dank für das Gespräch. <


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Politik

soli-beitrag Text: Jens Brodzinski, Illustration: Istockphoto

Das Prinzip des Förderns und Forderns hält mit dem Ruf nach mehr Eigenverantwortung auch im Gesundheitswesen Einzug. Steht das Solidarsystem auf dem Prüfstand? Seinen Sonderstatus in der öffentlichen Wahrnehmung hat Aids, zumindest hierzulande, weitgehend verloren: „Statt als Krankheit mit rascher Todesfolge werden HIV und Aids heute als eine schwere chronische Krankheit angesehen“, so die Deutsche Aids-Hilfe (DAH), die mit ihrer neuen Präventionskampagne („Ich weiß, was ich tu“) den veränderten Realitäten Rechnung tragen will – starre Safer-Sex-Mantren mit dem Unterton des ultimativen Schreckens ziehen nicht mehr, Risiken und Nebenwirkungen sind hinlänglich bekannt, der Appell an die Eigenverantwortung soll’s nun richten. Eine „Rhetorik des Todes“ hält Sexualwissenschaftler Prof. Dr. Martin Dannecker ohnehin für unangebracht, ist doch „eine HIV-Infektion eine schwere Krankheit wie andere schwere Krankheiten auch“ („Abschied von Aids“, 2006). Steigende Neuinfektionszahlen als Zeichen eines grassierenden Leichtsinns zu skandalisieren gehe am Problem vorbei, zumal eine „spezifische Psychopathologie der Homosexuellen“ nicht erkennbar sei: Die weitaus überwiegende Mehrheit der Risikokontakte sei schlicht auf ein partielles bzw. situatives Scheitern der individuellen Präventionsab42

sichten zurückzuführen. Kurzum: Eigenverantwortung ist leichter gesagt als getan. Sie dennoch gebetsmühlenartig einzufordern gehört in der Gesundheitspolitik dieser Tage zum guten Ton; im Umkehrschluss droht jedoch den dann Betroffenen das Stigma „selbst schuld“: „Der scheinbar so plausible Dreiklang ‚Selbstbestimmtes Verhalten – Selbstverantwortung für Krankheit – Selbstschuld und zur Haftung verpflichtet’ hat sich fest in den Hirnen von Politikern und Bürgern verankert, sodass zum Beispiel inzwischen sowohl in öffentlichen Debatten als auch am Stammtisch unhinterfragt behauptet werden kann, Raucher müssten künftig höhere Kassenbeiträge zahlen – ohne dabei in Rechnung zu stellen, dass gerade in niedrigen Sozialschichten überdurchschnittlich viel geraucht wird. Offenbar ist das Rauchen also keine ganz so individuelle Entscheidung“, argumentiert Prof. Dr. Bettina Schmidt. Den Verantwortungsdiskurs im Gesundheitswesen hat die Professorin für soziale Arbeit im Gesundheitswesen an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in ihrem Buch „Eigenverantwortung haben immer die An-


deren“ (2008) unter die Lupe genommen – und festgestellt, dass eine generelle selbstbestimmte Eigenverantwortlichkeit unterstellt wird, die so gar nicht existiert. Mehr noch: Eigenverantwortung im Gesundheitswesen würde vor allem auf den monetären Aspekt der Verantwortungszuweisung beschränkt, womit Eigenverantwortung zum Schlüsselbegriff geworden sei, um Zuzahlungen und Eigenleistungen in der Gesundheitspolitik salonfähig zu machen. Alles also nur Augenwischerei zugunsten des chronisch klammen Gesundheitssystems? „Es findet ein gesellschaftlicher Trend – nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch auf dem Arbeitsmarkt etc. – zur Verantwortungsverlagerung vom Staat auf die Zivilgesellschaft und den Einzelnen statt“, so Schmidt weiter im Interview. Diese Individualisierung von Verantwortung sei „historisch eine völlig neue Entwicklung“: Wo einstmals noch Gott als allverantwortliche Instanz herhielt, sei es heute das Individuum, dem „als dem modernen eigenverantwortlichen Gott seiner selbst“ die Hauptlast übertragen werden soll. Schmidt: „Abgesehen von dieser allgemeinen Verantwortungsverlagerung gibt es Krankheiten und Patientengruppen, die vermehrt in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gelangen im Hinblick darauf, ob diese nicht (zusätzlich zu der ohnehin steigenden Verantwortungslast) noch stärker als andere Patientengruppen in die Verantwortung genommen werden sollen – weil sie aufgrund von gesundheitlichem Fehlverhalten anscheinend selbst die Verantwortung für das Entstehen ihrer Krankheit haben.“ Neben Übergewichtigen und Rauchern bzw. Lungenkrebskranken seien hier zum

durchschnittlich gesunde Menschen empfinden diese das Solidarsystem als ungerecht, weil es angeblich Leistungserbringung nicht honoriert. Gesund sind nicht die individuell engagierten Gesundheitsbewussten, sondern die sozial strukturell begünstigten Wohlhabenden – Wohlstand, nicht Wohlverhalten, produziert Wohlbefinden!“ Konsequent wäre daher eine Einspeisung aller privat Krankenversicherten in die GKV, meint Schmidt, würden damit doch die als „gute Risiken“ geltenden Besserverdiener zum Wohle aller ins Solidarsystem einbezogen: „Eine solche Maßnahme würde die Bezahlbarkeit des Gesundheitswesens verbessern und sicherstellen, dass auch für die paar HIV-Positiven und Aids-Kranken (Bitte entschuldigen Sie diese despektierliche Äußerung, aber im Vergleich zu den 19 Millionen Rauchern sind es wirklich nur ein paar!) genug Geld verfügbar ist.“ Das Ende des Zwei-Klassen-Systems ist derzeit jedoch (noch) Zukunftsmusik. Stattdessen erstarkt im Zuge der Gesundheitsreform weiter der Ruf nach mehr Eigenverantwortung. Zugespitzt: Nikotinpflaster und Kondome gibt es frei verkäuflich in jeder Apotheke, nun mach was draus! Doch wie bei Dannecker bereits zitiert, liegen Anspruch (an einen selbst) und Wirklichkeit mitunter weit auseinander. Schmidt pflichtet bei: „Es wäre eine Fehleinschätzung zu glauben, dass individuelles Verhalten zu jeder Zeit frei gewählt ist und entsprechend zu jeder Zeit auch einfach gelassen werden kann.“ Einem Krankheitsträger die Verantwortung für seine Krankheit zuzuweisen, bloß weil die Krankheit einem Risikoverhalten sehr schlicht zugewiesen werden könne, sei zu einfach. Schmidt: „Im Idealfall kann man sich vor HIV

Eigenverantwortung haben immer die Anderen: Der Verantwortungsdiskurs im Gesundheitswesen Bettina Schmidt Hans-Huber 2007 24,95 Euro 230 Seiten

„Der scheinbar so plausible Dreiklang‚ Selbstbestimmtes Verhalten – Selbstverantwortung für Krankheit – Selbstschuld und zur Haftung verpflichtet’ hat sich fest in den Hirnen von Politikern und Bürgern verankert“ Beispiel auch HIV-Positive zu nennen: „Alle diese Patientengruppen werden möglicherweise künftig immer stärker in die Pflicht genommen. Zumindest wird heute schon diskutiert, ob und mit welchen Maßnahmen man die Verantwortung stärker den betroffenen Patienten zuweisen kann.“ Mit derlei Entsolidarisierungsprozessen, betont Schmidt, sähen sich verschiedene Patientengruppen gleichermaßen konfrontiert; HIV/Aids-Betroffene stellten hier keine Ausnahme dar. Deren einstiger Sonderstatus – passé. Vor diesem Hintergrund erscheint plausibel, wenn Dannecker schreibt: „Nicht wenige wünschen sich ganz gegen ihre bewusste Absicht etwas von der alten schrecklichen Bedeutung von Aids zurück, weil diese Türen öffnete und auf paradoxe Weise Rang verliehen hat.“ Heute setzen Kassenärztliche Vereinigung und gesetzliche Krankenkassen bei der Sonderpauschale für die Behandlung von HIV/AidsPatienten ungeniert den Rotstift an – Wirtschaftlichkeit vor Solidarität? Die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) formuliert in Bezug auf die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nüchtern: „Der ‚Solidargehalt’ der GKV unterliegt Schwankungen“ – also letztlich dem politischen Willen. Oder politischer Willkür? Fast trotzig mutet es an, wenn die BPB weiter schreibt: „Umfang und Charakter des ‚Solidargehalts der GKV’ wurden nie explizit von Politikern oder Experten festgelegt, geschweige denn, dass die Bürger oder Versicherten darüber abgestimmt hätten.“ Schmidt sieht das Solidarsystem insgesamt auf dem Prüfstand: „Nicht bei den Bürgern selbst, denn alle Bevölkerungsumfragen zeigen, dass die Menschen das Solidarsystem für wichtig und richtig halten. Es steht auf dem Prüfstand bei den sogenannten Leistungsträgern der Gesellschaft aus Politik und Wirtschaft. Als gut verdienende und darum über-

schützen. Doch die Welt ist nicht ideal, sondern real. Und reale Menschen wissen manchmal nicht, dass sie sich angesteckt haben; reale Menschen wollen manchmal nicht wissen, ob beim Gegenüber ein Ansteckungsrisiko vorliegt; reale Menschen wollen manchmal ungeschützten Sex haben, und in realen Situationen sind eben nicht immer Kondome verfügbar und können auch zur Anwendung kommen.“ Vordergründig wirke HIV/Aids wie eine vermeidbare Krankheit, man müsse sich eben nur nicht anstecken: „Aber auch jeder Unfall ist im Prinzip ein vermeidbares Ereignis – wäre man nur nicht so unvorsichtig, müde, abgelenkt, unzureichend geschützt etc. gewesen.“ In der GKV gelte das Finalprinzip: Wer Leistungsbedarf hat, wird Leistung erhalten, unabhängig von der Ursache. Für eine persönliche Haftungsübernahme müsse, verweist Schmidt auf die Sozialrechtlerin Corinna Grühn, der Tatbestand des Vorsatzes erfüllt sein: „In der Regel ist jedoch bei gesundheitlichem Risikoverhalten davon auszugehen, dass Menschen sich nicht riskant verhalten, zum Beispiel rauchen, weil sie den Lungenkrebs vorsätzlich erwarten und billigend in Kauf nehmen. Üblicherweise hoffen Menschen auf einen glücklichen Ausgang ihres Risikoverhaltens. Gleiches gilt Grühn zufolge für ungeschützten Geschlechtsverkehr.“ Sofern kein Vorsatz erkennbar sei, wären Leistungsbeschränkungen entsprechend nicht rechtmäßig. Schmidt: „Einem individuellen Patienten die Verantwortung für Krankheit zuzuweisen ist sachlich nicht haltbar im komplexen und komplizierten Prozess der Krankheitsentstehung. Es ist jedoch ein einfacher Weg, um zunächst einmal eine greifbare Person als Verantwortungsträger dingfest zu machen, damit diese möglicherweise mit der nächsten Gesundheitsreform auch zur finanziellen Verantwortungsübernahme verpflichtet werden kann.“ < 43


Politik

Bitte warten Text: Christian Lütjens, Foto: IStockphoto

2008 war ein turbulentes Jahr für HIV-Schwerpunktpraxen. Mit dem Inkrafttreten des Gesundheitsfonds laufen nun die Sonderzuschüsse der Krankenkassen bundesweit aus. Das stellt die Ärzte vor neue Herausforderungen Es ist etwa zehn Jahre her, dass die regionalen kassenärztlichen Vereinigungen mit den Krankenkassen die sogenannte Aidspauschale aushandelten. Dieser Zuschuss garantierte den HIV-Praxen die optimale Versorgung ihrer Patienten und trug dem erhöhten Anspruch an die Ärzte Rechnung. „Die Arbeit in einer HIV-Schwerpunktpraxis ist vergleichbar mit der Tätigkeit eines Onkologen in einer Krebspraxis“, erklärt Dr. Dietmar Schranz, HIV-Arzt und Vorstandsmitglied im Arbeitskreis Aids Berlin. „Auch da geht es permanent

Auch die Aidspauschale“, so Schranz. „Bisher ist völlig unklar, was ab nächstem Januar sein wird. Wir hoffen sehr auf eine bundeseinheitliche Vergütung. Das wäre für alle Beteiligten die beste Lösung. Wenn das aber nicht klappt, könnte das bedeuten, dass wir nächstes Jahr überhaupt keine Zuschüsse bekommen. Dann würde es Schwerpunktpraxen zumindest in der bisherigen Form nicht mehr geben.“ Schranz’ Pessimismus rührt von seinen Berlin-spezifischen Erfahrungen her. Durch die jüngsten Kürzungen bekommt man hier bereits jetzt

In Berlin wurde die Aidspauschale für 2008 massiv gekürzt, statt 75 Euro gibt es jetzt nur noch 45 Euro pro Patient. Ein herber Einschnitt für die Mediziner. Und ein bitterer Vorgeschmack auf das kommende Jahr? darum, den Patienten die modernste und beste Behandlungsmöglichkeit zukommen zu lassen. Das funktioniert nur, wenn man sich regelmäßig fortbildet, oder – wie die meisten Schwerpunktpraxen – selbst in der Forschung tätig ist.“ Neueste Technik und Fortbildungen wurden bislang über die Aidspauschale finanziert. In Berlin wurde diese für 2008 massiv gekürzt, statt 75 Euro gibt es jetzt nur noch 45 Euro pro Patient. Ein herber Einschnitt für die Mediziner. Und ein bitterer Vorgeschmack auf das kommende Jahr? „Mit der Einführung des Gesundheitsfonds am 1. Januar 2009 werden sämtliche bisherigen Pauschalvergütungen gekündigt. 44

die Folgen finanzieller Einschnitte zu spüren. Um Budgets zu füllen, wurden mehr Patienten behandelt, was im Endeffekt weniger Zeit für den Einzelnen bedeutete. Jenseits von Berlin ist man dagegen zufrieden mit der Gesamtsituation. „Glücklicherweise können wir unsere Patienten in Deutschland dem Stand der Wissenschaft entsprechend behandeln. In einigen Fällen machen uns nur die privaten Krankenkassen etwas Probleme“, sagt Dr. Jäger aus München und bekommt Bestätigung aus Nordrhein-Westfalen: „Bei uns können HIV-Infizierte sehr gut versorgt werden“, so Dr. Knechten aus Aachen. Er bleibt trotz der bevorstehenden Zuschusskündi-


gungen optimistisch. „Wir gehen davon aus, dass wir auch in Zukunft eine optimale Versorgung garantieren können. Nicht nur in bestimmten Regionen, sondern in ganz Deutschland. Dafür haben wir sehr viel getan. Es laufen Verhandlungen zwischen den Kassen und der Bundeskassenärztlichen Vereinigung. Wenn die erfolgreich über die Bühne gehen, wird ab 2009 von Aachen bis Berlin, von Hamburg bis München bei gleicher Qualität eine gleiche Versorgung stattfinden.“ In diesem Fall könnte die Neuregelung des Gesundheitssystems sogar eine Chance bedeuten. Eine bundeseinheitliche Lösung der Aidspauschalen wird von den Ärzten nämlich schon seit Jahren gefordert. Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen in den Bundesländern setzten jedoch bislang, je nach Betroffenheit, auf regionale Regelungen. Letztendlich ging es dabei immer darum, Geld zu sparen. Im Zuge der Berliner Kürzungsdiskussionen wurde sogar das Argument bemüht, dass für die Behandlung von HIV nicht mehr so viel Geld zur Verfügung gestellt werden muss, weil es den Patienten zunehmend gut ginge. Eine derartig einseitige Argumentation stößt bei den Medizinern auf Widerstand. „Die Qualität der Behandlung spielt bei HIV eine große Rolle“, so Dietmar Schranz. „Natürlich kann man einem Patienten in fünf Minuten erklären, dass seine aktuellen Werte in Ordnung sind, und sich dann von ihm verabschieden. Oder aber man klärt ihn über

mögliche Nebenwirkungen seiner Medikamente auf, untersucht ihn daraufhin, etc. In diesem Fall führt das zu einem halbstündigen Beratungsgespräch, in dem der Patient über den aktuellen Stand der Wissenschaft aufgeklärt wird. Das ist angebracht.“ Schranz verdeutlicht das Ganze am einleuchtenden Beispiel seiner eigenen Kalkulation: „Momentan bekomme ich für einen HIV-Patienten drei Mal so viel Honorar wie für einen internistischen Patienten. Wenn ich das nicht mehr bekomme, heißt das, dass ich für jeden HIVPatienten zwei neue Patienten behandeln muss, um die Therapie wirtschaftlich durchführbar zu machen. Ein derartiger Zuwachs an Patienten hätte zur Folge, dass für intensive Gespräche über das psychosoziale Umfeld, sexuelle oder Präventionsfragen keine Zeit mehr bleibt.“ Gerade Prävention sei für einen verantwortungsvollen Umgang mit einer HIV-Infektion aber wichtig. Wie verhält man sich, um den Partner nicht zu infizieren? Was muss man tun, um sich keine zusätzlichen Infektionen einzufangen? Das sind Fragenm, die Dietmar Schranz immer wieder zu hören bekommt. Und für die er sich immer wieder Zeit nehmen will. Schließlich führt ihre Beantwortung dazu, dass die Patienten selbst verantwortungsvoll mit ihrer HIV-Infektion umgehen. Und das sollte auch im Interesse der Allgemeinheit sein. <

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FORSCHUNG

Neue Kombi? Text: Götz bähr, Fotos: Istockphoto

Seit Einführung der Kombitherapie gibt es ständig neue Behandlungsmöglichkeiten für HIV-Positive. Dabei wird die Vermehrung des Virus immer wieder auf andere Weise blockiert. Das ist wichtig, weil sich Resistenzen bilden und damit ältere Pillen ihre Wirkung verlieren. Ein Überblick der neuesten Medikamente Anders als Bakterien oder Parasiten haben Viren keinen Stoffwechsel: Sie atmen und ernähren sich nicht. Viren bleiben untätig, bis sie auf eine Wirtszelle treffen, die sie so „umprogrammieren“, dass die infizierte Zelle anfängt, das Virus zu vermehren. Aus diesem Grund gibt es keine antiviralen Medikamente, die Viren abtöten können, so wie Antibiotika Bakterien töten, indem sie sie vergiften. Denn was keine Nahrung aufnimmt und nicht atmet, kann auch nicht vergiftet werden. Die gegen HIV eingesetzten antiretroviralen Mittel sind daher sogenannte „Virostatika“. Sie greifen in die Vorgänge ein, über die das Virus sich vermehrt, und verhindern im günstigsten Fall das Entstehen neuer Viren. Die Beseitigung der bereits vorhandenen Viren bleibt dem Immunsystem des Infizierten überlassen: Deshalb sollte man mit der Therapie nicht warten, bis Symptome auftreten, oder gar, bis das Immunsystem kaum noch funktioniert.

Die so entstandenen Resistenzen waren häufig auch mit besseren Folgetherapien nicht mehr in den Griff zu bekommen: Die konnten zwar das Entstehen von Resistenzen weit besser unterdrücken, wirkten aber häufig nicht ausreichend bei bereits bestehenden. Auch darum ist die Entwicklung von Medikamenten so wichtig, die bei bereits bestehenden Resistenzen noch wirksam sind. Therapieziel ist heute das Absenken der Virusmenge im Blut (Viruslast) unter die Nachweisgrenze der Messverfahren: Wo das Virus sich nicht vermehrt, da kann es auch keine Resistenzen entwickeln. Die HIV-Medikamente werden in sogenannte Substanzklassen eingeteilt, je nachdem, welches Stadium des viralen Vermehrungsvorgangs (Replikationszyklus) sie blockieren (s. Tabelle). Eine Resistenz gegen ein Medikament kann zu Resistenzen gegen andere Mittel derselben Klasse führen, auch wenn man die noch nie genommen hat. Dieses Phänomen heißt Kreuzresistenz.

„Es gibt unter Betroffenen eine Tendenz, unbedingt die neuesten Medikamente einnehmen zu wollen. Das ist in vielen Fällen nicht sinnvoll“ Das Virus ist ein derart primitives Gebilde, dass es bei seiner Vermehrung viele Fehler macht. So entstehen jede Menge Varianten, von denen einige zufällig unempfindlich (resistent) gegen einzelne Medikamente sind. Zunächst sind sie aber meist „schwächer“ als die Wildform und spielen deshalb keine Rolle. Erst in Gegenwart eines Medikaments, gegen das sie resistent sind, haben sie gegenüber der „Wildform“ einen Überlebensvorteil und setzen sich mit der Zeit durch. Vergleichsweise sehr viel unwahrscheinlicher ist das Entstehen von Viren, die gleichzeitig unempfindlich gegen mehrere Wirkstoffe sind. Deshalb müssen von Anfang an immer mehrere Medikamente kombiniert gegen HIV eingesetzt werden. Zu Beginn der antiretroviralen Therapie in den 90er Jahren standen nicht genügend hochwirksame Medikamente für die Kombinationstherapie zur Verfügung. 46

Finden die Wissenschaftler aber neue Angriffspunkte, ist es sehr wahrscheinlich, dass die dort ansetzenden neuen Medikamente auch dann noch voll wirksam sind, wenn bereits Resistenzen gegen Medikamente aus älteren Substanzklassen bestehen. Das ist offensichtlich besonders wichtig für Menschen, deren Virus bereits Resistenzen entwickelt hat. Es gibt allerdings unter Betroffenen eine Tendenz, unbedingt die neuesten Medikamente einnehmen zu wollen. Das ist in vielen Fällen nicht sinnvoll: Auch die gründlichsten Zulassungsstudien setzen nur eine begrenzte Personenzahl den neuen Medikamenten aus. Seltene Nebenwirkungen sieht man aber oft erst, wenn die Substanzen zugelassen und längere Zeit einer größeren Zahl Menschen gegeben wurden. Langzeitnebenwirkungen können mit jahrelangen Verzögerungen auftreten. >


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FORSCHUNG

Wichtige Fragen wie die der Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Drogen, oder die Frage nach der strategisch günstigsten Reihenfolge des Einsatzes der Medikamente werden oft erst in den Jahren nach der Zulassung geklärt. Die beschleunigten Zulassungsverfahren der HIV-Medikamente sind einerseits für Menschen überlebenswichtig, deren Virus sich mit den alten Mitteln nicht mehr in Schach halten lässt. Andererseits verschärfen sie die Risiken. Es liegt daher fast immer im Interesse der nicht Vorbehandelten, zunächst die gut eingeführten Substanzen einzunehmen, mit denen die Behandler jahrelange Erfahrungen haben. Erst wenn die heute vor Therapiestart üblichen Resistenztests es nahelegen, sollten neu entwickelte Wirkstoffe eingesetzt werden. Bei vorbehandelten Patienten dürfen auch die neuen Medikamente nicht allein gegeben werden, weil sich Resistenzen in diesem Fall sehr schnell durchsetzen

würden und das neue Mittel schnell unwirksam würde. Es sollte also auf eine versagende Kombinationstherapie keinesfalls nur ein neues Mittel draufgesetzt werden. Die Medikamente gegen HIV sind wirksamer geworden, teilweise auch leichter einzunehmen als zu Beginn der Behandlung der HIV-Infektion. Der Bedarf an weiteren Neuentwicklungen ist aber nach wie vor vorhanden, besonders bei Resistenzen, an denen auch die bisherigen Neuentwicklungen scheitern. Auch für alle anderen Betroffenen sind stärker wirksame Präparate erforderlich, wenn das Virus tatsächlich irgendwann einmal vollständig aus dem Körper entfernt werden soll (Eradikation). Solange die Eradikation nur eine theoretische Möglichkeit ist, müssen auch angesichts der lebenslang erforderlichen Einnahme (Langzeit-)Verträglichkeit und Einfachheit der Einnahme der HIV-Medikamente verbessert werden. <

Neue Kombinationen alter Medikamente

Neue Medikamente in alten Substanzklassen

Neue Medikamente in neuen Substanzklassen

Um die Zahl der in einer Kombinationstherapie einzunehmenden Tabletten oder Kapseln zu verringern, gibt es eine zunehmende Anzahl von Zubereitungen, in denen mehrere bewährte Medikamente zusammen in einer Tablette oder Kapsel angeboten werden (s. Tabelle). Bei diesen Neuentwicklungen geht es um die Vereinfachung der Einnahme.

Neue Medikamente in alten Substanzklassen werden nur dann weiterentwickelt, wenn sie den alten überlegen sind. Das bedeutet heute in den meisten Fällen, dass sie daraufhin entwickelt werden, auch bei HIV mit (Teil-) Resistenzen gegen ältere Mittel derselben Klasse zu wirken.

Entry-Inhibitoren

Nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI)

Bei der Klasse der NRTI hat sich in den letzten Jahren in dieser Hinsicht nichts getan, es sind auch in der nächsten Zeit keine derartigen Neuentwicklungen zu erwarten. Nicht-Nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI)

Bei den NNRTI hat dieses Jahr mit Etravirin (Handelsname Intelence) eine Substanz die Zulassung erreicht, die oft auch dann noch wirkt, wenn gegen andere NNRTI wie Efavirenz (Handelsname Sustiva) oder Nevirapin (Handelsname Viramune) bereits Resistenzen bestehen. Sie ist nicht für die Ersttherapie zugelassen. Rilpivirin ist ein weiterer NNRTI mit guter Wirksamkeit gegen viele NNRTI-resistente Viren. Er ist relativ weit entwickelt, aber noch nicht zugelassen.

Maraviroc (Handelsname Celsentri) verhindert, dass das Virus mit der Wirtszelle verschmilzt, indem es eine der beiden dazu benötigten „Andockstellen“ (Rezeptoren, hier CCR5) verändert. Allerdings gibt es HI-Viren, die einen anderen Rezeptor (CXCR4) benutzen. Bei Menschen, deren Viren diesen alternativen Weg nutzen, ist Maraviroc nicht oder nur kurze Zeit wirksam. Vor Einsatz von Maraviroc muss deshalb ein Test durchgeführt werden, um herauszufinden, welchen Rezeptor HIV im konkreten Fall nutzt. Seit Kurzem ist das Medikament zugelassen, aber nicht für die Ersttherapie. Noch nicht zugelassen, aber recht weit entwickelt ist Vicriviroc. Der Wirkmechanismus ist der gleiche wie bei Maraviroc. Integrase-Inhibitoren

Raltegravir (Handelsname Isentress) ist der erste (Ende 2007) zugelassene Integrase-Inhibitor. Auch er ist nicht für die Ersttherapie zugelassen. Ein weiterer Integrase-Inhibitor (Elvitegravir) ist relativ weit entwickelt, allerdings scheint er weitgehend dieselben Resistenzen wie Raltegravir zu begünstigen (zu selektieren).

Protease-inhibitoren (PI)

Bei den PI sind zwei neue Substanzen zugelassen, die bei mehrfach vorbehandelten Menschen mit HIV noch wirksam sein können. Die ältere ist Tipranavir (Handelsname Aptivus), die neuere Darunavir (Handelsname Prezista). Beide sind nicht für die Ersttherapie zugelassen und müssen zusammen mit dem Wirkungsverstärker (Booster) Ritonavir (Handelsname Norvir) eingenommen werden.

Götz Bähr

Der Autor ist Chemiker und arbeitet seit 15 Jahren an Informationsangeboten für Menschen mit HIV. Zurzeit ist er Berater bei Pluspunkt Berlin. www.pluspunktberlin.de

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Allgemeine medizinische Infos: www.hiv.net Eine gute kommentierte Linksammlung: www.aidsfinder.org


Das War’s

Die Liebe in den Zeiten von Aids Safe war der Sex zwischen uns, doch nicht safe ist die Nacht. Über ihre Minenfelder hinweg den Arm nach dir ausstrecken und dich aus dem Feuer tragen, Geliebter, du siehst Gespenster, nichts kann die Bombe entschärfen, doch jetzt atmen wir, Seite an Seite, ich bin ein glücklicher Gefangener. Jetzt halte ich dich, mein trauriger Geliebter, und erzähle dir eine Geschichte, in der ein Wunder vorkommt.

Nachmittags-clown Jetzt und hier auf dieser Bank an diesem Nachmittag werde ich nicht sterben Jede Minute ist so rot und süß wie die Kirschen mit denen ich die Zeit füttere gieriges Ungetüm ein ganzes Kilo nur für diesen Nachmittag Jetzt und hier auf dieser Bank spucke ich die Kerne in jede Himmelsrichtung mit trotziger Erinnerung auch damals flogen sie nicht weiter Jetzt und hier an diesem Nachmittag verderbe ich mir den Magen mit der Freiheit der Lebendigen Ich schminke mein Gesicht mit dem Saft der Kirschen bis die Kinder der Spaziergänger lachen Mario Wirz, (51) lebt als

Dichter und Schriftsteller in Berlin, ist selber HIV-positiv und hat sich in seinen Texten immer wieder mit den Themen HIV und Aids beschäftigt. Die hier abgedruckten Gedichte entsammen dem Band „Sieben Leben hat die Woche“ (Aufbau). Zuletzt ist von Mario Wirz der Gedichtband „Sturm vor der Stille“ (Aufbau) erschienen.

Aber Glauben Nicht länger strecke ich jeder Zigeunerin meine Hände entgegen, ungeduldig und gläubig, dass sie mein Schicksal korrigiert. Meine eifrigen Freunde, die mir die Zukunft aus den Karten lesen, schick ich lachend zum Teufel, auch alle Wahrsager. Mit Gleichmut ertrage ich, dass die Katze von rechts die Straße überquert, und auch der Schornsteinfeger weckt keine Hoffnung. Mein Horoskop für den Tag, für die Woche, für den Monat, für das Jahr ignoriere ich von nun an stur. Nicht länger stehe ich unentschlossen in mir rum, ich setze Schritt für Schritt und wage auch das Dunkel, erstaunt, dass mir an manchen Tagen Flügel wachsen. 49


20 Jahre HIV-Therapie:

Erfolgsstory mit Startproblemen Text: Dr. Marc Esser

Aids ist in vielerlei Hinsicht eine außergewöhnliche Krankheit und gehört aus medizinhistorischer Sicht zu den schlimmsten Pandemien aller Zeiten. Es ist aber zugleich eine Erkrankung, die erhebliche gesellschaftliche Veränderungen bewirkte und im Zeichen dramatischer Erfolge der Pharmakotherapie steht. Bei wohl kaum einer anderen Krankheit wurden in der Behandlung in den vergangenen 20 Jahren vergleichbare Fortschritte gemacht, auch wenn die Anfänge schwierig waren.

AZT – endlich eine Waffe gegen Aids? 1987 konnte mit der Substanz Azidothymidin (AZT) endlich das erste Medikament gegen HIV zugelassen werden: AZT gehört zur Klasse der Nukleosidischen-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI), einer Substanzklasse, die die Umschreibung der viralen RNA in DNA verhindert – einen für die Vermehrung des Virus notwendigen Schritt. Ursprünglich sollte AZT, das bereits 1964 von dem Wissenschaftler Jerome Horowitz entdeckt wurde, die Überproduktion weißer Blutkörperchen bei Leukämie dämpfen; im Februar 1985 konnte Hiroaki Mitsuya, Wissenschaftler am amerikanischen National Institute of Health (NIH), die Wirksamkeit der Substanz gegen HIV nachweisen. Die Erwartungen der Aids-Community waren damals hoch, auch wenn es nach allen Erfahrungen mit antimikrobiellen Substanzen und der Entstehung von Resistenzen im Grunde allzu unwahrscheinlich schien, dass sich eine einzelne Substanz gegen Aids als wirksam herausstellen würde.

Resistenzen und enttäuschte Hoffnungen Was viele Experten befürchtet hatten, trat dann auch tatsächlich ein: Das HI-Virus entwickelte schnell Resistenzen gegen AZT und damit verlor die Substanz ihre anfängliche Wirksamkeit. Meistens kam es nach sechs Monaten zur Resistenzentwicklung, manchmal aber auch schon deutlich früher. Der anfängliche Optimismus wich endgültig der Ernüchterung, als sich Aids in Europa und den USA weiter ausbreitete und immer mehr Todesopfer forderte. Denn ohne AZT hatten die Ärzte praktisch keine Munition mehr gegen das HI-Virus. Patientenorganisationen warfen damals der Pharmaindustrie vor, sie habe einfache Behandlungsmöglichkeiten übersehen und stattdessen teure und toxische Medikamente 50

produziert. In den darauf folgenden Jahren wurden weitere NRTIs zugelassen, aber auch gegen diese neuen Substanzen entwickelten sich rasch Resistenzen. 1993 wurde Aids die häufigste Todesursache bei jungen Erwachsenen in Europa und den USA.

Neue Angriffspunkte gegen das HI-Virus Weitere Erfolge stellten sich erst ein, als das HI-Virus besser verstanden und neben der Reversen Transkriptase weitere Angriffsziele für Medikamente entdeckt wurden. Als ein solches Ziel stellte sich die virale Protease heraus – ein Schlüsselenzym bei der Vermehrung der Viren. Die Erforschung der viralen Protease mündete schließlich in die Entwicklung der Protease-Inhibitoren (PI), Substanzen, die an die HIV-Protease binden und die Eiweißspaltung behindern, die für die Herstellung von infektiösen Viruspartikeln notwendig ist. Viele der Medikamentenkandidaten erwiesen sich allerdings als zu toxisch und so dauerte es bis ins Jahr 1995, bis mit Saquinavir der erste PI zugelassen wurde. Zwei weitere Hemmstoffe – Ritonavir und Indinavir – folgten kurze Zeit später, doch auch gegen PIs begann das HI-Virus rasch Resistenzen zu entwickeln. Größere Fortschritte in dieser Zeit machte man hingegen in der medikamentösen Prophylaxe und Therapie begleitender Erkrankungen („opportunistischer Infektionen“), wie der Pneumocystis-carinii (heute: jirovecii)-Pneumonie und der Infektion mit atypischen Mykobakterien.

Durchbruch mit HAART Auf der internationalen Aids-Konferenz in Vancouver im Juli 1996 wurde eine Nachricht verkündet, die die Aids-Community in Euphorie versetzte: Erstmals war es gelungen, mit einem Medikamentencocktail aus einem PI und zwei NRTI (dem so genannten „Backbone“ der Therapie) die Anzahl der Viren im Blut unter die Nachweisgrenze gängiger Testverfahren zu drücken – die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) war geboren. David Ho vom Aaron-Diamond-Aids-Forschungszentrum in New York hatte mit mathematischen Berechnungen zur Virusvermehrung die theoretischen Vorarbeiten geleistet und dabei die entscheidenden Impulse gegeben; hierfür wurde er 1996 vom New Yorker „Time Magazine“ zum „Mann des Jahres“ gewählt. Der Goldstandard von 1996, bestehend aus AZT plus Lamivudin (3TC) in Kombination mit dem Protease-Hemmer Indinavir, erzielte eine 50%ige Reduktion von Aids-assoziierten Erkrankungen und Todesfällen. Gerade noch mit Spendengeldern gebaute Hospize wurden wieder geschlossen, weil viele bereits verloren geglaubte Patienten sich erholten. 1997 war die Todesrate in den USA und Europa um mehr als zwei Drittel gesunken und der Spiegel titelte im selben Jahr: „Sieg über die Seuche?“ Die HIV-Erkrankung und Aids waren mit einem Schlag zu einer behandelbaren Krankheit geworden.

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Nachdem das HI-Virus im Jahr 1983 erstmals von Francoise Barre-Sinoussi, Luc Montagnier und Robert Gallo isoliert wurde, waren Wissenschaftler voller Hoffnung, schnell eine wirksame Therapie zu entwickeln – ein Optimismus, der sich leider als Illusion erwies. Mehr oder weniger blindlings testete man damals eine Vielzahl von Präparaten auf ihre Wirksamkeit gegen Aids, darunter auch so obskure Mittel wie das so genannte „Compound Q“, ein Extrakt aus den Wurzeln einer chinesischen Gurke. Diese „Schnellschüsse“ versagten jedoch in klinischen Studien, und die wachsende Verzweiflung unter den Betroffenen bereitete den Boden für Scharlatane und Quacksalber. So gaben infizierte Menschen bis zu 100.000 US$ dafür aus, um nach Zaire zu fliegen und sich dort einer Behandlung mit „MM1“ zu unterziehen, einem angeblichen Wundermittel, das nach Mobutu und Mubarak, den Präsidenten von Zaire bzw. Ägypten benannt war und von einem ägyptischen Rektalchirurgen vermarktet und beworben wurde.


Aids verändert Zulassungsbehörden und Pharmaindustrie Dauerte es 1986 von der Beantragung der Zulassung für ein neues antiretrovirales Medikament bis zur Freigabe noch durchschnittlich fast drei Jahre – für die Betroffenen eine unerträglich lange Zeitspanne – so verkürzte sich das Warten bis 1996 auf ein Jahr. Bei den pharmazeutischen Firmen wurde Tag und Nacht gearbeitet, um die entsprechenden Dokumentationen für neue Studien fertig zu stellen; gleichzeitig akzeptierten die Zulassungsbehörden erstmals schnell zu erhebende Labormarker, wie die Viruslast und die Anzahl der CD4-Helferzellen als Endpunkte klinischer Studien. Patientenorganisationen beeinflussten das Design von Arzneimittelstudien und erkämpften sich Zugang zu experimentellen Therapien. Ging die pharmazeutische Industrie nicht auf die Forderungen ein, wurde zur Demonstration aufgerufen oder kurzerhand die Zentrale eines Pharmaunternehmens mit organisierten Telefonattacken lahm gelegt. Keine Patientenorganisation war bislang so einflussreich und mächtig wie die der Aids-Patienten.

„Hit hard and early“ Als HAART eingeführt wurde, glaubten viele Experten, man könne das HI-Virus mit einer entsprechend langfristigen Gabe vollständig aus dem Körper eliminieren („Eradikation“). David Ho bezifferte die nötige Zeit für eine Eradikation auf drei Jahre – eine Prognose, die sich als viel zu optimistisch erwies. Stattdessen zeigte sich zweierlei: Das HI-Virus ist in der Lage, sich im Körper zu verstecken (etwa im Hodengewebe) und ist so für die gängigen Medikamente nicht erreichbar. Damit ist also eine lebenslange Therapie notwendig, um das Virus unter Kontrolle zu halten. Zudem erwies sich das Ho’sche Dogma „Hit hard and early“ als nicht vollständig richtig: zwar konnte die Viruslast unter die Nachweisgrenze gesenkt werden, die CD4-Zellzahlen stiegen an – aber gleichzeitig führten die Nebenwirkungen und komplexen Einnahmeempfehlungen der ersten antiretroviralen Medikamente zu abnehmender Compliance und Resistenzen schränkten die Zahl der tatsächlich verfügbaren Therapieoptionen deutlich ein. Mit der Verfügbarkeit besser wirksamer und gleichzeitig verträglicherer Medikamente verlagerte sich der Therapiebeginn dann wieder deutlich nach vorn und richtet sich gegenwärtig primär nach den entsprechende Blutparametern wie der Anzahl der CD4-Helferzellen und der Viruslast; die aktuellen Leitlinien empfehlen heute einen Therapiebeginn bei 350 CD4-Zellen/μl Blut.

Metabolische Komplikationen und Adhärenzprobleme Die anfängliche Begeisterung über die gut wirksame Kombinationstherapie wurde getrübt, als sich herausstellte, dass HAART zu schweren Stoffwechselstörungen führen kann. Besonders die deutlich sichtbaren Veränderungen der Verteilung des Körperfetts („Lipodystrophie“) führten zu einer Stigmatisierung der HIV-infizierten Menschen und machte vielen Betroffenen zu schaffen. Manche Patienten entwickelten während der antiretroviralen Therapie ein so genanntes „metabolisches Syndrom“ mit Diabetes, erhöhten Blutfetten und Zunahme des Körpergewichts. Auch war es für viele Infizierte schwierig, täglich bis zu 30 Pillen einzunehmen und dabei unterschiedliche Dosierungsvorschriften sowie Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln zu beachten. Die teils schweren Nebenwirkungen und komplexen Einnahmevorgaben führten zu Problemen mit der Adhärenz, was wiederum Resistenzentstehung zur Folge hatte.

Neue Therapieprinzipien und Medikamente Durch die Einführung der nichtnukleosidischen-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) zwischen 1996 und 1998 eröffneten sich weitere Optionen in der Kombination verschiedener Medikamente in der antiretroviralen Therapie, um dem Problem der Resistenzentwicklung zu begegnen. Die Substanzen aus dieser Wirkstoffklasse (Nevirapin und Efavirenz) wurden zwischen 1996 und 1998 zur Marktreife entwickelt, mit Etravirin ist aktuell ein weiterer NNRTI hinzugekommen. Die geringe Tablettenanzahl und gute Verträglichkeit haben dazu beigetragen, dass NNRTI heute ein wichtiger Bestandteil vieler HAART-Regime sind. Ein weiterer neuer Therapieansatz wurde 2003 verwirklicht: Bei einigen HIV-1-Infizierten verläuft die Infektion deutlich langsamer, und bei der Suche nach den Gründen entdeckten Wissenschaftler im Genom dieser Menschen ein verändertes Gen. Dieses Gen codiert für den so genannten CCR5-Rezeptor, den das HI-Virus benutzt, um sich in CD4-Helferzellen einzuschleusen – eine Erkenntnis, die zu einem besseren Verständnis

darüber führte, wie das Virus letztlich in menschliche Zellen gelangt und schlussendlich in die Entwicklung einer neuen Gruppe von Medikamenten mündete. Die so genannten Entry-Inhibitoren verhindern, dass HIV sein genetisches Material in die Zielzelle transportiert. Hierbei unterscheidet man Co-Rezeptorantagonisten (Maraviroc) und Fusions-Inhibitoren (Enfuvirtid), die unterschiedliche Angriffspunkte besitzen. Von diesen Wirkstoffen profitieren gegenwärtig vor allem weit vorbehandelte HIV-Infizierte mit Multiresistenz gegenüber anderen antiretroviralen Medikamenten. Gleichzeitig wurden kontinuierlich weitere NRTI mit unterschiedlichen Resistenzprofilen wie Abacavir, Tenofovir oder Emtricitabin entwickelt, so dass neue Backbone-Optionen für die Kombination mit den verschiedenen dritten Partnern entstanden. Die jüngste Wirkstoffklasse stellen die Integrasehemmer (INI) dar. Die Integrase ist ein Retrovirus-eigenes Enzym, das für den Einbau viraler DNA-Stränge in die Chromosomen der Wirtszelle zuständig ist. Als erstes Präparat seiner Klasse wurde Raltegravir im Dezember 2007 in der Europäischen Union zugelassen.

Bessere Adhärenz durch Kombinationspräparate Das zunehmende Forschungswissen ermöglichte, Medikamente mit vorteilhafterem Nebenwirkungsspektrum bei gleich guter oder besserer Kontrolle des Virus zu entwickeln. Da jedoch nicht jedes Regime für jeden Patienten geeignet ist, gibt es noch immer sowohl von Patientenwie auch von Arztseite hohen Bedarf an weiteren wirksamen, möglichst einfachen und gut verträglichen Behandlungsregimen, die die Adhärenz der Patienten bestmöglich unterstützen. Neben der Entwicklung neuer Substanzklassen wurden aus diesem Grund auch existierende Medikamente durch neue Formulierungen verbessert oder die Therapie durch Entwicklung von Fixkombinationen vereinfacht. Ende 2007 hat die europäische Arzneimittelbehörde EMEA die erste fixe Dreifachkombination bestehend aus den Substanzen Efavirenz, Emtricitabin und Tenofovir zugelassen. Damit steht in der HIV-Therapie die erste und einzige divergente HAART zur Verfügung, bei der eine einzige Tablette pro Tag ausreicht. Engelbert Zankl, Betreuer der Therapie-Hotline der Münchner Aids-Hilfe, sieht hierin ein Symbol für den Erfolg der medizinischen und pharmazeutischen Forschung: „Ein Meilenstein ist für mich die einmal tägliche Therapie. Nur einmal am Tag an die Tabletten denken zu müssen, das ist ein Durchbruch“. Dr. Jörg Gölz vom Praxiszentrum Kaiserdamm Berlin stützt diese Sichtweise: „Obwohl sie eine lebensbedrohende Infektion haben und wissen, dass sie lebenslang pünktlich und fortwährend ihre Medikamente einnehmen müssen, ist das Problem der Adhärenz bei HIV-Patienten massiv“. Daher sei jede Vereinfachung des Therapieregimes zu begrüßen, so Gölz.

Aussicht auf Heilung? In Deutschland leben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts derzeit rund 59.000 Menschen mit einer HIV-Infektion oder Aids. Auf Platz 1 der Wunschliste aller Betroffenen steht natürlich die Heilung. Auch wenn die derzeit verfügbaren antiretroviralen Medikamente das Leben mit HIV deutlich weniger beeinträchtigen als es die Therapie noch vor fünf Jahren tat, ist eine Heilung infizierter Patienten nach wie vor nicht möglich. Es wird weiter geforscht: 2007 gelang es deutschen Forschern erstmals, die virale DNA mit Hilfe eines Enzyms – der Rekombinase – wieder aus dem Genom einer infizierten CD4-Helferzelle zu entfernen. Damit wird die Zelle quasi in ihren Ausgangszustand vor der Infektion zurückversetzt. Ob die vollständige Eradikation und damit Heilung von HIV mit der Rekombinase oder anderen Medikamenten tatsächlich möglich sein wird, muss die Zukunft zeigen. Inwieweit diese neuen Erkenntnisse der Forschung Anlass zu Hoffnung auf Heilung geben, bleibt jedoch abzuwarten, denn trotz aller Fortschritte in der medikamentösen Therapie bleibt das HI-Virus ein trickreicher Gegner, und Aids mit ca. weltweit 33 Millionen infizierten Menschen eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. <

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FORSCHUNG

HIV-MEDIKAMENTE HANDELSNAME

MARKENFREIER NAME

ABKÜRZUNG

STANDARDDOSIS ERWACHSENER

STANDARDEINNAHMEVORSCHRIFT FÜR ERWACHSENE

BEMERKUNGEN

WICHTIGE NEBENWIRKUNGEN

Nukleosid- und Nukleotid-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren NRTI EMTRIVA

EMTRICITABIN

FTC

1 x 200 mg

Alle 24 Stunden 1 Kapsel mit oder ohne Nahrung

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwäche, Hautausschlag

EPIVIR

LAMIVUDIN

3TC

2 x 150 mg oder 1 x 300 mg

Alle 12 Stunden 1 Tablette oder alle 24 Stunden 2 Tabletten mit oder ohne Nahrung

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Schlaflosigkeit, Hautausschlag, Müdigkeit

RETROVIR

ZIDOVUDIN

AZT, ZDV

2 x 250 mg

Alle 12 Stunden 1 Kapsel mit oder ohne Nahrung

Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwäche, Muskelschmerzen. Selten Blutbildveränderungen, Lipoatrophie (Fettverlust)

VIDEX

DIDANOSIN

DDI

Schwerer als 60 kg: 1 x 400 mg, leichter: 1 x 250 mg

Alle 24 Stunden 1 Kapsel auf nüchternen Magen, d. h. 2 Stunden vor oder 2 Stunden nach einer Mahlzeit

Periphere Neuropathie (schmerzhafte Nervenerkrankung), Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hautausschlag. Selten Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)

VIREAD

TENOFOVIR

TDF

1 x 300 mg Schwerer als 60 kg: 2 x 40 mg, leichter: 2 x 30 mg

Alle 24 Stunden 1 Kapsel mit oder ohne Nahrung

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Benommenheit, erniedrigte Phosphatspiegel im Blut. Selten Nierenprobleme

ZERIT

STAVUDIN

D4T

Schwerer als 60 kg: 2 x 40 mg, leichter: 2 x 30 mg

Alle 12 Stunden 1 Kapsel mit oder ohne Nahrung

Lipoatrophie (Fettverlust), Periphere Neuropathie (schmerzhafte Nervenerkrankung), Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen, Benommenheit, Müdigkeit, Hautausschlag. Selten Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung)

ZIAGEN

ABACAVIR

ABC

2 x 300 mg oder 1 x 600 mg

Alle 12 Stunden 1 Tablette oder alle 24 Stunden 2 Tabletten mit oder ohne Nahrung

52

Eine besondere Anfälligkeit für die Überempfindlichkeitsreaktion sollte vorab durch einen Gentest ermittelt werden. Ist er positiv, soll ABC nicht eingesetzt werden. Ist er negativ, ist die Überempfindlichkeitsreaktion unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.

Hautausschlag, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit. Selten Überempfindlichkeitsreaktion


Nicht-Nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren NNRTI INTELENCE

ETRAVIRIN

ETV, ETR

2 x 200 mg

Alle 12 Stunden 2 Tabletten nach dem Essen

Hautausschlag, Übelkeit, Lipodystrophie (Fettum- und ablagerungen, Fettstoffwechselstörung)

SUSTIVA

EFAVIRENZ

EFV

1 x 600 mg

Alle 24 Stunden 1 Tablette nüchtern vor dem Schlafengehen

Hautausschlag, Benommenheit, Schlafstörungen, abnorm heftige Träume, Konzentrationsstörungen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit. Selten Depression, Psychose, Lipodystrophie (Fettum- und ablagerungen, Fettstoffwechselstörung)

NEVIRAPIN

NVP

Die ersten 2 Wochen 1 x 200 mg, dann 2 x 200 mg

Die ersten 2 Wochen 1 Tablette alle 24 Stunden, dann 1 Tablette alle 12 Stunden mit oder ohne Nahrung

Leberprobleme, allergische Reaktion, Hautausschlag, Übelkeit, Kopfschmerzen, Lipodystrophie (Fettum- und ablagerungen, Fettstoffwechselstörung)

in Österreich: STOCRIN

VIRAMUNE

Protease-Inhibitoren PI APTIVUS

TIPRANAVIR

TPV

2 x 500 mg + 2 x 200 mg Ritonavir

Alle 12 Stunden 4 Kapseln zum Essen

Nicht für die Ersttherapie zugelassen.

Lipodystrophie (Fettum- und ablagerungen, Fettstoffwechselstörung), Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen

CRIXIVAN

INDINAVIR

IDV

3 x 800 mg

Alle 8 Stunden 2 Kapseln 1 Stunde vor oder 2 Stunden nach einer Mahlzeit, mindestens 1,5 l Flüssigkeit pro Tag trinken

Kann auch mit RTV geboostet werden, dann gelten abweichende Einnahmevorschriften.

Nierensteine, Bauchschmerzen, Leberprobleme, Lipodystrophie (Fettum- und ablagerungen, Fettstoffwechselstörung), Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hautausschlag, Kopfschmerzen, trockene Haut, trockener Mund, Müdigkeit

INVIRASE

SAQUINAVIR

SQV

2 x 500 mg + 2 x 100 mg Ritonavir

Alle 12 Stunden 2 Tabletten + 1 Kapsel zum oder nach dem Essen

Lipodystrophie (Fettum- und ablagerungen, Fettstoffwechselstörung), Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Hautausschlag, Fieber, Müdigkeit, Benommenheit

KALETRA

LOPINAVIR + RITONAVIR (BOOSTER)

LPV/R

2 x 400 mg

Alle 12 Stunden 2 Tabletten

Lipodystrophie (Fettum- und ablagerungen, Fettstoffwechselstörung), erhöhte Leberenzyme, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Hautausschlag, Müdigkeit, Schwäche, Kopfschmerzen

NORVIR

RITONAVIR

RTV

Zur Vermeidung von Übelkeit möglichst mit Nahrung einnehmen

Hält sich nur 30 Tage außerhalb des Kühlschranks (bei Temperaturen unter 25° C), kleinste Packung enthält 84 Kapseln zu je 100 mg. Wird nur noch als Verstärker (Booster) anderer PI eingesetzt, Dosierung s. dort.

Lipodystrophie (Fettum- und ablagerungen, Fettstoffwechselstörung), Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Schwäche, Taubheit um den Mund 53


FORSCHUNG HANDELSNAME

MARKENFREIER NAME

ABKÜRZUNG

STANDARDDOSIS ERWACHSENER

STANDARDEINNAHMEVORSCHRIFT FÜR ERWACHSENE

BEMERKUNGEN

WICHTIGE NEBENWIRKUNGEN

PREZISTA

DARUNAVIR

DRV

2 x 600 mg + 2 x 100 mg Ritonavir

Alle 12 Stunden 2 Tabletten + 1 Kapsel zum Essen

Nicht für die Ersttherapie zugelassen.

Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen

REYATAZ

ATAZANAVIR

ATV

1 x 300 mg + 1 x 100 mg Ritonavir

Alle 12 Stunden 2 Kapseln zum Essen

Nicht für die Ersttherapie zugelassen.

Übelkeit, Durchfall, Hautausschlag, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Erhöhung des Gallenfarbstoffs Bilirubin, Lipodystrophie (Fettumund ablagerungen, Fettstoffwechselstörung)

TELZIR

FOSAMPRENAVIR

FPV

2 x 700 mg + 2 x 100 mg Ritonavir

Alle 12 Stunden 1 Kapsel + 1 Tablette mit oder ohne Nahrung

Lipodystrophie (Fettum- und ablagerungen, Fettstoffwechselstörung), Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hautausschlag, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Benommenheit, Müdigkeit, Kribbeln um den Mund

NELFINAVIR

NFV

3 x 750 mg oder 2 x 1250 mg

Alle 8 Stunden 3 Tabletten oder alle 12 Stunden 5 Tabletten zum Essen

Lipodystrophie (Fettum- und ablagerungen, Fettstoffwechselstörung), Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

in USA: LEXIVA

VIRACEPT

Entry-Inhibitoren FUZEON

ENFUVIRTID

ENF, T20

2 x 1 ml mit 90 mg ENF

Alle 12 Stunden subkutane Injektion einer selbst anzusetzenden Lösung von 90 mg ENF in 1 ml Wasser

Nicht für die Ersttherapie zugelassen.

Schmerzhafte Veränderungen an der Einstichstelle

CELSENTRI

MARAVIROC

MVC

2 x 300 mg

Alle 12 Stunden 1 Tablette mit oder ohne Nahrung

Achtung! Bei vielen antiretroviralen Medikamenten sind Dosisanpassungen nötig, wenn sie mit MVC kombiniert werden. Nicht für die Ersttherapie zugelassen.

Kopfschmerzen, Benommenheit, Übelkeit, Schwäche, Blähungen

RGV

2 x 400 mg

Alle 12 Stunden 1 Tablette mit oder ohne Nahrung

Nicht für die Ersttherapie zugelassen.

Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit

300 mg + 200 mg + 600 mg

Alle 24 Stunden 1 Tablette nüchtern vor dem Schlafengehen

Nicht für die Ersttherapie zugelassen.

S. Einzelsubstanzen

Integrase-Inhibitoren ISENTRESS

RALTEGRAVIR

Kombinationspräparate ATRIPLA

54

TENOFOVIR + EMTRICITABIN + EFAVIRENZ

TDF + FTC + EFV


COMBIVIR

LAMIVUDIN + ZIDOVUDIN

3TC + AZT

150 mg + 300 mg

Alle 12 Stunden 1 Tablette mit oder ohne Nahrung

S. Einzelsubstanzen

KIVEXA

LAMIVUDIN + ABACAVIR

3TC + ABC

300 mg + 600 mg

Alle 24 Stunden 1 Tablette mit oder ohne Nahrung

S. Einzelsubstanzen

TRIZIVIR

LAMIVUDIN + ZIDOVUDIN + ABACAVIR

3TC + AZT + ABC

150 mg + 300 mg + 300 mg

Alle 24 Stunden 1 Tablette mit oder ohne Nahrung

S. Einzelsubstanzen

TRUVADA

TENOFOVIR + EMTRICITABIN

TDF + FTC

300 mg + 200 mg

Alle 24 Stunden 1 Tablette mit oder ohne Nahrung

S. Einzelsubstanzen

in USA:

EPZICOM

STANDARDKOMBINATIONEN Standardkombinationen für eine Ersttherapie bestehen aus jeweils zwei NRTI, kombiniert mit entweder einem geboosteten PI oder einem NNRTI.

HAFTUNGSAUSSCHLUSS:

Die in diesem Dokument angegebenen Dosierungsbeispiele und Inhalte geben den aktuellen Wissensstand wieder. Trotz sorgfältiger Recherchen können Fehler aber nicht ausgeschlossen werden. Die Redaktion der MÄNNER übernimmt keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung für Schäden, die auf irgendeine Art aus der Nutzung der in diesem Dokument enthaltenen Informationen entstehen. Die Einnahme von Medikamenten sollte grundsätzlich mit dem behandelnden Arzt abgeklärt werden.

NEBENWIRKUNGEN Nebenwirkungen können, müssen aber nicht auftreten. Keine Panik bei Lektüre der umfangreichen Liste oben! Eine Nebenwirkungshäufigkeit von zum Beispiel 20 Prozent bedeutet auch, dass 80 Prozent der Patienten davon nicht betroffen sind. Bei der Vielzahl der inzwischen zur Verfügung stehenden Medikamente findet sich eigentlich immer eine Kombination, die man verträgt. Manche Nebenwirkungen sind so selten, dass

sie erst auffallen, wenn das Medikament schon eine Weile im Einsatz ist. Andere treten erst nach Abschluss der Zulassungsstudien auf, wenn ein Medikament über längere Zeit eingenommen wird. Und es ist gängige Praxis der Pharmaunternehmen, Nebenwirkungen erst ab einer selbst gesetzten Schwelle überhaupt in ihren (von den Unternehmen selbst, nicht etwa von den Aufsichtsbehörden durchgeführten) Zulassungsstudien zu erwähnen. Die Auswahl der hier oder im

Beipackzettel aufgeführten Nebenwirkungen ist selten vollständig und endgültig. Ein Medikament nach der Länge seiner Nebenwirkungsliste auszuwählen, ist kein sinnvolles Vorgehen: Es gibt durchaus Präparate, deren Marketing besser (oder schlechter) als ihre Verträglichkeit ist. Wer glaubt, unter Nebenwirkungen eines Medikaments zu leiden, sollte deshalb Rücksprache mit einem erfahrenen Behandler halten, auch wenn die Symptome nirgends dokumentiert sind.

FOTOS: BUSSMANN-DESIGN.DE

WECHSELWIRKUNGEN Zwischen den Medikamenten einer antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) selbst und zwischen einer ART und weiteren Medikamenten oder Drogen kommt es nicht selten zu Wechselwirkungen. Dabei können die Wirkmengen der Substanzen ansteigen (mehr Nebenwirkungen) oder abfallen (Wirkungsverlust bis zur Wirkungslosigkeit mit Resistenzentwicklung bei ART). Der behandelnde Arzt sollte daher über alle eingenommenen Substanzen informiert werden, einschließlich illegaler Drogen und Kräuterzubereitungen. Es kann nicht schaden, beim Abholen der Medikamente auch den Apotheker zu Wechselwirkungen zu befragen. Die Lektüre der Beipackzettel kann weitere Hinweise liefern. Es ist wichtig, alle Beipackzettel zu lesen: Manchmal ist eine Wechselwirkung nur bei einem der beteiligten Präparate aufgeführt. Längst nicht alle Wechselwirkungen sind bereits erforscht. Wenn bei einem bestimmten Präparat nirgends vor

Wechselwirkungen gewarnt wird, heißt das also nicht, dass es keine gibt. Neuere Erkenntnisse zu Wechselwirkungen finden sich manchmal online, s. die Linksammlung rechts. Bei Einnahme so vieler Medikamente, wie sie bei einer behandlungsbedürftigen HIV-Infektion erforderlich sind, gilt deswegen: So wenig zusätzliche Pillen, Pulver und Tropfen (eingeschlossen Medikamente auf Pfl anzenbasis und Nahrungsergänzungen) wie möglich einnehmen. Sogar Grapefruitsaft kann die Wirkstoffspiegel von PI verändern. Bei einigen HIV-Medikamenten kann der Arzt die Menge im Blut bestimmen lassen. In diesen Fällen kann auch bei noch nicht erforschten Wechselwirkungen individuell überwacht werden, ob die konkrete Kombination so funktioniert oder ob ihre Dosis geändert werden muss.

LINKS ZU WECHSELWIRKUNGEN WWW.HIV.NET DEUTSCH, AUSFÜHRLICHES KAPITEL ZU WECHSELWIRKUNGEN IM LEHRBUCH HIV.NET 2008, FREI VERFÜGBAR ALS DOWNLOAD WWW.IFI-INTERAKTIONS-HOTLINE.DE SEITEN AUF ENGLISCH: WWW.HIV-DRUGINTERACTIONS.ORG HIVINSITE.UCSF.EDU/ INSITE.JSP?PAGE=AR-00-02 WWW.HIVPHARMACOLOGY.COM WWW.MEDSCAPE.COM/DRUGINFO/ DRUGINTERCHECKER TTHHIVCLINIC.COM/INTERACT_TABLES.HTML

55


ADRESSEN

ADRESSEN

Kompetente Beratung, Vertrauen und individuelle Hilfe zeichnen Schwerpunktpraxen, -apotheken und AIDSHilfen aus. Alle Fragen zum Thema HIV und AIDS werden hier kompetent und nach dem aktuellsten Stand der Wissenschaft beantwortet, wobei Schwerpunktpraxen die gesamte Diagnostik und Therapie eigenständig durchführen und die gesamte Versorgung steuern können.

AACHEN ÄRZTE DR. MED H. KNECHTEN

Blondelstr. 9 · 52062 Aachen ✆ 0241 470 97 22 HIV, AIDS, Hepatitis, Onkologie, Hämatologie

BERLIN AIDSHILFE BERLINER AIDS-HILFE E.V. Meinekestr. 12 · 10719 Berlin ✆ 030 88 56 40 0

DEUTSCHE AIDS HILFE E.V. Wilhelmstr. 138 · 10936 Berlin ✆ 030 69 00 870

APOTHEKEN APOTHEKE AM NOLLENDORFPLATZ

Maaßenstr. 3 · 10777 Berlin ✆ 030 216 34 53

APOTHEKE FRIEDRICHSHAIN

Warschauer Str. 27 · 10243 Berlin ✆ 030 296 20 24 Beratung und Betreuung HIV positiver Patienten; Naturheilkunde

APOTHEKE HACKESCHER MARKT Rosenthaler Str. 46/47 · 10178 Berlin ✆ 030 282 78 76 Beratung und Betreuung HIV positiver Patienten

APOTHEKE ORANIENBURGER TOR

Oranienburger Str. 51 · 10117 Berlin ✆ 030 283 35 30 HIV / AIDS, Chemotherapien, Onkologie, indikationsspezifische Ernährungskonzepte

ARMINIUS APOTHEKE

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WITZLEBEN APOTHEKE

Kaiserdamm 24 · 14057 Berlin ✆ 0800 30 11 970 Onkologie

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ÄRZTEFORUM SEESTRASSE Seestraße 64 · 13347 Berlin ✆ 030 45 50 95 44 Internist

BERND HEGEMANN

Hohenzollerndamm 47a · 10713 Berlin ✆ 030 861 52 52 Dermatologie

BURKHARD BRATZKE

Gotzkowsky Str. 3 · 10555 Berlin ✆ 030 392 55 25 Dermatologie

DIRK LOHR

Leibnitzstr. 71 · 10625 Berlin ✆ 030 31 80 72 66 Internist

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DR. ANDREAS MICHAEL HASS MANSKE

Fuggerstr. 33 · 10777 Berlin ✆ 030 21 17 007 Internist

DR. HARTMUT TIEL

Joachimstaler Str. 21 · 10719 Berlin ✆ 030 881 40 09 Dermatologie

DR. JÜRGEN KÖLZSCH

Landsberger Allee 4a · 10249 Berlin ✆ 030 42 10 85 90

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DR. MED JÜRGEN WIEDERHOLT

Grolmanstr. 51 (S Savignyplatz, Bus M49, U Ernst-Reuter-Platz) · 10623 Berlin ✆ 030 312 36 30 Mo, Di 8-15, Mi n.V., Do 8-12, 16-18, Fr 8-12 dr.j.wiederholt@t-online.de HIV Schwerpunkt, Proktologie, Hausärztliche Versorgung

DR. MED MARTIN KÜBLER

Innsbrucker Str. 35 · 10825 Berlin ✆ 030 781 10 09 Innere Medizin

DR. STEFAN KEMPINSKI Flotowstr. 6 · 10555 Berlin ✆ 030 931 21 66 Internist

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Mauerstraße 83 · 10117 Berlin ✆ 030 22 48 75 75 Proktologie

EVA-MARIA FABRICIUS Seestr. 99 · 13353 Berlin ✆ 030 452 87 48 Augenheilkunde

GEMEINSCHAFTSPRAXIS AM TEMPELHOFER DAMM Tempelhofer Damm 228 12099 Berlin ✆ 030 751 70 13 HNO

GEMEINSCHAFTSPRAXIS JESSEN-JESSEN-STEIN Motzstr. 19 · 10777 Berlin ✆ 030 235 10 70 Internist

GUNTHER KAHLE

Kurfürstendamm 69 · 10707 Berlin ✆ 030 883 54 31 Augenheilkunde

HANSJÖRG REUPKE & CLAUDIA SABINE HERZLER

Wilmersdorfer Str. 62 · 10627 Berlin ✆ 030 327 58 55 Dermatologie

HOLM GÖRLICH

Sredzkistr. 66 · 10405 Berlin ✆ 030 44 34 13 88 Dermatologie

JESUS C. DOBAO

Fuggerstr. 33 · 10777 Berlin ✆ 030 21 96 73 75 Internist

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Oranienstr. 159 · 10969 Berlin ✆ 030 61 65 39 03 Internist

KÖPPE / KRECKEL

Mehringdamm 50 · 10961 Berlin ✆ 030 78 99 26 35 Internist, Infektiologie, HIV, Hepatitis

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MATTHIAS FREIWALD & MICHAEL RAUSCH Fuggerstr. 19 · 10777 Berlin ✆ 030 21 96 76 50 HIV, Hepatitis


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BOCHUM ÄRZTE ST. JOSEF HOSPITAL HIV AMBULANZ

Gudrunstraße 56 · 44791 Bochum ✆ 0234 50 92 334

BONN AIDSHILFE

K. SVENSSON & B. POPPENBERG

PROF. DR. HERMANN HOLZHÜTER

Dobbenweg 6 · 28203 Bremen ✆ 0421 740 96 Internist

AIDSHILFE AIDS HILFE CHEMNITZ E.V. Karl-Liebknecht-Str. 17b 09111 Chemnitz ✆ 0371 41 52 23

ÄRZTE

APOTHEKEN

Bürgerstraße 2 · 09113 Chemnitz ✆ 0371 333 42 644

KLINIK FÜR INFEKTIONSKRANKHEITEN – HIV AMBULANZ

RHEIN APOTHEKE

Gerhard-von-Are Str. 4-6 · 53111 Bonn ✆ 0228 635 022

ÄRZTE IMMUNOLOGISCHE AMBULANZ DER UNIVERSITÄTSKLINIK BONN, MEDIZINISCHE KLINIK Klinik I, Sigmund Freud Str. 25 53105 Bonn ✆ 0228 28 71 65 58

DARMSTADT ÄRZTE STÄDTISCHE KLINIKEN INFEKTIONSAMBULANZ

Bleichstr. 19 · 64283 Darmstadt ✆ 06151 107 65 26

BRAUNSCHWEIG

DORTMUND

APOTHEKEN

AIDSHILFE

APOTHEKE AM BANKPLATZ

Südstr. 4-5 · 38100 Braunschweig ✆ 0531 42 617

ÄRZTE DR. JÜRGEN KÄFERSTEIN

AIDS HILFE DORTMUND E.V. Möllerstr. 15 · 44137 Dortmund ✆ 0231 18 88 770

DR. ANDREAS BELLMUNT

Münsterer Str. 119 · 44145 Dortmund ✆ 0231 816 206

Hövelstr. 8 · 44137 Dortmund ✆ 0231 5020 700

AIDSHILFE

DR. BOLDT

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APOTHEKE CENTAUREN APOTHEKE

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STÄDTISCHES KRANKENHAUS DRESDEN NEUSTADT Industriestraße 40 · 01129 Dresden ✆ 0351 85 62 150 Infektions- und Tropenkrankheiten

UNIVERSITÄTSKLINIK HIV AMBULANZ

Moorenstr. 5 · 40225 Düsseldorf ✆ 0211 811 89 81

ERFURT APOTHEKEN GERMANIA APOTHEKE

Thälmannstr. 25 · 99085 Erfurt ✆ 0361 562 32 14

DUISBURG

ÄRZTE

APOTHEKEN

Thälmannstr. 25 · 99085 Erfurt ✆ 0361 566 72 18

MARIEN APOTHEKE

Fischerstr. 130 · 47055 Duisburg ✆ 0203 500 650

DÜSSELDORF APOTHEKEN ALBERT-SCHWEITZER-APOTHEKE Goethestr. 1 · 40237 Düsseldorf ✆ 0211 179 90 00 www.arzneiass.de · info@asa-d.de HIV Schwerpunktapotheke, Mitglied DAHKA (Deutsche Arbeitsgemeinschaft HIV-kompetenter Apotheken e.V.)

APOTHEKE AN DER UNI KLINIK Moorenstr. 76 · 40225 Düsseldorf ✆ 0211 313 753

ÄRZTE DR. BEATE GANTKE

Venloer Str. 7a · 40477 Düsseldorf ✆ 0211 3694966

DR. HORST CARLS

DR. LUNDERSHAUSEN

ERLANGEN ÄRZTE UNIVERSITÄTSKLINIK – MK III – POLIKLINIK FÜR IMMUNOLOGIE Krankenhausstr. 12 · 91054 Erlangen ✆ 09131 854 742

ESSEN APOTHEKEN HUFELAND APOTHEKE

Kölner Str. 231 · 40227 Düsseldorf ✆ 0211 724 730 HIV und hausärztliche Versorgung, Diabetes mellitus, Akupunktur

DR. STREHLOW & DR. PETRY Lindemannstraße 29 40237 Düsseldorf ✆ 0211 67 22 83

DR. V. MIASNIKOV, DR. MED V. GLAWAR & E. KLAASS

Düsselthaler Str. 26 40211 Düsseldorf ✆ 0211 487 042 Allgemein- und Innere Medizin, Gastroenterologie, HIV, Hepatitis

GEMEINSCHAFTSPRAXIS MAUSS, SCHMUTZ & ATHMANN Grafenberger Allee 128a 40237 Düsseldorf ✆ 0211 239 55 20

SARAH SCHOONS

Nordstr. 33 · 40477 Düsseldorf ✆ 0211 490 11 45 Internist

58

ÄRZTE

ÄRZTE

DR. CLAUDIA RÖDER-DISCHINGER

DR. JÖRG-ANDRES RUMP

Eckenheimer Landstr. 16 60318 Frankfurt · ✆ 069 550 236 Dermatologie

DR. ELISABETH WIESNER VON JAGWITZ

Friedberger Landstraße 69 60318 Frankfurt · ✆ 069 596 30 25 Internist

DR. MÖSCH

Kaiserstr. 41 · 60329 Frankfurt ✆ 069 253 103

NORDSTERN APOTHEKE

DR. STEFAN SCHLESINGER

ÄRZTE

DR. WOLFGANG MONDORF

Karnaper Straße 99 · 45329 Essen ✆ 0201 278 96 50

UNIVERSITÄTSKLINIK MEDIZINISCHE KLINIK M8 Hufelandstr. 55 · 45147 Essen ✆ 0201 7230

FRANKFURT AIDSHILFE AIDS-HILFE FRANKFURT E.V. Friedberger Anlage 24 60316 Frankfurt ✆ 069 40 58 68 0

APOTHEKEN APOTHEKE AM REUTERWEG

Reuter Weg 68-70 · 60323 Frankfurt ✆ 069 727 417

EICHWALD APOTHEKE

Berger Str. 131 · 60385 Frankfurt ✆ 069 493 176

SONNEN APOTHEKE Seckbacher Landstr. 10 60389 Frankfurt ✆ 069 452 828

SÜDAPOTHEKE

Stresemannallee 11 60596 Frankfurt ✆ 069 639 061

THEATER APOTHEKE

Friedensstraße 6-10 · 60311 Frankfurt ✆ 069 210 89 725

»HIV ist eine chronische Krankheit, die durch die nun zur Verfügung stehenden Medikamente nicht mehr lebensbedrohlich und behandelbar ist. Dies setzt eine enge Kooperation des Patienten mit dem spezialisierten Arzt voraus, der ein individuelles Therapiekonzept entwickelt, zu dem neben dem Medikamentenregime auch Nebenwirkungsmanagement gehört.« Dr. med. Stefan Fenske Facharzt für Innere Medizin ICH Hamburg

Hufelandstr. 60 · 45147 Essen ✆ 0201 70 50 10

Erasmusstr. 14 · 40223 Düsseldorf ✆ 0211 30 27 120

DR. MED M. REITH & ANSELM K. GOTTSTEIN

Foto: Andreas Klingberg

ADRESSEN

Im Prüfl ing 61 · 60389 Frankfurt ✆ 069 451 359 Internist

Stresemannallee 3 · 60596 Frankfurt ✆ 069 60 50 130 Internist

DR. ZLATKO PRISTER

Zeil 111 · 60313 Frankfurt ✆ 069 231 860

GUTE, LOCHER, LUTZ & CARLEBACH

Merianstr. 5 · 79098 Freiburg ✆ 0761 2022 880 Internist

MEDIZINISCHE UNIVERSITÄTSKLINIK – HIV AMBULANZ Hugstetter Str. 55 · 79106 Freiburg ✆ 0761 270 3695

FULDA ÄRZTE DR. JÖRG SIMON

Unterm Hl. Kreuz 9 · 36037 Fulda ✆ 0661 748 51 Internist

FÜRTH ÄRZTE DR. LOTHAR SCHNEIDER Pickertstr. 2 · 90762 Fürth ✆ 0911 977 36 88 Internist

Friedensstraße 2 · 60311 Frankfurt ✆ 069 713 78 80

GIESSEN

PRAXISGEMEINSCHAFT

ÄRZTE

Stresemannallee 3 · 60596 Frankfurt ✆ 069 69 59 72 30

UNIVERSITÄTSKLINIKUM MEDIZINISCHE KLINIK II

Theodor-Stern-Kai 7, Haus 68 60590 Frankfurt ✆ 069 6301 7680

FREIBURG APOTHEKEN AESKULAP APOTHEKE

Breisacher Str. 52 · 79106 Freiburg ✆ 0761 273 410 HIV

UNTERLINDEN APOTHEKE Unterlinden 2 · 79098 Freiburg ✆ 0761 343 00

DR. ALMOS CSEKE

Walltorstr. 18 · 35390 Gießen ✆ 0641 350 40 Internist

DR. MICHAEL MÜLVERSTEDT Friedrichstr. 13 · 35392 Gießen ✆ 0641 929 80

UNIVERSITÄTSKLINIKUM INFEKTIONSAMBULANZ

Paul-Meimberg-Str. 5 · 35392 Gießen ✆ 0641 99 42 674

GÖTTINGEN ÄRZTE UNIVERSITÄTSKLINIK INFEKTIONSAMBULANZ

Robert-Koch-Str. 40 · 37075 Göttingen ✆ 0551 39 68 10


GÜTERSLOH ÄRZTE STÄDTISCHES KRANKENHAUS MEDIZINISCHE KLINIK

Reckenbergstr. 19 · 33332 Gütersloh ✆ 05241 83 00 Onkologie

HALLE-SAALE ÄRZTE DR. R. ROHRBERG

Niemeyerstr. 23 · 06110 Halle-Saale ✆ 0345 219 853 Internist

UNIVERSITÄTSKLINIKUM Ernst-Krommayer Str. 5-6 06097 Halle-Saale ✆ 0345 557 39 11 Dermatologie

UNIVERSITÄTSKLINIKUM IMMUNHÄMATOLOGISCHE AMBULANZ Ernst-Grube-Str. 40 06120 Halle-Saale ✆ 0345 55 72 632 Medizinische Klinik

HAMBURG AIDSHILFE AIDS HILFE HAMBURG E.V.

Lange Reihe 30-32 · 20099 Hamburg ✆ 040 23 51 990

APOTHEKEN HAMMER APOTHEKE

INFEKTIONSMEDIZINISCHES CENTRUM HAMBURG ICH GRINDEL Grindelallee 35 · 20146 Hamburg ✆ 040 41 32 42 0 HIV, AIDS, Hepatitis, Infektiologie

INFEKTIONSMEDIZINISCHES CENTRUM HAMBURG ICH MITTE Dammtorstr. 27 · 20354 Hamburg ✆ 040 63 60 79 63 HIV, AIDS, Hepatitis, Infektiologie

DR. ELMAR STRAUBE

Marktstr. 27-29 · 30890 Barsinghausen ✆ 05105 4006 Neurologie

Erlanger Allee 101 · 07740 Jena ✆ 03641 939 202 Internist

MEDIZINISCHE HOCHSCHULE IMMUNOLOGISCHE AMBULANZ II

KAISERSLAUTERN

Lutherstr. 55 · 30419 Hannover ✆ 0511 816 410

Carl Neuberg Str. 1 · 30625 Hannover ✆ 0511 532 36 37

PRAXIS KULMANN, HOLM & HEIKEN

IFI-INSTITUT

HEIDELBERG

Lohmühlerstr. 5 · 20099 Hamburg ✆ 040 181 885 37 80

TROPENKRANKENHAUS

Georgstr. 46 · 30159 Hannover ✆ 0511 2206 440 Internist

APOTHEKEN

Bernhard-Nocht-Str. 74 20354 Hamburg ✆ 040 311 820

ATOS APOTHEKE

UNIVERSITÄTSKLINIK EPPENDORF

ÄRZTE

Martinistr. 52 · 20251 Hamburg 040 42803-2831 Infektiologie

Bismarckstraße 9 · 69115 Heidelberg ✆ 06221 983 13 31

Voßstr. 2 · 69115 Heidelberg ✆ 06221 568 543

HOMBERG

AIDSHILFE

ÄRZTE

Lange Laube 14 · 30159 Hannover ✆ 0511 36 06 960

DR. CARSTEN ROTTMANN

Frankfurter Str. 27 · 35315 Homberg ✆ 06633 235 Internist

ÄRZTE

Georgstr. 3 · 30159 Hannover ✆ 0511 32 32 14

ÄRZTE

Osterstr. 16 · 20259 Hamburg ✆ 040 40 47 11

ÄRZTE

UNIVERSITÄTSKLINIKUM – MK I HÄMATOLOGISCHE AMBULANZ

DR. MICHAEL BEGEMANN

Stolzestr. 59 · 30171 Hannover ✆ 0511 80 785 80

Eppendorfer Landstr. 42 20249 Hamburg ✆ 040 460 20 01

GAGESCH & LINNIG

Dammtorstr. 27 · 20354 Hamburg ✆ 040 35 71 56 38 Internist

HOMBURG-SAAR

DR. CARSTEN ZAMANI

Oscar-Orth-Straße 66424 Homburg-Saar · ✆ 06841 163 088

DR. PETER VON WUSSOW

JENA

Roesebeckstr. 15 · 30449 Hannover ✆ 0511 30 69 99 99 Internist

Friedrich-Engels-Straße 25 67653 Kaiserslautern ✆ 0631 20 31 677

KARLSRUHE APOTHEKEN MARGARETEN APOTHEKE

Schillerstr. 53 · 76135 Karlsruhe ✆ 0721 845 493

ÄRZTE Kriegsstraße 236 · 76135 Karlsruhe ✆ 0721 853 505 Onkologie

Moltkestr. 14-18 · 76133 Karlsruhe ✆ 0721 974 3 030

APOTHEKEN

DR. ANDREAS MEIER

WESTPFALZKLINIKEN – MK III INFEKTIONSAMBULANZ

STÄDTISCHES KLINIKUM MEDIZINISCHE KLINIK II

Alsterdorfer Str. 299 · 22297 Hamburg ✆ 040 512 075

LEIBNIZ APOTHEKE

ÄRZTE

GEMEINSCHAFTSPRAXIS

HIV AMBULANZ

HANNOVER HANNÖVERSCHE AIDS-HILFE E.V.

UNIVERSITÄTSKLINIKUM HIV AMBULANZ

MARCUS STÜRNER

INFEKTIONSMEDIZINISCHES CENTRUM HAMBURG ICH ST. GEORG Brenner Str. 71 · 20099 Hamburg ✆ 040 244 544 HIV, AIDS, Hepatitis, Infektiologie

ÄRZTE

KASSEL ÄRZTE DR. MED WINFRIED KALLENBACH

Obere Königsstraße 47 · 34117 Kassel ✆ 0561 17 153 Innere Medizin, Infektiologie

KIEL APOTHEKEN FRIESEN APOTHEKE

BÄREN APOTHEKE

Kronshagener Weg 17 · 24114 Kiel ✆ 0431 624 27

Erlanger Allee 103 · 07747 Jena ✆ 03641 336 833

Foto © PeerFrings/www.fotolia.de

www.ich-hamburg.de

ICH Grindel

ICH St. Georg

ICH Mitte

Dr. med. Thomas Buhk Dr. med. Stefan Fenske Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Stellbrink Grindelallee 35 20146 Hamburg Telefon 4132420

Dr. med. Axel Adam Dr. med. Carl Knud Schewe Dr. med. Lutwin Weitner Brennerstraße 71 20099 Hamburg Telefon 244 544

Stefan Hansen PD Dr. med. Christian Hoffmann Dammtorstraße 27 59 20354 Hamburg Telefon 636079-63


ADRESSEN

ÄRZTE STÄDTISCHES KRANKENHAUS HIV AMBULANZ Metz-Str. 53-57 · 24116 Kiel ✆ 0431 169 72 97

KOBLENZ ÄRZTE STÄDTISCHES KRANKENHAUS KEMPERHOF – IMMUNOLOGISCHE AMBULANZ

Koblenzer Str. 115-155 · 56037 Koblenz ✆ 0261 499 26 91

KÖLN AIDSHILFE AIDS HILFE NRW

Lindenstr. 20 · 50674 Köln ✆ 0221 925 996 12

AIDS-HILFE KÖLN E.V.

Beethovenstr. 1 · 50674 Köln ✆ 0221 20 20 30

APOTHEKEN APOTHEKE AM ZOO

Rieler Gürtel · 50735 Köln ✆ 0221 764 517

ARTUS APOTHEKE

Bonner Str. 244 · 50968 Köln ✆ 0221 382 014

BISMARCK APOTHEKE

Bismarckstraße 25 · 50672 Köln ✆ 0221 525 275

ÄRZTE DR. BERNHARD MÜLLER Apostelnstr. 10 · 50677 Köln ✆ 0221 257 81 69

DR. HERBERT KLEIN

Gürzenichstraße 21 a-c · 50667 Köln ✆ 0221 258 220

DR. ISERNHAGEN & DR. RÖMER Gotenring 27 · 50679 Köln ✆ 0221 811 990

DR. JÜRGEN STECHEL

Bonner Str. 244 · 50679 Köln ✆ 0221 373 747

DR. KINTERKAUSEN

Lindenthalgürtel 2 · 50935 Köln ✆ 0221 427 943

DR. KLAUS FERDINAND

Luxemburger Str. 293 · 50939 Köln ✆ 0221 413 272 Internist

DR. KÖTHEMANN & DR. NEUWIRTH

Hohenstaufenring 59 · 50674 Köln ✆ 0221 233 737 Internist

DR. WIESEL & DR. THEISSEN Riehler Gürtel 13 · 50735 Köln ✆ 0221 760 46 48

PRAXIS HOHENSTAUFENRING Hohenstaufenring 61 · 50674 Köln ✆ 0221 355 05 45 0 Internist

UNIVERSITÄTSKLINIK HAUTKLINIK

LEIPZIG

MANNHEIM

AIDSHILFE

APOTHEKEN

AIDS HILFE LEIPZIG E.V.

BAHNHOF APOTHEKE

Ossietzkystr. 18 · 04347 Leipzig ✆ 0341 23 23 126

APOTHEKEN APOTHEKE IM HAUPTBAHNHOF

ÄRZTE

KLINIKUM MANNHEIM DER UNIVERSITÄT HEIDELBERG

UNIVERSITÄTSKLINIKUM HIV AMBULANZ

Liebigstraße 21 · 04103 Leipzig ✆ 0341 971 86 79 Dermatologie

LÜBECK

Ratzeburger Allee 160 23538 Lübeck ✆ 0451 500 23 44

UNIVERSITÄTSKLINIK MEDIZINISCHE KLINIK

APOTHEKEN

ARBTER, KLISCH & TEICHMÜLLER

Ostwall 242 · 47798 Krefeld ✆ 02151 85 55 0 Internist

DR. KRAUSBAUER & DR. MÖHRKE

Danziger Platz 2 · 47809 Krefeld ✆ 02151 570 358

LANDAU ÄRZTE DR. MANFRED NOWAK

Hainbacher Str. 77 · 76829 Landau ✆ 06341 960 296

LUDWIGSHAFEN ÄRZTE KLINIKUM DER STADT LUDWIGSHAFEN – INFEKTIONSAMBULANZ DER MK A Bremser Str. 79, Haus D, Zimmer E14 67063 Ludwigshafen ✆ 0621 503 39 08

ÄRZTE DR. HOFF & DR. HEINEN Annakirchstr. 51-53 41063 Mönchengladbach ✆ 02161 89 140 Internist

DR. UTA STÜRTZBECHERGERICKE Regentstr. 13 41601 Mönchengladbach ✆ 02161 927 920 Internist

VAN DE LÖCHT

Hindenburgstr. 147 41061 Mönchengladbach ✆ 02161 10155

MÜNCHEN

MAGDEBURG

AIDSHILFE

ÄRZTE

Lindwurmstr. 71 · 80337 München ✆ 089 54 333 0

GHI A2 – KLINIK FÜR GASTROENTEROLOGIE, HEPAT. INFEKTIOLOGIE DER UNI MAGDEBURG Leipziger Str. 44, Haus 40 39120 Magdeburg ✆ 0391 67 144 96 HIV, Hepatitis C

MAINZ ÄRZTE DR. BURKHARD SCHAPPERT Am Brand 12 · 55116 Mainz ✆ 06131 223 859 Allgemeinmedizin, HIV Schwerpunktpraxis

JOHANNES GUTENBERG UNIVERSITÄT ALLGEMEINMEDIZIN

Am Pulverturm 13 (3. OG) · 55131 Mainz ✆ 06131 17 32 40

UNIKLINIK MAINZ

Langenbeckstr. 1 · 55131 Mainz ✆ 06131 17 71 97 HIV, Hepatitis B und C, Tropenkrankheiten

60

Medizinische Klinik 3 - Wiesbadener Str. 7-11 · 68305 Mannheim ✆ 0621 383 34 114

MÖNCHENGLADBACH

KREFELD

ÄRZTE

DR BRUST & DR. SCHUSTER Q5 · 68305 Mannheim ✆ 0621 22430

ÄRZTE

Ostwall 242 · 47798 Krefeld ✆ 02151 247 20 www.roland-apo.de p.ditz@roland-apo.de

ÄRZTE

Willy-Brandt-Platz 5 · 04109 Leipzig ✆ 0341 140 60 80

Joseph-Stelzmann-Str. 9 · 50924 Köln ✆ 0221 478 45 23 Dermatologie

ROLAND APOTHEKE

Willy-Brandt-Platz 1 68161 Mannheim ✆ 0621 120 180

MÜNCHNER AIDSHILFE E.V.

APOTHEKEN ANGERTOR APOTHEKE

Hans-Sachs-Str. 1 · 80331 München ✆ 089 26 54 77

GLOCKENBACH APOTHEKE Holzstr. 19 · 80469 München ✆ 089 26 38 41

HAUPTBAHNHOFAPOTHEKE

Bahnhofsplatz 2 · 80335 München ✆ 089 59 98 90 40

REGENBOGENAPOTHEKE

Sonnenstraße 33 · 80331 München ✆ 089 59 36 59 www.ipills.de info@hieristsgesund.de Mo-Fr 8-19, Sa 9-14 WIR ZEIGEN FLAGGE!

WALPURGIS APOTHEKE

Keferloher Str. 103 · 80807 München ✆ 089 358 67 460

WAPPEN APOTHEKE Nymphenburger Str. 73 80636 München ✆ 089 123 40 70


ÄRZTE DR. DIETRICH GORRIAHN

MÜNSTER

Franz-Joseph-Str. 38 · 80801 München ✆ 089 34 99 35

AIDSHILFE

DR. EBERHARD KOLL

Schaumburgstr. 11 · 48145 Münster ✆ 0251 60 96 00

Hochvogelplatz 1 · 81547 München ✆ 089 690 53 53

DR. HANS JÄGER

Karlsplatz 8 · 80335 München ✆ 089 55 87 03 0

DR. KARWAT

Lindwurmstr. 213 · 80337 München ✆ 089 76 42 35 HIV-Hepatitis-Infektion, Palliativmedizin

DR. WERNER BECKER

Isartorplatz 6 · 80331 München ✆ 089 22 92 16 Internist

DR. ZELMAN LICHTENSTEIN

St. Wolfgangs-Platz 9g 81669 München · ✆ 089 45 85 91 0 Internist

FRIEDRICH GLÄSSEL

Ainmillerstr. 26 · 80331 München ✆ 089 33 38 63 Internist

GEMEINSCHAFTSPRAXIS AM ISARTOR

Isartorplatz 6 · 80331 München ✆ 089 22 92 16 Internist

GEMEINSCHAFTSPRAXIS HOLTZ & KIECHLE Heßstr. 72 · 80798 München ✆ 089 52 31 41 02 Internist

IMMUNAMBULANZ DER DERMATOL. KLINIK UND POLIKLINIK DER LUDWIG MAXIMILIANS UNIVERSITÄT

Frauenlobstr. 11 · 80337 München ✆ 089 51 60 61 21

IMMUN-AMBULANZ DER KLINIK UND POLIKLINIK FÜR DERMATOLOGIE UND ALLERGOLOGIE DER TU MÜNCHEN Biedersteiner Str. 29 · 80802 München ✆ 089 41 40 32 02

MEDIZINISCHE KLINIK DES KLINIKUMS RECHTS DER ISAR Ismaninger Str. 22 · 81675 München ✆ 089 4140 2450

AIDS HILFE MÜNSTER E.V.

APOTHEKEN FLORA APOTHEKE

Hittorf Str. 1 · 48149 Münster ✆ 0251 845 979

ÄRZTE DR. GIPPERT & DR. HARTMANN

Nordstr. 22 · 48149 Münster ✆ 0251 295 888

WESTFÄLISCHE-WILHELMUNIVERSITÄT MÜNSTER INFEKTIONSAMBULANZ Albert-Schweitzer-Str. 33 48149 Münster ✆ 0251 834 75 20

ZENTRUM FÜR INTERDISZIPLINÄRE MEDIZIN MÜNSTER GMBH Salzstr. 58 · 48143 Münster ✆ 0251 987 000

NÜRNBERG AIDSHILFE AIDS HILFE NÜRNBERG, FÜRTH, ERLANGEN E.V. Entengasse 2 · 90402 Nürnberg ✆ 0911 230 90 35

ÄRZTE DR. HELM & DR. ABELEIN

Sperberstr. 70 · 90461 Nürnberg ✆ 0911 451 960

KLINIKUM NORD HÄMATOLOGIE

Flurstr. 12 · 90419 Nürnberg ✆ 0911 398 29 39

KLINIKUM NÜRNBERG, IMMUNAMBULANZ Prof.-Ernst-Nathan Str. 1 90419 Nürnberg ✆ 0911 398 37 37 Immunerkrankungen

OFFENBURG

MEDIZINISCHE POLIKLINIK DER UNIVERSITÄT

ÄRZTE

PROF. DR. HOEBEL

Zeller Str. 31 · 77654 Offenburg ✆ 0781 94 86 398 Internist

Pettenkoferstr. 8a · 80336 München ✆ 089 51 60 35 59

DR. CLEMENS SIEBERT

Kaufinger Str. 10-12 · 80331 München ✆ 089 121 93 564

STÄDTISCHES KRANKENHAUS SCHWABING Kölner Platz 1 · 80804 München ✆ 089 30 68 34 33

TOMAS KALIEBE

Residenzstr. 18 · 80333 München ✆ 089 29 27 30 Dermatologie

»Ich kann mich noch erinnern, als ich 1996 als Pharmaziepraktikant nach Berlin kam und das erste Mal Kontakt mit HIV/AIDS- Patienten und ihren Medikamenten hatte. Das war die Zeit, als die Proteasehemmer auf den Markt kamen, sich die HAART als Standard in der HIV-Behandlung etablierte und immer neue Präparate die Therapie und vor allem auch die Lebensqualität der Patienten verbesserten. Die Zeit, in der ich Patienten von einem Tag auf den anderen nicht mehr wieder sah, sind glücklicherweise vorbei.«

OLDENBURG ÄRZTE PRAXIS ZIRPEL, RESCHKE & OTREMBA

Grüne Straße 11 · 26121 Oldenburg ✆ 0441 77 05 980 Internist

Matthias Philipp HIV-Beratung BerlinApotheke

OSNABRÜCK ÄRZTE

DR. SCHIMKE & DR. JACOBS

Am Ludwigsberg 78 (DAS KONTOR) 66113 Saarbrücken ✆ 0681 473 375

KLINIK NATRUPER HOLZ INFEKTIONSAMBULANZ

DR. WOLFGANG WAHLSTER

PADERBORN

STUTTGART

ÄRZTE

AIDSHILFE

Sedanstr. 115 · 49080 Osnabrück ✆ 0541 40 53 900

DR. DORIS BOTHE

Alte Torgasse 10 · 33098 Paderborn ✆ 05251 24081 Internist

Blumenstr. 11 · 66111 Saarbrücken ✆ 0681 310 88 Internist

AIDS HILFE STUTTGART E.V. Johannesstr. 19 · 70176 Stuttgart ✆ 0711 22 46 9 27

APOTHEKEN REGENSBURG ÄRZTE UNIVERSITÄTSKLINIK ABTEILUNG FÜR IMMUNOLOGIE Franz-Josef-Strauß-Allee 11 93042 Regensburg ✆ 0941 944 70 17

SAALFELD ÄRZTE KLINIK BERGFRIED SAALFELD Zum Fuchsturm 20 · 07138 Saalfeld ✆ 03671 59 36 12 Internist

SAARBRÜCKEN AIDSHILFE AIDS HILFE SAAR E.V.

Nauwieser Str. 19 · 66111 Saarbrücken ✆ 0681 31 11 2

ÄRZTE DR. BEATRICE GOSPODINOV

Mainzer Str. 38 · 66111 Saarbrücken ✆ 0681 96 75 70

DR. DIANA CSIKAI

St.-Johanna-Markt 27-29 66111 Saarbrücken ✆ 0681 91 01 788

APOTHEKE 55

Schwabstr. 55 · 70197 Stuttgart ✆ 0800 656 79 73 HIV-Schwerpunktapotheke

REINSBURG APOTHEKE

Reinsburger Str. 67 · 70178 Stuttgart ✆ 0711 621 946

ÄRZTE DR. ULMER & DR. FRIETSCH Schwabstr. 26 · 70197 Stuttgart ✆ 0711 626 308 Internist

GEMEINSCHAFTSPRAXIS SCHWABSTRASSE 57

Schwabstrasse 57-59 · 70197 Stuttgart ✆ 0711 615 532 0

KATHARINENHOSPITAL MEDIZINISCHE KLINIK

Kriegsbergstr. 60 · 70174 Stuttgart ✆ 0711 278 51 06

TRIER ÄRZTE DR. MONIKA GRUNDHEBER Friedrich-Willhelm-Str. 23 54290 Trier · ✆ 0651 474 79 Internist

KRANKENHAUS BARMHERZIGE BRÜDER - HIV AMBULANZ Nordallee 1 · 54292 Trier ✆ 0651 20 82 662

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ADRESSEN

TROISDORF ÄRZTE STEPHAN SCHÖLZEL

Kölner Str. 78 · 53840 Troisdorf ✆ 02241 76 525

IMMUNOLOGISCHE AMBULANZ

Beethovenstr. 20 · 65189 Wiesbaden ✆ 0611 177-1280 HIV, Infektiologie

JOSEF HOSPITAL IMMUNOLOGISCHE AMBULANZ Solmsstraße 15 · 65189 Wiesbaden ✆ 0611 177 12 81

Eugenstraße 32 · 72072 Tübingen ✆ 07071 360 947

UNIVERSITÄTSKLINIK MEDIZINISCHE KLINIK

Geissweg 3 · 72076 Tübingen ✆ 07071 292 722

ULM

ÄRZTE

AIDS HILFE SALZBURG

DR. DR. BURKHARD & REIMANN Martinsgasse 1 · 67547 Worms ✆ 06241 66 06

WUPPERTAL

Kaiser-Josef-Str. 13 6020 Innsbruck ✆ 0512 56 36 21

ÄRZTE

AIDS HILFE VORARLBERG

SABINE MAURUSCHAT

DR. EMPT

Lindenstr. 35 · 41747 Viersen ✆ 02162 30 006 Internist

WIESBADEN ÄRZTE ASKLEPIOS PAULINEN KLINIK ZIGM: MED. KLINIK I Geisenheimer Str. 10 65197 Wiesbaden ✆ 0611 847 23 301

DR. WOLFGANG STARKE

Goebensstr. 31 · 65195 Wiesbaden ✆ 0611 440 700 Internist

»Als Positiver musst immer Du aufklären und Dich rechtfertigen. Wenn Du Dein HIV mitteilst, bist Du in der Pflicht, die anderen zu stützen. Bei jeder anderen Krankheit wirst Du aufgefangen.« Engelbert Zankl HIV-Therapie-Hotline, Aidshilfe, München

Kaspar-Hagen-Str. 5 · 6900 Bregenz ✆ 05574 46 5 26

CID AMBULANZ IM KLINIKUM ST. ANTONIUS

UNIVERSITÄTSKLINIK MEDIZINISCHE KLINIK III

ÄRZTE

Linzer Bundestraße 10 5020 Salzburg ✆ 0662 88 14 88

AIDS HILFE TIROL

Carnaper Str. 48 · 42283 Wuppertal ✆ 0202 299 29 92

VIERSEN

Bahnhofstr. 22 / 1.Stock 9020 Klagenfurt ✆ 0463 55 128

WORMS

ÄRZTE Robert Koch Str. 8 · 89081 Ulm ✆ 0731 50 27 702

AIDS HILFE KÄRNTEN

Blütenstraße 15/2, Lentia City 4040 Linz ✆ 0732 2170

Baumgartner Höhe 1 · 1140 Wien ✆ 01 910 60 42002

UNIVERSITÄTSKLINIK FÜR DERMATOLOGIE AM AHK WIEN Lazarettgasse 14, Süd B, Bauteil 83 1090 Wien ✆ 01 40 400 4240 Dermatologie

UNIVERSITÄTSKLINIK FÜR DERMATOLOGIE Anichstr. 35 · 6020 Innsbruck 0512 504 22987 Dermatologie

UNIVERSITÄTSKLINIK FÜR INNERE MEDIZIN III Müllner Hauptstraße 48 5020 Salzburg ✆ 0662 44 82 34 07

Liegnitzer Str. 9 · 42277 Wuppertal ✆ 0202 66 24 30 Internist

AIDS Hilfe Haus - Mariahilfer Gürtel 4 1060 Wien ✆ 01 599 37

SCHWEIZ

STEIRISCHE AIDS HILFE

AIDSHILFE

Schmiedgasse 38 · 8010 Graz ✆ 0316 81 50 50

WÜRZBURG

APOTHEKEN MARIENAPOTHEKE

ÄRZTE

Schmalzhofgasse 1 · 1060 Wien ✆ 01 597 02 07

MISSIONSÄRZTLICHE KLINIK Salvadorstr. 7 · 97024 Würzburg ✆ 0931 791 28 21

ÄRZTE ALLGEMEINES KRANKENHAUS LINZ – DERMATOLOGIE

UNIVERSITÄTSKLINIK SCHWERPUNKT INFEKTIOLOGIE

Krankenhausstraße 9 · 4020 Linz ✆ 0732 7806 37 30 Dermatologie

Josef-Schneider-Str. 2 97080 Würzburg ✆ 0931 20 13 174

DR. BERND GMEINHART

Rembrandtstr. 12/4 · 1020 Wien ✆ 01 330 45 05 Dermatologie

ZWICKAU

DR. BRIGITTE SCHMIED

ÄRZTE

Siebenbürger Str. 4/13 · 1220 Wien ✆ 0699 109 69 978

STÄDTISCHES KLINIKUM

Karl-Keil Str. 35 · 08060 Zwickau ✆ 0375 512 429 33

DR. JUDITH HUTTERER Blutgasse 5 · 1010 Wien ✆ 01 512 28 21 Dermatologie

DR. NORBERT VETTER

Hohenbergstr. 14 · 1120 · Wien ✆ 01 815 83 20

KAISER FRANZ JOSEF SPITAL 4. MEDIZINISCHE ABTEILUNG Kundratstr. 3 · 1100 Wien ✆ 01 601 91 2476

LKH GRAZ WEST ABT. FÜR INNERE MEDIZIN I Göstinger Straße 22 · 8020 Graz ✆ 0316 5466 4312

PRAXISGEMEINSCHAFT HORST SCHALK

Zimmermannplatz 1 · 1090 Wien ✆ 01 40 80 744 Internist

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SOZIALMEDIZINISCHES ZENTRUM BAUMGARTNER PULLM. ZENTRUM II. INNERE LUNGENABTEILUNG

AIDS HILFE WIEN

Foto: Susi Knoll

GEMEINSCHAFTSPRAXIS EUGENSTRASSE

AIDSHILFE

AIDS HILFE OBERÖSTERREICH

TÜBINGEN ÄRZTE

ÖSTERREICH

AIDS HILFE BERN

Monbijoustrasse 32 · 3011 Bern ✆ 031 390 36 36

AIDS HILFE LUZERN

Museggstr. 27 · 6004 Luzern ✆ 041 410 69 60

AIDS HILFE SCHWEIZ

Konradstr. 20 · 8005 Zürich ✆ 044 447 11 11

ZÜRICHER AIDS HILFE

Kanzleistraße 80 · 8004 Zürich ✆ 044 455 59 00

APOTHEKEN PARACELSUS APOTHEKE

Langstrasse 122 · 8004 Zürich ✆ 044 240 24 05

WENGIHOF APOTHEKE

Kernstrasse 8 · 8004 Zürich ✆ 044 240 23 33

ÄRZTE KANTONSPITTAL ST. GALLEN FACHBEREICH INFEKTIOLOGIE Rohrschacher Str. 95, Haus 22 9007 St. Gallen ✆ 071 494 10 28

INSTITUT FÜR INFEKTIONSKRANKHEITEN Friedbühlstr. 51 · 3010 Bern ✆ 031 632 84 87

KLINIK FÜR INFEKTIOLOGIE Petersgraben 4 · 4031 Basel ✆ 061 265 50 72

ZENTRUM FÜR INFEKTIONSKRANKHEITEN Klinik im Park · 8038 Zürich ✆ 044 209 20 60


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HIV ist eine sexuell übertragbare Infektion. Dagegen können Sie sich schützen. Gegen die Folgen nur schwer. Abbott forscht im Bereich HIV und AIDS und unterstützt Aids-Hilfen in Deutschland.


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