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Brixner 346 - November 2018

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EXTRA

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Essen & Trinken

Jahrgang 29 · November 2018

Unabhängige Monatszeitschrift für Brixen und Umgebung

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„Oachna Krampusse“ hinter den Kulissen

Höllenfratzen „ARS SACRA“: Kunst und Kirche im Heute PORTRAIT: Sanitätsdirektor Thomas Lanthaler FUSSBALLROWDYS: Grenzwertiges Gebrüll VAHRNER SEE: „Munition im See”


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Editorial

Politik & Gesellschaft >>> 06 06 | „OACHNA KRAMPUSSE“: Hinter den Kulissen 10 | Brixen/Südtirol: Das Kriegsende 1918 und seine Folgen 16 | Repair Cafè: Weggeworfen wird nichts! 18 | Jugendhaus Kassianeum: „Mit der Zeit gehen“ 21 | Wilma Huber: Vorfall und Salvinis Fake-news Menschen & Meinungen >>> 30 30 | PORTRAIT: Thomas Lanthaler 32 | Gastkommentar: Ignaz Messner 37 | Pro & Contra: Übertreiben wir es mit dem Denkmalschutz? 38 | Umfrage: Zufrieden mit dem Wahlergebnis? Kunst & Kultur 40 | ARS SACRA: „Alte Tradition neu beleben“ 44 | Ausstellung: Katakomben-Heilige in Neustift 45 | Brixner Kulturprozess: Kulturstadt Brixen 50 | Theater: Für die Bühne geboren

>>> 40

Veranstaltungen 58 | TIMER: Dezember 2018

>>> 58

Freizeit & Sport

>>> 64

64 | FUSSBALLROWDYS: Grenzwertiges Gebrüll 66 | Alexander Prosch: „Dieselbe Sprache sprechen“ Wirtschaft & Umwelt 72 | VAHRNER SEE: „Munition im See“ 76 | Brixen: Mittelanschluss im Plansoll 79 | Event: Parfümerie Lutteri

>>> 72

Extra 83 | Essen & Trinken

>>> 83

NEU! Brixner ePaper – die kostenlose „Brixner“­APP

Art. 21 Aus aktuellem Anlass zitiere ich den Art. 21 der italienischen Verfassung. 1. Jedermann hat das Recht, die eigenen Gedanken durch Wort, Schrift und jedes andere Mittel der Verbreitung frei zu äußern. 2. Die Presse darf weder einer behördlichen Ermächtigung noch einer Zensur unterworfen werden. – Es ist irgendwie schon beängstigend, dass es im Jahr 2018 notwendig erscheint, die italienische Verfassung zu zitieren, um die Regierung in Rom daran zu erinnern, dass es ein Grundrecht gibt zur freien Ausübung journalistischer Tätigkeit. Der Movimento 5 Stelle sieht dies offenbar anders: Journalisten sind „Puttane“, sagte der Fünf-Sterne-Aktivist und ehemalige Parlamentarier Alessandro Di Battista, und Minister Luigi Di Maio nannte die Journalisten „Sciacalli“. Die Abneigung der Fünf-Sterne-Bewegung gegen Journalisten ist nachvollziehbar: Was sie über sich in den Zeitungen lesen müssen, gefällt ihnen meist nicht, weil sich die Inhalte der Zeitungen grundlegend von den manchmal äußerst diskutablen „Wahrheiten“ unterscheidet, die sie selbst über die asozialen Medien verbreiten. Anstatt darüber zu reflektieren, ob es in der eigenen Regierungsarbeit möglicherweise Verbesserungspotentiale gibt, unterscheidet Di Maio zwischen „editori puri e impuri“ – sprich: Jene Zeitungen, die die Bewegung kritisieren, sind geradezu „unrein“. „Bisogna fare una legge per garantire che gli editori siano puri“, schrieb Di Maio. Dieselbe Aussage könnte von Viktor Orbán stammen oder von Recep Tayyip Erdoğan. In Ungarn gibt es eine Medienaufsichtsbehörde, deren Mitglieder von der Regierung ernannt werden und die die Herausgabe einer Zeitung auch mal verbieten kann, wenn sie etwas schreibt, was dem Viktor nicht gefällt. In der Türkei glänzt die Regierung durch rücksichtslose Unterdrückung der Pressefreiheit: Zensur, willkürliche Verhaftungen und Folter. So weit geht Di Maio nicht. Noch nicht.

Ihr Willy Vontavon

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Politik & Gesellschaft

„OACHNA KRAMPUSSE“ HINTER DEN KULISSEN

Krampus 2.0 Zu Tode erschrecken, wild mit Ruten umherschlagen und blaue Flecken austeilen war gestern. Die Krampusse von heute wollen nur eines: eine gute Show abliefern und damit Menschen begeistern. Der Verein der „Oachna Krampusse“ zeigt, wie der Brauch heute gelebt werden kann – ohne bleibende Schäden. 6


Foto: Andreas Tauber

D

ie gruseligen Fratzen sind abgestaubt, die Batterie für die leuchtenden Augen ist aufgeladen, die langen Hörner poliert, und dicke Eisenketten hängen am selbstgebauten Karren. Es ist alles bereit für die heurige Krampussaison, auf die sich Günther Heidenberger und Hannes Mair vom Verein „Oachna Krampusse“ bereits seit Monaten vorbereiten. Die beiden Vereinsvorsitzenden erwarten uns in einer abgelegenen Lagerhalle in Schabs – einem Vereinssitz, der das Angstklischee schon recht gut bedient. Ein Motorrad mit Krampuslarve steht dort und zwei Krampuskarren, ein selbstfahrender und ein umgebauter Traktorhänger.

nichts und nur im weitesten Sinne mit dem Nikolaus etwas am Hut“, erklärt Günther Heidenberger. Entstanden ist der heidnische Brauch aus der Angst heraus, die die Menschen vor Jahrhunderten vor dem Ungewissen hatten. „Ob es der Wind war, der um die Häuser pfiff, oder ein Tier, das sich im Wald bewegte – die Menschen wussten nie, was in der Dunkelheit lauerte. Sie haben sich deshalb als hässliche Gestalten verkleidet, in der Hoffnung, dass das Böse vor ihnen Angst hat – und nicht umgekehrt“, weiß der Vereinsoberste. „Als schaurige Kreaturen versuchten sie, die bösen Geister und ihre Ängste zu vertreiben. Die Kirche, die

schweren Masken der „Oachna Krampusse“. Keine schaut aus wie die andere; alle sehen sich aber irgendwie ähnlich. „Die Masken werden alle vom selben österreichischen Schnitzer geschnitzt und sollen denselben Stil haben, damit wir aussehen wie Geschwister“, so Heidenberger. Rund ein Jahr warten die Krampusse auf einen Termin beim Schnitzer, und dann nochmal einige Monate, bis sie ihre Maske endlich in den Händen halten. Kostenpunkt: an die 800 Euro! Die Fratze selbst wird aus einem Stück Zirmholz gefertigt, die kleinen Hörner sind aus Holz, die großen – des Gewichtes wegen – aus Plastik; das Innere der

„Wir gehören zu den modernen Krampussen, die keine Lust auf Zweikämpfe haben, auf randalierende Jugendliche, Hals- und Beinbruch, Rutenschläge und blaue Flecken oder auf Schuhcreme­d esaster“_ Günther Heidenberger, Obmann der „Oachna Krampusse“ „Der Hänger kam heuer beim Umzug des Natzner Apfelfestes erstmals zum Einsatz. Bei den Schauläufen verwenden wir nur unseren selbstfahrenden Karren und das Motorrad, das schon zu einer Art Maskottchen unseres Vereins geworden ist“, erklärt Mair. Für unser Gespräch setzen wir uns auf den quasi jungfräulichen Apfelfest-Hänger, der mit Tisch, drei Baumstammsitzgelegenheiten und einer Kastanienbratpfanne ausgestattet ist. Kastanien gibt es zwar keine, dafür aber ein sehr informatives Gespräch, in dem mit einigen Vorurteilen kräftig aufgeräumt wird.

Angst als Ursprung. Wer sich

zum „Club der verlorenen Seelen“ zusammenschließt, braucht schon mal eine gewisse Affinität für mystische oder luziferische Themen. Ganz ihrer Leidenschaft bewusst waren sich die Gründer des Clubs im Jahr 2007 allerdings noch nicht. Damals waren es einfach einige Jugendliche aus Aicha, die sich bereit erklärten, im Krampuskostüm und mit schwarz bemaltem Gesicht den Nikolaus bei seinen Hausbesuchen zu begleiten – as usual eben, denn neben dem „Bösen“ braucht es immerhin ja auch das „Gute“. „So wurde diese Thematik von der Kirche interpretiert – denn eigentlich hat der Krampus mit dem Teufel rein gar

damals diese Ängste noch weiter schürte, setzte dem Krampus als Gutmensch den Nikolaus beiseite – und so ist das Ganze dann entstanden.“ Der Krampusbrauch wurde im 17. Jahrhundert von der Kirche unterbunden, im 19. Jahrhundert wieder zum Leben erweckt. Vor einigen Jahren hat er sich dann einem Wandel unterzogen: Die neue Generation, die „Krampusse 2.0“ sozusagen, haben sich vom Nikolaus getrennt und konzentrieren sich auf einen Krampuslauf als Show-Act: Sie haben keine Lust mehr auf Zweikämpfe, auf randalierende Jugendliche, auf Hals- und Beinbruch, auf Rutenschläge und blaue Flecken oder auf Schuhcremedesaster und Gesetzeskonflikte. Die Krampusse aus Aicha, die 2011 den Verein „Oachna Krampusse“ gegründet haben, pflegen den Brauch nach diesem Prinzip. Somit gibt es in Südtirol nun zwei Arten von Krampusse: Diejenigen, die den Nikolaus begleiten und quer durch Städte und Dörfer laufen, und diejenigen, die ganz ohne Nikolaus den Menschen bei den zahlreichen Schauläufen in und um Südtirol zeigen wollen, wie man sonst diesen Brauch noch erleben kann.

Auf Kuschelkurs. Aus Holz ge-

schnitzt sind die drei bis vier Kilo

Maske ist auf Maß ausgepolstert, der Verschluss ähnelt jenem eines Motorradhelms. Die Glasaugen können auf gruselige Art und Weise die Nacht erleuchten. Das eingeschränkte Blickfeld befindet sich neben der Nase der Maske, kurz oberhalb der grausigen Zahnpartie. Die Haare, je nach Geschmack lang oder kurz, stammen von Ziegen – was man auch riechen kann. „Unser Stil ist eher der kuschelige“, erklärt mir Heidenberger lachend. „Nun ja, es gibt effektiv viel hässlichere Masken – unsere Linie ist eher die menschliche, andere erinnern dann mehr an Halloween-Monster.“ An die 1.500 Euro geben die Krampusse neben der Maske dann noch für den Rest der Verkleidung aus, die die Vereinsmitglieder aus dem eigenen Sack bezahlen. Der Zweiteiler besteht aus Jacke und Hose – und natürlich aus Fell. Aus „Oacha“, also Aicha, kommen allerdings nicht alle Vereinsmitglieder: „Wir sind ein bunt zusammengewürfeltes Team, das in den Dörfern hier am Hochplateau oder ringsherum zu Hause ist“, erklärt der in Mühlbach wohnende Heidenberger. Aufgenommen in den Verein, der sich auch mit professionellen Fotoshootings in Szene setzt, werden Bewohner des Gemeindegebietes – oder Freunde und Bekannte, weil „wir 7


Modeschau auf Krampusart.

Sechs Mal rücken die „Oachna Krampusse“ heuer zwischen Mitte November und Mitte Dezember aus: Beim Schaulauf im Fassatal, in Lajen, Branzoll, Villnöss und beim in Eigenregie auf die Beine gestellten Schaulauf in Natz. Ein einziges Mal begleiten sie auch den Nikolaus, am 6. Dezember durch Mühlbach – aber auch da bleiben sie ganz brav. 17 Krampusse des Vereins nehmen an den Läufen teil, wobei der älteste 40 und der jüngste 16 Jahre alt ist. Begleitet werden sie von vier Fahnenträgerinnen, Mädchen mit Röcken und Engelsflügeln, und zwei Sicherheitsmännern in Zivil aus den eigenen Reihen. „Die Dezember Schauläufe erleben derzeit Inserat

AKTION DEZEMBER 2018

TIPP

Die Fratze wird aus Zirmholz gefertigt, die großen Hörner sind aus Plastik, die Haare stammen von Ziegen

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einen wahnsinnigen Boom und sie erfreuen sich großer Beliebtheit“, so Heidenberger. „Die Läufe sind von Anfang bis zum Ende durchstrukturiert; wir gehen einen abgezäunten Parcours entlang, wobei die Besucher uns hinter den Zäunen zusehen können.“ Die Krampusse überlassen nichts dem Zufall. Sie spulen eine Show ab, für die sie sich mehrmals zum Proben treffen. Pyrotechnik, Flammenwerfer, laute Musik, Rauchmaschine und Rossschwänze dürfen dabei nicht fehlen. „Die Pyrotechnik ist besonders bei den österreichischen Vereinen beliebt; wir haben unser Motorrad, das sonst kein anderer Verein hat, und einen Karren, der zu einem

modernen Wagen mit Musik, Lichtern, Flammenwerfern und Rauchmaschine umfunktioniert wird“, so Mair. Der Krampuskarren, der auch Teil der Show ist, wird alle zwei Jahre umgebaut – von den Zeugwarten des Vereins. Mehr als 600 teuflische Gestalten aus 36 Vereinen aus Südtirol, dem Trentino, Nordtirol, Kärnten, Salzburg und Oberösterreich laufen beim heurigen Krampuslauf in Natz durch das Dorf. Dieser Lauf ist das Heimspiel der „Oachna Krampusse“: „Wir organisieren ihn heuer zum dritten Mal – immer im Zweijahresrhythmus. Bis zu 5.000 Besucher werden am 8. Dezember um 18 Uhr in Natz erwartet, um sich das Spektakel anzusehen“, so

Heidenberger, der seit rund einem Jahr gemeinsam mit Hannes Mair und dem Organisationsteam den Schaulauf in Natz organisiert. „Es ist ein riesengroßer Aufwand – der sich aber definitiv lohnt“, so Mair.

Safety first. Zum Schaulauf kom-

men kann jeder – auch mit kleinen Kindern. „Die Eigenverantwortung liegt hier bei den Eltern. Sie müssen wissen, ob es für ihre Kinder in Ordnung ist, die vielen Gestalten anzusehen. Natürlich jagen wir mit unseren Larven dem einen oder anderen Angst ein – aber wir provozieren nicht. Wir bleiben im abgezäunten Bereich, verlassen diesen nie und laufen auch niemandem hinterher. Mit Foto: Andreas Tauber

Politik & Gesellschaft

die Leute einfach kennen möchten“. Die „Neuen“ müssen sich dann auch noch ein ganzes Jahr gedulden, bevor sie sich in Schale schmeißen dürfen. „Die erste Saison müssen die Neuzugänge als Ordnungsmänner absolvieren, damit sie verstehen, wie der Hase läuft und worauf Acht zu geben ist – erst dann können sie sich als Krampus bei den Schauläufen versuchen“, so Mair.

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Schall und Rauch, Schauder und Gruseln: Die Krampusse spulen eine Show ab 8

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Foto: Oskar Zingerle

Foto: Oskar Zingerle

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Das Heimspiel der „Oachna Krampusse“: Der Schaulauf in Natz

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dabei sind auch immer zwei Ordnungsleute, die dafür sorgen, dass nichts aus dem Rahmen läuft und es zu keinen gefährlichen Vorfällen kommt. „Zum Thema Sicherheit ist zu sagen, dass es sehr oft zu Vorfällen kommt, bei denen nicht die Krampusse, sondern die Zuseher sich falsch verhalten. Man muss bedenken, dass wir mit unseren Masken kaum etwas sehen. Der Augenausschnitt ist so groß wie ein Stift, unser Sehwinkel ist aufs Notwendigste reduziert. Alles, was von der Nase abwärts passiert, sehen wir nicht“, erklärt Heidenberger. Kinder oder Halbstarke, die die Krampusse also von hinten überfallen oder gar an den Hörner packen, verhalten sich absolut falsch, weil sie die Krampusse verletzen können. „Unsere Masken sind sehr schwer und werden wie ein Helm geschlossen. Wenn uns jemand an den Hörnern packt, kann er uns weh tun. Wir kommen aus der Maske nämlich nicht so einfach heraus“, so Mair. Die Krampusse selbst pochen auch hier auf Eigenverantwortung – ihre Zuständigkeit für blaue Flecken hält sich nämlich in Grenzen. Provokation und Ignoranz sind meist Grund für unangenehme Vorfälle bei Krampusläufen – vor allem bei den nicht abgezäunten. „Die

mediale Berichterstattung macht mancherorts dann aus einer Mücke einen Elefanten. Ein kleiner blauer Fleck, den ein Jugendlicher sogar selbst angezettelt hat, kann schnell zur Körperverletzung werden – und wir sind die Tintigen“, so Heidenberger. Nach der Show ist vor der Show: Die Fratzen und Fellanzüge werden an den Nagel gehängt; Feiern und Nachbesprechungen werden von den 25 aktiven Mitgliedern in Zivil abgehalten – kein Fell, keine Maske, keine Angst – nur Show!

evi.hilpold@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

info „Oachna Krampusse“ Obmann: Günther Heidenberger Obmann-Stellvertreter: Hannes Mair Schriftführer: Matthias Moosburger Kassierin: Margit Frötscher Zeugwart: Paolo Destefani und Simon Mayr

Foto: Andreas Tauber

Hannes (links) und Günther: „Unser Stil ist eher der kuschelige“


Politik & Gesellschaft

BRIXEN / SÜDTIROL

Das Kriegsende 1918 und seine Folgen Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Hartmuth Staffler hat für das Buch „60 Jahre Schützenbezirk Brixen“, das vor wenigen Tagen im Verlag A. Weger erschien, das Kriegsende 1918 und seine Folgen aufgezeichnet. Der „Brixner“ bringt Ausschnitte aus seinem Text.

D

ie Unterzeichnung des Waffenstillstandes zwischen Italien und Österreich in der Villa Giusti bei Padua am 3. November 1918 war der vorläufig letzte Akt in einem Drama, das unser Land Tirol besonders schwer getroffen hat. Die Folgen wirken bis heute nach.

änderten. Kaiser Karls verzweifelte Friedensbemühungen blieben ohne Erfolg – einerseits, weil der Bündnispartner Deutschland

der österreichisch-ungarischen Monarchie zu ihrem Kriegsziel. Kaiser Karl kam mit seinem „Völkermanifest“ vom 16. Oktober

Ein ungleicher Kampf. Erzherzog

Karl hatte im November 1916 den Kaiserthron und den Krieg geerbt. Er wusste, dass der Krieg nicht zu gewinnen war, da es überall an Waffen, Munition, Lebensmitteln und Soldaten mangelte, und dass sich das Kräfteverhältnis laufend zugunsten der Gegner verschob. Die Mittelmächte (Deutschland und Österreich/Ungarn mit ihren schwachen Verbündeten Türkei und Bulgarien) konnten im Verlauf des Krieges etwa 25 Millionen Soldaten mobilisieren, darunter auch die älteren Jahrgänge des Landsturmes und die ganz jungen und ganz alten freiwilligen Standschützen, während die Gegner allein an normalen Wehrpflichtigen etwa 40 Millionen Soldaten aufbieten konnten. Hätten alle Staaten, die den Mittelmächten den Krieg erklärt haben, ihre Wehrpflichtigen mobilisiert, so wären sie auf 180 Millionen Soldaten gekommen – gegen maximal 25 Millionen. Auch wenn diese Staaten keine Soldaten schickten, so haben sie doch kriegswichtiges Material, Rohstoffe, Lebensmittel usw. zur Verfügung gestellt, die bei den eingekesselten Mittelmächten immer mehr fehlten. Angesichts dieser Tatsachen ist es ein Wunder und nur dem Opfergeist der Bevölkerung vor allem in Tirol zu verdanken, dass der Krieg so lange durchgehalten werden konnte und zwischendurch verblüffende Erfolge wie der Durchbruch nach der zwölften Isonzoschlacht (Ende Oktober 1917) erzielt wurden, die aber am Ausgang des Krieges nichts 10

dern eigene Staaten ausriefen. Als letzter dieser Nationalstaaten entstand am 30. Oktober 1918 Deutschösterreich. Der Krieg war jetzt für alle erkennbar verloren. Den Völkern der Monarchie ging es nur noch um ihren künftigen eigenen Staat. Ungarn und Tschechen zogen von der Front ab und marschierten heim. Österreicher, vor allem Tiroler, hielten verzweifelt die Stellung, aber sie waren ausgehungert und hatten kaum noch Munition. Der Krieg musste beendet werden.

Missverständnis um Waffenstillstand. In der Villa Giusti bei

In einer Extraausgabe berichtete die „Brixener Chronik“ über den Waffenstillstand

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nicht zu Kompromissen bereit war, und andererseits, weil auch die Gegner keinen Frieden, sondern Eroberungen und Kriegsentschädigungen wollten. Anfang 1918 erklärten die Entente-Mächte die Zerschlagung

1918, in dem er den Völkern der Monarchie mehr Selbständigkeit versprach, zu spät. Auf seine Anregung bildeten sich „Nationalräte“, die aber nicht wie erhofft die Bildung eines österreichischen Bundesstaates beschlossen, son-

Padua verhandelten Österreich und Italien über einen Waffenstillstand, der am 3. November 1918 unterzeichnet wurde und am 4. November um 15 Uhr in Kraft treten sollte. Die Vereinbarung war missverständlich formuliert; es hieß dort, dass der Waffenstillstand „unverzüglich“ 24 Stunden nach der Unterzeichnung in Kraft treten solle. Bei der schwierigen Übermittlung des Textes nach Wien hat man wohl nur das „unverzüglich“ vernommen, und so wurde den österreichischen Soldaten schon am 3. November die Einstellung der Kämpfe befohlen. Die Italiener, für die der Waffenstillstand erst ab 4. November galt, konnten noch einen großen „Sieg“ erringen und 360.000 österreichische Soldaten ohne Kampf gefangen nehmen. Von diesen 360.000 sind nochmals über 30.000 in italienischer Gefangenschaft gestorben, nachdem schon vorher viele Zehntausende dort umgekommen waren. Während der Krieg zwischen Italien und Österreich am 3./4. November beendet war, ging er zwischen Italien und Deutschland noch weiter. Bayerische Truppen besetzten Anfang November 1918 die Franzensfeste, um die Italiener aufzuhalten. Nachdem am 7. November 1918 in München die


ehemaligen Monarchie. Südtirol war zwar militärisch von Italien besetzt, aber völkerrechtlich Teil der Republik Österreich, deren Staatsbürger die Südtiroler waren. Das änderte sich erst mit dem Friedensvertrag von St. Germain, den Österreich am 10. September 1919 unterzeichnen musste. Darin sprachen die Siegermächte Tirol bis zum Brenner Italien zu.

Abschied von Österreich. Die

Der Südtiroler Abgeordnete Eduard Reut Nicolussi hielt eine ergreifende „Abschiedsrede“ von Österreich

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Revolution ausgebrochen war, zogen die Bayern jedoch ab. Die Italiener wagten sich daher schon am 9. November nach Brixen, am 11. November waren sie am Brenner. Sie besetzten dann auch

Teile Nordtirols und Kärntens. Nach dem Regierungsverzicht von Kaiser Karl wurde Deutschösterreich am 12. November 1918 zur Republik. Dazu gehörten alle deutschsprachigen Gebiete der

Werbeplakat der Brixner Bank für die Kriegsanleihe

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Quando si parla di pesce... Wenn's um Fisch geht...

Jedes Mal ein Festessen

Nationalversammlung Deutschösterreichs musste dem Vertrag zustimmen, um die Bevölkerung vor dem Hungertod infolge der Lebensmittelblockade oder einer Militärintervention der Sieger zu bewahren. Die Tiroler Abgeordneten enthielten sich der Stimme; der Südtiroler Eduard Reut Nicolussi hielt eine ergreifende, von stürmischem Applaus unterbrochene Abschiedsrede im Namen aller Tiroler Abgeordneten. Der „Gewaltfrieden“ vergewaltige die von den Siegern verkündeten Rechtsgrundsätze, sagte er. „Es wird jetzt in Südtirol ein Verzweiflungskampf beginnen um jeden Bauernhof, um jedes Stadthaus, um jeden Weingarten. Es wird ein Kampf sein mit allen Waffen des Geistes und mit allen Mitteln der Politik. Es wird ein Verzweiflungskampf deshalb, weil wir – eine Viertelmillion Deutsche – gegen 40 Millionen Italiener stehen, wahrhaft ein ungleicher Kampf“. „Wir werden Euch nie vergessen“, riefen die Abgeordneten aller Parteien. Die konstituierende Nationalversammlung Deutschösterreichs war am 1. Februar 1919 gewählt worden. Da Italien in Südtirol keine Wahl zuließ, nahm die Nationalversammlung das Wahlergebnis von Nord- und Osttirol als Berechnungsgrundlage, um Deutschsüdtiroler Kandidaten, darunter Reut Nicolussi, als Abgeordnete „einzuberufen“. Sie mussten nach dem 10. September 1919 wieder ausscheiden.

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Wirtschaftliche und politische Katastrophe. 1918 waren die Süd-

auf frischen Fisch

tiroler zunächst einmal froh, dass der Krieg vorbei war. Man war überzeugt, dass die Italiener bald wieder abziehen würden, und vertraute auf US-Präsident Wilson, der in seinen 14 Punkten „die Berichtigung der Grenzen Italiens nach den genau erkennbaren Abgrenzungen der Volksangehörigkeit“ gefordert hatte. Das war schnell vergessen. In den ersten Jahren der italienischen Herrschaft nahm die vom

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Politik & Gesellschaft

Schikanen und Gewaltakte. In-

Das von den Faschisten zerstörte Brixner Kriegerdenkmal Krieg schwer geprüfte Bevölkerung vor allem die verheerenden wirtschaftlichen Folgen wahr. Viele hatten ihr ganzes Geld für Kriegsanleihen ausgegeben, die nun wertlos waren. Wer noch Kronen hatte, bekam dafür zunächst nur 40 Prozent, später knapp 60 Prozent des Wertes in Lire. Die Tiroler Vereinsbank, ehemals Brixner Bank, ging in Konkurs. Die Wirtschaft litt unter der Sperre des Brenners. Südtiroler Agrarprodukte wie die Sprinzen, die beste Rindfleischrasse Österreichs, oder Wein konnten nicht mehr im Hauptabsatzgebiet Österreich verkauft werden. Der Weinbau in Südtirol ging auf die Hälfte zurück. Viele Bauern gingen in Konkurs. Die dramatischen politischen Folgen der italienischen Herrschaft wurden bald deutlich. Guglielmo Pecori-Giraldi, Militärgouverneur des besetzten Gebietes, versprach zwar, dass Italien die in den „erlösten Gebieten“ lebenden Bürger fremder Zunge „mit Gerechtigkeit und Liebe“ behandelt werde und dass Italien „jeden Gedanken der Vergewaltigung seiner Untertanen anderer Rasse oder Zunge“ ablehne. Selbst deutsche Schulen seien erlaubt, Deutsch bleibe „vorläufig“ als Gerichts- und Verwaltungssprache zulässig. Die „Großmütigkeit“ war also nur als Übergangslösung gedacht. Vom ersten Tag an war die Italienisierung Südtirols das Ziel Italiens. Deutsche Beamte wurden entlassen und durch Italiener ersetzt; es kam zu Übergriffen von Militär und Carabinieri gegen die deutsch12

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und ladinischsprachige Bevölkerung. Südtirols Politiker erkannten die Gefahr. 1919 schlossen sich die Tiroler Volkspartei, die 1918 aus dem Zusammenschluss von Konservativen und Christlichsozialen entstanden war, und die

unterzeichnete Forderung nach Selbstbestimmung für Südtirol ein – natürlich ohne Erfolg. Wohl aber wurde statt des Militärgouverneurs Pecori-Giraldi der ehemalige Unterrichtsminister Luigi Credaro als Zivilkommissar ernannt. Er zeigte sich zunächst wohlwollend und einer Autonomie Südtirols nicht abgeneigt. Senatspräsident Tittoni sagte sogar: „Wir können der Bevölkerung von DeutschSüdtirol die Versicherung geben, dass nie ein Polizeiregiment eingeführt wird, mit Verfolgungen und Willkürherrschaft“. In Südtirol wollte man solLehrer Franz Innerhofer wurde beim Trachchen Verspretenumzug 1921 von Faschisten erschossen chungen nicht recht glauben. Deutschfreiheitliche Partei zum Es kam 1920 im ganzen Land Deutschen Verband zusammen. zu Großkundgebungen für die Die Sozialdemokraten blieben Selbstbestimmung. Auch die abseits und hofften auf die Hil- Brixner Kassiansprozession stand fe der italienischen Sozialisten; in diesem Zeichen. „Tiroler sind eine Hoffnung, die nicht ganz wir, frei seit tausend Jahren; wir unbegründet war. Am 16. Juli lassen nicht mehr ab von unserem 1919 brachte der Führer der italie- Rechte. Wir wollen stolze deutnischen Sozialisten, Filippo Turati, sche Art bewahren!“, hieß es auf im Parlament die von allen Südti- einem riesigen Transparent am roler Bürgermeistern und Parteien Domplatz.

–

zwischen häuften sich die Schikanen, zum Beispiel mit der Entlassung aller deutschsprachigen Bahnhofsvorstände im Jahr 1920. Das „Wohlwollen“ Credaros erwies sich als leeres Gerede. Er gab immer mehr den italienischen Nationalisten nach, verschärfte die Zensur für die deutsche Presse, erstellte ein Programm „zum Schutz der Italiener“ und zwang im Unterland Familien mit italienischem Namen, ihre Kinder aus den deutschen Schulen zu nehmen. Die Herz-Jesu-Feuer wurden verboten. Es gab immer mehr Übergriffe von Carabinieri und Finanzpolizei sowie von italienischen Nationalisten, die von der Justiz nicht verfolgt wurden. Als eine Abordnung des Deutschen Verbandes bei Credaros Kabinettschef Montani dagegen protestierte, dass die Carabinieri bei der geringsten Kleinigkeit den Festgenommenen Ketten anlegten, sagte der Beamte: „An die Ketten werdet ihr euch gewöhnen müssen“.

Die Annexion. Ein schwarzer Tag

für Südtirol war der 10. Oktober 1920, als das italienische Parlament die Annexion Südtirols beschloss. Am Vorabend hatte sich das Volk zu gewaltigen Trauergottesdiensten versammelt. Im Parlament waren es außer den Südtirolern nur die italienischen Sozialisten, die auf Selbstbestimmung für Südtirol drängten und gegen die Annexion stimmten. In einem Aufruf aller Südtiroler Parteien hieß es: „Wir Südtiroler haben die unerschütterliche Hoffnung, dass der Tag kommen wird, an welchem uns Gerechtigkeit und weitschauende Politik die nationale Befreiung bringen werden.“ Am 24. April 1921 überfielen Faschisten den Trachtenumzug zur Eröffnung der Bozner Messe mit Handgranaten und Pistolen. Der Lehrer Franz Innerhofer aus Marling wurde erschossen, 55 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Carabinieri und Militär schützten die unbewaffneten Südtiroler nicht. Damit war klar, dass die Südtiroler im eigenen Land absolut rechtlos geworden waren. Faschistische Übergriffe häuften sich im Sommer 1921. In Brixen wurde der Adler im Eisen, ein Denkmal für die Gefallenen, zerstört, deutsche Aufschriften wurden entfernt, Häuser mit der Trikolore beschmiert. Wer sich wehrte, wurde verprügelt. Carabinieri und Militär standen ganz auf der Seite der Faschisten.


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Politik & Gesellschaft Das zerstörte Gefallenendenkmal des 2. Kaiserjäger-Regimentes Am 10. September 1922 überreichten die Faschisten dem Bozner Gemeinderat einen Katalog mit zehn Forderungen, darunter Rücktritt von Bürgermeister Julius Perathoner, Auflösung der Stadtpolizei, Abtretung der KaiserinElisabeth-Schule an die Italiener usw. Als die Gemeinde ausweichend antwortete, besetzten am 1. Oktober Hunderte von Faschisten aus ganz Oberitalien die Kaiserin-Elisabeth-Schule, die sie in „Scuola Regina Elena“ umbenannten. Die 500 deutschen Schüler, Lehrer und Schuldiener wurden verjagt. Tags darauf besetzten die Faschisten das Rathaus, hissten die Trikolore und verkündeten: „Es gibt nur ein Gesetz, und das heißt Italien.“ Die Regierung gab nach und setzte Bürgermeister Perathoner ab.

Das Programm von Tolomei. Dieser „Marsch auf Bozen“, der von Behörden und Sicherheitskräften nicht behindert wurde,

war die Generalprobe für den „Marsch auf Rom“ vom 27. Oktober 1922, der zur Machtergreifung Mussolinis führte. Am 30. Oktober 1922 wurde Mussolini vom König mit der Regierungsbildung beauftragt. Damit war der Weg frei für die vom Ultranationalisten Ettore Tolomei geforderte Assimilierung der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol und in den Sprachinseln in Norditalien. Im Juli 1923 stellte Tolomei, der in Rovereto als Sohn einer toskanischen Familie geboren war, in Bozen seinen vom faschistischen Großrat genehmigten 31 PunkteKatalog zur Italienisierung Südtirols vor. Besonders einschneidend waren die Einführung des Italienischen als einzige Amtssprache, die Entlassung aller deutschen Staatsangestellten bzw. ihre Versetzung nach Italien, Auflösung des Alpenvereins und Enteignung aller Schutzhütten, der Verbot des Namens Tirol, die Italienisierung aller Orts- und Straßennamen und

–– aller öffentlichen Aufschriften und vieles mehr. Das Programm wurde in der Folge mit äußerster Brutalität durchgezogen, wobei Polizei, Justiz und faschistische Amtsbürgermeister oft weit über die Forderungen Tolomeis hinausgingen. Am 8. August 1923 wurde der Name Tirol, auch in allen Zusammensetzungen, verboten. Südtirol durfte nur noch „Alto Adige“ heißen, ein Begriff, der in der napoleonischen Zeit für Welschtirol verwendet worden war. Verboten wurden selbst die Freiwilligen Feuerwehren. Das Verbot der deutschen Schulen wurde ab 1925 umgesetzt, geheimer deutscher Unterricht wurde streng bestraft; die Unterlandler Josef Noldin und Angela Nicoletti bezahlten dies mit ihrem Leben. Eine eigene Kommission zensierte die Inschriften der Kriegerdenkmäler; die Errichtung neuer Kriegerdenkmäler war verboten. Neubauten durften nur in „italie-

nischem Stil“ erfolgen, „deutsch“ erscheinende Gebäude wie das Stadtmuseum und die Sparkasse in Bozen erhielten „italienische“ Fassaden; geplant war sogar der Abriss der als „deutsch“ geltenden Lauben in Bozen. Schlimm waren die Grundenteignungen. Enteignete Bauern mussten sogar noch Steuer für den Grund entrichten, den man ihnen genommen, aber nicht bezahlt hatte. In den Gemeinden wurde die Demokratie abgeschafft. Faschistische Amtsbürgermeister übernahmen das Kommando, wirtschafteten in die eigene Tasche oder bedachten Verwandte und Freunde. Besonders schlimm war dies in Brixen, wo Kommissar Antonio Scipioni mit seinen Freunden ein lustiges Leben auf Kosten der Brixner führte, Feste feierte und ein teures Auto kaufte, mit dem er meist auf Reisen war. Inzwischen verschleuderte der faschistische Gemeindesekretär Nicola Fea, der aus Cremona stammte, Gemeindeimmobilien an seine Cremoneser Landsleute. Scipionis Nachfolger, Podestà Felice Rizzini, verschaffte seinen Freunden einträgliche Posten in der Stadtverwaltung. Ihre unverschämten Unterschlagungen gingen so weit, dass Gemeindesekretär Fea entlassen werden musste. Rizzini ernannte auch den Alpini-Offizier Gennaro Sora, der später als Kriegsverbrecher in Äthiopien und Autor der „preghiera dell’Alpino“ mit Fürbitten für den Duce und den König traurige Berühmtheit erlangte, zum Ehrenbürger von Brixen, was er heute noch ist. Das Brixner Kaiser-Franz-Josef Krankenhaus wurde ruiniert, indem seine besten Ärzte des Landes verwiesen und der vorbestrafte Nicola Fea als Verwalter eingesetzt wurden. Schikanöse Hausdurchsuchungen und willkürliche Ver-

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haftungen waren an der Tagesordnung. Brixens Vizebürgermeister Pius Wiesthaler wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil er angeblich ein Mussolini-Bild an einer Hausmauer beschädigt hatte. Zwei bekannte Bürger wurden festgenommen, nachdem in Brixen eine Trikolore beschmutzt worden war. Sie hatten zwar damit nichts zu tun, aber Polizeichef Marchese wollte die wütenden italienischen Nationalisten zufriedenstellen. Nach dem Attentat eines Anarchisten auf Mussolini von 11. September 1926 wurde die noch verbliebene „Oppositionspresse“ in Italien und damit auch der in Bozen erscheinende „Landsmann“ (früher „Der Tiroler“) verboten. Auf kirchliche Intervention durfte die Verlagsanstalt Tyrolia, die sich nun Athesia nennen musste, drei Monate später das Wochenblatt „Volksbote“ und die Tageszeitung „Dolomiten“ herausgeben – allerdings unter strengster Zensur. Im September 1927 wurden selbst die deutschen Grabinschriften verboten.

„Siegesdenkmal“ als Demütigung. Zu den vielen alltäglichen

Demütigungen der Südtiroler kam als weithin sichtbares Zeichen der Unterwerfung das „Siegesdenkmal“ in Bozen. Der Grundstein für dieses faschistische Monument wurde am 12. Juli 1926 vom Trientner Bischof Celestino Endrici gesegnet, obwohl der gesamte Südtiroler Klerus gebeten hatte,

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auf den kirchlichen Segen zu verzichten. Bischof Endrici segnete auch am 12. Juli 1928 den fertiggestellten Bau. Das wenige Meter vor dem „Siegesdenkmal“ gelegene Denkmal für die Gefallenen des Zweiten Tiroler Kaiserjägerregimentes wurde gesprengt. Wer zum faschistischen „Siegesdenkmal“ emporschreitet, muss bis heute das ehemalige Tiroler Gefallenendenkmal mit Füßen treten – eine ganz bewusste Symbolik, die auch nach der „Historisierung“ des faschistischen Siegesdenkmales weiterbesteht.

Option als „Endlösung“. Da auch

die schlimmste Unterdrückung nicht den gewünschten Erfolg brachte und da auch die Italienisierung durch Einwanderung viel zu langsam vor sich ging, einigten sich Mussolini und Hitler im Sommer 1939 auf die Option: Italien sollte das Land behalten, Deutschland die Menschen. Jahrzehntelange faschistische Unterdrückung und die Angst, bei der Option für Italien in den Süden oder gar in die Kolonien umgesiedelt zu werden, wie Präfekt Mastromattei angedeutet hatte, führten dazu, dass 86 Prozent der Südtiroler für Deutschland optierten. Etwa 80.000 wanderten aus, knapp die Hälfte davon kehrte nach dem Krieg zurück. Es war ein weiterer, aber nicht der letzte Akt im Drama Südtirol. Hartmuth Staffler Leserbriefe an: echo@brixner.info

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Politik & Gesellschaft

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and aufs Herz: Wer von uns kann behaupten, noch nie etwas Kaputtgegangenes in der Mülltonne entsorgt oder in den Recyclinghof gebracht zu haben? Wir gehören nun einmal zur Wegwerfgesellschaft und bekommen gerade bei kaputten elektronischen Geräten immer wieder zu hören, dass sich eine Reparatur nicht lohne. „Das müssen wir ändern“, sagten sich die Initiatoren Josef Untermarzoner, Verena Gschnell und Markus Frei, und sie riefen vor einem Jahr das Projekt „Repair Cafè“ ins Leben. „Es ist dies eine weltweite Idee, und wir sind auch in Südtirol nicht die ersten“, erzählt Untermarzoner, „wir wollen mit unserer Initiative dem Wegwerftrend entgegenwirken, die Nachhaltigkeit fördern und Hilfe zur Selbsthilfe anbieten.“ Die „Organisation für eine Solidarische Welt“ ist federführend dabei, weil auch sie von der Initiative überzeugt ist und die Idee des „Repair Cafès“ in ihr Leitbild passt. Jeden zweiten Donnerstag im Monat treffen sich Interessierte und Ratsuchende in der Bar

Visavis am Fischzuchtweg, wo sie mit Hilfe und Anleitung von Fachleuten Fahrräder, Handys, Toaster, Stereoanlagen, aber auch Textilien reparieren können.

8. November im Visavis. Etwa 25

Leute, junge wie ältere Semester, sind mit verschiedenen kaputten Gegenständen am Donnerstag, 8. November, im Visavis, und es herrscht reges Treiben. Ich hätte gerne einen kaputten Gegenstand mitgebracht, aber die elektrische Orangenpresse hat ihren Geist doch nicht aufgegeben, wie es im Frühjahr den Anschein hatte. Und ich merke bald: Nicht alle bringen etwas zum Reparieren mit. So auch Josef aus Klausen, ein ehemaliger Techniker, der aus Interesse hier ist. Marie Theres hat von der Initiative gehört, ist zum ersten Mal hier und findet die Atmosphäre super. Frau Marion bedauert, dass nichts mehr für eine lange Lebensdauer hergestellt wird. Sie hat zwei alte Uhren in ihrer Tasche und einen kleinen Kassettenrekorder, den ihre Mutter benutzt hatte. Eine Uhr ist wirklich kitschig, aber

ihre Tochter hatte sie als Kind auf einer Auktion ersteigert, und Frau Marion möchte wissen, ob es noch ein Uhrwerk dafür gibt. Alberto, der „Tuttofare“ in der Expertengruppe, kann ihr nur den Rat geben, im Internet zu recherchieren. Alberto versteht sehr gut, dass gerade alte Gegenstände mit Erinnerungen und Emotionen verbunden sind. Sein Engagement und sein Humor verbreiten Zuversicht. So hofft auch Philipp, dass der Elektriker Ernst den Fehler bei seiner Stereoanlage findet. „Die Stereoanlage ist nicht alt, aber wichtig“, klärt er mich auf, weil ich seine Stereoanlage schon als etwas in die Jahre gekommen bezeichne.

Auch Rat ist möglich. Frau Zita,

die gerne bastelt, strickt, stickt und häkelt, ist mit Begeisterung dabei. Bei ihr kann man sich Ratschläge holen, wie man zum Beispiel Wolle und Stoffe kreativ verwerten kann. „Heute lernen die Kinder in der Schule ja nicht mehr die Handarbeitsfertigkeiten wie in meiner Schulzeit“, berich-

Foto: Georg Hofer

Jeden zweiten Donnerstag im Monat finden sich in der Bar Visavis im Repair Cafè am Fischzuchtweg Menschen mit defekten oder kaputtgegangenen Gegenständen ein. Einige Experten stehen ehrenamtlich für Reparaturarbeiten zur Verfügung. Der „Brixner“ hat die Initiative unter die Lupe genommen.

tet sie etwas traurig, „Kinder, die oft dabei sind, lieben besonders meine gehäkelten Zaubertaschlen.“ Nach dem Besuch beim Beratungsdienst von Franz und Markus, die sich beim Opensource-Betriebssystem Linux gut auskennen, raucht mir der Kopf von den geballten Informationen zur Computertechnologie. Ich werde doch bei meiner Software bleiben und mir nicht Linux gratis herunterladen. „Ab heute haben wir einen zusätzlichen Dienst“, erläutert Franz, „wer einen Stick mitbringt, bekommt von uns leihweise ein Programm, mit dem man den eigenen Computer auf Viren überprüfen kann.“ Ich verspreche, mit dem Stick vorbei-

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zukommen, und verziehe mich rasch zum nächsten Tisch.

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herrscht beim Tisch von Herrn Vebia. Er tauscht gerade das Display eines Smartphones aus. Das interessiert einige! Smartphones fallen gerne auf den Boden, und das Display hat einen Sprung. So schnell geht der Austausch aber nicht, und Alexander, der dasselbe Problem hat, muss längere Zeit warten. Inzwischen ist auch der Tisch mit der Näherin besetzt. Laut Julia, die im dritten Lehrjahr ist, liegt im Textilen vieles im Argen. Sie ist hier, weil sie von der Idee des Repair Cafès überzeugt ist. „Ich finde es schade, wenn eine Hose nur wegen eines Lochs im Müll landet. Das ist überflüssiger Ressourcenverbrauch“, kritisiert sie. Friedrich, der Messerschleifer, bringt ihr einige Arbeitshosen mit Löchern und Rissen zum Flicken. Wäre ja schade um die Hosen! Friedrich ist übrigens das Original in der Expertengruppe. „Was tätet ihr alle ohne Messerschleifer, ich bin ja der Wichtigste hier!“, erklärt er mir mit seinem unverkennbaren Sarner Dialekt. Er arbeitet in Innichen und ist auch im Repair Cafè in Sillian dabei. Aber dort findet es zu seinem Leidwesen nicht so oft statt, und deswegen kommt er auch nach Brixen.

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auch eine Hausordnung. So muss sich jeder, der einen Gegenstand zur Reparatur bringt, anmelden und mit seiner Unterschrift erklären, dass er mit seiner Teilnahme keine rechtsgeschäftliche Bindung eingeht. Reparatur und Hilfestellung sind kostenlos, weil die Experten ehrenamtlich arbeiten. Die mitgebrachten Gegenstände werden gemeinsam mit den Reparaturfachleuten repariert. Garantie wird ebenfalls keine gegeben. Es gilt der Grundsatz der Hilfe zur Selbsthilfe. Ein freiwilliger Beitrag wird aber sehr geschätzt. Das Repair Cafè gibt es jetzt das zweite Jahr in Brixen. Verena Gschnell ist sehr zufrieden mit dem Erfolg: „Wir haben bereits spannende Sachen repariert: Neben Handys, Laptops und Fahrrädern, Kleidern und Küchengeräten wurden auch Grabkerzen und ein 50 Jahre altes Radio gerettet“, erzählt sie. Es ist ein Ort, wo soziale Kontakte gepflegt werden, Menschen angeregt werden, mit ihren Gebrauchsgegenständen sorgsam umzugehen und nachhaltig zu handeln. Die gute Stimmung, die da herrscht, erweckt den Eindruck einer großen Familie. Beim nächsten Mal bring ich meine Messer mit. Friedrich, der Sarner, wird sich freuen. hildegard.antholzer@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

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Politik & Gesellschaft

BRIXEN

„Mit der Zeit gehen“ Der Verein Jugendhaus Kassianeum muss sich laufend an die sich ständig wechselnden Bedürfnisse der Jugend anpassen – eine Herkulesaufgabe. Der „Brixner“ hat sich zu diesem Thema mit SILVIA ZANOTTO, PETER LIENSBERGER, BARBARA GANTHALER und PATRICK FALLER zum Gespräch getroffen. Herr Liensberger, die Türen des Jugendtreffs wurden in den vergangenen Jahren immer wieder für kurze Zeit geschlossen. Es hieß, es gab Probleme mit einigen Jugendlichen, die sich nicht zu benehmen wussten. Was ist dran an dem Gerücht? PETER LIENSBERGER: Schauen Sie, ich bin mittlerweile seit 23 Jahren im Jugendhaus tätig. Es gab in all den Jahren immer wieder Phasen, in denen alles reibungslos funktionierte, und Phasen, in denen wir uns gewissen Herausforderungen stellen mussten. Wir haben das Konzept des Jugendzentrums in meiner Zeit an die zehn Mal überarbeitet – das zeugt

aus meiner Sicht für Qualität. Wir setzen alles daran, effizient zu arbeiten und unsere Arbeit immer wieder zu hinterfragen. Unser Angebot hat sich verändert und wurde erweitert. Nun war es an der Zeit, das Konzept des offenen Treffs wieder zu überdenken, weil es nicht mehr wie gewünscht funktionierte. Wir sind nun weg vom „offenen Treff“, hin zu spezifischer Projektarbeit. Die Bedürfnisse der Jugendlichen haben sich verändert, und auch wir müssen mit der Zeit gehen. Sie unterscheiden in Ihrer Struktur Jugendzentrum, Jugendtreff und das Jugendhaus. Was unterscheidet das eine vom anderem?

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Peter Liensberger: Der Verein „Jugendhaus Kassianeum“ steht auf drei Tätigkeitssäulen. Die erste ist die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern im Jugendbereich in Südtirol oder all jenen, die Jugendliche auf ihren Weg begleiten. Das zweite Standbein ist die Jugendherberge, die mit 67 Betten Gäste aus der ganzen Welt, vor allem aber aus dem Bildungsbereich beheimatet. Zudem führen wir die Jugendherbergen in Bozen, Meran und Toblach. Die dritte Säule ist das Jugendzentrum, zu dem der offene Treff gehört, über den wir vorhin gesprochen haben, aber auch die aufsuchende Jugendarbeit und die Projektarbeit, zu der

beispielsweise der Mittagstisch für Jugendliche, das Projekt „young action“ oder auch das Projekt „Steps.bz“ gehören. Wir möchten uns in unserem Gespräch auf das Jugendzentrum konzentrieren, weil sich dort einiges verändern wird. Was genau? PATRICK FALLER: Der Jugendtreff war bisher eine Bar ohne Konsumzwang, die fünf bis sechs Tage pro Woche geöffnet war. Es wurde Playstation gespielt, Billard oder Calcetto, etwas getrunken und einfach zusammengesessen – ganz nach den Wünschen der Jugendlichen. Immer wieder

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Jugendliche sollen künftig mit Projektarbeit erreicht werden – zu Themen wie Alkoholprävention, Gender, Mobbing oder Sexualpädagogik

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wurden Projekte veranstaltet, an denen die Jugendlichen je nach Interesse teilnehmen konnten. Immer mehr wurde letzthin das Coaching nachgefragt: Jugendliche kamen in den Treff, um sich beim Schreiben ihres Lebenslaufes, bei der Wohnungssuche, beim Lernen für den Führerschein oder ähnlichem helfen zu lassen. Wir haben aufgrund dessen beschlossen, diese Coaching-Geschichten

bleibt zwar bestehen, wird aber mit anderen Inhalten gefüttert. Es gibt den Treff nun nur mehr in Kombination mit Projekten: Es werden Filmabende organisiert, gekocht oder gezielte Aktionen organisiert, die gerade aktuell sind. Wir möchten weg von dem „Herumhängen“ und die Jugendlichen intensiver und gezielter begleiten. Und das schaffen wir durch Projekte.

chen. Es gibt generell kaum noch Partys für Jugendliche. Man sieht sie aber auch kaum in der Stadt, sondern wenn, dann direkt in der Diskothek. Gefeiert wird heute bei jemandem daheim, und dann wird erst ausgegangen. SILVIA ZANOTTO: Das liegt auch daran, weil der öffentliche Raum für Jugendliche immer mehr eingeschränkt und begrenzt wird. Man

„Das Kassianeum spricht alle Jugendlichen an: Sie können sich bei uns informieren, Fragen stellen und an unseren Projekten teilnehmen“_ Silvia Zanotto, Präsidentin des Vereins „Jugendhaus Kassianeum“ zu intensivieren. Wir wollen darauf aufbauen, weil die Nachfrage da ist und viele Jugendliche nicht wissen, an wen sie sich mit diesen Belangen sonst wenden sollen. Zudem werden wir in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Jugendring das erste Jugendinfobüro des Landes einrichten. Wir starten diesen Infopoint als Pilotprojekt, das dann landesweit umgesetzt werden kann. Jugendliche können sich dort über alle Themen informieren, die ihnen gerade wichtig sind, und dazu Infomaterial sammeln. Peter Liensberger: Wir haben uns auch ganz bewusst vom System Bardienst verabschiedet. Der Treff

Inwiefern haben sich denn die Bedürfnisse der Jugendlichen in den letzten 20 Jahren verändert? Peter Liensberger: Die Jugendlichen vernetzen sich aufgrund der zahlreichen technischen Möglichkeiten heute ganz anders als früher. Vor 20 Jahren hat man einen Raum als Treffpunkt gebraucht, um sich zu organisieren, sich zu verabreden, um dann etwas zu unternehmen. Heute geht das über Whatsapp oder ähnlichem. Früher waren die Mittelschulpartys der Renner im Kassianeum – diese Notwendigkeit gibt es heute nicht mehr. Patrick Faller: Die Besucherzahlen sind bei diesen Festen eingebro-

steht unter ständiger Beobachtung durch die heutige Gesellschaft. Die Konsumgesellschaft hat sich extrem verändert, und sie bietet natürlich nicht nur Dinge, die den Jugendlichen gut tun. Aber wenn der öffentliche Raum für Jugendliche immer stärker eingeschränkt wird, müsste theoretisch für einen offenen Treff doch eine immer stärkere Nachfrage bestehen? Peter Liensberger: Man muss bedenken, dass die Jugendlichen eine Vielzahl an Möglichkeiten haben. Allein durch den „Südtirol Pass“ können sie sich im ganzen Land bewegen. Das Kassianeum

wird als Treffpunkt nicht mehr gebraucht. Was gebraucht wird, sind Berater und Begleiter in den verschiedensten Lebenslagen. Die Jugendlichen von heute sind vielfältig und unterschiedlich, und sie kommen aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten und aus verschiedenen Kulturen. Wie will ein Jugendzentrum es schaffen, diese Anzahl an verschiedenen Bedürfnissen abzudecken? BARBARA GANTHALER: Durch Projekte. Es werden wahrscheinlich nicht alle Bedürfnisse abgedeckt, aber viele. Wir gehen auf die Jugendlichen ein, sprechen mit ihnen und klären ab, was sie brauchen. Ob Alkoholprävention, Gender, Mobbing oder Sexualpädagogik – das sind alles Themen, die in unseren Projekten aufgegriffen werden – und die auf Interesse stoßen. Wir erreichen dadurch Jugendliche jeglicher Herkunft. Beim Projekt „young action“ beispielsweise, bei dem die Jugendlichen in sozialen Einrichtungen mithelfen können, haben wir einen enormen Zuspruch – hauptsächlich von Einheimischen, aber auch von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Die Jugendlichen kommen aus den verschiedensten Bereichen – mal mehr von einer Richtung, mal mehr von der anderen. Patrick Faller: Auch das „Graffitiprojekt“ ist bei den Jugendlichen 19


Silvia Zanotto: Die Jugend unterliegt einem Entwicklungsprozess, der aus vielen Phasen besteht: Der Körper verändert sich, man muss sich selbst akzeptieren lernen, man muss sich loslösen und selbst orientieren, ein soziales Verantwortungsbewusstsein entwickeln und einen Lebensplan erstellen – ziemlich viel Arbeit für einen jungen Menschen! Was wir als Verein anbieten können, ist es, den Jugendlichen in diesem Selbstfindungsprozess helfend zur Seite zu stehen. In unseren Projekten werden die verschiedenen Entwicklungsphasen aufgegriffen. Die Jugendlichen befinden sich in einem schwierigen Alter, das viele Herausforderungen mit sich bringt, und nicht alle kommen damit zurecht. Ist das der Grund – und damit kommen wir auf die erste Frage zurück –, warum der bisherige Treff in der bisherigen Art seine Tore schließen musste? Silvia Zanotto: Es gab natürlich auch Jugendliche hier im Treff, die mit diesen Herausforderungen effektiv nicht zurechtkamen. Sie kamen aus einem anderen Background, aus einer anderen Lebenswelt. Sie hatten große Probleme mit dem Leben, mit der Schule, mit ihrer eigenen Entwicklung. Da geht unsere Arbeit schon in Richtung Jugendsozialarbeit. Unsere Aufgabe ist es, den Jugendlichen zu helfen, auch jenen, denen es schlecht geht, die keine Orientierungspunkte haben. Das betrifft aber nicht nur den Treff, sondern

info Die Gesprächspartner Silvia Zanotto: Präsidentin des Vereins Jugendhaus Kassianeum Peter Liensberger: Geschäftsleiter des Vereins Patrick Faller & Barbara Ganthaler: Pädagogische Mitarbeiter 20

Und wenn man Jugendliche, die von euch betreut wurden, auf dem falschen Weg wiederentdeckt?

Foto: Oskar Zingerle

Politik & Gesellschaft

gut angekommen. Wir haben nun bereits mehrere Workshops organisiert, bei denen wir – in Absprache mit der Gemeinde – mit Jugendlichen verschmierte Wände neu bemalen durften. Wir planen auch ein Projekt mit den Jugendlichen, die den Skatepark in der Mozartallee nutzen, der leider bald abgebaut werden soll. Wir helfen ihnen, einen neuen Standort zu finden und den Park neu aufzubauen.

Patrick Faller: Man kann nicht alle retten. Die einzelnen Erfolgserlebnisse bügeln das wieder aus, und das gibt einem den Kick, weiterzuarbeiten und nicht aufzugeben. Man kann nicht mit dem Anspruch starten, jeden auf den richtigen Weg zu bringen – das ist ein Nonsens. Damit wären wir maßlos überfordert.

Peter Liensberger: „Die Jugend braucht das Kassianeum nicht mehr als Treffpunkt, sondern als Berater und Begleiter“

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auch die Schule. Das Thema ist allgegenwärtig: Diese Jugendlichen haben es schwer, reagieren anders als wir es gewohnt sind und sind sich ihrer sozialen Verantwortung nicht bewusst. Sie haben einfach Schwierigkeiten, ihre Rolle in der Gesellschaft zu finden. Peter Liensberger: Ein neues Konzept ist gleichzeitig eine neue Art und Weise, um die Jugendlichen zu erreichen. Diese besagten Jugendlichen haben wir mit dem offenen Treff nicht erreicht – deshalb das Umdenken. Wir erreichen sie durch neue Maßnahmen, die wir jetzt planen und umsetzen. Man muss ihnen klarere Regeln vorgeben, sie beschäftigen und begleiten. In keinster Weise wollen wir sie hinaussperren; wir wollen sie auf eine andere Art und Weise einspannen. ... und diese wäre? Patrick Faller: Das Jugendsozialprojekt „Steps.bz“ beispielsweise; eine Werkstatt, in der Jugendliche bei praktischen Arbeiten Hand anlegen können. Das funktioniert wirklich gut. Wichtig ist, dass wir die Jugendlichen abholen – hier im Kassianeum oder auch in der Schule – und sie dann mitnehmen. Barbara Ganthaler: Man kann insbesondere bei diesem Projekt, aber auch bei vielen anderen, viel besser mit den Jugendlichen in eine Beziehung treten. In der Werkstatt werden teilweise sehr intensive Gespräche geführt – die im Treff so nicht stattgefunden haben. Peter Liensberger: Mit diesen Projekten arbeiten wir im präventiven Bereich, und wir geben den

Jugendlichen Öffentlichkeit – wie zum Beispiel mit dem selbstgebauten Blumentrog in Stufels oder dem Fahrradständer am Bauernmarkt. Auch diese Jugendlichen können etwas leisten – man muss sie nur führen und begleiten. Silvia Zanotto: Wir müssen aber eines klarstellen: Die Jugendlichen, die effektiv Probleme haben, stellen nur einen winzigen Prozentsatz aller Jugendlichen dar. Als Kassianeum sprechen wir aber alle Jugendlichen an; wir können uns nicht auf diese wenigen reduzieren. Alle können sich bei uns informieren, Fragen stellen und unsere Angebote in Anspruch nehmen. Über Schulprojekte und andere Projekte erreichen wir viele Jugendliche – auch das ist eine Form von Jugendarbeit. Nichtsdestotrotz unterliegt dieser Jugendsozialbereich einer schweren Handhabe. Umso mehr freut man sich wahrscheinlich über Erfolge, oder? Patrick Faller: Ja, schon. In der Arbeitsvermittlung beispielsweise ist es immer wieder ganz toll, wenn wir jemanden zu einer Arbeit verholfen haben – was manchmal auch sehr lange dauern kann. Meist helfen wir beim Bewerbungstext und beim Schreiben des Lebenslaufs. Derzeit helfe ich einem taubstummen Mann aus Pakistan, eine Wohnung zu finden. Wir bekommen zwar eine Absage nach der anderen, aber ich bin zuversichtlich, dass es irgendwann klappen wird. Vor kurzem hat ein Jugendlicher, mit dem ich jeden Tag eine gute Stunde auf die Theorieprüfung des Führerscheins gelernt habe, die Prüfung geschafft. Das gibt einem schon sehr viel.

Peter Liensberger: Unser Ziel ist es, die Jugendlichen ein Stück zu begleiten. Wir versuchen, einen geeigneten Partner zu finden, der sie dann weiterführt. Herr Liensberger, zum Abschluss noch eine Frage, die die Zukunft des Kassianeums und auch Ihre Person betrifft: Sie gehen 2019 nach 23 Jahren als Geschäftsleiter des Vereins in den Ruhestand. Wie wird es weitergehen? Peter Liensberger: Mir war es wichtig, dass ich den neuen Geschäftsleiter noch eine Zeitlang begleiten kann, deshalb wurde die Stelle bereits jetzt ausgeschrieben. Es steht bis zu meiner Pensionierung noch einiges an Projekten an. Ich wünsche mir eine Person, die den Verein in meinem und im Geiste des Jugendhauses Kassianeum weiterführt. Ich bin dem Vorstand sehr dankbar, dass er Weitsicht zeigt und sich jetzt schon auf die Suche begibt – dieses komplexe Gebilde braucht Zeit, um eine optimale Übergabe zu garantieren. Mir war es immer wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt stehen und alle Entscheidungen mit diesem Hintergedanken getroffen werden. Wenn das weiterhin so bleibt, kann ich beruhigt meine Pension antreten. Silvia Zanotto: Der Vorstand ist zuversichtlich, einen passenden Nachfolger zu finden, auch wenn wir Peter mit einem weinenden Auge verabschieden. Wo wir allerdings noch Unterstützung benötigen würden, ist im Vorstand selbst. Ich möchte hiermit einen Aufruf an die Bevölkerung starten und hoffe, dass uns der eine oder andere in diesem Ehrenamt unter die Arme greift und uns dabei hilft, die Jugend von morgen auf den richtigen Weg zu bringen. evi.hilpold@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info


BRIXEN

„SCHIFOSO!“ Ein 19-jähriger drogensüchtiger Asylansuchender aus Nigeria mit psychischen Problemen, eine auch in der Kommunikation überforderte Flüchtlingsstruktur und eine Vergewaltigung, die keine war: Brixens Ex-Schenoni war letzthin italienweit in den Schlagzeilen. Die schlechteste Figur machte dabei Innenminister Matteo Salvini: Über Facebook verbreitete er bewusst Lügen. Schifoso!

kalation – ich gehe davon aus, dass er unter Drogeneinfluss war. Was am Freitagnachmittag dann vorgefallen ist, hat sich also im Laufe der vorhergehenden drei Tage langsam aufgeschaukelt.

Foto: Oskar Zingerle

E

s ist der 11. November, ein Sonntag, sieben Minuten vor Mittag. Am FacebookAccount von Italiens Innenminister Matteo Salvini erscheint ein Eintrag, der sich in Brixen wie ein Lauffeuer verbreitet: „Un ‚richiedente asilo‘ nigeriano di 19 anni, pregiudicato, è stato arrestato per aver violentato venerdí sera a Bressanone (Bolzano) la responsabile del centro che lo ospitava. SCHIFOSO! Ora grazie al #DecretoSalvini per un caso come questo c’è l’ESPULSIONE!“ 37 Minuten später übernimmt die Nachrichtenagentur ANSA die Meldung und bringt Brixen damit endgültig in die Schlagzeilen. ANSA ist nach Reuters, Associated Press, Agence France-Presse und Spaniens EFE immerhin die fünftgrößte Nachrichtenagentur der Welt. Es dauert nicht lange, dass auch Südtirols Nachrichtenportale eine „Vergewaltigung im Brixner Flüchtlingslager“ vermelden.

Gut, später werden Sie mir dann noch erklären, wie ein Asylansuchender eigentlich zu Drogen kommen kann. Wie man hört, hat der junge Mann psychische Probleme.

„Na, gute Nacht!“. Bei Wilma

Huber, die in der Flüchtlingsstruktur Ex-Schenoni arbeitet, piepst das Handy nun ohne Pause: „Es waren unzählige Freunde, die mir geschrieben haben: ‚Oh Gott, hoffentlich bist nicht du das Opfer!‘ Ich wusste anfangs gar nicht, was sie meinten.“ Als ihr jemand per WhatsApp den Post des Innenministers zusandte, fiel sie aus allen Wolken: „Na, gute Nacht!“ Denn von einer Vergewaltigung konnte keine Rede sein, und sie wusste das natürlich als direkt Betroffene am besten. Die Verwirrung ging aber weiter, denn die Aussagen in den Medien widersprachen sich in der Folge, zumindest teilweise. Ein Vertreter des Roten Kreuzes, das seit dem kürzlichen Abschied des Sozialunternehmens SPES die Ex-Schenoni leitet, erklärte einem TV-Reporter, dass sich am Freitagabend zwei Asylansuchende etwas in die Haare geraten seien. Eine Mitarbeiterin sei eben unvorsichtigerweise dazwischengegangen, wovon sie zwei kleine Prellungen

Wilma Huber: „Von einer Vergewaltigung kann keine Rede sein“

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in Münzengröße davongetragen habe. Alles nicht so schlimm, sagte er. Andere Medien sprachen dann, wenn nicht von Vergewaltigung, so doch von „sexueller Belästigung“ und einer Verhaftung. Diese Verwirrung hätte locker vermieden werden können, wenn bereits am Samstagvormittag vom Roten Kreuz eine ehrliche Pressemitteilung versandt worden wäre. Das wurde versäumt. Der „Brixner“ wollte aus erster Hand erfahren, was passiert war, und lud Wilma Huber am darauffolgenden Montag in die Redaktion ein. Frau Huber, was ist wirklich vorgefallen am vergangenen Freitag?

WILMA HUBER: Die Einladung freut mich, denn so habe ich die Gelegenheit zu erzählen, was wirklich war. Das ist umso wichtiger, da es auch um mich als Person geht. Sie können sich vorstellen, dass es Angenehmeres gibt als an einem Sonntag in einem Post des italienischen Innenministers zu lesen, dass man vergewaltigt worden sei. Vor allem dann, wenn es gar nicht stimmt. Was ist aber wirklich passiert? Schauen Sie, die Geschichte ist kompliziert, weil sie einen Asylansuchenden betrifft, der von Anfang an in unserer Struktur Probleme bereitet hat. In den letzten drei Tagen gab es dann aber eine Es-

Das ist eines der Grundprobleme: Es gibt aus meiner Sicht eine verschwimmende Grenze zwischen psychischen Auffälligkeiten und krimineller Energie. Junge Menschen, die aus schwierigen Situationen kommen, sind oft traumatisiert, und mit diesen Traumata können wir in der Regel auch gut arbeiten. Solche Fälle gibt es in Südtirol viele. Bei ihm aber war es anders, und wir stellten uns immer wieder die Frage: Ist er nun wirklich psychisch krank, ist er geistig zurückgeblieben, oder spielt er uns allen nur etwas vor? Fakt ist: Sobald er ausrastete, entwickelte sich eine ziemliche Aggressivität. Auch am Freitag? Schon am Mittwoch und Donnerstag hat er ständig einen weiteren Bewohner drangsaliert, ihn immer wieder provoziert. Wir haben dann versucht, ihn permanent zu beaufsichtigen. Am Freitagfrüh stand er plötzlich vor mir im Treppenhaus. „How are you?“, fragte er, worauf ich sagte: „I’m angry, because you don’t respect the rules.“ Darauf säuselte er „I love you”, aber ich habe ihm natürlich klar zu verstehen gegeben, dass er bei mir keine Chancen hat. „Smamma!“, schrie ich ihn an, „vai via!“ Darauf entfernte er sich. Und dann kam plötzlich die Polizei. Hat sie jemand von der Ex-Schenoni gerufen? 21


Politik & Gesellschaft

Nein. Sie sind zu uns gekommen, weil es in einem Supermarkt einen Diebstahl gegeben hat. Am Foto der Überwachungskamera war er dann klar zu erkennen. Ich habe ihn mit dem Foto konfrontiert: „Sag mal, spinnst du?“ Er aber spielte den Unschuldigen. Die Polizei hat daraufhin ein Protokoll aufgenommen – und sich wieder verabschiedet. Er kam dann wieder auf mich zu – ich schrie ihn an: „Don’t touch me!“ Die restlichen Bewohner der Ex-Schenoni sind ziemlich erschrocken und haben ihn zurückgehalten. Also ging ich wieder zur Arbeit – und plötzlich stand er wieder hinter mir: „Capo, I love you!“, und dabei griff er mir auf den Busen, worauf ich einen Schrei abließ. Der spinnt jetzt total, hab ich mir gedacht. Meiner Kollegin reichte es dann; sie sagte: „Adesso basta, chiamiamo la Polizia, facciamo la denuncia per molestia sessuale.“

Bitte? Ja, wieder direkt auf mich zu. Er sagte: „Capo, what’s happen?“ Wir haben ihm gesagt, er soll im Treppenhaus warten, und die Carabinieri haben auf ihn aufgepasst. Am späten Nachmittag kam dann endlich die erlösende Nachricht der Staatsanwaltschaft: Er soll verhaftet werden. Die Carabinieri haben ihn also mitgenommen, und ich bin in die Kaserne gefahren, um dort meine Aussage zu formalisieren, und die Polizeibeamten haben diese zweiseitige Aussage bestätigt. Daraufhin wurde ich ins Krankenhaus gebracht, wo man zwei Blutergüsse festgestellt hat, der eine am Unterarm war fünf mal sieben Zentimeter groß. Dann fuhr ich nach Hause – die Sache war für mich erledigt.

eine Mitarbeiterin des Südtiroler Sanitätsbetriebes, „io ti taglierei i coglioni e te li farei ingoiare“, schreibt Gigliola M., „Al muro, plotone di esecuzione e dentro una buca due metri sotto terra. E silenzio“, schreibt Enrico C. Wer in eine Kloake der menschlichen Abgründe des Jahres 2018 hinabsteigen möchte, braucht sich nur durchzuquälen durch die 3.000 Kommentare dieses Posts.

Die perfide Kommunikationsstrategie des „Capitano“. Salvinis Lüge war indes keineswegs ein Ausrutscher; die Strategie hat System. Facebook ist für den Innenminister zum wichtigsten Kommunikationskanal geworden: Drei Millionen Italiener folgen seiner Seite, 95 Prozent der FacebookNutzer Italiens waren irgendwann

in Großbuchstaben geschrieben werden müssen. Die Posts müssen kurz sein und beinhalten meist eine Aufforderung zum Mitmachen oder Teilen. Vor allem aber kommentiert das Team von Salvini aktuelle Begebenheiten, wenn sie zur politischen Agenda des Innenministers passen. Auch die Uhrzeiten der Posts sind klar definiert und hängen von Erfahrungswerten der Interaktionen ab. Seine Fans nennt er „Amici“, immer mit einem großen „A“ beginnend, und er schreibt immer in der Wir-Form: „noi“ und nicht „io“. Und natürlich die ständige Zusicherung: „Non si molla di un millimetro.“ Massimo Bessone, frischgebackener Landtagsabgeordneter der Lega, bestätigt dem „Brixner“ gegenüber, dass Salvini die Posts

Also kam wieder die Polizei ... ... und ließ ihn, nachdem sie ihn in eine herbeigerufene Ambulanz gesteckt haben, wogegen er sich gewehrt hat, ins Krankenhaus einliefern für ein T.S.O., denn offiziell ist er ja psychisch krank. Eine Verhaftung ist bei den „vulnerabili“ ja nicht möglich. Zur Erklärung: T.S.O. ist die Abkürzung für „Trattamento sanitario obbligatorio“. Sobald durch eine psychische Erkrankung die Sicherheit des Patienten gefährdet ist oder er eine Gefährdung für die Allgemeinheit darstellen kann, wird ihm die ständige Einnahme von Psychopharmaka verschrieben. Wenn er diese Einnahme ablehnt, erhält der Patient bei auffälligem Verhalten eine Depotspritze, die je nach Dosis eine oder zwei Wochen wirkt. Das war’s also? Nein, denn zwei Stunden später rief der Mitarbeiter vom Krankenhaus an, dass wir ihn wieder holen können, denn er verhalte sich sehr stabil, und es gebe keinen psychiatrisch bedingten Grund, ihn im Krankenhaus zu behalten. Also haben wir mit der Hausleitung besprochen, was wir tun können. Die Carabinieri haben sich geweigert, ihn wieder zur Ex-Schenoni zu bringen; also haben sie die Staatsanwaltschaft interpelliert. Während wir auf eine Antwort gewartet haben, latscht er plötzlich zur Tür herein. 22

Der Post von Innenminister Matteo Salvini auf facebook – eine glatte Lüge Wir stellen also fest: Es hat am Freitag KEINE Vergewaltigung gegeben. Also war der Post von Innenminister Matteo Salvini eine glatte Lüge, für deren klare Absicht der Volksverhetzung er in einer „normalen“ Demokratie von seinem Regierungssessel geradewegs in die Wüste gejagt würde. Der Innenminister hingegen erachtet es nicht einmal für notwendig, eine Richtigstellung zu veröffentlichen – und das ist auch kein Wunder, denn das wäre für seine Popularität kontraproduktiv. Für seine Lüge wird er hingegen (Stand: 20. November) mit knapp 29.000 Likes belohnt, dieser Post wurde 3.500 Mal geteilt. Aus den meisten der 3.037 Kommentare kann man herauslesen, dass die Facebook-User überhaupt kein Interesse dafür haben zu erfahren, was wirklich passiert ist: „Ma tagliateli la testa“, schreibt zum Beispiel Irene L., laut Facebook

mit einem seiner Posts bereits in Kontakt. Wie die „Repubblica“ vor einiger Zeit aufgezeigt hat, stammen die Posts nicht von ihm selbst; er hat dafür ein mindestens siebenköpfiges Social-MediaTeam, das vom 45-jährigen Luca Morisi geleitet wird. Morisi arbeitet bereits seit 2013 für Salvini, er „erfand“ für ihn den Übernamen „Capitano“ und definierte „i dieci comandamenti“, nach denen sich Form, Inhalt und auch kleine Details aller Posts Salvinis richten müssen. Ohne diese Regeln könnte das übergeordnete Ziel nicht erreicht werden: Alle Posts müssen so aussehen, als hätte sie der „Capitano“ selbst geschrieben. Zum Beispiel: Jeden Tag muss es mehrere Posts geben, damit die Fans ständig bedient werden; zwischen 80 und 90 sind es jede Woche. Die Interpunktion erfolgt nach klaren Regeln; auch, dass einige wichtige Wörter immer

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nicht selbst verfasst. Dass der Innenminister keine Richtigstellung veröffentlicht und sich bei Wilma Huber nicht entschuldigt hat, ist auch für Bessone eine Enttäuschung: „Ho provato a contattarlo, gli ho anche scritto, ma non mi ha risposto.“ Daraus folgt folgende Erkenntnis: Der Superstar-Status des Innenministers basiert zu einem bedeutenden Teil auf einer klaren Strategie, die das Schüren von Ängsten der Bevölkerung und das Verbreiten von Lügen nicht ausschließt. Dass aber diese Strategie bei breiten Teilen der Bevölkerung auf so fruchtbaren Boden fällt und die Lega dadurch zur stärksten politischen Kraft Italiens geworden ist, muss daran liegen, dass die Folgen einer Massenmigration und deren Wirkung auf die Stimmungslage der Bevölkerung von den bisherigen politischen Verantwortungsträgern vollkom-


Frau Huber, Sie sagten, der Nigerianer machte von Anfang an Probleme? Ja. Er ist seit dem Frühjahr bei uns; vorher war er bei Lemayr in Bozen untergebracht in der Unterkunft für Minderjährige. Nach einer Episode der Gewalt hat das Jugendgericht eine Knochenanalyse angeordnet, bei der herausgekommen ist, dass er gar nicht minderjährig sein kann. Da er als psychisch krank gilt, konnte er aber nicht ausgewiesen werden. Also kam er zu uns. Im Juni war er plötzlich eines Nachts unentschuldigt abwesend. Aus der Zeitung haben wir erfahren, dass er im Gefängnis gelandet war, weil er jemandem eine Flasche an den Kopf geworfen hat. Wir haben daraufhin im Gefängnis angerufen, aber man wollte uns keine Auskunft geben. Auch über den Tathergang haben wir von keiner Seite irgendeine offizielle Mitteilung erhalten. Drei Tage später ist er plötzlich wieder bei uns aufgetaucht. Sie mussten ihn wieder aufnehmen, ohne genau zu wissen, was er eigentlich angestellt hatte?

Problemen und Drogen ist bei jedem Menschen gefährlich – unabhängig von der Hautfarbe. Hatte er keine Angst vor der Justiz? Schauen Sie, von Ihrer Heimat sind sie es gewohnt, dass sie sofort in den Knast kommen, sobald sie etwas anstellen. Bei uns werden sie zumeist lediglich angezeigt und kommen sofort wieder frei. In ihrer Wahrnehmung werden sie überhaupt nicht bestraft für ihre Vergehen. Wir stellen also fest: Asylansuchende mit psychischen Problemen werden in Strukturen aufgenommen, die dafür gänzlich ungeeignet sind. Wir kontaktieren Roger Pycha, Leiter des psychiatrischen Dienstes in Brixen. Herr Pycha, kann man psychische Probleme simulieren?

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ROGER PYCHA: Ja, natürlich. Bei diesem speziellen Fall ist allerdings nicht davon auszugehen. Weitere Details darf ich dazu leider nicht geben; sie fallen unter das Arztgeheimnis. Die Mitarbeiterin in der Ex-Schenoni hat uns erklärt, ein Mann mit solchen Problemen gefährde die Struktur ...

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Ja, denn sie hat weder die geeigneten räumlichen noch personellen Ressourcen, die für die Versorgung solcher Patienten notwendig ist.

Wie aber kam er zu den Drogen?

Wo sich der 19-jährige Nigerianer bei Drucklegung dieses „Brixner“, zwei Wochen nach dem besagten Freitag, befindet, ist nicht bekannt. „Auf keinen Fall wird er wieder in einem ‚Centro di Accoglienza straordinaria‘ (CAS) untergebracht werden“, sagt Wilma Huber, „wahrscheinlich landet er in einer soziopädagogischen Einrichtung, außerhalb von Südtirol.“ Und: „Ohne ihn können wir endlich wieder beruhigt arbeiten.“ Denn die restlichen 59 Bewohner der Ex-Schenoni, von denen bis auf einen einzigen alle einer geregelten Arbeit nachgehen, sind über den Image-Schaden der Struktur genauso erbost wie Huber: „Die Leute werden nach solchen Begebenheiten glauben, alle Afrikaner seien Bestien.“ Das stimme natürlich nicht, sagt Huber, ganz im Gegenteil.

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Ja, das ist richtig. Er lebt mit uns, und wir wissen nichts. Irgendwann haben wir gemerkt, dass er Drogen nimmt. Man sieht das den Leuten an.

Die bekommen alles, auch ohne Geld. Ich habe ihn zur Rede gestellt. Er sagte, von seinen Freunden in Bozen bekäme er immer etwas. Wir haben ihm zu helfen versucht, mit ihm lange Gespräche geführt, ihm auch mit Hilfe der Gemeinde in einer Mensa eine Beschäftigung organisiert. Das hat eine Weile recht gut geklappt. Irgendwann wollte er nicht mehr gratis arbeiten. Ohne Medikamente war er ziemlich aufgekratzt. Ich habe immer genau dokumentiert, wann er die Pillen nicht genommen hat, und ich habe an die Verantwortlichen unzählige E-Mails geschrieben: „Heute hat er die Medikamentenaufnahme wieder verweigert, er ist aggressiv und eine Gefahr für unsere Struktur.“ Es kam nie eine Antwort. Wissen Sie, die Kombination zwischen psychischen

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men unterschätzt wurden – und dass der Rechtsstaat in damit zusammenhängenden Situationen oft überfordert ist.

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Politik & Gesellschaft

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Erstes Netzwerktreffen z Jährlich ziehen über hundert Menschen nach Brixen – mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Der Bedarf an einem Netzwerk, das Wissen rund um Behörden und Angebote sichert, das Leistungen genau definiert und effizienter zugänglich macht, wurde vom Beirat für Migration und Integration der Gemeinde Brixen angemeldet. Vor kurzem nun fand auf Initiative von Stadträtin Monika Leitner im AdrianEgger-Saal in Brixen das erste Netzwerktreffen für Migration

P&G

statt. Dessen Ziel war es, die verschiedenen Akteure im Gemeindegebiet an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam Erwartungen, Ziele und Wünsche an ein Netzwerk für Migration abzuklären. 30 Vertreter verschiedener Institutionen und Organisationen Brixens waren der Einladung gefolgt. Maria Liendo, Christina Bacher, Clara Oberhollenzer und Heidi Erlacher arbeiten als Mitglieder des Beirates in der Steuergruppe am Netzwerkaufbau mit. sp

BRIXEN

Waldwochen für Kindergartenkinder z Auf einem Waldstück in Milland können sich die Kinder der Brixner Stadtkindergärten künftig einige Wochen pro Jahr austoben. „Wir möchten den Kindern die Möglichkeit geben, ihre praktischen Bedürfnisse zu erfüllen, indem sie in einem Waldstück mit den Naturmaterialien spielen und sich in freier Natur bewegen können. Dies ist in den begrenzten Außenbereichen der Stadtkindergärten nicht möglich“, erklärt die Stadträtin für Kindergärten, Monika Leitner. Mit der Direktorin des Kindergarten-

kurz

notiert

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Foto: GettyImages, Anastasiia Boriagina

Politik & Gesellschaft

sprengels, Bernadetta Grießmair, machte sie sich auf die Suche nach Partnern und nach einem geeigneten Platz – und sie wurden fündig. Ein Grundstück in Milland, das an den Trametschbach grenzt und von der Stadt aus leicht erreichbar ist, wird für das Projekt von den Eigentümern, dem Vintlerhof der Comboni Missionare und Raimund Stockner, zur Verfügung gestellt. Miriam Zenorini, die Pächterin des Vintlerhofs, die dort soziale Landwirtschaft betreibt, will das Waldgrundstück dafür adaptieren.

Um die notwendigen Geldmittel zu erhalten, nahm sie am nationalen Wettbewerb „Coltiviamo agricoltura sociale“ teil – und schaffte es aus den 800 Projektvorschlägen unter die besten 66. Ob die Fördergelder effektiv nach Milland gehen werden, steht erst fest, sobald dieser „Brixner“ bereits in Druck

ist. Umgesetzt wird das Projekt gemeinsam mit der Gemeinde Brixen aber auf jeden Fall: „Wir werden gegebenenfalls verifizieren, wie wir die nötigen Infrastrukturen finanzieren, damit die Kinder die Waldwochen am Hof erleben und dort mit Natur und Tier in Kontakt kommen können“, so Leitner. eh

Die Gemeinde Brixen hat 15.000 Euro bereitgestellt für Renovie­ rungsarbeiten am Kirchlein St. Cyrill. Ein neuer Brunnen wurde aufgestellt, das Dach ausgebessert und ein neuer Zaun an der Südseite errichtet. Mesner Martin Unterfrauner organisierte die Arbeiten mit Hilfe der Stadträte Paula Bacher und Josef Unterrainer.

500 Seiten stark ist die Sammlung der jüngsten Ereignisse aus Milland, die in der Millander Chronik zusammengefasst sind. Emil Kerschbaumer hat ehrenamtlich die in den vergangenen zwei Jahren veröffentlichten Druckerzeugnisse, Fotos und Berichte zusammengetragen. Die Chronik hat er kürzlich dem Brixner Stadtrat vorgestellt.

In Vahrn soll eine Denkwerk­ statt, bestehend aus ca. sieben Personen, eingerichtet werden. Diese soll sich mit der Bevölkerung um eine nachhaltige gesellschaftliche und wirtschaftliche Dorfentwicklung bemühen. Als erste Einsatzmöglichkeit ist die Nutzung des Areals der Kaserne Verdone angedacht.


NACHGEFRAGT

„Unvorhergesehene Schwierigkeiten“ Herr Gruber, eigentlich war geplant, dass die Arbeiten am Kleinen Graben bis Ende Novem­ ber abgeschlossen sind. Warum gibt es eine Verzögerung? Die beauftragte Baufirma aus dem Trentino hat zu wenig Personal für diese Baustelle bereitgestellt. Die Auftragsbücher der Firmen sind voll, und das Unternehmen hatte offenbar einen Personalnotstand. Außerdem hat man wohl auch unterschätzt, in welchem Ausmaß das einspurige Befahren des Grabens die Arbeiten stören würde. Andererseits haben wir im Zuge der Arbeiten zusätzliche Leitungen verlegt.

Dieses Verlegen der Leitungen war nicht von Anfang an in der Zeitplanung berücksichtigt? Ja, schon, aber in der Umsetzung ergeben sich manchmal unvorhergesehene Schwierigkeiten. Sobald man in den Untergrund geht, ist dort eben nicht immer alles so, wie man es sich gedacht hatte. Wie dem auch sei: Im Vertrag sind Pönalen vorgesehen, aber wir müssen noch schauen, wie viele Tage wir zusätzlich einrechnen müssen, für die das Unternehmen keine Schuld trägt. Wie geht es jetzt weiter? Die Baustelle wird in diesen Tagen winterfest gemacht. Da An-

fang des Jahres die Stadtwerke in den Lauben die Fernwärme verlegen, müssen wir mit der Fortführung der Arbeiten am Graben bis nach Ostern warten, weil wir nicht beide Baustellen gleichzeitig haben wollen, denn dies würde für die Bevölkerung und für die Betriebe in der Altstadt eine zu große Belastung darstellen. Ziel ist es jedenfalls, innerhalb von drei Monaten die Arbeiten abzuschließen. Diesmal werden wir aber wahrscheinlich eine Totalsperrung des Kleinen Grabens vorsehen, damit die Arbeiten schneller gehen.

Foto: Oskar Zingerle

ALEXANDER GRUBER, Leitender Beamter für öffentliche Arbeiten der Gemeinde Brixen, zu den Verzögerungen an der Baustelle des Kleinen Grabens – und warum man nach Ostern den Graben für drei Monate sperren möchte.

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Der lange Straßenbau z Seit Bestehen der Wohnbauzone Seiserleite ist deren unbefriedigende Zufahrt ein leidiges Problem. Endlich schien mit der Beilegung eines jahrzehntelangen Gerichtsstreits die Realisierung einer neuen Zufahrt in greifbarer Nähe; bereits Ende Oktober 2018 sollte sie befahrbar sein. Doch nun liegen die Bauarbeiten schon seit Wochen brach. „Zunächst brachte der Bau einer Übergabestation der Fernwärme eine Verzögerung“, informiert Bürgermeister Andreas Schatzer auf Anfrage, „und derzeit haben wir ein Problem mit dem Grundbesitzer Johann Sigmund vom Edenhauserhof, der Rekurs eingereicht hat.“ Mit Sigmund habe man einen Vertrag zur Besetzung seines Grundes abgeschlossen, aber die Abänderung der Straßentrasse vor zwei Jahren beträfe auch eine kleine Veränderung des Straßenteils auf dem Edenhausergrund. „Zurzeit steht die Zustimmung des Grundbesit-

Foto: Oskar Zingerle

Politik & Gesellschaft

NEUSTIFT

zers zur kleinen Trassenänderung noch aus.“ Eine gerichtliche Entscheidung sei möglich, aber dieser Instanzenweg würde mehrere Jahre in Anspruch nehmen, weshalb man um eine Einigung auf dem Verhandlungsweg bemüht sei. Was aber bereits möglich sei, sei die Fertigstellung der neuen

Zufahrt von der Pustertaler Straße hinauf bis zum Edenhauserhof; „in etwa sind das 50 Meter Grund, die wir noch nicht besetzen dürfen“, um in die bestehende Straße einzumünden. Ausständig seien die Asphaltierung und „auf dem Grund von Edenhauser muss die Straße noch angelegt und eine

kleine Brücke gebaut werden“, so der Bürgermeister. „All diese Arbeiten nehmen höchstens ein paar Wochen in Anspruch. Ich bin zuversichtlich, dass die Bauarbeiten noch heuer fortgesetzt werden können.“ sp

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Festtag in Toga und Doktorhut z Für 236 Absolventen der Fakultät für Bildungswissenschaften war im November endlich der große Tag gekommen: Am Campus Brixen erhielten sie im Rahmen der Diplomfeier von Rektor Paolo Lugli, der Prorektorin der Lehre, Stefania Baroncelli, von Dekan Paul Videsott und den Leitern der einzelnen Studiengänge ihr Abschlusszeugnis ausgehändigt. „Nach jahrelanger Arbeit erlebt ihr nun diesen magischen Moment, in dem ein Lebensabschnitt zu Ende geht und ein neuer beginnt – und es ist schön, dass euch dabei eure Familien und Freunde begleiten“, sprach Rektor Lugli die scheidenden Studierenden

an. Die Absolventen kamen aus den Bachelorstudiengängen für Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Kommunikations- und Kulturwissenschaften, dem Master in Bildungswissenschaften für den Primarbereich sowie den Masterstudiengängen für Musikologie und für Innovation in Forschung und Praxis Sozialer Arbeit und dem Doktoratstudium in Allgemeiner Pädagogik, Sozialpädagogik, Allgemeiner Didaktik und Fachdidaktik. Ein neuer Rekord wurde dabei im Primarbereich verzeichnet: Gleich 120 künftige Kindergärtnerinnen und Volksschullehrer konnten ihre Ausbildung abschließen. av

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Keine Kompromisse

z Die neue Alkoholpräventionskampagne „Keine Kompromisse“, die Fotos von WhatsApp-Nachrichten zeigt, ist vor kurzem gestartet. Mit der Kampagne möchte die Landesabteilung Gesundheit gemeinsam mit dem Forum Prävention auf einprägsame und einbeziehende Art zur Alkoholprävention in Südtirol beitragen und den in der Südtiroler Gesellschaft verwurzelten Umgang mit Alkohol kritisch hinterfragen. Wie eine WhatsAppNachricht sollen die Banner in Print- und digitalen Medien sowie in den Zügen der Südtiroler Transportstrukturen Aufmerksamkeit

erregen. „Die Betrachter werden auf sympathische Art zu einer kritischen Haltung bezüglich Alkohols ermutigt“, erklärt der Direktor des Forum Prävention, Peter Koler. Auf der Homepage keinekompromisse.it werden die Botschaften der Kampagne vorgestellt. Dort kann nicht nur ein Selbsttest zum eigenen Alkoholkonsum getätigt werden, sondern es können sich vor allem Jugendliche auf der Seite Tipps zum Thema „Feiern mit Niveau“ und auch weitere Infos zum Thema holen. Erweitert wird die Kampagne durch Straßenschilder und der Botschaft „Wer fährt, trinkt nicht“. Jugendliche und auch Erwachsene sollen dadurch zu einer kritischen Haltung dem Alkoholkonsum gegenüber und einem gesünderen Lebensstil motiviert werden. Laut den neuesten ISTAT-Daten von 2018 liegt Südtirol derzeit beim täglichen Konsum von Alkohol unter dem nationalen Durschnitt von 21,4 Prozent: 16,1 Prozent der Südtiroler (26,6 Prozent der Männer und 5,9 Prozent der Frauen) konsumieren täglich Alkohol. eh

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Fahrradweg bleibt gesperrt z „Die Arbeiten sind sehr gut vorangegangen – bis zur Schlechtwetterphase von Ende Oktober“, sagt Caterina Ghiraldo vom Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung. Ghiraldo leitet die Arbeiten zum Hochwasserschutz am Eisack nördlich der Auenhausbrücke. „Mein Amt musste nach den starken Regenfällen und dem entsprechenden Hochwasser einige Maschinen und auch einiges Personal ins Pustertal verlegen, weil sie dort für dringende Arbeiten gebraucht wurden.“ Inzwischen sind die Arbeiten in Brixen fortgesetzt worden. Derzeit wird die Sanierung der orographisch rechten Ufermauer fertiggestellt, und auf der linken Seite wird Material auf die südliche Seite der Auen­ hausbrücke transportiert. Auf der orographisch rechten Seite wird an der Grenze zum BrixmediaGrundstück und zur Athesia eine zweite niedere Schutzmauer errichtet, die ermöglicht, dass

Foto: Oskar Zingerle

Politik & Gesellschaft

BRIXEN

die erste Mauer entsprechend niedriger gehalten werden kann. Diese Arbeiten können allerdings erst Ende Februar oder im März beginnen, abhängig von den Temperaturen. Bis Mitte oder Ende März bleibt der Fahrradweg an

dieser Teilstrecke also gesperrt. „Diese Maßnahme ist leider unbedingt notwendig“, sagt Ghiraldo, und sie verweist darauf, dass man den Spazierweg auf der gegenüberliegenden Flussseite nutzen sollte. Im März entsteht auf der

Höhe von Zinggen auch eine Fußgängerbrücke, die allerdings von der Gemeinde Brixen errichtet wird. In der Zwischenzeit sind die Planungsarbeiten für das zweite Baulos im vollen Gange. wv

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Schäden behoben z Probleme mit der Abdichtung machten die Reparaturen an der Brücke in Albeins notwendig, die nun fünf Wochen lang andauerten. Risse im Asphalt und Wasser, das sich darunter angesammelt hat, beschädigten die Brückenstruktur. „Die Brücke zeigte immer wieder Bauschäden auf, die auch auf falsche Materialwahl zurückzuführen waren. Die Baufirma wurde bereits zur Rechenschaft gezogen“, erklärt Projektleiter Alberto Lenisa von der Abteilung Straßendienst der Autonomen Provinz Bozen. Auch das Material, das bei der Abdichtung verwendet wurde, hielt dem starken Verkehrsaufkommen und vor allem dem Schwerverkehr, der über diese Brücke rollt, nicht stand. „Hinzu kommt, dass die Brücke aufgrund ihrer langen und schmalen Form pendelt, was eine weitere Belastung für

Foto: Oskar Zingerle

ALBEINS

Asphalt und Beton darstellt“, so der Ingenieur. Dass die Arbeiten zwei Wochen länger andauerten als geplant, ist laut Lenisa auf das Regenwetter im November zurückzuführen – und auf mehr Aufwand als erwartet: „Auch unter dem gut erhaltenen Asphalt war die Abdichtung nämlich in einem prekären Zustand.“ Während dieser „Brixner“ gedruckt wird,

wird noch entschieden, ob die letzte Asphaltschicht noch heuer oder erst im Frühjahr aufgetragen wird – befahrbar ist die Brücke aber schon. „Durch diese Baustelle kam es zu starken Stauungen in Milland und in der Mozartallee. Zudem fanden die Arbeiten zu einem ungünstigen Zeitpunkt statt, an dem es in Brixen und Umgebung bereits mehrere Baustellen

gab, die den Verkehr stark einschränkten“, sagt der Brixner Stadtrat Thomas Schraffl, „auch die Kommunikation von Seiten des Landes ließ zu wünschen übrig.“ Es wäre schön, wenn das Land die Planung solcher Arbeiten mit der Gemeinde im Vorfeld absprechen würde: „Dann könnte man die verschiedenen Baustellen koordinieren.“ eh

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100 Jahre Kriegsende

z Etwa 17 Millionen Menschen verloren im Ersten Weltkrieg ihr Leben, darunter auch 19 Vahrner, 17 Neustiftner und 20 Schalderer. Ihrer gedachte man in der Gemeinde Vahrn am Tag genau 100 Jahre nach Kriegsende am 11. November mit einer Gedenkfeier und einem Fackelumzug. Dazu geladen hatten die Schützenkompanien von Vahrn, Neustift und Schalders. Zusammen mit Abordnungen der Feuerwehren und Musikkapellen des Dorfes fand man sich am Sonntagabend auf dem Dorfplatz vor dem Haus Voitsberg zur Aufstellung ein. Gemeinsam mit der zahlreich anwesenden Dorfbevölkerung marschierte der Fackelzug durch das Dorf bis zum Friedhof bei der Pfarrkirche zum hl. Georg.

Insgesamt 40 Staaten beteiligten sich von Juli 1914 bis November 1918 am bis dahin umfassendsten Krieg der Geschichte. „Die 56 Männer aus unserer Gemeinde, die fürs Vaterland Österreich in den Krieg zogen, verdienen es sich, hier und heute in den Mittelpunkt gestellt zu werden. Ihrer wollen wir deshalb ganz besonders gedenken“, so der Vahrner Schützenhauptmann, Werner Burger, der sodann die Namen der 19 gefallenen Soldaten aus Vahrn verlas, Schützenhauptmann Daniel Oberegger verlas die Namen der 17 Neustiftner und Schützenhauptmann Matthias Steinmann die Namen der 20 Schalderer, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben lassen mussten. sp 29


Menschen & Meinungen PROBLEMLÖSER: Der bodenständige und empathische Mediziner Thomas Lanthaler setzt auf einen partizipativen Führungsstil

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PORTRAIT

„Führen heißt letztlich dienen“ Foto: Oskar Zingerle

Probleme zu lösen findet THOMAS LANTHALER, Sanitätsdirektor im Südtiroler Sanitätsbetrieb, „extrem spannend“. Der gebürtige Passeirer ist heute in Schabs daheim, doch zu Hause ist für ihn „dort, wo das Herz sich öffnet.“

I

m Alter von 40 Jahren hat Thomas Lanthaler begonnen, Saxophon zu spielen, und zwar wollte er das Instrument „von der Pike auf“ erlernen. Mit einem Musiklehrer und mit mindestens einer Dreiviertelstunde konsequenten Übens am Tag. Damals war er Oberarzt im Bereich Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus Brixen. Als er dann 2010 als Direktor für Anästhesie und als Leiter des Notarztstützpunktes nach Innichen ging, blieb dafür keine Zeit mehr. Gitarre, Gesang, Ziehharmonika, „den Schneewalzer krieg ich aber auch heute noch hin“. Musik ist für den bodenständigen und empathischen Mediziner ebenso eine Kraftquelle wie die Verwurzelung mit der Heimat von Kindheit an. Zu Hause, das ist dort, wo das Herz sich öffnet. Der Spruch auf einem Fenster im Haus von Thomas Lanthaler ist bezeichnend für das, was ihm wichtig ist.

reden, reden. Seine neue Aufgabe empfindet er als abwechslungsreich und „extrem spannend“. Probleme zu lösen, gemeinsam mit 120 Primaren im Land, das heißt, zuhören können, spüren, worum es wirklich geht. Filtern, entscheiden, manchmal auch querdenken. Zugute kommt dem gebürtigen Passeirer, der seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile

Familie als Ressource. „Von mei-

Die größte Herausforderung sei derzeit der Personalnotstand. Für strategische Überlegungen bliebe – noch – wenig Zeit, vieles befinde sich im Umschwung, im Aufbau. „Der Herrgott hat die Welt auch nicht an einem Tag gemacht.“ Besonnenheit als Fels in der Brandung. Probleme lösen als Chance. Thomas Lanthaler setzt auf einen partizipativen Führungsstil. Klare Vorgaben, aber keine harten Managerqualitäten. „Ich bin nicht konfliktscheu, ich gehe die Sachen gerne an.“ Und er baut darauf, ein Gespür dafür zu haben, was die Menschen um ihn herum bedrückt.

nen Söhnen habe ich unglaublich viel gelernt.“ Im Grunde sind beide in die Fußstapfen des Vaters getreten. Raphael als Schlagzeuger, der mit viel Hingabe Musik produziert, und Michael als frischgebackener Doktor der Medizin. In seiner „Sturm und Drang“Zeit war Thomas Lanthaler begeisterter Notarzt. Die Notfallmedizin hat ihn immer schon fasziniert, diese Beschäftigung mit dem schmalen Grat zwischen Leben und Tod, die einem alles abverlangt. Irgendwie schien es dann selbstverständlich, dass er für seine Facharztausbildung die Bereiche Anästhesie und Intensivmedizin wählte.

Aufgabe: Sanitätsdirektor. Er

trägt mittlerweile keinen weißen Kittel mehr. Als Sanitätsdirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes tut er zurzeit vor allem eines: reden,

für die Nachbesetzung der Stelle von Oswald Mayr gegeben, die zuständige Auswahlkommission hatte der Landesregierung aber keinen Bewerber vorgeschlagen. Turbulente Monate, auf die Thomas Lanthaler heute gelassen und sachlich zurückblickt. Fairness und Solidarität unter den Bewerbern, Zuspruch und Ermutigung von vielen Seiten und die eigene

„Ich bin nicht konfliktscheu, ich gehe die Sachen gerne an“_ Thomas Landthaler, Sanitätsdirektor in Schabs gefunden hat, dass er sechs der sieben Krankenhäuser in Südtirol gut kennt. Weil er dort gearbeitet hat. Weil er die Realität gelebt hat. Weil er nahe an den Menschen war.

Problem: Personalnotstand.

Erster von vier Bewerbern. Im

Dezember 2016 wurde er zum geschäftsführenden Sanitätsdirektor ernannt. Da war er ärztlicher Leiter am Innichner Krankenhaus und Pflegekoordinator für das Pustertal. Vier Bewerber hatte es

Überzeugung, etwas bewegen zu können, waren ausschlaggebend dafür, dass er sich der Aufgabe gestellt hat. Und er hat den Wettbewerb bestanden. Man traut ihm zu, den Sanitätsbetrieb durch eine aufgepeitschte Zeit zu führen.

Klare und ehrliche Art. Er sei

vielleicht oft zu ehrlich, meint Thomas Lanthaler. Seine klare und einnehmende Art dürfte ihm aber viele Türen öffnen. Unaufdringlich und bestimmt will er sich um sanfte Reformen kümmern. „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Bedingungen zu schaffen, wo die Menschen gut arbeiten können, ist ihm ein echtes Anliegen, denn führen heiße letztendlich auch dienen. Thomas Lanthaler ist einer, der auf den Austausch setzt. Die vielfältigen Erfahrungen, die er in seiner beruflichen Laufbahn gesammelt hat, sind die Basis dafür. „Und ich bin eigentlich ständig in Fortbildung.“ Er war Touristenarzt in Kastelruth, er war Koordinator des Projektes „Abgestufte Palliativbetreuung in Südtirol“, er hatte einen Auftrag für Schmerztherapie und den Aufbau der Schmerzambulanz im Krankenhaus Brixen, und er

absolvierte eine Ausbildung im Bereich Gesundheitsmanagement an der Universität Salzburg mit Studienaufenthalten in Brüssel, Amsterdam, Marburg, Washington und Toronto. In seiner Masterarbeit beschäftigte er sich mit der medizinischen Leistungsdefinition für die Kleinkrankenhäuser in Südtirol. „Jede Zeit hatte ihr Gutes.“ Als Sanitätskoordinator in Bruneck habe er in den vergangenen Jahren unglaublich viel gelernt, in ganz unterschiedlichen Bereichen.

Disziplin und Struktur. Thomas

Lanthaler ist diszipliniert und strukturiert. Wenn er sich auf etwas einlässt, dann tut er das voll und ganz. Selbstfürsorge ist für ihn trotzdem kein leeres Wort. Radfahren, am liebsten mit seiner Frau Heidi, Skitouren, die Magie der Berge sind wohltuender Ausgleich. Und das Singen im Neustifter Männerchor. Dass er kaum mehr in das Dorfleben eingebunden ist, tut ihm ein wenig leid. „Ich starte in der Früh und komme erst abends zurück.“ Den Arztberuf sieht er nüchtern. „Man muss sich dazu berufen fühlen.“ Wer ein chilliges Leben führen möchte, der sollte sich einen anderen Beruf suchen. Die Work-Life-Balance zu halten sei schwer. Für den neuen Sanitätsdirektor und sein Team gelte es nun, abzuwägen zwischen politischen Interessen, den Wünschen und Bedürfnissen vor Ort und dem, was wirklich sinnvoll ist.

marlene.kranebitter@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

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Menschen & Meinungen

Gastkommentar: Ignaz Messner

So viel mehr als nur ein Schaf Die äußerst kontroversen Diskussionen zur Wolf-Problematik haben mit den jüngsten Ereignissen auf der Plose, wo im heurigen Spätsommer in einer einzigen Nacht sieben Schafe gerissen wurden, bei uns am Berg massiv an Aufwind gewonnen. Als direkte Folge davon kam es auch zu einer Abänderung des Rosari-Schaffestes, das am 6. Oktober bei der Trametschhütte auf dem Ploseberg stattfand. Eigentlich sollte es, wie in den letzten drei Jahren auch, an den Almabtrieb der Schafe gekoppelt sein, aber der Wolf hat den Organisatoren einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Ende August war es mit der Sommerfrische der Tiere nämlich plötzlich aus. In einer Schlechtwetternacht riss der Wolf sieben Schafe, und für die Almverwaltung stand kurz darauf fest: Alle Tiere müssen unverzüglich abgetrieben werden. Damit aber wurden die ersten Probleme

greifbar, mit denen sich die meisten Bauern und Züchter vorher nur theoretisch befasst hatten. Seit Generationen werden nicht nur Rinder und Pferde auf die Plosach-Alm zur Sommerfrische getrieben, sondern auch Schafe. In den letzten Jahren waren es

durchschnittlich um die 500. Die meisten davon stammen von den 26 Hobbyzüchtern des Schafzuchtvereins Ploseberg, der seit seiner Gründung im Jahr 1994 Teil des landesweiten Verbandes der Südtiroler Kleintierzüchter ist. Im Folgenden wird der Versuch unternommen, die Problematik dieses Wolfauftritts ganzheitlich darzustellen.

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Jeder Züchter kennt seine Schafe und hängt an jedem einzelnen von ihnen. Keiner will akzeptieren, dass seine jahrelange und arbeitsintensive Zucht von Wölfen vernichtet und unterm Strich nur das reine Schlachtfleisch honoriert wird.

„Keiner der Schafzüchter will akzeptieren, dass seine jahrelange Arbeit von Wölfen über Nacht vernichtet wird“_ Ignaz Messner, Obmann des Schafzuchtvereins

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Vorab sei zur aktuellen Situation folgendes festgehalten: Der frühzeitige Almabtrieb in diesem Jahr bedeutete, dass die Tiere auf die im Mittelgebirge gelegenen Wiesen und Felder ausweichen mussten, die eigentlich für die Maht vorgesehen waren. Die Thematik

gewinnt noch einmal dadurch an Brisanz, dass durch den äußerst trockenen Sommer die zweite Maht vielerorts sehr dürftig, wenn nicht ganz ausgefallen ist. Die meisten Schafzüchter sind jedenfalls bereits jetzt darauf eingestellt, im Laufe des Winters Futter zukaufen zu müssen. Was aber passiert nach dem Winter? Wollen die Züchter das Risiko auf sich nehmen und die Tiere nächsten Sommer wieder für gut fünf Monate auf die Alm treiben, so tun sie gut daran, die Fördermöglichkeiten des Landes genau zu studieren, um auf ein Mindestmaß an Hilfe Anspruch erheben zu können. Diese Fördermaßnahmen zielen einmal auf Vorbeugung ab, und zwar durch Beihilfen für den Herdenschutz und die Ausbildung der Hirten und setzen zweitens auf Schadensersatzzahlungen an jene Halter, deren Tiere Opfer von Großraubwild wurden. Mit letzterem wäre zumindest gewährleistet, dass der direkte finanzielle Schaden abgedeckt ist. Auf der Strecke bleiben allerdings die für die Hobbyzüchter nicht minder maßgeblichen emotionalen Werte. Keiner der Mitglieder des Schafzuchtvereins züchtet die Schafe aus finanziellen Überlegungen. Natürlich muss der monetäre Aspekt auch stimmen, aber Verdienst und Aufwand stehen in keinem Verhältnis zueinander. Vielmehr wird die alte Tradition der Schafzucht und des damit verbundenen Schafhandels gepflegt, aber das wirtschaftliche Auskommen kann nun nicht mehr gesichert werden. Wer sich heutzutage für die Schaftzucht entscheidet, ist mit Leidenschaft dabei; die Tiere sind Teil der großen Bauernhoffamilie.

Die verschiedenen monetären Aspekte spielen in diesem Szenario trotzdem keine zu unterschätzende Rolle. Vorausgesetzt, dass die Herde also auf die Weiden der Plose getrieben wird, muss die Rechnung genau gemacht werden, denn ein Hirte allein kann die Arbeit nicht mehr bewerkstelligen. Zwei Hirten könnten maximal 250 Schafe beaufsichtigen. Für die Alminteressentschaft sind das doppelte Kosten bei halben Einnahmen; Kosten, die natürlich weitergegeben werden. Dazu kommen die Spesen für das großräumige Einzäunen der Alm, für die allerdings Landesbeiträge ausbezahlt werden, sofern es vorschriftsmäßig durchgeführt wird. Das Einzäunen eines hochalpinen Raumes ist aber aufwändig – vor allem auch auf der Plose. Dabei würden zahlreiche Hänge, Felsvorsprünge und Scharten ausgeklammert, da allein das Anbringen der Pflöcke für die Netzzäune einen unverhältnismäßig hohen Arbeitsaufwand darstellen würde. Freilaufende Schafe weiden aber auch solche Hänge ab. Wenn dort das Gras nicht gefressen oder gemäht wird, dann bleiben die langen Grashalme stehen und sorgen im Winter für einen glatteren Untergrund, auf dem sich leichter Lawinen loslösen können als im abgeweideten Gebiet. Werden unsere Almflächen nicht mehr abgeweidet, so führt es in wenigen Jahrzehnten zum Verschwinden einer einzigartigen Kulturlandschaft, für deren Erhaltung die EU andererseits heute schon Gelder zur Verfügung stellt. Auch der Tagesablauf der Tiere würde sich drastisch ändern. Das Zusammentreiben der Tiere in


seit dal

Zum Autor

1930

Ignaz Messner, Jahrgang 1961, ist seit 1997 Obmann des Schafzuchtvereins Ploseberg. Der Schafzucht widmet er sich seit über 30 Jahren. In seinem Stall in St. Andrä/Mellaun stehen heute etwa 25 Jura-Schafe, die alle Jahre zum Weiden auf die Plose gebracht werden. Bereits sein Vater hatte Schafe gehalten, damals mehr der Wolle und des Fleisches wegen. Heute steht die Zucht im Vordergrund.

einen Pferch dürfte sich nämlich in der Praxis viel schwieriger gestalten als auf dem Papier und bringt nicht vom Tisch zu weisende Nachteile mit sich. Da wäre zum Beispiel das Wetter: Wer die Plose kennt, weiß, wie leicht man die Orientierung bei nebeligen Wetterverhältnissen verliert. Wenn die Hand vor Augen kaum zu sehen ist, wie viel schwieriger ist es dann, ein einzelnes verschrecktes Tier aufzuspüren, das keine Glocke trägt? Jedem einzelnen Tier eine Glocke umzuhängen ist dabei genauso realitätsfern wie den Tieren GPS-Chips einzupflanzen. Nicht zu vergessen ist der enorme Stress, der beim täglichen Zusammentreiben für die Tiere entstehen würde. Vor allem Muttertiere und ihre Lämmer brauchen Ruhe, um sich gut zu entwickeln. Die kleinen Lämmer können mit den großen Herden gar nicht mithalten und müssten von den Hirten getragen werden – wobei wir wieder beim Thema Personalkosten wären. Dazu kommt ein weiteres Problem: Sind die Tiere einmal in einem Pferch zusammengetrieben, so verschlechtern sich die hygienischen Verhältnisse drastisch. Während die frei herumlaufenden Schafe für eine ideale Düngung der Alm sorgen, bringt der geballte Mist einfach nur erhöhte Risiken für die Tiere mit sich. Krankheiten wie Moderhinke oder Räude treten erfahrungsgemäß bei in Pferchen gehaltenen Tieren deutlich häufiger auf als bei freilebenden. Speziell auf der Plosach-Alm gewinnt zudem das Thema Einzäunung aufgrund der zahlreichen Wasserschutzgebiete einerseits und

der noch viel zahlreicheren Wanderwege andererseits eine enorme Komplexität. Verringerte Weideflächen und allabendlicher Stress sind also keine guten Voraussetzungen, um den Bauern im Herbst wohlgenährte und erholte Tiere übergeben zu können. Außerdem führt der Herdenschutz in den Augen einiger Kritiker dazu, dass dem Wolf sein Festmahl geradezu auf dem Präsentierteller dargeboten wird. Die Zäune sind vorschriftsmäßig 1,20 Meter hoch, was für den Räuber nicht im Geringsten ein Problem darstellt. Und wo er nicht drüber kann, buddelt er sich unten durch. Im Pferch können die Schafe ihrem Schlächter aber nicht entkommen und leben in Todesangst. Weiters ist zu kritisieren, dass ein Züchter nur für direkt zu Tode gekommene Tiere Schadenersatz bekommt, nicht aber für verstörte Tiere oder für jene, die auf der Flucht vor dem Wolf in den Tod springen, sich verletzen oder nicht mehr aufzufinden sind. Und wie sieht es mit Schäferhunden aus, die die Herde beaufsichtigen könnten? Nun, Schäferhunde beaufsichtigen in der Regel große Herden, sie unterstützen den Hirten das ganze Jahr über und kennen alle Schafe. Bei uns herrschen bei 26 verschiedenen Züchtern überschaubare Verhältnisse: Die Tiere treffen nur im Sommer aufeinander. Bis der Hund die Herde kennt, ist der Sommer wieder vorbei.

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Leserbriefe an: echo@brixner.info 33


Menschen & Meinungen

BRIXEN

z Der Brixner Filmemacher Daniel Andrew Wunderer darf sich über den „Dolomitale Short Film Award“ freuen. Sein Film „Zuflucht“, in dem es um die Auseinandersetzung zwischen Flucht und menschlicher Intoleranz geht, wurde unter 50 Filmen von einer vierköpfigen Jury beim Filmfestival „Dolomitale“ in St. Ulrich mit dem Jurypreis ausgezeichnet. Begründet wurde der Sieg damit, dass der Film eine reife Regieleistung in Erzählung und Ästhetik

zeigt, die technische Umsetzung auf sehr hohem Niveau ist und der Film die Zuseher berührt, aufwühlt und zum Nachdenken anregt. „Der Preis motiviert mich; noch mehr freut es mich aber, als Filmemacher ernst genommen zu werden“, so der Preisträger. Am Kurzfilmwettbewerb teilnehmen durften maximal zwanzig Minuten lange Filme mit Beteiligung von Südtiroler Filmschaffenden oder Filmen, die in Südtirol gedreht wurden. eh

Foto: Simon Perathoner

Filmpreis für Wunderer

M&M Menschen & Meinungen BRIXEN/THAYATAL

Dem Wald auf der Spur z Claudia Ebner musste sich erst an das neue Umfeld gewöhnen, als sie im niederösterreichischen Thayatal ankam. Normalerweise verbindet die Berufsfotografin ihre zwei Leidenschaften: die Fotografie und die Berge. Dem entsprechend ungewohnt war die neue Kulisse: Der Nationalpark Thayatal an der Grenze zu Tschechien befindet sich auf 350 Höhenmetern – und keine Berge in Sicht. Gemeinsam mit zwölf anderen war die Brixnerin von einer Jury des Vereins Nationalparks Austria für das Medienstipendium 2018 ausgewählt worden. In einem der sechs österreichischen

kurz

notiert

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Nationalparks sollten sich die Stipendiaten zwei Wochen lang von der Natur inspirieren lassen – eine anspruchsvolle Aufgabe: „Ich stand vor einer kreativen Blockade. Ich fand nichts Interessantes für mich im Wald zum Fotografieren.“ Am Ende half ihr Glück im Unglück: Durch Fieber körperlich geschwächt, musste sie nach einigen Tagen die Geschwindigkeit rausnehmen und den Wald langsamen Schrittes erkunden. Dieses Tempo erlaubte es ihr, die Umgebung genauer zu betrachten und ein Auge für vorher verborgen gebliebene Details zu entwickeln. Das Ergebnis kann

sich sehen lassen: Die Bilder, die unter dem Motto „Nichts berührt uns mehr wie das Unberührte“ auf der Website des Vereins Nationalpark Austria veröffentlicht wurden, zeigen, dass der Nationalpark weit

mehr zu bieten hat als „nur“ Bäume. Und auch Ebner spricht von einer tollen Erfahrung: „Ich habe meinen Blickwinkel erweitert und bin kreativ in eine mir vorher unbekannte neue Welt eingetaucht.“ av

Der neue Direktor des Diözesanmuseums in Brixen wird mit 1. Jänner 2019 Peter Schwien­ bacher sein. Schwienbacher löst in dieser Funktion Johann Kronbichler ab. Wie die Diözese BozenBrixen mitteilt, wird Schwienbacher weiterhin auch diözesaner Referent für kirchliche Kunst- und Denkmalpflege bleiben.

Der Blutspenderverein AVIS Brixen hat 2018 100 Neuspender gewinnen können. Aus diesem erfreulichen Anlass entschloss sich der Verein AVIS, den 100. Neuspender mit einer Ehrung zu überraschen. Andreas Varesco war der Glückliche, der sich über einen überreichten Geschenkskorb freuen durfte.

Hartmänner gesucht! Alljährlich gedenkt das Augustiner Chorherrenstift Neustift dem seligen Hartmann. Zur heurigen Gottesdienstfeier am 12. Dezember um 10 Uhr sind alle Männer, die auf den Namen Hartmann getauft sind, zum Pontifikalamt im Kloster Neustift eingeladen.


O o op s

LAMMento

mein Hoppala

Lissi Tschöll, Geschäftsführerin im „Alten Schlachthof“

Im Stau

„Alle mir nach!“ Mit meinen Freundinnen genoss ich einen wunderbaren Skitag in einem Südtiroler Skigebiet, in dem ich als einzige schon einmal gewesen war. Ich kannte mich also aus – so mehr oder weniger. Eine einzige Piste fehlte uns noch, bevor wir wieder nach Hause aufbrechen wollten, um die Kinder ins Bett zu bringen. „Bist du sicher, dass dies die richtige Richtung ist und wir auch rechtzeitig den letzten Lift noch erwischen werden?“, fragte mich meine Freundin besorgt. Ich empfahl ihr, locker zu bleiben, und forderte sie auf, mir zu folgen. Wir schossen die Piste hinunter, die irgendwann in einen ziemlich einsamen Waldweg mündete. Über den kamen wir zu einem alten Schlepplift, der aber bereits geschlossen war. Gleich daneben stand ein Wirtshaus – dort brannte noch Licht. Außer uns und dem Wirt war keine Menschenseele mehr da. Der Wirt freute sich über den späten Besuch und schenkte uns ein paar Schnapsln auf. Zwei Stunden später brachte er uns mit seinem Wagen nach einer halbstündigen Autofahrt zum Parkplatz zurück. Die Gute-Nacht-Geschichte der Kinder fiel flach ...

Leser kochen für Leser

mmh!

Gnocchi sardi mit Grünkohlpesto > Zutaten für 5 Personen: Für den Teig: 500 g Hartweizengries 250 g Wasser Für den Pesto: 60 g Grünkohl 150 ml Olivenöl 80 g Parmesan 30 g Walnüsse Salz und Pfeffer

> Zubereitung Das Mehl mit dem Wasser in der Rührmaschine oder mit der Hand glatt kneten und zu „Schlangen“ formen.

Diese durch die Nudelmaschine drehen, die Gnocchi einsammeln und auf ein bemehltes Blech legen, damit sie nicht verkleben. Dann 2–3 Minuten in Salzwasser kochen. Den gewaschenen Grünkohl in kleine Stücke zupfen, mit Olivenöl, Parmesan und gemahlenen evtl. leicht angerösteten Walnüssen vermischen, mixen und mit Salz und Pfeffer würzen. Die gekochten Gnocchi in der Sauce schwenken und mit Parmesan und Öl abschmecken.

Seit September 2018 versorgt Johannes Messner im Buschenschank „Burgerhof“ seine Gäste mit speziellen Speisen, Säften und Eigenbau-Weinen. Nach dem Besuch der Landesberufsschule „E. Hellenstainer“ und des Kaiserhofs in Meran studierte er Weinbau und Önologie in San Michele und in Geisenheim. Haben auch Sie ein besonderes Rezept, das Sie unseren Lesern nicht vorenthalten möchten? rezept@brixner.info

„Das ist eine absolut revolutionäre sozialpolitische Maßnahme, die sich Brixen da hat einfallen lassen“, sagt der Franz über die geöffnete Seitenscheibe zur feschen Autofahrerin im roten Cinquino, den er gerade kreuzt, während er von Milland nach Rosslauf unterwegs ist. „Ja“, sagt sie ebenfalls durch ihr geöffnetes Seitenfenster, „das ist wirklich eine geniale Sache“, und dabei legt sie ihren Lippenstift beiseite und dreht den Rückspiegel wieder in die richtige Position. „Stell dir vor“, sagt sie, „gestern habe ich im Stau fünf neue Freunde kennengelernt, von denen ich mit mindestens vier sofort eine Beziehung beginnen würde“, sagte sie, „aber der eine stammte aus Usbekistan, was mir dann doch zu weit weg ist, und der zweite stammte aus Stufels, was mir aber zu nahe war, der dritte hingegen war aus Bozen, das ist mir dann doch zu etepetete, und woher der vierte und der fünfte stammte, weiß ich heute gar nicht mehr.“ Bei der Überschallgeschwindigkeit von maximal zwei Stundenkilometern, die derzeit auf den Streets von Brixen erreicht werden, kommen sich die entgegenfahrenden Autofahrer automatisch näher, erzählen sich über den Mittelstreifen ihre jeweilige Lebensgeschichte, und wenn sich zum Verkehrsstau noch ein Hormonstau gesellt, kommt es vor, dass zwischen Kreisverkehr und Ossobuco sogar ein Kind gezeugt wird. „Dabei war diese Maßnahme der Völkerverständigung so genial einfach: Es mussten lediglich mehrere Baustellen gleichzeitig geöffnet werden“, sagt der Franz, „das muss einem mal einfallen!!“ Der Capuccino, den Frieda bereits zubereitet hat, wird inzwischen kalt. Ein unbedeutender Kollateralschaden.

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Menschen & Meinungen

BRIXEN

Eine Würdigung zum 1.Todestag

z Vor einem Jahr, am 23. November 2017, ist Hermann Ekkehard Lauschmann (*1931) nach einem Herzleiden zwar in betagtem Alter, aber völlig un-

erwartet verstorben. Der gebürtige Niederösterreicher war seit 1961 mit Marlene Goldiner verheiratet, lebte im Goldiner-Haus in der Altenmarktgasse und war in Brixen eine

diskrete, aber im Kulturleben von Stadt und Land gewichtige Präsenz. Lauschmann machte sich verdient um den Aufbau der Landesbibliothek „Tessmann“, die mithilfe der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Bozen vor 60 Jahren gegründet wurde. 1963 wechselte Lauschmann, der zunächst an der Universitätsbibliothek Innsbruck gearbeitet hatte, nach Bozen und nahm die wissenschaftliche Ausrichtung der neuen Bücherei zielbewusst in die Hand: Zunächst am Standort im „Ölhaus“ in der Dr.Streiter-Gasse, seit 1967 im neuen „Waltherhaus“, ab 1985 schließlich im Neubau in der Armando-DiazStraße am Ansitz Rothenpuech, bis zum Ruhestand 1993. Die wissenschaftliche Beratung durch Lauschmann war legendär, da er Benutzern nicht nur den Katalog erschloss, sondern mit profundem Wissen in viele Themenbereiche einführte. Wenn er Studierende zielsicher auf

Literatur hinwies und bei der von ihm lancierten Fernleihe unterstützte, waren sonore Stimme und Wissen gleichermaßen einschüchternd. „Ekki“ war eine hilfreiche und uneigennützige Persönlichkeit, deren Rat vielen zeitlebens dankbar im Gedächtnis blieb. Dass er auf Ersuchen der Bürgermeister Valerius Dejaco und Zeno Giacomuzzi in Brixen ab 1966 den Grundstein zum Stadtarchiv Brixen legte, wissen Archivare und Historiker dankbar zu schätzen. Mit Frau Marlene zog er die Kinder Stephan und Irene liebevoll auf und pflegte mit den Enkeln ein enges, sie prägendes Verhältnis. Auch nach seinem Tod lebt er im Herzen der Familie weiter, wie er seinen Verwandten und Freunden in lebhafter, tief verbundener Erinnerung bleibt. Hans Heiss

IN EIGENER SACHE

z Seelenruhig und gut eingemummelt liegt es da – das kleine Päckchen Glück, das unsere Redakteurin Veronika Kerschbaumer vor kurzem auf die Welt gebracht hat. 3.370 Gramm war der kleine Moritz schwer, als er am 28. Oktober sein viel zu eng gewordenes Heim verlassen hat – fast zwei Wochen später als erwartet. Den kleinen Mann bringt eben nichts so schnell aus der Ruhe – genau wie seine Mami, die sich nun für einige Zeit aus der „Brixner“-Redaktion verabschiedet hat und sich den wichtigen Dingen im Leben zuwendet. Die Jungbäuerin widmet sich jetzt erstmal ganz dem Nachwuchs und ihren Ziegen, Gänsen und Hühnern, die sie auf dem Bauernhof in Sterzing hält. Spätestens wenn der kleine Moritz dann seine ersten Schritte macht, wird er nicht nur seine Eltern, sondern auch den Tieren auf dem Schallerhof das Leben schwer machen. Die derzeitige Ruhe können die Neo-Eltern also noch genießen, bevor der kleine Wirbelwind den Stall für sich entdeckt. Liebe Veronika, lieber Philipp, das gesamte „Brixner“-Team wünscht euch alles Gute zum Nachwuchs! eh 36

Foto: Oskar Zingerle

Moritz ist da!


Pro& Contra Übertreiben wir es mit dem Denkmalschutz? Der Hintergrund:

Historische Bauten werden unter Denkmalschutz gestellt, damit Sie als Zeugnisse ihrer Zeit erhalten bleiben. Die Auflagen werden aber häufig als Schikane empfunden, und das Denkmalamt hat den Ruf, häufig stur und kompromisslos zu agieren. Die Sinnhaftigkeit eines Denkmalschutzes steht außer Frage, aber über die Anwendung der Regeln scheiden sich die Geister.

MARKUS TAUBER, Architekt aus Brixen: „Wir können nicht alles erhalten“

Ja Es gibt definitiv Bauten, bei denen man den Denkmalschutz lockerer sehen sollte; wir können nicht alles erhalten. Man muss bei jedem Projekt genau abklären, wo es einen Mehrwert bringt, etwas zu belassen, wie es ist, und wo ein Abriss besser wäre. Man muss die richtige Balance finden, um schlussendlich ein stimmiges Projekt zu erhalten. Die Denkmalpflege kann ein Architekt einschränkend, aber auch ideenfördernd sehen – so oder so ist sie eine Herausforderung, die aber auch ihre Berechtigung hat. Man darf aber auch nicht vergessen, dass sich alles weiterentwickelt hat und Gebäude nicht für die Ewigkeit konzipiert wurden. Die Nutzungen von heute müssen auch ihren Platz finden. Das Haus der Musik in Innsbruck beispielsweise ist ein hypermoderner Bau im historischen Kontext – schwarz, wo alles andere weiß ist. Projekte zu schaffen, die der Zeit entsprechen und trotzdem den historischen Kontext nicht außer Acht lassen, ist also durchaus möglich. Symbolisch gesehen muss das Band heutzutage etwas länger gelassen und nicht immer eng angezogen werden. Dass Wertvolles erhalten bleiben muss, steht außer Frage; den Denkmalschutz aber zu rigoros zu sehen, ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Die Erfahrung zeigt, dass daraus durchaus wunderbare Bauten entstehen, bei denen die alte Substanz mit der neuen Nutzung perfekt harmoniert. Feinfühligkeit ist gefragt, viel Erfahrung und gute Planer, die es verstehen, mit der bestehenden Substanz umzugehen und sie so neu zu formulieren, dass sie gut zusammenpassen. z

CHRISTIAN MAHLKNECHT, Architekt aus Brixen: „Kulturell, emotional und wirtschaftlich positiv“

Nein Denkmalschutz sehen die meisten Menschen positiv, solange es sie nicht selbst betrifft. Für mich hat die Erhaltung historischer Bausubstanz einen kulturellen, emotionalen und wirtschaftlichen Aspekt. Ohne Denkmalschutz gäbe es viele der wertvollen historischen Bauzeugen nicht mehr. Das wäre ein enormer kultureller Verlust für das Land und seine Menschen. Schauen wir uns den emotionalen Aspekt an: Die meisten Bauherren sehen den Denkmalschutz in der Phase der Projektierung und beim Bau als Belastung. Sobald das Bauwerk aber vollendet ist, sind sie froh darüber, etwas wirklich Einmaliges ihr Eigen nennen zu dürfen. Die Elemente und Details historischer Bausubstanz verleihen ihr eben diese besondere Ausstrahlung, in der sich der Mensch wohlfühlt. Auch der wirtschaftliche Aspekt bei der Sanierung denkmalgeschützter Gebäude ist durchaus nicht negativ zu sehen: Man zahlt fast die Hälfte an GIS, man kann Mietverträge für Wohnungen mit einer reduzierten Dauer von nur einem Jahr abschließen, vom Denkmalamt anerkannte Sanierungskosten sind zu 9,5 Prozent zusätzlich zu den geltenden 50 Prozent steuerlich absetzbar, und es gibt Beiträge auf einige der durch den Denkmalschutz anfallenden Mehrkosten, beispielsweise für spezielle Fensterausführungen oder Dacheindeckungen und Restaurierungsarbeiten. Was die strenge Auslegung betrifft, so ist es Aufgabe des Denkmalschutzes, historische Bausubstanz zu erhalten. Den räumlichen Bedürfnissen des Bauherrn wird dabei soweit entsprochen, solange die denkmalpflegerischen Aspekte des Gebäudes nicht gestört werden. z


Menschen & Meinungen

UMFRAGE

Zufrieden mit dem Ergebnis?

Fotos: Oskar Zingerle

Vor fünf Wochen wurden die Südtiroler zur Wahlurne gebeten, um einen neuen Südtiroler Landtag zu wählen. Wir haben uns umgehört, wie zufrieden die Brixner mit dem Ergebnis der Landtagswahlen sind.

„Die SVP hat einigermaßen gut abgeschnitten, und das ist mir recht“, erklärt Leo Gufler. „Der Wahlausgang ist der Spiegel der Gesellschaft: Durch Matteo Salvini ist die Lega im Kommen, und auch Paul Köllensperger überraschte mich mit den vielen Stimmen, die er meiner Meinung nach von den SVP-Wählern erhalten hat, die etwas anderes wählen wollten. Nun schaue ich gespannt auf die weiteren Wochen, in denen es um die Koalitionsfindung geht – das wird nicht einfach: Es gibt Unterschiede der Denkweisen mit der Lega, aber auch mit den Grünen.“

„Mir war und ist es egal, wie die Wahlen ausgegangen sind. Mir geht es gut so, wie es ist, und so soll es auch bleiben. So kann es weitergehen. Ich möchte keine Veränderung. Generell interessiert mich die Politik nicht wirklich; deshalb habe ich mich auch nicht so sehr mit dem Thema Wahlen beschäftigt“, sagt Erich Schenk. 38

„Für mich ist es mehr oder weniger so okay, wie es ausgegangen ist“, sagt Rudi Oberhuber. „Der Aufschwung der italienischen Parteien ist für mich persönlich zwar unverständlich – aber so ist nun mal die Demokratie. Jeder darf wählen, was er mag. Jetzt wird es natürlich schwierig, wenn es um die Koalition geht. Ich wünsche mir, dass wir am Ende eine gute Regierung haben werden.“

„Das Wahlergebnis ist für mich grundsätzlich so in Ordnung“, sagt Bruno Holzknecht. „Was man wirklich denkt, darf man eh nicht sagen – und dass es Veränderung braucht, ist auch klar! Wenn diese Änderung nun in die richtige Richtung geht, bin ich zufrieden. Man muss aber erst schauen, wie die Regierung aussehen wird – Hauptsache, die Interessen der Bürger werden gut vertreten.“

„Die SVP ist in den letzten Jahren etwas überheblich gewesen und hat nun, wenn man es so ausdrücken will, auf den Deckel bekommen. Es war nicht mehr so logisch wie in den Jahren zuvor, dass die SVP die absolute Mehrheit bekommen würde. Die Lega hat viele Stimmen erhalten, weil sie sich gegen die Einwanderung einsetzt; das ist ein Thema, das den Leuten unter den Nägeln brennt“, sagt Andreas Demetz.

„Ich habe mir keine Veränderung gewünscht, weil es für mich so okay war, wie es war. Im Großen und Ganzen bin ich deshalb mit dem Ergebnis zufrieden. Allzu viele Gedanken habe ich mir über den Wahlausgang auch nicht gemacht. Ich lasse mich jetzt überraschen, wie es weitergeht, und werde dann bewerten“, sagt Katharina von Wenzel.

„Das Wahlergebnis spiegelt genau das wider, was Südtirol denkt“, sagt Sepp Unterrainer. „Die Leute wünschen sich Ruhe in den Parteien, das hat sich gezeigt. Die SVP konnte mit Glaubwürdigkeit punkten und fuhr deshalb auch einen nicht so starken Rückgang ein. Die deutschen Oppositionsparteien haben stärker verloren, als ich es mir gedacht hätte. Es sind viele Wechselwähler unterwegs, die sich von den letzten Impulsen beeinflussen lassen“.

„Ob ich zufrieden bin? Wie definiert man in diesem Rahmen ‚Zufriedenheit‘? Die Wahlen sind definitiv nicht so ausgegangen, wie ich es mir erhofft hatte, denn ich hätte mir mehr Frauen im Landtag gewünscht, insbesondere mehr Brixner Frauen“, meint Paula Oberhuber.


ARS SACRA: KUNST UND KIRCHE IM HEUTE

Kunst & Kultur

„Alte Tradition neu beleben“

LISA TROCKNER, Geschäftsführerin des Südtiroler Künstlerbunds (SKB) und „Ars-Sacra“Projektleiterin, und PETER SCHWIENBACHER, Referent für Kirchliche Kunst- und Kulturgüter der Diözese Bozen-Brixen, haben gemeinsam mit dem Stadtmuseum Klausen das Kunst­projekt „Ars Sacra: Kunst und Kirche im Heute“ realisiert. Neben der Bespielung von fünf Sakralbauten im Eisacktal von verschiedenen Künstlern wurde auch eine Ausstellung ausgerichtet.

Frau Trockner, wie entstand die Idee zum Kunstprojekt „Ars Sacra“? LISA TROCKNER: Konkret angegangen sind der SKB, die Diözese und das Stadtmuseum Klausen das Projekt im Oktober letzten Jahres. Aber die Idee, Gegenwartskunst und Kirche wieder näher zueinander zu führen, ist bereits Jahre zuvor entstanden, und zwar unabhängig und doch gleichzeitig sowohl in Klausen als auch bei uns im SKB. Die Zusammenarbeit von Kunst und Kirche geht auf eine lange Tradition zurück. Die Kirche war immer einer der größten Kunstauftraggeber, sodass von den Kunstschaffenden und Architekten sehr viele Projekte für Sakralbauten verwirklicht wurden. Erst in den letzten 100 Jahren kam es diesbezüglich zu einem Rückgang. Diese Zusammenarbeit wollten wir wieder beflügeln. Wir wandten uns an die Diözese, und gemeinsam mit dem Stadtmuseum Klausen haben wir mit „Ars Sacra“ im Eisacktal ein Pilotprojekt gestartet, wo wir temporär Kunst und sakrale Architektur zusammenbringen. Warum wurde das Eisacktal zum Austragungsort erkoren? PETER SCHWIENBACHER: Eine Initiativgruppe in Klausen um Sonya Hofer und Astrid Gamper hatte die Idee, zwölf Kirchen in Klausen mit zeitgenössischer Kunst zu bespielen. Parallel zu diesem Vorhaben wandte sich auch der SKB mit einer ähnlichen Idee an 40

die Diözese. Gemeinsam entstand dann das Projekt „Ars Sacra“, das sodann im Eisacktal seinen Ausgang nahm. Welche Absicht steht hinter diesem Kunstprojekt? Lisa Trockner: Das Projekt soll Fragen aufwerfen, Hinterfragung zulassen, Diskussionen anregen, was nicht heißt, dass explizit Provozierendes künstlerisch dargestellt wird, dem ein blasphemischer Ansatz

genössische Kunst kann sehr wohl auch und vor allem in der Kirche wirken. Das Alltagsleben darf man nicht vom Glaubensleben trennen. Das gehört zusammen. Genau dieses Zusammenwirken macht das Interessante am Dialog zwischen Kunst und Kirche aus, dass mit zeitgenössischer Kunst zeitgemäße Themen aufgegriffen werden. Künstler versuchen ja auch immer etwas darzustellen, was nicht sichtbar ist, eine Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit. Und der

wie vor das Gesetz, nach dem bei jedem öffentlichen Gebäude zwei Prozent für Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau verwendet werden können. Im Zuge der Wirtschaftskrise wird das seit 2008 weniger umgesetzt. Jetzt spüren wir wieder einen Aufschwung nicht nur an temporären, sondern auch an permanenten Installationen. Sicher ist hier noch viel Sensibilisierungsarbeit zu leisten, dass man Kunst eben nicht nur in die üblichen Ausstellungsräume

„Kirche ist nicht nur Gebetsort, und Kunst gehört nicht nur ins Museum“_ Lisa Trockner, Geschäftsführerin des SKB und „Ars-Sacra“-Projektleiterin unterstellt werden könnte. Wir wollen ja die Zusammenarbeit fördern, und wir wollen neues Publikum anzuziehen. Denn auch das betrifft Kirche wie Museum gleichermaßen: Beide haben das Problem, die Leute hereinzuholen. Durch Projekte wie „Ars Sacra“ kann man Hemmschwellen überwinden, neue Synergien können entstehen. Es wird die Offenheit von Seiten der Kirchgänger gefördert, etwas Neues im gewohnten Umfeld vorzufinden, was womöglich zunächst als Fremdkörper wirkt. Umgekehrt können Leute sich der Gegenwartskunst nähern und sich für junge Künstler interessieren.

Glaube versucht, seine Antworten zu geben auf Lebensfragen. Letztendlich ist es der Mensch, der mit Fragen konfrontiert ist und ein Suchender bleibt. Künstler und Glauben versuchen, Antworten zu geben, wenn auch auf verschiedene Weisen. Dieser Prozess des Suchens und Ringens um das, was wir sind, was wir wollen, was unser Ziel ist, wohin wir gehen – das sind grundlegende Dinge, die Kunst und Kirche gleichermaßen beschäftigen.

Peter Schwienbacher: Auf diese Weise wird auch wieder mehr Leben in die Pfarreien gebracht. Zeit-

Lisa Trockner: Kunst im öffentlichen Raum ist für Künstler immer ein wichtiges Thema. Es gibt nach

Das Projekt sollte somit auch Kunst im öffentlichen Raum stärken?

zeigt, sondern auch nach außen trägt und in die urbanen Zentren integriert. Findet das statt, dann wird das in der Regel von der Bevölkerung auch gut angenommen. Wichtig ist, dass man sich entscheidet zwischen temporärer oder permanenter Installation. Wir haben uns bei „Ars Sacra“ für zeitlich begrenzte Installationen entschieden, einmal von der Finanzierbarkeit her und zum anderen auch von der Akzeptanz. Peter Schwienbacher: Es geht auch um Kunst in der Kirche. Heutzutage werden Kirchen häufig besucht, um sich Kunstwerke anzusehen, und besonders die großen Sakralbauten sind ja voll davon. Aber die Kunst in der Kirche hat immer auch eine religiöse


DIE GOLDENE LEITER VON IVAN LARDSCHNEIDER: In der Pfarrkirche Milland wird damit die Frage thematisiert: Wie komme ich in den Himmel?

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Kunst & Kultur

Es war also eine bewusste Entscheidung, aktive Kirchen zu bespielen? Peter Schwienbacher: Es geht um einen gegenseitigen Austausch von Kunst und Kirche. Ein wechselseitiger Bezug sollte entstehen. Deshalb war es uns von Anfang an wichtig, dass in den bespielten Kirchen auch liturgische Feiern zelebriert werden. Nur so kann ein Dialog zwischen Kunst und Kirche stattfinden. Auf diese Weise wird einerseits vermieden, dass die Kirche nur ein reiner Ausstellungsraum ist. Zum anderen setzen sich Kirchengänger, die nicht zwingend mit zeitgenössischer Kunst vertraut sind, mit den Kunstwerken auseinander. Bis zum 30. November werden die Kunstwerke noch in den Kirchen ausgestellt sein. Wie wurden die Kirchen gefunden? Peter Schwienbacher: Von Klausen ausgehend dehnten wir das Projekt auf das gesamte Eisacktal

aus. Dabei war uns wichtig, Pfarrkirchen zu nehmen, da sich dort hauptsächlich religiöses Leben abspielt, weil die Räume von den Gläubigen auch genutzt werden. Schließlich war die primäre Absicht, den Dialog zwischen Kirche und Kunst zu verstärken.

Foto: Oskar Zingerle

Botschaft, und diese Botschaft sollte den Leuten wieder zugänglich gemacht werden.

Was verstehen Sie unter einem zeitgenössischen Dialog zwischen Kunst und Kirche? Lisa Trockner: Damit dieser überhaupt entstehen kann, ist die Begegnung auf Augenhöhe wichtig. Die Kirche sollte nicht Ausstellungsort sein zur Positionierung von bestehenden Kunstobjekten, sondern es musste ein Konzept entwickelt werden, das eigens für die jeweilige Kirche geschaffen wird. Dafür war wichtig, dass es eine Begehung der Künstler in den Kirchen gab und als Folge, dass auf die architektonischen, geschichtlichen, aber auch liturgischen Begebenheiten eingegangen wurde. Ein Dialog zwischen Künstler und sakraler Architektur sollte angeregt werden. Die künstlerische Performance soll die liturgische nicht stören; vielmehr sollen sie sich gegenseitig ergänzen.

Peter Schwienbacher: „Die primäre Absicht war, den Dialog zwischen Kirche und Kunst zu verstärken“

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Peter Schwienbacher: Der Dialog zwischen Kunst und Kirche ist auch deshalb wichtig, weil zeitgenössische Kunst mit Innovation, Moderne und Zukunft in Verbindung gebracht wird, während die Kirche manchmal den Ruf hat, konservativ und altmodisch zu sein. Deshalb tut das Wechselverhältnis hier gut. Kunst kann aktuelle Themen aufgreifen, die

in den Kirchenraum hineinspielen. Deshalb ist es auch wichtig, dass die Kunst sich hier an der Kirche und ihren Werten orientiert – damit Kunst für die Menschen da ist, für das Zusammenleben und für das zwischenmenschliche Miteinander. Zu den Installationen in den Sakralbauten brauchte es auch eine Ausstellung?

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Foto: Oskar Zingerle

Lisa Trockner: „Neue Synergien zwischen Kunst und Kirche können entstehen“

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Lisa Trockner: Die Ausstellung war von Anfang an geplant als ergänzendes Element zu den Kirchen. Ursprünglich sollten ja zwölf Kirchen im Eisacktal bespielt werden. Da es von den örtlichen Begebenheiten her schwierig war, „Ars Sacra“ durch die räumliche Trennung als Gesamtprojekt zu erfassen, wollten wir an einem Ort konzentriert die Intention und das Gesamtkonzept darstellen und dem Besucher die Entwicklung und die Entstehungsprozesse der

info Für „ARS SACRA. Kunst und Kirche im Heute“ werden bis zum 30. November fünf Kirchen im Eisacktal von Künstlern bespielt. Die Kirchen: Pfarrkirche zum hl. Josef Freinademetz in Milland, Spitalskirche in Klausen, Heiligkreuzkirche auf Säben, Pfarrkirchen in Lajen und Kastelruth Die Künstler: Ivan Lardschneider – Pfarrkirche Milland: „I go home, Ich gehe heim, vado a casa“ AliPaloma und Daniele Alessi – Spitalskirche Klausen: „Reflection“ Marianna Gostner – Heiligkreuzkirche Säben: „#Wortgeflecht“ Giancarlo Lamonaca – Pfarrkirche Lajen: „Untitled (one minute later)” Thomas Huck – Pfarrkirche Kastelruth: „Wo hat die Kirche ihre Klingel?“

einzelnen Kunstwerke zeigen. Die Ausstellung, die bis zum 3. November im Stadtmuseum Klausen zu sehen war, war somit mehr Dokumentation und begleitendes Element, um die Gesamtzusammenhänge sichtbar zu machen. Die Künstler haben sich mit Papierobjekten, Videound Soundprojekten, einer Wandcollage, einer Holzinstallation und einer Fotodokumentation vorgestellt. Uns war wichtig, dass vor allem die jungen Künstler sich selber präsentieren, indem sie das realisierte Projekt vor Ort nochmal aufgreifen und den Entwicklungsprozess dieses Werkes anhand eines neugeschaffenen Kunstwerkes darstellen. Wie kamen Sie an die Künstler? Lisa Trockner: Es gab einen südtirolweit ausgeschriebenen Wettbewerb, für den sich etwa 60 Künstler bewarben. Eine siebenköpfige unabhängige Jury traf dann die Auswahl. Realisiert wurden von den zwölf geplanten Projekten letztlich nur fünf. Nicht geschafft haben es vor allem jene Projekte, die den Kirchenraum mehr als Showroom verwenden wollten, und jene, die in die liturgischen Abläufe eingegriffen hätten. Die Entscheidung, uns auf fünf zu beschränken, ist uns nicht leichtgefallen, aber wir wollten qualitätvolle, durchdachte Projekte präsentieren, die Bezug nehmen auf den Ort, auf den liturgischen Ablauf, und die das Werteverständnis der Kirche in einem zeitgemäßen Bezug aufgreifen.

Hatten die Künstler völlige Gestaltungsfreiheit? Lisa Trockner: Nicht etwa ein religiöses Thema war vorgegeben, sondern in der Ausschreibung stand, dass Themen und Emotionen aus dem Alltag in die Kirche hineingetragen werden sollten. Der Mensch steht im Zentrum. Die Entfremdung der Kirche vom alltäglichen Leben draußen wirkt oft abschreckend, sodass Kirche nicht zeitgemäß wirkt, und das wollte man mit diesem Projekt ein Stück weit abfangen. Dafür war wichtig, dass sich die Künstler intensiv mit dem Ort auseinandersetzten und keine bereits geschaffenen Skulpturen in den Sakralbauten platzieren. Ein Projekt sollte es sein, dass der Kirche gegenüber Respekt zollt. Das gilt aber auch umgekehrt: Wir erwarten uns von den Kirchgängern einen verantwortungsvollen Umgang mit den Kunstwerken, eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit religiösen Themen, die gerade heute in der multikulturellen Gesellschaft, in der wir leben, ganz viele Fragen aufwirft. Kunst sollte geschaffen werden, die auch kritische Fragen stellt und zum Weiterdenken anregt. Was durfte bei dem Projekt auf keinen Fall fehlen? Lisa Trockner: Das Wichtigste war uns die Begegnung auf Augenhöhe. Der Künstler sollte den sakralen Raum durch Kunstwerke ergänzen, weiterdenken, umdenken oder neudenken, aber immer in Bezug zueinander. Denn die Absicht war ja nicht, dass die Künstler irgendeinen Fremdkörper in den Kirchen platzieren, sondern dass die Künstler ein Objekt schaffen, mit dem sich die Kirchengänger auseinandersetzen und sich die Pfarrei identifizieren kann. Denn nur so kann es auch künftig einen Austausch geben, der Zusammenarbeit zwischen Gegenwartskunst und Kirche im Heute ankurbelt. Wie finanziert sich das Projekt? Lisa Trockner: Die Finanzierung erfolgt über öffentliche Gelder, die Großteils vom SKB beigesteuert werden, aber auch die Gemeinde Brixen war sehr großzügig. Weiters beteiligten sich die Gemeinden Klausen und die Kulturabteilung des Landes. Die Künstler erhalten einen Spesenbeitrag und ein Honorar, da es sich ja ausschließlich um Neuproduktionen

handelt. Nach der temporären Ausstellung bauen die Künstler ihre Werke wieder ab – außer, es besteht der Wunsch, dass die Kunstwerke weiter in den Kirchen bleiben sollen. Dann kann eine Lösung für eine permanente Installation gefunden werden. Ist dies das erste Kunstprojekt zwischen Künstlerbund und Diözese? Peter Schwienbacher: Da kann ich an das Projekt „Kunstwerk Menschlichkeit“ der Caritas erinnern. Bildende Künstler und Literaten arbeiteten gemeinsam mit Theologen an einem Buch zusammen, das zur größten Anthologie für Künstler und Schriftsteller geworden ist, die es in Südtirol gibt. Ausgehend von den 52 Bibeltexten, die an den Sonntagen vorgetragen wurden, haben Künstler ein Bild gemalt oder eine Skulptur geschaffen, Schriftsteller einen Text dazu verfasst und Theologen versucht, eine Verbindung zwischen den künstlerischen Beiträgen und den Bibeltexten herzustellen. Zusammenarbeit zwischen Kunst und Kirche hat es natürlich schon gegeben, aber etwas Schwung ist hier durchaus nötig. Lisa Trockner: Von Seiten der Künstler gibt es auch genügend Interesse, sich mit Kirche auseinanderzusetzen. Das sieht man auch bei diesem Projekt, weil sich außerordentlich viele junge Künstler beworben hatten. „Ars Sacra“ wird also fortgesetzt? Lisa Trockner: Das Projekt ist längerfristig angelegt, und zwar soll es in den verschiedenen Südtiroler Bezirken realisiert werden. Heuer konzentrierten wir uns auf das Eisacktal, auch weil Besucher nicht durch ganz Südtirol reisen, um die einzelnen Kirchen zu besuchen. Nach Abschluss des gesamten Projektes ist auch die Erstellung eines Kataloges angedacht, der wie eine Art Kirchenführer funktionieren soll, aber gleichzeitig auch die Künstler und ihre Projekte vorstellt. Die Zusammenführung von Kunst und Kirche wird also noch einmal deutlich gemacht: Kirche ist nicht nur Gebetsort, und Kunst gehört nicht nur ins Museum.

sabine.peer@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info 43


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Foto: Heinrich Wegmann

AUSSTELLUNG

Überbleibsel lokaler Kunst Im Bildungshaus Kloster Neustift wurde das Projekt „Die Katakomben-Heiligen in Südtirol“ präsentiert.

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as Projekt der Europäischen Textilakademie – eine Bestandsaufnahme sämtlicher noch erhaltener KatakombenHeiligen in ganz Südtirol – wurde im Herbst 2017 gestartet. Nach einem Jahr Recherche konnte die beachtliche Zahl von 34 Katakomben-Heiligen aufgenommen, dokumentiert und vom Fotografen Heinrich Wegmann bildlich festgehalten werden. Diese Kunstund Kulturgüter stammen aus der Zeit zwischen 1740 und 1850 und befinden sich in einem sehr schlechten Zustand.

Beispiel eines Heiligen. Der

www.weger.net – © Elnur - fotolia

Kunst & Kultur

Der hl. Viktor aus dem Benediktinerstift Kloster Neustift ist einer der vier aufwändig restaurierten Katakomben-Heiligen

heilige Viktor, der aus dem Benediktinerstift Kloster Neustift stammt, wurde als einer von vier Katakomben-Heiligen im vergangenen August aufwändig restauriert. „Dank der Konservierung konnte der heilige Leib Viktors des Siegreichen sprichwörtlich wieder zum Strahlen gebracht werden“, zeigte sich Textilrestauratorin Irene Tomedi über das Ergebnis ihrer einjährigen Erhebung erfreut. Einige Fotos geben Einblick über Transport und „Bergung“ der knöchernen Überreste, wofür eigens eine Kiste angefertigt werden musste. Die Abmontage der Knochen erfolgte in der Werkstatt in Bozen. Alle Teile wurden zu-

vor nummeriert und fotografiert, damit sie anschließend wieder korrekt zusammengesetzt werden konnten. Wie stark die Verschmutzung selbst die Knochen angegriffen hatte, erklärte der Knochen-Restaurator Claudio Temelin: „Einige der Schichten, beispielsweise am Schädel, wurden im Laufe der Zeit abgetragen und mussten neu eingesetzt werden, da die Knochen teilweise sehr fragil geworden waren.“ Einen Aufschluss über das Alter des aufgebahrten Skeletts gaben auch dessen restaurierte Zähne. Der komplette Konservierungsvorgang der Katakomben-Heiligen wurde in Zusammenarbeit mit RAI Südtirol dokumentiert; Christoph Wieser führte bei dem 30-minütigen Dokumentarfilm Regie.

Das Projekt. Auch Rita Rosati,

die Ideengeberin des Projektes, zeigte sich über diese besondere Form der Kunst und deren zwei Charakteristika sehr beeindruckt: die Schnelligkeit, in der sie aus der Öffentlichkeit verschwanden, und die große Anzahl KatakombenHeiliger in Südtirol im Vergleich zu anderen Ländern. Ihr Projekt war der Anstoß zu einem Prozess, jene Kunst auch auf wissenschaftlicher Basis neu zu beleuchten. Dazu soll noch weiteres Begleitmaterial aus-

gearbeitet werden; ebenso dient der Dokumentarfilm, der Anfang November auf RAI Südtirol gezeigt wurde, als Hilfe. Als Südtiroler Spezifikum nannte sie das Erscheinen der Reliquien zu einem Zeitpunkt, wenn sie in anderen Ländern verschwanden. Da dies vorwiegend zur Zeit Napoleons der Fall war, vermutet Rosati, dass der Weitererhalt in Südtirol mit Andreas Hofer in Zusammenhang steht. Dies könnte zum Beispiel ein Symbol der Volksfrömmigkeit und des Tirolertums darstellen.

Zur Geschichte. Beim kurzen Eingehen auf die Geschichte der Katakomben-Heiligen berichtete Rita Rosati über einen solchen Fund im 16. Jahrhundert in einem unterirdischen, frühchristlichen Friedhof in Rom. Es wurde davon ausgegangen, dass es sich dabei um Märtyrer gehandelt hatte. Diese Skelett-Teile wurden dann von Klosterfrauen, soweit es möglich war, zusammengefügt und mit kostbaren Stoffen geschmückt. Somit wurden diese Heiligen zu einem Überbleibsel lokaler Geschichte und lebendig gehaltener Kunst. susanne.hutter@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info


BRIXEN

Kulturstadt Brixen Foto: Leo Angerer

Fast ein Jahr lang haben Petra Paolazzi und Marion Piffer in einem partizipativen Prozess mit mehr oder weniger allen Kulturakteuren der Stadt darüber diskutiert, wie man die kulturelle Identität von Brixen stärken kann und welche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind. Anfang November wurden die Ergebnisse des „Brixner Kulturprozess 2018“ vorgestellt.

M

ein persönliches Ziel für diesen Kulturprozess war, dass aus den Ergebnissen viele Impulse und Zukunftsperspektiven für die Entwicklung der Brixner Kulturszene abgeleitet werden können. Diese Ideen durften aber nicht von irgendwelchen Experten kommen, sondern ausschließlich direkt aus der Szene“, sagte die Brixner Kultur-Stadträtin Monika Leitner Anfang November beim Abschlussabend vom „Kulturprozess Brixen 2018“ im kleinen Saal des Forums Brixen. Vorwegnehmend darf nach fast einem Jahr Arbeit und der Präsentation der Ergebnisse behauptet werden, dass dieses Ziel wohl erreicht worden ist – mit einigen Abstrichen vielleicht. Dafür hatte, auch das darf vorweggenommen werden, die Initiative einen ungeahnt positiven Nebeneffekt: Die Akteure der äußerst lebendigen Brixner Kulturszene sind endlich mal miteinander in einen ernsthaften Dialog getreten. Normalerweise kocht jeder Verein sein eigenes Süppchen; die Tätigkeiten

Im kleinen Saal des Forums Brixen trafen sich die Kulturakteure der Bischofsstadt zum partizipativen Austausch

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der „Konkurrenz“ werden, wenn überhaupt, häufig mit Argusaugen beobachtet. Ein Miteinander gibt es gefühlt eher selten. Aber zurück zum „Kulturprozess“ – der anfangs übrigens etwas stimmiger „Kulturentwicklungsprozess“ genannt wurde. Im „Brixner“ Nr. 334 vom November 2017 hat Monika Leitner erklärt, dass der Brixner Stadtrat die Kunsthistorikerin Marion Piffer und die Innsbrucker Kulturmanagerin Petra Paolazzi damit beauftrage, in einem partizipativen Prozess darüber nachzudenken, wie die heutigen und zukünftigen kulturellen Veranstaltungsorte und die bisherigen und zukünftigen Angebote besser koordiniert und miteinander vernetzt werden können, „damit Brixen eine kulturell interessante und hochentwickelte Stadt werden kann“. Auch das etwas in die Jahre gekommene Konzept der Stadtgalerie sollte im Rahmen der Studie hinterfragt werden. Vor allem aber ging es darum, zu erfassen, welche Potentiale und Kernkompetenzen die

Stadt im kulturellen Bereich hat und welche Rahmenbedingungen zur Stärkung der kulturellen Identität und Positionierung notwendig wären. Diese Nachdenkarbeit hat sich Brixen etwas kosten lassen: Für das auf ein Jahr ausgelegte und sehr aufwändige Projekt budgetierte die Gemeinde 40.000 Euro, die am Ende nicht zur Gänze aufgebraucht wurden.

Analyse der Ist-Situation. Zwei

Monate nach dem Stadtratsbeschluss begannen Piffer und Paolazzi mit der Arbeit. Von Jänner bis April versuchten sie, die IstSituation zu analysieren: Wer beschäftigt sich in Brixen mit Kultur? Welche Infrastrukturen werden von wem genutzt? Was macht eigentlich die Brixner Kulturszene aus, was sind die Potentiale, die Stärken? Wie kann man die Stärken noch mehr in Evidenz setzen? Was wollen und brauchen die Kulturschaffenden eigentlich? Wo brennt’s? In den ersten drei Monaten führten sie unzählige Einzelgespräche mit den verschie-

denen Akteuren, die jeweils ihre Sicht der Dinge darlegten. Am 8. Mai gab es dann im Forum Brixen ein erstes gemeinsames Zusammentreffen der eingeladenen Vertreter der Kulturszene. In einem als „Kulturcafè“ betitelten Arbeitskreis, bei dem es zwar Brötchen, aber keinen Kaffee gab, trafen sich an die 60 Vertreter von Kulturvereinen der verschiedensten Sparten und Richtungen: Theater, Musik, Kunst, Veranstalter. Die Stimmung war nach anfänglicher spürbarer Skepsis durchwegs positiv: Man hatte den Eindruck, dass die Kulturschaffenden dankbar waren für diesen Schritt des Entgegenkommens der Stadtverwaltung und der damit manifestierten Wertschätzung. Hans Heiss brachte es ein halbes Jahr später, am Abschlussabend, auf den Punkt: „In Brixen hatte die Kultur lange Zeit einen relativen Stellenwert; jetzt scheint sie aber doch in andere Sphären aufzubrechen.“ In der Tat: Brixen will sich endlich als Kulturstadt definieren. 45


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28.02.2019

diskutierte man beim „Kulturcafé“ in verschiedenen moderierten Workshops miteinander. Erstes Fazit der beiden Projektleiterinnen: Brixen verfügt über eine selbstbewusste und starke Kulturszene. Das mag jetzt für uns Brixner möglicherweise selbstverständlich klingen, weil man sich längst an die Lebendigkeit der Szene gewöhnt hat. Ein Blick in andere Südtiroler Städte ähnlicher Dimension reicht aber aus, um sofort zu erkennen: Brixen ist in diesem Bereich absolut privilegiert. In Sterzing zum Beispiel sind kulturelle Initiativen längst nicht in einer auch nur annähernd vergleichbaren Vielfalt zu finden. „Die Kulturszene von Brixen basiert größtenteils auf Initiativen von Einzelpersönlichkeiten und auf ehrenamtlichem Engagement“, sagt Petra Paolazzi. „Die Szene ist kontinuierlich gewachsen, gut verwurzelt, kreativ, vielgestaltig und untereinander vernetzt. Sie ist erfahren wie jung, einheimisch wie international, und sie agiert spartenübergreifend.“ Hier könnte man höflich einwenden, dass die Vernetzung in der Realität vielleicht doch nicht so optimal funktioniert, wie es Paolazzi erkannt haben will. Was aber im gemeinsamen Treffen klar erkennbar wurde, und das ist im Grunde entscheidend: Jeder sehnt sich nach einem intensiveren Miteinander. Also braucht es entsprechende Plattformen, wo man diesem Miteinander auf die Sprünge hilft. Ende Mai bis Mitte Juni fanden dann vier „Kulturgespräche“ statt, für die man die Kulturschaffenden in vier Fokusgruppen aufteilte: Musik, Theater, Kunst, Junge Kultur. Danach gingen Paolazzi und Piffer an die Arbeit und versuchten, die unzähligen Inputs zu sortieren und zu gewichten und daraus Schlüsse zu ziehen. Drei Monate arbeiteten die beiden an einem Ergebnispapier, das sie schließlich Anfang Oktober dem Stadtrat und einen Monat später den Fraktionssprechern des Gemeinderats vorab präsentierten. Am 7. November luden sie dann wiederum die Vertreter der Kulturszene ein, die natürlich gespannt waren, ob die Ergebnisse in etwa ihrem jeweiligen Wunschdenken entsprechen würden.

1. Brixen = Kirche Kunst Geschichte Philosophie. In vier

Leitmotiven wurden Potentiale, Stärken und Exzellenzen definiert.

Foto: Arnold Ritter

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„Selbstbewusste und starke Kulturszene“. Fünf Stunden lang

Erstens: „Brixen = Kirche Kunst Geschichte Philosophie“. „Brixen ist die älteste Stadt Tirols und hat einen historischen Hintergrund, der die Stadt bis heute prägt“, sagt Marion Piffer. „Die Altstadt spiegelt 1.100 Jahre Geschichte wider.“ Brixen sei Bischofsstadt, sagte sie, und sie ignorierte dabei wohl bewusst, dass der Bischof schon 1972 aus der Hofburg ausgezogen ist. Nichtsdestotrotz: „Das Diözesanmuseum Brixen gehört zu den bedeutendsten kirchlichen Museen im Alpenraum, sakrale Baukunst prägt das Stadtbild.“ Außerdem sei Brixen seit 400 Jahren Universitätsstadt, denn im Grunde sei die PhilosophischTheologische Hochschule eine Uni, auch wenn sie heute unter argen Nachwuchssorgen leidet. „Bildung, Kulturleben und Stadtentwicklung sind beeinflusst von der Geistlichkeit“, sagt Piffer. Und daraus folgt die Erkenntnis: „Die Symbiose von Kirche, Kunst, Geschichte, Philosophie ist die zentrale Stärke Brixens.“ In diesem Sinne sei Brixen die kongeniale Bühne für kulturelle Formate, die aus diesem Kontext der Stadt resultieren. „Brixen ist damit ein Ort, wo gesellschaftliche Prozesse und grundlegende Fragen über Lebens- und Wertvorstellungen glaubhaft diskutiert und verhandelt werden können – natürlich in einer säkularen modernen Form.“ Dass die Kirche in diesem kulturellen Kontext ebenfalls zur „zentralen Stärke“ der Stadt deklariert wird, hat in einigen Kreisen vielleicht Diskussionspotential. Es wird spannend sein zu beobachten, ob die Brixner Kulturschaffenden in ihrer Gesamtheit dies genauso sehen, denn seit 1972, als Bischof Joseph Gargitter seinen Wohnsitz nach Bozen verlegte, versucht Brixen, sich von der


Der Tschumpus – ein junger, erfolgreicher, atmosphärisch und historisch besonderer Veranstaltungsort

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jahrhundertelangen „Umarmung“ der Kirche langsam zu lösen in Richtung moderne säkulare Bürgerschaft. Piffer und Paolazzi haben die Gratwanderung aber offensichtlich erkannt und zeichneten das Szenario einer „Zeitgenossenschaft“ in der Hofburg: „Das Diözesanmuseum ist eine hochkarätige Kunstschatzkammer mit großem Potential“, sagt Marion Piffer, „es stellt das kulturelle Zentrum und Kraftfeld von Brixen dar.“ Dem entsprechend sei die Hofburg „ein idealer Ort, an dem man eine Brücke schlagen kann zwischen zeitgenössischer Kunst, Kunstgeschichte und intensivem Nachdenken über das, was unsere Existenz heute ausmacht“. Konkret wünscht sich Piffer eine jährliche Ausstellung zeitgenössischer moderner Kunst, verbunden mit einem Symposium von Gastkuratoren auf internationalem Niveau, „sodass man sich über Monate hinweg mit wichtigen Fragen auseinandersetzt“. An diesem „kongenialen Ort“ sehen Piffer und Paolazzi große Chancen, „etwas Zukunftsfähiges zu machen, das internationales Aufsehen erregen kann“. Vorbild ist zum Beispiel das Museum der Nachdenklichkeit „Kolumba“ in Köln.

Kunstpavillon im Hofburggarten. Als weiteres Szenario stellt

sich Piffer ein Kunstpavillon im Brixner Hofburggarten vor – „als Ergänzung zur Zeitgenossenschaft im Diözesanmuseum“. In dieser neuzuschaffenden Infrastruktur, die in das Gartenprojekt von André Heller eingebunden werden müsste, „erhält man Einblick in das Brixner und Südtiroler Kunstschaffen“. Die Trägerschaft des Pavillons könnte bei der Gemeinde Brixen liegen oder bei

einer Stiftung. „Sinnvoll wären landesweite Kooperationen, zum Beispiel mit dem Netzwerk Südtiroler Künstlerbund oder dem Centro Trevi Bozen.“ Womit sich natürlich die Frage stellt, ob dieser Kunstpavillon die heutige Stadtgalerie ersetzen sollte. „Die Stadtgalerie steht nach zehn Jahren in einem Moment des Nachdenkens, vor einem Reload“, sagte Marion Piffer, „die Räumlichkeiten sind für Kunstausstellungen eigentlich nicht ganz ideal, sie entsprechen nicht mehr den aktuellen Standards.“ Sobald also die Hofburg auch zeitgenössische Kunst beheimatet und im Hofburggarten der Kunstpavillon eröffnet worden ist, „könnte man sich überlegen, der Stadtgalerie eine vollkommen neue Nutzung zu geben“, sagt Paolazzi. „Der Stadt fehlt heute ein Ort, wo Brixen Thema ist“, sagt Marion Piffer, also könnte man der Stadtgalerie diese übergeordnete Funktion geben. „Da geht es dann um die Identität dieser Stadt, um einen Ort der Selbstbetrachtung und -reflexion, wo sich die Bürger Fragen zur Stadt stellen, wo auch über die Zukunft verhandelt werden kann, wo Stadt(teil)geschichte(n) erzählt und ausgestellt werden und die Stadtentwicklung sichtbar wird“ – eine Art Stadtlabor also, in dem auch Kunst thematisiert wird, „aber eben anders“. Das Format ist nicht neu; es existiert in vielen größeren Städten – „warum also nicht auch in Brixen?“

Stadtlabor anstelle Stadtgalerie. Das Stadtlabor könne, so Paolazzi, auch eine „spannende Plattform für die Politik“ sein: „Hier kann man Großprojekte oder Stadtteilkonzepte vorstellen und in Bürger-Workshops diskutieren, womit wir einen optimalen Nebeneffekt

erzielen: Die Bürger verbinden sich besser mit der Stadt, denn je mehr man weiß, desto besser ist man informiert, desto eher hat man vielleicht Verständnis für politische Entscheidungen.“ Auch ein kleines Stadtmuseum und ein Zeitzeugen-Archiv könnte man hier verorten. Auch in Sachen Kunst könnte das Stadtlabor eine zentrale Rolle spielen – zum Beispiel, indem hier „kuratorische Konzepte über Kunstprojekte und Kunst-am-BauAktionen diskutiert werden. In der Situation des Aufbruchs, in der sich Brixen mit all den neuen kulturellen Infrastrukturen heute befindet, sind die Rahmenbedingungen perfekt, damit sich Kunst nicht nur in der engen und abgeschlossenen Stadtgalerie präsentiert, sondern in der ganzen Stadt“, sagt Marion Piffer. Denn: „Eigentlich sollte die Kunst aus der Stadtgalerie ausbrechen und den öffentlichen Raum für sich gewinnen. Kunst soll dazu beitragen, dass neue Orte eine starke Identität erhalten.“ Das Stadtlabor sollte in diesem Sinn dafür sorgen, dass Kunst auch in den öffentlichen Einrichtungen Einzug findet: „Welche Wertschätzung die

Stadtgemeinde der Kunst schenkt, wird auch dadurch ausgedrückt, welche Kunstwerke im Rathaus ausgestellt werden“. Bildhauer Markus Gasser warnte davor, die Stadtgalerie vorschnell ihrer heutigen Funktion zu berauben: „Es gibt in Südtirol nicht viele fixe Punkte, wo alle paar Monate eine Ausstellung stattfindet. In den zehn Jahren war nicht alles ideal, aber die Kunstszene kennt die Galerie inzwischen und hat sie zu schätzen gelernt.“ Mit einem Kunstpavillon könne man gut leben, aber erstens sei die Realisierung noch Zukunftsmusik, und zweitens: „Was passiert in der Übergangszeit?“ Marion Piffer erwiderte, dass die Stadtgalerie natürlich erst dann ihrer heutigen Funktion beraubt würde, sobald in der Hofburg auch zeitgenössische Kunst Platz finde und es einen neuen Kunstort als Pavillon im Hofburggarten gebe. Und außerdem: „Ziel muss sowieso sein, dass die ganze Stadt zum Kunstraum wird.“

2. Brixen = Musik und Kirche. Auch im zweiten Leitmotiv spielt die Kirche eine Rolle: „Brixen = Musik und Kirche“. Brixen sei

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Ressourcen, die die einzelnen Vereine und Akteure zur Verfügung haben.“

Foto: Leo Angerer

eine kongeniale Bühne für von Geistlichkeit und Spiritualität inspirierte Musik, sagte Paolazzi, „die Initiative Musik und Kirche vermittelt dieses Potential seit 30 Jahren auf höchstem Niveau“. Zudem finde seit 2008 alle zwei Jahre in Brixen der Internationale Orgelwettbewerb Daniel Herz statt, und eine Vielzahl Brixner Chöre sind in diesem Musikbereich angesiedelt. Fazit: „Der Fokusbereich Musik und Kirche ist eine Exzellenz von Brixen“, denn die entsprechenden Akteure „suchen nach zeitgenössischen Ansätzen, initiieren theoretische philosophische Diskurse und bieten talentierten Musikern aus aller Welt eine Bühne“. Logische Folgerung: „Diese Exzellenz von Brixen gilt es zu positionieren!“ Als Szenario sei „ein Qualitätsformat zu entwickeln, wie Festspiele, Festwochen oder ein Festival, damit die einzelnen Initiativen dieses Bereichs vereint werden und sich die Kulturstadt Brixen in diesem Kontext international positionieren kann.“ Es gelte, ein Qualitätsformat und eine „Marke“ zu entwickeln, damit die Festspiele endlich jene breite internationale Anerkennung erfah-

3. Brixen = Bühne für Kleinkunst & Theater. Womit wir beim dritten

Im ehemaligen „Astra“-Kino soll ein Zentrum für Junge Kultur entstehen

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ren, die sich die Initiative längst verdienen würde. Dazu müsse Stadt, Tourismusgenossenschaft und Stadtmarketing helfend eingreifen. Josef Lanz, der bei der Präsentation anwesend war, dürfte sich insgeheim gefreut haben über so viel Wertschätzung seiner Tätigkeit, aber: „Brixen könnte auch eine Stadt der Entschleunigung

sein, der Vertiefung und der Verinnerlichung.“ Möglicherweise wollte er damit sagen: Über die Sinnhaftigkeit einer Ausweitung der Jahrestätigkeit seines Vereins muss noch intensiv diskutiert werden. Konrad Eichbichler gab sich ebenfalls nachdenklich: „Man muss die Dimension von Brixen berücksichtigen: Wir sind eine Kleinstadt! Das betrifft auch die

und vorletzten Leitmotiv angelangt wären: „Brixen = Bühne für Kleinkunst & Theater“. Petra Paolazzi erklärte, man habe festgestellt, dass Brixen „eine vielfältige und sehr aktive Theaterszene hat, initiiert und getragen von starken Einzelpersönlichkeiten“. Es gebe im Theaterbereich in Brixen „ein innovatives, mutiges, interethnisches und punktuell internationales Programm, für ein Publikum aus Brixen und aus ganz Südtirol“. Besonders hervorzuheben sei „die vorbildliche Nachwuchsarbeit des Theaterpädagogischen Zentrums“ und „die Tatsache, dass sechs (!) von 26 Südtiroler Senioren-Theatergruppen in Brixen beheimatet sind“. Fazit: „Der Theaterhumus in Brixen ist fruchtbar!“ „Das Angebot der Brixner Theater- und Kleinkunstszene leistet einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung und Lebensqualität der Bevölkerung“, sagte Paolazzi, „daraus resultiert ein gesellschaftlicher Auftrag, dieses


Don Bosco als Theatersaal etablieren. Überhaupt entspreche

der Theatersaal im Don Bosco, der derzeit nur sehr wenig genutzt wird, mit seinen bis zu 150 Plätzen den Bedürfnissen vieler Theatermacher mit Raumnot. Damit er die verschiedenen Vereine beheimaten kann, bedarf es aber einiger Investitionen. Auch der Tschumpus hat sich als Spielstätte längst etabliert: „Es ist ein junger, erfolgreicher, atmosphärisch und historisch besonderer Veranstaltungsort für Brixen. Der von Georg Kaser und Weggefährten entwickelte ‚Kultursommer im Tschumpus‘ ist ein erfolgreiches Format und bereits nach zwei Spielzeiten aus dem Brixner und Südtiroler Kulturangebot nicht mehr wegzudenken.“ Es gelte daher, diesen Spielort, der in Zukunft in unmittelbarer Nachbarschaft zur Bibliothek sein wird, zu optimieren: „Es braucht ein WC für das Publikum, eine Garderobe, eine ordentliche Bühne.“ Zur möglichen Trägerschaft dieser neuen Spielstätte gab es von Paolazzi und Piffer keine Aussagen, aber dass der Tschumpus als Veranstaltungsort beibehalten werden soll – daran besteht kein Zweifel. Damit entsteht an dieser Ecke des Domplatzes „ein Kul-

Foto: Oskar Zingerle

Engagement ideell, infrastrukturell und finanziell zu unterstützen!“ Das daraus folgende Szenario der beiden ist dann allerdings etwas ideenlos und beschränkt sich auf zwei Feststellungen: „Die Brixner Theaterszene ist langjährige Impulsgeberin für neue Formate und Innovation (z.B. Dekadenz).“ Und: „Das Theaterpädagogische Zentrum und das Seniorentheater sind ein Geschenk und bedeuten eine Alleinstellung innerhalb Südtirols.“ Etwas konkreter sind die möglichen Initiativen: „Stadtgemeinde und Stadtmarketing müssen die Theaterszene fördern und unterstützen sowie zugehörige Infrastrukturen gemäß Bedarf optimieren.“ Das Theaterpädagogische Zentrum brauche mehr Mittel, damit es seine Mannschaft aufstocken könne. Und schließlich: „Das Senioren-Theater, ein zukunftsrelevanter Theaterbereich, ist derzeit ohne fixe Spielstätte. Brixen mit seinen Spielorten und seiner dichten Theaterszene bietet sich an, das Zentrum für Senioren-Theater in Südtirol zu werden.“ Konkret denke man an eine „Adaptierung der Spielorte Don Bosco und Tschumpus gemäß Nutzer-Bedürfnissen“.

Aus der Stadtgalerie könnte ein „Stadtlabor“ werden turquartier mit Schwerpunkten Bibliothek, Buch, Druck, Literatur, Sprache, Vielsprachigkeit, Theater und Kleinkunst“. Man könne vielleicht „im Tschumpus ein ‚Südtiroler Literaturhaus CasaNANG‘ ansiedeln“. Auch die älteste Druckerpresse der Welt, die in Brixner Privatbesitz ist, könnte hier eine stimmige Heimat finden.

4. Brixen = Junge Kultur = Astra. Das vierte und letzte Leitmotiv betrifft die Jugend: „Brixen = Junge Kultur = Astra“. Das ehemalige Kino in der Romstraße sehen Piffer und Paolazzi als „Kulturbaustelle Brixens“ und „Hoffnungsträger für die Junge Brixner Szene“. Hier soll ein „Zentrum für Junge Kultur“ entstehen: offen, flexibel, entwickelbar. „Das Konzept des Astra hat das Potential, kreativer Impulsgeber für die Kulturszene Brixen und die Junge-Kultur-Szene Südtirols zu sein“, sagt Marion Piffer. „Das Astra-Zentrum für Junge Kultur ist der aufgehende Stern am Brixner Kunst- und Kultur-Himmel. Brixen öffnet damit landesweit eine Tür für junge Kreative, signalisiert Gastfreundschaft und uneingeschränkte Wertschätzung für das Potential dieser Szene und bietet optimale infrastrukturelle und organisatorische Bedingungen für die Realisierung innovativer Kulturkonzepte und Netzwerke.“ Allerdings brauche eine solche Infrastruktur eine „professionelle Führung – immer aber bei maximaler Flexibilität und Offenheit“, sagt Paolazzi. „Leitung bringt Qualität: Jemand muss drauf schauen, dass dieser Raum nicht zum Partykeller verkommt.“ Deshalb brauche es eine Ausschreibung der Leitung mitsamt Leitbild, Programmatik, Betriebsstruktur und Trägerschaft sowie einen Austausch mit ähnlichen Initiativen zur Vorbereitung der Leitungsfindung.

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Referenz sei die „Plattform für mobile Kulturinitiativen p.m.k.“ in Innsbruck. Einige anwesende Vertreter der Jungen Szene waren nicht begeistert über diese Aussage: „Wir hatten uns vorgestellt, dass es einen Vorstand gibt, der aus Vertretern der verschiedenen Vereinigungen entsteht; bei diesem Vorschlag hingegen besteht die Leitung des Astra aus einer Person“, sagte Elias Gamper. „Für die Jungendkultur ist eine professionelle Führung ein Vorteil“, erwiderte Petra Paolazzi, „weil sie sich dann nicht um Verwaltung kümmern muss, sondern sich auf ihre Kulturtätigkeit konzentrieren kann.“ Es blieb der Eindruck, dass die Begeisterung der Vertreter der Jungen Kultur für diesen Vorschlag noch ausbaufähig ist.

Braucht die Kulturszene professionelle Hilfe? Zusammenfas-

send erklärte Marion Piffer, dass „die Kulturszene einen Support bekommen muss vom Stadtmarketing und von der Tourismusgenossenschaft“. Die Kulturszene brauche vor allem auch in der Produktentwicklung professionelle Hilfe, aber auch in Marketing und Kommunikation der Exzellenzen und Großevents. Sinnvoll wäre ein gemeinsamer Kulturkalender, den es zwar bereits gibt, der aber noch nicht mit Leben gefüllt worden ist, und einen Jour fixe für Kulturschaffende zur Abstimmung der Kulturtermine. Und außerdem „eine Sondermillion für die Brixner Kulturszene“. Das sei eine mutig ausgesprochene Forderung eines Teilnehmers, so Piffer, „aber je länger man darüber nachdenkt, wäre es auch eine gute Chance, die Szene zu stärken“. Unter den abschließenden Statements der Anwesenden stach jenes von Hans Heiss hervor: Er lobte die Initiative, „mit der man einen Rahmen abgesteckt hat, innerhalb dem sich Kultur

beweisen kann“. Und er stellte in Diskussion, ob man sich über den Rahmen dieses Projekts wirklich vertieft auseinandergesetzt hat: „Man könnte auch einen soziokulturellen Anspruch haben und damit ein Milieu erreichen, das heute noch nicht erreicht wird – zum Beispiel die migrantische Kultur.“ Auch kritisierte er, dass sich der Prozess auf den Stadtraum fokussiere: „Wie gehen wir aber um mit der Polizentrik von Brixen? Was passiert mit den Fraktionen, und wie schaffen wir es, die Stadt und die Fraktionen auch in Sachen Kultur zusammenzubringen?“ Das seien „grundlegende Fragen für einen nächsten Ansatz“. Und schließlich mahnte Heiss zur Vorsicht: „Wenn man Kultur ernst nimmt, muss sie autonom bleiben und darf nicht hineinwachsen in eine mittelbare oder unmittelbare Verwertbarkeit.“ Heiss will damit sagen, dass die Kulturszene aufpassen müsse, dass ihr nicht irgendwann vom Stadtmarketing oder von der Tourismusgenossenschaft vorgeschrieben werde, welche Inhalte sie bringen müsse. „Irgendwann beginnt das Marketing, sich von der dienenden Funktion zu verabschieden und eine fordernde einzunehmen – das muss von vorneherein unterbunden werden.“

Leitner: „Das war nur ein Anfang“. Stadträtin Monika Leitner

bedankte sich bei allen Mitwirkenden und betonte in ihrem Schluss-Statement, dass der „Kulturprozess Brixen 2018“ nur ein Anfang sei: „Viele Ideen sind angerissen worden, aber es bedarf einer Vertiefung. Wir wollen eine Öffnung, und wir wollen den Dialog fortsetzen – zum Beispiel mit halbjährlichen Kulturcafés.“ Dann mit Kaffee, vielleicht. willy.vontavon@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info 49


Foto: Vasco Delloro

Kunst & Kultur Seine erste Hauptrolle: Rodrigo Scaggiante spielt den Zirkusdirektor Otello

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THEATER

Für die Bühne geboren Der Schauspieler Rodrigo Scaggiante spielt die Hauptrolle im Stück „Otello Circo“. Durch die Akademie „Teatro la Ribalta – Kunst der Vielfalt“ konnte er seine Leidenschaft zum Beruf machen – und große persönliche und berufliche Erfolge erzielen.

N

icht einmal in unseren kühnsten Träumen hätten wir uns diese Entwicklungen ausmalen können!“ Luigi Scaggiante blüht auf, wenn er von seinem Sohn Rodrigo spricht. Sein Tonfall ist mitreißend und lässt sofort die Besonderheit der Theatergruppe „Teatro la Ribalta – Kunst der Vielfalt“ erkennen. Rodrigo ist seit mehreren Jahren fester Bestandteil des Ensembles. Nun hat er es geschafft, eine Hauptrolle zu ergattern: In „Otello Circo“, einer Neuinterpretation des Klassikers von Shakespeares Prosa und Verdis Oper, schlüpft er in die Rolle des Zirkusdirektors Otello, der nach einem begangenen Mord dazu verbannt ist, jeden Tag seine persönliche Tragödie darzustellen. Gemeinsam mit dem Mailänder Orchester AllegroModerato wurde das Stück diesen Sommer in Mailand uraufgeführt.

Aus Leidenschaft wird Beruf. Die Gruppe „Teatro la Ribalta – Kunst der Vielfalt“ ist dabei eine von wenigen: So besteht sie als einzige professionelle Theatergruppe in Italien und eine von fünf in Europa hauptsächlich aus 50

Menschen mit Beeinträchtigung. Gegründet wurde sie 2009 von Antonio Viganò in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Südtirol. „Antonio hat hier etwas ganz Besonderes geschaffen. Er wollte hierbei kein reines Sozialprojekt gründen; sein Anspruch war, ein professionelles Theater mit all seinen Möglichkeiten zu bieten“, so Elsa Noflatscher, Vizepräsidentin der Lebenshilfe. Deshalb ist dem Theater eine von der Autonomen Provinz Bozen und dem Europäischen Sozialfonds geförderte Akademie vorausgegangen: In sechs Monaten wurden hier zwölf Menschen mit Beeinträchtigung zu Schauspielern ausgebildet. Unter anderem hat auch Rodrigo diese Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. So konnte er seine Leidenschaft zum Beruf machen und verdient nun 450 Euro im Monat. „Schon früher hatte Rodrigo in seiner Freizeit manchmal Theater gespielt. Er ist für die Bühne geboren, seine Präsenz ist beeindruckend, und man merkt, wie viel Spaß er an seiner Arbeit hat. Er schafft es, das Publikum und mich regelmäßig ins Staunen zu versetzen“, schwärmt sein Vater Luigi.

„Großer Sprung in Richtung Eigenständigkeit“. Die Schau-

spielerei hat Rodrigos Leben und das der gesamten Familie Scaggiante dabei gehörig auf den Kopf gestellt. In Brasilien geboren, lebte Rodrigo bis kurz nach seinem ersten Lebensjahr in einem Waisenhaus, als er von den Brixnern adoptiert wurde. Durch seine kognitive Beeinträchtigung fällt ihm ein selbstständiges Leben schwer. Vor seiner Ausbildung zum Schauspieler arbeitete der mittlerweile 34-Jährige in der Seeburg. Und dann der Glücksgriff: Er fand zum Schauspiel. Anfangs brachte Vater Luigi ihn noch selbst zu den Proben, mittlerweile steigt Rodrigo täglich alleine in den Zug nach Bozen, wo er sich mit seinen Kollegen aus Meran und deren Betreuern trifft. Gemeinsam machen sie sich auf zur Probe in die Alessandro-Volta-Straße. „Für ihn war das ein erster großer Sprung in Richtung Eigenständigkeit. Das Theater hat ihm sehr bei seiner Entwicklung geholfen. Manchmal können wir es immer noch nicht ganz glauben“, freut sich Luigi Scaggiante. Mittlerweile ist Rodrigo viel unterwegs: Das Theater

ist sehr gefragt und geht in ganz Italien und auch europaweit auf Tournee.

„Otello Circo“: bald auch in Südtirol. Nach Südtirol kommt das

Stück „Otello Circo“ im Dezember: Die Premiere ist am 23. Dezember im Bozner Stadttheater, im Januar 2019 finden zwei weitere Vorstellungen im Teatro Cristallo statt. Sämtliche Aufführungen sind bereits so gut wie ausverkauft. Wer sich die Theatergruppe trotzdem nicht entgehen lassen möchte, kann für fünf Euro zu einer der öffentlichen Proben gehen, die zwischen dem 7. und 18. Dezember jeden Tag um 18:30 Uhr im Stadttheater Bozen stattfinden. Für Rodrigo ist die Rolle des Otello ein weiterer Erfolg in seiner beruflichen Karriere, die ihre Spuren bis ins Privatleben hinterlässt. Als er vor einigen Monaten in Brixen an einem Freundschaftsabend im Rahmen der paraolympischen Italienmeisterschaften im Schwimmen teilnahm, wurde er von einer Teilnehmerin aus Mailand angesprochen: „Ma.. tu sei Otello?“ anina.vontavon@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info


Kunst & Kultur

KURZFILM

Das Mädchen von weit weg z Das Bilderbuch der schwedischen Schriftstellerin Annika Thor mit Illustrationen von Maria Jönnson „Das Mädchen von weit weg“ ist eine poetische Parabel über die Macht von Mitmenschlichkeit, Liebe und Zuneigung. Drei Mal klopft das kleine Mädchen an die Tür der Grauen, die es widerwillig hereinlässt – anfangs nur auf eine Tasse warme Milch,

dann darf das Mädchen doch bei ihr übernachten. Als es dann am nächsten Morgen aufbrach, fehlte etwas im Leben der Grauen, und sie machte sich auf die Suche nach dem Mädchen. Diese berührende Geschichte wurde vom TPZ Brixen im Rahmen der Videowerkstatt „ZOOM“ zu einem Kurzfilm aufgearbeitet. Tebea Federspieler in der Rolle des Mädchens und

Heidi Troi in der Rolle der Grauen haben gemeinsam mit einem kleinen Filmteam einen berührenden und wunderschönen Übungsfilm kreiert, der sich sehen lässt. lv

K&K Kunst & Kultur

THEATER

Couragiertes Theater z Vor einem Vierteljahrhundert hat Reinhard Auer ein freies Theater ins Leben gerufen, beseelt von der Idee, zeitgenössische Stücke von Heiner Müller, Thomas Bernhard, Elfriede Jelinek und noch viele mehr zu inszenieren. Nach einigen Jahren des „elitären“ Außenseiter-Daseins vollzog Auer einen Schwenk in die Klassiker mit Sophokles, Brecht und Kafka. Bieder wurde das Freie Theater um Reinhard Auer und seiner Hauptdarstellerin Gabriele Langes nicht; die Zuschauer sind auch nach 38 Produktionen stets gefordert. Volles Haus gibt es beim Freien

kurz

notiert

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Theater selten, aber die Truppe wird sehr oft zu Festivals im osteuropäischen Raum eingeladen. Das Brixner Duo Sieglinde Michaeler und Walter Granuzzo zeichnen seit Jahren für die Kostüme, mit denen sie auch in der letzten Inszenierung „Mutter Courage und ihre Kinder“ ins Schwarze getroffen haben. Bertolt Brecht schrieb das Stück 1939 im schwedischen Exil und schuf eine faszinierende Theaterfigur inmitten des 30-jährigen Krieges. Anna Fierling, kraftvoll interpretiert von Gaby Langes, zieht mit wechselnden Heerestruppen durch die Lande.

Der Krieg ist ihre Einkommensquelle, Moral und Menschlichkeit bleiben auf der Strecke, genauso wie ihre drei Kinder. Ein Restfunken Anständigkeit glimmt auf, als sie sich weigert, für ihren neuen Liebhaber (Alexander Flache) ihre

stumme Tochter Kattrin (Fiona Ristl) zurückzulassen. Das Opfer ist umsonst, auch die selbstlose Tochter wird erschossen. Eine gebeutelte, aber nicht gebrochene Mutter Courage zieht weiter, allein. ird

Das junge „Amatis Piano Trio“ eröffnete kürzlich den Konzertreigen des Kulturvereins Brixen Musik. Lea Hausmann an der Violine, Samuel Shepard am Cello und der Pianist Mengjie Han spielten Mozart, Schubert und Schostakowitsch mit exquisiter Leichtigkeit und Inbrunst.

Die Millander Theaterbühne Brilland hat heuer zum Saison­ auftakt das Stück „Unkraut“ mit Gerd Weigel als Regisseur in Szene gesetzt. Passend zum Thema über die Sorgen der Gartenbesitzer – vom Öko-Fritzen bis zum lästigen Maulwurf – wurde dafür die Gärtnerei Reifer auserkoren.

Das Alpen-Flair-Team hat sich zur Vorbereitungssitzung für das Alpen Flair 2019 getroffen. Das Organisationsteam um Robert Klement wird an die 30 Bands und Künstler in Natz willkommen heißen. Das Festival wird vom 19. bis zum 23. Juni 2019 über die Bühne gehen.


NACHGEFRAGT

„Spannendes Theaterprojekt“ NORBERT SEEBER, Theaterprojektleiter von „Agamemnon“ und Griechischlehrer am Vinzentinum, über die Freude, ein Schultheater frei nach der lateinischen Vorlage von Joseph Resch (1716-1782) auf die Bühne zu bringen. Herr Seeber, warum ausge­ rechnet dieses Stück? Das Vinzentinum ist Projektpartner einer wissenschaftlichen Forschungsarbeit, die seit zwei Jahren an der Uni Innsbruck durchgeführt wird. Zum Projekt gehört auch eine Theaterinszenierung. Die Entscheidung fiel auf „Agamemnon“ von Joseph Resch, weil das Innsbrucker Institut für Klassische Sprachen und Literaturen sich zum Ziel setzte, dessen Dramen aufzuarbeiten und im Original und in der Übersetzung zu publizieren. Josef Resch, dessen Wirkungsstätte hauptsächlich in Brixen war, war nicht nur einer der

bedeutendsten Tiroler Historiker, Kleriker und Schulmänner des 18. Jahrhunderts, sondern auch ein Pionier des lateinischen Schultheaters. Viele seiner Dramen werden im Brixner Priesterseminar aufbewahrt. Aus verständlichen Gründen haben wir uns entschieden, „Agamemnon“ nach 268 Jahren im Vinzentinum erstmals in deutscher Sprache auf die Bühne zu bringen. Was ist das Spannende an die­ ser Inszenierung? Wahrscheinlich würden keine Theatergruppe und kein Regisseur von sich aus zu einem Resch-Drama greifen. Spannend ist, ob und wie es gelingt, eine

mit Überlängen und barocken Überfrachtungen ausgestattete Textvorlage so zu inszenieren, dass ein modernes Theaterpublikum einen Zugang dazu finden kann. Wer sind die Akteure dieser Inszenierungsarbeit? Es sind 20 Schüler aus der 2., 3. und 4. Oberstufe, die sich freiwillig zu dieser Theatererfahrung gemeldet haben und die allesamt zum ersten Mal auf der Bühne stehen. Als Regisseur konnte Georg Paul Aichner aus Bruneck gewonnen werden. sabine.peer@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

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Der richtige Moment z Die Natur stellt uns Traumkulissen zur Verfügung, aber es bedarf eines Künstlerauges wie jenes von Philipp und Stefan Santifaller, das die Einzigartigkeit erkennen muss. Und vor allem bedarf es des Know-hows, atemberaubende Naturschönheiten auf einem Foto festzuhalten. Die Brüder aus Albeins haben ihr Talent zum Beruf gemacht und lassen uns über ihre Bilder teilhaben, die Welt mit ihren Augen zu sehen: „Fotografie heißt für uns, Gefühle und Momente einzufangen.“ Dieses Vorhaben ist auch beim jüngsten Projekt gelungen: Sieben Monate war Stefan Santifaller auf einer Fotoreise in Neuseeland. Von dort hat der 21-Jährige eine Serie von Bildern mitgebracht, die auf der Ausstellung „Aotearoa – New Zealand“ bis zum 22. Dezember in der Galerie90 in Mühlbach präsentiert werden. Uns erwarten Aufnahmen, die einander in ihrer Farbenpracht, der Detailver-

Foto:Stefan Santifaller

Kunst & Kultur

FOTOAUSSTELLUNG

liebtheit und den einzigartigen Lichtspielen übertreffen. Jedes Bild erzählt eine Geschichte, die dazu einlädt, immer neue Details zu entdecken. „Vor etwa einem Jahr machte ich mich auf dem Weg ins Paradies am anderen Ende der Welt, mit meinem Ruck-

sack, meiner Kamera und dem nötigen Equipment. Es war eine Reise ins Ungewisse. Jetzt, 18.000 Kilometer später, weiß ich: Tagelanges Vorbereiten, stundenlanges Wandern und ausdauerndes Warten auf den richtigen Moment machten sich bezahlt.“ Zu den

Bildern von Stefan Santifaller gibt es in der Galerie90 auch seine Reisegeschichten und eigens komponierte Soundtracks von Tobias Ramoser und Guglielmo Cantelli. Weitere Informationen im Internet: www.santifallerphotography.com. sp

bewusst

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Bewusst Südtirol ist die Initiative zur Stärkung und Förderung unserer Region, Regionalität und der Sensibilität für unser Land. | www.bewusst-suedtirol.com Träger

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MUSIK

Im Schritt – Marsch! z Die landesweit erste Stabführerprüfung des Verbandes Südtiroler Musikkapellen fand Ende September in Brixen statt. Stabführer, das sind jene Musikanten, die eine Musikkapelle beim Marschieren anführen – im Unterschied zu den Kapellmeistern, die die Kapelle musikalisch leiten und dirigieren. In Brixen jedenfalls stellten sich acht Kandidaten der anspruchsvollen Stabführerprüfung und mussten eine ganze Reihe von Sprach- und Zeichenkommandi, Abläufen, Formationen, Instrumentenhaltungen sowie rechtliche Grundlagen mündlich und schriftlich erklären können. Der wichtigste Teil bestand in einer praktischen Prüfung, der den gesamten Ablauf eines Marschierauftritts inklusive zweier Formationen beinhaltet. Sehr

zur Freude von Landesstabführer Klaus Fischnaller haben alle acht Kandidaten die Prüfung mit sehr gutem oder sogar ausgezeichnetem Erfolg bestanden. Aus dem Bezirk Brixen haben Stefan Ploner von der Musikkapelle Schalders, Hansjörg Oberhuber von der Musikkapelle Vahrn und Christian

NEU IM REGAL Wandern im Winter Die Ruhe genießen und Sonne tanken in der kühleren Jahreszeit: Winterwandern liegt im Trend! Über das ganze Land verteilt finden sich im Buch „Unterwegs in Südtirols Wintersonne. Die schönsten Wanderungen von Oktober bis März“ 43 interessante Vorschläge des Südtirol-Experten Oswald Stimpfl zum entspannten Wandern. Dabei hat man die Wahl zwischen schneefreien Routen in tieferen Lagen oder – weiter oben in den Bergen – gut gebahnten Schneewegen in glitzernder alpiner Winterlandschaft. Vom Vinschger Sonnenberg über Waalwege und Promenaden im Meraner Land über die Lärchenwiesen des Salten, die Seiser Alm, das Eisacktal bis in den Osten des Landes finden sich bequeme Wanderwege, die allesamt auch bei Schnee mit normalem festen Schuhwerk zu bewältigen sind. Zu jeder Wanderung gibt es nützliche Informationen und Tipps zu Wis-

Amort von der Musikkapelle Rodeneck sowie Renè Niederwieser von der Bürgerkapelle Klausen das Stabführerabzeichen erlangt. Im Bild von links: Verbandsobmann Pepi Fauster, Martin Egger (MK Prissian), Günther Prossliner (MK Kastelruth), Valentin Domanegg (MK Afing), Oskar Zingerle

(Bezirksstabführer Brixen), Stefan Ploner (MK Schalders), Josef Unterfrauner (MK Stegen), Christian Amort (MK Rodeneck), Renè Niederwieser (BK Klausen), Franz Plangger (Bezirksstabführer-Stellvertreter Bruneck) und Landesstabführer Klaus Fischnaller. oz

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Kundendiensttechniker Oswald Stimpfl: Unterwegs in Südtirols Wintersonne. Die schönsten Wanderungen von Oktober bis März. Folio Verlag, 2018.

sens- und Sehenswertem entlang der Route. Und weil Bewegung in kristallklarer Bergluft hungrig macht, werden bei allen Wandervorschlägen auch Buschenschänke, Berghütten und Restaurants vorgestellt, die mit kulinarischen Schmankerln verwöhnen.

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MUSIK

z Seit 2016 gibt es die Rockband London Elephants in neuer Formation. Kürzlich veröffentlichte sie ihre neue EP „Hearts“ sowie das Musikvideo zum neuen Song „Alive“. Im Vergleich zu den letzten Veröffentlichungen lässt sich eine klare Weiterentwicklung im Musikstil der Band erkennen: War „Yet Unknown“ noch melancholischer Indie, ist die neue EP laut eigenen Angaben „freundlicher“ und geht eher in Richtung Indie-Pop. Laut Sänger Michael della Giustina liegt das an verschiedenen Gründen: „Bei ‚Hearts‘ haben wir zum ersten Mal mit Hannes Kelch, einem Produzenten aus Berlin, zusammengearbeitet. Wir selbst waren also nicht allein an der Produktion beteiligt, was sich auch klar heraushören lässt. Außerdem spielen persön-

gelungene Mischung, bei der auch alte Fans nicht zu kurz kommen dürften. Derzeit hat sich die Band etwas von der Bühne zurückgezogen und befindet sich in der Produktionsphase; Della Giustina möchte sich in Zukunft außerdem

stärker auf sein Soloprojekt „June Niesein“ konzentrieren. Zu finden sind die neuen Songs auf der Website der Band, auf allen herkömmlichen Streamingdiensten – und hier im multimedialen „Brixner“. av

ERZÄHLKUNSTFESTIVAL

THEATER

Salz des Lebens

Lebenslange Freundschaft

z Zehn Tage dauerte heuer das Erzählkunstfestival im Kassianeum, das immer mehr internationales Flair verströmt. Tagsüber werden die Kleinen ins Reich der Sagen und Märchen entführt, und abends dürfen die 56

liche Hintergründe immer eine Rolle bei der Kreation von neuen Songs.“ „Hearts“ ist poppiger und für die breite Masse leichter zugänglich, ohne dabei den originalen Sound der Brixner komplett zu verlieren: Entstanden ist eine

Erwachsenen Geschichten in den verschiedensten Sprachen lauschen. „A Love Like Salt“ war beherrschendes Thema „for adults only“, bei dem sich vor allem die Norwegerin Mimesis Heidi Dahlsveen ins Zeug legte und so anschaulich die nordische Sagenwelt von liebestollen Zwergen und Riesen skizzierte, dass die englische Sprache auch für Unkundige kein Hindernis war. Der bekannte britische Erzähler Daniel Morden brachte den Zuhörern ebenfalls in englischer Sprache Märchen aus Wales nahe, in denen das Happy End klarstellt, dass die Liebe in all ihren Tonarten das Salz in der Suppe ist. Die Grande Dame der Schweizer Erzählkunst, Silvia Studer-Frangi, brachte in unnachahmlicher Art und Weise kleine Anekdoten dar, in denen die Frauen mit List und Einsatz ihrer Reize die diversen Paschas in die Knie zwingen. Ossy Pardeller, gebürtig aus Bozen, und der Wiener Goran Mikulec begleiteten durch den Abend mit unvergleichlicher Gitarrenmusik, die das Publikum mindestens genauso verzauberte wie die Erzählkünstler. ird

z Wie Starköchin Cornelia Poletto steht Elena (Elsa Lamprecht) am Küchenblock und schneidet flink das Gemüse für das Abendessen mit ihren Freunden aus der Studienzeit. Einmal im Monat kommen sie zusammen, Elena, Giovanni und Raffaele. Sie kochen gemeinsam, essen, trinken und jammern auf hohem Niveau. Der Workaholic Giovanni (Oskar Huber) schwimmt in Geld und in der Affenliebe zu den drei Töchtern, glücklich ist er jedoch keineswegs. Raffaele (Siegi Winkler) ist ebenfalls frustriert, denn er kommt mit der Alzheimer-Krankheit seiner Mutter nicht klar. Die einzig Besonnene in dieser Ménage-à-trois scheint Elena zu sein, die mit viel Witz und feinem Humor zu mehr Gelassenheit auffordert. „Ich habe Krebs“, verkündet sie ohne Foto: Hermann Maria Gasser

Kunst & Kultur

„Freundlicher Indie-Pop“

Vorwarnung, „ich möchte mein Leben in Würde beschließen, im Beisein meiner Freunde.“ Und schon katapultiert uns die Vintler Theatergemeinschaft mit „Malagueña“ von Roberta Skerl in die brisante Euthanasie-Diskussion. Ort der Handlung ist nicht das Parlament in Rom, wo immer noch um die Legalisierung der Sterbehilfe gekämpft wird, sondern die Festung Franzensfeste, beliebter Spielort der Vintler Theatertruppe. Regisseur Gerd Weigel bestimmt entgegen dem Original die einzige Frau (die Schöne aus Malaga) zur Todeskandidatin. Elena ist Ärztin, sie weiß, was zu tun ist, aber ihre Freunde durchleben ein verwirrendes Wechselbad der Gefühle zwischen aufrichtiger Loyalität und entsetzter Abwehr, das die Zuschauer zu fesseln weiß. ird


AUTORENLESUNG

Vorweihnachtliche Stimmung z Der Saal des Theaterpädagogischen Zentrums in der Köstlaner Straße ist dezent weihnachtlich geschmückt, die Vorhänge sind zugezogen, auf den Tischen brennen Kerzen, am Podium sitzt die junge Sonia Ortlinghaus an der Harfe. Der Raum, der sich in kurzer Zeit mit zahlreichen Zuhörern füllt, ist vom Duft der Tees und Kekse durchzogen, die von Nachwuchsspielern serviert werden. Dann betritt TPZ-Mitbegründerin Heidi Troi das Podium. Die „Hausherrin“ ist eine der 29 Autorinnen, die auf Anregung von Marion Bischoff und Gabi Schmid eine „Weihnachtsanthologie für die ganze Familie“ geschaffen haben. Das Buch mit den 29 Texten – es wurde im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert – trägt den Titel „Lichter im Advent – Der etwas andere Adventkalender“. Die

Autorinnen kommen aus allen Ecken des deutschsprachigen Raums, vom Saarland bis in die Lausitz, von Berlin bis an den Bodensee, von den Halligen bis Südtirol. Die Geschichten, die auf das nahende Weihnachtsfest einstimmen, können verschiedenen Genres zugeordnet werden: Es sind Krimis und Liebesgeschichten, besinnliche, humorige und hoffnungsvolle Texte. Neben Heidi Troi sind fünf weitere Autorinnen, Ulrike Schmid, Marion Bischoff, Heike Stadelmann, Ines Danier und Monja Luz, anwesend, die ihre Texte vorlesen. Heidi Troi ist als letzte an der Reihe. Nach ihrer Geschichte „Schnee!“ fragen sich die Zuhörer selbst: Sollen sie sich über den ersten Schnee wegen der mühevollen Räumungsarbeiten ärgern oder wegen der weißen Zauberlandschaft freuen? Und vielleicht gibt es ja auch Schneeferien? jb

MUSIK

Weihnachtsweisen auf CD z Im Eisacktal hat sich das „Gassl­ quartett“ bereits einen Namen gemacht: Mit seiner alpenländischen Volksmusik weltlicher und geistlicher Natur hat es sich in die Herzen der Hörer gesungen. Seit 2015 singen die zwei Basssänger, Christian Unterhofer und Eugen Reinthaler, und die zwei Tenorsänger, Thomas Josef Brunner und Josef Paul Unterhofer, gemeinsam im Männerviergesang. Nun haben sie ihre erste CD „Advent und Weihnacht“ herausgebracht mit einigen instrumentalen Stücken von befreundeten Musikgruppen aus Nordtirol und Vorarlberg, aber hauptsächlich mit ihren Liedern, darunter auch Eigenkompositionen. „Zur Advents- und Weihnachtszeit treten wir seit unserem Bestehen zu vielen Anlässen auf in Südtirol und Bayern. Dem entsprechend pflegen wir auch das Liedgut zu dieser Jahreszeit

besonders“, begründet Christian Unterhofer, Leiter des „Gasslquartett“, den Erscheinungszeitpunkt ihres ersten Tonträgers. Bei der Namensgebung des Quartetts habe man sich an die Brauerei „Gasslbräu“ in Klausen angelehnt, wo man sich schon früher gerne zum gemeinsamen Singen traf. Gemeinsam gesungen haben drei der vier Männer aber vor allem beim Männergesangverein Brixen mit Christian Unterhofer als Chorleiter. „Wir haben uns gut verstanden und auch musikalisch gut harmoniert, sodass wir uns zur Gesangsgruppe zusammenschlossen und auch meinen Onkel Josef Paul dazu holten“, so Unterhofer, der wie sein Onkel aus Lappach im Pustertal stammt. Thomas und Eugen dagegen sind Eisacktaler. Für weitere Informationen: gasslquartett@gmail.com. sp

2018-19

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Veranstaltungen Sprachen

Entdecken Sie unser vollständiges Sprachangebot auf www.vhs.it Russkij A1.2 - geringe Vorkenntnisse Do. 17.01. | 19:30-21 Uhr | 10 Treffen Arabisch - Einführung in die Sprache und Kultur Mo. 04.02. | 18-19:30 Uhr | 10 Treffen

Beruf & EDV Verbraucherschutz im Internet Mo. 07.01. | 19:30-21:30 Uhr Stimmig auftreten, wenn ich vor Leuten reden muss Mo. 14.01. | 19:30-21:30 Uhr | 4 Treffen

Gesundheit & Bewegung

Hobby & Freizeit

Fitnessboxen Mo. 07.01. | 20-21 Uhr | 12 Treffen Oratorio Don Bosco, Mozartallee 32

Trendige Kissen und Handytaschen filzen Di. 15.01. | 18-22 Uhr

Eltern-Kind-Turnen Di. 15.01. | 17-18 Uhr | 6 Treffen Vahrn, Grundschule, Salernstraße 9 Zumba® Fitness Di. 15.01. | 10:30-11:30 Uhr | 10 Treffen Mi. 16.01. | 19:30-20:30 Uhr | 11 Treffen GS Tschurtschenthaler, M.-Montessori-Str. 6 Kondition und Rücken-Power Mi. 16.01. | 18:30-19:30 Uhr | 11 Treffen GS Tschurtschenthaler, M.-Montessori-Str. 6

FOKUS SPRACHE: Keine Angst vor Deutsch Mo. 21.01., 28.01. und 04.02. | 17-19 Uhr

Core-Training für einen flachen Bauch Mi. 23.01. | 18:00-19:00 Uhr | 12 Treffen GS Rosmini, Widmannbrücke 2

Aufbaukurs EDV Mo. 04.02. | 19-22 Uhr | 5 Treffen | Mo. + Mi. Sozialwissen. Gymnasium, Ignaz-Mader-Str. 3

Pilates Do. 24.01. | 07:30-08:30 Uhr | 10 Treffen Do. 07.02. | 09:30-10:30 Uhr | 10 Treffen

EBC*L eLearning Fr. 08.02. und 15.03. | 19-22 Uhr

Fit mit meinem Baby Di. 29.01. | 09:15-10:15 Uhr | 8 Treffen

Dokumentenablage eine Plage? Mo. 11.02. | 18:30-21:30 Uhr

Autogenes Training Di. 29.01. | 18:30-19:30 Uhr | 10 Treffen

Null Bock auf Lernen - Tipps und Tricks Sa. 16.02. und Sa. 23.02. | Grundschüler 10:30-12:30 Uhr | Mittelschüler 08:15-10:15 Uhr

Kinderturnen Do. 07.02. | 16:30-17:30 Uhr | 10 Treffen GS Vinzenz Goller, Dantestraße 39

Musik leihen statt kaufen Fr. 15.02. | 18:30-21 Uhr Mitarbeiter erfolgreich binden Do. 21.02. und Fr. 22.02. | 9-17 Uhr

Blattsingen und Gehörbildung für Chorsänger Do. 24.01. | 19-20:30 Uhr | 6 Treffen Sozialwissen. Gymnasium, Ignaz-Mader-Str. 3 Gitarrenkurs für Schüler Mo. 11.02. | 17-19 Uhr | 10 Treffen à 1 h Gitarrenschule, O.-v.-Wolkenstein-Str. 161 B Wohnraum gestalten mit Feng Shui Do. 21.02. und 21.03. | 19.30-22 Uhr Low Carb - Speisen ohne Kohlenhydrate Do. 10.01. | 18:30-22:30 Uhr Vahrn, Haus Voitsberg, Voitsbergstraße 1 Fischkochkurs - Lust auf Meer Di. 15.01. | 19-23 Uhr Vahrn, Haus Voitsberg, Voitsbergstraße 1 Fruchtige Kuchen und Torten Sa. 02.02. | 09-13 Uhr Vahrn, Haus Voitsberg, Voitsbergstraße 1 Vollwertig Brot backen Do. 07.02. | 18-22 Uhr Milland, Vogelsanghof, Plosestraße 108

Wickel, Salben und Tinkturen Do. 14.02. | 18-21 Uhr

Mann kocht! Fr. 15.02. | 19-23 Uhr Vahrn, Haus Voitsberg, Voitsbergstraße 1

Kondition und Stretching Mi. 20.02. | 09-10 Uhr | 8 Treffen Oratorio Don Bosco, Mozartallee 32

Rehkitz, Ziegenkitz, Lamm Mi. 20.02. | 18:30-22:30 Uhr Kircherhof, Albeins 12

Volkshochschule Südtirol - Zweigstelle Brixen Peter-Mayr-Straße 9 – Tel. 0472 836 424 | brixen@vhs.it | www.vhs.it

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Gitarrenkurs für Erwachsene Di. 22.01. | 18:30-20:30 | 10 Treffen à 1 h Gitarrenschule, O.-v.-Wolkenstein-Str. 161 B


TIMER

Dezember 2018 HIGHLIGHTS GITSCHBERG JOCHTAL

Rock, Festival & Snow Day Sowohl Musikfans als auch Familien, und da vor allem den Kids, wird Attraktives geboten bei den Highlights der Ski- & Almenregion Gitschberg Jochtal. Fixtermine zum Einplanen: Gitschberg Jochtal rockt am 8. Dezember und Happy Family Festival & Kids Snow Day am 15. Dezember.

Foto: Manuel Kottersteger

z Auf viel Spaß im Schnee dürfen sich kleine und große Gäste in der Ski- & Almenregion Gitschberg Jochtal freuen!

Gitschberg Jochtal rockt. Am

Samstag, den 8. Dezember 2018 und am Samstag, den 23. März 2019 rockt wieder der Berg. In den verschiedenen Hütten in der Ski- & Almenregion Gitschberg Jochtal treten verschiedene

Künstler auf und heizen dem Publikum ein. Am 8. Dezember 2018 mit dabei: Volxrock, NoLipstiK, Frisch g’strichn, Der Almprinz, DJ Sokke, DJ Pire, Entertainer Franz, Die Streehiatlo und viele mehr! Beste Unterhaltung ist den ganzen Tag lang garantiert und außerdem kostet der Tagesskipass am 8. Dezember 2018 nur 15,00 Euro pro Person.

Happy Family Festival & Kids Snow Day. Am Samstag, den 15.

Dezember 2018 finden das Happy Family Festival und der Kids Snow Day in der Ski- und Almenregion Gitschberg Jochtal statt. Dieser Tag hält einige Highlights für Groß und Klein, Anfänger und Fortgeschrittene bereit. Für welches Event man sich auch entscheidet – viel Spaß ist garantiert!

* 8. Dezember

Gitschberg Jochtal rockt

* 15. Dezember

Happy Family Festival & Kids Snow Day

Weitere Informationen zum Event und zur Anmeldung: Ski- und Almenregion Gitschberg Jochtal info@gitschberg-jochtal.com +39 0472 886048 www.gitschberg-jochtal.com

SYMPHONIC WINDS 2018 & PEI-CHING WU Percussion, Marimba – Taiwan Das unter der künstlerischen Leitung von Alexander Veit stehende Blasorchster Symphonic Winds wird heuer gemeinsam mit der taiwanesischen Percussion- und Marimbakünstlerin Pei-Ching Wu auf den Südtiroler Konzertbühnen zu hören sein. Pei-Ching Wu gilt auf Grund ihrer atemberaubenden Technik als eine der größten weiblichen Künstlerinnen ihrer Generation.

* Samstag, 22. Dezember, 20 Uhr

Forum, Brixen Sonntag, 23. Dezember, 20 Uhr Konzerthaus, Bozen Mittwoch, 26. Dezember, 20 Uhr Kursaal, Meran

Kartenvorverkauf ab 10. Dezember, Mo.-Fr. 17 – 19 Uhr, 349 6200772, Sa., 15. & Sa., 22. Dezember, 9 – 12 Uhr, 0473-496030 Restkarten: Brixen, 22. Dezember, ab 18 Uhr, 0472 275520 Bozen, 23. Dezember, ab 18 Uhr, 0471 301783 Meran, 26. Dezember, ab 18 Uhr, 0473 496030

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DIVERSES

Foto: Manuel Kottersteger

Veranstaltungen

Plose – Start in die Wintersaison * Start der Wintersaison: 7. Dezember

Liftanlagen täglich 9 - 16:30 Uhr Plose Kabinenbahn: 8:45 - 16:30 Uhr

Events auf der Plose: Rodeltage sonntags vom 30. Dezember – 3. März, 11 - 15 Uhr

Plose Nights

Freitagabends vom 4. Jänner – 8. März, 18 - 23 Uhr

Snow & Wine

vom 23. - 29. März

z Brixens Skigebiet Nummer eins startet am Freitag, den 7. Dezember in die Skisaison. Die Liftanlagen sind täglich von 9 bis 16:30 Uhr geöffnet, die Plose Kabinenbahn geht bereits um 8:45 Uhr in Betrieb. Sei es Skifahren, Rodeln

oder Winterwandern, auf der Plose sind die Möglichkeiten so groß wie eure Ansprüche. Also rein in die Skier, in die Schnee- oder Wanderschuhe und hinauf auf die Plose. Die perfekt präparierten Skipisten laden geradezu ein, wunderschö-

WACHET AUF, RUFT UNS DIE STIMME Der Männergesangsverein Brixen 1862 und die Bürgerkapelle Brixen laden zum Cäcilienkonzert. Chorleiter: Helmut Oberdorfer Kapellmeister: Hans Pircher An der Orgel: Franz Comploi Verbindende Worte: Domdekan Ulrich Fistill

* Samstag, 1. Dezember, 19 Uhr Dom zu Brixen

Kartenvorverkauf: Brixen Tourismus Genossenschaft, 0472 275252, info@brixen.org

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seit 1801

BÜRGER K AP ELLE BRIXEN

wo Musik begeistert

ne Schwünge in den Schnee zu ziehen, die neun Kilometer lange Trametsch ist mit satten 1.400 Höhenmetern eine Traumabfahrt! Der RudiRun gehört mit ebenfalls neun Kilometern zu den längsten Rodelbahnen der Alpen und bietet

Rodelvergnügen für die ganze Familie. Auch die gemütlichen Winterwanderwege, zum Beispiel zur Rossalm oder nach Schihütte, lassen euch die Natur und Tierwelt in vollen Zügen erleben. Natürlich sind die gemütlichen Hütten für euch geöffnet, und laden zu Verschnaufpausen und köstlichen Gerichten ein. Egal wozu ihr Lust habt – auf der Plose findet ihr es. Informationen und Preise findet ihr unter www.plose.org.

ZEIT NEHMEN … IM ADVENT Am Freitag, den 7.Dezember findet in den Produktionshallen der Zingerle AG in Schabs im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kultur in der Fabrik“ ein Adventkonzert des Männerchores Neustift und den Gasser Gitschn aus Schabs statt. Das Motto des Abends lautet „Zeit nehmen – im Advent“, durch den Abend führen Georg Zingerle und Pfarrer Artur Schmitt. Der Erlös des Abends kommt dem Kindergartenprojekt in Brasilien von Artur Schmitt zugute.

* Freitag, 7. Dezember, 19:30 Uhr

Zingerle AG (Förche 7), Schabs

Eintritt freie Spende – keine Reservierung notwendig


Samstag, 1. Dezember

Sonntag, 2. Dezember

Diverses

Theater

ab 9 Uhr

Benefizflohmarkt Benefizflohmarkt der Caritasgruppe der Pfarrei Vahrn bis 18 Uhr Vahrn, alter Kindergarten

Diverses

Agamemnon Schultheater von Joseph Resch (1716-1782) Vinzentinum Brixen, Parzivalsaal

15 Uhr

Brixner Weihnachtsengel Der Weihnachtsengel und sein Gefolge verteilen kleine Geschenke Altstadt

Musik

18 Uhr

19 Uhr

Wachet auf, ruft uns die Stimme Cäcilienkonzert, MGV Brixen 1862 und Bürgerkapelle Brixen Dom zu Brixen

Montag, 3. Dezember

20 Uhr

Film

Lucky Forum Brixen

20:30 Uhr

Macbeth von William Shakespeare, in ital. Sprache. Forum Brixen Mittwoch, 5. Dezember

Diverses

17 Uhr

Nikolausumzug Nikolaus- und Krampusumzug durch die Brixner Altstadt Altstadt

Kabarett

Eppes Nuis Thomas Hochkofler Forum Brixen

20 Uhr

20 Uhr

Diverses 9:30 & 16:30 Uhr

Diverses

20:30 Uhr

Freitag, 7. Dezember

Diverses

Calmus Ensemble Leipzig Vokalensemble Vinzentinum, Parzivalsaal Donnerstag, 6. Dezember

Der Nikolaus kommt Wie alle Jahre kommt der Nikolaus ins Elki, am Vormittag und am Nachmittag. Anmeldung erforderlich. Eltern Kind Zentrum, Brixen

16 Uhr

Märchen

Dienstag, 4. Dezember

Theater

Operette

Musik

Autoren erzählen spannende Weihnachtsgeschichten Stadtbibliothek Brixen

Musik

19:30 Uhr

Adventskonzert „Zeit nehmen – im Advent“ Der Männerchor Neustift und die Gasser Gitschen aus Schabs singen gemeinsam im Rahmen von „Kultur in der Fabrik“ Zingerle AG (Förche 7), Schabs

Der Vogelhändler von Carl Zeller, Regie: Toni Taschler, Dirigent: Othmar Trenner Forum Brixen

Emmas Glück Musikalischer Theatermonolog von Claudia Schreiber, mit Yarina Gurtner Gruppe Dekadenz, Anreiterkeller Samstag, 8. Dezember

6:30 – 15 Uhr

Einkehrtag der Marianischen Kongregation Prof. P. Karl Wallner Dom & Priesterseminar Brixen

Musik

ab 8:30 Uhr

Gitschberg Jochtal rockt Rockmusiker sorgen für Unterhaltung den ganzen Tag Vals, Skigebiet Gitschberg Jochtal

Diverses

20:30 Uhr

15 Uhr

Brixner Weihnachtsengel Der Weihnachtsengel und sein Gefolge verteilen kleine Geschenke Altstadt

MUSIK IM ADVENT

Kabarett

NATALE 2018

Wer sie noch nicht erlebt hat, hat definitiv was versäumt! Seit mittlerweile sechs Jahren ist das Kabarettkollektiv aktiv. Die Mitglieder von Cababoz nehmen kein Blatt vor den Mund. Ohne Scheu und Scham betreten sie nacheinander oder miteinander die Bühne und präsentieren eine fulminante Kabarett-Revue. In einem Potpourri aus Sketchen, Stand-Up-Nummern und Musik ziehen sie alles und jede/n durch den Kakao und nehmen sich dabei natürlich selbst nicht aus. Freuen Sie sich auf einen fröhlichen Abend, der Ihr Zwerchfell garantiert erschüttern wird!

* Freitag, 21. & Samstag 22. Dezember, 20:30 Uhr Dekadenz, Anreiterkeller

Reservierung: karten@dekadenz.it Tel +39 0472 836393 (Di.-Fr. 17-19 Uhr)

* Sonntag, 16. Dezember Dorfplatz Vahrn

Adventsweisen mit verschiedenen Bläsergruppen, 16:30 Uhr Adventskonzert und besinnliche Texte mit der Musikkapelle Vahrn und dem Chor Cantamos, 17:30 Uhr Adventsbazar mit Produkten vom Bartgaishof Tee- und Glühweinstand mit Weihnachtsgebäck und warmen Gerichten Die Veranstaltung findet bei schlechter Witterung im Haus Voitsberg statt. GEMEINDE VAHRN COMUNE DI VARNA

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Veranstaltungen

Operette

ab 15 Uhr

Der Vogelhändler von Carl Zeller, Regie: Toni Taschler, Dirigent: Othmar Trenner Forum Brixen

18 Uhr

Diverses

3. Oachna Krampuslauf 600 Teufel aus dem In- und Ausland Natz, Dorfplatz

Film

Was uns nicht umbringt Forum Brixen Dienstag, 11. Dezember

Operette

20 Uhr

20 Uhr

Mittwoch, 12. Dezember

Freitag, 14. Dezember

Musik

14:30 Uhr

Montag, 10. Dezember

Kinderkino

16:30 Uhr

Neues von uns Kindern aus Bullerbü Forum Brixen

15 Uhr

Konzert Weihnachtliche Lieder mehrerer Südtiroler Kinderchöre Domplatz Samstag, 15. Dezember

ab 15 Uhr

Operette

20 Uhr

Der Vogelhändler von Carl Zeller, Regie: Toni Taschler, Dirigent: Othmar Trenner Forum Brixen Donnerstag, 13. Dezember

Diverses

ab 18 Uhr

15 Uhr

Musik

Eunice Girls Chor Internationaler Mädchenchor aus Südafrika Domplatz

20:30 Uhr

Theater

Diverses

Sonntag, 9. Dezember

Der Vogelhändler von Carl Zeller, Regie: Toni Taschler, Dirigent: Othmar Trenner Forum Brixen

20:30 Uhr

Reloaded Ein Jazz-Abend mit Jazz Fantasy Gruppe Dekadenz, Anreiterkeller

Der Vogelhändler von Carl Zeller, Regie: Toni Taschler, Dirigent: Othmar Trenner Forum Brixen

Kindertag Kindertag am Brixner Weihnachtsmarkt Domplatz

Operette

Musik

Diverses

8:30 Uhr

Diverses

15 Uhr

Happy Family Festival Spiel und Spaß für die ganze Familie Vals, Skigebiet Gitschberg Jochtal

Brixner Weihnachtsengel Der Weihnachtsengel und sein Gefolge verteilen kleine Geschenke Altstadt

Repair Café Gemeinsam mit Experten reparieren, was noch zu retten ist! Bar Visavis, Fischzuchtweg

Emigranten A, der Intellektuelle, und X, der Gastarbeiter, teilen sich einen Kellerraum als Unterkunft. Darsteller: Spielbar Ensemble Gruppe Dekadenz, Anreiterkeller Sonntag, 16. Dezember

Musik

16:30 & 17:30 Uhr

Musik

17 Uhr

Musik im Advent Adventsweisen mit Bläsergruppen und Adventskonzert mit der MK Vahrn und dem Chor Cantanmos Vahrn, Dorfplatz

Adventskonzert Aufgeführt werden vier Kantaten aus dem Weihnachtsoratorium von J. S. Bach Milland, Freinademetzkirche

ADVENTSKONZERT Vocalensemble Rastatt Les Favorites Barockorchester Leitung: Holger Speck Weihnachtsoratorium Johann Sebastian Bach Kantate I „Jauchzet, frohlocket“ Kantate II „Und es waren Hirten in derselben Gegend“ Kantate IV „Fallt mit Danken, fallt mit Loben“ Kantate VI „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“.

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* Sonntag, 16. Dezember, 17 Uhr Freinademetz Kirche Milland

Karten | Platzvormerkung | Information: Brixen Tourismus Gen., Regensburger Allee 9, 0472 836401 musik@kulturvereinbrixen.it Karten € 20, ermäßigt € 15, Jugendliche & Studenten € 10 Ermäßigung: Familienpass, Senioren, Kulturverein


Vom Okzident zum Orient Konzert mit Robert Satta, Johannes Baldo, Lilia Ianeva Satta Schlössl Perif Dienstag, 18. Dezember

Operette

20 Uhr

20 Uhr

Musik

Symphonic Winds 2018 & Pei-Ching Wu Percussion- und Marimbakünstlerin aus Taiwan ist gemeinsam zu hören mit dem Blasorchester, Leitung: Alexander Veit Forum Brixen

Der Vogelhändler von Carl Zeller, Regie: Toni Taschler, Dirigent: Othmar Trenner Forum Brixen

Freitag, 21. Dezember

Kabarett

20:30 Uhr

Natale 2018 Kabarett-Revue mit den Mitgliedern von Cabadoz Gruppe Dekadenz, Anreiterkeller

ab 15 Uhr

Musik

19:30 Uhr

Der Vogelhändler von Carl Zeller, Regie: Toni Taschler, Dirigent: Othmar Trenner Forum Brixen

Sonntag, 30. Dezember

14:30 Uhr

Kindertag Kindertag am Brixner Weihnachtsmarkt Domplatz

Operette

Kabarett

20:30 Uhr

Natale 2018 Kabarett-Revue mit den Mitgliedern von Cabadoz Gruppe Dekadenz, Anreiterkeller Montag, 24. Dezember

Kinderkino Plötzlich Santa Forum Brixen

14 Uhr

Mittwoch, 26. Dezember

Diverses

14:30 Uhr

Operette

ab 15 Uhr

Operette

ab 15 Uhr

Der Vogelhändler von Carl Zeller, Regie: Toni Taschler, Dirigent: Othmar Trenner Forum Brixen Montag, 31. Dezember

Diverses

Samstag, 22. Dezember

15 Uhr

Brixner Weihnachtsengel Der Weihnachtsengel und sein Gefolge verteilen kleine Geschenke Altstadt

Ausstellungen Galerie Adler Art Brixen bis 13. Dezember Fantastische Kreaturen aus Südtirol. Märchen und Folklore 10-12 Uhr & 17-19 Uhr Kassianeum Brixen bis 14. Dezember Herz & Co. Kunstwerke von Sandra Martinello werden ausgestellt 9–18 Uhr Pharmaziemuseum bis 30. Jänner 2019 Glas. Kunst und Pharmazie Moderne Glasskulpturen treffen auf historische Gebrauchsgläser der Pharmazie 11-16 Uhr Diözesanmuseum bis 6. Jänner Krippen in der Hofburg 10-17 Uhr

Silvesterfeier Partymeile mit DJ Enzo Morgan Domplatz

Natalie

10 Uhr

Kaminkehrer Am letzten Tag des Jahres bringen am Weihnachtsmarkt die „Kaminkehrer“ Glück & Schokolade Domplatz

Kindertag Kindertag am Brixner Weihnachtsmarkt Domplatz

Diverses

22 Uhr

Diverses

Die Geburt Christi Weihnachtsoratorium op.90. Gemeinschaftskonzert des Singkreis Runkelstein und des Kirchenchores Schalders Freinademetzkirche Brixen/Milland

Mittwoch, 19. Dezember

Diverses

Samstag, 29. Dezember

22. November bis 6. Jänner Licht- und Musikshow inspiriert von der Welt des Musicals Täglich um 17:30, 18:30 & 19:30 Uhr Keine Vorstellungen am 24. + 25. Dezember Innenhof der Hofburg Brixen

Der Vogelhändler von Carl Zeller, Regie: Toni Taschler, Dirigent: Othmar Trenner Forum Brixen Freitag, 28. Dezember

Operette

20 Uhr

Der Vogelhändler von Carl Zeller, Regie: Toni Taschler, Dirigent: Othmar Trenner Forum Brixen

Veranstalter

Happy Hour, da verdient man gut!

Märkte Bauernmarkt samstags, 8 – 13 Uhr Hartmannplatz Monatsmarkt Mo., 10. Dezember 8-13 Uhr Schwesternau Weihnachtlicher Benefizmarkt der Südtiroler Krebshilfe Eisacktal bis 12. Dezember 9-12:30 & 14:30-18:30 Uhr; Samstag, Sonntag & feiertags von 9 – 18:30 Uhr, Brennerstr. 1 Weihnachtsmarkt bis 6. Jänner Mo. – Do. 10-19 Uhr Fr. & Sa. 10 – 19:30 Uhr Sonn- und Feiertage von 9:30 – 19 Uhr, Domplatz

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17 Uhr

Musik

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IN UND UM BRIXEN: DER FUSSBALL UNTER DER LUPE

Freizeit & Sport

Grenzwertiges Gebrüll

Am Boden liegende Spieler, peinliche Schwalben, schimpfende Zuschauer oder gar blutende Köpfe: Der Fußball ist nicht gerade ein Vorzeigesport in Sachen Fairness. Wie aber verhalten sich die Fußballer und vor allem die Zuschauer in Brixen und Umgebung? Wir haben uns auf den hiesigen Tribünen umgesehen und dabei negative, aber auch positive Erfahrungen gemacht.

A

ls Info vorab: Bei der Recherche für diesen Bericht haben wir im Großen und Ganzen gute Erfahrungen machen dürfen, aber auch ein paar schlechte. Weil es uns aber primär ums Wachrütteln und nicht ums Anschwärzen geht, verzichten wir bewusst auf die namentliche Nennung der Mannschaften oder der Vereine.

Wie wilde Löwen. Es ist ganz un-

terschiedlich, wie der „Brixner“ zu seinen Themen kommt, die Monat für Monat aufgegriffen werden: Manchmal kommt jemand in der Redaktion vorbei und erzählt eine spannende Geschichte, manchmal berichten wir über Veranstaltungen, die in Brixen stattfinden, und hin und wieder entsteht eine Geschichte aus einer Alltagssitu-

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ation heraus, die sich zu einem spannenden Thema entwickelt – wie diese hier. Es war ein ganz normaler Sonntagnachmittag auf dem Fußballplatz: ein Spiel der Landesliga, zwei Mannschaften, viele Zuschauer – und irgendwann eine scheinbare Fehlentscheidung des Schiedsrichters. Wild und unbeherrscht schmeißen die Zuseher nach dem vermeintlichen Fehlpfiff haufenweise Schimpfworte ins Feld. Ein „Tschippl“ fünf- bis zehnjähriger Kinder erlebt die Ausraster ebenso live mit wie die restlichen Zuschauer. Der Schiedsrichter, der anfangs so tut, als würde er nichts hören, ließ nach dem Schlusspfiff die Macht seines Amtes walten: Er verpasste der Mannschaft eine Geldstrafe „wegen beleidigenden Verhaltens der eigenen Anhänger

gegenüber dem Schiedsrichter“, wie es später im Rundschreiben des Südtiroler Fußballverbandes stand. Mit ein paar Euro ist der Ausraster also wieder vergessen. Man kauft sich frei. Am darauffolgenden Sonntag bedarf es dann wiederum nur eines klitzekleinen Fehltrittes von Seiten des Schiedsrichters, damit er sich die ganze Litanei an Schimpfwörtern wieder anhören darf.

Der schwarze Peter. Und jetzt

drehen wir den Spieß um: Wie fühlt sich ein Schiedsrichter, der für jede Entscheidung, die er trifft, büßen muss? Egal, ob richtig oder falsch: Er kann es weder allen Zusehern noch den Spielern recht machen. Ein wahrlich undankbarer Job! Die Schiedsrichter haben sich mittlerweile

an das Umfeld gewöhnt – wohl oder übel. Sie nehmen die Beleidigungen nicht persönlich und wissen, dass sie immer noch am längeren Hebel sitzen. „Der Sport ist wunderbar, das Ambiente aber schrecklich“, erzählt uns ein in Brixen lebender Schiedsrichter. Sein Name darf hier nicht genannt werden, da er laut einer Regel des italienischen Fußballverbandes der Presse gegenüber keine Aussagen machen darf. „Man wird immun gegen die Beschimpfungen. Spieler und Zuseher sind nicht sie selbst – was das Verhalten natürlich nicht rechtfertigt. Nach dem Spiel sind sie meist wieder ganz nett“, erklärt der Unparteiische, der seit zwanzig Jahren Spiele pfeift. „Ich versuche oft zu verstehen, wie frustriert man sein muss, um andere Menschen


wegen einer Fußballentscheidung so zu beleidigen“, so der HobbySchiedsrichter, der jeden Sonntag aufs Neue für 35 Euro (!) ein neunzig Minuten langes Spiel pfeift. „Es ist schwierig, immer die absolut richtige Entscheidung zu treffen – wir können uns die Szene nicht in der Wiederholung oder in der Zeitlupe anschauen wie die Profis. Und: Angekreidet werden immer nur die Fehlentscheidungen der Schiris, nicht aber die Fehlpässe der eigenen Schützlinge.“

Vom Sieg zur Niederlage. Mit

aggressiven Spielern hatte vor kurzem auch eine weitere Mannschaft im Eisacktal Probleme, deren Zuschauer sich mit den gegnerischen Spielern anlegten – so sehr, dass ihnen schlussendlich sogar der Sieg aberkannt wurde. Die Gegner, eine ebenso aus Südtirol stammende Mannschaft, sind bekannt dafür, dass sie immer wieder für Randale sorgen; ganz aus dem Verkehr gezogen werden sie dennoch nicht. Laut dem Zuständigen der hiesigen Mannschaft fanden sich die eigenen Spieler in zwistigen Zweikämpfen wieder. Irgendwann mischten sich auch die Zuschauer ein – worauf beide Mannschaften im Nachhinein einen Spielverlust in Kauf nehmen mussten. Für die aggressiven Gegner, die das Spiel ohnehin verloren hätten, gab es keine große Strafe. „Der Spieler inszenierte einen heftigen Streit mit dem Publikum, versuchte die Feldbegrenzung zu überspringen und beleidigte das Publikum schwer“ – so wurde der Vorfall im Rundschreiben des Fußballverbandes beschrieben. Bemängelt wird im besagten Bericht auch das passive Verhalten der anwesenden Vereinsfunktionäre sowie

ein beleidigendes und provokatorisches Benehmen des hiesigen Publikums. Inwieweit müssen die anwesenden Vereinsfunktionäre in solchen und ähnlichen Härtefällen eingreifen? Auf Nachfrage wurde uns bestätigt, dass die Zuschauer normalerweise darauf aufmerksam gemacht werden, wenn sie sich

Fußballgeschichte hat sich erst vor wenigen Wochen im Süden des Landes zugetragen: Dabei schlugen Spieler und Fans der beiden Mannschaften zwanzig Minuten lang – aus unbekannten Gründen – aufeinander ein. Als „alle gegen alle“ wurden die Vorkommnisse zu Protokoll gegeben; es gab Faustschläge, Fußtritte und

„Zuschauer sollen lauthals mitfiebern, aber die Kinder­ stube dürfen sie dabei nicht vergessen“_ Ein Fußballtrainer aus Brixen nicht korrekt verhalten. Normalerweise! Diese Information wird zu Trainingsbeginn auch an die Eltern der Spieler weitergegeben, die anscheinend auch öfter die guten Manieren vergessen, wenn es um Fußball geht.

Ein Spiegel der Gesellschaft. Wir haben die Rundschreiben des Landesverbandes etwas genauer unter die Lupe genommen: Neben kleineren fallen dort auch einige grobe Vergehen auf, die nicht nur der Fußballfamilie, sondern der gesamten Gesellschaft zu denken geben müssen: Ein Spieler schubste beispielsweise den Unparteiischen, zog ihn am Trikot, protestierte gegen seine Entscheidung und stieß eine Wasserflasche weg. Eine Fußballdame beleidigte die Schiedsrichterin, auf die sie dann ganz bewusst den Ball zuschoss. Ein anderer Spieler packte den Gegner am Hals, stürzte ihn zu Boden und verabreichte ihm Fausthiebe ins Gesicht. Der wohl eklatanteste Fall in der Südtiroler

Ohrfeigen. Die Folge dieses Ausrasters? Eine Geldstrafe für beide Mannschaften und zwei für zwei Spieltage gesperrte Kapitäne. Das war’s! „Emotionen gehören zum Fußball. Sie machen den Sport aus. Dem entsprechend ist es auch okay, wenn Fans lauthals mitfiebern und ihre Meinung kundtun; die Manieren sollte man dabei aber nicht über Bord werfen“, erzählt uns ein Trainer am Spielfeldrand im Rahmen unserer Recherche. Mit seiner Aussage hat er recht: Sport ohne Emotion wäre effektiv unvorstellbar langweilig. Aber kann man den Emotionen nicht mit etwas Respekt freien Lauf lassen? Mitsingende Fans, die mit viel Herzblut Radau machen, verträgt der Fußball; schreiende, schimpfende und beleidigende Akteure machen ihn kaputt. Die Kratzer am Fußballimage sind kaum noch zu polieren. Daran ist aber sicher nicht nur die Südtiroler Amateur-, Landes- oder Oberliga schuld, sondern mitunter auch

Kopfnüsse wie jener von Zinédine Zidane, königliche Schwalben von Neymar und Hooligans, die sich durch die Fußballgeschichte prügeln.

Die Jugend als Vorbild. Egal, ob

bei Weltmeisterschaften, in der Champions League, der Bundesliga oder dem „campionato“: Eigentlich müssten die großen Stars Vorbilder sein für die fußballbegeisterten Kinder – sind es oft aber nicht. Die kleinen Kicker brauchen aber trotzdem jemanden, an dem sie sich orientieren können. Diese Rolle müssen Trainer, Funktionäre, Freunde und auch die Familie übernehmen. Sie fördern die positiven Seiten dieses Sports mit Ehrgeiz und Motivation, mit Ehrenamt und viel Geduld. Fußball bleibt nach wie vor eine der beliebtesten Sportarten im ganzen Land. Das Positive an unserer Recherche ist, dass wir die guten Erfahrungen bei den Spielen der Kleinen machen durften; dort ging es nämlich wesentlich ruhiger und vor allem fairer zu als bei den Erwachsenen. Ob dies reiner Zufall war, ist schwer zu beurteilen. Die Hoffnung stirbt aber zuletzt, dass im Jugendbereich auf Moral und Sitte mehr Wert gelegt wird als in manchem Erwachsenen-Spiel. Es gibt nämlich nichts Peinlicheres und pädagogisch Diskutableres als Eltern, die meinen, ihren Kindern mit Schreien zu besseren Schüssen zu verhelfen. Manch großer Kicker (und seine Begleiter) könnten sich von den kleinen eine Scheibe abschneiden.

evi.hilpold@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

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INTERVIEW

Freizeit & Sport

„Alle müssen dieselbe Sprache sprechen“ ALEXANDER PROSCH aus Meransen arbeitet seit Jahren für den italienischen Skiverband. Seit kurzem koordiniert der 42-jährige Skitrainer und ehemaliger Athlet die Damenmannschaften – vom Sichtungskader bis hin zum Europacup. Dabei hat er ein klares Ziel vor Augen: Er will für guten weiblichen Ski-Nachwuchs sorgen.

Herr Prosch, seit einigen Jahren arbeiten Sie für den italienischen Wintersportverband. Heuer haben Sie einen neuen Aufgabenbereich. Wofür genau sind Sie nun zuständig? ALEXANDER PROSCH: Ich koordiniere seit einigen Monaten vier Damenmannschaften, die von der FISI, dem italienischen Skiverband, unterstützt werden – dazu gehört die Speed- und Technik-Europacupmannschaft sowie die C-Mannschaft und der

Sichtungskader; praktisch alle bis auf die Weltcupmannschaft. Die 38 Mädchen werden von 16 Trainern betreut. Meine Aufgabe ist zweigeteilt: Einerseits habe ich eine rein organisatorische, geschäftsführende Aufgabe, bei der ich die Gruppen koordiniere, Trainingslager organisiere, Pisten reserviere und dabei das Budget im Auge behalte. Ich erarbeite ein Jahresprogramm und versuche, den Mädchen die bestmöglichen Trainingsbedingungen zu bieten. Meine Hauptaufgabe liegt aber

Bereits seit 25 Jahren trägt Gertraud Wieland, vielen besser bekannt als Traudi, zu einem super Service im Restaurant Fink bei. Stets hat sie ein Lächeln für jeden parat und kennt die Wünsche vieler Stammgäste. Traudi arbeitet im Tagesbetrieb und macht in ihrer Dienstzeit unermüdlich viele Kilometer von Tisch zu Tisch. Darüber hinaus nimmt sie sich Zeit für Praktikanten und Lehrlinge und bildet diese oft mit viel Geduld aus. Im Restaurant Fink hat Traudi bereits einen Generationswechsel miterlebt, so hat sie zunächst bei Helmuth und Antonia mitgewirkt, in zweiter Generation wissen Petra und Florian Fink ihre erfahrene Mitarbeiterin sehr zu schätzen. Herzlichen Dank, Traudi, für deinen unermüdlichen und treuen Einsatz! Petra und Florian Fink und das ganze Team

Südtiroler Gasthaus Fink – www.restaurant-fink.it 66

darin, die Athletinnen vom CKader in die Weltcupmannschaft zu bringen – so viele wie möglich und so gut wie möglich. Das funktioniert aber nur, wenn in allen Mannschaften technisch dieselbe Sprache gesprochen wird, die technischen Vorgaben überall dieselben sind und die Gruppen in dieselbe Richtung arbeiten. War das bisher nicht so? Nun, es war oftmals schwierig, wenn ein Mädchen von einer Mannschaft in die nächsthöhere aufgenommen wurde. Jeder Trainer hat seinen eigenen Stil, seine eigenen Gewohnheiten – es kam manchmal vor, dass Athletinnen technisch auf einem anderen Stand waren als die Trainer. Das war kein einfaches Unterfangen, und die Mädchen fühlten sich oftmals nicht wohl mit der neuen Methodik. Es wäre für alle einfacher und vielleicht auch erfolgreicher, wenn das Training vom Landeskader bis hin zur Weltcupmannschaft einen gemeinsamen Nenner hätte. Das klingt allerdings nach einer Herkulesaufgabe ... Es wird eine Herausforderung, das ist sicher – aber eine, auf die ich mich sehr freue. Ich möchte versuchen, in den nächsten Jahren eine Struktur in das System zu bringen, die als Konsequenz mehr Athletinnen in die Weltcupmannschaft bringt – und sie gleichzeitig vor Verletzungen schützt. In den letzten Jahren sind nämlich viele Athletinnen verletzungsbedingt ausgefallen. Das hatte zur Folge, dass wir ein Nachwuchsproblem bekamen ... ... was nicht nur dem Image schadete, sondern dem Verband auch teuer zu stehen kam?

Natürlich kostete es viel Geld, die Athletinnen über Jahre hinweg zu unterstützen. Aber das ist auch die Aufgabe des Verbandes. In den letzten Jahren sind aber effektiv nur wenige Athletinnen nachgekommen – und das ist dann zum einen eine verlorene Investition, zum anderen auch für die Fahrerinnen selbst extrem schade. Immerhin kämpfen sie jahrelang für ihr Ziel, investieren viel Zeit, Kraft und Nerven – und schaffen es dann nicht, sich zu etablieren, oder sie fallen verletzungsbedingt aus. Wie möchten Sie denn nun an die Sache herangehen? Mädchen müssen in erster Linie anders trainieren als Buben. Bisher war es oft so, dass alle dasselbe Trainingsprogramm ausübten. Die Mädchen haben bis zum Alter von etwa zehn Jahren einen körperlichen Vorteil gegenüber den Buben; sobald sie sich aber körperlich entwickeln und in die Pubertät kommen, müssen sie sich anders vorbereiten, und da müssen wir ansetzen – meist ist das auch jene Zeit, in der Verletzungen passieren. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Trainingsmethoden ändern und primär an der körperlichen Fitness arbeiten müssen. Erst sobald diese perfekt passt, können wir die technische Basis aufbauen und zum Skifahren übergehen. Bis jetzt wurde einfach drauflosgefahren – auf gut Glück. Diese Nummern können wir uns einfach nicht mehr leisten, weder aus moralischer noch aus finanzieller Sicht. Apropos Finanzen: Der italienische Skiverband ist nicht gerade für seinen Reichtum bekannt. Wie sieht es denn derzeit finanziell aus?


Foto: Oskar Zingerle

Alexander Prosch: „Die Mädchen trainieren mehr und härter als die Buben“ So gut wie noch nie, muss ich sagen. Ich arbeite nun seit neun Jahren bei der FISI; zuerst vier Jahre lang als Riesentorlauftrainer unter anderem von Davide Simoncelli, Max Blardone und Manfred Mölgg, dann war ich vier Jahre lang Verantwortlicher für die Herren-Europacupmannschaft. Im Frühjahr wurde der Präsident Flavio Roda für eine weitere Amtsperiode bestätigt. Er kommt aus dem Ski-Sektor, und das kommt uns zugute. Er hat in den letzten zwei Perioden gute Arbeit geleistet, nachdem er den Verband mit einem Schuldenhaufen übernommen hatte. Bis letztes Jahr wurden die Schulden kontinuierlich abgebaut. Heuer ist die FISI schuldenfrei und kann alle finanziellen Mittel auch für ihre Tätigkeit verwenden, ohne Schulden abzahlen zu müssen. Das kommt uns natürlich bereits bei der Einteilung der Trainingscamps zugute, für die es heuer mehr Geld braucht als in anderen Jahren. Aufgrund der warmen Temperaturen? Ja, genau. Normalerweise fällt im September oder Oktober der erste Schnee, und es ist wesentlich kälter. Heuer müssen wir auf die Gletscher im Ausland ausweichen, weil in Norditalien schlechte Bedingungen zum Skifahren herrschen. Weiche Pisten und warme Temperaturen sind alles andere als ideal. Und für gute Bedingungen muss man auch mehr bezahlen. Zudem ist Italien ja nicht die ein-

zige Nation, die trainieren muss. Bereits im Mai organisiere ich die Trainingscamps. Heuer spitzt sich die Situation zu, weil die Möglichkeiten einfach begrenzt sind. Wir trainieren in der Schweiz, im Aostatal, im Piemont und auch

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gen – weil sich die Frauen selbst oft zu viel abverlangen. Auch psychologisch ist es anders, mit Mädchen zu arbeiten: Ihnen ist es wichtig, über das Erlebte und Getane zu sprechen; sie suchen den Kontakt zu mir und zu den

Möglichkeit erhalten zu haben: Sie ist komplex, langlebig – und politisch unabhängig. Ich habe meine Freiheiten, muss aber mein Ziel erreichen, in einigen Jahren eine starke Trainingsgruppe auf die Beine gestellt zu haben.

„Meine Hauptaufgabe liegt darin, die Athletinnen vom C-Kader in die Weltcupmannschaft zu bringen – so viele wie möglich und so gut wie möglich“_ Alexander Prosch, Koordinator der Europacup-Damenmannschaft hier in Südtirol. Ich selbst bin auch immer mit dabei; einmal bei dieser Gruppe, einmal bei jener – so wird der Fortschritt besser sichtbar.

Trainern. Daran habe ich mich anfangs erst gewöhnen müssen.

Was ist der Unterschied in der Arbeit zwischen den männlichen und den weiblichen Athleten?

Sie waren selbst Athlet und haben den Skizirkus von beiden Seiten kennengelernt. War es für Sie immer klar, dass Sie Ihre Erfahrungen irgendwann an die Jungen weitergeben wollen?

Die Mädchen arbeiten mehr und härter. Ich war darüber sehr beeindruckt. Während die Jungen irgendwann einfach genug vom Training haben und „stuff“ sind, fahren die Mädchen so lange auf und nieder, bis der Trainer stopp sagt. Man muss sie manchmal zum Aufhören fast zwingen. Bei den Buben hört man auf, wenn die Zeit schlechter wird; dann merkt man, sie sind jetzt erschöpft. Die Mädchen haben vom Technischen her ein ganz anderes Volumen: Sie fahren konstant von Anfang bis Ende. Vielleicht ist das mitunter ein Grund für mehr Verletzun-

Es hat sich so ergeben: Ich bin selbst Riesentorlauf gefahren, wurde dann in die Sportgruppe der Carabinieri aufgenommen und habe mich dann dazu entschlossen, die Skilehrer- und Trainerausbildung zu absolvieren. Als ich dann als Riesentorlauftrainer engagiert wurde, hat mich die Sportgruppe für die Arbeit beim Verband freigestellt. Ich habe viel Freude an dieser Tätigkeit gefunden und beschlossen, in diesem Bereich zu bleiben. Alles Weitere hat sich dann ergeben, wobei ich sagen muss, dass es mich sehr gefreut hat, nun diese

Sie wurden heuer im Frühjahr im Rahmen der Neuorganisation des italienischen Kaders auch als Cheftrainer der HerrenNationalmannschaft gehandelt. Warum kam es schlussendlich nicht dazu? Das stimmt. Mir wurde der Job vor einigen Monaten effektiv angeboten, ich habe ihn aber nicht angenommen. Die Medien sind damals etwas zu früh gestartet. Ich hätte gerne einige Sachen geändert, was aber nicht möglich war. Als Alternative stand mein heutiger Job bereits im Raum, den ich mit Freude angenommen habe und, wenn möglich, auch die kommenden Jahre ausüben möchte. Immerhin habe ich ja auch ein Ziel, das ich erreichen möchte. evi.hilpold@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

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KARATE

Freizeit & Sport

Erfolgreicher Start in Wettkampfsaison z 600 Athleten aus 45 Vereinen nahmen am „Trofeo Triveneto“ der FIK (Federazione Italiana Karate) in Pordenone teil – darunter auch 15 Mühlbacher Karatekas, die 17 Podestplätze erzielten: In der Disziplin Kata (Form) holten Manuel Knapp und Fabian Pezzei je eine Goldmedaille, aber auch dreimal Silber und zweimal Bronze gingen nach Mühlbach. Auch

in der Disziplin Kumite (Zweikampf) überzeugten die Athleten der Sektion Karate des ASV Mühlbach: Neben zwei Silbernen und fünf Bronzenen heimsten Manuel Knapp und Martin Pezzei auch zwei Goldmedaillen ein. Drei der Mühlbacher Athleten sammelten bei diesem Turnier ihre erste Wettkampferfahrung. Die vielen Einzelerfolge führten

F&S

zudem noch zu einem sechsten Platz in der Vereinswertung, der laut Trainerduo Martin Pezzei und Silke Marcher vor allem auf den Trainingsfleiß und die Einsatzfreude der Athleten zurückzuführen ist. eh

Freizeit & Sport BEACH-HANDBALL

Mit dem Nationalteam in Buenos Aires z Er ist 17 Jahre jung, Schüler der fünften Klasse des Realgymnasiums „J. Ph. Fallmerayer“, 1,87 Meter groß, Handballspieler des Serie A1-Teams des SSV Brixen und schon seit mehreren Jahren aktives Mitglied der italienischen Nationalmannschaft – jenem, das auf Sand spielt. Christian Mitterrutzner ist nämlich erfolgreicher Beach-Handballer. In einer handballbegeisterten Familie in Klausen aufgewachsen, hat er bereits früh seine Passion für diesen Sport erkannt. Nach jahrelangem

kurz

notiert

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harten Training stellt er nun sein Können unter Beweis – auch bei Großereignissen: Im Vorjahr nahm Mitterrutzner an der Weltmeisterschaft auf Mauritius teil, und vor kurzem stand er bei den Jugend„Olympic Games“ in Buenos Aires auf dem Sandfeld. 15 Mannschaften aus allen Kontinenten nahmen daran teil. Teil des Nationalteams waren neben dem Brixner auch noch zwei weitere Südtiroler: die Meraner Max Prantner und Alex Freund. Leider reichten die zwei Siege in der Vorrunde, die

aus den Mannschaften Paraguay, Mauritius, Kroatien, Portugal und Argentinien bestand, nicht aus, um weiterzukommen. In der „Trost­ runde“ zeigten die Italiener allerdings nochmals ihr Können auf und siegten gegen Uruguay und

Taipeh, was für einen achten Platz in der Gesamtwertung sorgte. Angesprochen auf seine Stärken im Beach-Handball, antwortet der Handballer ganz bescheiden: „Da müssen Sie schon meinen Trainer Vincenzo Malatino fragen!“ jb

Als zweite Dame quert die Brixnerin Ingrid Lanthaler das Ziel des „Stivo on the Rock“, einem Langstreckenrennen im Trentino. Nach 26 Kilometern und 1.800 Höhenmetern kommt die Läuferin nach drei Stunden und 46 Minuten ins Ziel. Als „kräftezehrend, anspruchsvoll und sehr technisch“ beschreibt Lanthaler den Wettkampf.

Nachdem die Kletterweltmeisterschaft in Innsbruck nicht ganz nach Wunsch verlief, stellte die Brixner Kletterin Andrea Ebner ihr Können nun bei der Boulder-Ita­ lienmeisterschaft in Turin unter Beweis: Sie kürte sich zur Italienmeisterin in der Kombinationswertung und zur Vizeitalienmeisterin im Bouldern.

Zum 17. Mal nahm der in Brixen lebende Läufer Hermann Achmüller am New York City-Marathon teil, den er heuer mit einer Zeit von zwei Stunden und 41 Minuten beendete. Neunmal überquerte auch seine Lebensgefährtin Tiziana Pignatelli in New York bereits die Ziellinie – heuer nach drei Stunden und 43 Minuten.


NACHGEFRAGT

„Brixen ist meine Basis“ ELENA SANDULLI, 18-jährige Skifahrerin der italienischen B-Nationalmannschaft, über ihre Anfänge auf der Plose, die Unterstützung des Skiclubs Fana – und ihre sportlichen Ziele. Frau Sandulli, Sie gehören zu den italienischen Nachwuchs­ hoffnungen der technischen Disziplinen. Der Grundstein für ihre Karriere wurde in Brixen gelegt. Wie kam es dazu? Meine Familie stammt aus Rom und entdeckte Brixen per Zufall; meine Eltern verliebten sich in die Stadt und in die Plose. Mit fünf Jahren lernte ich das Skifahren, ein paar Jahre später trainierte ich mit dem Skiclub Fana. Ich nahm an Rennen teil und entwickelte eine Passion für den Sport – so sehr, dass wir am Freitagnachmittag nach der Schule mit dem Schnellzug von Rom nach Brixen und am

Sonntag nach den Rennen mit dem Schlafwaggon wieder retour fuhren – und das an jedem Wochenende im Winter. Vor kurzem wurden Sie in die Europacup-Mannschaft berufen und gaben Ihr Weltcupdebüt beim Riesentorlauf in Sölden. Es läuft rund ... Ich habe mich von einer Knieverletzung gut erholt, die übrigens in Brixen von Franz Erschbaumer operiert und von Matteo Cappello und Armin Harrasser rehabilitiert wurde. Ganz überraschend durfte ich Ende Oktober in Sölden an den Start gehen. Ich war aufgeregt und habe bis jetzt noch nicht

nachgesehen, welche Platzierung ich erreicht habe. Heuer möchte ich mich auf den Europacup konzentrieren und erst dann mein Ziel, den Weltcup, angehen. Was verbindet Sie mit Brixen? Brixen ist nach wie vor mein Lebensmittelpunkt: Ich studiere zwar in Innsbruck Rechtswissenschaften, Brixen ist aber meine Basis, von der aus ich auch zu den Trainings starte. Auch mein Trainer Ivan Nardi kommt aus Brixen. Ihm und dem Skiclub Fana habe ich viel zu verdanken: Sie haben mich immer unterstützt. evi.hilpold@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

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HANDBALL

„Unser Herz für Brixen“

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Foto: Oskar Zingerle

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z Seit wann gibt es Sport? Wie entwickelte sich der Sport unter Duce und Führer? Und wann wurde eigentlich Südtirols Sportautonomie ins Leben gerufen? Diese und noch weitere Fragen rund um den Sport in Südtirol werden im neuen Buch „Das Südtiroler Sportbuch“ beantwortet. Die Recherchen zu diesem Thema führte der Brixner Alfred „Fredi“ Dissertori, der nach seiner Pensionierung als jahrzehntelanger Landesamtsdirektor für Sport und als VSS- und SporthilfeGeschäftsführer die Lücke an der mangelnden Literatur schließen wollte. „Immer wieder wurde ich zu diesem Thema befragt, konnte aber auf keinerlei Literatur verweisen. In rund zwölf Jahren brachte ich alle Informationen, die ich dazu sammeln konnte, zu Papier und stellte eine Studie mit Berichten und Statistiken zusammen“, so der 79-Jährige. Der Raetia-Verlag zeigte sich an der Idee interessiert, das Buch zu veröffentlichen. Gemeinsam mit dem Journalisten J. Christian Rainer wurde das

auch die Hockeyspieler der Sterzinger „Broncos“ durften sich bereits über einen offiziellen Mannschaftssong von Frei. Wild freuen. eh

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Das Südtiroler Sportbuch

der Umgebung eigene Hymnen geschrieben: Der Song „Jeder ist Sieger“ spornt beispielsweise die Läufer des Brixen-Dolomiten-Marathons zu Höhenflügen an, und

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SPORT

durfter und Christian Fohrer den Spielern und den rund 800 Fans die rockigen Frei.Wild-Klänge vor. Die Brixner Deutschrockband hat bereits für mehrere Vereine

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z „Brixen, Brixen, Brixen – wir gehen mit dir nach vorn; Brixen, Brixen, Brixen – wir haben gesiegt, wir haben verloren!“ So klingt sie, die neue Hymne der Brixner Handballer, die die Rockband Frei.Wild eigens für die Mannschaft geschrieben und aufgenommen hat. Vor dem „Derby d’Italia“, dem Spiel des SSV Brixen gegen Triest, wurde der neue Rocksong Mitte November vorgestellt, dessen Text aus Philipp Burgers Feder stammt. Darin geht es insbesondere um den Kampfgeist und das Wir-Gefühl der Brixner Mannschaft, was die Handballer zu harten Kämpfen und zum Siegen anregen soll. Der Song wird nun in der Halle regelmäßig gespielt und begleitet die Brixner Handballer auch in der Vorbereitung. Beim 141. Zusammentreffen der beiden Serie-A1-Mannschaften, Brixen und Triest, stellten Philipp Burger, Jochen Gargitter, Jonas Not-

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rung der Südtiroler Sportautonomie, unter der der Landesverband VSS und die Sporthilfe gegründet wurden. Der dritte Teil hingegen zeigt die Sportgrößen Südtirols auf, beschreibt die Sportdisziplinen, deren Geschichte und Struktur. Das Buch ist im Buchhandel und im Online-Shop des Raetia-Verlags um 29,90 Euro erhältlich. eh

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Wirtschaft & Umwelt

KRIEGSGESCHICHTSTRÄCHTIGER VAHRNER SEE

„Munition im See“

Um das Kriegsmaterial, das auf dem Grund des Vahrner Sees liegt, ranken sich viele Mythen. MARLENE PIOK FISCHNALLER, Eigentümerin des gesamten Areals am Obersee in Vahrn alias Vahrner See, verfügt über Dokumente aus der k.u.k.-Monarchie zum Schießstand am Vahrner See – und entlarvt auch so manche vermeintliche Tatsache über Kriegsrelikte im See als reine Mär.

Frau Piok, vieles, was man über die Besitzverhältnisse des Vahrner Sees liest oder hört, widerspricht sich. Wie sieht es genau aus? MARLENE PIOK FISCHNALLER: Wenn wir es genau nehmen, dann ist der korrekte Name des Sees „Obersee“. Unter diesem Namen findet man ihn auch auf sämtlichen alten Dokumenten. Ich bin Eigentü72

merin des gesamten Obersees in Vahrn, der seit den 1960er Jahren „Vahrner See“ genannt wird. Mein Besitz schließt das Gelände um den See, aber auch den Seeboden mit ein. Das Wasser im See wurde in den 80er Jahren, wie alle stehenden Gewässer, verstaatlicht. Das „Gefäß“ gehört aber mir, genauso wie das gesamte Areal um den See. Der zum See führende Weg an der linken Seite wurde

noch zur Zeit des Faschismus verstaatlicht und ging später an die ­Gemeinde Vahrn über. War die Existenz von Kriegsmunition im See Ihrer Familie bekannt? Nein. Weder mein Vater noch mein Großvater haben über dergleichen gesprochen, und auch eine Tante, die Schwester meines

Vaters, die heute noch lebt, weiß nichts über Kriegsmunition im See. Was wir aber wissen, ist, dass das Land, als der See 1978 unter Schutz gestellt wurde, mit einer Schlammkatze den Seeboden abgefahren ist. Damals wurde von „einzelnen Teilen“ im Rohr der Schlammkatze gemunkelt, aber Genaueres konnte dazu nicht in Erfahrung gebracht werden. Was ich auch weiß, ist, dass das Areal


Nicht nur das Ostufer, sondern das gesamte Areal, mit gewissen Einschränkungen. So wurde im Winter, als es noch keine Kühlschränke gab, im See Eis gestochen. Während dieser Zeit gab es eine Art „Schieß-Ruhe“. Eine solche Ruhezeit gab es auch, wenn das Schilf am See gemäht wurde. 1890, 1901, 1911 und 1914 wurde der Pachtvertrag verlängert. Gibt es Zeugnisse in Ihrem Besitz, die sich auf die rege Anwesenheit von k.u.k.-Militärvertretern am Vahrner See beziehen? Nein. Meine Familie wusste zwar von der Anwesenheit des österreichischen Militärs, aber hätte ich nicht zufällig den Lageplan des Schießstandes gefunden, wüsste man womöglich nichts Genaues von seiner Existenz. Sie haben den Plan zufällig gefunden? Ja. Als vor etwa acht Jahren der Bau des Geschichtsparcours von Brixen entlang des Vahrner Sees nach Franzensfeste geplant wurde, ist man auf mich zugekommen mit der Frage, ob ich nicht über historische Dokumente verfüge. Also machte ich mich auf die Suche in unserem Haus, und beim Stöbern bin ich in einer unscheinbaren Schachtel tatsächlich fündig geworden: Ich hielt einen Militär-Lageplan aus dem Jahr 1889 in den Händen, der genau aufzeigt, wo die Zielgräben und Scheibendepots am Seeufer positioniert waren.

um den See Militärzone war, und zwar bereits zu k.u.k.-Zeiten, was ich auch mit Dokumenten belegen kann. Was sind das für Dokumente? Mein Urgroßvater Johann Piok hatte im Jahr 1895 die geschlossene Hofstelle Oberseeber vom Johann Gruber gekauft. Zu dieser Hofstelle gehörte das gesamte Areal des Obersees dazu. Der Kaufvertrag befindet sich in meinem Besitz. Aufgrund der Nähe zur Franzensfeste wurde das Areal um den See bereits im 19. Jahrhundert von den Österreichern als Militärzone genutzt, weshalb es auch Pachtverträge gibt, abgeschlossen zwischen dem österreichischen Militär und meinem

Urgroßvater. Auch diese Verträge befinden sich in meinem Besitz, genauso wie ein Situationsplan des Militär-Schießstandes aus dem

Stammt die Munition, die man jetzt aus dem See holt, auch aus der k.u.k.-Zeit? Hier handelt es sich um Munition aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg und nicht um Kriegsrelikte, wie fälschlicherweise öfter zu hören war. Die Marinetaucher des italienischen Heers aus Ancona haben aber bestätigt, dass sie nirgendwo in Italien eine derart große Menge an Munition so konzentriert auf engem Raum gefunden haben. Der Vahrner See ist an seiner tiefsten Stelle etwa 3,5 Meter tief. In 1,5 Meter Tiefe hat man bisher bereits sieben bis acht Tonnen Munition entfernt. Wie viel Tonnen noch im See liegen, wissen wir nicht. Da findet sich alles, vom Mörser bis hin zur Handgranate und noch größere Sprengsätze. Sämtliches Material ist unbenutzt. Die Vermutung liegt nahe, dass hier gezielt scharfe Munition entsorgt worden ist. Die Marine rechnet damit, dass sie zur Säuberung des Sees die nächsten vier Jahre brauchen werden. Wie kam die Munition in den See? Der Neffe eines Zeitzeugen hat von einer Rampe erzählt, die entlang der Bahnlinie zur Zeit des Zweiten Weltkrieges gebaut wurde. Diese Rampe soll dazu benutzt worden sein, um Munition von den Zügen in den See zu entladen. Gesehen hat diese Rampe von meiner Familie niemand; dadurch, dass das ganze Areal Militärzone war, war der Zutritt Unbefugten verboten.

Gibt es Familien-Überlieferungen aus dieser Zeit?

Weiß man, von wem die Munition stammt?

Nein, leider sind keine Geschichten überliefert worden. Im Vertrag vom 17. April 1914 etwa wurde ergänzt, dass gegen 42 Kronen auch die Küche der Hofstelle be-

Von den Marinetauchern weiß ich, dass Munition gefunden wurde sowohl deutscher als auch italienischer Herkunft, aber auch englischer und sogar ungarischer!

„Die Tatsache, dass mehrere Tonnen scharfe­ Munition im See liegen, war ein Schock für uns“_ Marlene Piok Fischnaller, Eigentümerin des Areals am Vahrner See Jahr 1889. Dieses Dokument fiel mit dem Kauf der Hofstelle Oberseeber auch in den Besitz meines Urgroßvaters. Das Ostufer wurde somit zur Ausbildung für die in der Kaserne von Vahrn stationierten k.u.k.Soldaten benützt?

nutzt wurde; „Gasthof“ wurde sie ja erst in den 50er Jahren. Aber bei uns weiß niemand mehr etwas über diese Zeit. Deshalb möchte ich jetzt Verbindung aufnehmen mit Wien, um zu erfahren, ob es womöglich Dokumente oder auch Fotomaterial der Militäranwesenheit bei uns zur k.u.k.-Zeit gibt.

Viele Generationen haben im Vahrner See Schwimmen gelernt. Heute weiß man, dass es fast an ein Wunder grenzt, dass nie ein Sprengkörper explodiert ist … Wir haben da einen großen Schutzengel gehabt, auch wenn das Baden im See eigentlich un73


Inzwischen ist aufgrund der Bergungsarbeiten nicht nur das Baden, sondern auch das Fischen und Tauchen im Vahrner See sowie das Spazieren um den See verboten? Seit September 2017 taucht die Marine nach Munition, seit März 2018 herrscht Badeverbot im See, aber das Spazieren bis zur Liegewiese war und ist immer möglich. Auch der Geschichtsparcours ist offen, nur der Rundweg bleibt aus Sicherheitsgründen gesperrt. Wird Ihr Dienstleistungsbetrieb durch das Badeverbot stark beeinträchtigt? Natürlich hat man Einbußen. Hauptsächlich haben wir einen Besucherrückgang am Campingplatz gespürt. Wenn die Möglichkeit zum Baden nicht mehr

Der Militär-Lageplan von 1889 zeigt die Position von Zielgräben und Scheibendepots

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gegeben ist, verliert das natürlich an Attraktivität. Den Rückgang der Tagesbadegäste spüren wir natürlich auch. Über die Kriegsmunition im Vahrner See hat man nun schon öfter in den Medien gelesen oder ge-

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hört. Welche waren die größten Unwahrheiten? Es sind leider horrende Geschichten im Umlauf, die nicht der Wahrheit entsprechen. Am schwersten getroffen hat mich die Unterstellung, dass wir die Leute mit Absicht in Unwissenheit über die Munition im See gelassen haben. Wir sind von dieser Tatsache,

Ich werde alles daran setzen, dass wenigstens ein Teilstück des Sees wieder zum Baden geöffnet wird, aber mir gegenüber hält man sich mit Informationen sehr bedeckt. Weder von Seiten des Militärs, des Regierungskommissariats noch von Landesseite erhalte ich Angaben darüber, wie es weitergehen soll. Auch sind noch einige Fragen offen. Zum

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gefährlich war, solange man die Munition nicht berührte. Allerdings waren es wirklich nur 1,5 Meter, die die Schwimmer von den Sprengkörpern trennten. Wir haben immer gemeint, es handle sich um Steine auf dem Schlammboden!

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dass wir Tonnen von Kriegsmunition in unserem See haben, selbst völlig überrascht worden! Dass es so viel ist, das war ein Schock auch für uns. Ich würde mir wünschen, dass man mit Mutmaßungen über den Vahrner See künftig vorsichtiger umgeht. Schnell sind Unwahrheiten im Umlauf, die sehr verletzend sind. Wann rechnen Sie damit, dass das Baden im See wieder möglich sein wird?

Beispiel, wie viel das Land gewusst hat vom Vorhandensein der Munition im See. Denn schließlich ist die Schlammkatze im Landesauftrag in den 80er Jahren den Boden des Sees abgefahren ...

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Der Bau des Mittelanschlusses zur Brixner Westumfahrung läuft auf Hochtouren. Trotz einer dreimonatigen Verzögerung rechnet das Amt für Tiefbau mit der Fertigstellung und Eröffnung im Sommer 2019.

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ereits beim Bau der Westumfahrung war für den Mittelanschluss nicht nur vorgeplant, sondern auch vorgearbeitet worden: Ein Teil der unterirdischen Ausfahrt zwischen dem Süd- und Nordtunnel wurde seinerzeit schon gebaut. Vor einem Jahr erhielt die Bietergemeinschaft aus P.A.C., Wipptaler Bau und Beton Eisack den Zuschlag für Arbeiten zur Fertigstellung des Mittelanschlusses. Die Arbeiten laufen seither planmäßig und ohne nennenswerte Verzögerungen – bis auf eine Ausnahme, wie Umberto Simone, der Stellvertretende Abteilungsdirektor des Amtes für Tiefbau, einräumt: „Die Unterführung der Bahntrasse wäre für Mitte Juli geplant gewesen; allerdings hat die Eisenbahngesellschaft RFI zu dieser Zeit selbst Arbeiten am Schienennetz vorgenommen, die mit unseren nicht kompatibel waren. So musste dieser Abschnitt um drei Monate verschoben werden.“ Überhaupt war die Unterführung der Bahntrasse das komple-

76

Das komplexeste Werk des gesamten Mittelanschlusses: die Unterführung der Bahntrasse

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xeste Werk des gesamten Mittelanschlusses: Eine 30 Meter lange, rechteckige Beton-Tunnelröhre – ein sogenannter Monolith – wurde im Freien auf der Seite des Parkhauses gebaut und dann unter die Bahnlinie geschoben. Währenddessen hat man die Gleise mit Stahltraversen gestützt und das Erdreich darunter nach und nach ausgehoben. „Dieser Monolith war einer der größten, die bisher in Südtirol verbaut worden sind“, sagt Umberto Simone. Dieser heikle Teil der Arbeiten ist inzwischen abgeschlossen, genauso wie der Aushub der Tunnelröhre auf der Westseite der Bahnlinie. Komplex war die Unterführung der Bahnlinie aber nicht nur aus technischer Sicht, sondern vor allem auch wegen der Abstimmung mit dem Bahnbetreiber. Auf der Strecke verkehren immerhin 200 bis 300 Züge täglich, die bei der Überfahrt über die Baustelle ihre Geschwindigkeit auf maximal 80 Stundenkilometer drosseln müssen. Simone ist „sehr zufrieden

und froh, dass dieser Teil der Arbeiten gut verlaufen ist“.

Ein„Ossobuco“ kommt selten allein. Nun nähert sich die Baustelle

langsam, aber sicher der Einmündung in die Dantestraße. Hier ist der Bau eines „Ossobuco“-Kreisverkehrs, ähnlich jenem an der Kreuzung zur Bahnhofstraße, geplant. „Dieser Kreisverkehr ist eine sehr flexible Lösung im Hinblick auf mögliche zukünftige Umgestaltungen durch die Gemeinde“, sagt Umberto Simone. Überhaupt sei man mit der Gemeindeverwaltung in stetigem Austausch, da man darauf bedacht sei, das Projekt in bestmöglichem Einklang mit dem städtischen Mobilitätskonzept zu verwirklichen. Gleichzeitig wird unter dem Kreisverkehr eine Fußgänger-Unterführung zwischen der Romstraße und dem Parkhaus gebaut. Die Herausforderung dieses Abschnitts besteht einerseits in der notwendigen Verlegung einer Vielzahl von Infrastrukturen wie Telefon-, Strom- und Gasleitungen.

Andererseits wird es während der Bauarbeiten in dieser Zone unweigerlich zu Verkehrsbehinderungen kommen. Eine direkte Zufahrt vom Mittelanschluss zum Parkhaus ist derzeit nicht unmittelbar vorgesehen, jedoch sei die Möglichkeit einer späteren Anbindung gegeben, bestätigt Simone. Ob, wie und wann das passiere, liege aber in der Hand der Gemeinde. Trotz der besagten Verzögerung bei der Unterquerung der Bahnlinie rechnet man im Amt für Tiefbau mit der Fertigstellung des Mittelanschlusses im Juni 2019. Die Prognosen gehen von einer 25-prozentigen Zunahme des Verkehrs auf der Westumfahrung aus – abhängig auch davon, wie die Gemeinde den innerstädtischen Verkehr langfristig regeln wird. Die geplanten Baukosten von knapp zehn Millionen Euro können voraussichtlich eingehalten werden. oskar.zingerle@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info


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Ein Wahrzeichen der Schönheit Die Parfümerie Lutteri hat sich als „Zentrum der Schönheit“ neu interpretiert. Unverändert geblieben sind der zuvorkommende Service und der gewohnte Standort am schönsten Platz in Brixen.

In wenigen Jahren feiert die Parfümerie Lutteri ihr 100-jähriges Bestehen, und dieses näherrückende Jubiläum hat die Inhaberin Annegret Reiner zum Anlass genommen, ihre Parfümerie zeitgemäß zu erneuern. Nach wenigen Monaten intensiver Umbauarbeiten öffnete sich Ende Oktober die Tür der Parfümerie den zahlreichen Kunden.

Schöner, größer, einladender. Viele kleine Veränderungen haben dazu beigetragen, dass die Parfümerie nunmehr viel größer und schöner wirkt. Insbesondere die neue Einrichtung vergrößert den Verkaufsraum optisch, indem sich die Regale dezent an die Wände schmiegen und mit indirekter Beleuchtung die Produkte in den Vordergrund rücken. Beim Flanieren durch den langgezogenen Raum präsentiert sich den Besuchern zumeist erst auf den zweiten Blick ein besonderes Highlight. So entdeckt man irgendwann eine Öffnung in der Decke, die den Blick in den kleinen Turm preisgibt, der den Dom linksseitig als Gegenstück zum Turm der Frauenkirche flankiert und zum harmonischen Anblick des Brixner Doms beiträgt.

Reiner bei den baubeteiligten Unternehmen, allen voran dem Team des Architekturbüros Bergmeisterwolf, das stets ein offenes Ohr für die Wünsche der Bauherrin hatte, sowie dem Innenausbauer Barth, von dem – wie bereits vor 25 Jahren auch – die Einrichtung wieder stammt. Im Weiteren dankte Annegret ihrem Team, das ihr mit großem Einsatz zur Seite steht, von Hildegard über Sandra bis hin zu Julia, darüber hinaus bei der ebenfalls anwesenden ehemaligen Mitarbeiterin Hildegard Tratter Falk, die nach 41 Jahren Mitarbeit vor drei Jahren in den Ruhestand getreten ist. Doch ihr größtes Lob galt ihrer Mutter Birgit Ferrigato Reiner, die ihr noch heute eine große Stütze ist, sowie ihrem Bruder Stefan, der eigens aus Spanien angereist war, um in den Wochen vor der Eröffnung mitzuhelfen, wo Not am Mann war.

Bürgermeister Peter Brunner zeigte sich erfreut darüber, dass die Brixner Kaufleute in ihre Geschäfte und Betriebe investieren. Denn, so führte er aus, eine Gemeindeverwaltung könne sich darum bemühen, ideale Rahmenbedingungen für eine lebendige Stadt zu schaffen, doch letztlich seien es die Brixner Geschäfte, die mit ihrem Angebot aus Brixen eine attraktive Einkaufsstadt machen. Die Segnung der neu gestalteten Parfümerie nahm Kanonikus Markus Moling vor; er wünschte abschließend Annegret Reiner und ihrem Team, auch im Namen der Domherren als Vermieter der Räumlichkeiten, alles Gute für die Zukunft.

In vierter Generation. Annegret Reiner führt die Parfümerie Lutteri heute in vierter Generation. Gegründet wurde die ursprüng-

liche Drogerie im Jahr 1921 von ihrem Urgroßvater Ernst Lutteri am bestehenden Standort. Eigentlich hatte dieser eine Apotheke betreiben wollen, doch da er für eine solche keine Erlaubnis erhielt, eröffnete er schließlich eine Drogerie. Nach seinem Tod 1931 führten seine Kinder die Drogerie weiter. Als die Tochter Dora 1944 mit vier Kindern Witwe wurde, überließen ihr die Geschwister die Drogerie, die sie dann 60 Jahre lang erfolgreich führen sollte. Schon früh arbeitete ihre Tochter Birgit Ferrigato mit, die langsam begann, die Drogerie in eine Parfümerie umzuwandeln. Wie Birgit, verbrachte auch Annegret Reiner viele Stunden in der Drogerie ihrer Mutter, die sie 2001 übernahm und im Laufe der Jahre zu einer florierenden Parfümerie spezialisierte.

Feierliche Eröffnung. Im Rah-

men der Eröffnungsfeier am 27. Oktober bedankte sich Annegret

Das zuvorkommende und fachkundige Team: Hildegard Messner, Sandra Faller, Annegret Reiner und Julia Winkler 79


Wirtschaft & Umwelt

BRIXEN

Umbau abgeschlossen z Neun Wochen mussten sich die Saunagänger gedulden; nach den abgeschlossenen Umbauarbeiten steht den Besuchern jetzt aber wieder die gesamte Saunalandschaft in der Brixner Acquarena zur Verfügung. In neuem Glanz erstrahlt dabei die finnische Außensauna, die erneuert und vergrößert wurde: Nun finden 60 Leute darin Platz, 20 mehr als bisher. Zudem wurde die undichte

Terrasse saniert und der in die Jahre gekommene Whirlpool mit einem neuen ausgetauscht. „Rund 180 Personen schwitzen tagtäglich in der Sauna, da kann es natürlich zu Abnutzungserscheinungen kommen“, erklärt Karl Michaeler, Geschäftsführer der Stadtwerke Brixen. „Auch die Säule in der Raummitte, die vor allem bei den Aufgüssen im Weg stand, wurde eliminiert “, so Michaeler, der

betont, dass laufend Investitionen in die Infrastruktur notwendig sind, um sie auf Dauer attraktiv zu halten. eh

W&U Wirtschaft & Umwelt

Foto: Oskar Zingerle

BRIXEN

Erdrutsch gefährdet Gebäude z In der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober kam es in Brixen zwischen dem Hartmannweg und der Battististraße zu einer Hangrutschung: Unterhalb des Hauses von Familie Costabiei brach eine hohe Stützmauer ein, rutschte in den darunterliegenden Garten und blockierte den Hauseingang des Gebäudes der Familie Happacher. Die Gemeinde ließ daraufhin beide Gebäude evakuieren und beauftragte einen Geologen, der allerdings nicht in der Lage war, zweifelsfrei festzustellen, ob sich die Fundamente des Hauses Costabiei in ausreichendem Ausmaß auf

kurz

notiert

80

einen Felsen stützen würden und damit stabil seien. Bürgermeister Peter Brunner erließ daraufhin die Anordnung, dass beide Gebäude zunächst alle zwei, dann alle acht Stunden überprüft würden; zwischenzeitlich dürfen sie nicht betreten werden: „Im Moment gibt es keine Sicherheit darüber, ob das Haus wirklich stabil ist“, sagt Renato Sette vom Amt für öffentliche Arbeiten. Die Eigentümer haben inzwischen ein Sanierungsprojekt vorgelegt; die Gemeinde wird, sobald alle notwendigen Unterschriften vorliegen, die Genehmigung zur Sanierung ausstellen.

Der Europa-Besinnungsweg, der von Brixen zum Kirchlein St. Cyrill führt, hat sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. 1993 errichteten freiwillige Helfer im Auftrag der Brixner Pfarrei St. Michael unentgeltlich den Pilgerweg, der durch Spenden der Bevölkerung ermöglicht worden war.

In Brixen hat es sich inzwischen herumgesprochen, dass die Eigentümer davon ausgehen, dass nicht die starken Regenfälle für die Hangrutschung verantwortlich seien. „Das ist eine privatrechtliche

Diskussion, in die sich die Gemeinde nicht einmischen kann“, sagt Sette, „unsere Aufgabe ist es, die Sicherheit zu garantieren“. Familie Costabiei war zu einer Stellungnahme nicht bereit. wv

An gut sichtbaren öffentlichen Plätzen auf dem Natz-Schabser Gemeindegebiet aufgestellte Schautafeln mit historischen Katastermappen aus dem Jahr 1858 sollen den Gemeindebürgern einen Einblick zu den Wurzeln und der Geschichte ihrer Dörfer Natz, Schabs, Raas, Aicha und Viums geben.

Im Jahresprogramm 2019 für Kommunikationsinfrastruktu­ ren, das der Brixner Stadtrat Mitte November genehmigt hat, sind keine weiteren Sendemasten vorgesehen. Die bestehenden Sendemasten werden künftig auch von Iliad Italia, einem weiteren Anbieter, der in Brixen Fuß fassen will, mitgenutzt werden.


Foto: Oskar Zingerle

STADTGEHEIMNISSE Woher hat die Kreuzgasse ihren Namen?

BRIXEN

„fair-zaubert!“ Im Gegensatz zu heute hatte die Kreuzgasse in früheren Jahren eine ansehnliche Länge; deshalb wurde sie damals noch als Straße angeführt, die noch dazu in einen oberen und einen unteren Teil gegliedert wurde. Die Obere Kreuzstraße verlief vom damaligen neuen Siechenhaus (heute im Bereich Vittorio-Veneto-Straße 41/A) in nördlicher Richtung und vorbei an dem Bildstock zur „Schwarzen Muttergottes“, der heute in der Umfassungsmauer des Missionshauses angebracht ist, bis zum ehemaligen Zollhaus, heute Kreuzgasse Nr. 13. Von dort bog der Straßenzug rechtwinklig zum Kreuztor. Die Untere Kreuzstraße zweigte hingegen auf Höhe des heutigen Bahnhofes bei einem (Feld-)Kreuz nach Osten ab, bog bei den Klarissen in die Runggad ein und verlief weiter über die Adlerbrücke und die Schlipfgasse in Stufels den Kranebitter Berg entlang nach Neustift bis weiter ins Pustertal. Die Untere Kreuzstraße wurde deshalb auch Pusterer Straße genannt. Besagtes Kruzifix unterhalb des Bahnhofes war vermutlich auch namensgebend, wobei davon ausgegangen werden kann, dass die Bezeichnung Kreuzstraße von den drei Kruzifixen herrührt, die beim neuen Siechenhaus angebracht waren. Anregungen: redaktion@brixner.info

z Nicht nur unter ausgesprochenen Feinschmeckern hat sich die „Fair and local cooking night“ zu einem wahren Geheimtipp entwickelt, und so war es auch nicht verwunderlich, dass die heurige 13. Ausgabe in der Landesberufsschule für das Gast- und Nahrungsmittelgewerbe Emma Hellenstainer einen regelrechten Ansturm erlebte. Unter dem Motto „Zauberlehrling, Hexenmeister! Kräuter, Rauch und Höllenküche“ kreierten fünf Fachlehrer und vier hochkarätige Gastköche mit tatkräftiger Unterstützung der Schülerinnen und Schüler zauberhafte Gerichte aus lokalen und fair gehandelten Produkten. Mit dem „Zauberlehrling“ servierten kostümierte Schüler die passende dramaturgische Umrahmung. Auf einen „Hexenmeister“ schien das Motto des Abends in besonderer Weise zugeschnitten: Der langjährige

Fachlehrer Helmut Bachmann (im Bild) wird nämlich bald seinen verdienten Ruhestand antreten, und so bedeutet diese „Fair and local cooking night“ auch gewissermaßen einen Abschied für ihn – zumindest als Fachlehrer, denn der Begriff „Ruhe-Stand“ mag nicht so recht zu dem rührigen Wahl-Mühlbacher und x-fachen Kochbuchautor passen. Bei der diesjährigen „Fair cooking night“ versammelte Helmut Bachmann übrigens nicht nur eine Schar an Zauberlehrlingen um sich und seine rauchige Hochrippe mit Erdartischocken. Sohn Matthias zauberte in der Nachbarküche eine in „Libera Terra“ Olivenöl confierte Bachforelle mit Mandeln und hexenküchenmäßig rauchender Steinpilzinfusion. Des „Hexenmeisters“ Spross ist also vom Zauberlehrling selbst zum Stern am Südtiroler Köchehimmel aufgestiegen. oz

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„Umfangreiche Investitionen“ STEFAN GRUBER, Geschäftsführer der Gitschberg Jochtal AG, über die Investitionsvorhaben im Skigebiet. Herr Gruber, im Skigebiet Gitschberg Jochtal wird in die­ sen Jahren kräftig investiert. Um welche Projekte handelt es sich konkret? 2014 haben wir die Beschneiungsanlage samt Speicherbecken im Jochtal erneuert. Letztes Jahr wurde eine neue Rodelbahn am Gitschberg eröffnet, und mit dieser Skisaison wird der neue Ski Express am Gitschberg in Betrieb gehen. Das ist eine Zehner-Kabinen­ umlaufbahn, die den ehemaligen Breiteben- und den Sergerwiesenlift ersetzen wird. Ebenfalls am Gitschberg haben wir den Großteil der Beschnei-

ungsanlage erneuert und das Gebäude für die Pumpstation des neuen Speicherbeckens errichtet, das 2019 realisiert wird. Von der Abfahrt abzweigend haben wir die Wastl-Huber-Piste Richtung Kiener Alm reaktiviert, die etwas weniger steil als die Serger Wiese ist. Für das Jochtal wurden ebenfalls weitere Schneeerzeuger angekauft und eine neue Piste, der Gimmy Fun Ride, für unsere Hauptzielgruppe „Familie“ errichtet. Welche Projekte sind für die Zukunft noch geplant? Nächstes Jahr werden wir den unteren Teil der Gitschberg-Tal-

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abfahrt erneuern und den gesamten Kinder- und Anfängerbereich dort unterbringen. Im Skigebiet Jochtal möchten wir eine neue Forststraße errichten, die man dann im Winter als Rodelbahn nutzen kann. Längerfristige Projekte, an denen wir arbeiten, sind die Erneuerung der Seilbahn Mühlbach-Meransen sowie die Erschließung des Kleingitsch. Letzteres Projekt befindet sich auf Machbarkeitsebene als Vorstufe auf die UVP. Die Investitionen des heurigen und nächsten Jahres umfassen netto rund 17 Millionen Euro.

Foto: Oskar Zingerle

Wirtschaft & Umwelt

NACHGEFRAGT

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FINSTERWIRT

„Einfach gut essen“ Fotos: Oskar Zingerle

Alpine Küche mit authentischem Charakter – so beschreibt Hubert Ploner das gastronomische Angebot des Restaurants Finsterwirt. Ploner hat vor einigen Jahren den langjährigen Küchenchef Hermann Mayr in der Küche abgelöst und verrät, was sich unter seiner Führung im Angebot verändert hat, warum Kochen nicht gleich Kochen ist und worauf es bei gutem Essen ankommt.

Küchenchef Hubert Ploner Herr Ploner, seit wann sind Sie Küchenchef im Finsterwirt, und was hat sich seitdem im Angebot verändert? HUBERT PLONER: Inzwischen bin ich seit über drei Jahren Küchenchef im Finsterwirt. Ich habe die Herausforderung gerne angenommen, da ich in meiner jahrzehntelangen Tätigkeit viel Erfahrung in der internationalen Top-Gastronomie gesammelt hatte. So war ich unter anderem im Grandhotel Kronenhof in der Schweiz tätig gewesen, im Hotel Hilton Munich Park, im Hotel Königshof in München, im Hotel Castel in Dorf Tirol und bei Heinz Winkler in München. Unter meiner Führung hat sich im Restaurant Finsterwirt einiges verändert – auch weil es

Ideal für Feiern im kleinen und großen Kreis! Tel. 0472 835343 Tipp: Mit einem Geschenkgutschein schenkt man Genuss und Freude! Auszeichnungen für das Restaurant Finsterwirt: · Guida MICHELIN 2019 · Gault&Millau 2019 · Le Guide de L‘Espresso 2019

mir wichtig war, das bisherige Erfolgskonzept mit neuen Ideen zu bereichern, um nicht als blasse Kopie des Originals zu gelten. In der Küche haben wir uns darum bemüht, alles ein bisschen zu modernisieren und der Zeit anzupassen. Veränderungen auf der Speisekarte haben wir aus Rücksicht gegenüber den vielen Stammgästen mit Bedacht und langsam vorgenommen. So haben wir einige klassische Gerichte beibehalten und schrittweise um neue ergänzt. Dabei folgen wir dem Grundsatz von Qualität und Frische, dem auch schon Hermann Mayr nachgegangen ist, wobei wir zusätzlich den Prinzipien von Slow Food und Nachhaltigkeit entsprechen. Was kann man unter den Prinzipien Slow Food und Nachhaltigkeit verstehen? Slow Food setzt als Gegenbewegung zur Fast-Food-Kultur auf regionale Küche, fokussiert auf Qualität, bewährtes Wissen und traditionelle Produktionstechniken. Es werden einheimische und regionale Produkte bevorzugt, immer passend zur Saison. Auch wird auf artgerechte Tierhaltung geachtet. Slow Food bedeutet zugleich auch Nachhaltigkeit, da damit sowohl eine nachhaltige Verarbeitung von Produkten als auch ein nachhaltiges Wirtschaften in kleinen Kreisläufen angeregt wird. Wie äußern sich diese Prinzipien im Restaurantangebot? Wir bieten überwiegend regionale Gerichte, wobei wir uns an der neuen Südtiroler Küche orientieren, die sich entfernt von schweren Zutaten und deftigen Speisen. Dazu beziehen wir möglichst frische, einheimische Produkte und setzen auf die vielen Südtiroler Besonderheiten, wie beispielsweise Pusterer Kartoffeln, regionale

Küchenchef Hubert Ploner und seine Küchenbrigade Obst- und Gemüsesorten, das Villnösser Brillenschaf oder das Grauvieh Geisler. Phantasievoll interpretiert und mit sicherem, handwerklichem Gespür kreieren wir regionale Genusserlebnisse mit authentischem Charakter. Im Angebot finden sich darüber hinaus auch mediterrane Einflüsse und Gerichte, die sich meiner Meinung nach ebenfalls zur regionalen Küche zählen lassen, da wir viele der mediterranen Zutaten aus den Nachbarregionen beziehen. Wie nehmen die Gäste das Angebot an? Im Großen und Ganzen bekommen wir sehr positive Resonanz. Das ist uns eine Bestätigung dafür, dass wir uns ganz im Trend der gehobenen Gastronomie bewegen, die mehr und mehr auf Regionalität setzt. Der eine oder andere Gast ist manchmal ein bisschen verwundert darüber, dass sich bei unseren Fleischgerichten eine zweite Variation vom selben Fleisch in anderer Zubereitung auf dem Teller findet. Doch lässt sich dies mit dem Prinzip des Slow Foods erklären: Ein bewusster Umgang mit Qualitätsprodukten fordert, dass diese nachhaltig verarbeitet werden. Es werden also nicht nur die Edelteile vom Tier verwendet, sondern auch Fleisch-

teile der zweiten und dritten Kategorie, die mit unterschiedlichen Zubereitungsmethoden Vielfalt auf den Teller zaubern. Ebenso fällt den Gästen oft auf, dass das Fleisch bei uns anders schmeckt und die Fleischgerichte ein bisschen mehr Biss haben. Das ist darauf zurückzuführen, dass wir unser Fleisch ausschließlich von freilebenden Tieren beziehen, die sich von frischen Gräsern und Kräutern auf der Weide ernähren und die aufgrund ihrer Bewegungsfreiheit mehr Muskulatur aufbauen. Was bedeutet für Sie das Kochen? Ich koche leidenschaftlich gerne mit Kreativität und handwerklichem Können für Menschen, die einfach gut und gerne essen wollen. Dabei lege ich Wert darauf, dass richtig gekocht wird: Denn ein richtiger Koch kocht mit allem, er verarbeitet alles selbst und bedient sich keinerlei Fertigsaucen oder Ähnlichem. Entsprechend bereiten wir im Finsterwirt alles von Grund auf zu: Wir kochen, braten und rösten, es geht im wahrsten Sinne des Wortes Dampf auf in der Küche. Das ist zwar mit viel Arbeit verbunden, aber dafür erreichen wir eine Qualität, die letztlich den Unterschied ausmacht. 83


Edle Fruchtbrände Die Enothek Unterthurner in Marling organisiert wöchentlich Verkostungen, bei der die renommierte Unterthurner Fruchtbrände-Welt persönlich von der Seniorchefin Christine von Pföstl erlebbar gemacht wird.

In Unterthurners Destillierblasen, die eigens für die Erzeugung unterschiedlicher Obst- und Tresterbrände entwickelt wurden, entstehen Produkte, die den Gaumen faszinieren. Jede Phase des Herstellungsprozesses wird mit höchster Sorgfalt gepflegt, und die Natur liefert die Rohstoffe: Himbeeren, Heidelbeeren, Aprikosen, Pflaumen, Äpfel, Birnen, Kirschen, Quitten, um nur einige zu nennen. Aus Südtirol, den Wäldern Osteuropas und den italienischen Regionen stammen die ausgewählten reifen Früchte, die in der Privatbrennerei Unterthurner ihre komplexen natürlichen

Extra

Essen & Trinken

UNTERTHURNER

Aromen freigeben – das schmeckt man bei jedem Schluck.

Neuer Edel-Gin Prisma. Die limi-

tierte Auflage von 350 Flaschen des Gins „Prisma Distiller’s Cut 2018“ verkörpert Tradition und Know-how des Obstbrandspezialisten Unterthurner und die Ambition des jungen Kellermeisters Davide Casagranda, dem es gelungen ist, einen ganz speziellen Gin zu destillieren. Aus zwölf Botanicals wurden neben Wacholderbeeren und Iris-Wurzeln im diskontinuierlichen Brennverfahren zusätzlich Blüten und Kräuter wie Lavendel, Zitronenverbene, Minze, Korian-

Enothek Unterthurner am historischen Ansitz Priami in Marling der, Kardamom, Zitronenschalen und Enzian extrahiert. Das Ergebnis ist eine bemerkenswerte Komplexität aus Frische und erdigen Noten sowie ein angenehmes Gleichgewicht zwischen alpinen Kräutern und mediterranen Gewürzen. Nicht nur für Schnapskenner, sondern auch für Genießer, die das Besondere suchen, verkörpert der neue Gin Prisma ein feines deliziöses Trinkerlebnis.

Destillate von Unterthurner können direkt in der Enothek neben der Brennerei in Marling, im Unterthurner Online-Shop oder in ausgewählten Fachgeschäften erworben werden. Auch können Edeldestillate-Verkostungen in Anspruch genommen werden. Anmeldungen dazu erfolgen bequem im Internet unter www. unterthurner.it.

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Genussvolle Weihnachtszeit Der Name Rieper steht seit über hundert Jahren für feinste Südtiroler Mehlqualität und Backmischungen, die viele Rezepte genussvoll gelingen lassen.

Rechtzeitig zur anstehenden Weihnachtszeit bietet das traditionsreiche Unternehmen A. RIEPER AG neben seinen vielen Mehlsorten und Brotbackmischungen ein eigens für Weihnachtsgebäck konzipiertes Mehl, das sich zur Herstellung von zartem Mürbeteiggebäck und Weihnachtskeksen aller Art eignet. Damit gelingen selbstgebackene Weihnachtsköstlichkeiten auf Anhieb und versprechen eine genussvolle Weihnachtszeit. Die Mehlsorten und Backmi-

schungen von Rieper sind in Südtirol bei Despar, Euro- und Interspar, Poli, Conad und Margherita sowie in ausgewählten Lebensmittelgeschäften erhältlich.

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Rezept Leckeres Mürbegebäck 300 g RIEPER-Mehl für Weihnachtsgebäck 200 g Butter (in kleine Würfel geschnitten) 100 g Staubzucker 2 Eigelbe 1 Prise Salz abgeriebene Schale einer halben Bio-Zitrone Mark einer halben Vanilleschote Messerspitze Backpulver Alle Zutaten zimmerwarm rasch zu einem glatten Teig verkneten und, in Klarsichtfolie gewickelt, an einem kühlen Ort mindestens eine Stunde ruhen lassen. Den Teig kurz durch-

kneten, auf einer bemehlten Arbeitsfläche fünf Millimeter dick ausrollen, beliebige Formen ausstechen und Rezept auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Den Backofen auf 180 Grad Celsius (Ober- und Unterhitze) vorheizen und die Kekse etwa 15 Minuten backen. Tipp: Aus dem Teig können auch Spitzbuben in allen Formen hergestellt werden und mit Marmelade, einer Schokocreme oder einer Karamellcreme gefüllt werden. Weitere Rezepte, Anregungen und Informationen unter www.rieper.com.

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Essen & Trinken

Weihnachtsduft in jedem Raum

Extra

Das Team von Pro Natura, Bioshop & Natural Beauty Salon in Brixen freut sich schon sehr auf die schönste Zeit des Jahres. Und weil es weiß, was Feinschmecker suchen, hat es ein Paket voller natürlicher Genüsse für die Kunden zusammengestellt.

Im Bio-Fachgeschäft gibt es alles, wovon Zuckerbäcker träumen. Feinste Backzutaten, verschiedene Mehlsorten und Gewürze aus aller Welt warten darauf, zu köstlichen Weihnachtsleckereien verarbeitet zu werden. Inspiration und kreative Rezepte sind auf der Website von Pro Natura zu entdecken. Und wenn es einmal schnell gehen muss, stehen neben einer großen Auswahl an Süßwaren auch Südtiroler Panettone, Weihnachtskekse und gluten- bzw. laktosefreie Süßigkeiten bereit.

Wer sich eine kleine Auszeit vom hektischen Vorweihnachtstrubel nehmen möchte, ist im Naturkosmetik-Salon bestens aufgehoben. Alle Behandlungen sind auf das Pflegekonzept von Dr. Hauschka abgestimmt und sorgen für tiefe Entspannung und ein natürliches Gleichgewicht. Seit kurzem ergänzen Silberquarzit-Produkte das Massageangebot. Noch mehr Wellness verspricht die große Weihnachtslotterie von Pro Natura ab 1. Dezember. Auf den Gewinner wartet ein Kurz-

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Rezept Aus Armins Weihnachtsbäckerei: Haselnuss­Makronen Sie brauchen: 100 g Haselnüsse 100 g Mandeln 250 g Rohrzucker 2 Msp. Naturvanille 5–6 Eiweiß 100 g Vollkornmehl 1 gestrichener TL Backpulver Oblaten Die fein geriebenen Nüsse und Mandeln mit dem Zucker und der Vanille vermengen. Mehl mit Backpulver mischen. Alles unter den steif geschlagenen Eischnee heben. Ofen auf mittlere Hitze vorheizen. Mit einem Teelöffel kleine Häufchen des Teiges auf die Oblaten setzen und die Makronen 10–15 Minuten backen. Das Team von Pro Natura wünscht gutes Gelingen und eine besinnliche Weihnachtszeit!

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BRIMI

„Voller Geschmack“

Frohe Weihnachten!

Ob zum Backen, am Frühstückstisch oder in der Sternegastronomie: Butter erfreut sich seit eh und je großer Beliebtheit. ERICH HOFER, Brimi-Verkaufsleiter für die Region, erzählt, warum die Schabser Butter so erfolgreich ist und was sie einzigartig macht.

Herr Hofer, die Weihnachtszeit steht vor der Tür, und damit beginnt auch die Zeit des Keksebackens. Welche Rolle spielt dabei die Schabser Butter? ERICH HOFER: Viele sind der Meinung, dass das Weihnachtsgebäck mit Verwendung von Schabser Butter einfach besser schmeckt – und das zu Recht. Denn unsere Schabser Butter schmeckt tatsächlich feiner und milder als viele andere Marken. Dies liegt daran, dass wir ausschließlich frischen Süßrahm verwenden, der eine besonders milde Geschmacksnote erzeugt, die an den ursprünglichen Geschmack der Butter von früher erinnert. Dazu setzen wir bei unserer Butter auf ein traditionelles Rezept, das seit Jahren unverändert ist. Dieses sorgt nicht nur für besondere Reinheit, sondern auch für eine ausgezeichnete Streichfähigkeit. Und diese Faktoren tragen zum Erfolg der Schabser Butter bei? Sicherlich zum größten Teil, aber nicht nur. Denn auch die vielen verschiedenen Formate, die wir führen, bieten hohen Komfort. So gibt es für jeden Bedarf die geeignete Dimension: von Großformaten für Konditoreien, Bäckereien und Restaurants bis hin zu kleineren Packungen in der praktischen 100- oder 250-Gramm-Verpackung für kleinere Bedürfnisse. Im 100-Gramm-Format haben wir außerdem eine Bio-Butter im Sortiment. Wie hat sich der Absatzmarkt der Schabser Butter entwickelt? Mit der Schabser Butter setzen wir seit jeher auf eine historische Marke, deren Anfänge nahezu hun-

Erich Hofer, Verkaufsleiter Region dert Jahre zurückreicht und die aus dieser langen Tradition heraus sich enormer Nachfrage erfreut. Neben Südtirol hat sich unsere Südtiroler Süßrahmbutter als Qualitätsprodukt insbesondere auch im italienischen Markt erfolgreich etabliert. So haben wir bereits in den 60er Jahren unsere Schabser Butter bis nach Rom in den Vatikan transportiert, wo man den einzigartigen Geschmack ebenfalls zu schätzen wusste. Was zeichnet die Marke Brimi generell aus? Als Südtiroler Milchhof und Produktionsbetrieb setzen wir bei unserer Marke Brimi auf 100 Prozent Südtiroler Milch. Unsere Mitgliedsbauern verwenden ausschließlich gentechnikfreies Futtermittel und sind 365 Tage im Jahr unermüdlich im Einsatz, um uns mit bester Milch zu versorgen. Dies sind ideale Voraussetzungen für hohe Rohstoffqualität und letzthin für Produkte voller Geschmack. Unser Dank gilt dabei all unseren Kunden, die sich seit Jahren und Jahrzehnten für unsere Qualitätsprodukte entscheiden. Damit wünschen wir allen genussvolle Weihnachten und nur das Beste auch im neuen Jahr!

Südtirol

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MAIR MAIR

Essen & Trinken

Feine Genüsse

Extra

Das Kaufhaus Mair Mair in Sterzing zählt mit seinen fast 100 Jahren Erfahrung in Sachen Premium-Weine, Destillate und italienischer Feinkost zum Einkaufstipp Nummer eins für Feinschmecker in ganz Südtirol.

Mair Mair bietet auf zwei Etagen eine riesige Auswahl an Geschenkideen Direkt am Zwölferturm gelegen ist das für edle Tropfen und Feinkost wohl bekannteste Geschäft Sterzings: Mair Mair. Mit über 1.500 Weinen ist das traditionsreiche Kaufhaus eine der größten Vinotheken Südtirols. Darüber hinaus führt Mair Mair auch Whiskey, Rum, Gin und Grappa sowie eine große Auswahl an italienischen Spezialitäten – von Olivenöl über Aceto Balsamico, vom edlen Panettone bis hin zu liebevoll gestalteten Geschenkkörben. Auf der Suche nach der ganz besonderen Geschenkidee wird man garantiert fündig. Ob ein edler Tropfen oder ein Feinschmeckerkorb: Für jeden Geschmack und für jeden Anlass ist etwas dabei.

Oder wie wäre es mit einem individuellen Verkostungsgutschein oder einer gemeinsamen Erlebnis-Verkostung zum Geschenk? Besondere Freude bereitet auch der hauseigene fünf Jahre gelagerte Premium-Grappa in streng limitierter Auflage. Doch über Weine und italienische Feinkost hinaus hat das Kaufhaus Mair Mair noch weit mehr zu bieten: So findet man in einer eigenen Abteilung auch Bekleidung und modische Accessoires. Zur Zeit ganz besonders gefragt sind die plüschigen Winterjacken der neuesten Kollektion sowie Markenhandtaschen, Reisegepäck und vieles mehr zu erstklassigen Preisen.

Mit 700 Quadratmetern Auswahl ist das Kaufhaus Mair Mair ein Eldorado für Feinschmecker 88


SPRECHENSTEIN

Im Sprechenstein Soufien Kasmi ist Gastwirt, Koch, Sommelier, Landwirt, und wenn man so will, ein echter Kulinariker. Er vertritt im hofeigenen Restaurant Sprechenstein die Idee einer einfachen und dennoch ausgeklügelten Küche und behält dabei den Geschmack immer im Fokus.

Chef und Koch mit Köpfchen: Soufien Kasmi Vom Hof auf den Teller, das ist die Devise von Soufien Kasmi. Er und seine Familie mit Sandra, Eliana, Steffi und Hermann sind überzeugt, dass kein Konzept ökologischer, frischer, natürlicher, nachhaltiger und schonender sein kann: So halten sie ihre eigenen Pata-Negra- und SchwäbischHall-Schweine, genauso wie eine Handvoll Wagyu-Rinder im Grünen, direkt an der Burgmauer. Wo immer es geht, werden Gemüse, Obst und Kräuter selbst angepflanzt. Und was nicht auf dem eigenen Boden gedeiht, wird dafür umso sorgfältiger ausgesucht und selektiert. Soufien Kasmi stellt auf diese Weise sicher, dass er nicht nur Produkt und Herkunft kennt, sondern auch den kraftvollen Händedruck, der dahintersteht.

Hof, Burg und Restaurant im märchenhaften Ensemble

Besonderheiten auf dem Teller. Verkosten und genießen. Viel Der Spätherbst bringt den Duft von reifen Früchten und Fleischspezialitäten auf die Tische der stylischen Stube. Bei den Gerichten erkennt man die Liebe zum Detail, die Professionalität und die Leidenschaft für das Besondere – vor allem auch, wenn man die eine oder andere ganz spezielle Delikatesse auf der Karte entdeckt, die mal nicht direkt vom Nachbarn kommt. Wie die Büffelmozzarella Casa Madaio beispielsweise – wobei der Gast auch hier sicher sein kann, dass mit den Herrschaften aus Kampanien weit mehr als nur ein schnelles Pläuschchen gehalten wurde.

Know-how und kulinarische Begeisterung wollen weitergegeben werden. Deshalb werden periodisch thematische Tastings von besonderen Weinen, Whiskeys, Champagner und anderen Destillaten organisiert. Zudem laden hin und wieder ganz besondere kulturell-gastronomische Events ins Sprechenstein – Anlässe, für die Burgherr Fürst Auersberg persönlich gerne auch mal die Tore zum Burghof aufschließt. Schöner könnte der Platz nicht sein: Die historische Burg im Hintergrund, die Abgeschiedenheit, umringt von Wald und Wiesen,

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Süß oder salzig: Hauptsache wissen, wo’s herkommt die Ruhe und der Ausblick ins Tal, über das sich vor der Heimfahrt noch ein eindrucksstarker Sternenhimmel spannt …


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Feuerlösch-Apparat „Winimar“

Unabhängige Monatszeitschrift für Brixen und Umgebung Redaktion: Brennerstraße 28, I-39042 Brixen Tel. +39 0472 060200, Fax +39 0472 060201 www.brixner.info E-Mail für Pressemitteilungen: redaktion@brixner.info E-Mail für Leserbriefe: echo@brixner.info Online-Ausgabe: www.brixner.info Verlag: Brennerstraße 28, I-39042 Brixen Tel. +39 0472 060200, Fax +39 0472 060201 E-Mail: office@brixmedia.it, www.brixmedia.it Anzeigenleitung: Sonja Messner, Tel. +39 0472 060212 sonja.messner@brixmedia.it Herausgeber, Chefredakteur und presserechtlich verantwortlich: Willy Vontavon (wv), Tel. +39 0472 060213 willy.vontavon@brixner.info Bildredaktion: Oskar Zingerle (oz), Tel. +39 0472 060210 oskar.zingerle@brixner.info Hildegard Antholzer (ha) Johanna Bernardi (jb) Irene Dejaco (ird) Evi Hilpold (eh) Susanne Hutter (sh) Veronika Kerschbaumer (vk) Marlene Kranebitter Zingerle (mk) Sabine Peer (sp) Franziska Rude (fr) Anina Vontavon (av) Lia Vontavon (lv) Oskar Zingerle (oz) E-Mail: vorname.nachname@brixner.info Grafik: Evelyn von Mörl, Tel. +39 0472 060209 evelyn.vonmoerl@brixmedia.it Titelbild: Andreas Tauber Druck: Athesia Druck GmbH, Weinbergweg 7, I-39100 Bozen www.athesia.it Der nächste „Brixner“ erscheint Ende Dezember 2018 Nächster Redaktionsschluss: 10. Dezember 2018 Die Zeitschrift „Brixner“ erscheint monatlich und wird im Postabonnement 45 % Art. 2, Abs. 20/b, Ges. 662/96, Bozen zugestellt. Eintragung am Landesgericht Bozen am 29.12.1989, Nr. 29/89 R.St. Auflage: 11.000 Stück Preis Abonnement: 1 Euro Abonnentenservice: abo@brixner.info

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parat; sie kamen jedoch glücklicherweise nahezu unbeschädigt davon. Das Ansammeln der vielen Zuschauer am Startplatz und das von denselben in der Aufregung hervorgerufene Durcheinander dürfte jedenfalls zum Unglücke etwas beigetragen haben.

Der kürzlich im Gasthause „Zur Löwengrube“ entstandene Zimmerbrand konnte mittelst des in der städt. Polizei-Wachstube vorhandenen „Minimar“-Apparates mit einer Schnelligkeit gelöscht werden, daß größeres Unglück dadurch verhütet wurde. Das gefertigte Kommando kann die Anschaffung obigen Apparates allen Geschäften zur Verhütung von Feuersgefahr nur wärmstens empfehlen. – Der Oberkommandant: Ignaz Mallepell.

An unsere Leser!

Spinges

Dienstag, 5. November 1918

Dienstag, 5. November 1918

Infolge des augenblicklich überlasteten Bahnverkehrs erhalten alle Zeitungsabnehmer ihre Blätter in der nächsten Zeit jedenfalls höchst unregelmäßig, vielfach auch gar nicht. So blieb infolge der übermäßig großen Rücktransporte von Soldaten und Material die bekanntlich in Bozen hergestellte „Chronik“ vom Samstag, 3. November, vollständig aus, so daß wir daran denken mußten, heute, Montag, provisorisch eine zweiseitige Nummer in Brixen zusammenzustellen, um die Verbindung mit unseren Lesern aufrechtzuerhalten und ihnen die Ursache der jeweiligen Verzögerung in der Zustellung oder gar des Nichterscheinens einer Nummer auseinanderzusetzen. Da auch für die Tyrolia in Brixen seitens der Postdirektion in Innsbruck unbegreiflicherweise noch immer der Telephonverkehr gesperrt bleibt, trotzdem sie vor Monaten um dessen Wiedereinführung nach 3,5 Jahren Kriegszeit ersuchte, so ließe sich natürlich auch die Herstellung der „Brixener Chronik“ in Brixen selbst nicht plötzlich bewerkstelligen, zumal dem Blatt derzeit auch telegraphische Nachrichten nur in geringfügigem Ausmaß zugänglich sind und auch sonst viele Voraussetzungen wieder vorhanden sein müßten, wie z.B. Papier, genügendes Personal usw. Sollte sich herausstellen, daß die „Brixener Chronik“ längere Zeit absolut nicht zu ihren Lesern im Norden von Bozen gelangen könnte, so würde die Tyrolia allerdings ernstlich darauf bedacht sein, in entsprechender Weise Abhilfe zu schaffen.

Grippe tritt hier nicht so toll auf wie in den Nachbargemeinden, hat sich aber doch aus dem Kreise der lebensfrohen Jugend bereits drei kostbare Leben geholt: in den Jungfrauen Anna Ploner, 17 Jahre alt, Winklerstochter, und Maria Kiener zu Weber mit 24 Jahren, und im Jüngling Josef Pichler, Schwaigersohn. Wie ein richtiger Wander-„Krankenpater“ wandert der Seelsorger herum, heute fünf und morgen gar sechs oder sieben Marodenhäuser besuchend; überall aufrichtend, segnend, Sakramente spendend. Mögen alle, sowohl die vom tückischen Krank Befallenen, wie die bislang von demselben Verschonten, dem hl. Pestpatron Sebastian durch inniges Gebet reiche Gelegenheit bieten, sein hilfegewaltiges Patronat über die flehenden Klienten auszuüben.

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Ausbeutung von Soldaten durch Kinder Freitag, 1. November 1918 Der „Geschäftssinn“ beginnt sich, wie es scheint, nun schon auch der Kinder zu bemächtigen. In letzter Zeit wurde wiederholt bemerkt, daß Kinder am Bahnhof in Bozen an Soldaten Erdbeertrauben zu 6 K für ein Kilogramm und Bäckereien, deren Ladenpreis gegenwärtig 70 Heller für das Stück beträgt, um 1,20 K verkaufen. Die hungrigen Soldaten, die den Bahnhofraum nicht verlassen können und daher in ihrem Hunger auch diese Wucherpreise bezahlen, solcherart ausbeuten, ist

eine Nichtswürdigkeit, für deren Verurteilung es kaum ein Wort gibt, das stark genug wäre. Wir vermuten, daß die Kinder solche „Geschäfte“ nicht aus eigenem Antrieb betreiben – woher hätten sie wohl auch das Geld, um Trauben und Bäckereien zum Weiterverkauf zu erwerben? – sondern von gewinnsüchtigen Eltern, Geschäftsleuten, dazu angehalten werden. Darum eine doppelt schändliche Handlungsweise, die dabei auch noch die Kindergemüter herzensfroh gemacht werden! Die Polizei sei auf dieses Treiben aufmerksam gemacht.

Fliegerabsturz Sonntag, 3. November 1918 Am 1. November, nachmittags, kam einer unserer Kampfflieger beim Starten in Brixen zu Sturz und wurde als Leiche unter seinem Flugzeug hervorgezogen. Gleichzeitig versagte auch zwei anderen Flugzeugführern der Ap-

Die „Brixener Chronik“ wurde 1888 gegründet und erschien bis 1925. Die Idee, die Zeitungsartikel aus der „Brixener Chronik“ auszuwählen und zu veröffentlichen, stammt von Günther Eheim (1944-2010) aus Brixen. Die damalige Rechtschreibung, auch eventuelle Druckfehler und sonstige Kuriositäten werden ohne Korrektur beibehalten.


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