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Brixner 369 - Oktober 2020

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EXTRA

369

Heizung & Energie

Jahrgang 31 · Oktober 2020

Unabhängige Monatszeitschrift für Brixen und Umgebung

Bestattungskultur im Wandel der Zeiten

Lebendiger Ort der Toten MENSCHEN & MEINUNGEN: Tänzerin Carmen Niederkofler im Portrait KUNST & KULTUR: Kunst aus dem Lockdown in der Festung Franzensfeste FREIZEIT & SPORT: Das Zuteilungssystem der Brixner Turnhallen WIRTSCHAFT & UMWELT: Müllentsorgung- und vermeidung


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Editorial

Politik & Gesellschaft >>> 04 04 | DER BRIXNER FRIEDHOF: Geschichte und Gegenwart 08 | Edith Stein: Eine Heilige des 20. Jahrhunderts 10 | Stadtrat Brixen: Peter Brunner und sein Team 14 | Natz-Schabs: Neuer Gemeindeausschuss 16 | Buchvorstellung: „Mühlbach bei Franzensfeste“ Menschen & Meinungen >>> 26 26 | PORTRAIT: Carmen Niederkofler 30 | Pro & Contra: Die Vor- und Nachteile von Homeoffice 32 | Umfrage: Weihnachten ohne Weihnachtsmarkt? Kunst & Kultur >>> 34 34 | KUNST UND LOCKDOWN: Ausstellung in Franzensfeste 37 | Theater: Happy End in Randhausen 38 | Vergangene Handwerkskunst: Wirtshausschilder in Brixen 44 | Musik und Kirche: 250 Jahre Beethoven Veranstaltungen 53 | TIMER: November 2020

>>> 53

Freizeit & Sport >>> 56 56 | BRIXNER TURNHALLEN: Diskutables Zuteilungssystem 60 | Dominik Fischnaller: „Die Kufen sind geschliffen“ Wirtschaft & Umwelt >>> 66 66 | DER BRIXNER MÜLL: Müllentsorgung und -vermeidung 70 | Südtiroler Almgschichten: Apfelstrudel nach Omas Rezept Extra 76 | Heizung & Energie

Lesen Sie den

>>> 76

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Der „Brixner“ als kostenlose App:

Klasse statt Masse Dass vor Covid-19 sogar heilige Kühe nicht gefeit sind, beweist die Absage der Weihnachtsmärkte. Das ist schlimm für die Standbetreiber, aber andererseits ergibt sich daraus auch die möglicherweise einmalige Gelegenheit, ergebnisoffen über eine neue Zieledefinition nachzudenken, an die man sich bisher offensichtlich nicht herangewagt hatte. Das Ziel der vergangenen Jahrzehnte kann man ja in einem einzigen Wort konzentrieren: Masse. Einige Jahre ist dieses Ziel auch erreicht worden – man erinnere sich nur daran, dass wir Brixner irgendwann an den Wochenenden vor Weihnachten die Altstadt gemieden haben, weil sie total überfüllt war. In den letzten Jahren aber schien die Attraktivität des Weihnachtsmarktes stetig zu sinken, und „Masse“ konnte nur noch mit zwiespältigen Busreisen erreicht werden, bei denen die Gäste für sehr wenig Geld um 4 Uhr früh in Mailand in den Bus stiegen, am Vormittag die Märkte in Innsbruck und Bruneck durchlatschten und am Nachmittag hundemüde und gestresst in Brixen ankamen. Von diesen „Mordi-e-fuggi“-Gästen profitiert außer den Standbetreibern eigentlich niemand, auch nicht die Hotellerie oder der Einzelhandel. Vielleicht braucht es etwas radikal Neues, etwas, das nicht Bustouristen anzieht, sondern Leute, die sich in den sechs Wochen vor Weihnachten zwei oder drei Tage Zeit nehmen, in unsere wunderbare Altstadt einzutauchen, die mit einem außergewöhnlichen Weihnachtsdekor und entsprechendem Rahmenprogramm noch schöner als sonst sein könnte. Dabei hätten diese Gäste die Zeit, die einmalige Architektur unserer Altstadt zu genießen, die Kirchenkultur, die Kunstszene in Stufels, die Gastronomie und – ja, warum nicht? – auch das Shopping-Erlebnis. Dazu braucht es ein gutes Produkt, an dem einschließlich der heutigen Standbetreiber alle konstruktiv mitarbeiten, und Mut zu radikalen Schritten.

Der „Brixner“ im Internet www.brixner.info Sowohl in der App als auch im Web finden Sie den aktuellsten „Brixner“ und alle Archivausgaben seit 1990 (!)

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Mitten unter uns

Der November gilt als Trauer- oder Totenmonat. Gleich am Monatsanfang liegen Allerheiligen und Allerseelen, die beiden katholischen Gedenktage, und am Monatsende der letzte Sonntag des Kirchenjahres, der Totensonntag der evangelischen Christen.

„Der Tod gehört zum Leben dazu“ – ein oft gehörter Satz. Er klingt wie selbstverständlich – und dennoch schwingt oft Unsicherheit mit, Unsicherheit im Umgang mit dem Tod, mit den Toten und der Trauer. Kalendarisch festgelegte Tage helfen: Sie geben dem Totengedenken im allgemeinen Bewusstsein Zeit und Raum, sie gestehen Trauer zu. Christliche Rituale können den Trauernden Halt geben und bringen gerade unmittelbar nach dem Verlust eines geliebten Menschen Struktur. Sie reichen in eine Zeit zurück, in der das Leben homogener war, in der es verbindliche Gesten und Gewohnheiten des Trauerns gab. Aber die Trauerkultur ist im Wandel. Und sie ist gewiss nicht nur von Ratlosigkeit geprägt, sondern auch von einer Suche nach neuen Formen der Trauer und einem neuen Umgang

Bestattungen in den Kirchen blieb der hohen Geistlichkeit und den Wohlhabenden vorbehalten. Auch in der Pfarrkirche von Brixen, wo bei den jüngsten Restaurierungsarbeiten die zwei Kupfersärge von Freiherr Christoph I. von Wolkenstein-Rodenegg (1538–1600) und seiner Gemahlin Ursula von Spaur (gestorben 1600) gefunden wurden. Der Friedhof hingegen befand sich bis 1793 zwischen der Pfarrkirche und dem Dom. Heute erinnert ein kleines Grab mit einem Schmiedekreuz und dem Namen sowie den Lebensdaten von Anna Maria Matz an diese Nutzung. Anders als heute war der Tod im Mittelalter ein ständiger Begleiter: Die hohe Kindersterblichkeit, eine geringere Lebenserwartung, Krankheiten und Umweltkatastrophen forderten ihre Opfer. Die Konzentration auf das Jen-

Kirche und dem Beinhaus, ist in eindrucksvoller Weise auf einem Fresko in der Kirche von Karnol dargestellt. Es wurde um 1500 gemalt und ist Teil einer Schilderung der Werke der Barmherzigkeit.

Der neue Friedhof beim Bürgerspital. Aufgrund der wachsenden

Seuchengefahr in den Zeiten der Pest wurde der Friedhof außerhalb der Stadt verlegt – in die Nähe des alten Bürgerspitals, dem heutigen Hartmannsheim, wo er zunächst als so genannter Pestfriedhof diente. Der heutige städtische Friedhof mit seinen klassizistischen Arkaden wurde 1792 angelegt und 1880 nach Plänen von Josef von Stadel nach Westen hin vergrößert. Der neuere Teil wird ebenso von Arkaden umfasst, die im Westen mit der Begräbnisstätte für die Dekane und die Geistlichkeit der Pfarrei Brixen

„Die Anzahl der Feuerbestattungen ist gestiegen; sie nimmt heute mehr als 50 Prozent der Bestattungen ein“_ Sabina Lusser, Dienststellenleiterin der Gemeinde Brixen mit dem Tod. Dies zeigt sich zum Beispiel in der Gestaltung unserer Friedhöfe – die diesem Wandel durchaus Rechnung tragen. Auch in Brixen. Doch zuerst ein Blick zurück in die Geschichte.

Der Friedhof im Mittelalter. Friedhöfe sind und waren die Ruhestätte von Verstorbenen und ein Ort des Gedenkens. Der Name steht nicht mit dem ewigen Frieden in Verbindung, sondern entwickelte sich aus der Bezeichnung für einen „eingefriedeten Bereich“ um eine Kirche. Christen wurden in geweihter Erde bestattet. Dabei bestand der Wunsch, und zwar nicht nur im Mittelalter, sein Grab möglichst in der Nähe des Altars zu haben. Doch das Privileg von 4

seits manifestierte sich auch in einer materiellen Vorsorge für das eigene Seelenheil in Form von Stiftungen und Schenkungen, die zugleich ein wichtiger Teil der Sozialfürsorge für die Armen waren. Jahrtage und Messstiftungen waren ein fester Bestandteil liturgischer Handlungen, das Totengedenken im Mittelalter selbstverständlich in die Gesellschaft integriert. „Tote begraben“ gehört zu den leiblichen Werken der Barmherzigkeit (Mt. 25,35–40), die die Priester laut Beschluss der Brixner Diözesansynode von 1511 den Gläubigen zu lehren verpflichtet waren. Die Bestattung eines Toten auf einem Friedhof, nahe der

abschließt. Die Friedhofskapelle in der Mitte wurde ebenfalls um 1880 erbaut.

Familiengräber seit Generationen. Der Brixner Friedhof

macht trotz seiner umfassenden Erweiterungen im Verlauf seiner Geschichte einen sehr harmonischen Eindruck. Ein Gang über den Friedhof lohnt sich allemal: Grabsteine und schmiedeeiserne Kreuze schmücken die Reihengräber, die heute als Familiengräber vergeben werden. Manche werden seit Generationen von einer Familie benutzt und gepflegt, andere sind neueren Datums. Sie spiegeln dabei durchaus sich wandelnde Strömungen in der Grabgestaltung wider: vom traditionellen

Grabkreuz über steinernen Skulpturenschmuck in Form von trauernden Gestalten bis hin zu sehr individuellen sowie künstlerisch hochwertigen Grabgestaltungen.

Arkaden umschließen den Friedhof. Die Arkadengräber gal-

ten lange vorwiegend als Grabstätten des Klerus – wie die Arkaden des Domkapitels oder der Theologieprofessoren – sowie von sozial höherstehenden Familien wie zum Beispiel der Familie von Lachmüller. Unweit des Eingangs fallen die Grabstätten mehrerer Orden auf. Die Arkade der Kapuziner ist betont einfach mit dunklem Holz gestaltet. Jugendstilelemente zeigt hingegen die Arkadengestaltung der Englischen Fräulein. Überhaupt weisen die Arkaden im alten Friedhof gestalterisch eine große Bandbreite auf – von historischen Malereien und Skulpturen im Stil der Nazarener bis hin zu Schöpfungen zeitgenössischer Künstler. Gräber sind sehr persönliche Erinnerungsstätten.

Die nördliche Erweiterung. 1992

wurde die nördliche Erweiterung des Friedhofes nach Plänen von Architekt Lusser abgeschlossen. Wieder umrahmen Arkadengänge, an deren Ecken Räume für die Urnennischen geschaffen wurden, das rechteckige Areal. Im Westen schließt es mit einer neuen Totenkapelle und einem teils oberirdischen, teils unterirdischen Bereich für die Urnenbestattung ab. Unterhalb der Totenkapelle befindet sich das Beinhaus, das für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Hier werden die sterblichen Überreste eines Verstorbenen, die bei der Aufgabe seines Grabes gefunden werden, in beschrifteten Kassetten aufbewahrt. So gesteht auch diese allerletzte Ruhestätte jedem im Tod seinen Namen zu und wahrt seine Würde. Die Reihengräber im neuen Friedhof werden als Rotations-

Fotos: Oskar Zingerle

Politik & Gesellschaft

GESCHICHTE UND GEGENWART DES BRIXNER FRIEDHOFS


LETZTE RUHESTÄTTE: Grabsteine und schmiedeeiserne Kreuze schmücken die Reihengräber, die heute als Familiengräber vergeben werden 5


Politik & Gesellschaft Die Arkadengräber wie jene des Domkapitels galten lange vorwiegend als Grabstätten des Klerus sowie sozial höherstehender Familien gräber vergeben. Dies bedeutet, dass sie für die Dauer der Ruhezeit von zehn Jahren nicht geöffnet werden dürfen und nach Ablauf dieser Zeit neu vergeben werden können. Für die Angehörigen ist dies oft ein schmerzhafter Gedanke, doch die gesetzlichen Bestimmungen geben dieses Vorgehen vor. Es ist jedoch möglich, nach Ende der sogenannten Mineralisierungszeit eine Umbettung in ein bestehendes oder neu erworbenes Familiengrab im alten Friedhof vorzunehmen. „Derzeit sind viele Grabstellen im alten Friedhof frei und können als Familiengräber vergeben werden“, bestätigt Sabina Lusser, zuständige Dienststellenleiterin in der Gemeinde Brixen.

Bestattungskultur im Wandel. Die Architektur des neuen

Friedhofs verweist mit ihren Urnennischen deutlich auf einen Wandel in der Bestattungskultur der letzten Jahre und Jahrzehnte. „Die Anzahl der Feuerbestattungen ist ganz klar gestiegen“, sagt Sabina Lusser, „sie nimmt heute

mehr als 50 Prozent der Bestattungen ein.“ Die Gründe hierfür sind vielfältig: Die Menschen sind viel mobiler als noch vor einigen Jahrzehnten. Dies bedeutet oft, dass die Pflege eines Grabes von den Angehörigen nicht geleistet werden kann oder dass der Bezug zur Grabpflege fehlt. Von den Bestattungsmöglichkeiten her ist eine Feuerbestattung zudem heute oft der unproblematischste Weg, denn eine Urne kann sowohl in einer Urnennische, je nach Größe als Einzelnische oder auch als „Familiennische“, als auch sofort in einem bestehenden Familiengrab beigesetzt werden. „Die Feuerbestattung bedarf jedoch“, darauf verweist Sabina Lusser, „der schriftlichen Willensbekundung des Verstorbenen.“ Ohne diese Willensbekundung ist eine Feuerbestattung nicht möglich. Die Einäscherung ermöglicht ohnehin neue Formen der Bestattung und des Gedenkens an Verstorbene. So muss die Urne nicht im Friedhof beigesetzt, sondern darf auch zu Hause aufbewahrt werden. Auf Wunsch des

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An den Grabstätten – vom einfachen Grabkreuz bis hin zu künstlerisch hochwertigen Gestaltungen – spiegeln sich verschiedenste Strömungen wider auch außerhalb. Die Gemeinde Brixen hat dafür den gemeindeeigenen Wald in Untereben sowie ein Gebiet am nördlichen Lauf der Rienz und am südlichen Lauf des Eisacks genehmigt. Auf privatem Grund ist das Verstreuen nur mit dem Einverständnis des Eigentümers und bei Einhaltung des Mindestabstandes zu Ortschaften und bewohnten Gebieten erlaubt.

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Verstorbenen ist außerdem das Verstreuen der Asche erlaubt. Dies kann sowohl im Friedhof in einem eigens ausgewiesenen Bereich oder in einem bereits verfügbaren Grab erfolgen, aber

geschuldet. So wurde erst 2018 auf Anregung des Katholischen Familienverbandes Brixen/Milland eine Grab- und Gedenkstätte für Sternenkinder geschaffen, also für jene Kinder, die im Mutterleib verstorben sind und zu klein waren, um einzeln beerdigt zu werden. Sie befindet sich im unterirdischen Bereich des Friedhofs und bietet den betroffenen Eltern einen geschützten wie liebevoll gepflegten Ort des Trauerns. Übrigens hatte man bereits Ende der 1990er Jahre, als eine Erweiterung des Friedhofs aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nicht mehr möglich war, über den Standort eines zweiten Friedhofs nachgedacht. Pläne in diese Richtung wurden 2004 jedoch wieder fallen gelassen, als sich erstmals ganz deutlich der Trend hin zu mehr Feuerbestattungen gezeigt hatte und damit klar war, dass der Bedarf an Reihengräbern nicht weiter ansteigen würde. Eine Herausforderung für die Zukunft wird

Friedhof als Spiegel der Gesellschaft ist ein, wie Sabina Lusser ihn nennt, „lebendiger Ort“ – und das ist sicher kein Widerspruch zu seinem eigentlichen Zweck. Er ist dem zeitlichen Wandel unterworfen, seine Gestaltung den Bedürfnissen der Gegenwart und den Herausforderungen der Zukunft

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es sein, den Friedhof so zugänglich wie möglich für alle Bürger zu gestalten – und neue Trends der Trauer- und Erinnerungskultur rechtzeitig abzuschätzen. So trist die Novemberstimmung auch sein mag: Ein Gang über den herbstlichen Friedhof mit seinen brennenden Lichtern und geschmückten Gräbern lässt auf eindrucksvolle Weise deutlich werden, wie nah uns die Verstorbenen eigentlich sind. Sie sind – seit Jahrhunderten und an einem würdigen Ort – mitten unter uns in Brixen.

johanna.Bampi@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info


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Politik & Gesellschaft

Edith Stein – die Patronin Europas Philosophin und Wissenschaftlerin, Jüdin, Ordensfrau, eine Heilige des 20. Jahrhunderts, Patronin Europas – die neu gestaltete Kapelle in der Cusanus-Akademie trägt ihren Namen. Aber wer war Edith Stein?

zunächst das Studium der Germanistik und Geschichte, wandte sich aber schon bald verstärkt der Philosophie zu.

Eine Suchende. Bereits an der

Universität war Edith Stein eine Suchende. Von ihrem Kinderglauben hatte sie sich zu diesem Zeitpunkt längst distanziert: „Ich habe mir das Beten ganz bewusst und aus freien Entschlüssen abgewöhnt“, sagte sie dazu später. Fasziniert war sie vom Ansatz des Philosophen Edmund Husserl, einem der führenden deutsch-

Katholikin und Pädagogin: Edith Stein konvertierte 1922 zum Katholizismus; zehn Jahre später trat sie in den Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen ein

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dith Stein wurde am 12. Oktober 1891 in Breslau geboren – einem besonderen Tag. Ihre Familie feierte Jom Kippur, das Versöhnungsfest und zugleich der höchste jüdische Feiertag. Edith war das jüngste Kind ihrer Eltern. Ihr Vater, ein

wohlhabender Holzhändler, starb, als sie zwei Jahre alt war. Ihre Mutter führte das Unternehmen weiter. Edith wurde vorzeitig eingeschult und erzielte in der Schule besonders gute Leistungen. Nach ihrem Abitur 1911 begann sie an der Universität in Breslau

vieler junger Menschen miterleben musste. Trotz des Krieges war es Edith Stein schließlich möglich, ihr Philosophiestudium wieder aufzunehmen. Sie folgte Edmund Husserl an die Universität Freiburg im Breisgau und arbeitete bis 1918 als seine Assistentin. Obwohl sie mit Auszeichnung promovierte, blieb ihr eine wissenschaftliche Karriere verwehrt: Eine Habilitation war ihr zunächst als Frau, später – im antisemitischen Deutschland – als Jüdin nicht gestattet.

„Der Nächste ist nicht der, den ich mag. Er ist ein jeder, der mir näher kommt – ohne Ausnahme“_ Edith Stein (1891–1942) sprachigen Philosophen. 1913 wechselte sie den Studienort und ging nach Göttingen, um direkt bei Husserl zu studieren. Der Erste Weltkrieg veränderte auch ihr Leben: Sie arbeitete zunächst in einem österreichischen Feldlazarett, wo sie Kranke pflegte, aber auch das Sterben

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Die Katholikin und Pädagogin. 1921 sollte ein besonderes Jahr für Edith Stein werden: Bei einem Besuch bei Freunden entdeckte sie die Autobiografie von Theresa von Ávila und begann, darin zu lesen. „Ich war sofort gefangen und hörte nicht mehr auf bis zum Ende“, schrieb Edith Stein später

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über dieses einschneidende Erlebnis. Das Buch sowie verschiedene persönliche Begegnungen bewegten Edith Stein. Sie konvertierte zum Katholizismus und wurde am 1. Januar 1922 getauft, bald darauf gefirmt. Eigentlich verspürte Edith Stein den Wunsch, als Ordensfrau – wie Theresa von Ávila – ihr Leben ganz in den Dienst Christi und der Menschen zu stellen. Doch ihre geistlichen Gesprächspartner, darunter der Generalvikar Joseph Schwind von Speyer, empfahlen ihr vorerst ein weltliches Leben als Lehrerin in Speyer. Neben der Unterrichtstätigkeit unternahm Edith Stein ausgedehnte Vortragsreisen, vor allem zu Frauen- und Erziehungsthemen. 1932 als Dozentin an das Deutsche Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster gerufen, bereitete die Machtübernahme der Nationalsozialisten ihrer dortigen Lehrtätigkeit ein Ende. Schon im Frühjahr 1933 wandte sich Edith Stein mit einem Brief an den damaligen Papst Pius XI. mit der Bitte, gegen die Verfolgung der Juden zu protestieren. Weitere Schreiben sollten folgen. Doch ihre Hoffnungen auf eine offene

Stellungnahme des Vatikans erfüllten sich nicht.

Die Ordensfrau. Noch im Jahr

1933 trat Edith Stein in den Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen in Köln ein und nahm den Ordensamen Teresia Benedicta a Cruce an. Ihre Hauptaufgabe im Kloster blieb die geistige und wissenschaftliche Arbeit. Ende 1938 mussten Edith Stein und ihre Schwester Rosa, die ebenfalls zum Katholizismus übergetreten war und im Karmel von Köln lebte, in den Karmel nach Echt fliehen. Mit der Besetzung der Niederlande durch Deutschland sollte sie jedoch auch dort die Bedrohung durch den Antisemitismus einholen. Als im Juli 1942 die Deportation der Juden in den Niederlanden begann, äußerte sowohl die reformierte als auch die katholische Kirche der Niederlande offen und massiv Kritik. Darauf verhaftete die Gestapo Hunderte von zum Katholizismus konvertierten ehemalige Juden – bereits am 2. August 1942 auch Edith und Rosa Stein. Nur wenige Tage später wurden die beiden Schwestern in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau depor-

Bild der jungen Edith Stein tiert und wohl gleich nach ihrer Ankunft am 9. August 1942 in der Gaskammer ermordet.

Das Nachleben. Edith Stein hin-

terließ zahlreiche Schriften, von denen einige erst posthum erschienen sind. 1987 wurde Teresia Benedicta a Cruce von Papst Johannes Paul II. selig-, 1998 heiliggesprochen und 1999 zusammen mit Birgitta von Schweden und Katharina von Siena zu einer der Schutzheiligen Europas erklärt. Sie gilt als universale Brückenbauerin zwischen Christen und Juden: „Der Nächste ist nicht der, den ich mag. Er ist ein jeder, der mir näher kommt – ohne Ausnahme.“

Die Kapelle in der CusanusAkademie. Die Kapelle in der

Cusanus-Akademie in Brixen ist der bisher einzige liturgische Ort in Südtirol, der den Namen von Edith Stein trägt. Der Bildhauer Lois Anvidalfarei aus Abtei hat die Kapelle künstlerisch neu gestaltet. Sie wurde, wie er selbst sagt, „zu einem starken Raum, wo sich Liturgie mit Freude feiern lässt.“ Die Reliquie Edith Steins in der Kapelle ist ein Stück jenes Kleides, das sie bei ihrer Einkleidung im Kölner Karmel getragen hatte. johanna.bampi@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

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Politik & Gesellschaft

Bürgermeister Peter Brunner (SVP)

Vize-Bürgermeister Alberto Conci (PD)

Andreas Jungmann (SVP)

Bettina Kerer (SVP) BRIXEN

Zur Hälfte erneuert Seit einigen Tagen ist es amtlich: Die neue Brixner Stadtregierung besteht aus Bürgermeister Peter Brunner, Andreas Jungmann, Thomas Schraffl, Monika Leitner, Peter Natter, Bettina Kerer (alle SVP) und Alberto Conci (PD). Der „Brixner“ erklärt, wie es zu dieser Auswahl kam.

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m Vergleich zu den anderen Städten Südtirols könnte man die politische Diskussion zur Entscheidung, wer nach den Gemeinderatswahlen in den Stadtrat entsandt wird, direkt als harmonisch bezeichnen. Das liegt natürlich vor allem am überwältigenden Wahlergebnis der Südtiroler Volkspartei, die 59,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte und damit ein historisches Ergebnis einfuhr. Bei diesem Ergebnis wusste jede der anderen Parteien, dass ihr grundsätzlich die Kraft fehlen würde, einer Entscheidung der SVP etwas entgegenzusetzen. De facto gibt es im Brixner Gemeinderat in den kommenden fünf Jahren keine Partei, die von sich behaupten kann, dass sie allein eine starke Opposition darstellen würde, denn neben der SVP, die 16 der 27 Sitze hat, gibt es nicht weniger als acht Parteien, von denen drei jeweils zwei und fünf nur einen Gemeinderat stellen. Theoretisch hätte die SVP mit diesem Ergebnis auch können auf einen Koalitionspartner verzichten, wenn es nicht die Regel geben würde, dass der Stadtrat dasselbe Sprachgruppenverhältnis aufweisen muss wie der Gemeinderat – was auch absolut richtig ist, denn schließlich soll die italienische Sprachgruppe, die in Brixen etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung darstellt,

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ebenfalls eine direkte Vertretung in der Stadtregierung haben. Also suchte Bürgermeister Peter Brunner bereits wenige Tage nach seiner Wahl das Gespräch mit allen Parteien und versuchte dabei zu eruieren, wer von ihnen zu einer Koalition bereit wäre. Wie bei jeder Brautschau, braucht es auch in der Politik für eine möglichst harmonische Ehe eine gemeinsame Zielsetzung und ähnliche Denkweisen.

Sondierungsgespräche mit allen Parteien. In Brixen hatten die

Kleinparteien mit deutschsprachigen Gemeinderäten naturgemäß schlechte Karten, und offenbar hielt sich die Attraktivität der Bräute auch in Grenzen. Auch wenn in einigen Bereichen ziemlich anders denkend als die SVP, wäre das Team K aus heutiger Sicht vielleicht ein möglicher Partner gewesen, wenn es anstelle von Ingo Fink einen italienischen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt hätte, der als Folge davon heute im Gemeinderat sitzen würde. Alessandro Montoro hat aber seinerzeit abgelehnt und lediglich für den Gemeinderat kandidiert. Beim Team K war er am Ende zwar der zweitgewählte hinter Sabine Mahlknecht, da aber seine Partei nur zwei Gemeinderäte stellt und der Bürgermeisterkandidat jeder Partei den jeweils zweiten Sitz bekommt, kam Montoro

nicht zum Zug. Theoretisch hätte Mahlknecht oder Fink das Amt ablehnen können, um Montoro nachrücken zu lassen, aber Montoro wäre für den Stadtrat sowieso nicht in Frage gekommen, weil er erklärt hatte, dass er sich auch in Zukunft auf seine große Leidenschaft als Lehrer und Vizedirektor der Oberschulen Fallmerayer konzentrieren will. Die Grüne Bürgerliste denkt mit Wehmut an die Zeiten zurück, als sie in Brixen noch eine sehr ernstzunehmende Kraft war: 2005 hatte sie noch acht (von damals 35) Gemeinderäten gestellt, 2010 waren es noch vier, 2015 drei und heuer zwei Gemeinderäte. Als Koalitionspartner kam sie schon allein deshalb nicht in Frage, weil man sich in der SVP noch mit sehr gemischten Gefühlen an die „Ehestreitigkeiten“ von 2010 bis 2015 zurückerinnert, als die Grüne Bürgerliste Teil der Stadtregierung war. Dem entsprechend war das Gespräch des Bürgermeisters mit Markus Frei und Verena Stenico zwar sehr freundlich, aber eher kurz. Die Freiheitlichen mit Egon Gitzl haben die Weiterführung ihrer themenabhängigen Unterstützung von außen in Aussicht gestellt; Gitzl hatte schon in den vergangenen fünf Jahren wertschätzend festgestellt, dass Peter Brunner bei den wichtigen Themen immer alle Oppositionskräf-

te eingebunden hatte, was dazu geführt hat, dass die Diskussionen im Gemeinderat und die entsprechenden Sitzungen viel kürzer waren als in der vorangegangenen Amtszeit.

Die möglichen Koalitionspartner. Die italienische Politszene auf

Gemeindeebene ist seit sehr vielen Jahren ein zerstrittener Haufen; nicht weniger als vier Parteien gibt es, von denen lediglich der PD zwei Gemeinderäte stellt, eine davon deutschsprachig; alle anderen sind One-Man-Shows. Das ist also der Teich, aus dem die SVP ihren Koalitionspartner herausfischen konnte, wobei sich Antonio Bova selbst ins Knie schoss, indem er diesmal auf der Liste „Fratelli d’Italia“ der deklarierten Autonomiefeindin Giorgia Meloni kandidierte – verständlicherweise ein No-Go für die SVP. Während Bovas Fangemeinde bei jeder der vergangenen Gemeinderatswahlen in etwa gleich blieb, waren die drei restlichen Parteien ausnahmslos enttäuscht vom Ergebnis. So hatte sich die Lega natürlich nicht erwartet, dass der Stern Salvinis auch auf lokaler Ebene so schnell in die Bedeutungslosigkeit absinken würde. Der frischgebackene Lega-Gemeinderat Angelo Baffo kam schon deshalb als Stadtrat nicht in Frage, weil er ein vollkommen unbeschriebenes Blatt ist.


Monika Leitner (SVP)

Peter Natter (SVP)

Also blieben – wieder einmal – nur die nach wie vor von Dario Stablum dirigierte Liste „Insieme per Bressanone“, die mit Maurizio Sabbadin einen Gemeinderat stellt, und der von Carlo Costa dirigierte PD, der zwei Gemeinderäte hat: Costas Ehefrau Renate Prader war Bürgermeisterkandidatin, der meistgewählte Kandidat war Alberto Conci. Wenn allein die Repräsentativität der italienischen Sprachgruppe zählen würde, wären beide Parteien also gleich stark.

Mögliche Dreierkoalition gescheitert. Peter Brunner tat im Interesse der italienischen Sprach-

linguistico.“ Er übernimmt größtenteils die Kompetenzbereiche seines Vorgängers Claudio Del Piero, also Rechnungswesen und Finanzen, Steuern, Gebühren und Vermögen, italienische Schule und Kultur, italienisches Vereinswesen sowie die Beziehungen zu den Ordnungskräften. Für die nächsten Jahre wünscht er sich eine Annäherung der moderaten italienischen Parteien: „Dobbiamo fare squadra per dare una voce più forte alla comunità italiana.“

Thomas Schraffl (SVP)

gruppe das einzig Richtige: Er versuchte eine Dreierkoalition mit Insieme und PD. Dummerweise können die beiden Listen nicht miteinander. Brunner versuchte es in mehreren Gesprächen, die eigentlich inhaltlich ähnlichen Listen von einem gemeinsamen Weg zu überzeugen, aber Hund und Katz zusammenzubringen war nun doch eine zu große Herausforderung für den Bürgermeister. Am Ende entschied sich die SVP für das Bewährte und wählte den PD; damit war Alberto Conci Vizebürgermeister. Ob er es aber bleiben wird? Conci ist Direktor der italienischen Berufsschule Enrico Mattei, was

eigentlich unvereinbar ist mit der Position eines Stadtrats. In der Gemeinderatssitzung erklärte er, er werde diese Unvereinbarkeit aus dem Weg schaffen; im Moment prüfen Rechtsanwälte, ob und wie dies geschehen soll: „La normativa è veramente complessa“, sagt er dem „Brixner“, „ci stiamo lavorando in questi giorni, sperando di arrivare a una soluzione.“ Ansonsten freut sich Conci auf die kommenden fünf Jahre und vor allem darauf, Teil des Teams Brunners zu sein: „Mi sembra una squadra collaudata, competente, valida ed energica, che ha voglia di lavorare bene per la città senza guardare il gruppo

Die SVP-Stadträte. Gleichzeitig

mit den Koalitionssondierungen machte sich der Bürgermeister natürlich auch Überlegungen, wer von den SVP-Gemeinderäten als Stadtrat in Frage kommen könnte. Die erneute Nominierung von Thomas Schraffl und Andreas Jungmann stand aufgrund ihres Wahlergebnisses von vorneherein fest, und auch Monika Leitners zweite Amtszeit stand nicht zur Diskussion. Paula Bacher schied aufgrund der Mandatsbeschränkung aus, musste also ersetzt werden. Die Zuständigkeitsbereiche des Bürgermeisters bleiben in etwa dieselben: Wirtschaft, Zivil-

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Foto: Oskar Zingerle

Politik & Gesellschaft

In der zweiten Sitzung des neuen Brixner Gemeinderats wurde die Zusammensetzung des neuen Stadtrats beschlossen schutz, Bauleitplan, Haushalt mit Bilanzänderungen, Veranstaltungslizenzen, Energie, Stadtwerke und öffentliche Beteiligungen, demografische Dienste und die Partnerstädte. Neu dazugekommen ist die Landwirtschaft – dazu aber später. Die größte Herausforderung in den nächsten fünf Jahren stellt für Brunner die Abfederung der Covid-19-Folgen auf die Wirtschaft dar: „Wir müssen bestmöglich auf diese schwierige Situation reagieren und im Rahmen unse-

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rer Möglichkeiten die Wirtschaft stützen.“ Thomas Schraffl bleibt Stadtrat für Mobilität, Ortspolizei, technischer Dienst und öffentliche Arbeiten – „die Fahrradmobilität ist als eigenes Thema definiert worden, weil in den nächsten Jahren dieser Bereich große Bedeutung erlangen wird.“ Ebenfalls als eigener Bereich definiert wurde die Südspange, die damit den Mittelanschluss als Thema ersetzt, der ja inzwischen realisiert wurde. „Genauso wie vor fünf Jahren beim Mittelanschluss, hoffen wir nun auch für die Südspange, dass wir in den nächsten fünf Jahren zum Ziel kommen.“ Diese Amtszeit bezeichnet er als „spannend, vor allem in Bezug auf den Mobilitätsplan.“ Auch im Bereich der öffentlichen Bauten gebe es noch viel zu tun: „Musikschule und Bibliothek sind auf der Zielgeraden, aber in den nächsten Jahren gilt es, die Tennisplätze nach Milland zu verlegen, damit das Priel-Areal gestaltet werden kann.“ Andreas Jungmann führt weiterhin die Bereiche Urbanistik, geförderter und sozialer Wohnbau, Sport und Sportanlagen; von Paula Bacher übernimmt er nun auch das Personal – ein spannender Bereich, dem Jungmann als Unternehmer gewachsen sein dürfte: „Ich werde mir die Mitarbeiterstruktur gut anschauen; möglicherweise gibt es hier Handlungsbedarf.“ Auch Monika Leitner behält ihre bisherigen Zuständigkeiten: deutsche Schulen, Kindergärten und Kinderhort, deutsche Kultur, Bibliothek, Inklusion, Integration und Chancengleichheit. Hinter Paula Bacher, die mit 1.439 Vorzugsstimmen wieder ein phänomenales Ergebnis einfuhr, war Bettina Kerer die meistgewählte Frau, aber auch Sara Dejakum hätte sich anfangs

zur Verfügung gestellt. Am Ende hat sie aber verzichtet, weil sie befürchtete, dass ihr Beruf als Hotelmanagerin mit dem Amt einer Stadträtin zeitlich nicht zu vereinbaren wäre. Dejakum wäre für Brunner wohl deshalb eine Option gewesen, weil damit eine junge Gemeinderätin zum Zug gekommen wäre. Die SVP hatte ja bei diesen Wahlen überraschend viele junge Kandidaten auf der Liste, und dem Bürgermeister war es wichtig, dass sich dies auch auf den Stadtrat auswirken würde. Damit war der Weg frei für den ebenfalls jungen Peter Natter, der mit 908 Stimmen ein Ergebnis einfuhr, das vor allem ihn selbst vollkommen überraschte: „Es ist ein gewaltiges Gefühl, mit 28 Jahren das Amt eines Stadtrats einnehmen zu dürfen. Es ist eine Riesenfreude, verbunden mit einem großen Verantwortungsgefühl“, sagt er dem „Brixner“, „ich werde mein Bestes geben, dieser Aufgabe gerecht zu werden.“ Natter ist für die Bereiche Jugend und Jugendrat, Freizeitanlagen (Kinderspielplätzte, Bolzplätze) und Trendsportarten, Innovation und Digitalisierung, Telekommunikation und Kommunikation, Europa, Fraktionen, Umwelt und Nachhaltigkeit zuständig – da gibt es also eine Menge zu tun. Seinen Job als Mitarbeiter im Ressort von Landesrat Philipp Achammer schraubt er auf Teilzeit zurück: „Ich werde von Montag bis Mittwoch Mittag in Bozen arbeiten, ab Mittwoch Nachmittag bis zum Wochenende bin ich hingegen in Brixen.“ Nach der Absage Dejakums nominierte Brunner Bettina Kerer, die die Bereiche Verwaltung, Ehrenamt, Vereinswesen im Bereich Freizeit und Familie, Fürsorge, Bürgerheim und betreutes Wohnen sowie Grünanlagen, Bauhof

und Stadtgärtnerei übernimmt. „Aufregend, spannend! Voller Vorfreude gehe ich an die Arbeit“, sagt die quirlige Neo-Stadträtin dem „Brixner“, „ich freue mich darauf, den Leuten in ihren Anliegen zu helfen.“ Natürlich brauche es eine gewisse Zeit, „bis ich einen Überblick habe und in dieser neuen Aufgabe angekommen bin“, sagt Kerer, „aber ich verspreche, mich da ordentlich reinzuknien.“ Die größte Herausforderung der nächsten Jahre sieht Kerer im Sozialwesen: „Die Corona-Pandemie hat vor allem auf Familien oft gravierende Auswirkungen.“ Besonders freue sie, dass Paula Bacher ihr „kräftig unter die Arme greift. Ich bin sehr dankbar dafür, dass sie mir in der Anfangsphase hilft; Paula ist ‚volle nett‘.“

Landwirtschaft wird zur „Chefsache“. Damit entspricht die Aus-

wahl Peter Brunners de facto dem Wählerwillen: Die fünf SVPGemeinderäte mit den meisten Vorzugsstimmen kommen zum Zug. Der einzige wahre Verlierer dabei ist Sepp Unterrainer, der in die Konstellation nicht mehr gepasst hat: Auf Kerer konnte der Bürgermeister nicht verzichten, weil es neben Monika Leitner eine zweite Frau brauchte, und auf Natter wollte er nicht verzichten, weil die Jugend unbedingt auch im Stadtrat vertreten sein sollte. Damit hat die Landwirtschaft im Brixner Stadtrat keinen direkten Vertreter mehr – ein Novum in der Stadtregierung. „Die Landwirtschaft wird zur Chefsache“, beruhigt der Bürgermeister, „außerdem wollen wir die Gemeinderäte des Plosebergs und vom Pfeffersberg aufwerten, damit sie zur Schnittstelle werden.“ willy.vontavon@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info


Politik & Gesellschaft

NATZ-SCHABS

Bewährtes fortführen Der Gemeindeausschuss in Natz-Schabs wird bis auf eine Position unverändert bleiben. Während die Lage bei der SVP somit relativ ruhig ist und man sich auf die anstehenden Herausforderungen vorbereitet, gab es gleich mehrere Paukenschläge bei der Bürgerliste.

A

lex Überbacher und sein Team fuhren bei den Gemeinderatswahlen einen deutlichen Wahlsieg ein. So hat Bürgermeister Überbacher erwartungsgemäß auch wenig an der Zusammensetzung des Gemeindeausschusses verändert; lediglich Hubert Rienzner, der bereits angekündigt hatte, aus beruflichen Gründen nicht mehr im Ausschuss arbeiten zu wollen, wurde ersetzt – und zwar durch Arnold Plank, der wie Rienzner aus Aicha stammt. Neben Alex Überbacher sind weiterhin im Ausschuss: Helmut Plaickner aus Natz, Georg Zingerle aus Schabs sowie Carmen Jaist aus Raas. „Damit sind die Fraktionen angemessen im Ausschuss vertreten, und auch der Frauenquote ist Rechnung getragen“, so Überbacher. „In erster Linie habe ich die Kandidaten mit den meisten Vorzugsstimmen berücksichtigt und so dem Wählerwillen entsprochen. Das Amt des Vizebürgermeisters übernimmt, wie bereits die letzten zweieinhalb Jahre, Helmut Plaickner“, erklärt der Bürgermeister. Die Ressorts verteilte Überbacher mehr als bisher nach Fachgebieten. Lediglich die öffentlichen Gebäude betreut jeder Referent für seinen Ort.

Chaos bei der Bürgerliste. We-

niger harmonisch ist offenbar bereits der Wahlkampf bei der Bürgerliste verlaufen, wie sich jetzt herausstellt. Bürgermeisterkandidat Franz Vitroler ist nach der Wahl überraschend zurückgetreten. Stein des Anstoßes war eine von der Bürgerliste veröffentlichte, zwölf Seiten umfassende Broschüre, deren Inhalt sich im Wesentlichen darauf beschränkte, die bekannten Kritikpunkte der letzten Jahre gegenüber der SVP zu wiederholen. Nur eine der zwölf Seiten widmet sich der zukünftigen inhaltlichen Ausrichtung. Als Vitroler, der in die Erstellung der Broschüre offensichtlich nicht einbezogen worden war, einen Andruck zur Kenntnis er14

Der neue Ausschuss in Natz-Schabs: (v. l.) Carmen Jaist, Helmut Plaickner, Arnold Plank, Bürgermeister Alex Überbacher und Georg Zingerle hielt, war er mit dem Inhalt nicht einverstanden und wollte entsprechende Änderungen anbringen. Er hätte die Kosten dafür sogar aus eigener Tasche bezahlt. Allerdings teilte seine Liste ihm mit, dass die Broschüre bereits verteilt sei und seine Intervention zu spät komme. Vitroler macht keinen Hehl daraus, mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden gewesen zu sein, begründet seinen Rücktritt aber offiziell mit der Enttäuschung über das schlechte Wahlergebnis: „Ich akzeptiere den Willen der Wähler, die mehrheitlich den Kandidaten der SVP den Vorzug gegeben haben. Mein Rücktritt ist die Konsequenz daraus. Das Minimalziel, Stimmen für die Bürgerliste dazuzugewinnen, habe ich nicht erreicht, sondern im Gegenteil Sitze verloren“, sagt Vitroler. Seine Position im Gemeinderat wird durch den nächstgewählten Kandidaten Michael Zöbl nachbesetzt.

Unvereinbarkeit Unterkirchers. Der Wurm scheint sich allerdings

tiefer in den Bürgerlisten-Apfel gefressen zu haben. Bei der konstituierenden Sitzung des Gemeinderates zweifelte Helmut Plaickner die Wählbarkeit von Andreas Unterkircher an. Unterkircher bekleidet nämlich nach wie vor die Stelle des Gemeindesekretärs in Natz-Schabs und bezieht als solcher die vollen monatlichen Sekretärsbezüge – wenn auch in Freistellung für gewerkschaftliche Tätigkeit. Zu seiner Verteidigung führte Unterkircher ins Feld, dass aufgrund der Freistellung keine Unvereinbarkeit bestehe. Bei der Abstimmung stimmten die Räte der Bürgerliste für die Vereinbarkeit Unterkirchers und die SVP mit 10 Stimmen dagegen. Die Dörferliste enthielt sich der Stimme. Somit schied auch Andreas Unterkircher aus dem Gemeinderat aus, wogegen er keinen Rekurs einreichen wird – „um der Gemeinde die Kosten für einen weiteren Rechtsstreit zu ersparen“, wie er in den Medien verlautbaren ließ, oder, „weil er weiß, dass er damit nicht durchkommt“, wie Bürgermeister Alexander Überba-

cher sagt. Unterkirchers Sitz im Gemeinderat hätte von Florian Tröbinger, Ehemann der zweitgewählten Bürgerlistlerin Elisabeth Baumgartner Tröbinger, nachbesetzt werden sollen – „hätte“, denn Tröbinger legte sein Mandat nieder – möglicherweise, um die Liste nicht dem Vorwurf auszusetzen, es handle sich um eine innerfamiliäre Angelegenheit der Tröbingers. Die entsprechende Anfrage des „Brixner“ an die Bürgerliste blieb jedenfalls unbeantwortet. Wegen des Rücktritts von Tröbinger käme die nächstgewählte Kandidatin Deborah Casale Goggi zum Zug – aber auch sie hat schriftlich niedergelegt. Der siebtgewählte Kandidat Michael Baumgartner wird somit Unterkirchers Stelle besetzen. Somit vertreten Elisabeth Baumgartner Tröbinger, ihr Schwiegersohn Michael Zöbl und ihr Neffe Michael Baumgartner die Bürgerliste im Gemeinderat. oskar.zingerle@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info


Das sind Vรถgel.

Foto: GettyImages, Nice Kim


51 aus 750 Mit seinem Werk „Mühlbach bei Franzensfeste – 1897–1947“ hat ARMIN MUTSCHLECHNER nicht nur einen Beitrag zum 750-Jahr-Jubiläum der Markterhebung Mühlbachs geleistet, sondern einen bleibenden Wert geschaffen, der einen festen Platz in der kollektiven Identität der Mühlbacher einnehmen wird.

Akribische Kleinarbeit. Aus der

Zeit von 1897 bis 1947 existieren zahlreiche Dokumente, Fotos und Zeitungsausschnitte. Armin Mutschlechner hat einen Teil davon in akribischer Kleinarbeit zusammengetragen und konnte unter anderem bei Peter Franz Pertinger, Rudi Steger und der Familie Wiegle auf einen reichhaltigen Fundus enorm wertvollen Materials zurückgreifen. Im Laufe seiner fast zweijährigen Arbeit hat sich Mutschlechner zu einem enthusiastischen Experten entwickelt: keine Begegnung im Dorf, ohne dass er nicht begeistert von seinen neuesten Erkenntnissen berichtete. Das nun erschienene Buch offenbart, wie tief der Autor tatsächlich in die Materie eingetaucht ist. Er hat die gesammelten Artefakte zugeordnet, sortiert und mit anderen Quellen – etwa dem Gemeindearchiv – kombiniert. Seine Interpretationen und Schlussfolgerungen erschließen dem Leser die tieferen Zusammenhänge der damaligen Zeit, in der Mühlbach ein touristischer Hotspot des Landes war. Das Ehepaar Roman Steger und Maria Spörr hob den Marktflecken mit ihrem Hotel Sonne und dem Bad Bachgart in eine Liga etwa mit 16

Toblach und Karersee mit seinen Grandhotels. Heute, nur 120 Jahre später, wissen die meisten Mühlbacher gar nichts mehr über diese Glanzzeit.

Ein paar Appetithappen aus „Mühlbach bei Franzensfeste“: 1903 Foto: Armin Mutschlechner

1269 wurde Mühlbach zum Markt erhoben. 750 + 1 Jahr später feiert der Markt dieses Jubiläum mit diversen, über das Jahr verteilten Initiativen. Eine davon ist die Herausgabe eines Buches mit historischem Inhalt: Autor Armin Mutschlechner ist kein „studierter Historiker“, wie er selbst einräumt, aber sein Einsatz hat sich als wahrer Glücksgriff erwiesen. Mutschlechner hat sich von Anfang an auf einen ganz bestimmten Zeitabschnitt der Geschichte seines Heimatortes konzentriert – die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, die ihm außergewöhnlich spannend erschien und von der er glaubt, dass zu viel aus dieser Zeit noch im Dunkeln liege.

Erstem Podestà nachgeweint. Nach dem ersten Weltkrieg brach das Steger-Imperium zusammen, und der Faschismus bestimmte das Denken und Handeln. Die Recherchen Mutschlechners ergaben, dass die Mühlbacher offensichtlich nicht so stark unter dem Faschismus gelitten haben, wie dies oftmals vermutet wird. Mit dem ersten Podestà Cesare Stocchetti (einem altösterreichischen Beamten) scheinen sich die Bürger ziemlich gut verstanden zu haben, wie ein veröffentlichter Nachruf zeigt. Die Bürgerkapelle wurde während des Faschismus nicht zwangsaufgelöst, sondern die Freude am Musizieren währte bis 1934 fort, gefolgt von zwei Jahren „Scheintod“ in Ermangelung an Mitgliedern. „Die Faschisten hingegen hatten Interesse, dass die Kapelle weiter musiziere, um bei faschistischen Aufmärschen eine gute Figur zu machen“, so Mutschlechner. Licht ins Dunkel bringt er auch zu den Vorfahren von Papst Benedikt XVI, die in Mühlbach die Hoandlmühle bewohnt haben. Nachdem diese 1879 von einem Hochwasser fortgerissen worden war, führten sie die Peintners bis nach dem 2. Weltkrieg als „Hoandlgut“ weiter. Kurzum: Das 312 Seiten starke Werk ist eine wahre Fundgrube für jeden Geschichtsinteressierten. Es arbeitet einen Teil jener Geschichte des Marktfleckens auf, der in vielen Bereichen noch auf die heutige Realität abstrahlt. Für die Dorfbewohner ist es identitätsstiftend und zukunftsweisend zugleich, denn wer – frei nach Helmut Kohl – „seine Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“ oskar.zingerle@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

Am 6. Oktober 1903 wird das Schulhaus „kollaudiert“ (Bauabnahme). Im Erdgeschoss sind die Klassenräume und im 1. Stock die Lehrerwohnung sowie der Raum für die Ratssitzungen. Die seitlichen niederen Zubauten

kommen erst beim Umbau des Theatersaales in den 1960er Jahren dazu; links der Technikraum für Filmprojektionen, rechts die Theaterbühne.

1906 Foto: Archiv Armin Mutschlechner

Politik & Gesellschaft

MÜHLBACH

Herzliche Grüße! Wer in jenen Jahren eine Postkarte mit Urlaubsgrüßen aus Mühlbach aufgibt, kann sicher sein, dass sie am

nächsten Tag in München, Wien oder Budapest beim Empfänger ankommt.


m o re t h a n i t se e m s Foto: GettyImages, Nice Kim

Das ist Grafikdesign.

Grafikdesign, Graphikdesign, das Gra|fik|de|sign – Substantiv, Neutrum, ohne Plural Bereich der Grafik, der mit Hilfe von Bild, Fotografie, Typografie und weiteren Grafikelementen bestimmte Informationsinhalte in eine Bildsprache umsetzt. (Duden)

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1910

Ab 1910 prägt ein hölzerner Steigerturm der Freiwilligen Feuerwehr das östliche Ortsbild. „Zum Baue des Steigerturms unserer freiw. Feuerwehr hat die

Marktgemeinde nichts beigetragen, sondern die Mittel hierzu wurden durch freiw. Spenden aufgebracht“, so der „Pustertaler Bote“ am 5. Mai 1911.

Foto: Sammlung Franz Pertinger

1913

Mediengestalter/-in gesucht!

Am 12. Oktober 1913 vom Brixner Kammerfotografen Rudolf Largajolli zur Jahrhundertfeier festgehalten; später mit Trikolore koloriert. Das Denkmal von 1913 wird (auch in Fachkreisen) fälschlich den kriegerischen Auseinandersetzungen von 1809 zugeordnet. Diese Lesart amputiert historische Fakten: 1809 gibt wenig Anlass

für glorreiche Feierlichkeiten. In mageren Worten: Die Tiroler haben Haue bekommen, Mühlbach wird geplündert. 1813 sind „wir“ hingegen siegreich an der Klause. Dieses Denkmal steht (wie viele) für Heldenmythen; die zivilen Opfer werden ausgeklammert. Verlag Kathi Lang, Mühlbach.

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Großes Staunen für Hüterbuben mit Ziege: Der Boxenstopp für den Personenbus der Marke „Saurer“ an der Mühlbacher Klause. Der Straßenbelag ist tadellos, Straßenverkehrsschilder oder Speedboxen sind Zukunftsmusik. Die Marktvorstehung sieht wenig praktischen Nutzen im Aufstellen von Schildern. Mit Ratsbeschluss vom

13. Juli 1913 lehnt man „die Aufstellung von Warntafeln für den Automobilverkehr auf der Reichsstraße durch den Ort, bzw. die Übernahme der Kosten für solche“ ab, „mit der Begründung, daß Automobilfahrer, welche die bestehenden gesetzlichen Vorschriften nicht einhalten, auch Warntafeln nicht beachten werden.“


PR-Info

Foto: Armin Mutschlechner

1923

Ausgemusterte Grabsteine aufgelassener Gräber von Personen und Familien, deren Ahnen mitunter über Generationen in Mühlbach sesshaft waren. Es sind steinerne Artefakte, an denen Geschichte abgelesen werden kann und deren kultureller Wert leider unterschätzt wird – ganz im Gegensatz zur Wertigkeit der historischen Grabsteine an der Pfarrkirche. Erhalten haben sich unter anderem die Bildnisse des letzten Gerbers, eines Mühlenbauern, jenes Tischlers, nach dem das „Gattra-Haus“ benannt ist, oder der „Rastner-Polde“ und ihrer Mutter

„Krämerin-Jule“. Einen Grabstein entsorgen bedeutet Geschichte auslöschen; ein wesentlicher Teil der Volkskultur geht dabei unwiederbringlich verloren. Daher das Plädoyer des Herausgebers nicht nur an die Dorfgemeinschaft Mühlbach: „Erhalten wir alte Grabsteine von gewöhnlichen Sterblichen für die Nachkommen als Zeitzeugnis! Meinem Vater Willi Mutschlechner (*1943), dem rührigen Friedhofsgärtner, bin ich dankbar, dass er obiges Kulturgut für die Nachwelt im Ortsfriedhof erhalten hat.“

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Als begabte Schülerin wird Martha Thum (*1928), die Tochter des Schlossers Leonhard Thum (Hausnummer 121), nach Feldkirch geschickt und besucht dort die Lehrerbildungsanstalt. Martha war von Juli bis September 1943 auf Sommerferien in Mühlbach und reiste dann wieder nach Feldkirch. Am 1. Oktober ertönte in Feldkirch kurz vor 13 Uhr Flieger-

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alarm. Nach den Bombenabwürfen waren in Marthas Schülerheim 41 Schülerinnen und vier Lehrerinnen tot, darunter zahlreiche Südtiroler Mädchen. Martha wurde in einem Treppenhaus verschüttet und erstickte; sie wurde nach Mühlbach überführt und hier am 15. Oktober begraben.

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Aus Brixlegg in Tirol stammte Wilhelm Hausberger. Er kam Anfang der 1880er Jahre als Forstwart nach Mühlbach. Seine einzigen Spuren finden sich im Ortsfriedhof, wo am Grabstein aber nichts zum Hintergrund der Person angeführt ist. Er heiratete dreimal: im Juni 1886 die Mühbacher Hausbesitzerin Maria Unterweger (Windisch, Hausnummer 80), im Februar 1889 die „AtzwangerKellnerin“ (Hausnummer 78) Magdalena Wierer aus Tschötsch und im Juli 1893 Rosa Pörnbacher aus Getzenberg/Kiens. Aus erster Ehe stammen zwei Kinder, aus der zweiten vier und aus der dritten

Foto: Armin Mutschlechner / Sammlung Edith Brugger

1925

acht. Von den 14 Kindern werden sechs nicht älter als zweieinhalb Jahre.

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Hilfsaktion zum Advent z Eine besonders sympathische Spendenaktion haben sich die Südtiroler Lions-, Rotary- und Rotaract-Clubs für die kommende Adventzeit ausgedacht: Sie drucken 10.000 Adventskalender, hinter dessen 24 Türchen sich insgesamt 129 Sachpreise im Wert zwischen 80 und 3.000 Euro befinden. Jeder Adventskalender trägt rechts unten eine

eigene Losnummer; die Auslosung der 129 Sachpreise erfolgt zwar bereits Ende November, aber die Gewinnernummern werden ab 1. Dezember Tag für Tag veröffentlicht, unter anderem auf der Homepage www.adventskalender2020.it. Die Kalender werden um 5 Euro verkauft, wobei der gesamte Erlös – also im besten Fall 50.000 Euro – für wohltätige Zwe-

2020

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cke verwendet wird, in erster Linie für die Hilfsorganisation „Südtirol hilft“. Die Initiative wird von zahlreichen Sponsoren unterstützt, die die Kosten der Aktion tragen. In

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diesen Tagen gelangt der Kalender in den Verkauf – unter anderem in den drei Geschäftsstellen der Naturbackstube Profanter in Brixen und Vahrn. wv

Politik & Gesellschaft BRIXEN

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Politik & Gesellschaft

BRIXEN / SÜDTIROL

Neue Regeln für Rollerfahrer z Die Elektroroller sind im Straßenverkehr mittlerweile weit verbreitet – auch in Brixen. „Fahren wie die Wilden“ ist damit aber nicht erlaubt, denn wer mit dem E-Roller unterwegs ist, muss sich natürlich auch an die Vorschriften halten. Nach einer zweiwöchigen Sensibilisierungskampagne, die die Brixner Ortspolizei durchgeführt hat, wird es nun ernst: Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit hohen Strafen rechnen. Die Roller dürfen eine maximale Leistung von 50 Ki-

kurz

notiert

20

lowatt nicht überschreiten und dürfen nicht von Jugendlichen unter 14 Jahren gefahren werden. Städtische Straßen, für die eine Höchstgeschwindigkeit von über 50 Stundenkilometern gilt, sind tabu. Außerhalb der Ortszentren darf nur auf Radwegen gefahren werden. Wer gegen diese Regeln verstößt, muss mit einer Geldstrafe

zwischen 50 und 800 Euro sowie mit einer Beschlagnahme und Zerstörung des Rollers rechnen. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit der Roller liegt übrigens bei 25 Stundenkilometern auf Straßen und Radwegen; in Fußgängerzonen sind es maximal 6 Stundenkilometer. Der Roller muss auch über Vorder- und Rücklicht

verfügen, das bei Schlechtwetter und Dunkelheit eingeschaltet wird. Minderjährige müssen einen Helm tragen, die Hände müssen frei sein, und keine weiteren Passagiere dürfen befördert werden. Zudem müssen auch all jene Regeln eingehalten werden, die für Fahrräder gelten. eh

Bis zum 29. Jänner können innovative gemeinnützige Projekte und Organisationen für die fünfte Ausgabe des Wettbewerbs „Werte mit Herz“ der Raiffeisenkasse Eisacktal nominiert werden. Eine Jury wählt aus den eingereichten Nominierungen die Siegerprojekte aus.

Die Videoüberwachung in der Stadt Brixen soll weiter ausgebaut werden. Rund 90 Positionen wurden vor kurzem ausgemacht, die aufgrund ihrer Sensibilität für eine Überwachung in Frage kommen könnten. Die Aufzeichnungen der Kameras an strategisch wichtigen Punkten sollen zur Aufklärung von Straftaten beitragen.

Künftig führen die Gemeinden Brixen und Lüsen das Steueramt und die Servicestelle für Bau- und Landschaftsangelegenheiten gemeinsam. Aufgrund der Komplexität der Abläufe ist eine zwischengemeindliche Zusammenarbeit sinnvoll; – organisatorische Abläufe können damit optimiert werden.


NACHGEFRAGT

„Es geht um Chancengleichheit“ CHRISTIAN WALCHER, Schulinspektor am Deutschen Bildungsressort, über das fakultative Nachmittagsangebot an den Brixner Grundschulen – und über dessen Umsetzung. Herr Walcher, warum ist das Nachmittagsangebot an den Südtiroler Grundschulen heuer „nur“ fakultativ? Wir mussten, um die Sicherheitsabstände einhalten zu können, 400 Schulklassen in ganz Südtirol teilen, um die maximale Anzahl der Schüler pro Klasse einhalten zu können. Es war mehr Personal nötig, um die Vormittagsstunden in voller Präsenz zu gewährleisten – für einen verpflichtenden Nachmittagsunterricht reichten die Ressourcen nicht aus.

Wie viel Autonomie hat eine Lehrkraft im Nachmittagsangebot? Sehr viel. Es wurden lediglich die Rahmenbedingungen vorgegeben, und diese sehen flankierende und unterstützende Inhalte sowie Sport- und Kreativangebote vor – unabhängig davon, ob alle oder

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nur wenige Schüler daran teilnehmen. Mit dem Angebot sollen Familien in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt und die Kinder ein Stück weit zur Normalität zurückgebracht werden. Wir haben uns im Sommer viele Gedanken um ein passendes Konzept gemacht. Das aktuelle Konzept, bei dessen Ausarbeitung es konträre Meinungen und kontroverse Diskussionen gab, hat sich bis jetzt als sehr gut erwiesen. Es ging und geht in erster Linie darum, die Verbreitung des Virus einzuschränken – das dürfen wir nicht vergessen. evi.hilpold@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

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… und bei den Klassen, die nicht geteilt werden mussten?

Theoretisch hätte man in diesen Schulen den Nachmittagsunterricht wie gewohnt verpflichtend durchführen können; in der Praxis gibt es in der Bildung aber eine klare Regel: Gleiche Voraussetzungen für alle – es geht hier um Chancengleichheit in der Bildung. Aus diesem Grund stellte sich zu keiner Zeit diese Frage.

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Politik & Gesellschaft

BRIXEN/LATZFONS

Erinnerung an die Geschichte Tirols z Unweit des Schutzhauses Latzfonser Kreuz befindet sich der Mittelpunkt des historischen Tirols – bemessen aus Südtirol, Nordtirol, Osttirol, Welschtirol und Haydn (Buchenstein). Diesen Punkt hat der Südtiroler Schützenbund ausgemacht: Von hier aus sind es Luftlinie etwa 111 Kilometer bis nach Reutte (im Norden des Alten Tirols) und 120 bis nach Borghetto (im Süden des Alten Tirols). Am 10. Oktober, hundert Jahre nach der Teilung Tirols, wurde an besagtem Mittelpunkt von der Europaregion Tirol,

dem Südtiroler Schützenbund, dem Schützenbezirk Brixen und der Schützenkompanie Latzfons ein Gedenkstein aufgestellt, der an die Teilung erinnern und als Wegweiser für eine europäische Perspektive hinweisen soll. Sand, Zement und Eisen wurde zuvor zum Standort gebracht, womit der Sockel errichtet wurde – die Detailarbeit wurde von der Glockengießerei Grassmayr aus Innsbruck und von Kunstschmied Manfred Rauter durchgeführt. Eine Scheibe mit 180 Zentimeter Außendurchmesser wurde auf den Sockel gesetzt, auf dem die Landkarte

des alten Tirols mit der Kilometerangabe der Entfernung zu den Nachbarländern angegeben ist. Auf dem Außenring wird in vier Sprachen (deutsch, italienisch, ladinisch und englisch) die Geschichte des Alten Tirols und der Teilung erzählt. Finanziert wurde der Stein großteils durch Spenden und von der Euregio. Die Schüt-

zen aus dem Eisacktal sowie Landespolitiker aus allen Teilen Tirols weihten den Stein ein, der „für alle, besonders für uns Schützen ein Aufruf und eine Bekenntnis zu Gesamttirol sein soll und an das vor 100 Jahren begangene Unrecht erinnert“, sagt Josef Kaser, Ehrenmajor der Schützen. eh

gehören alle Ausschussmitglieder der SVP an. Die Kompetenzbereiche wurden wie folgt verteilt: Raumordnung, Zivilschutz und Kultur übernimmt der Bürgermeister selbst, um Bildung und Familie kümmert sich Margareth Mair Engl, Ivan Maschi hat den Umwelt- und Naturschutz, Fern-

wärme und Breitband über, Manfred Heidenberger nimmt sich der Landwirtschaft und den Belangen aus Schalders an, Dietmar Pattis übernimmt die Bereiche Sport, Mobilität, Wirtschaft und Tourismus und Anni Kainzwalder Öttl die Bereiche Senioren und Soziales. Pattis, der auf Gemeindeebe-

ne am meisten Vorzugsstimmen erhielt, hat zusätzlich das Amt des Vizebürgermeisters inne. Michael Brugger, der aufgrund seiner hohen Stimmenanzahl ebenso für den Ausschuss in Frage gekommen wäre, hat aus beruflichen Gründen abgelehnt. eh

VAHRN

Schatzers Truppe steht z Dietmar Pattis, Anni Kainzwalder Öttl, Margareth Mair Engl, Manfred Heidenberger und Ivan Maschi werden gemeinsam mit Bürgermeister Andreas Schatzer die Geschicke der Gemeinde Vahrn in den nächsten fünf Jahren leiten. Schatzers Vorschlag für den neuen Gemeindeausschuss wurde bei der konstituierenden Gemeinderatssitzung einstimmig gutgeheißen. Während Pattis und Kainzwalder Öttl ihren Job als Gemeindereferenten bereits in der letzten Amtszeit innehatten, sind Margareth Mair Engl und Manfred Heidenberger sowie Ivan Maschi Neulinge im Gemeindeausschuss. Bis auf Maschi (Lega)

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MÜHLBACH

z Der Mühlbacher Gemeinderat konstituierte sich in seiner ersten Sitzung am 8. Oktober. Die Räte bestätigten die Wahl von Bürgermeister Heinrich Seppi einstimmig, sodass dieser den Amtseid ablegen konnte. Hinsichtlich Wählbarkeit und Vereinbarkeit der Gemeinderatsmitglieder hat die Rechtsabteilung der Gemeindeverwaltung in zwei Fällen etwas genauer hingeschaut: Die Position Stefan Grubers als Präsident des Tourismusvereins wäre unvereinbar mit dem Gemeinderat, wenn der Verein jährlich mit mehr als einem festgelegten Betrag von der Gemeinde bezuschusst würde. Da diese Schwelle nicht erreicht wird, konnte hier grünes Licht gegeben werden. Bei Kathrin Oberleitner musste eine eventuelle Unwählbarkeit geprüft werden, die für sie als Mitglied des Verwaltungsrates des Inhouse-Sonderbetriebes Mühlbach bestanden hätte. Allerdings sehen die Statuten des Sonderbetriebes vor, dass ein Verwaltungsratsmitglied bei ei-

Foto: Oskar Zingerle

Erste Prüfung erfolgreich bestanden

ner eventuellen Unwählbarkeit automatisch aus dem Gremium ausscheidet, und zwar in dem Moment der Bekanntgabe der Kandidatur. Somit war auch hier kein Ausschlussgrund gegeben. Für den Ausschuss schlug Bürgermeister Seppi folgende Personen vor: Oskar Zingerle und Martina Fischnaller als neue Mitglieder sowie Arnold Rieder und Dietmar Lamprecht, die bereits die letzte

Amtsperiode im Ausschuss saßen. Diese Konstellation berücksichtige im Wesentlichen den Wählerwillen insofern, dass es sich um die meistgewählten Kandidaten des jeweiligen Ortes handelt – mit Ausnahme von Vals, wo der Meistgewählte Franz Zingerle eine Mitarbeit im Ausschuss bereits im Vorfeld aus beruflichen Gründen ausgeschlossen hatte. Seppi musste aber aufgrund der Frauenquote

ohnehin eine Frau nominieren, und somit fiel die Wahl auf die in Vals Zweitgewählte Martina Fischnaller. Der Vorschlag Seppis zur Zusammensetzung des Ausschusses fand breite Zustimmung im Gemeinderat, die zwei Räte der Freiheitlichen enthielten sich der Stimme. Im Bild von links: Arnold Rieder, Martina Fischnaller, Heinrich Seppi, Dietmar Lamprecht und Oskar Zingerle. wv

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Politik & Gesellschaft

LÜSEN

Zwei Neue im Ausschuss

z Die neue Bürgermeisterin von Lüsen, Carmen Plaseller, hat im neu gewählten Gemeinderat ihr Team für den Ausschuss vorgeschlagen – das auch bestätigt wurde. Neu im fünfköpfigen Gemeindeausschuss ist Andrea Fischnaller, die auch erstmals Brixner 192 x 139 kandidierfür den Gemeinderat

te und auf Anhieb mit den meisten Vorzugsstimmen (371) überraschte. Die 28-Jährige soll sich künftig um die Bereiche Schule, Kultur, Umwelt- und Naturschutz sowie Chancengleichheit kümmern. Ebenso neu im Team um Plaseller ist der Lüsner Feuerwehrkommandant Klaus Mitter-

25.8. Top jobs - lavorare in Bautechnik

rutzner – auch er hat sich erstmals der Wahl gestellt. Mitterrutzners Zuständigkeiten beinhalten unter anderem Verkehr und Mobilität sowie Sport, die Dorfzeitung und die Partnergemeinde. Weitere fünf Jahre bleiben die bisherigen Referenten Herbert Federspieler Brixner x 139 Wirtschaft, (Handel,192 Handwerk,

öffentliche Instandhaltung und Infrastrukturen) und Martin Kaser (Land- und Forstwirtschaft, Instandhaltung Wege, Bauhof) im Amt. Carmen Plaseller, die mit 79,1 Prozent der Stimmen zur ersten Lüsner Bürgermeisterin der Geschichte gewählt wurde und derzeit die einzige Bürgermeisterin im Eisacktal ist, behält sich selbst unter anderem die Bereiche Melde-, Standes- und Wahlamt, Familie, Soziales, Senioren, Urbanistik, Tourismus und Zivilschutz ein. Der Wunsch Plasellers, dass mehr Frauen in der Gemeinde Lüsen mitreden, hat sich erfüllt: Von den 15 Sitzen im Gemeinderat werden fünf von Frauen besetzt. Acht neue Köpfe sitzen im Gemeinderat, zwei davon im Ausschuss. Im Bild (v. l.) Martin Kaser, Andrea Fischnaller, Carmen Plaseller, Herbert Federspieler und Klaus Mitterrutzner. eh

26.10. Heizung & Energie - termoidraulica

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SÜDTIROL

Wie möchten wir 2030 leben?

z Ein Forschungsteam von Eurac Research hat gemeinsam mit einem 20-köpfigen interdisziplinären Beirat mit Fachleuten aus Südtirol und dem Ausland in nur vier Monaten eine komplexe Zukunftsstudie für Südtirol erarbeitet. Das Kernstück der Studie sind vier Szenarien, die am Ende aber nicht gewichtet oder gewertet wurden, die aber mögliche Wege aufzeigen, wie es sich in Südtirol im Jahr 2030 gerade auch nach den Erfahrungen der Covid-19-Pandemie leben lassen wird. So wird für jedes Szenario zu erfassen versucht, ob und in welchem Ausmaß die 17 UN-

Nachhaltigkeitsziele (SDGs – Sustainable Development Goals) erreicht werden können. Wünschen wir uns eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte, Bräuche und Familienstrukturen? Eine Öffnung hin zur Welt, verbunden mit einer sozial fairen und ökologisch nachhaltigen Produktions- und Lebensweise? Hätten wir lieber eine Welt, in der die Individualisierung und Beschleunigung der Gesellschaft in den Mittelpunkt rückt? Oder konzentrieren wir uns auf ein „grünes Wachstum“ mit einer weitreichenden technologischen Vernetzung? „Unsere Aufgabe war es, mutige Zukunftsszenarien für

Südtirol zu entwerfen“, sagt Harald Pechlaner, Wirtschaftswissenschaftler von Eurac Research und wissenschaftlicher Leiter der Studie. Um spezifischen Interessen und Bedürfnissen im Land gerecht zu werden, sollte am Ende nicht ein bestimmtes Szenario dominieren, sondern Elemente aus unterschiedlichen Szenarien miteinander kombiniert werden, die wiederum eine neue Zukunftsperspektive ergeben. Die Studie solle Denkanstoß für mögliche Entwicklungen Südtirols sein, die Weichenstellung dafür liegt jedoch in den Händen der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaft-

lichen Entscheidungsträger. Landeshauptmann Arno Kompatscher sagte im Anschluss an eine Videokonferenz, in der die Studie erstmals vorgestellt wurde, man sei die Aufgabe richtigerweise „unpolitisch und unideologisch“ angegangen; das über 100 Seiten dicke Dokument sei nun ein „ausgezeichnetes Instrument zur Entscheidungsfindung bei komplexen Themen“, denn „wenn man an einem Rädchen dreht, so kann dies direkte gewünschte Effekte haben, aber auch indirekte, die man möglicherweise nicht bedacht hatte.“ wv

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Menschen & Meinungen MIT HINGABE: Carmen Niederkofler lehrt das Tanzen und ist selbst leidenschaftliche Tänzerin 26


PORTRAIT

Den Tanz im Herzen Der Tanzsport ist ihr Lebenselixier, ganz unbestreitbar. Und eigentlich müsste man sie tanzen sehen, um sie wirklich porträtieren zu können. Man müsste ihre Hingabe erleben, um zu verstehen, wie sehr der Tanz Teil ihres Lebens ist: CARMEN NIEDERKOFLER, Leiterin der Sektion Tanzsport im SSV Brixen.

W

ir sitzen in einem Café im Rosslauf. Frühstück mit Abstand. Plexiglasscheibe und Cappuccino am frühen Morgen. Carmen Niederkoflers Wohnung liegt ein paar Stockwerke darüber. „Mit einem Blick auf die Plose.“ Diesen Blick, den braucht sie. Sie hängt an Brixen, an ihrer Heimatstadt. Und irgendwie wollte sie nie von Brixen weg. Carmen Niederkofler ist Sternzeichen Jungfrau, „und da liebt man einfach ein geregeltes Leben.“ Sie habe Architektin werden wollen, schon in der Mittelschule. Nach dem technischen Biennium am Brixner Realgymnasium wechselte sie an die Geometerschule nach Bozen. Die Begeisterung für alles Technische ist ihr offensichtlich in die Wiege gelegt: Ihr Vater arbeitet als technischer Leiter in einer Schlosserei, und „ich liebe seit jeher den Geruch, der beim Schweißen entsteht.“

büro Bergmeister an. Lange Zeit habe sie auch in Betracht gezogen, zeitgenössischen Tanz zu studieren, in Linz an der BrucknerUniversität. „Dazu muss man aber ein Freigeist sein, sich nicht an einen Ort binden.“ Sie hat mit vielen Menschen gesprochen, hat sich von deren Erfahrungen erzählen lassen, von der intensiven Ausbildung, für die man brennt, und auch vom Loch, in das man nach dem Studium fällt, wenn man plötzlich auf sich alleine gestellt ist, keine Halle zum Trainieren mehr hat, niemanden, der einen fachlich begleitet. Und vom Quäntchen Glück, das man zu alldem noch braucht, wenn man beruflich Fuß fassen will. Von Casting zu Casting zu eilen, an Orten, die weit entfernt voneinander sind, mit Menschen, die Vorstellungen haben, in die man ganz oft nicht hineinpasst: Das sind die Schattenseiten.

Wohin des Weges? Am Ende

„Ich möchte die Seele des Tanzsports ins Rampenlicht stellen, die sich hinter harter Arbeit verbirgt – gepaart mit dem Gefühl, ganz bei sich zu sein“_ Carmen Niederkofler, Tänzerin aus Leidenschaft

der Oberschulzeit kamen dann Zweifel. Die Faszination des Tanzsports, die Fragen der anderen, ob sie sich wirklich sicher sei – das alles brachte sie ins Wanken: „So stand ich nach der Matura da und wusste nicht mehr so richtig, was ich eigentlich wollte.“ Das Architekturstudium war plötzlich in weite Ferne gerückt. Letztendlich entschied sie sich für eine ganz andere Richtung und begann eine Ausbildung zur Ergotherapeutin an der Claudiana in Bozen. Nach einem Jahr wusste sie, dass diese Arbeit sie zu sehr belasten würde. Die Praktika in der Orthopädie und in der Neurologie ließen sie ihre Grenzen erkennen. „Man wächst zwar an seinen Aufgaben, aber ich nahm zu viel mit nach Hause.“ Das Jahr bezeichnet sie aber keineswegs als verloren – sie habe unglaublich viel mitgenommen: an Erkenntnissen. An das Architekturstudium wagte sie sich dann trotzdem nicht. „Vielleicht wollte ich einfach nicht weg von Brixen“, meint sie. Sie trat eine Stelle beim Ingenieur-

Volle Ladung Herzblut. Seit 2012

arbeitet sie bei Frener & Reifer als Konstrukteurin im technischen Büro. Sie sieht das lebendig werden, was sie am Computer geplant und gezeichnet hat: „Wir setzen ziemlich bärige Sachen um.“ Um eine „bärige Sache“ kümmert sie sich auch nach ihrem Acht-Stunden-Arbeitstag: „Teaching is a way of heart“ steht auf der Homepage der Sektion Tanzsport im SSV Brixen. Bei Carmen Niederkofler ist das ganz sicher so. Ihr ganzes Herzblut steckt sie in den Tanzsport. Sie liebt es zu unterrichten, zwei bis vier Stunden, Tag für Tag. Nur der Mittwoch, der gehört ihr. Da tanzt sie ganz für sich, trainiert,

um jenes Körpergefühl nicht zu verlieren, auf das es ankommt. Ständige Fortbildung ist wichtig, vor allem als Trainerin. Man lernt seinen Körper kennen, man spürt die Grenzen, erkennt die Schwachpunkte „und kann dann auch auf die Menschen besser eingehen.“ Sie macht alle Kurse „volle gern“: Hip Hop, zeitgenössischer Tanz, Cheerleading, einfach alles. Und wenn das Training keinen Spaß mehr zu machen scheint, „dann verpacke ich das Bauchmuskeltraining eben in eine Choreographie.“ Die Kurse für Menschen mit Beeinträchtigung mag sie sehr. „Das sind jene Kurse, wo ich die ehrlichsten Rückmeldungen bekomme.“

Von Null auf Hundert. Angefan-

gen hat sie beim Tanzverein City Rock, während der Mittelschulzeit. Relativ spät, wie sie meint, denn man kommt schneller technisch

an seine Grenzen, wenn man nicht schon früh mit dem Tanzen beginnt. „Ich war aber nicht ganz ungeschickt“, lacht sie. Die Veranstaltung „Bozen tanzt“ war dann so etwas wie ein Schlüsselerlebnis: Jahr für Jahr ist sie dabei, reist manchen Dozenten auch hinterher. „Jeder Tänzer, jede Tänzerin entwickelt irgendwann einen eigenen Stil.“ Sie hat unzählige Kurse besucht, in Rom eine berufsbegleitende Ausbildung absolviert, bereits während ihrer Oberschulzeit Kurse geleitet. Die Sektion Tanzsport gehört mittlerweile zu den größten Sektionen im SSV Brixen. Dass dies so ist, dafür ist Carmen Niederkofler mit ihrem Team verantwortlich. Vor sechs Jahren „war es an der

Zeit, über den Tellerrand hinauszuschauen.“ Es sollte nicht mehr um Konkurrenzdenken gehen und um die eine große Aufführung am Ende eines Jahres, die so vieles hinter Glanz, Glimmer und Kunstnebel verschwinden ließ, sondern es sollte darum gehen, die Balance zwischen Talent und Begeisterung zu finden. Sie suchte sich Verbündete, weil man zusammen mehr bewegen kann und „weil ich buchhalterisch eine Katastrophe bin.“ Mit einem Konzept gingen die jungen Leute zum damaligen Präsidenten des SSV Brixen, Ralf Dejaco. Tanzen als Sport – sie bekamen die Chance, alles weitere ist Geschichte. Wenn sie vor kurzem mit dem Projekt „Our way“ auf der Bühne standen – nach Wochen, in denen das Tanzen nur mehr in den eigenen vier Wänden möglich war – so zeugt dies auch von

ungebrochener Begeisterung. Carmen Niederkofler hat eine Vision: „Ich möchte die Seele des Tanzsports ins Rampenlicht stellen.“ Die Seele, die sich hinter harter Arbeit verbirgt, gepaart mit dem Gefühl, ganz bei sich zu sein und den Körper auf eine besondere, nicht alltägliche Art zu spüren. Und sie möchte die künstlerische Seite des Tanzens würdigen. Jene Seite, die den Menschen individuell und unverfälscht in den Mittelpunkt stellt. My way. Für jeden einzelnen. Und auch gemeinsam.

marlene.kranebitter@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info 27


Menschen & Meinungen

IN EIGENER SACHE

Sieger im Doppelpack z Der knapp fünfjährige Manuel Lorenzi aus Brixen hat die Jury bei der heurigen Fotoaktion des „Brixner“ mit seinem süßen Blick verzaubert. Als Gewinner der heurigen Aktion durfte er sein Geschenk vor kurzem in der Brimi in Empfang nehmen. Wir staunten nicht schlecht, als gleich zwei süße Blondschöpfe bei der Tür hereinspazierten: Manuel hat nämlich seinen Zwillingsbruder Mattia und Mama Hanna mitgebracht. Thomas Reiter, Marke-

tingleiter der Brimi, und seine Assistentin Mirjam Cestari haben einen Geschenkkorb überreicht, der mit frischen Brimi-Produkten, Malbuch und Spielen gefüllt war. Bereits seit Jahren stellt die Firma Brimi für unsere Kinder-Fotoaktion den Preis zu Verfügung. Wir möchten uns hierfür ganz herzlich bedanken – genauso wie bei Manuel, Mattia und bei allen anderen Teilnehmern an der jährlichen „Brixner“-Fotoaktion. eh

M&M BRIXEN

Positive Bilanz z Nach 25 Jahren aktiver Tätigkeit als Gemeinderat, Stadtrat und Vize-Bürgermeister verabschiedet sich Claudio Del Piero von seinem politischen Engagement in Brixen – „serenamente“, wie er sich dem „Brixner“ gegenüber äußert, und auf eigene Entscheidung, wie er betont. Auf eine Wiederkandidatur für den Gemeinderat hat er bekanntlich verzichtet, weil er nicht damit einverstanden war, dass „sein“ PD sich für eine deutschsprachige Bürgermeisterkandidatin entschieden hatte: Dadurch hat die italienische Sprachgruppe einen Gemeinderat weniger,

kurz

notiert

28

was bedeutet, dass es im Stadtrat wieder nur einen italienischen Vertreter gibt. „Paradossalmente le diversità di opinioni con il mio partito mi hanno reso più facile la mia decisione di lasciare la politica”, sagt Del Piero. Einen Seitenhieb auf seine alten Parteifreunde kann er sich trotzdem nicht verkneifen: „Se io mi fossi candidato, il PD avrebbe raggiunto quattro consiglieri“. Claudio Del Piero ist zwar seit zweieinhalb Jahren im beruflichen Ruhestand, betreibt aber dennoch nach wie vor sein Büro als Finanzdienstleister. Für die Zukunft kann er sich auch ein

Angelika Stampfl wurde als Präsidentin des Arbeitskreises Eltern Behinderter bestätigt. Die Brixnerin wird auch die kommenden drei Jahre dem Verein vorstehen, der betroffene Familien entlasten und fördern will.

ehrenamtliches Engagement in einem Verein vorstellen: „Rimango a disposizione della mia città”. Vor allem auf die letzten fünf Jahre als Vize-Bürgermeister blickt er mit Dankbarkeit zurück: „Con

Peter ho avuto un rapporto molto costruttivo e onesto; il bilancio che traggo è più che positivo per essere riuscito a contribuire al sviluppo della mia città”. wv

Der Kiwanis Club Brixen hat einen neuen Präsidenten: Der Brixner Stefan Rottonara folgt auf Norbert Verginer. Der Kiwanis Club verfolgt auf regionaler und lokaler Ebene Projekte, um anderen Menschen, insbesondere Kindern, zu helfen.

Stefan Gasser ist der neue Sektionsleiter des WSV Brixen Ski; er folgt auf Wolfi Meraner. Neu im Vorstand ist auch Jakob Kastlunger, im Sekretariat Konrad Markart. Das neue Vereinslokal der Sektion Ski befindet sich in der Brixner Eishalle.

Foto: Oskar Zingerle

Menschen & Meinungen


O o op s

LAMMento

mein Hoppala

BETTINA KERER, Brixner Stadträtin

„Smash!“ Bürgermeister Peter Brunner hat die frischgebackenen Gemeinderäte auf den Domplatz geladen, damit ein erstes offizielles Foto geschossen werden konnte – natürlich mit coronatauglichem Mindestabstand. Während ich etwas abseits im Ratschen vertieft war, forderte der Bürgermeister mich plötzlich auf, einen Platz an der linken Seite der Gruppe einzunehmen: „Die Damen vorne, die Herren in der zweiten und dritten Reihe, die Handtaschen bitte weglegen!“ Ach ja, meine Handtasche! Die sollte auf keinen Fall aufs Bild, weshalb ich sie ohne lange nachzudenken mit Schwung in Richtung Sara Dejakum warf, weil sie sich fast ganz rechts aufgestellt hatte. Nur ... offensichtlich hatte ich meine Wurfkompetenzen überschätzt, denn die zwei oder drei Kilo schwere Tasche landete mit Schwung mitten im Gesicht meiner geschätzten Kollegin Renate Prader. Smash! Natürlich habe ich mich tausendmal entschuldigt. Renate antwortete nach einem verständlichen ersten Groll sehr freundlich: „Alles schon vergessen, kann passieren!“

Leser kochen für Leser

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3 Eigelb 140 g Staubzucker 170 ml Samenöl 1 Zitrone, Saft und geriebene Schale 1 Pkg. Vanillezucker 100 g geriebene Haselnüsse 300 g Mehl 1 Pkg. Backpulver 1 TL Zimtpulver 1 Msp. Nelkenpulver 350 g Zucchini 3 Eiweiß 200 g Zucker 200 g Preiselbeermarmelade zum Füllen

Eigelb mit Staubzucker, Samenöl, Zitronensaft und -schale sowie Vanillezucker kalt schaumig rühren. Haselnüsse, Mehl, gesiebtes Backpulver, Zimt und Nelkenpulver vermischen und unter die Masse geben. Zucchini putzen, waschen und grob raspeln, eventuell auspressen und in die Masse rühren. Zum Schluss Eiweiß mit Zucker zu Schnee schlagen und unterheben. Die Masse in eine mit Backpapier ausgelegte Kuchenform geben und etwa 50 Minuten bei 160 Grad Celsius backen, auskühlen lassen und mit Marmelade füllen.

Klara Zingerle aus Mühlbach hat einen recht strukturierten Wochenablauf: Neben dem täglichen Morgenspaziergang gehört das Watten (heuer vermehrt online), Bundesliga schauen, Enkel kindsen und das Backen dazu, was ihren 5 Kindern, 13 Enkelkindern und Urenkelchen Clara (bald) sehr gelegen kommt. Ein besonders leckeres Gustostück ist der Zucchinikuchen (den sie im Buch „So backt Südtirol“ entdeckt hat). Haben auch Sie ein besonderes Rezept, das Sie unseren Lesern nicht vorenthalten möchten? rezept@brixner.info

Basta! „Meine unmissverständliche Forderung lautet: Es braucht eine Quotenregelung, weil sonst auch in Zukunft das zweite Geschlecht unterrepräsentiert ist, und das ist nicht mehr zu tolerieren. Basta! Wir sind ja schließlich nicht im Mittelalter!“, schreit der Franz, „mindestens ein Drittel der Stellen für Kindergartentanten müssen für Männer reserviert werden, wär ja noch schöner!“, sagt der Franz, womit er mich etwas überrascht, denn dass er ein Maskulinist ist, hatte ich nun doch nicht vermutet. „Das ist ein Witz, oder?“, mischt sich Frieda ein, „denn es gibt kaum Männer, die Kindergartenonkel werden wollen. Woher also nehmen?“ Stimmt, sag ich, in der Theorie ist die Regel nachvollziehbar und richtig, aber in der Praxis kaum zu realisieren, lieber Franz. „Dann müssen wir eben irgendwelche Männer anheuern, es gibt ja genug Arbeitslose!“, sagt der Franz, wobei seine Halsschlagader vor Zorn gefährlich aufschwillt. „Na ja, jeden Dödel will ich ja nicht zu unseren Kindern ranlassen“, sagt Frieda, womit sie natürlich absolut recht hat, denn eine Quotenregelung darf nicht dazu führen, dass am Ende die Qualität leidet. „Siehst du“, sagt der Franz schweinisch grinsend, weil er uns aufs Glatteis geführt hat, „deshalb bin ich auch für eine Aufweichung der Quotenregelung bei den Kommissionen für Raum und Landschaft – nicht eine Abschaffung, nur eine Aufweichung. A bissl Flexibilität im Sinne von qualifizierten Gremien. Weil es noch viel zu wenige Technikerinnen gibt. Und zu wenige Kindergartenonkel. Leider!“

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Während des Corona-Lockdowns wurde notgedrungen ein neues Arbeitsmodell eingeführt, das auch derzeit noch weit verbreitet ist: Viele Büroangestellte erledigen ihre Arbeit von zuhause aus im sogenannten Homeoffice. Dabei entstehen Vor-, aber auch Nachteile.

GÜNTER KIRCHER, Leitender Angestellter im Marketing: „Lieber Homeoffice als No office“

ANNA SIGNORI, Direktionsassistentin in Brixen: „Ich bevorzuge es definitiv, im Büro zu arbeiten“

Ja Sofern es klare gesetzliche Regeln für

Nein Ich arbeite schon seit 22 Jahren

Arbeitgeber und -nehmer sowie technologische und räumliche Ausstattung zu Hause gibt, ist Homeoffice und/oder die Kombination mit einem „normalen“ Arbeitsplatz ein sehr attraktives Arbeitszeitmodell mit Vorteilen. Ganz nach dem Motto „lieber Homeoffice als No office“ können damit Arbeitsplätze gesichert werden. Ohne Homeoffice wären in der Zeit des Lockdowns auch manche systemrelevante Betriebe und öffentliche Einrichtungen arg in Bedrängnis gekommen, ihre Leistungen in der gewohnten Qualität und Zeit zu erbringen. Aufgrund der Abstandsregelungen und Personenbeschränkung in Büroräumen hätten viele Büroangestellte untätig zu Hause bleiben müssen. Homeoffice war hier eine existenz- und funktionssichernde Lösung. Pendler sparen mit Homeoffice zudem wertvolle Zeit, die sie für Familie, Freizeit oder Vereine nutzen können. Unternehmen hingegen sparen Büroflächen, Essensgutscheine, Pendlerzulagen. Auch wenn der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern fürs Arbeiten zuhause einen Vertrauensvorschuss geben muss, so werden reife Mitarbeiter dies durch gesteigerte Motivation und Loyalität zurückgeben. Homeoffice beschleunigt die Entwicklung und Anwendung digitaler Kommunikationstechnologien. In Südtirol und europaweit besteht diesbezüglich Aufholbedarf gegenüber anderen Regionen der Welt, vor allem Asien. Nicht zuletzt profitiert auch die Umwelt und mit ihr wieder der Mensch selbst vom Arbeiten zuhause – durch weniger Verkehr, weniger Lärm, weniger Abgase und weniger Unfälle. z

im selben Betrieb. Während des Lockdowns arbeitete ich im Homeoffice und muss sagen, dass die Zeit nicht die beste war. Ich arbeite zweifelsfrei lieber im Büro und bin dort auch produktiver. In den eigenen vier Wänden war es für mich schwierig, mir meine Zeit zwischen Büroarbeit und Privatleben einzuteilen. Ablenkung gab es daheim im Gegensatz zum Betrieb in vielerlei Hinsicht. Ein Beispiel unter vielen war das neugierige Gesicht meiner Tochter während der Videokonferenzen. Den ganzen Tag im eigenen Haus arbeiten zu müssen gab mir ein erdrückendes Gefühl, da mein Zuhause gleichzeitig auch zum Büro wurde und ich das Gefühl hatte, ständig bei der Arbeit zu sein. Es war sozusagen nie „Büroschluss“; zudem geht man vom Computer direkt zur Hausarbeit über. Darüber hinaus fehlte mir auch der direkte Kontakt zu meinen Arbeitskollegen, der spontane Austausch, das schnelle Abklären offener Fragen, die kleine Pause, die sehr viel zum guten Arbeitsklima beiträgt. „Online“ ist es sehr viel schwieriger, sich als Mensch einzubringen und wahrgenommen zu werden. Natürlich ist es in Zeiten wie diesen begrüßenswert, wenigstens zuhause arbeiten zu dürfen; ohne Arbeit und damit vielleicht auch ohne Einkommen dastehen zu müssen, wäre keine Alternative. Aber wenn ich zwischen „home working“ und Büro wählen müsste, würde ich mich für Letzteres entscheiden – der Hauptgrund dafür sind die klar getrennten Bereiche: Im Büro bin ich ganz für meine Arbeit da, die Zeit zu Hause widme ich lieber meiner Familie. z


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Hinter jeder Erfolgsgeschichte steckt ein starkes Team. Weil der Erfolg von FORESTIS immer auch ein Erfolg der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist, möchten wir von FORESTIS einige unserer führenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Rampenlicht stellen.

IN DIESER AUSGABE IM PORTRAIT: Florian Öttl 34 Jahre Direktor im FORESTIS Florian Öttl hat in seinem jungen Leben bereits viel erlebt, von einer Tumorerkrankung in seiner Kindheit bis hin zu einer Karriere, die er sich über verschiedene Ausbildungs- und Berufsstationen hart erarbeitet hat. Aufgewachsen ist Florian auf einem Bauernhof in Vahrn, wo er von klein auf mitgearbeitet hat. Mit vierzehn wird bei ihm ein Tumor diagnostiziert – die Krankheit hat ihn gelehrt, was im Leben wirklich zählt: Gesundheit, Familie, Freundschaft. Nach seiner Genesung besucht er die Landesberufsschule für das Gast- und Nahrungsmittelgewerbe „Emma Hellenstainer“ in Brixen, an der Landeshotelfachschule Kaiserhof in Meran schließt er die Matura

ab. Mehrere Sprachaufenthalte in Malta wecken in ihm die Reiselust. Zunächst zieht es ihn für ein Jahr nach Australien, wo er erste internationale Arbeitserfahrungen sammelt. Zurück in der Heimat folgt ein Bachelor-Studium in „Tourism Management“ an der Freien Universität in Bruneck. Nach seinem Abschluss arbeitet er für einige Zeit als Koordinator der Skischule Plose, wo er den Ploseberg in all seinen Facetten kennen- und lieben lernt. Danach geht er für ein Jahr nach London, wo er im Hotel Park Plaza Riverbank sich vom Rezeptionisten zum Rezeptionsleiter hocharbeitet. Die nächsten vier Jahre verbringt Florian in der Schweiz. Zwei Jahre lang sam-

melt er im Swissôtel in Zürich Arbeitserfahrungen in den Bereichen Empfangsleitung, Sales & Marketing, Guest Relations und Trainings Manager. Die nächsten zwei Jahre arbeitet er in der Universitätsklinik Balgrist als Empfangsleiter und baut in dieser Zeit einen patientennahen Gästeservice auf. 2019 kehrt Florian nach Südtirol zurück und findet hier seine neue Aufgabe als Direktor im FORESTIS. Gemeinsam mit Stefan Hinteregger und Teresa Unterthiner führt er FORESTIS in den Vollbetrieb und gestaltet den Erfolgskurs des 5-Sterne-Hideaways am Ploseberg maßgeblich mit.

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Menschen & Meinungen

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Weihnachten ohne Weihnachtsmarkt?

Fotos: Oskar Zingerle

Vor kurzem gab die Südtiroler Landesregierung bekannt, dass die Weihnachtsmärkte in diesem Jahr Covid-bedingt ausfallen werden. Wir haben uns in der Brixner Altstadt umgehört und Passanten gefragt, ob sie diese Entscheidung richtig finden.

„Es ist besser so; nächstes Jahr werden sie schon wieder stattfinden können“, meint Veronika Wisthaler. „Fehlen werden mir die Weihnachtsmärkte aber sicher nicht. Ich bin selten dort; wenn ich etwas kaufen will, dann gehe ich in ein Geschäft. Die Weihnachtsmärkte sind mehr etwas für Touristen. Auch für die Wirtschaft wird es kein Weltuntergang sein.“

„Ich bin sehr froh darüber, dass die Weihnachtsmärkte abgesagt wurden“, findet auch Maria Theresia Unterkircher. „Auch ohne Gastronomie ist es schwierig zu organisieren, dass die Abstände eingehalten werden und dass sich keine größeren Menschenansammlungen bilden. Heuer wird es ein besinnlicherer Advent, das ist auch eine gute Abwechslung. Ich stehe diesen Weihnachtsmärkten generell eher kritisch gegenüber.“ 32

„Ich finde es gut, dass man diese Entscheidung getroffen hat“, sagt auch Nadia Auer. „Es wären viel zu viele Menschen auf einem relativ kleinen Platz gewesen. Man muss derzeit einfach aufpassen, und die Weihnachtsmärkte wären viel zu unsicher gewesen. In den letzten Jahren bin ich eigentlich gern auf den Weihnachtsmarkt gegangen – zwar nur für den Glühwein, aber trotzdem wird mir in diesem Jahr dieses Zusammenkommen fehlen.“

„È un provvedimento dovuto, considerando le condizioni di questo periodo. Non poteva esserci una diversa decisione. Immagino che quest’anno ci dovremmo accontentare di qualche cerimonia religiosa in più e qualche consumismo in meno. Il mercatino è folclore ed è ormai diventato abitudine“, sagt Luciano Caracristi.

„Ich finde es in dieser schwierigen Situation in Ordnung, dass man die Weihnachtsmärkte absagt“, erklärt Waltraud Stockner. „Ich bin sonst zwar gern hingegangen, aber fehlen werden sie mir nicht wirklich, denke ich. Besser ist es auch, die Weihnachtsmärkte ganz abzusagen als ohne Gastronomie stattfinden zu lassen. Epidemiologisch kritisch wären ja ohne Zweifel diese Zusammentreffen gewesen.“

„Ich finde es eine gute Idee, dass sie nicht abgehalten werden“, sagt Andreas Zingerle. „Vielleicht gibt es eine andere Möglichkeit, den Weihnachtsmarkt irgendwie abzuhalten. Vielleicht entscheidet man sich für mehrere kleine Stände, die auf die Stadt verteilt aufgestellt werden. Aber da muss man erst sehen, ob sich das für die Standbetreiber rentieren würde. Grundsätzlich geht aber Gesundheit ganz klar vor.“

„Es tut mir zwar leid, aber ich denke, dass es die richtige Entscheidung ist angesichts der Situation“, sagt Pietro Polidori. „Ich habe ehrlich gesagt nie etwas auf dem Weihnachtsmarkt gekauft, aber ab und zu habe ich doch gerne einen Glühwein getrunken oder Strauben gegessen – fürs Zusammenkommen war es wirklich schön, und deshalb wird er mir auch etwas fehlen. Ich bin gespannt, wie sich diese Entscheidung auf den Tourismus auswirken wird.“

„È un po‘ triste che non ci saranno i mercatini, però purtroppo devono seguire le norme che hanno indicato e di conseguenza, se è meglio per tutti che non ci siano, è giusto che quest’anno vengano sospesi. Sicuramente avrà anche un grande impatto sull’economia. Per Bressanone in generale quest’anno era un anno difficile“, sagt Mattia Roverso.


KUNST AUS DEM LOCKDOWN IN DER FESTUNG FRANZENSFESTE

Kunst & Kultur

Raus aus dem Rückzug

Covid-19 hat einschneidende Veränderungen gebracht und uns aus unserer bisherigen Lebenswelt hinauskatapultiert. Auch die Kultur kam vollständig zum Erliegen, aber die Künstler arbeiteten im Verborgenen weiter. Das Resultat ist in der Festung Franzensfeste zu sehen – noch bis zum 8. November.

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Empfindungen in Materie. Die

Ausstellung in der Festung Franzensfeste ist aus der Umfrage der Tageszeitung unter Südtiroler Künstlern während des Lockdowns hervorgegangen und ist ein Versuch, den „LOCKOUT“ aus Künstlerperspektive mitzugestalten und der Dynamik des Virus etwas entgegenzusetzen – trotz implementierter Distanzforderung, Überwachung und Kontrolle. Die meisten Positionen entstanden im Frühling 2020; frühere Werke thematisieren ebenfalls im weitesten Sinne den Perspektivenwechsel oder bergen die Besonderheit der Zeit bereits in sich. In den Ausstellungsparcours startet man am besten mit einem Lageplan, den man an der Kasse ausgehändigt bekommt, um bestimmt keine noch so verwinkelte Ecke der labyrinthischen Festung zu übersehen. Die Hälfte der teilnehmenden Künstler ist in der mittleren Festung angesiedelt, die beim Eintreten die ganze Länge der Räume offenbart. An deren unterstem Ende fällt der Blick auf Julia Bornfelds „Figlio“ – gewidmet dem Sohn, der weit weg von Zuhause seinen Geburtstag feiern musste. Den ersten Raum bespielen Leonhard Angerer und seine Tochter Alexandra, aka AliPaloma. Ihre Fotoarbeit „Unter der Maske“ ist Testimonial der Ausstellung und thematisiert die Auswirkungen der Maskenpflicht auf die menschliche Kommunikation und soziale Interaktion, die großteils über Mimik und Gestik erfolgt. Leonhard Angerer zeigt mit seinen Fotografien die verstörende Leere in den Gassen

von Brixen zur Zeit des harten Shutdowns. Josef Rainers Ameisenkino symbolisiert verwaiste Strukturen im verordneten Stillstand, und der Achtbarkeitskünstler Luis Seiwald stellt einen Gedenkstein auf. Thaddäus Salcher verweist mit seiner fragilen Skulptur auf die Menschenrechte, die momentan am seidenen Faden hängen. Jette Christiansen will uns mit ihrer Aloe-Vera-Zeichnung den Wert der Gesundheit nahebringen, und Beate Gantz mahnt mit ihrem Corona-Bild die Kirche, sich mit den existenziellen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen. Einige Künstler schließen ihre Empfindungen in Materie ein: Bei Robert Pan sind sie in Harz gegossen, Andrea A. Varesco verbirgt sie unter dicken Acrylschichten, und Sissa Micheli lässt ihre mentale Kraft durch drei Pigmentdrucke sprechen. Jakob de Chirico nimmt das Virus in seiner unnachahmlichen Art auf die Schippe, in dem er einen Faschingsprinzen mit „Corona“ darstellt. Auch Franz Pichler zeigt unsere Handlungsunfähigkeit auf, indem er dem Gekreuzigten eine Krone aufsetzt, und für Sara Welponer ist das Enigma der Zeit gleichgesetzt mit der mythologischen Sphinx. Anuschka Prossliner, Elisa Grezzani und Katrin Böge stellen sich mit filigranen Umarmungsszenen, kräftiger Malerei und Momentaufnahmen in Schwarz-Weiß die Frage, wieviel Nähe der Mensch vertrage. Jörg Hofer hingegen zeigt mit seinem Grashang aus 2019 vorausschauend auf, wie groß die Durchsetzungskraft der Natur ist. Gotthard

Bonell präsentiert wilde Natur als Bedrohung, und Thomas Riess übermalt mit wilden Pinselstrichen das Gesicht eines schönen Models, um die plötzlich einfallende Macht zu demonstrieren. Ein Zeichen der Hoffnung will Erich Dapunt setzen mit seiner Tür in die Freiheit – ebenso wie Ulrich Egger, dessen Installation zu einem entgrenzten „betterspace“ einlädt. Die klaffende HandSkulptur von Aaron Demetz ist ein Zeichen dafür, dass sich alles neu öffnet und ordnet, und Heinz Innerhofers Fotoarbeit „flu(ch)t“ beschäftigt sich mit der Informationsflut, die es zu entwirren gilt.

Kunst findet wieder statt. Im

Gebäude 38 der Unteren Festung stoßen wir auf Grödner Bildhauer wie Hermann Josef Runggaldier mit seiner „animal art“ aus Hölzern und auf Gregor Prugger, dessen gedeckter Esstisch aus Holz augenzwinkernd einen positiven Aspekt des Lockdowns evoziert: Es wurde viel gekocht und gut geschmaust. Unter einer Cloche aus Glas friert Peter Senoners „Monoman“-Statuette im sozialen Abseits, und Lois Steger greift mit seiner überaus gelungenen Skulptur „Unantastbar“ (Hände aus Filz und Odermenigsamen) dasselbe Thema auf. Der lebensgroße massige Mensch von Lois Anvidalfarei liegt starr und „eingeklemmt im Lebensfluss“ am Boden. Etwas Leichtigkeit in schweren Zeiten will Eduard Habicher mit seinen wippenden Stahlelementen vermitteln. Im oberen Trakt von Gebäude 35 widmet sich die Brixner Künst-

Fotos: Oskar Zingerle

N

icht nur für die Kulturschaffenden, sondern auch für die Kulturjournalisten bedeutete der Lockdown eine unfreiwillige Auszeit: Keine Kultur, kein Job! Es galt, sich Ideen aus den Fingern zu saugen, um nicht gänzlich einzurosten. Gleich mehrere Medien haben sich der Fragebogen-Vorlage berühmter Literaten bedient, um die geheimen Gedanken der Künstler zu offenbaren. Max Frisch formulierte seine absolut lesenswerten Fragen in zwölf Themenkreise gefasst, darunter Ehe, Humor oder Tod. Der wohl berühmteste Fragebogen der Welt trägt den Namen des französischen Schriftstellers Marcel Proust, den er, erst 13-jährig, auf einer Party ausgefüllt hat. Hierzulande nahm Heinrich Schwazer mittels besagten Fragebogens Kontakt zu bildenden Künstlern und Schriftstellern auf, um unter anderem zu eruieren, „Wie ist Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?“. In Schwazers persönlichen Fragen zur Befindlichkeit des Betreffenden sind aber auch Gedanken um die Zukunft in der Kunst eingebettet: Wie geschieht Kunst nach der pandemischen Schockstarre? Zaghaft und vage oder instinktiv einem Impuls folgend, der Künstler in Umbruchzeiten oft zu Propheten macht? Folgt eine Welle der Politisierung in Reaktion auf die Entmündigung der Bürger? Macht sich in der Kunst eine neue Bescheidenheit und Solidarität breit? Oder bleiben am Ende nur Starkünstler übrig, die mit ihrer überteuerten Spekulationskunst lediglich einige wenige betuchte Kunden bedienen?


„FIGLIO“: Julia Bornefelds leicht verfremdetes Portrait des in der Ferne lebenden Sohnes prangt am Ende des langen Ganges in den Offiziersräumen 35


Kunst & Kultur Die Skulptur von Lois Anvidalfarei verkörpert das Gefühl des Eingesperrtseins, der Enge in dieser beklemmenden Zeit lerin Maria Walcher der Thematik „Vergessen und Demenz“, in dem der Besucher in einer bestickten Hängematte liegend einer Soundinstallation lauschen darf. Auch Stefan Tschurtschenthalers Installation aus Rundformen „moll“ soll an Erlebtes und Erlittenes erinnern. Ivo Mahlknecht präsentiert 50 Gedichte, deren dazugehörigen Zeichnungen stark an Hieronymus Bosch denken lassen. Unverkennbar das Werk Bosisios ist ein anonymisiertes Gesicht, in Erdtönen gehalten und eine ge-

wisse Melancholie ausstrahlend. Beklemmend wirkt auch Gino Albertis düsteres Meereswogenbild „Unsichtbare Grenze“ aus dem letzten Jahr, das bereits die gesellschaftliche Entwicklung in Hinblick auf die Pandemie vorwegnimmt. Ganz im Gegensatz dazu prangt Christine Gallmetzers wunderbare „Turmspringerin“ an der Wand, wo ein positiver Grundton mitschwingt: Der Sprung ins Ungewisse könnte auch gut gehen. Bei Berty Skubers Videotrilogie

Ali Palomas Fotoarbeit „Unter der Maske“ thematisiert die Auswirkungen der Maskenpflicht auf die menschliche Kommunikation geht es wie so oft bei der Völser Künstlerin um Verortungen, um Lebensorte bis hin zu imaginären Orten. Für Arnold Mario Dall’O im Unteren Trakt versinnbildlicht Kunst die Suche nach dem Unbegreiflichen, und für Andreas Zingerle ist ein Körper, an einer Kette hängend, Sinnbild für die Belastungsprobe der heutigen Zeit. Sissa Michelis beeindruckende Videoarbeiten „Waltz for an abandoned building“ hängen als Riesenanhänger von der Decke,

musikalisch untermauert mit Dmitri Schostakowitschs „Walzer Nr. 2“. Vielleicht animiert uns das Thema Lockdown nicht gerade zum Walzer tanzen, aber insgeheim verlässt man die Festung doch in heiterer Stimmung. Kunst findet wieder statt in der Hoffnung eines tatsächlichen „Lockouts“ in naher Zukunft.

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Von 1 bis 99. Eine Kinderstimme

aus dem off gibt mit Protokollnummer 1 das Startzeichen zu dem Ablauf, der wie ein Polizeibericht akribisch dokumentiert wird. Nicht weiter verwunderlich, denn schließlich landet an jenem Morgen des 2. Juni um 8.17 Uhr der Polizeioberwachtmeister Fred Kaufmann (Frederick Redavid) im „Kackdorf“ Randhausen nahe der tschechischen Grenze. Ein beschauliches Provinznest, ein fiktionales nowhwere, wo „ja nie nichts passiert“. Autos werden ohne abzuschließen geparkt, Eier und Verlängerungskabel ohne Gegenleistung verliehen, selbst die Grenze ist unbewacht. Das Entsetzen von Fred ist so groß wie seine Überforderung, mit diesen unbedarften Menschen umzugehen. Mit jeder Protokollnummer (sie laufen bis 99, aber einige

99 b: Happy End Mit der skurrilen Groteske „Am Rand (ein Protokoll)“ von Philipp Löhle, inszeniert von Torsten Schilling, startete die Dekadenz in das Herbstprogramm, das hoffentlich ohne Abstriche durchgeführt werden kann.

sind Gottseidank gestrichen!) werden wir tiefer in das Leben der Bewohner hineingezogen. Es sind gleich mehrere Leben, sprich Rollen, die Frederick Redavid, Peter Schorn, Dietmar Gamper, Margot Mayrhofer und Marlies Untersteiner verkörpern – im schwarzen Rollkragenpulli und cremeweiß-beigen Plisseeröcken oder Hosen. Margot Mayrhofer mimt Hannah Schwerte, die Gemüsefrau Inge mit sächsischem Akzent, mindestens so gut wie die schicksalsgeplagte todkranke Melinda Henzke, die dem Sohn Marc (Frederick Redavid) endlich die Wahrheit über seinen leiblichen Vater, dem ominösen Balu, gestehen will. Peter Schorn schlüpft gewohnt souverän aus der Rolle des fahrigen, ähm, ah und oh stotternden Bürgermeisters raus und in die des Ex von Melinda. Ach ja, und den tschechischen Soldaten Jiří mit slawischem Zungenschlag spielt er auch noch. Marlies Untersteiner wuselt sich zum Niederknien durch deutsche Dialekte als Anne Marquardt und als zehnjährige Luisa. Dietmar Gamper zeigt Bravour und komisches Talent als Martin und Bauer Fabian Marquardt, der mit dem Gewehr im Anschlag Jagd macht auf die Felder verwüstende, aus Tschechien einbrechende Wildsau. Süße Rehkitze machen tödliche Bekanntschaft mit dem Kotflügel eines Autos, und Luisa

Foto: Arnold Ritter

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orona-bedingt sitzen wir im großen Saal des frisch renovierten Astra. Auf der dunkel ausgekleideten Bühne stehen hübsch spießige Häuserfassaden, weiße Wände, rote Dächer und dazwischen ein paar Sperrholzbäumchen. Sonne und Mond werden nach Bedarf hinund hergeschoben, die Autos sind putzige Attrappen, in die man hineinsteigt und brummend abdüst (Ausstattung: Andrea Kerner). Um was es gleich gehen wird, erfahren wir durch den A-CappellaChor, bestehend aus den fünf schauspielenden Protagonisten. Sie schmettern markant die Silben „phi-löh-le“ in den Raum mit einem tief brummenden „Am Rand“ untermauert (Arrangement: Doggi Dorfmann). Philipp Löhle hat das verwirrende Geschehen in und um „Randhausen“ als Hörspiel konzipiert, und Torsten Schilling hat es mit so leichter Hand wie nur möglich umgesetzt.

THEATER

Im Provinznest Randhausen leben die Bewohner ohne jegliche Arglist, bis ein Polizist die Idylle zerstört trifft mit Freundin Jana im Wald auf einen zotteligen pelzigen Troll.

Schauspielerische Glanzleistung. Die Alarmglocken schrillen

bei Luisas Mutter Hannah, als sie Thriller-like (M - Eine Stadt sucht ihren Mörder) die Schaukel leer wippend vorfindet. Spätestens bei der sich formierenden Bürgerwehr mit aberwitziger WalkieTalkie-Kakophonie zur Rettung der Kinder vor dem „Sexualtäter“ vermutet man eine sich anbahnende Katastrophe. Wer glaubt schon an liebe Zottelwesen? Das Spiel bleibt aber harmlos bis lustig mit viel Situationskomik – trotz eines Toten. An der mit Schlagbaum bewehrten Grenze gibt es jedoch

Tumulte, die etwas hanebüchen den 3. Weltkrieg heraufbeschwören, wobei atemlos und doch langatmig alle teilnehmenden Staaten genannt werden. Gut, dass es mit „99 b“ ein alternatives Ende gibt, wo Marc seinen Vater Martin/Balu in die Arme schließt und sich nicht nur Randhausen, sondern nach und nach die ganze Welt brüderlich umarmt. Also doch keine Dystopie, sondern eine Utopie? Der Zuschauer bleibt vielleicht etwas ratlos zurück, die schauspielerische Glanzleistung ist aber zweifelsohne kaum zu überbieten. irene.dejaco@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

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Kunst & Kultur

BRIXEN

Die Brixner Wirtshausschilder Meist unbeachtet, stellen historische Wirtshausschilder ein besonders wertvolles Kulturgut und eine Aufwertung des Stadtbilds dar. Die Schilder erinnern an längst vergangene Zeiten und an das hervorragende technische Können der damaligen Handwerker und Künstler. Der „Brixner“ machte sich auf die Suche...

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ie Geschichte der Wirtshausschilder lässt sich weit zurückverfolgen. Schon die Griechen und Römer verwendeten Symbole, Flaschen und Trinkgefäße, aber auch Tiernamen als Werbezeichen für ihre Schenken und Wirtshäuser. Wie man einem Gasthof schon früh einen Namen als Markenzeichen zuordnete, so machte auch das Schild als Kenn- und Wahrzeichen auf das Wirtshaus aufmerksam, diente also sozusagen der Orientierung und von jeher auch der Werbung.

Buschenwirte, Baumwirte und Tabernenwirte. Laut Stadtrecht

von 1604 gab es in Brixen drei Typen von Gastwirtschaften und Gewerbetreibenden. Die Buschenwirte durften nur Wein und kalte Speisen verabreichen und verfügten weder über Stallung noch Unterkunft. Ein ausgesteckter grüner Zweig oder „Buschen“ aus Buchsbaum wies auf ihre zeitweise Öffnung hin. Die sogenannten Baumwirte führten hingegen als Zeichen einen grünen Baum als Symbol, woran heute noch das Hotel „Grüner Baum“ im Stadtteil Stufels erinnert. Auch sie durften keine Ställe haben, waren aber sonst den Tabernenwirten gleichgestellt. Und schließlich die Tabernenwirte: Das war die oberste Kategorie, weil sie berechtigt waren, Stallung zu halten und warme Mahlzeiten zu verabreichen; sie mussten zudem wenigstens vier Betten zur Aufnahme von acht Personen aufweisen. Außerdem waren sie verpflichtet, ihren Betrieb das ganze Jahr offen zu halten, auch bei Truppendurchzügen. Und sie mussten ein Wirtshausschild führen. Wirtshausschilder verdanken ihre Entstehung einer ausgehängten Fahne und einem aufgesteckten „Buschen“ bzw. einem grünen Kranz aus Zweigen, der über die 38

Eingangstür gehängt wurde – zum Zeichen, dass neuer Wein ausgeschenkt wurde. Gleichzeitig war die Fahne ein Hinweisschild auf Gastfrieden und Schankrecht. Die Fahne entwickelte sich zum hölzernen oder metallenen viereckigen Bannerschild, das manchmal einem gewöhnlichen Bildrahmen ähnelte. In diesem Fall blieb die Stange, die das Schild hielt, meist gerade – selbst nach dem Übergang zu Metall. Als Aufsatz trägt sie oft figürlichen Schmuck und am Ende eine stilisierte Blume. Der Trägerarm erhielt eine Stütze und bildete somit ein Dreieck, das besonders seit der Renaissance reich ausgestattet wurde. Viel stärker war die Veränderung bei der Kranzform. Aus der ehemaligen Stange entwickelte sich hier im Laufe der Zeit ein reich mit Ranken und Blättern verzierter eiserner Trägerarm, der in eine sich verjüngende Rundung auslief und dessen Spitze oft einem stilisierten Vogelkopf nachempfunden war und das Aushängeschild trug. Bei Apotheken – wie bei der Stadt- und Peerapotheke – übernahm oft ein Schlangenkopf diese Funktion, zumal Schlangen als Symbol der Heilkunde und der Apotheker galten. Der frische Kranz aber wurde aus Metall geschmiedet und umrahmte das Wahrzeichen des Hausattributs.

Die Bedeutung der einzelnen Symbole. Beliebte Symbole waren

Sonne, Mond und Sterne. Häufig wurden auch Zeichen aus der Tierwelt verwendet wie Elefant, Bär, Adler, Rössl, Lamm, Hirsch, Ochs, Symbole aus Blumen und Früchten, Hoheitszeichen oder religiöse Motive. Interessant ist vielleicht auch, dass viele Bezeichnungen das Adjektiv „Golden“ tragen, was einer höheren Einstufung entsprechen sollte und heutzutage durch die An-

Eine Postkarte aus dem Jahr 1905 zeigt das damalige Wirtshausschild des Schwarzen Adlers in den Kleinen Lauben zahl der Sterne ausgedrückt wird. Bei manchen Brixner Gaststätten lässt sich sogar die Steigerung gut nachweisen: Da gab es den Schwarzen, Roten (Runggadgasse) und Goldenen Adler. Desgleichen gab es das Weiße und Goldene Rössl, von einem Schwarzen Rössl war hier in Brixen allerdings nie die Rede. Der weit in die Gasse hinausragende Träger mit dem Symbol des Hauses wollte den Gast auf sich aufmerksam machen

und zur Einkehr laden. Gleichzeitig garantierte ein solches Schild aber auch den Schutz einer höheren Gewalt, die den Einkehrenden beschirmte. Andererseits erinnern alte Wirtshausschilder auch an die Gemütlichkeit und Geselligkeit ehemaliger Gaststuben: „Wenn Südtiroler Gasthäuser nicht so gemütlich wären, hätten sie es auch niemals zu solch gemütvollen Schildern gebracht“, schrieb Propst Josef Weingartner,


der bedeutendste Kunsthistoriker unseres Landes, 1920 in der Zeitschrift „Der Schlern“. Heute stellen solche Wirtshausschilder eine Bereicherung für das Straßen- und Stadtbild dar, sofern sie nicht Reklametafeln mit Neonbeleuchtung weichen mussten. Es ist erfreulich, dass auch einige Wirtshausschilder bereits aufgelassener Gasthöfe erhalten sind. Freilich fehlen sie an den ehemaligen Gasthöfen Strasser, Hirschen- und Engelwirt in Stufels, beim Roten Adler und Mondschein in der Runggadgasse, beim Sandwirt in der Mühlgasse sowie am Schwarzen Adler unter den Kleinen Lauben. Jedenfalls erinnern viele Wirtshausschilder, ähnlich wie Zunftund Handwerkerzeichen, mit ihren abwechslungsreichen Formen an das hervorragende technische Können in alten Zeiten und an das in Blüte stehende Schmiede- und Schlosserhandwerk. Zum Vergleich sei an die alten schmiedeeisernen Friedhofskreuze oder an die Fenster- und Türgitter alter Bürgerhäuser in unserer Stadt erinnert. In einem venezianischen Reisebericht aus dem Jahre 1492

wird in Brixen der Gasthof Lamm erwähnt – im italienischen Text als „Agnus Dei“ bezeichnet, was wohl aus einem Gasthauszeichen mit dem Brixner Stadtwappen zu erklären sein dürfte. Eine Blüte erlebten die Wirtshausschilder in der Renaissance, im Barock, Rokoko und im Klassizismus. Eine genaue zeitliche Zuordnung fällt oft schwer. Jahreszahlen auf Schildern weisen fast immer auf das Wirtshaus und die Besitzerfamilie hin. In der Gegenwart werden neue Wege der Schildgestaltung beschritten, etwa durch Schildtafeln. In der Mitte veranschaulicht ein Bild in der Art eines Medaillons die Bezeichnung des Gasthofs, darunter wird der Name des Wirtshauses oder des Besitzers vermerkt. Oft tritt nur mehr der Name des Hauses in Riesenbuchstaben an die Stelle des einstigen Wirtshausschildes.

Adler stand für das gleichnamige Gasthaus unter den Kleinen Lauben – dort, wo heute die Hofapotheke untergebracht ist. Vor 1600 wurde es als das „Wirtshaus zum Wilden Mann“ bezeichnet, woran heute noch die Holzfigur des „dreiköpfigen Manns“ erinnert. Die Laubengasse wurde damals noch Schlossergasse genannt, wie man auf der Ansichtskarte von 1905 sieht (Fotoarchiv: Robert Recla)

Hotel Elephant

Ernst Delmonego Leserbriefe an: echo@brixner.info

Schwarzer Adler Das nicht mehr vorhandene Wirtshausschild mit einem schwarzen

Sein schmiedeeisernes Schild hat wie der Gasthof selbst ein feines und vornehmes Gepräge. Zwischen Träger und Anhänger

in Form eines beidseitig bemalten Bannerschildes ist hier noch (scharf) unterschieden. Der feingearbeitete Trägerarm, der mit einer stilisierten Blüte endet, ist noch gerade und tritt als feste Stange hervor. Das Ornament ist dünn und zierlich. Zierlich ist auch das Schild mit dem namengebenden Elefanten, auf dem ein goldfarbener Bogenschütze sitzt. Die Jahreszahl 1551 verweist auf das geschichtliche Ereignis vom Durchzug des Elefanten, während mit 1869 die Besitzkontinuität der Familie Heiss beginnt. An den vier Ecken des Schildes befindet sich der zweiköpfige Reichsadler, während in der Mitte links und rechts der Tiroler Adler aufscheint. Unter dem Zahlenschild hängt eine stilisierte goldfarbene Traube. Ein Posthorn mit Schnur und Quasten erinnert daran, dass von 1837 bis 1912 im dazugehörigen angrenzenden Haus auch die Brixner Poststation untergebracht war. Auf dem Trägerarm fällt noch der von Hasen, Vögeln und einem Hund umgebene Jäger auf, der auf das an der aufstehenden Blume springende Wild schießt. An diesem Schild sind noch Formen der Renaissance erkennbar.

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Kunst & Kultur

Finsterwirt

markt, Schlanders und Kaltern. Am Schildrahmen hängt noch eine (blaue) Traube. Im Finsterwirtshaus schenkte das Domkapitel seit 1743 seine Zinsweine aus; dann diente es als Buschenschank.

Schwarze Bär

entdeckt werden, während sich der dazugehörige Trägerarm aus derselben Zeit über dem Tor zum Kreuzgang befindet. Die Unterscheidung zwischen Schild und Träger ist verschwunden; alles ist ein einheitliches Ornament, es gibt keine geraden Linien mehr.

Goldener Stern

Dieses Wirtshausschild mit dem geraden Trägerarm und der Jägerszene erinnert stark an das Schild am Elephanten. Im viereckigen Rahmen findet sich eine schön geformte, von Trauben und Rebblättern umgebene Weinkanne aus Zinnblech – ein besonders altes Kennzeichen für ein Wirtshaus. Am Schildrand befinden sich außer den Anfangsbuchstaben „A-M“ für den kunstsinnigen Wirt Anton Mayr († 1935) auf der einen Seite die Wappen der Städte von Brixen, Bozen, Sterzing, Meran und Bruneck sowie der Tiroler Adler, auf der anderen Seite (gegen den Domplatz) die Wappen von Glurns, Klausen, Mals, Neu-

Der Bär ist seit der Antike ein häufig verwendetes Gasthaussymbol. Das Schild beim ehemaligen „Wirtshaus zum Schwarzen Bären“, das an der Stelle der heutigen Carabinieri-Kaserne in der Trattengasse angesiedelt war, bestand aus einer Holzfigur mit schmiedeeisernen Rokokoumrandung. Das aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende Schild konnte jüngst im Diözesanmuseum der Hofburg Brixen wieder-

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Kleinen Graben. Erst wenn man sich in Erinnerung ruft, dass die Eingangsstraße von Bozen einst über die Kreuzgasse führte, versteht man, dass das Schild an der Südwestecke des Hauses zur Einkehr lädt. Ein leicht geschwungener Trägerarm, dessen Ranken- und Schnörkelwerk das Ende des Rokoko ankündigen, trägt in einem zierlich geschwungenen, leicht ovalen Rahmen ein Kreuz mit Strahlenverzierung. An diesem Schild hängt noch in waagrechter Stellung ein Zinnkrug mit einem kleinen Schutzdach. Der Name des Gasthofs kommt von dem einst nahegelegenen Kreuz, von dem auch die Kreuzgasse den Namen erhielt.

Goldene Rose Nachdem Peter Kinigadner 1834 das „Wirtshaus am Schwarzen Bären“ der Stadtgemeinde Brixen verkauft hatte, errichtete er in der ehemaligen Wolkensteinischen Behausung in der Altenmarktgasse (heute: Stern-Bar) trotz Einspruchs der Brixner Wirte das „Gasthaus zum Goldenen Stern“. Ein geschwungener Trägerarm mit Blüten, Rosetten und einer Girlande endet als Vogelkopf und hält in einer geknüpften Masche einen buschigen Blätterkranz fest. Im Zentrum befindet sich ein achtzackiger Stern. Den Abschluss dieses Wirtshausschildes bildet eine an den Lorbeerkranz gehängte blaue Traube mit zwei Rebblättern. Ein Stern erinnert prinzipiell an die Heiligen Drei Könige. Darüber hinaus bedeutet der Stern auch, dass das Gasthaus bis spät in die Nacht hinein für den Gast bereitsteht.

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An das einstige Gasthaus „Goldene Rose“ unter den Großen Lauben erinnert nur noch das Wirtshausschild mit dem weit ausladenden spätbarocken Trägerarm, der reich mit Blüten- und Blattwerk verziert ist und in einem Vogelkopf endet. Daran hängt an einer geschlungenen Masche das Schild mit einer goldfarbenen Rose, die von einem Blätterkranz umgeben ist. Die Rose galt von alters her als ein Zeichen der Lebensfreude; gleichzeitig war sie aber auch ein Symbol Mariens.

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Vergebens sucht man das Wirtshausschild zum „Goldenen Kreuz“ über dem Haupteingang des heutigen gleichnamigen Hotels am

Ein klassizistischer Trägerarm mit Blüten- und Pflanzenornamenten hält an einer geschlungenen Masche in einem Reifen, der aus dem


Weißes Rössl

Der geschwungene klassizistische Trägerarm ist mit Lorbeerzweigen, Blättern und kleinen Rosen geschmückt. Am angedeuteten Vogelkopf hängt an einer geschlungenen Masche ein Blätterkranz mit Girlande, in dem der Weiße Turm, das Symbol der Stadt Brixen, abgebildet ist. Am Trägerarm hängt ein neuartiges Schild mit der Inschrift „CAFE RESTAURANT PIZZERIA“. Zu finden in der Weißenturmgasse.

Foto © Jean Marc Turmes

Kranz hervorgegangen ist, das zum Sprung ansetzende goldfarbene Rössl als Wahrzeichen. Das Schriftschild mit der Jahreszahl 1927 und dem Familiennamen Stolz verweist auf die Besitzerfamilie. Das Schild befindet sich am Eingang des gleichnamigen Hotels in der Brennerstraße.

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Nur mehr ein viereckiger aus Holz geschnitzter Rahmen mit einem zum Sprung ansetzenden ebenfalls geschnitzten weißen Rössl erinnert an das ehemalige gleichnamige Gasthaus in der Altenmarktgasse. Das beidseitig bemalte Bannerschild hängt an einer einfachen runden Fahnenstange. Aus Holz gefertigte Wirtshausschilder sind übrigens selten zu treffen, da ihre Dauerhaftigkeit sehr begrenzt ist. Das Schild soll hier angeführt werden, um die Steigerung zum Goldenen Rössl aufzuzeigen. Ein weißes Rössl erinnert vor allem an den „Glücksschimmel“, wie das Hufeisen ja überhaupt als Glückssymbol gilt.

Weißer Turm

Ein weit ausladender zierlicher Trägerarm mit Blüten und Rankenwerk hält durch eine geknüpfte Masche einen grünen Lorbeerkranz mit Rosette. Im Zentrum des Blätterkranzes stehen kreuzweise die beiden goldfarbenen Schlüssel in jeweils verschiedener Ausführung als Wahrzeichen des einstigen Gasthauses in der Weißenturmgasse. Das Schild zeigt noch Schmuckmotive des Rokoko. Hervorgegangen war der Gasthof übrigens aus der Baumwirtschaft zum „Kasselmaurer“. Die gekreuzten Schlüssel sind Zeichen der Hoheitsgewalt, die an die Schlüsselübergabe an den Apostel Petrus erinnert. Hier stellten die Schlüssel eine für den Gast geschützte Unterkunft dar.

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Kunst & Kultur

Meist bezeichnen Brixner das Kreuztor, das in die Erhardgasse führt, als Sonnentor – nach dem dort angesiedelten ehemaligen Gasthof Goldene Sonne. Eine einfache Tragstange aus neuerer Zeit hält einen Kranz aus Girlandenwerk mit dem Symbol einer zwölfstrahligen Sonne mit ausgeprägten Gesichtszügen. Die Sonne dürfte aus der Barockzeit stammen. Darüber ist ein kleines Schutzdach angebracht. Die Wärme und Licht spendende Sonne gilt seit jeher als Lebensspender.

Goldene Krone

Im Jahre 1794 wurde das ehemalige Baumwirtshaus „Triendl“ in der Stadelgasse von Fürstbischof Karl Franz Lodron zu einem Tabernenwirtshaus erhoben und mit einem Kronen-Schild ausgezeichnet. Dabei dürfte es sich weniger um eine Erinnerung an die Heiligen Drei Könige als vielmehr um ein Hoheitszeichen handeln, und zwar um eine goldfarbene neunzackige Adelskrone, die von einem geschwungenen, mit Ranken und Blättern versehenen Trägerarm gehalten wird. Während die Krone neueren Datums zu sein scheint, sind am Trägerarm noch Merkmale des Rokoko zu erkennen. Zu finden in der Stadelgasse beim heutigen Hotel Krone.

Goldene Traube Ein zierlicher, elegant geschwungener Trägerarm mit klassizistischen, aber auch Rokoko-Stilelementen trägt einen Lorbeerkranz mit einer großen goldfarbenen Traube in seiner Mitte. Es handelt sich hierbei um eine formvollendete Schmiedearbeit. Gerade in unserem Land weist die Traube auf gute Weine hin. Zu finden in den Kleinen Lauben; im Sommer

und Herbst sieht man das Wirtshausschild allerdings kaum, weil es von Rebblättern überwuchert wird.

Thalerwirt Ein mit Schnörkelwerk und Ornamenten überladener Trägerarm mit stilisierten Blüten und einer gefüllten Blumenvase hält das Wirtshausschild in Form eines runden Medaillons. Auf der einen Seite befindet sich ein Porträt mit der Umschrift „Kaiserin und Königin Maria Theresia“, auf der

anderen Seite ist ein Doppeladler abgebildet mit der Aufschrift: „Albergo-Gasthof“. Hier hat sich der Name des Baumwirtes Melchior Thaler (1659) erhalten, was sonst bei Baumwirten ja nicht so der Fall war wie bei Tabernenwirten. Zu finden in der Altenmarktgasse.

Restaurant Fink An einem alt aussehenden Trägerarm mit stilisierter Blume hängt unter den Kleinen Lauben das Wirtshausschild mit der namen-

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Seit der Sanierung des Hauses im Jahre 1998 befindet sich ein stilisierter goldfarbener Doppeladler in einem Viereckrahmen an der Südostecke des Hotels. Das Wirtshausschild erinnert an heraldische Wurzeln; der zweiköpfige Adler war nämlich seit 1433 das Symbol des Kaisers und weist gleichzeitig darauf hin, dass hier berühmte Gäste einkehrten – zum Beispiel Kaiser Maximilian oder Eleonore von Mantua, die Gemahlin Kaiser Ferdinands III. Der alte Gasthof hatte, solange der Verkehr ins Pustertal über die Adlerbrücke und Stufels führte, eine bevorzugte Stellung in der Stadt. gebenden Aufschrift. Ein Teller mit Löffel und Weinglas soll an die Funktion erinnern; das ausgeschnittene Vögelchen sollte wohl einen Fink darstellen. Das Schild wurde in den 1990er Jahren angefertigt und angebracht.

Decantei

Grauer Bär

Gelungenes modernes Wirtshausschild, das auf den 2019 eröffneten Gasthof Decantei in der Hartwiggasse hinweist. Der Name erinnert an das ehemalige Haus des Domdekans.

Lamm Einfaches Wirtshausschild aus dem 20. Jahrhundert mit aufgezeichnetem Bär hinter einem vollen Weinglas. Früher hieß dieses Gasthaus „Roter Ochse“, wonach auch die nahegelegene Ochsenschmiede und Ochsenmühle (Englische Mühle, heute Hotel Pupp) erinnert. Zu finden in der Altenmarktgasse.

Goldener Adler Für das chinesische Restaurant in der Trattengasse wurde der alte Träger des Wirtshausschildes für das ehemalige Wirtshaus Lamm wiederverwertet. Die Moderne ist auch in Brixen angekommen!

Hauptquellen: Josef Weingartner: Südtiroler Wirtshausschilder, in: Der Schlern 1 (1920), S. 247–251. Georg Hörwarter: Wirtshausschilder in Südtirol, Lana 1983.

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MUSIK UND KIRCHE

War er es, oder war er es nicht? Bilderstürmer, Freigeist, Zertrümmerer von musikalischer Ordnung, Genie und am Ende seines Lebens der an seiner Taubheit Leidende? Die Rede ist von Ludwig van Beethoven, zu dessen 250-Jahr-Ehren die „Initiative Musik und Kirche“ ein dreitägiges Symposion veranstaltete – umrahmt von Klavierkonzert, Kammermusik und feierlichem Gottesdienst im Dom.

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ie Themen „Freiheit und Religion“ wurden von Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und so mancher Mythos um einen der wohl bekanntesten Komponisten schlechthin geradegerückt. Im Rahmen des dreitägigen Symposions, das von der „Initiative Musik und Kirche“ organisiert wurde, wurde ein tieferes Verstehen von Beethoven ermöglicht. Selbst profunde Musikkenner konnten dabei noch Neues entdecken und erfahren – wie etwa von Hans-Joachim Hinrichsen. Der zuletzt in Zürich lehrende Germanist und Musik-

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Kunst & Kultur

Beethoven zu Ehren

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wissenschaftler hat in den vergangenen Jahren einige grundlegende Arbeiten vorgelegt, im heurigen Beethoven-Jubiläumsjahr die Biografie „Ludwig van Beethoven – Musik für eine neue Zeit“ (im J.B. Metzler Verlag erschienen). In seinem Vortrag in der Cusanus Akademie sprach Hinrichsen über Beethovens Bezüge zu Freiheit, Unabhängigkeit und Autonomie, die wohl gerade für Zuhörer, die ja nun in der „autonomen Provinz Bozen“ leben, durchaus Aufschlussreiches zu bieten hatte – auch jenseits von Musik und Kirche. So bettete der Wissenschaftler das Schaffen Beethovens in den politischen Kontext seiner Zeit ein: Zwar war der junge Beethoven in der Wiener Adelsgesellschaft seiner Zeit bereits ein Star, doch wandte er sich ab den 1810er-Jahren von den Salons ab, da ihm seine Schwerhörigkeit eine entspannte Geselligkeit unmöglich machte. Auch die politischen Umstände, das restaurative Überwachungssystem des MetternichStaates, bereitete dem Musiker größte Probleme. Daher band Beethoven sehr bewusst (Friedens-)Texte von Zeitgenossen in seine Musik ein, allen voran Schillers Ode an die Freude in seine letzte, die neunte Sinfonie, die seit 1970 auch die offizielle Hymne der Europäischen Union ist.

Musik mit Regularität: Beethovens Interpretation von Freiheit sollte zum Nachdenken zwingen Zertrümmerer zu verstehen. Der Freiheits- und Autonomiegedanke bei Beethoven sei vielmehr in der Philosophie Immanuel Kants verankert: Gesetzeslose Freiheit produziere nur Unsinn, auch in der Musik. Freiheit im

„Von 100 Künstlern können vier von ihrer Arbeit leben, nur ein einziger schafft es nach oben“_ Heinrich Schwazer, Kulturredakteur der „Neuen Südtiroler Tagezeitung“ Musik mit klarer Gesetzlichkeit. Beethoven’schen Kosmos sei hin-

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in uns und der gestirnte Himmel über uns!!!“ – versehen mit drei Ausrufezeichen kritzelte Beethoven im Jahr 1820 auf einen Zettel und beschreibt damit kurz und knapp sein geistig-musikalisches Credo. Denn zum Genialsten an

Freiheit sollte allerdings nicht als chaotische Willkür oder ungezügeltes Zertrümmern verstanden werden: „Das ist sicher nicht Beethoven“, betonte Hinrichsen, und in diesem Sinne sei er auch nicht als ein Bilderstürmer und

gegen als eine von ihr selbst begründete Autonomie zu verstehen, die zum Nachdenken zwinge, auch beim Hören der Musik Beethovens, die ihre eigene sehr klare Gesetzlichkeit und Regularität aufweise. „Das moralische Gesetz

Beethoven dürfte gehören, dass er das Geistige oder auch Spirituelle durch seine Kompositionen hörbar machte. Und auch hier argumentierte Hinrichsen wieder sehr nachvollziehbar mit Kant: „Kant hatte ja verdeutlicht, dass ‚Gott‘ weder theoretisch noch philoso-


phisch beweisbar ist, dass aber vernünftige menschliche Praxis dennoch nicht auf die Vorstellung von Gott als sinnverbürgende Instanz verzichten kann. Diese ‚übersinnliche‘ Vernunftidee gibt also die Orientierung vor, und genau darin liegt auch Beethovens Spiritualität. Sie ist aber eben nicht einfach identisch mit traditioneller Religiosität.“

Freiheit in Kunst und Kirche. Von

Religiosität sprach im Anschluss an Hinrichsen der Bozner Kulturredakteur Heinrich Schwazer in einem ebenso kenntnisreichen Vortrag über die „Freiheit der Kunst und die Kirche“. Es handle sich bei diesem Thema seit dem Alten Testament um ein Beziehungsdrama ohnegleichen: Kunst und Kirche seien zwei, die sich zwar gegenseitig brauchen, die sich aber bis zur totalen Entfremdung auseinandergelebt hätten. Das Verhältnis zwischen Kunst und Kirche habe alle Ingredienzien für einen Rosenkrieg – wobei damit insbesondere die katholische Kirche gemeint ist, denn sie war es, die bis ins 19. Jahrhundert die Mäzenin in der bildenden Kunst und weltweit ebenso Stätte der bedeutendsten Kunstwerke war. Im 20. Jahrhundert wendeten sich auch die Künstler selbst gegen die Kirche; so wurde der Bildhauer Henri Moore von seiner Künstlerbewegung ausgeschlossen, als er eine Auftragsarbeit für die Kirche übernommen hatte. Spannend und lakonisch schilderte Schwazer den Streit zwischen dem (2017 verstorbenen) Kardinal Joachim Meisner und Gerhard Richter, einem der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler, über dessen abstrakt-

bunte Fenster im Kölner Dom. Die Glasfenster von Richter, die vom Domkapitel zu Köln fast einstimmig von einer Jury ausgewählt worden waren, provozierten bei dem streitbaren Kardinal einen regelrechten Zornausbruch: Das Fenster würde „eher in eine Moschee oder ein anderes Gebetshaus“ als in die gotische Kathedrale passen, „immerhin die größte Kirche Deutschlands.“ Der Zorn von Meisner verrauchte; das Fenster entfaltet noch heute seinen Farbenzauber. „Doch die Einheit von Kunst und Kirche waren bereits seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr wiederherzustellen“, so Schwazer, der Museen als die Tempel der Neuzeit beschrieb. Zum Ende seines Vortrags kam der leitende Kulturredakteur der „Neuen Südtiroler Tagezeitung“ nicht umhin festzustellen, dass vermutlich vielen Künstlern von heute die Kirche als Mäzenin lieber wäre als „die düsterste Religion, die jetzt regiert“ (Walter Benjamin) – nämlich der Kapitalismus. Womöglich war es bei allen Auflagen und Konflikten für einen Künstler in früheren Jahrhunderten leichter, für die Kirche zu arbeiten, als heutzutage von Marktmechanismen abzuhängen, die der Einzelne nicht mehr beeinflussen kann. Die Covid-Krise habe einmal mehr in aller Schärfe verdeutlicht, wie sehr Künstler und auch Musiker unter den wirtschaftlichen Regeln des kapitalistischen Kulturmarktes auch leiden: „Von 100 Künstlern können vier von ihrer Arbeit leben, nur ein einziger schafft es nach oben.“ stephanie.risse@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

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info Vielfältig und anspruchsvoll war das Programm zu Beethoven, seinem Schaffen und seinen Auswirkungen, das die „Initiative Musik und Kirche“ Anfang Oktober zwischen der Cusanus Akademie und dem Dom organisiert hatte. So sprach der Theologe Meinrad Walter über die transzendenten Bezüge und dessen „neue spirituelle Musik“. Der Kulturwissenschaftler Helmut Loos beleuchtete die Vergöttlichung des Komponisten selbst, die den meisten wohl in dem heroischen Porträt von Stieler präsent sein dürfte: Beethoven blickt dort mit intensivem Blick, wilder Haarmähne und einem roten Schal um den Hals wie ein feuriger Widerstandskämpfer mit Notenblatt und gespitztem Bleistift. Felix Diergarten beschäftigte sich schließlich mit den „Musiksprachen“ in Beethovens Messen. Umrahmt wurde das Symposion vom Streichquartett „Esmé“ und einem Klavierkonzert des bekannten Bach-Interpreten Stepan Simonian. Die beiden letzten Klaviersonaten gelten als diejenigen, in denen man lernen kann, über Gott nachzuspüren und über die irdische Welt hinaus katapultiert zu werden. Der in Hamburg lehrende Pianist Simonian gab seiner elegischen Interpretation bisweilen einen metallischen nüchternen Klang, der neben dem Genialen der Beethovschen Musik auch die rationale und vernunftgeleitete Stimme zum Klingen brachte.

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MUSIK

Kunst & Kultur

Für eine Woche auf Platz 2 z Die Brixner Deutschrocker Frei.Wild wollten es 2020 nach den Riesenerfolgen der letzten Jahre eigentlich etwas ruhiger angehen lassen, aber zumindest in den Charts bleiben sie aktiv: Zum dritten Mal in diesem Jahr standen sie kürzlich in den Top 3 der offiziellen deutschen Albumcharts, wenn auch nur für eine Woche. Nach Platz 1 für das

„Corona Quarantäne Tape“ im April und Platz 2 für „Brotherhood“, einem gemeinsamen Album mit den amerikanischen Bikern der Orange County Choppers, im August, landete auch „Corona Tape II – Attacke ins Glück“ mit Mut machenden Songs auf Platz 2 der Charts. Für Frei.Wild ist „Attacke zum Glück“ das elfte Top-10-Album in Deutschland.

Abwarten, bis sich nach Covid-19 die Situation im Kulturbereich wieder normalisiert, war für Frei. Wild keine Option: „Unsere Band absolviert seit über 19 Jahren ein Überlebenstraining; das hat uns stark gemacht. In Zeiten, in denen der Wind kalt und heftig weht, merkt man diese Stärken umso mehr.“ wv

K&K Kunst & Kultur

MALEREI

Berührende Momente z Der Kunstkreis St. Erhard macht ein paar Mal im Jahr auf sich aufmerksam, indem die Werke seiner Mitglieder in der Galerie Adlerart präsentiert werden. Bis Ende Oktober sind die Bilder von Pascale Alessi in einer Personale „Mes images“ zu bestaunen, die zu ihrem 50. Geburtstag ausgerichtet wurde. Alessi ist seit vielen Jahren Mitglied im Kunstkreis und hat bereits an mehreren Gemeinschaftsausstellungen teilgenommen. Sie malt in der höchst diffizilen Technik der Ölmalerei mit einer wunderbaren Farbpalette und mit sicherem Pinselstrich.

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notiert

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Ihre Malerei beruht auf genauer Beobachtung und Erfassung von Farben und Lichteinflüssen, die sie mit Erinnerungen und starken Gefühlsmomenten verquickt: „Wenn mich ein Moment berührt, ist er es wert, eingefangen zu werden“, meint die Künstlerin. Früher waren ihre Bilder hauptsächlich den „Ballettratten“ gewidmet, beruhend auf einem Hobby, dem sich Pascale Alessi selbst intensiv widmet. Auch in der aktuellen Ausstellung sind Arbeiten von grazilen Körpern in Tanzposition zu bewundern, aber vor allem erzählen die ausdrucksstarken

Der junge Brixner Fotokünstler Alessandro Zampini zeigt bis zum 15. November im Domcafé unter den Großen Lauben seine Portraitfotos. Der Berufsfotograf hat in London seine Leidenschaft für Portraits vertiefen können. Seine Intention ist es, den Seelenzustand des Portraitierten festzuhalten.

Bilder von der Sehnsucht nach Freiheit, Luft, Sonne und Meer während des Lockdowns. ird

Der Brixner Galerist Alex Pergher lädt am 19. November um 19 Uhr zur Finissage in die Galerie 90 in Mühlbach. Die Sammlung „Magic Pencil“ aus persönlichem Bestand enthält Werke von 40 renommierten Künstlern wie Lois Anvidalfarei, Peter Fellin, Ursula Huber oder Franz Kehrer.

Anlässlich des 500. Todestages von Raffael hat der Ausschuss für italienische Weiterbildung „Evviva Bressanone“ eine Ausstellung in der Hofburg ausgerichtet mit dem Titel „Raffael in den Zeichnungen von Joseph Schöpf“. Sie läuft bis 8. November und von 27. November bis 10. Jänner.


NACHGEFRAGT

„Mit möglichst viel Optimismus“ Herr Silbernagl, war es für die heurige Saison schwieriger, die Theaterhäuser zu einem Gastspiel in Südtirol zu überreden? Wir arbeiten mit langjährigen Partnern zusammen – das schafft großes Vertrauen. Deshalb ist allen Beteiligten klar, dass die derzeitige Lage eine Ausnahmesituation ist. Auch wenn Verträge geschlossen werden, wissen beide Seiten, dass es Umstände geben kann, die jede Vereinbarung hinfällig machen. Und da wird dann nicht vor Gericht gezogen, sondern das Bestmögliche für alle daraus gemacht.

Südtirol ist jetzt Risikogebiet; das Schauspiel Leipzig hat bereits abgesagt. Gibt es Ersatz beziehungsweise wie schaut es mit den anderen Aufführungen in Brixen aus? Statt „Der Gott des Gemetzels“ wird das Landestheater Linz mit Nestroys Burleske „Häuptling Abendwind“ auftreten. Ich hoffe, dass wir am 27. November das Metropoltheater München begrüßen dürfen mit ihrer Erfolgsproduktion „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“. Aber jeder Tag kann unsere Arbeit auf den Kopf stellen, Änderungen oder schlimmstenfalls Absagen erzwingen. Wir tun, was der ge-

setzliche Rahmen ermöglicht – mit möglichst viel Optimismus! Wie schaffen Sie es, die Sicherheitsbestimmungen einzuhalten, wenn alle ihr Abo erneuern? Da sitzen doch oft völlig Unbekannte nebeneinander? Für die Hauptvorstellung versuchen wir trotz der großen Anzahl von Abonnenten, das Schachbrettmuster bestmöglich zur Anwendung zu bringen. Zudem gilt bei uns absolute Maskenpflicht während der gesamten Aufführung. Die Sicherheit des Publikums liegt uns sehr am Herzen.

Foto: Oskar Zingerle

PETER SILBERNAGL, Direktor des Südtiroler Kulturinstituts, über die derzeitige Ausnahmesituation und daraus resultierende Unsicherheiten, aber auch über langjährige vertrauenschaffende Partnerschaften.

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MUSIK

Kunst & Kultur

Zuckersüß und crazy z Während der Brixner Musiker Alex Richter normalerweise in den Stilrichtungen Alternative und Independent Rock zu Hause ist, haut er neuerdings auch Pop- und Raptöne raus – beim neuen Song „Time Out“ beispielsweise, den er gemeinsam mit der Meraner Sängerin Tracy Merano aufgenommen hat. „Wir haben uns bei einer Veranstaltung in Brixen kennengelernt und hatten Lust auf ein gemeinsames Projekt“, sagt Richter. Die Musiker haben den Lockdown genutzt, um den Song zu schreiben, der vor rund zwei Monaten von Fabian Pichler in Bozen produziert wurde. Das Ergebnis kann sich hören – und vor allem sehen lassen, denn das Video im Sixties-Look bringt Gute-Laune-Stimmung! Den süßen Popklängen, die Tracy Merano anschlägt, mischt der 23-jährige „Mental“, wie sich Richter als

Solokünstler nennt, seinen Rapgesang bei. „Mental passt zu mir; ich bin nämlich ein crazy Typ“, so Richter, der nicht nur selbst Texte schreibt, rappt und singt, sondern auch Bassgitarre und Cello spielt. Das Video wurde unter anderem in Stufels und St. Andrä gedreht.

Alex Richter studiert in Innsbruck Biologie und ist auch der Sänger der Brixner Band „Beyond Hills“, die seit 2017 gemeinsam Musik macht – mit Marcel Gritsch, Peter Zingerle, Peter Pichler, Felix Kaser und Alex‘ Vater Walter Richter. „Wir haben neue Songs in petto,

die nur darauf warten, präsentiert zu werden – sobald es wieder möglich ist. Ich konzentriere mich derzeit auf die Musik mit der Band, aber auch weitere Soloprojekte stehen an.“ Den Song „Time Out“ kann man sich in der „Brixner“App ansehen und anhören. eh

Foto: Konrad Eichbichler

NEU IM REGAL Frauen für Frieden

MUSIK

Perfekte Einheit z Am Eröffnungsabend des Symposions „250 Jahre Ludwig van Beethoven – Religion – Freiheit“ lud die „Initiative Musik und Kirche“ zum Konzert des außergewöhnlichen Esmé Quartetts. Bis kurz vor Konzertbeginn hörte man das lebhafte Einspielen der vier Koreanerinnen, denn Perfektion fordert intensiven Einsatz. Aus ihrer anschließenden Darbietung vernahm das Publikum nicht nur harte Arbeit, sondern auch ehrlichen Pathos. Dabei verbarg sich hinter dem Erscheinungsbild der zarten Geschöpfe in ihren pastellfarbenen Abendroben ein wahrer Tsunami an Ausdrucksgewalt. Die Werke von Alfred Schnittke und Ludwig van Beethoven boten 48

dabei alle Herausforderungen, die man an Musiker stellen kann. Das Ensemble überraschte mit langsam herannahenden Appassionato-Elementen, um dann gleich wieder in gesanglich schwebende Episoden abzutauchen. Dabei bildeten die Vier eine perfekte Einheit, wie man sie selten hört – absoluter kammermusikalischer Hochgenuss, der aus einem einzigen Bogen heraus entstanden zu sein schien. Selbst ihre Art und Weise, dem Nachhall nachzulauschen, war synchron. In seinem Spiel bewies das preisgekrönte Esmé Quartett eine „verschwörerische Komplizenschaft“, obwohl es erst 2016 an der Kölner Musikhochschule gegründet wurde. mis

Fast in Vergessenheit geraten ist der Widerstand der Südtiroler Frauen in den Achtzigerjahren gegen Aufrüstung und Krieg. Die Politikwissenschaftlerin Martha Verdorfer ist seit jeher an Projekten zur Frauen- und Geschlechtergeschichte in Südtirol beteiligt mit dem Schwerpunkt Oral History. Jetzt hat sie die Publikation „Die Frauen für Frieden“ herausgegeben – einerseits, um diese bedeutende Zeit in Erinnerung zu rufen, und anderseits als Mahnmal für die Erhaltung des Friedens. Anfang der Achtzigerjahre drohte mit Umweltverschmutzung, Atomkraft und Kaltem Krieg eine düstere Zukunft. Vor allem der NATO-Doppelbeschluss von 1979, der die Stationierung von Mittelstreckenraketen vorsah, sorgte für Unruhe und rief engagierte Frauen auf den Plan. Sie starteten verschiedene Aktionen und wurden dafür bekämpft, als Verräterinnen und „Moskaus Idiotinnen“ verunglimpft. Mit Briefen und Fotos gut bestückt,

Martha Verdorfer: Die Frauen für Frieden – gegen Aufrüstung und Krieg. Südtirol 1980–1986 Alphabeta Verlag

bezeugen direkt involvierte Frauen wie Irmtraud Mair und Christine Dissertori einschneidende Kundgebungen wie das Friedensfest 1980 in Brixen oder die Friedenswanderung 1983 im Eisacktal.


Erfolgreicher Musiksommer in der Hofburg

Foto: Matthias Gasser

z Nach dem langen kulturellen und gesellschaftlichen Stillstand im Frühling haben die Bürgerkapelle Brixen und der Kulturverein Brixen Musik den heurigen „Musiksommer in der Hofburg“ unter anderen Vorzeichen, aber nicht minder erfolgreich veranstaltet – unterstützt von der Tourismusgenossenschaft und von der Gemeinde Brixen. Im wunderbaren Ambiente des Innenhofs der Brixner Hofburg waren sieben sehr ansprechende Konzerte zu erleben. Die Bläser des Haydn Orchesters haben den Beginn mit Mozarts Serenade „Gran Partita“ gemacht und die Reihe auch unter der Leitung des Startrompeters Marco Pierobon beendet. Dazwischen waren das Cinquino Brass Quintett (Brainstorm) und Bozen Brass (Surprise) zu hören. Das heimische Publikum war von den „Jungen Talenten am Podium“ mit den

Foto: Oskar Zingerle

MUSIK

Ensembles „MischMasch“, „Pentakis mit Schlag“ und „Vipialma“ sehr angetan. Das junge preisgekrönte Quintett „Urban Brass“ aus Süddeutschland hat mit bester Bläserkultur und hoher Musikalität überzeugt („Summertime on Broadway“). Zweifellos war aber die von der Bürgerkapelle Brixen gestaltete „Königliche Freiluftmusik“ ein besonderer Höhepunkt. Dabei wurde der ganze Innenhof der Hofburg optisch und akustisch mit einbezogen. Die Auszüge aus Händels Wassermusik und Feuerwerksmusik wurden in gekonnter Instrumentation von den Registern der Bürgerkapelle stilsicher interpretiert, geleitet vom hochmotivierenden Kapellmeister Hans Pircher. Das Publikum hat die Aufführungen sehr geschätzt und die Anstrengungen von Organisatoren und Musikern mit viel Anerkennung und Applaus honoriert. ird

BRIXEN

#photowallbx z Die Unterführung bei den Schulen in der Dantestraße hat einen pfiffigen Anstrich im Stile einer „Photowall“ bekommen: Passanten können sich mit den aufgemalten Motiven kreativ in Szene setzen, im Herzenregen singen, auf einer Bank chillen („Brixen chillt“), die Flügel engelsgleich ausbreiten, das Brixner Wappentier füttern oder unter einer Palme schaukeln. Wer mag, kann seine Bilder dann unter dem Hashtag #photowallbx in den sozialen Medien posten. Unter der fachkundigen Anleitung von Martina Peintner („iMolDos“) haben Jugendliche den etwa 20 Meter

langen Mauerabschnitt bemalt. Ursprünglich für Jugendliche mit Essstörungen initiiert, haben sich spontan weitere Helfer dazugesellt – etwa Jugendliche des Trainingscamps Südtirol für Schwererziehbare oder aber Helfer vom Jugendhaus Kassianeum über das Beschäftigungsprogramm „young action“. „Auch vorbeigehende Passanten boten sich an, und so war das Projekt ein Riesenspaß für alle Beteiligten“, freut sich Martina Peintner. Die Gemeinde Brixen hat das Projekt gemeinsam mit dem Jugendhaus Kassianeum finanziert. oz

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Kunst & Kultur

MUSIK

Start frei für „Südtirol Filarmonica“

ZEICHNEN

„Schianere“ z Wir kennen alle den Begriff „sich etwas schön trinken“, wenn man Unangenehmes erlebt. Für den Brixner Jochen Gasser müsste die Redewendung umgemünzt werden in „sich etwas schön zeichnen“. Und damit ist die Persönlichkeit des Grafikers auch schon umrissen. Der 39-Jährige ist kein Mann der vielen Worte; viel lieber lässt er seine Zeichnungen, Acrylbilder und Objekte für sich sprechen. Er lebt seit ein paar Jahren in Wien und ist auch für seine humorvoll illustrierten Publikationen in Zusammenarbeit mit Norbert Parschalk zu Andreas Hofer, Gaismair und Sissi bekannt. In „Kunst im Gang(e)“ in Lajen stellt Jochen Gasser eine neue Serie seiner beißend witzi-

gen Bilder bis 8. Januar aus. Die Bienen-Bildchen sind treffend mit „human beeings“ untertitelt, Sinnbilder für die Mannigfaltigkeit des Menschseins. Bei einer Biene wurde die Behaarung zur Gasmaske umfunktioniert, um sich vor Pestiziden zu schützen; eine Fliege hebt samt Rucksack und Papierflieger ab. Ein Raucher wird als abgebranntes Zündholz dargestellt, der ja „net lugg låssn“ soll. Der Kater nach dem Törggelen wird verulkt, und endlich landen wir beim großformatigen Wattkartenbild, das der Schau den Namen gibt. Wås geaht? Schianere? Bleibn? Giahn? Ein beliebtes Spiel, das Fragen zum ganzen Leben umfasst. Schian! ird

z Es spricht für Südtirol, dass hunderte Musikerinnen und Musiker ihre berufliche Leidenschaft in den renommiertesten Ensembles der ganzen Welt ausüben: „Gemessen an der Einwohnerzahl ist es beeindruckend, wie viele Südtiroler Musiker professionell und auf höchstem Niveau tätig sind“, sagt Zeno Kerschbaumer. Der Brixner Manager hatte bei der Weihnachtsfeier der Südsterne im vergangenen Dezember Cornelia und Isabel Goller aus Mellaun sowie Michael Pichler aus Lüsen kennengelernt und ihnen seine Idee erläutert: Er möchte Südtiroler Musiker, die außerhalb Südtirols aktiv sind, für ein außergewöhnliches Orchesterprojekt zusammenbringen. Bei den drei Profimusikern rannte er damit offene Türen ein: „Wir haben sofort erkannt, dass diese Idee bei den Musikern gut ankommen wird“, sagt Isabel Goller. Inzwischen hat das Quartett bereits einen Verein gegründet („Arton“), einen Namen für das Projekt gefunden („Südtirol Filarmonica“), den Kreativwettbewerb für ein Logo

abgewickelt (Wettbewerbssieger: Evelyn von Mörl/Brixmedia) und eine Datenbank von über 200 Musikern erstellt, die ihre Bereitschaft zur Teilnahme bereits erklärt haben. Kürzlich wurde das Projekt unter Anwesenheit der beiden Landesräte Philipp Achammer und Daniel Alfreider in Bozen vorgestellt; nun folgt die organisatorische Herausforderung, aus den 200 Musikern 70 auszuwählen und einen homogenen Klangkörper zu schaffen, der dann im Mai 2021 in einer einwöchigen Proben-Tour-de-Force auch musikalisch zusammenfinden muss. Die Säle für die drei Konzerte sind jedenfalls jetzt schon gebucht: „Südtirol Filarmonica“ unter der Leitung von Dirigent Michael Pichler wird am 7. Mai 2021 im Gustav-Mahler-Saal in Toblach auftreten, am 8. Mai im Auditorium in Bozen und am 9. Mai im Kursaal Meran. Brixen ist zwar die Urzelle des Projekts, konnte aber für ein Konzert diesmal leider nicht berücksichtigt werden. Im Bild die vier Initiatoren mit dem Logo des Projekts. wv

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MUSIK

Weihnachtssong für den guten Zweck z Die Sängerin Silvia Sellemond aus Feldthurns und der Brixner Musiker und Komponist Ingo Ramoser machen gemeinsame Sache für den guten Zweck: Vor kurzem haben die beiden, die sich in der Südtiroler Musikszene bereits einen Namen gemacht haben, eine Weihnachtsballade mit dem Titel „Menschlichkeit“ aufgenommen. Darin geht es in ruhigen weihnachtlichen Klängen um die Sehnsucht nach Menschlichkeit, nach der in der Weihnachtszeit gestrebt wird. Musikalisch unterstützt wurden sie dabei von Nathan Chizzali am Cello und Manuel Chizzali an der Violine. Der Song wird voraussichtlich Ende November online veröffentlicht und kann dann auf den sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und Youtube, aber auch auf Spotify angehört werden. Um mit dem Weihnachtslied Südtiroler Familien in Not unterstützen zu können, bitten die Initiatoren nun Firmen und Privatpersonen um Spenden.

Diese können auf das Konto der Raiffeisenkasse Eisacktal, das auf „Projekt Weihnachtssong“ läuft (IT67H0830758770000404423658), überwiesen werden. Der gesamte Erlös kommt dem Hilfsfond „Fa-

milien in Not“ des Katholischen Familienverbandes zugute; die involvierten Musiker, Techniker und Helfer arbeiten ehrenamtlich an diesem Projekt. Zum neuen Song wird auch mit dem Video-

produzenten Konrad Faltner im Anreiterkeller ein professionelles Video gedreht. Für die Studioaufnahmen verantwortlich ist Klaus Ramoser. eh

KINDERBUCH

„Gedanken stehen Kopf“

z Kinderbücher sind Elisabeth Putzers Leidenschaft: Kürzlich erschien „Gedanken stehen Kopf“, der zweite Teil der Buchreihe rund um „Jans Gefühle“. In den Büchern schreibt sie über Jan und seine Gedanken, als dessen Großvater krank

wurde und starb. Die Autorin hat sich ein ungewöhnliches Thema für ihre Kinderbücher ausgesucht, das sie aber sehr wichtig findet: Als Grundschullehrerin merkt sie selbst, dass Kinder sich ebenso viel mit Gefühlen auseinandersetzen wie Erwachsene. „Gefühle sind ständige Begleiter und beeinflussen das ganze Tagesgeschehen, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Es ist wichtig, dass man Kindern hilft, mit negativen Emotionen richtig umzugehen, anstatt sie ständig davon fernzuhalten“, so die Autorin. Der offene Umgang mit Gefühlen würde Kindern auch helfen, schwierige Situationen in der Zukunft besser zu bewältigen. „Gedanken stehen Kopf“ wurde, wie bereits der erste Teil der Buchreihe, von der Lajener Künstlerin Elisabeth Frei illustriert und vom Verlag A. Weger gedruckt. Die Bücher können in allen lokalen Buchhandlungen erworben werden; auch ein dritter Teil soll bald folgen. av

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TIMER

November 2020 KULTURVEREIN BRIXEN MUSIK

Kulturgenuss für alle Der Kulturverein Brixen Musik überrascht im November mit zwei extravaganten Veranstaltungen. Coronabedingte Änderungen vorbehalten.

z Das Klenke Quartett. Seit über 25 Jahren bereichert das Klenke Quartett das internationale Konzertleben. Bestehend aus vier Musikerinnen hat sich das Ensemble als eines der bedeutendsten deutschen Streichquartette etabliert und gilt „als eine der profiliertesten europäischen Formationen“ (GewandhausMagazin). Am 9. November kommen die vier Damen zusammen mit dem Bratscher Harald Schoneweg nach Brixen und spielen die beiden wunderbaren Streichquintette KV 516 in g-Moll und KV 614 in Es-Dur von W. A. Mozart. Gilt zwar gemeinhin das Streichquartett als Königsdisziplin der Kammermusik, so besteht doch unter Kennern wie Liebhabern Einigkeit darin, dass Mozarts Streichquintette seine bedeutendsten Schöpfungen innerhalb der Kammermusik darstellen. Zwischen den beiden Mozartquintetten steht das Quartett Nr. 8, op. 110 von Dmitri Schostakowitsch auf dem Programm.

Marco Tamayo, Gitarre. Ende

November ist der Kulturverein

Brixen Musik mit einem Gitarrenkonzert zu Gast in der Cusanus Akademie. Auftreten wird Marco Tamayo, ein in Kuba geborener Gitarrist mit österreichischer Staatsbürgerschaft, der von der italienischen Zeitung La Stampa als „il re della chitarra“ gefeiert und von Musikern wie John Williams, Leo Brouwer und Eliot Fisk gelobt wird. Tamayo war Solist bei berühmten Orchestern und trat mit großen Künstlern und Dirigenten wie Ennio und Andrea Morricone, Justus Frantz, Philipe Bender, Leo Brouwer, Paolo Ferrara, Kurt Redel und Hannu Lintu auf.

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FÄLLIGKEIT AKONTO- UND SALDOZAHLUNG

16. DEZEMBER 2020 Im Falle von Neubau, Wiederaufbau oder Erweiterung einer Immobilie muss die GIS auf den Marktwert des Baugrundes berechnet werden. Für eine korrekte Berechnung muss die Kubaturberechnung vorgelegt werden.

* Klenke Quartett

Mo., 9. November, 20 Uhr Forum, Brixen Kartenvorverkauf im Forum Brixen, T 0472 275588 oder www.forum-brixen.com

* Marco Tamayo, Gitarre

Do., 26. November, 20 Uhr Cusanus Akademie, Brixen

Kartenvorverkauf im Tourismusbüro Brixen, T 0472 275252 oder office@kulturvereinbrixen.it

Achtung! Um Menschenansammlungen an der Abendkasse zu vermeiden, wird empfohlen, die Karten bereits im Vorfeld abzuholen. Alle Konzerte finden unter Einhaltung und vorbehaltlich der geltenden Sicherheitsbestimmungen statt. Hinweis: Die Organisation einer kulturellen Veranstaltung ist in Zeiten von Corona kein leichtes Unterfangen. So steht auch der traditionelle Auftakt der Konzertsaison des Kulturvereins Brixen Musik heuer im Schatten der Unsicherheit, ob und unter welchen Umständen die geplanten Konzerte stattfinden können. Zum Zeitpunkt der Drucklegung des Brixners sind kulturelle Veranstaltungen noch erlaubt. Eventuelle Programmänderungen oder Absagen werden rechtzeitig auf der Internetseite des Vereins und über Facebook mitgeteilt.

Wir bitten alle Steuerpflichtigen, die es noch nicht gemacht haben, die notwendigen Dokumente wie Mietverträge, Nutzungsleihe oder Ersatzerklärungen bei uns abzugeben. Diese Unterlagen sind vorzuweisen, andernfalls verfällt der Anspruch auf Herabsetzung der Steuersätze. Parteienverkehr Mo–Fr: 08:30–12:15 Uhr Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Gemeinde Brixen – www.brixen.it Die telefonische Beratung ist am Nachmittag erwünscht Tel. 0472 – 062040–43-45 E-Mail: siro.dallaricca@brixen.it 53


Montag, 2. November

Veranstaltungen

Kino

20 Uhr

Filmclub: Enkel für Anfänger Astra, Brixen Freitag, 6. November

Kino

Filmclub: Als wir tanzten Astra, Brixen

20 Uhr

20:30 Uhr

Ingrid Lechner: Willkommen Egal, was diese Frau Ihnen zeigt, Sie werden es kaufen! Was immer sie auch erzählt, Sie werden es glauben. Und wenn Sie nach diesem Programm nach Hause gehen, werden Sie schlauer sein als je zuvor und vielleicht sogar eine neue Freundin haben. Anreiterkeller, Brixen Montag, 9. November

Konzert

20 Uhr

Klenke Quartett Forum, Brixen

Samstag, 21. November

Theater

Diverses

20:30 Uhr

Der Bär und der Heiratsantrag Aus groteskem Humor, komischen Situationen und überzeichneten Figuren entstehen geniale Theaterminiaturen. Die junge Wiener Theatergruppe Club 3 gibt den Klassikern eine frische Wendung, indem sie dem Spiel der Geschlechter einen neuen witzigen Twist gibt. Mit vollem Körpereinsatz treten sie in den Theaterring und spielen um Liebe, Status und Wahrheit als ginge es um ihr Leben. Anreiterkeller, Brixen

Theater

20 Uhr

Ein verborgenes Leben Das junge Ehepaar Franz und Franziska lebt Ende der 1930er-Jahre in einem oberösterreichischen Dorf. Als die Nazis in Österreich einmarschieren, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Franz lehnt den Einberufungsbefehl aus religiöser Überzeugung ab. Im Dorf wird er von allen Seiten als Verräter verspottet, einzig seine Frau steht hinter ihm. Forum, Brixen

Theater

20:30 Uhr

„Io e Mary (l‘inventrice di Frankenstein)“ Forum, Brixen Montag, 16. November

Kino

Filmclub: UND MORGEN DIE GANZE WELT Astra, Brixen

20 Uhr

Mittwoch, 18. November

Theater

20:30 Uhr

„La valigia di un gran bugiardo“ Forum, Brixen

Donnerstag, 19. November

Konzert

Donnerstag, 12. November

Konzert

20:30 Uhr

Kadri Voorand (EST): In Duo With Mihkel Mälgrand Kadri Voorand ist eine international renommierte Jazz-Sängerin, Pianistin und Komponistin. Ihr Stil ist von catchigen Rhythmen und Pop-, Jazz- und Folk-Improvisationen geprägt. In ihren Kompositionen erzählt sie persönliche Geschichten mit großer Emotionalität. Anreiterkeller, Brixen

Diverses

18 bis 21 Uhr

Repair Cafè Kolpinghaus, Brixen 54

19 Uhr

„In die klare Luft springen“ Erste Buchvorstellung des Autorinnenkollektivs Glühbirne Astra, Brixen Montag, 23. November

Kino

Filmclub: NARZISS UND GOLDMUND Astra, Brixen

20 Uhr

20:30 Uhr

Jelly Roll Morton Tribute Helga Plankensteiners neues Projekt präsentiert Arrangements von Kompositionen von Jelly Roll Morton, dem „Erfinder des Jazz“, für tiefes Holz und tiefes Blech in origineller Besetzung und entlockt den fast hundertjährigen Tunes ganz neue Töne mit Jazz-, Rock-, Funkund Swing-Einflüssen. Anreiterkeller, Brixen Freitag, 20. November

Konzert

20:30 Uhr

When I‘m enlightened, everything will be better Das zweite Album der in Wien lebenden und arbeitenden Alicia Edelweiss ist eine erstaunliche Angelegenheit. Neun Songs zeigen die poetische Kraft und Klarheit ihrer Musik in einnehmender, an- und berührender Deutlichkeit. Anreiterkeller, Brixen

Theater

20:30 Uhr

Weihnachten ... oder wonach sieht‘s denn aus?!? Das Fest der Liebe? Gut! Kay Ray lebt nach dem Motto: „Lieber Schwanzgierige als ganz Schwierige!“. Damit steht das Niveau des Abends schon mal fest. Anreiterkeller, Brixen Sonntag, 29. November

Theater

18 Uhr

Messe

18 Uhr

Weihnachten ... oder wonach sieht‘s denn aus?!? Das Fest der Liebe? Gut! Kay Ray lebt nach dem Motto: „Lieber Schwanzgierige als ganz Schwierige!“. Damit steht das Niveau des Abends schon mal fest. Anreiterkeller, Brixen

20:30 Uhr

Der Bär und der Heiratsantrag Aus groteskem Humor, komischen Situationen und überzeichneten Figuren entstehen geniale Theaterminiaturen. Die junge Wiener Theatergruppe Club 3 gibt den Klassikern eine frische Wendung, indem sie dem Spiel der Geschlechter einen neuen witzigen Twist gibt. Mit vollem Körpereinsatz treten sie in den Theaterring und spielen um Liebe, Status und Wahrheit als ginge es um ihr Leben. Anreiterkeller, Brixen Sonntag, 15. November

Film

Samstag, 28. November

Samstag, 14. November

Samstag, 7. November

Kabarett

Freitag, 13. November

Soundandacht Ein Gottesdienst bei dem moderne Lieder mit Glaubensinhalten verbunden werden. Freinademetz-Kirche, Milland Montag, 30. November

Kino Theater

Teatro la Ribalta Un peep show per Cenerentola Don Bosco, Brixen

19 Uhr

Filmclub: Luca e Silvana Astra, Brixen

20 Uhr

„Liora“

Dienstag, 24. November

Theater 19 und 20:30 Uhr Teatro la Ribalta Un peep show per Cenerentola Don Bosco, Brixen Mittwoch, 25. November

Theater

Teatro la Ribalta Un peep show per Cenerentola Don Bosco, Brixen

19 Uhr

Donnerstag, 26. November

Konzert

Marco Tamayo, Gitarre Cusanus Akademie

20 Uhr

Theater 19 und 20:30 Uhr Teatro la Ribalta Un peep show per Cenerentola Don Bosco, Brixen

Märkte

Freitag, 27. November

Theater

19 Uhr

Theater

20 Uhr

Theater

20:30 Uhr

Teatro la Ribalta Un peep show per Cenerentola Don Bosco, Brixen

26. November bis 6. Jänner 2021 Licht- und Musikshow zur Weihnachtszeit in Brixen Täglich um 17:30, 18:30 & 19:30 Uhr Keine Show am 24. & 25. Dezember Innenhof der Hofburg Brixen

Die Wiedervereinigung der beiden Koreas Forum, Brixen La Meraviglia Veranstalter: Teatro Stabile di Bolzano Forum, Brixen

Bauernmarkt mittwochs und samstags, 7:30–13 Uhr Hartmannplatz Wochenmarkt montags, 8–13 Uhr Parkplatz Priel, Hartmannplatz, Brennerstraße, Albuingasse Monatsmarkt Donnerstag, 12. November 8:30–13 Uhr Goethestraße


Ausstellungen Hofburg Brixen bis 8. November Peter Fellin. Meditationen Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Museion Bozen, kuratiert von Andreas Hapkemeyer täglich von 10 bis 17 Uhr

Astra Brixen, Foyer bis 4. November „Sheep83“, Wanderausstellung von Clara Mayr

Stadtgalerie bis 7. November Empathisanten, 2. Teil Festung Franzensfeste bis 8. November Lockout Knapp 50 Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre ganz persönliche Perspektive auf den Lockout. Die Ausstellung ging aus einer Umfrage von Heinrich Schwazer hervor, die während und nach dem Lockdown in der Tageszeitung erschien. Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

Hofburg Brixen bis 8. November Brixen in alten Ansichten Grafiken und Zeichnungen zeigen Stadtveduten, Ansichten einzelner Gebäude und Motive aus der Umgebung täglich von 10 bis 17 Uhr

Pharmaziemuseum bis 1. Dezember Hauptsache bitter Rathaus Lajen bis 8. Januar 2021 „Schianere Ausstellung“ von Jochen Gasser Eine kleine analoge Reise durch „schianere“ Einsichten, Ansichten und Aussichten. Acrylbilder, Zeichnungen, Graphiken und Objekte. Hofburg Brixen bis 8. November Zu Gast beim Fürstbischof Wiener Porzellan, glänzendes Tafelsilber, edler Wein und erlesene Speisen. Im Kaisertrakt geben Schriftstücke und Gegenstände einen Einblick in die Tischkultur am Hof des Brixner Fürstbischofs täglich von 10 bis 17 Uhr Hofburg Brixen bis 8. November und vom 27. November bis 10. Januar Raffael in den Zeichnungen von Joseph Schöpf

THEATER

* Fr., 27. November, 20 Uhr

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Forum, Brixen

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Foto: Alessandra Chemollo

z Auch wenn der Titel überaus politisch klingt, in Joël Pommerats Stück „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ geht es um die Liebe: In fast zwanzig schnell aufeinanderfolgenden Szenen kämpfen 27 Frauen und 24 Männer um Liebe und Glück: Hochzeiten geraten ins Wanken, Prostituierte werden enttäuscht, geschenkte Seelen zurückverlangt; verschwiegene Wahrheiten kommen ans Licht, Freundschaften verlieren den Boden, Menschen trösten einander, beteuern ihre Liebe oder trennen sich: weil es keine Liebe gibt, weil die Liebe nicht mehr reicht, weil zu lieben nicht genügt. Das Metropoltheater aus München zeigt seine Inszenie-

rung des Stückes auf Einladung des Südtiroler Kulturinstituts im Brixner Forum. Joël Pommerat erzählt mal konkret, mal mit tragischer Poesie, mal absurd-surreal, immer scharf beobachtend und oft mit stiller Komik von der Liebe. So manches gerät mit einem Wimpernschlag aus den Fugen, aber was bleibt, ist die Sehnsucht. „Es war, als wenn Nordkorea und Südkorea seine Grenzen öffnen und sich wiedervereinigen würden.“ Wer träumt nicht von so einer Liebe? Eine Einführung zum Stück kann man vorab online auf www. kulturinstitut.org anhören. Karten im Südtiroler Kulturinstitut unter Tel. 0471-313800, info@kulturinstitut.org Die Veranstaltung wird von der Bayern-Südtirol-Gesellschaft, der Initiative Wirtschaft & Kultur und von Dr. Spinell unterstützt.

Foto: Alessandra Chemollo

Foto: Jean-Marc Turmes

Die Wiedervereinigung der beiden Koreas


Freizeit & Sport LEERE HALLEN: Um die Hallenkapazitäten in Brixen optimal auszunutzen, muss so schnell wie möglich ein neues Zuteilungssystem gefunden werden

DAS DISKUTABLE ZUTEILUNGSSYSTEM DER BRIXNER TURNHALLEN

Das TurnhallenMachtspiel

Es ist ein leidiges Thema, das nicht erst durch Corona entstanden ist: Die Zuteilung der Brixner Turnhallen lässt die Vereinsgemüter zu jedem Saisonbeginn hochkochen. Hauptdarsteller in diesem Drama sind eine große Nachfrage, überschaubare Kapazitäten, ein zweifelhaftes Vergabesystem – und Schulführungskräfte, für die Sport eben nicht die schönste Nebensache der Welt ist. 56


Foto: Melanie Vitroler

2020 ist kein normales Jahr – in der Schule nicht, bei der Arbeit nicht, und auch nicht beim Sport. Während Vereine nach vielen Monaten der Abstinenz endlich wieder ihre sportliche Tätigkeit aufnehmen konnten, standen sie auf einmal vor mauerhohen neuen Problemen bürokratischer und organisatorischer Natur. Fiebermessen vor Trainingsbeginn ist dabei nur die kleinste Herausforderung, denn: Wo soll man messen, wenn man keinen Platz zum Trainieren hat?

Zu den harten Fakten. Es gibt

18 Turnhallen in der Gemeinde Brixen: die Sporthalle und die Geräteturnhalle in der Sportzone Süd, die Coni-Halle, die Hallen der Mittelschule Michael Pacher, der Grundschulen Milland, Rosmini, Tschurtschenthaler, Vinzenz Goller, Elvas, Albeins, Afers, St.

Andrä, die Halle im Sozialwissenschaftlichen Gymnasium, in der Oberschule Fallmerayer, in der Berufsschule Tschuggmall, in der Fachoberschule für Wirtschaft,

scheiden kann, wer in ihre Halle darf und wer nicht.

relativ gut – heuer aber gibt es ein Problem!

Ein Fehler im System. Schul-

Wer die Macht hat … Wenn von

turnhallen sollen in erster Linie für schulinterne Zwecke genutzt werden. Aber darüber hinaus gibt es Zeiträume, die den Brixner Vereinen zur Verfügung gestellt werden sollten. Als schulintern gelten Schulsport, aber auch Veranstaltungen, Projekte und Sporttätigkeit, die das Lehrpersonal in seiner Freizeit ausübt. In einem Dekret von Landeshauptmann Luis Durnwalder wurde die Nutzung der Turnhallen bereits 2008 geregelt – wie übrigens auch die Spesen der Instandhaltung und der Reinigung, aber das ist eine andere Geschichte. Dieses Dekret sieht vor, dass Infrastrukturen, die mit Landesgeldern gebaut wurden, nach Ausschluss der schulinternen Zwecke den Sportvereinen für außerschulische Zwecke zur Verfügung gestellt werden sollen. Sollen, nicht müssen – eine Verpflichtung zur Bereitstellung der Hallen gibt es also nicht. Jede Nutzung muss von den Direktoren persönlich abgesegnet werden, denn ihnen obliegt schlussendlich das letzte Wort bei der Vergabe. „Im Normalfall läuft es in Brixen bis auf wenige Ausnahmen relativ gut, was die Hallenverteilung angeht. Wir haben Kriterien erarbeitet, nach denen die Verteilung durchgeführt wird“, erklärt Sportstadtrat Andreas Jungmann: „Zuerst kommen große Vereine, die sich der Jugendtätigkeit verschrieben haben, und die restliche Verfügbarkeit wird mit Freizeitvereinen aufgefüllt.“ Der Haken an der Sache liegt aber bereits bei der Einreichung der Gesuche, denn es gibt zwei Wege, um als Verein in Brixen einen Hallenplatz zu ergattern: Entweder man reicht rechtzeitig ein Gesuch im Amt für Sport

den wenigen Hallen, die im Stadtgebiet angesiedelt sind, einige ihre Tore nicht öffnen oder weit weniger außerschulische Tätigkeiten zulassen als in den Vorjahren, bleiben Vereine auf der Strecke. Die Laufgemeinschaft Eisacktal beispielsweise konnte in den letzten Jahren ihr Wintertraining in der Halle der Berufsschule Tschuggmall absolvieren. Heuer hat Direktor Martin Rederlechner seine Halle aber dicht gemacht, um in der großen Dreifachturnhalle eine Ausweichklasse einzurichten, die mit Abstandsvorkehrungen alle Schüler in einem Raum fassen kann. Die Tische am Abend wegzuräumen, um Platz für Sport zu machen, ist „logistisch nicht möglich“, sagt Rederlechner. Aufgrund des aktuellen HallenNotstandes hat sich auch Sportstadtrat Jungmann eingeschaltet, um mit Rederlechner eine Einigung zu finden – ohne Ergebnis. „Wenn eine Schulführungskraft die Halle nicht vergeben will, sind der Gemeinde- und auch der Landespolitik die Hände gebunden“, so Jungmann. Rederlechner nennt dem „Brixner“ aber noch weitere Gründe, warum er „seine“ Halle nur intern nutzt: „Die Reinigung ist ein großes Problem: Wir würden mehr Personal benötigen, um die Halle zu reinigen, das wir aber nicht haben. Und zudem haben wir im Unterschied zu anderen Schulen keinen hauseigenen Hallenwart. Die Umkleiden dürfen auch nicht benutzt werden.“ Auch die Frage der Haftung dürfe man laut Rederlechner nicht außer Acht lassen. „Diese Probleme halte ich mir vom Leibe, wenn ich die Halle heuer ausnahmsweise mal nicht der Öffentlichkeit zugänglich mache – denn heuer ist

„Wenn eine Schulführungskraft die Halle nicht vergeben will, sind der Gemeindeund auch der Landespolitik die Hände gebunden“_ Andreas Jungmann, Stadtrat für Sport in Brixen Grafik und Kommunikation, im Vinzentinum und die Halle des italienischen Oberschulzentrums. Bis auf die Sportzone Süd, die die Gemeinde selbst verwaltet, sind die Turnhallen in Schulen angesiedelt; das heißt, dass die jeweilige Schulführungskraft ent-

ein und wartet auf Zuweisung, oder man klopft direkt bei den Schulführungskräften an und holt sich seinen Hallenplatz über die Direttissima. Solange Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht sind, funktionierte das fragwürdige Vergabekonzept dennoch

ein sehr besonderes Jahr, in dem wir ganz andere Probleme lösen müssen.“ Auch die Berufsschüler selbst dürfen ihre Sporthalle heuer übrigens nicht nutzen; also gehen sie am Bachdamm spazieren oder turnen im Freien – zum 57


Foto: Oskar Zingerle

Freizeit & Sport

auf Hallentraining aufgebaut ist, sein Dach über dem Kopf verliert, hat dies schon weitreichendere Folgen – ganz abgesehen davon, dass die Ausübung amateursportlicher Tätigkeiten sowieso auf der Kippe steht, wenn sie nicht nach Drucklegung dieses „Brixner“ sogar schon wieder verboten wurde.

Zentrale Vergabestelle erwünscht. Dass das Problem bis

Sportstadtrat Andreas Jungmann: „Wir planen als kurzfristige Lösung, eine Kommission ins Leben zu rufen, die für die Verteilung zuständig sein wird“ Ärger der Sportlehrer. Dasselbe Schicksal ereilt den Schülern der Gastgewerbeschule „Emma Hellenstainer“, die über keine eigene Halle verfügen und normalerweise jene der Tschuggmall mitbenutzen. Letztere weichen ab und zu auch in die Turnhalle der Sportzone Süd aus, die die

Wir feiern

Gemeinde zur Verfügung stellt. Wenn eine Gruppe von Freunden aufgrund der aktuellen Ausnahmesituation heuer keinen Trainingsplatz für ihr gemeinsames Hallenfußballtraining zugewiesen bekommt, ist das zwar ärgerlich, aber kein großes Drama. Wenn aber ein Verein, dessen Existenz

5

zum Himmel stinkt, ist sich auch Andreas Jungmann bewusst: „Wir müssen hier dringend ein neues System finden, das weniger zeitintensiv und nervenaufreibend ist. Es könnte, wie beispielsweise in Bruneck, eine Kommission eingeführt werden, die aus einem Vertreter des Stadtrats, den Schulführungskräften und einigen Vereinsvertretern besteht.“ Jedes Jahr aufs Neue werden dort alle eingereichten Ansuchen in einer gemeinsamen Sitzung besprochen und per Abstimmung zugeteilt. Jungmann sieht darin zwar eine kurz-, aber keine langfristige Lösung: „Die Machtspielchen mit den Turnhallen werden erst dann ein endgültiges Ende haben, wenn die Verteilungskompetenz der freien Kapazitäten an die Gemeinden

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übergeht. Dies steht derzeit aber noch in weiter Ferne.“ Jungmann bestätigt, dass es in den letzten Jahren immer wieder Spannungen zwischen Direktoren und Politik gab, wenn es um das Thema Turnhallen ging. Das Problem gibt es nicht nur in Brixen, sondern auch in Meran – und in Bozen „brennt sowieso der Hut“, weil es viel zu wenige Sporthallen gibt. Auch der Verband der Südtiroler Sportvereine (VSS) hat sich dieser Thematik bereits angenommen und versucht, gemeinsam mit Landeshauptmann Arno Kompatscher eine Einigung zu finden. „Durch die aktuelle Situation spitzt sich die Thematik mehr denn je zu: In den Hallen werden weniger Kapazitäten freigegeben, und gleichzeitig würde es aber noch mehr brauchen als sonst. Die Gruppen sind kleiner, weshalb mehr Kurse angeboten werden müssten, um das Programm durchzuziehen“, sagt Stefan Leitner, Präsident des SSV Brixen. Auch er ist wie Jungmann der Meinung, dass die Hallen durch eine zentrale Vergabestelle vergeben werden sollten. Martin Rederlechner hingegen sieht

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Foto: Oskar Zingerle

keinen Sinn in einer Änderung des Systems: „Die Bindung der Vereine an die Struktur selbst ist eine ganz andere, wenn sie direkt beim Direktor anfragen. Es wird mehr auf die Struktur geachtet, und man kann als Direktor einen Verein auch an die Luft befördern, wenn Regeln nicht eingehalten werden.“ Direktoren suchen sich die Vereine eben gerne selbst aus, die in „ihrem“ Wohnzimmer turnen. Andererseits darf es auch nicht von den „richtigen“ Beziehungen abhängen, ob man als Verein einen Platz zum Trainieren bekommt oder nicht, denn immerhin werden die Schulturnhallen mit Landesgeldern finanziert.

Auch positive Beispiele. Man

darf in diesem Hallendschungel allerdings nicht alles und alle in denselben Topf werfen – denn es gibt auch positive Beispiele, bei denen Schulen, Vereine und Gemeinde sehr gut zusammenarbeiten. Dem Skiclub Fana wurde die gewohnte Halle im italienischen Oberschulzentrum aufgrund der Coronabestimmungen nicht mehr zur Verfügung gestellt; auch dort hat die Direktion entschieden, heuer nur wenige und nur von

Schulführungskräfte entscheiden derzeit in Eigenregie, wer in „ihrem“ Wohnzimmer sporteln darf und wer nicht ihr ausgewählte außerschulische Tätigkeiten zuzulassen. Gemeinsam mit der Gemeinde wurde eine Lösung gefunden: Die SkiVorbereitungskurse finden nun im Vinzentinum statt. Und wenn die Schulen kooperativ sind, sind es auch die Vereine: Die Sektion Fußball des SSV Brixen hat

beispielsweise der benachbarten Mittelschule „ihren“ Fußballplatz als Pausenhof zur Verfügung gestellt, damit die Corona-Abstände eingehalten werden können. In Zeiten wie diesen muss man sich eben zusammenraufen – nicht nur, um die gebeutelten Sportvereine zu unterstützen, sondern vor

allem, damit die vielen Kinder und Jugendlichen endlich wieder sportlich aktiv werden dürfen (solange es eben noch möglich ist).

evi.hilpold@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

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Freizeit & Sport

RODELSPORT

„Die Kufen sind geschliffen“ Gerade noch rechtzeitig vor dem Lockdown beendeten die Kunstbahnrodler im März ihre Rennsaison, die für den Meransner DOMINIK FISCHNALLER die erfolgreichste seiner Karriere war: Im Gesamtweltcup belegte er am Ende den 2. Platz. Nun wartet er gespannt darauf, was die kommende Saison bringen wird. Herr Fischnaller, Sie sind derzeit nicht in Südtirol anzutreffen, weshalb wir das Interview telefonisch führen. Wo befinden Sie sich? DOMINIK FISCHNALLER: Ich trainiere zurzeit mit der italienischen Nationalmannschaft in Lettland. Unser Team besteht aus 15 Athleten und fünf Trainern und Betreuern; bis Ende Oktober sind wir noch unterwegs. An Lettland schließt sich noch ein Aufenthalt in Altenberg in Deutschland an. Corona schlug im Frühjahr sehr plötzlich zu. Inwiefern waren die Kunstbahnrodler davon betroffen? Was die Rennen betrifft, hatten wir eigentlich Glück, da uns der Lockdown erst unmittelbar nach dem letzten Wettkampf traf. Normalerweise schließen wir an das Saisonsende noch die Materialtests an; dies war im heurigen Frühjahr nicht mehr 60

möglich und stehen immer noch aus. Ob und wann sie durchgeführt werden können, entzieht sich meiner Kenntnis. Von den Technikern wird in Zusammenarbeit mit den Athleten ständig an Verbesserungen gearbeitet, und diese Verbesserungen sollten und müssen nach einer jeden Saison auch getestet werden. Welche technischen Änderungen am Material vorgenommen werden, ist natürlich ein Geheimnis, die jede Nation für sich behält.

tigste Teil unseres Trainingsprogramms findet im Sommer statt: Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer werden zum Teil mit spezifischen Geräten trainiert. Ich hatte das Glück, zuhause in Meransen trainieren zu können, habe dort einen gut ausgestatteten Kraftraum und sogar eine Startbahn, die auch im Sommer eingeeist wird. Damit kann ich Starts auf zwei verschiedenen Startblöcken und mit zwei verschiedenen Neigungen trainieren. Mein Trainer kommt

tänepflicht fiel das Trainingslager aber leider aus. In „normalen“ Zeiten gibt es auch internationale Trainingswochen, gemeinsam mit anderen Nationen. Dies war heuer nicht möglich; jede Mannschaft blieb unter sich. Ende November startet die neue Saison. Mit welchen Erwartungen gehen Sie an den Start? Die letzte Saison verlief für mich sehr gut. Insofern möchte ich wie-

„Die Vorbereitung auf die neue Saison war nicht optimal – dennoch möchte ich wieder ganz vorne mitfahren“_ Dominik Fischnaller, Kunstbahnrodler Konnten Sie „normal“ trainieren? Das Training selbst war 2020 für keine Mannschaft optimal, doch sitzen wir Rodler da wahrscheinlich alle im selben Boot. Der wich-

zwei- bis dreimal pro Woche zu mir, schickt mir Programme, und wir sind ständig im Austausch. Ende September hätte die ganze Mannschaft nach Norwegen fahren sollen; aufgrund der Quaran-

der ganz vorne mitfahren und einige Podestplätze oder zumindest Platzierungen unter den ersten Fünf anpeilen. Die Vorbereitung war wie gesagt aber nicht optimal, somit es ist schwer einzuschätzen,


wo man steht. Sicher ist, dass meine Konkurrenz, vor allem die Russen, die Österreicher und die Deutschen, mich sehr fordern werden. Wird die Rennsaison nach heutigem Stand normal ablaufen können? Ja und nein, ganz normal ist heuer sicher nichts. Es hat bereits einige Änderungen im Wettkampfkalender gegeben: Alle Überseerennen, also USA und Kanada, wurden abgesagt und nach Europa verlegt. Die Weltmeisterschaft, die Ende Jänner 2021 in Whistler Mountain (Kanada) geplant gewesen wäre, findet am Königssee in Deutschland statt. Für die in Europa geplanten Wettkämpfe hingegen gibt es bislang keine Umstrukturierungen. In unserem Kalender steht vorerst auch noch ein Termin in China, der auf der neu gebauten Bahn der Olympiade 2022 ausgetragen werden soll. Bis zum ersten Rennen Ende November in Igls werden die Mannschaften auf jeden Fall unter sich bleiben. Vor der Abreise dorthin stehen Corona-Tests an, die dann den ganzen Winter

durch wöchentlich wiederholt werden. Bis Weihnachten wäre für jedes Wochenende ein Wettkampf geplant. Wie die CoronaBestimmungen vor Ort konkret umgesetzt werden, weiß bislang noch niemand im Detail. Wir rechnen zwar damit, ohne Publikum fahren zu müssen, doch dies ist für uns Rodler eher nur im Zielraum spürbar. Innerhalb unseres Teams bilden wir jetzt bereits Kleingruppen, damit dieselben Personen auf der Bahn und in den Autos beisammenbleiben und im Falle einer Ansteckung nicht die gesamte Mannschaft betroffen wäre. Die Weihnachtsferien werde ich zuhause verbringen, mich entspannen, ein bisschen fit halten und Anfang Jänner dann wieder durchstarten. Wie weit blickt Dominik Fischnaller als Rodelprofi in die Zukunft? Im Moment bereitet mir der Rodelsport sehr viel Freude. Ich bin gern unterwegs, habe Spaß am Training und im Wettkampf, und dementsprechend kann ich mir gut noch einige Jahre vorstellen – wenn mein Körper mitspielt und meine Ergebnisse passen.

Egal ob Naturstein, ob Fliese oder Holz, Teppich oder diverse Beschichtungen … das eine ist Geschmack, das andere die Gewissheit: das richtige Material am richtigen Ort.

Trotz erschwerter Bedingungen hofft Dominik Fischnaller auch in dieser Saison auf Podestplätze Eine Medaille bei der Olympiade 2022 in China wäre natürlich ein großes Ziel, wobei die Bahn in China, ihr Verlauf und der Zustand des Eises noch viele Fragen aufwirft und sie niemand wirklich

einschätzen kann. Und 2026, bei der Olympiade in Cortina, würde ich natürlich auch gerne aufs Podest rodeln. sabine.dejakum@brixner.info Leserbrief an: echo@brixner.info

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SNOWBOARD

Freizeit & Sport

Unterstützung von der Olympiasiegerin z Ester Ledecká ist zweifache Olympiasiegerin – und zwar in zwei verschiedenen Disziplinen, was ziemlich einzigartig ist. Die Tschechin holte sich 2018 bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang die Goldmedaille im Super-G und eine Woche später auch noch jene im Parallel-Riesenslalom im Snowboard! Nun hat die 25-jährige Athletin

einen zweijährigen Sponsorvertrag mit dem Skigebiet GitschbergJochtal unterschrieben. Geplant sind mehrere Social-Media- und Marketingaktivitäten in Tschechien, bei denen Ledecká das Südtiroler Skigebiet als Testimonial unterstützt, sowie einige Treffen mit Reiseveranstaltern und Journalisten in Prag. Zudem werden im Skigebiet Gitschberg-Jochtal

F&S

gleich mehrere Trainingslager mit Ledecká in den Sportarten Ski alpin und Snowboard organisiert. Eingefädelt hat den Sponsordeal der Marketingbeauftrage der Skiund Almenregion, Gabriele Mery. eh

Freizeit & Sport KLETTERN

Endlich wieder bouldern! z Südtirols Kletterjugend hing heuer sprichwörtlich in der Luft: Sämtliche Wettkämpfe wurden abgesagt, und auch die Italienmeisterschaften im Juni, bei denen der heimische Kletternachwuchs vielfach aufs Podest klettert, durften nicht stattfinden. Um die bisher sehr trainingslastige Saison wenigstens noch mit einem kleinen Highlight abzuschließen, organisierte die AVS Landesleitung zusammen mit dem Brixner AVS im Oktober kurzfristig noch einen Wettkampf – zwar nicht wie üblich auf regionaler Ebene, sondern auf die Südtiroler Kletterwelt be-

kurz

notiert

62

schränkt. Die 10- bis 19-jährigen Boulderfans strömten begeistert nach Brixen und genossen zwei Tage auf der Brixner Anlage. Die Organisatoren, allen voran Alexandra Ladurner und Peter Unterkofler, ließen sich auch von den strengen Corona-Bestimmungen des nationalen Kletterverbandes nicht abschrecken und erfanden kurzerhand einen coronatauglichen Wettkampfmodus, um die Abstände zwischen den Athleten zu gewährleisten. Eine beschränkte Zuschaueranzahl war zugelassen – natürlich mit Maske und mit der richtigen Körpertemperatur.

Ein Wochenende lang kletterte Südtirols Jugend in gefühlter Normalität, auch wenn der zweite

Wettkampftag von etwas frostigen Temperaturen und andauernden Regenfällen begleitet wurde. sd

Claudio Zorzi ist der neue Vizepräsident des SSV Brixen und steht Präsident Stefan Leitner zur Seite – dies hat der 22-köpfige Vorstand in seiner letzten Sitzung beschlossen. Die Neuwahl wurde notwendig, da die ehemalige Vizepräsidentin Evi Hilpold aus persönlichen Gründen aus dem Vorstand ausschied.

Die Brixner Handballdamen mussten ihre Teilnahme am Handball-Europacup absagen und auf die Reise in die Türkei verzichten. Grund dafür ist die zweiwöchige Quarantäne, die nach der Rückreise vorgesehen wäre. Diese ist für die Spielerinnen, die studieren oder arbeiten, organisatorisch nicht vereinbar.

Der ASV Milland musste seine Landesliga-Meisterschaft unterbrechen; ein Spiel wurde bereits im Vorfeld wegen einiger CoronaVerdachtsfälle abgesagt. Sobald sich der Verdacht bestätigte und ein Spieler effektiv positiv getestet wurde, wurden die weiteren Spiele vorerst verschoben.


NACHGEFRAGT

„Die Absage war enttäuschend“ Frau Steinhauser, Sie haben sich als drittschnellste Triathletin der Welt bewiesen. Trotz Einschränkungen in Top-Form? Bis auf wenige Wochen zu Beginn des Lockdowns konnte ich normal trainieren. Ich lebe und trainiere in Pescara; den August verbrachte ich bei einem Trainingslager in Livigno. Mit meinem Ergebnis beim ersten Rennen nach der langen Wettkampfpause, der Sprint-Weltmeisterschaft in Hamburg, war ich allerdings nicht zufrieden. Es war ein komisches Gefühl, nach so langer Zeit wieder inmitten einer Gruppe zu schwimmen. Auch ungewohnt war ein Wett-

kampf ohne Publikum und mit strengen Sicherheitsvorkehrungen. Das darauffolgende völlig „normale“ Rennen in Tschechien auf der olympischen Distanz endete für mich eindeutig besser. Sie waren für die Olympischen Spiele in Tokyo nominiert. Gilt dies nach wie vor? Die Ranglisten für Tokyo wurden mit Ende 2019 eingefroren; erst ab Jänner bis Mai 2021 zählen die Ergebnisse wieder. Im Moment stehe ich nach wie vor auf der italienischen Teilnehmerliste und hoffe, dass ich weiterhin die dafür notwendigen Punkte sammeln kann und dass die Spiele

dann auch stattfinden dürfen. Die Absage der Olympischen Spiele heuer im Frühjahr war für mich eine große Enttäuschung. Die laufende Saison neigt sich dem Ende zu. Was bringt der Blick in die Zukunft? Kurzfristig gesehen, werde ich Anfang November noch das heuer letzte Weltcup-Rennen in Valencia bestreiten. Dann steht mir eine Pause zu, die ich voraussichtlich in Brixen genießen werde. Auf längere Sicht möchte ich noch einige Jahre als Profi-Triathletin aktiv sein.

Foto: Tommy Zaferes / ITU Media

VERENA STEINHAUSER, Profi-Triathletin aus Brixen, über ihren dritten Platz im Weltcup, ihre hervorragende Form – und ihren Blick in die Zukunft.

sabine.dejakum@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

.

63


LEICHTATHLETIK

Freizeit & Sport

Top-Erfolge für Brixens Leichtathleten

z Mit Top-Platzierungen bei den Jugend-Italienmeisterschaften darf die Sportgemeinschaft Ei-

sacktal ihren Saisonabschluss feiern: Drei der fünf Athleten, die sich für die nationalen Wett-

kämpfe im September und Oktober qualifiziert hatten, kamen unter die Top Ten. Euan De Nigro sprintete am 18. Oktober in Modena über 3.000 Meter als Zweitschnellster der U18-Kategorie über die Ziellinie und definierte dabei auch die vereinsinterne Bestzeit neu. Dasselbe galt für Lukas Lanzinger über 1.500 Meter, der mit seinem neuen Vereinsrekord gleichzeitig auch zehntschnellster Italiener war. Beide Athleten sind nicht nur in der Leichtathletik, sondern auch im Triathlon sehr erfolgreich. Isabel Vikoler hatte bereits vor einigen Wochen in

Grosseto über 400 Meter Hürden mit dem vierten Rang ihre Stärke gezeigt. Die Qualifikation für die Italienmeisterschaften schafften zudem Andres Magro und Sarah Gasser. Die Trainer Franco Cubich, Nicolas Monese und Reinhold Rogen blicken zufrieden zurück und mit Tatendrang nach vorne. Nach der Trainingspause bereiten sie ihre Athleten nun für die Wintersaison vor. Ob die verschiedenen Crossläufe und die für Jänner geplanten Indoor-Wettkämpfe stattfinden werden, ist derzeit allerdings noch offen. sd

Gesamtzeit von 36 Stunden, 5 Minuten und 3 Sekunden als Drittplatzierte aufgerufen wurden – in der Gesamtwertung schafften sie es auf Platz sieben. Als schnellste Mannschaft kam übrigens das

„Degani Tri.Team“ ins Ziel – mit einer Gesamtzeit von 27 Stunden, 48 Minuten und 26 Sekunden, was einem Durchschnitt von weniger als 4 Minuten pro Kilometer entspricht. sd

LAUFSPORT

Starkes Marathon-Team z Die Läufer des ASV Pfeffersberg stellten sich 2020 einer ganz besonderen Herausforderung: Sie nahmen als Team am ersten „Resia Rosolina Relay“ teil, einem 430 Kilometer langen Staffellauf, der von der Quelle bis zur Mündung der Etsch führte. Die einzelnen LaufEtappen auf Radwegen waren jeweils zehn Kilometer lang; jedes Teammitglied musste insgesamt eine Marathonstrecke bewältigen. Der erste Läufer der Pfeffersberger Mannschaft startete bei kühlen Temperaturen, bockigen Windböen und Regen am Reschenpass; nach zehn Kilometern löste ihn der zweite Läufer des Teams ab. Und so kämpfte man sich bei widrigsten Wetterverhältnissen

bis nach Rovereto durch. Von dort bis zum Zieleinlauf in Rosolina genoss man dann, zumindest tagsüber, die Sonne. Wer nicht lief, versuchte, in den beiden Vereinsbussen einige Stunden Schlaf und etwas Erholung zu erhaschen. Der ungewohnte Lauf- und Schlafrhythmus, aber auch die teilweise schlechten Sichtverhältnisse in der Nacht verlangten den gut trainierten Marathonläufern alles ab. Müde und glücklich erreichte das Team dann das Ziel. Mit einem Podestplatz hatten die acht Pfeffersberger und ihre zwei im letzten Moment rekrutierten Ersatzläufer aus Brixen und Sterzing nicht gerechnet; umso mehr jubelten sie, als sie in ihrer Kategorie mit einer

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FUSSBALL

Rien ne va plus – nix geht mehr! z Noch bevor die Fußballsaison richtig starten konnte, ist sie auch schon wieder zu Ende: Alle Spiele und auch die Trainings im Jugendsektor wie auch bei den ersten Mannschaften fallen erneut der Pandemie zum Opfer. Landesligist ASV Milland hat bisher sieben Spiele absolviert – dann war Schluss. „Wir mussten zwei Spiele aufgrund von Corona-Verdachtsfällen verschieben“, erklärt Günther Messner, sportlicher Leiter der Millander. Vorerst bis zum 24. November ist der Mannschaftssport auf Eis gelegt – dann wird weiterentschieden. „Wir müssen es annehmen, wie es ist. Bevor man den Sport im Freien angreift, hätte man den IndoorSport verbieten sollen – oder die Zuschauer auf den Tribünen“, so Messner. Auch Indoor-Sport ist inzwischen bis auf ein paar wenige Ausnahmen verboten. Anfänglich nicht ausgesetzt war die OberligaMeisterschaft, in der die Damen und die Herren des SSV Brixen spielen; seit dem neuen Dekret

dürfen auch sie nicht mehr aufs Feld. Enttäuscht, aber einsichtig über die neuen Maßnahmen zeigt sich Markus Tauber, Sektionsleiter der Sektion Fußball Herren: „Ich leide mit den Mannschaften mit – vor allem mit den Jugendlichen, die nun auf den Sport verzichten

müssen.“ Auch Tauber hätte es für sinnvoll erachtet, zuerst die Zuschauer und den Ausschank in den Sportstätten zu verbieten: „Während wir bei jedem Training und jedem Spiel penibel auf die Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen achteten, ließ

die Eigenverantwortung auf den Tribünen, aber auch in anderen Bereichen, zu wünschen übrig. Wir dürfen uns nicht über diese strengen Maßnahmen wundern und können nur hoffen, dass der Mannschaftssport bald wieder aufgenommen werden kann.“ eh

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Wirtschaft & Umwelt

MÜLLENTSORGUNG UND -VERMEIDUNG – EIN THEMA MIT ZUKUNFT

Der Brixner Müll

2.893 Tonnen Restmüll sind 2019 in der Gemeinde Brixen angefallen, 8.005 Tonnen werden hingegen getrennt gesammelt. Durchschnittlich 120 Kilo Restmüll „produziert“ ein Brixner pro Jahr. Was aber passiert mit dem Müll, nachdem er im Müllauto landet? Die Müllentsorgung ist ein Kreislauf, der gut – aber noch nicht perfekt – funktioniert. Der „Brixner“ hat sich an das umfangreiche, komplizierte und hochempfindliche Thema herangewagt.

Dienstag, 7.30 Uhr. Es ist kühl

am heutigen Dienstagmorgen im September. Während ich die Mülltonne die Garageneinfahrt hochziehe, kommt mir das Müllauto bereits entgegen. Die Männer sind seit 5:45 Uhr unterwegs; ein freundliches Hallo ist dennoch drin. Heute steht die Entleerung der Kranebitter Tonnen an. Nachdem die Mülltonnen komplett „ausgeschüttelt“ sind, fährt das Müllauto weiter; der Müllmann springt auf, und schon bald ist das Auto wieder hinter der Ecke verschwunden. 2019 sammelten die Stadtwerke Brixen 2.893 Tonnen Restmüll ein, etwas mehr als noch ein Jahr vorher. 38 Tonnen davon konnten keinem Haushalt zugewiesen werden und mussten somit als „illegal entsorgt“ deklariert werden. Sobald das Müllauto voll ist, fährt es nach Schabs: Im Abfallwirtschaftszentrum der Bezirksgemeinschaft Eisacktal wird in größere Container umgeladen, die dann mehrmals pro Woche in der Müllverwertungsanlage in Bozen landen. Die Bozner Anlage gibt es in dieser Größenordnung seit 2013; sie wird der Südtiroler Restmüllmenge gerecht – was soviel heißt, dass dort der 66

Restmüll aus allen 116 Südtiroler Gemeinden verbrannt werden kann. 130.000 Tonnen pro Jahr kommen in Bozen in den Ofen – und weil es die Kapazität der Anlage zulässt, liefern auch einige Trentiner Ortschaften ihren Restmüll nach Bozen, das Fleimstal beispielsweise. Das Trentino verfügt derzeit nämlich über keine eigene Verbrennungsanlage – es wird dort auf eine sehr rigide Mülltrennung geachtet. Für den Rest setzt Trient nach wie vor großteils auf Müllhalden. In Bozen wird der Müll im Müllbunker abgeladen, zum Ofen transportiert und verbrannt. Die Schlacken, also das Überbleibsel nach der Verbrennung des Mülls, werden im Schlackenbunker zwischengelagert und dann – nachdem die Eisenmetalle herausgetrennt (und auch wiederverwertet) wurden – in verschiedenen Lagern enddeponiert; die Schlacken des Eisacktaler Mülls kommen zum Beispiel in die Deponie Sachsenklemme. Der Verbrennungsofen hat ein ausgeklügeltes Filtersystem, damit der Rauch, der aus den Kaminen kommt, allen genehmigten Grenzwerten entspricht. Staub, Säuren, Schwermetalle, Dioxine und weitere Verbrennungsgase werden also herausgefiltert. Die während des Verbrennungsprozesses gewonnene Wärme wird in Wasserdampf umgewandelt; damit wird thermische und elektrische Energie erzeugt. Mit der elektrischen Energie wird einerseits der Verbrennungsofen selbst versorgt, der Rest wird ins Hochspannungsnetz eingespeist. Die thermische Energie gelangt hingegen in das Fernwärmenetz; derzeit können damit in Bozen 3.500 Wohnungen und 100 Betriebe beheizt werden. Künftig sollen es durch die Aus-

weitung des Fernwärmenetzes weitere 10.000 Wohnungen sowie zahlreiche öffentliche Gebäude sein – unter anderem das Krankenhaus Bozen.

Im Prozess gestört. Den Kreislauf

des Restmülls hat Südtirol mit dem Verbrennungsofen soweit also gut unter Kontrolle. Neben den 2.893 Tonnen Restmüll werden aber über die verschiedenen Recyclinghöfe und Wertstoffglocken auch 8.005 Tonnen nach Wertstoffen getrennter Abfall gesammelt. Ein großes Problem dabei ist die starke Verunreinigung dieses Mülls. Damit Biomüll und die verschiedenen Wertstoffe weiterverarbeitet werden können, müssen sie nämlich möglichst frei von Fremdstoffen sein, damit er nicht kostspielig sortiert und vorbehandelt werden muss. Wenn der Biomüll zum Beispiel stark verunreinigt ist, kann er nicht in der Kompostierungsanlage aufbereitet und muss in der Folge als Restmüll deklariert werden – de facto landet er im Verbrennungsofen. Sehr häufig kommt es zum Beispiel vor, dass Grünschnitt oder Windeln im Biomüll entsorgt werden. Zudem gelangt Biomüll oft auch in Säckchen in die Tonne, auf denen zwar „abbaubar“ („biodegradabile“) steht, die aber nicht den strengen Vorgaben entsprechen. „Die Verunreinigung ist im Stadtgebiet besonders groß und hat in den letzten Jahren stark zugenommen“, erklärt Reinhard Mahlknecht vom Abfallwirtschaftszentrum in Schabs, „beim Müll aus den Unterflurcontainern, also jenen, die man mit Kärtchen bedient und nicht einem Haushalt oder Kondominium zugewiesen werden kann, ist es besonders schlimm.“ Wenn der Biomüll aber richtig getrennt wurde, wird er im Ab-

fallwirtschaftszentrum in Schabs abgeladen; er kommt auf die sogenannten Kompostmieten. Das sind schmale längliche Erdhügel, die permanent gewendet werden, um dem Material Sauerstoff zuzuführen. Durch diesen Prozess wird der Biomüll in Fertigkompost umgewandelt – dies dauert rund 13 Wochen. Dieser Fertigkompost, der in roher Form zu stark, sich in verdünnter Form aber perfekt als Gartendünger eignet, kann von Privatpersonen kostenlos in Schabs abgeholt werden. Auch Firmen können den Kompost zu einem symbolischen Preis kaufen.

Das „big business“ mit dem Müll. Ein durchschnittlicher

Haushalt der Gemeinde Brixen bezahlt etwas mehr als 200 Euro pro Jahr an Müllgebühren – rund 50 Cent pro Tag. In diesem Preis inkludiert ist die Sammlung von Rest- und Biomüll, der Betrieb der Minirecyclinghöfe, des Recyclinghofes, die wöchentliche Entleerung der Wertstoffglocken, die Entleerung der öffentlichen Mülleimer – und die Straßenreinigung. Der Rechnungsbetrag auf der Müllrechnung besteht aus einem fixen Kostenanteil und einem mengenabhängigen Teil: Mit der fixen Grundgebühr werden vor allem die Kosten jener Dienste abgedeckt, die nicht an einzelne Kunden zugewiesen werden können – die Entleerung der Wertstoffglocken und die Straßenreinigung zum Beispiel. Der mengenabhängige Teil bezieht sich hingegen auf die Restmüllsammlung: Je weniger Müll jemand produziert, umso weniger muss er zahlen – theroretisch. De facto gibt es je nach Größe des Haushalts eine Mindestmenge, die auf jeden Fall bezahlt werden muss; eine illegale Entsorgung lohnt sich also auf keinen Fall.

Foto: Georg Hofer

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aben Sie sich schon einmal darüber Gedanken gemacht, was mit dem Müll passiert, den Sie in die Tonne werfen? Wenn nicht, dann sollten Sie sich die Zeit nehmen und diesen Bericht lesen. Sie brauchen dafür schätzungsweise eine Viertelstunde. Lächerliche 15 Minuten länger bräuchten Sie vermutlich auch beim müllreduzierenden Einkauf – würden damit aber wesentlich und mit nur wenigen Handgriffen dazu beitragen, dass die Welt ein klein bisschen besser wird. Und … das fühlt sich saumäßig gut an!


„Der beste Abfall ist jener, der erst gar nicht entsteht“_ Michele Bellucco, Verantwortlicher der Umweltdienste der Stadtwerke Brixen DIE WEGE DES BRIXNER MÜLLS: Der Restmüll landet im Verbrennungsofen in Bozen, beim nach Wertstoffen getrennten Müll gibt es aber Verbesserungspotential 67


Foto: Fabio de Villa

Wirtschaft & Umwelt Tausend Mal pro Jahr werden die Wertstoffcontainer im Brixner Recyclinghof entleert

Der beste Müll ist jener, der vermieden wird! Die Trauben sind in Plastik verpackt, die Petersilie mit 68

Plastikfolie umhüllt, Brioche oder Kekse gleich mehrfach eingewickelt – ein Haufen Plastikmüll ist das Resultat eines Großeinkaufs im Supermarkt. Wer anfängt, auf seine eigene Müllproduktion zu achten, dem fällt auf, dass gegensteuern sinnvoll wäre. Wie das geht? Ganz einfach: bewusster einkaufen, möglichst verpackungsfrei. Und jetzt kommen die in der Einleitung genannten 15 Minuten ins Spiel, die man beim Einkauf eventuell länger braucht, weil man damit nicht alles in einem einzigen Laden holen kann – dafür leistet man aber einen wichtigen Beitrag für die Umwelt. „Es kann doch nicht sein, dass man nach einem Lebensmitteleinkauf mehr Müll zu Hause hat als Waren“, sagt auch Michele Bellucco. Das Müllproblem habe es bis vor rund zweihundert Jahren gar nicht gegeben: „Erst seit die Plastikverpackung ins Spiel gekommen ist, ersticken wir darin“.

Ein kleiner Schritt für den Menschen … Mit dem Ziel, so wenig

Müll wie möglich vom Einkauf mit nach Hause zu bringen, mache ich mich auf zum wöchentlichen Einkauf – und dabei hole ich mir eine Expertin zu Rate: Evelyn von Mörl achtet bereits seit Jahren darauf, Müll möglichst zu vermeiden. Dass dieses Thema auch in den Köpfen der Brixner angekommen ist, beweist die Eröffnung von gleich drei Geschäften, die sich auf den verpackungsfreien Einkauf spezialisiert haben – zwei davon in der Kreuzgasse, eines in der Trattengasse. Aber auch in Bioläden kann man verpackungsspartanisch einkaufen. Was man dazu braucht? Eine genaue Vorstellung von dem, was man einkaufen muss, optional einige Behälter oder Papiertüten und, wie gesagt, etwas mehr Zeit. Ich lerne, dass man Wasch- und Abspülmittel nachfüllen lassen kann, Käse, Topfen oder Mozzarella kommt in

mitgebrachte Tupperware-Tiegel oder in Papier. Obst und Gemüse darf beruhigt verpackungsfrei in der eigenen Stofftasche verschwinden – ebenso wie Brot. Haferflocken, Leinsamen, Linsen und Müsli kann man, genau in der gewünschten Menge, entweder in kleine Papiertüten füllen (die dann im Papiermüll entsorgt werden) oder in Tiegel, die man selbst zum Einkaufen mitbringt. Wasser kommt direkt aus dem Wasserhahn und das Fleisch aus der Metzgerei; dieses fühlt sich, mit Papier umwickelt, eh viel wohler als in Plastikfolie, was sich schon am Geruch zeigt. Wer noch einen Schritt weiter gehen will, kann mittlerweile auch sein Baby in praktische und moderne Stoffwindeln wickeln, die rein gar nichts mehr mit jenen von vor 50 Jahren zu tun haben. Frau kann auch auf Stoffbinden und Menstruationstasse umsteigen, um Müll zu reduzieren – das ist

Foto: Oskar Zingerle

Die Stadtwerke Brixen haben zwei Einnahmeschienen: die Gebühren, die die Haushalte bezahlen, und die Erlöse aus dem Verkauf der Wertstoffe. Michele Bellucco, Verantwortlicher für die Umweltdienste bei den Stadtwerken, erklärt: „Die Wertstoffe, also beispielsweise Glas, Dosen, Plastikverpackungen und Papier, verkaufen wir weiter. Konkret heißt das, dass wir die mit Wertstoffen gefüllten Container an Firmen in Norditalien liefern, die sich auf die Weiterverarbeitung des Mülls spezialisiert haben.“ Diese Firmen nehmen vor der Weiterverarbeitung eine Qualitätssortierung vor. Kunststoff wird zum Beispiel nach Farbe und Verpackungsart sortiert und danach eingeschmolzen – es entsteht ein sekundärer Rohstoff, der weiterverkauft werden kann. Recycelter Kunststoff kann allerdings nur teilweise wieder in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Stadtwerke-Kunde indirekt selbst zu einer Reduzierung der Müllgebühren beitragen kann: Je besser der Müll getrennt wird, desto höher sind die Einnahmen der Stadtwerke für die Wertstoffe, und desto tiefer können die Müllgebühren für das nächste Jahr ausfallen. Wer sich nicht sicher ist, wo was hingehört, kann sich auch über die neue Müll-App „Junker“ informieren. Hier erfährt man zum Beispiel, dass Keramik ein Störstoff in der Glas-Wertstoffglocke ist, dass in den Papiercontainer keine großen Kartonagen gehören und was genau in die Kunststoffverpackungsglocke kommen darf.

In den Biomüll gehört ausschließlich organischer und abbaubarer Abfall tierischer oder pflanzlicher Herkunft – keine Plastiksäcke, kein Grünschnitt und auch keine Windeln


aber nicht jederfraus Sache. Auf Plastikverpackung und besonders auf Mikroplastik im Produkt sollte man beim Kosmetikeinkauf achten: Shampoo gibt es mittlerweile in fester Form, und statt Duschgel kann man Seife verwenden – die übrigens auch wesentlich länger hält. Wer jetzt denkt, dass diese Art von Einkauf die Geldbörse sprengt, der irrt: „Wer überlegt einkauft, braucht wesentlich weniger Geld als beim Großeinkauf im Supermarkt. Dort ist man dazu geneigt, zu Produkten zu greifen, die man gar nicht braucht – und dies zudem auch noch in größerer Menge“, sagt Evelyn von Mörl. Am besten sei es, Käse direkt in der Käserei zu kaufen, Brot in der Bäckerei, Obst auf dem Bauernmarkt und Fleisch in der Metzgerei. „Was ich kaum kaufe, sind Fertigprodukte – Selbermachen ist die Devise: Marmelade und Tomaten werden eingekocht, und auch Kekse backe ich selbst – dann weiß ich, was drinnen ist, und man schätzt die Lebensmittel wieder viel mehr“, erzählt Evelyn von Mörl. Zugegeben, es ist ein gutes Gefühl, wenn man vom Einkaufen nach Hause kommt und nicht gleich mit einem vollen Müllsack zur Tonne laufen muss. „Müll hat auch etwas mit Emotionen zu tun. Man will sich des Mülls entledigen, ihn loswerden – und das so schnell wie möglich“, weiß Michele Bellucco. Recyclen spart nämlich auch massenhaft Rohstoffe, wie Energie und Wasser, die ansonsten für eine Neuerstellung benötigt würden. Beispiel gefällig? Für die Herstellung einer Tonne Papier braucht es 15 Bäume, 440.000 Liter Wasser und 7.600 Kilowatt Strom; für die Herstellung einer Tonne Recyclingpapier braucht es keinen Baum, nur 1.800 Liter Wasser und 2.700 Kilowatt Strom. Für die Herstellung einer Tonne Glasflaschen braucht es unter anderem 600 Kilogramm Sand und 90 Kilogramm Heizöl; für die Herstellung einer Tonne recycelter Glasflaschen braucht es keinen Sand und lediglich 10 Kilogramm Heizöl.

Auch Kleidung ist Müll. Laut ei-

ner Greenpeace-Studie hat sich die Bekleidungsproduktion von 2000 bis 2014 verdoppelt; 2014 wurden mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke neu produziert. Die Kosten für Kleidung sind gleichzeitig aber gesunken: „Fast Fashion“ heißt dieses Phänomen. Es wird also viel Kleidung ge-

kauft, die so günstig ist, dass sie nach wenigem Tragen im Altkleidercontainer landet. 250 Tonnen Altkleider wurden 2019 von den Stadtwerken Brixen aus den gelben Containern gefischt. Die Kleidung fällt ebenso in den Abfallkreislauf wie alle anderen Wertstoffe und wird an eine spezialisierte Firma, in diesem Fall nach Prato in die Toskana, weiterverkauft – dort wird sie sortiert. Was nicht mehr brauchbar ist, wird zu Lumpen, zu Putzlappen oder zu Dämmstoff weiterverarbeitet. Der noch brauchbare Teil der Altkleidung wird hygienisiert und nach Afrika und Osteuropa weiterverkauft. Ein Teil dieses Erlöses wird von den Stadtwerken an die Gemeinde Brixen weitergegeben, die diesen für soziale Zwecke bereitstellen. „Derzeit haben Altkleider noch einen Wert; der Markt ist aber in Krise: Zum einen dürfen Altkleider nicht in alle Länder exportiert werden, da sie die nationale Textilindustrie zerstören, und zum anderen gibt es zu viel Angebot und zu wenig Nachfrage“, so Bellucco. Um dem „Fast Fashion“-Boom entgegenzuwirken, werden mittlerweile auch in Brixen Second-HandAktionen ins Leben gerufen - wie zum Beispiel der „offene Kleiderschrank“, der viermal jährlich vom Kulturverein „Cosmos Culture“ (ehemaliger Kulturverein Astra) im Astra seine Tore öffnet. Und auch Brixner Boutiquen haben sich der nachhaltigen Mode verschrieben.

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fassend kann man sagen, dass jeder einzelne durch eine korrekte Mülltrennung und ein nachhaltigeres Konsumverhalten seinen Beitrag für den Umweltschutz leisten kann. Unser täglicher Müllverbrauch fließt nämlich auch in die Berechnungen des „Earth Overshoot Days“ ein – das ist jener Tag, an dem die Menschheit die Ressourcen verbraucht hat, die die Natur binnen eines Jahres wiederherstellen kann. 2020 fiel dieser Tag auf den 22. August; seither lebt die Menschheit auf Pump und überzieht ihr biologisches Konto. Mülltrennung und vor allem Müllvermeidung im eigenen Haushalt ist ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein großer Schritt für die Menschheit.

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Wirtschaft & Umwelt

NATZ

Nach Omas Rezept Einen Nachmittag lang durften wir im Rahmen der „Südtiroler Almgschichten“ hinter die Kulissen einer Natzner Bauernhofküche blicken, dabei einen warmen Apfelstrudel nach Omas Rezept verkosten und lernen, wie man diesen auch zu Hause perfekt nachmachen kann.

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Fotos: Oskar Zingerle

I

m Herbst 2019 initiierten die Tourismusvereine Brixen, Klausen, Natz-Schabs, Lüsen und Gitschberg-Jochtal ein bäuerliches Erlebnisprogramm, das den Touristen und auch Einheimischen Tradition, Genuss und Bewegung näherbringen soll. Die „Südtiroler Almgschichten“ wurden auch heuer – natürlich unter strengen Corona-Sicherheitsvorkehrungen – organisiert und durchgeführt: Auf dem Programm von Ende Oktober bis Anfang November standen beispielsweise eine Apfelwanderung in Natz, eine Kräuterwanderung in Lüsen, die „wilde Bauernküche“ auf dem Gabler oder ein Wattkurs in Vals. Als das bäuerliche Erlebnisprogramm im Vorjahr zusammengestellt wurde, wurde auch die Bäuerinnenorganisation von Natz darum gebeten, einen Beitrag zu leisten. Natz ist die Eisacktaler Apfelhochburg; nur noch vier Milchbauern gibt es im 700-Seelen-Dorf, mehr als 20 Bauern bauen Äpfel an. Was liegt also näher, als einen originalen Südtiroler Apfelstrudel zu backen? Das dachten sich auch die Natzner Bäuerinnen und schlugen vor, den Touristen im Rahmen der „Almgschichten“ beizubringen, wie man diese traditionelle Mehlspeise zubereitet. Bereits im Vorjahr war diese Veranstaltung sehr gut besucht, und auch heuer – obwohl nur mehr halb so viele Gäste teilnehmen dürfen – waren die drei Nachmittage ausgebucht. Als wir uns am Hof im Natzner Dorfzentrum einfinden, wird gerade Apfelsaft gemacht: Kübelweise gehäckselter Apfel steht bereit und

Lernen von den Meisterinnen: Die Natzner Bäuerinnen luden Touristen und Einheimische ein, ihren selbstgemachten Apfelstrudel zu verkosten wartet darauf, gepresst zu werden. „Gepresst wird der Apfelsaft nur für den Eigengebrauch – mehr als 90 Prozent unserer Äpfel liefern wir an die Melix“, erklärt die Bäuerin. Für den Apfelsaft wird die Sorte „Pinova“ verwendet, die süß-säuerlich schmeckt. Und das ist auch das einzige, das in den Apfelsaft kommt: kein Zucker, keine Konservierungsstoffe – haltbar wird der Saft durchs Erhitzen gemacht. Die ausgepressten, fast trockenen Apfelreste werden anschließend an die Kühe verfüttert. Nachdem wir einen Schluck vom ausgezeichneten reinen Apfelsaft verkostet haben, geht es ans Apfelstrudelbacken. Mit Abstand und Mundnasenschutz sitzen wir um einen Holztisch herum.

Lange Tradition. Natz war nicht

immer eine Apfelhochburg; die ersten Äpfel wurden erst vor knapp 40 Jahren angebaut. Seine landwirtschaftlichen Anfänge hatte Natz als Kornkammer, da es am Hochplateau an Wasser mangelte. Erst als in den Fünfzigerjahren die Hochdruckleitung gebaut wurde, wurde Natz von Lüsen aus mit ausreichend Wasser versorgt. Die Bauern begannen zuerst, Gemüse anzubauen; dann, ungefähr 1983, wurden die ersten Apfelbäume gepflanzt. „Heute lebt das Hochplateau vom Apfelanbau“, erklärt Bäuerin, während sie die Äpfel für den Strudel schält und viertelt. Für den Apfelstrudel verwenden wir an diesem Backnachmittag die Sorte „Pinova“, weil sie

nicht zu sauer, aber auch nicht zu süß ist. „Generell kann man jeden Apfel verwenden, der einem schmeckt. Wichtig ist, dass der Apfel eine gewisse Säure aufweist – das verleiht dem Endprodukt dann die richtige Spritzigkeit“, so die Expertin. In die geviertelten Äpfel für die Fülle kommen nun auch noch Zucker, Zimt, etwas zerlassene Butter, ein paar Spritzer Zitrone, Sultaninen nach Geschmack und Brotbrösel. Was die Sultaninen angeht, die ja bekanntlich nicht jedermanns Sache sind, gibt es in Südtirol ein ungeschriebenes Gesetz: Sie müssen in den Apfelstrudel! Die Brotbrösel hingegen braucht es, um die Flüssigkeit der Äpfel zu binden, die ansonsten in den Teig


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Die Mürbteigmeisterin. Die Bäu-

erinnen, sie sind mittlerweile zu zweit, zeigen uns nun den wichtigsten Teil des „Strudelprozesses“: Mehl und Backpulver wird auf der hölzernen Arbeitsplatte gemischt, die butterweiche Butter wird dann eingeknetet – je weicher die Butter, umso einfacher geht dieses Verfahren. Eier und Zucker werden dem Mehl-ButterGemisch nun zugefügt – dann wird geknetet, per Hand natürlich. Der Prozess dauert nicht einmal zehn Minuten – kein Wunder bei so viel Routine. Als der Teig fertig ist, kommt er in ein durchsichtiges Nylonsäckchen, und dann geht’s ab in den Kühlschrank. Das Geheimrezept des Strudels: Der Teig muss einen ganzen Tag rasten. Damit wir aber nicht einen ganzen Tag lang warten müssen, kommt aus dem Kühlschrank ein bereits tags zuvor vorbereiteter Teig zum Vorschein. Effektiv lässt sich dieser ohne zu Zerbrechen – und das ist beim Mürbteig eine wahre Kunst – ausrollen. Sobald er groß genug ist, wird er gefüllt, mit einem aufgeschlagenen Ei wird der Teig zusammengeklebt und bestrichen. Dann ist es Zeit für den Ofen – bei 180 Grad und etwa 40 Minuten. Aus Corona-Gründen dürfen wir den warmen Apfelstrudel nicht in der Hofschenke verzehren – jeder Teilnehmer bekommt ein großes Stück warmen Apfelstrudel mit nach Hause.

Lecker, schmecker, Zuckerbäcker. In Natz wird zum Großteil die Sorte „Golden Delicious“ angebaut; aber auch Jonagold,

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Zutaten für den Mürbteig: 125 Gramm Butter 125 Gramm Zucker 2 Eier 250 Gramm Mehl 1/2 Päckchen Backpulver 1 Prise Salz

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Kanzi, Stark und noch weitere Sorten, die von der Genossenschaft „gewünscht“ werden. Da der Endkonsument einen lagerfreundlichen makellosen Apfel wünscht, müssen die Betriebe auf die Vorgaben der Genossenschaft reagieren und vermehrt das anbauen, was nachgefragt wird. Die Nachfrage bestimmt das Angebot – und auch den Preis. Auch die Farbe soll makellos sein – aber bei diesem Thema redet die Natur ein Wörtchen mit: „Wenn es in den Nächten vor der Ernte kalt ist und der Morgen klar, entwickelt der Apfel seine roten Backen – wenn nicht, bleibt er gelblicher“, erklärt die Bäuerin. Sobald ich den warmen Apfelstrudel zu Hause verkosten darf, ist mir die Farbe der Äpfel relativ egal. Die Hauptsache ist, es schmeckt – und das tut es! So gut, dass ich mir vornehme, den Apfelstrudel gleich tags darauf nachzubacken. Die Wahrscheinlichkeit, dass mir dieser in einer solchen Perfektion gelingt, ist zwar eher gering – aber ... was nicht ist, kann ja noch werden. evi.hilpold@brixner.info Leserbriefe an: echo@brixner.info

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übergehen würde und diesen „matschig“ macht. Das Rezept geht auf mehrere Generationen zurück und lehnt sich an die bäuerliche Einfachheit ein: Der Apfel an sich hat einen besonderen Geschmack und soll keinesfalls durch andere Zutaten übertüncht werden – es braucht weder Pinienkerne noch andere Nüsse in der Strudelfüllung. Während wir die pure Fülle aus kleinen Schälchen kosten dürfen, geht es an die Königsdisziplin beim Apfelstrudel-Backen: die Teigherstellung.


Foto: Klaus Peterlin

Wirtschaft & Umwelt

SÜDTIROL

„Wollen Jung und Alt sensibilisieren“ z „Vielleicht ist es nicht mehr genug, Mundschutz zu tragen, Abstände einzuhalten und Hygienevorschriften zu verfolgen. Vielleicht müssen wir jetzt einfach wieder die Zähne zusammenbeißen und das Gesellige hintenanstellen, unserer Gesundheit zuliebe“, so Johann Zöggeler, Obmann der Althandwerker im lvh. Ihm und seiner Mannschaft

bereitet die steigende Anzahl an Corona-Infektionen Sorge. Deshalb haben die Althandwerker vor kurzem beschlossen, ihr Netzwerktreffen für dieses Jahr abzusagen. Grundsätzlich appellieren die Althandwerker an das Verantwortungsbewusstsein der Südtiroler aller Altersgruppen: Das Virus müsse als gesundheitliche Gefahr für sich selbst und sein

persönliches Umfeld gesehen werden. „Mein eindringlicher Appell lautet deshalb: Schauen wir auf

W&U

uns und unsere Gesundheit!“, unterstreicht Zöggeler (im Bild). av

Wirtschaft & Umwelt BRIXEN

Schalterdienst nur nach Vormerkung z Der Schalterdienst der Stadtwerke Brixen an den beiden Schaltern in der Industriezone und in der Acquarena wird bis auf Weiteres nur nach Vormerkung durchgeführt. Es sei dies eine Maßnahme gegen die Ausbreitung von Covid-19, erklärt StadtwerkeDirektor Karl Michaeler: „Auch in dieser prekären Situation sind wir für die Bürger erreichbar.“ Beide Schalter stehen für dringende unaufschiebbare Anliegen zur Verfügung. Vormerkungen können per Telefon (0472 823550), per

kurz

notiert

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E-Mail (kundenportal@asmb.it) oder neuerdings auch über eine Time-Slot-Reservierung über die Homepage www.asmb.it vorgenommen werden. Termine können von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr vorgemerkt werden, beim Kundenschalter in der Industriezone darüber hinaus auch von Montag bis Donnerstag von 15 bis 16 Uhr. „Wir erinnern daran, dass auf der Homepage der Stadtwerke ein Online-Schalter eingerichtet ist“, sagt Michaeler. „Die Online-Dienste ermöglichen

Das Brixner Unternehmen Durst hat das Luftdesinfektionssystem UVC-R entwickelt, das Luftaustausch als auch UV-Strahlen vereint und somit infektiöse Aerosole, Viren und Keime in Innenräumen reduziert.

es, über die Internetseite www. asmb.it Ansuchen für Neuanschlüsse, provisorische Baustellenanschlüsse, Gutachten, technische Änderungen und viele weitere Formulare jederzeit von zu Hause aus vollständig auszufüllen und

abzuschicken, ohne persönlich beim Kundenschalter vorstellig zu werden.“ Der Zugang erfolgt über den digitalen Schlüssel SPID, den viele Bürger bereits für öffentliche Dienste nutzen. wv

Die horizontalen Bodenmarkierungen der Fahrradwege im Abschnitt Industriezone Brixen bis Kollmann sowie Brixen bis Franzensfeste und Mühlbach werden Anfang November erneuert. Die Radwege sind während der Arbeiten befahrbar, jedoch können sich Arbeitsmaschinen auf den Wegen befinden.

In der Privatklinik Brixsana wurde kürzlich eine neue Amputationstechnik angewandt: Durch diese innovative Anwendung der bionischen Handprothetik können Menschen, die ihre Hand verloren haben, wieder ihre Finger fühlen.


STADTGEHEIMNISSE Wer war Johann Kravogl?

Johann Kravogl wurde 1823 in Lana geboren. Nach dem frühen Tod der Eltern erlernte er in Imst das Schlosserhandwerk und ließ sich, nach kurzen Aufenthalten in München und Wien, in Wilten bei Innsbruck nieder, wo er sich vor allem der Erfindung neuer Technologien widmete. Am bedeutendsten war sicher die Konstruktion des ersten Elektromotors, auch als „elektrisches Kraftrad“ bekannt. Unter anderem erfand er auch ein Schnellfeuergewehr, von dem sich noch zwei Modelle im Diözesanmuseum Brixen befinden. Im Jahr 1885 übersiedelte Johann Kravogl nämlich nach Brixen, wo er in der Trattengasse, dem späteren Dienstbotenheim, eine Werkstatt einrichtete und wo er am Neujahrstag 1889 verarmt starb. Bestattet wurde er im Nordwesten des Brixner Friedhofs; die Gedenktafel ist allerdings nicht leicht zu finden. Der bekannte Brixner Gemeindearzt Dr. Meinrad Bonell († 1997), der in seiner Jugend auch Elektrotechnik studiert und den Ingenieurtitel erworben hatte, ließ zu seinem Gedenken von Martin Rainer eine Kupfertafel anfertigen, die sich im Nordosten des Friedhofs am zweiten Arkadenpfeiler oberhalb der Kapuzinergruft befindet. Auf die technischen Leistungen Kravogels weist eine im Jahre 1983 nach ihm benannte Straße in der Brixner Industriezone hin. Anregungen: redaktion@brixner.info

BRIXEN

Liora und das Glück z Die Weihnachtszeit kündigt sich dieses Jahr notgedrungen als wirklich stille Zeit an: Die Weihnachtsmärkte sind landesweit abgesagt. Wer jetzt denkt „fein, dann gibt’s weniger Saufgelage“, der ist falsch gewickelt, denn auch Musikanten und Chöre haben einen herben Ausfall zu beklagen. In Brixen versucht man, der Pandemie etwas entgegenzuhalten und mit der alljährlichen Licht- und Musikshow ein starkes Zeichen für die Kultur zu setzen. „Die vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen werden im Höchstmaß gewährleistet“, versichern Touristiker und Bürgermeister Peter Brunner unisono. Die Geschichte der diesjährigen Show thematisiert das Thema der Zeit, die gerade durch die Pandemie unser Denken und Handeln bestimmt. „Liora. Die Kostbarkeit des Augenblicks“ nennt sich das Weihnachtsmärchen mit dem jun-

gen Mädchen Liora und Monsieur Tick Tack als Hauptfiguren. Das Drehbuch von Eva Kuen, die auch Regie führt, geht der Frage nach, wie sinnvoll es ist, am Augenblick des Glücks festzuhalten, es in Truhen zu sperren oder in Ketten zu legen. Der Besucher ist angehalten, in sich hineinzuhören und die Glücksmomente auf bewusste Weise zu leben, denn das Glück ist so flüchtig wie das Leben selbst. Die Dialoge und die Gesangspartien übernehmen Peter Schorn und Viktoria Obermarzoner sowie Emanuele Colombi und Anna Fink in der Zweitbesetzung. Die von Stephen Lloyd komponierte Musik wurde vom Haydn Orchester eingespielt, die Liedtexte stammen aus der Feder von Arno Dejaco. Die Lichtprojektionen übernimmt das bewährte Team von Spectaculaires. ird

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„Es braucht neue Impulse“ GERNOT WIELAND, Kommandant der Brixner Stadtpolizei, über den immer spärlicher besetzten Monatsmarkt in der Goethestraße – und die zweifelhafte Sinnhaftigkeit einer weiteren Durchführung. Herr Wieland, es gab letzthin nur mehr sehr wenige Marktstände beim ehemals so großen Monatsmarkt. Warum? Weniger Besucher – weniger Stände: Der Monatsmarkt hat sich in den letzten Jahren selbst reduziert. Während es in den Achtzigerjahren noch an die 150 Wanderhändler gab, sind heute nur mehr 43 Standplätze fix vergeben. Heuer stellten im Juli 13, im August und September jeweils zwei Händler, im Oktober gar keiner aus – natürlich auch coronabedingt. Der Wochenmarkt aber funktioniert gut?

Ja. Früher war es so, dass der Wochenmarkt nicht stattfand, wenn er auf denselben Tag wie der Monatsmarkt fiel. Aufgrund der Bauarbeiten in der Zone Priel musste der Wochenmarkt auf vier Standorte verteilt werden, was anfänglich für Unmut sorgte. Um den 58 Standbetreibern entgegenzukommen, wurde dem Vorschlag stattgegeben, den Wochenmarkt auch am Monatsmarkttag durchzuführen. Da der Wochenmarkt besser besucht ist – vermutlich, weil er im Stadtzentrum angesiedelt ist –, stellen die Standbetreiber, die zumeist auf beiden Märkten einen Fixplatz haben, dort lieber auf als in der Goethestraße.

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Ist die Durchführung des Monatsmarktes Ihrer Meinung nach überhaupt noch sinnvoll? Ich bin da sehr skeptisch. Das Konzept müsste dringend überdacht werden, es braucht unbedingt neue Impulse. Dabei wäre es sinnvoll, wenn die Direktinteressierten aktiv würden und sich gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung Gedanken über die Zukunft machen. Auch für Touristen ist ein Monatsmarkt eine zusätzliche Attraktion. Die Logistik an den Markttagen müsste gegebenenfalls auch überarbeitet werden.

Foto: Oskar Zingerle

Wirtschaft & Umwelt

NACHGEFRAGT

z Gute Nachrichten für Betriebe in kleinen Ortschaften: Sie können in Zukunft einmalige Förderungen bis zu 30.000 Euro erhalten, außerdem jährlich weitere 11.000 Euro für die Aufrechterhaltung des Betriebs. Die Landesregierung will mit diesem Beschluss sogenannte Nahversorgungsbetriebe unterstützen, also solche, die das ganze Jahr über Speisen und Getränke an Personen anbieten, die nicht Hausgäste sind. Die Unternehmen müssen außerdem in einer Gemeinschaft mit mehr als 100 Einwohnern und dort als einziger Betrieb angesiedelt sein. Auch für Neueröffnungen sind Förderungen vorgesehen, sofern der Betrieb vorher seit mindestens einem Jahr geschlossen war. Landesrat Arnold Schuler erklärt, dass mit dieser Regelung das Gasthaussterben in den Dörfern verhindert werden soll, denn „diese sind nicht nur für den Tourismus wichtig, sondern tragen auch zur Lebensqualität und Gemeinschaft des Dorfes bei.“ Der Beschlussan-

trag stammt vom Landtagsabgeordneten Helmut Tauber: „Diese Förderung stellt einen wichtigen Schritt dar, um den historisch gewachsenen und zum Großteil in Familienhand befindlichen Betrieben unter die Arme greifen zu können und dazu beizutragen, dass sie weiterhin Teil des dörflichen Geschehens und Treffpunkt für die Dorfbevölkerung

sein können.“ Von der Regelung ausgenommen sind Betriebe, die sich in einer Immobilie befinden, die Eigentum einer öffentlichen Körperschaft ist. Der Förderantrag muss auf einem Vordruck verfasst und beim Funktionsbereich Tourismus im Landhaus 5 in der Raiffeisenstraße 5 in Bozen einav gereicht werden.


E. INNERHOFER AG

Heizung & Energie

Beim Heizen heute an morgen denken

Extra

Viele alte Heizanlagen verschwenden Energie und schaden der Umwelt. Über kurz oder lang sollten sie daher durch eine neue kosten- und umweltschonende Heizung ersetzt werden. Will man der Umwelt und dem Geldbeutel etwas Gutes tun, dann sind Wärmepumpen eine ideale Lösung.

Komponenten: dem Außengerät, dem Warmwasserspeicher und dem Hydronik-Modul.

Einfache Installation und Flexibilität. Die Installation ist sehr

einfach, und die vielfältigen Verrohrungsmöglichkeiten sorgen für hohe Flexibilität. Flexibilität bieten auch die verschiedenen Konfigurationsmöglichkeiten: So ist das Außengerät in verschiedenen Leistungsgrößen erhältlich. Auch kann das System mit verschiedenen Heizsystemen

eingesetzt werden – ob mit Fußbodenheizung, Niedertemperatur-Gebläsekonvektoren oder Niedertemperatur-Radiatoren. Teil des Wärmepumpensystems ist der Warmwasserspeicher, der ebenfalls in verschiedenen Größen erhältlich ist. Das Hydronik-Modul ist das Innengerät. Standardmäßig sind in diesem eine Fernbedienung, eine Heizungsumwälzpumpe und ein Ausdehnungsgefäß integriert. Als Schutzmaßnahme für besonders kalte Tage ist ein Zusatzheizstab

enthalten, der vollautomatisch über die Regelung des HydronikModuls gesteuert wird.

Fachberatung bei Innerhofer.

Auf dem Gebiet der Wärmepumpensysteme hat sich in den letzten Jahren viel getan. Die Technik wurde laufend an die aktuellen Gegebenheiten angepasst und verbessert. Es lohnt daher eine Fachberatung: Das Team von Innerhofer berät kompetent und unterstützt bei der Wahl des passenden Heizsystems.

3hochk.de

Wärmepumpen zeichnen sich durch drei wesentliche Faktoren aus: Sie sind umweltschonend, nachhaltig und kostensparend. Viele Wärmepumpen werden nicht nur im Winter zum Heizen genutzt, sondern auch im Sommer zum Kühlen. Zahlreiche Hersteller bieten daher intelligente Kombinationen an. So zum Beispiel „Estìa“, die Luft/Wasser-Wärmepumpe von Toshiba, einem führenden Hersteller im Bereich Heizung und Klima. Das System besteht aus drei

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MADER GMBH

Innovative Technik Die Firma Mader hat das neue Heizsystem zur Reinigung der Mehrweg-Glasflaschen des Brixner Mineralwasser- und Getränkehersteller Plose Quelle AG realisiert.

Michael Reinalter, Geschäftsführer des HKLS-Bereichs Die Flaschen- und Kistenwaschanlage wird nun mit einem zeitgemäßen Heizsystem betrieben Das Brixner Familienunternehmen Plose Quelle AG ist ein absoluter Leader im Bereich der Abfüllung und Vermarktung von natürlichem Mineralwasser. Im modernen Produktionswerk in Brixen wird das einzigartige, leichte Mineralwasser nach strengsten hygienischen Vorschriften und ohne Behandlungsverfahren in seinem natürlichen Zustand abgefüllt. Das Plose Mineralwasser entspringt aus einer Arteser Quelle oberhalb von Brixen, auf einer Höhe von 1.870 Metern über dem Meeresspiegel. Das Quellwasser zeichnet sich

durch seine hervorragende „mineralische“ Zusammensetzung aus.

Getränkesortiment in Flaschen. Das aktuelle Getränkesortiment der Plose Quelle AG reicht von Alpex Tonic Water über Plose Mineralwasser, Vintage Limonaden, Tea Collection bis hin zur Plose Bio-Linie. Die Abfüllung der Getränke erfolgt gänzlich in Glasflaschen, die bekanntlich zu einem der umweltfreundlichsten Verpackungsmittel zählen. De facto können Glasflaschen bis zu 50 Mal wieder befüllt werden.

T +39 0472 731 000 www.mader.bz.it

Die Firma Mader bedankt sich bei der Familie Fellin und bei Hermann Torggler für das entgegengebrachte Vertrauen.

Auch gibt Glas keinerlei Substanzen an das Wasser ab, sodass im Gegenzug zu Kunststoffflaschen die Reinheit und der Geschmack der Getränke in den Flaschen zur Gänze erhalten bleibt.

Beheizung der Flaschenreinigungsanlage. Damit die retour-

nierten Mehrweg-Glasflaschen den vorgegebenen hygienischen Standards entsprechen, müssen diese mit einer speziellen Flaschenreinigungsmaschine gereinigt werden. Dazu sind Vorlauftemperaturen von 97 Grad Celsius nötig. Bislang wurde das Heizungswasser für den Betrieb der Waschanlage mittels Dampferzeuger bereitgestellt. Als Primärenergie diente Schweröl, das aus ökologischer Sicht nicht mehr vertretbar ist. Auch entsprach die Regelungstechnik nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Aus diesem Grund entschied die Plose Quelle AG, die Heizungsanlage für die Flaschen- und Kistenwaschmaschine auf ein energetisch hochwertiges und umweltfreundliches System umzustellen.

Wechsel des Heizsystems. Den

Auftrag für die Realisierung einer neuen 2,8-Megawatt-Heizungsanlage erteilte die Plose Quelle AG

Baustellenleiter Erwin Knapp an die Mader GmbH. Der Leistungsumfang beinhaltete die Lieferung und Montage der Heizzentrale, eines 50-Kubikmeter-Pufferspeichers und eines Cleaningin-place-Wärmetauschers (CIP) mit einer thermischen Leistung von 933 Kilowatt samt Anschluss an die Flaschenwaschmaschine. Auch die gesamte elektrische Mess-, Steuer- und Regelungstechnik (E-MSR) der Heizzentrale wurde von Mader geliefert. Am neuen Heizungskreis wurde außerdem die Heizung der Büros, der Lagerhalle und der Lüftungsanlage angeschlossen, sodass die gesamte Anlage nun komplett im neuen Heizsystem mit Regelung eingebunden werden konnte. 77


Heizung & Energie

Superbonus von 110 Prozent nutzen!

VOLKSBANK

Extra

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sind der Volksbank wichtig – daher bietet sie ihren Kunden einfache, dynamische und flexible Lösungen an, um die neuen Steuervorteile zu nutzen, die das Neustart-Dekret für Arbeiten zur Energie- und Erdbebensicherheit von Gebäuden bietet.

Im Zuge des Neustart-Dekrets wurde unter anderem ein Superbonus von 110 Prozent beschlossen, der eine große Steuererleichterung mit sich bringt: Der Steuerabzug für Ausgaben, die zwischen dem 1. Juli 2020 und dem 31. Dezember 2021 für spezifische Arbeiten an Wohngebäuden in den Bereichen Energieeffizienz, Erdbebenschutz,

Installation von Photovoltaikanlagen oder Infrastruktur zum Aufladen von Elektrofahrzeugen durchgeführt werden, wurde auf 110 Prozent erhöht.

Superbonus für Wohngebäude. Die Begünstigten sind Mehrfamilienhäuser oder natürliche Personen, die Eigentümer von

autonomen Ein- oder Mehrfamilienhäusern und Zweitwohnungen sind, sowie Dritte, die Eigentümer von Wohnimmobilien sind. Durch den im Dekret eingeführten Mechanismus der Steuergutschrift haben die Auftraggeber die Möglichkeit, eine Ermäßigung auf die Rechnung (Superbonus-Rabatt) beim ausführenden Unternehmen zu beantragen oder alternativ die Steuergutschrift direkt an die Bank zu übertragen. Auch das ausführende Unternehmen, das dem Kunden den Rabatt auf die Rechnung gewährt, kann die Steuergutschrift an die Bank abtreten.

Volksbank unterstützt beim Superbonus. „In Zusammenarbeit

mit Ernst & Young haben wir einen schlanken Prozess entwickelt, mit dem wir Eigentümern von Wohnimmobilien zur Seite stehen. Als Regionalbank ermöglichen wir es ihnen, mit unseren Dienstleis-

Der Superbonus kann für die energetische Sanierung von Wohnimmobilien in Anspruch genommen werden, wenn eine Verbesserung des Gebäudes um mindestens zwei Energieeffizienzstufen erreicht wird 78

tungen und Produkten die Steuervorteile rund um den Superbonus auf effiziente Weise zu nutzen“, sagt Volksbank-Generaldirektor Alberto Naef. „Als Regionalbank nehmen wir gerne die Anfragen all jener entgegen, die ihre Steuergutschrift abtreten möchten“, sagt Hannes Wieser, Direktor der Niederlassung Brixen/Bruneck. „Mit dem Superbonus leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit: Wir optimieren zusammen mit unseren Kunden nicht nur die Energieeffizienz der Gebäude, sondern stärken auch regionale Kreisläufe, da ein Großteil der in Auftrag gegebenen Arbeiten von den kleinen und mittleren Unternehmen in unserem Einzugsgebiet ausgeführt werden.“ Weitere Informationen zum Superbonus und zu den Unterstützungsleistungen der Volksbank in sämtlichen Filialen sowie unter volksbank.it/de/superbonus.


Wohnen?

Volksbank! „Ich habe mir meinen Wohntraum erfüllt.“

www.volksbank.it/wohnen

Werbekampagne für Retailkunden.

Simone Giannelli Kapitän bei Trentino Volley und Silbermedaillengewinner in Rio 2016


„We think energy“ Die Brixner Firmengruppe psaier.energies ist ein Pionier im Bereich GreenClean-Technology. Der 360-Grad-Dienstleister bietet alles aus einer Hand: von der Idee eines Energieprojekts über die technische und kaufmännische Betriebsführung bis hin zur Vermarktung der produzierten Energie.

Der Betrieb von Fabrik- und Lagerhallen, Hotels und Bürogebäuden ist sehr energie- und kostenintensiv. Einsparpotenziale lassen sich insbesondere durch Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz erschließen. Der italienische Staat fördert derzeit solche Investitionen mit verschiedenen Förderprogrammen, mit denen sich diesbezügliche Investitionen weitgehend abdecken lassen. Eine verbesserte Energieeffizienz bringt erhebliche Kosteneinsparungen mit sich: Bei Betriebsgebäuden und Hotels lassen sich die Energiekosten um bis zu 40 Prozent reduzieren, bei industriellen Prozessen liegt das Einsparpotenzial bei etwa 30 Prozent. Die Energieeinsparungen erschließen sich aus der Optimierung von thermischen Produktionsprozessen durch Abwärmenutzung und Wärmerückgewinnung sowie durch ein konsequentes Energiemanagement und durch kontinuierliches Monitoring. Die Brixner Firmengruppe psaier.

Extra

Heizung & Energie

PSAIER.ENERGIES

energies unterstützt Hotels, Gewerbeimmobilieneigentümer und Industriebetriebe bei der Identifizierung von Kostentreibern und Erschließung von Energieeinsparpotenzialen. Sie bietet dazu eine fundierte Energieanalyse und begleitet bei der Durchführung von solchen Projekten, von der Gesuchstellung für Förderungen und Finanzierungen bis hin zum Monitoring der Energiekosten.

Betreuung aus einer Hand. psai-

er.energies deckt die gesamte Wertschöpfungskette im Bereich erneuerbarer Energien ab. „Seit 2001 begleiten wir Unternehmen bei der Erzeugung und Verteilung, Finanzierung sowie beim Handel von erneuerbaren Energien“, erklärt Firmeninhaber Eugen Psaier. Die Firmengruppe garantiert als zertifiziertes ESCO-Unternehmen („Energy Service Company“) mit über 50 Experten im Energiesektor höchste Qualitätsstandards mit maximalem Nutzen für die Kun-

Hotel, Immobilie, Industrie… …zu hoher Energieverbrauch?

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Manuel Hinteregger und Alex Schweigkofler, Ansprechpartner für Energieeffizienz bei psaier.energies den. Die Firmengruppe agiert wirtschaftlich sehr erfolgreich und zählt weit über Südtirol hinaus zu den führenden Dienstleistern der Branche. Neben dem Hauptsitz in Brixen betreibt psaier.energies seit drei Jahren eine Niederlassung in München und seit einem Jahr auch eine in Trient. Von ihren drei Standorten aus betreut die Fir-

mengruppe über 1.000 Kunden in Italien und im gesamten deutschsprachigen Raum. Dazu zählen lokale Produzenten und Verteiler, Energiegemeinschaften, Gemeinden sowie private Investoren, aber auch internationale Großinvestoren, Investmentfonds, Family Offices und Beteiligungsgesellschaften.

think efficient energy


IMPERIAL

Intelligent heizen Wärmepumpen nutzen die Umweltenergie im Erdreich, Wasser oder der Luft, um Gebäude im Winter zu heizen, im Sommer zu kühlen und mit Warmwasser zu versorgen. EL. Energie

Funktionsweise einer Wärmepumpe

Wärmepumpen von Imperial Nutzen Sie die ganze Energie, von der Sie umgeben sind! KNV-Wärmepumpen - viele Vorteile für Sie • • •

Umweltwärme

Heizungswärme

Die Funktionsweise kennen wir vom Kühlschrank, nur mit umgekehrtem Wirkungsprinzip: Die Wärmepumpe zieht die in der Umwelt auf niedrigem Temperaturniveau vorhandene Wärme ein und „pumpt“ diese auf ein höheres Temperaturniveau. Für diesen Kreisprozess benötigen Wärmepumpen Strom, im Idealfall aus der eigenen Photovoltaikanlage. Zur Bereitstellung von 100 Prozent Heizenergie sind nur 25 Prozent Strom erforderlich; 75 Prozent werden aus der Umwelt gewonnen.

zu heizen, zu kühlen und um Warmwasser aufzubereiten. Ihre Energie entziehen sie der Umgebungsluft, die praktisch überall zur Verfügung steht. Ihr zentraler Vorteil: Es herrscht weniger Raumbedarf, und die Anlagen lassen sich praktisch überall schnell und einfach installieren. Speziell in gut isolierten Häusern mit Wandoder Fußbodenheizungen arbeiten Luft-Wasser-Wärmepumpen deutlich effizienter und sparsamer als konventionelle Öl- und Gasheizungen, wobei die Anschaffungskosten meist spürbar tiefer liegen.

System 1: Erdwärmepumpe. Ob

Vergleich mit anderen Heizsystemen. Wärmepumpen sind heute

Heizen, Kühlen oder Warmwasserbereitung: Kein HaustechnikSystem arbeitet kostengünstiger und energieeffizienter als Erdwärmepumpen. Im Winter nutzen sie das im Vergleich zur Außentemperatur relativ warme Erdreich. Beim Kühlen im Sommer schaffen sie ein angenehmes Raumklima, indem sie die Temperaturen des Erdbodens sanft ins Innere des Hauses übertragen. Die Wärme für die Erdwärmepumpen wird dem Erdreich entzogen und kommt entweder aus Flächenkollektoren, Ringgrabenkollektoren, Tiefenbohrungen oder von Grundwasserbrunnen.

System 2: Luftwärmepumpe. Luftwärmepumpen sind der einfachste Weg, um kostengünstig

www.rcmarketing.it, Foto Shutterstock

•

Wärmepumpe sind heute das sauberste und günstigste System zu heizen und Wasser zu erwärmen Sie können die Energie von der Erde, dem Wasser oder der Luft entziehen Jährliche Energiekosten deutlich unter 800€ bei einem Klimahaus A (Reihenhaus 110 qm) Ideal in Kombination mit Fotovoltaik

das kostengünstigste System, um ein Haus zu heizen, zu kühlen und das Warmwasser aufzubereiten. Wärmepumpen als Heizsysteme erfordern sehr kleine Technikräume. Teure Kosten für Brennstofflager fallen zur Gänze weg. Auch sind die Wartungskosten weitaus niedriger als bei allen anderen Systemen.

Topline 2120 vollmodulierende Lufwärmepumpe von KNV, die Wärmepumpe der Extraklasse

Förderungen. Wer bis Dezember

2021 seine bestehende Heizanlage durch eine Anlage mit Wärmepumpe ersetzt, im Idealfall sogar in Kombination mit der Installation von Photovoltaikanlagen und entsprechenden Speichersystemen, profitiert vom neuen Superbonus von 110 Prozent.

Fragen Sie uns oder Ihren Installateur!

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Impressum Unabhängige Monatszeitschrift für Brixen und Umgebung Redaktion: Brennerstraße 28, I-39042 Brixen Tel. +39 0472 060200, Fax +39 0472 060201 www.brixner.info E-Mail für Pressemitteilungen: redaktion@brixner.info E-Mail für Leserbriefe: echo@brixner.info Online-Ausgabe: www.brixner.info Verlag: Brennerstraße 28, I-39042 Brixen Tel. +39 0472 060200, Fax +39 0472 060201 E-Mail: office@brixmedia.it, www.brixmedia.it Anzeigenleitung: Sonja Messner, Tel. +39 0472 060212 sonja.messner@brixmedia.it Herausgeber, Chefredakteur und presserechtlich verantwortlich: Willy Vontavon (wv), Tel. +39 0472 060213 willy.vontavon@brixner.info Bildredaktion: Oskar Zingerle (oz), Tel. +39 0472 060210 oskar.zingerle@brixner.info Mitarbeiter der Redaktion: Johanna Bampi (job) Irene Dejaco (ird) Sabine Dejakum (sd) Ernst Delmonego (ed) Evi Hilpold (eh) Marlene Kranebitter Zingerle (mk) Stephanie Risse (sr) Michelle Schladebach (mis) Anina Vontavon (av) Lia Vontavon (lv) Oskar Zingerle (oz) E-Mail: vorname.nachname@brixner.info Grafik: Alexandra Bauer, Tel. +39 0472 060208 alexandra.bauer@brixmedia.it Titelbild: Oskar Zingerle Druck: Athesia Druck GmbH, www.athesia.it Der nächste „Brixner“ erscheint Ende November 2020 Nächster Redaktionsschluss: 09. November 2020 Die Zeitschrift „Brixner“ erscheint monatlich und wird im Postabonnement 45 % Art. 2, Abs. 20/b, Ges. 662/96, Bozen zugestellt. Eintragung am Landesgericht Bozen am 29.12.1989, Nr. 29/89 R.St. Auflage: 11.000 Stück Preis Abonnement: 1 Euro Abonnentenservice: abo@brixner.info Der „Brixner“ ist Partner von:

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Oktober 1920

De profundis! Sonntag, 10. Oktober 1920 Weit über menschliches Erfassen geht das schwere, unerbittliche Schicksal unserer geliebten Heimat. Unser Tirolerland, berühmt durch Sage und Geschichte, verklärt durch den Schimmer der Schönheit, bewundert, geliebt, so weit die deutsche Zunge klingt, soll nicht mehr sein. Südtirol, durch eine mehr als tausendjährige Geschichte, durch Sprache, Kultur und Sitte untrennbar mit unseren Brüdern im Norden verbunden, soll losgerissen, soll gewaltsam einem Fremdvolke überliefert werden. Unsere Eigenart, unsere stolzen Erinnerungen an die ruhmreichen Vorfahren sollen ausgelöscht und vergessen sein – denn wer von jenen wird sie verstehen, die nicht unserer Sprache, nicht unserer Gefühle, nicht unseres Volkes sind? Einer Familie gleich, der die Mutter entrissen, stehen wir trauernd da; „an verwaister Stätte schalten wird die Fremde – liebeleer.“ Tiefster Schmerz beugt uns. Denn wir haben alles verloren, das Höchste, das Teuerste – unser Vaterland. Was soll aus uns werden, wessen sollen wir uns trösten, wer hilft, wer rettet uns? De profundis … Und doch: wir wollen nicht verzweifeln – jetzt nicht und nicht in Zukunft. Trotz Unkraft und Erniedrigung, trotz Leid und Not, noch sind nicht alle Hoffnungssterne erloschen. Wohl ist die Weltgerechtigkeit durch die Fratze eines Friedensvertrages, dessen Opfer auch wir Südtiroler sind, tausendmal mit Füßen getreten worden. Allein wie es geschah, ist und bleibt ein elendes Menschenwerk, das nur Haß, Lüge, Verstellung als gerechten Ausgleich des

furchtbaren Völkerringens hinstellen möchte. Ist es möglich, daß ein solcher Hohn auf Recht und Gerechtigkeit – und sei es auch nur für die kurze Spanne eines Menschenalters – einer wirklichen, einer höheren Gerechtigkeit standhalten könnte? Wir so wenig wie die verblendeten Urheber dieser schmachvollen Verträge glauben es. Und so ist unser Weg vorgezeichnet, jetzt und solange unser schweres Leid dauern mag. Wie heute in dieser Schicksalsstunde, der furchtbarsten, die Tirol je erlebt, werden wir auch in Zukunft nie aufhören, unsere Stimme zu erheben, unser Selbstbestimmungsrecht, um das wir betrogen wurden, zu verlangen, das Unrecht, das uns geschah, zu brandmarken und zu verdammen. Das über Südtirol geworfene Los ist eine Sünde wider die Natur, nimmermehr kann es daher von Dauer sein. Dessen sind wir felsenfest überzeugt. Es sei denn, daß wir uns selbst aufgeben. Niemals jedoch wird dies geschehen. Unser Entschluß, unser Wille, Tiroler und Deutsche zu bleiben, ist eisern, unerschütterlich, unzerstörbar wie unsere Berge. Die Geschichte lehrt, daß die schwersten Prüfungen, die ein Volk zu tragen hat, ihm zum Heile werden. Auf uns soll diese Prüfung wie ein Stahlbad und wie ein Jungbrunnen wirken, aus dem wir einst zu neuer Kraft erstehen werden. Wir sind ein Volk mit Erinnerungen erhebend und begeisternd wie kaum bei einem anderen. Wir wissen, daß Tirol auch in vergangenen Zeiten Leidenstage erlebte, daß es heldenhaft alles Ungemach ertrug und – überwand. In diesen Erinnerungen, die uns Trost und Vorbild sind, wollen wir auch in den Tagen, die leidensvoll vor uns stehen, leben und weben. Doch nur mit den Waffen des Geistes und eines gefestigten Gewissens wollen wir die Zukunft meistern. Aber indem wir uns dieser aufrecht und furchtlos bedienen, werden wir nie aufhören, für unser gutes Recht zu streiten. Nimmermehr möge Italien glau-

ben, daß wir auch nur einen Zoll breit von diesem Rechte weichen, wenn wir unsere Mitarbeit zum Wohle unseres Landes nicht versagen. Unser Recht auf Selbstbestimmung ist unveräußerlich und nichts Materielles kann es aufwiegen. Selbst wenn wir zwischen Entbehrungen und Überfluß zu entscheiden hätten, ohne Wanken und freudig würden wir jene wählen, wenn dort nationale und politische Befreiung stünde. Aber auch Italien selbst wird einst zur Überzeugung kommen, daß der unbeugsame Wille eines wenn auch kleinen, aber von tiefer Heimatliebe durchglühten Volkes stärker ist als die trügerischen Bande ungerechter Verträge und daß die Gerechtigkeit – wenn auch jetzt verdunkelt und geschändet – trotz alledem und alledem sich einst phönixgleich wieder erheben wird. Wir selbst werden uns dieses kommenden Tages durch Vertiefung und Verinnerlichung unserer nationalen Gefühle würdig machen. Wir wollen und werden in uns selbst stark bleiben, wir werden die Einigkeit und Zusammenfassung aller Südtiroler zur stärksten Gemeinbürgschaft ausbauen, an der äußerer Zwang machtlos zerschellen wird. So gerüstet, vertrauen wir in die Zukunft. Und in diesem Kampfe der Geister, bei dieser Feuerprobe unseres nationalen Willens, bei dieser höchsten Anspannung unserer sittlichen Kraft wird Gott mit unserer gerechten Sache sein, wie er einst mit unseren Vätern war. Drum weg mit Kleinmut und Bangen! Die Blicke zukunftswärts gerichtet! Der Deutsche Verband in Südtirol

Die „Brixener Chronik“ wurde 1888 gegründet und erschien bis 1925. Die Idee, die Zeitungsartikel aus der „Brixener Chronik“ auszuwählen und zu veröffentlichen, stammt von Günther Eheim (1944-2010) aus Brixen. Die damalige Rechtschreibung, auch eventuelle Druckfehler und sonstige Kuriositäten werden ohne Korrektur beibehalten.


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