KAMMERMUSIK BIBLIOTHEK
MOZART Divertimento Nr. 3 für drei Bassetthörner (zwei Klarinetten und Fagott oder drei Klarinetten)
Divertimento No. 3 for three Basset Horns (two Clarinets and Bassoon or three Clarinets) KV Anh. 229 (439b) KM 2243
WOLFGANG AMADEUS MOZART 1756–1791
FÜNF DIVERTIMENTI für drei Bassetthörner (zwei Klarinetten und Fagott oder drei Klarinetten)
FIVE DIVERTIMENTI for three Bassett Horns (two Clarinets and Bassoon or three Clarinets) KV Anh. 229 (439b) herausgegeben vom | edited by the
Trio di Clarone (Sabine Meyer, Wolfgang Meyer und Reiner Wehle)
Divertimento Nr. 1 Divertimento Nr. 2 Divertimento Nr. 3 Divertimento Nr. 4 Divertimento Nr. 5
KM 2241 KM 2242 KM 2243 KM 2244 KM 2245
Kammermusik-Bibliothek 2243 Printed in Germany
Vorwort Wolfgang Amadeus Mozart hatte eine besondere Vorliebe für das Bassetthorn. Der eigentümlich zarte und nasale Klang des zu Mozarts Lebzeiten gerade erst erfundenen Instruments, vielleicht aber auch das wohl außergewöhn liche Spiel seines Freundes und Logenbruders Anton Stadler (1753–1812) mögen ihn stark beeindruckt haben, wie die Fülle von Werken für oder mit Bassetthorn zeigt, die von Mozarts Hand stammt. Man findet das Bassett hornim Orchester der Zauberflöte, im Titus, in der Maurer ischen Trauermusik und im Requiem, ferner in einer ganzen Reihe von Kammermusikwerken, wie z. B. der Gran Par tita KV 361, den Adagios KV 410/411 oder den Notturni KV 436–439. Neben diesen abgeschlossenen Kompositi onen belegen Skizzen und Fragmente, wie intensiv sich Mozart mit diesem ungewöhnlichen Instrument beschäf tigt hat (zu einem Allegro für zwei Klarinetten und drei Bassetthörner, zwei Adagios für eine Klarinette und drei Bassetthörner sowie einem Allegro für Klarinette, Bas setthorn und Streicher sind Entwürfe überliefert). Darü ber hinaus wurde auch das so bekannte und geschätzte Klarinettenkonzert KV 622 aus einer Fassung für Bassett horn und Orchester entwickelt. Wann Mozart die Fünf Divertimenti KV Anh. 229 (439b) geschrieben hat, ist heute nicht mehr zu bestimmen. Das Autograph ist verschollen, und selbst Abschriften sind nicht erhalten. Mozart trug die Stücke auch nicht in sein eigenhändiges Werkverzeichnis ein. Dennoch wird an der Autor schaft Mozarts von keiner Seite gezweifelt. Zum einen sind die Divertimenti bei aller Leichtigkeit äußerst kunstvoll gearbeitet – vor allem in den Menuettsätzen –, zum anderen beweist die staunenswerte Meisterschaft in der Behandlung der instrumentalen Möglichkeiten, dass als Komponist kaum ein anderer als Mozart in Frage kom men kann. Zudem erwähnen zeitgenössische Quellen Bassetthorn-Trios von Mozarts Hand. So beklagte sich Konstanze Mozart in einem Brief an den Verleger Johann Anton André im Mai des Jahres 1800, dass der Klarinet tist Anton Stadler noch unbekannte Trios für Bassett hörner besitzen müsste, aber behaupte, diese seien ihm samt Koffer gestohlen worden. Und auch Breitkopf-Härtel’s Alter handschriftlicher Catalog von W. A. Mozart’s Original- Compositionen verzeichnet: „XXV pieces p: 3 Corni di Bas setto o 2 Clarinetti, Fag. e Violoncello“. Es ist nicht mehr zu klären, ob Mozart diese Stücke tatsächlich als Folge von Einzelsätzen oder schon in der Divertimento-Form geplant hat. Breitkopf & Härtel kündigte jedenfalls zu Be ginn des 19. Jahrhunderts die „Petites Pieçes Pour Deux Cors de Bassette et Basson“ als Fünf Divertimenti an. Er schienen ist davon im Jahre 1803 nur das zweite Diverti mento – allerdings ohne das erste Allegro und mit einem anderen Schlusssatz. Die erste komplette Ausgabe – zwei Bände mit jeweils Trois Serenades pour deux Clarinettes et Bas
son, Composées par W. A. Mozart – kam schließlich bei Ni kolaus Simrock in Bonn heraus. Dieser Druck entstand etwa zwischen1806 und 1813 und enthält als sechstes Divertimento Arien aus der Hochzeit des Figaro und Don Giovanni, die heute nicht mehr als Mozarts eigene Be arbeitungen angesehen werden.l In der Folgezeit wurden die Fünf Divertimenti, wie zuvor kaum ein anderes Kam mermusikwerk, in zahlreichen Druckausgaben verbreitet und immer wieder für neue Besetzungen bearbeitet. Aus gaben für Streichtrio, für zwei Violinen, für drei Flöten, für Oboe, Klarinette und Fagott und nicht zuletzt die stark veränderte und bunt anein an der reihende Fassung für Klavier zu zwei Händen, die unter dem phantasievollen Titel Die Wiener Sonatinen erhältlich ist, haben die Fünf Divertimenti zum Inbegriff der Hausmusik werden lassen. Dass Mozart diese Werke ursprünglich für drei Bassett hörner bestimmt hat, dafür dienen nicht nur Konstanze Mozarts Brief und Breitkopf-Härtel’s Alter handschrift licher Catalog als Beleg. Für diese Besetzung sprechen vor allem satztechnische Gründe, denn die im Bassschlüssel no tierte dritte Stimme unterschreitet nie den Tonumfang eines Bassetthorns. Zudem erklingt ein im Bassschlüssel spielendes Bassetthorn eine Quarte höher, sodass sich mit drei Bassetthörnern eine angenehm enge, gut aus balancierte Stimmführung ergibt. Es liegt also nahe, mit der vorliegenden Neuausgabe die Fünf Divertimenti KV Anh. 229 (439b) in erster Linie in der mutmaßlichen Originalbesetzung zu edieren. Gleich wohl wird die schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein geführte Be arbeitung für zwei Klarinetten und Fagott alternativ beibehalten, da damals wie heute ein Trio aus drei Bassetthörnern eine ungewöhnliche Besetzung dar stellt. Die zahlreichen romantisierenden Dynamik-Bezeichnun gen und die Phrasierung der älteren Stimmenausgaben (KM 1392–1395) wurden einer gründlichen Revision un terzogen und – in Anlehnung an die Neue Ausgabe sämtlicher Werke Mozarts – in manchen Details der Stimmführung auch der Notentext selbst geändert. Zusätze der Heraus geber sind durch Klammern gekennzeichnet. Wedemark/Iffezheim, Sommer 1987
Trio di Clarone
(Sabine Meyer, Wolfgang Meyer und Reiner Wehle)
1 Eine Neuausgabe der drei Figaro-Arien aus dieser zeitgenös sischen Bearbeitung liegt vor (KM 2249).
Einspielungen der Bassetthorn-Divertimenti von Wolfgang Ama deus Mozart durch das Trio di Clarone sind auf Tonträgern der EMI Electrola GmbH erhältlich.
Preface Wolfgang Amadeus Mozart had a particular liking for the basset horn. The abundance of works written by Mozart for the basset horn shows that he must have been very im pressed by the unique, delicate quality and nasal sound of this newly invented instrument, and perhaps by the doubtless extraordinary skill of his friend and lodge brother Anton Stadler (1753–1812) on the basset horn. One finds it in the orchestra of the Magic Flute, La Clemenza di Tito, in the M asonic Funeral Music and in the Requiem, as well as in a whole series of chamber-music works, for example in the Gran Partita K. 361, the Adagios K. 410/411 and the Notturni K. 436–439. Besides these completed works, there are also sketches and fragments which illustrate Mozart’s strong interest in this unusual instrument (sketches exist for an Allegro for two clarinets and three basset horns, two Adagios for one clarinet and three basset horns as well as an Allegro for clarinet, basset horn and strings). Moreover, the famous and universally admired Clarinet Concerto K. 622 was also derived from a version for basset horn and orchestra. We do not know when Mozart wrote the Five Divertimenti K. Anh. 229 (439b). The autograph is lost, and copies are no longer extant. Mozart also did not enter the pieces in his own personal work catalogue. However, there is no doubt whatsoever about Mozart’s authorship. Not only do the Divertimenti, despite their lightness, reveal an outstanding compositional mastery, particularly in the minuet movements, but also the amazing proficiency in the treatment of the instrumental texture proves that they could stem from hardly any other composer than Mozart. Moreover, sources from Mozart’s day also mention basset horn trios by him. In a letter written in May 1800 to the publisher Johann Anton André, Konstanze Mozart complained that the clarinettist Anton Stadler must have still owned some unidentified trios for basset horns; however, he claimed that they had been stolen along with their case. And Breitkopf-Härtel’s Alter hand schriftlicher Catalog von W. A. Mozart’s Original-Compositionen lists: “XXV pieces p: 3 Corni di Bassetto o 2 Clarinetti, Fag. e Violoncello.” We will never know whether Mozart actually planned these pieces as a series of separate movements or in the divertimento form. In any case, at the beginning of the l9th century, Breitkopf & Härtel announced the “Petites Pieçes Pour Deux Cors de Bassette et Basson” as Five Divertimenti. Actually, only the second Divertimento was published in 1803 – albeit without the first Allegro and with a different closing movement. The first complete edition – two volumes, each containing Trois Serenades pour deux Clarinettes et Basson, Composées par W. A. Mozart – was first published by Nikolaus Simrock
in Bonn presumably between 1806 and 1813. It also contained a sixth Divertimento consisting of arias from The Marriage of Figaro and Don Giovanni, but this is considered a spurious arrangement today.l The Five Divertimenti later became popular like practically no other chamber-music work up to then, available in numerous editions and in arrangements for a variety of instrumental combinations. They have become the epitome of music for home use thanks to editions for string trio, for two violins, for three flutes, for oboe, clarinet and bassoon, and thanks to the edition known under the imaginative title Die Wiener Sonatinen, a radically altered and capriciously compiled arrangement for piano two-hands. Although Konstanze Mozart’s aforementioned letter and Breitkopf-Härtel’s Alter handschriftlicher Catalog support the theory that Mozart originally wrote these works for three basset horns, further weight is lent by various traits of writing and compositional technique. For example, the third part, notated in the bass clef, never goes below the tonal range of a basset horn. Furthermore, a bassset horn playing in the bass clef sounds a fourth higher, so that performance with three basset horns yields a pleasantly close and well-balanced voice leading. It is obvious that a new edition of the Five Divertimenti K. Anh. 229 (439b) would have to present the presumedly original scoring. Nonetheless we decided to retain the arrangement for two clarinets and bassoon in this new edition. This alternative scoring was introduced in the early 19th century, since trios consisting uniquely of basset horns were just as rare back then as they are today. The numerous romantically colored dynamic markings and phrasings of the earlier performance editions (KM 1392–1395) were thoroughly revised and – in agreement with the New Edition of the Complete Works by Mozart – several details of voice leading were occasionally altered in the musical text. Editorial additions have been indicated in parentheses. Wedemark/Iffezheim, Summer 1987 Trio di Clarone (Sabine Meyer, Wolfgang Meyer and Reiner Wehle) 1 A new edition of the three Figaro arias from this early arrange ment is published (KM 2249).
Recordings of Mozart’s Divertimenti for basset horns performed by the Trio di Clarone are available on sound-carriers produced by the EMI Electrola GmbH (Germany).
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ISMN 979-0-004-50147-4
9 790004 501474 06/17 KM 2243
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