J O hann Seba S tian b ach
1685–1750
![]()
J O hann Seba S tian b ach
1685–1750
cO mplete Organ wO rk S
Band 9 | Volume 9
Choralpartiten · Einzeln überlieferte Choralbearbeitungen A–G
Chorale Partitas · Individually transmitted Organ Chorales A–G
herausgegeben von | edited by Reinmar Emans (einzeln überlieferte Choralbearbeitungen)
Matthias Schneider (Partiten und „Neumeister-Choräle“)
Johann Sebastian Bach · Sämtliche Orgelwerke in 10 Bänden
Editionsleitung: Werner Breig, Pieter Dirksen, Reinmar Emans
Johann Sebastian Bach · Complete Organ Works in 10 Volumes
Editorial Board: Werner Breig, Pieter Dirksen, Reinmar Emans
Band 9 | Volume 9 EB 8809
Choralpartiten · Einzeln überlieferte Choralbearbeitungen A–G
Chorale Partitas · Individually transmitted Organ Chorales A–G herausgegeben von | edited by Reinmar Emans · Matthias Schneider
Umschlaggestaltung: RAUM ZWEI, Leipzig
Notengraphik: Frank Litterscheid, Hehlen
Druck: PIROL-Notendruckerei, Minden
Online verfügbar: Fassungen, zweifelhafte Werke, synoptische Ansichten
Available online: Versions, doubtful works, synoptical depictions, Commentary www.breitkopf.com/bach-edirom Virtueller Forschungsverbund Edirom
© 2018 by Breitkopf & Härtel, Wiesbaden
Befiehl du deine Wege Emans 36 112
Christ, der du bist der helle Tag (Neumeister) BWV 1120 116
Christ lag in Todes Banden BWV 695 117
Christ lag in Todes Banden Fassung Krebs . . . BWV 718 . . . . 120
Christ lag in Todes Banden Fassung P 281 . . . BWV 718 . . . . 124
Choralpartiten
Ach, was soll ich Sünder machen . . . . BWV 770 . . . . . 19
Christ, der du bist der helle Tag . . . . . BWV 766 . . . . . 30
O Gott, du frommer Gott BWV 767 38
Sei gegrüßet, Jesu gütig BWV 768 48
Anhang
Ach Gott und Herr BWV 693 66
Ach Gott und Herr BWV 692a 67
Ach, was ist doch unser Leben BWV 743 68
Befiehl du deine Wege . . . . . . BWV Anh 79 . . . . 70
Herr Christ, der einig Gottes Sohn . . . . BWV Anh 77 . . . . 72
O Vater, allmächtiger Gott . . . . . . BWV 758 .
80
Wenn wir in höchsten Nöten sein . . . . BWV Anh 78 . . . . 84
Einzeln überlieferte Choralbearbeitungen
Ach Gott, tu dich erbarmen (Neumeister) . . . BWV 1109 . . . . 90
Ach Gott und Herr (Neumeister) . . . . BWV 714 . . . . . 92
Ach Herr, mich armen Sünder oder Herzlich tut mich verlangen (Neumeister) . BWV 742
Allein Gott in der Höh sei Ehr .
BWV 711
Allein Gott in der Höh sei Ehr . . . . . BWV 715 .
Allein Gott in der Höh sei Ehr .
BWV 717 .
94
96
98
100
Allein zu dir, Herr Jesu Christ (Neumeister) BWV 1100 102
Alle Menschen müssen sterben (Neumeister) BWV 1117 104
Als Jesus Christus in der Nacht (Neumeister) BWV 1108 106
Auf meinen lieben Gott Emans 30 108
Aus tiefer Not schrei ich zu dir (Neumeister) BWV 1099 110
Christum wir sollen loben schon oder Was fürchtst du Feind, Herodes, sehr . . BWV 696 . . . . 128
Christus, der ist mein Leben (Neumeister) . . . BWV 1112 . . . 129
Christus, der uns selig macht . . . . . BWV 747 . . . . 130
Das alte Jahr vergangen ist (Neumeister) .
BWV 1091 . . . 134
Das Jesulein soll doch mein Trost . . . . BWV 702 . . . . 136
Der Tag, der ist so freudenreich oder Ein Kindelein so löbelich (Neumeister) . . BWV 719 . . . . 137
Du Friedefürst, Herr Jesu Christ (Neumeister) . . BWV 1102 . . . 139
Durch Adams Fall ist ganz verderbt (Neumeister) . BWV 1101 . . . 142
Ehre sei dir, Christe (Neumeister) . . . . BWV 1097 . . . 144
Ein feste Burg ist unser Gott BWV 720 146
Ein feste Burg ist unser Gott BWV Anh 49 150
Ein Kindelein so löbelich BWV 719 – siehe Der Tag, der ist so freudenreich
Erbarm dich mein, o Herre Gott BWV 721 152
Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort BWV Anh 50 154
Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort (Neumeister) BWV 1103 156
Es ist das Heil uns kommen her BWV i V 157
Freu dich sehr, o meine Seele
Gelobet seist du, Jesu Christ
Gelobet seist du, Jesu Christ . . .
BWV Anh 52
BWV 697
158
160
. BWV 722 . . . . 161
Gott, durch deine Güte . . . . . . BWV 724 . . . . 162
Gott ist mein Heil (Neumeister) .
Gottes Sohn ist kommen
BWV 1106
BWV 703
164
Online unter www breitkopf com/bach-edirom:
Choralpartiten
Sei gegrüßet, Jesu gütig . . . . . . .
Sei gegrüßet, Jesu gütig
Sei gegrüßet, Jesu gütig
. BWV 768, Frühfassung nach Carpentras
BWV 768, Partita I, verzierte Fassung nach Preller
BWV 768, Partita III, Carpentras / Preller
Einzeln überlieferte Choralbearbeitungen
Ach Gott, vom Himmel sieh darein
Allein Gott in der Höh sei Ehr
Allein zu dir, Herr Jesu Christ
Befiehl du deine Wege
Christ lag in Todes Banden
Durch Adams Fall ist ganz verderbt
Es ist gewisslich an der Zeit
Es ist gewisslich an der Zeit
Gelobet seist du, Jesu Christ
Commentary
BWV 741
BWV 716
Emans 27
Emans 37
BWV 695a
BWV 705
BWV 734a
BWV 755
BWV 722a
Die vorliegende Neuausgabe von Bachs Orgelmusik ist für die Praxis bestimmt und basiert auf dem aktuellen Stand der Bachforschung Die Ergebnisse der bisher vorliegenden textkritischen Ausgaben werden berücksichtigt, aber nicht in ganzer Breite dargestellt
Die Ausgabe enthält
– die Werke, die im BWV (Kleine Ausgabe 1998) als „Orgelwerke“ verzeichnet sind (BWV 525–771) sowie im Anhang aufgeführte Orgelwerke nach Maßgabe des gegenwärtigen Stands der Echtheitsdiskussion
– Werke, die im BWV als „Klavierwerke“ geführt werden, für die aber die Verwendung des Pedals in den Quellen vorgeschrieben bzw aus grifftechnischen Gründen unumgänglich ist, außerdem die innerhalb des III Teils der Clavierübung gedruckten vier Duetti
Werke, an deren Autorschaft Zweifel bestehen („Incerta“), werden dann in den Notenband aufgenommen, wenn ihre Echtheit nach heutiger Kenntnis hinreichend wahrscheinlich ist Werke zweifelhafter Echtheit, bei denen Bachs Autorschaft unter textkritischen Gesichtspunkten nicht ausgeschlossen werden kann, sowie Früh- und Alternativfassungen werden auf der Website www breitkopf .com/bachedirom publiziert Diese bietet die Notentexte mit Kommentar, ermöglicht synoptische Darstellungen sowie ein gezieltes Ansteuern einzelner Takte und bietet damit eine bessere und schnellere Übersicht, als es bei einer Druckwiedergabe möglich ist . Die online angebotenen Alternativfassungen und Incerta können auch ausgedruckt werden
Ist ein Werk in mehreren authentischen Fassungen überliefert, so werden alle Fassungen abgedruckt, sofern sie sich substantiell voneinander unterscheiden Dabei wird –sofern die Chronologie feststellbar ist – die späteste („Haupt“-) Fassung zuerst geboten und danach die Frühfassung(en)
Unvollendete und fragmentarisch überlieferte Werke werden ebenso behandelt wie vollständige, im Allgemeinen aber nicht ergänzt .
Die Ausgabe erscheint in zehn Bänden:
Freie Werke
1/2 Präludien und Fugen
3 Fantasien und Fugen, einzelne Fugen
4 Toccaten und Fugen, Einzelwerke
5 Sonaten, Trios, Konzerte
Choralgebundene Werke
6 In Originaldrucken überlieferte Werke (Clavierübung III, Schübler-Choräle, Canonische Veränderungen in der Stich- und Autograph-Fassung)
7/8 Originale Sammlungen in autographer Überlieferung (Orgelbüchlein, die früher so genannten Achtzehn Choräle) mit den abweichenden Frühfassungen 9/10 Choralpartiten, einzeln überlieferte Choralbearbeitungen (einschließlich der Choräle der Neumeister-Sammlung)
Jeder Band enthält außer dem Notenteil eine Einleitung und einen Kommentar Die Einleitung gibt eine dem aktuellen Forschungsstand entsprechende Einführung in die edierten Werke (Stellung in Bachs Œuvre, Werkgeschichte, Überlieferung, ggf . Authentizität, gelegentlich Hinweise zur Aufführungspraxis) Der Kommentar enthält eine Beschreibung und Bewertung der Quellen und gibt Rechenschaft über die Entscheidungen des Herausgebers hinsichtlich der Gestalt des Notentextes Lesarten, die Bach durch autographe Korrekturen verworfen hat, werden in der Regel nicht mitgeteilt Die Zielsetzung der Ausgabe, die in erster Linie der Praxis dienen soll, bedingt eine Beschränkung in der Beschreibung der Quellen Die Ausgabe bietet den in den Quellen (Originaldrucken, Autographen, Abschriften) überlieferten Notentext, berücksichtigt aber die heute geltenden Gepflogenheiten der Notation Die besonders in frühen Werken anzutreffende „dorische“ Notierung (d-moll ohne Vorzeichen, g-moll mit einem j) wird beibehalten . Als Schlüssel finden nur Violin- und Bassschlüssel Verwendung . Werke, in denen das Pedal eine festgelegte Stimme (meist den Bass) ausführt und in dieser Funktion eindeutig zu bestimmen ist, werden mit einem eigenen Pedalsystem notiert, auch wenn in der Quelle nur zwei Systeme verwendet wurden Wenige Ausnahmen betreffen Stellen mit sehr einfacher Pedalstimme (z B Orgelpunkte), wo einer Notation auf zwei Systemen der Vorzug gegeben wird Werktitel, die Autographen oder Originaldrucken entnommen sind, erscheinen im Allgemeinen in der originalen Orthographie; wie weit dabei offensichtliche Falschschreibungen richtiggestellt werden, wird im Einzelfall entschieden Die nur in Abschriften überlieferten Titel werden normiert; die originale Schreibung ist immer aus dem Kommentar zu ersehen Ergänzungen von in der Vorlage zweifelsfrei fehlenden Vortrags- und Artikulationszeichen erscheinen in der üblichen graphischen Differenzierung (Strichelung für Bögen, Kleindruck für Vortragszeichen und Akzidentien, eckige Klammern für Vorschlagsnoten) Warnungsakzidentien werden nach praktischer Notwendigkeit und ohne Kennzeichnung ergänzt
Wiesbaden, Frühjahr 2010 Die Editionsleitung
This new edition of Bach’s organ music is intended for performance purposes and is based on the current state of Bach research The findings of the previously published text-critical editions have been taken into consideration but not rendered in their entirety
The edition contains
the works listed in the BWV (Kleine Ausgabe 1998) as “organ works” (BWV 525–771) as well as organ works contained in the Appendix, inasmuch as their inclusion is justified by the current discourse on authenticity
works listed in the BWV as “keyboard works” but for which the use of the pedal is prescribed in the sources or mandatory for technical reasons; also the four Duetti printed in Part III of the Clavierübung.
Works of dubious authenticity (“Incerta”) are included whenever present-day research makes them appear sufficiently plausible . Dubious works for which Bach’s authorship cannot be excluded for text-critical reasons, along with early and alternative versions of works, are contained at the website www breitkopf com/bach-edirom In addition to presenting the musical text with comments, this online version allows synoptic depictions and a cogent search process for specific measures, thus providing a better and faster overview than would be possible with a printed version The alternative versions and Incerta featured online can also be printed out
If a work is transmitted in several authentic versions, then all versions are reproduced, inasmuch as the difference between them is substantial Here the latest version (“main version”) of a work is given first, and is followed by the earlier version(s), provided that the chronology is ascertainable
Incomplete works and pieces transmitted in fragmentary form are treated as finished compositions; they are generally left incomplete .
The edition consists of ten volumes:
Free Works
1/2 Preludes and Fugues
3 Fantasias and Fugues, single Fugues
4 Toccatas and Fugues, individual works
5 Sonatas, Trios, Concertos
Chorale-Based Works
6 Works transmitted in original prints (Clavierübung III, Schübler Chorales, Canonic Variations in the engraved and autograph versions)
7/8 Original collections transmitted in autographs (Orgelbüchlein, the works formerly called The Great Eighteen Chorales) with their divergent early versions
9/10 Chorale Partitas, individually transmitted organ chorales (including the chorales of the Neumeister Collection)
In addition to the music, each volume contains an introduction and comments
The introduction provides information on the works which reflects the current state of scholarly research (position in Bach’s œuvre, work history, transmission, authenticity, occasionally notes on performance practice) The comments contain a description and evaluation of the sources, and account for editorial decisions in matters of determining the form of the music text . Readings which Bach rejected through autograph corrections are not generally communicated . The purpose of the edition, which aims above all to serve musical practice, entails a restriction of the source descriptions .
The edition reproduces the music text as transmitted in the sources (original prints, autographs, copies), but also takes into consideration notational practices that are customary today . We have, for example, kept the “Dorian” notation (D minor without accidental, G minor with one j) that is found especially in the early works
Only the treble and bass clefs have been used Works in which the pedal has its own proper part to play (the bass, in general), and in which there is absolutely no doubt about its distinct function, are notated with their own pedal staff, even if only two staves were used in the source . There are a few exceptions concerning passages with a very simple pedal part (e g , pedal points), where it seemed better to print the music on two staves
Work titles taken from autographs or original prints are as a rule reproduced in their original orthography; the correction of obvious errors has been treated on an individual basis The titles transmitted solely in copies were standardized; the original reading can always be inferred from the comments
Additions of performance instructions and articulation signs that are clearly missing in the source are signalized by the customary graphic solutions (broken lines for slurs, small type for performance markings and accidentals, brackets for grace notes) Cautionary accidentals are supplemented on the basis of how necessary they are; they are not identified as such
Wiesbaden, Spring 2010
The Editorial Board
Enthielten die Bände 6, 7 und 8 unserer Neuausgabe Orgelchoräle, deren Authentizität und Textgestalt entweder durch zeitgenössische Drucke oder durch Eigenschriften Johann Sebastian Bachs gesichert sind, so weisen die Stücke der hier vorgelegten Bände 9 und 10 eine äußerst heterogene Überlieferung mit oft nicht eindeutigen Notentexten auf . Zudem wurden und werden Authentizitätsfragen häufig unterschiedlich beantwortet, was natürlich bereits unmittelbar die Auswahl derjenigen Werke berührt, die in diesen Bänden präsentiert werden Insofern handelt es sich hier um eine Momentaufnahme Um dieser Problematik mit der nötigen Sorgfalt zu begegnen, haben die Herausgeber Pieter Dirksen, Reinmar Emans, Matthias Schneider und Jean-Claude Zehnder gemeinsam über jede Choralbearbeitung eingehend beraten Christine Blanken und Peter Wollny vom Bach-Archiv Leipzig stellten hierfür Unterlagen der in Vorbereitung befindlichen Neufassung des Bach-Werke-Verzeichnisses zur Verfügung, so dass ihre Überlegungen zur Authentizität der Stücke in den Entscheidungsprozess mit einfließen konnten . Dafür gilt ihnen unser besonderer Dank In den letzten Jahrzehnten wurde die Diskussion um bislang noch unbekannte oder zumindest wenig beachtete Bach-Werke erneut intensiv geführt Ein Auslöser war die um 1985 erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gewordene Neumeister-Sammlung . Bezeichnenderweise handelt es sich um eine Handschrift, die erst etwa 30 bis 40 Jahre nach Bachs Tod geschrieben wurde . Ihre Zuweisungen einzelner Stücke an Bach waren vor 1985 als so fraglich erschienen, dass sie gar nicht erst eingehender in Betracht gezogen wurden Ohne Informationen zu seiner Quelle zu geben, hatte der Organist Wilhelm Krumbach die Stücke bereits für etliche Radio-Stationen eingespielt Als Christoph Wolff dann seinerseits auf die Quelle aufmerksam wurde und sie in einer Edition vorlegte, entstand eine Auseinandersetzung um die Frage, wer die Stücke als erster entdeckt hat1 . Dies zeigt, wie turbulent gelegentlich solche Entdeckungen und im Weiteren auch die Fragen nach Echtheit und Unechtheit verlaufen können . Wilhelm Krumbach glaubte im Taumel der Entdeckerfreude in weiteren Handschriften Stücke gefunden zu haben, die er als „potenziell von Bach“ bezeichnete – Einschätzungen, denen wir heute zum Teil nicht mehr folgen mögen Weitere Stücke wurden in der Neuen Bach-Ausgabe sehr bewusst zur Diskussion gestellt 2 Von dem hier vorgelegten Bestand werden etwa 50 Choräle bereits seit langem als sicher oder zumindest mit größter Wahrscheinlichkeit authentisch eingeschätzt . Dazu gehören die vier Choralpartiten ebenso wie die im Autograph vorliegenden Choralsätze „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ BWV 739, „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ BWV 691 und „Jesus, meine Zuversicht“ BWV 728 sowie einige Werke, die sich
1 Wilhelm Krumbach, Sechzig unbekannte Orgelstücke von Johann Sebastian Bach? – ein vorläufiger Fundbericht, in: Neue Zeitschrift für Musik 146 (1985), Heft 3, S 4–12, und Heft 5, S 6–18; Christoph Wolff (Hrsg ), Orgelchoräle der Neumeister-Sammlung (Yale University, Manuscript LM 4708), Erstausgabe: Urtext der Neuen Bach-Ausgabe, New Haven 1985
2 Neue Ausgabe sämtlicher Werke Johann Sebastian Bachs (NBA), Bd IV/10, Orgelchoräle aus unterschiedlicher Überlieferung, Notenband und Kritischer Bericht, hrsg von Reinmar Emans, Kassel usw 2007 bzw 2008, und Bd IV/11, Freie Orgelwerke und Choralpartiten aus unterschiedlicher Überlieferung, Notenband und Kritischer Bericht, hrsg von Ulrich Bartels und Peter Wollny, Kassel usw 2003 bzw 2004
in ihrem Format an die „18 Choräle“ beziehungsweise an das Orgelbüchlein anschließen – darüber hinaus eine größere Zahl von Manualiter-Bearbeitungen, deren kontrapunktische Meisterschaft deutlich auf Bach als Autor weist
Über die Frage von Bachs Autorschaft bei zahlreichen anderen Stücken kann im Rahmen dieser Ausgabe nur summarisch Auskunft gegeben werden 3 In den beiden gedruckten Notenbänden erscheinen Werke, für die Bach als Komponist entweder gesichert oder aufgrund der Quellensituation und/oder stilistischen Einschätzung wahrscheinlich ist Letztere sind mit dem Hinweis „Bachs Autorschaft fraglich“ versehen Bei den Stücken im Anhang bestehen in quellenkritischer oder stilistischer Hinsicht Bedenken, sie sollen aber mit dieser Ausgabe einem größeren Kreis von Interessierten präsentiert werden Lediglich online dargestellt werden diejenigen Werke, die weiterer Forschung bedürfen, da ihr Profil weniger Hinweise auf den wahren Autor freilegt Neben der Quellenforschung wird künftig die Stilforschung weiter zu intensivieren sein .
Die Orgelchoräle werden in den vorliegenden Bänden alphabetisch angeordnet, wobei die Choräle der Neumeister-Sammlung integriert, aber durch den Zusatz „NeumeisterSammlung“ gekennzeichnet werden Wie vielfältig die Gestalt der Choräle ist, möge die folgende Zusammenfassung nach unterschiedlichen Gruppen aufzeigen
Autographe
Allgemein gilt das Doppelblatt Mus. ms. P 488 mit „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ BWV 739 als Bachs frühestes Autograph Zusammen mit dem Autograph der Frühfassung zu Präludium und Fuge g-moll BWV 535a (enthalten in der Möllerschen Handschrift Mus. ms. 40466) scheinen dies die einzigen Bachschen Niederschriften eigener Werke aus der Zeit vor den Mühlhauser Kantaten (1707/08) zu sein, die bis heute erhalten sind Die Fantasia-artige Darstellung des Liedes „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ repräsentiert in der Tat eine für den jungen Komponisten charakteristische Varietät der Stile und Gedanken, die sich auch in vielen Neumeister-Chorälen wiederfindet Leider ist die zweite Bearbeitung des Liedes BWV 764 in derselben Handschrift nur als Fragment erhalten und wird daher im Anhang von Band 10 präsentiert Die einzigen weiteren autograph überlieferten – und dadurch in ihrer Authentizität gesicherten – Choralvorspiele in den vorliegenden Bänden „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ BWV 691 und „Jesus, meine Zuversicht“ BWV 728 stammen aus den Clavier-Büchlein für Wilhelm Friedemann und Anna Magdalena Bach und waren wohl zur häuslichen Andacht bestimmt
3 Ausführlicher behandelt wird diese Problematik von Reinmar Emans, Einzeln überlieferte Choralvorspiele – ein Werkausschnitt voller Probleme, in: Bachs Klavier- und Orgelwerke Das Handbuch, Bd 4, Teilband 2, hrsg . von Siegbert Rampe (= Das Bach-Handbuch, hrsg von Reinmar Emans, Sven Hiemke und Klaus Hofmann), Laaber 2007, S 547–600, dort auch weitere Literaturhinweise zu den Echtheitsfragen sowie zum gesamten Komplex der einzeln überlieferten Orgelchoräle
„Befiehl du deine Wege“ BWV Anh 79, bestehend aus einem Choralsatz und einer Variation, ist in der einzigen erhaltenen Quelle Bach zugeschrieben Eine Anfechtung von Bachs Autorschaft kann sich daher nur auf stilistische Kriterien stützen Bemerkenswert ist der besonders tief liegende Satz, der gelegentlich den Tastenumfang der Orgel unterschreitet – leicht lässt sich der ganze Satz eine Oktave höher spielen Zusammen mit der Idiomatik der Figuration der Variation spricht einiges dafür, dass das Stück ursprünglich für die Laute gedacht war 12
Die Partita „Herr Christ, der einig Gottes Sohn“ BWV Anh 77 ist wiederum in einer Abschrift von Johann Tobias Krebs überliefert (P 801) Philipp Spitta hat sie trotz der anonymen Überlieferung als Bach-Werk eingeschätzt;13 unter stilistischen Gesichtspunkten wäre auch an eine Schülerarbeit zu denken, etwa von Krebs selbst, der verschiedene Stilmerkmale der Werke seines Lehrers aufgreift und erprobt Neuerdings hat Pieter Dirksen die Vermutung geäußert, die Partita könnte von Böhm stammen –mehrere satztechnische Analogien zu belegten Böhm’schen Werken können diese These stützen 14 Damit steht sie, wenngleich kompositorisch schwächer, in einem Zusammenhang mit den beiden frühesten Partiten BWV 770 und 766, für die eine Entstehung im Umfeld von Bachs Unterricht bei Böhm vermutet wurde
Auch bei der Partita „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ BWV Anh 78 sind wir auf stilistische Kriterien angewiesen, die zu erheblichen Zweifeln an Bachs Autorschaft Anlass geben; zumindest jedoch ermöglicht die Partita einen guten Einblick in das solide kompositorisch-handwerkliche Niveau in Bachs Umkreis . Die Satzfolge „O Vater, allmächtiger Gott“ BWV 758 haben wir unter die mehrsätzigen Choralbearbeitungen eingereiht, auch wenn es sich bei genauerer Betrachtung nicht um eine Choralpartita handelt: Die Sätze bearbeiten Kyrie, Christe und Kyrie eines dreiteiligen Eisenacher Advents-Kyrie 15 Damit stehen sie formal den drei Bearbeitungen über Kyrie, Christe und Kyrie aus dem Dritten Teil der Clavierübung nahe . Auch hier verweist die Kompositionsart nach Thüringen: Bereits Johann Michael Bach schrieb eine dreiversige Bearbeitung von „O Herre Gott, Vater in Ewigkeit“ Allen stilistischen Bedenken zum Trotz: Die einzige Quelle für dieses Stück, die Berliner Handschrift P 291 aus der Sammlung Voß, nennt Bach als Autor Die kleine Partita „Ach, was ist doch unser Leben“ BWV 743 lässt sich in stilistischer Hinsicht nur schwerlich mit Bach in Verbindung bringen, auch wenn ihr Kopist Mempell sie mit „di S B . “ kennzeichnet Eine Kombination von Passaggio-Choral und Versen kennt allerdings auch Johann Heinrich Buttstedt (1666–1727) – vielleicht ein Hinweis auf den Komponisten?
Neumeister-Sammlung
Die von Johann Gottfried Neumeister (1756–1840) angelegte Sammlung von Orgelchorälen brachte im Bach-Jahr 1985 eine unerwartete Bereicherung unserer Kenntnisse von Bachs Orgelchoralschaffen und zudem von dem des Brüderpaars Johann Michael (1648–1694) und Johann Christoph Bach (1642–1703) Die zweifellos sehr früh entstandenen Kompositionen bieten einen Blick auf den Werdegang des jungen Bach, sie gelten als seine „Schülerarbeiten“ . Tatsächlich war der größte Teil der Bearbeitungen aus Neumeisters Sammlung zuvor editorisch nicht erschlossen gewesen, doch einige schon früher bekannte Choräle bestärken ihre Zugehörigkeit zu den vielfältigen Strängen der Bach-Überlieferung Die erst im späten 18 . Jahrhundert angelegte Sammlung enthält neben den Bachschen Choralbearbeitungen nicht nur Stücke von Johann Michael und Johann Christoph Bach, sondern auch von Friedrich Wilhelm Zachau, Daniel Erich, Johann Pachelbel, Georg Andreas Sorge, Johann Heinrich Buttstedt sowie anonyme Bearbeitungen, von denen einige durch Konkordanzen einem der genannten Komponisten zugeordnet werden können 16 Da die Zusammenstellung der Stücke keiner Sammlungsidee Bachs folgt (wie etwa seine größeren späten Sammlungen), drucken wir die Bachschen Choralbearbeitungen der Sammlung gemeinsam mit den übrigen, einzeln überlieferten Choralbearbeitungen in alphabetischer Reihenfolge ab Der Hinweis „Neumeister-Sammlung“ soll die Zuordnung erleichtern Der Zuwachs an frühen Orgelchorälen Bachs lässt das Profil des jungen Komponisten deutlicher vor uns erstehen . Charakteristisch für viele Neumeister-Choräle ist die Kombination mehrerer Satztypen zu einem Orgelchoral „Jesu, meines Lebens Leben“ BWV 1107 beginnt wie ein Satz aus einer Choralpartita, wechselt aber für die zwei Schlusszeilen zu einem 12/8-Takt mit Pedal-C f Noch bunter ist „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ BWV 1099 aufgebaut: frei-kanonischer Beginn – tänzerischer 12/8-Takt –Cucu-Motive – Adagio In manchen Fällen lassen sich dafür Textbezüge wahrscheinlich machen Diese Kombinationslust ist kaum bei einem anderen Komponisten zu finden; eine individuelle Werkgestalt war Bach schon in jungen Jahren ein Anliegen .
„Große“ Orgelchoräle pedaliter
12 Siehe François-Pierre Goy, Unechtes Bachsches Werk, aber echtes Lautenstück: Die ursprüngliche Fassung der Variatio von BWV Anh. 79, in: Lauten-Info 4/2012
13 Vgl Philipp Spitta, Johann Sebastian Bach, Bd I, 1873, S 207, Anm 44
14 Wir danken Pieter Dirksen für die Überlassung eines noch unveröffentlichten Texts hierzu
15 Das Kyrie findet sich im Eisenachischen Gesangbuch von 1673, vgl Peter Wollny, Kritischer Bericht zu NBA IV/11, S 169f
Einige Werke würden gut in die Sammlung der „großen Orgelchoräle“ von Bach passen Dann hätte sich ihre Zahl von 18 auf etwa 27 erhöht
„Liebster Jesu, wir sind hier“ BWV 754
„Meine Seele erhebt den Herren“ BWV 733
„Valet will ich dir geben“ (D-dur) BWV 736
„Valet will ich dir geben“ BWV 735a bzw 735
„Wo soll ich fliehen hin“ BWV 694
„Liebster Jesu, wir sind hier“ BWV 754 könnte Bachs erster Versuch eines Choraltrios in der Art Georg Böhms darstellen; überliefert ist das Stück aber nur in einer Quelle mit der Autorzuweisung di | Singre | Bach Die motivische Konsequenz, mit der Fugen-
16 Faksimile-Ausgabe: The Neumeister Collection of Chorale Preludes from the Bach Circle (Yale University Manuscript LM 4708), hrsg von Christoph Wolff, New Haven/London 1986 NBA IV/9, Orgelchoräle der Neumeister-Sammlung, hrsg von Christoph Wolff, Kassel etc 2003
teil und Pedal-C f in BWV 733 zusammengeschweißt werden, ist der Motivtechnik des Orgelbüchleins vergleichbar BWV 736 kann man in seiner Souveränität der (freieren) Motivik als Paradigma eines Orgelchorals bezeichnen
Zu diesem Werkkomplex sind auch vier phantasieartige Bearbeitungen zu rechnen:
„Christ lag in Todes Banden“ BWV 718
„Christus, der uns selig macht“ BWV 747
„Ein feste Burg ist unser Gott“ BWV 720
„Wo Gott, der Herr, nicht bei uns hält“ BWV 1128
BWV 1128 ist erst vor kurzem bekannt geworden und steht dem Modell von Buxtehudes großen Fantasien am nächsten (vgl Bachs Abschrift von „Nun freut euch, lieben Christen gmein“ BuxWV 21017) . Die anderen drei Werke beginnen mit einem arienartigen Ritornell, ein Phänomen, das auf Georg Böhm verweist, der Elemente der (Opern-)Arie auf den Orgelchoral übertragen hat BWV 718 ist zudem bemerkenswert durch den Textbezug: Nach dem Passionsteil („Todesbanden“) verleiht ein Allegro-Teil dem Ostertext „und singen Halleluja“ besonderen Nachdruck
Choräle in der Art des Orgelbüchleins
Einige wenige Choräle schließen sich an die Form des „kleinen Orgelchorals“ an, wofür Bach mit dem allbekannten Orgelbüchlein ein Musterbuch geschaffen hat Besonders evident ist dies bei den beiden Bearbeitungen von „Liebster Jesu, wir sind hier“ BWV 706, die in der Abschrift von Johann Tobias Krebs mit dem gleichnamigen Orgelbüchlein-Choral BWV 633/634 kombiniert sind
„Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ BWV 709
„Herzlich tut mich verlangen“ BWV 727 „Liebster Jesu, wir sind hier“ BWV 706, 730, 731
Passaggio-Choräle und Begleitsätze
Im weiteren Sinn zu den „kleinen Orgelchorälen“ sind die früher häufig als „Arnstädter (Gemeinde-)Choräle“, heute aber meist als Passaggio-Choräle bezeichneten Stücke zu zählen Derartige Choralbearbeitungen dienten der Begleitung des Gemeindegesangs, und die bewegten Passagen zwischen den Choralzeilen ließen der singenden Gemeinde Zeit, um Atem zu holen . Weitere Beispiele für diese Praxis finden sich etwa in Georg Friedrich Kauffmanns Harmonischer Seelenlust (1733) 18 Inwieweit die Bachschen Stücke diese Praxis direkt reflektieren, mag dahingestellt bleiben Die vier in P 802 in Generalbass-Notation überlieferten und online präsentierten PassaggioChoräle könnten ein Muster für die dann ‚mustergültig‘ mehrstimmig ausgeführten
Choräle darstellen; möglicherweise haben sie in dieser Form Unterrichtszwecken gedient Weitere drei Passaggio-Choräle sind in anderen Quellen überliefert
„Allein Gott in der Höh sei Ehr“ BWV 715
„Gelobet seist du, Jesu Christ“ BWV 722/722a
„Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ BWV 726
„In dulci jubilo“ BWV 729/729a
17 Weimarer Orgeltabulatur (wie Anm 5)
18 Siehe dazu Matthias Schneider, Bachs ‚Arnstädter Choräle‘ – komponiert in Weimar?, in: Bachs Musik für Tasteninstrumente Bericht über das 4 . Dortmunder Bach-Symposion 2002, hrsg von Martin Geck, Dortmund 2003, S 287–308; Dominik Sackmann, Bach und Corelli: Studien zu Bachs Rezeption von Corellis Violinsonaten op. 5 unter besonderer Berücksichtigung der „Passaggio-Orgelchoräle“ und der langsamen Konzertsätze (Musikwissenschaftliche Schriften, Bd 36), München und Salzburg 2000, S 46ff; Jean-Claude Zehnder, Die Passaggio-Orgelchoräle – Neue Perspektiven, in: Bach-Jahrbuch 2013, S 223–242
„Komm, heiliger Geist, erfüll die Herzen“ (Emans19 122)
„Lobt Gott, ihr Christen allzugleich“ BWV 732/732a
„Vom Himmel hoch, da komm ich her“ BWV 738/738a
Einen anderen Stellenwert besitzt der umfangreiche Satz zum deutschen Te Deum „Herr Gott, dich loben wir“ BWV 725 Dieser fünfstimmige, kunstvolle Satz diente vermutlich zur Begleitung eines Chores oder der Gemeinde
Manualiter-Choräle
In den wohl Bachs Frühwerk zugehörigen Neumeister-Chorälen sind viele Werke ohne Pedal ausführbar Doch gibt es auch eine Gruppe von reifen Choralbearbeitungen, die ebenfalls auf die Beteiligung des Orgelpedals verzichten . Möglicherweise hat dies mit dem Orgelumbau in der Weimarer Schlosskirche, etwa um 1712/13 (1714?), zu tun .
Auch wenn es zu einzelnen Stücken Echtheitszweifel gegeben hat, lässt doch die Polyphonie dieser Stücke an die in Weimarer Fugen erreichte Meisterschaft des musikalischen Satzes denken .
„Allein Gott in der Höh sei Ehr“ BWV 711 und 717
„Christ lag in Todes Banden“ BWV 695 Bei diesem Stück gemahnt die motivische Konsequenz ans Orgelbüchlein; zwar enthält die dritte Choralzeile ein zweites Motiv, aber ganz am Ende wird auf das erste zurückgegriffen, was wohl mit einem freien da Capo der Weimarer Arien in Verbindung zu bringen ist
„Jesu, meine Freude“ BWV 713
„Nun freut euch, lieben Christen gmein“ BWV 734
„In dich hab ich gehoffet, Herr“ BWV 712 erinnert in manchen Eigenheiten an den Schlusschoral des Actus tragicus BWV 106 (um 1708)
Zwei quellenmäßig wenig gesicherte Choräle verwenden das Thema der ersten Choralzeile konsequent durch das ganze Stück; mit aller Vorsicht wäre Bachs Autorschaft somit doch in Betracht zu ziehen:
„Ein feste Burg ist unser Gott“ BWV Anh 49
„Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“ BWV Anh 50
Die Advents- und Weihnachtsfughetten Möglicherweise sind sieben oder acht Fughetten über Advents- und Weihnachtslieder von Bach als Zyklus intendiert In der Brüsseler Handschrift Ms. II. 3919, die auf eine Vorlage im Hause Breitkopf zurückgeht, stehen sie beisammen; Pieter Dirksen hat alle
19 Johann Sebastian Bach, Orgelchoräle zweifelhafter Echtheit – Thematischer Katalog, zusammengestellt von Reinmar Emans, hrsg vom Johann-Sebastian-Bach-Institut, Göttingen 1997 .
acht Stücke unter der Überschrift „Leipziger Choralfughetten“ publiziert . 20 „Das Jesulein soll doch mein Trost“ BWV 702 passt nicht ganz in diesen Zusammenhang, da die Nutzung des Pedals hier unumgänglich ist Denkbar ist demnach auch ein Manualiter-Zyklus, der dann aus nur sieben Stücken besteht Ob diese Fughetten in Weimar oder Leipzig entstanden sind, bleibt weiterhin fraglich In der Reihenfolge der Handschrift:
„Christum wir sollen loben schon“ BWV 696
„Gelobet seist du, Jesu Christ“ BWV 697
„Nun komm, der Heiden Heiland“ BWV 699
„Herr Christ, der einig Gottes Sohn“ BWV 698
„Gottes Sohn ist kommen“ BWV 703
„Lob sei dem allmächtigen Gott“ BWV 704
„Vom Himmel hoch, da komm ich her“ BWV 701
„Das Jesulein soll doch mein Trost“ BWV 702
Frühe Orgelchoräle in der Art der Neumeister-Choräle
Andere, teils längst bekannte, teils erst vor wenigen Jahren erschlossene Quellen tradieren Orgelchoräle, die offensichtlich Merkmale früher Entstehung tragen Dass es über deren Echtheit divergierende Ansichten geben kann, sei hier nochmals betont Bislang ohne Zweifel an Bachs Autorschaft blieben folgende Stücke:
„Gott, durch deine Güte“ BWV 724
„Vom Himmel hoch, da komm ich her“ BWV 700
„Wer nur den lieben Gott lässt walten“ BWV 690 .
Trotz einiger Zweifel auf stilistischer Ebene sind folgende Choräle mit hoher Wahrscheinlichkeit Bach zuzuschreiben:
„Auf meinen lieben Gott“ (Emans 30)
„Erbarm dich mein, o Herre Gott“ BWV 721
„Herr Christ, der einig Gottes Sohn“ BWV Anh 55
„Herr Christ, der einig Gottes Sohn“ (Emans 85)
„Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“ (Emans 111)
„O Lamm Gottes, unschuldig“ BWV 1085
„Vom Himmel hoch, da komm ich her“ BWV Anh 65
„Wir glauben all an einen Gott“ BWV 765 . Bachs Urheberschaft wurde bei folgenden Stücken entweder überhaupt noch nicht diskutiert oder aber wiederholt in Zweifel gezogen:
„Es ist das Heil uns kommen her“ BWV deest
„Freu dich sehr, o meine Seele“ BWV Anh . 52
„Ich hab mein Sach Gott heimgestellt“ BWV 707
„Jesu, meine Freude“ BWV Anh 58
„Wir Christenleut“ BWV 710 .
Choraltrios der Sammlung Hahn und weitere Fragen zu Bachs Leipziger Stil
Aus dem Besitz des Zelter-Schülers Theodor Hahn stammt eine Handschrift mit fünf
Bach zugeschriebenen Choraltrios, die erstmalig 2007 in NBA IV/10 ediert wurden
(BWV Anh i V )
20 Johann Sebastian Bach, Leipziger Choralfughetten: Advent – Weihnachten – Neujahr, hrsg von Pieter Dirksen Edition Breitkopf 8782 Wiesbaden 2007
„Lobt Gott, ihr Christen allzugleich“
„O Gott, du frommer Gott“
„Was Gott tut, das ist wohlgetan“
„Wenn ich in Angst und Not“
„Wir Christenleut“
Für diese anspruchsvollen Trios wurde aufgrund ihrer nicht immer durchgehenden
Qualität vermutet, dass sie im Rahmen von Bachs Unterricht entstanden sein könnten – wobei dann freilich Bachs eigene Anteile daran unklar bleiben müssen .
Die in anderen Quellen überlieferten Trios über „Befiehl du deine Wege“ (Emans 36) und „Wir glauben all an einen Gott“ BWV Anh 69 weisen stilistische Ähnlichkeiten mit denen der Sammlung Hahn auf . Wie wenig wir sogar über Bachs Leipziger Stil wissen, wird aus der Kontroverse zu „Wir glauben all an einen Gott“ BWV 740 deutlich Vier vierstimmige Fassungen sowie eine fünfstimmige sind meist unter dem Namen von Johann Ludwig Krebs überliefert und ihm wohl auch zuzuschreiben . Die Diskussion darüber, ob die heute nur noch durch die Oxforder Handschrift Ms. M. Deneke Mendelssohn c. 55 und einige Drucke aus der 1 Hälfte des 19 Jahrhunderts belegte Fassung, die Felix Mendelssohn Bartholdy seinerzeit zum Schwärmen veranlasste, etwas mit Bach zu tun haben könnte, ist nach wie vor nicht abgeschlossen
Die Komplexität dieser beiden Bände bedingte zugleich, dass sie ohne die Hilfe anderer wohl kaum in dieser Weise hätten fertiggestellt werden können . Allen voran gilt Jean-Claude Zehnder unser Dank, der mit seiner großen Kompetenz unermüdlich quasi jeden Arbeitsschritt aktiv begleitete und zahlreiche Vorschläge und Ergänzungen einbrachte Ihm ist auch die Konzeption dieser Einleitung zu verdanken . Pieter Dirksen trug ebenso mit Rat und Tat zum Gelingen dieser Edition bei . Rüdiger Wilhelms stete Bereitschaft, sich selbst in Detailprobleme hineinzudenken, kann gar nicht hoch genug gewürdigt werden Dafür, dass er zudem auch den gesamten Notentext durchgeschaut und mit seinen Korrekturen nicht unwesentlich verbessert hat, sei ihm herzlich gedankt Ohne Christine Blanken vom Bach-Archiv Leipzig, die jederzeit und ausgesprochen kurzfristig Quellenscans zur Verfügung stellte, hätte die Arbeit an diesem Band entweder sehr viel länger gedauert oder wäre hinsichtlich der Quellenkritik unvollständiger geblieben . Nicht zuletzt gilt unser Dank Eva-Maria Hodel, die souverän alle Fäden in der Hand hielt und alles mit großer Umsicht lektorierte
Bochum und Hamburg, Frühjahr 2018 Reinmar Emans
Matthias Schneider
Einzeln überlieferte Choralbearbeitungen
Herr Christ, der einig Gottes Sohn . . . . BWV 698 . . . . . 15
Herr Christ, der einig Gottes Sohn . . . . BWV Anh 55 . . . . 16
Herr Christ, der einig Gottes Sohn . . . . Emans 85 . . . . . 18
Herr Gott, dich loben wir . . . . . . BWV 725 . . . . . 19
Herr Gott, nun schleuß den Himmel auf (Neumeister) . . . . . . . . . BWV 1092 . . . . 26
Herr Jesu Christ, dich zu uns wend . . . . BWV 709 . . . . . 28
Herr Jesu Christ, dich zu uns wend . . . . BWV 726 . . . . . 30
Herr Jesu Christ, du höchstes Gut (Neumeister) BWV 1114 . . . . 32
Herzlich lieb hab ich dich, o Herr (Neumeister) BWV 1115 . . . . 34
Herzlich tut mich verlangen . . . . . BWV 727 . . . . . 36
Herzlich tut mich verlangen BWV 742 – siehe Ach Herr, mich armen Sünder (Band 9)
Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen (Neumeister) BWV 1093 38
Ich hab mein Sach Gott heimgestellt BWV 707 40
Ich hab mein Sach Gott heimgestellt (Neumeister) BWV 1113 44
Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ Emans 111 46
In dich hab ich gehoffet, Herr BWV 712 48
In dulci jubilo BWV 729 50
Jesu, meine Freude
BWV 713
52
Jesu, meine Freude (Neumeister) . . . . BWV 1105 . . . . . 56
Jesu, meine Freude .
Jesu, meines Lebens Leben (Neumeister) .
Jesus, meine Zuversicht .
Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen .
Liebster Jesu, wir sind hier .
Liebster Jesu, wir sind hier .
Liebster Jesu, wir sind hier .
Liebster Jesu, wir sind hier
Lob sei dem allmächtigen Gott .
Lobt Gott, ihr Christen allzugleich .
BWV Anh 58 .
BWV 1107 .
BWV 728
Emans 122
BWV 706 .
BWV 730 .
BWV 731 .
BWV 754
BWV 704
BWV 732
58
60
61
62
. 64
65
66
68
70
71
Lobt Gott, ihr Christen allzugleich . . . . BWV Anh i V . . . 72
Machs mit mir, Gott, nach deiner Güt (Neumeister)
BWV 957 76
Meine Seele erhebt den Herren BWV 733 78
Nimm von uns, Herr, du treuer Gott BWV 737 – siehe Vater unser im Himmelreich
Nun freut euch, lieben Christen gmein BWV 734 83
Nun komm, der Heiden Heiland BWV 699 86
Nun lasst uns den Leib begraben (Neumeister) BWV 1111 87
O Gott, du frommer Gott BWV Anh i V 89
O Herre Gott, dein göttlich Wort (Neumeister) BWV 1110 94
O Jesu, wie ist dein Gestalt (Neumeister) . . . BWV 1094 . . . . . 96
O Lamm Gottes, unschuldig . . . . . BWV 1085 . . . . . 97
O Lamm Gottes, unschuldig (Neumeister) . . . BWV 1095 . . . . 101
Valet will ich dir geben . . . . . . BWV 735 . . .
102
Valet will ich dir geben . . . . . . BWV 735a . . . . 106
Valet will ich dir geben . . . . . . BWV 736 . . . . . 110
Vater unser im Himmelreich oder Nimm von uns, Herr, du treuer Gott (Neumeister) . .
Vom Himmel hoch, da komm ich her . . . BWV 700 . .
Vom Himmel hoch, da komm ich her .
Vom Himmel hoch, da komm ich her . . . BWV 738
Was fürchtst du Feind, Herodes, sehr BWV 696
– siehe Christum wir sollen loben schon (Band 9)
116
Was Gott tut, das ist wohlgetan (Neumeister) BWV 1116 124
Was Gott tut, das ist wohlgetan BWV Anh i V 126
Wenn dich Unglück tut greifen an (Neumeister) BWV 1104 131
Wenn ich in Angst und Not BWV Anh i V 132
Wer nur den lieben Gott lässt walten BWV 690 136
Wer nur den lieben Gott lässt walten BWV 691 138
Werde munter, mein Gemüte (Neumeister) . . BWV 1118 . . . . 138
Wie nach einer Wasserquelle (Neumeister) . . BWV 1119 . . . . 140
Wie schön leuchtet der Morgenstern . . . . BWV 739 . . . . . 142
Wir Christenleut habn jetzund Freud . . . BWV 710 . . . . . 147
Wir Christenleut habn jetzund Freud (Neumeister) . . . . . . . . . BWV 1090 . . . . 150
Wir Christenleut habn jetzund Freud . . . BWV Anh i V . . 153
Wir glauben all an einen Gott . . . . . BWV 765 . . . . . 158
Wir glauben all an einen Gott (Neumeister) . . BWV 1098 . . . . 160
Wir glauben all an einen Gott . . . . . BWV Anh 69 . . . 162
Wo Gott, der Herr, nicht bei uns hält . . . BWV 1128 . . . . 165
Wo soll ich fliehen hin . . . . . . BWV 694 . . . . . 171
Anhang
Vom Himmel hoch, da komm ich her . . . BWV Anh 65 . . . 176
Wie schön leuchtet der Morgenstern (Fragment) . BWV 764 . . . . . 178
Wir glauben all an einen Gott . .
BWV 740 . .
179
Johann Sebastian Bach
Sämtliche Orgelwerke in 10 Bänden
Band 1 EB 8801
Präludien und Fugen I (D . Schulenberg)
Band 2 EB 8802
Präludien und Fugen II (D Schulenberg)
Band 3 EB 8803
Fantasien · Fugen (P . Dirksen)
Band 4 EB 8804
Toccaten und Fugen · Einzelwerke (J .-Cl . Zehnder)
Band 5 EB 8805
Sonaten · Trios · Konzerte (P . Dirksen)
Band 6 EB 8806
Clavierübung III · Schübler-Choräle
Canonische Veränderungen über „Vom Himmel hoch“
(W . Breig)
Band 7 EB 8807
Orgelbüchlein (S . Hiemke)
Band 8 EB 8808
Orgelchoräle der Leipziger Handschrift
(„Achtzehn Choräle“) (J .-Cl . Zehnder)
Band 9 EB 8809
Choralpartiten · Einzeln überlieferte Choralbearbeitungen I
(R Emans / M . Schneider)
Band 10 EB 8810
Einzeln überlieferte Choralbearbeitungen II
(R Emans / M . Schneider)
Complete Organ Works in 10 Volumes
Volume 1 EB 8801
Preludes and Fugues I (D Schulenberg)
Volume 2 EB 8802
Preludes and Fugues II (D Schulenberg)
Volume 3 EB 8803
Fantasias · Fugues (P . Dirksen)
Volume 4 EB 8804
Toccatas and Fugues · Individual Works (J -Cl Zehnder)
Volume 5 EB 8805
Sonatas · Trios · Concertos (P . Dirksen)
Volume 6 EB 8806
Clavierübung III · Schübler-Choräle
Canonische Veränderungen über „Vom Himmel hoch“ (W . Breig)
Volume 7 EB 8807
Orgelbüchlein (S Hiemke)
Volume 8 EB 8808
Organ Chorales of the Leipzig manuscript (“Great Eighteen Chorales”) (J .-Cl . Zehnder)
Volume 9 EB 8809
Chorale Partitas · Individually transmitted Organ Chorales I (R Emans / M . Schneider)
Volume 10 EB 8810
Individually transmitted Organ Chorales II (R Emans / M . Schneider)
Dies ist eine Leseprobe.
Nicht alle Seiten werden angezeigt.
Haben wir Ihr Interesse geweckt?
Bestellungen nehmen wir
gern über den Musikalienund Buchhandel oder unseren Webshop unter www.breitkopf.com entgegen.
This is an excerpt.
Not all pages are displayed.
Have we sparked your interest?
We gladly accept orders via music and book stores or through our webshop at www.breitkopf.com.
- Quellentreuer Notentext auf dem aktuellen Stand der Bachforschung
- Entwickelt für die Praxis durch das Zusammenwirken von Wissenschaftlern und Interpreten
- Mit allen „Clavierwerken“ Bachs, die ein selbstständiges Pedal erfordern
- Mit allen authentischen Frühfassungen und fragmentarisch überlieferten oder zweifelhaften Werken, die mit einiger Sicherheit Bach zugeschrieben werden können
- Mit umfassenden Einleitungen, ausführlichen Quellenbeschreibungen und textkritischen Anmerkungen
- Mit ergänzendem Material, teils in synoptischer Darstellung online verfügbar
- Music text faithful to the sources and reflecting the current status of Bach research
- Developed for musical practice through the cooperation of scholars and performers
- Contains all of Bach’s “clavier” works that require an independent pedal
- Contains all authentic early versions and fragmentarily transmitted or dubious works that can be attributed to Bach with a fair amount of certainty
- Features comprehensive introductions, extensive source descriptions and text-critical notes
- Features supplementary material illustrated partly synoptical online
1 Präludien und Fugen I (D. Schulenberg)
Preludes and Fugues I
EB 8801
2 Präludien und Fugen II (D. Schulenberg)
Preludes and Fugues II
EB 8802
3 Fantasien | Fugen (P. Dirksen)
Fantasias | Fugues
EB 8803
4 Toccaten und Fugen | Einzelwerke (J.-C. Zehnder)
Toccatas and Fugues | Individual Works
EB 8804
5 Sonaten | Trios | Konzerte (P. Dirksen)
Sonatas | Trios | Concertos
EB 8805
6 Clavierübung III | Schübler-Choräle | Canonische Veränderungen über „Vom Himmel hoch“ (W. Breig)
EB 8806
7 Orgelbüchlein (S. Hiemke)
EB 8807
8 Orgelchoräle der Leipziger Handschrift („Achtzehn Choräle“) (J.-C. Zehnder)
Organ Chorales of the Leipzig Manuscript (“Great Eighteen Chorales“)
EB 8808
9 Choralpartiten | Einzeln überlieferte Choralbearbeitungen I (R. Emans, M. Schneider)
Chorale Partitas | Individually transmitted Organ Chorales I
EB 8809
10 Einzeln überlieferte Choralbearbeitungen II (R. Emans, M. Schneider)
Individually transmitted Organ Chorales II
EB 8810