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EB 8771 – Dartsch, Der Geigenkasten Heft 1

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Heft 1 Streichen, Greifen, Spielen – die ersten Schritte

Der Geigenkasten (Heft 1) wurde 2005 mit dem Deutschen Musikeditionspreis ausgezeichnet.

Michael Dartsch (*1964) arbeitete bereits während seines Studiums (Allgemeine Musikerziehung, Instrumentalpädagogik, Violine und Diplompädagogik) zunächst an verschiedenen Musikschulen sowie u. a. als Violindozent an der Universität zu Köln. Er promovierte in Pädagogik und bekleidet seit 1996 eine Professur für Musikpädagogik in Saarbrücken. Dort ist er Prodekan für die künstlerisch-pädagogischen Studiengänge und vertritt auch die Elementare Musikpädagogik. 2005 erhielt er den Landespreis für Hochschullehre des Saarlandes. Seit 2018 ist er Sprecher des Arbeitskreises Elementare Musikpädagogik Deutschland (AEMP). Zu seinen Veröffentlichungen bei Breitkopf & Härtel gehören die Bücher Mensch, Musik und Bildung (BV 388), Musik lernen – Musik unterrichten (BV 399) und Didaktik künstlerischen Musizierens (BV 454). Seine Konzerttätigkeit umfasst auch Projekte mit zeitgenössischen Komponisten, die Teilnahme an Festivals als Geiger und Barockgeiger, Aufnahmen für Rundfunk und Tonträger sowie die Konzeption und Moderation von Konzerten für Kinder. 9

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Heft 3 (EB 8773) schließlich führt in die Stile vom Frühbarock bis zur Gegenwart ein und erweitert die Technik mit Laufwerk, Doppelgriffen und hohen Lagen in Richtung eines virtuoseren Spiels.

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Heft 2 (EB 8772) beschäftigt sich – wiederum mittels kurzer zweistimmiger Musizier-Stücke – mit dem Lagenspiel (Lagenwechsel, zweite, dritte, vierte und halbe Lage), dem Vibrato und dem Spiccato. Zum Lagenwechsel, einem der zentralen Themen der Streicherpädagogik, enthält der Band ein vertiefendes LagenFitnessprogramm zum Herausnehmen.

Materialien für den Violinunterricht Heft 1 Streichen, Greifen, Spielen – die ersten Schritte

Foto: HfM Sa

Die einzelnen Abschnitte widmen sich den Themen • Haltungs- und Bewegungsspiele • Musik mit leeren Saiten und Grundlagen der Bogentechnik (in der Mitte, am Frosch, an der Spitze und an wechselnden Bogenstellen) • Greifen in der ersten, zweiten und dritten Griffart sowie mit tiefem ersten Finger • Verbindung der Griffarten und Chromatik • Rhythmen spielen, lesen, notieren • Töne lesen und notieren sowie • im Kapitel „Musik erfinden“ der Improvisation. Fast immer gibt es zweite Stimmen zum gemeinsamen Musizieren und Texte zum Singen. Auf diese Weise stellt das Heft Lieder und Violinstücke zu verschiedenen Anlässen und zum Jahreskreis bereit. Zwischendurch ist Wissenswertes zur Geige eingestreut. Ergänzend stehen zwei Ordner mit Audiotracks im MP3-Format auf www.breitkopf.com zum Download bereit. Der erste, „Stimmen und Spielen“, enthält die Töne der leeren Saiten zum häuslichen Einstimmen sowie 25 Lieder aus dem Heft zum Anhören und Mitspielen. Der zweite Ordner, „Im Konzert“, enthält eine Auswahl an Violinmusik verschiedenster Stilbereiche. Dabei gibt es vielerlei thematische Bezüge zu Stücken des Heftes zu entdecken.

Michael Dartsch

Dartsch | Der Geigenkasten | Heft 1

Der Geigenkasten bietet eine Fülle vielfältigster Materialien für den Violinunterricht. Er lässt sich als didaktischer Fundus zusätzlich zu jeder Geigenschule einsetzen, eignet sich aber auf Grund des ansteigenden Schwierigkeitsgrades innerhalb der Kapitel auch als Leitfaden für den Unterricht in der Art einer Violinschule.

790004 181867

ISMN 979-0-004-18186-7

www.breitkopf.com

9 790004 181867 C 20

EB 8771

Edition Breitkopf 8771 Edition Breitkopf 8772


MICHAEL DARTSCH

Der Geigenkasten Materialien für den Violinunterricht Heft 1 – EB 8771 Streichen, Greifen, Spielen – die ersten Schritte Heft 2 – EB 8772 Lagenspiel (Lagenwechsel, zweite, dritte, vierte und halbe Lage), Vibrato, Spiccato – die nächsten Schritte Heft 3 – EB 8773 Einführung in Spielweisen und Stilistiken vom Frühbarock bis zur Gegenwart (Laufwerk, Doppelgriffe, hohe Lagen)

Illustrationen von

Juliane Gottwald Dieses Geigenkasten-Heft gehört:

Edition Breitkopf 8771 Printed in Germany


Bildnachweise Seite 19: Meister Heinrich Frauenlob. Manessische Liederhandschrift, ca. 1320. Heidelberg, Universitätsbibliothek (Cod.Pal.Germ. 848 (Codex Manesse) fol. 399r) Seite 36: Geigenspielerin. Stich nach einem Entwurf von Adriaen van de Venne (1589–1662). Österreichische Nationalbibliothek Seite 56 und 68: Geigenbauwerkstatt Reinhard Bönsch, Erlbach/Vogtland. Fotos: Fotostudio Hilmar Raddatz, Plauen Seite 81: Traditionelle irische Musik in der Abbey Tavern, Howth, Co Dublin, Irland; Foto: Abbey Tavern Seite 112: Peter Herbertz (Hochschule für Musik Saar)

Alle Übungen, Melodien, Texte und Sätze stammen, wenn nicht anders angegeben, vom Autor.

Die Audiotracks zu diesem Heft sind zum Download auf www.breitkopf.com zu finden. Wir danken der Hochschule für Musik Saar mit ihrem damaligen Rektor Prof. Thomas Krämer, heute Prof. Jörg Nonnweiler, und dem ehemaligen Tonmeister Herrn Peter Herbertz für die freundliche und großzügige Unterstützung bei der Produktion der Aufnahmen. Nähere Informationen siehte Seite 121f.

Edition Breitkopf 8771 © 2004 by Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 3., korrigierte Auflage, 2020 Notengrafik: Ansgar Krause, Krefeld Satz und Layout: Dinges & Frick, Wiesbaden Druck: Johnen-Gruppe GmbH & Co. KG, Bernkastel-Kues


Inhaltsverzeichnis Zum Vorlesen oder Selberlesen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 I Musik mit leeren Saiten und Grundlagen der Bogentechnik. . . . . . . . 9

1 2 3 4

Erste Striche um die Mitte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Spielregeln für die Lieder und Musikstücke. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Streichen am Frosch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Streichen an der Spitze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gemischte Bogenlängen und Strichstellen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

9 10 15 20 22

II Greifen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Leere Saite und 1. Finger. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leere Saite und 2. Finger. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leere Saite, 1. und 2. Finger. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leere Saite, 1., 2. und 3. Finger. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erste Griffart, Tonschritte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erste Griffart, Tonsprünge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zweite Griffart . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dritte Griffart. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tiefer 1. Finger. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Quer durch die Griffarten und Chromatik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

34 37 39 43 48 57 62 67 75 82

III Musik erfinden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 IV Rhythmen spielen, lesen, notieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 V Töne lesen und notieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99 VI Haltungs- und Bewegungsspiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 Hinweise für Lehrerinnen und Lehrer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 Alphabetisches Liederverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117 Thematisches Verzeichnis – Der Jahreskreis und andere Themen. . . . . . . . 118 Hinweise für Eltern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Inhalt der MP3-Ordner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 Wissenswertes rund ums Instrument

Wer hat die Geige eigentlich erfunden?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Wann gab es das erste Mal richtige Geigen?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 Woraus ist eine Geige gebaut?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 Gibt es Geigen in verschiedenen Größen?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Wie lange muss man denn lernen, bis man Geige spielen kann?. . . . . . . . . . . . . . . . . 81 Wie kommt es eigentlich, dass Töne aus der Geige kommen?. . . . . . . . . . . . . . . . . . 112

Solche Zahlen zeigen: Zu diesem Stück, dieser Übung oder diesem Text gibt es unter der angege­benen Nummer einen Audiotrack. Die Audiotracks im MP3-Format stehen auf www.breitkopf.com zum Download bereit. 5

Heft 2 von „Der Geigenkasten“ (EB 8772) enthält Materialien zu den Themenbereichen Lagenspiel (Lagenwechsel, zweite, dritte, vierte und halbe Lage), Vibrato, Spiccato. Heft 3 (EB 8773) führt in die Stile vom Frühbarock bis zur Gegenwart ein und erweitert die Technik mit Laufwerk, Doppelgriffen und hohen Lagen in Richtung eines virtuoseren Spiels.


Zum Vorlesen oder Selberlesen Liebe ………………………… , lieber ………………………… , deinen Namen kann ich jetzt gar nicht hier oben hin schreiben. Ich weiß ja nicht, wie du heißt – und auch nicht, wie alt du bist und wo du wohnst … Ich weiß nur, dass du gerne Geige spielen möchtest. Vielleicht würdest du jetzt am liebsten gleich deine Geige nehmen und ein schönes Lied spielen … Ich finde es toll, dass du das Geigen lernen willst! Warum? Weil ich es auch sehr mag, Geige zu spielen. Und dieses Heft habe ich geschrieben, weil ich dir beim Geigelernen helfen möchte. Hoffentlich gefallen dir die Lieder und das ganze Heft! Auf der Internetseite www.breitkopf.com gibt es zwei Ordner mit Musik zum Herunterladen*. Darin sind viele Lieder aus diesem Heft und außerdem findest du dort noch andere Geigenmusik, die du dir immer wieder anhören kannst. Am Anfang habe ich eine kleine Aufgabe für dich: Wenn du umblätterst, siehst du einen Geigenkasten. In dem Geigenkasten liegen viele wichtige Dinge, leider sind die Wörter aber alle auseinandergebrochen. So liegen nur noch die Silben im Kasten herum. Über dem Geigenkasten stehen Fragen. Alle Antworten sind Dinge, die man in einen Geigenkasten tun kann. Wenn du das richtige Wort weißt, schreib es unten in die Kästchen und streiche die Silben, die das Wort hat, in dem Geigenkasten durch – bis alle Silben weg und alle Fragen beantwortet sind. Und nun lies die Buchstaben in den roten Kästchen von oben nach unten: Das ist mein Wunsch für dich mit diesem Heft und dem Geigespielen!

* Liebe Eltern: Ab Seite 119 finden Sie einige Hinweise, wie Sie das Spielen und Lernen Ihres Kindes unterstützen können.


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7

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

wünscht dir

1 W ie nennt man die Geige mit italienischem Namen? 2 Wie heißt die tiefste Saite der Geige? 3 Wie heißt die höchste Saite der Geige? 4 Womit bestreicht man den Bogen? 5 Womit kann man etwas aufschreiben?

6 W omit kann man etwas mit Bleistift Geschriebenes verschwinden lassen? 7 Was hilft beim Stimmen? 8 Womit kann man die Geige putzen? 9 Wie heißt die Saite über der G-Saite? 10 Womit streicht man?


9

I Musik mit leeren Saiten und Grundlagen der Bogentechnik 1 Erste Striche um die Mitte 1 Echospiel Das Echozupfen geht so: Deine Lehrerin zupft etwas, und du zupfst es nach. Dann kannst du etwas erfinden, was du zupfst, und deine Lehrerin zupft es dir nach. Und nun spielen wir mit den Kästchen und den Tönen darin. Welches der Kästchen hat dein Lehrer gezupft? Spiele es nach! Nun muss deine Lehrerin raten, welches Kästchen du gespielt hast! Für die leeren Kästchen kannst du selbst etwas erfinden und hineinschreiben.

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Wenn du schon streichen kannst, könnt ihr das Echospiel auch mit dem Bogen spielen. 30

Echos gibt es auch in Audiotrack 30.

2 Auf der Wiese Na, welche Tiere siehst du alle auf der Wiese? Such dir eins aus, sprich seinen Namen und spiel den Rhythmus auf der Geige. Dein Lehrer, deine Mutter oder deine Freunde sollen raten, welches Tier du gespielt hast. Zum Beispiel:

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Schmet - ter - ling

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Du kannst auch eines der Tiere nachmachen, vielleicht mit der Stimme oder mit Bewegung. Deine Lehrerin rät das Tier und spielt es, ohne etwas zu sagen, auf der Geige. Du musst dann hören, ob sie richtig geraten hat. Kennst du auch die Pflanzen auf dem Bild? Spiele eine und lass die anderen raten.


18

I Musik mit leeren Saiten · Streichen am Frosch

13 Eberhard, der Wetterfrosch 13 Eberhard, der Wetterfrosch Ferdinand Küchler (1867–1937) T.: M. D.

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Vom Frosch bis zur Mitte: untere Hälfte

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Hier kannst du auch ein anderes Wetter ansagen.

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Hier kannst du auch ein anderes Wetter ansagen.

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Aus: Ferdinand Küchler, Violinschule Band 1, Heft 1 Hug Musikverlage, Zürich

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warm wird kalt …“

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19

Wer hat die Geige eigentlich erfunden? Wer die Geige erfunden hat, kann niemand sagen. Man weiß von vielen Sachen nicht, wer sie erfunden hat. Wer sich zum Beispiel den Stuhl oder das Fenster ausgedacht hat, könnte ich dir auch nicht sagen. Ich weiß aber, dass unsere Stühle, Fenster und Geigen heute anders aussehen als die Stühle, Fenster und Geigen, die man früher hatte. Das weiß man von Bildern, die vor langer Zeit gemalt worden sind. Es gibt ganz uralte Bilder von Instrumenten mit Saiten. Also gibt es solche SaitenInstrumente schon unglaublich lange. Sie sahen ­meistens rund und länglich aus – so etwa wie eine durchgeschnittene Honigmelone – und manchmal sieht man auf den Bildern noch einen Bogen zum Streichen. Aber diese Instrumente nennt man noch nicht „Geige“, sondern sie haben Namen, die für dich sicher komisch klingen: „Rebec“, „Vielle“ oder „Crwth“ * – oder noch anders. Später hießen sie dann „Fiedeln“. Noch heute sagt man von einem Geiger manchmal, dass er etwas „fiedelt“.

Hier siehst du Spielleute aus der Ritterzeit, zwei davon haben eine Fiedel: der in der Mitte und noch einer am Rand. Ein Musiker aus dieser Zeit hieß sogar „Reinmar der Fiedler“. Vielleicht kennst du Leute, die mit Nachnamen Fiedler heißen; einer ihrer Ur-ur-urur-…Großväter hat dann vielleicht auch Fiedel gespielt.

* [Kru:0 –]; keltische Leier der Barden; seit dem 6. Jh. gezupft, seit dem 11. Jh. gestrichen.


32

I Musik mit leeren Saiten · Gemischte Bogenlängen und Strichstellen

30 Die Insekten Wir sind auf einer großen Wiese. Auf einmal fliegt eine dicke Hummel vorbei. Sie kommt von Weitem, sodass wir sie erst ganz leise hören. Dann wird sie immer lauter und fliegt an u ­ nserer Nase vorbei. Hui, klingt sie da laut! Wenn sie dann vorbei ist und weiterfliegt, wird sie wieder leiser. – Aber da kommt schon die nächste Hummel!

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Nun willst du an einer schönen Blume riechen. Du gehst ganz nahe heran. Plötzlich summt es ganz laut: Eine Biene war an der Blume! Sie fliegt erschrocken auf, dreht eine Runde durch die Luft und wird leiser – bis sie wieder zurückkommt und wieder lauter wird. Sie will weiter g. B.an der leckeren Blume naschen!

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I Musik mit leeren Saiten · Gemischte Bogenlängen und Strichstellen

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Auf einmal merkst du, dass eine Mücke auf deiner Nase sitzt. Schnell verjagst du sie. Die Mücke fliegt mit lautem Surren weg und wird leiser. Aber gleich hörst du es schon wieder leise surren und immer lauter werden. Da sitzt sie schon wieder auf deiner Nase!

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M. bis Sp.

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Und nun kommt eine Wespe. Sie setzt sich g.inB.der Bogenmitte auf die Saite, sticht die Saite und fliegt pfeilschnell g. B. zur Spitze davon. Und nun kommt der Wespenstich auch im Aufstrich: Eine kurze Weile lang rührt sich nichts, die Wespe sitzt ruhig an der Spitze, dann sticht sie an der Spitze zu und der Bogen saust schnell zur Mitte.* Wenn du die Wespe gut spielen kannst, probiere auch noch, die Pause zwischen den Stichen immer kürzer werden zu lassen. Und noch eine Aufgabe: Kannst du in der Pause den Bogen vorsichtig und unhörbar auf eine andere Saite drehen, sodass die Wespe beim Aufstrich diese neue Saite sticht? Man kann auch ganze Lieder mit „gestochenem Strich“ spielen, zum Beispiel „Marsch“ (S. 49) oder „Eins, zwei, drei, vier, fünf“ (S. 74) – vielleicht fallen dir g. B. g. B. auch noch Lieder ein, wo das passen könnte …

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M. bis Sp.

Sp. bis M.

M. bis Sp.

Sp. bis M.

die Lehrerin/den Lehrer: An dieser Stelle kann das Martelé eingeführt werden.

..


34

Greifen IIII Greifen

1 Leere Saite und 1. Finger 1 Leere Saite und 1. Finger

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31 Alle mögen Cha-Cha-Cha (1) 31 Alle mögen Cha-Cha-Cha (1)

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Gesungen oder von der Lehrerin gespielt:

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Gesang/Lehrerin

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Gesang/Lehrerin

Gesang/Lehrerin

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Gesang/Lehrerin

Cha - Cha - Cha,

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ist toll!

32 Wir haben gesungen (2) Nun kannst du das Lied von Seite fast ganz auf deiner Geige spielen. Nun kannst du das Lied von Seite 11 fast ganz auf deiner Geige spielen.

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II Greifen · Leere Saite und 2. Finger

33 Aus der „Sonatine“ von Antonín Dvořák Antonín Dvořák (1841–1904) aus op.100 Einrichtung: M. D.

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Bei diesem Stück spielst du die Begleitung:

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13

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35

Audiotrack 35 enthält die originale Musik von Dvořák für Geige und Klavier.


62

II Greifen

8 Dritte Griffart 7 Zweite Griffart 83 Ein anderer Spaziergang mit Hund 72 Spaziergang mit Hund

Geschwister gehenDie wieder mit ihrem Hund Diesmal bleibt derkommen mittlere Bruder zu Hause. Geschwister gehen mitspazieren. ihrem Hund spazieren. Hier sie der Reihe nach aus ommen sie alle aus der Tür: die Älteste, die mittlere Schwester – das ist der 2. Finger –, dann der der Tür: die leere Saite als Tür, der 1. Finger als Älteste, der 2. als Hund, der 3. als 3. als und wieder der 4. als kleine Schwester. mittlerer Bruder und der 4. als kleine Schwester.

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Zupf die Töne und lass alle Finger liegen. Nun läuft der Hund freudig zwischen der die Töne und lassältesten die Finger liegen.und dem Bruder hin und her. Dein 2. Finger rutscht also abwechselnd Schwester äuft der Hund zwischen mittlerer und kleiner Schwester hin und her, zumabwechselnd 1. und wieder zurück zum 3. Finger. Dabei Finger rutscht also zum 4. und wieder zurück zumsollen 2. sich die anderen Finger nicht bewegen, die an Geschwister laufen Hund er bleiben die anderen Finger ihrem Platz und dem laufen nichtnicht demnach! Hund nach!

73 Fritz, der Hase

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Warum könnte Sabine Kummer haben? Hast du eine Idee?

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63

II Greifen · Zweite Griffart

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74 Der Himmel ist blau

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75 Petit Air 21

„Petit Air“ ist französisch und heißt „kleine Melodie“. Vielleicht fallen dir ja sogar Worte dazu ein …

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74

II Greifen · Dritte Griffart

93 Eins, zwei, drei, vier, fünf 25

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Eins, zwei, drei, vier, fünf,

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75

II Greifen

9 Tiefer 1. Finger 94 Noch ein Spaziergang mit Hund

8 Dritte Griffart

Noch einmal gehen die Geschwister mit ihrem Hund spazieren. 83bleibt Eindieanderer mit Diesmal Älteste zu Spaziergang Hause. Da kommen sie Hund auch schon aus der Tür: dermit 1. Finger Hund, dicht daran der 2. als mittlere Geschwister gehenzuerst wieder ihrem als Hund spazieren. Diesmal bleibt der mittlere Bruder zu Hause. ommen sie alle aus der Tür: dann die Älteste, diemittlerer mittlere Bruder Schwester das ist derder 2. 4. Finger Schwester, der 3. als und –schließlich als –, dann der 3. als und wieder der 4. als kleine Schwester. kleine Schwester.

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die Töne und lass alle Finger liegen. die Töne und lassZupf die Finger liegen. äuft der Hund zwischen mittlerer undzwischen kleiner Schwester hinSchwester und her, und dem Rinnstein hin und her. Nun läuft der Hund der mittleren Finger rutscht also abwechselnd zum 4. und wieder zurück zum 2. Der Rinnstein ist der Sattel, also der Anfang des Griffbretts. Der 1. Finger rutscht er bleiben die anderen Finger an ihrem Platz und laufen nicht dem Hund nach! immer abwechselnd herunter zum Sattel und wieder hoch zum 2. Finger.

95 Sonnenschein

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Son-nen-schein, das ist fein,

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Und man staunt: Gut ge - launt

A - ber schau, schon wirds grau!

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86

II Greifen · Quer durch die Griffarten und Chromatik

112 Sherlock Holmes 29

Du kannst auch die zweite Stimme probieren.

Misterioso pizz.

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113 Oh, wie langsam (2) Nun kannst du versuchen, die zweite Stimme von „Oh, wie langsam“ auf Seite 22 zu spielen.


87

III Musik erfinden 114 Die Unterhaltung Du kannst dich mit deinem Lehrer auf der Geige unterhalten. Nehmt dafür zuerst nur Töne von leeren Saiten. Einer von euch fängt an und spielt so viele Töne, wie er mag, und so schnell und so laut, wie er mag. Dann ist der andere dran und antwortet auf seiner Geige … Das „Gespräch“ geht eine Weile hin und her, bis einer so etwas wie „Auf Wiedersehen!“ spielt oder nicht mehr antwortet. Jetzt denkt sich jeder von euch aus, in welcher Stimmung er die Unterhaltung beginnen will. Hier sind ein paar Möglichkeiten: fröhlich albern ärgerlich nervös müde

ängstlich verträumt traurig wütend …

So fangt ihr das Geigen-Gespräch an. Dann darf sich bei jedem von euch die Stimmung ändern und ihr könnt in einer anderen Laune das „Gespräch“ beenden …

115 Die Bremer Stadtmusikanten Kennst du die Geschichte von den Bremer Stadtmusikanten? Erfinde doch einmal eine Musik für den Esel auf der Geige! Wie könnte es klingen, wenn der Esel mit klappernden Hufen läuft oder „I-A“ schreit? Und wie soll nun der Hund klingen? Jetzt kommt die Katze. Vielleicht kannst du schleichende Töne auf der Geige spielen, oder du spielst „Miau“ mit einem Finger, der auf dem Griffbrett hin- und herrutscht – oder du spielst etwas ganz anderes für die Katze? Und wie klingt dein Hahn? Wenn du alle Tiere gespielt hast, kannst du eine Musik für den dunklen, geheimnisvollen Wald erfinden! Danach kann es richtig laut und wild werden: Da entdecken die Tiere die Räuber, die in ihrem Haus feiern! Erst haben die Tiere Angst – wie könnte man das spielen? Dann haben sie eine Idee: Sie steigen aufeinander und schreien vor dem Fenster mit ihren verschiedenen Stimmen alle durcheinander. Das kann man doch gut auf der Geige spielen! Und schließlich laufen die Räuber voller Angst davon. Dafür fällt dir vielleicht auch Musik ein. Und zum Schluss sind die Tiere fröhlich und vergnügt. Mit einer lustigen Geigenmusik hört unser Märchen­konzert auf …


102

V Töne lesen und notieren

132 Töne auf der E-Saite

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Derdarauf, Bäckerdass wartet Der Bäcker wartet ungeduldig die ungeduldig Hefe „geht“darauf, dass die Hefe „geht“ Der Bäcker wartet ungeduldig darauf, dass die Hefe „geht“ der Hefe!“ Teig wächst. Er ruft: „Geh, Hefe!“ und der Teig wächst. Er ruft:und „Geh, und der Teig wächst. Er ruft: „Geh, Hefe!“

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ge e f he g e h Und wie klingt das?

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e f e e f e Und wie klingt das? Und wie klingt das?


103

V Töne lesen und notieren

133 Töne auf den drei oberen Saiten

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Schreibe entweder die Tonnamen unter die Noten oder die passenden Noten über die Namen.

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Auf der nächsten Seite geht es weiter.

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114

VI Haltungs- und Bewegungsspiele

147 Ja und Nein Du hältst den Bogen waagerecht vor dich in die Luft und legst die Spitze auf die linke Hand wie bei der Schranke von Nummer 145. So kannst du die Finger deiner rechten Hand richtig gut entspannen. Dein Lehrer oder deine Mutter stellt dir nun Fragen, die man mit Ja und Nein beantworten kann, zum Beispiel: „Schneit es heute?“, oder: „Magst du gern Fisch?“ Willst du mit Ja antworten, dann nickt deine rechte Hand, das heißt, sie klappt nach unten und oben wie beim Winken. Willst du Nein sagen, dann schüttelt deine rechte Hand den Kopf, das heißt, sie bewegt sich im Handgelenk leicht nach links und rechts.

148 Die Bogenkarten Auf der vorletzten Seite des Heftes findest du sechs Karten, die du ausschneiden kannst! Dreh die Karten um, misch sie und zieh dir eine Karte. Dann machst du, was auf der Karte ist: den großen Scheibenwischer; das Frauchen, das auf die Uhr schaut; das Auto im Tunnel; die Schranke; den kleinen Scheibenwischer oder die Katzenkrallen. Dann kannst du die nächste Karte ziehen. Wenn du die Karten nicht ausschneiden möchtest, kannst du auch auf jede Karte eine Zahl schreiben: von eins bis sechs. Dann kannst du immer eine Karte auswürfeln … 30

– 40

149 Der Bogentanz

Du nimmst den Bogen mit schöner Bogenhaltung in die Hand. Dann hörst du Musik – zum Beispiel die Audiotracks 30 bis 40. Jetzt kannst du mit dem Bogen in der Hand zu der Musik tanzen. Wenn du den Bogen dabei gefühlvoll in der Luft bewegst, sieht es bestimmt besonders schön aus! Zwischendurch tut deine Lehrerin (oder dein Vater oder sonst jemand) so, als würde sie dich fotografieren. Dann wirst du ganz schnell das Foto und bleibst so stehen, wie du gerade bist! Ob der Bogen noch schön in deiner Hand liegt? Kennst du die Geschichte von Gullivers Reisen? In Audiotrack 32 ist Gulliver im Zwergenland bei einem Zwergen­ tanz dabei.

150 Die Antenne Lege den Bogen dicht am Frosch auf die G-Saite und stelle dir vor, er wäre dort beweglich festgemacht. Nun bewegst du den Frosch nach vorne und hinten ohne dass sich der Bogen auf der Saite verschiebt. Die Bogenstange bewegt sich dann wie die Antenne von einem Koffer-Radio. Wenn du den Frosch nach vorne zur Schnecke hin führst, bewegt sich die Bogenspitze nach hinten, auf deine linke Schulter zu. Führst du den Frosch zu dir heran, bewegt sich die Spitze nach vorne, von dir weg. Schließlich bleibt die Antenne s­ tehen. Der Bogen steht jetzt so, dass du ganz gerade streichen könntest. Na, was meint dein Lehrer oder deine Mutter? Jetzt haben wir guten Empfang! Dasselbe geht auch, wenn du die Bogenmitte oder die Bogenspitze auf die Saite legst, dann bewegt sich die Antenne ein bisschen anders. Probier mal! Und such wieder guten Empfang! Der ist immer da, wo du ganz gerade streichen könntest.


115

Hinweise für Lehrerinnen und Lehrer Das vorliegende Heft enthält nach didaktischen Gesichtspunkten gegliedertes und innerhalb der einzelnen Kapitel in ansteigendem Schwierigkeitsgrad angeordnetes Material für die erste Zeit des Violinunterrichts im Vorschul- und Grundschulalter. Wer es in der Art einer Geigenschule als Leitfaden für den Unterricht verwenden möchte, sollte zur Ergänzung Spielliteratur aus verschiedenen Stilbereichen hinzuziehen. Seinen eigentlichen Zweck erfüllt das Heft als Materialsammlung, die zusätzlich zu jeglichem Schulwerk eingesetzt werden kann. Doch auch wer es vorzieht, die Anfangszeit ohne eine Geigenschule frei zu gestalten, wird hier Material für den Unterricht finden. Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass Kinder einen Lernschritt oftmals nicht auf einmal und ein für allemal gehen, sondern dass es eine gewisse Zeit lang der Übung, der Festigung und der Verfeinerung bedarf, bevor Aufgaben wie Haltung, Strich, Griffstellungen, Rhythmen und Notation mehr oder weniger bewältigt sind. Diese Zeit ist zudem von Kind zu Kind unterschiedlich lang. Schließlich tauchen gelöst geglaubte Probleme manchmal nach einiger Zeit von Neuem auf, wenn etwa Haltungsfehler sich langsam und unmerklich einschleichen, das Körperwachstum noch einmal ein neues Erfühlen der Streichbewegung erforderlich macht, die Symbolsprache der Notation in Vergessenheit gerät oder eine neue Griffart die Sicherheit der bereits eingeführten Griff­a rt(en) beeinträchtigt. Für alle diese Fälle kann eine Geigenschule häufig nicht genügend Material anbieten. Groß ist dann die Gefahr des Weitergehens in der Reihenfolge der Schule und des „Abhakens“ von Stücken, die die Kinder zwar nach einiger Zeit „über“-haben, deren Problematik sie aber nichtsdestoweniger ungelöst weiter mit sich herum­tragen. An Stücken, die neue Lernschritte verlangen, sind die alten Schwierigkeiten nur schwer zu lösen. Das Material dieses Heftes kann zunächst zum Erlernen der jeweils angezielten Schritte verwendet werden. Daneben aber können die Stücke eines Kapitels die Kinder einen längeren Zeitraum hindurch begleiten, während gleichzeitig mög­licherweise schon neue Probleme behandelt werden. Gerade Stücke, die keine neuen Probleme aufwerfen, können dazu beitragen, dass die entsprechenden Lernschritte „in Fleisch und Blut“ übergehen und das Spiel geschmeidig wird. Das Heft folgt dabei dem Grundgedanken, dass solches Material zum Singen und Musizieren anregen und die Kinder textlich und musikalisch ansprechen sollte. Für einen lebendigen Umgang mit den Spielstücken sind besonders die „Spiel­regeln“ (Seite 10) zu beachten. Wo die zweite Stimme ebenfalls von den Kindern gespielt werden kann, ist dies ausdrücklich vermerkt. Einige Male wird an geeigneter Stelle darauf verwiesen, dass nun die zweite Stimme eines früher im Heft stehenden Liedes gespielt werden kann.

Sollten nicht weiter erklärte musikalische Zeichen oder Begriffe nicht bereits bekannt sein – etwa durch die pa­rallel verwendete Violinschule –, so sind die entsprechenden Erläuterungen in die Hände der Lehrkraft gelegt. Besonders für die Arbeit mit Vorschulkindern und Schulanfängern bietet das Heft auch die Möglichkeit, Stücke mit einem Textbezug zu Jahreszeiten und Festen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden im Unterricht einzusetzen. Das thema­tische Verzeichnis auf Seite 118 dient zum schnellen Auf­f inden solcher Lieder. Einige Lieder können sich speziell im Gruppenunterricht als fruchtbar erweisen: Das „Begrüßungslied“ und „Wir haben gesungen“, auch „Was wir alles brauchen“, bieten sich als Anfangs- beziehungsweise Schlussritual an. „Lieber Bäcker“ reizt zum szenischen Spiel mit wechselnder Rollenüber­nahme. Hat ein Kind aus der Gruppe Geburtstag, spielen die anderen eines der Geburtstagslieder (8, 47, 76) als Ständ­c hen. Im Rhythmuskapitel, im Abschnitt „Musik erfinden“ und bei den Kanons wird man ebenfalls fündig – selbstverständlich auch dort, wo Texthinweise die Kinder auch zum Spiel der zweiten Stimme auffordern. Zu den Stücken, die sich im thematischen Verzeichnis unter der Rubrik „Tanz-Musik“ finden, kann ein Teil der Gruppe tatsächlich frei tanzen, während die Musik von den anderen Kindern ­beziehungsweise der Lehrperson gespielt wird. In jedem Kapitel dieses Heftes sind Übungen und Spielstücke zu einem bestimmten Bereich gebündelt. Die Haltungs- und Bewegungsspiele stehen zwar gesondert am Ende des Heftes, sind aber naturgemäß besonders zu Beginn des Unterrichts von Bedeutung. Eine ganze Zeit lang können sie als fester Bestandteil den Unterricht und das häusliche Spielen der Kinder durchziehen. Später können sie immer wieder herangezogen werden, um bestimmte Dinge ins Gedächtnis – besser: ins Gefühl – zurückzuholen. Einzel­übungen sind dabei zu kleinen Spiel- und Bewegungs­sequenzen verbunden, die die Kinder entlang des jeweiligen Vorstellungsbildes auswendig und ohne Unterbrechung ausführen sollten. Die „Bogenkarten“ und auch einige Aufgaben bei dem Lied „Was wir alles brauchen“ orientieren sich an den Urstudien für den rechten Arm von Carl Flesch und versuchen dessen Grundgedanken für Kinder fruchtbar zu machen. Der Abschnitt „Musik mit leeren Saiten“ fokussiert das Spiel an verschiedenen Bogenstellen ebenso wie er bereits das Phrasieren und das rhythmische Musizieren fördert und durch den Text stützt. Die Übungen unter der Überschrift „Die Insekten“ verhelfen in besonderer Weise zu einem Gefühl für den Kontakt des Bogens zur Saite, thematisieren Crescendo und Decrescendo und bieten die Möglichkeit, zu gegebener Zeit das Martelé einzuführen.


120

Inhalt der MP3-Ordner Ordner „Stimmen und Spielen“

Ordner „Im Konzert“

1–4 Stimmtöne 1 a' 00:47

㉚–㊵

(Zahlen in Klammern bezeichnen die Nummern im Heft, auf die sich die Titel jeweils inhaltlich beziehen.)

2 d' 00:49 3 g 00:49 4 e'' 00:48

Mitspielen (jeweils erste Stimme, zweite Stimme, zweistimmige Fassung; Zahlen in Klammern beziehen sich auf die Nummerierung im Heft.)

6 So wie einen schweren Sack (11) 7 Schaukeltanz (21)

8 Kling, klang, Weihnachtsglöckchen (23) 9 Lied von der Osterglocke (35) ⓾ Wanderlied (41)

⓫ Der Herbst kommt (45)

⓬ Mäuschen wollt spazieren gehn (46) ⓭ Im Zirkus (51)

⓮ Der musikalische Hund (54)

⓯ Wenn der kleine Pinguin (55) ⓰ Weihnachtsstern (60)

⓱ Eine kleine Geige (65)

⓲ Der Butzemann heckt Streiche aus (68) ⓳ Wilder Tanz (69)

⓴ Fritz, der Hase (73) ㉑ Petit Air (75)

㉒ Wenn der kleine Fabian (77) ㉓ Frisch (90)

㉔ Heißa, tralala (92)

㉕ Eins, zwei, drei, vier, fünf (93) ㉖ Zwei kleine Sterne (100) ㉗ Tief im Urwald (107)

㉘ Aoaoa samma ya (109)

㉙ Sherlock Holmes (112)

Galliard Battaglia zu fünf Stimmen aus „Ludi musici“ (1, 124, 149)

㉛–㉝ Georg Philipp Telemann (1681–1767)

5–㉙ Lieder und Musikstücke zum Anhören und

5 Geburtstag (8)

㉚ Samuel Scheidt (1587–1654)

01:24 01:29 01:59 00:51 01:24 00:57 01:06 00:48 01:27 02:00 01:21 02:07 01:36 01:29 00:54 01:06 02:16 01:38 01:22 02:04 01:02 01:36 02:07

03:50

Gulliver-Suite für zwei Violinen aus „Der getreue Music-Meister“

㉛ Intrada. Spirituoso (124, 128, 149) ㉜ Lilliputsche Chaconne (124, 149)

㉝ Reverie der Laputier, nebst ihren Aufweckern.

Andante (119, 124, 149)

㉞ Joseph Haydn (1732–1809)

01:23 00:32 02:20

Sonate für Klavier und Violine A-Dur Hob. XVI: 26 3. Satz: Finale. Presto (110, 124, 149)

00:46

Sonatine für Klavier und Violine op. 100 2. Satz: Larghetto (33/50, 124, 149)

04:40

Sonate für Violine und Klavier 4. Satz: Adagio (119, 124, 149)

05:14

㉟ Antonín Dvořák (1841–1904) ㊱ Leoš Janáček (1854–1928) ㊲ Jörg Nonnweiler (*1959)

Kreuzweg. Die 14 Stationen 13. Satz: „Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt“ für Violine, Vibraphon und Orgel (30, 124, 149) 03:37

㊳ Abe Schwartz (1881–1963)

Di grine kusine (trad.) Arrangement für zwei Violinen: Michael Dartsch (28, 149) 01:58

㊴ Michael Villmow (*1956)

Froland-Shuffle für Saxophon, Gitarre, Violine und Kontrabass (118, 149)

㊵ Christine Kandert (*1966) Indian River für Streicher, Keyboard und Percussion Streicherarrangement: Christian Schnarr (127, 149)

03:30

05:54

00:49 01:15

Gesamtspielzeit 73:11


121

Ausführende

1–㉙ Lea Kottner u. Michael Dartsch, Violine

㉚ Institut für Alte Musik der Hochschule für Musik Saar (Barockstreicher, Blockflöten, Renaissance-Posaunen, Percussion, Cembalo; Leitung: Wolfram Koch und Michael Dartsch (Konzertmeister)

㉛–㉝ Barbara Mauch-Heinke u. Michael Dartsch, Violine

㉞–㊱ Michael Dartsch, Violine; Monika Tschurl, Klavier ㊲ Michael Dartsch, Violine; Birgit Ibelshäuser, Vibraphon; Jörg Abbing, Orgel

㊳ Michael Dartsch u. Lea Kottner, Violine ㊴ The Art of Jazz:

Michael Villmow, Saxophon; Hanno Busch, Gitarre; Henning Gailing, Kontrabass; Michael Dartsch, Violine a. G.

㊵ Helmut Kandert, Percussion; Christine Kandert, Keyboard; Michael Dartsch u. Sabine Hohndorf, Violine; Heilswint Hausmann, Viola; Bernd-Martin Müller, Violoncello Aufnahmen

1–㉙ und ㊳ Hochschule für Musik Saar, 22. März 2003, Peter Herbertz

㉚ Schlosskirche Saarbrücken, 13. Januar 2002,

Andreas Hoffmann (Hochschule für Musik Saar) (Konzertmitschnitt)

㉛–㉝ Schlosskirche Saarbrücken, 15. Juli 1998,

Hans-Jürgen Adams (Hochschule für Musik Saar) (Konzertmitschnitt)

㉞ Telos Music, Mechernich-Floisdorf, 5. Oktober 2003,

Joachim Krist, Manfred Dahlhaus; Telos-CD TLS 071

㉟, ㊱ Harmónia Produktion HCD-174, Budapest,

30. Juli 2001, Györ, Szabolcs Kapui, Szabolcs Süveges

㊲ Schlosskirche Saarbrücken, 23. Februar 2002, Peter Herbertz (Hochschule für Musik Saar) (Konzertmitschnitt, nachbearbeitet)

㊴ Hochschule für Musik Saar, 21. Mai 2003, Peter Herbertz (Konzertmitschnitt, gekürzt)

㊵ Helmut und Christine Kandert, 2001

Copyrights

1–㉙ © ℗ Breitkopf & Härtel ㉞ ℗ Telos Music, Mechernich Floisdorf; Joachim Krist/

Manfred Dahlhaus, 2003 aus der CD „Joseph Haydn: 5 Sonaten für Violine und Klavier“, TLS 071

㊱ © Universal Edition, Wien ㊲ © Jörg Nonnweiler 1997

㊳ © Abe Schwartz (1881–1963)/Michael Dartsch 2003 ㊴ © Michael Villmow 1999

㊵ ℗ Helmut und Christine Kandert, © Christine Kandert/Christian Schnarr 2001; aus CD „Joyfull Mallets“, Anker Vertrieb (ISBN 3-7675-0648-3) Schnitt und Premastering: Peter Herbertz, Saarbrücken


Heft 1 Streichen, Greifen, Spielen – die ersten Schritte

Der Geigenkasten (Heft 1) wurde 2005 mit dem Deutschen Musikeditionspreis ausgezeichnet.

Michael Dartsch (*1964) arbeitete bereits während seines Studiums (Allgemeine Musikerziehung, Instrumentalpädagogik, Violine und Diplompädagogik) zunächst an verschiedenen Musikschulen sowie u. a. als Violindozent an der Universität zu Köln. Er promovierte in Pädagogik und bekleidet seit 1996 eine Professur für Musikpädagogik in Saarbrücken. Dort ist er Prodekan für die künstlerisch-pädagogischen Studiengänge und vertritt auch die Elementare Musikpädagogik. 2005 erhielt er den Landespreis für Hochschullehre des Saarlandes. Seit 2018 ist er Sprecher des Arbeitskreises Elementare Musikpädagogik Deutschland (AEMP). Zu seinen Veröffentlichungen bei Breitkopf & Härtel gehören die Bücher Mensch, Musik und Bildung (BV 388), Musik lernen – Musik unterrichten (BV 399) und Didaktik künstlerischen Musizierens (BV 454). Seine Konzerttätigkeit umfasst auch Projekte mit zeitgenössischen Komponisten, die Teilnahme an Festivals als Geiger und Barockgeiger, Aufnahmen für Rundfunk und Tonträger sowie die Konzeption und Moderation von Konzerten für Kinder. 9

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Heft 3 (EB 8773) schließlich führt in die Stile vom Frühbarock bis zur Gegenwart ein und erweitert die Technik mit Laufwerk, Doppelgriffen und hohen Lagen in Richtung eines virtuoseren Spiels.

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Heft 2 (EB 8772) beschäftigt sich – wiederum mittels kurzer zweistimmiger Musizier-Stücke – mit dem Lagenspiel (Lagenwechsel, zweite, dritte, vierte und halbe Lage), dem Vibrato und dem Spiccato. Zum Lagenwechsel, einem der zentralen Themen der Streicherpädagogik, enthält der Band ein vertiefendes LagenFitnessprogramm zum Herausnehmen.

Materialien für den Violinunterricht Heft 1 Streichen, Greifen, Spielen – die ersten Schritte

Foto: HfM Sa

Die einzelnen Abschnitte widmen sich den Themen • Haltungs- und Bewegungsspiele • Musik mit leeren Saiten und Grundlagen der Bogentechnik (in der Mitte, am Frosch, an der Spitze und an wechselnden Bogenstellen) • Greifen in der ersten, zweiten und dritten Griffart sowie mit tiefem ersten Finger • Verbindung der Griffarten und Chromatik • Rhythmen spielen, lesen, notieren • Töne lesen und notieren sowie • im Kapitel „Musik erfinden“ der Improvisation. Fast immer gibt es zweite Stimmen zum gemeinsamen Musizieren und Texte zum Singen. Auf diese Weise stellt das Heft Lieder und Violinstücke zu verschiedenen Anlässen und zum Jahreskreis bereit. Zwischendurch ist Wissenswertes zur Geige eingestreut. Ergänzend stehen zwei Ordner mit Audiotracks im MP3-Format auf www.breitkopf.com zum Download bereit. Der erste, „Stimmen und Spielen“, enthält die Töne der leeren Saiten zum häuslichen Einstimmen sowie 25 Lieder aus dem Heft zum Anhören und Mitspielen. Der zweite Ordner, „Im Konzert“, enthält eine Auswahl an Violinmusik verschiedenster Stilbereiche. Dabei gibt es vielerlei thematische Bezüge zu Stücken des Heftes zu entdecken.

Michael Dartsch

Dartsch | Der Geigenkasten | Heft 1

Der Geigenkasten bietet eine Fülle vielfältigster Materialien für den Violinunterricht. Er lässt sich als didaktischer Fundus zusätzlich zu jeder Geigenschule einsetzen, eignet sich aber auf Grund des ansteigenden Schwierigkeitsgrades innerhalb der Kapitel auch als Leitfaden für den Unterricht in der Art einer Violinschule.

790004 181867

ISMN 979-0-004-18186-7

www.breitkopf.com

9 790004 181867 C 20

EB 8771

Edition Breitkopf 8771 Edition Breitkopf 8772


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EB 8771 – Dartsch, Der Geigenkasten Heft 1 by Breitkopf & Härtel - Issuu