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EB 8748 – Russische Klaviermusik

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Leseprobe

Cui, César (1835–1918)

Biographien

Als Sohn eines französischen Vaters und einer litauischen Mutter wurde Cui in Vilnius (Wilna) geboren Vom 15 Lebensjahr an lebte er in St Petersburg, wo er neben Balakirew zur zentralen Figur des sog „Mächtigen Häufleins“ wurde Im Hauptberuf war Cui ein sehr erfolgreicher Ingenieur für Befestigungswesen In diesem Fach veröffentlichte er wissenschaftliche Arbeiten und wurde schließlich zum Professor an der Petersburger Militärakademie ernannt In seinem kompositorischen Schaffen nehmen Opern einen wichtigen Platz ein Darüber hinaus schrieb er sinfonische Musik, Kammermusik, Klavierminiaturen sowie Lieder und Opern für Kinder Das in seiner Musik zutage tretende Gefühl für ausgewogene Proportionen und eine besondere Grazie verweisen auf die Verbundenheit mit französischer Kultur Cui war auch als Kritiker und Musikschriftsteller tätig

Gawrilin, Walerij (1939–1999)

Gawrilin beschäftigte sich seit seiner Studienzeit am Petersburger Konservatorium intensiv mit der russischen Folklore, deren Gattungen und rhythmisch-melodische Besonderheiten er in vielen seiner Werke aufgegriffen hat Darüber hinaus nimmt die Vokalmusik einen zentralen Platz in seinem Schaffen ein (Kantaten, Oratorien, Lieder über Texte von Heine, Zwetajewa, Jessenin und über russische Volkspoesie) Zwei Hefte mit Klavierstücken erschienen 1968 und 1970

Glasunow, Alexander (1865–1936)

Glasunow wurde in St Petersburg geboren und kam dort frühzeitig mit den Komponisten des „Mächtigen Häufleins“ um Balakirew in Kontakt Besonders freundschaftlich war er Nikolaj Rimskij-Korsakow verbunden, der ihm auch Unterricht in Harmonielehre, Kontrapunkt und Formenlehre erteilte Nachdem Glasunow einige Zeit als freischaffender Komponist und Dirigent tätig gewesen war, erhielt er 1899 eine Professur am Petersburger Konservatorium, dessen Direktor er von 1905 bis 1928 wurde Sein bekanntester Schüler war Schostakowitsch In der Nachfolgegeneration des „Mächtigen Häufleins“ stand nicht mehr die Oper, sondern die Instrumentalmusik im Mittelpunkt des kompositorischen Schaffens So auch bei Glasunow, der bereits mit sechzehn Jahren seine erste Sinfonie veröffentlichte und außerdem eine Reihe wichtiger Ballette schuf Unter seinen Klavierwerken sind neben den traditionellen lyrischen und tänzerischen Miniaturen auch größere Formen und Konzertliteratur vertreten (Konzertetüden, Sonaten, Variationen, Präludien und Fugen, Klavierkonzerte)

Glinka, Michail (1804–1857)

Glinka wurde mit seinen Opern „Ein Leben für den Zaren“ und „Ruslan und Ljudmila“ zum Begründer der russischen Nationaloper Sein Lebensweg ist aber auch geprägt von star-

kem Interesse an der Musik anderer Völker Glinka bereiste den Kaukasus, Italien, Frankreich, Österreich, Spanien, Polen und Deutschland In Berlin nahm er Harmonielehre- und Kontrapunktunterricht bei Siegfried Dehn, zuletzt sogar noch einmal 1856/57 unmittelbar vor seinem Tod Glinka hinterließ etwa 50 Klavierwerke, darunter auch vierhändige, sowie Kammermusik mit Klavier Unter den Solowerken dominieren Variationen, lyrische Stücke (Nocturnes) und diverse Tänze, Glinka komponierte aber auch Fugen Obwohl selbst nicht öffentlich konzertierend, war Glinka nach den Aussagen von Zeitgenossen ein sehr guter Pianist, bei dem man das „Vorhandensein hölzerner Tasten“ vergessen konnte Er war von der Schule Clementis beeinflusst Dessen Schüler John Field arbeitete in Russland und gab Glinka einige Stunden, bevor sein Schüler Charles Meyer den Unterricht weiterführte Glinka hatte im Laufe seines Lebens viele berühmte Pianisten erlebt (Hummel, Liszt, Mendelssohn u a ) Ein besonderes Lob aus seinem Munde waren Klarheit und Deutlichkeit, die auch für seinen eigenen Klavierstil charakteristisch sind

Gubajdulina, Sofija (geb. 1931)

Sofija Gubajdulina studierte an den Konservatorien von Kasan und Moskau Klavier (u a bei Grigorij Kogan) und Komposition (bei Nikolaj Peiko und Wissarion Schebalin) Seitdem lebt sie als freischaffende Komponistin, inzwischen mit Wohnsitz in Deutschland Ihre Werke wurden mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet und gehören den unterschiedlichsten Gattungen an (Sinfonien, Kammermusik, darunter mehrere Streichquartette und verschiedene Besetzungen mit Klavier sowie reine Klaviermusik und Klavierkonzerte) Das „Musikalische Spielzeug“ („Musical Toys“) entstand 1969 für ihre Tochter Darin mischen sich Einflüsse aus der russischen Volksmusik mit zeitgenössischen Ausdrucksformen

Kabalewskij, Dmitrij (1904 –1987)

Kabalewskij wurde in St Petersburg geboren und studierte am Moskauer Konservatorium Klavier (bei Goldenweiser) und Komposition (bei Mjaskowskij) Später wurde er am selben Institut Dozent, dann Professor für Komposition und war darüber hinaus in verantwortlichen Positionen beim sowjetischen Rundfunk, an der Moskauer Akademie der Wissenschaften und im Verlag der Zeitschrift „Sowetskaja muzyka“ („Sowjetische Musik“) tätig Von seinem umfangreichen kompositorischen Œuvre, das alle wichtigen Gattungen umfasst, haben vor allem die Klavier werke für Kinder internationale Bedeutung erlangt Eigene Unterrichtserfahrungen Kabalewskijs an einer Musikschule gaben den Anstoß für diesen Bereich seines Schaffens Die häufige Benutzung von Volksliedmaterial, die Eingängigkeit der musikalischen Sprache und die Vermitt lung virtuoser Spielelemente auf relativ geringem Schwierig keitsniveau haben die Stücke zu überaus beliebter Unterrichtsliteratur werden lassen Die „30 Kinderstücke“ op 27 entstanden 1937/38

Kossenko, Viktor (1896 –1938)

Kossenko wurde in St Petersburg geboren, wo er auch seine Ausbildung als Komponist und Pianist erhielt Später wirkte er sowohl als Konzertpianist wie auch als Pädagoge (u a am Konservatorium in Kiew) Unter seinen Kompositionen spielen vor allem Kammermusik, Lieder und Klavierwerke eine Rolle Seine 24 Kinderstücke für Klavier entstanden 1936

Ljadow, Anatolij (1855–1914)

Ljadow stammte aus einer Petersburger Musikerfamilie Zusammen mit Glasunow gehörte er zur Nachfolgegeneration des „Mächtigen Häufleins“ Mit Glasunow verbinden ihn der gemeinsame Lehrer Rimskij-Korsakow und der kompositorische Schwerpunkt auf der Instrumentalmusik (Klaviermusik bzw sinfonischen Musik) Im Gegensatz zu Glasunow war er allerdings mehr an den kleinen Formen interessiert Seine Musik ist selten dramatisch, eher emotional zurückhaltend Ljadows ausführliche Beschäftigung mit russischer Volksmusik (er hat u a 200 Lieder mit einer Klavierbegleitung versehen) findet in der Klaviermusik ihren Niederschlag weniger durch Zitate als durch die Verwendung von typischen melodisch-harmonischen und satztechnischen Besonderheiten der Volksmusik Sein Klaviersatz zeichnet sich durch Klarheit und Transparenz aus und erfordert stets eine subtile Pedalisierung Ljadow war auch ein anerkannter Pädagoge Zu seinen Schülern gehörten Mjaskowskij, Prokofjew, Assafjew, Gnessin

Majkapar, Samuil (1867–1938)

Majkapar war ein vielseitiger Musiker: Konzertpianist, Komponist, Pädagoge und Autor verschiedener Bücher und Schriften (u a einer interessanten Autobiographie) Er studierte in St Petersburg Jura und Musik, zwischen 1893 und 1898 nahm er außerdem regelmäßig Klavierunterricht in Wien bei Theodor Leschetizky In den folgenden Jahren begann er zu konzertieren, zu komponieren und zu unterrichten, wobei er einige Jahre in Deutschland lebte Von dort verpflichtete ihn Glasunow 1910 als Lehrer ans Petersburger Konservatorium, wo er ab 1915 eine Professur für Klavier innehatte 1927 spielte er zum 100 Todestag Beethovens in St Petersburg einen siebenteiligen Konzertzyklus mit dessen 32 Klaviersonaten Seit seiner Lehrtätigkeit an einer Musikschule 1901–1903 komponierte Majkapar Musik für Kinder, die bis heute im Klavierunterricht an russischen Musikschulen außerordentlich populär geblieben ist Die „Kleinen Novelletten“ op 8, denen die Fughette entnommen ist, gehören zu den ersten dieser Werke

Mussorgskij, Modest (1839–1881)

Mussorgskij wurde auf dem Gut seiner Eltern in der Nähe von Pskow geboren, wo er frühzeitig mit der bäuerlichen Volksmusik in Kontakt kam und auch ersten Klavierunterricht erhielt Später begann er eine militärische Laufbahn, die er aber 1858 zugunsten der Musik aufgab Auch wenn Mussorgskij mit den „Bildern einer Ausstellung“ eines der wichtigsten russischen Klavierwerke des 19 Jahrhunderts geschaffen hat, standen im Mittelpunkt seines Schaffens – wie bei den anderen Repräsen-

tanten des „Mächtigen Häufleins“ – Oper und Vokalmusik Er selbst war im Übrigen auch ein sehr guter Liedbegleiter Einige Besonderheiten seiner an der Deklamation der alltäglichen Sprache orientierten Melodik kann man sogar in den reinen Instrumentalwerken wiederfinden

Von 1863 an zwangen finanzielle Probleme Mussorgskij zu einer ungeliebten Beamtentätigkeit Die daraus resultierende doppelte Belastung untergrub wahrscheinlich seine Gesundheit und trug damit zum frühen Tod im Alter von 42 Jahren bei

Mylnikow, Alexej (geb. 1955)

Mylnikow wurde in St Petersburg geboren und absolvierte am dortigen Konservatorium ein Kompositionsstudium Seine Werke, die den unterschiedlichsten Gattungen angehören (sinfonischer Musik, Oper, Kammermusik, Vokal- und Klaviermusik), verbindet das Interesse an kontrapunktischen Formen Im Jahr 2000 erschien von ihm in Moskau eine ca 100 Stücke umfassende Klavierschule mit dem Titel „Die Geburt eines Spielzeugs“

Rimskij-Korsakow, Nikolaj (1844 –1908)

Rimskij-Korsakow, der oftmals als das „Gewissen der russischen Musik“ seiner Zeit bezeichnet wird, gehörte zusammen mit den Komponisten Balakirew, Borodin, Cui und Mussorgskij zum sog „Mächtigen Häuflein“ in St Petersburg Wie die meisten seiner Kollegen aus dieser Gruppe war er zunächst im Hauptberuf nicht Musiker, sondern diente bei der Marine Diesen Dienst quittierte er 1873, nachdem er bereits zwei Jahre zuvor Professor am Petersburger Konservatorium geworden war Neben seiner umfangreichen kompositorischen Tätigkeit wirkte er als Dirigent, Musikkritiker, hochgeschätzter Pädagoge (von über 200 Schülern) und Verfasser wichtiger Lehrbücher über Harmonielehre und Instrumentation sowie einer „Chronik meines musikalischen Lebens“ In seiner Musik bezieht sich Rimskij-Korsakow häufig auf die russische Volksmusik und Musik anderer Völker Darüber hinaus ist eines der hervorstechenden Merkmale seiner Musik eine außergewöhnliche Farbigkeit, die auf meisterhafter Instrumentation und differenzierter Harmonik beruht Unter seinen Kompositionen nehmen 15 Opern vor den sinfonischen Werken und der Vokalmusik den wichtigsten Platz ein Die Klavierstücke waren für Rimskij-Korsakow häufig ein Arbeitsfeld zur Verbesserung seiner kompositorischen und pianistischen Technik Fugen unterschiedlichster Art (auch über Volksliedthemen) sind dabei sehr zahlreich vertreten Außerdem hat er neben Variationen und Miniaturen ein nicht unbedeutendes Klavierkonzert geschrieben

Rubinstein, Anton (1829–1894)

Anton Rubinstein gilt als einer der größten Virtuosen, die die Geschichte des Klavierspiels kennt Darüber hinaus war er ein erfolgreicher Dirigent, Musikschriftsteller, Pädagoge und Komponist Sein enorm umfangreicher kompositorischer Nachlass enthält einige für die russische Musikgeschichte bedeutende Werke Mit der Gründung und zeitweiligen Leitung des ersten russischen Konservatoriums in St Petersburg im Jahre 1862

legte Anton Rubinstein den Grundstein für die professionelle Musikausbildung in Russland (1866 folgte sein Bruder Nikolaj mit der Gründung des Moskauer Konservatoriums) Internationalen Ruhm erlangten die sog Historischen Konzerte Rubinsteins, die er in den achtziger Jahren in verschiedenen europäischen Großstädten spielte und in denen er einen Überblick über die Geschichte der Klavierliteratur gab

Schostakowitsch, Dmitrij (1906 –1975)

Schostakowitsch wurde in St Petersburg geboren und studierte am Konservatorium seiner Heimatstadt Klavier (u a bei Leonid Nikolajew) und Komposition (u a bei Maximilian Steinberg) Dass er ein hervorragender Pianist war, zeigen die Aufnahmen, die er von eigenen Werken eingespielt hat 1927 erhielt er ein Diplom beim Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau Er konzertierte und verdiente eine Zeit lang als Begleiter in einem Stummfilmkino seinen Lebensunterhalt Bei aller Vertrautheit mit dem Klavier offenbaren Schostakowitschs Klavierwerke eine Denkweise, die nicht vom virtuosen Klavierstil ausgeht, sondern von einem polyphon-kammermusikalischen bzw orchestral instrumentierten Satz

Schostakowitschs Biographie ist in hohem Maße von der politischen Entwicklung des sowjetischen Staates und seiner Kulturpolitik geprägt worden Öffentliche Kritik in der Presse an seinen Werken, die Suspendierung von allen Lehrverpflichtungen am Konservatorium und der Ausschluss aus dem Komponistenverband wechselten ab mit hohen staatlichen Preisen und Ehrungen Das Wissen um die ständige Bedrohung seiner Lebens- und Arbeitsbedingungen durch unberechenbare äußere Umstände hat möglicherweise auch seine Musik beeinflusst Sie wirkt oft angespannt, ist vielschichtig bis hin zur Mehrdeutigkeit und wechselt zwischen tiefer Nachdenklichkeit, leidenschaft lichem Aufbegehren und bitterer Parodie

Schtschedrin, Rodion (geb. 1932)

Schtschedrin stammt aus Moskau und erhielt dort seine Ausbildung an der Chorschule von Alexander Sweschnikow sowie am Konservatorium, wo er Klavier (bei Jakow Flier) und Komposition (bei Jurij Schaporin) studierte Er unterrichtete einige Jahre am Moskauer Konservatorium und ist seitdem freischaffender Komponist Neben Opern, Balletten (seine Frau Maja Plissezkaja ist die Primaballerina des Bolschoj-Theaters), Sinfonien, Chor- und Kammermusik nehmen die Klavierwerke einen wichtigen Platz in seinem Schaffen ein Sehr bekannt wurden seine „Humoreske“, „Im Stil von Albéniz“ und „Basso ostinato“, hervorzuheben sind aber auch seine großen polyphonen Zyklen (24 Präludien und Fugen, Polyphones Heft: 25 Präludien) und drei Klavierkonzerte Schtschedrin ist ein ausgezeichneter Interpret seiner eigenen Werke, die er häufig öffentlich spielt und auch aufgenommen hat

Skrjabin, Alexander (1872–1915)

Der Sohn eines Diplomaten und einer Pianistin stammt aus Moskau, wo er – unterbrochen nur von wenigen Jahren Aufenthalt in Italien, Frankreich und der Schweiz – Zeit seines

Lebens wohnte Er studierte Klavier und Komposition am Moskauer Konservatorium, teilweise bei denselben Lehrern wie sein um zwei Jahre jüngerer Kollege Sergej Rachmaninow (Tanejew, Arenskij, Swerew) Einige Jahre unterrichtete er auch dort Ähnlich wie Chopin komponierte Skrjabin zunächst fast ausschließlich Klaviermusik (kleine Formen wie Präludien, Nocturnes, Mazurken, Etüden, Poèmes, später dann überwiegend einsätzige Sonaten) Er war ein hochtalentierter, sensibler Interpret Etwa von 1900 an widmete er sich verstärkt der sinfonischen Musik Eigene synästhetische Erfahrungen fanden ihren Niederschlag in „Prometheus“, einem Stück für Klavier, Chor und Orchester, dem eine spezielle Farbnotation beigegeben ist Auffällig in Skrjabins Werken ist eine eigentümlich exklusive Harmonik mit vielen Alterationen von Akkorden, verminderten und übermäßigen Intervallen Gegen Ende seines Lebens verfolgte Skrjabin Pläne zur Schaffung eines „Mysteriums“, das als synästhetisches Genre Kunst und religiöse Handlung in sich vereinen sollte

Spendiarow, Alexander (1871–1928)

Spendiarow stammte aus einer auf der Krim ansässigen armenischen Familie Nach Abschluss eines Jurastudiums nahm er Kompositionsunterricht bei Rimskij-Korsakow und galt als einer von dessen Lieblingsschülern Als Komponist, Dirigent und Pädagoge wirkte Spendiarow später auf der Krim und von 1924 an in Jerewan/Armenien Unter seinen Werken, die ihn zu einem der führenden armenischen Komponisten werden ließen, sind Opern, sinfonische Musik, Vokal- und Kammermusik

Spendiarow ist ein Beispiel für die vielfältigen und intensiven kulturellen Beziehungen, die stets zwischen Russland und seinen Randgebieten – vor allem den Gegenden in und um den Kaukasus – bestanden Elemente der sogenannten „östlichen“ Musik (rhythmische Besonderheiten und eine charakteristische Melismatik) finden sich bei fast allen russischen Komponisten des 19 Jahrhunderts Umgekehrt erhielten viele Komponisten aus diesen Ländern in Moskau oder St Petersburg ihre Ausbildung

Tschaikowsky, Pjotr (1840–1893)

Der Bekanntheitsgrad von Tschaikowskys Werken außerhalb Russlands übertrifft heutzutage zweifellos den der Musik aller anderen russischen Komponisten des 19 Jahrhunderts Tschaikowsky verbrachte die für seine kompositorische Tätigkeit wichtigsten Jahre in Moskau, wo er von Nikolaj Rubinstein als Lehrer an das Konservatorium geholt worden war Zuvor hatte er bei dessen Bruder Anton am damals neu eröffneten Petersburger Konservatorium studiert Auf Grund des Einflusses vieler mittel- und westeuropäischer Komponisten, den man in seinen Werken zu erkennen glaubte (besonders von Mozart, Schumann, Bellini, Bizet), galt Tschaikowsky in Russland – trotz seiner Verwurzelung in der russischen Musiktradition – immer als eher westlich orientiert Von der einheimischen Musik interessierte ihn mehr die städtische als die bäuerliche Volksmusik Das kann man in vielen Klavierstücken hören, vor allem in den lyrischen Miniaturen mit ihrem romanzenhaften Tonfall

Biographies

Cui, César (1835–1918)

Born in Vilnius (Vilna) to a French father and a Lithuanian mother, César Cui moved at the age of 15 to St Petersburg, where he became – next to Balakirev – the central figure of the “Mighty Handful” Cui chose engineering as his profession, and became an acknowledged expert in fortifications He published scholarly studies in this field, and even taught it as a professor at the St Petersburg Military Academy In his compositional oeuvre, operas held center stage He also wrote symphonic music, chamber works, piano miniatures, songs and operas for children The well-balanced proportions and unmistakable grace that characterize his music point to Cui’s closeness to French culture Cui was also a prolific critic and writer on musical topics

Gavrilin, Valery (1939–1999)

Gavrilin devoted himself with great commitment to Russian folklore during his studies at the St Petersburg Conservatory, and incorporated not only its genres, but also its unique rhythms and melodies into many of his works Vocal music occupies an important position in his oeuvre (cantatas, oratorios, songs on texts by Heine, Zvetayeva, Yessenin and on Russian folk poetry) He published two books of piano pieces in 1968 and 1970

Glazunov, Aleksander (1865–1936)

Glazunov was born in St Petersburg and came into contact there at an early age with the composers of the “Mighty Handful” centered around Balakirev He was particularly close to Nikolay Rimsky-Korsakov, who also gave him lessons in harmony, counterpoint and form Glazunov spent some time as a freelance composer and conductor before obtaining a professorship at the St Petersburg Conservatory in 1899 His most famous student at this institution, which he headed from 1905 to 1928, was Shostakovich

The generation that came after the “Mighty Handful” was more interested in instrumental music than opera Glazunov, who published his first symphony at the age of 16, also reflected this trend In addition to a number of significant ballets, he wrote piano music that included not only traditional lyrical pieces and miniatures in dance forms, but also larger forms and concert literature (concert etudes, sonatas, variations, preludes and fugues, piano concertos)

Glinka, Mikhail (1804 –1857)

With his operas “A Life for the Tsar” and “Ruslan and Lyudmila”, Glinka laid the foundations for the Russian national opera

The music of other nations, however, also played a major role in his life and works He traveled throughout the Caucasus, as well as to Italy, France, Austria, Spain, Poland and Germany In Berlin he took harmony and counterpoint lessons with Siegfried Dehn, and returned there to take more lessons from Dehn in 1856/57, just before his death Glinka produced about 50

piano pieces, including piano duets and chamber music with piano The solo works are dominated by variations, lyrical pieces (nocturnes) and a variety of dances He also composed fugues Although he did not perform in public himself, Glinka was, in the words of his contemporaries, a very good pianist who made one forget the “presence of wooden keys” He was influenced by the school of Clementi, whose pupil John Field worked in Russia and gave Glinka several lessons before letting his pupil Charles Meyer take over Glinka heard many celebrated pianists during his lifetime, such as Hummel, Liszt and Mendelssohn His praise of a pianist’s clarity and precision was always particularly coveted; not surprisingly, these qualities also characterized his own piano style

Gubaydulina, Sofiya (born in 1931)

Sofiya Gubaydulina studied at the Conservatories of Kazan and Moscow, where she took piano lessons with Grigory Kogan and others, as well as composition with Nikolay Peiko and Vissarion Shebalin She has since been working as a freelance composer, and currently lives in Germany Her works have won many international prizes and represent a variety of genres (symphonies, chamber music, including several string quartets and various ensemble pieces with piano, as well as music for piano solo and piano concertos) She wrote “Musical Toys” in 1969 for her daughter It combines influences from Russian folk music and contemporary forms of expression

Kabalevsky, Dmitry (1904 – 1987)

Kabalevsky was born in St Petersburg and studied piano (with Goldenweiser) and composition (with Myaskovsky) at the Moscow Conservatory He later became lecturer, then professor of composition at the same institute, in addition to holding responsible posts at the Soviet Radio, the Moscow Academy of Sciences, and as editor of the journal “Sovietskaya Muzyka” (Soviet Music) Although his extensive compositional oeuvre comprises all the major genres, it is above all his piano pieces for children that have won him an international following Kabalevsky’s own teaching experiences in a music school provided him with the impulses for this segment of his oeuvre His pieces have become very popular among teachers because of their frequent use of folk-song material, the accessibility of their musical idiom and the imparting of virtuoso aspects at a relatively basic level of difficulty The 30 Children’s Pieces op 27 were written in 1937/38

Kosenko, Viktor (1896 –1938)

Born in St Petersburg, Kosenko obtained his training as composer and pianist in his native city He later worked as a concert pianist and teacher (at the Conservatory of Kiev and elsewhere) Foremost among his works are his chamber music, songs and piano pieces His 24 Children’s Pieces for piano were written in 1936

Lyadov, Anatoly (1855 –1914)

Lyadov was born into a family of musicians in St Petersburg Along with Glazunov, he belonged to the generation that followed the “Mighty Handful” A particular link between him and Glazunov is their mutual teacher Rimsky-Korsakov, as well as the compositional emphasis on instrumental music (piano and symphonic music) Contrary to Glazunov, however, Lyadov was more interested in small forms His music tends to be more emotionally restrained and is rarely dramatic In his piano music, his profound interest in Russian folk music (he supplied the piano accompaniments to about 200 songs) appears less in the form of quotations than in the use of typical melodic-harmonic aspects of folk music as well as elements from its compositional technique Lyadov’s piano writing glows with clarity and transparency, and always requires a subtle use of the pedal A reputable teacher, Lyadov taught Myaskovsky, Prokofiev, Asafiev, Gnessin and others

Maykapar, Samuil (1867–1938)

A versatile musician, Maykapar was a concert pianist, composer, teacher and author of various books and writings (including an insightful autobiography) He studied law and music in St Petersburg, and also regularly took piano lessons with Theodor Leshetizky in Vienna between 1893 and 1898 He subsequently began to concertize, compose and teach, whereby he spent several years in Germany He left that country in 1910 when Glazunov hired him as a teacher at the St Petersburg Conservatory, where he became professor of piano in 1915 In 1927, he played all of Beethoven’s 32 piano sonatas in a seven-part concert cycle in St Petersburg to celebrate the centennial of Beethoven’s death Maykapar had begun writing music for children as a teacher at a music school between 1901 and 1903

To this day, these pieces have remained extraordinarily popular in the piano curriculum of Russian music schools The “Little Novelettes” op 8, from which the Fughetta was drawn, are among the first of these works

Musorgsky, Modest (1839–1881)

Musorgsky was born on his parents’ estate near Pskov, where he came into contact with peasant folk music at an early age and also obtained his first piano lessons He later took up a military career, which he ultimately gave up in favor of music in 1858 As with the other members of the “Mighty Handful”, opera and vocal music were also central to his oeuvre, even if he created one of the most important Russian piano works of the 19th century: the “Pictures at an Exhibition” He was also a very good song accompanist Certain traits found in his melodies, which follow the declamation of normal speech, also recur in his purely instrumental works

Beginning in 1863, financial troubles forced Musorgsky to accept an administrative post which he disliked The stress resulting from this double activity most likely undermined his health and perhaps contributed to his early death at the age of 42

Mylnikov, Aleksey (born in 1955)

Mylnikov was born in St Petersburg and studied composition at the Conservatory there His works, which illustrate a variety of genres (symphonic music, opera, chamber music, vocal and piano music), all reflect his fascination with contrapuntal forms In 2000 he published a piano method in Moscow called “The Birth of a Toy”, which contains about 100 pieces

Rimsky-Korsakov, Nikolay (1844 –1908)

Rimsky-Korsakov, who is often hailed as the “Conscience of Russian music” of his day, was a member of the “Mighty Handful” in St Petersburg along with his fellow composers Balakirev, Borodin, Cui and Musorgsky Like most of his colleagues from this group, he too was not initially a professional musician, but served in the Marine He left the service in 1873, having been appointed professor at the St Petersburg Conservatory two years earlier In addition to his extensive compositional activity, he also worked as a conductor and music critic, was a highly esteemed teacher (of more than 200 students) and wrote various instruction books on harmony and orchestration as well as a “Chronicle Of My Musical Life” In his music, Rimsky-Korsakov makes frequent reference to the folk music of Russia and of other cultures One of the most outstanding traits of his music is its extraordinary colorfulness, which derives from a masterful orchestration and differentiated harmonies Dominating his oeuvre are 15 operas, after which come symphonic works and vocal music Rimsky-Korsakov frequently turned to the piano piece as a means of improving his compositional and pianistic technique Next to a great number and variety of fugues (including some on folk-song themes), he also wrote variations, miniatures and an important piano concerto

Rubinstein, Anton (1829 –1894)

Anton Rubinstein is widely acknowledged as one of the greatest virtuosos in the history of piano playing He was also a successful conductor, teacher, composer and author of writings on music His vast compositional legacy contains several works that have become landmarks in Russian music history In 1862 Rubinstein laid the foundation for professional musical training in Russia when he founded the country’s first conservatory in St Petersburg, which he also temporarily headed (His brother Nikolay followed suit in 1866 by founding the Moscow Conservatory ) Anton secured international fame with the “historical concerts” he gave in various European capitals in the 1880s and in which he offered a survey of the history of piano literature

Shostakovich, Dmitry (1906 –1975)

Shostakovich was born in St Petersburg and attended the conservatory of his native city, where his teachers included Leonid Nikolaev (piano) and Maximilian Steinberg (composition) The recordings he made of some of his works document his exceptional proficiency at the piano Awarded an honorable mention at the International Chopin Competition in Warsaw in 1927, he concertized somewhat and even temporarily earned his liv-

ing as a silent-film pianist In spite of his thorough familiarity with the piano, Shostakovich’s piano works seem to grow out of a mentality that derives not from a virtuoso style of playing but from a polyphonic writing style closer to that of chamber or orchestral music

Shostakovich’s biography is intimately linked to the political development of the Soviet Union and its cultural politics Public criticism of his works in the press, his suspension from all teaching obligations at the Conser vatory and his exclusion from the Composers’ Union alternated with high state awards and honors His music was possibly also influenced by the feeling that his life and working conditions were constantly threatened by unpredictable and irrational outside circumstances His music is often tense and multi-layered to the point of ambiguity, and it alternates between profound introspection, outbursts of passion, and bitter parody

Shchedrin, Rodion (born in 1932)

Born in Moscow, Shchedrin was educated there at Aleksander Sveshnikov’s Choral School and at the Conservatory, where he studied piano with Jakov Flier and composition with Yuri Shaporin He taught for a few years at the Moscow Conservatory before becoming a freelance composer Piano pieces occupy an important position in his oeuvre, next to operas, ballets (his wife Maya Plisetskaya is the prima ballerina of the Bolshoi Theater), symphonies, choral and chamber music His best-known works are the “Humoresque”, “In the Style of Albéniz” and “Basso Ostinato” Also worthy of mention are his large polyphonic cycles (24 Preludes and Fugues, Polyphonic Book: 25 Preludes) and three piano concertos Shchedrin is an outstanding interpreter of his own works, which he has recorded and often plays in public

Skryabin, Aleksander (1872–1915)

The son of a diplomat and a pianist was born in Moscow, where he spent his entire life save for a stay of several years in Italy, France and Switzerland He studied piano and composition at the Moscow Conservatory, in part with the same teachers (Taneyev, Arensky, Sverev) as his composer colleague Sergey Rachmaninov, who was two years his junior Skryabin also taught there a few years

Like Chopin, Skryabin wrote practically nothing but piano music at first (in small forms such as preludes, nocturnes, mazurkas, etudes and poems; later he wrote chiefly one-movement sonatas) He was a highly talented and sensitive performer

Around 1900 he began to devote himself increasingly to symphonic music and to delve in “synesthetic” experiences The results can be found for example in “Prometheus”, a work for piano, chorus and orchestra which is supplied with a special color notation Skryabin’s music is particularly notable for its peculiar, exclusive harmony, which abounds in chordal alterations as well as diminished and augmented intervals Towards the end of his life, Skryabin worked on the creation of a “Mysterium”, which was to unite art and religious rites into a new synesthetic genre

Spendiarov, Aleksander

(1871–1928)

Spendiarov was born to an Armenian family residing in Crimea

After completing his law studies, he took composition lessons with Rimsky-Korsakov and was regarded as one of his favorite students Spendiarov later worked as composer, conductor and teacher in Crimea and, from 1924, in Yerevan, Armenia He became one of the leading Armenian composers with works in various genres such as operas, symphonic music, vocal and chamber music

Spendiarov exemplifies the strong and multi-faceted cultural relations that always existed between Russia and its peripheral regions, particularly in and around the Caucasus Elements of “Eastern” music (rhythmic peculiarities and a characteristic melos) are found in works by nearly all Russian composers in the 19th century In their turn, many composers from these regions obtained their training in Moscow or St Petersburg

Tchaikovsky, Pyotr (1840 –1893)

Today, the degree of popularity of Tchaikovsky’s music outside of Russia no doubt surpasses that of the music of all other Russian composers of the 19th century Tchaikovsky spent his formative years as a composer in Moscow, where he had been called by Nikolay Rubinstein to teach at the Conservatory He had previously studied with Nikolay’s brother Anton at the then newly opened St Petersburg Conservatory Due to the influence of many central and western European composers that one believed to detect in his music (by Mozart, Schumann, Bellini and Bizet in particular), Tchaikovsky was always considered by his fellow Russians as Western-oriented, despite his roots in the Russian musical tradition With respect to native music, Tchaikovsky was more interested in urban folk music than in that of the country One can hear this in many of his piano pieces, particularly in the lyrical miniatures with the inflections reminiscent of romances

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Obwohl die Klaviermusik nicht immer im Mittelpunkt ihres Schaffens stand, waren die russischen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts in der Regel hervorragende, teilweise sogar konzertierende Pianisten. Sie kannten die klanglichen und virtuosen Möglichkeiten des Instruments genau, oft scheinen die Stücke förmlich in die Hände des Spielers hineinkomponiert zu sein. Es ist deshalb nicht nur lehrreich, sondern vor allem ein großes Vergnügen, diese Musik zu spielen. Sie verschafft einem das Gefühl der freien Beherrschung des Instruments, dessen klangliches Potential hier immer in besonderer Weise zur Entfaltung kommt. Der vorliegende Band versucht, durch die Berücksichtigung einer Reihe wichtiger Komponisten die Entwicklung der russischen Klavierliteratur in leichten bis mittelschweren Stücken vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart aufzuzeigen, d. h.vom Zeitpunkt der Herausbildung eines eigenständigen russischen Klavierstils bis heute (Glinka, Mussorgskij, Rimskij­Korsakow, Glasunow, Skrjabin, Kabalewskij, Schostakowitsch, Gubajdulina und andere).

Although piano music was not always in the forefront of their oeuvre, Russian composers in the 19th and 20th centuries were generally superior pianists, and some were even concert artists. Very knowledgeable about the piano’s wealth of sounds and virtuoso effects, they often seemed to compose their pieces directly into the player’s hands. It is thus not only instructive to play this music but also, and above all, a great pleasure. It gives one the feeling of possessing a mastery of the instrument and commanding the full extent of its sound potential. This collection or works by a number of important composers seeks to trace the development of Russian piano literature ranging in difficulty from easy to medium from the early 19th century to the present, i.e. from the genesis of an independent Russian piano style up to our time (Glinka, Musorgsky, Rimsky­Korsakov, Glazunov, Scryabin, Kabalevsky, Shostakovich, Gubaydulina among others).

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EB 8748 – Russische Klaviermusik by Breitkopf & Härtel - Issuu