RICHARD WAGNER SÄMTLICHE BRIEFE
RICHARD WAGNER
herausgegeben im Auftrag der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth Band 1 Band 2 Band 3 Band 4 Band 5 Band 6 Band 7 Band 8 Band 9
SÄMTLICHE BRIEFE
bis März 1842 April 1842 – Mai 1849 Mai 1849 – Mai 1851 Mai 1851 – Sept. 1852 Sept. 1852 – Januar 1854 Januar 1854 – Februar 1855 März 1855 – März 1856 April 1856 – Juli 1857 August 1857 – August 1858
BAND 20 1868
Wissenschaftliche Neukonzeption von Werner Breig (1999) Band 10 August 1858 – März 1859 Band 11 April – Dezember 1859 Band 12 1860 Band 13 1861 Band 14 1862 Band 15 1863 Band 16 1864 Band 17 1865 Band 18 1866 Band 19 1867 Band 20 1868 Band 21 1869 Band 22 1870 Band 23 1871 Band 24 1872 Band 25 1873 Weitere Bände in Vorbereitung
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RICHARD WAGNER SÄMTLICHE BRIEFE BAND 20
RICHARD WAGNER SÄMTLICHE BRIEFE 20 Briefe des Jahres 1868 herausgegeben von Margret Jestremski Mit den Meistersingern von Nürnberg – am 21. Juni 1868 in München unter Hans von Bülow uraufgeführt – feiert Wagner einen sensationellen Erfolg. Die nervenaufreibenden Aufführungsvorbereitungen sind ein Hauptthema in der Korrespondenz dieser Zeit. Neue Angebote kommen aus Paris, wo seit dem Tannhäuser-Skandal 1861 keine weiteren Wagner-Opern mehr gespielt worden sind; monatelang verhandelt Wagner über Aufführungsoptionen zu Lohengrin und Rienzi. Zahlreiche Schreiben geben Auskunft über Privates. Wagner kümmert sich um die Aus- und Umgestaltung seines Wohnhauses in Luzern. Cosima von Bülow ringt sich zu einem schwerwiegenden Entschluss durch: Sie trennt sich im November endgültig von ihrem Ehemann und übersiedelt dauerhaft zu Wagner. Der Band enthält etliche Erstveröffentlichungen oder bislang nur auszugsweise bekannte Briefe. Dazu gehören auch unbekannte Auszüge aus Briefen an Cosima von Bülow, die Einblicke in Wagners Lektüre geben.
Als Grundlage für die Bände 10 ff der Briefausgabe dient das Buch: Werner Breig . Martin Dürrer . Andreas Mielke Chronologisches Verzeichnis der Briefe von Richard Wagner – Wagner-Briefe-Verzeichnis (WBV)
RICHARD WAGNER · SÄMTLICHE BRIEFE 20
RICHARD WAGNER SÄMTLICHE BRIEFE herausgegeben im Auftrag der
Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth von
Martin Dürrer
Band 20
RICHARD WAGNER SÄMTLICHE BRIEFE Band 20 Briefe des Jahres 1868 herausgegeben von
Margret Jestremski
MITGLIEDER DES BEIRATS Prof. Dr. Dieter Borchmeyer, Heidelberg / Prof. Dr. Werner Breig, Erlangen Prof. Dr. Sieghart Döhring, Thurnau / Dr. Sven Friedrich, Bayreuth Prof. Dr. Andreas Haug, Würzburg / Prof. Dr. Ulrich Konrad, Würzburg Prof. Dr. Norbert Oellers, Bonn / Dr. Egon Voss, München Eva Wagner-Pasquier, Bayreuth / Katharina Wagner, Bayreuth FÖRDERUNG DURCH Deutsche Forschungsgemeinschaft WEITERE FÖRDERUNG DURCH Oberfrankenstiftung
BV 420 ISBN 978-3-7651-0420-6 © 2018 by Breitkopf & Härtel, Wiesbaden Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Marion Schröder, Wiesbaden Druck: Beltz Bad Langensalza GmbH Printed in Germany
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Vorwort Zwei Themen bestimmen für Richard Wagner das Jahr 1868 und damit auch seine Korrespondenz: künstlerisch die Uraufführung seiner neuen Oper Die Meistersinger von Nürnberg am Münchner Hof- und Nationaltheater, privat die Klärung des mittlerweile seit vier Jahren bestehenden Liebesverhältnisses zu Cosima von Bülow, der Ehefrau des Dirigenten und Pianisten Hans von Bülow, der sich als engster künstlerischer Mitstreiter seit langem für Wagners Schaffen engagiert hatte. Den Jahreswechsel 1867/68 verbrachte Wagner im Kreis von Freunden in München. Seit Weihnachten hielt er sich als Gast der Familie von Bülow dort auf, um die Vorbereitungen zur Uraufführung der Meistersinger voranzutreiben (ThK 2), die ihn mit Unterbrechungen bis Mitte des Jahres in Anspruch nahmen. Dies betraf einerseits die Herstellung des Aufführungsmaterials, andererseits Engagementverhandlungen und schließlich die Bühnenproben. Vor allem die Besetzung der Hauptrollen gestaltete sich schwierig, da Wagner die Heranziehung namhafter auswärtiger Künstler verlangte, um eine ideale Mustervorstellung in seinem Sinne zu erreichen. Verärgert über den schleppenden Fortgang des Unternehmens brach er zweimal den Aufenthalt in München ab und kehrte für mehrere Wochen in sein Landhaus in Tribschen bei Luzern zurück (ThK 1a). Die Uraufführung am 21. Juni 1868 wurde zu einem weithin beachteten Opernereignis und für den Komponisten zu einem außergewöhnlichen Erfolg. Gleich nach der Uraufführung reiste Wagner wieder nach Tribschen. In der nächsten Zeit befasste er sich mit verschiedenen schriftstellerischen Vorhaben, unter anderem mit seinem „Schriften“-Projekt und der Fortsetzung der Autobiographie; nach zweieinhalbjähriger Unterbrechung widmete er sich wieder der Arbeit am Siegfried. Erschöpft von den Strapazen der vorangegangenen Monate wollte er zuallererst Ruhe finden; auch davon ist in einigen Briefen die Rede. Außerdem nahm er die Korrespondenz über die verschiedenen aus Paris gekommenen Aufführungsangebote wieder auf. Das Interesse der Pariser Theaterdirektoren und Konzertunternehmer an Wagners Werken war seit der MeistersingerPremiere deutlich gestiegen. Zeitweilig waren ein halbes Dutzend Aufführungsprojekte im Gespräch (ThK 4), von denen jedoch nur
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die Inszenierung des Rienzi am Théâtre Lyrique im Frühjahr 1869 verwirklicht wurde. Im September unternahm er zusammen mit Cosima von Bülow eine Erholungsreise nach Oberitalien. Anfang November fuhr er für ein paar Tage nach Leipzig zu Verwandten (er besuchte u. a. die Familie seiner Schwester Ottilie Brockhaus und seinen Schwager Oswald Marbach); dort lernte er Friedrich Nietzsche kennen. Der vorliegende Band umfasst insgesamt 350 Briefnummern, darunter 28 erschlossene Briefe. Von den 322 überlieferten Briefen werden 60 erstmals, weitere 60 Briefe erstmals vollständig ediert. Der überwiegende Teil der – sowohl an Geschäftspartner und Künstler als auch an Freunde, Verwandte und Bekannte gerichteten – Briefe befasst sich mit den Vorbereitungen und Nachwirkungen der Meistersinger-Uraufführung. Den mit Abstand intensivsten Briefkontakt pflegte Wagner mit Cosima von Bülow. Allein die 60 Briefnummern zeigen ihre Bedeutung als zentrale Bezugsperson Wagners. Bei den überlieferten Dokumenten handelt es sich allerdings nur noch um einen Rest der einstmals äußerst umfangreichen Korrespondenz; denn der Briefwechsel zwischen Wagner und Cosima wurde später von ihrer Tochter Eva vernichtet.1 Nur wenige, aus ihrer Sicht offenbar erhaltenswerte (und zugleich unverfängliche) Ausschnitte hatte sie zuvor exzerpiert. Daneben ist der meist unter Verwendung von Decknamen geführte Telegrammwechsel zwischen Richard und Cosima weitgehend erhalten geblieben – ein naturgemäß lediglich schlaglichtartiger Einblick in diese überaus komplizierte, von Wagner in der Öffentlichkeit und besonders dem König gegenüber stets abgeleugnete Liebesbeziehung. Im November schließlich trennte sich Cosima endgültig von ihrem Mann und siedelte von München zu Wagner in die Schweiz über (ThK 3). An zweiter Stelle der Adressaten steht mit 29 Briefen und Telegrammen Charles Nuitter, Wagners Bevollmächtigter in Paris für Verhandlungen (vor allem mit Theateragenten) und für Besorgungen aller Art. Die Briefe sind nur in einem in Bayreuth befindlichen Konvolut als Abschriften überliefert, dessen Anfertigung durch Wagners Erben veranlasst wurde. Ludwig II. von Bayern erhielt 20 Schreiben von Wagner. Es fällt auf, dass der König im letzten Viertel des Jahres nicht mehr eigenhändig auf Wagners Briefe antwortete; auch dessen Wunsch 1 Siehe dazu Nr. 38 K, ferner Br Cosima 2010, S. 9–19.
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nach einem persönlichen Zusammentreffen beschied er abschlägig. (Einen Teil der Korrespondenz erledigte sein Sekretär Lorenz Düfflipp, an den Wagner 1868 elfmal schrieb.) Zu einem Wiedersehen mit dem König sollte es erst 1876 anlässlich der ersten Festspiele in Bayreuth kommen. Aus der Korrespondenz mit dem Verlag Schott, in der es um die Drucklegung von Partitur, Klavierauszug und Textbuch der Meistersinger geht, sind 17 Briefe Wagners erhalten. Nicht in den Band aufgenommen wurde ein nur im Auszug bekannter, angeblicher Brief Wagners an einen nicht näher identifizierten Heinrich Hochmann, datiert auf Anfang Juni.2 Dieser Text hat sich – wie auch alle anderen Briefauszüge aus der betreffenden Publikation – als nicht authentisch erwiesen. Ein undatierter, bisher dem zeitlichen Umfeld der Meistersinger-Uraufführung zugeordneter Brief Wagners an Otto Wesendonck3 wurde aufgrund inhaltlicher Erwägungen ebenfalls nicht aufgenommen; der Abdruck ist statt dessen für den Supplementband der Ausgabe vorgesehen. * Die nachfolgend aufgeführten Bibliotheken haben freundlicherweise Editionsvorlagen zur Verfügung gestellt: The University of Texas at Austin, Harry Ransom Humanities Research Center; Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv; Lippische Landesbibliothek Detmold; Eisenach, Reuter-Wagner-Museum; Köln, Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität; Universitätsbibliothek Leipzig, „Bibliotheca Albertina“; Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck; Luzern, Richard-Wagner-Museum; Luzern, Zentral- und Hochschulbibliothek; Bibliotheken der Stadt Mainz – Wissenschaftliche Stadtbibliothek; Deutsches Literaturarchiv Marbach/Neckar; Moskau, Gosudarstvennyj Archiv Rossijskoj Federacii [Staatsarchiv der Russischen Föderation]; München, Bayerisches Hauptstaatsarchiv; München, Bayerische Staatsbibliothek; Münchner Stadtbibliothek; New Haven/CT, Yale University, The Beinecke Rare Book and Manuscript Library; The New York Public Library for the Performing Arts; New York/NY, The Pierpont Morgan Library; Oberlin/OH, Oberlin College Library; Oslo, Universitetsbiblioteket; Paris, Bibliothèque nationale de France; 2 WBV 5046. 3 WBV 4993; der Brief bezieht sich höchstwahrscheinlich auf ein Konzert am 19. November 1863 in Karlsruhe.
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Parma, Biblioteca Palatina; St. Petersburg, Rossijskaja nacional’naja biblioteka [Russische Nationalbibliothek]; Philadelphia/PA, The Historical Society of Pennsylvania; Prag, Památník národního písemnictví [Museum der tschechischen Literatur]; Stockholm, Musik- och teaterbiblioteket; Washington/DC, The Library of Congress; Wien, Historisches Archiv der Wiener Philharmoniker; Wien, Österreichische Nationalbibliothek; Wien, Wienbibliothek im Rathaus; Zentralbibliothek Zürich – Kantons-, Stadt- und Universitätsbibliothek. Herr Dr. Sven Friedrich, der Direktor des Nationalarchivs der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth, gewährte stets in zuvorkommender Weise Einblick in die Originale und ermöglichte den Zugang zu allen benötigten sonstigen Materialien. Frau Dr. Gudrun Föttinger (Bildarchiv) und deren Nachfolgerin Frau Tanja Dobrick M.A. stellten freundlicherweise Abbildungsvorlagen für den Band zur Verfügung. Frau Melanie Möbius (Sammlung und Dokumentation) gab Auskünfte zum Verbleib einiger Bilder aus Wagners Besitz. Frau Kristina Unger (Bibliothek und Handschriften) schließlich half bei der Ermittlung kommentarrelevanter Dokumente und stellte Kopien bereit. Allen sei an dieser Stelle für die Unterstützung gedankt. Herr Dr. Egon Voss (Richard Wagner-Gesamtausgabe) gab freundlicherweise Informationen zur Druckgeschichte des Meistersinger-Textbuchs; durch seine Vermittlung konnten zudem einige Redaktionsvorlagen für den Band beschafft werden. Die Mitarbeiter der folgenden Institutionen erteilten dankenswerterweise Auskünfte und / oder stellten für die Kommentierung relevante Quellen zur Verfügung: Frau Ute Kissling (Staatliche Bibliothek Ansbach), Frau Dagmar Rumpf (Stadtarchiv BadenBaden), Herr Benjamin Bracher (Theater Baden-Baden), Frau Dr. Martina Rebmann und Herr Jean Christophe Gero (Staatsbibliothek zu Berlin), Frau Meike Kreilkamp (Staatstheater Hannover), Herr Carsten Niemann (Theatermuseum Hannover), Herr Toni Muff (Gemeindearchiv Horw), Herr Olaf Koch (Institut für neuere Deutsche Literatur, Universität Kiel), Frau Nora Probst (Theaterwissenschaftliche Sammlung, Universität Köln), Herr Dr. Ralf Wehner (Leipziger Ausgabe der Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy), Frau Katja Fleischer (Richard-Wagner-Museum Luzern), Frau Birgit Slenzka und Frau Jutta Bendt (Deutsches Literaturarchiv Marbach), Frau Christine Kobler M.A. und Herr An-
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dreas Leipnitz (Bayerisches Hauptstaatsarchiv München), Frau Jutta Wagner (Bayerische Staatsbibliothek München) Frau Dr. Susanne de Ponte (Deutsches Theatermuseum München), Frau Dr. Ulrike Claudia Hofmann (Staatsarchiv München), Herr Florian Antonov (Münchner Stadtbibliothek), Herr Dr. Daniel Burger (Staatsarchiv Nürnberg), Frau Gabriele Oestreich (Stadtverwaltung Olbernhau), Frau Annette Kühme (Ev.-Luth. Pfarramt Olbernhau), Herr Prof. Dr. Joachim Veit (Universität Paderborn), Herr Dr. Marcel Mayer (Stadtarchiv St. Gallen). Dank gebührt auch den studentischen Mitarbeitern der RichardWagner-Briefausgabe: Die Sammlung der Redaktionsvorlagen und die Erstellung der Rohtexte besorgte Frau Kathrin Neitz. Bei der Textkorrektur, der Vorbereitung der Register sowie der Erschließung und Transkription von Kommentarmaterialien half Herr Hans Gebhard M.A. Frau Patricia Kemmer M.A. war an der Übersetzung der französischen Briefe beteiligt. Frau Norma Jeising B.A. wirkte an der Endredaktion des Bandes und den damit verbundenen Korrekturdurchgängen mit. Frau Dr. Birgit Schmidt unterstützte die redaktionellen Arbeiten durch eine sorgfältige Lesung des Bandes und durch Überprüfung der Übersetzungen. Herrn Dr. Armin Raab danke ich für seine gründlichen Korrekturen am Kommentar. Schließlich sei dem Verlag Breitkopf & Härtel für die vertrauensvolle Zusammenarbeit gedankt. Die redaktionelle Betreuung des Bandes lag wie seit vielen Jahren in den Händen von Herrn Dr. Frank Reinisch. Ihm und Frau Agnetha Elsdörfer danke ich für die gewissenhafte Durchsicht der Druckvorlage. * Nach Beendigung meiner Tätigkeit bei der Briefausgabe war es mir nicht mehr möglich, alle Teile des vorliegenden Bandes auszuführen. Das betrifft die Kommentierung der in französischer Sprache geschriebenen Briefe, die zumeist den Pariser Themenkomplex behandeln, einige weitere Einzelstellenkommentare sowie die Themenkommentare 1b, c, 3 und 4, die Martin Dürrer verfasste. Er übersetzte außerdem die französischen Briefe. Für diese Beiträge, für die konstruktive Zusammenarbeit bei der Fertigstellung des Bandes und die umsichtige Endredaktion sei ihm ganz besonderer Dank gesagt. Würzburg, im Mai 2018
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Benutzerhinweise Inhalt Inhalt der Ausgabe Sämtliche Briefe sind die von Richard Wagner geschriebenen Briefe. Die an Richard Wagner gerichteten Briefe werden, soweit erhalten und zugänglich, für die Kommentierung ausgewertet, sind aber nicht Gegenstand der Edition. Briefe im Sinne der Edition sind persönliche Mitteilungen, die an einzelne Personen oder an eine begrenzte Personengruppe gerichtet sind (etwa an die Mitglieder eines Orchesters). Zu den Briefen werden auch Telegramme, durch Boten beförderte Mitteilungen auf Zetteln usw. gerechnet, nicht aber Widmungen, Albumblätter, Quittungen, Verträge und ähnliche Schriftstücke. In der Edition werden auch Briefe ohne edierbaren Text berücksichtigt. Das sind einerseits Briefe, deren gegenwärtige oder einstige Existenz durch einen Briefumschlag belegt ist oder durch Nachweise anderer Art, die sich auf den Brief als physisches Objekt beziehen (z. B. in Bibliothekskatalogen oder Verkaufsangeboten), sowie andererseits Briefe, die nur durch Indizien – zumeist in der Korrespondenz selbst – bezeugt sind („erschlossene Briefe“). Briefe ohne edierbaren Text werden im Textteil an der ihnen nach dem Datum zukommenden Stelle durch eine Kopfleiste repräsentiert, wobei erschlossene Briefe durch Asteriskus (*) gekennzeichnet sind.
Textteil Der Textteil enthält sämtliche überlieferten und erschlossenen Briefe von Richard Wagner in durchgehender chronologischer Reihenfolge. Mehrere am gleichen Tag geschriebene Briefe erscheinen in der alphabetischen Reihenfolge der Empfängernamen, falls die Schreibreihenfolge sich nicht eindeutig ermitteln lässt. Briefe, deren Niederschrift sich über mehrere Tage erstreckt hat, werden unter dem frühesten bekannten Datum eingeordnet. Briefe, deren Schreibdatum nur näherungsweise ermittelt werden kann, stehen in der Regel am Ende des in Frage kommenden Zeitraumes (Monat oder Jahr).
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Der Textteil enthält im Prinzip den reinen Brieftext. Als textbegleitende Orientierungshilfen werden hinzugefügt: – lebende Kolumnentitel am Kopf der Seite, die über die Nummer und das Datum des auf der jeweiligen Seite enthaltenen Briefes informieren – eine Kopfleiste über jedem einzelnen Brief, die Angaben über den Adressatennamen und -ort sowie Ort und Datum der Niederschrift enthält (Angaben aus Katalogen des Autographenhandels werden stillschweigend übernommen, sofern kein Zweifel an deren Zuverlässigkeit besteht) – eine Zeilenzählung für jeden Brieftext Im Falle von unvollständig oder gar nicht im Originaltext überlieferten Briefen wird auch auf Inhaltsangaben (auch fremdsprachige) und Übersetzungen zurückgegriffen. Erstere werden kursiv, letztere kursiv und in Anführungszeichen gesetzt. Zu den Briefen, die Wagner auf Französisch geschrieben hat, werden im Anhang des Textteils Übersetzungen gegeben. Für Notenbeispiele innerhalb von Briefen wird eine möglichst nahe am originalen Schriftbild bleibende Umschrift gegeben.
Prinzipien der Textkonstituierung Der Brieftext wird unter Wahrung von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Absatzgliederung des Originals (bzw. der Vorlage) wiedergegeben; jedoch werden Überstreichungen von Konsonanten als Verdoppelungszeichen stillschweigend aufgelöst. Einfache und doppelte Unterstreichungen werden als solche wiedergegeben. Die in den Rahmenteilen (Orts- und Datumsangabe, Unterschrift, Adresse) vorkommenden Über- und Unterstreichungen, Trennlinien, Schnörkel, Schrägstriche u. ä. werden in der Edition nicht berücksichtigt, es sei denn, sie sind als inhaltliche Hervorhebungen zu interpretieren. Zeichnungen werden in Faksimile wiedergegeben. Hat Wagner selbst Korrekturen vorgenommen, so ist für die Edition die korrigierte Fassung maßgeblich; sofern der Korrekturvorgang für den Inhalt relevant ist, wird auf ihn im Kommentar hingewiesen. Die originale Orts- und Datumsangabe gilt als Bestandteil des Textes und wird in der gegebenen Form ediert, auch wenn dies im Verhältnis zur normierten Kopfleiste zu Re-
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dundanzen oder Widersprüchen führt. Nicht zum Brieftext gehören Vermerke des Empfängers oder späterer Besitzer; über sie wird entsprechend ihrer Bedeutung im Kommentar berichtet. Der Brief soll als reiner Text gelesen und zitiert werden können. Der Text wird deshalb nicht durch Erläuterungen erweitert; auch auf diakritische Zeichen und Anmerkungsnummern innerhalb des Textes wird verzichtet. Editorische Einschaltungen in den Text erfolgen nur zur Kennzeichnung von Auslassungen („[...]“), die durch die Überlieferungssituation bedingt sind (Unvollständigkeit des Originals oder anderer Überlieferungsträger). Kleinere Textverluste durch Beschädigung des Originals, die sich mit hinreichender Sicherheit rekonstruieren lassen, werden im Editionstext ergänzt und im Kommentar dokumentiert. Der Grundsatz, die originale Rechtschreibung und Zeichensetzung zu bewahren, wird mit möglichst wenigen Ausnahmen durchgeführt. Berichtigt werden offensichtliche Schreibversehen, wie ausgelassene oder versehentlich doppelt geschriebene Worte, Verschreibungen (Dreden statt Dresden) usw. Zur Vermeidung von Verständnisschwierigkeiten wird die nicht immer konsequente Groß- und Kleinschreibung der Personalpronomina korrigiert. Die Emendationen werden nicht innerhalb des Brieftextes als solche bezeichnet, sondern im Abschnitt „Textkonstituierung“ des Kommentars nachgewiesen. Nicht verbessert werden dagegen Irrtümer des Briefschreibers in Bezug auf Fakten und Schreibweisen (insbesondere von Namen und Fremdwörtern). Auch Inkonsequenzen bzw. wechselnde Schreibweisen werden beibehalten. Es versteht sich von selbst, daß die Entscheidung, ob ein Versehen vorliegt oder ob Wagner tatsächlich so schreiben wollte, nicht in jedem Fall sicher zu treffen ist. Einige Abweichungen vom modernen Sprachgebrauch seien hier exemplarisch angeführt: – Alte Formen und Schreibweisen: Einzelnheiten, Spatziergang, vertrauenvoll, Weihnachtgeschenk. Es wird nicht konsequent wieder / wider unterschieden, z. B. Widerherstellung, Wiederwillen. – Getrennt- und Zusammenschreibung: Gasthof Leben, zusammen zu kommen. – Gelegentlich kommen ungewöhnliche Beugungen vor, so wird nach alle das folgende Adjektiv oft parallel gebeugt, z. B. alle gute Mächte.
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– Mengen- und Zeitangaben: ein gross Stück, ein halb Jahr. – Die Rektion einiger Verben entspricht nicht dem heutigen Gebrauch, z. B. ich versichere Dich, ich bedeute Dich. Die französisch geschriebenen Briefe Wagners werden grundsätzlich ohne editorische Eingriffe wiedergegeben, d. h. Irrtümer hinsichtlich Orthographie, Grammatik und Syntax bleiben unverändert stehen. Nur ganz offensichtliche Schreibversehen, wie z. B. ausgelassene oder doppelt geschriebene Worte, werden korrigiert und im Kommentar dokumentiert. Ist ein Brief nur im Konzeptstadium erhalten, so wird das Konzept innerhalb des Editionsteils an der ihm chronologisch zukommenden Stelle abgedruckt. Der Konzeptzustand des Textes wird in der Edition dokumentiert, d. h. Streichungen bzw. überschriebene Worte (in „ “) und Einschübe (in „\ /“) sind aus der Textwiedergabe zu erkennen. Ist die Redaktionsvorlage ein Druck, so werden dessen Hervorhebungen (Sperrung, Kursivdruck u. ä.) als Unterstreichung wiedergegeben, hervorgehobene Werktitel werden in Anführungszeichen gesetzt. Nicht übernommen werden dagegen Hervorhebungen in der Anrede und den Rahmenteilen (Orts- und Datumsangabe, Unterschrift, Adresse). Bei der Anrede und den Rahmenteilen wird gegebenenfalls eine den Schreibgewohnheiten Wagners entsprechende Absatzgliederung vorgenommen. Hiervon abweichende Verfahrensweisen werden im Kommentar vermerkt.
Kommentar Der Kommentar enthält sowohl Angaben zu den Einzelbriefen als auch Erläuterungen, die sich auf briefübergreifende Themen beziehen. Die letzteren werden zu Beginn des Kommentarteils in einem allgemeiner gehaltenen Abschnitt („Themenkommentar“) gegeben. Um den Einzelbriefkommentar zu entlasten, sind die Punkte ausgespart, die im Themenkommentar schon erläutert wurden; auf Querverweise wird verzichtet, sofern der Bezug auf das jeweilige Thema eindeutig ist. Der Kommentar für den Einzelbrief setzt sich aus folgenden Teilen zusammen: – Kopfleiste – Grundkommentar
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– Textkonstituierung – Erläuterungen Der Grundkommentar steht in einem auf die Kopfleiste folgenden Absatz ohne eigene Überschrift. Er enthält Angaben zu den Quellen und – soweit vorhanden – zu früheren Ausgaben. Hat sich im Rahmen der Textkonstituierung ergeben, daß Ausgaben unvollständig sind, so wird dies mitgeteilt; eine systematische Überprüfung findet nicht statt. Falls nötig, werden außerdem die Identität des Adressaten und das Schreibdatum diskutiert sowie weitere Angaben formeller Art gemacht (z. B. über Beilagen). Der Abschnitt „Textkonstituierung“ dokumentiert alle editorischen Entscheidungen bezüglich des vorgelegten Textes. Er ist erforderlich, wenn das Original Schreibversehen enthält, oder wenn über andere Besonderheiten des Originals zu berichten ist, die aus dem Editionstext nicht unmittelbar zu erkennen sind. Wenn nicht oder nur teilweise nach dem Original ediert werden kann, so wird die Redaktionsvorlage genannt. Sind mehrere gleichrangige Überlieferungsträger vorhanden, wird die Auswahl begründet. Signifikante Abweichungen der anderen Quellen werden dokumentiert. Der Abschnitt „Erläuterungen“ gibt in kurzer Form Informationen zu einzelnen Stellen des Briefes, deren Bedeutung oder Bezug aus dem Text selbst nicht erkannt werden kann. Die kommentierte Stelle wird durch Zeilennummer und ein Stichwort (Lemma) bezeichnet. Durch die Erläuterungen sollen auch alle im Brief vorkommenden Personen identifizierbar und somit im Personenregister auffindbar sein, wo nähere Informationen gegeben werden. Die Register verweisen grundsätzlich auf die Briefnummer, wobei Zeilenangaben mit Schrägstrich angeschlossen werden. Das Kürzel „K“ weist auf den entsprechenden Einzelbriefkommentar. Nicht berücksichtigt werden die Autoren der zitierten Sekundärliteratur. Die ohne Fundstellennachweis verzeichneten Personen erscheinen nur als Adressaten. Die entsprechenden Briefnummern können im Adressatenregister nachgeschlagen werden.
Nr. 1 / 2. Januar 1868
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A N V ERENA S TOCKER IN LUZERN M ÜNCHEN , D ONNERSTAG , 2. JANUAR 1868
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Liebe Vreneli! – Ich danke für die gelegentliche Notiz; wegen der Pariser Sendung warten Sie ab. Hoffentlich haben Sie auf Tribschen das neue Jahr gut angetreten. Ich war bei der Familie Cornelius mit Porges u. s. w. – ziemlich heiter am Sylvester. – Wegen Ev’chen wünscht Frau v. B. immer noch einen genaueren Bericht von Ihnen: namentlich wegen der Nahrung, was sie jetzt dazu bekommt, worüber ich nicht ganz genau berichten konnte. Der Stuhl mit dem Kübel wird für schädlich gehalten, nämlich, weil das Kind auf den Ausleerungen doch möglicher Weise längere Zeit sitzen bleibe. Mir ist, als ob Sie auch der Meinung gewesen wären, und eigentlich solch einen Stuhl für unnöthig gehalten hätten, weshalb es auch so schwer war einen aufzutreiben, weil man sie – nach besseren Erfahrungen – nicht mehr gebraucht. Lassen Sie also, da der Stuhl einmal da ist u. zu gebrauchen ist, das Loch zudecken u. als blossen Sitz herrichten. Sie meinten auch, dass das Kind auf andre Weise reinlich zu halten wäre. Frau v. B. wünscht auch, dass Evchen alle Tage, selbst bei rauherem Wetter, wohlverwahrt ein wenig herausgetragen werde: sie habe es mit allen ihren Kindern so gehalten, und die Aerzte empfählen es. Natürlich werden Sie die Ausnahmefälle immer bezeichnen. Auch Bericht über den Bestand der Kleidungen u. was etwa fehle, wird gewünscht. – Nun noch Eins, Vreneli! Ich bin zwar sicher und ruhig darüber, dass das Haus und meine Wohnung von Ihnen vollkommen geschlossen u. unzugänglich verwahrt wird. Neuerdings habe ich nun aber hier wieder Anzeigen davon erhalten, dass es Menschen giebt, welchen über Alles daran liegt, Briefe an mich – namentlich von gewissen hohen Personen – in ihre Hände zu bekommen. Mag es auch unnöthig sein, Sie hierauf aufmerksam zu machen, da ich weiss, wie sehr ich mich auf Ihre Wachsamkeit und Ihren Verstand verlassen kann, so unterlasse ich doch nicht, Sie von Neuem darauf aufmerksam zu machen, dass ein geschärftes Mistrauen gegen Jeden, ausser Ihrem guten Mann, durchaus rathsam ist. Mahler u. Tapezierer, bitte sehr, lassen Sie nie einen Augenblick in meiner Etage allein. Ausserdem betrachten Sie jeden Menschen, der unter irgend einem Prätexte sich dem Hause nähert, mit Mistrauen;
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selbst Herrn Amrhyn. Ich habe zu schlimme Erfahrungen gemacht, als dass mein gründlichstes Mistrauen nicht gerechtfertigt wäre. Gehen Sie nie mit Jacob zugleich aus. Einer von Ihnen Beiden sei immer zu Hause. Es gilt jetzt noch einmal eine kurze Zeit äusserste Wachsamkeit: ich habe es in meiner Hand alle diese Belästigungen bald nun für immer unmöglich zu machen. Also: ich verlasse mich auch hierin mit grösstem Vertrauen auf Sie! – Ich werde nun Nachricht von Ihnen erhalten, ob Sie aus Freiburg die fl. 100 bekommen haben, die Sie gut werden gebrauchen können. Sonst muss ich noch einmal schreiben. – Jetzt leben Sie schön wohl; grüssen Sie den braven Jacob. Halten Sie in gewohnter Weise die Leute tüchtig zusammen, und seien Sie nöthigenfalls streng u. unerbittlich. Grüssen Sie das gute Evchen, an das ich mit grosser Rührung denke; ich weiss, dass Sie bei ihr für Reinlichkeit u. gute Luft stets besorgt sein werden. – Und Russ u. Coss, die ich oft im Traume bellen höre, streicheln Sie von mir. Mir geht es sonst ganz erträglich: ich lebe ruhig u. zurückgezogen. Adieu, gutes Vreneli! Von Herzen Ihr ergebener R. W.
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A N H ANS B RONSART VON S CHELLENDORF M ÜNCHEN , S ONNTAG , 5. JANUAR 1868
IN
H ANNOVER
[...] Nach sehr reiflicher Überlegung finde ich, dass Sie vollständig Recht haben, u. dass dieser Fall durchaus einzig ist, und ganz u. gar dazu gemacht, Jemand wie mich tiefe Hoffnung wieder fassen zu lassen. Wenn ein deutsches Hoftheater einen solchen Intendanten aufzuweisen hat, muss wohl auch der Verzweiflungsvollste wieder aufathmen. [...]
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*A N AUGUST R ÖCKEL (T ELEGRAMM ) M ÜNCHEN , M ONTAG , 6. JANUAR 1868
Nr. 5 / 7. Januar 1868
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A N O SCAR S CHANZENBACH IN M ÜNCHEN M ÜNCHEN , M ONTAG , 6. JANUAR 1868
Hochgeehrter Freund!
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Der freundliche Charakter Ihres gestrigen Besuches macht es mir möglich, Sie um Ihre Intervention in einer Angelegenheit zu ersuchen, welche ich ohnedem fast ganz von mir abweisen zu müssen geglaubt hätte. Aus dem eingelegten Schreiben ersehen Sie, dass sich der arme, nichtswürdig verrathene und preisgegebene Röckel an mich mit der Aufforderung wendet, seine Angelegenheit unmittelbar dem Fürsten Hohenlohe vorzutragen. Ich telegraphire ihm soeben, dass ich unter gar keinen Umständen über Angelegenheiten, in welche meine Freunde mich nie hätten hinein ziehen sollen, namentlich mit der genannten hohen Person, welche unvermeidlich dadurch nur über mich irregeführt werden könnte, zu verkehren hätte. Da ich dabei bleiben muss, wenn ich je an die Ehre eines Besuches bei dem Fürsten denke, diese widrige Angelegenheit – in deren Betreff mir nur eine Reue übrig bleibt! – durchaus unberührt zu wissen, ersehe ich nur in Ihrer gütigen Intervention das Mittel, andrerseits dem armen Freunde, für den auch Sie sich interessiren, zu seinem Rechte zu verhelfen. Wollen Sie freundlich diese Vermittelung – durch den Gebrauch der Beilage dieser Zeilen – bei Seiner Durchlaucht übernehmen, so würden Sie mit dem Dienste, welchen Sie Jenem erweisen, zugleich zu grösstem Danke verbinden Ihren München hochachtungsvoll ergebensten 6 Jan. 1868. Richard Wagner
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A N F RANZ B ETZ IN B ERLIN M ÜNCHEN , D IENSTAG , 7. JANUAR 1868
Hochgeehrter Herr! Die Sie unangenehm berührenden Erfahrungen in Betreff der Münchener Hoftheaterverwaltung rühren aus Verhältnissen her, welche seit der Ernennung des Herrn von Perfall zum Intendanten
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nun nicht mehr bestehen. Für nichts, was in der vorangehenden Periode geschah, kann der neue, mir sehr ergebene und ehrenwerthe Intendant verantwortlich gemacht werden. Ich selbst erfuhr von Ihnen nichts weiter, als dass Sie – wie es schien, mit Verwerthung der von München aus Ihnen eröffneten Wünsche des Königs von Bayern – einen neuen glänzenden Kontrakt mit Berlin abgeschlossen hätten, woraus ich, wie ich Ihnen gestehe, vollkommene Hoffnungslosigkeit in Ihrem Betreff schöpfte. Es soll nun hier der Versuch gemacht werden, schon Anfang April eine Ie Aufführung der Meistersinger zu ermöglichen: mir selbst muss aus vielen Gründen an Beschleunigung liegen. Ich hätte den Gedanken gehabt, auf Gegenseitigkeit und Vorbereitung der nächst-ersten Aufführung meines Werkes hin, die Generaldirektion des Berliner Hoftheaters zu einem besonderen Urlaub für Sie zu bewegen, wenn ich nicht gerade in Herrn v. Hülsen einen für mich und meine Werke ganz besonders übel gestimmten Theaterchef zu treffen wissen müsste. Diese Begünstigung ist uns jedoch von Herrn v. Bronsart in Hannover für Stägemann angeboten worden: ich glaube, man wird diese Chance für die Beschleunigung des Unternehmens zu benutzen suchen. Ihr werther Brief lässt mich nun ersehen, dass Sie den Mai uns mit ziemlicher Bestimmtheit zusagen können: mir würde nichts erwünschter sein, als Sie in dieser Zeit zu einer Anzahl von Vorstellungen der Meistersinger hier begrüssen zu können, um dadurch auch der Feststellung des Erfolges namentlich mich zu versichern. Über ein zukünftiges regelmässiges und bedeutendes Verhältniss würden wir dann leicht Alles feststellen können. Ich glaube Sie werden in diesen Tagen von Baron v. Perfall in diesem Sinne angegangen werden, und somit ersuche ich Sie, mit gutem Vertrauen auf seine Vorschläge eingehen zu wollen. Sagen Sie ich bitte meinen besten Dank an unseren vortrefflichen Tausig für seinen Eifer! Hochachtungsvoll Ihr München ergebener 7. Jan. 1868. R. W.
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A N T HEODOR L ÖWE (?) IN F REIBURG /B REISGAU M ÜNCHEN , D IENSTAG , 7. JANUAR 1868
Da ihm die spätestens bis zum 1. I. zugesagte Zahlung von fl. 100 für eine Rienzi-Aufführung nicht zugegangen ist, hält er sich nicht mehr für gebunden: für den Fall, dass die Direction meine Oper zu geben im Sinne behalte ich mir vor, erneut meiner veränderten Stimmung entsprechende Honorarbedingungen zu stellen [...]
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A N V ERENA S TOCKER IN LUZERN M ÜNCHEN , D IENSTAG , 7. JANUAR 1868
Liebe Vreneli!
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Schönsten Dank für Ihren guten Brief, der mir das Herz recht erleichterte. Sie wissen, wie gern ich Grillen fange und mich Sorgen hingebe! – Nun, Sie werden schon Alles gut machen. Ich gedenke Ihnen jedenfalls schon um Mitte d. M. Geld zukommen zu lassen, da ich doch auch ersehe, dass die angekündigte Pariser Sendung am Ende doch angenommen werden muss, so sehr mir’s auch eben für den Augenblick in die Quere kommt. Schicken Sie also das kleine gelbe Briefchen nach Paris sofort ab. Es ist mir am Ende doch auch lieb, wenn Paul den Stoff noch aufmacht – Sie wissen, ich habe es Ihnen angegeben, und Sie haben mich verstanden. Nun, diess hat noch für den nächsten Brief Zeit. – Wenn Sie die fl. 100 aus Freiburg noch nicht erhalten haben, so schicken Sie nun den einliegenden Brief dahin ab. – Im Uebrigen wehren Sie sich für diese Zeit, so gut es geht: es wird sich schon Alles machen, – und lieb ist mir’s doch, dass ich mich auf mein Triebschen jetzt recht freuen kann. Nun soll erst der Genuss kommen! – In diesen Tagen befinde ich mich wieder ziemlich unwohl: leider war ich so unvorsichtig, Diätfehler zu begehen. Ruhe muss dann helfen. Und die habe ich im Ganzen. Ausserdem ist’s mir doch lieb, dann und wann ein wenig unter einige Freunde zu kommen. Die Meistersinger sollen nun am 16 April sein. Gott gebe seinen Segen! – Hier ist Alles ziemlich wohl: nur Franz quält einmal wieder seine Frau! Ich speise meistens allein, und lebe überhaupt viel für mich! –
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Nr. 8 / 8. Januar 1868
Also noch besten Dank für Ihre gute Hausverwaltung, daran ich auch keinen Augenblick zweifle. Ich glaube kaum dass ich’s sehr lange aushalte, ohne einmal wieder nachzusehen und das gute Evchen zu herzen! – Loldi lässt das Schwesterchen grüssen. Nun leben Sie wohl! Bleiben Sie mir gut; empfehlen Sie mich Ihrem Herrn Gemahl zu Gnaden, und sagen Sie allen Andren, sie sollen’s gut machen! – Adieu! Von Herzen Ihr ergebener 7 Jan. 1868. Rich. Wagner. Richter macht hier gross Glück: dieser Tage kommt seine Mutter. –
8.
A N C HARLES N UITTER IN PARIS M ÜNCHEN , M ITTWOCH , 8. JANUAR 1868
Cher ami,
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encore merci! – Je vous renvoie les polices soussignées par moi: vous aurez l’amitié de garder les seconds exemplaires – en plenipotenciaire, comme quel je vous regarde, quoique vous trouvez encore des difficultés pour la verification des pouvoirs, que je desire vous transferer. – Je comprends fort bien votre situation vis-à-vis l’affaire Lohengrin – Carvallo, et sais approuver vos ménagements. C’est toujours très curieux, et il y a la dedans quelque chose comme de la fatalité. Vous connaissez du reste ma seule condition – c’est la vocation de Bulow; sans cela je ne verrais aucune garantie d’une bonne marche. Ehbien, Bulow consent à accepter du moment qu’il sera apellé. Je vous charge de soigner ses intérêts personnels pour ce cas d’après votre avis quant à une juste recompense, pour la quelle de sa part il ne pense pas à une affaire de gain, mais seulement de complet dedommagement. De sa part il ne met qu’une seule condition, c’est à dire la prise des mesures propres pour assurer une bonne execution. – Il est sure d’avoir la permission du Roi de Bavière d’un congé suffisant.
Nr. 9 / 10. Januar 1868 20
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Et maintenant, soyez béni, mon bien aimé Charles, pour votre amitié! Mes saluts le plus amicaux à votre cher père! – Tout à Vous Munic. Richard Wagner. 8 Janv. 1868.
9.
A N B ERTHA G OLDWAG IN W IEN M ÜNCHEN , F REITAG , 10. JANUAR 1868
Liebe Fräulein Bertha!
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Ich habe in diesem Augenblick gar, gar kein bischen Geld, und bin ganz ausgeplündert. Gott weiss, es ist mir so viel zusammen gekommen, dass ich mir gar nicht zu helfen weiss. Dass Sie dadurch in Verlegenheit kommen, thut mir schrecklich leid: wirklich, ich glaubte nicht dass es so viel machen würde. Jetzt helfen Sie sich nur noch ein klein wenig: ich muss schon sehen wie ich Ihnen bald mit etwas zu Hilfe komme. Gewiss soll Ihnen alle Beschwerde vollständig vergolten werden. Borgen Sie, auf Zinsen, wie es geht: nur ein wenig Zeit, – das ist Alles: – ich bin halt eben etwas zu dick hineingegangen. – Denken Sie nun, ich möchte auch gern noch 10 Ellen von dem schönen schweren Rosa-Atlas – von dem Sie mir auch den letzten gesteppten Schlafrock besorgten – haben: wenn Vreneli in Luzern (immer auf Triebschen) den Stoff bald haben könnte, wär’s sehr gut. – Aber, wie soll ich Ihnen das jetzt zumuthen können? – Es geht doch wohl nicht! – Jedoch, nur etwas Geduld! Bald werd’ ich mich wieder etwas arrangirt haben, und Sie bekommen dann nachträglich auch noch ein recht schönes Weihnachtgeschenk. – Vreneli u. das ganze Personal sind fortwährend in Luzern. – Ich bin für einige Zeit hier. Briefe durch Anna Mrazeck 21. Briennerstrasse. Sonst nach Luzern. – Jetzt bleiben Sie mir gut: Alles andre wird sich schon machen. Besten Gruss von Ihrem München. sehr verpflichteten 10 Jan. 1868. Rich. Wagner.
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Themenkommentar
1. Reisen und Aufenthalte a) München – Luzern Wie schon im Jahr zuvor gab es 1868 für Wagners Aufenthalte in München sowohl persönliche als auch künstlerische Gründe. Längst stand für ihn fest, dass er seinen Lebensmittelpunkt nicht wieder in die Nähe seines Gönners König Ludwig II. von Bayern verlegen,1 sondern für die nächsten Jahre im Refugium Tribschen bleiben würde;2 München sollte jedoch als Nebenwohnsitz bis auf Weiteres zur Durchführung seiner Projekte jederzeit zur Verfügung stehen.3 Viermal fuhr Wagner 1868 dorthin. Als wichtigstes Ereignis des Jahres stand die Uraufführung der Meistersinger von Nürnberg auf dem Plan. Ab dem Jahreswechsel 1867/68 waren die Vorbereitungen in vollem Gange. Wagner hatte sich von Anfang an die künstlerische Oberaufsicht vorbehalten und Hans von Bülow zum musikalischen Leiter bestimmt (ThK 2a, b). Seit Weihnachten 1867 hielt Wagner sich in München auf.4 Er wohnte dort wiederum als Gast bei der Familie von Bülow.5 Die Situation im Haushalt der Bülows dürfte angesichts der außerehelichen Beziehung zwischen Wagner und Cosima von Bülow (ThK 3) äußerst angespannt gewesen sein. Doch traten die persönlichen Spannungen anscheinend weitgehend hinter den gemeinsamen künstlerischen Zielen zurück. Diese Grundstimmung schlägt sich in mehreren Einträgen in Wagners Annalen nieder: „Erste Jahres1 Ludwig II. hatte Wagner wiederholt zur Rückkehr zu überreden versucht. Bereits drei Monate nach der Ausweisung aus Bayern, am 18. Februar 1866 (Br Ludwig, Bd. 1, Nr. 215), stellte er Wagner die Rückkehr nach München für den kommenden Mai in Aussicht. Zu den verschiedenen Plänen siehe SBr 18, Nr. 4 K/36–37. 2 Vgl. z. B. SBr 19, Nr. 275/11–16. In seinen Annalen (Braunes Buch, S. 198) notierte Wagner während seines zweiten München-Aufenthalts 1868 dazu neuerlich: „Unmöglichkeit des Versuches mit München bereits klar erkannt. Resultat: die Meistersinger abwarten.“ 3 Siehe SBr 19, Nr. 91 K/7–8; vgl. Nr. 68/18–21. 4 Siehe SBr 19, Nr. 289 K/10. 5 Siehe Anm. 133.
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stunde. Entscheidende Omina. C’s Ring verloren und wiedergefunden. Grosse Bangnisse. – Hans zurück. Sein Geburtstag (8 Jan.) bei Queroy. Toast: ‚freudelose Erfolge‘! Einsame Wanderung durch die Stadt. Gute Stimmung. [...] Viel Hartes u. Leidenvolles.“6 Gegen Ende Januar beschloss Wagner, so schnell wie möglich abzureisen – und sich zumindest solange ins „Luzerner Asyl“ zurückzuziehen, wie seine „Anwesenheit in München dem erst in Vorbereitung begriffenen Studium der ‚Meistersinger‘ von keinem besondren Nutzen“ sein konnte (Nr. 32/2–5). Nachdem er am Samstag, dem 8. Februar, noch seinem Verleger eine letzte Anweisung zur Herstellung des Notenmaterials der Meistersinger gegeben hatte (Nr. 33), brach er nachmittags mit dem Zug Richtung Augsburg auf und überquerte am nächsten Morgen mit dem Dampfschiff den Bodensee. Von Romanshorn aus setzte er die Bahnfahrt fort und traf Sonntagmittag in Luzern ein.7 Fünf Wochen später, am 17. März, brach Wagner – wie es scheint, ziemlich überraschend8 – erneut nach München auf.9 Er selbst führte gesundheitliche Gründe für die Reise an (Nr. 58/2–7). 6 Braunes Buch, S. 197. Hans von Bülow hatte über den Jahreswechsel eine Reise nach Prag und Dresden unternommen, um die dortigen Opernkräfte zu „inspizieren“ (Bülow, Neue Briefe, S. 233). 7 Anhand der von Cosima von Bülow mitgeteilten Uhrzeiten (siehe Nr. *34 K) lassen sich die genauen Reisezeiten rekonstruieren: Abfahrt 17.20 Uhr in München, Ankunft in Augsburg 18.35 Uhr, Weiterfahrt 21 Uhr, Ankunft in Lindau 4.30 Uhr mit sofortigem Dampfschiffanschluss. Weiterfahrt ab Romanshorn 6.25 Uhr, Ankunft in Zürich 9.20 Uhr, Ankunft in Luzern 11.40 Uhr. – Diese und alle folgenden Angaben zu den Reiseverbindungen nach dem Kurs-Buch der Königlich Württembergischen Verkehrsanstalten, nebst den Eisenbahnverbindungen in den süddeutschen Staaten und der Schweiz, ... bearbeitet von A. Rimmele, Nr. 11 (Fahrplan ab 15. Oktober 1867), Nr. 12 (ab 1. Juni 1868), Nr. 13 (ab 15. Oktober 1868), Stuttgart 1867/68. – Zur Tagesverbindung München–Luzern, die Wagner mehrmals nutzte, siehe Nr. 140 K/9. 8 Am Abend des 18. März hatte Ludwig II. durch Hans von Bülow erfahren, dass Wagner am Vortag wieder in München eingetroffen war. Das Gespräch hatte im Anschluss an ein Konzert Bülows stattgefunden. Der König schrieb an Cosima u. a.: „Glückselig bin ich, den Freund hier zu wissen“ (Br Cosima – Ludwig, S. 492). 9 Von Luzern nach München gab es eine günstige Tagesverbindung: Abfahrt 5.20 Uhr morgens, Ankunft in München um 19.50 Uhr.
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In München erwartete ihn zwei Tage nach seiner Ankunft eine unangenehme Überraschung in Form eines Gerichtsbeschlusses, der ihn unter Androhung von Schuldhaft zur sofortigen Rückzahlung eines alten Darlehens nebst Zinsen aus seiner Dresdner Kapellmeisterzeit zwang.10 Mit der Präsentation des alten Schuldscheins war offenbar ganz bewusst bis zum Tag von Wagners Rückkehr nach München gewartet worden. Die Meistersinger-Vorbereitungen steckten zu dieser Zeit noch in den Besetzungsverhandlungen fest, die Proben waren „immer noch in keinen rechten Fluss“ (Nr. 66/13–14) gekommen, so dass Wagner so rasch wie möglich wieder abzureisen gedachte.11 Er schob aber seine Rückreise mehrmals auf, und auch über die Dauer seiner Abwesenheit von München war er noch unsicher – schwankend zwischen acht Tagen und sechs Wochen –, offenbar immer auf einen baldigen Aufführungstermin hoffend.12 Am 16. April entschied er sich zur Abreise (Nr. 84/15–16), als sich abzeichnete, dass die Premiere voraussichtlich nicht vor Mitte Juni stattfinden würde. Wagner fuhr in München am Abend des 20. April ab und übernachtete in Augsburg im Hotel Drei Mohren; am nächsten Tag besichtigte er einige Sehenswürdigkeiten der Stadt und setzte am Abend die Reise nach Luzern fort, wo er am 22. April mittags eintraf.13 Dort befasste er sich mit der Herausgabe mehrerer Schriften: Er schrieb das Vorwort zur zweiten Auflage von Oper und Drama, redigierte seine Aufsatzserie Deutsche Kunst und deutsche Politik14 und verfasste seine Erinnerungen an Schnorr von Carolsfeld15 für die Neue Zeitschrift für Musik. 10 11 12 13
Siehe Nr. 60 K/5–6. Vgl. auch Nr. 67. Vgl. Nr. 77, Nr. 82/1–6. Vgl. Nr. 87. Wagner dokumentierte die Fahrt in seinen Annalen: „Nachtzug: Augsburg; Rathaus. 3 Mohren.“ (Braunes Buch, S. 198). Die Angabe „Nachtzug“ deutet auf den letzten Zug von München nach Augsburg, der 22.10 Uhr abfuhr; an diesen Zug bestand kein Anschluss zur Weiterfahrt nach Lindau. – Aus dem Telegramm, das Wagner am frühen Morgen des 22. April aus Romanshorn an Cosima von Bülow sandte (siehe Nr. *34 K), lässt sich schließen, dass er die Fahrt am Abend zuvor um 21 Uhr von Augsburg aus fortgesetzt hatte. Vgl. dazu Anm. 7. 14 Siehe Nr. 89. 15 Siehe Nr. 102 K/1.
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Am 12. Mai kam Cosima von Bülow in Begleitung ihrer drei älteren Töchter und ihrer Schwiegermutter Franziska von Bülow für wenige Tage nach Tribschen;16 die jüngste Tochter Eva befand sich dort seit ihrer Geburt im Februar 1867. Am 20. Mai fuhr Cosima allein nach München zurück.17 Wagner reiste „selbst am 21 Mai nach“18 – einen Tag vor seinem Geburtstag. Wie schon im Jahr zuvor traf er am Geburtstag mit König Ludwig II. zusammen; in seinen Annalen vermerkte er: „Mittag (Geburtstag) mit dem König auf d. Roseninsel gespeist. (Tristanfahrt.)“.19 Die folgenden dreieinhalb Wochen waren ausgefüllt mit anstrengender Probenarbeit für die Meistersinger. Die vier Töchter Cosima von Bülows blieben während dieser Zeit bis Mitte Oktober in Tribschen. Wagner reiste am 24. Juni, drei Tage nach der Uraufführung der Meistersinger, nach Luzern zurück. Er wählte dafür die Tagesverbindung,20 wie die beiden Telegramme an Cosima von diesem Tag belegen (Nr. 141, 142). Sie folgte nach mehreren Verzögerungen am 21. Juli.21 Von Luzern aus brachen Wagner und Cosima Mitte September zu einer gemeinsamen Erholungsreise nach Norditalien auf (ThK 1b). Als Cosima am 14. Oktober mit ihren vier Töchtern letztmalig nach München reiste, begleitete Wagner sie bis Augsburg und übernachtete dort. Tags darauf fuhr er zurück und sandte Cosima von Zürich aus noch ein launiges Telegramm (Nr. 259).22 Wagner begab sich am 1. November nochmals zu einem eintägigen Aufenthalt nach München – diesmal in sehr persönlicher Angelegenheit, seiner Beziehung zu Cosima (ThK 3). Von dort aus reiste er nach Leipzig weiter (ThK 1c). 16 Das Reisedatum teilt Cosima am 10. Mai Ludwig II. mit: „Nächsten Dienstag fahre ich nach Tribschen um Kinder und Schwiegermutter dort zu installieren, in einigen Tagen bin ich wieder zurück“ (Br Cosima – Ludwig, S. 497). – Hans von Bülows Mutter Franziska wohnte schon einige Zeit bei Bülows in München. Bülow schreibt am 4. Januar 1868 an Carl Bechstein: „Daß meine Mutter hierher gezogen und sich besser in M. als in Berlin gefällt, wissen Sie wohl schon.“ (Bülow, Neue Briefe, S. 234). 17 Braunes Buch, S. 198. 18 Ebd. – Reiseverlauf wohl wie in Anm. 9. 19 Ebd. – Siehe dazu auch Nr. 110 K/2. 20 Siehe Nr. 140 K/9. 21 Siehe Nr. 176 K/4. 22 Siehe Braunes Buch, S. 200.
Abb. 8: Erich Correns, Bildnis Ludwigs II. vor seinem Dampfboot Tristan bei Schloss Berg (Aquarell, 1867)
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Kommentar zu den einzelnen Briefen 1.
A N V ERENA S TOCKER , 2. JANUAR 1868
ORIGINAL: Bayreuth NA, I A 6a, Nr. 13. – AUSGABEN: Br Vreneli, Nr. 9 (S. 172–173) (unvollst.). – WBV 4878. TEXTKONSTITUIERUNG Original: 40 Eines / 52 sie. ERLÄUTERUNGEN Antwort auf eine Sendung der Adressatin (erschlossen aus Z. 2). – Beantwortet (erschlossen aus Nr. 7/2). 3 Pariser Sendung] Vgl. Nr. 7/6–7. 4–5 bei ... Cornelius mit Porges u. s. w.] Siehe SBr 19, Nr. 306 K. 6–7 Ev’chen ... Bericht] Wagners und Cosima von Bülows zweite Tochter Eva war am 17. Februar 1867 in Tribschen geboren worden. Seitdem befand sie sich dort unter der Obhut der Adressatin und des Kindermädchens Lucie. 6 Frau v. B.] Cosima von Bülow. 9 Stuhl mit dem Kübel] Siehe SBr 19, Nr. 254. 20 allen ihren Kindern] Außer der jüngsten Tochter Eva (siehe K/6–7) hatte Cosima von Bülow drei weitere Töchter: Daniela, Blandine und Isolde. Letztere war auch ein Kind Wagners. Zum Aufenthalt der älteren Töchter im Jahr 1868 siehe ThK 1a. 27–28 wieder Anzeigen ... Briefe an mich] Siehe SBr 18, Nr. 7 K/208– 213. 40 Jacob] Jakob Stocker. 46–47 Nachricht ... aus Freiburg ... fl. 100] Vgl. Nr. 7/13–14; siehe Nr. 6 K/1–2. 50 die Leute] Gemeint sind die in Tribschen in Wagners Diensten stehenden Personen. Neben Verena Stocker, der Haushälterin, und ihrem Ehemann Jakob, Wagners persönlichem Diener, waren dies: ein Hausknecht Peter (Nr. 43/9), später dann Joseph, offenbar nur vorübergehend ein Handwerker namens Paul (vgl. Nr. 7/10, 10/28–30, 12/30, 20/24; SBr 19, Nr. 300/19–24), das Stubenmädchen Marie und die Köchin Rosa (Nr. 303/55–57). Lucie war als Kindermädchen von Eva angestellt und Agnes als Erzieherin von Blandine und Daniela.
2.
A N H ANS B RONSART VON S CHELLENDORF, 5. JANUAR 1868
ORIGINAL: letzter Nachweis: Henrici, Aukt.-Kat. 63 (9. 10. 1920), Nr. 123; Umschlag: letzter Nachweis: Freeman’s, Aukt.-Kat. 14. 1. 2010, Nr. 213 (S. 51). – ADRESSE: „Sr. Hochwohlgeboren | Herrn | H. von Bronsart | Intendant des Königlichen | Hoftheaters in | Hannover“
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Kommentar
(nach Freeman’s). – AUSGABEN: Liepmannssohn, Aukt.-Kat. 44 (19. 5. 1919), Nr. 269 (S. 38) (Ausz.); Henrici (Ausz.); Freeman’s (Faks. Umschlag). – WBV 4879. TEXTKONSTITUIERUNG Redaktionsvorlage: Liepmannssohn. – Lesarten bei Henrici: 1–2 vollständige Ruhe haben / 4 deutsches Theater / 5 so muss auch / 5–6 Verzweiflungsvollste aufathmen. ERLÄUTERUNGEN Antwort auf ein Schreiben des Adressaten (erschlossen aus Z. 1–2). 2–5 Fall durchaus einzig ... solchen Intendanten] Bei der Einstudierung des Fliegenden Holländers in Hannover hatte es scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten gegeben. Bronsart von Schellendorf hatte Wagner zur Information über die aktuellen Vorgänge u. a. einen Brief der Sängerin Henriette Garthe, die in der Rolle der Senta besetzt war, beigelegt. (Wagner schrieb seine Antwort an den Intendanten auf die letzte Seite dieses Briefes.) Wie aus dem Brief Garthes hervorgeht, war man „zu dem Entschluß gekommen, die Oper ganz ad acta zu legen, trotz der vielen Proben“ (zit. nach Liepmannssohn). Diese Angelegenheit erwähnt auch Hans von Bülow in seinem Brief an Bronsart von Schellendorf vom 23. Januar (Bülow, Briefe und Schriften, Bd. 5, S. 223): „Den ‚Sentabrief‘ hast Du wohl erhalten?“ In dortiger Anmerkung 1 heißt es als Erklärung: „Ein Brief Wagner’s an Bronsart über eine Anfrage der Hannöver’schen Primadonna, die eine Transposition der zweiten Hälfte des großen Duettes im II. Akt des ‚Holländer‘ verlangte und der Versicherung Bronsart’s ‚das wäre eine künstlerische Ungeheuerlichkeit‘ nicht glauben wollte. Sie erhielt keine direkte Antwort und mußte sich mit W.’s Auslassung an Bronsart begnügen, deren für sie wenig schmeichelhafter Wortlaut ihr allerdings vorenthalten oder vielmehr in die Mittheilung ‚transponirt‘ wurde, die Änderung sei unstatthaft.“ – Offenbar war es einzig dem ungewöhnlichen, persönlichen Einsatz Bronsarts zu verdanken, dass die Aufführung schließlich doch noch zustande kam; sie fand allerdings erst am 2. April 1869 statt (Wiederholung am 17. Mai; Theaterzettel, Staatstheater Hannover). Zu den Mitwirkenden gehörte auch Max Stägemann (Holländer), einer der Kandidaten für die Partie des Hans Sachs in der MeistersingerUraufführung (siehe ThK 2b, Nr. 5 K/21–22).
3.
*A N AUGUST R ÖCKEL , 6. JANUAR 1868
Erschlossen aus Wagners Brief an Oscar Schanzenbach vom selben Tag: „Aus dem eingelegten Schreiben ersehen Sie, dass sich der arme, nichtswürdig verrathene und preisgegebene Röckel an mich mit der Aufforde-
Briefe Januar 1868
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rung wendet, seine Angelegenheit unmittelbar dem Fürsten Hohenlohe vorzutragen. Ich telegraphire ihm soeben“ (Nr. 4/6–9).
4.
A N O SCAR S CHANZENBACH , 6. JANUAR 1868
ORIGINAL: Verbleib unbekannt. – ABSCHRIFT: Bayreuth NA, I B n Sch, Nr. 4. – AUSGABEN: Dorotheum, Aukt.-Kat. 1528 (23. 5. 1985), Nr. 1503 (S. 25) (Ausz.). – WBV 4880. TEXTKONSTITUIERUNG Redaktionsvorlage: Abschrift. – Vorlage: 18 den zu auch. ERLÄUTERUNGEN 2 freundliche Charakter ... Besuches] Schanzenbach, der Hausarzt Wagners und des Ministers des Königlichen Hauses und des Äußern Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst, hatte ein Jahr zuvor den persönlichen Kontakt zwischen beiden hergestellt und fungierte immer wieder als Mittelsmann (siehe SBr 19, Nr. 34 K/2–3). 3–6 Ihre Intervention ... eingelegten Schreiben] Der Brief August Röckels ist nicht überliefert. – Es kann mangels Dokumenten nur vermutet werden, dass es bei Röckels Anliegen um aktuelle Querelen bei der Süddeutschen Presse ging. Die offiziöse Münchner Zeitung unterstand dem von Hohenlohe geleiteten Außenministerium (siehe SBr 19, S. 351, Anm. 112). Zwischen Julius Fröbel, dem Herausgeber der Süddeutschen Presse, auf der einen Seite und Wagner und seinen Anhängern auf der anderen war es Ende 1867, bereits kurz nach Gründung der Zeitung, zu unüberbrückbaren Meinungsdifferenzen gekommen (zur Zeitungsgründung und zum Konflikt zwischen Wagner und Fröbel siehe ausführlich SBr 19, ThK 4b). Röckel blieb noch einige Zeit in seiner Stellung als Redakteur bei der Süddeutschen Presse (siehe SBr 19, Nr. 34 K/10–14, Nr. 282/19–24). Im Frühjahr 1868 verließ er München und übersiedelte nach Wien (Signale, 26. Jg., Nr. 24, 17. April 1868, S. 464; ebd., Nr. 26, 1. Mai 1868, S. 509). 14–15 Ehre eines Besuches bei dem Fürsten] Zu Wagners erstem Zusammentreffen mit Hohenlohe siehe SBr 19, Nr. 54; zu ihrem persönlichen Verkehr während Wagners München-Aufenthalt im Januar 1868 siehe Nr. 23 K/1–2.
5.
A N F RANZ B ETZ , 7. JANUAR 1868
ORIGINAL: letzter Nachweis: Gottschalk, Kat. 4 (1911), Nr. 31. – ABSCHRIFT: (1) Bayreuth NA, I B a 4; (2) Luzern ZHB, Wagner 671; (3) New
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Kommentar
York PLPA. – AUSGABEN: Kloss, Meistersinger, S. 69–70 (unvollst.). – WBV 4881. TEXTKONSTITUIERUNG Redaktionsvorlage: Abschrift (2). – Vorlage: und ist durchgängig mit „&“ abgekürzt. – Lesarten Abschrift (1): 1 Herr, / 16 hatte / 20 übel gesinnten / 39 Richard Wagner. – Abschrift (3): 9 nur Ihnen / 13 nun der / 14 eine erste / 16 hatte / 19–20 Hülsen für mich / 22 Herrn von Stägemann. ERLÄUTERUNGEN Antwort auf ein Schreiben des Adressaten (erschlossen aus Z. 2–5, 25). – Beantwortet (erschlossen aus Nr. 50/2–3, Nr. 63/2–4). 2 unangenehm berührenden Erfahrungen] Näheres nicht bekannt. Betz hatte im Sommer des Vorjahres bei den Münchner Musteraufführungen von Lohengrin und Tannhäuser (siehe SBr 19, ThK 3) als Telramund bzw. Wolfram von Eschenbach gastiert. – Anlass für Betz’ Brief an Wagner, auf den dieser hier antwortet, war eine Anfrage der Münchner Intendanz bezüglich der Übernahme der Partie des Hans Sachs in den Meistersingern von Nürnberg (siehe K/25–26). – Siehe auch ThK 2b. 3–5 Verhältnissen ... Ernennung ... nicht mehr bestehen] Per 1. Januar 1868 war Karl von Perfall offiziell zum Hoftheaterintendanten ernannt worden; damit war die Leitung des Hoftheaters und der Hofmusikkapelle (seit 1864) in seiner Person administrativ vereinigt (Handschreiben vom 2. Januar 1868, unterzeichnet von Ludwig II.; BHStA, Intendanz Hoftheater, Personalakten 91). Auf Wagners monatelanges Insistieren hin war bereits im November des Vorjahres ein Leitungswechsel erfolgt und Perfall zunächst kommissarisch das Amt übertragen worden (siehe SBr 19, Nr. 69 K/21–24). Hans von Bülow hatte sich kurz nach Perfalls Amtsantritt anerkennend über ihn geäußert (16. Dezember 1867, an Hans Bronsart von Schellendorf; Bülow, Briefe und Schriften, Bd. 5, S. 216). – Im Verlauf der Vorbereitungen für die Uraufführung der Meistersinger von Nürnberg kam es allerdings immer wieder zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen Komponist und Intendant, sowohl in der Personalpolitik (siehe ThK 2b) als auch hinsichtlich der künstlerisch-praktischen Realisierung des neuen Werkes auf der Bühne, was sich in etlichen Briefen der folgenden Monate niederschlägt und immer wieder auch in Wagners autobiographischen Notizen anklingt (Braunes Buch, S. 197–199). Dies war sicherlich ein weiterer Grund für Wagners Entscheidung – neben seiner persönlichen und familiären Situation (siehe ThK 3) –, sich endgültig aus allen Theaterangelegenheiten zurückzuziehen. Zu Perfalls rückschauender Bewertung siehe Nr. 136 K/5. 10 glänzenden Kontrakt mit Berlin] In der Neuen Zeitschrift für Musik vom 22. November 1867 (Bd. 63/II, Nr. 48, S. 427) war unter der Rubrik „Opernpersonalien“ zu lesen: „Barytonist
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Betz in Berlin, erneuerter lebenslänglicher Contract“. Offenbar hatte man nach Betz’ Gastspiel in München im Sommer 1867 versucht, ihn für die dortige Bühne abzuwerben. Anfang April ... Aufführung der Meistersinger] Siehe ThK 2b. auf Gegenseitigkeit ... nächst-ersten Aufführung] Die Absicht zu einer solchen kooperativen Einstudierung bestand seitens des Komponisten zunächst in Hinblick auf die Wiener Erstaufführung (siehe dazu SBr 19, Nr. 264 K/40–41), dann aber offenbar auch für Hannover, wie Hans von Bülow – wenn auch inoffiziell – am 16. Dezember 1867 gegenüber Hans Bronsart von Schellendorf äußerte (Bülow, Briefe und Schriften, Bd. 5, S. 217): „Dagegen ein großes norddeutsches und desgleichen süddeutsches Theater, wie Hannover und München (unsere künstlerischen Kräfte werden sich quantitativ und qualitativ ziemlich genau die Wage halten) – das ist eine weit bessere und praktischere Idee – praktisch wegen der Personen der beiden Chefs.“ Hülsen ... übel gestimmten Theaterchef] Siehe Nr. 270 K/33–34. Begünstigung ... Bronsart ... für Stägemann] Im Sommer 1867 – als sich bereits Besetzungsprobleme für die Meistersinger-Uraufführung abzeichneten – hatte der Intendant des Königlichen Hoftheaters in Hannover, Hans Bronsart von Schellendorf, den Bariton Max Stägemann als Hans Sachs empfohlen (siehe SBr 19, Nr. 198 K/2–3). Wagner war skeptisch, da er den erst 24-jährigen Stägemann für zu jung hielt. In einem späteren Brief an Betz ist überdies von einer ungeeigneten „Naturcharakteranlage“ (Nr. 81/42) die Rede. Hans von Bülow kommentierte Wagners Vorbehalte am 16. Dezember 1867 gegenüber Bronsart: „Wagner ist mißtrauisch gegen Künstler, die er nicht selbst gehört hat. Ich habe ihn über Stägemann aufgeklärt, von dem ich ganz dasselbe halte, was Du. Baron Perfall hat der Form wegen (auch um Allerhöchsten Orts über das früher Projectirte gehörig referiren zu können) nochmals nach Wien geschrieben [Brief an Beck vom 10. Dezember 1867; siehe ThK 2b, Nr. 35 K/3]; die abschlägige Antwort betreffs Beck ist unzweifelhaft. Dann wird er sich sogleich direkt in Verbindung mit Dir setzen“ (Bülow, Briefe und Schriften, Bd. 5, S. 217). Nach der Absage Johann Nepomuk Becks, Wagners Favoriten für die Rolle, nahm die Münchner Intendanz nun konkrete Verhandlungen mit Stägemann auf. Darum ging es auch in dem von Wagner am 5. Januar (Nr. 2) beantworteten, nicht überlieferten Brief Bronsarts. Spätestens Ende Januar war man handelseinig (Perfall an Ludwig II., Briefentwurf vom 19. Januar 1868, und Korrespondenz zwischen Perfall und Stägemann; BHStA Intendanz Bayer. Staatsoper 1058): Der vom 29. Januar datierte Vertrag, von Stägemann am 2. Februar unterzeichnet nach München zurückgesandt, sah eine Präsenz in München für die Zeit vom 16. März bis 30. April für Proben und erste Vor-
RICHARD WAGNER SÄMTLICHE BRIEFE
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herausgegeben im Auftrag der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth Band 1 Band 2 Band 3 Band 4 Band 5 Band 6 Band 7 Band 8 Band 9
SÄMTLICHE BRIEFE
bis März 1842 April 1842 – Mai 1849 Mai 1849 – Mai 1851 Mai 1851 – Sept. 1852 Sept. 1852 – Januar 1854 Januar 1854 – Februar 1855 März 1855 – März 1856 April 1856 – Juli 1857 August 1857 – August 1858
BAND 20 1868
Wissenschaftliche Neukonzeption von Werner Breig (1999) Band 10 August 1858 – März 1859 Band 11 April – Dezember 1859 Band 12 1860 Band 13 1861 Band 14 1862 Band 15 1863 Band 16 1864 Band 17 1865 Band 18 1866 Band 19 1867 Band 20 1868 Band 21 1869 Band 22 1870 Band 23 1871 Band 24 1872 Band 25 1873 Weitere Bände in Vorbereitung
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RICHARD WAGNER SÄMTLICHE BRIEFE BAND 20
RICHARD WAGNER SÄMTLICHE BRIEFE 20 Briefe des Jahres 1868 herausgegeben von Margret Jestremski Mit den Meistersingern von Nürnberg – am 21. Juni 1868 in München unter Hans von Bülow uraufgeführt – feiert Wagner einen sensationellen Erfolg. Die nervenaufreibenden Aufführungsvorbereitungen sind ein Hauptthema in der Korrespondenz dieser Zeit. Neue Angebote kommen aus Paris, wo seit dem Tannhäuser-Skandal 1861 keine weiteren Wagner-Opern mehr gespielt worden sind; monatelang verhandelt Wagner über Aufführungsoptionen zu Lohengrin und Rienzi. Zahlreiche Schreiben geben Auskunft über Privates. Wagner kümmert sich um die Aus- und Umgestaltung seines Wohnhauses in Luzern. Cosima von Bülow ringt sich zu einem schwerwiegenden Entschluss durch: Sie trennt sich im November endgültig von ihrem Ehemann und übersiedelt dauerhaft zu Wagner. Der Band enthält etliche Erstveröffentlichungen oder bislang nur auszugsweise bekannte Briefe. Dazu gehören auch unbekannte Auszüge aus Briefen an Cosima von Bülow, die Einblicke in Wagners Lektüre geben.
Als Grundlage für die Bände 10 ff der Briefausgabe dient das Buch: Werner Breig . Martin Dürrer . Andreas Mielke Chronologisches Verzeichnis der Briefe von Richard Wagner – Wagner-Briefe-Verzeichnis (WBV)