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REICHES TIER-REICH 9
DIE QUALLE 10
DER SEESTERN 12
DIE KRABBE 14
Nomadenkinder 16
DIE LIBELLE 18
DIE EINTAGSFLIEGE 20
DIE ZIKADE 22



Nach Jahreszeit gekleidet 24
DER MARIENKÄFER 28
DER HERKULESKÄFER 30
DIE HoNIGBIENE 32

Künstler der Schnellverwandlung 34
DIE SCHMEISSFLIEGE 38

DER SCHWALBENSCHWANZ 40
DER ATLASSPINNER 42
DER GRoSSE GABELSCHWANZ 44
Jungs und Männer 46
DER AAL 50
DIE SCHoLLE 52
DER IMPERAToR-KAISERFISCH 54
DER FRoSCH 56
Pyjamakinder 58
DER ALBATRoS 62
DER ARA 64
DER GRoSSE PANDA 66
REGISTER 68
















Das Tierreich ist viel reicher, als man denkt. Stell dir vor: Zu jeder Schmetterlingsart gehören vier oder fünf Raupenstadien, die alle unterschiedlich sind, und darüber hinaus noch eine völlig anders aussehende Puppe. Vergleicht man sie miteinander, könnte man sie glatt für verschiedene Tierarten halten.


Auch Käfer, Krabben, Muscheln und Frösche verwandeln sich im Laufe ihres Lebens. Kennst du nur die ausgewachsenen Tiere, dann erkennst du sie nicht als Kind. Und umgekehrt schon gar nicht. Metamorphose nennt man diese Verwandlung.





Neu eingekleidet und mit einer neuen Frisur siehst auch du ganz anders aus. Aber wie du dich von einem Baby bis zu deinem heutigen Aussehen verändert hast, das ist erst recht eine Metamorphose.* So kannst du in diesem Buch sehen, wie ein kahles Küken zu einem bunten Papageien heranwächst. Oder ein nacktes Baby zu einem plüschigen Panda. Außer beim Heranwachsen verändern sich viele Tiere auch je nach Jahreszeit, manche davon sogar innerhalb von Sekunden. Das Tierreich ist also noch viel reicher an Formen als an Arten.

In diesem Buch kannst du ganz unterschiedliche Verwandlungen von Tieren aller Art miterleben, eine noch wundersamer als die andere. Der Reichtum in der Welt der Metamorphose ist geradezu unerschöpflich!





Viel Spaß damit!


* Zwar nicht laut den Biologiebüchern, aber hier in diesem Buch nennen wir es mal so.



Quallen sind merkwürdige Wesen, aber ihre Kinder noch viel mehr. Als Babys treiben sie scheinbar ziellos durchs Wasser und als Kleinkinder wachsen sie mit einem ganzen Stapel von Geschwistern zu sammen.
DAS EI
Die meisten Quallenmütter lassen ihre Eier direkt ins Meer ab, aber die Ohrenqualle* – zu erkennen an den vier hellen Kringeln in der Schirmmitte, die wie Ohren aussehen – ist sorgsamer. Sie bewahrt die befruchteten Eier in den dicken Schlieren um ihren Mund auf. Ein Ohrenquallen-Ei hat keine Eischale und kann dadurch immer weiter wachsen. Nach gut einer Woche ist die kleine Larve fertig. Aber aussehen tut sie noch nach gar nichts, erst recht nicht nach einer Qualle. Sie ist ein ovales Scheibchen und noch kleiner als ein Sandkorn.
DIE LARVE
Durchs Mikroskop erkennt man, dass die Larve außen mit winzigen Haarwedeln bedeckt ist. Diese funktionieren wie Ruder. Sobald sie dazu bereit ist, stürzt sich die Babyqualle aus den sicheren Armen ihrer Mutter ins weite Meer hinaus. Aber die Kleine treibt nicht ziellos umher: Sie ist auf der Suche.
DER PoLYP
Nach tagelanger Irrfahrt – und zwar ohne Nahrung –hat die Larve gefunden, was sie sucht: einen geschützten Ort mit einem festen Untergrund. Hier klebt sie sich fest. Nach einer Weile öffnet sich die obere Seite ihres Körpers. Jetzt kann sie endlich fressen, denn das ist ihr Mund. Die Larve hat sich in einen Polypen verwandelt. Mit den Tentakeln, die ihm um den Mund gewachsen sind, greift er kleine Seetiere aus dem Wasser. Gut für sein Wachstum!
DIE BABYQUALLE
Aber was heißt hier Wachstum: Sehr viel größer als einen Zentimeter wird der Polyp nicht. Dann kommt die nächste Verwandlung. Sein Körper gleicht zunehmend einem Stapel wabernder Untertassen. Am unruhigsten ist die oberste Untertasse. Und siehe da, schon löst sie sich von dem Stapel und schwimmt davon. Der Polyp ist jetzt eine Babyqualle (die nun wieder als Larve bezeichnet wird) und nur wenige Millimeter groß.
DIE QUALLE
Die kleine Qualle ähnelt von Ferne einem Schneekristall, allerdings mit acht Ecken anstelle von sechs. Während sie wächst, wird ihr Körper immer runder und dicker. Wenn sie ein paar Zentimeter groß ist, erscheinen auf ihrem Scheibenkörper die kleeblattförmigen vier „Ohren“. Erst dann ist aus ihr eine echte Ohrenqualle geworden.
ART: Ohrenqualle | WISSENSCHAFTLICHER NAME: Aurelia aurita
LEBENSRAUM: alle Weltmeere, besonders in Küstennähe
ZAHL DER EIER: Hunderttausende | ALS LARVE: bis zu 10 Tage
LÄNGE DER LARVE: 0,5 mm | ALS P o LY P: ca. 6 Monate
ALS QUALLE: 4 bis 8 Monate | BREITE DER QUALLE: bis zu 40 cm
* Praktisch zu wissen: Ohrenquallen brennen nicht.
PAARUNG MIT DISTANZ Für die Befruchtung brauchen Ohrenquallen keinen direkten Körperkontakt. Die Männchen geben ihren Samen einfach so ins Meerwasser ab. Sie produzieren so viel davon, dass ganz von allein immer etwas im Mund eines Weibchens landet. In deren Magen befruchten die Samen anschließend die Eier.
Ausgewachsen ist er ein über den Meeresboden gleitender Stern, aber in seiner Jugend war der Seestern ein frei umherschwimmendes Böhnchen. Aber er weiß auch, wie es ist, in Gefangenschaft zu sein.
DAS EI
Ein Seestern-Ei wiegt noch weniger als ein Sandkorn und ist auch genauso klein. Dadurch schwebt es im Meerwasser. Kommt ein Samen hinzu, ist es oft schon weit von Mutter und Vater entfernt. Eine Schale besitzt es nicht, weshalb das Ei sofort wachsen kann.
DIE SCHWIMMLARVE
Das Ei wächst nicht zu einem kleinen Stern heran, sondern zu einer Art Böhnchen. Diese Larve ist winzig, kann mit ihren Tausenden von Flimmerhärchen aber schon gut schwimmen. Damit wedelt sie auch winzige Algen in ihren Mund, die sie in einem ganz kurzen Därmchen verdaut. Die Reste scheidet sie durch das kleinste Poloch aus, das du dir vorstellen kannst. Dank der Nahrung kann die Larve wachsen und sich verwandeln. Ihre Flimmerhaare ordnen sich zu Reihen an und ihr kleiner Leib bekommt einige Ausstülpungen.
DER GROSSE TAG
Wenn der Frühling anbricht, beginnt die Laichzeit der Seesterne. Ein Seestern fängt an, andere riechen das, strömen in Scharen herbei und geben ihre Eier oder Spermien ins Wasser ab, und so schweben später am Tag Milliarden Seestern-Eier im Meer. Das haben jetzt auch die Seesternmänner mitbekommen und lassen ihren Billionen Samen freien Lauf. Die Befruchtung der Eier erfolgt im freien Wasser, weit weg von all den sternförmigen Vätern und Müttern auf dem Meeresboden.

DIE HAFTLARVE
Wenn sie nicht selbst aufgefressen wird, wächst die kleine Larve weiter, allerdings nur um Millimeter. Aus ihrem Kopf wachsen einige Haftarme mit einem klebrigen Saugnapf dazwischen, nicht weit vom Mund entfernt. Die Larve sucht sich ein festes Stück Meeresboden, hält sich mit den Haftarmen fest und drückt den Klebenapf darauf. Kurze Zeit später ist sie festgewachsen.
EIN WACHSENDES STERNCHEN
Der Mund wird jetzt nicht mehr benötigt und auch der Darm und das Po-Loch sind damit überflüssig geworden. Fressen und wachsen wird die Larve nicht mehr, aber dafür wächst ihr Hinterleib in eine andere Form. Er bekommt fünf Spitzen und – tataa! – entsteht ein Stern. Aber außer fünf Armen hat ein Seestern noch einen Mund, einen Magen, einen Darm und ein PoLoch. Auch die entstehen in dem sternförmigen kleinen Hinterleib; der Mund auf der einen Seite, der Po gegenüber. Dann bricht der Hinterleib ab und kriecht über den Meeresboden davon. Er ist noch kleiner als dieses kleine o, aber doch schon ein richtiges Seesternchen.
ART: Gemeiner Seestern
WISSENSCHAFTLICHER NAME: Asterias rubens
LEBENSRAUM: Nordatlantik, besonders entlang der Küste
ZAHL DER EIER: ca. 2,5 Millionen | ALS LARVE ca. 3 Monate
LÄNGE DER LARVE: bis zu 2,5 mm | A LS SEESTERN: bis zu 10 Jahre
BREITE DES SEESTERNS: bis zu 30 cm


Eine Krabbe hat keinen Spitzkopf und erst recht keinen langen Schnabel, obwohl sie beides als Baby besaß. Damals krabbelte sie auch nicht über den Boden, sondern schaukelte mit den Wellen umher.
DAS EI
Kannst du ein Geheimnis für dich behalten? Krabben haben einen Schwanz! Der ist flach und steckt weggeklappt unter ihrem Bauch. Der Schwanz des Weibchens ist besonders breit, und das hat einen Grund: Nach der Paarung in flachem Wasser muss sie einen ganzen Klumpen befruchteter Eier ins tiefere Wasser bringen. Weil sie ihre Beine zum Laufen und zum Zukneifen frei haben will, benutzt sie praktischerweise ihren Schwanz als Eierkorb.
DIE ZoEALARVE
Was aus einem kleinen Krabbenei kommt, ähnelt einer Krabbe noch gar nicht. Es ist ein durchsichtiges kleines Wesen mit großen Augen, einer spitzen Nase und einem ebensolchen Kopf. Mit ihren beiden Beinpaaren paddelt sich diese Zoealarve durchs Wasser, aber die Strömung ist stärker. Dennoch sorgt sie durch eine schlaue Regulierung ihrer Schwimmhöhe dafür, dass die Strömung sie bei Ebbe ins offene Meer hinauszieht. Dort lebt sie zwischen dem übrigen Plankton, wo sie frisst und wächst.
Wird ihr die Haut zu eng, dann zieht sie sie aus und legt sich eine größere zu. So wächst sie von der Größe eines Sandkorns bis zu der einer Kopflaus, sieht dabei aber immer noch aus wie eine Zipfelmütze mit Schnabel. Nach der vierten Häutung lässt sich die Zoea mit der Flut an die Küste schwemmen.
DIE MEGALoPALARVE
Dann kriecht sie zum fünften Mal aus der Haut und kommt als Megalopalarve* mit einem breiten Kopfleib und einem schmalen Schwanz zum Vorschein. Vorn hat sie zwei große Stielaugen und seitlich zehn Beinchen, die beiden vorderen mit Kneifzangen. Abgesehen vom Schwanz ähnelt sie einer kleinen Krabbe schon deutlich mehr. Ab jetzt krabbelt sie auch über den Boden.
VoN DER KLEINEN ZUR AUSGEWACHSENEN KRABBE
Wenn sich die Megalopa wieder häutet, ist aus ihr eine echte Krabbe geworden. Zwar noch grün und klein, aber mit allem Drum und Dran einschließlich des unter dem Bauch weggeklappten Schwanzes. Bevor sie ausgewachsen ist, muss sie noch mindestens zehn Mal aus ihren zu engen Krabbenpanzern kriechen. Das ist immer wieder spannend, denn in den Tagen nach jeder Häutung ist ihr Leib weich und sie kann sich nicht mit ihren Kneifzangen wehren.
ART: Gemeine Strandkrabbe
WISSENSCHAFTLICHER NAME: Carcinus maenas
LEBENSRAUM: ursprünglich Küstenregionen in Europa und Nordwestafrika, durch den Menschen jetzt auch in anderen Weltmeeren
ZAHL DER EIER: bis zu 200 000
ALS LARVE: einige Wochen bis Monate
LÄNGE DER Zo EAL ARVE: bis zu 3 mm | L ÄNGE DER
MEGAL o PAL ARVE: 3 mm
A LS KRABBE: bis zu 10 Jahre | BREITE DES RÜCKENPANZERS: bis zu 9 cm (Männchen); bis zu 7 cm (Weibchen)
WEIBLICHE NACKTHEIT
Ein Weibchen kann sich nur dann paaren, wenn ihr Leib biegsam und weich ist, also direkt nach einer Häutung. Die Männchen riechen es, wenn sie beinahe so weit ist.
Der Krabbenmann, der sie als Erster erreicht, stellt sich über sie und hält so alle anderen Männchen auf Distanz.
Um sich mit ihr paaren zu dürfen, muss er allerdings geduldig warten, bis sie ihren Panzer ausgezogen hat.
* Von altgriechisch megalōpos, „mit großen Augen“. Urheberrechtlich
