


![]()







Urheberrechtlich geschütztes Material
Urheberrechtlich geschütztes Material


»Schwarz ist die Königin der Farben.«
Auguste
Renoir Urheberrechtlich geschütztes Material

Urheberrechtlich geschütztes Material
Plinius der Ältere verrät uns in seiner Naturgeschichte, worauf es bei der Herstellung von Schwarz ankommt: »Schwarz stellt man auf unterschiedliche Weise her, durch den Rauch, der bei der Verbrennung von Harz oder Pech entsteht; zu diesem Zweck hat man Laboratorien erbaut, aus denen der Rauch nicht abziehen kann. Auf diese Weise wird auch das am meisten geschätzte Schwarz aus der Weihrauch-Kiefer hergestellt; man imitiert es mit dem Ruß aus Öfen oder Bädern, das sonst zum Schreiben von Büchern dient.«
große
1930 verkündet der Psychoanalytiker John Carl Flügel seine Theorie des »großen männlichen Verzichts«. Er ist der Ansicht, dass die Herrenbekleidung durch die Ereignisse des späten 18. und des 19. Jahrhunderts deutlich schlichter wurde. Jene Zeit war der Ausgangspunkt für eine nüchterne, einfarbige Männermode.
Schwarz ist nicht gleich Schwarz. Es gibt ganz unterschiedliche Nuancen. Schwarz kann wahlweise asketisch, melancholisch, unheimlich, elegant oder morbid sein. Das Schwarz von Henri Matisse ist alles in einem: »Schwarz ist eine eigenständige Farbe, die alle anderen [Farben] vereint und verschlingt.«
Die Anfänge
Seit Urzeiten ist die Farbe Schwarz eine ständige Begleiterin des Menschen, zunächst in Form einer primitiven und poetischen Felsmalerei. Außerdem ist es die Farbe unseres Universums, das wir beobachten, ohne es wirklich zu verstehen. Wozu auch? Dieses tiefe, von funkelnden Sternen übersäte Schwarz steht ohnehin für sich selbst.
Allmählich entwickelt der Mensch Rituale und Überzeugungen, und so dient dieser unverkennbare Farbton zwangsläufig dazu, das Unfassbare zu bezeichnen: die Nacht, das Unglück, den Tod. Das Unbewusste, die Unterwelt, das Unsichtbare – all das ist schwarz. Die Griechen weisen den Weg. Nyx, die Göttin der Nacht, ist in Schwarz gehüllt, und ihr Wagen wird von schwarzen Pferden oder von Eulen gezogen. Und sie lebt in der Unterwelt, wo sie über den Schlaf und den Tod herrscht.
Soll das geheimnisumwobene Schwarz in der Farbenlehre berücksichtigt werden? Aristoteles ist der Ansicht, dass Farbe durch eine Mischung aus Schwarz und Weiß entsteht. Seine Philosophie rettet unseren Farbton, doch dann kommt Isaac Newton ins Spiel: Im Jahr 1672 zerlegt er reines Licht und präsentiert eine neue Farbordnung, in der Schwarz und Weiß fehlen. Wenn Farbe gleich Licht ist, wie kann dann Schwarz, das die Abwesenheit von Licht bedeutet, eine Farbe sein?
Newton bestätigt, was seit dem Mittelalter viele Menschen denken, so auch Leonardo da Vinci, der schlichtweg verkündet, dass Schwarz keine Farbe ist. Allerdings verrät uns der Künstler nicht, dass das entsprechende Pigment äußerst kostspielig und unbeständig ist… was vermutlich seine Abneigung erklärt.
Verwendung von Beinschwarz oder Holzkohle
Steinzeit
Unterschiedliche Verwendung von Schwarzpigmenten aus Pech, Weinreben, Wolle …
Nicolas Jacques Conté erfindet den Bleistift
Goldenes Zeitalter der aus Galläpfeln hergestellten Tinte
Erfindung der chinesischen Tinte
12. Jahrhundert v. Chr.
Kasimir Malewitsch malt sein Schwarzes Quadrat
12. Jahrhundert
Zerlegung des Lichtspektrums durch Isaac Newton
William Payne entwickelt den Farbton Payne’s Grey
1670–1675
Ende des 18. Jahrhunderts
Pierre Soulages experimentiert mit dem »Outrenoir«
Carl Alexander von Martius entwickelt den Farbton Anilinschwarz
Entwicklung des Farbtons Vantablack
»Man sucht eifrig, man nimmt ganz wenig Elfenbeinschwarz; ach, ist das schön!«
Auguste Renoir
1810 stellt Johann Wolfgang von Goethe Schwarz und Weiß einander gegenüber. Er widerspricht Isaac Newtons Erkenntnissen über das Lichtspektrum. 20 Jahre lang entwickelt er, unter Spott, seine eigene Theorie: Farbe trübt das Licht und erhellt die Dunkelheit. Wissenschaftlich betrachtet, sind seine Überlegungen fehlerhaft, dafür legen sie das Augenmerk auf die Farbwahrnehmung.
Die Erfindung des Buchdrucks, aber auch die strenge Kleidung der protestantischen Reformation und der katholischen Gegenreformation fördern diese Denkweise. Die Tinte der Gelehrten steht im Kontrast zu der Belanglosigkeit von Farbe, und die Kleidermode der treuen Christen widerspricht einer selbstgefälligen Polychromie.
Schwarz ist eine Farbe
Am 6. Dezember 1946 wird in der Pariser Galerie Maeght die Ausstellung »Schwarz ist eine Farbe« eröffnet – ein sehr provokanter Titel angesichts dessen, was seit geraumer Zeit in akademischen Kreisen verlautbart wird. Zu sehen sind Gemälde von Bonnard, Matisse und Braque sowie deren kunstvoller Einsatz von Schwarz.
Doch paradoxerweise wird Schwarz durch diese moralische Haltung zum Trend. Fürsten tragen es zur Schau, und Künstlerinnen und Künstler verwenden es in Porträts. Es folgt das 19. Jahrhundert mit der industriellen Revolution und der Romantik – zwei grundverschiedene Geisteshaltungen, die aber beide der Farbe Schwarz zu erneutem Ansehen verhelfen. Schwarz wird die Farbe der Arbeiterschicht, aber auch des modernen, städtischen Bürgertums. Malerinnen und Maler nutzen es für düstere und geheimnisvolle Werke mit einem teils schonungslosen Realismus, die das Übernatürliche heraufbeschwören; symbolische Darstellungen von Traumwelten, Mythen und dem Unterbewussten, ebenso wie Gemälde, in denen Schwarz die weibliche Sinnlichkeit betont.
Alles und das Gegenteil davon
Was also ist Schwarz? Ein Farbton, der alle Farben des Lichtspektrums absorbiert. Und genau das ist so beunruhigend … die Vorstellung einer absoluten Farbe, die uns völlig verschlingt. Schwarz spricht unsere primitiven und widersprüchlichen Gefühle an. Es bringt uns dazu, uns in unserem dunklen Kinderzimmer zu fürchten, es steht für Trauer und für das Unbekannte, aber auch für die Geborgenheit im Mutterleib. Und dann wäre da noch dieses schwarze Kleid –zeitlos, schlicht, verführerisch. Ein Klassiker.
Ein Klassiker nicht nur in der Mode, sondern auch in der modernen und zeitgenössischen Kunst. Mit der Geometrie dieser Kunst harmoniert die grafische Qualität von Schwarz ebenso wie dessen symbolischer Wert. Ein Schwarz, das nichtssagend und zugleich voller Bedeutungen ist. Intim und universal.

Urheberrechtlich geschütztes Material
Ein wenig Mythologie:
Gottheiten in Schwarz
Anubis (Ägypten)
Gott der Mumifizierung und Herr der Grabstätten
Apaosha (Persien)
Dämon der Dürre
Daikokuten (Japan)
Gott des Reichtums, des Handels und des Warenaustauschs
Kali (Indien)
Göttin der Zeit, des Todes und der Erlösung, zerstörerische und schöpferische Mutter
Nótt (Skandinavien)
Göttin der Nacht
Nyx (Griechenland)
Göttin der Nacht
Tezcatlipoca (Mexiko)
Gott der Vorsehung, der Nacht, der Zwietracht, der Zeit, der Zauberer …
Tschernobog (Baltikum)
Gott der Finsternis und der Nacht
… im Wandel
Über die Jahrhunderte wird seine symbolische Bedeutung immer komplexer:
Während Schwarz einst die Farbe von Trauer oder Geistlichkeit war, entwickelt es sich zum Attribut des Adels, der luxuriöse Stoffe zur Schau trägt, oder der Machthabenden und deren Prunkleidung. So avanciert Schwarz schließlich zum Symbol von Autorität, aber auch von Eleganz.
Widersprüchliche Symbole …
Schwarz symbolisiert in erster Linie die Dunkelheit und somit die Nacht. Diese Finsternis ist eng verknüpft mit der Vorstellung von Angst oder Tod. Das ist nicht weiter überraschend. Doch interessanterweise wird Schwarz auch mit Fruchtbarkeit assoziiert –und zwar in Gestalt des fruchtbaren Nilschlamms.
In der Praxis ist Schwarz eine Farbe, doch aus physikalischer Sicht ist Schwarz die Abwesenheit von Farbe. Was? Wie bitte?
Dazu eine kurze Erklärung: Licht besteht aus mehreren Farben – der Regenbogen ist der beste Beweis dafür! Wenn Sonnenstrahlen auf die Oberfläche eines Objektes treffen, verhalten sich nicht alle Strahlen gleich: Manche von ihnen werden absorbiert und erreichen nie unser Auge; andere werden reflektiert und lassen uns Farben wahrnehmen.
Schwarz vs. Weiß
Wenn ein Objekt von der Sonne angestrahlt wird und uns weiß erscheint, liegt das daran, dass alle einfallenden Sonnenstrahlen reflektiert werden. Wenn das Objekt hingegen alle Strahlen absorbiert, dann erscheint es uns schwarz. Das ist auch der Grund, warum man in schwarzer Kleidung schneller ins Schwitzen kommt als in weißer!
In der Natur kommt reines Schwarz selten vor, aber die Wissenschaft hat sich der Sache angenommen: Seit Jahrzehnten wetteifern geniale Forscherinnen und Forscher darum, ein tiefes, reines Schwarz zu entwickeln – ein absolutes Nichts, in das man versinken kann.
NPL Super Black
Entwickelt von dem National Physical Laboratory (Großbritannien); absorbiert 99,6 % des sichtbaren Lichts.
Pfauenspinnen
Noch vor der Forschung hat die Natur ein Superschwarz hervorgebracht. Die Männchen von Maratus (besser bekannt als Pfauenspinnen), insbesondere von Maratus speciosus und Maratus karrie, weisen schwarze Flecken auf, die 99,5 % des sichtbaren Lichts absorbieren.
Black 3.0
Neuartige Acrylfarbe, eingeführt durch den britischen Künstler Stuart Semple; absorbiert 98 bis 99 % des sichtbaren Lichts.
Entwickelt von Surrey Nanosystems (Großbritannien); absorbiert 99,965 % des sichtbaren Lichts.
2019
»Blackest black«
Das MIT (Massachusetts Institute of Technology) gibt die Entwicklung des »schwärzesten« Materials der Welt bekannt: Es soll 99,995 % des sichtbaren Lichts absorbieren.

Urheberrechtlich geschütztes Material

Höhle von Lascaux
Porträt Philipps des Guten von Burgund
Der Garten der Lüste
Narziss
Porträt einer jungen Frau
Das Neugeborene
Die Nachthexe
Die Erschießung der Aufständischen
Das Floß der Medusa
Porträt der Mutter des Künstlers
Berthe Morisot mit Veilchenstrauß
Madame X (Madame Pierre Gautreau)
Schwarzes Kreuz Guernica
Number 26 A, Black and White
Ohne Titel
J’attends la guerre
Descent Into Limbo

Urheberrechtlich geschütztes Material
18.000 v. Chr. – 15.000 v. Chr.
Die schwarze Farbe von Höhlenmalereien besteht meist aus Holzkohle. Nicht jedoch in Lascaux. Dort kommt der dunkle Farbton durch Manganoxid zustande. Dadurch ist es unmöglich, das Alter der Höhle mithilfe der Radiocarbonmethode zu bestimmen.
Am 8. September 1940 gehen vier junge Männer aus dem Périgord durch den Wald von Lascaux, als ihr Hund plötzlich in einem Loch verschwindet. Einer der Männer, Marcel Ravidat, folgt dem Hund und erblickt eine Höhle. Er glaubt, einen Geheimgang gefunden zu haben. Noch ahnt er nicht, dass er gerade eine der kunstvollsten Höhlenmalereien der Geschichte entdeckt hat.
Meisterwerk in Gefahr
1963 lässt André Malraux die Höhle für den Publikumsverkehr schließen, denn die Anwesenheit von Menschen schadet den Malereien – das ist die Kehrseite ihres Erfolgs. Seit 1979 zählt die Höhle zum Weltkulturerbe der UNESCO. 1983 wird die erste Reproduktion angefertigt und 2016 öffnet das Zentrum für Höhlenkunst, Lascaux IV, seine Türen. Zudem gibt es mit Lascaux III eine mobile Nachbildung, die seit 2012 durch die Welt tourt.
Höhle von Lascaux
Saal der Stiere (Detail)
18.000 v. Chr. – 15.000 v. Chr. Höhlenmalereien
Dordogne
Vier Tage später kehrt er mit weiteren Freunden zurück, um die Höhle zu erkunden. Man stelle sich diese Jugendlichen vor, wie sie aufgeregt, mit Taschenlampen in der Hand, zahlreiche Tierfiguren an den Wänden der Höhle entdecken. Sie können Stiere, Hirsche, Pferde und sogar einen Bären ausmachen. Der Priester Henri Breuil wird verständigt. Er betritt als erster Prähistoriker die Höhe und stellt deren Echtheit fest. Lascaux wird daraufhin weltberühmt.
1948 wird ein Kurator ernannt und der Fundort wird für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jedermann bestaunt die herausragenden Zeichnungen und kann sich ausmalen, wie Männer und Frauen der Altsteinzeit hier mit Sorgfalt Bilder von ihrer Welt, von ihrem Leben schufen. Die Kunst unserer Vorfahren hat eine reduzierte Farbpalette: gelber Ocker, roter Ocker und Schwarz. Diese Pigmente werden zu Pulver zermahlen und dann mit Wasser – mitunter auch mit Speichel oder Urin – angerührt. Anschließend werden sie mit den Fingern oder mit Lederstücken aufgetragen, oder aber trocken auf die Wand geblasen, um eine leichte, dunstige Wirkung zu erzielen.
Die Kunstschaffenden von damals arbeiten mit Bedacht an ihren Bildern. Schließlich stellen sie Tiere dar, denen sie bei der Jagd begegnen und die sie an diesem ehrwürdigen Ort verherrlichen oder gar verklären. Die Höhle von Lascaux, alias »Sixtinische Kapelle der Urgeschichte«, zeigt, dass der Mensch seit jeher den Drang hat, etwas zu erzählen und zu erschaffen.

Dieser Ritterorden wird 1430 von Philipp dem Guten gegründet. Ziel der Bruderschaft ist es, Gott zu ehren und das Christentum zu verteidigen. Ihre 24 Mitglieder, allesamt hochrangige burgundische Ritter, sind verpflichtet, zu jeder Zeit die Ordenskette zu tragen.
Figuren in Schwarz
Rogier van der Weyden malt zahlreiche Porträts von Männern und Frauen in Schwarz.
1450: Diptychon mit der Jungfrau Maria mit dem Kind und dem Stifter Jean Gros
1455: Porträt einer Dame
1460: Porträt von Anton von Burgund
1460: Karl der Kühne
1460: Porträt von Francesco d’Este 1461: Philippe de Croy
Porträt Philipps des Guten von Burgund (Kopie von der Werkstatt des Künstlers)
Rogier van der Weyden 1445
Öl auf Holz
Musée des Beaux-Arts, Dijon
Im Mittelalter ist Schwarz ein unbeliebter Farbton. Man verbindet es mit der Finsternis, während man das göttliche Licht verehrt und Auftraggeber hohe Summen zahlen, damit ihre Werke in den schönsten Farben erstrahlen. Doch unter dem Einfluss der flämischen Meister wird das Ansehen von Schwarz wiederhergestellt.
Philipp der Gute erscheint auf Porträts stets in schwarzer Kleidung – eine Farbe, die Historikerinnen und Historiker häufig mit dem Herzogtum von Burgund assoziieren. Doch weshalb entschied sich der Herzog für diesen Farbton? Die Legende besagt, dass ihn der Mord an seinem Vater, Johann Ohnefurcht, dazu bewogen hat, ab 1419 zum Zeichen seiner Trauer Schwarz zu tragen.
Allerdings ist dies nur eine Vermutung, denn schwarze Kleidung war zu jener Zeit zwar selten, aber nicht ungewöhnlich. An den Höfen Italiens und Spaniens ist Schwarz überaus gefragt, weil es eine elegante und strenge Silhouette erzeugt. Und natürlich bringt Schwarz auch Stickereien und Schmuck besonders gut zur Geltung. Was könnte edler wirken als eine üppige Goldkette auf dunklem Stoff? Philipp der Gute hat dies erkannt: Durch sein dunkles Gewand erscheint seine Kette vom Orden vom Goldenen Vlies umso kostbarer.
Manch einer hat das äußere Auftreten Philipps des Guten als spirituellen Verzicht oder gar als Askese gedeutet. Doch dieser Mann ist ein bedeutender Mäzen mit einem luxuriösen Lebensstil. Sollte man nicht einfach anerkennen, dass Philipp der Gute sich schon damals der Kraft des Bildes bewusst war? Indem er sich derart markant kleidet, stärkt er seine politische Macht. Und wie so oft spielt bei dieser Kommunikationsstrategie die Mode eine wesentliche Rolle.
