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Leseprobe Cornelia Schleime | Thomas Köhler, Stefanie Heckmann

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Herausgegeben von / Edited by Thomas Kรถhler & Stefanie Heckmann

Cornelia Schleime Ein Wimpernschlag / A Blink of an Eye


Contents Words of Greeting

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Michael Müller

The Argonaut: Foreword and Acknowledgments

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Thomas Köhler

The Place in Me: On Cornelia Schleime’s Paintings

21

Stefanie Heckmann

Urge for Movement and Mobility: On Cornelia Schleime’s Super 8 Films

33

Claus Löser

Dances with Frogs: On Cornelia Schleime’s Drawings and Watercolors

45

Annelie Lütgens

Works

52

Appendix Biography

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Exhibited Works

143

Bibliography

147

Colophon

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Inhalt Grußwort

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Michael Müller

Die Argonautin. Vorwort und Dank

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Thomas Köhler

Der Ort in mir. Zu den Gemälden von Cornelia Schleime

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Stefanie Heckmann

Drang nach Bewegung und Beweglichkeit. Zu den Super-8-Filmen von Cornelia Schleime

27

Claus Löser

Die mit dem Frosch tanzt. Zu den Zeichnungen und Aquarellen von Cornelia Schleime

39

Annelie Lütgens

Tafelteil

52

Anhang Biografie

135

Ausgestellte Werke

143

Literatur

147

Impressum

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Words of Greeting

With its most prestigious award in the visual arts, the Hannah Höch Prize, the federal state of Berlin honors outstanding lifetime achievement by a Berlin artist. Cornelia Schleime, this year’s award winner, was not only born in East Berlin and has lived and worked here for long periods of time; she is also an acclaimed and versatile artist whose highly expressive work was overtly political even in GDR days. Spied on by the Stasi and forbidden to exhibit her work, she paid a high price for her courageous advocacy of autonomous art that refused to toe the party line. When she left the GDR for West Berlin in 1984, almost all of her early work was lost. Nevertheless, she can look back today at a very diverse body of work including music, film, drawings, paintings, and literature. Cornelia Schleime has received various awards already for her creative work, and prominent museums and galleries have dedicated large-scale solo exhibitions and retrospectives to her.

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The Hannah Höch Prize is awarded in conjunction with a show at the Berlinische Galerie that highlights many different facets of Cornelia Schleime’s art. I would like to extend my warmest congratulations to Cornelia Schleime on the 2016 Hannah Höch Prize. My thanks go to the members of the Visual Arts Funding Commission of the Senate Chancellery – Cultural Affairs, who selected this year’s award winner. I wish Cornelia Schleime much creative energy in the future, too, and many appreciative visitors at her exhibition at the Berlinische Galerie. Michael Müller Governing Mayor of Berlin


Grußwort

Mit seinem bedeutendsten Preis auf dem Gebiet der Bildenden Kunst, dem Hannah-Höch-Preis, zeichnet das Land Berlin das hervorragende Lebenswerk einer Berliner Künstlerin oder eines Berliner Künstlers aus. Die diesjährige Preisträgerin Cornelia Schleime ist nicht nur in Ost-Berlin geboren und hat ihren Lebens- und Arbeitsschwerpunkt zumindest zeitweise in Berlin. Sie ist auch eine ausgesprochen renommierte und vielseitige Künstlerin, deren sehr ausdrucksstarkes Werk schon zu DDR-Zeiten hochpolitisch war. Für ihr mutiges Eintreten für eine selbstbestimmte Kunst, die sich nicht den Vorgaben der Parteilinie unterwarf, zahlte sie mit Stasi-Bespitzelung und Ausstellungsverbot einen hohen Preis. Mit ihrer Ausreise nach West-Berlin im Jahr 1984 ging nahezu ihr gesamtes bis dahin geschaffenes künstlerisches Werk verloren. Gleichwohl kann sie heute auf ein sehr vielfältiges Œuvre verweisen, das von Musik über Film, Zeichnung und Malerei bis zur Literatur reicht. Für dieses Schaffen wurde sie be-

reits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Zudem widmeten ihr bedeutende Museen und Galerien umfassende Einzelausstellungen und Retrospektiven. Mit der Verleihung des Hannah-Höch-Preises ist eine Ausstellung in der Berlinischen Galerie verbunden, welche viele Facetten des Werkes von Cornelia Schleime aufscheinen lässt. Ich gratuliere Cornelia Schleime sehr herzlich zum Hannah-Höch-Preis 2016. Mein Dank gilt den Mitgliedern der Förderkommission Bildende Kunst der Kulturverwaltung des Berliner Senats, die die diesjährige Preisträgerin ausgewählt haben. Cornelia Schleime wünsche ich weiterhin viel Schaffenskraft sowie ihrer Ausstellung in der Berlinischen Galerie großen Erfolg und viele interessierte Besucherinnen und Besucher. Michael Müller Regierender Bürgermeister von Berlin

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1 Cornelia Schleime, Die Argonautin (The Argonaut), 2015, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 180 Ă— 160 cm (Detail; Abb. S. 89)

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Thomas Köhler

Die Argonautin Vorwort und Dank Man mag es kaum glauben, aber die Ausstellung der Werke Cornelia Schleimes in der Berlinischen Galerie anlässlich der Verleihung des Hannah-Höch-Preises ist die erste institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in Berlin. Dies stimmt etwas nachdenklich, zumal die Künstlerin bereits im Jahr 1984 die DDR verlassen hat und seitdem in Berlin lebt und arbeitet. Eine Retrospektive ihres Werkes war also durchaus längst überfällig. Eberhard Roters, der Gründungsdirektor unseres Hauses, hat bereits in den Jahren 1985 und 1986 in großer Voraussicht mehrere Werke der Künstlerin angekauft. Dieser Bestand wurde dann bis in die Gegenwart hinein um weitere Gemälde und Aquarelle erweitert, so dass die Ausstellung auch auf Sammlungsbestände des Museums zurückgreifen kann. Gezeigt werden Werke aus unterschiedlichen Schaffensphasen, darunter viele aus dem Besitz der Künstlerin, die noch nie in Ausstellungen zu sehen waren. Zu ihnen gehört das Gemälde Die Argonautin Abb. 1 aus dem Jahr 2015, das eine junge Frau in einer Art Taucheranzug zeigt und inhaltlich einen geradezu programmatischen Charakter besitzt. Denn die durch die griechische Mythologie überlieferten Sagengestalten der heldenhaften Argonauten, die auf der Suche nach dem Goldenen Vlies allerlei Gefahren zu überwinden haben, sind mehrheitlich männlich. Cornelia Schleime hingegen macht aus den Helden eine Heldin. Ihre Argonautin blickt den Betrachter selbstbewusst an. Sie taucht, sie sucht, sie kennt vielleicht sogar den Weg. Es scheint, als nehme die Künstlerin Bezug auf die einzige überlieferte weibliche Argonautin Atalante, die sich durch ihr Geschick beim Bogenschießen und ihre Schnelligkeit beim Laufen in der von Männern dominierten Welt des Krie-

ges und Wettstreits behauptete. Implizit steht die Argonautin auch für das Motiv des Reisens im Werk Cornelia Schleimes. Die Künstlerin sagt hierzu: „Ich identifiziere mich in diesem Zusammenhang mit der SUCHE nach ETWAS, diesem Bezaubernden, Sprechenden, Fliegenden, Goldenen.“ Wesentlich in der Metaphorik des Bildes ist auch das Element des Wassers. Es umspült die Bäume im Hintergrund, markiert unsicheres Terrain und lässt aus der Taucherin ein amphibisches Wesen zwischen den Welten werden. Wie kaum eine andere Künstlerin hat sich Cornelia Schleime intensiv mit unterschiedlichen künstlerischen Praktiken auseinandergesetzt. Die Ausstellung antwortet auf ebenjene Interdisziplinarität der Künstlerin und zeigt neben Malerei und Zeichnungen auch Aktionsfotografien und Reisetagebücher. Ebenso eingebunden sind frühe, noch in der DDR realisierte Körperaktionen und Selbstinszenierungen, die durch Fotografien dokumentiert sind, sowie Super-8Filme. Die Ausstellung spannt den Bogen bis in die Gegenwart und zeigt Beispiele des aktuellen Schaffens der Künstlerin, darunter auch das Gemälde, auf welches der Titel der Ausstellung zurückgeht: Ein Wimpernschlag S. 85 aus dem Jahr 2016. Auf das Herzlichste möchte ich Cornelia Schleime danken. Sie hat sich in einen intensiven Dialog mit der Kuratorin der Ausstellung begeben, so dass Werkauswahl und Katalog in engster Abstimmung mit der Künstlerin umgesetzt werden konnten. Die großzügige Unterstützung der Leihgeber war uns eine wertvolle Hilfe, und ich freue mich sehr, dass die SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin, Christiane Bühling-Schultz und auch Michael Schultz so engagiert das Ausstellungsvorhaben befördert haben.

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Stefanie Heckmann, Leiterin der Abteilung Bildende Kunst an der Berlinischen Galerie, hat die Ausstellung als Kuratorin verantwortet und mit großer Sensibilität und Sorgfalt eine bestechende Werkauswahl getroffen, die ein sehr aussagekräftiges Bild der Künstlerin und ihres Schaffens zu vermitteln vermag. Tatkräftige Unterstützung bei der Vorbereitung und Recherche zur Ausstellung erfuhr sie durch die wissenschaftlichen Volontärinnen Kim Mildebrath und Greta Kühnast, die sich mit Enthusiasmus und Akribie in das Projekt gestürzt haben. Der Hannah-Höch-Preis ist der Kunstpreis des Landes Berlin, der alle zwei Jahre verliehen wird. So gebührt unser Dank auch der Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten Berlin sowie dem Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller, die den Preis auskömmlich ausgestattet haben und für sein Fortbestehen sorgen. Den Mitarbeiterinnen der Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten Berlin danken wir zudem sehr herzlich für die kollegiale Zusammenarbeit.

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Lilla Hinrichs und Anna Sartorius vom Grafikbüro e o t haben eine überzeugende grafische Umsetzung für den Katalog gefunden. Er ist, wie auch die übrigen Publikationen der Künstlerin, von großer Bildstärke und nimmt jeden Betrachter für sich ein. Die Technikabteilung des Museums und auch die Restaurierung haben die Einrichtung der Ausstellung umsichtig begleitet. Roland Pohl, Wolfgang Heigl, Andreas Piel und Corinna Nisse zolle ich meinen aufrichtigen Dank. Es ist ein gutes Gefühl, ein jedes Ausstellungsprojekt in so versierten Händen zu wissen. Ich freue mich sehr, dass die Berlinische Galerie nach sechs Jahren wieder einmal Ausrichtungsort des Hannah-HöchPreises ist, und ich bin mir sicher, dass sich die Besucher in das vielfältige Werk Cornelia Schleimes verlieben werden. Ich habe es getan.


Thomas Köhler

The Argonaut Foreword and Acknowledgments It may be difficult to believe, but the exhibition of Cornelia Schleime’s works at the Berlinische Galerie, on the occasion of her receiving the Hannah Höch Prize, is the artist’s first solo exhibition at an institution in Berlin. This makes one pause to think, given that the artist left East Germany already in 1984 and has been living and working in Berlin ever since. A retrospective of her work was certainly long overdue. Eberhard Roters, the founding director of our institution, very presciently acquired several works by the artist as early as 1985 and 1986. These holdings have continued to be expanded with additional paintings and watercolors, so that this exhibition is able to fall back on the museum’s collections as well. On display are works from different creative phases, many of which are from the artist’s own collection and have never been shown in exhibitions before. One of these is the painting Die Argonautin (The Argonaut, fig. 1) of 2015, which shows a young woman in a kind of diving suit and whose subject matter is almost programmatic in character. The figures of the heroic Argonauts of Greek mythology, who overcame all sorts of dangers on their search for the Golden Fleece, were mostly men. Cornelia Schleime, by contrast, turns the male hero into a female one. Her Argonaut looks confidently at the viewer. She dives, she searches, she perhaps even knows the way. It appears that the artist is referring to Atalante, the only known female Argonaut, who succeeded in the male-dominated world of war and competition thanks to her skill at archery and her swiftness when running. The female Argonaut also stands for the theme of travel in Cornelia Schleime’s oeuvre. The artist says of this: “In this context

I identify with the SEARCH for SOMETHING, this magical, speaking, flying, golden thing.” The element of water is also essential to the metaphor of this image. It flows around the trees in the background, marks uncertain terrain, and turns the female diver into an amphibian creature between worlds. Like few other artists, Cornelia Schleime has studied various artistic practices extensively. The exhibition responds to that very interdisciplinarity of the artist and presents not only paintings and drawings, but also action photographs and travel books. It also includes early works from her GDR period: body actions and self-presentations that were documented in photographs and Super 8 films. The exhibition spans the arc to the present and includes examples of the artist’s current work, such as the painting on which the exhibition’s title is based: Ein Wimpernschlag (A Blink of an Eye, p. 85) of 2016. I would like to thank Cornelia Schleime most sincerely. She engaged in an intense dialogue with the curator of the exhibition, so that the selection of works and the catalog could be made in close consultation with the artist. The generous support of the lenders was invaluable, and I am very pleased that the SØR Rusche Collection Oelde/Berlin, Christiane Bühling-Schultz, and Michael Schultz supported the exhibition project with such commitment. Stefanie Heckmann, head of the Department of Fine Arts at the Berlinische Galerie, was responsible for curating the exhibition and with great sensitivity and care made a persuasive selection of works that conveys a very expressive image of the artist and her work. She received energetic

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support with the preparation and research for the exhibition from the research associates Kim Mildebrath and Greta Kühnast, who plunged into the project with enthusiasm and meticulousness. The Hannah Höch Prize is the art prize of the State of Berlin, which is awarded every two years. Hence we are also grateful to the Senate Chancellery – Cultural Affairs Berlin and to the Governing Mayor and Senator of Culture Michael Müller, who have generously financed the prize and supported its continuation. We are also sincerely grateful to the staff of the Senate Chancellery – Cultural Affairs Berlin for their collegial collaboration. Lilla Hinrichs and Anna Sartorius of the graphic design firm e o t came up with a compelling graphic design for the

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catalog. Like all the artist’s other publications, it is very powerful visually and engages every viewer. The museum’s technical department and the conservation department judiciously handled the installation of the exhibition. I offer my heartfelt thanks to Roland Pohl, Wolfgang Heigl, Andreas Piel, and Corinna Nisse. It is a good feeling to know that every exhibition is in such capable hands. I am very pleased that after six years the Berlinische Galerie is once again the site of the Hannah Höch Prize, and I am confident that visitors will fall in love with the diverse oeuvre of Cornelia Schleime. I know I did.


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Cornelia Schleime, Ein Wimpernschlag (A Blink of an Eye), 2016, Acryl, Asphaltlack und Schellack auf Leinwand, 230 × 200 cm (Detail; Abb. S. 85)

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Stefanie Heckmann

Der Ort in mir Zu den Gemälden von Cornelia Schleime „Erkläre das alles erst einmal“, sagte die Falsche Suppenschildkröte. „Nein! Zuerst die Erlebnisse“, sagte der Greif ungeduldig; „Erklärungen brauchen immer so furchtbar lange.“ 1 Lewis Carroll

Ein Wimperschlag Abb. 1 lautet der Titel eines der jüngsten Gemälde Cornelia Schleimes.2 Ein blondes Mädchen blickt versunken aus einem dunklen Zimmer durch ein offenes Fenster ins Freie. Sonnenlicht liegt auf ihrem Gesicht und dem sommerlichen Kleid, ihre Hände ruhen auf dem Querholm des Fensters. Ein Schwarm Möwen zieht nah vorbei und füllt das Fenstergeviert aus. Die raumgreifende Formation der Vögel überspielt die Grenze zwischen innen und außen. Einige Vögel fliegen in das Zimmer hinein – surreal in der Wirkung – und streifen das Mädchen beinahe mit ihren Flügeln. Man spürt förmlich das Rauschen und den Luftzug.

wie beim Pilzesammeln.“5 Das nächste Kaninchenloch, möchte man ergänzen, ist nicht fern. Cornelia Schleime, geboren 1953 in Ost-Berlin, begann bereits früh zu malen und zu zeichnen. Von 1975 bis 1980 studierte sie Grafik und Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und gehörte dort Ende der 1970er Jahre einer Kunstszene an, die sich als Gegenbewegung zur offiziellen Kunstdoktrin des sozialistischen Realismus der DDR formierte. Die Künstler beschritten experimentelle Wege und erschlossen alternative Auftritts- und Präsentationsmöglichkeiten in Ateliers, Wohnungen oder Werkstätten. Anfang der 1980er Jahre zeichnete, malte und dichtete Cornelia Schleime, arbeitete mit Installationen und entdeckte die Aktionskunst für sich. Ihr weitgefasster Kunstbegriff sowie die unkonventionellen Werke, Ausstellungen und Auftritte führten 1981 de facto zum Ausstellungsverbot. Sie ging nach Ost-Berlin zurück, wo sie unter anderem als Sängerin einer Punkband auftrat, mit Super8-Filmen zu experimentieren begann6 und ihre Selbstinszenierungen weiterentwickelte.

Künstlerischer Werdegang

Die Szene thematisiert den kurzen, an sich jedoch zeitlosen Moment, wenn man beginnt zu träumen. Die Welt wandelt und weitet sich, die Kategorien von Zeit und Raum sind aufgehoben. Das Mädchen steht am Fenster und schaut. Zugleich aber befindet sie sich an einem anderen Ort, der eigenen Regeln folgt, wie wir dies aus den Geschichten von „Ich habe Ausstellungsverbot“, schrieb Cornelia Schleime in Alice im Wunderland und der Fortsetzung Alice hinter einem ihrer Texte von 1982, „also nehme ich jetzt meinen den Spiegeln kennen.3 Um diesen poetischen inneren Raum kreisen fast alle Werke von Cornelia Schleime.4 In einem Körper, fange damit etwas an. Der ist jetzt meine Tür nach kurzen Text aus dem Jahr 2004 stellt sie für die aktuelle Außen.“7 Mit Einschnürungen des eigenen nackten Körpers und des Kopfes reagierte sie auf das Gefühl von UnKunst bedauernd fest, die romantische Vorstellung vom freiheit und die Angst, als Künstlerin ausgelöscht zu Künstler habe ausgedient, ihm sei der Ort abhandengekommen. „Aber“, insistiert sie, „mich interessiert der Ort und werden.8 Ihre Körperaktionen dokumentierte sie fotografisch, mit dem Selbstauslöser oder durch Freunde. Abb. 2 nicht das Erdachte. Der Ort in mir. Immer weiter suchen,

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