Laurence King Verlag GmbH Jablonskistraße 27, 10405 Berlin www.laurencekingverlag.de © 2019 Henry Carroll Henry Carroll hat sein Recht unter dem Copyright, Design and Patents Act 1988 geltend gemacht, als Autor dieses Werkes benannt zu werden. Übersetzung: Bettina Eschenhagen, Hildesheim Lektorat: hauffe publishing, Dortmund Satz: Igor Divis, Dortmund Projektleitung: hauffe publishing, Dortmund ISBN: 978-3-96244-062-6 1. Auflage 2019 Hergestellt in China © 2019 Laurence King Publishing Ltd, London Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Ohne ausdrückliche, schriftliche Genehmigung des Verlages ist es nicht gestattet, das Werk oder Teile daraus in irgendeiner Form durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren zu vervielfältigen oder zu verbreiten. Dies gilt auch für die Einspeicherung in elektronische Systeme. Ausnahmen bilden kurze Zitate zum Zweck der Rezension oder zum Bewerben des Werkes.
So machst du richtig coole Fotos Henry Carroll Aus dem Englischen von Bettina Eschenhagen
Laurence King Verlag
Inhalt Aufgabe 1: Sieh die Welt wie ein Hund
Aufgabe 11: Verwische die Grenzen
Aufgabe 2: Sei trickreich
Aufgabe 12: Mache Späße
Aufgabe 3: Sieh Dinge anders
Aufgabe 13: Spiele Detektiv
Aufgabe 4: Denke in Farben
Aufgabe 14: Spiele mit deinem Essen
Aufgabe 5: Erzähle Geschichten
Aufgabe 15: Führe in die Irre
Basiswissen: Bildaufbau
Basiswissen: Kameras
Aufgabe 6: Gestalte eine Szene
Aufgabe 16: Halte die Zeit an
Aufgabe 7: Bring Dinge in Form
Aufgabe 17: Mache große Augen
Aufgabe 8: Sei ichbezogen
Aufgabe 18: Geh ganz nah ran
Aufgabe 9: Sei unappetitlich
Aufgabe 19: Werde unsichtbar
Aufgabe 10: Sei hart
Aufgabe 20: Wiederhole dich
Basiswissen: Licht
Kurze Geschichte der Fotografie
Darum geht’s Dieses Buch ist das Einzige, was zwischen dir und deinen großartigen Fotos steht. Du findest darin Bilder der coolsten Fotografen der Welt, außerdem einiges Basiswissen, das dich Schritt für Schritt voranbringen wird. Es ist ganz einfach. Du musst dir nur die Bilder ansehen, lesen, warum sie gut sind, und dann selbst kreativ werden und deine eigenen Fotos machen – inspiriert von den Megastars! Manche Aufgaben wirst du lustig finden, andere ernsthafter, manche leichter und andere schwieriger. Das ist in Ordnung so, denn wenn du merkst, welche dir am meisten liegen und warum, findest du heraus, welche Art Fotos du machen willst.
Du kannst jede Art von Kamera benutzen, auch das Smartphone eines Erwachsenen. Frag aber erst, und lass es nicht hinfallen, sonst wird der Besitzer supersauer (auf dich und mich). Blättere jetzt die Seite um, und los geht’s! Toptipps Bei diesem Zeichen findest du Zusatztipps.
Sieh die Welt wie ein Hund Beim Fotografieren solltest du dich ständig bücken und recken – ein bisschen wie beim Yoga. Das macht dieses Bild des weltberühmten Fotografen Elliott Erwitt so großartig. Weil er sich flach auf den Boden legte, zeigt sein Bild uns die Welt aus einem völlig anderen Blickwinkel. In diesem Fall dem eines Hundes. Der arme Vierbeiner – stell dir vor, du läufst durch die Stadt und alle Füße sehen so groß aus! Die normalsten Dinge wirken anders, wenn man sie aus ungewöhnlichen Blickwinkeln sieht, ob von oben oder ganz unten. Versuche, deine eigenen originellen Blickwinkel auf alltägliche Objekte zu finden.
Die meisten Leute fotografieren Objekte in Kopfhöhe. Das wird schnell langweilig, denn so nehmen wir die Welt ja immer wahr. Wie anders sehen Hunde oder gar Vögel die Welt – auf sie muss alles so groß bzw. so klein wirken!
Elliott Erwitt: New York City (1950)
Emily Stein: Bubblegum Boy (2014)
Sei trickreich Wenn Porträtfotografen Schnappschüsse machen, wenden sie alle möglichen Tricks an, um die Leute abzulenken. Sieh dir das Foto dieses Jungen an, das eine Fotografin namens Emily Stein gemacht hat. Emily hat ihn dazu gebracht, sich so aufs KaugummiblasenMachen zu konzentrieren, dass er die Kamera völlig vergessen hat. Das ist viel schlauer, als jemanden aufzufordern, „Cheese“ zu sagen, denn die spontanen Reaktionen von Menschen verraten eine Menge über sie. Probier’s aus – fotografiere Leute, wenn sie mit etwas anderem beschäftigt sind.
Du könntest Leute auffordern, den Atem anzuhalten, einen Luftsprung zu machen oder sogar eine Zitrone zu essen – Hauptsache, es lenkt sie davon ab, dass du sie fotografierst!
Jiaxi Yang: Salami Cheese (2016)
Spiele mit deinem Essen Bestimmt hast du schon eine Menge Food-Fotos in Kochbüchern gesehen. Aber ich wette, so eins wie dieses noch nie. Der chinesische Fotograf Jiaxi Yang kreiert aus ganz alltäglichen Lebensmitteln, die wir uns normalerweise einfach in den Mund schieben, wunderschöne Stillleben. Hier hat Jiaxi eine Scheibe Käse und eine Scheibe Salami so platziert und ausgeleuchtet, dass das Bild wie das Foto einer Skulptur wirkt. Schau dich in eurer Küche nach interessant aussehenden Lebensmitteln um, und kreiere deine eigenen Stillleben-Fotos. Triff deine Wahl weniger danach, ob sie lecker sind, als nach den schönsten Kombinationen von Farben und Oberflächen.
Beim Fotografieren deines Stilllebens ist die Ausleuchtung ganz wichtig. Überlege, aus welcher Richtung das Licht kommen und ob es hart oder weich sein soll. Platziere dein Arrangement probehalber bei einem Fenster oder draußen. Arbeite auch mal ohne Blitz.
Kurze Geschichte der Fotografie 1826
1839
Joseph Nicéphore Niépce und das älteste erhaltene Foto
William Henry Fox Talbot und das Negativ-Positiv-Verfahren
Dies ist das älteste erhaltene Foto. Es stammt von dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce und zeigt den Blick aus einem Fenster im Obergeschoss seines Hauses. Es wurde auf einer Metallplatte fixiert und war ein Unikat, d.h., es konnte nicht vervielfältigt werden, was irgendwie unbefriedigend war.
Die Fotografie wurde nicht von einem einzelnen Menschen erfunden, wohl aber die Technik, die sich durchsetzte, nämlich von dem Engländer William Henry Fox Talbot. Sein Negativ-Positiv-Verfahren führte zur Entwicklung des Fotofilms, das Negative produziert. Von den Negativen wurden dann Positive wie dieses Foto einer Eiche gedruckt. Anders als Niépces Verfahren ermöglichte diese Technik es den Fotografen, vom selben Bild viele Abzüge zu machen.
19. Jahrhundert
1900
Frühe Kameras und Fotografie
Die Brownie von Kodak
Im Gegensatz zu den heutigen Kameras waren die frühen Kameras groß, schwer und unhandlich. Deswegen gab es damals nur Berufsfotografen, denn Fotografieren war eine aufwendige Sache. Für eine Naturaufnahme war eine vollständige Dunkelkammer nötig. Und bei Atelieraufnahmen mussten die Porträtierten ganz still dasitzen, weil ein einziges Bild mehrere Minuten in Anspruch nehmen konnte!
Im Jahr 1900 entwickelte der amerikanische Erfinder George Eastman eine Kamera mit dem lecker klingenden Namen „Box Brownie“. Diese Brownies waren zwar nicht aus Schokolade, aber klein, billig und einfach im Gebrauch. Eastman entwickelte auch den Rollfilm, der sich schnell und leicht wechseln ließ, zum industriellen Massenprodukt. Nun konnte jeder fotografieren, ob jung oder alt!