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CHRONOMAT STORY - DEUTSCH

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CHRONOMAT STORY

CHRONOMAT STORY

DIE BISHER UNBEKANNTE GESCHICHTE

VON BREITLINGS ULTIMATIVER ALLROUND-SPORTUHR

VON BREITLINGS ULTIMATIVER ALLROUND-SPORTUHR

© 2026 Watchprint.com Sàrl, Martigny, Schweiz

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf in irgendeiner Form vervielfältigt werden. Die Texte und Illustrationen in diesem Buch wurden von der Firma Watchprint.com Sàrl unabhängig und ausschliesslich zu redaktionellen Zwecken ausgewählt. Breitling SA ist in keiner Weise an diesen Entscheidungen beteiligt oder dafür verantwortlich.

ISBN 978-2-940506-69-9

Autor: Gerard Tubb

Historischer Berater: Fred Mandelbaum

Redakteurin: Natasha Mekhail

Verlagsleitung: Anne-Lise Ensminger

Mitwirkender Redakteur: Philip Blumer

Sammlungsberater: Ralf Messmer

Uhrenfotograf: Elias Hartmann

Bildredakteurin: Simona Girella

Katalogisierer: Tanja Jedlitschka, Christoph Kainzner

Gestaltung: Images3

Druck: Graphius, Belgien

Besuchen Sie unsere Website www.watchprint.com, um mehr über unsere Publikationen zu den Themen Uhren und Schmuck zu erfahren.

INHALTSVERZEICHNIS

KAPITEL 1: AUFTAKT ZU EINER

KAPITEL 2:

KAPITEL 3: CATCHING

KAPITEL 4: VON DER THRONFOLGE ZUR SELBSTSTÄNDIGKEIT

KAPITEL 5: DER

KAPITEL 6: DIE STAFFELEDITIONEN

KAPITEL 7: SONDERMODELLE UND LIMITIERTE AUFLAGEN

KAPITEL 8: PRIVATAUFTRÄGE UND GEMEINSCHAFTSPROJEKTE

KAPITEL 9: DIE WERKZEUGKISTE FÜR SAMMLER

CHRONOMAT ZEITLEISTE

Seit 1983 wurde die Chronomat in jeder Hinsicht verfeinert. Diese Zeitleiste zeichnet diese Entwicklung sowohl im Inneren als auch im Äusseren nach, wobei der Fokus aus Gründen der Einheitlichkeit auf den Edelstahlmodellen liegt. Auch wenn die verschiedenen Armbänder und Riemen genannt werden, liegt der Fokus doch auf dem Zifferblatt, dem Gehäuse und dem Uhrwerk. Die Auswahl beschränkt sich auf die wichtigsten Modelle, die sich durch folgende Funktionen auszeichnen: Uhrzeit, Chronograph und Datum.

Der Lebenszyklus der Chronomat zeigt, wie die anfängliche Beständigkeit schliesslich neuen Anforderungen und sich wandelnden Trends wich, bevor sie zu ihren Wurzeln zurückkehrte. Die heutigen Modelle vereinen all das, was die Chronomat so bemerkenswert gemacht hat – Exklusivität, Robustheit, Vielseitigkeit – und dienen gleichzeitig als Grundlage für Kreativität und Zusammenarbeit.

1983

FRECCE TRICOLORI

CHRONOGRAPH

Der für das italienische Kunstflugteam Frecce Tricolori entwickelte automatische Chronograph war der Startschuss für Breitlings Wiederaufstieg unter Ernest Schneider. Gebaut nach militärischen Spezifikationen im Jahr 1983 und 1984 der Staffel geschenkt. Es gab ihn nur bei DPW, der Eigenmarke, die das Design in Auftrag gegeben hatte.

REF. 80950

1987 1985 1984

CHRONOMAT

Bis auf die Zifferblattfarbe, das Logo und den Gehäuseboden ist sie identisch mit der Staffeluhr. Mit dem Logo im AOPA-Stil und den Leuchtpunkten, die den 12-Uhr-Index flankieren, wurde sie nicht mal ein Jahr lang produziert. Es gab sechs Zifferblattkombinationen in Edelstahl und Bicolor.

CHRONOMAT

Im Katalog von 1985 erschien zum ersten Mal das Flügel-und-Ankerlogo von Breitling. Das Zifferblatt wurde parallel dazu weiterentwickelt, mit grösseren Hilfszifferblättern und dem Wegfall der Leuchtpunkte bei 12 Uhr. Im Anschluss folgte eine kleine DPWSerie, erkennbar an einem blauen Zifferblatt und dem Logo der Frecce Tricolori.

CHRONOMAT

Kontrastierende Ringe umgaben die Hilfszifferblätter. Dieses Beispiel zeigt das im selben Jahr eingeführte UTC-Modul. Die Referenznummer änderte sich 1988 zu 81.950 und 1989 zu 13047, als ein Buchstabe zur Kennzeichnung des Gehäusematerials vorangesetzt wurde.

REF. 81950 A

1996 1992 1994

CHRONOMAT

Die polierten Gehäuse gab es erstmals 1990, dann wurden die Schraubenkopfbolzen durch Lünettenschrauben ersetzt. Zu den sich verjüngenden Stabzeigern und dem Schwungzeiger mit Gegengewicht «B» gesellten sich bald die dickeren Hilfszifferblattzeiger hinzu. Vergoldete Reiter, Drücker und die Krone wurden später durch massives Gold ersetzt.

CHRONOMAT

Zum 10-jährigen Jubiläum der Chronomat wurde die Referenznummer zu 13050 geändert. Die Sondermodelle verfügten über spezielle Gehäuseböden mit einer eingravierten, nach vorn gerichteten MB-339, die an frühe Chronomaten erinnerte. Sie wurden in drei Metallgehäusevarianten angeboten, von denen jede auf 1.994 Exemplare limitiert war und neben der limitierten Stückzahl die Gravur «1884–1994» trug.

CHRONOMAT

Oben rechts auf dem Rehaut war «Tachymeter» aufgedruckt, zusammen mit einer Linie um das Datumsfenster. Die Zeiger der Hilfszifferblätter erhielten ein kurzes Gegengewicht und es gab mehr Ziffern auf den Hilfszifferblättern. Rehaut und Zifferblatt wurden zu einem einzigen Teil zusammengefügt, was eine Gehäusemodifikation erforderlich machte.

REF. 13048

REF. 13050

REF. 13050.1

2004 1997 2000

CHRONOMAT GT

Die Kollektion wurde in zwei Varianten aufgeteilt. Grosse Hilfszifferblattziffern waren das Markenzeichen des GT für «Grand Totalizer», während westlich-arabische Stundenziffern die Vitesse auszeichneten. Im Jahr 1999 wechselten sowohl GT als auch Vitesse zur Referenznummer 13350, wobei die mittlere «3» für die COSC-Zertifizierung steht.

CHRONOMAT 2000

Das erste Modell, das ausschliesslich COSC-zertifizierte Kaliber verwendet. Alle anderen Breitling-Uhrenkollektionen schlossen sich kurz darauf an. Die Änderung wurde durch den Schriftzug «Chronometre» unterhalb des Logos gekennzeichnet. Die Lünette erhielt wieder ihre ursprüngliche satinierte Oberfläche und die Hilfszifferblätter wurden wieder mit radialen Ziffern versehen.

CHRONOMAT EVOLUTION

Zum 120-jährigen Jubiläum von Breitling wurde nahezu jeder Aspekt der Uhr überarbeitet. Der Durchmesser erhöhte sich auf 43,7 mm und die Dicke auf 17 mm. Mit der Einführung von Schraubverschlüssen stieg die Wasserdichtigkeit auf 300 m.

REF. 13050.1

REF. 13352

REF. 13356

WILLYS LEIDENSCHAFT –ERFOLG

ZU HABEN, DAS FAMILIENERBE ZU BEWAHREN, DAS RICHTIGE ZU TUN –VERSTÄRKTE DEN DRUCK NUR NOCH.

1. Leon Breitling, der das Unternehmen 1884 gründete.

2. Leon teilte seine Fabrik in Ruelle Montbrillant mit anderen Herstellern und Händlern. Wie es damals üblich war, wurden das Breitling-Logo und der Schornstein eingraviert.

3. Gaston Breitling, Leons Sohn, gilt seit 1915 als Erfinder des ersten am Handgelenk getragenen Chronographen mit einem unabhängigen Drücker bei zwei Uhr.

«Willy war ein geschickter Uhrmacher und ein innovativer Schöpfer», sagte Caspari, der den Besitzer von Breitling vielleicht besser kannte als jeder andere ausserhalb seiner Familie –zuerst in La Chaux-de-Fonds nach dem Krieg, dann als enge Nachbarn in Genf in den frühen 1950er-Jahren. «Er war der leidenschaftlichste Mensch, den ich je kennengelernt habe.»

Willys Leidenschaft – Erfolg zu haben, das Familienerbe zu bewahren, das Richtige zu tun – verstärkte den Druck nur noch. In seinen Gedanken spielte die Breitling-Manufaktur Montbrillant in La Chaux-de-Fonds eine grosse Rolle. Es war sowohl sein Elternhaus als auch der Mittelpunkt seines Berufslebens.

Die Fabrik war der ganze Stolz seines Grossvaters Leon Breitling gewesen, der 1892, acht Jahre nach der Firmengründung, dorthin zog. Hoch oben am Boulevard du PetitChâteau gelegen, befand sich das Gebäude am Rande eines alten Landguts mit Blick über Felder und Wälder. Es wurde mit anderen Uhrmachern geteilt und von zwei imposanten Villen flankiert – eine davon sollte vier

Generationen lang das Zuhause der Familie

Breitling bleiben.

Für Leon symbolisierte dieser Ort seinen wachsenden Status und seine Ambitionen. Der Handel erlebte einen Aufschwung, als fünf Jahre später die Stadt an das Stromnetz angeschlossen wurde, und er wurde zum gewerblichen Vermieter, der Lager- und Werkstattflächen an einem Ort vermietete, der als der schönste der Stadt beschrieben wurde.

Als hinter der Fabrik eine neue Strasse, die Ruelle Montbrillant, gebaut wurde, benannte Leon das Unternehmen in «L. Breitling, Montbrillant Uhrenmanufaktur» um. Stolz auf seine Leistungen gab er eine Gravur des Gebäudes in Auftrag, die ein imaginäres «Leon Breitling»-Schild und einen fiktiven Fabrikschornstein zur zusätzlichen Wirkung enthielt.

Leon starb unerwartet mit 54 Jahren und hinterliess ein innovatives Vermächtnis im Bereich der Zeitmessung für das Industriezeitalter. Sein Sohn Gaston trat seine Nachfolge an und entwickelte den ersten Armbandchronographen mit einem Drücker bei zwei Uhr zum Starten, Stoppen und Zurücksetzen. Doch ein weiterer Schicksalsschlag traf das Unternehmen, als Gaston mit 43 Jahren starb. Sein Sohn Willy war erst 14. Es sollten noch fünf Jahre vergehen,

bis er die Leitung übernehmen konnte. Doch dann setzte auch er Massstäbe, indem er einen zweiten, unabhängigen Drücker bei vier Uhr patentieren liess – ein Design, das zur Urform des modernen Chronographen wurde.

«Willy war hin- und hergerissen zwischen seinem Traum, Pilot zu werden, und der Realität, das Familienunternehmen führen zu müssen», wurde Caspari in einer Breitling-Publikation aus dem Jahr 2005 zitiert. «Aber er entschied sich für den Weg des Uhrmachers, und der Ehrgeiz, den er von seinem Grossvater und Vater geerbt hatte, erlosch nicht. Man kann ohne zu übertreiben sagen, dass er bei Willy am stärksten ausgeprägt war.»

1938 gründete Willy Huit Aviation, eine Abteilung, um Cockpitinstrumente und Armbanduhrenchronographen für Berufspiloten zu entwickeln. Diese Arbeit führte 1941 zur Markteinführung des ersten Chronomat – eines «Chronographen für Mathematiker» – mit einem patentierten kreisförmigen Rechenschieber.

In den 1950er-Jahren entwickelte er die Navitimer im Auftrag eines Drittanbieters für

Willy Breitlings Chronomat von 1941 – ein Chronograph für Mathematiker – verfügte über einen patentierten kreisförmigen Rechenschieber, der später für die Navitimer adaptiert wurde.

die Aircraft Owners and Pilots Association (AOPA). Der Erfolg bei Piloten und die anschliessende Markteinführung 1955 als Modell in der Standardkollektion von Breitling festigten Breitlings Ruf in der kommerziellen Luftfahrt. In den 1960er-Jahren leitete Willy mit Modellen wie der SuperOcean und der Top Time eine Renaissance der Chronographen ein.

Doch die Quarzkrise zog immer grössere Kreise. Die Verluste häuften sich, und 1974 war er gezwungen, seine hochqualifizierten Mitarbeitenden zu entlassen. Unbeirrt wandte er sich erneut dem Drittanbietermarkt zu. 1975 entwickelte er die Referenz 817 für italienische Heerespiloten und Fallschirmjäger der Elitebrigade Folgore. Sie war auf die Anforderungen der Heeresklassen CP-1 und CP-2 ausgelegt, wurde aber nie an die Öffentlichkeit verkauft. Für Willy muss es sich angefühlt haben wie eine Rückkehr zu den Aufträgen der Huit Aviation während des Krieges.

Trotz all seiner Bemühungen stürzte ihn ein Herzinfarkt in tiefe Verzweiflung und liess ihn den frühen Tod seines Vaters und Grossvaters schmerzlich spüren. 1978 blieb ihm keine andere Wahl, als Montbrillant dicht zu machen.

Unter dem Druck der Quarzkrise im Jahr 1975 entwickelte Willy Breitling die Ref. 817 für die EliteFallschirmjägerbrigade «Folgore» der italienischen Armee.

Dennoch ging seine Suche nach einem Käufer weiter. Caspari erinnerte sich an Willys strenge Bedingungen: «Der Nachfolger musste den Mechanismus des Chronographen verstehen, mit dem neuen Trend modernster Technologien wie Quarz umgehen können und vor allem Flugzeugliebhaber sein.»

Ein unerwarteter Anruf Grenchen, Schweiz, 1978

Wer Flugzeuge so liebte wie Ernest Schneider, für den war ein Büro in Grenchen kaum zu übertreffen. Am Rande des Schweizer Juragebirges mit seiner spektakulären Landschaft und der frischen Bergluft gelegen, verfügte es über einen wichtigen Flughafen, wo er seine Beechcraft Bonanza unterstellen konnte. Für den Piloten und Unternehmer war es der perfekte Standort für sein wachsendes Uhrenunternehmen Sicura.

«Ernest Schneider pendelt mit seinem Privatflugzeug zwischen den vier Montage-

2.

1. Der spektakuläre Anblick des Juragebirges lag direkt vor der Tür von Ernest Schneiders Büro. Es war die perfekte Kulisse für Flüge mit dem Privatflugzeug, das er so liebte.

2. Ernest Schneider war flugbegeistert und bewunderte Kunstflieger.

werken von Sicura in Grenchen, Bonfol, Salvan und Melano», verkündete der Firmenkatalog stolz. «Die Entwürfe dieser dynamischen Kollektion sind von Herrn Schneider inspiriert und werden vor allem von der Altersgruppe der 16- bis 35-Jährigen geschätzt.»

Das teure Flugzeug war ein Symbol für den Erfolg, den der 57-Jährige seit seiner Rede bei der Konferenz in La Chaux-de-Fonds 1968 über die Bedrohung durch ausländische Konkurrenz erzielt hatte. Er war besser

Auftritt Federico Parodi

Genua, Italien, 1979

Während die Ära der Familie Breitling in Genf zu Ende ging, bereiteten Ereignisse

300 Kilometer entfernt in Genua den Boden für deren Wiederbelebung.

Federico Parodi – der italienische Uhrenlieferant, der 1982 an die Tür der Frecce Tricolori klopfen sollte – gab seine Karriere als Anwalt für Seerecht auf, um in seiner Heimatstadt ein Uhrengeschäft zu gründen.

Parodi war Major in der Fallschirmjägerbrigade Folgore gewesen, derselben Einheit, für die Willy Breitling 1975 die Militäruhr Ref. 817 entworfen hatte.

Mit 29 Jahren besass er das Selbstbewusstsein, die Kontakte und die Mittel, die einem Sohn einer angesehenen Genueser Familie gebührten.

Sein Onkel, Giorgio Parodi, war ein hochdekorierter Militärflieger, dessen Verewigung in einer Statue auf der historischen Piazza della Vittoria in Genua zu finden ist. Giorgio hatte 1921 zusammen mit seinem Fliegerkameraden

Carlo Guzzi und Federicos Grossvater, dem Finanzier Emanuele Vittorio Parodi, die Motorradfirma Moto Guzzi gegründet .

1. Federico Parodi, acht Jahre alt, im Jahr 1958 auf einer Moto Guzzi Galletto – dem Modell, das am Tag seiner Geburt erschien. Der Ruhm und Einfluss seiner Familie waren entscheidend für seinen frühen Erfolg in der Uhrenindustrie.

2. Parodi im Jahr 1975 mit einem Transportflugzeug Aeritalia G.222. Er war Offizier bei den Elite-Fallschirmjägern Folgore. 2.

Federicos Vater, Enrico Parodi, trat später in das Unternehmen ein und trug massgeblich dazu bei, es zum grössten Motorradhersteller Italiens und zu einem wichtigen Lieferanten des Militärs auszubauen.

Federico trat in die Fussstapfen seiner Vorfahren und forcierte die Ausstattung des Militärs –allerdings mit Uhren anstelle von Motorrädern.

Dank seiner Kontakte zu den Folgore gründete er eine Partnerschaft mit seinem langjährigen Freund Pier Paulo Cerri, um Uhren speziell für Militäreinheiten zu entwickeln.

2

1982–1984 DIE ENTSTEHUNGSGESCHICHTE

Ein eingelöstes Versprechen

Der Auftrag der Frecce Tricolori spornte Ernest Schneider an, die beste Uhr seiner Karriere zu fertigen. Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können. 1982, nach Jahren der Dominanz von Quarz, wusste Schneider, dass ein Wandel bevorstand. «Ich musste mein Versprechen gegenüber Willy Breitling einhalten, die Tradition der mechanischen Chronographen zu bewahren», sagte er 2005 in einem Interview für Breitling Japan. Sein Sohn Theodore erinnerte sich später, dass sein Vater immer der Ansicht gewesen sei, mechanische Uhren besässen «das gewisse Etwas, eine gewisse Persönlichkeit, das gewisse bisschen Seele».

Der steigende Wohlstand liess den Kunden mehr verfügbares Einkommen in die Taschen fliessen, und billige elektronische Uhren fühlten sich allmählich genau so an – billig. Mechanische Uhren hingegen erlebten ein Comeback als Statussymbole, und Breitlings Konkurrenten arbeiteten bereits an neuen Modellen. Luxusgüter war damals der letzte Schrei, und eine wertvolle mechanische Armbanduhr konnte einen von der Masse abheben. Der Durchschnittspreis einer Schweizer Quarzuhr sollte sinken, während der Preis für mechanische Zeitmesser in die Höhe schnellen würde. Im Diagramm fiel der Schnittpunkt exakt mit Breitlings Entscheidung zusammen, Federico Parodis Auftrag anzunehmen.

Schneider sagte später, er habe bereits Entwürfe für einen neuen mechanischen Chronographen skizziert, als sich die Gelegenheit bei der Frecce Tricolori bot, und er sei nach Italien geflogen, um sich mit der Staffel zu beraten: «Um die von Willy Breitling aufgebaute Breitling-Tradition zu schützen, war es für mich absolut notwendig, die Piloten zu treffen und ihre konkreten Wünsche zu hören.»

Es war ein Echo einer Aussage über Willy Breitling die der Werbestratege der Marke, Georges Caspari, getroffen hatte: «Willy strebte nach dem idealen Chronographen für Piloten», wurde Caspari im Jahr 2002 zitiert. «Er reiste persönlich nach England und Amerika, um sich die Meinungen vieler Piloten anzuhören. Die Navitimer wurde durch ihre Meinungen entwickelt.» Diese Geschichte, die

November 1984. Das früheste bekannte Foto von Piloten der Frecce Tricolori mit ihren exklusiven Chronographen der Referenz 80950.

Italienisches

Flair

Seit jeher lautet die grosse Frage rund um den Chronomat: Woher kommt er eigentlich? Wie gelang es Ernest Schneiders winzigem BreitlingTeam, dem jegliche professionelle Designer fehlten, eine völlig neue Uhr zu entwickeln, die 1984 die Branche schockierte und seither immer wieder für Aufsehen sorgt? Die Antwort liegt in Schneiders energischen Bemühungen, Gewinn zu erzielen.

Der Auftrag der Frecce Tricolori war bereits der dritte, der innerhalb weniger Monate bei Breitling einging. Die anderen beiden hätten unterschiedlicher nicht sein können. Einer davon war eine Modeuhr für das Sportbekleidungslabel Ellesse. Der andere war eine technisch anspruchsvolle professionelle Taucheruhr. Ohne diese beiden Projekte wäre die Chronomat, wie wir sie kennen, niemals entstanden.

Der Auftrag von Ellesse war ein Coup für Breitling – die Sportmarke genoss hohes Ansehen und galt als Inbegriff von Mode. Beim Wimbledon-Tennisturnier im Sommer zuvor hatten beide Finalistinnen im Damen-Einzel deutlich mit dem Ellesse-Logo versehene Kleidung getragen.

Für die Entwicklung der Uhr beauftragte

Ellesse Claudio Giovagnoni, einen Architekten und Mitbegründer des angesagten italienischen Designstudios Archap. «Ich entschied mich, die Produktion Breitling anzuvertrauen», erinnerte sich Giovagnoni.«Wir hielten es für angebracht, einen Uhrmacherexperten als Berater hinzuzuziehen und nahmen dafür Gino Macaluso.»

Macaluso, der gelernte Architekt, ehemaliger Rallye-Champion und Sohn eines Uhrenhändlers, trat nach dem Tod seines Vaters Mitte der 1970er-Jahre in das Familienunternehmen ein. Er war 34 Jahre alt, als Giovagnoni ihn Schneider vorstellte. Wieder einmal in der Geschichte der Chronomat standen die Sterne günstig. Nicht nur arbeiteten zwei professionelle Designer in den entscheidenden Monaten der Chronomat-Entwicklung eng mit Schneider zusammen, Macaluso war auch bestens positioniert, um die sich bietenden Chancen zu nutzen und eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Schweizer Uhrenindustrie zu werden.

Gino Macaluso in den 1990er-Jahren.

SCHNEIDERS ZEICHNUNGEN

ZEIGEN, DASS DIE REITER

BEI 15 UND 45 MINUTEN

SO KONSTRUIERT

WAREN, DASS SIE AUSTAUSCHBAR SIND.

Auf Schneiders Zeichnungen sieht man, wie sehr sich das Design – und sogar der Name – bis zum Abgabetermin im November 1982 immer wieder veränderte.

Ein Mark-II-Chronograph Frecce Tricolori mit dazugehörigem DPW-Etui aus Parodis zweitem Auftrag, der nach der Änderung des Chronomat-Zifferblatts in den Jahren 1984/85 erfolgte.

Gino Macaluso besass dieselbe Uhr.

Ein Statussymbol mit Reichweite

Da die Präsentation vor dem Team ein voller Erfolg war, verkaufte Parodi den Rest seiner Bestellung, darunter 10 Stück an den Betreiber der Mailänder Metro. Er gab eine zweite Bestellung auf, nachdem Schneider das Mark II-Zifferblatt vorgestellt hatte.

Wohlhabende Kunden bestellten in grossen Mengen – Parodi behauptet, 24 Stück an die Familie von Fürstenberg verkauft zu haben, ein europäisches Adelshaus, das mit Gianni Agnelli, dem Besitzer von Fiat, verwandt war – während die Käufer ihren Namen und ihre Blutgruppe auf der Rückseite eingravieren lassen konnten, genau wie die Piloten der Frecce Tricolori. Sie wurden mit charakteristischen Accessoires verkauft: einem schwarzen Lederetui mit den Logos von DPW, der Frecce Tricolori und Breitling, und einem verstellbaren Lederarmband – bedruckt mit den Emblemen DPW und der Staffel –, das so konzipiert war, dass es über einen sperrigen Fliegeranzug passte.

Der Frecce Tricolori Chronograph hat seinen Wert schnell unter Beweis gestellt. Viele der Piloten trugen ihre Uhr jahrelang während des Trainings und bei Vorführungen. Sie war sowohl das Werkzeug als auch das Statussymbol, das Parodi und Schneider schaffen wollten.

«Für mich als Pilot war es ein Privileg, eine Breitling-Uhr zu tragen», so Alberto Moretti.

Er schätzt, dass er damit 2.000 Flugstunden absolviert hat: «Ich hatte sie die ganzen 10 Jahre, die ich bei der Frecce Tricolori war, immer am Handgelenk.»

Keiner der Angehörigen der Staffel wird jemals die 70 Menschen vergessen, darunter drei Piloten der Frecce Tricolori, die bei dem Unglück der Flugschau in Ramstein 1988 ums Leben kamen, als ein Flugmanöver schiefging. Gianfranco Da Forno sagte, einer seiner verstorbenen Freunde habe bei Vorführungen immer seine Staffeluhr getragen, und wenn er jetzt auf seine eigene Uhr schaue, weckt das so viele Erinnerungen in ihm. «Viel Freude und viel Schmerz».

Auch Vito Poscas Uhr ist voller Erinnerungen. Auf die Frage, was sie ihm bedeute, warf er einen verstohlenen Blick auf das Zifferblatt, bevor er antwortete. «Es ist, als würde ein langer Film anlaufen», sagte er. «Ich sehe all die Vorführungen, all die Orte, an denen ich mit der Frecce gewesen bin. Immer wenn ich auf die Uhr schaue, erinnere mich wieder an alles.»

3

1984–1990 CATCHING FIRE

Chronomat zu einer Plattform und nicht nur zu einem Produkt wurde.

Parallel zu den Verbesserungen im Vertrieb startete Breitling abenteuerliche, auf die Chronomat ausgerichtete Partnerschaften, die den Einzelhändlern Geschichten zum Erzählen gaben und signalisierten, dass Breitling wieder eine Marke mit Ambitionen war.

Auf der Basler Messe 1986 posierten die Extremflieger Bruce Brosi und Ed Peerens am Breitling-Stand mit den 250.000 US-Dollar teuren Raumanzügen, die sie bei ihrem Rekordversuch mit dem Segelflugzeug FL500 trugen. Ihr Segelflugzeug ohne Druckkabine kletterte auf über 14.000 m, wobei Breitlings Chronomat-Uhren – speziell geschmiert, um Temperaturen von -55 °C standzuhalten – für die lebenswichtige Zeitmessung sorgten.

«Wir hatten Flüssigsauerstoff im Einsatz und mussten während des Fluges alle möglichen Batterieparameter im Auge behalten – daher haben diese Uhren einen grossen Teil der Mission mitgetragen», sagte Brosi. Das Duo musste sich beim Höhenrekord letzten Endes dem Soloflieger Bob Harris geschlagen geben, doch die Chronomat hatte bewiesen, dass sie bis an ihre Grenzen gehen konnte.

Der Höhenrekord der FL500 blieb für die Chronomat bis 1992 bestehen, als der

französische Astronaut Michel Tognini sein

Modell an Bord der Raumstation Mir im Rahmen der französisch-sowjetischen AntaresMission trug und die Chronomat damit nach Scott Carpenters «Cosmonaute» von 1962 zur zweiten Breitling-Uhr im Weltraum wurde.

Dank der grösseren Bekanntheit gelangte die Chronomat in immer mehr Geschäfte. In den Niederlanden besitzt Hans van Langerak noch immer den Katalog, den er 1986 erworben hat. Darin ist neben dem Bild der Uhr, die er kaufte und noch heute trägt, der Preis der Chronomat vermerkt: 3.695 niederländische Gulden mit Rouleaux-Armband und 3.195 mit Lederarmband.

Van Langerak war ein 34-jähriger Inhaber einer Werbeagentur und damit das ideale Werbegesicht für die Zielgruppe der Chronomat. «Ich war vom Design begeistert», sagte er, «es war eine technische Meisterleistung.»

Werbefolien des FL500-Projekts, einem von der NASA unterstützten Versuch, einen neuen Weltrekord im Höhensegelflug aufzustellen. Es war die erste SponsoringPartnerschaft für die Chronomat. Pilot Bruce Brosi ist oben links abgebildet.

Die Schlagzeuger Stewart Copeland von The Police (links) und Kenney Jones von The Who mit ihren Sieger-Chronomaten beim All Stars Rock and Roll Polo Day 1988 in Berkshire, England.

Breitling wurde in das Portfolio aufgenommen –entweder als Anspielung auf oder gerade wegen der aristokratischen Verbindungen von Macaluso und Parodi in Italien.

«Man triff auf Michael Schumacher, der in der Bar im Untergeschoss bei einem Glas Champagner verhandelt, oder Madonna, die kurz vorbeischaut, um Guy Ritchie die Hand zu halten», berichtete das Magazin Tatler. Eine der ersten Breitling-Veranstaltungen von Prinz Ernst war der «All Stars Rock and Roll Polo Day 1988» im Royal County of Berkshire Polo Club, der dem Musikmogul Bryan Morrison gehörte.

Das Siegerteam – bestehend aus Morrison, Genesis-Gitarrist Mike Rutherford und den Schlagzeugern Kenny Jones von The Who und Stewart Copeland von Police – trug BreitlingPoloshirts und bekam Chronomat-Uhren als Geschenk, während die geladenen Gäste ihre mit Monogrammen versehenen Einladungen vom Prinzen und der Prinzessin von Hannover mit nach Hause nahmen.

Rund um das Mittelmeer folgte die Nachfrage den Reisen der angesagten Schickeria. Als die Manager einer englischen Juwelierkette 1989 an einer Vertriebskonferenz auf Mallorca

Verbindungen zur gehobenen Gesellschaft verbesserten das Image der Chronomat in ganz Europa. In Grossbritannien wurde Breitling von Prinz Ernst von Hannover und seiner Frau Prinzessin Caroline von Monaco beworben.

teilnahmen, staunten sie nicht schlecht über die Chronomat-Uhren in den Schaufenstern der exklusiven Juweliere. Einer von ihnen war der Uhrenspezialist Jonathan Scatchard: «Sie hatten ein schwarzes Zifferblatt und ein braunes Armband», erinnerte er sich. «Und wir alle sagten: ‹Das ist ja mal ganz neu!›»

Ein weltweites Phänomen

Die Chronomat prägte die 1990er-Jahre, genau wie Anna Wintours amerikanische Vogue es vorausgesagt hatte. Sie zu tragen, war die schnellste Art, um den eigenen Status bekannt zu geben. Kenny und Steve Grazi eröffneten die weltweit erste Breitling-Boutique auf der Madison Avenue in New York – ein winziger Laden von nur 3,35 Metern Breite und 5,49 Metern Länge –, wo die Chronomat als meistverkauftes Breitling-Modell einen Ehrenplatz einnahm.

Der grosse, schwere Chronograph schien allgegenwärtig, da die Modewelt ihn in zahlreichen Editorials präsentierte. Neun von zehn Breitling-Anzeigen im Magazin Vanity Fair zu Beginn des Jahrzehnts zeigten die Chronomat, und Monat für Monat dominierte sie die Rückseite der Londoner Zeitschrift International Wristwatch.

In Japan, der Heimat der Quarzrevolution, die ein Jahrzehnt zuvor die Schweizer Uhrenindustrie zu Fall gebracht hatte, lehrte eine Marketingkampagne von Breitling die Verbraucher die Feinheiten mechanischer Uhren zu schätzen [Siehe Big in Japan, S. 134], und die Chronomat-Uhren wurden schnell zu einem unverzichtbaren Accessoire.

Der Starkoch Gordon Ramsay machte die Version der 37-mm-Chrono Cockpit mit gelbem Zifferblatt zu einem Sammlerliebling.

DIE FAMILIE DER VON

DER CHRONOMAT

INSPIRIERTEN

MODELLE WUCHS MIT JEDEM KATALOG UND

GEWANN IHRE EIGENEN

PASSIONIERTEN ANHÄNGER.

Zurück in Europa, wo italienische Boutiquen und französische Berühmtheiten die Chronomat zuerst bekannt gemacht hatten, sprengten die Verkaufszahlen alle Dimensionen. Die Schweizer Reichenliste der «Bilanz» führte nun nicht mehr nur die Familie Schneider, sondern auch Gino Macaluso auf, dessen Lederarmbänder und italienisches Vertriebsnetz so entscheidend für den Aufstieg der Chronomat gewesen waren.

Auch der Profisport schloss sich der Bewegung an. Als Leeds United 1992 die englische Fussballmeisterschaft gewann und sich für den Europapokal qualifizierte, war die Chronomat die Uhr der Wahl für die Mannschaft. «Wir überreichten eine dem Manager Howard Wilkinson und eine weitere dem Kapitän Gordon Strachan», erinnerte sich BreitlingVerkäufer Jonathan Scatchard. «Dann wollte jeder eine haben. Es war unglaublich.»

Die Familie der von der Chronomat inspirierten Modelle wuchs mit jedem Katalog und gewann eine eigene treue Anhängerschaft. Starkoch Gordon Ramsay trug seine «Chrono Cockpit» aus Edelstahl mit gelbem Zifferblatt in Shows wie Hell’s Kitchen, die ihn weltweit berühmt machten. In der Pilotfolge von Friends

im Jahr 1994 war Monica Geller, gespielt von Courteney Cox, mit der «Sextant» zu sehen –einem Ableger der Chronomat-Serie. Und als 78 Millionen Amerikaner 1998 das Finale von Seinfeld verfolgten, war die Uhr an Jerry Seinfelds Handgelenk eine Chronomat.

1. Courteney Cox trug die «Sextant», ein von der Chronomat abgeleitetes Modell, in der Serie Friends

2. Jerry Seinfeld trug Chronomat-Uhren während der gesamten neunjährigen Laufzeit seiner erfolgreichen Fernsehserie Seinfeld.

Big in Japan Die Chronomat erreicht Tokio

Ein Markt, der erst spät auf den ChronomatZug aufsprang, war Japan, wo mechanische Chronographen nach der Einführung der ersten Quarzuhr durch Seiko im Jahr 1969 aus der Mode gekommen waren. Ernest Schneider und sein Sohn Theodore wollten die öffentliche Meinung ändern. 1991 wurde Atsushi Kimbara angeworben, um ein neues Breitling Japan-Team zu leiten, das die Begeisterung für traditionelle Zeitmesser wiedererwecken sollte.

Kimbara wusste, dass die japanische Kultur technische Details schätzte und ein kulturelles Erbe respektierte. «Wir haben ganz von vorne angefangen», sagte er. Kimbara meinte es wörtlich und veröffentlichte ein Breitling-Handbuch, das mit den Worten begann: «Mechanische Uhren messen die Zeit durch das

Ineinandergreifen von Federn und Zahnrädern.»

Es folgten Hochglanzmagazine und informative Bücher, die erklärten, wie Chronographen hergestellt werden und warum sie den Aufpreis wert sind: Sie «lehren uns den Charme und die Faszination der mechanischen Zeitmessung» und offenbaren «ein Gespür für die Weisheit und Geschicklichkeit des Menschen».

Um die wichtigen Hintergründe zu vermitteln, brach Ernest Schneider 2002 und 2005 mit seiner lebenslangen Gewohnheit und gab zwei seltene Interviews. Theodore Schneider, der Designer Eddy Schoepfer und der Werbefachmann Georges Caspari äusserten sich ebenfalls. Sie wurden in der Schweiz herausgegeben und sind ausschliesslich in

Japan erschienen; sie sind bis heute die einzige offizielle Stellungnahme von Ernest Schneider zur Entwicklung der Chronomat.

Japans einzigartige Marketingstrategie –darunter ein Breitling- Club für Uhrenbesitzer, der auch heute noch besteht – war ein Erfolg. Ende der 1990er-Jahre waren bereits fünf Ausgaben des Breitling-Handbuchs erschienen, und die Chronomat war in Tokio genauso begehrt wie mehr als ein Jahrzehnt zuvor in Turin. Kimbara erinnerte sich daran, dass 1997 jährlich bis zu 9.000 Exemplare verkauft wurden.

Im selben Jahr präsentierte der MangaZeichner Nobuyuki Fukumoto die Chronomat in seiner erfolgreichen KaijiSerie, die für ihre drastische Darstellung von

lebensbedrohlichen Gefahren bekannt ist –ein Werk, das später als Inspiration für Squid Game galt.

In einer unbewussten Anspielung auf Schneiders Vergangenheit als Hersteller von Uhren mit Zusatzfunktionen erschien die Chronomat wie ein futuristisches Hightech-Gerät, dessen Hilfszifferblätter Kaijis Körperfunktionen anzeigten. Am Handgelenk des tadellos gekleideten Antagonisten Yukio Tonegawa wurde die Chronomat zum Synonym für Autorität, Macht und Stil.

Der Künstler Nobuyuki Fukumoto wählte die Chronomat aufgrund des hohen Prestiges für seine Manga-Serie Kaiji. Breitling hatte zuvor massiv investiert, um mechanische Chronographen auf dem japanischen Markt zu etablieren.

Die neue Chronometrie entstand in rasantem Tempo und war Ende 2001 voll einsatzbereit. Der Schweizer Architekt Alain Porta liess sich von den übergrossen Fenstern traditioneller Uhrmacherwerkstätten inspirieren und führte lange Glasbänder ein, die die Innenräume mit Licht durchfluteten. Er verkleidete die Wände mit italienischer Pietra Dorata, einem warmen, goldfarbenen Stein, der zu einem Markenzeichen der Architektur Breitlings in der Schneider-Ära wurde.

Hinter der markanten Fassade verbarg sich eine hochmoderne Fabrik. Eine Belüftungsanlage in Krankenhausqualität tauschte die Luft alle 10 Minuten aus, während Überdruck in den empfindlichsten Bereichen die beiden grössten Feinde eines Uhrwerks ausschaltete: Feuchtigkeit und Staub.

Als die Fertigungskapazitäten stiegen, erwies sich Theodore Schneiders Beharren auf der Bedeutung der Chronometrie als weitsichtig. Die Ankündigung der Swatch Group aus dem Jahr 2002, die Belieferung externer Marken mit ETA-Uhrwerken zu beenden, löste ein Eingreifen der Kartellbehörden aus, die das Lieferende auf 2010 verschoben. Doch selbst mit dieser Verlängerung verlieh die

Ankündigung Theodores langfristigen Plänen zusätzliche Dringlichkeit. Girardin betrachtete das Gebäude der Chronometrie als physischen

Ausdruck der Markenphilosophie: «Die Fabrik selbst ist das Instrument für Profis», sagte er Gästen.

Nur fünf Jahre nach der Einführung ihrer neuen Strategie hatte Breitling mehr als nur eine Montagelinie aufgebaut. Sie hatten eine Heimat für die Zukunft der Schweizer Chronometrie geschaffen.

«DIE FABRIK

SELBST

IST DAS INSTRUMENT FÜR PROFIS.»

Die Entstehung eines Zifferblatts für die Chronomat Evolution, vom Messingrohling bis zum fertigen Produkt, ein Prozess, der bis zu 80 Arbeitsschritte umfasste.

1. Chronomat GT, Ref. K13050.1, 1997, 18 Karat Gold.
2. Chronomat, limitierte Auflage, Ref.-Nr. A13352, 2001
2.

1. Breitling-Botschafter und für den Oscar nominierter Schauspieler Austin Butler auf dem roten Teppich der Filmfestspiele von Cannes mit der Chronomat 32, Ref. A77310101A2A1

2. Chronomat B01 42, Ref. EB0134101M1E1, 2024, Titan.

Im November 2023 wurde Ivan Greguitch, ein langjähriger Chronomat-Liebhaber, zum Produktentwicklungsdirektor von Breitling ernannt. Greguitch hatte in den 1990er-Jahren mit Kern bei Tag Heuer zusammengearbeitet, als die ursprüngliche Chronomat auf dem Höhepunkt ihrer Popularität war. «Man sagte, wer modisch sein und seinen sozialen Status zur Schau stellen wolle, müsse sich eine Chronomat kaufen», erinnerte er sich. «Sie verkauften sich in Europa wie verrückt.» Dreissig Jahre später flossen seine Erfahrungen aus der Blütezeit der Chronomat in die Neugestaltung von 2026 ein.

Während die Chronomat 2026 Gestalt annahm, kehrten Pablo Widmer und seine Designer immer wieder zu Fragen zurück, die bis ins Jahr 1982 zurückreichten, als Ernest Schneider den Chronographen als besonderes Statussymbol entwarf, den Federico Parodi den Piloten Frecce Tricolori übergab. «Hat die neue Chronomat denselben Charakter wie damals?», fragte er sein Team. «Und hat sie heute noch den richtigen Charakter für die Zeit, in der wir gerade leben?»

Chronomat La Luna 1989

Wie alle Chronomat-Modelle vor 1990 trug auch die «La Luna» die Referenznummer 81950, obwohl sie sich ästhetisch und funktional von den Kernmodellen unterschied. Das Hilfszifferblatt bei 6 Uhr wurde durch eine Mondphasenöffnung ersetzt. Sie wurde Ende des Jahrzehnts auf den Markt gebracht und kam

in einem zweifarbigen Gehäuse mit schwarzem oder weissem Zifferblatt. In ihrer Exklusivität hob sich die «La Luna» dadurch ab, dass sie das sportliche Profil der Chronomat mit einer ausgesprochen klassischen Komplikation vereinte.

Anlässlich des 140-jährigen Jubiläums präsentierte Breitling drei Sondermodelle: eine Navitimer, eine Premier und diese Super Chronomat. Das Besondere daran war die Premiere des B19-Kalibers, eines Chronographen mit ewigem Kalender mit Mondphase bei 12 Uhr. Die Kombination dieser Komplikationen ist üblicherweise dem obersten Preissegment der Branche vorbehalten, wo solche Uhrwerke fast immer von Hand aufgezogen werden. Die B19 hingegen ist automatisch und verfügt über eine bemerkenswerte

Gangreserve von 96 Stunden – ein besonders praktisches Merkmal für einen ewigen Kalender, dessen Einstellen Zeit benötigt. Die Uhr zeichnete sich auch durch ihr Gehäusedesign aus. Im Vergleich zur Standardausführung der Chronomat wuchs der Durchmesser von 42 auf 44 mm. Zudem wurde das Modell um eine Keramiklünetteneinlage sowie verschraubte Drücker ergänzt. Das auffälligste Merkmal war das skelettierte Zifferblatt – eine Premiere für Breitling.

DIE WERKZEUGKISTE FÜR SAMMLER

Auf den folgenden Seiten finden Sie die Informationen, die zur Identifizierung der automatischen Chronomaten aus der Zeit von 1984 bis 2009 erforderlich sind. Dieser Zeitraum umfasst die Modelle mit dem Neo-Vintage ETA 7750 und dem Breitling Kaliber B13.

Das ist das erste Mal, dass Variationen an Zifferblatt, Zeigern und Gehäuseböden identifiziert und einem Produktionsdatum zugeordnet wurden, was eine unschätzbare Ressource für Sammler und Liebhaber gleichermassen darstellt.

ZIFFERBLATT MK1, siehe Seite 274. Kennzeichnungen: Schriftzug B, BREITLING, PAN Frecce Tricolori.

ZIFFERBLATT MK1, siehe Seite 274. Kennzeichnungen: Schriftzug B, BREITLING GENEVE, Flügel im AOPA-Stil.

MK2 ZIFFERBLATT, siehe Seite 275. Kennzeichnung: Flügel und Anker, BREITLING.

ZEIGERAUSFÜHRUNG

81950 A

ZIFFERBLÄTTER MK2 UND MK2A, siehe Seite 275. ZIFFERBLÄTTER MK3, siehe Seite 276. Kennzeichnung: Flügel und Anker, BREITLING.

GEHÄUSEVERARBEITUNG UND ABMESSUNGEN

GEHÄUSEBODEN MK1A Nur bei der Erstausgabe des Frecce Tricolori Chronograph, siehe Seite 283.

Gehäuseoberfläche: sandgestrahlt;

Gehäusedurchmesser: 39 mm; Lünette: gebürstet, 37 mm (ohne Reiter); Höhe: 14 mm; Länge von Bandanstoss zu Bandanstoss: 44 mm; Bandanstossbreite: 20 mm.

ZEIGER MK1, siehe Seite 282. Hauptzeiger: abgerundeter, leuchtender Stabzeiger; Chrono-Zeiger: sich verjüngender, dünner Stabzeiger mit sich verbreiterndem Gegengewicht; Hilfszifferblattzeiger: gerade dünne Stabform.

GEHÄUSEBODEN MK1, siehe Seite 283. Gehäuseoberfläche: sandgestrahlt; Gehäusedurchmesser: 39 mm; Lünette: gebürstet, 37 mm (ohne Reiter); Höhe: 14 mm; Länge von Bandanstoss zu Bandanstoss: 45 mm; Bandanstossbreite: 20 mm.

GEHÄUSEBODEN MK1, siehe Seite 283.

Gehäuseoberfläche: frühe Produktion: sandgestrahlt, anschliessend gebürstet; Gehäusedurchmesser: 39 mm; Lünette: gebürstet, 37 mm (ohne Reiter); Höhe: 14 mm; Länge von Bandanstoss zu Bandanstoss: 45 mm; Bandanstossbreite: 20 mm.

ZEIGERAUSFÜHRUNG

ZIFFERBLÄTTER MK2 UND MK2A, siehe Seite 275.

ZIFFERBLÄTTER MK3, siehe Seite 276.

Kennzeichnung: Flügel und Anker, BREITLING.

ZIFFERBLÄTTER MK2 UND MK2A, siehe Seite 275.

ZIFFERBLÄTTER MK3, siehe Seite 276.

Kennzeichnungen: Flügel und Anker, BREITLING, einige spätere Stücke mit der Jahreszahl 1884.

ZIFFERBLÄTTER MK2 UND MK2A, siehe Seite 275.

ZIFFERBLATT MK3, siehe Seite 276. Kennzeichnungen: Flügel und Anker, BREITLING, meist mit 1884.

ZIFFERBLÄTTER MK2 UND 2A, siehe Seite 275. ZIFFERBLÄTTER MK3, siehe Seite 276. Kennzeichnungen: Flügel und Anker, BREITLING, 1884.

ZEIGER MK1, siehe Seite 282. Hauptzeiger: abgerundeter, leuchtender Stabzeiger; Chrono-Zeiger: sich verjüngender, dünner Stabzeiger mit sich verbreiterndem Gegengewicht; Hilfszifferblattzeiger: gerader, dünner Stabzeiger.

GEHÄUSEVERARBEITUNG UND ABMESSUNGEN

ZEIGER MK1, siehe Seite 282. Später Übergang zu MK2.

GEHÄUSEBODEN MK2 UND 2A, siehe Seite 283.

Gehäuseoberfläche: gebürstet, später Übergang zu poliert: Gehäusedurchmesser: 39 mm; Lünette: gebürstet, 37 mm (ohne Reiter); Höhe: 14,4 mm; Länge von Bandanstoss zu Bandanstoss: 45 mm; Bandanstossbreite: 20 mm.

ZEIGER MK2, siehe Seite 282. Hauptzeiger: leuchtender Stabzeiger mit sich verjüngender Spitze; Chrono-Zeiger: sich verjüngend mit B-Anker-Gegengewicht; Hilfszifferblattzeiger: gerade dünne Stabform.

GEHÄUSEBODEN MK5, siehe Seite 283. Gehäuseoberfläche: gebürstet und poliert; Gehäusedurchmesser: 39 mm; Lünette: gebürstet, 37 mm (ohne Reiter); Höhe: 14 mm; Länge von Bandanstoss zu Bandanstoss: 45 mm; Bandanstossbreite: 20 mm.

GEHÄUSEBODEN MK2A UND MK3, siehe Seite 283. Gehäuseoberfläche: poliert (einige frühe Ausführungen gebürstet); Gehäusedurchmesser: 39 mm; Lünette: gebürstet, 37 mm (ohne Reiter), geschwungenes B an der Seite; Höhe: 14,5 mm; Länge von Bandanstoss zu Bandanstoss: 45 mm; Bandanstossbreite: 20 mm.

MARK I ZIFFERBLÄTTER, KOMPLETTES SET

Instrumententafel-Optik in Blau, entworfen für die Frecce Tricolori mit Leuchtpunkt auf jeder Seite des 12-Uhr-Index und «SWISS MADE» auf jeder Seite des 6-Uhr-Hilfszifferblatts. Der Chronomat für den Einzelhandel, zuerst in Schwarz (siehe Abbildung auf Seite 268), dann in Weiss und zweifarbig, zeigte das Logo im AOPA-Stil mit einem geschwungenen B und dem Schriftzug

BREITLING GENEVE bei 3 Uhr.

ZIFFERBLATTBEISPIELE FÜR MARK II

Flügel- und Ankerlogo mit BREITLING, kein Leuchtpunkt auf jeder

Seite des 12-Uhr-Index, grössere Hilfszifferblätter ohne 9-Uhr-Index, «SWISS MADE» im unteren Hilfszifferblatt. Auch als Frecce-TricoloriVersion erhältlich. 1884 unter BREITLING hinzugefügt. Mark IIA erhielt Hilfszifferblattringe.

«Chronomat Story» ist Teil der Watchprint-Reihe «Story Books», in der die weltweit bekanntesten Uhren vorgestellt werden. Der investigative Journalist Gerard Tubb nutzt hierfür eigene Recherchen, um die vollständige, bisher unbekannte Geschichte hinter Breitlings bahnbrechendstem Chronographen zu enthüllen. Durch neu entdeckte

Archive und Augenzeugenberichte verfolgt Tubb, wie die Chronomat – in den 1980erJahren für Italiens Elite-Kunstflugteam Frecce Tricolori geschaffen – Breitlings Wiederaufstieg auslöste und die Landschaft der modernen mechanischen Uhrmacherei neu gestaltete. Das reich bebilderte und sorgfältig dokumentierte Buch bringt die Menschen, Ideen und Risiken ans Licht, die eine Ära der Neuerfindung definierten.

«Chronomat Story» ist Teil der Watchprint-Reihe «Story Books», in der die weltweit bekanntesten Uhren vorgestellt werden. Der investigative Journalist Gerard Tubb nutzt hierfür eigene Recherchen, um die vollständige, bisher unbekannte Geschichte hinter Breitlings bahnbrechendstem Chronographen zu enthüllen. Durch neu entdeckte Archive und Augenzeugenberichte verfolgt Tubb, wie die Chronomat – in den 1980erJahren für Italiens Elite-Kunstflugteam Frecce Tricolori geschaffen – Breitlings Wiederaufstieg auslöste und die Landschaft der modernen mechanischen Uhrmacherei neu gestaltete. Das reich bebilderte und sorgfältig dokumentierte Buch bringt die Menschen, Ideen und Risiken ans Licht, die eine Ära der Neuerfindung definierten.

WEITERE GESCHICHTEN ENTDECKEN

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1. A Moon Watch Story – The extraordinary destiny of the Omega Speedmaster (EN)

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2. Navitimer Story – Die epische Saga des Breitling-Chronographen (DE)

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3. Premier Story – Premier, Duograph and Datora (EN)

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ISBN 978-2-940506-69-9

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