03
NEWS & JOURNAL / MEINUNG / BACKYARD ULTRAS / TRAIL-VEREINE
TRAIL MAGAZIN
DAS LAUFMAGAZIN NR.1 FÜR TRAILRUNNING
2025 Mai Juni
DEUTSCHLAND € 8,40 ÖSTERREICH € 9,20 SCHWEIZ SFR 13,50 LUXEMBURG € 9,70 ITALIEN € 11,30 SPANIEN € 11,30 FRANKREICH € 11,30
WWW.TRAIL-MAGAZIN.DE
Pro & Contra ufen Ganz früh la oder spät am Abend?
MEGA TEST
Teil 1/2
38 Trailschuhe bis ans Limit gelaufen!
TrailTraining endlich erklärt!
Salomon, Adidas Terrex, Brooks, Dynafit, La Sportiva, Hoka, Altra, The North Face, New Balance, Asics, Craft, Lowa...
Intervalle, Laktat, Longrun, Vo2Max, Double Threshold Days, ...
WORST CASE Kurz vor einem Wettkampf: - Krank, verletzt - Rennabbruch - Zuviel Arbeit
TALK
Interviews mit Jennifer Lichter & Florian Lamblin
REISE
Cinque Terre: Dort wo Trails das Meer küssen
Rezept: Der perfekte TrailCookie für jede Distanz!
WISSEN Schnürung: Neue Systeme erobern den Markt
EDITORIAL
4 Menschen dieser Ausgabe
Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Alle, ich könnte hier jetzt etwas über den Frühling schreiben, darüber, wie schön es ist, endlich wieder, kurz/kurz zu laufen, sich das erste Mal den Nacken beim Longrun zu verbrennen oder in den ersten warmen Regen hineinzukommen. Einfach nicht mehr frieren und sich darüber freuen, wie alles grün wird und blüht. Ist doch schön. Es ist eindeutig eine echte Frühlings-Ausgabe, dieses Heft eröffnet unsere Saison, sofern wir überhaupt eine Saison haben, denn eigentlich laufen wir ja immer. 365 Tage. Im Prinzip geht es in diesem Heft zu einem großen Teil um sehr viele Trailrunningschuhe. Du suchst welche? Echt? Wer denn bitte nicht? Das Leben eines Trailrunners oder einer Trailrunnerin ist eine stete Suche nach Trailschuhen. Man wird nie damit fertig und der GROSSE TRAILSCHUH-MEGATEST ab Seite 26 hat uns wieder verdeutlicht, dass die Entwicklung dieser Produkte auch nie ein Ende findet. Sie werden besser, sie werden leichter, spezieller, stabiler und manche sagen schöner. Nie zuvor waren Trailrunningschuhe so geländefähig und blitzschnell zugleich. Wieso das so ist, erklären wir euch ausführlich im Test. Natürlich sagen wir euch auch, welche Modelle wir empfehlen. Doch wir beschäftigen uns nicht ausschließlich mit Konsum, sondern wir haben auch Meinung. Wieso Angst uns nie, nie, nie steuern darf. Wir sprechen mit Menschen der Szene. Zum Beispiel mit dem Direktor der globalen UTMB Series und einer sehr erfolgreichen Athletin, die sich dazu entschieden hat, aus Trailrunning einen Beruf zu machen. Das vielleicht eindrücklichste Treffen hatten wir aber mit „Friedei“, einem Mann, der die Freiheit am Berg so sehr liebt, genießt und lebt, dass er manchmal einfach nicht darüber nachdenken mag, dass er beruflich dafür sorgt, dass Menschen für lange Zeit ein Gebäude nicht verlassen. Diese Ausgabe ist also ziemlich abwechslungsreich und bunt – genau das wünschen wir euch allen für den Lauf- und Berg-Sommer 2025 auch. Er soll euch an viele Orte führen und mit verschiedensten Menschen verbinden. Euer Denis
Jennifer Lichter
Die US-Amerikanerin Jennifer Lichter hat den TransgrancanariaMarathon gewonnen und liebt alpine Trailrennen in den europäischen Alpen. Das Interview ab Seite 84
Florian Lamblin
Der neue Direktor der UTMB-Worldseries erwartet ein Rennen seiner Serie auf deutschem Boden in den kommenden drei Jahren ab Seite 50
Michael Ohler
hat sich Hals über Kopf in ein Rennformat verliebt, das sich "Backyard Ultra" nennt. Was ihn auf eine 6,7 Kilometer Runde treibt ab Seite 54
Kimi Schreiber
Wer bin ich? Wie sehen mich andere und nehmen mich meine Freunde als ProfiTrailrunnerin wahr? Kimi Schreiber über das Suchen und Finden ihrer Identität in Trailschuhen. Ab Seite 76
TRAIL-Herausgeber Denis Wischniewski
Latest News dieser Ausgabe!
hat übrigens die selben Problemchen wie ihr auch: Er wird immer dann krank, wenn die Form steigt. Er versinkt in Arbeit, wenn er eigentlich intensive Umfangswochen einplant und kommt immer erst dann zum Laufen, wenn es regnet. Eigentlich ist er der "Glas-halbvoll-Typ", aber manchmal trinkt er einfach alles leer, obwohl er es sich besser einteilen sollte.
Leider mussten wir unsere für April geplante HOTT, History Of Trail Tour, in den Herbst verschieben. Für Köln, München und Berlin geben wir Euch so bald die neuen Daten feststehen über unsere Homepage und Instagram Bescheid. www.trail-magazin.de/HOTT
6/2 0 1 8 3203/25
INHALT 17 Jahre Trail 2008 - 2025
STANDARDS EDITORIAL 3 INHALT 4 NEWS 14 REISE 42 PRODUKTE 26 IMPRESSUM 37 MORALFRAGE 98
64 TRAINING
46 Kaçkar
6 FOTOSTORY
Unser Experte Lars Schweizer erklärt in der neuen Serie alle sperrigen Begrifflichkeiten, die man im modernen Training um die Ohren gehauen bekommt. Was ist zur Hölle "DoubleThreshold"?
16
Philipp Ausserhofer war bereits zweimal zu Gast in der türkischen Bergregion Kaçkar und hat sich schwer in die wilden und ursprünglichen Trails verliebt.
16 JOURNAL
Denis´ Kolumne, Pro & Contra, Zahlen der Ausgabe, Musik-Tipps, Produkte die man haben will, Night Of The Trail, Chianti Ultratrail by UTMB, ...
Wochen Show 72 TIPPS
26 SCHUHE
Wir zeichnen drei Worst-Case-Szenarien für Trailrunning und geben die Antworten dazu. Was wäre wenn ...
Clemens Niedenthal im Gespräch mit Florian Lamblin, dem neuen Direktor der UTMB-Worldserie. "Wann gibt es ein Rennen ihrer Serie in Deutschland?"
84 INTERVIEW Im Cinque Terre hat unser Autor ein Kollektiv an Singletrails gefunden, die sein Laufen neu definieren. Es mag aber auch am guten Essen gelegen haben.
www.youtube.com/@ TRAILMagazin2021
50 UTMB
Der Megatest mit 38 neuen Trailschuhe. Das sind die Top-Modelle 2025 mit allen Bewertungen und Kategorien. Teil 2 folgt in #4/2025.
42 REISE
Jeden Dienstag
Im großen Interview dieser Ausgabe treffen wir auf die Transgrancanaria-Marathon-Siegerin Jennifer Lichter, die zu den Talenten der Zukunft gehört und für The North Face startet. Pro Trailrunning Association 70 Vereinsgeschichten 80 Night Of The Trail 90 4 Tipps zur Zufriedenheit 92
4 3/25
76 MEINUNG
Die Profi-Trailrunnerin Kimi Schreiber aus München beschreibt in einem offenen Text, wie sie ihren Beruf wahrnimmt.
94 PRAXISTEST
Komperdell Stöcke, Salomon ADV Skin 12 Racevest, Ryzon Laufweste, Sportnahrung.
Jetzt ein Trail Magazin Abo abschließen und 6 gedruckte Ausgaben nach Hause liefern lassen
AB 44 EURO
Dazu eine tolle Prämie sichern Drybag-Set Trailsocken Multituch THYwear Belt
FOTOSTORY Discover Kaçkar Text: Denis Wischniewski Fotos: Moritz Klee
Willkommen im abenteuer! Trailrunning in der Türkei? Im Nordosten trifft das KaçkarGebirge auf die Schwarzmeer-Küste und zeigt sich als ein wildes und ursprüngliches Laufrevier für alle die ein letztes echtes Abenteuer suchen.
6 3/25
7 3/25
FOTOSTORY Discover Kaçkar
8 3/25
9 3/25
FOTOSTORY Discover Kaçkar
10 3/25
11 3/25
FOTOSTORY Discover Kaçkar
12 3/25
13 3/25 2/25
FOTOSTORY Discover Kaçkar
14 3/25
15 3/25
"ALLES WAS TRAILRUNNING AUSMACHT!" Profi-Trailrunner Philipp Ausserhofer war bereits zweimal im Kaçkar-Gebirge und ist fasziniert von Land und Leute.
Hallo Philipp, wie kam es zu deinen Reisen in den Nordosten der Türkei, ins Kaçkar-Gebirge? Ich wurde als „Testimonial“ angefragt und da ich so etwas nur annehme, wenn ich mir auch sicher bin, wollte ich mir die Region natürlich unbedingt ansehen. Ich war dann im letzten Sommer dort und erlebte eine sehr spannende Reise. Die Menschen konnten nämlich mit „Trailrunning“ nicht viel anfangen. Man kennt dort nur Wandertourismus, Bergsteigen oder Rafting. Ich erinnere mich an meinen ersten Lauf am ersten Tag der Ankunft – ich lief durch das kleine Bergdorf und alle haben sehr neugierig geschaut, gegrüßt und sogar applaudiert. Interesse und Begeisterungsfähigkeit sind groß. Du bist also schnell in Kontakt mit den Einheimischen gekommen? Ja, das war toll. Wir hatten einen Guide, der uns in die vielen kleinen Täler mitgenommen und übersetzt hat. Dadurch war schnell direkter Kontakt da, obwohl ich überhaupt kein Türkisch spreche oder verstehe. Es ist natürlich schon etwas anderes, sich über eine dritte Person und nicht direkt zu unterhalten, aber die Gastfreundschaft war auch so spürbar.
Irgendwie hat es gefunkt und mir war sofort klar, dass da „Bergmenschen“ über Sprache und Grenzen hinweg einfach einen engen Draht zueinander haben. Das ist magisch. Wie würdest du für Menschen, die unsere Landschaften und die Alpen kennen, das Kaçkar beschreiben? Die Landschaft hat schnell dafür gesorgt, dass ich begeistert war. Das Wetter dort, mit der Nähe zum Schwarzen Meer, hat viele Wechsel und irgendwann riss diese Wolkendecke auf, die fast täglich da ist, und ich konnte diese riesige Umgebung ganz erfassen. Das Kaçkar-Gebirge ist noch nicht einmal so viel anders als die Alpen, hat aber durch die Küsten-
anbindung einen anderen Charakter. Manchmal könnte man meinen, man ist in den Dolomiten und ums Eck liegt bereits Chamonix. Die Berge sind hier bis 4000 Meter hoch, es gibt Gletscher und es ist sehr wild. Oft sind die Wege einfache Hirtensteige. Wir sprechen ja auch von einer künftigen Trailrunning-Destination. Wieso ist die Region für Trailrunning ideal und wie anspruchsvoll ist das alles? Im Zuge des neuen Events, des Kaçkar by UTMB, der im September stattfindet, werden alte Hirtenpfade neu erschlossen, wobei das meiste wirklich schon vorhanden ist. Man läuft hier auch ausschließlich auf anspruchsvollen Singletrails und das ist ja das, was viele auch wollen. Dadurch, dass es hier eine Wanderkultur gibt, sind Wanderwege, Zelt- und Campingplätze vorhanden. Es gibt hier nicht alle 50 Meter eine Wegemarkierung, aber man verläuft sich auch nicht ständig. Du sagtest, es ist wild. Ist es gefährlich, allein zu laufen? Sollte man in Gruppen reisen? Grundsätzlich macht es in einer Gruppe ohnehin mehr Spaß. Ich fühle mich in fremden Kulturen immer wohler, wenn ich jemanden an meiner Seite habe, aber ich fühlte mich zu keinem Zeitpunkt unwohl und unsicher. Hast du nach deinen Erfahrungen Tipps und Dinge, die du empfehlen magst? Ja. Einen Schuhtrockner mitnehmen. Die Schuhe werden hier immer nass. Das Wasser sucht sich die direkten Wege und die führen oft über die Trails. Gab es besondere Begegnungen, die dir in Erinnerung bleiben? Man wird hier immer einen Chai, einen warmen Tee, bekommen und spürt die Herzlichkeit der Menschen. Wir liefen
an diesem Tag eine Extraschleife in ein Nebental und trafen auf einen Hirten, der uns fragte, woher wir kommen. Ich sagte: „We are from Austria, Stubai.“ Und er antwortete: „You are welcome in Turkey!“Das war für mich beeindruckend. Er hatte das vielleicht schnell wieder vergessen, aber ich dachte mir: „Wie oft passiert mir das denn zu Hause?“ Aus dieser Begegnung habe ich wirklich etwas mitgenommen. Im Herbst findet die Premiere des Kaçkar by UTMB statt. Wirst du dabei sein? Ich bin dabei. Darauf freue ich mich schon sehr und es ist wichtig, dass ein weiteres „technisches“ Rennen in die Serie kommt. Meine Hoffnung ist, dass Trailrunning und Gastfreundschaft zusammenkommen. Dieser neue Wettkampf hat alles, was Trailrunning für mich ausmacht, alles, was ich mir erwarte.
Bist du bereit für ein Abenteuer? Diese Frage stellt dir vom 26. bis 28. September der Kaçkar by UTMB und führt dich über unberührte Strecken durch das atemberaubende Kaçkar-Gebirge im Nordosten der Türkei, dort wo hohe Berge auf das Schwarze Meer treffen – eine einzigartige Form von Landschaft. Vom pittoresken Dorf Ayder aus kannst du aus mehreren Distanzen wählen. 22 Kilometer mit 1300 Höhenmetern, also ein anspruchsvoller Halbmarathon, der auch für alle Einsteiger perfekt ist, oder der Marathon über rund 43 Kilometer und 3165 Höhenmeter. Panoramaausblicke auf den Kaçkar Dagi und auf die Bergseen direkt vor Yukarı Ceymakçur erwarten dich. Auf dem Samistal-Plateau läufst du an 300 Jahre alten Steinhäusern vorbei. Die längste Strecke ist 76 Kilometer lang, bringt dir beim Finish 3 Running Stones ein und führt dich bei 5900 Höhenmeter, in einem Auf und Ab, durch 12 historische Bergdörfer.
https://kackar.utmb.world/
17 3/25
NEWS&JOURNAL
TICKER +++ Erster Grand Raid Ventoux by UTMB am 25. April mit 3.000 Teilnehmer*innen
Ein Nachmittag und Abend im Februar in München. Alles steht im Zeichen des Trailrunning-Sports und ein guter Teil, ein Kern der Community, folgt der Einladung des TRAIL-Magazins. Zum fünften Mal findet die NIGHT OF THE TRAIL statt, längst als NOFT bekannt. Diesmal ist der Club voll. Ausverkauft. Rund 270 Leute erleben rund acht Stunden Programm und sind begeistert, dass Trailrunning auch in der Theorie und „indoor“ klappt. Neu, neben der kleinen und feinen EXPO finden zwei Workshops statt, die sehr gut besucht werden. In einem separaten Saal referieren die Trainings-Profis von Two Peaks Endurance in einem smarten Q&A über nahezu alles, was Training auf Trails ausmacht. Im Wechsel mit einem Vortrag von Sporthunger erfahren die Gäste an diesem Nachmittag auch viel über die perfekte Wettkampf- und Sportnahrung. Neben harten Fakten ist aber auch viel Platz für lockere Gespräche, nette Unterhaltungen. Die NOFT wird vor allem für zwanglose Gespräche geschätzt. Hier treffen Hobbyläufer und -läuferinnen sowie Amateure auf echte Profis. Wie sich später herausstellt, gar Fans auf ihre Idole. Zum Untergang der Sonne startet das Bühnenprogramm mit Interviews, einem Live-Podcast, den Philipp Rei-
Die 6. NIGHT OF THE TRAIL findet im Februar 2026 statt! Auch im kommenden Jahr wird es wieder eine NIGHT OF THE TRAIL in München geben. Der genau Termin steht noch nicht fest, aber es wird der Februar sein und wir werden uns wieder im wundervollen Munich Urban Colab treffen. Der Ticketverkauf startet vermutlich im Oktober. Wir informieren euch frühzeitig.
GUTE NACHT! Die 5. Night Of The Trail in München war nicht nur die AwardVerleihung an die Besten im Sport, sondern auch eine spannende Expo, Community-Treffen und eine Gala für ein ganzes Milieu. Gelaufen wurde am Ende dann auch noch ...
ter (Bild rechts) zu einem Highlight macht, und der durchweg souveränen Moderation des ZUT- und Transalpine-Sprechers Sven Simon. Dass am Ende aber alle auf die Vergabe der TRAIL-Awards warten, ist kein Geheimnis. Die Personenpreise gewinnen Rosanna Buchauer, Hannes Namberger und Kilian Jornet. Ein einmaliger Sonderpreis geht an das Ehepaar Uta und Heini Albrecht. Am darauffolgenden Vormittag treffen sich fast 80 Leute zum abschließenden Community-Run auf den Isartrails. Der Himmel strahlt blau und die Trails sind schneefrei. Es war uns ein Fest! Danke.
18 3/25
TICKER +++ Community-Trail CROSSING BAVARIA startet am 16. Mai um 5.30 Uhr in Lindau
PRO & CONTRA Rennen anstatt pennen Der „5 am-Club“ rennt durch unsere Leserschaft. Sie rennen, wenn andere pennen. Alle Langschläfer nehmen neidvoll Kenntnis von diesen Läufen vor Sonnenaufgang, können sich aber nie vorstellen, so früh aktiv zu werden Contra (Denis) Pack ich nicht. Sorry. Diese Postings von all den Menschen, die bereits laufen, wenn ich noch rund vier Stunden Schlaf als Guthaben weiß, machen mir in einer Weise sogar Angst. Und dann sind das nicht nur Leute, die bereits um fünf oder sechs Uhr Sport machen, sondern am Ende auch noch mit fünf Stunden Schlaf auskommen. Mir ist das fremd. Wobei ich nicht einmal ein ausgesprochener Langschläfer bin, meine Taktung ist nicht abnormal. Ich schlafe um 23 Uhr und bin um 7 Uhr wach. Manchmal auch etwas später, ich arbeite erfolgreich mit acht bis neun Stunden Schlaf. In Phasen intensiver Laufwochen, mit 70 bis 100 Kilometern Umfang, brauche ich das auch. Mein Körper nimmt sich das – und ich könnte mit ihm auch nicht darüber diskutieren.In meiner Welt darf der Laufsport also um 9 oder 10 Uhr starten. Vertrauter als ein „5 am-Run“ sind mir aber Läufe am Abend und in der Nacht. Mit der Lampe ins Dunkle hineinzurennen, ist mir näher, als kitschig-romantisch den Sonnenaufgang in Bewegung zu erleben. Vielleicht rührt das alles dann ja doch aus meiner jungen Erwachsenen-Zeit, denn da war mein Energielevel in einer ähnlichen Tagesform bzw. Nachtform wie jetzt in der Vernunfts-Zeit.
Pro (Clemens) Auch ich laufe am frühen Morgen nicht gerne. Und genau deshalb laufe ich am frühen Morgen. Wenngleich ich, zugegeben, frühestens um 6 Uhr die Laufschuhe schnüre. Dennoch, dieses Ritual, so zweimal in der Woche, tut mir gut. Erstens, weil ich beruflich oft noch eher später am Abend eher unsinnige Dinge tue. Ich bin nämlich Gastro-Redakteur, ich teste Restaurants. Morgens funktionieren zu müssen, und wir alle hassen Läufe, die nicht funktionieren, zwingt mich am Abend zu Maß und Disziplin. Ach was, zwingt … ich schätze es inzwischen sehr, vom wohligen Nichtstun bereits vor den Tagesthemen in die Horizontale zu gleiten. Zweitens, weil ich zu den Adrenalinläufern gehöre. Tatsächlich fiel und fällt es mir immer schwer, mein Tempo zu zügeln und – noch mehr – mich erst langsam auf meine Betriebstemperatur zu laufen. Morgens, früh morgens gelingt mir das intuitiv. Womit wir beim dritten Punkt angekommen sind: Ein Lauf am Morgen kann dich auf den Tag fokussieren, man ist erfrischt und hellwach. Oder man hängt nach 12 Kilometern gleich so richtig in den Seilen. Damit das nicht passiert, laufe ich morgens bewusst langsam(er). Auch das tut mir, dem älter werdenden Läufer, gut.
Die Redakteure Clemens und Denis haben unterschiedliche Meinungen zum Thema "Früh am Morgen Laufen". Der eine braucht das zweite Frühstück vor dem ersten Run, der andere findet den Fokus, wenn der eine noch pennt.
19 3/25
NEWS&JOURNAL
TICKER +++ Daniel Pattis gewinnt vor Andreas Reiterer den Ötzi Alpin in Naturns (30 km)
DENIS’ KOLUMNE Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich mag euch die Geschichte von Sergio erzählen, der in Neapel aufwuchs und heute bei Lyon lebt. Sergio ist 1,90 Meter groß und hat eine Läuferstatur. Tätowierungen an Hals und den Händen fallen im ersten Kontakt auf. Es sind keine zusammenhängenden, gemäldehaften Objekte, sondern einzelne Symbole, Zahlen und simple Typografien. Codes, die mit ganz bestimmten Erfahrungen und Ereignissen hinterlegt sind. Bevor Sergio zu einem Triathleten und Ultrarunner wurde, kämpfte er sich durch eine ruppige Kindheit und Jugend. Der heute 45-Jährige wuchs mit fünf jüngeren Geschwistern in einem Vorort auf, der Vater starb, als Sergio 13 war. Ein Privatkredit, der nicht zurückgezahlt werden konnte, die Leiche des Vaters wurde an einem Sonntagvormittag eines milden Februars an der Küste in der Nähe des Castel dell’Ovo gefunden. Die Mutter brach in sich zusammen, die Familie rückte eng zusammen und Sergio war Bruder, aber noch mehr das Oberhaupt der Familie geworden. Um über die Runden zu kommen, schloss er sich einer Gang an. Eine Jugendbande, die der Camorra zuarbeitete und kleine Drogengeschäfte abhandelte, meist an Schulen. Sergio dealte auch an der Schule, die er mit nur 15 Jahren verließ, um sich dem professionellen Bandenleben zu widmen. Er war zuverlässig, loyal und der Mutter und den Geschwistern ging es so gut wie noch nie. Die Miete wurde bezahlt, Geld für alle Einkäufe hatte Sergio bündelweise in der linken Hosentasche. Doch die Dinge blieben nicht so. Er wurde für größere Projekte eingeteilt und in einer sehr heißen Sommernacht kam eine junge Frau ums Leben. Sie war am falschen Ort zur falschen Zeit und obwohl Sergio mit der Schießerei nichts zu tun hatte, interessierte sich die Polizei sehr für ihn. Er wurde in die Mangel genommen und fand sich im späten Herbst 1992 vor einem Haftrichter wieder. Das Jahr 1993 verbrachte Sergio Delorenzi von Mai bis September im Gefängnis. Er vermisste die Freiheit, seine Mutter und die zwei Schwestern und drei Brüder. Sollte er jemals wieder auf freiem Fuß sein, würde er keine krummen Dinge mehr tun. Er würde einen Beruf lernen wie sein Onkel Matteo, der am Flughafen als Lotse die Menschen in alle Welt schickt und empfängt. Der Onkel, der auch den Sport liebt. Ein fitter Mann, der jeden Tag, auch vor seinen Frühschichten, immer mindestens 5 Kilometer joggt und als Jugendlicher Landesmeister über die 1500-Meter-Distanz war. Am 22. September stand Mama am Ausgangstor der Haft-
anstalt Nisida und nahm ihren Sohn in die Arme. Er war verändert. Sein Gesicht bekam härtere Züge, war kantig und die Augen waren leer. Am fünften Tage in Freiheit, Sergio saß in einem Park im Schatten eines Baumes und rauchte eine Zigarette, kam sein Capo auf ihn zu, setzte sich wortlos neben ihn. Sie schauten sich nicht an, blickten beide auf den Boden. Der Capo, ein Mann vielleicht um die 25, dankte ihm und legte ihm nahe, ein neues Leben zu beginnen. Ein Leben weit entfernt von Neapel. Er müsse die Entscheidung sofort treffen. Es wäre ein einmaliges Angebot und er würde seinen Lohn ausbezahlt bekommen. Sergio flog nach Berlin. Der Onkel unterstützte ihn. Er machte in der Nähe von Potsdam eine Lehre als Schlosser. Er lernte eine junge Frau kennen, eine Französin, die in Deutschland studierte und heute seine Frau ist. Sie zogen wenige Jahre später in ein Dorf bei Lyon, in eine Wohnung im Haus ihrer Eltern. Sergio lernte schnell die Sprache, holte das Abitur nach und übernahm die kleine Werbeagentur seines Schwiegervaters. Er gestaltete kleine Kataloge, Poster für lokale Veranstaltungen, Broschüren für Versicherungen und Visitenkarten für Rechtsanwälte. Vor rund zehn Jahren wurde er zum Ultraläufer. Zunächst bei kleinen Rennen in der Umgebung, später auch bei echten Klassikern wie UTMB oder dem Festival des Templiers. Seine Vergangenheit läuft manchmal mit und immer öfter nicht. Der Kontakt zu allen Geschwistern brach vor einigen Jahren ab, die Mutter starb vor fünf Jahren. Sergio besuchte sie meist zweimal pro Jahr. Auch sie verließ Neapel und zog zur Familie ihrer Schwester an den Gardasee. Ich lernte Sergio übrigens bei einem LaufEvent kennen. Pastaparty.
20 3/25
Yeti Rambler Trailrunning ist gewissermaßen die ungefiltere Laufbewegung. Ein guter Kaffee aber sollte handgefiltert sein, auch auf dem Trail. Nur sind Handfilter typischerweise aus schweren und zerprechlichem Porzellan. Die Kühlbox-Legende Yeti hat einen japanischen Handfilter jetzt aus robustem Kunststoff nachgebaut. Für Unterwegs. Für 35 Euro.
TICKER +++ Anna Plattner gewinnt vor Sylvia Schwaiger den Ötzi Alpin in Naturns (30 km)
WAS MEIN LAUFEN REICHER MACHT... Wir haben unsere Community gefragt, was diese kleinen Momente beim Trailrunning sind, die es immer wieder zu etwas Besonderem machen ...
Romana S. aus Graz: Als ich von meiner Hausrunde zurück komme, empfängt mich meine 14-Jährige Tochter erstaunt und löst sich gelangweilt vom Smartphone. "Boaa, Mama, wie du schwitzt! Voll ekelig." Peter Z. aus Würzburg: Es war ein später Abend im Oktober als ich auf unsere höchste Erhebung lief und auf einer Holzbank sitzend für 5 Minuten auf die Stadt blickte. Eine ältere Dame mit kleinem Hund setzte sich neben mich und sagte "Diese Bank hat mein verstorbener Mann gestiftet. Er war auch ein Jogger. dass jemand wie sie dort ein Verschnaufspause macht, hätte er gemocht." Manfred L. aus Hamburg: Ich habe mir endlich mal wieder neue Trailschuhe gegönnt. Die Alten waren komplett kaputt. Ich lief sie bestimmt fast 2000 Kilometer, im Training und bei insgesamt vier Ultratrail-Rennen. Als ich sie in die Tonne warf, tat mir das weh, weil so viele Erinnerungen an ihnen hängen. Der erste lange Lauf in den Neuen, das muss ich schon zugeben, war dann aber eine Wohltat. Meike L. aus Tübingen: Die ganze Woche über freue ich mich schon auf meinen Longrun am Sonntag Vormittag. 5 Stunden, die nur mir gehören. Ich plane meine Strecke bereits in den Tagen vorher und will unbedingt eine Route finden, die ich noch nicht kenne. Ich liebe es nämlich unbekannte Trails in meiner Heimat zu finden und bin auch nach sieben Jahren fast immer erfolgreich. Um die Benutzung des Autos komme ich allerdings nicht – die Fahrt zur Schwäbischen Alb ist mit dem ÖPNV sehr schwierig an Wochenenden.
Race-Director Gary Cantrell, aka Lazarus Lake, zündet sich die Zigarette an – das ungewöhnlichste Startsignal im Laufsport.
KEINE FINISHER BEI DEN BARKLEY MARATHONS! Die Barkley Marathons in Tennessee kennen 2025 keinen Finisher. Nur der US-Amerikaner John Kelly bewältigt den Fun Run über drei Runden in knapp unter 40 Stunden. Anders als im Vorjahr, als es fünf Finisher gab und mit Jasmin Paris, die erste Frau überhaupt die fünf Runden schaffte, war der Kurs diesmal offenbar ganz bewusst so anspruchsvoll, dass es keine Chance auf Erfolg gab. Der unmarkierte Rundkurs über 20 Meilen im Frozen Head State Park muss fünfmal absolviert werden. Erlaubt sind Karte und Kompasse, kein GPS! Im Frauenrennen schaffte keine Teilnehmerin mehr als die erste Runde. Unter diesen Umständen sind die Barkley Marathons der härteste Ultratrail der Welt. Die Story ist gut. Willkür hingegen nicht.
21 3/25
NEWS&JOURNAL
TICKER +++ Rennplanung abgeschlossen: Courtney Dauwalter läuft den UTMB in Chamonix
JIM RENNT VORAUS Die Saison läuft, aber ein frühes Rennen bleibt uns noch lange in Erinnerung – der Chianti Ultratrail by UTMB eröffnete das Wettkampfjahr Wer hätte gedacht, dass so früh im Jahr eine Reihe der besten Ultratrailrunner bei einem Rennen aufeinandertrifft, das bislang eher wenig Beachtung bekam. Die letzten drei UTMB-Sieger, Vincent Bouillard, Jim Walmsley und Kilian Jornet, standen sich beim Chianti Ultratrail by UTMB gegenüber und sorgten im Vorfeld für Spannung und viel Diskussion. Welcher dieser Champions würde gewinnen? Dem US-Amerikaner Walmsley wurden die größten Siegchancen eingeräumt. Er kam in blendender Verfassung nach Norditalien, ausgestattet mit einem Erfolg und Streckenrekord bei einem Ultrarennen in den USA nur wenige Wochen zuvor. Kilian Jornet stand mit etwas mehr Fragezeichen im Chianti am Start – nur Tage zuvor wurden seine Frau Emelie und er zum dritten Mal Eltern und freuten sich über die Geburt ihrer Tochter Lo. Kilian hatte also ganz sicher seinen Fokus nicht nur auf diesem Rennen und zudem einiges an Schlafdefizit. Um die aktuelle Form des amtierenden UTMB-Champions Bouillard gab es nur die Information, dass der Franzose seinen Job bei Arbeitgeber HOKA änderte und statt Schuhentwickler nun Vollprofi ist. So liefen die drei Topfavoriten vom Start weg erst einmal sehr harmonisch gemeinsam über schnelle und wellige Trails dieser wunderschönen Weinanbaugegend. Kaltes, nasses Wetter. Viel Matsch und eine Strecke, die einzig durch den vielen Niederschlag technisch anspruchsvoller wurde als jemals gedacht. Nach rund 40 der 120 Kilometer setzte sich Jim Walmsley vollkommen mühelos von Jornet und Bouillard ab und lief sein eigenes Rennen. In einer beeindruckenden Pace, seinem langen, eleganten Schritt und mit dem bewährten Support seiner Frau Jess baute er seinen Vorsprung kontinuierlich aus. Am Ende sollten es unfassbare 28 Minuten sein. Spannend wurde hingegen das Duell um Platz 2 und 3.
22 3/25
Hier ging es immerhin um die Golden Tickets für den Western States 100 im Juni. In einem ständigen Positionskampf forcierte Kilian Jornet am allerletzten Anstieg vor dem Ziel das Tempo und ließ Vincent Bouillard stehen. Eine Demonstration seiner Klasse und ein Beweis, wie taktisch man auch nach mehr als 100 Kilometern ein Finale gestalten kann. HERREN 1. Jim Walmsley (USA) – 9:59:48 2. Kilian Jornet (Spanien) – 10:27:27 3. Vincent Bouillard (Frank.) – 10:27:57 4. Aubin Ferrari (Frankreich) – 11:16:11 5. Lambert Santelli (Frankreich) – 11:36:57 DAMEN 1. Fiona Pascall (UK) – 12:34:59 2. Johanna Antila (Finnland) – 12:53:22 3. Azara García (Spanien) – 13:12:31 4. Abby Hall (USA) – 13:31:25 5. Stephanie Howe (USA) – 13:34:56
ZAHLEN DIESER AUSGABE
972
MEHR DRIN! Näak, die kanadische Sportnahrungsmarke, bringt Boost Energy™ auf den Markt, eine neue Produktlinie zur Leistungsmaximierung bei besonders intensiven Anstrengungen, also vorallem für harte Trainingseinheiten und den Wettkampf selbst. Die Boost Energy™-Gele und -Getränkemischungen sind ab sofort in Europa erhältlich. Das Boost Energy™ Gel enthält
25 g Kohlenhydrate und 185 mg Elektrolyte und wird während des Trainings ca. alle 30 Minuten eingenommen. Der neue Boost Energy™ Drink Mix enthält 60 g Kohlenhydrate und 400 mg Elektrolyte pro Portion und wird alle 60 Minuten in regelmäßigen Schlucken eingenommen. www.naak.com
AUFS OHR
Wir laufen zu 99% ohne Musik und doch gehört gute Musik für uns zum Trailrunning. Kulturübergreifend.
UTMB-Punkte bekam Jim Walmsley für seinen Sieg beim Chianti Ultratrail by UTMB
34%
Tolle Entwicklung in China: Beim Ultra Trail Mount Yun (April) starteten unter den 8900 Teilnehmenden 34% Frauen.
92
Kilian Jornet, aber da wärt ihr jetzt selbst draufgekommen, hat eine beeindruckend hohe VO2max von 92 ml/min/kg, aber das sei nur am Rande erwähnt.
Masha Qrella – Songbook Wenn ich am Wochenende mal in Brandenburg laufe, steigt Mascha Kurella gelegentlich in dieselbe Bahn. Sie hat ein Sommerhaus in Wandlitz. Ihr eleganter Songwriterpop funktioniert besonders gut in Coverversionen, hier etwa von St. Etienne, Queen, Whitney Houston … oder Manfred Krug. DJ Koze – Music can hear us DJ Koze ist der leise Produzentensuperstar, nicht erst seit seiner Zusammenarbeit mit der wunderbaren Róisín Murphy. Sein neues Soloalbum ist sphärisch, psychedelisch und beseelt. Mit dabei: Markus Acher (The Notwist), Arnim Teutoburg-Weiss (Beatsteaks), Soup & Skin und die Düsseldorf Düsterboys.
Trail-Legende Ildiko Wermescher
Slugger - Dead State Die kalifornische Oi! Punkband SLUGGER waren im Januar erstmals auf kleiner Euro-Tour und begeistern mit einem schnörkellosen Sound der seine Wurzeln tief in den 1980erJahren hat. Eine Band die Skins, Punks, Metalheads, die ganze Subkultur einer vergessenen Genereration, vereint.
Die in Landsberg/Lech lebende Ultratrail-Läuferin und in Ungarn geborene HOKA-Athletin war als Kind mit ihrem Vater viel in den Karpaten unterwegs und kam 2003 zum Laufsport. Die heute 60-Jährige gehört noch immer zu den weltbesten Damen, wenn es lang und technisch wird.
23 3/25
NEWS&JOURNAL
TICKER +++ Golden Trail Worldserie beginnt am 16. April mit dem Kobe Trail in Japan
BILD / TON Es bleibt dabei: wir halten gerne in Bild und Ton fest wie und wo wir laufen. Das mag ein wenig egozentrisch sein, aber es macht Spaß. Ein Produkt hier macht sogar mehr als nur "Fun", es ist in jeglicher Hinsicht ein Schutzwerkzeug.
Pentax WG-8 Halbwegs günstige und ganzwegs kompakte Kameras, die wirklich Sinn ergeben: Mit jeder neuen Smartphone-Generation werden sie weniger. Diese Pentax aber scheint gerade für unseren Sport gemacht. Ihre Argumente: Sie ist spritzwassergeschützt und robust ummantelt (auch die Linse!). Mit einer optionalen Hülle kann sie sogar auf Tauchstation gehen. Für Hochalpines, Wüstenläufe und wirkliche Outdoor-Abenteuer. Straßenpreis um die 400 Euro.
Spot Gen4 Draußen unterwegs und kein Handyempfang? Um Verbindung halten oder einen Notruf absetzen zu können gibt es das Spot Gen 4 Satellitenkommunikations-Gerät. Es hat einen SOS-Knopf, der internationale Hilfe alarmiert. Mit den Buttons „Melden“, „Benutzerdefiniert“ und „Hilfe“ kannst du vordefinierte Nachrichten senden. Zudem gibt’s ein Live-Tracking, welches alle 2,5 Minuten deinen Standort teilt. Das Gerät wiegt 142 Gramm und passt locker auch in eine Trailrunning Weste. 179,00 Euro
Heilige Dreifaltigkeit Das Xiaomi 15 Ultra ist das vermutlich kameralastigste Smartphone, denn das integrierte „Holy Trinity“ Objektiv-Set mit Leica Summilux Optik und 200MP Super-Teleobjektiv soll für fabelhafte Aufnahmen sorgen. 1499,00 Euro 5/2023 24 3/25 24
TICKER +++ Rekord: Die Trail-WM in Canfranc wird mit 1400 Teilnehmer*innen aus 75 Nationen groß wie nie zuvor
Wasserdicht! Mit ihrem Open-Ear-Design und einem Gewicht von nur 35 Gramm sind diese Kopfhörer so mini-
Das neue iPhone
malistisch, dass du vergessen wirst, dass du sie
Die Überlegung sich anstatt einer mittelmäsigen Digitalkamera ein neues iPhone 16 Pro Max zu kaufen um damit zu filmen und zu fotografieren ist zulässig, denn die Kameraleistung der Pro-Modelle ist beachtlich: 48 MP Fusion und 48 MP im Weitwinkel. Zudem bringt sie 4K Videos mit 120 fps (Bildwiederholrate pro Sekunde). Ab 1199 Euro www.apple.com
überhaupt trägst. Du wirst dich beim letzten Schwimmschlag genauso wohlfühlen wie beim ersten. Und bei langen Trainingseinheiten kann die 10-stündige Audiowiedergabe von Suunto Aqua mit der tragbaren Powerbank auf insgesamt 30 Stunden erhöht werden. 199 Euro, www.suunto.com
Fuji GFX100RF Man wird ja wohl nochmal träumen dürfen. Etwa von dieser 102-Megapixelkamera im so kompakten wie herrlich sachlichen Design. Wer high-end (und mächtig schnell) fotografieren möchte, ohne einen ganzen Sack voll Equipment mitzunehmen: Diese Mittelformatkamera wird den Nikons, Canons und Leicas Konkurrenz machen. Mit einem anderen, durchaus reizvollen Konzept. Gut 5000 Euro (inkl. 35mm-Festbrennweite) muss man allerdings investieren.
25 3/25
TEST Trailschuhe 2025 Teil 1/2 Text: Denis Wischniewski, Clemens Niedenthal, Tom Stetter
Ehrlich? So lange schon? Unser nunmehr 16. Trailschuhtest stellt die Branche auf den Kopf und bringt vor allem eines mit sich: Die besten Trailschuhe, die es jemals gab. Das hat Gründe!
Es ist
Runde 26 2/25
Es ist ein Hamsterrad und es dreht sich immer schneller. Natürlich, es sind „nur“ Laufschuhe, aber immerhin Trailschuhe und es ist unser Steckenpferd. Wenn es etwas gibt, was seine Faszination seit 2008, seitdem wir Trailschuhe testen, nie verloren hat, dann sind es Trailschuhe. Sie erfinden sich beständig immer wieder neu, sie entwickeln sich von Edition und Version immer weiter. Manche Marken bewegen so manchen Schuh längst in die zweite Dekade. Der „Cascadia“ von Brooks ist bei seiner Ausgabe 18 angekommen. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass Trailschuhe langsam erwachsen werden oder mindestens rebellisch in der Pubertät stecken. In diesem Jahr hat sich die Industrie lang gemacht und uns mit wirklich sehr guten neuen Modellen überrascht. Dabei fällt über das gesamte Testfeld aller 38 Modelle auf, dass es keinen Trailschuh mehr gibt, der sich im Gelände überhaupt nicht behaupten kann. Alle erledigen den Job – die einen ordentlich, andere hingegen so gut, dass wir staunen. Das sind vor allem Modelle, die 2025 mit viel Dämpfung, wenig Gewicht und cleverer Konstruktion das Kunststück schaffen, auf dem Trail stabil zu sein und dabei Lauffreude zu vermitteln, die wir bislang nur von reinen Straßenlaufschuhen kannten. Neue Schäume, Stabilisierungselemente und gänzlich neue Obermaterialien machen das möglich. Vorbei die Zeiten, da ein Trailschuh drückt, scheuert oder das unangenehme Gefühl vermittelt, in ihm zu „schwimmen“, sobald es ins Gelände geht. Ganz weit vorne im Test sind neue Topmodelle von Marktführern wie Salomon, The North Face und auch La Sportiva. Sie haben nach vielen Jahren der Tüftelei mit den Modellen S-Lab Ultra Glide, Vectiv Pro 3 und Prodigio Pro neue Standards gesetzt, die für die nahe Zukunft gelten. Diese Schuhe bestehen auf Trails und rollen doch mit einer Leichtigkeit auf Asphalt und Gravelwegen. Es sind sozusagen Allrounder, die jeden Ultratrail in seiner Komplexität aus Uphill, Downhill und wechselnden Bedingungen erleben lassen. Es sind Schuhe, die für Profis Wettkampfwerkzeug sind, aber einem jeden Hobbyläufer Spaß bringen. Die Zeiten der unbarmherzigen Durchschläge, das Gefühl, dass jeder Stein und jede Wurzel direkt bis ins Kleinhirn hämmern, sind vorbei.
ASICS
ASICS
160 € 285 g (42) Drop: 8 mm
180 € 312 g (42) Drop: 5 mm
Es ist eine Geschichte für sich, dieser Gel Trabuco von Asics. Er gehört zu den Trailschuhen, die es bereits vor den Anfängen des heutigen Trailrunnings gab. Damals in den ersten Auflagen eher als Hikingschuh beworben, ist der Gel Trabuco Nr. 13 eine echte Rennsemmel. Er ist ein waschechter Trailrunningschuh. Asics packt in diesen Schuh all sein Know-how. Sie bedienen sich bei der Sohle, der Schnürung oder dem Obermaterial keiner Technologie anderer Hersteller. Der FF Blast PLUS ECO Foam in der Mittelsohle ist ein sehr dynamischer und sicherer Füllstoff. Jeder Schritt fühlt sich gut gedämpft, aber nie zu schwammig an. Vor allem hat der Schuhe eines nicht, was wir sehr sympathisch finden: Es gibt kein Gefühl von „boing boing“. Entgegen einiger Modelle mit teils trampolinartigen Schäumen in den Sohlen setzt Asics auf altbewährte Stabilität und Lauffreude im Gelände. Abgerundet mit der Asicsgrip-Außensohle, bügelt der Schuh durch annähernd jedes Gelände. Die klassische Schnürung lässt sich ziemlich smart mithilfe eines Gummibandes am Schuh fixieren. Der Komfort stand bei der Entwicklung des Schuhs klar im Vordergrund. Das spürt man mit jedem Schritt. Die Gel-Trabuco-Reihe ist mit der Nummer 13 um ein weiteres tolles Paar Trailschuhe gewachsen. Ein Schuh, der sehr viele verschiedene Füße glücklich machen wird.
Der Asics Gel Trabuco zeigt als ein Vorreiter für geländegängige Laufschuhe, was es bedeutet, ein guter Trailrunningschuh zu sein. Auf ihm aufbauend, legt der Trabuco Max komfortmäßig noch eine Schippe drauf. Wer jetzt denkt, dass die üppige Dämpfung ausschließlich auf die Langstrecke abzielt, den müssen wir allerdings eines Besseren belehren. Er ist kein limitierter Spezialist. Er ist ein Schuh für sehr viele, der sich in annähernd jedem Gelände zu Hause fühlt. Er wirkt wie eine wohlüberlegte Mischung aus all dem, was einen komfortablen Geländeschuh ausmacht. Der FF Blast Plus ECO Foam war wohl die denkbar beste Wahl für einen hoch gebauten Schuh. Das robuste Obermaterial lässt sich mit der klassischen Schnürung ordentlich am Fuß fixieren. Insgesamt ist der Trabuco Max nicht übermäßig weich, was der Stabilität sehr zugutekommt. Die Asicsgrip-Außensohle packt für meinen Geschmack satt zu und gibt einem das Gefühl von Sicherheit. Trotz des massiven Aufbaus kommt man dank eines Rockershapes ordentlich voran. Einen Haken gibt es: Der perfekte Abrollpunkt im Uphill ist bei der Konstruktion etwas außer Acht gelassen worden. Das liegt an dem abrupt abfallenden Sohlenaufbau, der einen für einen kleinen Moment ins Leere treten lässt. Insgesamt hat es Asics geschafft, mit einem Update einen Schritt nach vorn zu gehen. Vor allem schwere Läuferinnen und Läufer mit breiten Füßen werden im Trabuco Max sehr glücklich werden.
Gel Trabuco Max 4
Gel Trabuco 13
Breite Dämpfung Grip
Breite Dämpfung Grip
27 3/25
ULTRATRAIL
ADIDAS TERREX
ALTRA
ALTRA
159 € 346 g (42) Drop: 8 mm
150 € 337 g (42) Drop: 0 mm
180 € 286 g (42) Drop: 0 mm
Schönes Ding! Die machen einfach schöne, schlichte Silhouetten bei Adidas Terrex und lassen genau die Dinge weg, die es an einem Trailschuh im Jahr 2025 nicht braucht. In diesem Falle verzichten sie aber nicht auf eine wasserdichte Membran, die bei vielen "echten" Trailrunnern längst zu einem Grund geworden ist, einen Schuh nicht zu kaufen. Wir wissen hingegen, wie extrem angenehm ein wasserdichter Schuh sein kann. Um ehrlich zu sein darf ein "Gore-Tex-Modell" im Schrank nicht fehlen. In diesem Falle ist die Membran, die hauchdünne Folie, kaum mehr spürbar. Sie beeinträchtigt die Performance des Agravic überhaupt nicht. Diesen Schuh kann man also getrost 365 Tage im Jahr laufen. Ganz allgemein gefällt uns der Agravic GTX wegen seiner Ausgewogenheit. Er kombiniert Agilität, Direktheit mit Komfort und einer homogenen, spürbaren Dämpfung, die auf die sehr reaktive Lightstrike 2.0 Zwischensohle zurückzuführen ist. Der dezente Rockershape lässt bei höherem Tempo ein Gefühl des Dahinrollens entstehen. Fazit: Ein absoluter Allrounder zu einem fairen Preis und einer agressiven Continental-Außensohle, die richtig gut zupackt. Die moderne Technologie der Zwischensohle macht aus ihm einen laufbaren Trailschuh für fast alle Distanzen und Geländeformen.
Harte Fakten: 0 mm Sprengung und maximale Zehenfreiheit. Altra haben sich über die letzten Jahre hinweg eine immer größer werdende Fan-Gemeinde erarbeitet und in den USA ist der Brand längst eine sehr große Nummer auf Trail und Straße. Der Lone Peak gehört quasi seit Gründung zum beliebtesten Trail-Modell und findet sich hier in seiner neunten Edition wieder. Im Grundsatz ist er seinen Ursprüngen treu geblieben. Wer also schon immer Lone Peak gelaufen ist, findet hier seinen Schuh mit deutlichen Verbesserungen. Das Laufgefühl im Lone Peak ist "unique" und man steht tief mit viel Kontakt zum Untergrund. Zudem ist sofort spürbar, dass die Füße enorme Freiheiten geniessen und Raum haben. Anders als bei aktuellen Rockershapes muss man hier der Laufdynamik, gefühlt, selbst nachhelfen. Wir kommen jedenfalls nicht sofort in eine rollende Bewegung. Die geringe Führung und der Zerodrop verlangen vom Fuß ungewohnt viel Einsatz. Bei üppig gedämpfteren Altra-Trail-Modellen ist das so ungefilfert nicht spürbar. Somit wird der Lone Peak 9+ für mich zu einem formidablen Trainingswerkzeug um meiner Fußmuskulatur was Gutes zu tun. Fazit: Ein Schuh für erfahrene Zerodrop-Runner, die es natürlich mögen und mir wenig Dämpfung klar kommen.
Es war ein guter oder vielmehr genau der richtige Move aus dem Hause Altra, seine Schuhe mit einem BOA-Fit-System auszustatten. Was beim Mont Blanc mit dem Doppel-Boa für unser Dafürhalten nach hinten losging, steht dem Altra Timb jetzt richtig gut zu Gesicht. Altra bleibt seiner Philosophie der null Sprengung und einer üppigen Zehenbox treu. Das ist auch genau richtig so! Im Schuh selber steht man auf einem 29-mm-Sohlenaufbau. Das Altra EGO-Max-Zwischensohlenmaterial bietet genügend Softigkeit, um gemütlich auf den Trails dahinzurollen. Das Material bringt aber auch genügend Steifigkeit, um im alpineren Gelände zurechtzukommen. Zu Hause fühlt sich der Timb 5 BOA auf graveligen Strecken: Forstwege, Singletrails, leichte Pfade oder knackige Anstiege. Der Timb schluckt alles weg und die Füße fühlen sich zu keiner Zeit eingeengt. Das BOA-Fit-System bringt den Schuh gewohnt straff an den Fuß, sodass man keine Angst haben muss, rauszurutschen. Auch im Fersenbereich ist der Fuß optimal eingebettet. Der soft ausgepolsterte Einstieg in den Schuh bietet ein wohliges Gefühl beim Laufen. Insgesamt kann man festhalten, das der Timb 5 BOA eine klasse Kombination aus super Fit, Stabilität und Lauffreude mit sich bringt. Einzig im sehr schroffen Gelände ist er dann doch etwas zu wenig Schuh.
Agravic GTX
Breite Dämpfung Grip
Lone Peak 9+
Timb 5 BOA
Breite Dämpfung Grip
Breite Dämpfung Grip
28 3/25
ALLROUND
ARC´TERYX
BROOKS
170 € 280 g (42) Drop: 6 mm
150 € 300 g (42) Drop: 6 mm
Norvan LD 4
ALLROUND
Ich glaube, ich habe einen neuen Alltags-Trailschuh gefunden. Ein Allrounder, der mich am Abend verlässlich und unaufgeregt bei der 2-Stunden-Trailtour begleitet und dabei einfach keine Fehler macht. Arc’teryx lassen sich Zeit mit ihren Trailschuhen. Sie entwickeln seit Jahren mit Ruhe und arbeiten fein an bereits bestehenden Modellen. So verbessert sich der NORVAN von Jahr zu Jahr, um in dieser vierten Edition schließlich richtig gut zu sein. Dass Fans der Marke an diesem Schuh kaum vorbeikommen, ist klar, aber auch alle anderen sollten 2025 genauer hinsehen, denn die Kombination aus schlichtem Design, hoher Qualität, sehr schönem Fit und viel Grip ist für alle spannend. Eine spezifische Ausrichtung hat der Schuh des kanadischen UpperclassOutdoor-Herstellers nicht, denn für lange Distanzen fehlt ihm die Quantität an Mittelsohle, für kurze, sehr technische Trails die Direktheit und Härte. So bleibt er ein unaufgeregter Trailschuh für alle „in between“ und ganz sicher auch für den Alltag, weil er so schön ist und mit klaren Linien begeistert. Fazit: Der NORVAN LD4 ist ein toller Allrounder, der an geübten Füßen auch für kurze Ultras infrage kommt. Fit und Grip (Vibram) sind ausgezeichnet, die Qualität dem Namen der Marke angemessen. Die Verarbeitung ist im Detail auffällig gut.
Breite Dämpfung Grip
BROOKS
Divide 5 Gore-Tex
Caldera 8
ULTRATRAIL
Optisch ganz sicher eines der Modelle unseres Schuhtests, die sehr herausstechen. All die Merkmale, die den Caldera auszeichnen, wurden sehr wahrscheinlich bewusst hervorgehoben. Das rasse Profil, die voluminöse Dämpfung und das üppige Platzangebot im Schuh. Man sieht der achten Auflage des Brooks Caldera an, was er kann und was er will. Er kann wild, er kann technisch und er will es lang! Der Quantensprung vom Caldera 6 auf die 7 blieb zwar aus. Brooks hat sich jedoch an all den Stärken des Vorgängers bedient, ohne dabei den Stepp nach vorn zu vernachlässigen. Das Herzstück des Caldera ist ganz klar die mit Stickstoff injizierte „DNA LOFT v3“-Mittelsohle. Der Schaum wurde speziell für die Langstrecke entwickelt. Der Schuh sitzt relativ hoch am Fuß, was aber durchaus zweckdienlich ist. Der Fuß hat so einen perfekten Halt. Das Obermaterial, was laut Brooks zu mehr als der Hälfte aus recyceltem Materialien hergestellt wird, ist ein echter Gewinn für die Qualität des Schuhs. Das Mesh trocknet nicht nur ratzfatz, es ist auch weit strapazierfähiger als das der Vorgänger. Insgesamt ist der Schuh ein wenig breiter geworden. Das spielt der Stabilität sehr in die Karten. Die raue Haptik und die Rillen an den Seiten des Caldera verhindern, dass man im schweren Gelände ins Schwimmen gerät. Was soll man da noch mehr sagen als: „Chapeau für ein sehr gelungenes Update“!
130 € 300 g (42) Drop: 8 mm Mag der Brooks Cascadia (ihn gibt es seit 2006!) auch der dienstälteste Trailschuh auf dem Markt sein. Eigentlich kommen die Amerikaner doch von der Straße. Keines ihrer Modelle erzählt das so deutlich wie der Divide, ein Doorto-Trail-Schuh, dem man bereits beim Hineinschlüpfen anmerkt, dass er für Leute gemacht ist, die eigentlich komfortable Asphaltschuhe gewohnt sind. Das ist jetzt gar kein Vorwurf. Passform, Sitz und vor allem Bequemlichkeit sind eh Pfunde, mit denen Brooks verlässlich wuchern kann. Überall genug Polster und genauso hinreichend Stabilität, was, bei der Mittelsohle angekommen, auch das unaufgeregte, wenig animierende Dämpfungsverhalten des Divide beschreibt. Faire 110 Euro kostet der Divide ohne GTX-Membran. Dass wir dennoch zur wasserdichten Variante raten, liegt an der hervorragend verarbeiteten Invisible-Gore-Tex-Membran, die weder die Passform noch die Flexibilität des Obermaterials einschränkt. Es liegt daran, dass gerade Trailnovizen und Gelegenheitsläufer:innen, in unseren Augen die Divide-Klientel, Wert auf trockene Füße legen dürften. Fazit: Dieser Schuh ist kein Dämpfungsmonster und erst recht keiner der energetischsten Kandidaten. Er ist ein gut verarbeiteter Middle-of-the-RoadTrailschuh zu einem angemessen unaufgeregten Preis.
Breite Dämpfung Grip
Breite Dämpfung Grip
29 3/25
BROOKS Catamont 4
170 € 269 g (42) Drop: 6 mm
Pure Trail Pro
X Plor SPEED
Der Catamont war mal mein Lieblingsschuh. Vier Jahre ist das jetzt her. Ich liebte seine Dynamik und das Laufgefühl eines agilen Lightweighttrainers im Mantel eines universellen Trailallrounders. Perfekt für alle möglichen Door-to-Trail-Abenteuer. Die mit einem Gasgemisch gepimpte Eva-Mittelsohle, Nitro-infusiert, das war damals neu. Dann kamen all die Superschäume und die gegabelten (Carbon-)Platten. Buchstäblich weiche Fakten änderten alles, zumal bei den Topmodellen für alle, die auf (persönliche) Bestzeiten aus waren. Inzwischen hat sich die Euphorie ein wenig gelegt. Und auch der Catamont verfügt inzwischen über eine Kunststoffplatte, wenngleich man den Extra-Push und den schmeichelnden Komfort, den manche Mitbewerber gerade im Downhill vermitteln, vergeblich sucht. Dafür überzeugen die präzise Passform und sein Tragekomfort. Kombiniert mit dem überarbeiteten Grip traut sich die nun schon vierte Auflage sogar ins Alpine – mit einem guten Kompromiss aus Mitteilsamkeit, Gefühl für den Trail, stabilem Stand und absorbierendem Schutz. Es bleibt aber ein Schuh für kurze bis mittlere Distanzen. Fazit: Auf der Suche nach einem agilen Trailschuh mit einem eher konkreten Dämpfungskomfort und präzisem, dennoch komfortablem Sitz gehört der universelle Catamont in die engere Wahl.
Breite Dämpfung Grip
CRAFT
CRAFT 150 € 300 g (42) Drop: 6 mm
ULTRATRAIL
Alle Welt redet vom Gravelbiken. Viele auch über Gravelrunning. Craft waren wohl die ersten Laufschuh-Hersteller, die sich in dem Thema zu 100% wieder gefunden haben und die entsprechenden Produkte dazu entwickelten. So ist der Craft X Plor der wohl ursprünglichste Gravelrunning-Schuh, wenn es so etwas gibt. Um es einfach zu erklären: Der X Plor fühlt sich auf einfachen Wald- und Schotterwegen sehr wohl und spielt dort, im welligen Terrain, alles aus was er hat. Das ist beispielsweise eine schlichte, aber effektive Bauweise, in deren Zentrum die Px Foam™ Zwischensohle, steht. Die verleiht dem luftigen Schuh viel Weichheit, viel Komfort und eine rollende Dynamik, die für alle Lauftypen zugänglich ist. Im X Plor kann man langsam über die Ferse laufen, aber auch Tempo aufbauen und die Belastung nach vorne verlagern. Die mit Vittoria, einem Fahrradreifen-Produzent, entwickelte Aussensohle, ist speziell profiliert und trägt nur aussen grobe Stollen. Das gibt dem Schuh genug Grip für einfaches Gelände, aber zudem bessere Laufeigenschaften. Fazit: Ein charaktervoller Gravelrunning-Schuh, für durchaus lange, lange Landschaftsläufe, Ultratrails fernab der Alpen und einfache Longrun-Sessions. Mehr Komfort und Bequemlichkeit geht kaum!
190 € 300 g (42) Drop: 6 mm
Als erfahrener Test-Läufer weiß ich zu gut, dass man einen Schuh zwar aus der Schachtel heraus, quasi ungelaufen, beurteilen kann, aber man damit sehr daneben liegen kann. Dem neuen PURE TRAIL PRO hätte ich also ohne den ausführlichen Testlauf, weit weniger zugesprochen als ich es nun machen darf. Ein absolut genialer Trailschuh, der das Versprechen des Herstellers, ein Schuh für echte Trails und Gelände zu sein, voll einlöst. Damit ist dieses Modell der erste echte TrailrunningSchuh der skandinavischen Marke, die national und global intensiv in den Sport und ein Athletenteam investiert. Das Beste an diesem Schuh ist die Mittelsohle. Eine Cr Foam Pro™ -Zwischensohle, die durch Zugabe von 16% Peba spürbar reaktiv ist. Sie verleiht dem Schuh einen ganz eigenen Charakter, macht ihn unfassbar dynamisch und lässt ihn total rund abrollen. Ein schönes Laufgefühl, das sich auf flachen Schotterwegen, aber eben auch im echten Gelände entfaltet. Überraschend: der Pure Trail Pro ist stabil! Dafür sorgt vorallem ein konkreter Fersenhalt. Die klassische Schnürung muss man indes durchaus konsequent zuziehen. Fazit: Ein erster echter Trailschuh von Craft, der seine Erfolge auf mittleren, aber auch langen Ultratrails finden wird. Positiv sind hier auch die Details, wie griffige Vittoria-Aussensohle, eine weiche Zungenkonstruktion und das moderne Aussenmaterial.
Breite Dämpfung Grip
Breite Dämpfung Grip
30 3/25
ALLROUND
DYNAFIT Trail
160 € 260 g (42) Drop: 5 mm
HOKA
170 € 300 g (42) Drop: 6 mm
250 € 286 g (42) Drop: 5 mm
Die rote Laterne. Die Lanterne rouge. Die wird im Radsport dem Letzten in der Gesamtwertung gegeben. Keine schöne Auszeichnung und dennoch muss das ja noch nicht einmal bedeuten, dass man wirklich der oder die Schlechteste ist. Ob der Kestrel TR nun im Feld dieses Tests wirklich der Schuh mit den geringsten Punkten ist, mag ich so nicht behaupten, denn er ist für eine Premiere ziemlich ordentlich. Da haben fast alle anderen Hersteller mit weniger Qualität eröffnet. Der in Vietnam produzierte Schuh, fällt zunächst durch seine angenehm schlichte Silhouette auf und im zweiten Schritt durch die Mittelsohle, der man einen fortschrittlichen Pebax-Foam spendierte. Der ist vom ersten Meter an spürbar und auch die sehr dünne PebaRockplate ist merklich für ein reaktives Laufen verantwortlich. Nein, der Kestrel TR ist ein ordentlicher Laufschuh, aber es fehlt am verlässlichen Fit. Ich bekomme den Schuh einfach nicht bequem und stabil an meine Füße. Spätestens im Gelände wird das zum Problem, denn man schwimmt und sucht trotz gutem Fersenhalt etwas verzweifelt den sicheren Tritt. Auch die eigenentwickelte Aussensohle täuscht durch grobe Stollen – die Gummimischung mag einfach nicht zupacken. Fazit: Eine mehr als ordentlich Premiere und ein guter Trailschuh für einfache Trails. Kaufgründe gibt es wenige, denn die Konkurrenz ist 2025 sehr stark!
Gibt es Trailschuhe, die "over engineered" sind? Das diskutierten wir in der Redaktion vor allem auch nach dem Release des Tecton X 3 im letzten Herbst. Diese dritte Version des Wettkampfschuhs von HOKA, mit geflügelter Carbon-Platte und zweifachem PebaSuperschaum, hat alles was ein moderner "Race-Ultraschuh" haben muss. Muss er wirklich? Hat man hier vielleicht sogar zuviel gewollt? Natürlich – die Profis, die bei HOKA unter Vertrag stehen, laufen und gewinnen in ihm Rennen in Rekordzeiten, aber dennoch denken wir, dass die zweite Version, der direkte Vorgänger des X3, der bessere Schuh auf Trails war. Wer sich nun diese neueste Edition kaufen will, muss 250 Euro bezahlen (für einen Carbonschuh absolut okay) und sich auf ein sehr eigenwilliges Laufgefühl einstellen. Oder umstellen. Der Schuh ist enorm soft und bouncy, findet im welligen, einfachen Gelände schnell seinen Flow und supportet mit nie dagewesenem Komfort. Er dämpft wirklich jegliche Härte weg! Im technischen Trail, auf schmalen Wurzelwegen findet man schwerlich den Abdruck, den Tritt. Man schwimmt und es fehlt manchesmal die Stabilität, die wir uns vom kommenden Mafate X versprechen. Fazit: Er bleibt ein beeindruckender Schuh mit wenig Gewicht und bislang nicht gekannter Kombination aus maximal softer Dämpfung und Laufdynamik.
Kestrel TR ALLROUND
Von der Haustür auf den Trail: Nun hat also auch Dynafit zum ersten Mal einen Schuh im Portfolio, der der Tatsache Rechnung trägt, dass die wenigsten von uns auf einer Alm leben. Oder wenigstens gleich neben der Talstation. Der TRAIL, und das ist ein eher schlecht zu googelnder Name, will also explizit auch Forststraßen und Asphaltspassagen lustvoll wuppen. Obwohl markentypisch eher fest und steif ausgelegt, gelingt das halbwegs passabel – vor allem dank einer recht dynamischen Rocker-Geometrie. Dennoch: Der TRAIL gehört auch und vor allem ins wirkliche Gelände. Auffällig ist das Jacquard-Mesh-Obermaterial. Es ist wirklich robust, stabil und dennoch atmungsaktiv. Obwohl der Schuh nicht wasserdicht ist, bleiben die Füße erstaunlich lange trocken. Die 3,5-mmStollen verrichten ihre Arbeit überzeugend. Auch wenn es tiefere Profile und besser haftende Gummimischungen gibt, überzeugt die XS-Treck-Außensohle von Vibram. Ein guter Kompromiss für ein Modell, das – Stichwort Door-to-Trail – Kompromisse ja durchaus mag. Je öfter man den Schuh ausführt, umso griffiger (und auch flexibler) wird er zudem. Fazit: Dynafit präsentiert mit dem TRAIL ein Modell, das der alpinen DNA der Marke treu bleibt, aber viele Einsatzbereiche kennt.
Breite Dämpfung Grip
HELLY HANSEN
Tecton X 3
Breite Dämpfung Grip
Breite Dämpfung Grip
31 3/25
SPEED
HOKA
JOE NIMBLE
KAILAS FUGA
180 € 280 g (42) Drop: 6 mm
219 € 369 g (42) Drop: 0 mm
185 € 293 g (42) Drop: 8 mm
Der zweite wasserdichte Trailschuh in diesem Test kommt von Hoka und ist ein alter Bekannter. Die sechste Version des legendären SPEEDGOAT, dem Ultratrailschuh schlechthin, mit Gore Tex Membran und einer Gaiter-Konstruktion, die ihn zu einem Boot werden lässt. Zum Speedgoat 6 ist von unserer Seite alles geschrieben worden – er ist noch immer ein sehr guter Schuh für lange Distanzen, egal ob am Berg oder auf einfachen Waldwegen. Der Speedgoat 6 wurde entgegen dem allgemeinen Trend, härter und direkter als seine Vorgänger und darf auch als Allrounder gelten. Für maximalere Dämfung sind heute weit mehr seine Club-Kameraden Tecton X3 und der künftige Mafate X zuständig. Zu diesem "Sondermodell" fällt mir ein, dass er als wasserdichter Schuh die nötigen Details mit sich bringt – eine griffige Vibram-Aussensohle, ein dichter Verschluss um die Knöchel und robustes Obermaterial. Wer sich also hier für einen GTX-Schuh entscheidet, bekommt mit dem Speedgoat Mid GTX eine perfekte Lösung für lange Regentage, für den Herbst und Winter und ggf. sogar für Etappenläufe in wilden Regionen der Welt. Fazit: Wer mit dem Gedanken spielt, sein Portfolio um einen wasserdichten Trailschuh zu erweitern, ist mit dem Speedgoat in der Mid GTX Variante bestens beraten.
Unsere Schuhtests sollten nach möglichst objektiven Kriterien erfolgen, eigentlich. Die gleiche Strecke mit möglichst allen prototypischen Herausforderungen – den technischen Downhill, die Forstautobahn, den steilen Anstieg, flowige Wurzeltrails – für jedes Modell. Dann aber gibt es Schuhe wie den Explore Addict der deutschen NaturalRunning-Marke Joe Nimble, denen wir genau damit unrecht tun würden. Derart objektiv betrachtet nämlich wäre der Explore Addict ein schlechter Schuh. Zu schwer, zu steif, zu wenig reaktiv. Das flowige, unterstützende Abrollverhalten seines überzeugend modernen Schwestermodells Trail Addict ist dem stabil abgestimmten Explore Addict tatsächlich fremd. Gemeinsam ist beiden die Null-Sprengungsgeometrie mit der extrabreiten Zehenbox und der den Fuß entlastende flache Stand. Außerdem bieten beide eine überzeugende Verarbeitung und die superkomfortable Passform. In Letzterer liegt begründet, warum der Explore Addict dennoch ein richtig guter Schuh sein kann. Für lange Tage, langsame Tempi, für alles Gewanderte und Gewalkte. Für breite Füße oder bei chronischen Problemen mit dem Großzehengrundgelenk. Fazit: Ein unglaublich bequemer und entlastender Schuh, für den es viele Argumente gibt. Ein auf Tempo gelaufenes Trailrennen ist es, zugegeben, nicht.
Eine Premiere. Wir testen zum ersten Mal den asiatischen Brand Kailas, genauer gesagt den Trailrunning-Subbrand FUGA, der vor rund zehn Jahren aus der bereits 2003 gegründeten Bergsportmarke entstand. Der Fernost-Hersteller ist durchaus eine gewachsene Outdoor-Marke mit viel Entwicklung, einem tollen Athleten-Team und umfassendem Portfolio. Fast zufällig erreichte uns nun jenes Modell der DU-Serie, die viel Grip und noch mehr Support bieten soll. Der Testlauf geht in unsere Test-Historie ein: Der erste Eindruck verspricht zwar einen robusten, protektiven Schuh, aber dass er mit dem ersten Meter in Bewegung so sehr Spaß macht, rollt und später auf schweren Downhills seinen sicheren Tritt findet, überrascht uns in dieser Qualität dann doch. Um ehrlich zu sein, füllt der DU eine unbedingte Lücke im Markt der Trailschuhe. Seine Kombination aus Stabilität, Komfort und Lauffreude ist sagenhaft. Die gemeinsam mit Vibram entwickelte Sohle lässt in keiner Situation Zweifel aufkommen. Der recht schmal geschnittene DU verspricht mit 6 mm Drop und einem eigenen Schnellschnürungssystem einen sehr konkreten Fit. Das Upper ist luftig, die Zirkulation ist garantiert. Distanzen? Da ist er ein Allrounder, der vom Trainingslauf bis hin zu sehr langen Ultratrails alles annimmt, denn die Dämpfung schafft es, sehr zu entlasten. Fazit: Ein Schuh, der einem viel abnimmt und auch viel verzeiht. Unbedingt mal ausprobieren!
Speedgoat Mid GTX
Breite Dämpfung Grip
Explore Addict
DU Powergrip
Breite Dämpfung Grip
Breite Dämpfung Grip
32 3/25
ALLROUND
ATR BY LOWA
ATR BY LOWA
LA SPORTIVA
180 € 290 g (42) Drop: 6 mm
150 € 295 g (42) Drop: 6 mm
200 € 255 g (42) Drop: 8 mm
Madrix
ALLROUND
Mit diesem neuen Modell stellen sich ATR, die Trailrunning-Marke von Bergsportspezialist LOWA, ebenfalls neu auf und runden ihr Portfolio clever ab. Der MADRIX ist ein ziemlich gelungener, nahezu perfekter Trailschuh mit keinerlei Limitierung. Der Tragekomfort, der Fit, hinterlässt uns wunschlos glücklich, wir fühlen uns enorm sicher im Gelände. Noch auffälliger – der Schuh will nach vorne, will laufen und gibt uns trotz relativ massiver Mittelsohle viel Rückmeldung zum Untergrund. Ein Foam, der herrlich direkt reagiert, der in Kombination mit dem smarten Rockershape für spürbare Laufdynamik sorgt. Es stimmt: je schneller man in ihm läuft, desto mehr Spaß bringt der Madrix. Im Detail: Ein Schuh für mittlere Distanzen und kurze Ultratrails. Das Schnürungssystem korrespondiert perfekt mit der übrigen Schuhkonstruktion und das Obermaterial ist wunderbar luftig und lässt maximale Zirkulation zu. Die gesamte Verarbeitung erinnert an LOWA! Der Grip? Es ist eine Vibram-Megagrip-Aussensohle verbaut. Das schliesst die Tür zum Gesamt-Urteil – Note 1. Fazit: Ein komfortabler Schuh mit dem Potential auch lange, alpine Trailtage mit viel Souveränität zu wuppen. Wer zudem Spaß an Tempo auf welligen Strecken hat wird von der Dynamik des Madrix nicht enttäuscht.
Breite Dämpfung Grip
Amplux 2
ALPIN
Die zweite Version des Amplux bringt Verbesserungen mit sich. Der Schuh grenzt sich bewusst von seinen Markenkameraden Madrix und Fortux ab und ist spürbar direkter, härter und kompromissloser. Das macht ihn zu einem zuverlässigen Alltags-Trainingsschuh, der für das Intervalltraining und flotte Einheiten im echten Gelände gemacht ist. Der Amplux 2 mag schmale Füsse und technische Trails. Die hauseigene Lowa Trac Aussensohle greift beeindruckend gut, kommt an die Vibram-Version des hier getesteten Madrix aber nicht heran. Diese zweite Edition hat Neuerungen: So wurden die aus zwei unterschiedlichen EVA-Härtegraden bestehende LOWA® DYNAEVA®Zwischensohle, der carbonverstärkte Shank als auch die Fersenpartie optimiert, um Dämpfungs- als auch Abrolleigenschaften des Schuhs zu perfektionieren. Fazit: Ein echter "alpine daily trainer", der robust ist und in jeder Geländeform Spaß macht. Er funktioniert für kurze bis mittlere Distanzen, für klassische Bergläufe oder ausgesetzte Skyraces. Was man ihm bei aller alpiner Expertise nie absprechen darf, sind seine sehr guten Laufeigenschaften. Der Amplux 2 ist eben auch ein echt schneller Laufschuh.
Prodigio Pro
Lange, vielleicht zu lange, hat sich der Kult-Hersteller aus dem Val di Fiemme mit dem ersten echten „schnellen Ultratrailschuh“ Zeit gelassen. Das mit dem „Zeitlassen“ hat sich aber gelohnt, denn der Prodigio Pro schließt jegliche Lücke, jeden Abstand zur Konkurrenz. Alles, was wir uns vom Prodigio Pro erwartet hatten, kann er auch einhalten – das ist 2025 viel! Angefangen bei der Passform, beim Fit, da gibt es keine Zweifel, dass es ein echter La Sportiva ist. Er sitzt sockenartig, sehr stabil und ist trotzdem immer bequem zu tragen. Mit dem ersten Meter im Gelände wird klar, dass er mit allen Unebenheiten spielt. Wir fühlen uns sicher. Zunächst fällt das Obermaterial auf, das wir bislang so noch nie gesehen haben. Eine luftige Angelegenheit, eine Art gestricktes Kunststoffmaterial, das dehnbar ist und trotzdem mit der nötigen Robustheit daherkommt. Zunge und Schnürung binden den Fuß passgenau an den Schuh. Nun zur Fortbewegung selbst: Der Prodigio Pro rollt und spielt seinen Foam in einer tollen Dynamik aus. Anders als bei anderen „schnellen“ rockerartigen Trailschuhen schafft es der Norditaliener, auch immer eine Hausnummer im technischen Gelände zu sein. Ein alpiner Downhill? Kein Problem. Ein harter Downhill auf Schotter? Schluckt er weg. Flache Passagen? Er rollt. Das Niveau aus Softness und Direktheit ist perfekt. Der Prodigio beweist, dass es bei cleverer Konstruktion und modernem Schaum keine Platte im Trailschuh braucht.
Breite Dämpfung Grip
Breite Dämpfung Grip
33 3/25
ULTRATRAIL
MAMMUT
MAMMUT
160 € 260 g (42) Drop: 4 mm
240 € 310 g (42) Drop: 7 mm
Der Säntis ist ein toller Berg. 2502 Meter hoch und damit die höchste Erhebung der Ostschweiz. Ein Gipfel für alle! Dass die Schweizer Outdoor-Profis Mammut ihren Trailschuh danach benennen ist eine feine Idee – wir mögen simple, nachvollziehbare Produktnamen, die wir uns merken können. So ist der Saentis TR Low aber durchaus ein Spezialist und keiner für alle und alles. Er ist ein leichter, direkter, agiler Trailschuh für kurze Distanzen, für das tägliche Training am Berg und für klassische Bergläufe oder Skyraces. Im alpinen Umfeld kennt er sich bestens aus, findet flink und sicher jeden Tritt am Fels. Das macht uns Spaß! Der Saentis TR Low mag schmale Füße und er will Tempo. Im Gegensatz zu vielen anderen Modellen im Test verzichtet er auf Rockershape und eine dicke Mittelsohle. Das reduziert ihn auf Einsätze, die ihren Weg in der Hauptsache nach oben und unten kennen. Für lange, flache Strecken fehlt uns ein wenig das rollende Momentum. Sehr trainierte, geübte Läuferinnen und Läufer werden den reaktiven und minimalistischen Saentis TR Low aber auch so in die unbedingte Beschleunigung bringen. Fazit: Ein toll verarbeiteter Trailschuh für kurze und mittlere Distanzen, der mit alpinen Trails geradezu souverän spielt.
Wo fängt man am besten an? Erst mal sollten wir festhalten, dass wir uns vielleicht etwas geirrt haben. Es gibt sie noch, die Spezialisten! Fernab dieses „All for one“-Gedankens stellt Mammut hier ein echtes Arbeitstier für einen sehr eingeschränkten Einsatzbereich bereit. Der AEnergy TR BOA braucht das harte und grobe Gelände. Das TR, was für Trailrunning steht, sollte vielleicht durch FH für Fast Hiking ersetzt werden. Er möchte sich in verblockten Steinwüsten und abschüssigen Hängen fortbewegen. Der Schuh als solcher ist relativ schmal geschnitten und sitzt untrennbar fest am Fuß. So fest, dass es empfindlichen Füßen hier und da Schmerzen bereiten könnte. Eine halbe Nummer größer ist wahrscheinlich eine gute Idee. Wem dieses schlanke Design aber taugt, bekommt mit diesem Schuh eine absolut sichere Bank. Die bewährte Vibram-Megagrip-Außensohle packt bombensicher zu. Passend zu seinem Wohlfühlgelände hat der AEnergy rund um die High-ReboundEVA-Wedge-Sohle einen massiven Geröllschutz aus festem Gummi verpasst bekommen. Kleinere Steinchen und Dreck werden von einer elastischen Sockenkonstruktion, die sich oberhalb des Knöchels um den Fuß wickelt, abgehalten. Vor allem Skyrunner und Menschen, die das Hochgebirge lieben, sollten hier genauer hinschauen. Die massive Bauweise lässt vermuten, dass der Schuh sehr viele Hundert Kilometer halten wird.
Saentis TR Low
Breite Dämpfung Grip
MERRELL Nova 4
AEnergy TR BOA ALPIN
135 € 275 g (42) Drop: 8 mm Es gibt sie noch, die Schuhe für einen fairen Preis. Fair ist beim Nova 4 aber nicht nur der Preis. Merrell verbaut bei diesem vierten Nova eine Vielzahl an recycelten Materialien. Allein die Schnürsenkel werden laut Merrell aus 100 % Recyclingmaterial hergestellt. Was wir sehr cool finden, ist das herausnehmbare EVA-Fußbett. So kann man den Schuh gut durchlüften und reinigen. Für die Zwischensohle verwendet Merrell einen eher neutraleren Float-Pro-Schaum. Der gesamte Sohlenaufbau ist etwas steifer und stabil, läuft sich allerdings rasch ein. Die hauseigene Quantum-Grip-Außensohle wurde mit 4-mm-Stollen versehen. Die Gummimischung greift ordentlich zu und läuft sicher durch Wald- und Wiesentrails. Das robuste Obermaterial wirkt sehr langlebig. Der Schuh lässt sich kompakt an den Fuß bringen und verrichtet ziemlich humorlos all seine Aufgaben. Es wirkt insgesamt auf den ersten Blick alles sehr unspektakulär. Wäre es schlimm, wenn es so wäre? Wir sagen: Nein! Merrell bietet seinen Kundinnen und Kunden einen total zuverlässigen Dailytrainer, der einfach funktioniert und keine Fragen stellt. Wo findet man noch so viel Genügsamkeit für so wenig Geld?
Breite Dämpfung Grip
Breite Dämpfung Grip
34 3/25
VORJAHRES-HITS
Wir waren mal Stars, die Karriere ist vorbei, das wars. Von wegen – diese Modelle aus dem Vorjahr haben noch viel Relevanz und sind gern gesehen auf allen Trails.
Norda 001
Adidas Terrex Agravic Speed Ultra Sprengung: 8 mm Gewicht: 270 Gramm Preis: 230 Euro
Sprengung: 6mm Gewicht: 274 Gramm Preis: 265 Euro
Der Wettkampfschuh der Terrex-Profis hat sich im letzten Jahr zu einem Vorbild stilisiert und Nachahmer gefunden. In dieser Konsequenz waren Terrex mit diesem Modell absolute Vorreiter in kompromissloser Entwicklungsarbeit.
Seit drei Jahren der Schuh, mit dem eines unserer Redaktionsmitglieder mindestens die Hälfte seiner Läufe absolviert. Womit auch die versprochene Haltbarkeit (weit mehr als 1000 Kilometer) überprüft werden konnte. Möglich macht das die kompakt und homogen gedämpfte, extrem ermüdungsarme Mittelsohle. Dabei rollt der Norda 001 sogar gut, einer der schönsten Trailschuhe ist er ohnehin.
La Sportiva Kaptiva
Hoka Tecton 2
Ein Schuh wie der Kaptiva ist selten geworden. Umso schöner, dass man ihn noch kaufen kann – im Netz sogar überraschend günstig. Der perfekt anliegende Kaptiva ist ein sehr agiler und ausgewogener Schuh für mittlere Distanzen und das tägliche Training. Wer es also direkt mag und trotzdem auf ein gewissen Maß an Dämpfung nicht verzichten mag, liegt richtig mit ihm.
Hä? Wieso taucht unter unseren weiterhin erhältlichen Lieblingsschuhen ein Modell auf, dessen Nachfolger wir auf diesen Seiten bereits getestet haben? Weil die aktuelle Tection-Generation ein ganz anderer Schuh geworden ist: Weicher, leichter, technologischer. Ein Schuh für Jim Walmsley und andere Granaten. Der Vorgänger war der Allrounder unter den Carbonschuhen, Und zum Glück auch in dieser Saison in ziemlich coolen Colourways weiterhin erhältlich, nun vermarktet als „Lifestyle“-Schuh.
Sprengung: 6 mm Gewicht: 280 Gramm Preis: 159 Euro
Sprengung: 6mm Gewicht:257 Gramm Preis: 219 Euro
Salomon S-Lab Genesis Sprengung: 8 mm Gewicht: 259 Gramm Preis: 200 Euro
Er ist aus dem "Peloton" nicht mehr wegzudenken. Der Schuh in dem Courtney alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, ist auch 2025 einer der souveränsten Ultratrailschuhe auf dem Markt. Wir lieben die neuen Farbvarianten und sein Mix aus Stabilität, Grip und Lauffreude. Ein Alleskönner!
35 3/25
STRECKEN 6 Traumtrails fernab der Alpen
MERRELL
MTL Adapt Matryx 160 € 293 g (42) Drop: 4 mm
ULTRATRAIL
Ein Schuh, den ich so nicht erwartet hätte. Merrell vollbringt eine für mich fast unmögliche Aufgabe und verbindet sämtliche Attribute eines flowigen Rolleurs mit denen eines kompakten und sicheren Alpinschuhs. Es braucht schon eine gute Portion Ingenieursgeist, diesen schmalen Grat zwischen Lauffreude und Stabilität zu meistern. Der Merrell ??? Der schafft genau das! Schon klar. Wie bei allen Schuhen kommt es natürlich immer auf die Fußform an. Sie entscheidet, ob du den Schuh laufen wirst. In diesem Fall hat man fast das Gefühl, dass sich Merrell den einen für alle auf die Fahne geschrieben hat. Die Zusammensetzung des Schuhs wirkt auf den ersten Blick schon ziemlich zeitgemäß und logisch. Stabiles und atmungsaktives MatrixObermaterial, ein perfekt ausgepolsterter Fersenbereich, ausreichend Platz für die Zehen und das Flaggschiff des Schuhs: die Sohlenkonstruktion. Der Aufbau des Schuhs trägt echte LaufDNA in sich. Er rollt sicher durch jedes Gelände und vor allem auf Forstwegen, Pfaden oder Schotterstraßen spielt der Merrell seine größten Stärken aus. Laufen! Das Teil will rennen. Egal ob flink oder entspannt. Der Rocker des Merrells schiebt dich mit einem zu keiner Zeit unangenehmen Druck nach vorn. Er will vorwärts. Die Vibram-MegagripAußensohle ist das finale Puzzleteil, was diesen Schuh eben auch für grobes, verblocktes und steiniges Gelände befähigt.
Breite Dämpfung Grip
NEW BALANCE
NORDA
160 € 311 g (42) Drop: 7 mm
299 € 214 g (42) Drop: 6 mm
Hierro V9
ALLROUND
Ich laufe diesen Hierro bereits seit zehn Jahren. Vom dritten Hierro bis zur aktuell neunten Auflage bin ich sie alle gelaufen. Es ist New Balance mal wieder gelungen, dem Schuh ein feines und nachvollziehbares Update zu verpassen. Nicht so viel, dass die Idee des Hierro verloren geht, aber auch nicht so wenig, dass es lediglich ein Hierro mit neuer Zahl und anderer Farbe ist. Was direkt ins Auge fällt, ist die namensgebende Zutat dieses Schuhs: die Fresh-Foam-XMittelsohle. Eine massive, hochgebaute Sohlenkonstruktion, die abschließend mit der Vibram-Megagrip-Außensohle verfeinert wird. Diese Kombination bietet genug Komfort für wahrscheinlich alle denkbaren Distanzen. Mit der Megagrip-Außensohle bewegt man sich zudem in jedem Gelände, ganz gleich ob technisch oder flowig, sicher vorwärts. Der Hierro 9 kann laufen, kraxeln, hiken und joggen. New Balance hat hier eine Toe-Protect-Technologie verbaut, die Füße vor Geröll und Steinen schützt. Was New Balance besser kann als viele andere, sind die Passform und der Fit. Zugegeben! Der Hierro 9 wirkt auf den ersten Blick sehr groß und robust. Vielleicht ist er das auch. Er passt aber wahrscheinlich an jeden Fuß. Nach einigen Testkilometern weist der Schuh keinerlei Verbrauchsspuren auf. Er ist ein richtig stabiler Trailschuh mit einer langen Haltbarkeit.
005
Ich bin schockverliebt. Aber, zugegeben, auch voreingenommen. Zu schön ist die Geschichte des kanadischen Ehepaars Willa und Nick Martire, die aus der sprichwörtlichen Garage heraus eine Trailschuhmarke auf ganz eigene Beine gestellt haben. Mit einem eigenen Look, tatsächlich einzigartiger Haltbarkeit und einem eigenständigen Konzept. Letzteres trifft besonders auf den überzeugend schlichten Norda 005 zu. Keine Platte, hyperkritischer TPESchaum und ein einlagiges Upper aus der so leichten wie resilienten Dyneema-Faser, die sich gegenwärtig kein anderer Hersteller leisten will. „Raceday Shoe“ sagen Willa und Nick Martire dazu. Dem stimmen wir zu, zumal ein zweites Paar Einlegesohlen für den Wettkampf beigelegt ist. Nur für einen Ultra, das ist die einzige Einschränkung, sollten diesen federleichten und gerade an der Ferse minimalistisch gearbeiteten Schuh eher die Profis unter uns hernehmen. Jason Schlarb etwa, der im Norda 005 bereits aufs Hardrock-Podium gerannt ist. Die Außensohle – das neue, exzellente Vibram Megagrip Elite – hat Norda mindestens für diese Saison exklusiv für sich. Fazit: Der Norda 005 läuft sich ähnlich reaktiv und dynamisch wie ein NNormal Kjerang oder ein Adidas Terrex Agravic Speed, ist aber, auch durch die breitere Plattform, der stabilere, resilientere und universellere Schuh.
Breite Dämpfung Grip
Breite Dämpfung Grip
36 3/25
SPEED
I M P R E S S U M
TRAIL MAGAZIN MESNERWEG 5 83246 UNTERWÖSSEN, TELEFON 08641/9521494
REDAKTION@TRAIL-MAGAZIN.DE AB O -FRAGEN AN: A B O @ T RA I L - M AGA Z I N . D E
ON
Chefredakteur & Herausgeber
Cloudvista 2 160 € 292 g (42) Drop: 6 mm
Denis Wischniewski Redaktion
Clemens Niedenthal Tom Stetter
ALLROUND
Art Direktion & Layout
Denis Wischniewski
Der ursprünglich als Einsteigerschuh positionierte Cloudvista ist mit seinem Update im vergangenen Herbst ein deutlich besserer Schuh geworden. Komfortabler gedämpft und dabei dynamischer, ja agil abgestimmt. Im direkten Vergleich zum etwas teureren Cloudultra 2 ist er nun sogar der weichere Schuh. Man sieht es ihm an, nicht an den typischen Aussparungen, sondern an der dicker aufgetragenen Mittelsohle (aus überzeugend reaktivem Helios-Foam). In der Ebene rollt der Cloudvista wie ein vergleichbares Asphaltmodell, dabei hilft das dynamisierende Speedboard, die Schweizer Interpretation einer Plattentechnologie. Dennoch bleibt der Cloudvista hinreichend flexibel, er läuft sich aber weniger direkt als sein Vorgänger. Die Passform ist universell, der neue Cloudvista fällt allerdings beinahe eine halbe Nummer größer aus, also unbedingt checken. Das Upper kombiniert einen dünn folierten Oberschuh (der geschmeidiger flexen könnte) mit einer konventionell gearbeiteten, stabil sitzenden Ferse. Auch der Grip wurde nachgeschärft, er fällt aber noch immer eher durchschnittlich aus. Fazit: Der Cloudvista ist gleichzeitig softer und lauffreudiger geworden. Er ist adaptiv genug für moderate technische Einsätze, während er in der Ebene nun üppiger dämpft und stoischer rollt.
Ständige redaktionelle Mitarbeit
Kimi Schreiber, Lars Schweizer, Elise Poncet, Harald Angerer, Moni Stetter Fotografie
Philipp Reiter, Caroline Dupont, Klaus Fengler, Leo Francis, Jordi Saragossa, Andi Frank, Florian Keller Titelbild
Florian Keller TRAIL MAGAZIN erscheint im Trail-Magazin-Verlag ABO-SERVICE
abo@trail-magazin.de VERTRIEB
MZV - Moderner Zeitschriften Vertrieb GmbH & Co. KG Ohmstraße 1, 85716 Unterschleißheim DRUCK
F&W Druck- und Mediencenter GmbH Holzhauser Feld 2 83361 Kienberg
ALLE RECHTE DER INHALTE LIEGEN BEI TRAIL MAGAZIN, DENIS WISCHNIEWSKI. NACHDRUCK NUR AUF ANFRAGE!
VORSCHAU TRAIL 4/2025 AB DEM 24. JUNI 2025 AM KIOSK
Report: Etappenläufe Training: Diese Studien lassen dich anders trainieren! Porträt: Das sind die Trailstars der Zukunft
Breite Dämpfung Grip
Megatest Teil 2/2 Trailschuhe: 40 neue Modelle
37 3/25
PORTRÄT PETER DURAN
PUMA
Fast Trac Nitro 3 129,95 € 270 g (42) Drop: 8 mm
Ultra Glide 3
Supertrac RC3 ALLROUND
Würden wir unseren Schuhtest aufs Preis-Leistungs-Verhältnis reduzieren, dann würde sich der Puma Fast Trac Nitro 3 gegen sämtliche Modelle der Konkurrenz spielend durchsetzen. Für nicht mal 130 € bekommt man einen vollwertigen Trailschuh. Wer jetzt denkt, er müsse bei diesem Preis große Kompromisse eingehen, der irrt. Schwer zu sagen, wie es gelingt, aber Puma bietet hier das volle Paket an Trailschuh, für annähernd jeden Geldbeutel. Vielleicht liegt es an der Eigenregie, in der dieser Schuh gebaut wird. Er hat die hauseigene Nitrofoam-Zwischensohle verpasst bekommen. Das Material ist ziemlich weich, jedoch fest genug, um anständig vorwärtszukommen. Die ebenfalls Puma-eigenen 4-mm-PumaGRIP ATR-Stollen schmiegen sich erstaunlich gut um Steine oder Wurzeln. Was die Größe angeht, fällt der Nitro eher größer aus. Man kann ihn in seiner gewohnten Größe kaufen, eine halbe Nummer kleiner tut es aber auch. Für die Langstrecke ist der Fast Trac Nitro 3 sicher etwas zu weich, aber bis 50 Kilometer ohne Wenn und Aber ein treuer Begleiter. Wer mit einer für unseren Geschmack etwas übertriebenen Sprengung von 12 mm leben kann und einen echten „Daily Trainer“ für den Trail sucht, der sollte sich diesen Schuh genauer ansehen. Zum Schluss sei noch erwähnt. Puma gibt den Schuh mit einer Haltbarkeit vonin800 KilomeAusnahmsweise derwir Bierbar tern an, was sehrMuted ambitioniert, aber Horn,großartig nicht in auch ziemlich finden. seinem Isla Coffee: Peter Duran begrüßt die Berliner Breite Laufcommunity
Dämpfung Grip
SALOMON
SCOTT
170 € 260 g (42) Drop: 4,5 mm
ALPIN
Scott bleiben sich treu. Schwarz-Gelb sind die Signalfarben für alles was mit Tempo und Wettkampf zu tun hat. Auch was den Fokus auf Distanzen angeht, lässt man bei Scott keine Zweifel daran, dass Trailrunning seine Reize in der alpinen Mittelstrecke hat. Stimmt ja auch. In enger Zusammenarbeit mit dem eigenen Elite-Athleten-Team entstand der RC3 und die Arbeit hat sich gelohnt, denn der Schuh ist ein echte Race-Waffe, die vom ersten Meter an agil, direkt und dennoch komfortabel wirkt. Ein Trailschuh auf der Höhe der Zeit, vor allem was Design und Wahl der Materialien angeht. Das MatryxUpper macht ihn flexibel und enorm widerstandsfähig vor äußeren Einflüssen. Die Zungen- und Boot-Konstruktion sorgen für perfekten Fit und gute individuelle Anpassung über die sehr gute klassische Schnürung. Zur Mittelsohle: Der Kintetic Light Foam passt zur Ausrichtung des gesamten RC3 – die Dämpfung ist reaktiv, lässt genug Gefühl für Tempo zu und schützt zudem im wilden Gelände vor Durchschlägen. Fazit: Der Scott Supertrac ist beeindruckend verarbeitet und einer der eindrucksvollsten Trailschuhe 2025 für kurze und mittlere Distanzen, die man alpin und mit Geschwindigkeit laufen möchte. Ein kompromissloser Wettkampfschuh für Skyraces und Speedtrails, der dank viel Grip (Radial Traction Sohle) souverän zupackt.
150 € 290 g (42) Drop: 6 mm
Mit der dritten Auflage ist der Dämpfungsschuh aus dem Salomon-Portfolio nicht nur ganz bei sich angekommen. Er ist ein komfortablerer und dabei allroundiger, durchaus für technische Einsätze gewappneter Schuh geworden. Und hat noch genügend Eigenständigkeit, um sich neben der erstmals erhältlichen, satte 100 Euro teureren S/ Lab-Variante zu behaupten. Kurzum: Salomon hat ziemlich viel richtig gemacht. Das beginnt mit einer angenehm dynamischen Zwischensohle, die zwar im Gegensatz zum S/Lab Ultra Glide auf einen Kern aus hyperreaktivem EnergyFoam Plus verzichtet, dadurch aber auch in langsamen Passagen und auf den letzten Kilometern genügend Stabilität und Komfort vermittelt. Die kraterartigen Aussparungen in der Außensohle sollen den Fuß entlasten. Wir konnten das nur bedingt prüfen, attestieren dem Ultra Glide aber einen generell ermüdungsresilienten Laufkomfort. Der Oberschuh fällt ein wenig üppiger aus als das Matryx-Upper der S/Lab-Variante, sitzt aber gleichermaßen präzise und bequem. Der Vorfuß hat Platz, Salomons Quick-Lock-System greift geschmeidig. Fazit: Der Ultra Glide ist mehr als nur ein ultratauglicher Trailschuh aus der Dämpfungskategorie. Durchdachte Details und sein präziser Fit machen aus ihm einen Allrounder für alle Distanzen und unterschiedlichstes Terrain.
Breite Dämpfung Grip
Breite Dämpfung Grip
38 3/25
ALLROUND
SALOMON
S-Lab Ultra Glide 250 € 280 g (42) Drop: 6 mm
ULTRATRAIL
Salomon unterstreichen ihre Marktpräsenz und Reputation im Trailrunningschuh-Geschäft jedes Jahr auf ein Neues. Die französische Outdoor-Marke schafft es, den Ball kontinuierlich ganz weit oben zu halten. Nach dem Husarenstück um den S-Lab Genesis bringen sie nun mit dem S-Lab Ultra Glide wiederum ein Modell, das für viel Aufmerksamkeit sorgt. Diesmal jedoch mit weit mehr Selbstbewusstsein, denn der Genesis wurde quasi fast zufällig und durch die Hintertür zum Megastar. Der S-Lab Ultra Glide fällt alleine rein optisch auf, hat eine gänzlich neue und moderne Silhouette, will sich bewusst von archetypischen Salomonschuhen lösen und stößt mehr als je zuvor in Annecy das Tor zur Zukunft auf. Er ist leicht, schmal geschnitten und stabil am Fuß. Er macht eine weite Schere zwischen echtem Laufschuh und Bergsport. Mit ihm im flotten 4er-Schnitt flach an den Berg sprinten und dort Höhenmeter bergab und bergauf sammeln, ist kein Problem. Im Vergleich mag der Genesis in der S-Lab-Version zwar stabiler sein, aber dieser UltraGlide ist ein unbedingter Schuh für nahezu alle Trailrunning-Abenteuer, die auch mit Speed einhergehen. Wir sind fasziniert vom Grip, der offensichtlich gar nicht mal so groben ContagripAußensohle und natürlich vom legendären Fit. Fazit: für alle ambitionierten Trails und durchaus auch etwas für lange Ultratrails, die Tempo zulassen.
Breite Dämpfung Grip
SALOMON
THE NORTH FACE
140 € 239 g (42) Drop: 8 mm
250 € 250 g (42) Drop: 6 mm
Wir hatten ja schon vor ein paar Jahren begonnen, besonders laufbare und weniger alpine Modelle analog zur populären Rennradgattung „GravelSchuhe“ zu nennen. Nun hat sich auch Salomon dieses Label bedient. Wobei der DRX Defy Gravl passenderweise der direkte Ableger, nein, nicht eines Rennrads, aber eines Asphaltschuhs ist. Größter Unterschied: die profiliertere Außensohle. Mit dem robusten, von uns im vergangenen Jahr positiv besprochenen Salomon Genesis hat er allerdings auch einige Details gemeinsam, etwa das Active Chasis, ein Stabilisierungselement, das nicht den Fehler einer klassischen Pronationsstütze wiederholt und eben nicht gängelnd in den Abrollvorgang eingreift. So empfiehlt sich der relativ kompakt gedämpfte Grvl wenn schon nicht als Racer, so doch als flotter Schuh für Läufer:innen, denen diese neuen Hyperschäume zu weich und instabil sind. Obwohl typische Salomon-Tugenden wie das Schnellschnürsystem und eine vernähte Lasche fehlen, sitzt der DRX Defy Grvl zudem bequem und präzise. Für einen recht stabilen, mit viel komfortablem Obermaterial ausgestatteten Schuh ist er zudem überzeugend leicht. Fazit: Eine Empfehlung ist dieser Doorto-Trailer vor allem für Läufer:innen, die bis dato in merklich schwereren, pronationsgestützten Schuhen unterwegs sind.
Darauf hatten wir lange gewartet, denn die dritte Version des Vectiv Pro versprach bereits im Vorfeld seiner Veröffentlichung viele Neuerungen. So hat der Vectiv Pro 3 überhaupt nichts mehr mit dem Ur-Modell zu tun. Was sofort auffällt – der Schuh ist sehr hoch gebaut. So steht man auf der Ferse 37 mm und am Vorfuß 31 mm über dem Boden und hat vom ersten Meter an dennoch das sichere Gefühl, mit dem Untergrund in einen zuverlässigen Dialog zu treten. Zum direkten Vorgänger steht man also noch einmal satte 4 mm höher! Die Konstruktion des Vectiv Pro 3 ist atemberaubend, denn es stecken soviel Einzelelemente in der RockerMittelsohle, wie noch nie in einem Trailschuh zuvor. Dass sich dieses Kollektiv lohnt, ist spürbar. The North Face schaffen einen Ultratrailschuh mit maximaler Dämpfung, maximalem Komfort, der dennoch souverän im Gelände vorankommt. Die Kombination aus sehr reaktivem DREAM-Foam und der zweispaltigen Carbon-Platte funktioniert gut und macht aus dem Schuh einen hochmodernen Trailschuh für lange Distanzen. Fazit: Wer das aktuelle Höchstmaß an Entwicklung für Ultratrails 2025 sucht, wird die 250 Euro in diesen Schuh investieren müssen. So dynamisch und bequem, so soft und supported, ist man über viele Stunden nur im Vectiv Pro 3 unterwegs.
Defy GRX Grvl
Summit Vectiv Pro 3
Breite Dämpfung Grip
Breite Dämpfung Grip
39 3/25
ULTRATRAIL
PORTRÄT PETER DURAN
THE NORTH FACE THE NORTH FACE SCARPA Enduris 4
160 € 287 g (42) Drop: 6 mm
ALLROUND
Ich mach mich nackig! Ich bin ein riesiger Enduris 4 Fan. Warum? Weil er einer ist, der für mich alles kann. Müsste ich mich auf nur einen Trailschuh festlegen, der Enduris 4 wäre in einer verdammt engen Auswahl dabei. Ich mag die Passform, den Komfort, wie man mittels der tollen Schnürung den Schuh auch partiell an den Fuss binden kann. Auf dem Trail spielt er dann souverän alle Qualitäten aus, rollt und dämpft, unterstützt wo er nur kann. Man frisst Kilometer um Kilometer in ihm. Ein echtes Meilen-Monster mit viel Dämpfung und 3 mm mehr Zwischensohle zum direkten Vorgänger, dem Enduris 3. Anders als bei einigen Mitbewerbern verbindet er maximale Dämpfung mit viel Vortrieb und Laufdynamik. Zudem ist sein Verhalten im Gelände, auf Wurzelwegen oder grobem Untergrund, stabil und sicher. Natürlich steckt auch im Enduris 4, wie in allen anderen TNF-Modellen, viel Technologie, mit viel Fachbegriffen, die wir uns an dieser Stelle sparen. Erwähnt sein muss lediglich die, durchgehende ultraleichte DREAM Stickstoff-TPUZwischensohle, die dem Schuh letztlich viel von seinem Charakter verleiht. Sie macht ihn laufbar, reaktiv und bequem. Fazit: ein maximal gedämpfter Allrounder, der vom täglichen Trainings bis hin zum seriösen Ultratrail-Wettkampf wirklich alles ganz tapfer mitmacht. Preis/Leistung? Top.
160 € 267 g (42) Drop: 6 mm
ALLROUND
The North Face haben ihr Portfolio ein wenig neu sortiert. Was nicht heißt, dass der Vectiv Infinite in seiner dritten Auflage seinen herrlich dynamischen und lustvoll rollenden Auftritt verloren hat. Er bleibt ein Schuh, der sich nicht entscheiden muss zwischen reaktivem Vortrieb und vollumfänglichem Dämpfungskomfort, wobei uns die neueste Generation des von The North Face so genannten Dream-Foams (Nitrogeninfusiertes EVA) noch einmal weicher landen lässt. Dennoch: Etwas ist anders, ja besser geworden. Lag der Fokus der Vectiv-Reihe lange auf den laufbaren Abschnitten, soll der neue Vectiv Infinite gerade im rougheren Gelände glänzen. Deshalb ist das Profil nun ausgeprägter, gleichzeitig wurde das Volumen der Mittelsohle (auf nun 29 mm unter der Ferse) etwas reduziert. Vor allem aber greift die gegabelte Kunststoffplatte nicht mehr ganz so rigide in den Abrollvorgang ein. Ein Rolleur bliebt der Infinite dennoch, solange man sich auf Waldwegen oder Forststraßen dahintreiben lässt. Präzises, allerdings recht schlank gearbeitetes Upper. Fazit: Hyperkritische Mittelsohlenschäume, Rockershape, Plattentechnologie – wer auf diese modernen Features setzt, aber gleichzeitig einen Schuh sucht, der auch wirkliches Gelände kann, muss sich den Vectiv Infinite ansehen.
Lauft gut und redet darüber: Für sein Projekt Brews & Crews besucht Peter Laufcommunitys und Kaffeeläden wie Breite hier in Amsterdam
Dämpfung Grip
Ribelle Run2
Vectiv Infinite 3
180 € 325 g (42) Drop: 4 mm
Zu einem sehr beliebten und hoch geschätzten Schuh hat sich der Ribelle Run von Scarpa in der Szene entwickelt. Nun das erste Update mit wenig Veränderung – wozu auch? Offenbar wurde die Gaiter-Lösung verbessert, der Stoff ist nun weicher, bequemer dem Knöchel anliegend. Die grösste Veränderung trägt aber die Aussensohle in sich. Dass die Traktion, der Grip, bereits beim ersten Ribelle Run ganz herausragend war, würden wir unterschreiben, aber hier wurde nochmal viel investiert um ihn noch griffiger zu machen. Die Presa-Aussensohle hat nun grobe Stollen in einer etwas anderen Anordnung und Form. In dieser Form ist der Ribelle Run 2 einer der besten Trailschuhe in Sachen Grip auf dem Markt! Beim Laufen in technischem Gelände kommt vom ersten Meter an viel Freude auf, weil man ein unbedingtes Gefühl vomn Sicherheit und Kontrolle bekommt. Am Ende ist dieses Scarpa-Modell ein ikonischer Schuh mit Fokus auf alpine Trails und Off-Trail-Einsätze. Mit rund 27 mm Stack und 4 mm Sprengung hat man viel Gefühl für den Untegrund. Fazit: Der Ribelle Run 2 ist ein sehr geländefähiger, alpiner Schuh. Er empfiehlt sich für tägliches Training auf wilden Trails und für kurze bis mittlere Distanzen. Stabilität und Fit sind sehr gut. Sehr wasserabweisend!
Breite Dämpfung Grip
Breite Dämpfung Grip
40 3/25
ALPIN
Peter Duran ist Experte für Kreislaufwirtschaft – auch das passt ja zu Laufrunden. Diese startete vor dem Prolog Café in Kopenhagen
X-BIONIC
TOPO
Terraskin
Ultraventure 4 170 € 296 g (42) Drop: 5 mm
ULTRATRAIL
Dieses Gefühl, mal wieder etwas völlig anderes am Fuß zu haben, kommt nicht so häufig vor. Topo gelingt dieser Move mit der vierten Auflage des Ultraventure sehr gut. Zuerst mal fällt auf, dass nichts auffällt. Klingt komisch, ist aber durchaus positiv gemeint. Das schlichte Design des Schuhs lässt die größte Stärke des Ultraventure richtig zur Geltung kommen: die großzügige Zehenbox. Der Fuß ist im gesamten Schuh, von vorn bis hinten, logisch verräumt. Die Ferse sitzt absolut sicher und schwimmt überhaupt nicht. Der Mittelfuß ist straff gebettet, aber nicht zu straff. Besagte Zehenbox bietet den Zehen ausreichend Platz, um sich so natürlich, es nötig ist, entfalten können. Für die Zwischensohle wurde eine Zip-Foam-Mischung verwendet, die uns bei den Tests, wie von Topo beschrieben, auch als reaktionsfreudig aufgefallen ist. Topo packt unter die Zwischensohle eine „Vibram XS Treck EVO“-Außensohle, die sich trotz des zurückhaltenden Grips als sehr griffig herausgestellt hat. Der Schuh wird von Topo für leichtes bis mittelschweres Gelände empfohlen. Dem können wir nur beipflichten. Vor allem eignet er sich für längere Vorhaben, flowige Singletrails, schottriges Gelände, Wald- und Wiesenwege oder leichte alpine Pfade. Der Ultraventure 4 kann sehr viel. Für die absolut technischen Sachen ist er jedoch nicht gebaut worden.
Breite Dämpfung Grip
300 € 280 g (42) Drop: 6 mm Das ist ein Signal! Das Zeichen, dass X-Bionic, bislang eher bekannt durch Socken und Unterwäsche, nun einen ersten Trailrunningschuh in die Läden bringen, kann sichtbarer kaum sein. Der Terraskin ist ein auffälliger Schuh, ein Trailschuh, den es so noch nie gab und der sich eine Sache nicht anheften muss – irgenwo kopiert und abgekupfert zu haben. Die Firma mit Sitz in Zürich und Entwicklung bei Venedig überrascht mit einem eigenständigen ersten Modell. Vorab – der Schuh ist sehr gut und hält im weitesten Sinne alle Versprechen ein. Der Terraskin wirkt wie aus einem Guß, ist nahtlos, modern produziert und futuristisch designt. Ob das gefällt? Da werden Meinungen auseinander gehen. Die Optik polarisiert. Der Schuh mit patentierter, gegabelter Carbonplatte und EVA-Mittelsohle wirkt vom ersten Meter an sehr reaktiv, sehr straff und responsiv. Die Kommunikation zum Untergrund ist trotz des hohen Stack spürbar. Der Terraskin ist ein Ultratrailschuh, der für Wettkämpfe bestens funktioniert. Er ist kein Trainer für den Alltag. In Sachen Komfort und Fit gibt es von unserer Seite nur Daumen nach oben, denn durch die Wahl des weichen, gestrickten Uppers, hat man sofort ein sockenartiges Tragegefühl. Das hatten wir so von X-Bionic erwartet. Fazit: Für satte 300 Euro sind passende Socken der Marke inklusive. Die Idee Schuh und Socken in einem abgestimmten Bundle anzubieten ist gut und zeigt, wieviel man hier in einem Komplettsystem denkt.
Breite Dämpfung Grip
41 3/25
Eine positive Überraschung im Testfeld: Der Kailas Fuga ist ein Trailschuh mit vielen Qualitäten.
SPEED
Moderner Foam, Rockershape oder eine ZwischensohlenKonstruktion mit Plattentechnik. Schuhe die leicht sind und Tempo brauchen.
ALLROUND
Trailschuhe, die irgendwie alles können: Flache und harte Untergründe, stabil im Gelände, viel Grip und immer Komfort!
ULTRATRAIL
Die Modelle mit viel Dämpfung, die meist hoch gebaut sind und für viele Stunden Komfort und Support leisten.
ALPIN
Trailschuhe, die ihren Fokus ganz klar auf Trails der Alpen legen. Sie müssen viel grobes Profil haben, eine Gummimischung, die auf Fels hält. Zudem müssen die Schuhe einen verlässlichen Fit haben und Kontakt zum Trail zulassen.
REISE Cinque Terre Text: Denis Wischniewski Fotos: The Adventure Bakery
Fünf gewinnt
42 3/25
Die ligurische Küstenregion Cinque Terre ist ein Paradies für Liebhaber echter Singletrails und Freunde des permanenten Meerblicks beim Laufen. Wir waren für drei Tage zwischen den fünf pittoresken Orten der felsigen Riviera unterwegs und trafen dabei einige der weltbesten des Sports.
43 3/25
REISE Cinque Terre
Die Idee, man sollte doch im Nationalpark Cinque Terre auch laufen, kam von keinem Geringeren als Franco Colle. Wer das ist? Eine laufende Legende.
Ich war noch nie im Cinque Terre. Es kam einfach nie dazu. Manchmal kam ich über den Gardasee in südlicher Hinsicht nie hinaus, oft war bei Bozen bereits Schluss und einige Male war mir die Toskana genug. Heute weiß ich: eine Schande. Diese Bequemlichkeit, sich mit Riva und Torbole zufriedenzugeben, ein Fehler. Vielleicht lag es auch daran, dass dieses wundervolle ligurische Fleckchen Erde an der Riviera zu sehr immer und immer wieder durch das SZ-Magazin überstrapaziert wurde. Zu viele Mountainbike-Zeitschriften, die der Region die Unschuldigkeit nahmen. Und jetzt auch noch Trailrunner und Trailrunnerinnen. Die Idee, man sollte doch im Nationalpark Cinque Terre auch laufen, kam von keinem Geringeren als Franco Colle. Wer das ist? Eine laufende Legende. Der Mann, der bei der Tor des Géants mit rund 66 Stunden noch immer den Streckenrekord hält, obwohl dort schon Schwergewichte des Ultratrails wie Francois d’Haene am Start waren. Als ich an diesen verregneten, grau-grauen Tagen im Cinque Terre ankomme, sind bereits einige andere Trailrunner und Trailrunnerinnen auch dort. Um ehrlich zu sein, sogar einige der Besten. Sangé Sherpa aus Nepal, Tom Joly aus England oder die vietnamesische Elite-Läuferin Hau Ha Thi. Allesamt Vollprofis, die aktuell für den asiatischen Brand Kailas bei Wettkämpfen rund um den Globus starten und hier in Italien den letzten Schliff für den Saisonstart holen.
44 3/25
Im Ort Monterosso al Mare, einem der fünf berühmten Dörfer der Cinque Terre, checke ich ein. Der 1370-Seelen-Ort erwacht in diesem frühen März gerade in Zeitlupe aus dem Winterschlaf. Die ersten Touristen, Schulklassen und Gäste sind da, aber bis hier der Strand wirklich auflebt, wird es noch dauern. Es ist eine ziemlich schöne, gelassene Stimmung. Es hat mit Vorfreude und Vorbereitung zu tun. In meiner Pension hängt die klamme Kälte noch in jedem Eck. Die Klimaanlage sollte eigentlich auch als Heizung funktionieren – tut sie aber nicht – und so müssen alle verfügbaren Decken die kommenden drei Tage für Wärme sorgen. Dieses Haus wartet auf die ersten warmen Sommertage, die den Muff und die Feuchtigkeit aus den Mauern vertreiben. Italien kann viel, aber es ist kein Land für Regentage und Kälte. Auch
45 3/25 2/25
das liebe ich an der ligurischen Lebensart: den Winter als Jahreszeit einfach zu ignorieren, ihn schlicht nicht anzunehmen. Herrlich konsequent. Diese braune Wolldecke wird es schon richten. Noch ist es trocken. Von oben. Ich bin nervös wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum. Es kribbelt. Auf einer riesigen Karte am Strand habe ich ein Wegenetz des Cinque-Terre-Nationalparks studiert. Ein Strecken-Kollektiv, das offenbar keine Wünsche übrig lässt. Alle fünf Ortschaften entlang der Mittelmeerküste werden hier verbunden. Es scheint eine unendliche Möglichkeit an Singletrails zu geben. Auch die Strava-Heatmap zeigt unzählige Segmente und Routen an. Lebt hier etwa der wahre Trailrunning-Sport in all seinen Facetten? Ich will jedenfalls den späten Nachmittag direkt nach Ankunft nutzen und direkt loslaufen. Der deutsche
REISE Cinque Terre
„Einfach in diese Richtung am Meer entlanglaufen … dann ergibt sich alles!“
Kailas-Athlet Daniel Keppler gibt mir einen Tipp: „Einfach in diese Richtung am Meer entlanglaufen … dann ergibt sich alles!“ Und wie recht er behält, denn nur Minuten später laufe ich über Traumtrails, die nach den Niederschlägen leider auch als Bach herhalten, nach oben und blicke weit über das Meer und erkenne Monterosso als einen malerischen bunten Fleck. Sensation Zug Das Ding schlechthin ist neben der Natur, den anspruchsvollen Treppen, pastellfarbenen Häusern, romantischen Pfaden die Zugstrecke. Die verbindet auf kurzen Wegen die fünf Ortschaften miteinander. So sitze ich am nächsten Tag in einer nahezu leeren Regionalbahn und bin in 21 Minuten in La Spezia. Von dort laufe ich bei Dauerregen und Dauerfreude fast 24 Kilometer zurück nach Monterosso. Wer hier also nach einigen Tagen keine Rundstrecken mehr zusammenbekommt, kann praktisch beliebig lang rausfahren und sich unbeschreiblich schöne One-Way-Tracks zusammenstellen. Meine Route führt mich über ikonische Küstengipfel, die ebenso wundervolle Namen tragen: Monte Capri (795 Meter), Monte Cuna (773 Meter) oder Monte Marvede (698 Meter). Dieser „Hohe Wanderweg Nummer 1“ zieht sich auf einem eindrucksvollen Kamm über mehr als 40 Kilometer am Meer entlang. Es kann nie langweilig werden. Man ist in einem Dauerflug. Flow. An dritten Tag reihe ich mich ins Profifeld ein. Für zwei Stunden muss ich über
46 3/25
THE TERRAIN. SHOP NOW
RUN YOUR TRAIL, WITH EASE.
ALL TERRAIN RUNNING – ENGINEERED IN BAVARIA – MADE IN VIETNAM
41°24'12.2"N
MADRIX
REISE Cinque Terre mich hinauswachsen. Das Kailas-FugaTeam nimmt mich auf eine Runde mit. Was für Sangé, Sanmaya oder Tom ein Shakeout-Run ist, wird für mich durchaus zu einer hochintensiven Einheit. Es geht nämlich nach wenigen flachen Metern direkt hoch und 500 Höhenmeter nach oben. Ich bin schnell bei 85 %. Dann bei 100 % und darüber. Dranbleiben. Zeigen, dass der alte Journalist auch was draufhat. Ich packs! Von Donatello Rota, TOR-Zweiter 2024, bekomme ich am Gipfelkreuz einen Schulterklopfer und Tom Joly, ein britischer Kaderläufer, gratuliert mir zur „Altersfitness, die er in 25 Jahren auch so gerne hätte“. Ich bin happy. Im anschließenden Downhill tänzeln die Berufssportler und -sportlerinnen an mir vorbei. Ich bleibe vernünftig. Genug Lob bekommen. Nach diesen Tagen habe ich Italien als Trailrunning-Land nochmals neu entdeckt. Ich war oft auf Elba, auf Sardinien, natürlich in allen Ecken Südtirols, den Bergen der Brenta-Dolomiten und immer wieder am Lago, dem Trentino. Das war nicht mein letzter Trip nach Cinque Terre. Es gibt dort viel zu entdecken. Es ist nie zu spät.
48 2/25
Ich bin happy. Im anschliessenden Downhill tänzeln die Berufssportler und -sportlerinnen an mir vorbei. Ich bleibe vernünftig. Genug Lob bekommen.
Info Cinque Terre Cinque Terre ist eine malerische Küstenregion in der italienischen Region Ligurien, die aus fünf charmanten Dörfern besteht: Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore. Diese Dörfer sind bekannt für ihre bunten Häuser, die sich an die steilen Klippen schmiegen, sowie für die atemberaubenden Ausblicke auf das Ligurische Meer. Cinque Terre ist ein UNESCO-Weltkulturerbe und ein beliebtes Reiseziel für Wanderer, da es zahlreiche Wanderwege gibt, die die Dörfer miteinander verbinden und durch die wunderschöne Landschaft führen. Die Region ist auch bekannt für ihre köstliche lokale Küche, darunter frische Meeresfrüchte, Pesto und der berühmte Sciacchetrà-Wein. Die Anbindung über den Flughafen und Bahnhof Genua ist einfach und schnell.
49 3/25
INTERVIEW Florian Lamblin
„In zwei oder drei Jahren wird es auch in Deutschland ein UTMBRennen geben“
Florian Lamblin hat einen UTMB-Index von 559 Punkten. Immerhin. Aber daran liegt es nicht, dass der 36-jährige Franzose eine der wichtigsten Figuren des Trailrunnings ist. Lamblin ist seit gut einem Jahr geschäftsführender Direktor der UTMB World Series und managt damit das Wachstum eine Marke, der es gleichzeitig darum geht, ja darum gehen muss, ihre Seele zu bewahren. Schließlich ist die Leidenschaft auch der deutschen TrailAus dem ikonischsten Rennen runningszene zum UTMB so legendär wie die des Trailrunnings ist in den schnell aufkeimende Kritik über eine zunehvergangenen Jahren seine mende Kommerzialisierung der ikonischen Runde um den höchsten Berg der Alpen. größte Marke geworden. Wir Richtig und wichtig ist aber auch: Der UTMB sprechen mit Florian Lamblin, hat viel angestoßen, etwa was die InklusiviDirektor der UTMB World Series, tät unseres Sports betrifft. Das, sagt Florian über die Zukunft unseres Lamblin, seien Schritte, die in einer großen, Sports und darüber, warum professionell aufgestellten Veranstaltung auch leichter fallen würden. Denn klar, Werbung dessen Wurzeln dabei umso in eigener Sache gehört auch zu seinem Gewichtiger werden. Kimi Schreiber, Athletin schäft. Dennoch haben wir uns zu einem anim Team Adidas Terrex. genehm offenen Gespräch getroffen. Zu bereden gab es ohnehin viel.
50 3/25
Florian Lamblin, Sie sind heute geschäftsführender Direktor der UTMB World Series. Wie haben Sie auf den Ultra-Trail du Mont-Blanc geblickt, bevor sie selbst in den UTMB und seine Satellitenrennen involviert waren? Catherine und Michel Poletti haben vor gut 20 Jahren eine Veranstaltung geschaffen, die einmalig ist: diese absolut logische Strecke um den höchsten Berg der Alpen, die familiäre, absolut dem Sport verpflichtete Atmosphäre und die enge Beziehung zu allen wichtigen Playern des Trailrunnings. Wir wissen, dass wir mit diesem Erbe sorgsam umgehen müssen. Über Wachstumsschmerzen müssen wir dennoch reden. Mit der Einführung der UTMB-RunningStones gab es Kritik, der UTMB würde den Sport monopolisieren, indem bestimmte Qualifikationsrennen quasi vorgegeben sind. Ich kann diese Kritik sogar verstehen. Niemand sollte für ein Qualifikationsrennen auf einen anderen Kontinent fliegen oder überhaupt in ein Flugzeug steigen müssen. Nur ist die Umsetzung einer Ultratrail-Veranstaltung manchmal eben eine zähe Sache. Es gibt Gesetze, Regeln, bürokratische Prozesse. Es braucht viele moderierende Gespräche. Das führt zwangsläufig dazu, dass ein Event an einem Ort schneller umgesetzt werden kann als an einem anderen. In Deutschland gibt es übrigens besonders viele Gesetze und noch mehr Bürokratie. Sie haben sich mit dem deutschen Markt also beschäftigt? Ich kann diesbezüglich noch nicht zu viel verraten. Aber wir hatten sicher mit zehn Rennen und Regionen Kon-
takt und sind gegenwärtig noch mit zwei oder drei im engeren Austausch. Was ich schon sagen kann: In zwei oder drei Jahren wird es einen Lauf der UTMB World Series in Deutschland geben und es wird ein Rennen sein, das die deutsche Traillandschaft authentisch spiegelt. Überhaupt sehen wir, in Europa und global, noch Potenzial für weitere Veranstaltungen. Trailrunning lebt also auch von regionalen und kulturellen Unterschieden? Nehmen wir nur die großen US-amerikanischen Events, Western States oder Hardrock, mit ihrer beinahe familiären, eingeschworenen Atmosphäre, in so ein Umfeld kann man nicht einfach ein Megaevent pflanzen. Und wenn wir vor wenigen Wochen zum ersten Mal mit der UTMB World Series in der Toskana, im Chianti, sind, will ich, dass wird nicht nur durch Weinberge laufen, sondern dass der Wein und seine Kultur an der Strecke erfahrbar werden. Im Elsass geht es um die vielen Burgen und beim Ultratrail Snowdonia in Wales soll die walisische Sprache sichtbar sein. Trailrunning lebt gerade als zunehmend globale Sportart von diesen regionalen Verankerungen. Als Gegenargument könnte man die austauschbaren Events der Ironman Pro Series anführen, denen es offensichtlich nur darum geht, ein Geschäftsmodell möglichst reibungslos zu skalieren. D’accord. Nur müssen wir uns da anschauen, worum es beim Triathlon geht. Triathlon ist eine reine Performance-Sportart, im Mittelpunkt steht die persönliche Leistung beziehungsweise das Ziel, einmal im Leben eine Ironman-Distanz geschafft zu haben. Es geht nicht um das Naturerlebnis, kaum um die Community und
51 3/25
INTERVIEW Florian Lamblin
Florian Lamblin
schon gar nicht um eine gewachsene und regional ganz unterschiedliche Kultur des Sports. Das sind aber drei Attribute, ohne die kein erfolgreiches Trailevent funktionieren kann. Sie sehen noch keine Sättigung des Marktes und damit einhergehend einen Verdrängungswettbewerb der Trailrunning-Brands und vor allem der Events und Wettbewerbe? Ich sehe das genaue Gegenteil und das nicht nur aufgrund der immer weiter steigenden Bewerbungen für alle Läufe während der UTMB-Woche in Chamonix. Trailrunning wächst und das mindestens aus vier relevanten Gründen. Erstens gibt es Ecken auf der Welt, in denen Trails und überhaupt das Laufen gerade erst von großen Bevölkerungsteilen entdeckt werden. Ich nenne hier etwa die asiatischen Länder, von Afrika haben wir da noch gar nicht geredet. Zweitens gibt es in den ganzen großen Laufmärkten, in den USA, in Frankreich, auch in Deutschland, noch immer die Bewegung von der Straße auf die Trails. Drittens wird der Sport, und das ist besonders wichtig, immer weiblicher. Und viertens merken wir, dass sich plötzlich 25-Jährige oder sogar 18-Jährige für den UTMB und Trailrunning im Generellen interessieren. Trailrunning wird aktuell also immer jünger? Aber die 40- oder 50-Jährigen bleiben deshalb ja nicht zu Hause. Zur Einordnung: Vor Kilian Jornet gab es beim UTMB eigentlich keinen Teilnehmer, der
jünger als 40 Jahre war. Trailrunning war mal ein Sport, mit dem man eher in der Lebensmitte begonnen hat. Gegenwärtig gibt es Signale, Trailrunning könnte in den Kanon der olympischen Sportarten aufgenommen werden – zumal die nächsten Spiele in Kalifornien stattfinden, einer absolut laufaffinen Region. In dieser Frage bin ich vermutlich schlechter informiert als das TRAIL-Magazin. Ehrlich? Mit Ihnen wurde nicht geredet? Schließlich ist der UTMB das wichtigste Trailrennen der Welt. Mit uns wurde ehrlich nicht geredet. Ich weiß aber auch gar nicht, welche Rolle der UTMB in dieser Entwicklung spielen sollte. Wird Trailrunning olympisch, dann in einer domestizierten, heruntergebrochenen Variante auf kurzen Distanzen auf Waldlaufstrecken irgendwo nahe am jeweiligen Austragungsort der Spiele. Schauen wir uns doch nur Mountainbike oder Klettern an. Beide Sportarten sind inzwischen olympische Disziplinen. Umgesetzt aber auf eine Art, die mit ihren jeweiligen Ursprungsgedanken wenig zu tun hat. Ich denke, es würde auch dem Trailrunning so ergehen, und ich kann da ehrlich gesagt nichts Positives daran finden. Ein Argument für Olympia wäre, dass die Athleten und Athletinnen in den Fokus der jeweiligen nationalen Sportförderung rücken würden.
52 3/25
ist Executive Director der International UTMB Gruppe und selbst aktiver Trailrunner. Der Vater zweier Kinder lebt mit seiner Familie bei Paris und verantwortet die Rennserie mit über 50 Events weltweit.
Mit uns wurde ehrlich nicht geredet. Ich weiß aber auch gar nicht, welche Rolle der UTMB in dieser Entwicklung spielen sollte.
Ich rede hier mit einem deutschen Magazin, also nehmen wir mal Hannes Namberger. Hannes ist einer der zehn besten Ultratrailläufer der Welt, nach meiner Überzeugung. Sollte seine Leistung von Verbänden oder vom Staat gefördert werden? Vermutlich. Aber sollte der Maßstab dafür wirklich sein, dass sein Sport eine olympische Disziplin ist? Ich denke eher, dass viele Länder die Kriterien ihrer Sportpolitik und Sportförderung überdenken müssen. Woher also das Geld nehmen, das eine sich zunehmend professionalisierende Sportart braucht? Eine Antwort, die der UTMB ziemlich gut beherrscht: durch Sponsoring. Vor zwei Jahren gab es einen ziemlichen Aufschrei, als sie plötzlich eine Automarke als Namenssponsor präsentiert haben … … und soll ich Ihnen was sagen? Ich schätze die Zusammenarbeit mit Dacia sehr. Klar hätte ich mir gewünscht, dass wir beim UTMB bereits komplett elektrisch unterwegs sind, aber auch das wird in wenigen Jahren so sein. Der Sport ist in einer Phase angekommen, in der er für Marken interessant ist, die nicht nur aus dem Sport selbst oder der jeweiligen Region kommen. Nun wollen Sponsoren Sichtbarkeit. Muss Trailrunning ein Publikumsevent werden? Ja und nein. Publikum wird wichtiger werden, sowohl an den Trails als auch an den digitalen Endgeräten, also für den Stream. Nur sollten wir gleichzeitig vorsichtig sein und verstehen, wie viele Menschen ein Rennen und eine Region verträgt. Zudem glaube ich nicht, dass Trailrunning so populär werden kann, wie es Fußball ist und verschiedene Wintersportarten einmal waren. Es wird also nichts mit dem Massenphänomen Trailrunning? Diese Zeiten sind vorbei. Die Menschen kommen, weil sie sich für den Sport begeistern oder für die Region, in der dieser Sport gerade passiert. Gerade darin liegt aber eine Chance: Die Menschen, die man mit einem Engagement im Trailrunning erreicht, haben wirklich ein Herz für den Sport.
EVENTS Backyard Ultras
Backyard for good Das Laufformat Backyard Ultra hat die Leben von Carsten Drilling und Michael Ohler ordentlich in Bewegung gebracht. Die routinierten Ultraläufer haben sich seit einigen Jahren einer Sache verschrieben, die irgendwie kein Ende kennt. Noch ’ne Runde?
54 3/25
Stell dir vor, du läufst einen Ultra. Stell dir vor, es kommt alle 6,7 Kilometer eine Verpflegungsstation. Stell dir vor, da liegt alle 6,7 Kilometer ein Drop Bag. Stell dir vor, alle 6,7 Kilometer gibt es das Gefühl einer Ziellinie. Und stell dir bitte vor, dennoch 100 Meilen in 24 Stunden zu laufen. Oder noch viel mehr. Gibt’s nicht? Gibt’s doch! Dieses Format nennt sich Backyard Ultra. Es richtet sich an alle, die gerne laufen. Ganz unabhängig davon, wie lange du im Rennen bleiben möchtest ... oder kannst. Die Freude an der Sache ist es, die alle hier verbindet. Backyard lebt von der Synergie der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und den Veranstaltern. Und: Ein Event in diesem Stil ist eine ziemlich inklusive Sache. Hier kommen Menschen sämtlicher Alters-, Gesellschafts- und Leistungsschichten zusammen, um gemeinsam Spaß zu haben. Es geht aber, na klar, auch um den sportlichen Aspekt. Laufen um des Laufens wegen. Der perfekte Ort, um sich und seine Grenzen zu testen. Laufen, Reden, Essen, Trinken, Leiden … ein nie endender Fresswettbewerb mit ständiger Bewegungstherapie, wenn man so will.
Carsten Drilling ist ein erfahrener Ultraläufer und ist nahezu alle berühmten Rennen gelaufen. Für ein besonderes Rennformat hat er jedoch spät nochmals die Seiten gewechselt und ist ein Veranstalter geworden.
Michael Ohler auch selbst als Organisator des Bienwald Backyards aktiv, liebt und lebt diesen Sport wie wenige andere. Er hat Backyard nach Deutschland geholt.
Der Backyard Ultra hat also unzählige Vorzüge. Eines muss aber klar sein. Ein Bewerb dieses Charakters ist Extremsport, wenn man es denn zulässt. All jene, die sich ambitionierte Ziele stecken und viele Runden drehen wollen, werden eines schnell feststellen: 6,7 Kilometer in 60 Minuten tun irgendwann richtig weh. Und überhaupt, mit den Zielen in einem Backyard Ultra ist das so eine Sache. Ein weiser Mann namens Michael Ohler sagte mal: „Nur wer sich von seinen Gedanken freimachen kann, wird lange durchhalten können.“60 Minuten! Das ist der Cut-off. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Eine Trillerpfeife ertönt dreimal. 180 Sekunden bis zum nächsten Loop! Das Zeichen, sich langsam auf den Weg Richtung Startlinie zu machen. Schrillt die Pfeife zweimal, heißt es noch zwei Minuten. Einmal pfeifen bedeutet noch 60 Sekunden, bis die Glocke einen neuen Yard eröffnet. Eine Stunde, um 6,7 Kilometer plus einige Höhenmeter zu absolvieren, sich zu pflegen, zu essen und auch mal auszuruhen. Auch für erfahrene Ultraläuferinnen und -läufer irgendwann
55 3/25
EVENTS Backyard Ultras
Michael Ohler hat die 6,7 Kilometer Runde längst perfektioniert und weiss genau wie und wie lange er zwischen den Aktivitäten ruht.
eine echte Mammutaufgabe. Diese noch junge Art des Laufsports wächst. Sie führt Menschen zusammen und bringt ihnen den Reiz der Extreme näher. Leute rennen dort ihre ersten 13,4 Kilometer, einen halben oder gar den vollen Marathon. Menschen laufen dort das erste Mal in ihrem Leben dreistellig. Der Backyard Ultra hat die Qual im positivsten Sinne salonfähig gemacht. Lauscht man den Worten von Carsten Drilling, erschließt es sich einem fast selbstredend, warum dieses „kranke Format“, wie Carsten es nennt, immer beliebter wird. Er ist es, der den Backyard Ultra 2019 in Europa etabliert hat. Bis heute ist das Christi-HimmelfahrtsWochenende das Datum, wo sich im Züricher Stadtteil Witikon eine ganz besondere Community trifft. Sie laufen so lange, bis der oder die Letzte übrigbleibt. Dort in Zürich ist diese wundervolle Idee, gemeinsam zu laufen, gesund gewachsen. Von anfangs 40 Verrückten schraubte sich die Teilnehmerzahl auf heute etwa 100 Läuferinnen und Läufer hoch. Alle Glücklichen, die einen der organisationsbedingt limitierten begehrten Startplätze ergattern können, erwartet ein wirklich tolles Event mit feinstem Essen, Trinken und den freundlichsten Helferinnen und Helfern, die man sich nur wünschen kann. Die in Witikon sind eine echte Backyard-Familie! Nicht umsonst sind Carsten Drillings Frau Barbara, selbst eine erfahrene Ultraläuferin, und seine beiden Töchter jedes Jahr aufs Neue mit
dabei, um tatkräftig zu unterstützen. Längst ist Barbara berühmt für ihre lauwarmen veganen Zimtschnecken. Es wird mit Liebe gekocht und gebacken. Aus dem Grund werden beim Witiker auch „nur“ 100 Läuferinnen und Läufer eine Startnummer bekommen. Nur mit dieser limitierten Starterzahl lässt sich diese großartige Qualität der Organisatoren halten. Einer, der es wissen muss, ist ein wahres Urgestein unter den deutschsprachigen Langstreckenathleten: Michael Ohler, seines Zeichens Top-Ten-Finisher beim Badwater, nahm die Reise nach Zürich bereits 2019 auf sich, um dort als Athlet einmal an den Start zu gehen. Er ist wahrscheinlich einer der deutschen Ultraläufer mit dem größten Motor. Er hat das Potenzial und das Mindset, sehr viele Runden zu drehen. Michael, auch selbst als Organisator des Bienwald Backyards aktiv, liebt und lebt diesen Sport wie wenige andere. Er hat Backyard nach Deutschland geholt. Als Teil des deutschen Backyard-Nationalteams weiß er, worum es geht. Er kennt sie, die Tricks und Kniffe, mit denen man lange im Game bleiben kann. Fragt man ihn nach dem wichtigsten Handwerkszeug für viele Loops, versteht man, dass es nicht reicht, ein paar gute Laufschuhe mitzubringen. Es benötigt eine saubere Strategie, einen echten Leitfaden, der dich allen Hochs und Tiefs zum Trotz durch sämtliche Lebenslagen eines solchen Backyard Ultras
56 3/25
„Nur wer sich von dem Gedanken freimachen kann, mit einer klaren Zielsetzung an den Start zu gehen, der wird lange durchhalten können … und nur wer sich klarmacht, dass da kein klares Ende definiert ist, nur der- oder diejenige wird viele Runden schaffen.“
manövriert. Essen! Nicht zu viel und vor allem nicht zu wenig. Die richtige Nahrung und Getränke, um seinen Energiebedarf zu jeder Zeit gedeckt zu haben. Der Kopf! Das richtige Mindset und eine Portion Selbsthärte sind unerlässlich, um die psychische Achterbahn dieser 6,7-Kilometer-Runden immer und immer wieder auszuhalten.Mach dich frei von jeglichem Druck. Denke nicht an ein Ende, das vielleicht kommt, nimm dir ausreichend Urlaub und lass dich komplett darauf ein. Lass dich mit Körper und Geist darauf ein, dass du jetzt ohne den Gedanken an eine Ziellinie laufen wirst. Und: Nimm dir Unterstützung mit. Menschen, die dich kennen. Familie, Freunde … der Support ist das A und O. Aus diesem Grund ist Jana, Michaels Tochter, immer dabei. Sie spendet Trost, füllt die Speicher und wartet zu jeder vollen Stunde auf Michael. Seien wir doch mal ehrlich. So ein Backyard ist, so unlogisch er auch scheint, eine ziemlich logische Sache. Ein Laufkonzept, was aus vielerlei Gründen Sinn ergibt. Als Vorbereitung auf einen langen Wettkampf, um seine eigenen Grenzen auszureizen oder einfach Spaß mit Freunden zu haben. Wir raten allen an, mal bei solch einem Event mitzumachen.
Der Kopf! Das richtige Mindset und eine Portion Selbsthärte sind unerlässlich, um die psychische Achterbahn dieser 6,7-Kilometer-Runden immer und immer wieder auszuhalten.
Witiker Backyard Ultra Wer jetzt ungeheure Lust hat, die Sache mit den 6,7 Kilometern einmal ernst zu nehmen: w w w.backyardultra.ch
Carsten Drilling in ungewöhnlicher, aber wichtiger Position: Statt selbst laufen dirigiert er bei seinem Backyard Ultra in der Schweiz.
57 3/25
TIPPS Profis antworten
Hannes Namberger Platz 5 UTMB Sieger Lavaredo Ultratrail
Courtney Dauwalter
Elhousine Elazzaoui:
Siegerin WS 100 Hardrock UTMB
Gesamtsieger Golden Trail Worldseries 2024
Hannes, läufst du auch mal bewusst ohne eine Sportuhr und nur nach Gefühl und ganz ohne Aufzeichnung?
Elhousine, würdest du auch so viel trainieren, wenn du keine Wettkämpfe laufen würdest und was macht dir am Training am meisten Spaß?
Courtney, wie hat Ultrarunning, der ganze Profisport, dein Leben allgemein verändert? Hat dich das Laufen etwas gelehrt?
„Nein, ich sehe keinen Grund, meine Trainingseinheit – sei es auch nur eine kleine Bergtour mit der Kraxn – nicht aufzuzeichnen. Wenn die Frage eher darauf abzielt, wie oft ich während einer Einheit auf die Uhr schaue: Bei einer lockeren Bergtour mit der Familie schalte ich meine Uhr ein und am Ende wieder aus, ohne zwischendurch drauf zu schauen. Bei lockeren Einheiten versuche ich, meine Blicke auf die Uhr zu minimieren und mehr auf mein Körpergefühl zu hören. Manchmal sage ich mir bewusst: ‚Jetzt habe ich einen Puls von 140 Schlägen pro Minute‘ und überprüfe dies dann mit dem Wert auf der Uhr. Bei Intervallen hingegen schaue ich häufiger auf die Uhr, um in der richtigen Intensität zu laufen. Grundsätzlich zeichne ich aber alles auf, weil ich ganz klar ‚Junk Miles‘ vermeiden möchte und jede Einheit einen Sinn haben sollte. Dennoch höre ich immer mehr auf mein eigenes Körpergefühl. Da ich meine Uhr 24 Stunden am Tag am Arm trage, würde mir ohne sie auch etwas fehlen, wenn ich unterwegs bin.“
„Grundsätzlich trainiere ich nur, wenn ich auch Wettkämpfe laufe. Am Ende der Saison mache ich immer sehr konsequent eine absolute Laufpause über eine Dauer von fast drei Monaten. In dieser Zeit bin ich in meiner Heimat Marokko und lebe dort zurückgezogen in der Wüste. Ich laufe in dieser Zeit nicht, ich trainiere auch nicht. Dennoch bleibe ich immer in Bewegung, mache lange Wanderungen und klassische Spaziergänge. Wichtig für mich in der Phase des Jahres ist, dass ich wenig intensive Belastungen habe und mein Körper regeneriert und alle Erholung bekommt, die er sich verdient hat. Das Training selbst macht mir dann irgendwann wieder umso mehr Freude und ich kann es kaum erwarten, dass es losgeht. Training ist bei mir immer sehr eng an das Umfeld geknüpft in dem ich laufe. Training und die Natur gehören zusammen. Wenn ich in schönen Landschaften laufen darf, dann fällt mir jegliches hartes Training leicht und ist großer Genuß.“
Ich glaube, Ultrarunning erinnert mich immer wieder daran, dass wir zu viel mehr fähig sind, als wir denken, und dass die Messlatte, die wir uns selbst setzen, meist zwei Stufen zu niedrig ist. Wir sollten manchmal alle Vorsicht in den Wind schlagen und die Messlatte höher legen und uns dem widmen, was zu schwierig klingt. Wir dürfen ruhig mutiger sein! Ich denke, es erinnert mich auch daran, im Hier und Jetzt zu bleiben und jeden Moment so gut wie möglich zu nutzen und nicht immer an das große Ganze zu denken. Lass dich nicht von den Millionen anderen Momenten, die noch kommen, überwältigen, sondern sei im Hier und Jetzt und tu einfach, was du kannst, mit dem, was du gerade hast.
58 3/25
24.-27.
JULI
2025 GROSSGLOCKNER
ULTRA-TRAIL® 110 km | 6.500 hm
Einer der härtesten Ultra Trails. Rund um den Großglockner.
OSTTIROL
GROSSGLOCKNER
TRAIL 84 km | 5.000 hm
TRAIL 57 km | 3.500 hm
Durch die schönsten Teile der Glocknergruppe.
Der Klassiker entlang des Großglockners.
GLETSCHERWELT
TRAIL 35 km | 1.500 hm Eintrittstor in die Welt des GGUT.
MINI GGUT
1 km | 20 hm
3,1km | 120 hm Für die Trailheros von morgen.
w w w. u l t r a t r a i l . a t
PORTRÄT Friedei
FRIEDEI UND DIE Ein Mann liebt die Freiheit, die Berge, das Panorama und die Weite. Wie geht das mit einem Beruf zusammen, der vorsieht anderen das Freisein nehmen zu müssen? Text: Denis Wischniewski Friedei arbeitete einmal als Senner auf einer Alm und das muss damals, vor rund 20 Jahren, ein Leben in absoluter Freiheit gewesen sein. Er war dem Käse und der Milch verpflichtet, er hatte die Verantwortung gegenüber Kälbchen und den Kühen, aber ansonsten hört sich das nach viel innerem Frieden an. Tage, Nächte und Wochen da oben in einer Hütte inmitten des Nationalparks Berchtesgaden. Einfache Tage in der vielleicht schönsten Gegend Deutschlands. Heute läuft der 54-Jährige aus dem bayerischen Petting in den Bergen im Chiemgau und in der Winterzeit steht er, wie es sich für ein Kind der Berge gehört, auf Skiern. Es geht ihm nicht so sehr darum, bei Wettkämpfen dabei zu sein, etwas zu gewinnen oder eine Bestzeit aufzustellen. Friedei will fit sein, will wissen, wie viele Höhenmeter seine Sportuhr anzeigt, er will neue Routen entdecken und sich an persönliche Grenzen bringen. Es darf wehtun. Nein, es muss wehtun. Trailrunning darf bei Friedei ruhig anspruchsvoll sein. Erst dann ist es gut. Zum Laufen selbst kam
Freiheit er erst vor 12 Jahren. Es kam aus einer fast natürlichen Entwicklung heraus, denn Friedei bewegte sich am Berg einfach immer schneller. Aus Wandern, Klettern wurde mit zunehmendem Tempo und Fitness auch Trailrunning. Friedei, der Ehemann und Papa einer Tochter, kennt nicht die Superstars des Sports, er interessiert sich nicht sonderlich für die neuesten Trailschuhe – wenn Schuhe Grip haben, wenn sie ihm passen, wenn sie günstig sind, dann sind es gute Schuhe. Wie sie heißen, welche Form und Farbe sie haben. Egal. Wie er damals zu diesem Job kam, war keine große Geschichte. Er suchte einen zuverlässigen Beruf, etwas Solides, das ihn und die Familie ernährt. Und so wurde der gelernte Zimmerer ein Justizvollzugsbeamter. Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr, meist vorübergehend, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen dürfen. Ein Gericht entscheidet das. Friedei, mit echtem Namen Hans Wolfgruber, sorgt dafür, dass es umgesetzt wird. Wie das denn nun wäre, wenn ein Mensch wie wer, der als Outdoor-Sportler, so sehr die Freiheit liebt, andere tagtäglich sieht, die nur die Zelle, den Knast erleben? „Ich versuche, das nicht an mich heranzulassen. Ich sehe es als Job und den will ich gut machen. Da sind Leute, die schlimme Dinge getan haben. Dinge, die man sich nicht einmal vorstellen mag.“ Ob er diese Themen mit nach
60 3/25
Hause nimmt, will ich wissen. Ob er beim Laufen daran denkt? „Ja schon. Wenn es junge Leute sind, dann ist das schlimm. Dann macht man sich Gedanken. Es gibt aber auch echte Ganoven. Das sind Leute, die sehr kriminelle Energie haben und immer wieder und wieder einsitzen.“ In so manche Akten der Häftlinge hat er sich eingelesen. „Das kann manchmal tief an einem rütteln. Das sind Sachen, die es gibt, aber die kaum jemand mitbekommt. Da schreibt oder berichtet auch niemand darüber.“ Er selbst hätte sich schon auch immer wieder mal vorgestellt, wie es so wäre, würde er dort sitzen. Auf der anderen Seite. „In der U-Haft sind oft Menschen, bei denen man nicht weiß, ob sie schuldig sind oder nicht. Die sind nur ein paar Tage oder wenige Wochen hier. Da denke ich mir, wie das wohl ist, wenn man wirklich nichts getan hat und verurteilt, lange eingesperrt ist. Ich würde das nicht aushalten. Nicht eine einzige Woche.“ In diesem Jahr blickt Friedei in seine persönliche Freiheit, und diese führt ihn mit Freunden auf lange Touren. Und die Altersklassen-Wertung interessiert ihn. Beim Chiemgau Trailrun will er die Marathondistanz laufen, alles heraushauen und ganz weit vorne landen. Einfache Tage, die weh tun dürfen.
61 3/25 2/25
EVENTS Highlights 2025
ALLE AUGEN AUF ...
Text: Denis Wischniewski
Drei Wettkämpfe sind in diesem Sommer unter besonderer Beobachtung. Neben dem legendären WS100 in Kalifornien und dem UTMB Finale in Chamonix, rücken die offiziellen Weltmeisterschaften mehr und mehr in den Fokus. Wenn Profis eine Saison wie diese planen, dann wird es unter Umständen kompliziert. Die Weltbesten des Sports müssen 2025 gut überlegen, wo und wann sie ihre Bestform zeigen, denn die Weltmeisterschaften Ende September im spanischen Canfranc sind immer-
hin so eng am eigentlichen Highlight, dem UTMB in Chamonix, dass zumindest die langen Distanzen ein „Hier oder Dort“ erfordern. Wer also CCC oder UTMB läuft, wird einen Monat danach in Canfranc nicht im Nationaltrikot starten können. Es würde keinen Sinn
UTMB Finale Chamonix 29. August 2025
62 3/25
machen. Das erste „dicke Ding“ findet traditionell im Juni in den USA statt. Wir wollen zwar den wilden Skymarathon Zegama-Aizkorri nicht vergessen, aber der erste Fokus liegt in Kalifornien beim Western States 100 Endurance Run. Jüngst sicherten sich Kilian Jor-
net und Vincent Bouillard die begehrten Golden Tickets für die Teilnahme. So treffen sich am 28. Juni Jim Walmsley, Kilian, Vincent, Hayden Hawks, Adam Peterman, Caleb Olson oder Peter Roche zu einem nie da gewesenen Schlagabtausch. Bei den Damen treffen Fu-Zhao Xiang, Rosanna Buchauer, Caitlin Fielder, Emily Hawgood und Ida Nilsson aufeinander. Die Nachricht, dass Courtney Dauwalter zum UTMB zurückkehrt, ging wie ein Lauffeuer durch die Medienlandschaft. Die beste Ultratrailläuferin einer ganzen Generation wird sich den Streckenrekord vornehmen. Wer ihr gegenüberstehen wird, ob die amtierende UTMB-Siegerin Katie Schide läuft, ist noch nicht klar. Die deutsche Katharina Hartmuth, die 2023 Zweite wurde, hätte nach ihrem „Tor des Géants“Erfolg im letzten Jahr Gründe, um den Mont Blanc zu laufen. Wir würden es uns so sehr wünschen. Bei den Herren geht der beste Deutsche Hannes Namberger einen besonderen Weg: Er wird in den USA den Hardrock laufen und beim UTMB lediglich beim OCC zu sehen sein. Auf die WM verzichtet der Dynafit-Athlet gänzlich. Welche Herren denn nun den langen UTMB unter die Sohlen nehmen und wer genau bei den World Mountain Trailrunning Championships startet, ist aktuell noch reine Spekulation. Die jeweiligen Verbände starten in diesen Wochen ihre ersten Sichtungsrennen. Für uns ist das alles ohnehin eine Luxussituation: drei Rennen, die maximale Spannung versprechen.
Western States 100 Endurance Run 28. Juni 2025
Team USA bei der WM 2023 in Innsbruck.
World Mountain and Trailrunning Championships 26. bis 28. September 2025
TRAINING Basiswissen Teil 1/2 Text: Lars Schweizer
Beim Wort genommen Trailrunning-Training ist eine komplexe Sache, die ganzen Fachbegriffe sind es umso mehr. Unser Trainingsexperte Lars Schweizer redet deshalb Klartext und schaut einmal hinter die ganzen Fachbegriffe
64 3/25
K
Kennst du das? Du unterhältst dich mit anderen, erfahrenen oder zumindest engagierten Läufern, dein Trainer gibt dir eine neue Trainingseinheit mit auf den Weg oder du liest meinen Artikel übers Training – und plötzlich fliegen dir Begriffe wie „VO2max“, „Laktatschwelle“ oder „aerobe Kapazität“ nur so um die Ohren. Irgendwie weiß ja jeder, worum es dabei geht. Wenn man aber einmal genau nachfragt, hat dann doch jeder und jede eine andere Definition. Mir ist das selbst aufgefallen, als ich meine eigenen Artikel für das TRAIL-Magazin noch einmal zur Hand genommen habe: Als Trainer passiert es leicht, sich in Fachbegriffen zu verlieren, weil diese für mich einfach Alltag sind. Doch für viele von euch bleiben sie vage oder werden ganz unterschiedlich interpretiert. Höchste Zeit also, Klarheit zu schaffen! In diesem Artikel nehme ich die wichtigsten Begriffe rund um unser Training unter die Lupe. Was bedeuten sie wirklich, warum sind sie wichtig und wie kannst du sie für dein eigenes Training nutzen?
Durch gezieltes Schwellenlauf- und Intervalltraining lernt der Körper, Laktat effizienter abzubauen und länger unter hoher Intensität zu laufen
Das Alphabet des Trailrunning-Trainings Aerobe Energiegewinnung – Der nachhaltige Motor für lange Distanzen Die aerobe Energiegewinnung ist das Herzstück jeder langen Laufeinheit – egal ob entspannter Trailrun oder Ultramarathon. Sie beschreibt den Prozess, bei dem unser Körper mithilfe von Sauerstoff Energie aus Fetten und Kohlenhydraten gewinnt. Dabei wird in den Mitochondrien – den „Kraftwerken“ der Zellen – ATP, also Adenosintriphosphat, produziert, der Treibstoff für unsere Muskeln. Dieses System arbeitet extrem effizient und ermöglicht es uns, über Stunden hinweg Energie bereitzustellen, ohne dass die Beine schlappmachen. Besonders wichtig ist die aerobe Energiegewinnung bei niedrigen bis moderaten Intensitäten, also genau im Bereich des Grundlagentrainings. Durch gezieltes Training kann unser Körper zudem lernen, Fett als Energiequelle besser zu nutzen, wodurch wir länger durchhalten und die muskuläre Ermüdung hinauszögern. Wer seine Ausdauerleistung nachhaltig verbessern will, sollte daher regelmäßig im aeroben, also eher entspannten Bereich trainieren – es ist die Basis für jeden erfolgreichen Trailrunner! Anaerobe Energiegewinnung – Power, aber mit Begrenzer Die anaerobe Energiegewinnung ist das HochleistungsNotfallsystem des Körpers – es springt ein, wenn schnelle Energie gefragt ist, aber nicht genug Sauerstoff zur Verfügung steht. Vor allem bei intensiven Belastungen wie schnellen Bergantritten, steilen Anstiegen oder Zielsprints kommt dieser Prozess ins Spiel. Hier greift der Körper auf die anaerobe Glykolyse zurück: Kohlenhydrate werden ohne Sauerstoff in ATP, also Energie, umgewandelt. Das geht blitzschnell, doch der Haken ist die Entstehung von Laktat und freien Wasserstoffionen, die die Muskeln mit der Zeit ermüden lassen. Der sprichwörtliche Laktathusten setzt ein.Der entscheidende Punkt, an dem dieses Gleichgewicht kippt, ist die anaerobe Schwelle – die Belastungsintensität, bei der Laktat sich schneller im Blut ansammelt, als es abgebaut werden kann. Wer diesen Punkt überschreitet, kann nur noch für kurze Zeit Leistung bringen, bevor die Muskeln „zumachen“. Aber: Die anaerobe Schwelle ist trainierbar! Durch gezieltes Schwellenlaufund Intervalltraining lernt der Körper, Laktat effizienter abzubauen und länger unter hoher Intensität zu laufen. Wer seine anaerobe Schwelle nach oben verschiebt, kann also länger schnell bleiben – und das ist Gold wert, wenn es im Rennen darauf ankommt, in einer harten Passage durchzuziehen oder auf den letzten Metern alles zu geben! Laktat – Freund oder Feind deiner Muskeln? Kaum ein Begriff wird im Ausdauersport so missverstanden wie Laktat. Oft als „Abfallprodukt“ oder Ursache für Muskelbrennen verteufelt, spielt es in Wahrheit eine entscheidende Rolle in unserer Energieversorgung. Laktat entsteht, wenn unser Körper Energie durch die anaerobe
65 3/25
TRAINING Basiswissen Teil 1/2 Glykolyse gewinnt – also dann, wenn Kohlenhydrate ohne Sauerstoff verstoffwechselt werden. Das passiert besonders bei hoher Belastung, etwa bei schnellen Bergsprints oder knackigen Uphills. Dabei wird Glukose in Pyruvat umgewandelt, das unter Sauerstoffmangel zu Laktat (Milchsäure in ihrer Salzform) weiterverarbeitet wird. Anders als oft behauptet, ist Laktat kein Feind! Es dient als schnell verfügbarer Energielieferant und kann in Muskeln, Herz und Leber weiterverwertet werden. Problematisch wird es erst, wenn der Körper nicht mehr hinterherkommt, das Laktat schnell genug abzubauen – dann steigt die Konzentration im Blut, die Muskeln übersäuern und es wird immer schwerer, das Tempo zu halten. Laktatschwelle – Das Limit zwischen Power und Übersäuerung Die Laktatschwelle, oft mit der anaeroben Schwelle gleichgesetzt, ist einer der wichtigsten Marker für die Ausdauerleistung. Sie beschreibt den Punkt, an dem der Körper beginnt, mehr Laktat
zu produzieren, als er abbauen kann. Bis zu dieser Schwelle ist der Körper in der Lage, Laktat kontinuierlich zu verstoffwechseln – überschreitet man sie, steigt die Laktatkonzentration im Blut exponentiell an und die Muskeln beginnen zu ermüden. Das äußert sich in einem brennenden Gefühl und dem allmählichen Leistungsabfall, weil der pH-Wert im Muskel sinkt und die Energieproduktion gestört wird. Laktattoleranz – Wie lange hältst du das Brennen in den Beinen aus? Wenn du bei einem harten Anstieg oder einem schnellen Downhill das Gefühl hast, dass deine Beine gleich explodieren, dann ist Laktat im Spiel. Genauer gesagt: Deine Laktattoleranz entscheidet, wie lange du eine hohe Belastung durchhältst, bevor deine Muskeln „zumachen“. Aber was passiert da eigentlich? Während intensiver Belastung wird Energie durch die anaerobe Glykolyse bereitgestellt – ein Prozess, bei dem Laktat als Nebenprodukt entsteht. Solange dein
Versuche, Junkmiles zu vermeiden. Einfach nur eine Stunde laufen, weil es sich gerade vom Zeitslot her anbietet, klingt zwar immer verlockend, bleibt aber bei knappem Zeitbudget vor allem eine verschwendete Möglichkeit für qualitatives Training.
Körper das Laktat schnell genug abbauen kann, läuft alles rund. Doch wenn du über deine Laktatschwelle hinausgehst, sammelt sich immer mehr Laktat an, die pH-Werte in den Muskeln sinken und du spürst das berüchtigte Brennen. Die Muskelfunktion wird zunehmend gehemmt – und irgendwann geht nichts mehr. VO2max – Wie viel Sauerstoff verarbeitet mein System Die VO2max ist einer der wichtigsten Parameter, wenn es um deine aerobe Leistungsfähigkeit geht. Sie beschreibt die maximale Sauerstoffaufnahme, also die Menge an Sauerstoff, die dein Körper unter Belastung pro Minute aufnehmen und verwerten kann. Je höher dieser Wert, desto effizienter können deine Muskeln mit Sauerstoff arbeiten – und desto mehr Power hast du für lange Anstiege oder schnelle Trails. Physiologisch betrachtet hängt die VO2max von mehreren Faktoren ab: vom Lungenvolumen und von der Sauerstoffaufnahme in den Alveolen, den Lungenbläschen. Die Transportkapazität des Blutes durch Hämoglobin, Herzminutenvolumen sowie die Sauerstoffverwertung in den Mitochondrien – also den Kraftwerken deiner Zellen. Klingt komplex, oder? Einfach gesagt: Eine hohe VO2max bedeutet, dass dein Körper mehr Sauerstoff zur Energiegewinnung nutzen kann, was gerade bei langen und intensiven Belastungen von Vorteil ist. Kilian Jornet, aber da wärt ihr jetzt selbst draufgekommen, hat eine beeindruckend hohe VO2max von 92 ml/ min/kg, aber das sei nur am Rande erwähnt.
Das Alphabet der Trainingssteuerung Periodisierung – Stetiges Auf und Ab im Training Einfach drauflos trainieren und hoffen, dass die Form schon kommt? Keine gute Idee! Wer seine Leistung gezielt steigern will, braucht eine kluge Periodisierung – die systematische Steuerung von Trainingsreizen über Wochen und Mona-
66 3/25
te. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass sich der Körper nicht linear verbessert, sondern durch die sogenannte Superkompensation auf Belastungen reagiert. Die Trainingswissenschaft teilt das Ganze in verschiedene Zyklen ein: Makrozyklen für die langfristige Entwicklung über Monate, Mesozyklen für spezifische Phasen wie Grundlagen- oder Wettkampfvorbereitung und Mikrozyklen, die das Training innerhalb einer Woche steuern. Dabei wechseln sich Belastungs- und Erholungsphasen gezielt ab, um Fortschritte zu maximieren und Überlastung zu vermeiden. Die richtige Periodisierung sorgt dafür, dass du zur richtigen Zeit in Topform bist – ob für deinen nächsten Ultratrail oder den schnellen 10er auf dem Trail. Polarisiertes Training – Die richtige Mischung finden Viele Trailrunner machen intuitiv den Fehler, ihr Training immer im mittleren Intensitätsbereich zu absolvieren – nicht wirklich locker, aber auch nicht richtig hart. Genau hier setzt das polarisierte Training an: eine Methode, die darauf basiert, den Großteil der Einheiten bewusst sehr locker und einen kleinen Teil sehr intensiv zu gestalten. Studien zeigen, dass ein Verhältnis von etwa 80 % niedrigintensiven (LIT) und 20 % hochintensiven (HIT) Einheiten die besten Anpassungen bringt. Bei höherem Trainingsumfang, z. B. vor Ultratrails, kann das Verhältnis sogar 90 zu 10 sein. In den lockeren Einheiten bleibt der Puls deutlich unter der aeroben Schwelle, wodurch die Fettverbrennung und die Kapillarisierung der Muskulatur verbessert werden. Die kurzen, intensiven Einheiten hingegen fordern das VO2max-System und verschieben die anaerobe Schwelle nach oben. Das Mittelding dazwischen, also das berüchtigte „graue Trainingsgebiet“, wird weitgehend vermieden. Wer polarisiert trainiert, kann langfristig höhere Umfänge absolvieren, bleibt verletzungsfrei und wird gleichzeitig schneller – die perfekte Strategie für lange Rennen mit harten Trailpassagen! Tapering – Frisch an der Startlinie stehen Die harte Arbeit ist getan, die letzten langen Läufe sind absolviert – jetzt bloß nicht den Fehler machen, bis zum Wettkampf weiter nach Lust und Laune zu rennen. Genau hier kommt Tapering ins Spiel, die gezielte Reduzierung von Trainingsumfang und -intensität vor einem Rennen. Ziel ist es, die muskuläre Erholung zu maximieren, die Glykogenspeicher aufzufüllen und das zentrale Nervensystem zu entlasten, ohne dabei an Form zu verlieren. Studien zeigen, dass eine gut geplante Tapering-Phase die VO2max, die neuromuskuläre Effizienz und die Laktattoleranz sogar verbessern kann. Wichtig ist, die Umfänge schrittweise um 30–50 % zu reduzieren, dabei aber kurze, intensive Reize beizubehalten, um das Aktivierungsniveau hochzuhalten. Zu wenig macht müde Beine, zu viel bringt unnötige Ermüdung – die richtige Balance ist entscheidend. Wer das Tapering klug steuert, kommt nicht nur erholt, sondern auch mit maximaler Spritzigkeit an den Start. Katie Schide, um ein Beispiel zu nennen, hat in den Wochen vor ihrem UTMB-Sieg im vergangenen
August kaum eine Einheit gemacht, die länger als eine Stunde war, und damit die Form von ihrem Western-StatesSieg konserviert. CTL? – Wie viel machst du wirklich Trainierst du nach Gefühl oder misst du deine Fortschritte? Wenn du deine Ausdauer gezielt steuern willst, kommst du an diesen drei Buchstaben kaum vorbei: CTL (Chronic Training Load). Diese Kennzahl beschreibt deine langfristige Trainingsbelastung – also, wie viel und wie intensiv du über einen längeren Zeitraum trainierst. Berechnet wird der CTL aus den, noch so ein verflixtes Kürzel, TSS-Werten (Training Stress Score) der letzten Wochen. Ein hoher CTLWert bedeutet, dass du viele intensive oder lange Einheiten absolviert hast. Aber Vorsicht: Ein plötzlicher Anstieg kann auch auf Überlastung hinweisen. Die Kunst liegt darin, den CTL kontinuierlich und kontrolliert zu steigern, ohne ins Übertraining zu rutschen. Besonders in der Wettkampfvorbereitung ist der richtige Mix aus Belastung und Erholung entscheidend. Ein solider CTL sorgt für eine stabile Ausdauerbasis – und gibt dir das gute Gefühl, dass du mit genügend Substanz am Start stehst.
TRAINING Basiswissen Teil 1/2
Gleichzeitig kannst du kontrollieren, ob du verglichen mit Perioden in der Vergangenheit mehr oder weniger gemacht hast. Superkompensation – Dein Körper wird stärker Jedes Training setzt einen Reiz, doch stärker wird man nicht während der Einheit, sondern in der Erholungsphase danach. Genau hier greift das Prinzip der Superkompensation: Dein Körper reagiert auf eine Belastung nicht nur, indem er sich auf das Ausgangsniveau erholt, sondern er passt sich so an, dass er beim nächsten Mal besser auf die gleiche Herausforderung vorbereitet ist. Das gilt für deine Muskulatur, Energiebereitstellung und das Herz-Kreislauf-System. Nach einem intensiven Lauf sind deine Energiespeicher entleert und deine Muskeln müde – du bist vorübergehend „schwächer“. In der darauffolgenden Regenerationsphase werden nicht nur Glykogenspeicher aufgefüllt und Muskelfasern repariert, sondern dein Körper legt eine Schippe drauf: Er verstärkt Strukturen, verbessert die Sauerstoffaufnahme und erhöht deine Belastungstoleranz. Der optimale Zeitpunkt für die nächste harte Einheit ist dann, wenn die Superkompensation ihren Höhepunkt erreicht – trainierst du zu früh, riskierst du Ermüdung, wartest du zu lange, verpufft der Effekt. Genau deshalb ist eine kluge Periodisierung so wichtig: Belastung und Erholung müssen gezielt gesteuert werden, um kontinuierlich besser zu werden, ohne ins Übertraining zu geraten. Wer das Prinzip der Superkompensation versteht und umsetzt, legt Schritt für Schritt die Basis für mehr Leistungsfähigkeit auf dem Trail. Double-Threshold-Training – Doppelt hält besser? Wer schneller werden will, muss an seiner Laktatschwelle arbeiten – und genau hier setzt das Double-Threshold-Training an. Diese Methode, bekannt aus dem skandinavischen Langstreckenlauf, basiert darauf, an einem Tag zwei Einheiten im Bereich der anaeroben Schwelle (Laktatschwelle) zu absolvieren, um den Körper gezielt an eine höhere Laktattoleranz und bessere Energiebereitstellung anzupassen. Die Idee dahinter: Statt eine sehr harte Einheit zu laufen, werden zwei moderat intensive Schwellenläufe mit ausreichend Pause dazwischen kombiniert, sodass die Qualität hoch bleibt, aber die Belastung summiert wird.
68 3/25
Die Idee dahinter: Statt eine sehr harte Einheit zu laufen, werden zwei moderat intensive Schwellenläufe mit ausreichend Pause dazwischen kombiniert, sodass die Qualität hoch bleibt, aber die Belastung summiert wird.
INTENSITY
Physiologisch gesehen verbessert dieses Training die Kapazität der Mitochondrien, also der Kraftwerke deiner Zellen, die für die Energieproduktion aus Sauerstoff verantwortlich sind. Gleichzeitig lernt dein Körper, Laktat effizienter zu verstoffwechseln, sodass du länger im intensiven Bereich laufen kannst, ohne dass die Muskeln übersäuern. Typischerweise werden am Vormittag und Nachmittag Intervalle knapp unter oder an der anaeroben Schwelle gelaufen – für Trailrunner bedeutet das, sich an langen Anstiegen oder schnellen, welligen Strecken an das Wettkampftempo heranzutasten. Double-Threshold-Training ist jedoch kein System für jeden Läufer – die Belastung ist hoch, weshalb es nur von merklich trainierten Läufern und Läuferinnen und am besten mit Anleitung eingesetzt werden sollte. Die Gefahr, beide Einheiten zu intensiv zu laufen und somit den Körper zu überlasten, ist hoch. Wer es jedoch richtig dosiert, kann seine Schwellenleistung deutlich nach oben verschieben und länger schnell auf dem Trail unterwegs sein!
Fazit – So könnte es laufen … So, das war also unser kleines Alphabet einiger der wichtigsten Begriffe im Trailrunning-Training. Aber keine Sorge, das Trailrunning-Wörterbuch ist noch lange nicht vollständig! Im nächsten Teil schauen wir uns weitere spannende Begriffe rund um das Training an. Heat Training, HRV, Ruhepuls … Bis dahin kannst du ja schon mal anfangen, die Vokabeln zu lernen – wer weiß, vielleicht wirst du beim nächsten Longrun auf dem Trail ja abgefragt. Und wenn nicht, dann hilft es euch, besser zu verstehen, was euer Körper macht (und was vielleicht gerade nicht). Zwar gilt auch und gerade auf den Trails: Auf Worte müssen Taten folgen. Wissen, also Trainingswissen, hilft dabei aber sehr.
AUGMENTED VISION,
INTENSELY
LIGHT
OPTIMALE LUFTZIRKULATION GEGEN BESCHLAGEN
LEICHTGEWICHTIGES DESIGN PERFEKTE PASSFORM UND SICHERER HALT
#MOREWAYSTORIDE
INTENSITY Die neue Produktreihe wurde speziell für die hohen Standards des modernen Trailrunnings und Radsports entwickelt. Diese mit unserem selbsttönenden REACTIV-Glas, SPECTRON-Glas und dem neuen SPECTRON HD 3 Glas angebotene federleichte Brille garantiert einen ultra-sicheren Sitz und ist der perfekte Partner, um bei jedem Einsatz und bei allen Anforderungen Top-Geschwindigkeiten zu erreichen.
WISSEN Pro Trail Runners Association Text: Elise Poncet
Trailrunning stand nie still. Das liegt quasi in der Natur dieser Bewegungssportart. In den vergangenen fünf Jahren aber hat sich der Sport rasant weiterentwickelt. So gab es die berechtigte Sorge, Trailrunning könnte seine spezifische Geisteshaltung, sein Mindset verlieren: Trailrunner:innen kämpfen nicht gegen andere, wir kämpfen immer gegen uns selbst. Wir nutzen andere, um über uns hinauszuwachsen, im Geiste gegenseitigen Fairplays. Trailrunning ist weder national noch international strukturiert und unterliegt keinem Verband, zumindest gibt es in keinem Land Verbände, die das Geschehen auf dem Trail hegemonial bestimmen. Letztendlich dominieren private und privatwirtschaftliche Akteure wie Veranstalter und Sportartikelhersteller die Regeln unseres Sports. Vom Vertical K bis zur Ultradistanz lässt sich Trailrunning zudem nicht auf eine Disziplin, auf eine Herausforderung reduzieren. Es ist eine der wenigen Sportarten, bei denen es schwierig ist, den Besten und die Beste zu bestimmen, da es weltweit so viele verschiedene Rennformate und auch Rennphilosophien gibt. In Frankreich beispielsweise, dem Land mit den meisten Veranstaltungen, finden jährlich beinahe 4000 Wettbewerbe statt. Der UTMB mit seinen unterschiedlichen Distanzen und den Satellitenläufen der UTMB World Series, die Golden Trail Series, Welt- und Europameisterschaften, der World Mountain Running Cup, die Skyrunning Series, Läufe unter dem Spartan-Label … Wie lässt sich das verstehen?
Profis nicht um jeden Preis Diese Entwicklung hängt offensichtlich eng mit den enormen Investitionen privater Akteure zusammen, die zu einer Professionalisierung des Trailrunnings mit all seinen positiven wie negativen Begleiterscheinungen führen. Um eine ähnliche Entwicklung wie beim Mountainbiken und Skibergsteigen zu verhindern, haben sich einige Athlet:innen entschlossen, aktiv zu werden und eine eigene Interessensvertretung ins Leben zu rufen. Denn auch wenn dieser Trend für ambitionierte Läufer:innen eine Chance zur Professionalisierung darstellt – so sollte dies nicht um jeden Preis geschehen. Wenn man etwas liebt, kämpft man für seine Überzeugungen. Genau diesen Kampf haben Francesco Puppi, Pascal Egli und Kilian Jornet gewählt, als sie 2022 den Verein PTRA, die Pro Trailrunnrers Association, gegründet haben, verbunden mit einem Aufruf, eine Kommerzialisierung des Sports kritisch zu begleiten. „In einer Gemeinschaft wie der PTRA ist es möglich, etwas zu bewegen und für unsere Rechte zu kämpfen“, sagt Francesco Puppi. „Uns geht es darum, die Identität unseres Sports zu bewahren und ihm eine gewisse Struktur zu geben. Wir sind nicht gegen eine Weiterentwicklung, aber wir wollen, dass für alle Beteiligten im Trailrunning weiterhin faire Bedingungen gelten.“ Es stimmt schon, Trailrunning ist ein wachsendes Geschäft. Der Kuchen wird größer und jeder will ein Stück davon. Das verschärft Ungerechtigkeiten, Diskrepanzen – und manchmal auch Diskriminierung. Noch einmal Francesco Puppi: „Die Mission der Pro Trail Runners Association ist es, Athlet:innen dabei zu unterstützen, Gehör zu finden und die Zukunft des Trailrunnings und seines ökonomischen wie gesellschaftlichen Umfelds mitzugestalten. Wir wollen außerdem die körperliche und geistige Gesundheit der Athlet:innen sowie die Fairness und Nachhaltigkeit von Wettkämpfen schützen. Wir wollen die Rechte der Athlet:innen schützen, insbesondere in Situationen, die Verträge, Verletzungen, die Gesundheit und die Medienarbeit betreffen.“ Der Verband hat inzwischen bereits gut 260 Mitglieder. Ein Indiz dafür, dass auch die Weltspitze der Trailläufer:innen erkennt, dass man in der Breite mehr erreichen kann. Die Organisation der PTRA Ziel des Verbandes ist es, dank einer dynamischen Struktur, bestehend aus einer jährlichen Mitgliederversammlung und einem Vorstand, so effizient wie möglich zu arbeiten. Zum Vorstand gehört auch der Generalsekretär Albert Jorquera, der in ständigem Kontakt mit den Athlet:innen steht. Alle Entscheidungen und Initiativen der PTRA werden durch ein Mitgliedervotum entschieden. Der Vorstand entwickelt entsprechende Strategien und richtet anschließend Arbeitsgruppen ein, um konkrete Maßnahmen umzusetzen. Aktuell gibt es dabei folgende Arbeitsgruppen: Umwelt , Wettkämpfe , Anti-Doping , Gleichstellung Der Verband organisiert außerdem Webinare mit Fachreferent:innen zu den einzelnen Themen. Ein kürzlich abgehaltenes Webi-
70 3/25
„Mit der Stärke einer Gruppe war es möglich, etwas zu bewegen und für unsere Rechte zu kämpfen!“ Francesco Puppi
nar zu umweltpolitischen Fragen wurde von Hillary Gerardi organisiert und von Christelle Bakhache, Leiterin der Abteilung „Sport und Natur“ bei ASTERS, einem Naturschutzgebiet im französischen Département Haute Savoie, moderiert. Dort liegt auch Chamonix und damit große Teile der UTMB-Strecke. Christelle Bakhache arbeitet eng mit den Organisationen UTMB und MontBlanc-Marathon zusammen, um die Strecken zu entwickeln und Konzepte für eine für die Flora und Fauna der Region weniger immersive Veranstaltung auszuhandeln. Seit der Gründung der PTRA wurden bereits konkrete Maßnahmen umgesetzt. Francesco Puppi erklärt: „Wir sind stolz darauf, in den vergangenen zwei Jahren wirklich konkrete Maßnahmen umgesetzt zu haben. Vor allem fühlen wir uns von den verschiedenen beteiligten Akteuren zunehmend gehört und ernst genommen. So haben wir beispielsweise mit dem UTMB zusammen-
71 2/25
gearbeitet, um das Quartz-Programm, eine private Gesundheitsagentur, durch die WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) zu ersetzen. Die WADA ist die Anti-Doping-Institution für alle etwa im Internationalen Leichtathletikverband vertretenen Sportarten.“ Der Kampf gegen das Doping, er wird von der PTRA offensichtlich entschlossener geführt als von manch einem Rennveranstalter. Die Natur des Trailrunnings Die Gruppe Umwelt arbeitete mehr als ein Jahr lang an der Entwicklung eines Dokuments mit dem programmatischen Titel „Umweltethische Grenzen für Trailrunning-Wettbewerbe“. Dabei, so Puppi, sei es nicht das Ziel, das Wachstum des Sports zu verhindern, sondern umgekehrt auch die nun größere Aufmerksamkeit für den Sport für positive Entwicklungen zu nutzen. Etwa das Zugeständnis von Veranstaltern, die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu unterstützen. Auch die kürzlich von einem Kollektiv von Läuferinnen in den USA ins Leben gerufene Kampagne „Here for the womens race“ zielt darauf ab, den hegemonialen und eben oft männlichen Blick auf Trailrunning infrage zu stellen. Durch den Verkauf von T-Shirts mit dem gleichnamigen Logo werden Spenden gesammelt, um inspirierende Geschichten von Sportlerinnen – so unterschiedlich sie auch sein mögen – bekannt zu machen. Alle Athlet:innen des gemeinnützigen Vereins PTRA arbeiten ehrenamtlich. „Um diesen Kampf weiterführen und weitere Aktionen organisieren zu können, brauchen wir eine bessere finanzielle Situation und mehr Stabilität, um Zeit dafür aufbringen zu können“, gesteht Francesco Puppi, der derzeit seine eigene Trainings- und Regenerationszeit reduziert, um sich der Pro Trailrunners Association zu widmen. Neben vereinzelten Spenden und dem noch ausbaufähigen Engagement von Veranstaltern oder Sportartikelherstellern für die PTRA braucht es also – noch mehr Mitglieder. Wer nun den Wunsch verspürt, eine positive, gemeinschaftliche Zukunft unseres Sports auch diesseits der Podiumsplätze mitzugestalten, kann sich auf der Webseite der PTRA umsehen: www.trailrunners.run
WAS TIPPS Was wäre wenn
wÄRE
E N N
Im Laufsport kann es auch gründlich daneben gehen. Wenn alle guten Vorsätze, die akribischen Pläne platzen, wenn sozusagen das Worst Case Szenario eintritt, kann man dennoch vorbereitet sein und mit ein paar Tricks und Werkzeugen, die kleinen Katastrophen zumindest abfedern. Wir haben 3 Fälle gefunden, die uns allen schon einmal widerfahren sind.
Text: Tom Stetter, Denis Wischniewski
72 3/25
Worst Case 1 Gibt es doch nicht. Am Abend vor dem Rennen kitzelt die Nase, kratzt der Hals. Jetzt? Werde ich krank? So kurz vor meinem Jahreshighlight. Soll ich mich an den Start stellen, es ignorieren?
Was wäre, wenn … … dein großes Jahreshighlight kurz bevorsteht und dich ein Virus lahmlegt. Du bist top vorbereitet und alle Zeichen stehen auf Go! Zwölf Monate harte Arbeit, eine strukturierte Trainingssteuerung und unzählige Liter Blut, Schweiß und Tränen … und dann das! Ein paar Tage vor deinem Megaevent, auf das du so lange hingefiebert hast, fängt es an. Tief in dir weißt du genau, dass es das war. Die Augen drücken, deine Schläfen fühlen sich angespannt an und auch die Energie ist plötzlich nicht mehr da. Dein Ruhepuls ist ungewöhnlich hoch, was zum einen mit deinem Infekt zusammenhängt, aber zum anderen der Gewissheit geschuldet ist, jetzt raus zu sein. Der Ärger darüber sitzt tief. Aus, Schluss und vorbei! Und das, bevor du überhaupt einen Schritt auf die Trails gesetzt hast. Klingt im ersten Moment eher unwahrscheinlich. Vielleicht oder viel mehr „Gott sei Dank“ ist es auch die Ausnahme, durch eine Krankheit außer Gefecht gesetzt zu werden. Trotzdem ist es ein
realistisches Szenario, das du unbedingt durchspielen solltest. Der Worst Case tut nämlich am meisten weh. Umso wichtiger ist es, sich einmal mit ihm auseinandergesetzt zu haben und sich mal reinzufühlen. Also, was tun? Die Antwort ist so einfach und doch ist sie so schwer umzusetzen. Resilienz! Vielleicht hört sich das im ersten Moment etwas nach Hokuspokus an. Mag sein, aber Resilienz ist ein sehr mächtiges Werkzeug, um dir und deinem mentalen Fundament die nötige Stabilität und Stärke zu verpassen. Eine Art letzter Feinschliff, wenn man so will. Wir Trailrunner und Trailrunnerinnen sind ja mentale Berg-und-Tal-Fahrten gewohnt und können einiges aushalten. Die Fähigkeit, etwas Unumgängliches zu akzeptieren und uns darin zu üben, diesen Zustand so anzunehmen, wie er ist, diese Challenge hat allerdings das Potenzial, ein Mindset zu zerbrechen. Daher lautet der Appell an uns alle: „Lasst uns mehr akzeptieren!“ Wie könnte nun ein konkreter Lösungsansatz aussehen? Ein Teil der Lösung steckt in der Antwort auf die Frage: „Was wäre wenn?“ Was wäre denn, wenn du zwei Tage vor deinem Start krank wirst. Ja, schon klar, du wirst dann nicht rennen können. Keine Startnummer, keine Goodie-Bag und kein Startschuss … und weiter? Wem oder was trauerst du jetzt eigentlich nach? Dem Finish, dem Erlebnis oder der ganzen Zeit, die du in deine Vor-
73 3/25
bereitung gesteckt hast? Ich kann dir sagen! Letzteres ist nie umsonst. Kein Trainingskilometer, keine Radeinheit und schon gar keine Minute im Gym sind umsonst! Im Gegenteil. Wenn du all deine Trainings auf das reduzierst, was sie sind, nämlich Zeit für dich mit Sport und Bewegung, wirst du erkennen, dass es genau sie sind, die den Löwenanteil deines Rennens ausmachen. Die monatelange Trainingsphase ist weit mehr Lebenszeit, die du in dein Trailrunningleben investiert hast, als die paar Stunden Wettkampf, die du nicht erleben wirst. Das tägliche Sporttreiben, die Begeisterung für die Trailcommunity und das Commitment zu deinem Sport … das ist die Essenz, aus der alles gebraut wird. Ein Erlebnis wirst du nicht verpassen. Du kannst dir jederzeit deine eigenen Erlebnisse schaffen. Das Gefühl vom Finish? Okay, das ist ein schmerzlicher Verlust. Ich möchte dir aber sagen: Der nächste Wettkampf kommt bestimmt!
TIPPS Was wäre wenn Worst Case 2 Du kannst dein Wettkampf planen. Akribisch. Bis ins Detail und bis zur letzten Sekunde an der Startlinie, aber eine 100%-Garantie, daß das Rennen stattfindet, gibt es nie ...
Was wäre, wenn … … sich der Himmel über dir auftut und alle Felle davonschwimmen? Ein Zustand wie aus einem schlechten Katastrophenfilm und doch absolute Realität. Wenn Mutter Natur ihre Muskeln spielen lässt, wird es zumeist sehr ungemütlich. Die letzten Jahre haben bewiesen, dass wir von ihr keinerlei Planungssicherheit zu erwarten haben. Allein in der Saison 2024 mussten unzählige Rennen aufgrund von Unwetter geändert, verschoben oder in Gänze abgesagt werden. Hat es auch dich getroffen? Nein? Was wäre denn, wenn es dich und dein Rennen trifft? Hinter jeder Rennplanung steckt ein teils gewaltiger logistischer und wirtschaftlicher Aufwand. Urlaube müssen beantragt und der Startplatz muss gebucht werden. Hotelpreise vergleichen, durchrechnen, ob man mit dem Auto, Zug oder Flugzeug reist – für sehr viele Menschen ist so eine vermeintlich simple Planung ein echter Kraftakt. Nachdem nun alles eingetütet und fixiert ist, kannst du mit dem Eigentli-
chen starten … dem Training! So ziehen die Wochen und Monate ins Land und der Kalender sagt: Noch eine Woche bis zu deinem Event. Mit dir reisen deine Frau und die Kinder. Alle freuen sich. In den Nachrichten erfährst du, dass es in der Gegend, in der du in ein paar Tagen laufen möchtest, heftige Regenfälle gibt. Murenabgänge, unterspülte Brücken und ein völlig zerstörtes Wanderwegenetz. Ein Wanderwegenetz, an dem sich gern die Routenplaner sämtlicher Trailevents bedienen. Wie auch bei deinem Event. So erhältst du also noch am gleichen Abend eine E-Mail: „Cold weather kid aktiv“, die Startzeit verschoben und eine Streckenkürzung, die der Originalroute nicht mal im Entferntesten gleicht. Die Wetterlage soll sich auch in den kommenden Tagen nicht beruhigen. Den Veranstaltern bleibt folglich keine andere Wahl, als das Event abzusagen. So eine folgenschwere Entscheidung wird nur in dieser Härte getroffen, wenn akute Gefahr für die Gesundheit aller Beteiligten besteht. Manchmal ist es auch allein aus Gründen der Pietät und aus Respekt den Betroffenen gegenüber nötig. Nun ist es in Stein gemeißelt. Kein Rennen! Der Wettergott hat ernst gemacht. Er hat es so richtig knallen lassen. Wenn man von der daraus resultierenden Gefühlslage ausgeht, könnte es schlimmer nicht sein. Weißt du was? Für dich und deine Familie kann es auch gerade nicht schlimmer sein. Möchtest du noch was
74 3/25
wissen? Das ist völlig okay! Du darfst dich von dem Gedanken frei machen, deinen Frust oder deine Trauer mit der von anderen zu vergleichen. Traurigkeit ist kein Weitpisswettbewerb. Jeder jammert für sich in seiner ganz eigenen Qualität. Wie aber nun umgehen mit diesem unerträglichen Istzustand? Genau jetzt, in diesem Moment, hoffe ich für dich, dass du, sofern es sie gab, eine Startplatzversicherung abgeschlossen hast. Hast du nicht? Dann kommt hier mein wichtigster Rat: Schließe eine Startplatzversicherung ab! Gleiches gilt für Reise- und Hotelkosten. Ein finanzielles Debakel ist sehr leicht zu vermeiden. Der Rest obliegt deiner ureigenen Kreativität. So erzähle ich dir einen kurzen Ausschnitt aus meinem Leben: Ein Rennen wurde abgesagt. Der Grund war laut Veranstalter bürokratischer Natur. Klar habe ich mich geärgert. Ich bekam mein Geld zurück und doch stand ich mit leeren Händen da … gefühlt zumindest. Ich entschloss mich kurzerhand, die Zeit zu nutzen, um in ein benachbartes Tal zu reisen. Ich genoss dort eine unvergessliche Zeit ohne Medaille und Startnummer. Dieses Rennen? Das gibt es nicht mehr. Das Tal ist heute noch da und immer eine Reise wert. Also … pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann ab …
Worst Case 3 Du hast dieses Trail-Wochenende mit den Jungs im Allgäu seit Monaten ausgemacht. Es ist das absolute Saison-Highlight und nun kam dieser Auftrag rein und fesselt dich an den Bürostuhl.
brot auf der Alpe. Gute Laune und viele Emojis, die in ihrer Aneinanderreihung bedeuten sollen, dass du schmerzlich und ehrlich vermisst wirst.
Was wäre, wenn ... ... deine Kumpels bei bestem Juni-Wetter am Grünten laufen, die Trails des Allgäus abfeiern und du währenddessen im Büro sitzt und eine Präsentation für Montagnachmittag vorbereitest? Man kann es sich nicht ausdenken: Dieses Wochenende war seit Monaten geplant und alle, wirklich alle der Laufgruppe, die sich vor ungefähr sieben Jahren seit einer denkwürdigen Rennsteiglauf-Party gefunden hatten, sind dabei. Wieso haben sich mal wieder alle anderen so gut organisiert und nur du nicht? Das liegt natürlich auch daran, dass du sehr wichtig in deinem Job bist. Teamleitung. Du kannst nicht einfach den Rechner runterfahren und loslaufen. Bei den anderen mag das ja so sein. Eigentlich ist es nicht in Ordnung und du weißt das auch. Du hättest es hinbekommen, aber nun hängst du da im elften Stock fest und die Kantine hat geschlossen. Per WhatsApp kommen im 30-Minuten-Takt Bilder. Von Peter, von Rüdi und von Samuel. Am Gipfelkreuz, mit Käse-
Nun gut, wenigstens sind sie nicht stinksauer und scheinen dir die Unpässlichkeit bereits verziehen zu haben. Immerhin etwas. Man könnte nun lange darüber sprechen, wie du in Zukunft bei diesen Wochenenden wieder dabei bist und nicht arbeiten „musst“, aber in diesem dritten Worst-Case-Fall geht es um etwas anderes, weil es letztlich immer eine Sache der Prioritäten ist. Sei dir in einem sicher – deine lieben Kollegen, die die auf dem Grünten standen und nicht im Büro festhingen, hätten ebenfalls Gründe gehabt, woanders zu sein. Vielleicht mit den Kindern bei einem wichtigen Fußballspiel, mit der Frau auf einem Geburtstag oder einer Konfirmationsfeier. Vielleicht ist da auch jemand dabei, der längst die Steuererklärung hätte abgeben müssen und mit einem Fuß bereits im Gefängnis steckt. Wer weiß. Sie waren dabei und du nicht. Ach so. Wie bekommt man denn nun diese Work-Life-Balance hin? „Life“ ersetzen wir in diesem Falle mit „Trailrunning“. Du musst es wollen und wenn du es eben nicht so sehr möchtest wie die anderen deiner Laufgruppe, dann darfst du das auch so sagen. Bitte im Vorfeld und nicht per WhatsApp, wenn das Weekend in vollem Gange ist.
75 3/25
Diese kurzfristigen Absagen innerhalb einer eingeschworenen Gruppe haben Potenzial für große Zerwürfnisse. In meinem Umfeld explodierte dadurch einmal eine lange Freundschaft, die sich auch später nie wieder davon erholte. Wir waren ein Trio, das sich über den Sport kennengelernt hatte, und alle drei gleichermaßen beruflich und privat in Verpflichtungen und Verantwortung, aber es war eben immer nur einer, der absagte, einfach nicht kam und es mit jeder weiteren Absage als selbstverständlich ansah, dass wir uns nach ihm richteten. „Es wäre nicht schlimm, dass er fehlt, denn wir wären doch immerhin zu zweit!“, hatte er gesagt. Er hatte nichts verstanden. Es ging bei uns damals und jetzt in deiner Allgäu-Sache um die ganze Gruppe. Es geht um Prioritäten.
MEINUNG Kimi Schreiber
Wer bin ich? Was mache ich? Und zu welchem Zweck? Wenn ich nach meinem Job gefragt werde, fällt mir die Antwort darauf schwer. Ehrlich gesagt schäme ich mich sogar manchmal ein wenig dafür. Nach außen gibt es zwar wahrlich nicht viel zu bemängeln an meinem Dasein und an meinem Beruf und ich glaube, dass sich viele beim Lesen wundern werden.
Ich jedoch habe das Gefühl, meine Tätigkeit hat nicht wirklich einen Mehrwert und oftmals kommt ebenjene Suche nach dem Sinn an und in meiner Arbeit dann hoch, wenn ich damit konfrontiert werde. So ist die Frage nach meinem Beruf gleichzeitig auch eine Konfrontation mit mir selbst: „Was machst du eigentlich (die ganze Zeit)?“ Was würde ich den Zuschauerinnen und Zuschauern bieten, wenn mich mal ein Magazin oder Ähnliches einen Tag lang begleiten möchte? Müsste ich mir etwas ausdenken, um bloß nicht faul oder tatenlos zu wirken? Vielleicht hätte ich Glück und eine Podcast-Aufnahme würde auf ebenjenen Tag fallen oder auch das Schreiben meiner Kolumne. Zweimal laufen am Tag kann ja wohl kaum alles sein. Oder? Was mache ich also? Eine immer gleiche Antwort auf die Frage nach meinem Job habe ich nicht. Mal bin ich Trailrunnerin, dann bin ich Trailrunnerin und außerdem freie Journalistin, manchmal entscheide ich mich für ein etwas wichtiger klingendes Leistungssportlerin und erst letztens bezeichnete ich mich als Freelancerin im Bereich Text und außerdem als Influencerin (ojemine) und Läuferin. Journalistin bin ich de facto schon mal keine. Ich habe einen Bachelor
76 3/25
als „Kommunikationswissenschaftlerin“ und einen Abschluss in Germanistik. Gerne hätte ich einen Master im Journalismus drangehängt, wurde aber leider nicht angenommen. Was, im Nachhinein betrachtet, schon ganz richtig war. Leistungssportlerin? Influencerin? Podcasterin? Texterin? Mäh. Ich bemerke, dass ich manchmal beinahe eifersüchtig auf Menschen aus meinem Umfeld reagiere, wenn ich mir deren Berufe anschaue. Sie alle können mit Klarheit auf die Frage nach der beruflichen Tätigkeit antworten und bei allen ist mehr oder weniger klar, dass sie einen geregelten Arbeitsalltag haben. Ihr Dasein ist akzeptiert und wird respektiert. Sie gehen jeden Tag ins Büro oder bleiben im Homeoffice. Sie arbeiten durchschnittlich 35–40 Stunden die Woche, bekommen am Ende des Monats ihr Gehalt überwiesen, haben Kolleginnen und Kollegen, Meetings, Wochenenden und Feierabend. Ein Alltag, wie er sich gehört. Als überzeugte Hörerin des Podcasts „Gemischtes Hack“ blieb ein Satz von Felix Lobrecht aus einer der letzten Folgen in meinem Kopf hängen: „Wir haben komische Arbeitszeiten, wir haben frei, wenn wir freihaben. Es ist egal, was für ein Wochentag ist, und gerade mit Kumpels, die einen normalen Job haben, ist es schwer, das zu synchronisieren.“ Sinngemäß. Ich fühle das, was er sagt. Ich kenne dieses Gefühl, wenn ich am Wochenende und ganz generell Schwierigkeiten mit Verabredungen habe. Obwohl die Tage nicht immer voll sind, ist es doch schwer, das freiberufliche Dasein
mit dem der Angestellten abzustimmen. Meine langen Einheiten fallen meist auf Samstag und/oder Sonntag. Unter der Woche abends auf ein gemeinsames Abendessen: schwierig, denn die zweite Einheit des Tages steht noch an. Untertags sind die meisten arbeiten und haben dementsprechend keine Zeit. Obendrein bin ich beinahe die Hälfte des Jahres unterwegs und bin ich dann mal da, genieße ich es, zurückgezogen durchzuatmen. Das Leben als Sportlerin kann tatsächlich sehr einsam und beschränkt sein, wenn man allein wohnt, allein trainiert und das Beste aus sich herausholen möchte. Für Kompromisse bleibt da nicht viel Platz. Es ist ein Balanceakt und ich muss zugeben, noch immer fühle ich mich oft nicht gesehen und nicht verstanden bis hin zu egoistisch, denn ich habe sehr viel mit mir selbst zu tun. Selbst nach nun mehr als sechs Jahren als Läuferin muss ich immer wieder erklären, warum ich denn nicht einfach ein Training ausfallen lassen kann. So eine Stunde laufen mehr oder weniger, was soll’s? Ist doch nur joggen, oder? Das machen ja alle, bevor sie anschließend ins Büro fahren. „So zum Kopf freibekommen“. Ich soll glücklich Danke sagen, wenn mir von jemandem erzählt wird, der auch läuft und mit dem man sich ja mal verabreden könne – man säße ja dann quasi im selben Boot. Na ja, denke ich mir. Ich muss mich dafür rechtfertigen, wenn ich meinen Alltag aus Training, Erholung, Physiotherapie und gesunder Ernährung als Arbeit verpacke. Was das Schlimmste daran ist: Ich muss es oftmals auch vor mir selbst. „Obwohl die Tage nicht immer voll sind, ist es doch schwer, das freiberufliche Dasein mit dem der Angestell-
Selbst nach nun mehr als sechs Jahren als Läuferin muss ich immer wieder erklären, warum ich denn nicht einfach ein Training ausfallen lassen kann.
ten abzustimmen.“ Ich bin für meine tägliche Routine weitestgehend selbst verantwortlich und lege mir meine Strukturen so aus, dass sie einen guten Trainingsalltag ermöglichen. Ich habe keinen Urlaub und ebenso wenig profitiere ich von Feiertagen. Training findet immer statt und vor allem während der Saison sind trainingsfreie Tage rar. Das meint aber nicht automatisch, dass ich rund um die Uhr beschäftigt bin. Eine Trainingssession dauert zwischen einer und auch mal sieben Stunden. Trainiere ich zweimal am Tag, komme ich also auf zwei bis acht Stunden. Und dann? Okay. Dehnen, Ausrollen, Erholung, Ernährung, Mittagsschlaf – das sind alles auch Teile meines Jobs, aber man mag es glauben oder nicht: Mittagsschlaf als berufliche Tätigkeit zu bezeichnen, fällt mir tatsächlich schwer. Nicht nur das. Ich fühle mich beinahe nutzlos und hinterfrage in schwierigen Momenten mein gesamtes Lebenskonzept. Erst vor wenigen Wochen sagte ich zu meiner besten Freundin, dass ich manchmal gerne einem Bürojob nachgehen wolle. Dann träume ich mich in eine hollywoodgleiche Welt, trage darin ein Kostüm, meine Absätze auf dem Boden erklingen in einer einzigartigen Melodie aus Strenge und Professionalität. Meine Tage sind niemals kurz und mein Schreibtisch niemals leer. Kurz: Es ist ein Traum aus und voller Getriebenheit, der meiner aktuellen Lebenssituation nicht wirklich nahekommt. Zumindest fühlt es sich nicht danach an und Kommentare der Art „hört sich gut an bei dir, so bisschen nach Lotterleben“ treffen einen wunden Punkt. Ich war schon immer gerne sehr beschäftigt und auf der Suche nach einem täglichen Sinn. Als Studentin hatte ich neben meinem Studium immer einen Werkstudentenjob und außerdem das Training. So richtig freie Tage gab es da nicht und das fand ich gut. Ich wollte als viel beschäftigt gelten, denn für mich kam das einem großen Mehrwert gleich. Als ich nach dem Studium für einen Job nach München zog, schien alles genau nach Plan zu laufen. Bloß keine Freizeit nach dem Bachelor, nur mitten rein ins Erwachsenenleben, das Verantwortung und Unabhängigkeit verlangt. Am Ende lief alles ganz an-
77 3/25
ders als geplant und doch sitze ich heute hier und kann von mir selbst behaupten, eine erfolgreiche Unternehmerin in ihren Anfängen zu sein. „Es ist ein Traum voller Getriebenheit, der meiner aktuellen Lebenssituation nicht wirklich nahekommt.“ Ich bin stolz auf meinen Werdegang, das bin ich wirklich. Ich habe mir etwas aufgebaut, von dem ich leben kann, und das in einer teuren Stadt wie München. Ich bin schon seit Jahren finanziell unabhängig und an guten Tagen sage ich vor allem mir selbst, dass ich nichts anders machen wollen würde. Aber da sind eben auch die Tage, an denen ich daheimsitze und mich frage, ob das jetzt tatsächlich erfüllend ist. So ein Leben aus Training, gesunder Ernährung, Routinen, Social Media, Training, Dehnen und frühem Schlafengehen. Die finanzielle Unsicherheit kommt erschwerend hinzu. Es ist ein immerwährender Kreislauf aus Existenzangst und Höhenflug und die ständige Frage an mich selbst: Bin ich zufrieden? Reicht mir das? Natürlich ist mir bewusst, dass ich genauso herablassend über meinen Alltag denke wie ebenjene, die den jahrelangen Einsatz, den Verzicht und die Disziplin hinter alldem nicht sehen und nicht verstehen. Nur zu gerne würde ich jeden Tag mit breiter Brust aufstehen und mir selbst wie auch allen anderen versichern, dass schon alles gut so ist, wie es ist. Wir leben in unsicheren Zeiten und was mir mein Job leider nicht mitgibt, ist Sicherheit. Dabei würde ich mir manchmal genau das so sehr wünschen. Ein Büro, das ich aufsuchen muss. Eine Struktur, die ich einhalten muss. Aufgaben, die ich abarbeiten muss. Kollegen, mit denen ich zusammenarbeiten darf/muss. Eine Arbeitsethik, die ich einhalten sollte. Es klingt unglaublich, aber manchmal ist die Freiheit in meiner beruflichen Gestaltung Fluch und Segen zugleich und schafft eine unliebsame zusätzliche Unsicherheit in Zeiten der Inflation und der immer teurer werdenden Lebenserhaltungskosten. Ich würde mich zu gerne ab und zu in den Schoß eines Unternehmens begeben, mich dort einnisten und alles an Verantwortung abgeben.
MEINUNG Kimi Schreiber Ich würde zu gerne mal wieder erleben, dass man meinen Job direkt als solchen anerkennt und meinen Alltag nicht als Lotterleben bezeichnet, und vor allem würde ich mir wünschen, dass ich selbst immerzu den Sinn hinter alldem sehe. Ganz klar und ohne Zweifel. Dann passiert doch immer wieder etwas, was mich darin bestärkt, im Moment genau da zu sein, wo ich eigentlich hinmöchte. Mehr noch. Einen Job auszuüben, der nicht nur mich erfüllt, sondern auch andere inspiriert und somit eben doch Mehrwert bietet. Einer dieser Momente passierte mir erst neulich, einen Tag nach meinem 30. Geburtstag. Unser Media-Team hatte mir einen Film zukommen lassen. In kurzen zehn Minuten sieht man darin vor allem eines: mich. Es ist die Geschichte rund um mein Rennen beim OCC 2024 und es geht um meine mentalen Hürden, meine Kämpfe mit mir selbst und das Drama, alles zu wollen und nichts zu bekommen. Es geht um ein nicht beendetes Rennen und darum, was das für eine Sportlerin bedeuten kann. Ich habe das Video mehrere Male angeschaut, immer wieder davon berührt. Dieser Moment des Rennabbruchs wurde dabei so real, dass ich weinen musste und all die fürchterlichen Tage danach, das Vor-Ort-Sein, das Feiern der anderen, das Zelebrieren unseres größten Events kamen mir wieder in den Sinn. Diese Tage haben sich so in mein Gedächtnis gebrannt, dass ich noch immer, mehr als ein halbes Jahr später, mit meinem Therapeuten darüber spreche. Ich schaue den Film und beobachte dabei immer wieder meinen Gesichtsausdruck, studiere die junge Frau, die mir da aus dem Bildschirm entgegenblickt. Ich höre ihr gerne zu, ich schaue ihr gerne zu, ich erlebe alles von ihr Gesagte noch einmal mit. Ich fühle keine Scham, keinen Groll oder eine Leere aus mangelhafter Identität. Nein, ich fühle Stolz und Dankbarkeit und verstehe, warum ich nicht ablassen kann von diesem Leben, das ich führe, welches mich immer wieder an meine Grenzen bringt. Psychisch wie physisch. Ich bin die, die ich heute bin, weil ich laufe. Nicht nur ein lockeres Jogging, um die Gedanken freizubekom-
men. Nein, ich meine das Laufen auf Leistungsniveau. Ich meine das tägliche Schuheschnüren und Loslaufen. Bei Regen, bei Kälte, bei Sonnenschein und bei Wind. Ich meine Momente wie ebenjenen in Chamonix letztes Jahr, in denen ich nicht mehr konnte, in denen ich meine Grenzen nicht mehr ausreizen konnte. Ich meine mein Team, meine Sponsoren, mein Standing in der Community, den Podcast mit meiner Freundin Ida, die Chance, immer wieder spannende Leute kennenlernen zu können. Ich meine das tägliche Behaupten, das ständige Leisten, den immer wiederkehrenden Leistungsdruck, die zunehmende Angst davor, zu versagen, und das Weitermachen. Ich meine das Suchen neuer Aufgaben, das immer neue Wachsen mit mir selbst und das Einstecken negativer Meinungen. Ich meine die Tatsache, dass ich so sehr gewachsen bin in all den Jahren, eben weil ich mich, meinen Werdegang und meinen Beruf immer wieder hinterfragen wollte und musste, denn selbstverständlich ist von alledem gar nichts. Ich bin vor wenigen Tagen 30 Jahre alt geworden und habe das Gefühl, mit mir selbst weitestgehend im Reinen zu sein. Ich mag die Kimi von heute so viel lieber als die Kimi von damals. Natürlich habe ich immer wieder Zweifel und ich gelange immer wieder mit mir in eine kleine Identitätskrise. Ich weiß, dass ich nicht immer laufen werde und mein Alltag über kurz oder lang anders aussehen wird. Das ist auch gut so. Vielleicht ja dann mehr Büro und weniger Ups and Downs. Aber im Moment muss ich sagen, dass ich diese Höhen und Tiefen brauche und schätze. Seien es die emotionalen, die wahrhaftigen in den Bergen, die psychischen in der Auseinandersetzung mit mir selbst oder die physischen in der Balance aus Grundlagenaufbau, Wettkampfvorbereitung und Erholung. Das Leben als Läuferin ist sehr spannend und wahnsinnig einzigartig und ich denke, ich habe gerade ganz unabsichtlich eine passende Bezeichnung für mein Dasein gefunden. Ich bin Läuferin, mit Haut und Haar.
78 3/25
STECKBRIEF Kimi Schreiber Ist in diesem Jahr 30 geworden und eine der wenigen in Deutschland, die Trailrunning beruflich betreiben, Ihre Erfolge und Siege bei nationalen und auch internationalen Wettkämpfen halten, die in München lebende Adidas Terrex Athletin nicht davon ab immer selbstkritisch und grüblerisch zu sein. Im wöchentlichen Podcast "Höhenmeter pro Kilometer", mit ihrer Kollegin Ida-Sophie, spricht sie meist offen über das Leben und den Profisport.
Ich schaue den Film und beobachte dabei immer wieder meinen Gesichtsausdruck, studiere die junge Frau, die mir da aus dem Bildschirm entgegenblickt.
THY is Trail Haunted Youth 5 Liter Racevest T O M O R R O W B E L O n G S T O N O B O DY SOOn IN STORE!
REPORT Trailrunning-Vereine
Ein Kader fürs Der Trailrunning Squad zählt mittlerweile über 100 Mitglieder. Gebühr? 5 Euro im Monat!
Trailrunning 80 3/25 2/25
Lange war Trailrunning eine lose Angelegenheit und vogelfrei. Nun findet sich unser Sport im Vereinswesen wieder. Eine Tradition, die zu uns passt! Zwei Beispiele ... Text: Tom Stetter, Denis Wischniewski
Höhenmeter statt Speergewicht Trailrunning-Vereine sind rar gesät. Obwohl der Leichtathletik zugehörig, sind ernst zu nehmende Vereinstätigkeiten im deutschen Trailrunning Mangelware. Jetzt stellt sich die Frage: Braucht es denn dringend Vereine im Trailrunning? Die Antwort lautet definitiv: Ja! Unser Sport wächst. Er wird globaler, inklusiver und professioneller. Diesem Wachstum sollten wir als Trailrunnerinnen und Trailrunner, die wir sind, unseren eigenen Anstrich verpassen. Wie das funktioniert? Das geht natürlich nur mit Interessenvertreterinnen und -vertretern, die im Trailrunning verwurzelt sind. Ihre Aufgabe muss es sein, die Interessen unseres Sportes klar zu definieren und final zum Beispiel im DLV zu integrieren. Es geht dabei um vielerlei Dinge wie Regularien, Abläufe, Events und Verbände. Einer, der sich dem Sport mit Leib und Seele hingibt, ist Daniel Böcker. Er lebt und liebt den Sport wie wenige andere. Des Trailrunnings wegen ist er von Bochum zurück in seine Heimat nach Menden gezogen. Er liebt dieses Laufrevier, was ganz nebenbei sehr abwechslungsreiche Trails zu bieten hat. Nachdem Daniel einen CommunityRun organisiert und sich dem dortigen Straßenlaufverein angeschlossen hatte, bemerkte er, wie sehr sich diese Gegend als Trailrunning-Hotspot eignet. Mit der Zeit wuchs die Gruppe von Trailrunnermenschen stetig. Schnell
war klar: Sie müssen einen Verein gründen. Ein Antrieb war natürlich, dass es keine ernst zu nehmenden Vereine im Trailrunning gibt. Wichtig sind den Menschen auch der Zusammenhalt, der Leistungsgedanke und natürlich der Spaß. Sie haben eine Anlaufstelle für Trailrunner und Trailrunnerinnen gründen wollen … und letztendlich gegründet. Was so selbstverständlich klingt, ist in Wirklichkeit ein echter Bärendienst, den der „Trailrunning Squad“, wie der Verein getauft wurde, für unsere Szene tut. Sie sind keine Vereinsmiesepeter. All den Menschen um Daniel Böcker und den Trailrunning Squad geht es ums Große und Ganze. Sie sind der Verein für alle Menschen. Vom blutigen Rookie bis hin zum Profi oder Veranstalter. Mittlerweile ist die Gruppe Herberge für über 100 Mitglieder. Für den kleinen Obolus von 5 € monatlich gibt es eine ganze Reihe an Vorteilen. Vergünstigungen bei der Physiotherapie, Trainingssteuerung, Startplätze, Ausstellung von Startpässen und vieles mehr. Dort in Menden hat sich ein zukunftsgewandter und komplett papierfreier, digitalisierter Verein gegründet. „Nur“ laufen? Das möchte die Community dort nicht. Veränderungen, Verbesserungen und ernstgenommen werden … Das wollen sie. So nehmen die Vereinsmitglieder auch an Sitzungen des Leichtathletikverbandes teil. Kurios, wenn es sich dort mehr um das Gewicht eines Speers dreht als beispielsweise um ein Kilometer-Höhenmeter-Verhältnis für offizielle Wettkämpfe. Der Trailrunning Squad möchte Trailrunning als festen Bestandteil der Leichtathletik integrieren. Sie träumen von Kreismeisterschaften im Trail und mehr. Sie fördern aktiv unsere ganz Jungen. Aktuell trainieren dort zehn Kids, aufgeteilt nach Leistungsniveau und nicht nach Alter. Sie haben Spaß und lernen ihren Körper kennen wie in kaum einer anderen Sportart. Was soll man da noch sagen? Danke für euren Einsatz und die tolle Arbeit für unseren Sport!
81 3/25
Aktuell trainieren dort 10 Kids, aufgeteilt nach Leistungsniveau und nicht nach Alter. Sie haben Spaß und lernen ihren Körper kennen, wie in kaum einer anderen Sportart.
REPORT Trailrunning-Vereine
Trailrunning kann schwäbisch Hinter dem Namen Lichtenstein Trailrunning e. V. steckt eine kleine Geschichte, denn der Verein wurde irgendwie auch aus einer Not heraus geboren. Es ging damals, kurz vor Vereinsgründung, um alles oder nichts. Entweder es geht weiter oder eben überhaupt nicht mehr. Viele Jahre fand das „LSR“, das Lichtenstein Skyrace, ein Trailmarathon und Trailhalbmarathon am Rande der pittoresken Schwäbischen Alb, als Event des TRAIL-Magazins statt und somit lag auch die Verantwortung um das Wohlergehen der 400–500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den schmalen Schultern von mir. Alles lief am Tag des Rennens, im Vorfeld und in allen Belangen über mich. Sechs Jahre lang hielt ich das aus. Dann wollte ich einfach nicht mehr. Mir wurde schnell klar, dass solch eine Veranstaltung nicht gemacht ist für eine Person, denn wenn alles an einem hängt, kann auch alles schnell in sich zusammenbrechen. Ich verkündete also, dass das LSR nicht mehr stattfinden sollte, und ab dort kam eine wunderbare Dynamik ins Rollen, denn die lokale Crew, die bislang quasi ehrenamtlich geholfen hatte, kam direkt mit der Idee einer Fortführung im Kollektiv ums Eck. Mein erster Gedanke: „Ein Verein? Uhhh. Jogginghose und Jahreshauptversammlung.“ Ja, die gibt es mittlerweile, aber es tut nicht weh und ist per Webkonferenz eine simple Stunde, meist an einem Sonntag kurz vor dem Tatort. Seit nunmehr vier Jahren veranstaltet der Lichtenstein Trailrunning e. V. den Wettkampf und es fühlt sich richtig an. Viele Dinge sind heute anders. Das Event hat eindeutig andere Ziele und will in erster Linie einfach stattfinden, das einlösen, was es verspricht. Ein Verein als Veranstalter hat immer eine gewisse Ruhe, eine Souveränität, aber auch ein limitiertes Trachten
Nachwuchsförderung soll beim Lichtenstein Trailrunning e.V. künftig im Fokus stehen.
82 3/25 2/25
nach Erfolg. Mir war es damals schon wichtig, einen Titelsponsor an der Seite zu haben, einen Gewinn zu erwirtschaften und zu wachsen. Heute ist der Erfolg, dass dieser Samstag im Mai ein schöner Tag für alle wird, dass alle gesund ins Ziel kommen und zusammen Spaß haben. Nun steht unser Verein aber erstmals an einer Weggabelung, denn er ist im Prinzip ein kleiner Club, der bislang nur die Handvoll Leute alliiert, die auch unmittelbar das Rennen organisieren. Nun soll es aber weitergehen. Der Lichtenstein Trailrunning e. V. soll seinem gemeinnützigen Zweck nachkommen und den Sport, das Trailrunning, in der Region fördern. Der Verein soll fortan wachsen und die Jagd auf neue Mitglieder soll beginnen. Susanne Elsässer bringt sich als Teil des Vorstandes von Beginn an sehr in die Entwicklung ein und hält fest: „Wir haben viele Ideen gesammelt, was wir als Verein besonders gut leisten könnten, und wir wissen jetzt auch, was wir lieber nicht tun sollten, weil wir natürlich begrenzte Möglichkeiten haben.“ In einem Konzeptworkshop sammeln die Mitglieder verschiedene Ideen, mit welchen Maßnahmen sich der Verein künftig vergrößern könnte. Was muss ein Trailrunning-Verein leisten? Was sollte er anbieten? Es fallen spannende Stichworte. Trainings-Wochenenden in den Alpen. CommunityRuns auf der Strecke des eigenen Rennens, um Menschen ohne Wettkampferfahrung langsam an ihr erstes Rennen heranzuführen. Oder – Trainingsangebote für Jugendliche. Da wären wir bei dem wohl wichtigsten Thema überhaupt. Ein Verein hat eine große Verantwortung gegenüber jungen Menschen und Kindern. Wer, wenn nicht ein Verein, kann als Gemeinschaft die Jugend fördern! Eine Förderung ohne wirtschaftliche Interessen, ohne Eltern, die nerven oder ebenfalls etwas erwarten. In einem Verein könnten Kids den Sport Trailrunning in einem lockeren Umfeld kennenlernen und schrittweise besser werden. In Lichtenstein überlegt man auch, künftig in Fahrgemeinschaften zu weiter entfernten Läufen zu fahren. Dabei geht es um eine einfache Kommunikation, um ein niedrigschwelliges Verabreden und auch darum, durch den Verein eine gemeinsame Identifikation zu schaffen. Ein Wir-Gefühl soll entstehen und das inmitten eines Individualsports. An der künftigen Entwicklung des Lichtenstein Trailrunning e. V. wird man vielleicht, nein ganz sicher auch die allgemeine Entwicklung unseres Sports ablesen können. Sind wir wirklich bereit, für Trailrunning in ein Kollektiv zu investieren? Sind wir bereit, etwas von uns, von unserer so heiligen Zeit in eine Gruppe einzuzahlen?
THE ERLKÖNIG
HITTING THE TRAILS NOW!
Jennifer
INTERVIEW Jennifer Lichter
Hallo Jennifer, bevor wir über Trailrunning sprechen, möchten wir unbedingt über deine persönliche Bestzeit über 10 Kilometer auf der Straße sprechen. Oder interessiert dich das nicht so sehr? Ich liebe 10-km-Straßenläufe! Ich laufe sie nicht sehr oft, aber ich denke, sie helfen mir, mich für die Trailsaison in Form zu bringen. Letzten Sommer beispielsweise bin ich in Salt Lake City 33:13 gelaufen und habe mich danach richtig stark und selbstbewusst gefühlt. Das gab mir einfach ein gutes Gefühl, einen Push für die Saison. Ich bin diese Distanz im College gelaufen und habe sie geliebt, deshalb liegt sie mir besonders am Herzen. Also, ja, es interessiert mich.
Jennifer Lichter gehört zu einer neuen Generation auf Trails, der die Zukunft gehört. Mit dem Sieg des Marathon beim Transgrancanaria empfiehlt sie sich für weitere Erfolge in dieser Saison.
Du bist professionelle Trailrunnerin. Dein Job ist es also, Rennen auf der ganzen Welt zu laufen und im Idealfall sogar zu gewinnen. Setzt dich das unter Druck? Ich meine, es ist ja jetzt kein reines Hobby mehr. Ich denke, es wird immer einen gewissen Druck geben, wenn man zu den Besten der Welt gehören will, aber ich denke, als Sportler lernen wir auch, damit umzugehen. Ich finde aber auch, dass Druck etwas Gutes ist, da er uns schneller laufen lässt. Wie sieht denn ein Tag im Leben eines Profis aus?
will lernen 84 2/25
Das variiert ziemlich stark von Tag zu Tag, je nach Trainingsprogramm oder Lauf. Meistens trainiere ich morgens und mittags und laufe abends noch mal locker, wenn das auf dem Plan steht. Zwischendurch ruhe ich mich aus, ich dehne mich viel. Na und ich esse natürlich viel. Sehr viel.
r
85 3/25 85 2/25
INTERVIEW Jennifer Lichter
Du bist natürlich auch auf Instagram aktiv. Siehst du die Arbeit mit Social Media als Bereicherung oder als reine Pflicht? Ich denke, es kann beides sein! Manchmal macht es mir wirklich Spaß, mit Fans des Sports in Kontakt zu treten. Manchmal ist es etwas zu viel, aber meistens macht es mir Spaß! Neben vielen Siegen und Erfolgen hattest du auch einen Ausfall beim OCC. Wie sehr hat dich das geärgert und was nimmst du daraus mit? Ja, ich würde sagen, das war mental mit Abstand die schlimmste Erfahrung meiner Karriere. Es war der erste Ausfall meiner Trail-Karriere, nachdem ich 2022 eine Reihe wirklich toller Rennen gelaufen war. Hört sich komisch an – aber irgendwie war es auch gut für mich, denn schlechte Tage gehören zum Sport dazu und es war nur eine Frage der Zeit, bis mir das passiert. Dadurch weiß ich meine Siege und Podestplätze mehr zu schätzen. Manchmal braucht es einen Dämpfer, um von dort aus wieder neu zu starten. Hast du einen 5-Jahres-Plan als Trailrunnerin? Ich habe gehört, dass es so etwas geben soll.
Ich habe keinen 5-Jahres-Plan. Aber ich weiß, dass ich mich immer mit den Besten der Welt messen möchte. Ich würde definitiv gerne irgendwann 100-Meilen-Rennen laufen, aber ich habe es nicht eilig. Ich möchte bereit sein, um alles auf dieser Königsdistanz zu geben. Ich will die 100 Meilen nicht einfach nur „fertig“ laufen. Ich will sie wirklich laufen und um Podestplätze kämpfen. Alles soll dafür passen und vorbereitet sein. Fangen wir von vorne an. Wie bist du Läuferin geworden? Und warum bist du so verdammt gut und schnell geworden? Ich habe mit zwölf Jahren mit dem Laufen angefangen und war ziemlich mittelmäßig. Ich lief eigentlich aus sozialen Gründen (um nach der Schule mit Freunden abzuhängen). Gegen Ende meiner Highschool-Zeit und dann noch mehr im College habe ich mich mehr dafür begeistert. Ich würde sagen, ich habe nach dem College angefangen, meine Fähigkeiten voll auszuschöpfen, als ich mich am gesündesten und auch reifer fühlte, was den Sport angeht. Ich war schon immer ein sehr wettbewerbsorientierter Mensch und hatte beim Laufen das Gefühl, diesen Teil von
86 3/25
auf diesem Niveau nur so. Trailrunning ist ein Einzelsport, aber wie sehr braucht man die Anerkennung von Freunden, Fans und Familie? Ein Netzwerk trägt entscheidend zum Erfolg einer Karriere bei. Laufen ist so viel mehr als nur das tägliche Training und ich denke, je mehr du dir von anderen helfen lässt, desto besser geht es dir. Es ist okay, um Hilfe zu bitten. Diesen Erfolg mit denen zu teilen, die dich lieben und an dich glauben, macht dich zu einem viel glücklicheren und gesünderen Menschen.
mir wirklich gut ausleben zu können. Ich denke also, es ist einfach die Beständigkeit über die Jahre, die mich hierhergebracht hat. Und viel lernen, viel lernen. Ich bin, was das Lernen angeht, sehr offen und immer interessiert. Du warst mit dem vierten Platz bei den Weltmeisterschaften in Innsbruck die beste Amerikanerin. Wie sehr magst du diese alpinen Rennen in Europa? Oh Mann! Ich liebe die alpinen Rennen, die es bei euch gibt. Ich habe mich damals ins Trailrunning in einem Nationalpark (Glacier-Nationalpark) verliebt, der den Alpen in vielerlei Hinsicht ähnelt, daher fühle ich mich so zugehörig! Es fühlt sich fast unwirklich an, dort laufen zu dürfen.
Wenn du eine Sache an deiner Lieblings-Social-Media-Plattform ändern könntest, was wäre das? Auf Instagram wäre es cool, so etwas wie „Ordner“ für die Jahre zu haben. So wären zum Beispiel alle deine Bilder von 2023 in einem Ordner und deine von 2024 in einem anderen. Weil es so, wie es jetzt ist, unübersichtlich wird und man tagelang scrollen muss, um eine Erinnerung zurückzuholen. Einfach übersichtlicher, denke ich.
Jennifers´ letzter OnlineEinkauf? Buchung einer "Deep Tissue Massage" (1 Stunde).
Wie wichtig ist dir die Unterstützung eines Sponsors und eines Teams im Hintergrund? Ich denke, ein Team und ein Sponsor, die deine Ziele und Träume unterstützen, sind ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Karriere. Laufen wäre wirklich einsam, wenn es nicht die Menschen und Sponsoren gäbe, die dich unterstützen und genauso fest an etwas glauben wie du. Für diese Unterstützung bin ich unendlich dankbar. Nein, es geht
Wie beantwortest du die Frage „Warum läufst du?“ Ich laufe, weil es für mich meine Art ist, zu heilen und mich zu erden. Es ist der Ort, an dem ich meine Abwehrkräfte wirklich fallen lassen kann – um nachzudenken, zu atmen, zurechtzukommen und mich zugehörig zu fühlen. Laufen wird für immer eine Konstante in meinem Leben sein. Mit einem weiteren Sieg beim TGG Marathon ist deine Saison perfekt gestartet. Was wird 2025 passieren? Ich hoffe eigentlich nur, dass es so weitergeht! Ich liebe Wettkämpfe und ich liebe es, zu gewinnen. Wer nicht?! Hast du Vorbilder innerhalb und außerhalb des Sports? Das mag kitschig klingen, aber meine Vorbilder sind meine Eltern! Ich schaue immer zu ihnen auf. Im Sport sind es zu viele, um eine Person zu nennen.
87 3/25
WISSEN Schnürungs-Systeme Text: Harald Angerer
Trend: Doppelschnürung Ein neuer Trend sind Doppelschnürungen. Das heißt, dass man etwa in einem Schuh zwei Schnellschnürsysteme oder zwei Schuhbänder hat. Damit kann man den Vorfuß anders fixieren als den Mittelfuß und den Fersenhalt. So eine Schnürung verwendet etwa Mount to Coast bei ihrem R1-Ultra-Schuh und wird dann mit zwei Schnellschnürungen im T1-Trail-Modell kommen. Das ermöglicht eine noch genauere Anpassung, ist aber auch wieder komplizierter. Also gilt erneut: Es ist auch hier eine persönliche Geschmacksfrage, ob es zu einem passt.
Doppel-BOA: Der Altra Mont Blanc lässt dem Kunden die Wahl ob klassisch oder modern.
Glaubensfrage oder einfach nur Geschmacksache? Es ist alles eine Frage der Verbindung und verschiedene Hersteller haben unterschiedliche Herangehensweisen, wenn es um die perfekte Schnürung geht. Klassische Schuhbänder, Quicklace oder gar das BOA-Verschluss-System. Wir haben also nach Halt gesucht. Jahrzehntelang waren die Schuhbänder unumstritten, bei Bergschuhen, bei Laufschuhen, also auch bei Trailrunningschuhen. Dann kam Salomon und verpasste seinen Schuhen plötzlich ein sogenanntes Quicklace-System – und nichts war mehr wie früher. Das neue System teilte die Trailrunner und Trailrunnerinnen plötzlich in zwei Gruppen. Die einen schwören noch heute auf die klassische Schnürung, wegen des Looks
und weil es halt schon immer so war. Andere singen ein Loblied auf Quicklace. Es besteht aus einer Kevlarschnur und einer kleinen Klemmschnalle. „Sa-
lomon ist seit jeher Innovationstreiber und war die erste Marke, die mit eine Schnellschnürung eingeführt hat“, erinnert sich Sascha Stöfelmayer, Commercial Manager Salomon Footwear. Wäre das nicht schon Diskussionsstoff genug, kam 2018 noch das österreichische Unternehmen BOA mit seinem Drehverschluss daher. Doch was ist wirklich besser? Da sind sich selbst die Hersteller nicht einig. Ein schönes Beispiel ist Adidas Terrex, die Herzogenauracher haben bereits BOA verwendet, auch eine eigene Schnellschnürung à la Quicklace gabs schon mal. Aktuell setzt Terrex bei der neuen Agravic-Serie aber wieder ganz auf Schuhbänder. „Wir haben mit dem Agravic Speed Ultra eine neue Generation von Trailrunningschuhen gestartet, die wir vor allem von der Mittelsohle her entwickelt haben, da wollten wir nicht zu sehr experimentieren“, erklärt Rowan Boyd von Adidas Terrex, warum man aktuell wieder auf Schuhbänder setzt.
BOA, Quicklace, Schuhbänder Quo Vadis?
Schnürungs-Guide 88 3/25
Salomon haben das Schnellschnürungssystem Quicklace etabliert und patentiert.
„Grundsätzlich schnürt sich das Quicklace sehr einfach und intuitiv durch Anziehen gleichmäßig über den Rist. Wenn jemand im vorderen Teil mehr Zug benötigt, empfiehlt sich trotzdem ein punktuelles Straffen“, sagt Sascha Stöfelmayer von Salomon. im Rist-Bereich, die sich ähnlich wie Finger über den Rist legen und somit einen gleichmäßigen Druck und dadurch kompakten Fußhalt kreieren. Dies ergibt einen guten Kompromiss im variablen Spiel von Funktionalität, Gewicht, Herstellungskosten, Langlebigkeit und intuitiver Bedienbarkeit. BOA und Quicklace vereint also, dass beide sehr einfach zu nutzen sind. Ein Zug oder ein paar Umdrehungen und der Schuh sitzt. „Grundsätzlich schnürt sich das Quicklace sehr einfach und intuitiv durch Anziehen gleichmäßig über den Rist. Wenn jemand im vorderen Teil mehr Zug benötigt, empfiehlt sich trotzdem ein punktuelles Straffen“, sagt Sascha Stöfelmayer von Salomon. Bei BOA kommt es auf das Modell an, so lässt sich etwa der BOA Li2 zuziehen und auch mit Zurückdrehen besonders fein justieren. Der Basisverschluss lässt sich nur komplett öffnen. „Mit dem Micro Adjustment ist das BOA-System deutlich praktischer als die Schuhbänder“, unterstreicht auch Rowan Boyd von Adidas Terrex.Wie bei den „normalsterblichen“ Trailrunnern und Trailrunnerinnen teilen sich aber auch die Ath-
89 3/25
Foto: Damien Rosso
Einfach gesagt, ist es unkomplizierter, einen neuen Schuh mit Schnürung zu entwickeln. „Es ist ein Verschlusssystem, welches viel Flexibilität bietet“, sagt Boyd.Doch auch für den Drehverschluss spricht einiges. Der „Lockdown“, also die Fixierung des Fußes im Schuh, und die Schnelligkeit sind klare Stärken von BOA. Der Hersteller selbst spricht von bis zu 1,5 Prozent mehr Geschwindigkeit bei gleicher Anstrengung, weil es zwischen Fuß und Schuh zu weniger Reibung kommt. Zudem würde die Geschwindigkeit der Knöchelrotation reduziert, was zu einer verbesserten Stabilität führt. Die direktere Verbindung von Fuß und Schuh verbessert zudem den Fersenhalt. Und, ja, auch hierfür nennt BOA jeweils konkrete Prozentwerte im einstelligen Bereich, die in unabhängigen Tests nachgewiesen worden seien. Aber: Damit der Drehverschluss richtig funktioniert, muss der Schuh um das System herum entwickelt worden sein. „Man kann nicht einfach auf einen Schuh mit Schnürung einen BOA-Verschluss draufsetzen“, unterstreicht Rowan Boyd von Adidas Terrex. Beispiele hierfür sind aktuelle Modelle wie der Scarpa Ribelle Run Kalibra HT oder der Altra Mont Blanc BOA. Diese Schuhe haben die BOA-PerformFit-Wraps. Sie umschließen den Mittelfuß und und sorgen so für einen optimalen Fersenhalt und mehr Bewegungsfreiheit im Vorfußbereich. „Wir wollen mit unseren Markenpartnern und mit Spitzensportlern zusammenarbeiten, um strenge wissenschaftliche Tests und innovatives Produktdesign miteinander zu verknüpfen, mit dem Ziel, höchst erfolgreiche High-Performance-Produkte auf den Markt zu bringen, die das BOA-Fit-System nahtlos integrieren“, betont Dan Feeney, Senior Director für Design und Innovation von Partnerprodukten bei BOA. Ähnlich ist es bei Quicklace von Salomon. „Jedes System ist nur so gut, wie es auch verbaut ist. Das heißt für die Produktentwicklung, dass sie die Positionierung der Schnürung, z. B. die Anzahl der Ösen und ihrer Abstände, ideal mit den Obermaterialien kombinieren muss“, sagt Sascha Stöfelmayer von Salomon. Die starke Zugkraft, die durch das Quicklace ermöglicht wird, überträgt sich auf die Materialverstärkungen
leten und Athletinnen in unterschiedliche Gruppen. „Wir haben Athleten, die große Fans von BOA sind, und genauso welche, die sagen: ‚Das ist nichts für mich‘. Es ist auch immer eine Frage, die richtigen Schuhe für den richtigen Läufer und die richtigen Anforderungen zu haben“, erklärt Boyd. Er lässt ein wenig in die Entwicklung blicken – und, ja, es wird in Zukunft auch wieder ein Adidas-Terrex-Modell mit BOA geben. Aber selbst bei den Schuhbändern gibt es eine Entwicklung, wie die neuen Sawtooth-Schuhbänder von Terrex zeigen. Sie haben seitliche „Hacken“, damit lösen sie sich nicht mehr von selbst.Aber auch hier ist es eine Geschmacksache, welche Schuhbänder die einzelne Trailrunnerin und der einzelne Trailrunner bevorzugt. „Vieles hat mit persönlichen Erfahrungen zu tun“, erklärt Boyd. Und mit dem persönlichen Wohlbefinden. Nicht jeder mag es, so im Schuh fixiert zu sein wie bei BOA, manche lieben die Flexibilität der Schuhbänder, andere mögen wieder die Einfachheit von Quicklace oder BOA. Letztlich muss der Schuh zum Fuß passen. Und zum Kopf, zu dem dieser Fuß gehört.
MEINUNG Merinowolle Text: Clemens Niedenthal
Warum ich Wolle will Geteilte Meinung in unserer Redaktion: Tom will vegane, tierfreie Sportbekleidung und Clemens schwört auf Wolle, auf Merinowolle.
Im vergangenen Trail Magazin hat mein Redaktionskollege Tom an dieser Stelle ziemlich entschlossen dargelegt, warum er keine Laufbekleidung tierischen Ursprungs mehr tragen mag, ja tragen kann. Keine Gänsedaunen in der Isolationsjacke für die Rast auf dem Gipfel, auch nicht die Wolle des Merinoschafs für den so überzeugend die Temperatur regulierenden Baselayer. Ich kann ihn verstehen, aus seiner Perspektive. Und möchte doch erklären, warum ich Naturfasern, auch solche tierischen Ursprungs, mag. Nicht nur, aber auch bei meinen Lauftextilien. Dass mein wunderbar schlichtes, perfekt geschnittenes Merinoshirt des Arc`teryx-Labels Veilance auch nach dem dritten Lauf noch nicht zu müffeln beginnt und deshalb perfekt für
kurze (berufliche) Reisen ist, ist dabei noch das kleinste Argument. Vor zwei Jahren habe ich mich für dieses Magazin intensiver mit dem ökologischen Fußabdruck unserer Laufbekleidung beschäftigt. Ich hatte ein knappes Dutzend Hersteller angeschrieben und gebeten, mir ihre Ideen einer ökologisch nachhaltigen Produktion darzulegen. Mal bekam ich keine Antwort, mal eine sehr schwammige und mal eine sehr blumige. Nur zwei Hersteller ließen sich tatsächlich transparent in die Karten schauen. Beides waren Produzenten von Merinotextilien. Beide hatten ihre Produktion nicht in Billiglohnländer ausgelagert. Beide lassen sowohl die Herkunft ihrer Wolle als auch ihre Verarbeitung zertifizieren, und das von wirklich nachvollziehbaren Institutionen. Und beide verkaufen mir
ein Produkt, dass nach einem langen Leben recyclebar oder kompostierbar ist und nicht irgendwann als Mikroplastik selbst noch in der Antarktis nachgewiesen werden kann. Ja, auch ich weiß um die klimaschädlichen Dimensionen einer konventionellen Landwirtschaft. Ich weiß aber auch, dass die exzessive, ganzjährige Weidehaltung von Rindern zur Humusbildung und zur Bodenerneuerung beitragen und damit sogar Kohlendioxyd binden kann. Kurzum: Ich finde es zu einfach, Tierleid zu verallgemeinern, wie ich es einfach wichtig finde, gegen Tierleid vorzugehen. Ich kaufe kein Fleisch, dessen Herkunft mir unbekannt ist und versuche es so auch mit meinen Textilien zu halten. Die in permanenter Bewegung in den Schweizer Alpen gehaltenen Schafherden, de-
90 3/25
ren Wolle meine liebste Winterlaufjacke isoliert, würde es aber ohne diese Jacke oder ähnliche Produkte vermutlich gar nicht mehr geben. Die bäuerlich-handwerkliche, ja, Kulturtechnik der Schäferei war längst unrentabel geworden. Fasern aus Kunststoff, also Erdöl, hatten die Schafwolle verdrängt. Polyester und Konsorten sind schlicht billiger als das nachwachsende Produkt. Ich persönlich jedenfalls kann mich für den Gedanken erwärmen, diese in meinen Augen naturnahe und ethisch aufrichtige Form der Tierhaltung unterstützt zu haben. Und darüber hinaus: So effizient wie diese Isolation aus dem Unterfell Schweizer Alpenschafe hat mich noch keine Synthetikdaune gewärmt.
REZEPT Trailcookies Text: Tom Stetter
Cookies For Trailrunners only! Sich guten Gewissens beim Sport zu ernähren, ist nicht immer einfach. Pappsüße Gels, Chews mit teils fragwürdigen Zutaten und Riegel, die irgendwie selten eine passende Mischung aus Mundgefühl, Süße und Energiebereitstellung haben. Erschwerend kommt hinzu, dass Sportnahrung bekanntermaßen zum Luxusgut mutiert ist. Sündhaft teure Zucker in toller Verpackungen gedrückt. Warum es also nicht mal selber in die Hand nehmen? Sich die Mühe zu machen, seine eigene nachvollziehbare Sportnahrung herzustellen, lohnt sich garantiert. Es ist wichtig, nicht alles unnötig kompliziert zu machen. Das kostet nur Zeit und macht keinen Spaß. Lass uns die schnellsten und einfachsten Minicookies herstellen, die du je gebacken hast. Warum Minis? Einfach weil sie so leichter zu transportieren sind. 250 g Rohrohrzucker 500 g pflanzliches Fett (z. B. Alsan Bio oder Vegan Block) 500 g Dinkelmehl Type 630 250 g Dinkelvollkornmehl 300 g backfeste Schokodrops 100 g Bananenchips oder getrocknete Mango 2 Prisen Salz
Herstellung: Gib den Zucker und das Fett in eine Rührschüssel. Vermenge beide Zutaten zu einer glatten Masse. Gib nun das Dinkelmehl Type 630, das Dinkelvollkornmehl und das Salz zur Zucker-Fett-Mischung. Knete alles behutsam zu einem glatten Teig. Die Schokotropfen und die Bananenchips musst du nur 1–2 Minuten unterrühren. Wickel deinen Teig in eine Klarsichtfolie und gib ihn für mindestens zwei Stunden und maximal 48 Stunden in den Kühlschrank. Heize deinen Ofen auf 180 °C Ober/Unterhitze für 15 Minuten vor. Forme aus dem Teig kleine runde Kugeln. Die Kugeln sollten etwa 30–40 g wiegen. Du kannst die Cookies auch mit einem kleinen Eisportionierer abwiegen. Lege die Kugeln auf ein Blech mit Backpapier und drücke sie auf etwa 0,5 cm flach. Das Blech kommt nun für 12–15 Minuten in den Ofen. Nach dem Backen hast du nichts Weiteres zu tun, als dir deine Cookies schmecken zu lassen.
TIPPS Zufriedenheit Text: Denis Wischniewski
4 Dinge die dich zum zufriedenen Trailrunner machen!
Sei dankbar! Ich muss mich manchmal zum Glück zwingen. Weil ich mir dessen längst bewusst bin erweitere ich jeden Einzelnen meiner Läufe um eine kurze aber wichtige Session: Ich nehme mir während meiner Laufrunde oder direkt danach ein paar Minuten Zeit der Ruhe und bin dankbar für diese gute Zeit, für meine Gesundheit, für die Unglaublichkeit der Natur, dafür, dass ich diesen Sport und alles was dazu gehört für mich gefunden haben. Immer wieder vergesse ich das und in einem Strudel der Selbstverständlichkeit fühlt sich mein Trailrunning dann nicht so toll an wie es in Wirklichkeit ist. Auf dem höchsten Punkt der Strecke lässt mein Sportsfreund Alois absolut immer den Satz fallen; "Mei, hams mir wieda schee!"
Sag JA und zögere nicht Laufen gehen? Oder doch nicht? Ja? Nö? Wetter zu schlecht? Mhhh. Beim Laufcamp anmelden? Weiss nicht. Würde gerne, aber muss ich nochmal die anderen Termine checken. Es gibt immer Gründe etwas nicht zu tun, aber noch mehr einfach zu sagen JA, da mach ich mit. JA, da melde ich mich an. Am Ende fühlt es sich dann einfach sehr gut an, wenn man sich vom Zögern löst und entschieden Dinge zusagt. Das macht unser Laufen letztlich aus: Mitmachen, Entscheidungen treffen.
92 3/25
Löse dich von Erwartungen
Feiere kleine Dinge
Ich kann das mit reinem Gewissen behaupten: Ich laufe für mich! Die Zeiten, dass ich für die Erwartungen von anderen laufe, sind lange vorüber. Das fühlt sich gut an. Wenn wir für die Ansprüche anderer laufen, dann verfehlen wir im Kern all das was Laufen für uns bereit hält, denn es geht dabei UM UNS! Es ist von Kilometer 1 an eine ziemlich intime und besondere Zeit mit uns selbst. Wie schnell wir beispielsweise ein Rennen laufen, welchen Platz wir dort belegen und ob wir am Ende mit diesen Leistungen zufrieden sind, müssen wir mit uns selbst ausmachen. Andere Meinungen und Erwartungen haben dort keinen Platz! Zufriedenheit ist der Schlüssel um aus dem Laufen und Trailrunning etwas Nachhaltiges für unser restliches Leben zu machen.
Den Blick schärfen. Fokus auf die kleinen Details setzen. Das muss man zulassen, das passiert nicht von alleine. Trailrunning wird erst dann zum großen Abenteuer, wenn wir auch alles wahrnehmen was um uns herum passiert. Das kann viel sein und verlangt von uns, dass wir uns Zeit nehmen sie zu erkennen und anzuerkennen. Der Feierabendlauf endet am Wanderparklatz und wir genießen das kalte Getränk aus der Kühlbox im Auto. Was ein toller Moment! Das Training ist getan, die liebsten Menschen sind bei einem! Eine neue persönliche Bestzeit? Nein, aber eine neue persönliche beste Zeit.
93 3/25
PRAXISTEST KOMPERDELL
FXP CARBON "The Erlkönig" Gewicht: 167 Gramm (125 cm) 105-135cm (in 5cm Schritten) Preis: 249,95 Euro
Das habe ich mir immer gewünscht – Trailstöcke, die sich von ganz alleine aufklappen und zusammenbauen. Mit diesen neuen Carbon-Sticks von Komperdell wird ein Wunsch zur Wahrheit.
Vor gut einem Jahr durfte ich die FXP Carbon in diesem auffälligen ErlkönigDesign, bereits auf der Messe begutachten und freue mich nun endlich damit am Berg unterwegs zu sein. In der Tat ist das auffälligste Merkmal an diesen neuen Stöcken aus Carbon, der automatische Faltmechanismus, der für viele ein echter Kaufgrund sein könnte. Dass man sich das lästige Zusammenbauen, bevor es in den Anstieg geht, hier gänzlich spart, ist angenehmer Luxus, den man sich gönnen darf. "The Erlkönig" liegt toll in der Hand. Die Idee dem Stock keinen herkömmlichen Kork- oder Schaumstoffgriff zu spendieren, sondern ein supergriffiges Tape (wie beim Tennisschläger), ist genial. Dank der Fly Sportschlaufe hat man maximale Kontrolle und eine sehr effektive Kraftübertragung von der Hand zum Stock zum Boden. Minimale Meckerei muss hier auch sein: Um die Stöcke wieder auf Packmaß (45 cm) zu bringen muss man natürlich manuell tätig werden und an den Gelenken jeweils eine schwarzen Button drücken. Genau diesen Knopf würden wir uns in einer Signalfarbe wünschen, denn er ist schwarz und im "Dazzle-Muster" kaum zu finden. Das nervt! Fazit: Schön, dass ein solch spannendes Produkt auf den Markt kommt. Eine innovative Idee an einem rundum tollen Trailrunning-Stock, der leicht, steif und funktionell ist.
Zusammengefaltet bringt es der Erlkönig auf 45 cm und passt somit in den Köcher, Belt oder Laufrucksack.
94 3/25
VELOFORTE
Fresco Energy Chews Preis: 3,29 Euro (50 g) 6 Stück
RYZON
PHANTOM RUNNING INSULATED VEST Polartec® Alpha®-Futter XS-XL Preis: 200 Euro Ryzon waren mir bislang als Radsport- und Triathlon-Bekleidung bekannt. Dass der Schritt zur guten Laufklamotte nicht groß sein muss, beweist diese leicht gefütterte Weste, die das ganze Jahr funktioniert und effektiv wärmt. Dabei ist sie klein und passt überall rein. Mit dem Blick auf diese Vest lagen wir in der Vergangenheit falsch und müssen unser Verhältnis zu Laufwesten neu überdenken. Die Phantom Running Vest ist uns schnell ans Herz gewachsen und ist seit einigen Wochen auf Trailtour, Radtour und sogar den letzten Skitouren mit dabei. Ein Multisportler in schlichtem Design und klassichem Schnitt. Das Polartec® Alpha® Futter ist eine wahre Wundertechnologie und isoliert mit nur wenig Gewicht und Volumen schnell und spürbar. https://ryzon.net
RUDY PROJECT ASTRAL SPHERE
Preis: 179,95 Euro (mit photochromatischen ImpactX®-Gläsern) Es muss 1987 gewesen sein. Ja, das ist lange her. Damals schon geboren? Charly Mottet war damals in der Blüte seiner Leistungsfähigkeit und fuhr die 13. bis 17. Etappe der Tour de France im gelben Trikot. Dabei trug der Franzose eine Brille von RUDY PROJECT und ich wackelte in den nächsten Radladen und kaufte mir vom Taschengeld genau diese Brille! So war das damals. Nun also meine zweite Rudy Project rund vier Jahrzehnte später. Wahnsinn. Die Marke hat für mich Magie und diese neue Astral Sphere passt so perfekt, nein natürlich viel besser, als das Ur-Modell damals. Ich bin begeistert vom Glas, das sich an jede Lichtsituation anpasst und vom Tragekomfort. Eine Brille, die ich unbedingt empfehlen mag.
95 3/25
So ein Energy-Chew, das energiesatte Weingummi, bleibt für viele eine dankbare Alternative zu Gel und Riegel. Nicht so trocken wie ein Bar und auf Dauer etwas schmackhafter als Gel. Sehr begeistert bin ich von diesen Chews der Firma Veloforte, denn sie unterscheiden doch erheblich von den bisherigen Fruchtgummis, sind weniger süß und säurig, weit mehr mild im Geschmack und in diesem Falle schmeckt man Lemon und Minze nur ganz dezent. Eine wirkliche Delikatesse sind die weichen Stücke, die in der 50 Gramm Packung in 6 Teilen perfekt portioniert sind, nicht. Muss auch nicht – sie lassen sich einfach herrlich einfach verzehren. Für mich sind diese Chews bei einem langen Training oder Wettkampf nicht die einzige Sportnahrung, aber sie ergänzen meine anderen Sportgetränke und Gels und bringen ins Gesamtkonzept eine tolle Abwechslung. Eine 50 Gramm Packung enthält 42 Gramm Kohlenhydrate und besteht in der Hauptsache aus einem Glucose-Fructose-Mix, was schnelle Energiebereitstellung verspricht. Die Chews sind 100% vegan und bringen zudem noch 95mg Sodium an Elektrolyten mit sich. Einfach mal probieren. sporthunger.de
PRAXISTEST SALOMON
ADV SKIN 12 Racevest 160,00 Euro / 12 Liter Volumen / 2 x 500 ml Softflasks Bereits zweimal hat der Laufrucksack ADV SKIN 12 unsere Leser*innen-Umfrage zum beliebtesten Trailrunning-Produkt gewonnen. Nun wurde die prämierte Racevest überarbeitet.
Um ehrlich zu sein, war das Vorgänger-Produkt schon verdammt perfekt, aber die wohl wichtigste Verbesserung des 2025-er Release ist tatsächlich die Signalpfeife! Ja, denn die ist diesmal endlich laut! Endlich. Ansonsten haben wir es hier mit der vielleicht besten Racevest auf dem Markt zu tun – alles findet hier seinen Platz. Die Fächer und Taschen sind gut erreichbar, ausreichend groß und so konstruiert, dass selbst bei maximaler und schwerer Beladung beim
Laufen nichts wackelt. Selbstverständlich ist das gegenwärtig nämlich nicht. Ich erkenne bei Wettkämpfen noch immer mehr Leute mit schlecht angepassten Laufrucksäcken, die wackeln und scheuern, als welche mit smart anliegenden. Der neue ADV SKIN 12 ist ein Komfortwunder und an den notwendigen Stellen ausgepolstert und unfassbar dehnbar um Ausrüstung simpel und schnell zu verstauen und auch wieder rasch verfügbar zu haben. Updates
die sonst noch auffallen: Die Reissverschlüsse in der Front sind butterweich und robust gegen Schweissrückstände. Die kleinen Fächer auf vorderer Schulterhöhe sind jetzt leichter greifbar und ideal für kleine Wichtigkeiten. Im Lieferumfang enthalten sind auch diesmal speziell dem Rucksackt angepasste 500mlSoftflasks, die sehr elegant in die Fronttaschen gleiten und zudem noch gesichert werden können. Die individuelle Anpassung der Vest
96 3/25
über das clevere und simple Verschlusssystem ist sehr gut. Mein liebstes Detail ist jedoch das Doppel-Taschen-System auf Höhe des unteren Brust/ Rippenbogen. Hier bekommt man alles unter, hat direkten Zugriff und kann sich auch mit breiter Ausrüstung gut organisieren. Für Regenjacken, Schutzhosen oder Wechselbekleidung bietet das Hauptfach und das offene, am unteren Rücken angebrachte Fach, viel Platz. Fazit: Der Laufrucksack schlechthin!
Ultra Trail: Mehr Leistung von Minute zu Minute - stundenlang. Der Prodigio Pro wurde für höhere Leistung und Geschwindigkeit auf selbst den längsten Distanzen entwickelt. Konzentriere dich ganz auf dich. Profitiere von der maximalen Reaktionsfähigkeit der Xflow Speed™ - Technologie mit optimaler Dämpfung auf jedem Terrain und konstantem Energiefluss. Behalte die Kontrolle dank der präzisen Passform mit Power Wire-Technologie. Kilometer für Kilometer ein paar Sekunden schneller: Entdeckt den Prodigio Pro auf lasportiva.com
#citizensofthemountain Andreas Reiterer, at Lavaredo Ultra Trail
SPEED FOR YOUR FLOW.
MORALFRAGE Distinktion
DIE STADT ALS LAUFSTEG Der Begriff Coffee Run beschreibt das beschleunigte Flanieren, bevorzugt durch urbane Szeneviertel. Eine allzu eitle Angelegenheit? Ach was … Samstagmorgens bin ich für gewöhnlich nicht auf einsamen Trails unterwegs. Ich laufe stattdessen mit meiner Laufcrew mitten durch die Innenstadt. Wir treffen uns an dieser kleinen Boutique, die neuerdings auch Lauf- und Outdoorsachen verkauft, und stehen danach noch eine Weile vor unserem Lieblingscafé mit einem Flat White, einem Americano und einer Kardamomschnecke in der Hand. Ich mag diesen Community-Run, wenngleich das Terrain und die Distanz in keiner Weise fordernd sind und das Tempo eher einem entspannten Recovery Run gleicht. Vor allem mag ich die Reaktionen der Passanten, wenn da ein Dutzend Läufer:innen durch einen U-Bahnhof rennen und bereits im März in Splitshorts vor dem Café stehen. Gleichzeitig denke ich, ist das nicht ganz schön eitel von mir? Läuft man nicht vor allem für sich selbst? Max R., München
Ach Max, spätestens mit den fälschlicherweise sogenannten Funsportarten – BMX, Skateboard, solche Sachen – hat sich die körperliche Bewegung als eine Strategie etabliert, der Welt (oder eben der Stadtgesellschaft) den eigenen Lebensstil, ja das eigene Lebensgefühl mitzuteilen. Die Kulturtheorie sieht darin sogar eine subversive Strategie. Sieh es doch einmal so: Andere brauchen dazu eine Mercedes G-Klasse oder ein anderes sehr teures Auto, mit dem sie dann in Schrittgeschwindigkeit durch die Innenstadt flanieren. Sehen und gesehen werden. Eure Laufcrew animiert im besten Fall aber andere dazu, das Auto öfter mal stehen zu lassen. Und überhaupt: Diese Sache mit dem Laufen ist immer auch eine hedonistische Angelegenheit. Wenn man sich dabei selbst nicht allzu bierernst nimmt, ist das doch voll okay. Schließlich geht es doch zunächst einmal darum, etwas zu tun, das uns ein gutes Gefühl vermittelt. Und ein gutes Gefühl scheinen dir diese Coffee Runs zu geben.
98 3/25
ULTRA GLIDE 3
DYNAMIC COMFORT You will never run more comfortably.