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NEWS & JOURNAL / MEINUNG / SANGE SHERPA / TRAILSPOT SCHWEIZ
TRAIL MAGAZIN
DAS LAUFMAGAZIN NR.1 FÜR TRAILRUNNING
2026 März April
DEUTSCHLAND € 9,90 ÖSTERREICH € 10,90 SCHWEIZ SFR 15,80 LUXEMBURG € 11,40 ITALIEN € 13,40 SPANIEN € 13,40 FRANKREICH € 13,40
WWW.TRAIL-MAGAZIN.DE
TrailschuhNews 2026: Die ersten Highlights im Test!
5-100k k:
Ec Bei dir ums ten s Die schön Rennen im ge Mittelgebir
Fit ins Frühjahr!
Das musst du jetzt im Training beachten um topfit in deine beste Saison zu starten...
Welche Kamera läuft mit dir? Action-Cams, 360° & Drohnen im Trailrunning-Check
Generation TRAIL
Wie sie läuft, was sie will, wohin sie rennt ...
TYP
Mikey Kratzer ist ein Insta-Star und liebt es doch ruhig
REISE
Ein Winter in Athen: Trailrun auf historischen Spuren
EVENT 40 Jahre später: der Wüstenmarathon wird ein Ultratrail
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PRODUCT NAME S / L A B P H A N TA S M 3
EDITORIAL
4 Menschen dieser Ausgabe
Liebe Leserinnen, liebe alle, hallo, natürlich interessiert sich auch unsere Redaktion für das Weltgeschehen. Für die großen Linien ebenso wie für die schrägen Ränder. Für die Frage, was ein amerikanischer Präsident mit Grönland vorhat, wie die SPD Steuern neu denkt oder was im Gehirn passiert, wenn Menschen längere Zeit durchs All schweben. Auch die angebliche Alkoholsucht einer sehr berühmten Influencerin aus Berlin ist uns nicht völlig entgangen. Aber wir halten Maß. Und wir erinnern uns. An eine E-Mail, die uns einmal erreichte, vor einiger Zeit, von einem besorgten Leser. Sie endete mit dem Satz: „Liebes Trail Magazin, bitte kümmert euch um eure Kernkompetenz, das Laufen. Lasst die Finger von der Politik.“ So machen wir das. Willkommen im Trail Magazin 2026. Es geht diesmal – in jeder Hinsicht – ums Laufen. Wir schreiben über Menschen, die verdammt schnell über Trails fliegen. Und über jene, die das langsamer tun, mit Genuss, mit Pausen, mit einer gewissen Sympathie für den Müßiggang. Wir stellen Schuhe vor, in denen man Wettkämpfe gewinnen kann. Und solche, in denen man auf einem Gipfel sehr lange sitzen bleibt, ohne dass etwas drückt. Auch das ist eine Qualität. In der Reportage »Generation Trail« versuchen wir, unserer eigenen Leserschaft auf den Grund zu gehen. Wer sind diese Menschen, die gerade dabei sind, den Sport neu zu definieren? Die aus Laufen mehr machen als nur Laufen? Und wer ist eigentlich Mikey Kratzer? Wilder Typ. Diese Ausgabe steht aber auch für Konstanz. Nicht am Bodensee – sondern bei Coach Lars Schweizer. Er schreibt im Detail darüber, wie wir topfit in diese vermutlich wieder fabelhafte Trail-Saison starten. Struktur, Plan, Vernunft. Auch das kommt vor. 2026 reißen wir alles ab. Also: im übertragenen Sinn. Es wird wunderbar. TRAIL-Herausgeber Denis Wischniewski will in diesem Jahr laufen. Wohin, wie weit und wann genau, weiß er noch nicht. Aber er weiß, warum. Er sucht ein persönliches Laufhighlight, ein Abenteuer in Etappen, das ihn fordert und Geschichten liefert. Vielleicht führt der Weg nach Warschau. Dort soll es ein Kaffeehaus geben, das Wischniewski heißt. Ein Ziel, das weniger nach Ziellinie klingt als nach Torte und Milchkaffee. Und dafür ist Denis immer zu haben.
6/2 0 1 8 3201/26
Mikey Kratzer
ist Läufer, Familienmensch und popkultureller Grenzgänger. Zwischen Trail, Straße und Punk-DIY lebt er das Laufen als Haltung, nicht als Leistungsversprechen. Gebucht wird er nicht für Zeiten, sondern für Authentizität, Stil und eine Haltung, die inspiriert. Seite 36
Nina Engelhardt
Nina Engelhardt hat nach ihren beiden WM-Titeln im Herbst 2025, eine Auszeit an der Atlantikküste genossen. Uns interessiert aber vielmehr ihr Outfit in dem sie die Besten der Welt geschlagen hat. Inside Outfit auf Seite 42
Sange Sherpa
verbindet Weltklasse-Härte mit stiller Demut. Als Ultraläufer, Gastgeber und Brückenbauer formt er im Himalaya Gemeinschaft statt Ego. Sein Antrieb: Leistung fühlen, Kultur teilen, Talente fördern – immer mit einem Lächeln. Seite 80
Egon Theiner
Egon Theiner ist Trailrunner und Sportjournalist alter Schule. Er denkt Leistung als System, nicht als Gefühl, und kämpft für Sichtbarkeit von Elite im Trailrunning. Leise, beharrlich, präzise – einer, der den Sport ernst nimmt, statt ihn zu romantisieren. Seite 72
Latest News dieser Ausgabe! Pünktlich zur Druckdatenabgabe sollte hier wie immer die letzte Newsmeldung stehen. Im Zeitalter des WWW eigentlich überholt. Alles Wichtige findet ihr in diesem Heft. Für alles, was danach passiert: www.instagram.com/trailmagazin
INHALT 18 Jahre Trail 2008 - 2026
STANDARDS EDITORIAL 3 INHALT 4 NEWS 16 INSIDE OUTFIT 42 MEINUNG 64 KURZPORTRÄT 72 GLOSSE 97
06
6 FOTOSTORY
24 TRAINING
16 JOURNAL
30 REISE
Trailrunning ist mehr als Zielzeit: Zweifel am Start, Nähe im Ziel, Schmerz und Erleichterung – und Momente, die bleiben.
Die bunten Seiten zu Beginn: Denis´Kolumne, neue Produkte, Pro und Contra, Lowa Trail Trophy, Everesting, Was mein Laufen reicher macht, Dinge die man unbedingt haben will und rot sind.
Warum das Frühjahr über deine Trailsaison entscheidet – und wieso Geduld, Struktur und kluge Intensität jetzt wichtiger sind als Tempo.
Athen erlaufen: kompakte Stadt, kreative Viertel, günstiger Nahverkehr und Trails vom Lykabettus bis Hymettos.
44 HINTERGRUND
Gibt es eine „Generation Trail“? Über Gemeinschaft, Augenblicke und warum Trailrunning weniger ein Alter als eine Haltung ist.
4 2/26
36 48 TEST
Vier Marken, vier Ansätze: Neue Trailschuhe von Mount to Coast, Mammut, Craft und Kiprun zeigen, wie vielseitig Trailrunning 2026 wird.
SUBKULTUR MIT DISTANZ
Mickey Kratzer lebt vom und fürs Laufen. Vom Times Square bis zu den Hügeln vor der Haustür – ein Gespräch über Ausdauer und Laufkultur.
52 RENNEN
76 UMFRAGE
58 REPORT
80 PORTRÄT
60 KAMERAS
86 REVIER
66 REPORT
92 TIPPS
Trailrunning im Mittelgebirge: 18 Trailevents zeigen, wie lebendig Community, Do-it-yourself-Geist und Abenteuer vor der Haustür sind.
Zu Fuß nach Chamonix: Wie Konrad Smolinski über die Alpen lief, um sich auf den TDS vorzubereiten – und was Anpassung wirklich heißt.
Action-Cams fürs Trailrunning: MiniCams, 360°-Kameras und SelfieDrohnen – welche Technik zu deinem Laufstil passt.
MDS ULTRA streicht jeden Komfort: ein Lauf, keine Etappen, 40 Stunden Zeit – und eine Wüste, die keine Fehler verzeiht.
3500 Leserinnen und Leser haben abgestimmt – das sind die wichtigsten Ergebnisse, die uns staunen lassen.
Sherpa Elevation Lab in Nepal: Höhentraining im Himalaya, kultureller Austausch und Gemeinschaft – initiiert von Ultra-Läufer Sangé Sherpa.
Warum die Schweiz zum Herz des Trailrunning-Booms wurde – über Tradition, Community, Haltung und ein echtes Wir-Gefühl auf den Trails.
Was Trailrunner vom Triathlon lernen können: über kluge Trainingsplanung, Stabilität, Ernährung – und warum weniger Härte oft mehr bringt.
PodCast
Folge 100:
das große Jubiläum
Inside Out 42 Schuh-Legenden 74 Tipps 92 Praxistest 94
94 PRAXISTEST Auf langen Trails getestet: Salomon Bonatti Trail, Saucony Peregrine, Mount To Coast H1, Altra Timp 6, ...
98 MORAL
Verletzung vor dem ersten Ultra: Eine Leserin fragt, ob eine Notlüge gegenüber der Versicherung moralisch vertretbar ist – und wo Verantwortung beginnt.
5 2/26
FOTOSTORY Emotionen Text & Fotos: Linka Production
what a feeling 6 2/26
Trailrunning ist nicht nur Training und Wettkampf. Es sind frühe Zweifel, stille Gesten im Startblock, kurze Begegnungen im Ziel. Schmerz gehört dazu, ebenso Nähe und Erleichterung. Wer auf Trails läuft, erlebt nicht nur Strecke – sondern Momente, die sich einprägen. 7 2/26
8 2/26
Fo t o s : H o w i e S t e r n , I a m C o rl e s s
Grosses Bild links: Tara Dower ist das Leiden vertraut. Sie hat akzeptiert, dass Trailrunning weh tut – und begegnet diesem Wissen mit einem Lächeln und erstaunlicher Entschlossenheit.
9 2/26
Fo t o s : S a m C l a rk
Fo t o s : Fu j i h a k o n e I z u
FOTOSTORY Emotionen
10 2/26
Diesmal begann es schon am Start. Ich versuchte, die Tränen zurückzuhalten, aber es ging nicht. Sie liefen einfach. Die anderen im Startblock bemerkten es. Niemand sagte etwas. Ein Schulterklopfen hier, ein kurzes Lächeln dort. Kleine Gesten. Gerade genug, um nicht allein zu sein.
11 2/26
Fo t o : Jo a o Fa r i a
FOTOSTORY Emotionen
12 2/26
Profiläuferin und ExWestern States Siegerin Steph Chase gewinnt den MIUT 16 und erlebt den Zieleinlauf mit ihrem Sohn.
13 2/26
FOTOSTORY Emotionen
Fo t o s : H a r a l d W i s t h a l e r, A n d i Fr a n k
Als ich im Ziel meinen Mann in die Arme nahm, fiel etwas von mir ab, von dem ich nicht wusste, dass ich es so lange getragen hatte. Für einen Moment war da nur Müdigkeit. Und die Frage, wofür diese zwölf Stunden überhaupt nötig gewesen waren. Ich hätte auch einfach bei ihm bleiben können. Der Gedanke blieb. Und tat ein wenig weh.
14 2/26
15 2/26
TICKER +++ 64 Rennen weltweit wird die UTMB Worldserie 2026 umfassen
1. Etappe 33 km · ↑ 2.405 m Start & Ziel: Lenzerheide 2. Etappe 49,5 km · ↑ 1.995 m Lenzerheide → Ilanz 3. Etappe 30 km · ↑ 2.250 m Ilanz → Vrin 4. Etappe 39 km · ↑ 2.285 m Vrin → Olivone 5. Etappe 35,5 km · ↑ 2.150 m Olivone → Biasca 6. Etappe 29,5 km · ↑ 2.248 m Biasca → Sonogno 7. Etappe 41,5 km · ↑ 1.992 m Sonogno → Locarno, Lago Maggiore
SCHWEIZ ZU FUSS 2026 erfindet sich der Dynafit Transalpine Run neu: erstmals ausschließlich durch die Schweiz, von Hochalpen bis ans Wasser. Sieben Tage, eine Route – und die Frage, wie sich ein bekanntes Rennen verändert. Es beginnt früh am Morgen in den Bergen von Lenzerheide. Nebel liegt in den Mulden, Stimmen hallen über den Platz, dann Stille. Was folgt, ist keine gewöhnliche Laufveranstaltung, sondern eine Woche, in der sich Zeit und Maßstäbe verschieben. Der Dynafit Transalpine Run führt 2026 erstmals ausschließlich durch die Schweiz – sieben Tage, 250 Kilometer, rund 15.000 Höhenmeter. Bis zu 900 Läuferinnen und Läufer aus aller Welt machen sich auf den Weg. Manche kommen im Team, andere allein. Alle tragen sie dasselbe Ziel vor Augen: anzukommen. Nicht nur am Ende der Etappe, sondern auch bei sich selbst. Denn wer täglich mehrere tausend Höhenmeter überwindet, merkt schnell, dass es hier nicht um Tempo geht, sondern um Einteilung, um Vertrauen – in den eigenen Körper und in die Landschaft. Diese Landschaft ist von überwältigender Präsenz. Die Route führt durch die Rheinschlucht, wo weiße Felswände bis zu 350 Meter aufragen und der Fluss tief unten wie ein ferner Gedanke rauscht. Später öffnet sich die Greina-Hochebene: weit, karg, beinahe unberührt. Ein Ort, an dem man lernt, wie laut Stille sein kann. Mit jedem Tag verändert sich die Szenerie. Historische Säumerpfade führen hinab ins Tessin, das Licht wird weicher, die Luft wärmer. Die Alpen verlieren ihre Strenge, ohne ihre Größe einzubüßen. Schließlich endet der Lauf in Locarno, direkt am Ufer des Lago Maggiore. Palmen, Wasser, Applaus – und Körper, die wissen, was sie geleistet haben. Seit 2005 gilt der Transalpine Run als eines der härtesten Etappenrennen im Trailrunning. 2026 erzählt er eine neue Geschichte: weniger von Grenzen zwischen Ländern, mehr von Übergängen – zwischen Höhenlagen, Klimazonen und inneren Zuständen. Am Ende bleibt die Erfahrung, sich aus eigener Kraft durch eine große Landschaft bewegt zu haben. Und das Wissen, dass man dafür keinen Sieg braucht. Alle Infos und Anmeldung unter transalpine-run.com Dynafit Transalpine Run 2026 Datum: 28. August bis 3. September 2026 Strecke: 250 km, ca. 15.000 Höhenmeter Etappen: 7 Start: Lenzerheide (GR) Ziel: Locarno am Lago Maggiore (TI)
Teilnehmer: bis zu 900 Formate: Zweier-Teams oder Solo, optional RUN2 (Etappen 1–2) Charakter: anspruchsvolles alpines Etappenrennen seit 2005
16 2/26
TICKER +++ Sportuhren-Hersteller Suunto feiern 2026 ihr 90-Jähriges Gründungsjubiläum
PRO & CONTRA Wenn der Berg nicht zum Läufer kommt … Darf man sich eigentlich Trailrunner oder Trailrunnerin nennen, wenn man das ganze Jahr keinen Fuß in die Alpen setzt? Unsere Redakteure haben unterschiedliche Wohnsitze – und auch deshalb unterschiedliche Meinungen. Pro Clemens Niedenthal Wären da nicht meine regelmäßigen Besuche in der Redaktion im Chiemgau, dort, wo sich Hochgern und Kampenwand wie die Finger einer Hand steil aufragend in das bald schon flache Alpenvorland strecken – wären da also nicht meine regelmäßigen Besuche in Unterwössen, ich hätte im vergangenen Jahr keinen alpinen Trail unter meinen Vibram-Sohlen gehabt. Meine Reisen führten mich nach Athen und auf Bornholm. Und auf die Trails in Polen und im italienischen Friaul, aber auch von dort ist es bis in die Alpen noch ein Stück. Ich bin den OstseeFernwanderweg entlanggerannt. Überschaubare Höhenmeter. Über der Baumgrenze war ich nicht. Und doch schaue ich zufrieden und vor allem glücklich auf mein Trailrunningjahr 2025. Es waren entdeckungshungrige Läufe auf mal unbekannten und dann wieder wohlig vertrauten Wegen. Trailrunning, das habe ich einmal gelesen, sei vor allem eine Einstellungssache. Sei „a state of mind“. Vielleicht habe ich das auch, zugegeben, irgendwann einmal selbst geschrieben. Ich finde aber, es stimmt. Im August, als ich in drei Etappen einmal um die Insel Bornholm gelaufen bin, war ich meiner Vorstellung von Trailrunning sehr nahe. Auch ohne Vertikal-K oder Stunden im ausgesetzten, weglosen Gelände. Gleich im März aber bin ich, zugegeben, endlich wieder in Südtirol – und gespannt darauf, ob und wie sehr ich die Alpen dann doch vermisst habe.
Contra Denis Wischniewski Dass ich Trailrunning so sehr und so beharrlich in den Alpen verorte, hat seine Geschichte. Ich habe nämlich vor vielen Jahren, damals lebte ich noch mitten in München, einen ordentlichen Hieb abbekommen. Oder besser: einen Schlag weg. Ich lief zusammen mit zwei Semiprofis am Hochries. Nichts Weltbewegendes, aber doch ein erster Alpengipfel, der auch so aussieht und sich entsprechend benimmt. Die beiden lebten damals in unmittelbarer Nähe des Berges, hatten ihre Kindheit und Jugend allerdings in Berlin und in der Lüneburger Heide verbracht. Während wir also so vor uns hinliefen, nannten sie mich plötzlich einen Flachländer. Das traf mich. Wie ein Pfeil, um im Bild zu bleiben. Ich – ein Flachländer? Ich erklärte mich aufbrausend. Dass ich am Rand der Schwäbischen Alb aufgewachsen sei. Dass man vom Elternhaus weg direkt Skifahren konnte. Dass ich dort auf meiner Hausrunde locker tausend Höhenmeter auf fünfzehn Kilometern sammle. Locker! Beeindruckt hat es sie nicht. Sie waren schließlich Alpenbewohner, und Alpenbewohner lassen sich nicht von solchen Fakten beirren. Jetzt lebe ich selbst nur zwanzig Minuten vom Hochries entfernt. Die beiden aber laufen längst nicht mehr, sie leben nicht einmal mehr in den Alpen. Aus meiner heutigen Perspektive kann ich sie jedoch sehr gut verstehen.
Flachländer? Von wegen. Aus hochalpiner Perspektive mag die Alb nicht sehr hoch sein, aber flach?
17 2/26
NEWS&JOURNAL
TICKER +++ Der MOZART 100 by UTMB zieht 2026 von Salzburg nach Fuschl am See
DENIS’ KOLUMNE These words are dedicated to all slow runners
Mir hat das immer gefallen, wenn Bands auf der Bühne kurz innehielten und sagten: This next song goes out to … To my brother. To my sisters. To all the good people. To all the sad people. Ein Song, der jemandem gewidmet ist. Eine kleine Geste, aber eine schöne. Und weil ich keine Band habe und auch kein Mikrofon, versuche ich es hier. Mit dieser Kolumne. These words are dedicated to all slow runners. Ich beobachte nämlich seit Jahren etwas Merkwürdiges: Die extrem Schnellen bekommen viel Aufmerksamkeit. Die, die unfassbar weit laufen auch. Die mit vielen Followern sowieso. Nur die Langsamen – die kommen selten vor. Dabei sind sie da. Überall. Still. Beharrlich. Also: Hallo im TRAIL Magazin, ihr Gemütlichen. Ihr Pausenmacher. Ihr Gipfel-Aussicht-Genießer und Labestations-Zeitnehmer. Es ist gut, wie ihr seid. Und gut, dass es euch gibt. Ich sage das auch aus Eigeninteresse. Ich gehöre dazu. Beeindruckt bin ich von euch ohnehin. Um das zu erklären, muss ich aber kurz über die sprechen, die alles anders machen. Ich habe neulich ein Video gesehen über den Sieger der Golden Trail Series. Wie er im Downhill heranfliegt, den Führenden einholt, überholt, im Zielsprint stehen lässt. Athletisch. Locker. Lässig. Trailrunning als Gedicht. Bei uns ist das anders. Sorry. Bei mir auch. Bei uns. Wir stolpern. Wir schauen auf Fotos aus, als hätten wir uns verlaufen. Das, was wir für Laufen halten, ist für Außenstehende ein ambitionierter Spaziergang. Und unsere Körper erinnern uns regelmäßig an die Existenz der Schwerkraft. Es ist mühsam – und es sieht auch so aus. Unser Schlürfschritt ist konsequent. Immerhin. Aber wir laufen für uns. Vielleicht ist das der Schlüssel. Wir laufen nicht für Bilder. Nicht für Geld. Nicht für ein „Ui“ oder „Oh“. Wir dürfen langsam laufen. Es ist erlaubt. Man stelle sich vor, eine Eliteläuferin würde bewusst langsam laufen. Sie wäre sofort weg vom Fenster. Ein Lehrer würde den Aufsatz zurück auf den Tisch knallen und sagen: Thema verfehlt. Wir verpassen nichts. Wir haben ja Zeit. Wir rennen los und bleiben stehen, wenn es sich lohnt. Wir laufen im Luxus. Im Luxus, selbst zu entscheiden. Und in dieser Art zu laufen, im langsamen Laufen, liegt eine erstaunliche Freiheit: die Freiheit, später anzukommen. Vor etwa sieben Jahren habe ich einen Mann aus der Nähe von Lörrach kennengelernt. Für mich war er der ultimative langsame Trailrunner. Er lief. Also: Er wanderte nicht. Aber er war nur minimal schneller als ein durchschnittlicher Wanderer.
Er trug die neueste Trail-Ausrüstung, war leichter unterwegs als die meisten Profis. Seine Haltung allerdings erinnerte eher an einen alten Bergfex. Er strahlte Ruhe aus. Alles an ihm wirkte bedacht. Wenn er bei Community Runs abgehängt wurde, kämpfte er nicht. Er verabschiedete die Schnellen freundlich, suchte sich eine neue Route – und stand am Ende trotzdem im Ziel. Mit einem Bier. Er trainierte nach Plan, hatte keine Wettkämpfe im Kopf und hatte noch nie ein Energie-Gel gegessen. Nie. Er trug eine Hightech-Uhr und biss oben am höchsten Punkt der Runde in einen Apfel vom Bodensee. Ich habe ihn nie wieder gesehen. Aber manchmal, wenn ich besonders langsam bin, denke ich, dass genau das der Punkt ist. Man muss nicht schnell sein, um weit zu kommen. Man muss nur loslaufen.
18 2/26
Eine lange Beziehung Es ist 2026, und Kilian Jornet, der Superstar einer Sportart namens Trailrunning, hat einen neuen Sponsor. So weit, so unspektakulär – schließlich sind solche Wechsel Teil des Profisport-Alltags. In diesem Fall aber ist die Meldung tatsächlich eine wert. Denn Jornet geht eine offizielle Partnerschaft mit einer Brillenmarke ein, deren Produkte er ohnehin seit jeher trägt. Seit jeher? Ja, tatsächlich immer. Mit Gläsern von JULBO stand er bereits im Alter von drei Jahren auf seinem ersten Dreitausender.
TICKER +++ Der Mountain Man Wintertrail in Reit im Winkl findet am 7. März statt.
WAS MEIN LAUFEN REICHER MACHT ...
Wir haben unsere Community gefragt, was diese kleinen Momente beim Trailrunning sind, die es immer wieder zu etwas Besonderem machen ...
Svenja K.
Ricarda T.
Marcel N.
Louis M.
aus Siegsdorf
aus Gummersbach
aus Würzburg
aus Freiburg
Ich hab meinem Bruder am zweiten Weihnachtsfeiertag ein altes Trail Magazin in die Hände gedrückt und ihn aufgefordert sich mal endlich mehr zu bewegen. Er blätterte flüchtig, gelangweilt durch und sagte: "Kenn ich doch alles – lese ich immer bei dir auf dem WC!" Ich antwortete "Na dann, weisste ja bescheid kleiner Kilian Jornet."
Ich bin diesmal zu früh am Wanderparkplatz, an dem wir uns zum Laufen treffen wollen. Es ist kalt, der Frost liegt noch in der Luft. Auf einer Holzbank fällt bereits Sonne ein. Ich setze mich, schließe die Augen. Es wird heller, etwas wärmer. Die Vorfreude wächst.
Unser Winterurlaub im Allgäu fiel diesmal ohne Skisport aus. Also lief ich. Oben auf dem Berg hatte eine Hütte geöffnet, nach 700 Höhenmetern setzte ich mich auf die Sonnenterrasse. Während eines kurzen Toilettengangs entschieden zwei Dohlen, dass mein Kaiserschmarrn nun ihrer sei. Der Tag war zu schön, um daraus ein Drama zu machen.
Ich liege im Zielbereich meines ersten Ultratrails. Glücklich, müde, leer. Die Geräusche um mich herum sind gedämpft. Ein älterer Herr in einem Tweed-Anzug bleibt stehen, als hätte er sich verlaufen. Er sagt, er habe den ganzen Tag zugeschaut. Er sei beeindruckt von dem, was hier geleistet werde. Wenn er jünger wäre, sagt er, würde er so etwas auch machen. Jetzt sei es zu spät. Er habe den Moment verpasst. Er wünscht mir gute Erholung, gratuliert mehrfach und geht weiter – zu den nächsten Finishern, denen er dasselbe sagt.
Als ich die Augen wieder öffne, sitzen links und rechts von mir meine beiden Lauffreundinnen. Sie sind leise gekommen.
Ein Camp im Herz des Sports Das Programm Von Freitag bis Sonntag erwartet dich eine harmonisch abgestimmte Mischung aus Trail-Praxis, Pilates for Runners und mentaler Stärke: In Technik-Workshops feilen wir an deiner Ökonomie, während der Mental-Workshop „Der unaufhaltsame Läufer“ den Fokus auf Selbstführung legt. Das GaPa Everesting-Tryout am Eckbauer und das Berg-Einmaleins an der Skischanze
fordern deine Ausdauer heraus. Den Abschluss bilden ein Sunrise-Hike und eine Mobility-Session für deinen Alltag. Dein Einstieg Wir arbeiten in zwei Leistungsgruppen an deiner Effizienz – egal, ob du seit sechs Monaten läufst oder bereits technische Trails beherrschst. Bereit? Mehr Infos unter: www.gapa-tourismus.de/trailrunning-camp
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Fo t o : S t a d l e r
Garmisch-Partenkirchen wird Mitte April zum BaseCamp für alle, die Trailrunning als Zusammenspiel von Körper und Geist definieren. Hier dient der Trail als Spielfeld für neue Grenzen – wissenschaftlich fundiert und direkt erlebbar. Das Programm ist darauf ausgerichtet, sowohl Einsteigern als auch Erfahrenen neue Perspektiven zu eröffnen.
TICKER +++ Bewerben bis 1. März: Jetzt ein Dynafit-Trailheroe werden! www.dynafit.com/de-de/trailheroes
LESERBRIEF Liebe Macher des Trail-Magazins, zunächst ein großes Lob für die aktuelle Ausgabe. Ich habe tatsächlich jede Seite gelesen und vieles aufgesaugt. Abwechslungsreich, informativ und so viel besser als all die kurzen Online Beiträge über das Trailrunning. Zwei Themen möchte ich trotzdem ansprechen. Fashion und Trailrunning: Bei den Preisen für Kleidung s.g. "Boutigemarken", à la Soar, Cimoro muss ich mich schon fragen, was diese Preisgestaltung soll. Beispiel Soar: Shorts+T-Shirt (kurz) + Basecap + Laufweste+Socken und schon ist man 800 Pfund los. Wird man damit auch nur eine Sekunde schneller/ausdauernder/erholter sein? Ich bezweifle es. Das sind Klamotten für das Ego aber eher nicht für die 99% der Läufer auf den Trails. Jeder soll kaufen was er möchte aber die Preisentwicklung beim Trailrunning ist unglaublich und ich frage mich, wer sich das leisten kann oder möchte.
LOWA Trail Trophy vom 14. bis 17. Mai www.trail-trophy.com GaPa Everesting Festival am 8. und 9. Mai www.everesting-festival.com
WIR. ZUSAMMEN!
Laufen beginnt oft als Suche nach Stille und wird dann zur Erfahrung von Gemeinschaft. Denn wer die Pfade für sich wählt, merkt schnell: Allein bestimmt man das Tempo, doch gemeinsam erreicht man Horizonte, die man solo wohl nie gewagt hätte. Im Jahr 2026 erzählen Formate wie die LOWA Trail Trophy und das GaPa Everesting Festival genau diese Geschichte; eine von der Kraft, die entsteht, wenn wir uns verbinden.
Das Versprechen am Start
Ausdauer ist weit mehr als die Summe mühsamer Trainingstage; sie ist das Echo der Menschen um uns herum. Es sind die geteilten Zweifel im Morgengrauen und die wortlose Übereinkunft am Berg, die uns weitertragen. Wenn wir gemeinsam starten, verwandelt sich die Herausforderung in ein ungesagtes Tom Wagner wurde Versprechen, füreinander da zu sein. mit Flo Grasel Zweiter beim PTL und hat für Wege, die uns einen uns den NORDA 005 Die Berge bilden die Kulisse, doch die Begegnungen das Erlebte. getestet –schreiben etwas länsonst! LOWA Trail Trophy: Zwei oder vier Tage, in der Staffelger oderals Solo. Alpine Etappen, einzigartige Stimmung
und ein Rhythmus, der Menschen zusammenschweißt. Ein Event, das viel Liebe zum Detail bietet. GaPa Everesting Festival: 8.848 Höhenmeter am Eckbauer in Garmisch-Partenkirchen sind eine monumentale Aufgabe. Im Team wird daraus ein lebendiger Dialog. Die Last verteilt sich auf mehrere Schultern, die Motivation hingegen vervielfacht sich mit jedem Gipfelgang. Auch hier gibt es neben der Solo- auch die 2er oder 3er-Staffel-Option. Was wirklich zählt
Nach dem letzten Schritt bleibt nicht die Zahl auf der Uhr, sondern die ehrliche, erschöpfte Zufriedenheit im Ziel. Es sind die leisen Gespräche und das Wissen, eine Grenze nicht nur verschoben, sondern gemeinsam bewohnt zu haben. Am Ende ist es dieses Gefühl von Zugehörigkeit, das uns lange in Erinnerung bleibt.
20 2/26
Alpines Training: Ich finde die Trainingstipps immer sehr gut. Jedoch habe ich das Gefühl, dass die Autoren (oft professionelle Trainier) so in Ihrem Job verhaftet sind, dass sie nicht merken, dass nicht jeder eine sportwissenschaftliche Ausbildung hat. Ich kenne das: Bin Medizintechniker und muss auch oft drauf achten, dass meine Gegenüber, sofern nicht die gleiche Ausbildung auch versteht, worüber ich rede. Beispiele: mitochondriale Biogenes, konzentrische Muskelaktivität, ischiocruale Muskulatur, "Power als Orientierung", exzentrische Muskelarbeit, Nordic Hamstring Carls, euromuskuläre Effizienz, plyometrisches Training usw. Ich möchte ungern Texte lesen und immerzu nachschlagen, was der Begriff eigentlich bedeutet. Insofern wäre ich über ein paar kurze Erläuterungen im Text sehr dankbar. viele Grüße, Roberto Wolfer
Neuauflage: das LONG MAY YOU RUN Sweatshirt von THY war flink in den Hauptgrößen vergriffen. Jetzt gibt es Nachschub in neuem Colorway. www.trail-magazin.de/THY 69,90 Euro
GNORDA
Die kanadische Boutique-RunningMarke Norda präsentiert ihre erste kleine Textilkollektion, von der uns dieses 135 Euro teure Shirt schon aufgrund der kreativen Aufgabenstellung begeistert: Die perforierten Nähte sympolisieren 36 Möglichkeiten, sein ganz persönliches Lieblinsgteil zu gestalten: Vom boxy geschnittenen Laufshirt bis zum bauchnabelfreien Singlet. www.norda.com
Speed Matters Salomon bringt mit dem S/LAB Phantasm 3 die dritte Generation seines Carbon-Rennschuhs auf die Straße – leichter, schneller, kompromissloser. 199 Gramm, im Windkanal getestet, 28 Prozent weniger Luftwiderstand. Das klingt nach Zahlen, fühlt sich aber nach Tempo an. Neu ist das „Cache-Cœur“-Obermaterial mit integrierter Gamasche, das den Fuß glatt umschließt und jede überflüssige Kante eliminiert. Darunter arbeitet mehr optiFOAM+ aus PEBA: weicher, elastischer, explosiver. Die überarbeitete Energyblade-Carbonplatte trifft auf eine aggressivere Rocker-Geometrie – gebaut für Vortrieb, nicht für Kompromisse. Mit 39 Millimetern Stack an der Ferse bleibt der Phantasm 3 regelkonform und bewegt sich dennoch am oberen Ende dessen, was auf Asphalt aktuell möglich ist. Ein Schuh für Rennen, bei denen Sekunden zählen – und Stil kein Nebenschauplatz ist. Key Facts: 199 g (UK 8,5) · 39/33 mm · 6 mm Drop · 280 Euro
AUFS OHR Wir laufen zu 99% ohne Musik und doch gehört gute Musik für uns zum Trailrunning. Kulturübergreifend. SLOPE Freak Dreams Ich war mir kürzlich auf diesem Konzert sicher, dass SLOPE eine US-Band sind. Nichts liess auf Duisburg schließen. Und nun bin ich Fan dieser Pott-Combo, die so lässig den modernen Hardcore mit Funk zu einem Crossover formen. Leeway und Dog Eat Dog grüßen.
Salomon: Heikki Salonen wird Kreativdirektor
Die noch immer bedeutendste Marke unseres Sports hat Heikki Salonen zum neuen Creative Director ernannt. Der Finne blickt auf eine lange Geschichte in der High Fashion zurück und wirkte zuletzt in zentraler Position beim durchaus legendären Maison Martin Margiela. Salonens Wechsel zu Salomon sei auch eine zutiefst persönliche Entscheidung, geprägt von einer lebenslangen Verbundenheit zur Natur, die in den dichten Wäldern Finnlands ihren Anfang genommen habe. Der für seine kühnen, immer aber funktionalen Schnitte bekannte Designer ist selbst leidenschaftlicher Bergsportler – und Ultraläufer (wer das nicht glaubt, kann in der DUVStatistik nachgucken).
JOHNNY DELAWARE Para Llevar Der Mann müsste Millionen Spotify Fans haben! Und so ist er noch ein Geheimtipp für alle die Folk-Rock mögen von einem ehemaligen Staatsmeister im Laufsport. Musik für wirklich jeden Moment. Ein Soundtrack der mein Leben begleitet! WINGS OF DESIRE Life is infinite Wings of Desire ist ein britisches IndieRock-Duo. Chloe Little und James Taylor, privat wie musikalisch ein Paar, waren zuvor Mitglieder der Band INHEAVEN. Ihr Sound speist sich aus Post-Punk, Shoegaze und Grunge und zielt auf Atmosphäre. Das Debütalbum Life Is Infinite erschien 2023.
21 1/26
NEWS&JOURNAL
TICKER +++ Trail Alsace by UTMB 2026: Neue 100-Meilen -Strecke mit Start am Lac Blanc
ALLES AUF ROT Ein rotes Auto? Niemals. Alles andere: am liebsten rot. Wenn Farbe, dann Rot. Und wenn Rot, dann laufen. Nicht stehen.
Eine Dose wach
Redakteur Clemens ist mal über den Apenin gelaufen. Von Florenz nach Bologna. Und hat, als der Magen sonst nichts mehr wollte und konnte, in jedem Dorf einen Espresso getrunken. Daran musste er denken, als ihm jetzt diese legendäre Koffein-Schokolade auf die Zunge kam. Kreiert wurde Schoka-kola bereits 1935 und daraufhin als „Sportschokolade" vermarktet.
Leicht, warm und funktional: Der Women’s Proton Hoody von Arc’teryx ist für intensive Bergabenteuer gemacht. Atmungsaktive Kunstfaser, DWR-Imprägnierung gegen Nieselregen und eine helmkompatible Kapuze sorgen für Schutz und Komfort. Drei Reißverschlusstaschen halten Essentials griffbereit. 330,00 Euro
Das rote Album ist gut
Weezer sind längst Kult und zu Unrecht auf das blaue Album aus dem Jahr 1994 reduziert. Buddy Holly – ihr erinnert euch? Nö. Egal. Das rote Album erschien 14 Jahre nach dem Durchbruch und zelebriert den ewigen CollegeRock in Perfektion. Mal trauriger. Mal fröhlich.
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TICKER +++ Tove Alexandersson siegt in den USA und gewinnt bei der Freetrail-Performance of the year 2025!
Salomon S-Lab Ultra Glide 1.5
Ganz in Rot aber nur halb neu. Deshalb heißt das Update des bis dato gedämpftesten aller S-LabSchuhe auch Ultra Glide 1.5 – und nicht Ultra Glide 2. Die überarbeitete Ferse deutet dennoch an, dass hier ein sehr guter Schuh noch einmal besser geworden ist. Und noch einmal roter. Wir versprechen für das kommende Heft einen ausführlichen Praxistest. www.salomon.com
Wolle schöne Cap!
Der TNF Casentino Classic Hat kombiniert wasserabweisende Casentino-Wolle aus der Toskana mit robustem Nylonrand, Schweißband und verstellbarem Riemen. Funktional, zeitlos, gemacht für draußen.
Nie mehr ohne
Fast 50 Meter rotes Theraband. Für alle, die sich ohne Ende stabilisieren wollen, schneidet ihr euch hier die nächsten Jahre eure Traumlängen ab. Ca. 90 Euro
Harte Schale
Elmo. Du bist mein Freund
Hätte ich mir als Kind einen Freund aussuchen können, es wäre Elmo aus der Sesamstrasse geworden. Als KAWS Figur hat er sogarSammlerwert.
Klar, die Sporttasche. Und sowieso der Duffle Bag. Aber der Cabin-Trolley aus der Essential-Kollektion des ikonischen ReisegepäckHerstellers Rimowa ist auf jeder einzig mit Handgepäck angetretenen Flugreise unschlagbar. Stilsicherer kann man seine sieben, oder 47 Sachen, nicht organisisieren. Und dann ist das Teil auch noch wendiger, als es Kilian Jornet oder Judith Wyder im Downhill sind. Zudem unschlagbar: die lebenslange Garantie. www.rimowa.com
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Street-Kultur
Der Wave Prophecy LS ist kein Performance-Statement, sondern ein Stilurteil. Mizuno greift seine expressive Vergangenheit auf und formt daraus eine futurische Silhouette mit klarer Haltung. 280 Euro
TRAINING Fit ins Frühjahr
FRÜH Text: Lars Schweizer
Die Tage werden länger, die Trails schneller – und plötzlich fühlt sich alles nach Aufbruch an. Genau im Frühjahr entscheidet sich, ob die Form trägt oder bricht. Zwischen neuer Leichtigkeit und alten Trainingsfehlern liegt eine sensible Phase. Wer jetzt Struktur, Geduld und die richtigen Reize setzt, legt den Grundstein für seine beste Saison.
ÜBT SICH Das Frühjahr belohnt Athlet:innen, die geduldig bleiben: Warum eine erfolgreiche Trailrunningsaison gerade jetzt gemacht wird. Und wieso man es mit dem Training, und vor allem seiner Intensität, dennoch nicht übertreiben sollte Merkt ihr es nicht auch, wie es in den vielleicht noch etwas schläfrigen Knochen schon wieder richtig kribbelt? Die Tage werden länger, die Trails trockener, die Motivation steigt – und mit ihr auch
der Übermut: Müsste das nicht alles bereits viel, viel schneller gehen? Und genau in dieser sehr frühen Phase entscheidet sich oft, wie gut oder eben wie holprig eure Saison verläuft. Im Winter wurden im besten Fall fleißig Grundlagen gesammelt. Viele ruhige Kilometer, lange Läufe, vielleicht etwas Krafttraining, dazu Skitouren oder Winterwanderungen – all das sorgt dafür, dass Herz, Lunge und Muskulatur eine solide aerobe Basis aufbauen. Studien zeigen
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MOMENTEFitDieser TRAINING ins Frühjahr Ausgabe klar, dass diese Phase entscheidend ist für Anpassungen wie eine erhöhte Mitochondriendichte, eine verbesserte Kapillarisierung und einen effizienteren Fettstoffwechsel. Kurz gesagt: Der Motor ist größer geworden. Was im Wintertraining jedoch häufig zu kurz kommt, sind höhere Intensitäten. Schnelle Intervalle, wettkampfähnliche Belastungen und längere Abschnitte im
ist dies jedoch eine Phase mit erhöhtem Verletzungs- und Überlastungsrisiko. Untersuchungen zeigen, dass besonders schnelle Steigerungen der Intensität bei gleichzeitig hohem Umfang ein zentraler Risikofaktor für muskuläre und sehnenspezifische Probleme sind. Das Frühjahr ist deshalb keine Phase, in der man einfach nur „mehr Gas gibt“. Es ist eine Übergangsphase, in der die im
Standortbestimmung: Wo stehst du nach dem Winter? Bevor im Frühjahr neue Trainingsreize gesetzt werden, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf den aktuellen Leistungsstand. Denn auch wenn sich viele nach dem Winter „fit“ fühlen, sagt dieses Gefühl oft nur einen Teil der Wahrheit. Wintertraining macht ausdauernd – aber nicht
Schwellenbereich fehlen oft bewusst – und das ist auch richtig so. Der Körper ist zwar ausdauernd, aber noch nicht darauf vorbereitet, regelmäßig hohe mechanische und metabolische Belastungen zu verarbeiten. Genau dieser Unterschied zwischen „ausdauernd“ und „belastbar“ wird jetzt im Frühjahr oft unterschätzt. Sobald aber die ersten Wettkämpfe näher rücken oder man sich wieder in der Gruppe misst, steigt das Risiko für klassische Frühlingsfehler: zu viele harte Einheiten, zu wenig Erholung und Tempoläufe, die eher Rennen als Training sind. Kurzfristig fühlt sich das oft großartig an – die Pace steigt, die Herzfrequenz bleibt niedrig, das Ego freut sich. Aus trainingswissenschaftlicher Sicht
Winter aufgebaute Basis gezielt weiterentwickelt werden muss. Ziel ist es, die aerobe Grundlage in leistungsrelevante Fähigkeiten zu übersetzen: bessere Tempostabilität, höhere maximale Sauerstoffaufnahme, effizientere Laufökonomie und eine höhere Ermüdungsresistenz – gerade auf langen, technischen Trails. Wer diese Phase mit Struktur und Geduld angeht, schafft die Basis für eine konstante und leistungsstarke Saison. Wer dagegen zu früh und zu ausschließlich auf Intensität setzt, verbraucht schon jetzt die Form, die später im Jahr gebraucht wird. Das Frühjahr entscheidet eben nicht, wie schnell du im März läufst – sondern wie stark du im Sommer und Herbst noch bist.
automatisch schnell, belastbar oder wettkampffit. Die gute Nachricht zuerst: Wer den Winter sinnvoll genutzt hat, bringt in der Regel eine sehr solide aerobe Basis mit. Lange, ruhige Läufe und viele Stunden in niedrigen Intensitätsbereichen führen zu gut belegten Anpassungen im Herz-Kreislauf-System. Dazu gehören eine verbesserte Sauerstoffaufnahme in der Muskulatur, eine höhere Mitochondriendichte sowie ein effizienterer Fettstoffwechsel. Studien zeigen, dass gerade diese Anpassungen entscheidend dafür sind, wie gut Athlet:innen spätere intensivere Belastungen verkraften. Gleichzeitig entstehen aber auch typische Defizite. Höhere Laufgeschwindigkeiten
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fühlen sich jetzt plötzlich ungewohnt an, die Schrittfrequenz ist niedriger als gewünscht und die muskuläre Spannung – vor allem in Waden, Hüftstreckern und Fußmuskulatur – fehlt. Besonders im Trailrunning kommt hinzu, dass Downhill-Belastungen, schnelle Richtungswechsel und hohe exzentrische Kräfte im Wintertraining häufig unterrepräsentiert sind. Der Körper ist ausdauernd, aber noch nicht vollständig auf die mechanischen Anforderungen der Saison vorbereitet. Diagnostische Ansätze: Gefühl vs. Daten Um diese Ausgangslage richtig einzuordnen, reicht das Bauchgefühl allein nicht aus. Trainingsdaten können helfen, den eigenen Status objektiver zu bewerten. Veränderungen der Pace bei gleicher Herzfrequenz, die Entwicklung der subjektiven Belastungswahrnehmung oder die Stabilität der Herzfrequenz bei längeren Läufen liefern wertvolle Hinweise. Auch einfache Feldtests oder Leistungsdiagnostiken können Aufschluss darüber geben, wo aktuell die individuelle Schwelle liegt und wie groß die aerobe Reserve ist. Wichtig ist dabei, die Daten richtig zu interpretieren. Eine niedrige Herzfrequenz bedeutet nicht automatisch gute Form, sondern oft schlicht eine gute Grundlagenausdauer. Umgekehrt sind hohe Herzfrequenzen bei ersten intensiveren Einheiten im Frühjahr völlig normal. Studien zeigen, dass der Körper einige Wochen benötigt, um sich wieder an höhere Intensitäten anzupassen – selbst bei gut trainierten Ausdauersportler:innen. Die ehrliche Standortbestimmung ist deshalb der erste entscheidende Schritt für ein sinnvolles Frühjahrstraining. Wer weiß, wo er oder sie steht, kann die nächsten Trainingswochen gezielt gestalten – und vermeidet genau die Fehler, die im Frühjahr so häufig passieren. Trainingsprinzipien im Frühjahr: Progressive Belastungssteuerung Im Frühjahr entscheidet weniger der Trainingsfleiß als die Trainingsstruktur über den weiteren Saisonverlauf. Viele Athlet:innen erhöhen jetzt gleichzeitig Umfang, Intensität und Trainingshäu-
figkeit – oft mit dem Gefühl, endlich „richtig trainieren“ zu müssen. Aus trainingswissenschaftlicher Sicht ist genau das der falsche Ansatz. Entscheidend ist nicht, mehr zu trainieren, sondern gezielter. Die Trainingsbelastung setzt sich aus drei zentralen Faktoren zusammen: Umfang, Intensität und Dichte – also der Häufigkeit belastender Einheiten. Im Frühjahr sollten diese Stellschrauben nicht parallel erhöht werden. Besonders problematisch ist eine schnelle Intensitätssteigerung bei gleichzeitig hohem oder weiter steigendem Umfang. Ein sinnvoller Ansatz besteht darin, den Umfang zunächst weitgehend stabil zu halten und gezielt einzelne intensive Reize zu integrieren. Erst wenn diese gut verarbeitet werden, kann die Trainingsdichte angepasst werden. Studien zur Belastungssteuerung zeigen, dass abrupte Veränderungen der Trainingsintensität das Risiko für Überlastungen und Verletzungen deutlich erhöhen – insbesondere bei gleichzeitig hoher Gesamtbelastung. Progression bedeutet deshalb nicht, jede Woche härter zu trainieren, sondern die Belastung so zu steuern, dass Anpassungen möglich bleiben. Intensitätsverteilung im Frühjahr: bewusst polarisiert Für den Übergang ins Frühjahr hat sich in der Praxis häufig ein polarisierter Trainingsansatz bewährt. Charakteristisch dafür ist ein sehr hoher Anteil niedriger Intensitäten, ergänzt durch klar abgegrenzte, gezielte intensive Einheiten. Der mittlere Intensitätsbereich spielt dabei bewusst nur eine untergeordnete Rolle. Der Großteil des Trainings findet weiterhin locker statt – auch dann, wenn die Form bereits steigt. Diese niedrigen Intensitäten sind entscheidend für Regeneration, aerobe Stabilität und den Fettstoffwechsel. Gleichzeitig ermöglichen sie es, intensive Einheiten mit hoher Qualität umzusetzen. Studien zu erfolgreichen Ausdauerathlet:innen zeigen übereinstimmend, dass selbst in Phasen steigender Wettkampfform der überwiegende Teil des Trainings in niedrigen Intensitätsbereichen absolviert wird, während harte Einheiten klar dosiert bleiben. Gerade im Trailrunning ist dieser Ansatz
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Das Frühjahr ist deshalb keine Phase, in der man einfach nur „mehr Gas gibt“. Es ist eine Übergangsphase, in der die im Winter aufgebaute Basis gezielt weiterentwickelt werden muss
TRAINING Fit ins Frühjahr Warum das Frühjahr über deine Trailrunning-Saison entscheidet Das Frühjahr fühlt sich oft nach Aufbruch an: mehr Licht, bessere Trails, steigende Motivation. Genau hier passieren aber auch die häufigsten Trainingsfehler. Wer im Winter fleißig Grundlagen gesammelt hat – viele ruhige Kilometer, lange Läufe, Krafttraining – bringt jetzt einen starken aeroben Motor mit. Herz, Lunge und Stoffwechsel sind gut vorbereitet. Was meist noch fehlt, ist Belastbarkeit für hohe Intensitäten. Der Körper ist ausdauernd, aber noch nicht bereit für häufige harte Einheiten. Werden Tempo, Umfang und Trainingshäufigkeit gleichzeitig gesteigert, steigt das Risiko für Überlastungen deutlich. Gerade schnelle Intensitätssteigerungen bei hohem Umfang gelten als zentraler Verletzungsfaktor. Das Frühjahr ist deshalb keine „Gasgeben-Phase“, sondern eine Übergangszeit. Ziel ist es, die Winterbasis kontrolliert in leistungsrelevante Fähigkeiten zu übersetzen: bessere Tempostabilität, höhere VO₂max, effizientere Laufökonomie und mehr Ermüdungsresistenz – besonders auf langen, technischen Trails. Wichtig ist eine ehrliche Standortbestimmung. Trainingsdaten wie Pace bei gleicher Herzfrequenz oder subjektives Belastungsempfinden helfen, den eigenen Status realistisch einzuschätzen. Hohe Herzfrequenzen bei ersten intensiveren Einheiten sind normal – der Körper braucht Zeit, um sich anzupassen. Bewährt hat sich im Frühjahr ein polarisierter Ansatz: viel lockeres Training, wenige klar dosierte intensive Reize. Der mittlere Intensitätsbereich bleibt bewusst klein. Gleichzeitig sollte Ermüdung ernst genommen werden, da Muskeln und Sehnen langsamer reagieren als das Herz-Kreislauf-System. Fazit: Das Frühjahr entscheidet nicht, wie schnell du jetzt läufst – sondern wie stark, gesund und belastbar du im Sommer und Herbst bist. Geduld zahlt sich aus.
sinnvoll. Lange, ruhige Läufe im Gelände fördern nicht nur die aerobe Leistungsfähigkeit, sondern auch Technik, Trittsicherheit und muskuläre Ausdauer – ohne das zentrale Nervensystem unnötig zu belasten. Ermüdungsmanagement: Belastung verarbeiten Mit steigender Intensität nimmt zwangsläufig auch die Ermüdung zu. Dabei ist es wichtig, zwischen zentraler Ermüdung – also der Belastung des Nervensystems – und peripherer Ermüdung auf muskulärer und struktureller Ebene zu unterscheiden. Während sich das HerzKreislauf-System schnell an neue Reize anpasst, reagieren Muskulatur, Sehnen und Bindegewebe deutlich langsamer. Ein effektives Ermüdungsmanagement bedeutet deshalb, Belastung und Erholung als Einheit zu betrachten. Anhaltend hohe muskuläre Müdigkeit, ein ungewöhnlich hohes subjektives Belastungsempfinden oder eine veränderte Herzfrequenzreaktion sind wichtige Warnsignale. Wer diese ignoriert, riskiert, dass Trainingsfortschritt schleichend in Überlastung übergeht. Das Frühjahr belohnt Athlet:innen, die geduldig bleiben. Wer Belastung progressiv steigert, die Intensitätsverteilung bewusst polarisiert hält und Ermüdung
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ernst nimmt, schafft die besten Voraussetzungen für eine stabile, leistungsfähige und verletzungsfreie Saison. Fazit: Der Weg zur besten Saison Das Frühjahr ist keine Wettkampfphase, sondern eine entscheidende Übergangszeit. Hier wird die das über den Winter erarbeitete Fundament in echte Leistungsfähigkeit übersetzt. Wer jetzt Geduld zeigt, strukturiert trainiert und Intensität gezielt einsetzt, legt den Grundstein für eine starke und stabile Saison. Entscheidend ist nicht, wie schnell man im März oder April unterwegs ist, sondern wie belastbar der Körper über Monate hinweg bleibt. Eine stabile aerobe Basis, bewusst eingesetzte intensive Reize, ausreichende Regeneration und eine passende Energiezufuhr greifen dabei wie Zahnräder ineinander. Wer das Frühjahr klug nutzt, startet nicht nur fit, sondern auch gesund in die Saison – und hat genau dann noch Reserven, wenn andere bereits auf der Bremse stehen. Schon mal darüber nachgedacht, den Saisonhöhepunkt deshalb in den September zu legen?
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REISE Athen
Marmor, Stein und
Text & Fotos: Clemens Niedenthal
Reisen
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In Athen braucht es manchmal nur einen Treppensprint, um 2500 Jahre in der Geschichte zu reisen. Wenn das Hotel dann noch einen eigenen Hausberg hat, liegt einem eine vielseitige und authentische Laufmetropole zu Füßen
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REISE Athen
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Am Nachmittag des vorletzten Tages treffe ich dann sogar noch einen richtigen griechischen Trailrunner. Thanos. Dass er Thanos heißt, werde ich allerdings erst einige hundert Höhenmeter später erfahren. Noch kreiseln wir beide auf den unzähligen, von den Menschen einer Millionenmetropole ebenso wie von ihren Besucher:innen in die Hänge des Lycabettus getrampelten Pfaden. Sehen uns immer mal wieder durch das lose Grün der Pinien und Kiefern. Wobei ich – schließlich habe ich eine Aufgabe, eine Mission – vermutlich mehr auf den mitteljungen Mann mit dem Dynafit-Shirt und den La-SportivaSchuhen achte als er auf mich. Thanos, das kann ich sehen, ist am Berg ein Stoiker. Lange, gleichmäßige Schritte, ruhiger Oberkörper. Und in den Downhills ein Genussläufer: keine Hektik, kein Adrenalin. Vielleicht sammelt er aber auch Höhenmeter für eine spätere, größere Aufgabe. Und möchte sich in den Bergabpassagen deshalb nicht allzu sehr verausgaben. Aber erst einmal: Wo sind wir hier eigentlich? Am Lycabettus. Meinem Athener Hausberg. Der Aufstieg beginnt mit gut fünf Dutzend Treppenstufen gleich neben unserem Hotel. Der Lycabettus ist einer der sieben Hügel, auf denen der Legende nach Athen erbaut worden ist. Und er bietet den Paradeausblick auf die gegenüberliegende, etwas niedrigere Akropolis. Ganz oben wird es sogar kurz alpin: ein mit Eisenseilen und Stufen versicherter Aufstieg zu einem Funkmast, ausgesetztes Gelände. Etwas weiter unten, vor der apostolischen Kirche, ist die Einsamkeit der Lycabettus-Hänge plötzlich passé. Hierher fährt auch eine Stadtseilbahn. Thanos und ich ziehen laufend unsere Bahnen. Vielleicht 150 oder 180 Höhenmeter pro Aufstieg. Und irgendwann auch gemeinsam. Sein Englisch ist knapp besser als mein Griechisch. Aber ja: Das hier sei sein alltägliches Trainingsrevier. Gut zum Höhenmetersammeln. Gut, um den Kopf einmal gen Himmel zu strecken. Um das Trailrevier Athen wirklich auszukosten, sollte ich mir aber die Hymettus-Hügelkette erlaufen, die die Stadt nach Süden hin einrahmt. Und die bis zu tausend Meter
Menschen, die Griechenland gut kennen, rieten aber ab. Auf den Inseln, auf Hydra, Santorin oder Mykonos, würden ab November die Bürgersteige hochgeklappt. Aus Overtourism wird beinahe über Nacht Undertourism. Wohl fühlt man sich mit beidem nicht.
hoch ist. Viermal so hoch wie der Lycabettus. Gut, dass ich mir diese 20-K-Schleife für den letzten Tag aufgehoben habe. Eine Stadt bekennt Farbe Thanos verschwindet durch das lose Grün der Kiefern und Pinien. Auch das ist das Tolle an einer Winterreise nach Athen: Diese im Sommer so ausgedörrte Metropole hat zwischen November und Mai plötzlich Farbe bekommen. Es blüht, und an den Straßenbäumen hängen reife Clementinen. Wir hatten eigentlich gedacht, dass wir reif für die Insel wären. Nach einem arbeitsintensiven Herbst, in dem ich irgendwie den Absprung verpasst hatte. Menschen, die Griechenland gut kennen, rieten aber ab. Auf den Inseln, auf Hydra, Santorin oder Mykonos, würden ab November die Bürgersteige hochgeklappt. Aus Overtourism wird beinahe über Nacht Undertourism. Wohl fühlt man sich mit beidem nicht. Athen aber kommt im Winter zu sich. Zumal die Einheimischen ohnehin das ganze Jahr im Freien leben. Beziehungsweise in sympathischen Zwischenräumen. Jedes Café und jedes Restaurant hat einen solchen Zwischenraum: eine zwar überdachte, aber zu den Seiten hin offene Terrasse. Oder bodentiefe Fenster, die komplett verschwinden. Draußen leben, während über Deutschland der Winter einbricht. Tatsächlich musste unser Flugzeug vor dem Abflug eine zähe Viertelstunde lang enteist werden. In Athen hat es sonnige 16 Grad. Ein erster Kurze-Hosen-Lauf noch vor dem ersten Abendessen. Hinauf auf den Lycabettus, der – wir hatten es bereits – für die nächsten sechs Tage also mein Hausberg ist. Oben ist man auf kürzestem Weg in gut 15 Minuten. Und hat dann den Überblick, um die Laufrouten für die nächsten Tage schon einmal im Geist über die Stadt zu legen.
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REISE Athen ATHEN IM KASTEN Die Stadt: Athen ist groß. Im Großraum Athen leben rund 3,15 Millionen Menschen. Dennoch bleibt die Stadt überschaubar. Das kulturelle und kulinarische Leben spielt sich größtenteils zwischen Akropolis, Lykabettus und dem Bahnhofsviertel ab – auf einer Fläche von vielleicht vier mal vier Kilometern. Man kann sich die Stadt erlaufen. Errennen sowieso. Unser Viertel: Unser Hotel lag im Stadtviertel Kolonaki, direkt am Fuß des Lykabettus, der sechs Tage lang also mein Hausberg war. Das Viertel mag das Nobel- und Diplomatenviertel Athens sein, es fühlt sich indes nie snobby an. Direkt angrenzend: Neapoli, aktuell das kreativste und spannendste Stadtquartier. In beiden Vierteln sitzt man beim Café oder Abendessen angenehm oft unter Einheimischen. Unser Hotel: Eine Stadtvilla mit gerade einmal
sechs Zimmern und in der Nebensaison überraschend bezahlbar. Wir haben pro Nacht knapp 130 Euro inklusive Frühstück auf der Dachterrasse bezahlt. In allen Zimmern werden historische Gebäudedetails aufgegriffen, die Lage ist perfekt, die Atmosphäre familiär. www.monsieurdidot.de Die Anreise: Per Flugzeug, zugegeben – je nach Abflug mit Lufthansa oder Aegean. Dann per Linienbus vom Flughafen ins Zentrum. Da die Anreise zu den kleineren griechischen Inseln (Hydra, Santorin etc.) oft über Athen erfolgt, lassen sich beide Ziele gut kombinieren. Der öffentliche Nahverkehr: Ist unschlagbar günstig. Gerade einmal 1,30 Euro kostet ein 90 Minuten gültiges Ticket. Unbedingt mit der Tram ans Meer fahren. Und mit der M2 zur Endhaltestelle Elliniko.
Ich war noch nie in Athen. Nur einmal auf Rhodos und einmal auf Korfu, was aber nicht vergleichbar ist. Korfu liegt im grünen Norden Griechenlands, viel näher an Albanien als an Athen. Rhodos liegt kurz vor der türkischen Küste. Athen liegt zwischen den Zeiten. Keine andere Stadt, nicht einmal Rom, ist so historisch. Und gleichzeitig ist diese Geschichte nirgends so gegenwärtig wie hier. Schon nach zwei Tagen fühlt es sich völlig normal an, wenn man nichtsahnend um eine Straßenecke rennt und sich schon wieder der Akropolis-Hügel mit dem Patenon-Tempel ins Blickfeld schiebt. Dort eine antike Agora, ein Marktplatz, da ein offensichtlich seit Jahrzehnten leer stehendes Bürogebäude aus den 1960er-Jahren. Athen – das ist die Wiege der Demokratie. Aber auch das Land einer Finanzkrise und im Stadtraum sichtbarer sozialer Verwerfungen. Ich laufe, also bin ich In Großstädten habe ich das schon häufiger erlebt, zuletzt und ganz ähnlich vor eineinhalb Jahren in einem anderen Land, aber am gleichen Meer, in Marseille: Wenn ich in Großstädten laufe, komme ich ganz zu mir. Vielleicht, weil einem das Besondere seines Tuns – und jede:r möchte ja gerne einmal besonders sein – in der Diskrepanz zu all den Autos, Linienbussen und Motorrollern erst richtig auffällt. Läufer:innen sieht man vor allem in den Parks und unten in Piräus an der Uferpromenade. Trailläufer:innen sieht man am Lycabettus oder in den Hymettus-Hügeln. Allzu viele waren es nicht. Aber es gibt sie, versichert mir die junge Verkäuferin bei Alpamayo Outdoor, einem ziemlich coolen Bergsportladen. Und wenn sie jetzt nicht gerade arbeiten müsste, sie würde mich glatt begleiten. Abends bei Wine Is Fine, einem sehr internationalen, jungen Weinlokal, wie man es auch in Berlin oder Stockholm finden könnte, werden dann sogar die Norda-Schuhe des Laufredakteurs erkannt. Schon wieder gibt es ein Angebot für einen gemeinsamen Lauf. Und doch auch wieder nicht. Der junge Japaner ist auf einer allzu eng getakteten Europareise. Morgen früh um sechs, das ginge gerade
Von dort geht es über die mehr als tausend Meter hohe Hymettos-Hügelkette zurück in die Stadt. Die Trailrennen: Kurz und knackig (bis 10 km) wird es jährlich Ende Februar beim urbanen Lycabettus Run über und entlang des gleichnamigen Stadtbergs. Wer Athen und eine Insel verbinden will: Auf Hydra (4.–5.4.2026) und Santorin (10.10.2026) finden in der Vor- bzw. Nachsaison Trailrennen über kurze bis mittellange Distanzen statt. Dann sind die Inseln auch noch nicht beziehungsweise nicht mehr voll. Der Laufladen: Alpamayo liegt zentral im Stadtzentrum, ist aber in den Bergen zuhause. Der Bergsportspezialist organisiert unregelmäßig Community Runs; mit Tipps zu guten Strecken oder Kontakten zur lokalen Szene hilft man aber rund um die Öffnungszeiten jederzeit weiter. www.alpamayopro.gr
noch so. Es bleibt bei einem spendierten Glas Rosé aus der autochthonen griechischen Rebsorte Xinomavro. Und bei meinem Versprechen, diese Begegnung unbedingt in meine Reisereportage einzubauen. Eine Feier des Eigenen Autochthon – dieses Wort kommt aus dem Altgriechischen. Und bedeutet einheimisch oder eigenständig. Das passt wunderbar zu einer Stadt, die sich gerade daran gemacht hat, sich mit einem selbstbewussten Rückgriff auf ihre Traditionen – wie sollte das in Athen, der Stadt von Sokrates, Athene und Alexander dem Großen, auch anders sein – neu zu erfinden. Von wegen nur Gyros, Souvlaki und Tzatziki. Die neue griechische Küche
Genau mit dieser Haltung kocht und arbeitet sich Athen gerade wieder auf die Beine. Überall Menschen mit neuen Cafés, Restaurants, Läden, Ideen.
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begeistert in der veganen Tagesbar genauso wie im neuen, von kenntnisreichen Gaumen umhergeraunten Restaurant Alouatou, wo wir uns über das Ragù vom über Stunden gegarten Freilandhuhn und saisonales Gemüse vom japanischen Holzkohlegrill freuen. In Südgriechenland hat jetzt im Januar so ziemlich alles Saison. Ansteckend, mit welchem Enthusiasmus das junge Team für einen allenfalls gutbürgerlichen Preis hier Spektakuläres leistet. Aber auch das sei eben eine Erkenntnis aus der Finanzkrise, sagt die sympathische Bedienung. Wenn ohnehin alles prekär und brüchig ist, warum dann nicht etwas machen, wofür man wenigstens brennt? Genau mit dieser Haltung kocht und arbeitet sich Athen gerade wieder auf die Beine. Überall Menschen mit neuen Cafés, Restaurants, Läden, Ideen. Von ihnen seien unbedingt noch das lässige Café-BäckereiGeschwisterpaar Kick & Flake im etwas raueren Universitätsviertel Kypseli und die Sauerteigbäckerei Kora, ebenfalls am Fuß des Lycabettus, genannt – hier gibt es das wohl beste Brot Athens. Noch ein wehmütiger Blick von den Hymettus-Hügeln am Tag vor dem Heimflug. Was für ein Lauf. Aus den Häuserschluchten geht es direkt in die Höhe. Ein Auf und Ab zwischen antiken Tempelresten, mittelalterlichen Klöstern und der Gegenwart. Athen ist rau, aber herzlich. Genauso sind es diese Trails. Ich jedenfalls hätte die erste Woche eines neuen Jahres – tatsächlich waren wir am 2. Januar in Athen angekommen – nicht besser verbringen können.
Ein erster KurzeHosen-Lauf noch vor dem ersten Abendessen. Hinauf auf den Lycabettus, der – wir hatten es bereits – für die nächsten sechs Tage also mein Hausberg ist.
Das lustige Campervan-Lexikon
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MEINUNG Mikey Kratzer
Text: Clemens Niedenthal Fotos: Privat
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kratzer Mickey Kratzer lebt für das Laufen. Und er lebt vom Laufen – was in Deutschland nur wenigen gelingt. Vor allem aber erlebt der 40-jährige Franke beim Laufen Erstaunliches: Er hängt überlebensgroß am Times Square, läuft durch Nacht und Tag von Los Angeles nach Las Vegas. Genauso gern läuft Mickey Kratzer über die Hügel gleich hinter seinem Haus. Ein Gespräch mit einem, der nebenbei auch zu einem aufmerksamen Beobachter der deutschen und globalen Laufcommunity geworden ist.
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MEINUNG Mikey Kratzer
Morgens um neun kommt eine WhatsApp aus dem Wald. Mikey Kratzer braucht noch zwei Kilometer. So hat der Interviewer also Zeit, sich noch ein wenig mit einem Menschen zu beschäftigen, den er vor allem von Bildern kennt. Trotz einiger gemeinsamer Freunde, auch und gerade in Berlin. Aber es ist nun mal so: Wer sich auch nur ein wenig für die Lauf-Community interessiert, wer durch die sozialen Medien scrollt oder einen Schuh im Berliner Flagshipstore von New Balance anprobieren will, dem läuft dieser Mikey Kratzer buchstäblich über den Weg: Käppi, Halstuch, Oberlippenbart, schnelle Brille, viele und gute Tattoos. Seine Frau hat ein Tattoo-Studio in Nürnberg. Und wenn es mal wieder ein neues, distinguiertes Race-Format irgendwo auf der Welt gibt, so wie damals The Speed Project, dieser Community-Run von Los Angeles nach Las Vegas, dann ist Mikey Kratzer ziemlich wahrscheinlich auch zur Stelle. Wer jetzt aber einen coolen, abgeklärten, gar arroganten Typen erwartet, wird zwei Kilometer später aufs Positivste überrascht. Mikey Kratzer blickt mit viel Liebe und sehr reflektiert auf diese Sache namens Laufen. Egal ob auf der Straße oder auf den Trails. Im vergangenen Jahr ist er den Valencia-Marathon in 2:42 Stunden gelaufen. Und die 100 Kilometer beim Zugspitz-Ultratrail. Und sagt dennoch, dass es für seinen Job – und eigentlich auch für sein Leben – egal wäre, wie gut oder eben nur passabel er performt. Bezahlt wird Mikey Kratzer für andere Qualitäten. Für seine Art, das Laufen zu leben, wird er bewundert, geschätzt, geliket. Mikey Kratzer lebt mit seiner Frau, seinen drei Kindern, sieben Hunden, einem Stall voller Hühner und drei charismatischen Gebrauchtwagen in einer Einfamilienhaussiedlung im Umland von Nürnberg. Der eher silberhaarigen Nachbarschaft war das zunächst nicht ganz geheuer. Was sich nach einer Arte-Doku über das Laufen, deren Protagonist er war, aber gelegt hat. Wer eine Hauptrolle im deutschen Kulturfernsehen bekommt, so die einhellige Meinung, der muss ja ein guter Mensch sein.
Mikey, als ich dich vorhin erreichen wollte, warst du noch irgendwo im fränkischen Outback. Du warst also heute schon laufen? Nur kurz.
Was heißt für dich kurz?
Kurz heißt wirklich kurz, das waren heute fünf Kilometer.
Wenn du eine Visitenkarte hättest – was würde da draufstehen? Boah, gute Frage. Kommt immer darauf an, wem ich das erklären müsste.
Jetzt gerade dem Trail Magazin.
Ich bin ein leidenschaftlicher Läufer, der auch viele andere Sachen neben dem Laufen richtig gerne macht.
Das ist eine sehr vage, aber auch eine sehr schöne Beschreibung.
Als ich vor zwölf, dreizehn Jahren so richtig mit dem Laufen angefangen habe, gab es so etwas wie eine Laufkultur ja noch nicht. Schon gar nicht in Deutschland. Da gab es die Vereinsläufer, für die es nur das Vereinslaufen gab. Und die Hobbyläufer, die irgendwie irgendwo gelaufen sind. Und ein paar ganz wenige, die auch aus kulturel-
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Es muss sich gut anfühlen und Aspekte mitbringen, die ich auch abseits der Trails leben und tragen kann. Was ich schon immer mochte, ist diese Dirtbag-Runner-Kultur aus den USA. Die haben sich einfach irgendwelche Radflaschen mit Gaffer-Tape um die Hand gewickelt, und das war dann ihre Handheld.
len Aspekten gerne gelaufen sind – um eine neue Stadt zu entdecken oder sich mit neuen Leuten zu connecten.
Wir nehmen es an dieser Stelle schon einmal vorweg: Für dich sind die kulturellen Aspekte des Laufens zentral.
Und damit ging es dann zum Glück ja auch ganz langsam los. Plötzlich war da bei einem Marathon irgendeine Run Crew aus New York am Start, und man hat gemerkt, wie ganzheitlich die ihren Sport zelebrieren. Das hat es für mich interessant gemacht. Wäre es nur ums Laufen gegangen, wäre ich heute wahrscheinlich kein Läufer mehr.
Wer warst du, bevor du Läufer geworden bist?
Ich war im weitesten Sinne in der Kreativbranche, hatte damals aber noch kaum Kontakte zur Sportindustrie, obwohl das ja naheliegen würde. Schließlich komme ich aus Nürnberg, dem Herzland von Adidas und Puma. Bevor ich mit dem Laufen angefangen habe, bin ich superviel Rad gefahren, aber auch da waren die Strukturen ähnlich. Und plötzlich gab es da in Nürnberg eine Community namens Schleudergang: Leute, die Bock hatten auf Radfahren, aber eben nicht auf dieses ganze engstirnige Drumherum. Als dann meine Kinder da waren, hatte ich nicht mehr so viel Zeit für das Rennrad. Deshalb das Laufen. Und dann wieder das gleiche Problem: Finde mal bei der Nürnberger Winterlaufserie mehr als zwei Leute, mit denen du dich auch aufrichtig über andere Sachen als das Laufen unterhalten kannst. Über Musik, Popkultur, über das Leben an sich.
Inzwischen ist das Laufen längst im Kanon der popkulturellen Lebensentwürfe angekommen.
Und lustigerweise war es ja gerade die Industrie, die damals gemerkt hat, dass man vom Laufen anders erzählen muss. Ich erinnere mich etwa an Brooks und ihre „Run-happy“-Kampagne. Laufen wurde zu einem Behälter, in den man sein Leben mit all seinen Facetten und Träumen hineinprojizieren konnte.
Aber wie wurde Mikey Kratzer
aus Speikern bei Nürnberg nun zum Posterboy dieser Entwicklung? Und das ganz wörtlich: Du hängst aktuell als New-BalanceTestimonial überlebensgroß auf dem Times Square in New York.
Ich bin jetzt mal ganz ehrlich: Ich würde voll oft lieber selbst Fotos machen und Geschichten erzählen. Aber ich bin jetzt halt meistens auf der anderen Seite der Kamera. Und das ist schon auch nice. Vor allem, weil du sehr viel nettes Feedback bekommst von Leuten, die dir erzählen, dass sie quasi wegen mir mit dem Laufen angefangen haben. Bezie-
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hungsweise, dass sie über mich begriffen haben, dass man das mit dem Laufen auch anders interpretieren kann – lustvoller und lässiger. Auch das schlimme Wort „Influencer“ meint ja theoretisch etwas Positives: Du kannst Leute dazu ermutigen, Sachen auszuprobieren und sich selbst neu zu entdecken.
Du bist also ein Influencer?
Aber dieses Influencer-Ding ist endlich, zumal auf TikTok und Instagram. Ich habe in der vergangenen Woche einfach mal fünf Reels von deutschen Lauf-Influencern runtergeladen – alle hatten
MEINUNG Mikey Kratzer ganz weiße, sehr enge Outfit von Kilian Jornet damals schon grenzwertig war. Ich war im Sommer in Sexten in den Dolomiten und hätte dort tagelang nur Leute beobachten können. Da siehst du den siebzigjährigen Dude, der mit dem Ironman-92-Rucksäckchen das Rennen läuft, und nebendran den Überpreparer im kompletten Dynafit-Look. Und jeder hat sein Existenzrecht.
Dann andersherum: Erkläre uns den Mikey-Kratzer-Stil.
dieselbe Dramaturgie, dieselbe Schnittfolge und sogar dieselbe Musik. Diese Leute überlassen das ja längst alles KIbasierten Tools wie der App Jasper. Aber KI macht alles gleich, dafür ist sie ja programmiert. Ich beschäftige mich deshalb gerade intensiv mit Videoschnitt und möchte künftig in längeren Formaten erzählen, etwa auf YouTube.
Bleiben wir kurz auf dem Times Square in New York. Wie fühlt es sich an, sich selbst dort plötzlich auf diesen riesigen, aus Kinofilmen bekannten Werbetafeln zu sehen?
Fucking surreal. New York war für mich immer ein Ort, der sehr weit weg ist und nichts mit einem selbst zu tun hat. Mich in Berlin zu sehen war schon auch krass, aber da kennt man Leute, da war man öfter, da kann man sich in Beziehung setzen. Wenn mich aber in New York jemand in der U-Bahn anspricht, weil er gerade einen Podcast mit mir gehört hat, dann ist das nur noch surreal. Letztlich war da doch einfach eine Marke, die eine Werbekampagne geschaltet und beschlossen hat, dass ich dafür das Gesicht sein soll.
Wie viel Mikey Kratzer steckt in diesem Werbegesicht?
Sehr viel. Am Ende des Tages will New Balance sein Zeug verkaufen, was ja auch fair ist. Die Käppi und das Halstuch sind privat von mir. Viel wichtiger aber ist, dass ich das Gefühl hatte, dass da Leute mit einem ehrlichen Interesse an mir und an dieser ganzen Laufkultur waren. Definitiv wollte man meinen Gusto in diese Kampagne mit reinbringen. Man darf das, glaube ich, authentisch nennen.
Dann müssen wir jetzt über Laufen und Mode sprechen – also über Laufmode. Welche Rolle spielt dein Laufoutfit für dich?
Das ist ein bisschen so, als wenn du auf ein Konzert gehst und ein Shirt von deiner Lieblingsband anziehst: Man will damit zeigen, wer man ist oder zumindest, wer man gerne sein möchte. Laufen ist für mich ein Weg, mich auszudrücken, und da gehört meine Kleidung unbedingt dazu.
Gibt es Looks, die du eher nicht auf dem Trail sehen möchtest?
Für mich gibt es überhaupt nichts, was man nicht tragen darf. Obwohl dieses
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Es muss sich gut anfühlen und Aspekte mitbringen, die ich auch abseits der Trails leben und tragen kann. Was ich schon immer mochte, ist diese DirtbagRunner-Kultur aus den USA. Die haben sich einfach irgendwelche Radflaschen mit Gaffer-Tape um die Hand gewickelt, und das war dann ihre Handheld. Das ist eine der wenigen Dinge, die man sich gerade in diesen seltsamen Tagen aus den USA abgucken kann: Arbeite einfach mit den Sachen, die du ohnehin hast.
Womit wir bei der Do-it-yourself-Kultur aus Punk und Hardcore wären, deiner musikalischen Heimat.
Generell wird Equipment meiner Meinung nach ohnehin überbewertet, im Trailrunning vielleicht noch einmal mehr als im Straßenlauf. Womit wir wieder bei den Typen in der DynafitUniform wären.
Was ist Trailrunning für dich?
Trailrunning ist für mich einer von vielen Wegen, sich in den Bergen oder generell in der Natur zu bewegen. Ich mache sehr viele Läufe mit meinen Hunden oder auch einfach Wanderungen. Das war auch ein Grund, warum wir aus Nürnberg rausgezogen sind, weil wir hier fast direkt an gar nicht mal so kleinen Hügeln leben. Viele verbinden Trailrunning ja immer mit Singletrails über der Baumgrenze und mit großen Events. Für mich ist Trail aber auch das, was direkt bei mir hier passiert, in der vermeintlich langweiligen Fränkischen Schweiz. Ich finde es auch mal geil – oder zumindest geil stumpf –, relativ flach acht Stunden über Feldwege zu ballern.
Acht Stunden?
Ja, acht Stunden. Ich liebe es auch, im Sommer einfach von Tankstelle zu Tankstelle zu rennen. Ein Riegel, eine Coke, und weiter geht’s. Ich bin letztes Jahr auch mal abends um acht, nachdem die Kids im Bett waren, zu einem 40 Kilometer entfernten Zeltplatz gerannt. Habe mir auf dem Gaskocher eine Suppe gemacht, mich in mein Zelt gelegt und am nächsten Morgen ging’s zurück. Die Leute, die ich unterwegs getroffen habe, dachten, ich würde jetzt der Länge nach durch Deutschland rennen oder zumindest durch Franken. Aber manchmal ist es viel wertvoller, sich diese kleinen Abenteuer zu basteln.
Was sind deine fünf liebsten Läufe – egal ob große Events oder selbstorganisierte Touren?
Nummer eins ist definitiv The Speed Project, also die 270 Meilen von Los Angeles nach Las Vegas. Das bleibt der prägendste, anstrengendste und von der Routenführung auch logischste Lauf, den ich je gemacht habe. Ich weiß nicht warum, aber nachts allein durch eine Wüste zu laufen, das macht etwas mit einem Menschen – diese Weite, diese Leere. Dann definitiv die 1000-Höhenmeter-Runde ab Pommelsbrunn bei mir hier in der fränkischen Nachbarschaft. Direkt am Bahnhof gibt es einen Parkplatz, da kommt man nach der Hälfte der Strecke vorbei, kann nachversorgen und dann ab auf die nächste Runde. Perfekt. Dort bin ich auch immer unterwegs, wenn mich Leute aus der Community besuchen. Daneben ist der ZUT, der Zugspitz Ultratrail, einer meiner All-time-Favourites. Und mit ihm seine Community, die sich quasi aus sich selbst heraus geschaffen hat.
Und auf den Plätzen vier und fünf?
Chamonix natürlich, unbedingt Chamonix. Die UTMB-Woche ist einfach geil, gerade in Kombination mit den Leuten aus wirklich der ganzen Welt, die dann in diesem relativ kleinen Ort in den Alpen zusammenkommen. Und als Letztes müssen es die Dolomiten sein – in meinen Augen noch immer ein unterschätztes Laufrevier. Lavaredo ist vielleicht das Schönste unter den großen europäischen Trailrennen.
Aber dieses Influencer-Ding ist endlich, zumal auf TikTok und Instagram. Ich habe in der vergangenen Woche einfach mal fünf Reels von deutschen Lauf-Influencern runtergeladen – alle hatten dieselbe Dramaturgie, dieselbe Schnittfolge und sogar dieselbe Musik.
MOMENTE TEST TrailschuheDieser Sommer Ausgabe 2025 Text: Denis Wischniewski
Was sagt ein Outfit über einen Sport aus? Über Herkunft, Selbstverständnis und darüber, wie viel Einfachheit man sich leisten kann.
Diesmal mit einem wahrhaft weltmeisterschaftlichen Outfit. Mit diesem Look ist Nina Engelhard bei den Berglaufund Trailrunning-Weltmeisterschaften im vergangenen September in den Pyrenäen Doppelweltmeisterin geworden. Herzlichen Glückwunsch nochmal.
Text: Clemens Niedenthal Das Singlet: Der Stoff, mit dem man Straßenläufe gewinnt. Im Trailrunning ist das Singlet seit jeher unterrepräsentiert. Es könnte ja die Racevest scheuern. Stattdessen gibt es das höher geschnittene Tanktop, quasi ein T-Shirt, dem die Ärmel fehlen. Das Singlet ist aber leichter, luftiger und lässiger.
Was fehlt: Keine Racevest. Oder wenigstens ein UtilityBelt. Oder eine HandheldBottle. Keine Softflasks, keine Shakedry-Regenjacke, keine schnelle Brille, keine Pflichtausrüstungs-Rettungsdecke. Keine Kompressionsstrümpfe, kein Multifunktionstuch. Jemand hat mal gesagt, dass das Tolle am Laufen seine Einfachheit sei. Man brauche nur Shirt, Shorts und Schuhe. Nina Engelhard hat sogar Shirt und Shorts auf das Nötigste reduziert.
Das Nationaltrikot: Vor allem hat dieses Singlet aber eine Eigenschaft, an die wir uns gerade in einer Off-Sportart, wie es Trailrunning lange war, erst gewöhnen müssen. Es ist ein Nationaltrikot. Und übrigens dasselbe, wie es etwa auch Zehnkampf-Weltmeister Leon Neugebauer trägt. Es ist das Nationaltrikot des Deutschen Leichtathletikverbands.
Die Schuhe: Der Merrell MTL Skyfire stellte zur Markteinführung im Sommer 2023 eine interessante Frage: Bringt eine Carbonplatte überhaupt etwas, wenn sie nicht von einer mindestens daumendicken Schicht hyperkritischem Mittelsohlenschaum getragen wird? Der Skyfire beantwortete diese Frage klar mit: ja. Aber Nina Engelhard ist ja bekanntermaßen keine, die gute Schuhe braucht, um schnell zu sein.
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Foto: Sportograf
INSIDE OUTFIT
100 Seiten www.trail-magazin.de
HINTERGRUND Community
Text: Wischniewski Text: Clemens Clemens Niedenthal, Niedenthal Denis Fotos: Kelvin Trautman Fotos: Le Pilgrimage
GENERATION TRAIL TRAIL Jede Zeit bringt ihre Generation hervor. Zumindest sagt man das dann so. Die Gen Z zum Beispiel, die es angeblich übertreibt mit der Work-LifeBalance. Oder die Boomer mit ihrer hartnäckigen Liebe zum Diesel-SUV, geboren vor 1964 – dem Jahr, ab dem in Deutschland die Antibabypille erhältlich war und der boomenden Geburtenrate den vielzitierten Pillenknick bescheren sollte. Zwei aktuelle Beispiele, die vor allem eines verdeutlichen: Die Rede von einer Generation lebt immer auch von Klischees, mindestens aber von Verallgemeinerungen.
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Deshalb die Frage: Lässt sich Trailrunning zwanzig Jahre nach der Erfindung des UTMB und fast zweihundert Jahre, nachdem irgendwo auf den britischen Inseln die ersten Menschen im sportiven Wettstreit auf Hügel hinaufgelaufen sind – lässt sich Trailrunning also im Jahr 2026 auf einen gemeinsamen Nenner bringen? Gibt es ein spezifisches Lebensgefühl, eine ähnliche Haltung zu den Dingen und zum Leben? Gibt es eine Generation Trail? Frei nach dem japanischen Schriftsteller Haruki Murakami, der eines der klügsten Bücher über das Laufen geschrieben hat: Wovon reden wir, wenn wir über Trailrunning reden? Und vor allem: über wen? Und über wie viele? Gibt es ihn oder sie überhaupt – den einen Trailrunner, die eine Trailrunnerin? Denn auch das ist Teil der unbestrittenen Erfolgsgeschichte dieses Sports: Trailrunning kann von sich nicht mehr behaupten, eine Nischensportart zu sein. Oder, um es mit der Dialektik des Pops zu sagen: eine Subkultur. Trailrunner:innen sind nicht mehr zwangsläufig diese eingeschworene Gemeinschaft, die sich schon aus der simplen Notwendigkeit heraus gebildet hatte, weil es gerade fernab der höheren Berge noch kaum welche von uns gab. So war das nämlich vor etwa fünfzehn Jahren auf den Wurzelpfaden in und um Berlin: Wenn dort jemand mit einem Buff am Handgelenk, profilierten Außensohlen und einem Laufrucksack unterwegs war, erkannte man ihn oder sie sofort als Mitglied eines exklusiven, coolen Clubs.
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Eine Brücke zwischen den Generationen Finn ist 27, lebt inzwischen in Innsbruck und studiert irgendwas mit Health Economics. Viel wichtiger aber: Er läuft Trails. Und in seiner Laufgruppe hat er etwas gefunden, das sich für ihn ziemlich nach Familie anfühlt. „Die Leute in meiner Crew sind einfach ehrlich und stabil“, sagt er. „Wir laufen nicht nur zusammen. Wir reden über alles. Hören zu. Und manchmal kippen wir uns halt auch gegenseitig das Herz aus.“ In der Gruppe sind nicht nur Studierende von der Uni. Da laufen auch Menschen mit, die locker seine Eltern sein könnten. Ein paar sogar noch älter. Aber das spielt eigentlich keine Rolle. „Alter ist da irgendwie komplett egal“, sagt Finn. Sobald sie gemeinsam in die Trails abbiegen, verschwinden die Zahlen. Niemand interessiert sich für Geburtsjahre, Kontostände oder Lebensphasen. Alle
HINTERGRUND Community
... ein Mann Ende vierzig, plötzlich reich an Zeit, im Sabbatical, auf der Suche nach etwas, das sich sinnvoll anfühlen soll.
sind einfach Läuferinnen und Läufer. Alle gleich jung. Gleich alt. Oder zumindest gleich müde nach dem Anstieg. Trailrunning ist so etwas wie eine Brücke zwischen den Generationen. Da kämpft sich eine 24-Jährige den Berg hoch, direkt neben einer 49-Jährigen. Die eine frisch im Job, die andere mitten im Chaos des Lebens: Teenagerkinder, Beziehungsstress, zu viele Termine. Und trotzdem verbindet sie genau das Gleiche: die Lust, durch den Wald zu rennen. Sich für Ultratrails zu begeistern. Trainingspläne zu checken. Höhenmeter zu sammeln. Im Laufen sind die Unterschiede plötzlich nicht mehr so wichtig. Was zählt, ist nur, dass man gemeinsam losläuft – und gemeinsam ankommt. Das ist auch der Grund, warum HansBernd aus dem Osnabrücker Land damals auf den Trails angekommen ist. Gelaufen ist der heute 59-Jährige schon länger, er hatte eine respektable Karriere als Turnierreiter hinter sich, war Mitglied im Tennisverein. Er hatte etwas erreicht – im Leben und auch im Sport. Und dennoch erlebte er auf den langen, abwegigen Laufdistanzen etwas, das er so noch nicht gekannt hatte. Und: Im Trailrunning traf er Menschen, die bereit waren, sich auf den Moment einzulassen. Und sei dieser Moment etwa die zwölf Stunden eines Ultramarathons. Hans-Bernd ist in Lavaredo gelaufen, im Harz und gleich mehrfach über die Alpen. Immer gemeinsam mit
einem oder auch mal acht aus seiner Trailcommunity. Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen, mit unterschiedlichen Berufsbiografien, unterschiedlichen Haltungen. Aber mit einem tiefen Sinn für eine Gemeinschaft, die eben der Trail gestiftet hatte. Als einer von ihnen unverschuldet an seinem ersten Hunderter scheitert – der Veranstalter musste die Strecke wetterbedingt auf 63 Kilometer kürzen –, organisieren Hans-Bernd und die anderen einfach seinen ganz privaten Ultra in Osnabrück: den „Seb100“. Seb wie Sebastian. Beobachtungen im Camp Seit 2011 veranstaltet das Trail Magazin seine sogenannten Lesercamps. Ein Lauftreff, könnte man sagen – allerdings ein Lauftreff, der sich Zeit nimmt. Vier Tage bleibt die Gruppe zusammen, mit gemeinsamen Übernachtungen, Gesprächen an der Hotelbar, diesen langsam tiefer werdenden Sätzen, wie sie meist erst nach dem zweiten Getränk über die Lippen kommen. Gut zwanzig, manchmal auch vierzig Menschen kommen hier zusammen. Menschen, die sich unter anderen Umständen vermutlich nicht einmal persönlich vorgestellt hätten: der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, das Zubehör für Dentallabore vertreibt; eine junge Frau, die für eine große Laufladenkette den Social-Media-Auftritt betreut; ein Mann Ende vierzig, plötzlich reich an Zeit, im Sabbatical, auf der Suche nach etwas, das sich sinnvoll anfühlen soll. Beim Laufen auf den schmalen Trails im Klettergebiet rund um Arco, oberhalb des Gardasees, wird schnell sichtbar, wie unterschiedlich diese Gruppe ist – nicht nur in Sachen Kondition oder sportlichem Ehrgeiz. Noch deutlicher aber wird, wie groß ihre Gemeinsamkeiten sind: der Blick auf die Landschaft, die Aufmerksamkeit füreinander, die stille, sehr persönliche Suche nach den eigenen körperlichen Grenzen. Britt aus dem Sauerland ist 37 Jahre alt und zum dritten Mal dabei. Ihr Mann Peter begleitet sie, läuft aber nicht. Britt läuft umso mehr. Während sie mit den anderen hinauf Richtung Monte Baldo unterwegs ist, fährt Peter mit dem E-Bike am Seeufer entlang – von Eisdiele zu Eisdiele. Abends, beim gemeinsamen Essen, fragt er, wie es oben war. Und einige aus der Gruppe wollen von ihm wissen, welche Eisdiele sich denn nun wirklich lohnt. Auf der Suche nach einer „Ge-
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neration Trail“ landen wir also auch bei Peter – ihrem Mann, der nicht läuft. Die Sache mit dem Augenblick Langsam nähern wir uns also der Generation Trail. Und wir merken, dass diese Generation nicht durch Geburtsjahrgänge definiert wird. Nicht oder kaum durch soziale Herkunft oder die gesellschaftlichen oder popkulturellen Milieus, in denen man vielleicht aufgewachsen ist. Natürlich mag es Trailrunnerinnen und Trailrunner geben, deren Musikgeschmack oder Modeempfinden uns näher ist. Und andere, die zu bestimmten Fragen konservativere, liberalere oder klassenkämpferischere Ansichten haben als man selbst. Die Generation Trail zeichnet sich aber gerade dadurch aus, über diese Unterschiede hinwegzurennen. Und das
... die Generation Trail zeichnet sich aber gerade dadurch aus, über diese Unterschiede hinwegzurennen.
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Gemeinsame zu suchen. Das Gemeinschaftliche. Ein wertvolles Gut in Zeiten der Blasenbildung – nein, nicht jener an den Füßen – und der Pauschalverurteilungen. Und dieses Gemeinsame liegt im Moment. Im großen Glück, sich ganz und gar auf den Augenblick einzulassen. „Entscheidend ist auf dem Platz“, hat die Duisburger Fußballlegende Adi Preißler einmal ganz richtig gesagt. Entscheidend ist auf den Trails. Entscheidend ist nicht, wie schnell, wie lange oder, meinetwegen, wie elegant wir laufen. Entscheidend ist, sich gemeinsam ganz auf diesen Moment einzulassen. Und das gelingt dieser Sportart und ihren Menschen offensichtlich besonders gut. Ein Espresso mit Bettina, die schon damals, vor fünfzehn Jahren, mit Buff und Laufrucksack über nordhessische Mittelgebirgstrails gelaufen ist: „Weshalb ich mit dem Trailrunning angefangen habe? Beim Laufen war alles immer Vorbereitung: Lauf-ABC, Intervalltraining, Grundlagenausdauer. Und dann, irgendwann in einem halben Jahr, dieser eine Halbmarathon. Auf den Trails war plötzlich jeder Moment wichtig. Und wenn ein Lauf richtig gut war, dann gab es nur diesen einen Moment.“ Die Generation Trail hat kein Alter. Sie beginnt nicht an einem bestimmten Punkt und hört auch nicht wieder auf. Sie beschreibt keine Jahrgänge, sondern eine Haltung. Es sind Menschen, die etwas für sich entdeckt haben – und dann bemerken, wie viele andere es gibt, die ähnlich empfinden. Die für dasselbe brennen, ähnlich ticken, sich in dieser Nähe überraschend wohlfühlen. Nicht, weil sie gleich sind, sondern weil sie sich erkennen. Dabei spielt es keine Rolle, wie alt man ist, woher man kommt oder wie viel Geld auf dem Konto liegt. Entscheidend ist allein die Richtung. Wohin man läuft. Oder zumindest: wohin man laufen möchte.
TEST Trailschuhe 2026
Ihr seid aber
früher dran
Na da kommt was auf uns zu! Diese Modelle kündigen eine Welle an spannenden Trailschuh-Neuheiten 2026 an und machen Lust auf mehr. In diesem ersten Praxistest zeigen wir euch schnelle Hybrid-Schuhe, alpine Versprechen und Schäume, die auf Ultradistanzen nur so warten. Zudem: sie sind formschön, leicht und teils günstig im Preis. Das Trailschuh-Jahr 2026 beginnt vielversprechend – und macht Lust auf einen großen Schuhtest in unserer April-Ausgabe. Mount To Coast, die junge Marke aus dem kreativen Hongkong, verlässt nach ihren ersten Straßenund Hybridmodellen nun konsequent den Asphalt. Der neue T1 überrascht dabei mit Eigenschaften, die ihn ohne Einschränkung geländetauglich machen. Ganz anders, aber nicht minder spannend, gehen die AlpinProfis von Mammut an die Sache heran: Erstmals rückt bei ihnen die Laufdynamik stärker in den Fokus – und man hat
dem neuen Schuh das Laufen im wahrsten Sinne des Wortes beigebracht. Bei Craft wiederum war Nachhilfe überflüssig. Der Nordlite Ultra Pro rollt so selbstverständlich ab, wie man es von den Schweden seit Jahren kennt. Und dann ist da noch Kiprun. Der Decathlon-Hausbrand tritt zunehmend wie eine eigenständige Marke auf – und genau das könnte funktionieren. Die beiden Modelle im Test zeigen eindrucksvoll, wie intensiv sich die Entwicklungsabteilung im französischen Annecy mit dem Thema Trailrunning auseinandergesetzt hat.
280,00 Euro 5 mm Sprengung 268 Gramm (42)
Norda 001
190,00 Euro 4 mm Sprengung 255 Gramm (42)
Norda präsentiert ein Update seines vor drei Jahren vorgestellten Ur-Modells. Und ändert optisch nichts. Ohnehin wurde der 001 nur in einem Detail verändert: der mit Vibram entwickelten Mittelsohle wurde der hyperkritische Wunderschaum TPE beigemischt. Einmal reingeschlüpft merkt man keinen Unterschied. Einmal losgelaufen auch nicht. Der 001 rollt unglaublich homogen, er ist stabil, aber hinreichend flexibel. Wird das Tempo schneller oder die Distanzen länger, merkt man den Etxra-Push und die Smoothness der neuen Mittelsohle. Tolle Passform, perfektes Dyneema-Upper (wenn man dünn gearbeitete Upper mag), beeindruckende Haltbarkeit, entspanntes Design. In der Modebranche sagt man „Quiet Luxury“ dazu.
Mount To Coast T1
Der Mount to Coast T1 setzt auf technische Konsequenz statt Effekte. Sein aus Kevlar-Fasern gewebtes Obermaterial erweist sich im Praxistest als widerstandsfähig, atmungsaktiv und wasserabweisend. Auch bei Nässe und Schlamm bleibt der Schuh stabil und trocknet schnell. Die Passform bietet ausreichend Platz im Vorfuß, ohne an Präzision zu verlieren, die Ferse sitzt sicher. Mit zweigeteilter Schnell- Schnürung zeigt der T1 seine Stärken: Die leichte, reaktionsfreudige Dämpfung sorgt für ein direktes Laufgefühl, die griffige VIBRAMAußensohle überzeugt auf wechselndem Untergrund. Insgesamt ein langlebiger, vielseitiger Trailschuh für nahezu alle Distanzen. Fazit: Der erste MTC, der auch alpines Gelände beherrscht. Tipp!
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Text: Denis Wischniewski Fotos: Philipp Reiter
160,00 Euro 8 mm Sprengung 300 Gramm (42)
Mammut Aenergy Trail All Mountain
Die Trailrunning-Historie von Mammut ist ein Auf und Ab. Seit mehr als einer Dekade versucht die Schweizer Bergsportmarke, im Laufsport Fuß zu fassen – mal mit Erfolg, mal weniger. Es gab vielversprechende Ansätze, dann lange nichts mehr, zeitweise sogar einen kompletten Rückzug vom Trail. Schade. Nun ist Mammut zurück – und dieses Mal offenbar entschlossener denn je. Mit neuen Modellen und neuen Ideen. Der Aenergy Trail All Mountain ist dabei so nah am aktuellen Zeitgeist und auf Höhe der Entwicklung wie kein anderer MammutTrailschuh zuvor. Er kann vieles gut. Aber reicht das, um sich 2026 in einem mittlerweile extrem dichten Markt zu behaupten? Die ehrliche Antwort lautet: ja – und nein. Im Einsatz zeigt sich der Schuh als solider Trainingspartner, ein verlässlicher Allrounder für den Alltag. Einer ohne große Spezialitäten, aber auch ohne gravierende Schwächen. Gleichzeitig fällt es schwer zu benennen, worin seine echte Stärke liegt. Der Fit dürfte präziser sein, der Tragekomfort noch etwas klarer definiert. Überraschend gut hingegen ist die eigenentwickelte Außensohle, die im Gelände kompromisslos zupackt. Auch nach 120 Kilometern überzeugt die Verarbeitung: keinerlei sichtbare Abnutzung, keine Materialermüdung. In flotter Laufbewegung wirkt der Schuh jedoch zu wenig dynamisch, etwas schwammig und zurückhaltend in der Energierückgabe. Fazit: Die Richtung stimmt. Der Aenergy Trail All Mountain ist ein Schritt nach vorn – aber vor allem ein Hinweis darauf, dass von Mammut noch mehr kommt.
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Web-Wissen Alles zur Dämpfung!
TEST Trailschuhe 2026
149,00 Euro 8 mm Sprengung 280 Gramm (42)
KIPRUN Race Ultra / KIPRUN Kipsummit Race
199,00 Euro 6 mm Sprengung 255 Gramm (42)
Zunächst einmal: Beide neuen Modelle der Decathlon-Hausmarke KIPRUN zeigen eine bemerkenswerte Entwicklung. So wird ein Schuh draus. Im Test wird schnell klar, wie konsequent die Marke in den vergangenen Jahren aufgeholt hat. Besonders deutlich wird das am gelben Kipsummit Race. Ehrlich gesagt könnten wir 2026 wohl auch ausschließlich mit diesem Modell auskommen. Er bringt nahezu alles mit, was wir von einem modernen Trailschuh erwarten: spürbaren Bounce, Stabilität, Dynamik, Komfort und vor allem echte Lauffreude. Er mag Tempo, überrascht aber ebenso als erstaunlich guter Ultra-Schuh. Lange Uphill-Hikes liegen ihm, bergauf wirkt er fast spielerisch und „wippt“ einen lässig nach oben. Das Verhältnis aus Leichtigkeit und Robustheit ist dabei sehr ausgewogen. Wir sind sicher: Diesen Schuh wird man 2026 bei vielen Rennen sehen. Deutlich spezieller präsentiert sich der Race Ultra. Schon die Optik ist minimalistisch, leicht, bewusst reduziert – und weckt Interesse. Im technischen Gelände macht er Spaß, sein Name führt jedoch etwas in die Irre. Denn ein klassischer Ultratrailschuh ist er nicht. Wenn überhaupt, dann nur für sehr erfahrene, leistungsstarke Läufer:innen. Für alle anderen bleibt er ein Werkzeug für schnelle Trainingseinheiten und Wettkämpfe bis etwa 30 Kilometer Beide Modelle sind ohne Einschränkung alpentauglich.
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190,00 Euro 6 mm Sprengung 328 Gramm (42)
CRAFT Nordlite Ultra Pro
Einer meiner aktuellen Lieblingsschuhe ist dieser hier. Der Nordlite Ultra Pro hätte bei mir sicher keinen Einsatz an 365 Tagen im Jahr, doch für Läufe im Winter und im frühen Frühjahr ist er eine ausgezeichnete Wahl. Warum? Weil er leicht kupiertes Gelände souverän abdeckt und dabei mit hohem Komfort und ruhigem Abrollverhalten überzeugt.Was mein Gravelbike auf soften Trails leistet, schafft dieses Modell von CRAFT laufend. Momentan sammle ich viele Kilometer in ihm und bin besonders angetan vom gelungenen Fit, der eleganten Führung über den Mittelfuß und der spürbaren Energierückgabe bei jedem Schritt. Der Nordlite Ultra Pro schiebt nach vorn, mag lange Distanzen und könnte im Laufe des Sommers durchaus auch ein Kandidat für Ultratrail-Wettkämpfe sein – solange diese nicht zu alpin oder technisch anspruchsvoll werden. Die Vittoria-Außensohle punktet mit griffiger Gummimischung, stößt in sehr grobem Terrain jedoch an ihre Grenzen. Auffällig sind zudem die Details: gut gepolsterte Ferse und Zunge, eine klassisch zuverlässige Schnürung sowie ein robustes, gleichzeitig atmungsaktives Upper. Fazit: Ein echter Roller, ein idealer Trainingspartner und ein stimmiger Ultratrailschuh für einfache Landschaftsläufe.
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EVENTS 2026 Mittelgebirge
Die Alpen?
Deutschland ist kein Land der großen Berge. Aber eines der Hügel, Wälder und Wege, die sich lieber winden als geradeaus führen. In diesen Landschaften, den Mittelgebirgen, lebt das Trailrunning von Menschen, die Strecken erkunden, Gemeinschaft schaffen – und den Sport vor Ort tragen.
Wie sehr ich Deutschland mag, also diese Landschaft, die aus politischhistorischen Gründen nun eben Deutschland heißt, ist mir gerade erst wieder am zweiten Weihnachtstag aufgefallen. Während einer Autoreise von meiner Mutter zu den Schwiegereltern, ganz bewusst fast nur über Bundesund Landstraßen. Vom Raclette zu den Rouladen – es war ja schließlich Weihnachten. Da ist diese maßvolle Hügeligkeit, die dichten Wälder, diese Weite. Es sind Landschaften, die ich als Kind nachgebaut habe, auf meiner Modelleisenbahnplatte. Mit Wegen, die immer vor allem in Kurven verlaufen, wogenden Kuppen, schroffen Felsen. Irgendwo ist immer ein Bach, und an dem Bach eine Mühle. Über den Bach führt ein Holzsteg. Und dann geht es ein paar Stufen hinauf zu dem Plateau, auf dem der Verschönerungsverein eine Bank aufgestellt hat. Und auf dem, einmal im Jahr, vielleicht ein Trailrennen vorbeikommt. Abenteuer Alltag Womit wir bei euch wären. Also bei den, ja, mehreren hundert Trailrunner:innen, die Ende des vergangenen Jahres einen Instagram-Post des Trail Magazins kommentiert hatten. Und damit bei unserer bewusst provokanten Frage, wie es denn um das Trailrunning in den Mittelgebirgen steht. Und überhaupt: das Trailrunning abseits der ganz hohen Berge. Eure überwältigende Resonanz zeigt: Es steht blendend. Und es sind gerade Orte wie die Schwäbische Alb, die Hochrhön oder das Bergische Land, in denen deutlich wird, dass unser Sport bei all seiner Professionalisierung von seiner Community lebt. Von Menschen, die Strecken erkunden, Kuchen backen, sich mit lokalen Behörden treffen und ihre Freizeit dafür opfern, dass andere einen tollen Tag auf ihren Hometrails haben dürfen. Ach was – genau dieses Engagement ist ihre Freizeit. Weshalb wir die im Folgenden zusammengestellten 18 hyperlokalen, aber überregional bedeutsamen Trailevents nicht nur als Serviceangebot verstehen. Sondern auch als eine Hommage an die Do-it-yourself-Kultur im Trailrunning. Einfach mal selbst machen – dieser Geist prägt unseren Sport noch immer. Schaut also mal vorbei: bei einem Lauf in eurer Nähe oder in einer Ecke der Republik, die ihr bislang nur vom Hörensagen kennt.
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Hä. 3 Kings – 3 Hills
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Fo t o s : C h t i s G o l l h o f e r
Haidmühle bei Passau 24.–25.07.2026 // 6 km · 14 km · 25 km · 40 km · 57 km · 111 km · 167 km So vielfältig die Distanzen, so etabliert ist dieses noch junge Event bereits jetzt in der deutschen – und tschechischen – Trailcommunity. Denn tatsächlich ist dieses sympathische Rennen grenzüberschreitend, nicht nur im übertragenen Sinne. Die spektakuläre Landschaft im Dreiländereck zwischen Deutschland, Tschechien und Österreich tut ihr Übriges. Es braucht eben keine hohen Berge, um ausgesetzte, ja alpine Passagen zu erleben. Die längeren Distanzen führen über den Dreisesselberg im Bayerischen Wald, den tschechischen Plöckenstein und – auf österreichischer Seite – den Hochficht. Die Alpen vermisst da garantiert niemand mehr. www.3kings-3hills.com
EVENTS 2026 Mittelgebirge
Fo t o : P h i l ip p R e it e r
„Trailrunning lebt nicht von Gipfeln und Rekorden, sondern von Menschen, die Wege markieren, Kuchen backen und ihre Wochenenden opfern, damit andere für ein paar Stunden einfach nur laufen können.“
Frühlingsultra
Freudenstadt-Grüntal 21.03.2026 // 50 km Ein perfektes Event gerade für Einsteiger:innen in den Hügeln des Nordschwarzwalds. Es werden vier Runden à 12,5 Kilometer gelaufen – genau richtig für einen ersten Formtest so früh in der Saison. www.neckarlauf.com
Ultralauf
Cottbus 28.03.2026 //64,4 km Trails dürfen auch mal flach – und deshalb schnell – sein? Klar! Erst recht, wenn sie so viel Flow haben wie hier im Osten Brandenburgs. Ein garantiert nie monotoner Landschaftsultra. www.ultralauf-cottbus.de
Bilstein-Marathon
Pfalz Trail
Alb Side – Up the Hill
Neckarcross Ultrarace
Witzenhausen 12.04.2026 // 21 km · 42 km · 57 km Ein Landschaftslaufklassiker, den längst auch die hessische, niedersächsische und überhaupt norddeutsche Trailcommunity für sich entdeckt hat. So schöne wie schnelle Streckenführung durch den Kaufunger Wald, Höhenmeter inklusive. www.bilstein-marathon.de
Albstadt 24.–25.04.2026 //5 km · 11 km · 26 km Die Schwäbische Alb gehört längst zu den etablierten Trailrevieren Deutschlands mit einer umtriebigen lokalen Community. Was uns am Up the Hill so gut gefällt: die Konzentration auf kurze und mittlere Distanzen – aber mit richtig Höhenmetern. www.upthehill.run
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Carlsberg 03.05.2026 // 36,8 km · 22,2 km Die Pfalz und ihr wildes Wanderwegenetz – die Locals sind sich sicher, dass man sich im dunklen Pfälzer Wald ganz wunderbar verlaufen könne. Das wird beim Pfalz Trail nicht passieren. Familiäres, toll organisiertes Event mit flowiger Streckenführung. www.pfalztrail.de
Hirschhorn 10.05.2026 // 59 km Man kennt den Rheinsteig und den Moselsteig. Der Neckar aber ist noch eher ein Geheimtipp unter den erwanderbaren – oder eben erlaufbaren – Flüssen. Warum nicht während dieses Ultras mit immerhin 2300 Höhenmetern? www.trailrunning-neckarcross.de
Fo t o s : C h t i s G o l l h o f e r
Oberlausitz Trail Gaußig 06.06.2026 // 10 km · 16 km · 28 km · 48 km · 60 km Noch einmal die Oberlausitz. Diesmal führen die Feldwege und Wurzeltrails durch das Hinterland von Bautzen. Familiäres Event mit vielen Distanzen – perfekt für einen Ausflug mit dem gesamten Lauftreff. www.oberlausitztrail.de
La Sportiva Sauerland Trailrun
Lennestadt 07.06.2026 // 11 km · 21 km Spätestens Trailrunner:innen aus dem Ruhrgebiet kennen das Sauerland als nahegelegenes Trainingsrevier. Perfekt, um vor den Sommerabenteuern in den Alpen Höhenmeter zu schrubben. In Halberbracht-Lennestadt kann man auch mit Startnummer über die Trails fliegen. Etablierter Trail-Halbmarathon mit durchaus kompetitivem Starterfeld. www.sauerland-trailrun.de
„Zwischen Mittelgebirge und Markierungspfosten hat sich eine Kultur entwickelt, die leise ist, hartnäckig und erstaunlich lebendig – und die zeigt, dass große Momente im Sport oft dort entstehen, wo niemand sie vermutet.“
HUBUT
Laubach/Hunsrück 16.08.2026 // 47 km · 27 km · 12 km Der Hunsrück und das Trailrunning – das ist schon eine ziemlich lange Freundschaft. Und der HUBUT ist in diesem Sinne eine Veranstaltung, der noch immer der Geist der frühen Trailrunningjahre innewohnt. www.hunsbuckeltrail.de
EVENTS 2026 Mittelgebirge Sachsen Trail am Rabenberg
P-Weg
Kulmbach Trail,
Hochrhön Bergtrail
Black Forest Trail Run Masters
Plettenberg 11.–13.09.2026 // 12 km · 21 km · 42 km · 73 km Noch ein tatsächlich historischer Lauf: Seit 2004 rennen die Läufer:innen hier über die Forstwege des westlichen Sauerlands. Ein komplett ehrenamtliches Event ist der P-Weg seitdem geblieben – mit Kuchenbuffet und Turnhallencharme. Und ebenfalls mit Distanzen für Mountain- und Gravelbiker:innen. www.p-weg.de
Hilders 13.09.2026 // 15 km · 29 km · 42 km Das Land der weiten Blicke, so nennt sich die Rhön. Und unser Redakteur Clemens hat hier in Osthessen schon oft weit geblickt. Aussichtsreicher Trailmarathon beinahe in der geografischen Mitte Deutschlands, der auch das Grüne Band, die ehemalige Zonengrenze, berührt. www.beck-bergtrail.de
Kulmbach 27.09.2026 // 15 km · 29 km Franken ist – spätestens in und um Kulmbach – eine Genussregion. Die Brauereien, die Wirtshauskultur. Beides sollte man sich verdienen, etwa bei diesem familiären Trail-Event über kupierte und flowige Trails. www.kulmbach-trails.de
Elzach (Schwarzwald) 03.–04.10.2026 // 14 km · 22 km · 37,5 km · 55 km Gefühlt zumindest werden Etappenläufe seltener. Dieser hier wäre ein wunderbarer Abschluss der Wettkampfsaison. Zwei Tage, addiert 36 oder 92 Kilometer, auf teilweise sogar technischen Trails durch den Schwarzwald. Perfekt, aber familiär organisiert. www.trailrun-masters.de
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Breitenbrunn/Erzgebirge 26.–28.06.2026 //3,5 km · 16 km · 36 km · 75 km Im Erzgebirge war das Trail Magazin zuletzt während unserer Deutschlandquerung Crossing Germany, die auf dem Fichtelberg zu Ende gegangen ist. Wir sollten bald mal wiederkommen – am besten zum Sachsen Trail. Ein ganzes Festivalwochenende, das wie die ganz großen Events bereits am Freitag mit einem reinen Uphill-Race beginnt. Schöne Strecken, perfekte Infrastruktur, engagiertes Rahmenprogramm. Und dieses besondere Gimmick: eine Extra-Wertung für alle Trailrunner:innen, die an allen drei Festivaltagen an der Startlinie stehen. Wir ahnen also: Es wird intensiv, es wird freundschaftlich, es wird schön. Ach ja – über den Fichtelberg führen die längeren Distanzen auch. www.sachsentrail.de
Pfälzer Weinsteig Ultra
„Manchmal reicht eine Bank auf einem Plateau, ein Weg, der in Kurven verschwindet, und ein Datum im Kalender, um aus vertrauter Landschaft für einen Tag ein Abenteuer zu machen.“
Bockenheim an der Weinstraße 10.–11.10.2026 // 70 km · 170 km Fehlten euch bisher die ganz langen Dinger? Hier hätten wir etwas: 170 Kilometer mit insgesamt gut 6000 Höhenmetern durch die Pfälzer Weinberge. Auch die Juniordistanz hat es in sich. Ein Ultralauf von Ultraläufer:innen für Ultraläufer:innen. www.ultratrail-pfaelzer-weinsteig.de
O-See Ultra
Oybin 17.10.2026 // 25 km · 50 km · 75 km · 100 km Das Zittauer Gebirge kommt als Letztes – zumindest im Alphabet. Es liegt auch weitab, ganz im Südostzipfel Sachsens. Entdecken sollte man es unbedingt, etwa während dieses längst zur festen Größe gewachsenen Waldlaufvergnügens mit überraschend exponierten Passagen. www.o-see-ultratrail.de
Röntgenlauf
Remscheid 25.10.2026 // 5 km · 10 km · 21 km · 42 km · 63 km Für die einen ist er längst Kult, der Röntgenlauf, anderen ist dieser Landschaftslauf im Bergischen Land hingegen völlig unbekannt. Wer eine flotte Herausforderung mit Charakter sucht: voilà. www.roentgenlauf.de
REPORT Der Weg zum TDS Text: Ludwig Kendzia
Der Gang nach Chamonix
I
Im Jahr 1076 überquerte König Heinrich IV. die Alpen auf seinem Gang nach Canossa. Er hatte Streit mit dem Papst, wollte bei diesem in Italien um Vergebung bitten und wurde somit zu so etwas wie einem der ersten dokumentierten alpinen Trailrunner der Sportgeschichte. Ihm folgten – besonders in den vergangenen 40 Jahren – gefühlt Hunderttausende über die Alpen, die sich
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Konrad Smolinski ist den TDS gelaufen. Soweit, so Trailrunning. Doch in seinem Fall war bereits der Weg zum Start während der UTMB-Woche in Chamonix das Ziel. Eine Geschichte über Lichterketten am Berg, Motocrossfahren und den eigenen SchnaufRhythmus beim Uphill.
diese Strapazen aus den unterschiedlichsten Gründen antaten. Im Sommer letzten Jahres machte sich auch Konrad Smolinski aus dem ostthüringischen Gera auf den Weg – in seinem Fall auf den Gang nach Chamonix. Das Ziel: sein Start beim „Sur les Traces des Ducs de Savoie“ – besser bekannt als TDS. „Ich hatte zwei Ziele dieser Reise“, so Konrad im Gespräch mit dem Trail-Magazin, „ich wollte die Natur, die Berge erleben, und ich wollte mich an die Höhe gewöhnen.“ Was lag da näher, als über die Alpen zu seinem TDS-Rennen in Etappen zu laufen? Also machte sich Konrad mit der Regionalbahn von Gera auf den Weg nach Erfurt. Von dort ging es nach Basel, weiter nach Genf und zu guter Letzt nach Torgon in der Schweiz. Ab da hieß es: Trailrunning und Hiken. In vier Tagen und insgesamt rund 90 Kilometern mit 5.500 Höhenmetern nach Chamonix. Der 44-jährige Sportwissenschaftler aus Thüringen ist seit gut 30 Jahren im Ausdauersport aktiv: Triathlon, Radfahren, Laufen – und seit ein paar Jahren im alpinen Trailrunning angekommen. „Ich suche mir Rennen nach verschiedenen Gesichtspunkten aus“, erklärt Konrad. Dabei gehe es um Regionen, Menschen, Kulturen und das Erleben der Natur. Adaptieren ist ein Wort, das für den Trailrunner ganz oben auf seiner Liste steht. Sich anpassen zu müssen, nicht zu wissen, was in einem Rennen, in einem alpinen Lauf auf einen zukomme – das reize ihn immer wieder. Genau deshalb sei er auch auf diesem doch eher ungewöhnlichen Weg über die Berge zu seinem Start beim TDS gereist. Im Gepäck: sein MacBook, denn Smolinski gehört seit gut 20 Jahren eine Sportfirma. Er trainiert vor allem Athleten im Triathlon, und das bedeutet: Nach den Etappen mussten auf den Berghütten Trainingspläne geschrieben oder Kunden im wöchentlichen Videocall betreut werden. Smolinski hat einen Doktortitel in Sportwissenschaften und hat sich in seiner Promotion mit sportpsychologischen Aspekten im Triathlon beschäftigt. Wenn man selbst so viel über Mindsets und das Motivieren von
anderen weiß – wie macht man das angesichts eines 150-Kilometer-Rennens über die Alpen dann bei sich selbst? „Mach das Beste draus“, sagt Konrad lachend. Klingt so simpel wie einfach. Aber was nütze es, bei einem epischen alpinen Berganstieg in der Nacht nach oben zu schauen und die Stirnlampen wie eine Perlenkette aufgereiht zu sehen, nur um nach einer Stunde dasselbe wieder zu sehen und innerlich daran zu zerbrechen, dass man noch immer nicht oben angekommen sei? „Sich auf das konzentrieren, was man kontrollieren kann“, sagt Konrad, und das bedeute: Nur der nächste Schritt oder der Rhythmus des eigenen Schnaufens zählt. Dieses Fokussieren kennt er auch aus dem Motocrossfahren. Selbst in der Jugend auf einer Maschine unterwegs, trainiert er deutschlandweit junge Fahrer:innen. „Im Rennen sind die Ausdaueranforderungen wie die an einen 5.000-Meter-Bahnläufer.“ Gleichzeitig werde der Körper so stark beansprucht, als würde man 1.000 Kniebeugen machen, erklärt Smolinski. Dabei seien sich Motocrossfahren und Trailrunning in manchen Punkten näher, als man denke. „Bei einem Crossrennen konzentriert zu bleiben, ist wie ein alpiner Downhill bei Nacht im Schein der Stirnlampe“, so Konrad. Ein Fehler könne fatale Folgen haben. Angstbewältigung und Fokussierung – darum gehe es. Was sich so einfach anhört, ist bei Konrad seit vielen Jahren Teil des Lebens. „Ich lebe meinen Beruf als Trainer und als Coach“, so der Thüringer. Und dafür sucht er auch für sich selbst Herausforderungen, bei denen er gezwungen ist, sich anzupassen. Genau deswegen kam ihm die Idee, von der Schweiz aus nach Chamonix in einem Trailrun zu laufen. Mit dem Effekt, dass er für den TDS und seine Herausforderung bestens gerüstet war. Zwei der vier Nächte auf der Etappentour verbrachte er auf mehr als 2.000 Metern – Adaption eben. Und der TDS selbst? „Das war eine Wahnsinnserfahrung“, erzählt Konrad noch immer begeistert. Er habe nach seinem Etappenlauf und vor dem TDS-
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Start den positiven Trubel des UTMBTrailrunning-Festivals in Chamonix mitgenommen. „Natürlich war es toll, dass meine Frau und meine Tochter dann nach Chamonix nachgereist sind.“ Nach 34 Stunden, gut 150 Kilometern und 9.500 Höhenmetern war Chamonix für Konrad dann zum zweiten Mal das Ziel – glücklich, es geschafft zu haben, aber auch gelassen in Bezug auf die Frage nach einem DNF. „Für mich wäre es trotzdem eine positive Erfahrung gewesen, wenn ich nach 124 Kilometern hätte sagen müssen, dass war’s“, sagt Konrad. Denn genau diese Einstellung sei für ihn zentral bei der Bewältigung solcher alpinen Ultraläufe – Anpassung eben und die Freude am Laufen durch die Berge.
Konrads Gang nach Chamonix in Daten und Zahlen: Tag 1 | Torgon → Champoussin 24 km · +1.650 m / –800 m · ca. 4 h Übernachtung: Refuge de Chésery (1.900 m) Tag 2 | Refuge de Chésery → Samoëns 27 km · +1.100 m / –2.200 m · ca. 4 h Übernachtung: Hotel Tag 3 | Samoëns → Refuge de MoëdeAnterne (2.000 m) 22 km · +1.950 m / –750 m · ca. 4:30 h Tag 4 | Refuge de Moëde-Anterne → Chamonix 16 km · +800 m / –1.800 m · ca. 3 h Ziel: Chamonix
PRODUKTE Action-Cams
I
In den vergangenen Jahren hat sich bei Action-Cams viel getan. Die Auswahl ist größer geworden, die Funktionen umfangreicher. Natürlich lassen sich mit einem Smartphone gute Fotos machen. Doch wenn ihr selbst im Bild sein wollt – vor allem in Bewegung –, spielt die Action-Cam ihre Stärken aus. Zwei Modelle, die sich besonders für Trailrunner*innen eignen, sind die Insta360 Go Ultra und die DJI Osmo Nano. Zunehmend beliebt werden zudem 360-Grad-Kameras und sogenannte Selfie-Drohnen. Welche Kamera passt zu dir? Das hängt von deinen Anforderungen ab. Für Trailrunnerinnen und Einsteigerinnen sind Mini-Action-Cams oft die beste Wahl: klein, leicht und so kompakt, dass sie in jede Laufweste
How to Action Cam Text & Fotos: Harald Angerer
oder sogar in die Laufhose passen. Die Insta360 Go Ultra und die DJI Osmo Nano sind magnetisch und lassen sich an Metallflächen wie Laternen oder Zäunen befestigen. Ein Stativ ist nicht zwingend nötig, erhöht aber die Flexibilität. Dank der geringen Größe lassen sich die Kameras auch am Cap, an der Weste oder an Schultergurten befestigen. Die Bedienung ist unkompliziert und intuitiv. Beide Modelle bieten 4K-Videoauflösung. Für Fotos liefert die Go Ultra bis zu 50 Megapixel, die Osmo Nano bis zu 35 Megapixel. Für Laufaufnahmen empfiehlt es sich allerdings, Standbilder direkt aus Videos zu extrahieren. Die Qualität reicht für Social Media vollkommen aus, und der entscheidende Moment lässt sich gezielt auswählen. Beide Kameras verfügen über kreative Modi, die zugehörigen Apps sind übersichtlich und benutzerfreundlich. Dank KI-Unterstützung lassen sich Videos »
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Egal, ob ihr eure Laufabenteuer für euch selbst dokumentieren oder als Running-Influencer durchstarten wollt – an einer Action-Cam führt kaum ein Weg vorbei. Doch worauf kommt es beim Kauf an, welches Modell passt zu euch, und wie gelingen spannende statt langweilige Videos und Fotos?
INSTA 360 GO ULTRA
Die DJI Neo 2 gehört zur Kategorie der Selfie-Drohnen. Mit 151 Gramm fällt sie in die EU-Klasse C0 und darf ohne Drohnenführerschein geflogen werden. Ein 1/2-ZollCMOS-Sensor ermöglicht Fotos mit zwölf Megapixeln und 4K-Videos mit bis zu 60 fps.
Die Kamera ist auf einem mechanischen 2-Achsen-Gimbal montiert und wird elektronisch stabilisiert. Gespeichert wird auf 49 GB internem Speicher. Die maximale Flugzeit liegt bei rund 18 Minuten, die Positionsbestimmung erfolgt über GNSS. Geladen wird per USB-C.
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PRODUKTE Action-Cams
Tipps & Tricks »Eine gute Action-Cam allein garantiert noch keine guten Fotos oder Videos. Entscheidend ist der Blick fürs Bild. Überlegt vor der Aufnahme, was im Bild sein soll – und was nicht. Oft reicht eine kleine Veränderung des Blickwinkels, um störende Elemente auszublenden. Filmt ihr leicht von unten, wirken Laufaufnahmen dynamischer. Aus erhöhter Position lassen sich Landschaften besser einfangen. »Besonders bei kleinen Kameras mit automatischer Belichtung solltet ihr vermeiden, direkt gegen die Sonne zu filmen. Andernfalls wirken die Aufnahmen flach und kontrastarm. Für mehr Tiefe im Bild hilft ein Objekt im Vordergrund – etwa ein Stein, an dem ihr vorbeilauft, oder Gräser und Blumen am Wegesrand.
INSTA 360
»Lauft möglichst frontal oder leicht schräg auf die Kamera zu oder von ihr weg, statt im rechten Winkel vorbeizulaufen. Und der wichtigste Tipp: üben. Probiert verschiedene Perspektiven aus, macht Fehler – und nutzt sie beim nächsten Lauf.
X5
Die Insta360 X5 ist eine 360-Grad-Actionkamera mit zwei 1/1,28-Zoll-Sensoren. Sie filmt in 8K (7680 × 3840 px) mit bis zu 30 fps oder alternativ in 5,7K mit 60 fps bzw. 4K mit bis zu 120 fps. Fotos erreichen kombiniert rund 72 Megapixel. Die Kamera wiegt 200 Gramm, ist bis 15 Meter wasserdicht, nutzt microSD-Karten und besitzt einen 2.400-mAh-Akku mit Schnellladefunktion (ca. 80 % in 20 Minuten).
ETWAS ANSPRUCHSVOLLER SIND 360-GRAD-KAMERAS WIE DIE INSTA360 X5. SIE ERÖFFNEN ZUSÄTZLICHE PERSPEKTIVEN, SIND JEDOCH GRÖSSER UND SCHWERER ALS MINI-CAMS. DER VORTEIL: DIE 360-GRAD-AUFNAHMEN WIRKEN BESONDERS DYNAMISCH. DIE KAMERA KANN PLATZIERT WERDEN, WÄHREND IHR VORBEILAUFT – DANK TRACKING BLEIBT IHR IM BILD.
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oder Reels auch ohne Vorkenntnisse im Videoschnitt erstellen. 360 Grad und Drohnen: Mehr Möglichkeiten, mehr Aufwand Etwas anspruchsvoller sind 360-GradKameras wie die Insta360 X5. Sie eröffnen zusätzliche Perspektiven, sind jedoch größer und schwerer als Mini-Cams. Der Vorteil: Die 360-GradAufnahmen wirken besonders dynamisch. Die Kamera kann platziert werden, während ihr vorbeilauft – dank Tracking bleibt ihr im Bild. Ein Selfie-Stick ist hier Pflicht, wird aber automatisch aus den Aufnahmen herausgerechnet. Die X5 bietet 8K-Videoqualität und Fotos mit bis zu 72 Megapixeln. Die App übernimmt viele Schnittschritte, erfordert jedoch mehr manuelle Eingriffe als bei MiniCams. Relativ neu, aber stark im Trend, sind Selfie-Drohnen. Sie fliegen ohne klassische Fernbedienung, starten und landen auf der Hand und arbeiten mit vorprogrammierten Flugmodi. Modelle wie die DJI Neo 2 sind leicht genug für die Laufweste und können euch während des Laufens folgen. Das ermöglicht ungewöhnliche Perspektiven. Die Videoqualität liegt bei 4K, der kleinere Sensor schränkt jedoch die Nachbearbeitung etwas ein. Zudem ist der Einsatz eingeschränkt: Fliegen ist nicht überall erlaubt, die Fotoauflösung liegt bei zwölf Megapixeln, und die Akkulaufzeit beträgt rund 18 Minuten.
INSTA 360 GO ULTRA
Die Insta360 Go Ultra ist eine ultrakompakte Actionkamera, bestehend aus einer kleinen Kameraeinheit und einem Action Pod. Sie arbeitet mit einem 1/1,28-Zoll-Sensor und nimmt 4K-Videos mit bis zu 60 fps sowie Fotos mit bis zu 50 Megapixeln auf. Das ultraweite Sichtfeld von rund 156 Grad wird durch die elektronische FlowStateStabilisierung ausgeglichen. Die Kamera wiegt etwa 53 Gramm, ist bis 10 Meter wasserdicht und speichert auf microSD-Karten. Der integrierte Akku reicht für rund 70 Minuten, mit Action Pod (2,5-Zoll-Touchscreen) für bis zu 200 Minuten. Geladen wird über USB-C; rund 80 Prozent sind in etwa zwölf Minuten erreicht.
DJI
OSMO NANO Mit nur 52 Gramm ist die DJI Osmo Nano ebenfalls extrem kompakt. Sie nutzt einen 1/1,3-Zoll-CMOS-Sensor für Fotos bis 35 Megapixel und 4K-Videos mit bis zu 60 fps, Zeitlupen sind mit 120 fps möglich. Das Sichtfeld beträgt 143 Grad, die Stabilisierung erfolgt elektronisch. Die Kamera verfügt über 64 oder 128 GB internen Speicher, erweitert durch microSD im Vision Dock. Gespeichert wird im MP4-Format (H.265/HEVC). Ein 1,96-Zoll-OLED-Display dient der Bedienung. Die Kamera ist bis 10 Meter wasserdicht, läuft rund 90 Minuten allein und bis zu 200 Minuten mit Vision Dock. Schnellladen erfolgt über USB-C (ca. 80 % in 20 Minuten).
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MEINUNG Harte Burschen Text: Denis Wischniewski
Wie hart muss ich heute sein? ICH LIEF BEI -48 GRAD. ICH TAUMELTE BEI 42 GRAD PLUS, ICH SCHNAPPTE NACH SAUERSTOFF AUF 6000 METER UND LIEF EINMAL MIT EINER KLAFFENDEN WUNDE WEITER. WIE HART MUSS ICH IN ZEITEN DES KOLLEKTIVEN EISBADENS ÜBERHAUPT SEIN?
Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich mich einmal als harten Kerl bezeichnen sollte. Und bin zu dem Ergebnis gekommen: lieber nicht. Das würde ohnehin niemand glauben, der mich kennt. Und alle anderen würden sich irgendwann wundern. Dabei habe ich Dinge getan, die auf den ersten Blick genau danach aussehen. Ich bin sehr lange gelaufen. Sehr weit. Sehr kalt. Sehr heiß. Ich habe den Yukon Arctic 100 Meiler beendet, die Tor des Géants, den Irontrail, den Marathon des Sables durch die Sahara. Läufe also, bei denen Menschen, die solche Dinge nicht machen, reflexartig sagen: „Krass.“ Und Menschen, die solche Dinge machen, wissend nicken. Man könnte daraus schließen, dass ich hart bin. Das Gegenteil ist der Fall. Ich bin ein ausgesprochener Softie. Ich bin bequem, ich bin träge, ich trainiere lieber morgen. Ich halte mich ungern an Ernährungspläne, schlafe gerne lange und esse Dinge, die in keiner Sportuhr dieser Welt vorgesehen sind. Alkohol gehört dazu, Süßigkeiten auch. Beides gern. Erst wenn ich merke, dass mir die Sache entgleitet – wenn es brennt, wenn es knapp wird, wenn die Uhr laut tickt – werde ich plötzlich fleißig. Dann kann ich Disziplin. Dann bereite ich mich vor. Kurz. Intensiv. Mit schlechtem Gewissen. Heute allerdings scheinen alle hart zu sein. Wirklich alle. Mich beeindruckt das aufrichtig. Woher kommt diese flächendeckende Disziplin? Wann genau hat der Müßiggang seinen Ruf verloren? Was ist passiert mit euch, ihr Eisbader, BackyardUltras, Proteinpulver-Brüder? Vor nicht allzu langer Zeit – sagen wir: vor weniger als drei Jahren – saßt ihr noch mit Wasabinüsschen vor der Konsole. Ziele zu haben ist wunderbar. Sportliche Ziele, die bis vor Kurzem noch absurd klangen, sind großartig. Sich an einem Ultralauf abzuarbeiten, ihn zu erhöhen, zu vergolden, auf einen inneren Thron zu setzen – das kann einem Leben tatsächlich Richtung geben. Davon bin ich überzeugt.
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Harter Softie Trail-Herausgeber Denis lässt sich bekanntlich sehr leicht triggern. Diesmal geht es um das Baden im Eiswasser. Im Bild ist er übrigens bei Hitze auf der Transvulcania-Strecke zu sehen, aber das ist ja was anderes.
Im letzten Winter bin ich selbst in diese Logik geraten. Es war so: Ein Freund von mir – mein Alter, gutes Herz, kein Profisportler – ist hart. Wirklich hart. Und das setzte mich unter Druck. An einem Sonntag im Januar 2025 fuhr ich deshalb an den Chiemsee. Minus vier Grad, schneebedeckte Berge, absolute Stille. Der See hatte offensichtlich Winterpause. Kein Segeln, kein Planschen, kein Zweck. Ich zog mich aus. Bis auf eine kurze Laufhose, weil ich keine Badehose besitze. Ich drückte meiner Frau meine Kleidung in die Arme und ging ins Wasser. Ich dachte nichts. Ich war niemand. Nach fünfzehn Metern stand ich bis über die Knie im See. Es war eine Kälte, die nichts wollte außer Aufmerksamkeit.
Unklar ist mir nur, warum diese Ziele heute offenbar ausschließlich mit nahezu hundertprozentigem Commitment erreichbar sind. Alles muss schnell gehen. Vom Halbmarathon
zum 100-Meiler in zwölf Monaten. Vom Seepferdchen zum Eiswasser-Ironman in zwei Jahren. Optimierung duldet keinen Umweg. Und schon gar keine Pause.
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Dann kippte ich nach vorne und dachte an einen ganz normalen Badetag im August. Ich schwamm Brust, jubelte laut. Ein Rentnerpaar schüttelte den Kopf und fütterte Schwäne. Ich tauchte unter – später erfuhr ich, dass das ein Fehler war. Nicht hart, sondern dumm. Das war also mein einziger Versuch, auch einmal hart zu sein. Er funktionierte. Mit Abzügen. Die Likes auf Instagram waren okay.
EVENT MDS Ultra
Text & Fotos: Ian Corless
40 Jahre später
Vierzig Jahre nach den ersten Wüstenrennen erweitert der MDS ULTRA das Konzept des Marathon des Sables. 100 Kilometer oder 100 Meilen am Stück, ohne Etappen, ohne nächtliche Erholung. Ein Format, das Belastbarkeit, Strategie und mentale Stärke neu definiert – und den Fokus konsequent auf das Laufen legt.
Vierzig Jahre, nachdem die ersten organisierten Läufer ihre Spuren in den Sand der Sahara setzten, schaut die Wüste nicht zurück. Sie feiert kein Jubiläum, sie verbeugt sich nicht vor ihrer eigenen Geschichte. Sie macht einfach weiter. Und stellt eine neue Frage. Leise, beinahe unscheinbar – aber so gnadenlos, dass man ihr nicht ausweichen kann. Diese Frage heißt MDS ULTRA. Ausgedacht wurde sie in der Weite rund um Merzouga im Osten von Marokko. Das Prinzip ist schnell erklärt und schwer umzusetzen: ein Rennen, ein Stück, keine Etappen. Entweder 100 Kilometer oder 100 Meilen. Am Stück. Ohne Zeltlager, ohne abendliches Zusammenfallen auf einer Isomatte, ohne das tröstliche „morgen wird’s besser“. Stattdessen läuft eine Uhr mit. Vierzig Stunden lang. Und sie hört nicht auf, nur weil man selbst es gern würde. Das ist kein nostalgischer Rückgriff auf alte Zeiten, kein Marketingtrick mit neuem Namen. Es ist eher das
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Gegenteil: ein radikales Ausziehen. Nach Jahrzehnten von Wüstenrennen mit festen Abläufen, Routinen und Erholung – allen voran der legendäre Marathon des Sables – wird hier alles weggelassen, was das Leiden strukturierbar macht. Die Frage dahinter ist simpel: Was passiert, wenn nichts mehr gepuffert ist? Wenn Fehler bleiben. Wenn Schmerz nicht bis morgen warten kann. Was bleibt, ist Bewegung. Und Ehrlichkeit.
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EVENT MDS Ultra „Ich war selbst überrascht – und ehrlich gesagt ziemlich berührt – von dem Geschenk, das wir uns zu unserem 40. Geburtstag gemacht haben: 100 Kilometer oder 100 Meilen im Winter zu laufen. Wir waren oft zur Streckenbesichtigung in der winterlichen Wüste, angezogen von dem, was sie verlangt: der scheinbaren Sanftheit am Tag und der stillen Härte der Nacht. Beim MDS Legendary bekommt man ein Gefühl für endlose Zeit, beim ULTRA wird die Nacht zum entscheidenden Moment. Ich wurde nicht enttäuscht. Es war großartig, die Stärke und die Widerstandskraft in den Augen und Körpern der Finisher zu sehen. Beeindruckt hat mich auch unser MDSTeam – in Blau und Orange –, das die Lebensbasen und Wasserstationen mit absoluter Präzision und vollem Einsatz betrieben hat. Genau das ist unsere DNA: unterstützen, anfeuern, schützen und da sein – kompromisslos, über mehr als 40 Stunden hinweg, für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer, bis zum Schluss. Die rohen Geschichten, die Halluzinationen, die extreme Anstrengung – Minuten werden zu Stunden, Kilometer müssen einzeln abgehakt werden. Diese Momente bleiben. Sie prägen, welche Herausforderungen wir uns als Nächstes vornehmen. MDS ULTRA ist nichts für alle. Aber wer sich traut, erlebt etwas Kraftvolles, Persönliches, Unvergessliches.“ Cyril Gauthier (Frankreich), Owner und Chairman, Marathon des Sables
Schon nach den ersten Kilometern zeigt sich, wie sehr dieses Format den Ton verändert. In Etappenrennen rechnet man. Teilt ein. Weiß, dass man sich am Abend wieder zusammenflickt. Hier hängt alles zusammen. Wer zu Beginn überzieht, zahlt später. Wer zu wenig isst, bleibt leer. Blasen interessieren sich nicht für gute Vorsätze. Müdigkeit sammelt sich still an, Stunde um Stunde, bis sie sich meldet. Und immer ist sie da, diese innere Verhandlung: Wie viel
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Ehrgeiz ist noch klug – und wann wird er gefährlich? Manche laufen gleich los, getragen von kühler Luft und Aufbruchsstimmung. Andere gehen bewusst langsam, fast stur, als würden sie ihr Tempo verteidigen wie einen Schatz. Schnell oder langsam – alle sind Teil derselben, langen Unterhaltung mit der Wüste. Dieses Rennen kennt keine Kapitel. Es ist ein einziger Satz ohne Punkt. Jeder Läufer entscheidet selbst, wie er ihn durchsteht. Dass die Premiere im Winter stattfindet, macht es anfangs fast trügerisch angenehm. Tagsüber ist es hell, trocken, gut laufbar. Keine brutale Hitze, kein flimmernder Horizont. Die Wüste wirkt freundlich, fast einladend. Viele werden hier zu schnell. Weil es geht. Weil es sich richtig anfühlt. Bis die Sonne untergeht. Dann kippt die Stimmung. Die Nacht kommt schnell, und mit ihr eine Kälte, die selbst erfahrene Wüstenläufer überrascht. Die Temperaturen fallen, Muskeln werden hart, Finger klamm. Stirnlampen schneiden kleine Lichtinseln in die Dunkelheit. Alles außerhalb dieses Kreises verschwindet. Zeit dehnt sich, Kilometer verlieren ihre Logik. Die Nacht ist kein Zwischenraum. Sie ist der Kern dieses Rennens. Wer zu lange stehen bleibt, friert. Wer zu langsam geht, kommt kaum wieder in Bewegung. Wer sich pusht, riskiert den Absturz. Kleidung zählt. Essen zählt. Der Kopf zählt am meisten. Viele merken hier: Das ist nicht einfach nur ein langer Lauf. Das ist eine Prüfung, die keine
n e p l A der
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EVENT MDS Ultra Ablenkung erlaubt. Auch die Strecke macht keine großen Gesten. Sie ist überwiegend flach, weniger Sand als erwartet, kaum spektakuläre Dünen. Gerade das macht sie so hart. Flach heißt: kein natürlicher Grund, langsamer zu werden. Keine Abwechslung für den Kopf. Jeder ineffiziente Schritt fällt auf. Jeder Fehler hallt nach. Unterbrochen wird diese Monotonie nur von fünf Life Bases – kleine Oasen aus Licht, Feuer und Stimmen. Freiwillige reichen Wasser, Essen, medizinische Hilfe. Und etwas, das fast wichtiger ist: menschliche Nähe. Ein Satz. Ein Blick. Die Erinnerung daran, dass man nicht völlig allein ist. Dazwischen liegen neun Wasserstellen, exakt gesetzt. In einem Rennen wie diesem ist Genauigkeit überlebenswichtig. Insgesamt kümmern sich 147 Mitarbeitende um Funk, Sicherheit, Medizin und Ablauf – meist unbemerkt, aber entscheidend. Vorne im Feld zeigt sich, wie international diese Szene geworden ist. Läuferinnen und Läufer aus 30 Ländern stehen am Start, rund ein Drittel davon Frauen. Und sie mischen das Geschehen von Anfang an auf. Über die 100 Meilen geht zunächst der Spanier Martin Gallardo nach vorne. Selbstbewusst, schnell. Doch die Wüste ist geduldig. Nach etwa 40 Kilometern verschiebt sich das Bild. Maryline Nakache kommt näher. Ruhig, kontrolliert, ohne sichtbare Hast. Was folgt, ist kein Angriff, eher ein Übernehmen. Kilometer für Kilometer. Am Ende gewinnt sie – nicht nur als beste Frau, sondern insgesamt. Ohne großes Theater. Gerade deshalb beeindruckend. Auch das 100-Kilometer-Rennen ist eng. Sergio Turull setzt sich durch, muss aber bis zum Schluss sauber arbeiten. „Am Anfang fühlt sich alles zu leicht an“, sagt er später. „Flach, laufbar, fast komfortabel. Aber genau das macht es gefährlich. Und dann kommen nachts die Dünen von Merzouga – kalt, dunkel – und du musst alles zusammennehmen, was noch da ist.“ Hinter ihm wird Adriana Moser Zweite und beste Frau. Francesca Canepa folgt auf Platz drei. „Ich habe unterschätzt,
„Als das Rennen gestartet war, habe ich gemerkt, dass einfach alles, was ich geplant hatte – Ausrüstung, Verpflegung, Timing, Vorbereitung in Spanien, Mindset – aufgegangen ist. Jedes Mal, wenn ich auf die Uhr geschaut habe, musste ich grinsen und den Kopf schütteln. Keine Schmerzen, keine Probleme – ich habe einfach die Natur genossen: die Hitze am Tag, die klirrende Kälte in der Nacht, einen unglaublichen Sternenhimmel, aufmunternde Gespräche mit anderen Teilnehmer:innen. Die Kilometer sind nur so vorbeigeflogen. Die letzten zehn Kilometer führten durch weichen Sand. Es war ungefähr zwei Uhr nachts, meine Garmin hat den Geist aufgegeben und ich hatte keine Ahnung, wie viele Dünen noch bis ins Ziel kommen würden. Aber ich wusste: Ich muss einfach weitermachen und mich durch diese Ungewissheit pushen.“ Julia Astrid Riemenschneider (Deutschland)
wie sehr die Einsamkeit im Kopf arbeitet“, sagt Moser. „Man weiß, Hilfe ist nicht weit – und fühlt sich trotzdem verloren. Gleichzeitig ist genau das der Grund, warum ich Ultralaufen liebe. Nicht alles lässt sich planen. Man passt sich an. Und irgendwann steht man im Ziel.“ Doch MDS ULTRA lebt nicht von den Siegern allein. Sein Kern liegt weiter hinten. Dort, wo niemand um Podestplätze läuft. Wo es nur darum geht, weiterzumachen. Manche müssen aufgeben – verletzt, unterkühlt, leer. In einem Ein-Tages-Rennen gibt es keinen Neustart. Andere kommen ganz am Ende an, kurz vor Ablauf der Zeit, ausgebrannt, aber aufrecht. Sie laufen
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nicht gegen andere. Sie laufen gegen die Stimme, die sagt: Es reicht. Was diese erste Ausgabe so stark macht, ist nicht ihr Neuheitswert. Es ist ihre Klarheit. Vierzig Jahre nach Beginn der großen Wüstenrennen zeigt sie: Man braucht nicht mehr Spektakel, um etwas Neues zu sagen. Manchmal reicht es, Komfort zu streichen. MDS ULTRA will nichts ersetzen. Es steht daneben. Nüchtern. Hart. Ehrlich. Die Sahara braucht keine Neuerfindung. Sie wartet. Und wenn man ihr eine neue Frage stellt, antwortet sie wie immer: mit Distanz, mit Zeit – und mit Wahrheit.
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KURZPORTRÄT Egon Theiner Text: Denis Wischniewski
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Fanboy-Wissen SEIT JAHREN BEGLEITET EGON THEINER DAS TRAILRUNNING – JOURNALISTISCH, ANALYTISCH, BEHARRLICH. WÄHREND DER SPORT WÄCHST, SICH PROFESSIONALISIERT UND UM SEINE IDENTITÄT RINGT, BLEIBT THEINER BEI EINER HALTUNG, DIE SELTEN GEWORDEN IST: GENAUIGKEIT VOR GESCHWINDIGKEIT, SUBSTANZ VOR REICHWEITE. EIN KURZPORTRÄT ÜBER EINEN JOURNALISTEN, DER DEN UNTERSCHIED ERNST NIMMT. Wenn man Egon Theiner anruft, meldet er sich ohne Hast. Keine geschäftige Stimme, kein demonstratives „Ich bin gerade im Stress“. Eher das Gegenteil. Ein kurzes Zögern, dann ist er da. Er klingt ein wenig müde. Diese Art von Müdigkeit, die nicht vom Schlafmangel kommt, sondern vom Dranbleiben. Egon Theiner ist ein Trailrunner – das ist zunächst das Wichtigste. Danach ist er einiges mehr. Vor allem ist er ein feiner Beobachter des Sports. Und aus dieser Beobachtung ist etwas entstanden. Die Olympischen Spiele beginnen erst in ein paar Wochen, sagt er, und doch fühlt es sich an, als wäre er schon mittendrin. Der Südtiroler ist bereits vor Ort. Es sind seine elften Spiele, die er begleitet. Er hat Bücher darüber geschrieben. Er ist einer, der sich dort um andere Journalisten kümmert – und einer, der sich erinnert, wie er 1980 mit dem Virus Olympia infiziert wurde. Seitdem saugt er alles auf, was mit Sport zu tun hat. Er kennt sich, wie er selbst sagt, mit beinahe allen Sportarten aus. Trailrunning kam später dazu. So richtig ernsthaft erst vor sechs oder sieben Jahren. Jahre, in denen er sich in den Sport, seine Strukturen und seine Eigenheiten hineinarbeitete – und selbst hineinlief. Theiner ist Journalist von Haus aus. Kein Quereinsteiger, kein Blogger der ersten Stunde, sondern klassisch sozialisiert im Sportjournalismus. Er hat gelernt, Sport als System zu betrachten: Leistung, Hierarchie, Kontext. Er hat über Fußball geschrieben, über Wettbewerbe, in denen klar war, wer Profi ist und warum. Diese Schule prägt ihn bis heute. Sie erklärt, warum er sich so schwer damit tut, wenn im Trailrunning alles gleich behandelt wird, solange es nur durch die Berge geht. Als er begann, sich intensiver mit der Szene zu beschäftigen, war Trailrunning noch eine Randerscheinung. Viel Idealismus, wenig Struktur, kaum mediale Einordnung. Theiner erkannte früh, dass dieser Sport wachsen würde – und dass er dabei Gefahr lief, sich selbst zu verlieren. Er sah eine Professionalisierung kommen, lange bevor sie sichtbar war. Und er verstand, dass ein wachsender Sport nicht nur Begeisterung braucht, sondern auch journalistische Präzision. Er selbst nennt sich einen schlechten Breitensportler, halb ironisch, halb ernst. Dabei hat er Ultratrails gefinisht, lange Nächte in den Bergen verbracht und gelernt, wie sich Erschöpfung anfühlt, wenn sie nichts Heroisches mehr hat. Doch seine eigene Leistung interessiert ihn nur insofern, als sie ihm hilft zu verstehen. Sie ist Erfahrung, kein Ausweis. Was ihn wirklich antreibt, ist der Unterschied. Der Unterschied zwischen jemandem, der läuft, und jemandem, der professionell läuft. Zwischen „auch Trailrunning“ und Hochleistungssport. Theiner stört sich daran, dass diese Differenz in der öffentlichen Wahrnehmung kaum existiert. Dass fünfzehn Stunden und dreißig Stunden gleich erzählt werden. Dass Elite oft unsichtbar bleibt, weil sie unbequem ist. Er spricht darüber ruhig, fast beharrlich. Zieht Vergleiche zum Tennis, zum Motorsport. Niemand würde sagen, er fahre auch Formel 1, nur weil er Auto fährt. Und doch passiert genau diese Gleichsetzung im Trailrunning ständig. Für Theiner ist das kein Detail, sondern ein journalistisches Versäumnis – eines, das er korrigieren will. Aus dieser Haltung heraus sind seine Projekte entstanden. Magazine, Plattformen, Formate. Seine jüngste Plattform, trailrunning.world, bezeichnet er bewusst nicht als Blog. Sie ist ein Ort für Elite-Trailrunning. Für Athletinnen und Athleten, die ihren Alltag nach Trainingsplänen,
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Ernährungsstrategien und Regenerationszyklen strukturieren. Für jene, die nicht nur schneller sind, sondern anders arbeiten. Theiner glaubt nicht an schnelles Wachstum. Er glaubt an organisches. Lieber langsam, sagt er. Lieber glaubwürdig. Lieber mit Partnern, die verstehen, dass Reichweite nicht alles ist. Dass Vertrauen entsteht, wenn man bleibt. Wenn man die Historie kennt. Wenn man nicht bei jedem Trend mitgeht. Besonders lebendig wird er, wenn er über die Zukunft des Sports spricht. Über die Möglichkeit, dass Trailrunning olympisch werden könnte – vielleicht sogar früher, als viele glauben. Nicht als Sommerdisziplin, sondern im Kontext von Winterspielen. Er erzählt von Recherchen, von Gesprächen mit Verbänden, von offenen Fragen: Format, Strecke, Bezeichnung. Cross Country oder Trailrunning? Vereinfachung oder Annäherung an die Essenz des Sports? Man merkt: Es geht ihm nicht um Medaillen. Es geht ihm um Darstellung. Um die Frage, ob ein komplexer Sport sichtbar werden kann, ohne banal zu werden. Ob man Leistung zeigen kann, ohne sie zu verkürzen. Seine Gedanken gehen weit: von TrailmarathonFormaten bis hin zu utopischen Ideen eines UltraTrails, der mit der Eröffnungsfeier beginnt und erst zur Schlussfeier endet. Er weiß selbst, dass das unrealistisch ist. Aber er denkt es trotzdem. Weil Denken erlaubt sein muss. Egon Theiner liebt diesen Sport nicht romantisch. Er liebt ihn ernsthaft. Er romantisiert weder das Leiden noch die Berge. Ihn interessiert das System dahinter. Das Warum. Das Wie. Und die Verantwortung der Medien, Unterschiede sichtbar zu machen, statt sie einzuebnen. Vielleicht ist das der Grund, warum er geblieben ist, während andere Projekte kamen und gingen. Warum er beharrlich weiterarbeitet, auch wenn der Markt schwierig ist. Egon Theiner will das Trailrunning nicht neu erfinden. Er will es ernst nehmen. Und vielleicht ist genau das seine größte Qualität: dass er nicht lauter wird, wenn der Sport lauter wird. Sondern genauer.
HISTORY Trailschuh-Legenden
SO WURDE
EIN SCHUH
Text: Clemens Niedenthal
DRAUS
Es gibt Trailschuhe, die uns im Praxistest überzeugen. Und die uns dann über das Jahr den ein oder anderen Lauf lang begleiten. Manche tragen uns durch ein Rennen, bleiben uns nachhaltig in Erinnerung. Und dann gibt es die Schuhe, ohne die wir diesen Sport vielleicht ganz anders erlebt hätten. Modelle, die uns Sicherheit gegeben haben – und eine Leichtigkeit.
Oder die vielleicht auch nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren: mit uns auf den Trails. Eine ganz persönliche Kulturgeschichte des Trailrunnings, erzählt anhand jeweils dreier prägender Schuhmodelle. Die Regeln: Der Schuh darf nicht mehr neu erhältlich sein, und er befindet sich auch nicht mehr in unserer Laufschuhkiste.
Brooks Catamont Jahr: 2020
In loser Folge werden wir uns künftig an Trailschuhe und anderes Equipment erinnern, die unser Läuferleben geprägt haben. Zum Anfang erinnert sich Redakteur Clemens Niedenthal an drei besondere Trailschuhe
Der Brooks Catamont hatte das Pech der späten Geburt. Kaum ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung dieses dynamischen und dabei straffen, aber doch merklich gedämpften Trailracers mit Langstreckenkompetenz sollte der The North Face Vectiv Pro mit seiner Carbonspange und dem künftig hyperkritisch genannten Mittelsohlenschaum die Welt der performativen Trailschuhe komplett verändern. Der noch immer neue Catamont sah plötzlich alt aus. Ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung steckte die Welt aber auch mitten in einer Pandemie. Und dieser herrlich unkomplizierte und dabei sehr bequeme Schuh wurde zum Begleiter all meiner einsamen Brandenburg-Ultras. Angedeuteter Rocker-Shape, ein stets verbindliches Laufgefühl, Agilität, Ausdauer und diese tolle Passform: So unaufgeregt alles richtig (und noch besser) gemacht hat zweieinhalb Jahre später erst wieder der Norda 001.
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INOV8 Roclite 315 Jahr: 2009 Mein erster Trailschuh. Bestellt bei Robert Pollhammer, dem Robert Pollhamer, in Garmisch. Irgendwie war ich im Netz auf seinen Laden namens Racelite gestoßen. So etwas wie Trailschuhe gab es hier oben in Berlin ja quasi nicht. Der erste Trailschuh. Und dann gleich eine eierlegende Wollmilchsau. Der Roclite 315 war resilient wie ein Wanderschuh, dabei unheimlich flexibel. Er hatte so etwas wie Dämpfung und war gleichzeitig herrlich mitteilsam. Für meinen ersten ZUT habe ich mir den leichteren Roclite 285 geholt. Aber der 315er blieb über drei Modelle mein Allrounder. Ich war mit ihm im Harz, auf den Färöern, in Grönland. Dass die Schuhe gefühlt mit der Heißklebepistole zusammengedengelt waren und dass das Inov8-Logo mit der stilisierten Fußsohle bis heute eines der schlimmsten Logos der Marketinggeschichte ist – geschenkt. Dieser Schuh hat mir den Weg auf die Trails geebnet.
Salomon Sense Mantra 3 Jahr: 2015 Ein Hidden Champion? Quatsch, dieser Schuh war eigentlich ein ziemliches Missverständnis. Gerade hatte der schlankere und technischere Sense Pro den erfolgreichen Sense Mantra beerbt, aber irgendwer bei Salomon wollte wohl an dem bereits eingeführten Modellnamen festhalten. So entstand also dieser optisch etwas aufgequollene Schuh, schließlich waren Marken wie Hoka und Altra gerade auf dem Vormarsch. Aber nein, der Sense Mantra 3 war weder ein Natural-Running- noch ein maximal gedämpfter Schuh. Zumindest für mich wurde er aber zum Vorreiter eines Konzepts, das bald auf den Namen Door-to-Trail hören sollte. Und so bin ich fast zufällig während eines Trainingslaufs im Sense Mantra 3 meine damalige Halbmarathonbestzeit gelaufen: sub 1:30 Stunden. Geholfen hat es dem Sense Mantra nicht, die dritte blieb die letzte Modellgeneration.
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LESER:INNENUMFRAGE 2025/2026
Wie 3500 Menschen über Trailrunning denken ... Text: Clemens Niedenthal
Frauen holen auf! Bei der ersten Umfrage vor rund 9 Jahren waren es noch 15% Frauen. Heute zählen wir 30% unter der Leserschaft. Klasse.
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Jede:r vierte Teilnehmer:in unserer Umfrage besitzt indes auch ein eigenes Laufband. Da waren wir, zugegeben, baff.
Und dann gab es in unserer Leserumfrage auch einige Ergebnisse, die sich logisch nicht wirklich erklären lassen: So gaben zwei von drei Leser:innen (64,9 Prozent) an, über einen Rollentrainer fürs Rennrad oder Gravelbike zu verfügen. Allerdings behaupteten gut 38 Prozent eben auch, unter keinen Umständen und niemals nie indoor zu trainieren. Wir interpretieren diese Diskrepanz fürs Erste so: So ein Rollentrainer ist ja auch ein hübsches Wohnaccessoire.
Unser Sport bleibt ein Event- und Wettkampfsport. Mehr als die Hälfte aller Leser:innen nimmt regelmäßig, ein gutes Drittel immerhin noch ein- oder zweimal im Jahr an einem Trailrennen teil. Nur gut 13 Prozent gaben hingegen an, nie oder nicht mehr mit einer Startnummer zu laufen. Eine Eventmüdigkeit, wie sie etwa die allgegenwärtigen Debatten rund um den UTMB nahelegen könnten, ist also offensichtlich nicht einmal am Horizont erkennbar.
Deshalb: die Sache mit dem UTMB. 60 Prozent von euch finden die Runde um den Mont Blanc und die damit verknüpften UTMB World Series wichtig und prägend für unseren Sport. Ein knappes Drittel möchte unbedingt selbst einmal in Chamonix laufen. Allerdings monieren auch 15 Prozent von euch einen von globalisierten Eventserien beförderten Ausverkauf des Trailrunnings. Unser redaktionsinternes Fazit: Es gibt weiterhin viel zu bereden – aber auch viel zu berichten über ein Rennen, das die wenigsten von euch kaltlässt.
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Komfortzone 76 Prozent von Euch suchen einen Trailschuh mit Laufkomfort. Zum ersten Mal, seit wir diese Leserumfrage machen, ist der Grip (73 Prozent) nicht mehr die am meisten nachgefragte Kompetenz.
LESER:INNENUMFRAGE 2025/2026
Viel hilft meistens wenig. Und oft schadet es auch. Überlastungsverletzungen wie Sehnenentzündungen und Ermüdungsfrakturen sind mit Abstand die häufigsten Blessuren, die unsere Leser:innen plagen. 67 Prozent von euch hatten schon einmal damit zu tun. Apropos: Auch Christina, die uns die Moralfrage auf der letzten Seite dieser Ausgabe geschickt hat, erholt sich gerade von einem Ermüdungsbruch.
20%
Ein buntes Bild ergeben eure Trainingsrituale. Ein gutes Drittel von euch läuft einzig nach Lust und Laune, jeweils gut 20 Prozent arbeiten mit einem Trainer oder nach selbst recherchierten Trainingsplänen. 10,38 Prozent befragen die Künstliche Intelligenz. Wie hingegen die KI trainiert, das müssen wir einmal bei ChatGPT nachfragen. Wir mögen Menschen mit Ambitionen. Und wir mögen – na klar – unsere Leser:innen. Das passt, schließlich verstehen sich etwa 54 Prozent von euch durchaus als ambitionierte Hobbyathlet:innen. Gut fünf Prozent würden ihre Einstellung zum Trailrunning sogar als semiprofessionell bezeichnen. Ein halbes Prozent unserer Leser:innen gibt an, den Sport als Profi zu betreiben. Da haben wir doch einmal nachgerechnet: Rein statistisch müssten alle vollberuflichen Trailläufer:innen auch Leser:innen unseres Magazins sein. Ein schönes Kompliment.
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Rucksäcke: Salomon 75% GPS-Uhren: Garmin 45% Sporternährung: Powerbar 44% Reiseregion: Südtirol 63 % *Mehrfachnennungen waren möglich
54%
Markführer*
%
54% Goldene Mitte: Das Gros von euch (54 Prozent) trainiert zwischen fünf und zehn Stunden in der Woche. 22 Prozent sind sogar regelmäßig bis zu 15 Stunden unterwegs. Jene, die ihr Leben quasi auf die Trails verlagert haben, oder solche, die lediglich eine Stunde durch die Sonne joggen, bleiben eine Randerscheinung.
15 Stunden
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PORTRÄT Sangé Sherpa Text & Fotos: Daniel Keppler
Dünne Luft
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Weites Herz
DÜNNE LUFT, WEITES HERZ: ZU GAST IM SHERPA ELEVATION LAB VON KATHMANDU IN DER ANNAPURNA-REGION: SANGÉ SHERPA LUD ZUM ERSTEN „ELEVATION LAB“. EIN BERICHT ÜBER EIN TRAININGSLAGER, DAS EIGENTLICH EIN KULTURELLES EXPERIMENT WAR.
„Mein Herz fliegt wie Seide im Wind.“ Das ist, frei übersetzt, der Refrain des nepalesischen Volksliedes „Resham Firiri“. Es ist der Soundtrack dieser Reise. Egal ob im Bus, am Lagerfeuer oder leise gesummt beim steilen Anstieg auf über 3.000 Meter: Diese Melodie vereint eine Gruppe, die vor zehn Tagen noch aus Fremden bestand. Es ist Anfang Dezember am Rande des Annapurna-Massivs, umgeben von einigen der höchsten Berge der Welt. Wir sind Teil einer Premiere. Sangé Sherpa hat zum ersten „Sherpa Elevation Lab“ in sein Heimatland Nepal eingeladen. Es ist kein gewöhnliches Trainingslager. Es ist ein Experiment in Höhe, Demut und Gemeinschaft. Das Phänomen Sangé Sherpa Wer verstehen will, warum dieses Camp besonders ist, muss erst einmal seinen Initiator verstehen. Sangé Sherpa ist in der Ultra-Szene längst eine Institution, doch ein Blick auf seinen Rennkalender des vergangenen Sommers lässt selbst erfahrene Athleten sprachlos zurück. Was er leistet, grenzt an das Unmögliche. Es gibt wohl kaum einen anderen Läufer, der eine solche Wettkampfdichte auf diesem Niveau durchhält. Die nackten Zahlen seiner Saison lesen sich wie Druckfehler: Am 1. August startete er beim Transpyrenea über 900 Kilometer. Während andere Monate zur Regeneration brauchen, stand Sangé zwei Wochen später beim Swiss Peaks am Start – weitere 700 Kilometer. Es folgten zehn Tage Pause, dann die 330 Kilometer des Tor des Géants. Wieder nur eine Woche später lief er „kurz“ für sein Heimatland Nepal bei der Weltmeisterschaft in Canfranc über die 82 Kilometer, nur um sieben Tage darauf bereits wieder an einer Startlinie zu stehen: 400 Kilometer beim Ultra Gobi in China. Allein im letzten Jahr finishte Sangé elf Rennen jenseits der 100-KilometerMarke. Doch spricht man mit Weggefährten oder Teilnehmern des Camps, ist es nicht dieser absurde Rennkalender, der ihn zum Ausnahmeathleten
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PORTRÄT Sangé Sherpa macht. Es ist seine Art. Sangé ist immer bescheiden, immer positiv, immer mit einem Lächeln im Gesicht – egal, wie schmerzhaft der Trail gerade ist. Genau diese Mischung aus Weltklasse-Härte und familiärer Herzlichkeit wollte er mit dem „Sherpa Elevation Lab“ weitergeben – tatkräftig unterstützt von seiner Schwester und seinem Schwager, die die Logistik vor Ort organisierten. Raus aus der Komfortzone „Ich habe das Elevation Lab gegründet, um Läufern die Chance zu geben, die Höhe im Himalaya wirklich zu spüren“, erklärt Sangé seine Vision. Doch es ging ihm um mehr, als nur weitere Trainingsreize zu setzen. Er wollte eine Brücke bauen. Eine Verbindung zwischen internationalen Läufern und lokalen Talenten. „Als Sherpa und Ultraläufer wollte ich ein Camp veranstalten, in dem Leistung, kultureller Austausch und gemeinsame Erfahrungen in den Bergen zusammenkommen.“ Das Abenteuer begann nicht auf dem Trail, sondern in Kathmandu. Zwanzig Läufer aus Singapur, Frankreich, Belgien, Vietnam, Litauen und Deutschland trafen auf fünf junge nepalesische Nachwuchsläufer. Ausgestattet mit Material von Kailas Fuga quetschte sich die Gruppe samt Ausrüstung für zehn Tage Autarkie in einen Bus. Was folgte, war eine jener berüchtigten zehnstündigen Nachtfahrten in die Ausläufer des Annapurna-Gebirges, die jeden Chiropraktiker in den Wahnsinn treiben würden. „Meine Hauptphilosophie für das Camp war simpel: Raus aus der Komfortzone“, sagt Sangé rückblickend. Er hält wenig von unnötigem Komfort und strikten Trainingsplänen, wenn die Umgebung so atemberaubend und vielfältig ist wie hier. „Ich glaube, wir müssen nicht immer irgendwelchen Plänen folgen, um gute Trainingseffekte zu erzielen. Das Training nach Gefühl, das Genießen des Moments und die positiven Erlebnisse in der Gruppe bringen oft mehr.“ Basislager-Realität: Kalte Nächte, brennende Waden Der Alltag im Camp war von extremen Kontrasten geprägt. Wer den Himalaya
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im Dezember besucht, muss wissen, worauf er sich einlässt. Die Nächte sind frostig. Bei minus fünf Grad im Zelt zu liegen, eingemummelt in drei Schichten Merino und Daune, mit einer kalten Nase und der Hoffnung, dass die Laufschuhe am nächsten Morgen nicht komplett gefroren sind – das ist die Realität. Doch dann kommt der Morgen. Sangés Lieblingsmoment des Camps beschreibt es perfekt: „Das Aufwachen im gefrorenen Zelt, das erste Licht auf den Gipfeln, Masala-Tee, einfache Pfannkuchen und dann gemeinsam die Berge entdecken.“ Binnen 15 Minuten wechselt man von der Daunenjacke zu Shorts und T-Shirt. Die Luft ist klar, die Trails sind trocken, und das Panorama auf mehrere Achttausender lässt jede Müdigkeit vergessen.
SANGÉ NUTZTE DIE EINNAHMEN DER INTERNATIONALEN TEILNEHMER, UM FÜNF JUNGE NEPALESISCHE TALENTE KOSTENLOS EINZULADEN. DIE AUSWAHLKRITERIEN WAREN STRENG, ABER MENSCHLICH. „ICH HABE MOTIVATION UND EINSTELLUNG ÜBER MEDAILLEN GESTELLT“, BETONT SANGÉ.
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Die Rookies: Zukunftshoffnung auf dem Trail Das Herzstück des Elevation Labs waren jedoch nicht die spektakulären Aussichten, sondern die Menschen. Sangé nutzte die Einnahmen der internationalen Teilnehmer, um fünf junge nepalesische Talente kostenlos einzuladen. Die Auswahlkriterien waren streng, aber menschlich. „Ich habe Motivation und Einstellung über Medaillen gestellt“, betont Sangé. „Ich habe mir ihren Hintergrund angesehen, wie engagiert sie trotz begrenzter Ressourcen trainieren und ob sie bereit sind, zu lernen und Vorbilder für andere Jugendliche in ihrer Gemeinschaft zu sein.“ Die Interaktion zwischen den gut ausgerüsteten Gästen aus Europa und Asien und den jungen Nepalesen war magisch. Da war keine Sprachbarriere, die nicht mit Händen, Füßen und einem gemeinsamen Lachen auf dem Trail überwunden werden konnte. „Viele von ihnen haben mich auf unterschiedliche Weise beeindruckt“, erzählt Sangé stolz. „Einige zeigten unglaubliche mentale Stärke bei langen Läufen, andere eine wunderschöne Demut und Teamgeist, indem sie andere unterstützten.“
PORTRÄT Sangé Sherpa Der Status quo: Laufen in Nepal Sangé Sherpa sieht das Camp auch als einen Beitrag zur Entwicklung des Sports in seiner Heimat. Trailrunning in Nepal wächst, das Interesse steigt, aber das Ökosystem hinkt hinterher. „Es gibt kaum strukturierte Unterstützung, sehr wenig Förderung und keine langfristige Planung für Athleten“, kritisiert er die aktuelle Lage. Gleichzeitig sieht er das gigantische Potenzial: „Wenn wir die Strukturen verbessern, in Sicherheit und Wegemanagement investieren und dabei die Natur und die lokalen Gemeinschaften respektieren, kann
Nepal ein echtes ‚Trailrunning-Paradies‘ werden.“ Projekte wie das Elevation Lab sind kleine, aber wichtige Schritte. Die jungen Athleten gingen nicht nur mit hochwertiger Ausrüstung nach Hause, sondern mit neuem Selbstvertrauen und der Erfahrung, dass ihre Leidenschaft international wertgeschätzt wird. Ein Versprechen für die Zukunft War das Experiment erfolgreich? Für Sangé steht die Antwort fest: „Es hat meine Erwartungen übertroffen.“ Am letzten Abend, als wir wieder um
das Feuer saßen, Suppe aßen und zu nepalesischer Musik tanzten, spürte man diese seltsame Mischung aus Bewunderung, ein wenig Wehmut und simpler Zufriedenheit. Wir waren keine Fremden mehr. Wir waren eine, wenn auch zusammengewürfelte, Familie. Sangé plant bereits für Dezember 2026. Die Vision bleibt dieselbe: kleine Gruppe, authentisches Höhentraining, Unterstützung für junge Talente. Nur die Struktur soll noch nachhaltiger werden. Und wahrscheinlich wird auch dann wieder „Resham Firiri“ durch die dünne Luft der Annapurna-Region hallen.
„WENN WIR DIE STRUKTUREN VERBESSERN, IN SICHERHEIT UND WEGEMANAGEMENT INVESTIEREN UND DABEI DIE NATUR UND DIE LOKALEN GEMEINSCHAFTEN RESPEKTIEREN, KANN NEPAL EIN ECHTES ‚TRAILRUNNINGPARADIES‘ WERDEN.“
Sangé Sherpa
Sangé Sherpa stammt aus einer abgelegenen Region in Nepal und lebt heute in Frankreich. Er ist bekannt für seine Teilnahme an den härtesten Ultra-Trails der Welt, darunter der Transpyrenea (900 km), Ultra Gobi (400 km) oder der UTMB. Seine Markenzeichen sind seine extreme Ausdauer, seine Bescheidenheit und seine selbst gebastelten Flöten, die er oft vor oder auch während Rennen spielt.
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REPORT Trailrunning in der Schweiz Text/Aufzeichnung: Tom Stetter
Die habens erfunden, oder?
Trailrunning ist gerade überall. Die Rennen sind voll, die Trails belebt, die Lust auf Berge größer denn je. Und mittendrin: die Schweiz. Klar, wegen der Alpen – vor allem aber wegen einer Szene, die Trailrunning nicht als Show versteht, sondern als Gemeinschaft. Offen, ehrlich und ziemlich ansteckend. Trailrunning ist in den vergangenen Jahren explodiert. Man spürt diesen Boom überall. Die mediale Aufmerksamkeit erreicht Rekordwerte, TrailrunningMarken prägen das Straßenbild, viele Veranstaltungen sind binnen Stunden ausgebucht. Eine treibende Kraft dieser Entwicklung ist die Schweiz. Natürlich liegt das auch an der spektakulären Kulisse der Alpen. Vor allem aber sind es die Menschen, die der Schweizer Trailszene ihr Gesicht geben. Rennen wie der Trail des Dents du Midi oder der Swiss Alpine Marathon zeigen, dass Trailrunning hier auf eine lange
Tradition zurückblickt. Die Berglaufund Trailszene im Alpenraum ist über Jahrzehnte gemeinsam mit ihren Veranstaltungen gewachsen. Großevents werden in der Szene zwar häufig kritisch betrachtet, doch gerade in der Schweiz scheint Platz für alles zu sein: Dorfläufe, lokale Bergrennen, international besetzte Trailklassiker. Jede Form hat ihre Berechtigung. Die Alpenrepublik ist tief geprägt von Outdoor-Aktivitäten. Bergsportarten wie das Trailrunning werden hier bereits seit den frühen 1960er-Jahren wettkampfmäßig betrieben. Durch die Berge zu laufen, gehört vielerorts zum Alltag.
Der Sport wird im Wir gelebt, vielleicht konsequenter als anderswo.
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Laufen als Wir-Erlebnis Was in der Schweiz besonders gut funktioniert, ist die Art und Weise, wie der Sport gestaltet wird. Die Menschen, die Trails und Rennen prägen, denken Trailrunning nachhaltig und inklusiv. Unabhängig vom Leistungsniveau entstehen Community Runs und private Veranstaltungen – für karitative Zwecke oder schlicht für das gemeinsame Erlebnis. Gelaufen wird nicht nur um Zeiten und Platzierungen, sondern um soziale Räume zu schaffen. Der Sport wird im Wir gelebt, vielleicht konsequenter als anderswo. So entsteht eine Atmosphäre, die fast familiär wirkt. Für mich ist das einer der Gründe, warum ich mich dort so verwurzelt fühle. Bewegung wird gemeinsam gestaltet: Trailrunning genießen, einander helfen, zusammen etwas voranbringen. Es gibt dieses kollektive Bestreben, den
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REPORT Trailrunning in der Schweiz
Von Fiesch bis Zürich: Szene mit Haltung Jakob Herrmann, Kopf des Swiss Alps 100, geht im kommenden Jahr in die zehnte Ausgabe seines Rennens. Blickt man auf die Entwicklung der vergangenen Jahre, wäre eine Startplatz-Lotterie kaum überraschend: Bereits im Januar war das Rennen für 2026 ausgebucht. Herrmann hat das Schweizer Trailrunning entscheidend mitgeprägt. Der Swiss Alps öffnet als Qualifikationslauf für Western States, Badwater und Hardrock die Tür zur großen US-Bühne weit. Zugleich ist das Rennen bewusst amerikanisch gedacht – als Statement für Eigenverantwortung und Selbstorganisation im Trailrunning. In diesem Jahr begrüßt Herrmann im beschaulichen Fiesch Athletinnen und Athleten aus 55 Nationen. Den Boom erklärt er mit den außergewöhnlich gut gepflegten Trails, die ursprünglich für Wanderer angelegt wurden. Die Vielfalt
des Schweizer Wegenetzes sei kaum zu übertreffen: hochalpin und ausgesetzt, dann wieder verspielt und flowig auf schmalen Singletrails. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Schweizerinnen und Schweizer für Trailrunning begeistern. Die Szene wächst, sie floriert. Ein weiterer prägender Bestandteil dieser Kultur ist das Format des Backyard Ultra. Rund um diese Läufe haben sich Gemeinschaften gebildet, die heute niederschwellige, offene Events für jedermann organisieren – und sich immer wieder auf den Trails begegnen. Auch Zürich hat sich zu einem echten Trailrunning-Hotspot entwickelt. In der Stadt leben Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Szene sichtbar zu machen. Seit Jahren entsteht hier, getragen von internationaler Community, ein lebendiges Zentrum für den Sport. Der Lake Züri 100 ist ein gutes Beispiel dafür, wie Trailrunning in Zürich als Lebensgefühl verstanden und gepflegt wird. Veranstaltungen entstehen ohne den Anspruch, sich zu bereichern – von
Schweizer Events, die du unbedingt besuchen solltest
Trailrun Chur – 14.06.2026 Der Kanton Graubünden zeigt sich in und um Chur als wunderschöne Trailrunning-Arena. Ein tolles Rennen in familiärem Rahmen.
Gornergrat Zermatt Marathon – 04.07.2026 Das lässt jedes Trailrunning-Herz höherschlagen. Das Matterhorn fest im Blick und aus dem Staunen nicht mehr herauszukommen – so lässt sich der Zermatt Marathon am besten beschreiben.
Glarner Berggeiss – 14.08.2026 Östlich des Vierwaldstättersee kannst du im Glarnerland bei dieser entspannten Veranstaltung schnelle, kurze Trails genießen.
Maloja-Seelauf – 13.09.2026 Für faire 30 CHF bekommst du das volle Naturprogramm: eine 16-Kilometer-Runde in großartiger Kulisse rund um Maloja.
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Fo t o : D. C a rl i e r
Schweizer Trailrunningsport als großes Get-together zu verstehen. Zumindest fühlt es sich so an.
5. /6. JUN 2026 Run the Mountains!
3. /4. JUL 2026 The ultimate Glacier Experience!
4. /5. SEP 2026 Run the Mountains!
Fo t o : T h o m a s S e n f
REPORT Trailrunning in der Schweiz
Interview mit Marcel Nickler
„Trailrunning ist in der Schweiz Teil des Bergsports“ Was sind für dich die wichtigsten Merkmale der Schweizer Trailrunning-Szene? Die Schweiz bietet auf kleinstem Raum eine außergewöhnliche landschaftliche Vielfalt. Innerhalb weniger Kilometer wechseln sich Gletscher, hochalpines Gelände, Wälder und Seen ab. Hinzu kommt ein einzigartig dichtes und gut markiertes Netz an Wanderwegen und historischen Gebirgspfaden. Dass sich fast alle Trails mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen lassen, macht Trailrunning hier besonders zugänglich. Wie hat sich der Trailsport in den vergangenen 15 Jahren entwickelt? Um 2010 war die Szene noch stark vom klassischen Berglauf geprägt, mit Wettkämpfen wie dem Jungfrau-Marathon oder Sierre–Zinal. Mit dem internationalen Trailrunning-Boom änderte sich das Bild: Technischere Trails, längere Distanzen und das Erlebnis rückten in den Vordergrund. Veranstaltungen passten sich an oder entstanden neu. Der Eiger Ultra Trail steht seit 2013
sinnbildlich für diese Entwicklung und die wachsende internationale Sichtbarkeit des Sports. Unterscheidet sich die Schweiz von anderen Trailrunning-Nationen? Trailrunning wird hier stark als Teil des klassischen Bergsports verstanden. Viele Läuferinnen und Läufer kommen aus dem Alpinismus oder aus dem Berglauf. Das prägt den Umgang mit Technik, Gelände und Risiken. Der geregelte Umgang mit Natur- und Schutzgebieten führt zu einer hohen Akzeptanz des Sports. Was sind die größten Aufgaben für die Zukunft? Mit steigenden Teilnehmerzahlen braucht es eine bewusste Routenwahl, saisonale Steuerung und die enge Zusammenarbeit mit Gemeinden und Behörden. Entscheidend wird sein, Wachstum, Qualität und Umweltbewusstsein dauerhaft in Einklang zu halten. Gibt es so etwas wie den typischen Schweizer Trailrunner? Er startet früh, gut vorbereitet und oft dort, wo der nächste Zug oder das Postauto hält. Gelaufen wird effizient, gegangen ohne schlechtes Gewissen, Wanderer werden gegrüßt. Nach dem Lauf spricht man weniger über Zeiten als über Höhenmeter – und über das Schneefeld, das überraschend noch lag. Gute Leute eben.
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Trailrunnern für Trailrunner. Getragen von Herzblut, Liebe und Leidenschaft. Carsten Drilling geht mit seinem Organisationsteam im März 2026 in die vierte Austragung. Die Startplätze sind begehrt wie Gold. Trailrunning wird hier im besten Sinne auf das Wesentliche reduziert. Kein Raum für Eitelkeit oder Neid. Man besinnt sich auf die Wurzeln und versteht den Sport als Botschafter für Heimat, Natur und Gemeinschaft. Was könnte schöner sein, als sich bewegend in der Natur zu entwickeln – und den Dingen ihren Lauf zu lassen.
Carsten Drilling geht mit seinem Organisationsteam im März 2026 in die vierte Austragung. Die Startplätze sind begehrt wie Gold.
Denis will künftig dem Tom nicht mehr so sehr ins Wort fallen
PODCAST Jeden Donnerstag neu Überall wo es Podcasts gibt.
Mit DENIS und TOM und vielen tollen Gästen aus der g r o ß e n We l t d e s Tr a i l r u n n i n g - S p o r t s .
TRAIL PODCAST Triathlon für Trailrunner
Was wir vom Tria
Ich liebe diesen Sport. Trailrunning ist für mich alles – und manchmal auch nichts. Meine eher bescheidene Trailkarriere wird dieses Jahr elf Jahre alt. Klingt nach viel, fühlt sich aber an wie ein Wimpernschlag. Vielleicht ist genau das ein gutes Zeichen. Es spricht für die Leichtigkeit dieses Sports, für seine Fähigkeit, Zeit aufzulösen. Text: Tom Stetter Fotos: privat Seit gut zwei Jahren versuche ich, mehr aus mir herauszuholen. Nicht aus Ehrgeiz, nicht aus Geltungsdrang. Sondern aus Neugier. Ich will schneller werden, ja. Vor allem aber stabiler. Athletischer. Ich will diese langen Rennen nicht nur überstehen, sondern durch sie hindurchfliegen. Die Fortschritte sind spürbar – und messbar. Der Schlüssel liegt in der Trainingsplanung. Und, überraschenderweise, im Triathlon. Nein, ich bin kein Triathlet geworden. Ich habe noch nie einen Triathlon gemacht. Aber ich habe angefangen zuzuhören. Und zu lernen. Im Triathlon habe ich Puzzleteile gefunden, die mir im Trailrunning lange gefehlt haben. Vielleicht, weil wir Hobbyathleten uns zu oft einreden, Professionalität sei etwas für andere. In einem Podcast-Gespräch mit dem Triathleten Marc Bernreuther wurde mir klar, wie viel Trailrunner vom Ausdauermehrkampf mitnehmen können. „Umfang schlägt Intensität“, sagt Bernreuther. Ein Satz, der weh tut. Weil er stimmt. Zu hart, zu oft, zu wenig locker – wer ehrlich ist, erkennt sich darin wieder. Lange, ruhige Einheiten und ein- bis zweimal pro Woche richtig Gas geben: simpel, aber wirkungsvoll. „Krafttraining sollte Routine sein.“ Nicht für den Spiegel, sondern für den Körper. Muskeln schützen, stabilisieren,
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thlon lernen können
I M P R E S S U M
Salomon haben das Schnellschnürungssystem Quicklace etabliert und patentiert.
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REDAKTION@TRAIL-MAGAZIN.DE AB O -FRAGEN AN: A B O @ T RA I L - M AGA Z I N . D E Chefredakteur & Herausgeber
Denis Wischniewski Redaktion
Clemens Niedenthal Tom Stetter Art Direktion & Layout
Denis Wischniewski
Ständige redaktionelle Mitarbeit
Daniel Keppler, Lars Schweizer, Ian Corless, Harald Angerer, Moni Stetter, Ludwig Kendzia Fotografie
Jan, Lenfert, Philipp Reiter, Ian Corless, Klaus Fengler, Leo Francis, Jordi Saragossa, Andi Frank, Christian Penning Cover
Swiss Canyon Trail TRAIL MAGAZIN erscheint im Trail-Magazin-Verlag ABO-SERVICE
abo@trail-magazin.de
machen schneller. Krafttraining ist keine Kür, sondern Verletzungsprävention. „Ohne Mampf kein Dampf.“ Triathleten sind Profis darin, Energie zuzuführen. 100 bis 140 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde sind keine Ausnahme. Warum also nicht auch im Trailrunning mutiger werden? „Schütz dein Immunsystem.“ Viel Training, viel Stress, viele Menschen – das geht selten gut aus. Draußen trainieren, Abstand halten, rechtzeitig pausieren: keine Paranoia, sondern Selbstfürsorge. „Warte nicht, bis aus einem Zwicken eine Verletzung wird.“ Ein paar Tage Pause sind billiger als Wochen Zwangsauszeit. Alternativsport ist kein Rückschritt, sondern Teil des Plans. „Abwechslung ist Trumpf.“ Radfahren, Schwimmen, Krafttraining, Athletik: Vielfalt macht stärker – und
hält die Lust am Laufen am Leben. „Such dir einen Mentor.“ Keinen Kontrolleur, sondern einen Menschen, der ehrlich ist. Der motiviert, ohne zu bewerten. „Trainingsgruppen haben echten Mehrwert.“ Sportlich wie menschlich. Allein wäre man selten so mutig.
VERTRIEB
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ALLE RECHTE DER INHALTE LIEGEN BEI TRAIL MAGAZIN, DENIS WISCHNIEWSKI. NACHDRUCK NUR AUF ANFRAGE!
Und dann noch dieser letzte Satz, der alles zusammenfasst:
VORSCHAU TRAIL 3/2026
„Gönn dir.“ Pausen. Schlaf. Essen, das gut tut. Gesundheit ist kein Bonus, sondern die Basis.
Reise: Gran Canaria
Am Ende geht es um Gefühl und Selbstwahrnehmung. Um einen Weg mit Rückschritten und Fortschritten. Und um die feste Überzeugung, dass Trailrunning – bei aller Ernsthaftigkeit – die schönste Nebensache der Welt bleibt.
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AB DEM 21. APRIL 2026 AM KIOSK
Training: Geheime aber legale Profi-Tricks Stars: Diese Menschen prägen den Sport Tipps: So läufst du bis ins sehr hohe Alter
PRAXISTEST SAUCONY Peregrine 16 GTX
Gewicht: 271 Gramm Sprengung: 4 mm Preis: 179 Euro
Saucony hat das Trail Magazin (und nicht nur uns) erhört und der 16. Auflage seines Klassikers endlich wieder eine VibramAußensohle spendiert. Das war zu erwarten. Schließlich setzt auch der zweite Trailschuh der Nordamerikaner, der vorzügliche Langstreckenläufer Xodus Ultra, bereits seit dem vergangenen Sommer auf Vibrams Megagrip. Dass Saucony die turnusgemäße Ablösung der letzten Peregrine-Generation nun sogar um mehrere Monate vorgezogen hat, zeigt: Man hatte aus gutem Grund Angst, noch mehr – und dieses Wort passt hier gut – Terrain zu verlieren. Und tatsächlich ist der 16. Peregrine nun wieder ein allumfassend gelungener Schuh. Ausgehend von der gleichermaßen universellen wie präzisen Passform (gewiss eine Stärke von Saucony) stimmt schlicht der Mix. Der Mix aus einer ebenso mitteilungsfreudigen wie reaktiven PWRRUNMittelsohle etwa, die noch dünn genug ist, um echtes Gefühl fürs Terrain zu vermitteln. Zudem zeigt sich der Schuh im Gelände flexibel und stets gut navigierbar, nimmt aber auch fünf Kilometer Fahrradweg in der Ebene noch erstaunlich lustvoll. Er sitzt präzise, ohne einzuengen. Alles bestens also? Wäre da nicht ein Trailschuhmarkt, auf dem Universalisten wie der Peregrine vielleicht nicht ohne Grund selten geworden sind. Als Beispiel mag der vergleichbare, inzwischen eingestellte Sense Ride von Salomon dienen. Heute gibt es hochresiliente, technische Schuhe fürs Alpine, Trailracer für Bestzeiten, Gravelschuhe mit Straßenlaufgenen und üppig gedämpfte Modelle für sehr lange Einheiten. All das ist der Peregrine nicht. Er ist ein Allrounder – und ein Tipp vor allem für Läufer:innen, die fernab der ganz hohen Berge während kurzer und mittellanger Einheiten wirklich mit dem Gelände spielen wollen, gerne auch im weichen Untergrund. Und weil es dabei auch mal matschig und nass werden darf – und soll –, steht dem Peregrine die tadellos verarbeitete Gore-Tex-Membran ausgesprochen gut. Ein Wermutstropfen bleibt: Die schlichten, einfarbigen Colourways sind leider ausschließlich der GTX-Variante vorbehalten.
SALOMON
Bonatti Trail Gewicht: 98 Gramm (Größe M) Preis: 150 Euro Das wahrscheinlich Beste an dieser Regenhose? Dass die Bonatti Trail nicht nur als Regenhose funktioniert. Das ist neu in einem Ausrüstungsgenre, das für viele bislang nur deshalb von Interesse war, weil eine Regenhose bei einigen Ultraläufen zur Pflichtausrüstung gehört: kaum atmungsaktiv, klebrig auf der nackten Haut, dazu bei jedem Schritt ein nerviges Knistern. Heute ist das anders. Zumindest bei der Bonatti Trail. Die neue PertexMembran ist leicht und von fast papierener Haptik. Auf der Rückseite, wo der Wind weniger Angriffsfläche hat, ist sie sogar noch einmal dünner. Die Kombination aus Gummi- und Kordelzug sitzt perfekt, die Hose ist athletisch schlank geschnitten, aber auch dank der Reißverschlüsse am Beinabschluss weit genug, um sie – etwa im Wettkampf – stressfrei über die Schuhe zu bekommen. Zusammengeknäult passt die Hose in die offenen Seitentaschen jedes Trailrucksacks. Am Wochenende vor Redaktionsschluss sind wir die Hose zweimal unter trockenen Bedingungen gelaufen: bei einem windigen Nachtlauf mit minus acht Grad, kombiniert mit Merino-Tights, und bei sonnigen minus zwei Grad über kurzen Shorts. Beides hat gut funktioniert, wobei ich gerade die Kombination aus Merino und Bonatti Trail angenehmer als eine synthetische Winterlaufhose empfunden habe. Als Multifunktions-Regenhose, etwa zum Fahrradpendeln, sind knapp hundert Gramm (in Größe M) allerdings zu leicht und zu fragil. Aber dafür ist die Bonatti Trail auch nicht gemacht.
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SALOMON
Mountain Flex Hybrid Weste Preis: 180 Euro
Ciele Sorino Balaclava Preis: 65. Euro Aus gegebenem Anlass noch ein Winter-Essential: dieser sturmhaubenartige Schlauchschal von Ciele. Erstens ist er vielseitig einsetzbar, als Halstuch, Stirnband, Laufmütze oder eben fast vollumfängliche Kopfund Halsisolation. Vor allem ist das Sorino genannte Material, ein Gemisch aus Seide (28 %) und Merinowolle (72 %), ein Traum. Wir werden bald auch Lauftextilien aus diesem weichen und über ein breites Temperaturfenster funktionierenden Naturfasergemisch testen.
Eine kurze Notiz aus dem Winter, der in diesem Jahr sogar für unseren Berliner Redakteur einer ist: Während langer, eisiger Läufe hat der zu einem Kleidungsstück zurückgefunden, das für ihn lange gar nichts war: der Laufweste. Aber die Mountain Flex Hybrid Weste hat es ihm auch leicht gemacht. Nicht nur wegen der Primaloft-Fütterung, der Goldstandard unter den synthetischen Daunen. Die fast unmerklich verarbeiteten Taschen, der schlanke Reisverschluss, der flexible Abschluss unter den Achseln, alles passt. Zudem ist das Teil (Schwarz geht immer, Braun hat gerade Saison) unaufgeregt schick und findet einen guten Kompromiss aus einem körpernahen (wichtig für die Isolationswirkung) und nicht zu einengenden Schnitt. Apropos: Die Frauenvariante kommt in einer tailierten Passform, aber es darf ja ohnehin jede und jeder die Variante tragen, die ihr oder ihm persönlich besser gefällt. Ach ja, weil der Winter schon leise Servus sagt, gibt es die Weste bereits zu Winterabschiedspreisen.
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PRAXISTEST MOUNT TO COAST
H1 im Langzeittest (560 km) Preis: 169,95 Euro, Drop: 6 mm, 242 g unter. Dennoch ließ sich erkennen, dass der H1 im Gelände stabil bleibt und auch auf echten Trails nicht fehl am Platz ist. Die anfangs skeptisch betrachtete Doppel-Schnürung erweist sich dabei als Vorteil. Der Schuh lässt sich sehr präzise an den Fuß anpassen, er wird zur Einheit. Am stärksten in Erinnerung bleibt allerdings der Komfort: viel Platz im Vorfuß, ein beinahe häusliches Laufgefühl und – in Verbindung mit dem superkritischen CIRCECELL-Schaum der Mittelsohle – ein über Stunden gleichmäßiger, unaufgeregter Flow. Der H1 wurde für mich zum Daily Trainer, zum Allrounder, zu einem verlässlichen Begleiter. Ein Schuh für viele Kilometer, ein Door-to-Trail-Modell, das beide Welten mit bemerkenswerter Souveränität verbindet. Mit dem Sommer 2026 wird es alpiner, der Schnee in den Bergen zieht sich zurück. MOUNT TO COAST reagiert darauf mit dem nächsten Modell: Im April erscheint der M1. Das Grundkonzept bleibt, der Aufbau wird robuster, die Sohle stammt von Vibram. Ein Schuh, der sich künftig mit Modellen wie dem Prodigio Pro, dem Tecton X oder dem S/Lab Genesis messen dürfte.
Fo t o : D e n i s W i s c h n i e w s k i
Der in Hongkong beheimatete Brand MOUNT TO COAST ist derzeit viel besprochen. Auf Straße wie Trail gilt er als einer der interessantesten Newcomer im Laufschuhmarkt. Was auffällt, sind nicht nur einige kluge technische Ideen, sondern auch ein zurückhaltendes, fast selbstverständliches Design. Alles wirkt durchdacht, zeitgemäß – und bemerkenswert nah am Wettkampfsport. Bereits im vergangenen Heft haben wir an dieser Stelle das Modell H1 vorgestellt. Nun lohnt sich der zweite Blick, denn nach rund 600 Kilometern lässt sich mehr sagen über diesen üppig gedämpften Trailschuh. Zunächst das Offensichtliche: Nach knapp 35 Läufen zeigt sich der Schuh erstaunlich unbeeindruckt. Gebrauchsspuren sind kaum zu erkennen. Vor allem die Außensohle hat nur wenig Substanz verloren – ein Detail, das bei sogenannten HybridSchuhen mit geringer Stollenhöhe besonders ins Gewicht fällt. Die vergangenen drei Monate im H1 waren, nüchtern betrachtet, sehr überzeugend. Ich bin ihn auf kurzen Einheiten über acht oder zehn Kilometer gelaufen, ebenso auf längeren Wochenendtrails. Hochalpine Strecken waren nicht dar-
Altra Timp 6 Irgendwie ein Schuh, der lange unterm Radar flog. Seit der fünften Variante des Altra Timp, die zeitgleich mit der Gravelwelle im Trailrunning das Licht der Welt erblickte, genießt diese Allzweckwaffe mehr Aufmerksamkeit. Genau für diese Mischung aus handfesten Trails, flowigen Waldautobahnen und Asphaltpassagen ist der Timp 6 gebaut. Die Vibram-Megagrip-Außensohle, gepaart mit dem Soft-Rolled-Mesh-Außenmaterial, erzeugt eine herrlich komfortable und erstaunlich vorwärtstreibende Kombination. Er ist der stabilste Timp, den es je gab. Das sagt zumindest der massive Steinschutz, der die großzügige Zehenbox verstärkt. Trotz des bewährten 0-mm-Drops hat es Altra geschafft, dem Timp viel Lauffreude einzuimpfen. Ein Update in eine sehr gute Richtung.
170,00 Euro 0 mm Sprengung 324 Gramm (42)
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GLOSSE Mit 14
Mit 14
hielt ich meine Schwächen für Charaktereigenschaften und das Selbstbewusstsein der anderen für Talent – ein Irrtum, der sich erstaunlich lange hielt. Mit 14 habe ich im Training fast ausschließlich meine Schwächen gesehen. Wenn ich bei einem Rennen oder einem Lauf zurückfiel, wenn mir am Ende die Kraft fehlte oder meine Zeiten schlechter waren als die der anderen, war für mich sofort klar: Ich bin einfach nicht gut genug. Ich wäre dabei nie auf die Idee gekommen, dass auch die anderen zweifelten, dass sie Schmerzen hatten oder Angst davor, zu versagen. Ich redete mir meine Fortschritte klein und sah nur, wer schneller, stärker, scheinbar souveräner war. Ich war kleine. Der Rest unangreifbar. Viele meiner Mitläufer wirkten unglaublich selbstbewusst. Doch später habe ich gemerkt, dass gerade die Lautesten oft am meisten Angst vor dem Stillstand hatten. Sie trainierten verbissen, überspielten Unsicherheit mit Ehrgeiz und konnten Pausen kaum aushalten. Ich hätte damals gern gewusst, dass auch sie nicht frei von Zweifeln waren, sondern nur besser darin, sie zu verstecken. Sie waren auch bessere Schauspieler als ich es war. Heute glaube ich, dass es im Sport wie im Leben vor allem darauf ankommt, die richti-
gen Bedingungen für sich zu finden. Es gibt Menschen, die im Wettkampf aufblühen, und andere, die dort total verkrampfen, aber im Training über sich hinauswachsen. Manche brauchen das Stadion, den Lärm, die Konkurrenz, andere laufen ihre besten Zeiten allein, früh morgens, wenn noch niemand zusieht. Beides ist richtig. Und genauso wirkt man in manchen Gruppen langsam und unauffällig, während man in anderen plötzlich merkt, was wirklich in einem steckt.
Heute glaube ich, dass es im Sport wie im Leben vor allem darauf ankommt, die richtigen Bedingungen für sich zu finden. Mit 14 hatte ich außerdem das Gefühl, mein Leistungsstand würde für immer festgeschrieben sein. Ich dachte, ich sei eben nicht talentiert genug, nicht hart genug, nicht gemacht für größere Ziele. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sich Körper und Kopf verändern, dass Ausdauer wächst, dass Selbstvertrauen auch weiter trainierbar ist.
Heute weiß ich, wie sehr man sich entwickeln kann. Mit 53 lächle ich über viele dieser festen Überzeugungen. Nicht, weil der Weg leicht war, sondern weil nichts so endgültig ist, wie es sich mit 14 anfühlt. Ich habe gelernt, dass man nicht die Person ist, für die andere einen halten, aber auch nicht unbedingt die, für die man sich selbst hält. Man ist vor allem das, was man regelmäßig tut. Die Summe der einzelnen Teile. Ich hätte früher nie gedacht, dass ich einmal Ultratrails laufe, dass ich mir selbst zutraue, einen Wettkampf durchzuziehen, auch wenn es wehtut. Ich habe es einfach gemacht – oft mit Angst, oft mit Zweifeln, und fast immer überrascht davon, wozu ich fähig bin. Erst durch diese Taten wurde ich zu jemandem, der sich selbst etwas zutraut. Mit 14 begannen auch im Sport die Fragen: Wie weit willst du eigentlich gehen? Lohnt sich denn der Aufwand überhaupt? Kaum jemand sagte: „Trau dich, ich glaube an dich.“ Stattdessen hörte ich oft, man solle realistisch bleiben, sich nicht zu viel vornehmen, lieber auf Nummer sicher gehen. Aber genau so entsteht keine Entwicklung.
Ich habe gelernt, dass man nicht die Person ist, für die andere einen halten, aber auch nicht unbedingt die, für die man sich selbst hält.
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So werden keine Grenzen verschoben, keine persönlichen Bestzeiten gelaufen, keine inneren Siege errungen. Was man aus Angst vor dem Scheitern immer wieder aufschiebt, versucht man oft nie. Und kaum etwas ist bitterer, als später zurückzublicken und sich zu fragen, ob man es nicht wenigstens hätte probieren sollen. Die verpassten Wettkämpfe, die abgebrochenen Trainingspläne, die Ziele, die man aus Vorsicht zu früh begraben hat, bleiben lange im Kopf. Ich habe erlebt, wie viel Druck im Leistungssport entsteht, alles richtig zu machen, keinen Umweg zu gehen, keine Pause einzulegen. Viele trainierten jahrelang gegen sich selbst, verloren irgendwann die Freude und hörten ganz auf. Jahre später spielte es keine Rolle mehr, wer wann welche Zeiten gelaufen war. Was blieb, war entweder Stolz auf den eigenen Mut oder Bedauern über die Chancen, die man sich selbst genommen hatte. Auch das hätte ich gern schon mit 14 gewusst. Ich hätte damals so gerne gewusst, dass irgendwann der Rückblick kommt, der so wichtig für einen ist.
MORALFRAGE Verletzungen
LAUFEN, BIS DER ARZT KOMMT Unsere Leserin hat eine Reiserücktrittsversicherung. Was aber, wenn sie zwar reisen, aber nicht rennen kann?
Liebe Trail-Redaktion, ich, 33, bin vor vier Jahren übers Joggen zum Trailrunning gekommen. Jetzt habe ich mich sogar für meinen ersten Ultra angemeldet, Ende April auf Madeira. Ich stecke mitten in einer Weiterbildung, also ist diese Reise eine ziemliche Investition. Die größten Kosten (Flug, Hotel, Mietwagen) habe ich deshalb mit einer Reisekostenversicherung abgesichert. Nun liege ich mit Mittelfußbruch und Orthesenstiefel auf dem Sofa. An Trailrunning ist erst wieder Mitte März zu denken. Vier oder fünf verbleibende Wochen sind zu kurz für einen Ultra, erst recht für den ersten. Allerdings zahlt die Versicherung nur, wenn ich krankgeschrieben bin, also nicht reisen kann. Ob ich rennen kann, ist der Versicherung egal. Eine befreundete Ärztin hat mir nun angeboten, ein neuerliches Attest auszustellen. Eine moralisch vertretbare Notlüge?
So kann es gehen: Mit denen da ist es ein Match, mit anderen in der Lauftreff-Gruppe gibt es Ärger.
Liebe Christina, tatsächlich gäbe es auch einen speziellen Versicherungsschutz für Leistungs- und Hobbysportler:innen, der in einem Fall wie deinem nicht nur alle Reisekosten, sondern auch die Startgebühren abdecken würde. Nur so für das nächste Mal. Wo aber das Kind schon in den Brunnen – beziehungsweise du auf die Nase – gefallen bist, drücken wir von der Trail-Redaktion diesmal beide Augen zu. Schließlich willst du nicht aus einer Laune heraus auf Madeira verzichten. Nicht, weil dir die Wetterprognose zu unbehaglich ist oder dir die langen Einheiten im dunklen Januar lästig geworden sind. Nicht, weil du dich – wie so manche – spontan für einen Ultra angemeldet hast und nun Angst vor der eigenen Courage bekommst. Du hast diese Reise aus einem Grund gebucht: Du wolltest in einer schönen Umgebung 50 Kilometer weit laufen. Dass das nicht funktionieren wird, liegt auf der Hand – oder eben im erwartbaren Heilungsprozess einer Mittelfußfraktur. Aus deiner Perspektive ist das ein ehrlicher Grund für den Rücktritt von der Reise. Wobei: Es kann auch richtig Spaß machen, als Fan bei einem solchen Rennen dabei zu sein …
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For runners who transcend distance.
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