NEWS & JOURNAL / TIPPS / BLANDINE L´HIRONDEL / TRANSALPINE RUN
TRAIL MAGAZIN
DAS LAUFMAGAZIN NR.1 FÜR TRAILRUNNING
06
2026
November Dezember
DEUTSCHLAND € 9,90 ÖSTERREICH € 10,90 SCHWEIZ SFR 15,80 LUXEMBURG € 11,40 ITALIEN € 13,40 SPANIEN € 13,40 FRANKREICH € 13,40
WWW.TRAIL-MAGAZIN.DE
TALK
Training Was kann KI? Wo sie versagt und liefert
it Interview m ger UTMB-Sie AN BEN DHIM
Praxistest Trailschuhe GPS-Uhren Iso-Jacken
EventHighlights Infinite Trails Golden Trail World Series Im Test Stirnlampen Trail-Rucksäcke Faltstöcke
MEGA-EVENT
UTMB
So war das Trail-Fest am Mont Blanc MEDIA REISE
Movienight: Diese Filme begeistern uns und motivieren
In der Normandie kann man mit und durch alle Elemente laufen
TYPEN
4 198203 609901 Timon Günther gehört zu einer neuen Generation des Ultratrails
06
S/LAB GENESIS 2
BORN IN THE LAB WORN IN THE WILD
4 Menschen dieser Ausgabe
EDITORIAL Liebe Freunde, liebe alle, Oktober 2026. Trailrunning ist verdammt groß geworden. Und jetzt auch noch die KI. Was die wohl noch aus unserem Sport machen wird? Mal ehrlich: Wie laufen wir denn in, sagen wir einmal, fünf Jahren? Zurück zu den Ursprüngen – mit einer Künstlichen Intelligenz, die zwar da ist, aber dezent im Hintergrund arbeitet? Oder ganz bewusst mit all den Möglichkeiten, die es dann geben wird? Die entscheidende Frage wird sein: Was wollen wir eigentlich? Das ist schon heute gar nicht so leicht zu beantworten. Als Magazinmacher und Fachjournalisten wissen wir oft selbst nicht mehr so recht, was genau ihr von uns verlangt. Was erwartet ihr von einem Sport, der im Grunde so simpel ist, dass er überhaupt nichts braucht? Nur euch. Nur einen Körper, der möchte und funktioniert. Und trotzdem interpretieren wir unglaublich viel hinein. Es geht um Carbs, Carbon, Brands, Communities – und auch darum, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu laufen. Alles erscheint gleichzeitig falsch und richtig. Vielleicht schaffen wir es mit diesem auf Papier gedruckten Heft, alle zwei Monate ein wenig Ruhe und Ordnung herzustellen. Nicht im ganz großen Stil, aber für dich. Für alle, die uns gerne lesen. Denn genau das kann ein journalistisches Medium wie TRAIL dem ausufernden Social Web entgegensetzen: einordnen, sortieren, Zusammenhänge herstellen und manchmal auch ein wenig deeskalieren. Das versuchen wir auch in dieser Ausgabe wieder. Wir sprachen mit UTMB-Sieger Ben Dhiman, liefen für euch durch einige der schönsten Regionen dieser Welt, befragten Experten und ganz normale Menschen. Nicht, weil wir auf alles eine Antwort hätten. Sondern weil es sich lohnt, die richtigen Fragen zu stellen. Vielleicht ist das am Ende sogar unsere wichtigste Aufgabe: nicht jedem Trend hinterherzulaufen, nicht jede neue Zahl sofort für wichtig zu erklären und nicht aus allem ein Dogma zu machen. Trailrunning darf groß sein. Modern. Technisch. Digital. Und meinetwegen auch ein bisschen künstlich intelligent. Solange am Ende noch wir selbst entscheiden, warum wir loslaufen. Und solange ein guter Trail immer noch wichtiger ist als alles, was uns irgendein Algorithmus darüber erzählen kann.
Daniel Keppler verbindet Trailrunning mit seiner Leidenschaft für Fotografie. Selbst auf langen Etappen trug er zwei Kameras samt Zubehör, um die Reise durch Kirgisistan festzuhalten. Seite 74.
Blandine L´Hirondel Blandine l’Hironel, 35, ist französische Ultratrail-Läuferin und Gynäkologin. 2026 gewann sie Transvulcania und UTMB jeweils mit Streckenrekord. Seite 52.
Katharina Hartmuth Katharina Hartmuth läuft Distanzen, bei denen andere irgendwann ein Taxi nehmen würden. Berge, Müdigkeit, Schmerz – und trotzdem immer weiter. Seite 60.
Ben Dhiman aus Ohio, lebt in den französischen Pyrenäen – und gewann 2026 im vierten Anlauf den UTMB. Seite 24.
Euer Denis
TRAIL-Herausgeber Denis Wischniewski nutzt diesen prominenten Platz im Heft für eine Herzensangelegenheit: Bitte abonniert TRAIL! Denn dass unser Sport, unsere Leidenschaft und unsere Szene „noch“ ein eigenes, regelmäßig erscheinendes Printmagazin haben, ist alles andere als selbstverständlich. Mit eurem Abo sorgt ihr mit dafür, dass das so bleibt. Schon ab 52 Euro bekommt ihr sechs Ausgaben TRAIL – und zum Beispiel diese Prämie kostenlos obendrauf.
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LATEST NEWS Klosters wird vom 10. bis 12. Juni 2027 zum Treffpunkt der internationalen Masters-Berglaufszene. Die Anmeldung für die World Masters Mountain Running Championships ist geöffnet. Athletinnen und Athleten ab 35 Jahren starten in drei Disziplinen: Uphill, Long Distance und Up-and-Down. Erwartet werden über 1.000 Teilnehmende aus über 30 Nationen.
INHALT 18 Jahre Trail 2008 - 2026
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STANDARDS EDITORIAL 3 INHALT 4 NEWS 18 KURZPORTRÄT 60 GLOSSE 91
ULTRA TRAIL DU MONT BLANC
UTMB hautnah: Eine Woche in Chamonix, mitten im größten Trailrunning-Spektakel der Welt. Große Emotionen, starke Rennen – und vielleicht Geschichte.
6 FOTOSTORY
30 PORTRÄT
16 JOURNAL/NEWS
36 PRODUKT IM TEST
24 INTERVIEW
42 INTERVIEW
adidas INFINITE TRAILS 2026: Sonne, Regen, nasse Trails und neue Regeln. Ein Renntag über Anpassung, Gemeinschaft, müde Beine und das Weiterlaufen.
Denis´ Kolumne, Tipps, Musik der Ausgabe, Dinge, die man haben will und alle klein sind, Was mein Laufen reicher macht ..., die NOFT in Garmisch-Partenkirchen, ...
Ben Dhiman, UTMB-Sieger 2026, über seinen großen Sieg, Fans an der Strecke und einen Sport, der scheinbar dazu verdammt ist, immer schneller zu werden.
Timon Günther wird Dritter beim Swiss Peaks: über 400 Kilometer, Schlaf als Rennstrategie, trockene Füße, Ehrgeiz – und Excel gegen den Wahnsinn.
Die heimlichen Helden des Trailrunning: Lampen, Racevests und Stöcke. Drei Ausrüstungsteile, die am Berg oft den entscheidenden Unterschied machen.
190 Kilometer entlang der Kreideküste der Normandie: Der GR 21 verbindet Meer, grüne Landschaften, Fischerdörfer und grandioses Essen.
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87
MEINUNG
Trailrunning als Beruf: über Profis, Content Creator und all jene, die heute davon leben, schnell zu laufen, Geschichten zu erzählen – oder beides.
KIRGISTAN
200 Kilometer durch Kirgisistans AlayGebirge: ein Abenteuer über schwere Rucksäcke, große Gastfreundschaft und die Freiheit, einfach unterwegs zu sein.
48 BRANDS
Die UTMB-Woche als Fashion Week des Trailrunning: neue Looks, große Marken und die Frage, welche Trends bald wirklich auf den Trails ankommen.
52 PORTRÄT
Blandine l’Hirondel läuft 2026 von Rekord zu Rekord – und mitten in die Herzen der Fans. Die Französin ist der neue Superstar des Trailrunning.
56 WISSEN
Notfälle auf dem Trail: Warum gute Planung nicht alles verhindert, welche Risiken draußen lauern – und was zählt, wenn man plötzlich allein entscheiden muss.
56 REPORT
Uta Ibrahimi bezwang als erste Frau vom Balkan alle Achttausender. Beim Berglauf im Kosovo erzählt die Volksheldin von ihrer Heimatliebe.
60 PODCAST
Katharina Hartmuth über 330 Kilometer, 24.000 Höhenmeter, offene Füße, Halluzinationen – und die Kunst, immer nur an den nächsten Schritt zu denken.
74
62 REISE
KI im Ausdauersport: Trainingspläne, Analysen und Periodisierung auf Knopfdruck. Was ChatGPT & Co. können – und wo ihre Grenzen liegen.
66 UTMB
Eine Woche UTMB in Chamonix: Wir erleben das größte Trailrunning-Spektakel der Welt hautnah – große Rennen, große Emotionen und vielleicht Geschichte.
90 KURZE TAGE, LANGE NÄCHTE, MEHR ZEIT AUF DEM SOFA: BÜCHER, MAGAZINE UND FILME FÜR ALLE, DIE TRAILRUNNING AUCH DRINNEN WEITERLEBEN WOLLEN.
74 REISE
200 Kilometer durch Kirgisistans Alay-Gebirge: ein Abenteuer über schwere Rucksäcke, große Gastfreundschaft und die Freiheit, einfach unterwegs zu sein.
84 NEWS
Die UTMB-Neuheiten aus Chamonix: neue Schuhe, überraschende Inszenierungen und Produkte, die erst bald offiziell gezeigt werden dürfen.
88 TAGEBUCH
Zwei Tage, 70 Kilometer und reichlich Höhenmeter: Beim Transalpine Run 2 in Lenzerheide wird aus einem Trailwochenende schnell der Wunsch nach mehr.
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Zwei Freundinnen entdecken das Trailrunning. Doch als eine mehr investiert, wird ihr gemeinsamer Sport zur Belastungsprobe.
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UTMB will mehr Rennen in Deutschland. Doch ohne Alpen braucht es neue Konzepte – und vielleicht wird die Eifel zum nächsten großen Schauplatz.
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Zwischen Sportuhr, Trainingsplan und Strava verlieren wir leicht das Körpergefühl. Warum es Zeit ist, wieder mehr auf uns selbst zu hören.
FOTOSTORY adidas Infinite Trails Text & Fotos: Ian Corless
Als der Berg das Rennen übernahm
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ADIDAS INFINITE TRAILS
Sonne am Start, Regen auf den Graten, nasse Trails und plötzlich ganz andere Regeln: Die adidas INFINITE TRAILS 2026 wurden zu einem jener Renntage, an denen Zeiten und Platzierungen irgendwann in den Hintergrund rücken. In Gastein zeigte sich, was Trailrunning ausmacht, wenn Pläne zerfallen – und aus drei Loops, vielen müden Beinen und ziemlich viel Wetter eine Geschichte über Anpassung, Gemeinschaft und das Weiterlaufen wird. 7 6/26
FOTOSTORY adidas Infinite Trails
Fo t o : S t e p h e n W i l s o n
Um neun Uhr ist der schöne Teil des Tages vorbei. Bis dahin hatte Gastein noch alles geliefert, was man sich für einen großen Tag in den Bergen wünschen kann: klare Luft, Sonne auf den Hängen, scharf gezeichnete Gipfel und diese eigentümliche Mischung aus Nervosität und Vorfreude, die morgens zwischen Startbogen, Kaffeebechern und halb geschlossenen Trailwesten liegt. Läufer stehen herum, prüfen zum dritten Mal ihre Softflasks, schieben Gels in Taschen, ziehen Stöcke auseinander, lachen ein bisschen zu laut. Ein paar Stunden später wird von dieser Leichtigkeit nicht mehr viel übrig sein. Erst kommen die Wolken, langsam zunächst, fast unauffällig, dann dichter, tiefer, schwerer. Kurz danach fällt Regen. Kein dramatischer Wolkenbruch, kein filmreifer Wettersturz, eher dieses hartnäckige alpine Nass, das irgendwann überall ist: auf den Steinen, auf den Wurzeln, im Nacken, in den Handschuhen und schließlich auch im Kopf. Die Trails werden dunkel und glänzend, der Boden weich, der Grip schlechter. Was am frühen Morgen noch schnell aussah, verlangt plötzlich Aufmerksamkeit. Downhills werden zu Konzentrationsübungen, Querungen verlieren ihre Harmlosigkeit, und weiter oben verschwinden die Berge in der Wolke. Willkommen bei den adidas INFINITE TRAILS 2026. Ein Rennen, das an diesem Tag weniger darüber erzählen wird, wer die stärksten Beine hat, als darüber, wer mit dem klarkommt, was die Berge daraus machen. Das Herzstück der INFINITE TRAILS ist ohnehin ungewöhnlich. Drei Läufer bilden ein Team, drei verschiedene Loops ergeben am Ende rund 100 Kilometer und 7.700 Höhenmeter. 21 Kilometer mit 1.900 Höhenmetern, 35 mit 2.700, 44 mit 3.100. Alle drei starten gleichzeitig. Das klingt zunächst nach einem organisatorischen Detail, ist aber eigentlich die schönste Idee dieses Formats. Während klassische Staffeln vom Wechsel leben, ist hier jeder für Stunden allein unterwegs. Irgendwo auf einem anderen Berg kämpft zur selben Zeit ein Teamkollege mit denselben Wolken, demselben Regen, vielleicht mit
ganz anderen Problemen. Jeder läuft seinen eigenen Lauf, und erst später wird daraus wieder ein gemeinsames Ergebnis. Trailrunning in seiner vielleicht ehrlichsten Form: maximal individuell und trotzdem nie ganz allein. Dazu kommen
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die Solodistanzen über 15, 30, 45 und 60 Kilometer, vom ersten ernsthaften Ausflug ins alpine Gelände bis zum Ultra mit rund 5.200 Höhenmetern. Insgesamt 1.600 Startplätze, Läuferinnen und Läufer aus rund 60 Nationen. Das sind die
Ein Rennen, das an diesem Tag weniger darüber erzählen wird, wer die stärksten Beine hat, als darüber, wer mit dem klarkommt, was die Berge daraus machen.
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Zahlen. Am Berg selbst schrumpfen sie schnell auf das Wesentliche zusammen. Einer setzt einen Fuß vor den anderen. Einer isst noch ein Gel. Einer versucht, nicht auszukühlen. Einer entscheidet, jetzt besser nicht mehr zu überholen.
FOTOSTORY adidas Pausen Infinite müssen Trails sein
Einen Ultra zu laufen bedeutet zu einem erstaunlich großen Teil, Probleme zu verhindern, die noch gar nicht da sind.
Denn als das Wetter kippt, verändert sich nicht nur der Untergrund, sondern das ganze Rennen. Die Organisation reagiert, Strecken werden angepasst, alternative Routen aktiviert, exponierte Passagen herausgenommen. Bergrettung, Helfer und Race Crew stehen in engem Austausch. Es sind Entscheidungen, die im Idealfall kaum jemand bemerkt, weil genau darin ihre Qualität liegt. Ein Trailrennen im Hochgebirge lebt vom Abenteuer, aber Abenteuer ist kein Synonym
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für Leichtsinn. Bei den INFINITE TRAILS gehört deshalb ein RECCO-Reflektor zur Pflichtausrüstung. Nicht, weil hier jemand Extremsport inszenieren muss, sondern weil die meisten Probleme am Berg erstaunlich banal beginnen. Ein falscher Tritt. Eine nasse Wurzel. Ein Knöchel, der wegkippt. Konzentration, die nach sechs, acht oder zehn Stunden langsam bröckelt. Gerade auf dem 60K ist irgendwann ohnehin nicht mehr das Tempo das größte Problem. Dann geht es
Fo t o : A a r o n R o lp h
um Energie. Darum, rechtzeitig zu essen, obwohl der Magen keine Lust mehr hat. Zu trinken, obwohl es kalt ist. Langsamer zu werden, obwohl die Beine sich gerade noch gut anfühlen. Einen Ultra zu laufen bedeutet zu einem erstaunlich großen Teil, Probleme zu verhindern, die noch gar nicht da sind. Und während weiter oben der Regen auf Jackenkapuzen trommelt, passiert entlang der Strecke das,
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was in Ergebnislisten nie auftaucht und am Ende trotzdem von allen erinnert wird. An den Verpflegungsstationen reichen Helfer Becher, füllen Flaschen nach, schauen den Läufern kurz ins Gesicht. Alles okay? Ein Nicken. Weiter. Im Anstieg geht einer. Ein anderer kommt von hinten, bleibt ein paar Meter neben ihm, sagt zwei Sätze, zieht weiter. Familien stehen im Regen an der Strecke, oft