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P.B.B. — 11Z038861 M — 1060 WIEN
KOSTENLOS — ABER ABONNIERBAR
AUSGABE WIEN-BERLIN 6 — SOMMER 2026 WWW.BIORAMA.EU
SPEZIALAUSGABE: WIEN–BERLIN
GRÜNER WIRDS NOCH!
Die Schwammstadt funktioniert nicht als Milieuprogramm – sondern für alle. Die urbane Komfortzone: So wird der Grünraum der Städte mit ausreichend Wasser versorgt. Das wohltemperierte Pflaster: Der Kühlungseffekt von entsiegelten Flächen ist messbar. Der richtige Spirit: Die Lösungen werden dort gefunden, wo sie gemeinsam gesucht werden.
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LASSEN WIR ES WASSER REGNEN!
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icht nur, wer nicht hören will, muss schwitzen. Sondern fast alle müssen. Diesen Monat noch nicht klimawandelgeleugnet oder bagatellisiert? Trotzdem: Nicht genügend fit? Setzen! Und am besten gleich sitzen bleiben. Denn für alltägliche Wege zu Fuß ist es tagsüber an immer mehr Tagen des Sommers einer wachsenden Gruppe vor allem in den Städten zu heiß, für Sport sogar frühmorgens – zum Schlafen aber leider auch. Zum Denken den meisten irgendwie den ganzen Nachmittag. Es muss ja nicht gleich das Wochenendhaus im Grünen sein. Sozial Bessergestellte haben besseren Zugang zu Grünraum, sei es durch eigenen Garten oder privilegierte Mobilitätsoptionen, sie haben eher Möglichkeiten zu Remote Work oder eine funktionierende Klimaanlage. Die es dann übrigens durch Abwärme für die ohne Klimaanlage in der Umgebung nur noch heißer macht. Hitze ist in der Stadt so ungerecht wie Klimawandel auf der ganzen Welt – sie trifft im Schnitt jene härter, die weniger zum Problem beitragen und sich auch individuell schlechter wappnen können. Das verträgt sich nicht mit dem Selbstverständnis der BewohnerInnen Wiens und Berlins. Die HauptstädterInnen sind es gewohnt, einen sozialen Beitrag zu leisten – nur noch nicht für gemäßigte Außentemperaturen für alle. Was ein Stadtmensch daher in Zeiten der Klimaerwärmung machen sollte: zwei Bäume pflanzen oder deren Pflanzung ermöglichen – sich in die Hängematte dazwischen legen und über den Weg zum nächsten Wald nachdenken – oder -lesen.
COVER ISTOCK.CO M/O LEH KHI LINSKYI BILD BIOR AMA
Schönen Sommer und gute Lektüre!
IMPRESSUM HERAUSGEBER Thomas Weber CHEFREDAKTEURIN Irina Zelewitz AUTORiNNEN Barbara Fohringer, Bernhard Frena, Hans-Christian Heintschel, Martin Mühl, Ursel Nendzig, Thomas Weber GESTALTUNG Stefan Staller ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Michael Mazelle, Thomas Weber DRUCK Walstead-Leykamdruck, Bickfordstraße 21, 7201 Neudörfl PRODUKTION & MEDIENINHABERIN Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Martin Mühl KONTAKT Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien; www.biorama.eu, redaktion@biorama.eu BANKVERBINDUNG Biorama GmbH, Bank Austria, IBAN AT44 12000 10005177968, BIC BKAUATWW ABONNEMENT biorama.eu/abo ERSCHEINUNGSWEISE BIORAMA 6 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGSORT Wien. BLATTLINIE BIORAMA ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für den Menschen und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. BIORAMA erscheint sechs Mal im Jahr. Zusätzlich erscheinen wechselnde BIORAMA-Line-Extentions.
Irina Zelewitz, Chefredakteurin zelewitz@biorama.eu
Thomas Weber, Herausgeber weber@biorama.eu @thomasiiiweber.bsky.social
EU Ecolabel : AT/053/005 Bitte sammeln Sie Altpapier für das Recycling.
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INHALT Editorial Bild der Ausgabe 08 Global Village 10 Too good to keep 03
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Viktor Lisowski arbeitet an der Etablierung einer Plattform, um Lebensmittel zu verschenken. 11
Ständig an der Kippe In seiner Freizeit klaubt der Ökotoxikologe Christian Kantner weggeworfene Zigaretten auf.
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»Wer, wenn nicht wir?« Anna Haberbosch und Katharina Davids haben eine Software zur Offenlegung von Lieferketten aufgebaut. Und sie dann verkauft.
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Blau für Grün Wie Berlin und Wien ihre Grünflächen und Stadtbäume gießen.
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Kein Dunst Berlin und Wien werden zu saugfähigeren Städten umgebaut. Der Kühlungseffekt lässt sich messen.
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Mutter Natur? Über die Möglichkeiten, die Queer Ecology eröffnet.
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Bio von weit her Zwei lokale Unternehmen und ihre Bioprodukte – mit denen sie weit weg von der Stadt einen Unterschied machen wollen.
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Ernährung neu denken Carina Trafoier über ihre Arbeit zum Aufbau einer Food-Innovation-Community.
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16 BLAU FÜR GRÜN Wie Berlin und Wien ihre Grünflächen und Stadtbäume gießen.
Innovationsfeinde Lia Carlucci im Gespräch zu den Faktoren Mindset, Regulation und Geldmangel.
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Kochbuchempfehlung Bock auf Kochen?
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Tipps für Trips Zwei Büchlein zur Städteerkundung mit Kindern
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Rezensionen Aus dem Verlag
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BILD KAREE N KITTE LMANN FOTO GRAFIE, C HRISTIAN KANTNE R, ISTO CK. COM/RIK E_, I STO CK. COM/TEO K
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11 STÄNDIG AN DER KIPPE
In seiner Freizeit klaubt Christian Kantner weggeworfene Zigaretten auf.
20 KEIN DUNST
Der Kühlungseffekt der Schwammstadt ist messbar.
22 MUTTER NATUR?
Über die Möglichkeiten, die Queer Ecology eröffnet.
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»BEGRÜNTE ARCHTITEKTUR – Fassadenbegrünung, Dachbegrünung, Innenraumbegrünung«, Cradle Buch / Chris van Uffelen, ff publishers, 2026.«
OBEN WIE UNTEN? Da oben wachsen 13.800 Pflanzen auf 720 Quadratmetern Grünfläche, gepflanzt nach dem Begrünungskonzept von capattistaubach urbane Landschaften. Darunter 27 Bäume, für die eine bis zu 1,5 Meter dicke Substratschicht angelegt wurde – das muss in der Statik bei der Planung berücksichtigt werden, genauso wie die für dieses Projekt entwickelten Stahlkörbe, die zur Stabilisierung der Bäume in der Stahlbetondecke verankert wurden. Regenwasser wird aufgefangen und kaskadenartig zur Bewässerung eingesetzt. Und: Im sechsten Stock des Bürogebäudes mit Dachpark Darwinstraße hat sich unter einer Holztribüne ein Fuchs angesiedelt. »Begrünte Architektur« bietet technischen Einblick, macht aber auch greifbar, wie das Leben in und um die begrünte Architektur anfühlt. Der Beitrag zum 2024 nach Entwurf der Grüntuch Ernst Architekten fertiggestellten Bürogebäude AERA ist eine von 52 internationalen Antworten auf die Frage, wie unsere Städte und Landschaften aussehen können, wenn klimaresilientes Bauen zum Standard wird; aufgebaut in vier Kapiteln zu den Schwerpunkten Dach, Fassade, Innenraum und Freiraum – denn begrünt werden kann grundsätzlich ziemlich jeder Bereich eines Gebäudes. Wozu? Das erklärt Autor Chris van Uffelen auf den ersten 40 Seiten kompakt, abwechslungsreich, als Streifzug durch die Geschichte der grünen Baukultur – und gibt wertvollen Einblick und Ideen dazu, wie Bodenverbrauch künftig gerechtfertigt werden kann. IRINA ZELEWITZ danzoubek.de maxkissler.com
BILD DA N ZO UBE K W W W. DANZO UBEK.DE, MAX KISS LER W W W. MAXKISS LER .CO M
BILDER: DAN ZOUBEK (DRAUFSICHT) UND MAX KISSLER
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G L O B A L VIL L AG E
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BERLIN
WIEN
SeniorInnen radeln für inklusive Infrastruktur durch die Straßen Berlins.
Radperformances in Erinnerung an eine widerständige Jugendkultur.
Im September 1992 fand in San Francisco die erste Critical Mass statt. Drei Jahrzehnte später haben sich die rollenden Fahrraddemos über den ganzen Globus verbreitet – und manchen der damaligen TeilnehmerInnen fällt Mobilität vielleicht nicht mehr ganz so leicht wie einst. Im alltäglichen Verkehrschaos sind gerade ältere RadfahrerInnen nämlich besonders gefährdet. Deshalb geht es seit Mai 2025 bei Senior Mass darum, den Bedürfnissen der radelnden SeniorInnen in Berlin eine Plattform zu bieten. Forderungen der Bewegung sind unter anderem breite, vom Autoverkehr geschützte Radwege. Kreuzungen sollten übersichtlicher, mit ausreichenden Sehachsen gestaltet werden. Und das Radnetz müsse ohne Lücken bis an die Ränder der Stadt reichen. »Nicht wir sind zu alt zum Radfahren, die Radwege sind es. Viele zu schmale, von Wurzeln aufgebrochene Wege sind eine Zumutung«, meint Antje Merschel, eine der MitinitiatorInnen der jüngsten Senior Mass in Tempelhof-Schöneberg. Die VeranstalterInnen wollen zeigen, dass das Fahrrad – ob selbst getreten, mit elektronischer Unterstützung oder als Fahrradrikscha – Menschen bis ins hohe Alter mobil halten kann. Um das Format zukünftig auch in weitere Städte zu exportieren, findet sich auf der Webseite des Vereins Changing Cities eine kompakte Anleitung. Also: ab auf die Räder! BERNHARD FRENA
Was haben Fahrräder, Performancekunst, experimentelle Musik und alternative Wiener Jugendkultur der Dreißiger- und Vierzigerjahre gemein? Die Antwort findet sich bei Conny Zenk. In der neuesten Aktion der von ihr gegründeten Gruppe RAD Performances spürt die Wiener Künstlerin und Musikerin den Schlurfs nach. Diese Subkultur von ArbeiterInnen-Jugendlichen fiel durch übergroße Sakkos, Herrenhüte und eine Vorliebe für US-amerikanischen Swing auf – eine Musikrichtung, die unter dem Nationalsozialismus als »entartet« galt. Bei der partizipativen Radtour »Vienna Sonic Memories« begeben sich die Teilnehmenden an Orte an denen die Schlurfs ihren »Alltagswiderstand«, so Zenk, leisteten. Der nächste Termin findet am 15. August im Wiener Prater statt. Bei »Spiral Bike – Soundrides of Resistance« dreht sich hingegen alles um die spiralförmigen Fahrradauffahrten auf Wiener Brücken. Mit Funklautsprechern ausgestattete Räder rollen dabei die Spirale auf und ab. So ergibt sich eine Mehrkanalperformance, bei der sich die vielen Abspielpunkte ständig im Raum bewegen. Steht man in der Mitte der Spirale, kann man alle Fahrräder aus ständig veränderten Positionen hören. Gleichzeitig können BesucherInnen sich durch die Ebenen bewegen. »So werden die Spiralen in ein Ringelspiel verwandelt, wie jenes, bei dem die Schlurfs selbst Musik hörten«, erklärt Zenk. Nächster Treffpunkt: 28. August bei der Südbahnhofbrücke. BERNHARD FRENA
changing-cities.org
radperformance.at
NUR DIE RUHE?
GEGEN DEN STROM ROLLEN
HOFFEST
5.+ 6. September
WIEN
KINDER IM ÖFFENTLICH RAUM
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CHANGING CIT IES /NO RBERT MICHALKE, HA NNAH MAYR , PETE R PROVAZN IK
Die Kidical Mass demonstriert dafür, dass Kinder Alltagswege sicher mit dem Rad zurücklegen können. »Unser Ziel ist, dass jedes Kind ab zehn Jahren Wege des Alltags, wie den Besuch bei den Großeltern, den Schulweg oder auch den Ausflug ins Freibad, selbstständig mit dem Rad zurücklegen kann«, erklärt Florian Klein, Organisator und Sprecher der Wiener »Kidical Mass«. Er ist überzeugt, dass aktive Mobilität die Lernfähigkeit der Kinder in der Schule unterstützt und dass Kinder, die es gewohnt sind, Alltagswege mit dem Rad zurückzulegen, als Erwachsene dabei bleiben. Diese Wege sind aber nicht ausreichend sicher: Die Zahl der Kinder, die 2025 in Österreich beim Radfahren verunglückten, ist um 25 Prozent auf 810 gestiegen. In Wien wird seit 2006 unter dem Titel »Critical Mass« gemeinsam am Rad demonstriert und seit 2018 gibt es die »Kidical Mass«, die sichere Radwege für Kinder einfordert. »Zwei Mal im Jahr fahren wir mit Kindern durch die Wiener Innenstadt, einmal im Jahr gibt es Raddemos in den Grätzeln, an denen Tausende Kinder und ihre Eltern teilnehmen«, erzählt Klein. In den Bundesländern und regional sind viele Ableger aktiv. 2026 gab es in Wien auch erstmals eine »Senior Ride« für ältere RadfahrerInnen. Das Anliegen ist das gleiche: Die Möglichkeit, sich durchgehend sicher mit dem Rad durch die Stadt bewegen zu können. Für diese fehlen in Wien noch viele Verbindungen. Die nächste Wiener Kidical Mass findet am 19. September 2026 statt. MARTIN MÜHL kidicalmass.at
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TOO GOOD TO KEEP
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Besonders beliebt bei den Foodsavers-UserInnen: Brot sowie Süßspeisen. Das bisher kurioseste Angebot: 10.000 Flaschen Gatorade.
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ie Dimension des Problems Lebensmittelverschwendung erkannte Unternehmer Viktor Lisowski in der Schule. »Ich besuchte das Abendgymnasium und wir sahen uns eine Doku über Lebensmittelverschwendung an, das hat mich inspiriert.« Gemeinsam mit einem Freund fuhr er durch Wien und verteilte Flyer mit dem Aufruf »Geld sparen, Essen retten« – ein Slogan, den er nun für seine App Foodsavers verwendet. Er richtete eine Whatsapp-Gruppe zum Tausch von Lebensmitteln ein, die schnell auf 600 Mitglieder wuchs. Seit 2026 kann Foodsavers verwendet werden, die App vernetzt Menschen, die Lebensmittel verschenken. »Bis jetzt hat Foodsavers etwas mehr als 2000 UserInnen, großteils in Wien«, sagt Viktor Lisowski, verfügbar ist die App aber auch in Deutschland, bisher hat sich außerhalb Wiens aber noch keine kritische Menge an UserInnen die App heruntergeladen.
ANGEBOT BLEIBT KOSTENLOS Lisowski kommt aus einer Unternehmerfamilie, der Schritt in die Selbstständigkeit liege daher nahe, sagt er. »Meine Eltern haben mich beide stets inspiriert und unterstützt, sie sind meine
Vorbilder.« Die Gründung der »V.L Foodsavers GmbH« konnte Lisowski aus Eigenmitteln finanzieren. Die App ist gratis – und wird es bleiben, betont der 20-Jährige. Er fungiert als Geschäftsführer und wird von zwei Partnern unterstützt, ein Gehalt wirft das Unternehmen derzeit für niemanden ab – auch Lisowski hat derzeit noch einen anderen Brotberuf. Es gibt Pläne für Kooperationen mit Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, mittelfristig sind Werbeeinnahmen vorstellbar, spruchreif ist noch nichts davon. »Wir stehen ganz am Anfang und wollen schauen, ›wie das Ding schwimmt‹«, sagt er, Foodsavers sei dennoch seine Priorität Nummer eins. »Noch haben wir wenig unternehmerisches Risiko, falls wir wachsen sollten, wird sich das natürlich ändern, das ist mir bewusst.« Oft werde Foodsavers mit der App »Too Good To Go« verglichen, erwähnt Lisowski selbst – doch Lisowskis App setzt auf kostenloses Angebot, außerdem, sagt der Gründer: »Wir fokussieren auf den Consumer-to-ConsumerMarkt. Uns ist beides wichtig: Umweltschutz und soziale Teilhabe. Wir wollen Lebensmittelverschwendung vermindern und zugleich die Menschen finanziell entlasten.«
BILD CLE MENS FABRI, I ST OCK.COM/CARKHE , FO O DS AVERS
TEXT Barbara Fohringer
Der 20-jährige Viktor Lisowski arbeitet an der Etablierung einer Plattform, um Lebensmittel zu verschenken.
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STÄNDIG AN DER KIPPE In seiner Freizeit klaubt der Ökotoxikologe Christian Kantner weggeworfene Zigaretten auf.
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anchmal mache ihm das ständige Bücken schon zu schaffen, gesteht Christian Kantner. Mindestens fünfhundertmal bückt er sich – »immer schön aus den Knien heraus, möglichst schonend« – bis der kleine Plastikkübel voll ist. Bis zu 650 Zigarettenstummel bringt er hinein. Im Schnitt einmal die Woche sammelt er in seiner Freizeit in der Donaustadt Zigarettenstummel. Seit August 2021, immer einen Kübel voll, 240-mal schon. Als Ökotoxikologe weiß er, welches Umweltproblem das vermeintlich Vernachlässigbare verursacht. Als Biologe ist er penibel und führt Buch: Gegen Jahresende wird er seinen 100.000. Zigarettenstummel eingesammelt haben. Während seiner toxikologischen Ausbildung wurde ihm bewusst, wie giftig die Zigarettenreste sind. Sie vergiften Wasser und Boden und belasten beides mit Mikroplastik, Schwermetallen und dem Zellgift Nikotin. »Ich habe lange geraucht und die Tschickstummel einfach weggeschnippt«, sagt Kantner, »ich wusste selbst nicht, welches Problem ich damit verursache.« Heute klaubt er die Zigarettenstummel auf. Immer im Umkreis von etwa einem Kilometer um seinen Wohnort. Immer an denselben Wegen. Manchmal begleitet den 43-Jährigen seine siebenjährige Tochter. Immer lässt sich locker ein Kübel füllen. Reaktionen bleiben selten aus. Jene, die selbst nicht rauchen, bestätigen ihn, äußern ihren Ärger über die Arglosigkeit der anderen oder
fordern strenge Strafen. Wer selbst raucht, relativiert das eigene Verhalten. Eh nur ein kleiner Stummel, hört er häufig.
TEXT Thomas Weber
DER STUMMEL UND DER SALZGURKENGREIFER Theoretisch wachen in Wien die »Waste Watcher« der städtischen MA 48 darüber, dass nichts weggeworfen wird. Praktisch bleiben Vergehen meist ungeahndet. Auch wenn mithilfe der an Mistkübeln angebrachten Sammelrohre laut MA 48 jedes Jahr »bis zu 130 Millionen« Stummel gesammelt werden: Der Großteil landet irgendwo – und belastet das Ökosystem. Eine Zeit lang hat Christian Kantner probiert, sich das ständige Bücken zu ersparen. Die großen Greifer, wie sie zum Aufsammeln von Müll angeboten werden, haben sich als nicht praktikabel erwiesen. Anfangs habe er mit Einwegplastikhandschuhen zugegriffen. »Aber da schwitzt man total und ich hatte Angst, dass ich dabei Giftstoffe aufnehme«, sagt der Chemiker, der seit Kurzem bei der Wiener Umweltanwaltschaft arbeitet. Mittlerweile hat er stets ein Werbegeschenk aus dem vergangenen Stadtwahlkampf im Einsatz: einen Salzgurkengreifer aus Holz. Der abgegriffene Aufdruck von Marcus Franz, des Bezirksvorstehers von Favoriten, ist bald verblasst. Die Zuschreibung »der Problemlöser« ist noch gut zu lesen und passt auch am anderen Ende der Stadt – zum Tschickstummelsammler aus der Donaustadt..
Zigarettenpfand Deutsche Initiative, die Unterschriften für ein Zigarettenpfand von 20 Cent (4 Euro pro Packung) sammelt. zigarettenpfand.eu
Bußgeld Laut Reinhaltegesetz kann das Wegwerfen von Zigarettenresten in Wien eine Strafe von 70 Euro bringen, aus dem Auto geworfen 100 Euro. Kommt es zur Anzeige, sind bis zu 2000 Euro fällig. In Berlin beträgt das Bußgeld 250 bis 3000 Euro.
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»WER, WENN NICHT WIR?« Zwei Wahlberlinerinnen haben sich dem Vertrauensaufbau verschrieben – durch digitale Kontrolle. Und dann die Software dazu verkauft.
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nabhängigkeit statt Angestelltenleben, ein Plan zum schnellen Exit und großen Geld oder das Gefühl, wie mit dem eigenen Talent eine Marktlücke zu füllen ist – eine Unternehmensgründung kann aus unterschiedlichen Motiven passieren. Es hilft jedenfalls, dafür PartnerInnen zu finden, denen man vertraut. Katharina Davids (35) war nach ihrem Master in General Management in einer Unternehmensberatung tätig, wollte aber ihre ganze Energie in etwas stecken, das ihr am Herzen liegt und dessen »positive Wirkung skalieren«. Als Partnerin dafür hatte sie ihre Nachbarin aus Kindertagen, Ana Haberbosch (32), im Auge. Nach deren Studienabschluss (International Management) wurde 2020 gegründet und Kapital eingesammelt. »Ich bin mit Selbständigkeit im Umfeld aufgewachsen, seit ich 16 war, habe ich immer neben- oder hauptberuflich selbständig gearbeitet«, erklärt Haberbosch den Schritt, »mein Gründerinnengeist kommt allerdings aus der Motivation, ein Problem anzugehen«. Das Problem waren im konkreten Fall die mangelnde Transparenz und Verantwortungsübernahme entlang globaler Lieferketten: Oft bleibt nur ein Bruchteil der Wertschöpfung bei den Menschen, die einen Großteil der Arbeit für ein Produkt erledigen – obwohl sich die Konsumentinnen oft anderes wünschen und durch Werbebotschaften versprochen bekommen. »Intranspa-
renz ist noch immer viel zu häufig ein Geschäftsmodell«, sagen Haberbosch und Davids. Nicht nur die Transparenz gegenüber KonsumentInnen und die Nachhaltigkeitskommunikation, sondern auch der datengetriebene Wissensaufbau innerhalb der Unternehmen müssen dafür neu ausgerichtet werden. »Wir müssen die Verantwortungsfrage in der Lieferkette stellen«, erinnert sie sich an ihre Zielsetzung vor der Gründungsphase – ein Appell, der leider seither nichts an Dringlichkeit eingebüßt hat.
WER WILL ES WIRKLICH WISSEN? So lange aber in vielen Fällen weder Konsumentinnen noch die in Produktion, Verarbeitung und Handel beteiligten Unternehmen genau wissen, unter welchen Bedingungen die anderen Arbeitsschritte erfolgen – ob diese etwa ausbeuterische Arbeitsverhältnisse oder Pestizidbelastung der Umwelt miteinschließen – kann kein Akteur in der Kette Verantwortung übernehmen. Der erste Schritt lautet daher Transparenz entlang der Lieferkette schaffen. »Wer, wenn nicht wir, nimmt sich der Sache an?« hatte sich Davids dazu gedacht und losgelegt. Allerdings mit einer Schwerpunktsetzung, die im Laufe der Zeit angepasst werden musste: Der anfängliche Fokus auf die Offenlegung von Herkunft und Herstellung von Produkten von kleinen Vorzeigeunternehmen wurde den An-
BILD NADJA WOL FF, ULL STE IN
TEXT Irina Zelewitz
forderungen eines veränderten Marktes nicht gerecht – »Wir haben schnell gelernt, dass wir Veränderung in komplexeren Lieferketten vorantreiben und Behauptungen dazu auch nachweisbar machen müssen«, fasst Haberbosch zusammen. Beispiele hierfür sind Behauptungen zu fairer Entlohnung – die durch den Nachweis konkreter Zahlungen an einzelne Kleinbauern und -bäuerinnen in einem dreistufigen Validierungsprozess belegt und revisionssicher gespeichert werden können; oder etwa auch die Werbung mit dem Attribut »entwaldungsfrei« – für die Seedtrace Geodaten erfasst und in Kombination mit Satellitenbildern analysiert. Gleichzeitig wurde die Notwendigkeit zur Spezialisierung auf einen Industriezweig offensichtlich. In der Frühphase der Entwicklung wurde die Software für den Einsatz bei Agrarrohstoffen, Lebensmitteln und Getränken, Kosmetik und Textilien geprüft – erst die Abkehr von dieser Breite und der Fokus auf Lebensmittel und Getränke hat den Aufbau eines Nachweissystems für sämtliche Schritte, from seed to shelf – vom Samen bis ins Regal – ermöglicht: »Wir sind vom physischen zum digitalen Produkt gegangen.« Lange Lieferketten sollten einerseits für die Unternehmen, die an diesen beteiligt sind, nachvollziehbar sein; andererseits auch für die VerbraucherInnen, um ethischere und nachhaltigere Produktionsbedingungen überprüfen zu können. Und zwar via QR-Code auf dem Produkt – über den dann jede Transaktion, also jeder Schritt der Lieferkette, einsehbar ist. Auch Zertifizierungen wie Fairtrade oder das als lasch kritisierte Siegel der »Rainforest Alliance«, aber natürlich auch bio, können in die Produktgeschichte integriert werden.
SIEBEN JAHRE IN TECHNIK Ihr erstes großes Tracing-Projekt wurde mit dem Kakaoproduzenten Koa in Ghana umgesetzt – in dem etwa jede Zahlung, die die 5000 zuliefernden Kleinbäuerinnen und -bauern für den Kakaofruchtsaft erhalten, erfasst ist. Doch den beiden Gründerinnen ging es insgesamt zu langsam – zu wenige große Unternehmen hätten den Mut gehabt, Seedtrace in mehr als nur einen Testballon oder eine Linie zu integrieren. »Wir hatten Partner, die sich viel getraut haben, aber bei denen, die eine gewisse Größe und Marktmacht haben, war’s schwer, sie zu einer ganzheitlichen Umsetzung zu bekommen. Wir wollten Partnerbetriebe, die sich einer Industrie stellen und das dann bold kommunizieren.« An
»Man muss einfach darauf hören, was das eigene Thema ist. Weil es werden auch harte Zeiten kommen.« — Katharina Davids, Ex-Co-CEO, Seedtrace einen solchen hoffen die beiden nun, ihre Software verkauft zu haben: Der Lebensmittelhändler Koro war anfangs nur Abnehmer des Kakaos von Koa – im Juni 2026 hat er die Rechte an Seedtrace erworben, die technische Übergabe ist bereits erfolgt. Koro hat in Aussicht gestellt, die Software open Source zur Verfügung zu stellen.
UNTERSCHIEDLICHE ROLLEN Haberbosch und Davids hoffen, dass Koro die Weiterentwicklung von Seedtrace in einem offenen und kooperativen System gemeinsam mit Koa – dem ersten Kunden von Seedtrace – vorantreibt. Die Gründerinnen wenden sich neuen Aufgabenfeldern zu: »Fairen Lieferketten und Geschäftsmodellen, die den planetaren Grenzen gerecht werden, bleiben wir treu. Nach sieben Jahren im Sprint freuen wir uns darauf, die systemischen Herausforderungen wieder unter die Lupe zu nehmen und uns neu auszurichten.« Wenn Haberbosch sich für einen Kernwert entscheiden müsste, der ein attraktives Arbeitsumfeld auszeichnet, wäre es Integrität, sagt sie. Wichtig auch: »Immer wieder rauszuzoomen und zu überprüfen, ob man noch an der richtigen Schraube dreht«. Zu diesem Zweck empfiehlt sie allen die Lektüre des Buchs der deutschen Politökonomin Maja Göpel, »Unsere Welt neu denken«. In Richtung junger Leute, die gerade überlegen, wie sie beruflich etwas zur Klimawende und einem neuen Lebensmittelsystem beitragen können, betont Davids, es brauche Menschen in ganz unterschiedlichen Rollen. »Nicht nur Climate Start-ups, sondern auch Menschen in großen Unternehmen, Forschung oder Politik, die die richtigen Fragen und sich gegen aktuelle Strukturen stellen machen einen Riesenunterschied. Man muss einfach darauf hören, was das eigene Thema ist. Weil es werden auch harte Zeiten kommen« – durch diese helfe es, sich daran zu erinnern, was man als so ungerecht oder anders problematisch empfunden hat, dass man sich diese Aufgabe ausgesucht hat.
» UNSERE WELT NEU DENKEN. Eine Einladung« von Maja Göpel. Ullstein, 2020.
Ottakringer Lebensfreude Ottakringer steht nicht nur für Bier, sondern für gemeinsame Erlebnisse und besondere Momente.
PRIVATBRAUEREI Als unabhängige Privatbrauerei ist Ottakringer Teil der »Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs« – einem Zusammenschluss von aktuell 48 heimischen Brauereien, die zu 100 Prozent in österreichischem Eigentum stehen und unabhän-
gig von internationalen Braukonzernen wirtschaften. Gemeinsam setzen sie sich für den Erhalt der österreichischen Bierkultur, regionale Vielfalt und echte Brautradition ein: Vielfalt statt Einheitsgeschmack und ein klares Bekenntnis zu Österreich als Brau- und Wirtschaftsstandort.
MEHRWEG
Mehrweg ist für Ottakringer ein wichtiger Beitrag zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft und Teil des Verständnisses von zeitgemäßem Biergenuss. Die Wiener Stadtbrauerei weiß, wie Menschen ihre Einkäufe heute erledigen: zu Fuß, mit dem Rad oder unterwegs in der Stadt. Genau dafür hat Ottakringer 2024 die kompakte 11er-Kiste entwickelt – eine handliche Mehrweglösung für den urbanen Alltag. Die 11er-Kiste verbindet Nachhaltigkeit mit Convenience und zeigt, dass Mehrweg nicht kompliziert sein muss. Wie mit der Umstellung auf die standardiDas Brauereigelände ist ein belebtes Zentrum. Events sierte NRW-Mehrwegflasche vor und Konzerte hier sind beliebt und gut besucht. einigen Jahren setzt Ottakringer
B ILD ABBILDERE I, OT TAKRING ER
Die Ottakringer Brauerei gibt es seit 1837. Sie ist die letzte große Wiener Brauerei und eine der letzten großen unabhängigen Brauereien Österreichs. Als mittelständischer Familienbetrieb ist diese Unabhängigkeit besonders wichtig: Ottakringer steht für einen kompromisslosen Qualitätsanspruch, der sich in der durchgängigen Frische von mehr als 15 verschiedenen Biersorten zeigt. Die Marke vermittelt ein städtisches Lebensgefühl voller Herzblut, Mut, Leidenschaft und Lebendigkeit. Diese Werte zeigen sich im Innovationsgeist der Ottakringer Brauerei, der nicht nur für laufend neue Produkte sorgt, sondern auch das Brauereigelände zu einer etablierten Eventlocation gemacht hat.
auf Lösungen, die Ressourcen schonen und einfach in den Alltag integrierbar sind.
BIO-RANGE
WIENER BRAUGERSTE Seit 2020 setzt Ottakringer in Kooperation mit der Wiener Landwirtschaftskammer auf Wiener Braugerste – und braut damit das Wiener Spezial. 16 LandwirtInnen aus der Wiener Stadtlandwirtschaft bauen auf rund 100 Hektar in Floridsdorf, Donaustadt und Oberlaa – nicht biozertifiziert – die Gerste an, die in der Wiener Mälzerei veredelt und anschließend in Ottakring zum Bier wird. Vom Feld über die Stadtmälzerei bis in die Brauerei – alles passiert innerhalb der Stadtgrenzen. So wird CO2 beim Transport gespart, die lokale Landwirtschaft gestärkt, werden Arbeitsplätze gesichert und wird für Wertschöpfung in Wien gesorgt.
BRAUEREIFÜHRUNGEN Brauereiführungen machen Ottakringer für BesucherInnen erlebbar. Bei den ganzjährig angebotenen Touren erhalten Gäste exklusive Einblicke hinter die Kulissen der ältesten Privatbrauerei Wiens – vom Sudhaus bis zur Abfüllung. Den Abschluss bildet selbstverständlich eine frisch gezapfte Verkostung des Ottakringer Biersortiments. Die Führungen finden mehrmals wöchentlich in Deutsch und Englisch statt und erfreuen sich großer Beliebtheit: Mehr als 20.000 BesucherInnen werden jährlich direkt am Standort begrüßt – Tendenz steigend. Dies zeigt, wie stark das Interesse an regionaler Braukultur und authentischen Einblicken in die Bierwelt ist.
AREAL Die Ottakringer Brauerei war immer schon mehr als nur eine Brauerei – sie war von Anfang an ein Ort der Begegnung. Was
Mehr als 20.000 BesucherInnen pro Jahr bekommen bei Brauereiführungen einen Einblick in die Biererzeugung.
einst als Tanzboden mit angeschlossener Brauerei begann, hat sich zu einer der vielseitigsten Eventlocations Wiens entwickelt. Mitten in Ottakring verschmelzen Bierkultur, Kulinarik, Musik und Lebensfreude zu einem lebendigen Erlebnisraum, der jedes Jahr über 250.000 BesucherInnen anzieht. Die historischen Räumlichkeiten und flexibel nutzbaren Flächen bieten den passenden Rahmen für unterschiedlichste Veranstaltungsformate – von Firmenfeiern, Weihnachtsfesten und Kongressen über Hochzeiten, Messen und Märkte bis hin zu Konzerten, Clubbings oder Foto- und Filmproduktionen. Zahlreiche Eigenveranstaltungen wie das Ottakringer Bierfest, die Tankbiertage oder die Afterwork-Reihe »Otta Office« machen die Brauerei das ganze Jahr über zu einem pulsierenden Treffpunkt in der Stadt. Namhafte Gastveranstaltungen und Festivals – vom Ginmarkt über das Female Future Festival bis hin zum FM4-Geburtstagsfest – kommen immer wieder zurück nach Ottakring. Dass Nachhaltigkeit dabei mitgedacht wird, zeigt auch die Auszeichnung der Ottakringer Brauerei mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Green Meetings und Green Events, das die Brauerei seit 2008 trägt. www.ottakringer.at
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG VON OTTAKRINGER
Seit vielen Jahren setzt Ottakringer auf Bier in Bio-Qualität und braut aktuell vier Bio-Biersorten, die in den vergangenen Jahren mehrfach prämiert wurden, aus kontrolliert biologischen Zutaten. Das Ottakringer Bio Pur, ein filtriertes Märzen-/Lagerbier, war bereits 2010 das erste Bio-Bier in der österreichischen Gastronomie und ist bis heute exklusiv frisch vom Fass erhältlich. Auch das Rote Bio-Zwickl hat sich als fixe Größe in der Gastronomie etabliert und steht für vollmundigen Biergenuss in Bio-Qualität. Mit dem BioZwickl hell bietet Ottakringer das einzige Bio-Zwickl in der Dose am österreichischen Markt. Komplettiert wird die Range durch das Dunkle Bio-Zwickl, das sowohl im Handel als auch in der Gastronomie gut ankommt. Im Unterschied zu vielen anderen dunklen Bieren setzt Ottakringer hier bewusst auf einen weniger süßen, ausgewogenen Geschmack – ganz ohne zusätzliche Zuckerung. Für Ottakringer ist Bio kein kurzfristiger Trend, sondern Ausdruck von Qualität, Verantwortung und zeitgemäßem Biergenuss.
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BLAU FÜR GRÜN
Wie Berlin und Wien ihre Grünflächen und Stadtbäume gießen. TEXT Martin Mühl
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tädte brauchen Grün. Im Kleinen wie im Großen, für die schönen Bilder des Stadtmarketings, vor allem aber für die Stadt als Ökosystem. Was Bäume und Grünflächen fürs Klima von Städten leisten, merkt man vor allem dort, wo sie weitestgehend fehlen – und wenn die Wetterbedingungen extrem werden. Bei Hitze zum Beispiel braucht aber auch die Vegetation mehr Wasser, um für mildes Klima zu sorgen. Während PrivatgärtnerInnen immer öfter aufgerufen werden, auf unterschiedliche Weisen Regenwasser zu sammeln und zum Gießen einzusetzen, versuchen auch die Stadtverwaltungen, den Trinkwasserverbrauch der urbanen Grünräume zu reduzieren. Sie betreiben beträchtlichen Aufwand, um ihre Grünflächen und Bäume zu bewässern, und setzen gleichzeitig eine Reihe weiterer Maßnahmen um, damit Grün grün bleibt.
BEWÄSSERUNG NACH PRIORITÄTENLISTE So weit, dass Wald bewässert wird, ist es in beiden Städten nicht gekommen. Bei Parks ge-
schieht dies teilweise – als Faustregel gilt: Je größer oberirdisch, vor allem aber unterirdisch der zusammenhängende Grünraum samt Erdreich und Wurzelbereich, desto mehr Wasser kann er speichern und desto besser kommt er über Dürreperioden. Gerade die kleinen Grünflächen und Bäume, die im dicht bebauten Gebiet als Schutz gegen die zunehmende Hitze dienen sollen, müssen aber gepflegt – und gegossen – werden. In Berlin liegt die Zuständigkeit für die Bewässerung der Grünflächen bei den jeweiligen Bezirken. Viele davon greifen dabei in erster Linie auf Trinkwasser zurück, manche auch auf Grund- und Brunnenwasser. So auch Friedrichshain-Kreuzberg, wo es in den großen Parkanlagen Volkspark Friedrichshain, Märchenbrunnen und Görlitzer Park Brunnen gibt. Das städtische Gartenamt nutzt das Wasser aus diesen Brunnen – die teilweise in den Parks auch als Brunnen sichtbar sind – für die Bewässerung. Bewässert wird mit Schläuchen, Sprengern, Tankwagen oder auch Bewässerungssäcken an neugepflanzten Bäumen. »Es gibt
17 auf Stadtgebiet. Mehr als 90 Prozent von ihnen allerdings im Wiener Wald. In den urbanen Grünflächen außerhalb der Wälder ist in der deutschen Hauptstadt neben den Bezirken »Grün Berlin«, ein Infrastrukturunternehmen im Besitz der Stadt, für die Instandhaltung und damit die Bewässerung einiger Parks zuständig. Das Unternehmen sorgt im Liegenschaftsmanagement dafür, dass über 800 Hektar Freiflächen und Parks, mehr als 100 Gebäude, 2100 Lichtsignalanlagen – also Ampeln –, lineare Infrastrukturen und touristische Informationssysteme instand gehalten werden. Darunter auch die »Gärten der Welt«, der »Park am Gleisdreieck« oder der Spreepark.
AUTOMATISCHES BEWÄSSERUNGSNETZ
BILD WIE NE R STADTGÄRTE N/HOU DE K
Bäume, vor allem junge, die nicht an eine automatische Bewässerung angeschlossen werden können, werden in Wien vom Stadtgartenamt mit Wasser versorgt.
dabei keine flächendeckende Bewässerung«, klärt die Pressestelle des Bezirks auf. »Bewässert wird nach Bedarf, entsprechend der zur Verfügung stehenden Kapazitäten nach einer Prioritätenliste durch die Reviere des Straßen- und Grünflächenamtes sowie durch dafür beauftragte Unternehmen.« In Friedrichshain-Kreuzberg stehen rund 41.000 Bäume, die jährlich kontrolliert werden. Stadtbäume erreichen dabei aufgrund von Umwelteinflüssen, Verkehrsunfällen, Baumaßnahmen sowie Leitungsarbeiten im Wurzelbereich, aber auch durch natürliche Faktoren wie Holzfäule selten das Alter eines Baums in freier Natur von rund 80 bis 100 Jahren. Und so werden jedes Jahr Bäume gefällt und neue gepflanzt. Jungpflanzen, aber auch Bäume, die in Baumschulen bereits einige Jahre – oft rund zehn – vorgezogen wurden. Über die Fällungen wie Pflanzungen wird in dem Bezirk mit »7,2 EinwohnerInnen pro Baum« genauso exakt Buch geführt wie in ganz Berlin, wo pro Baum 4 EinwohnerInnen leben. In Wien kommen auf einen Baum nur 0,2 EinwohnerInnen – für jede Wienerin und jeden Wiener wachsen also viereinhalb Bäume
Die Bewässerung von Wiens Grünflächen ist Kompetenz der Wiener Stadtgärten, dort, wo diese zuständig sind, bewässern die Österreichischen Bundesgärten. Die Wiener Stadtgärten pflegen dabei die über 1000 städtischen Park- und Grünanlagen verschiedenster Größe – aber auch die rund 500.000 Stadtbäume Wiens, die Schatten spenden und unter anderem durch Verdunstung die Stadt lokal etwas abkühlen. Zum Gießmanagement dieser Bäume gehören über 1000 Bewässerungsanlagen. Jungbäume, die nicht von automatischen Bewässerungsanlagen versorgt werden, erhalten vier Jahre lang einmal wöchentlich eine händische Bewässerung – während Hitzeperioden zweimal wöchentlich – mit rund 400.000 Litern Wasser pro Tag. Das händische Gießen wird durch Bewässerungssäcke unterstützt – diese fassen bis zu 75 Liter und verfügen über kleine Löcher, durch die das Wasser über einen Zeitraum von 6 bis 8 Stunden langsam in den Wurzelballen einsickert. Derzeit sind im Stadtgebiet über 24.800 dieser Bewässerungssäcke im Einsatz. Erprobt werden auch innovative Lösungen für eine bedarfsgerechte und ressourcensparende Bewässerung. Im Rahmen der Pilotphase zu »Smart Trees« werden digitale Sensoren für eine intelligente Baumbewässerung getestet.
TROCKENE SOMMER UND KALTE WINTER Thomas Roth lehrt und forscht an der HBLFA für Gartenbau und Österreichische Bundesgärten in Schönbrunn in Wien unter anderem zu Stadtbäumen und Substraten. Die Frage, wie wir
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B EWÄ SSE R U N G
in Zukunft Bäume und vor allem Jungbäume in der Stadt bewässern können und müssen, hängt stark davon ab, welche Baumarten wir pflanzen. Und Thomas Roth ist sicher: »Wiener Baumsortimente waren lange von heimischen Arten wie Ahorn, Esche oder Kastanie geprägt – Arten, denen es inzwischen zu heiß ist. Die Entwicklung verlagert sich daher zunehmend auf trockenverträglichere Baumarten.« Für die Auswahl geeigneter Arten blickt man in Wien nach Südosteuropa und Teile Asiens und Amerikas, wo in Steppengebieten zwar Trockenheit herrscht, es im Winter aber auch kalt werden kann. Zu den aktuell vielversprechendsten darunter gehören Maulbeerbäume, die durch Züchtung fruchtlos gemacht wurden – die Früchte würden die Stadt verschmutzen – oder auch resistentere Ulmen. Parallel dazu wird im Bundesforschungszentrum für Wald auch an der Züchtung hitzeresistenterer heimischer Arten gearbeitet. Neben den Baumarten ist auch das Substrat entscheidend, also die Materialzusammensetzung, auf und in der die Bäume wachsen. Dieses enthält neben Erde auch Schotter und in Wien beispielsweise Donauschlemmmaterial und Kompost, um einen wasserdurchlässigen Boden zu gewährleisten und eine gute Nährstoffversorgung sicherzustellen.
SINKENDER GRUNDWASSERSPIEGEL Im Zuge von neuen Projekten wird überall, wo es möglich ist, eine automatische Bewässerungsanlage installiert. Die Bewässerung ge-
Grünflächen und Bäume brauchen Wasser – auch auf der Wiener Donauinsel.
schieht nicht nur mit Trinkwasser, sondern dort, wo das möglich ist, auch mit Grund- bzw. Brunnenwasser. »Aber vor allem zunehmende Versiegelung sorgt dafür, dass dies schwieriger wird, weil der Grundwasserspiegel absinkt«, erklärt Roth. Die Bäume sind nicht nur Grünflächen, sondern auch Schattenspender, und sie tragen auch in bebautem Gebiet zum Erhalt der Biodiversität bei. Dass neue Baumarten auch neue Insekten mit sich bringen können, »gehört dazu«, sagt Roth nüchtern. Im schlechtesten Fall auch invasive Arten, im guten erhöhen sie die Biodiversität. Während in Berlin vor allem bei Neubauprojekten nach Schwammstadt-Prinzipien vorgegangen wird – als Ziel verfolgt wird, will Wien sukzessive auch bestehende Straßen und Plätze nach dem Schwammstadtprinzip umgestalten. Die Speicherung und Nutzung von Regenwasser – unter anderem für die Bewässerung der Bäume – zu nutzen, haben sich beide Städte als Teil ihrer Schwammstadtstrategien zum Ziel gesetzt. In größeren Parkanlagen ist der Boden meist ohnehin offen, auf bisher versiegelten Flächen wird nun vielerorts versucht, den Bäumen wieder größeren Wurzelraum zu bieten, damit diese unter der versiegelten Fläche ihre wasserspeichernde Funktion erfüllen – sich aber auch mit Wasser aus einem großen Radius versorgen können und somit widerstandsfähiger sind. An einigen Stellen, wie der Parkanlage Johann-Nepomuk-Vogl-Platz, in der Zollergasse im 7. Bezirk oder auf einer Fläche von über 5000m2 im Stadterweiterungsgebiet Seestadt, wurde unter der befestigten Oberfläche mit grobkörnigem Schotter und feineren, wasserspeichernden Materialien darauf geachtet, dass die Bäume mehr Platz für ihre Wurzeln haben und dort gleichzeitig Regenwasser für die Bäume gespeichert werden kann. Insgesamt wurden im Rahmen von »Raus aus dem Asphalt« (2021–2025) 3300 neue Bäume gepflanzt. Zuletzt wurden am Julius-Tandler-Platz 8000 Quadratmeter entsiegelt beziehungsweise begrünt, zahlreiche Sträucher und 46 neue Bäume gepflanzt sowie neue Radwege geschaffen. All diese Maßnahmen tragen zu einem übergeordneten Ziel bei: dass der Umbau zur Schwammstadt Schritt mit dem klimawandelbedingten Anstieg des Wasserverbrauchs halten kann – vor allem, um urbane Lebensqualität zu erhalten und zu verbessern.
BILD ISTOCK.CO M/ANA STAS IIA S APO ZHNIKOVA
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KEIN DUNST Berlin und Wien werden zu »saugfähigen« Schwammstädten umgebaut. Der Kühlungseffekt lässt sich messen.
TEXT Thomas Weber
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enige Stunden nach einem Sommerregen zeigt sich, wie gut eine Stadt mit Hitze umgehen kann. Während manche Straßen und Plätze das Wasser noch tagelang speichern und erst langsam wieder an die Atmosphäre abgeben, trocknen andere binnen kurzer Zeit aus. Genau darin liegt eine der Ideen der sogenannten »Schwammstadt«. Den tatsächlichen Erfolg dieses Prinzips in Zahlen zu fassen, ist allerdings ein aufwendiges Unterfangen. Seit einiger Zeit schon lautet das stadtplanerische Gebot der Stunde in Berlin wie in Wien: Entsiegelung, mehr Bäume und generell Grün, wo immer möglich. Das soll die Folgen des Klimawandels abschwächen – konkret: die Hitze erträglicher und die häufiger werdenden Starkregen bewältigbarer machen. Berlin wie Wien wollen zu Schwammstädten werden und ihr Stadtgebiet saugfähig gestalten. Regenwasser soll möglichst an Ort und Stelle versickern und so weit und lang wie möglich im Boden gespeichert bleiben. Das verhindert Überflutungen, entlastet die Kanalisation, unterstützt den Baumbestand und kühlt durch Verdunstung. Schwer zu messen ist vor allem die unmittelbare Wirkung einzelner Maßnahmen. Dafür bräuchte es über einen längeren Zeitraum Mes-
sreihen vor und nach der Umsetzung, »damit die verschiedenen Witterungsbedingungen vor und nachher erfasst werden«, meint Claudia Hahn aus dem Stadtklima-Team der Geosphere Austria, der Bundesanstalt für Geologie, Geophysik, Klimatologie und Meteorologie. Dabei müssten unter anderem Lufttemperatur, die Abflussmenge des Niederschlags und die Baumgesundheit berücksichtigt werden.
URBANE SPEICHERKAPAZITÄT VARIIERT STARK »Sehr lange Zeitreihen können eine mögliche Erhöhung der ›Urban Water Storage Capacity‹ zeigen«, sagt Achim Holtmann vom Experimentallabor des Ökologieinstituts der Technischen Universität Berlin und verweist auf eine Studie zur Wasserspeicherfähigkeit von Städten, an der sein Institut 2021 beteiligt war. Dafür untersuchte ein internationales Forschungsteam 14 Stadtgebiete auf vier Kontinenten und maß, wie rasch die Verdunstung nach einem Regen wieder abnimmt. Je länger Wasser verdunstet, desto länger hält auch der natürliche Kühlungseffekt an. Die Ergebnisse – mit Auswertungen aus sieben europäischen Städten (Amsterdam, Basel, Berlin, Heraklion, Helsinki, Lodz und Swindon) – zeigen, dass urbane Flächen teilweise überraschend große Wassermengen speichern können,
insgesamt aber mindestens fünfmal schlechter abschneiden als natürliche Ökosysteme. Am höchsten war die urbane Speicherkapazität in Stadtgebieten mit viel Vegetation und durchlässigen Böden, während dicht versiegelte Innenstädte wenig Wasser speichern und schnell austrocknen. Am Beispiel von Berlin mit seinen zwei Messstandorten zeigt sich gut, dass es auch innerhalb derselben Stadt erhebliche Unterschiede geben kann. Im vergleichsweise grünen Stadtteil Steglitz mit vielen Straßenbäumen, Gärten und Parks (Messstandort Berlin-Rothenburgstraße) konnte Regenwasser deutlich länger gespeichert und über mehrere Tage wieder an die Atmosphäre abgegeben werden als im dicht bebauten Charlottenburg nahe der Technischen Universität Berlin (Messstandort Berlin-Fasanenstraße). Das stärker versiegelte Stadtquartier mit weniger Vegetation trocknete wesentlich schneller aus. In Charlottenburg war bereits wenige Tage nach einem Regen kaum noch Wasser für die Verdunstung verfügbar. Die Studie zeigte, dass die Unterschiede innerhalb einer einzigen Stadt größer sein können als zwischen verschiedenen Städten.
BILD ISTOCK.CO M/UNDE FI NE D UNDE FI NE D
BERLINS SCHWAMMSTADT WANDERT AN DIE OBERFLÄCHE In Berlin wie in Wien hat man sich die Schwammstadt zum Ziel gesetzt. Erst im Juni hat der Berliner Senat das Klimaanpassungsgesetz beschlossen. Nachdem in den vergangenen Jahren im unterirdischen Kanalnetz 300.000 Kubikmeter zusätzlicher Stauraum geschaffen wurden (um dem immer wieder vorkommenden Überlauf des Kanalsystems in die Oberflächengewässer entgegenzuwirken), liegt ein weiterer Schwerpunkt künftig »auf oberflächennahen Maßnahmen wie Entsiegelung, Versickerung, Dach- und Fassadenbegrünung sowie der Nutzung von Regenwasser zur Bewässerung«, heißt es in einer Aussendung der Senatskanzlei des Bürgermeisters. Die zuständige Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Ute Bonde, verfolgt das Ziel, »die Regenwasserbewirtschaftung noch stärker an der Oberfläche sichtbar zu machen«. Weiterhin werden Private, Bezirke und Planungsbüros von der 2018 gegründeten Berliner Regenwasseragentur beraten. Auch Wien nimmt sich Bahnhofsvorplatz um Bahnhofsvorplatz und Hitzeinsel um Hitzein-
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Mehr zur Wasserqualität der Flüsse Wiens und Berlins – und dem Zusammenhang zum Kanalsystem auf
BIORAMA.EU/FLUSSABWÄRTS
sel vor, um die Stadt ganzheitlich klimafit umzubauen. Die einzelnen Projekte werden unter der Kampagne »Raus aus dem Asphalt« kommuniziert. Bislang wurden 344 Projekte umgesetzt. Bis aus den umgestalteten Plätzen tatsächlich die propagierten »Wohlfühloasen« werden, braucht es Zeit.
WIEN AGIERT NACH DEM »STOCKHOLMSYSTEM« In Wien ist der Umbau eng mit dem »Schwammstadtprinzip für Straßenbäume« verbunden, wie Erwin Forster von der Stabstelle Straßenverwaltung und Straßenbau erklärt. Grundlage ist das aus Skandinavien stammende »Stockholmsystem«: »Dabei wird unter Straßen, Gehsteigen und Parkplätzen ein tragfähiger Unterbau aus grobem Gestein geschaffen, dessen Hohlräume mit speziellem Feinsubstrat verfüllt werden«, so Forster. Dadurch entstehen unterirdische Wasserspeicher und gleichzeitig ausreichend Wurzelraum für Stadtbäume. »Durch die Beschattung und Verdunstungsleistung der Bäume« werde zudem die unmittelbare Umgebung gekühlt. Wie stark ein Baum als lokale Klimaanlage wirkt, hängt von der Baumart, der Kronengröße und nicht zuletzt von der Wasserverfügbarkeit ab. Studien zu urbanen Bäumen zeigen, dass sich die Oberflächentemperaturen beschatteter Flächen gegenüber unbeschattetem Asphalt um bis zu 30 Grad Celsius unterscheiden können und die gefühlte Temperatur im Straßenraum oft um mehrere Grad sinkt. Baumreiche Straßenzüge erweisen sich als bis zu vier Grad Celsius kühler. Für die Stadtplanung wie für die Gestaltung von privaten Gärten, Hinterhöfen oder Schulhöfen lässt sich daraus eine einfache Erkenntnis ableiten: Wie gut eine Stadt den nächsten Starkregen und die nächste Hitzewelle wegsteckt, entscheidet sich oft Quadratmeter für Quadratmeter. Jeder Quadratmeter Asphalt weniger und jeder Baum mehr zählt.
Reden über Regen Seit 2018 berät und informiert in Berlin die kommunale Regenwasseragentur über die dezentrale Nutzung von Regenwasser. Sie ist Teil der Berliner Wasserbetriebe und arbeitet praxiswie forschungsnah. regenwasseragentur.berlin
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»MUTTER« NATUR? Über die Möglichkeiten, die Queer Ecology eröffnet.
Literaturtipps »Das Manifest für Gefährten: Wenn Spezies sich begegnen.« von Donna Haraway, Merve, 2016. »Queer Ecologies: Sex, Nature, Politics, Desire« von Catriona Mortimer-Sandilands and Bruce Erickson, Indiana University Press, 2010.
Anlaufstellen The Institute of Queer Ecology queerecology.org ALNUS e. V. alnus-eberswalde.de
Ausstellung »The Institute of Queer Ecology – I Wish We Had More Time« ist bis 9. August im Kunsthaus Wien zu sehen. kunsthaus.at
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ie queer ist die Natur? Eine ungewöhnliche Frage. Die Bezeichnung »queer« kennt man ja eigentlich nur im Zusammenhang mit Menschen, als Sammelbegriff für all jene, deren Geschlecht und/oder Sexualität von der Gesellschaft nicht als normal angesehen werden. Was hat eine so menschliche Kategorie also mit oft menschenfernen Ökosystemen zu tun? Was könnte normaler sein als Mutter Natur? Doch wer im Leben zumindest eine Tiefseedoku gesehen hat, dürfte vermutlich wissen, dass unsere Umwelt um einiges komplexer, merkwürdiger – und ja! – abnormaler ist, als wir gemeinhin erwarten würden. Weibliche Seepferdchen legen ihre Eier in die Bauchtasche der Männchen, die diese dann austragen. Männliche Tiefsee-Anglerfische verbeißen sich zum Geschlechtsakt in die Haut der Weibchen und verkümmern zum Samenspendeorgan. Abseits der Meere können diverse Amphibien bei Bedarf ihr Geschlecht ändern. Und bei manchen Amöben lässt sich nicht einmal klar sagen, wo ein Individuum aufhört und das nächste beginnt. Auf Basis solcher Erkenntnisse hinterfragt das interdisziplinäre Forschungsgebiet Queer Ecology, wie sehr unser Bild einer »normalen« Natur von unserem gesellschaftlichen Wertesystem beeinflusst wird. Rita Baumeister vom Naturschutzverein Alnus nennt als Beispiel das klassische Sexualsystem der Pflanzen, das Carl Linné im 18. Jahrhundert entwickelte: »Er ord-
nete Pflanzen anhand ihrer Fortpflanzungsorgane und beschrieb sie dabei mit Begriffen und Vorstellungen, die stark von den patriarchalen und gesellschaftlichen Normen seiner Zeit beeinflusst waren.« Solche historischen Sichtweisen würden teilweise bis heute prägen, wie wir über Natur sprechen und sie verstehen. Die Ursprünge von Queer Ecology gehen zurück auf die Theorien von bekannten KulturwissenschaftlerInnen wie Michel Foucault, Judith Butler und Donna Haraway. Ab den späten Neunzigerjahren wurden dann zunehmend Gedanken aus dem Ökofeminismus mit der damals neuen Queer Theory verknüpft. Wo letztere Normen und binäre Systeme – wie Mann und Frau, hetero- und homosexuell – in der menschlichen Gesellschaft kritisch betrachtet, weitet Queer Ecology diese Fragestellung auf ganze Ökosysteme aus. Ein Aspekt davon ist, dass auch die scheinbar klare Grenzziehung zwischen Mensch und Tier, zwischen Kultur und Natur, brüchig wird. So sollten wir nach Haraway nichtmenschliche Lebewesen als »kin«, als – entfernte – Verwandte verstehen. Und sie überlegt, wie wir dann mit ihnen umgehen müssten. In welchen Gemeinschaften wir mit ihnen leben sollten.
UTOPISCHE POTENZIALE Auf der einen Seite bietet Kunst einen Raum, um solchen Fragen nachzugehen, um mit neuen Möglichkeiten des Zusammenlebens zu experimentieren. Im Kunsthaus Wien ist
BILD ISTOCK.CO M/RIKE _
TEXT Bernhard Frena
Wir leben in einer Zeit, in der fast alles sofort verfügbar ist. Nachrichten kommen in Sekunden, Pakete am nächsten Tag und Antworten liefert längst die künstliche Intelligenz. Auf einem Biobauernhof gelten andere Regeln: Hier bestimmt die Natur den Rhythmus. Am Biohof Heidegger wird das jeden Tag spürbar. Heu wird eingebracht, wenn das Wetter passt, Gemüse wächst mit den Jahreszeiten und Brot, Käse oder Äpfel brauchen ihre Zeit. Wer hier Urlaub macht, erlebt, dass gerade diese Langsamkeit ihren besonderen Wert hat. Nach wenigen Tagen verändert sich oft der Blick. Kinder beobachten Tiere, Erwachsene kommen am Gartenzaun ins Gespräch und der Alltag rückt in den Hintergrund. Vielleicht ist das die größte Qualität eines Urlaubs am Biobauernhof: Er erinnert uns daran, dass nicht alles schneller werden muss. Wer sich – wie am Biohof Heidegger – auf den Rhythmus der Natur einlässt, nimmt oft mehr mit nach Hause als schöne Erinnerungen. urlaubambiobauernhof.info/de/hofgschichtn
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG VON URLAUB AM BAUERNHOF UND BIO AUSTRIA
Wir haben verlernt zu warten
BILD DANIEL G OLLNER
noch bis 9. August eine Schau des Kollektivs The Institute of Queer Ecology zu sehen. Die internationalen Beiträge veranschaulichen, welch zerstörerische Folgen unser bisheriges, hierarchisches Verhältnis zur Natur hat. Und sie verdeutlichen, wie schön es sein kann, sich als Teil eines großen, komplexen und oft idiosynkratischen Organismussystems zu verstehen. Doch auf der anderen Seite braucht es neben einer Perspektivenverschiebung auch praktisches Handeln. Denn sich als Teil einer Gemeinschaft mit seiner Umwelt zu verstehen, bedeutet auch, Verantwortung für das eigene Handeln, für die Konsequenzen der eigenen Lebensweise, für die eigene privilegierte Position im Netzwerk der Natur zu übernehmen. Und es bedeutet, als Teil dieser Gemeinschaft tätig zu werden, sich auch um seine nichtmenschlichen Verwandten zu kümmern, wie es beispielsweise der Verein Alnus vorlebt, der unter seinen Naturschutzveranstaltungen regelmäßig auch solche mit theoretischem Input integriert – so etwa bei der »Queeren Wiesenmahd«. Hierbei wird die Wiese Moore Pumpe im Naturschutzgebiet Eberswalde (Landkreis Barnim, Brandenburg) gepflegt, um den Erhalt von Orchideen und Feuerfaltern im dortigen Ökosystem zu sichern. Queer werde die Wiesenmahd dabei auf zwei Ebenen, wie Rita Baumeister, die das Event mitorganisiert hat, erklärt: »Zum einen schaffen wir bewusst einen Raum für queere Menschen, in dem sie gemeinsam aktiv sein, sich austauschen und vernetzen können. Zum anderen verbinden wir die praktische Naturschutzarbeit mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung über das Verhältnis von Natur, Gesellschaft und Vielfalt.« Im Idealfall wird so der queere Begriff der Chosen Family, der Wahlfamilie, ausgeweitet und umfasst vielleicht nicht nur den engsten FreundInnenkreis, sondern auch all jene Organismen, mit denen man sich seinen Lebensraum tagtäglich teilt.
Gemeinsam fürs große Ganze Weit über die Grenzen der Hauptstadt hinaus prägen die Wiener Stadtwerke die Republik – als Wirtschaftsmotor, Konjunkturstütze und Innovationstreiber.
Die Wiener Stadtwerke sind weit mehr als ein kommunaler Dienstleister. Mit ihren Unternehmen – von Wien Energie, den Wiener Linien und den Wiener Netzen über WienIT, WIPARK und die Wiener Lokalbahnen bis zu den Friedhöfen Wien – gestalten sie den Alltag von Millionen Menschen und prägen mit ihrem ökonomischen Fußabdruck die Entwicklung weit über die Bundeshauptstadt hinaus. Als einer der größten Infrastrukturkonzerne Österreichs sind sie gleichermaßen Wirtschaftsmotor, Konjunkturstütze, Innovationstreiber und bedeutender Arbeitgeber.
INFRASTRUKTUR UND INNOVATION Bis 2030 investiert die Gruppe mehr als zehn Milliarden Euro in die Zukunft Wiens, allein die Wiener Netze ste-
cken in den kommenden fünf Jahren 2,4 Milliarden Euro in den Ausbau einer leistungsfähigen Energieinfrastruktur. Diese Investitionen schaffen und sichern hochqualifizierte Arbeitsplätze, beleben die heimische Wirtschaft und bilden die Grundlage für die Energie- und Mobilitätswende. Sie modernisieren die Stadt, stärken ihre digitale Souveränität und bringen das Ziel eines klimaneutralen Wiens bis 2040 entscheidend voran. Gleichzeitig zeigen Projekte wie neue Mikrowälder auf Friedhöfen oder der Ausbau intelligenter Netze, dass Infrastruktur heute weit mehr bedeutet als Versorgung: Sie schafft Lebensqualität, erhöht die Resilienz und verbindet Wien mit seinem Umland zu einem gemeinsamen Energie- und Wirtschaftsraum.
B ILD WIE N E NE RGIE
Bei den Wiener Stadtwerken greift alles ineinander: Versorgungssicherheit und Biodiversität, Klimaschutz und die Produktion erneuerbarer Energie im industriellen Sinn. Im Bild: ein Feldhamster vor dem Solarkraftwerk Liesing, von wo aus 3.976 PV-Module 400 Haushalte mit Strom versorgen.
BILD JANA MADZIG ON
»Wir sorgen dafür, dass Wien lebenswert, sicher und leistbar bleibt«, sagt Peter Weinelt, Generaldirektor der Wiener Stadtwerke. Ein Interview über Investitionen und die digitale Souveränität der postfossilen Stadt. Herr Weinelt, die Wiener Stadtwerke sind mehr als nur Dienstleister und Basisversorger. Sie prägen die ganze Republik – als Wirtschaftsmotor, Konjunkturstütze und Innovationstreiber. Wo wird am meisten investiert? Peter Weinelt: Am stärksten investieren wir dort, wo Wien in den nächsten Jahrzehnten am meisten gefordert ist: in Energie, Netze und öffentlichen Verkehr. Das sind keine abstrakten Zukunftsprojekte, sondern sehr konkrete Grundlagen für den Alltag von zwei Millionen Menschen. Wenn die Stadt wächst, braucht sie leistungsfähige Strom-, Wärmeund Datennetze, ein starkes Öffi-Angebot und eine Energieversorgung, die Schritt für Schritt unabhängiger von fossilen Importen wird. 2025 haben wir knapp drei Milliarden Euro investiert, in den Jahren 2026 bis 2030 planen wir mehr als zehn Milli-
arden Euro. Ein großer Teil davon fließt in den Umbau des Energiesystems: erneuerbare Stromproduktion, Dekarbonisierung der Fernwärme, Netzausbau, Ladeinfrastruktur und Versorgungssicherheit. Gleichzeitig investieren wir massiv in den öffentlichen Verkehr – vom Linienkreuz U2xU5 über neue Straßenbahnverbindungen bis zur Dekarbonisierung der Busflotte. Das alles ist auch ein Konjunkturprogramm: Jeder Euro, den wir in Infrastruktur stecken, schafft Aufträge, Beschäftigung und Standortqualität in Wien und weit darüber hinaus. Welchen Stellenwert haben denn jene Investitionen, die dazu führen, dass die Stadt Wien bis 2040 klimaneutral wird? Einen sehr hohen Stellenwert. Klimaneutralität ist für uns kein Zusatzprogramm neben dem Kerngeschäft, sondern
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG DER WIENER STADTWERKE
Mehr als 10 Milliarden für die Zukunft Wiens
Das Umspannwerk Simmering wurde im laufenden Betrieb erneuert, wurde die bestehende Anlage erweitert, wurden Trafos ausgetauscht und zusätzliche eingebaut. Bis 2030 investieren allein die Wiener Netze 2,4 Milliarden Euro.
Welches Potenzial sehen Sie beim Einsatz Künstlicher Intelligenz? Sehr großes Potenzial, aber ich bin da auch vorsichtig. KI ist kein Selbstzweck und auch kein Wundermittel. Für uns ist sie dann interessant, wenn sie Systeme stabiler, effizienter oder kund*innenfreundlicher macht. In einem Konzern wie den Wiener Stadtwerken gibt es viele sinnvolle Anwendungen: bessere Prognosen für Energieverbrauch und Erzeugung, vorausschauende Wartung von Anlagen, schnellere Störungserkennung, effizientere Verkehrs- und Einsatzplanung oder bessere Services für Kund*innen. Aber wir sind kritische Infrastruktur, da muss man vorsichtiger sein. Daher setzen wir KI mit Augenmaß ein. Sicherheit, Datenschutz, Nachvollziehbarkeit und digitale Souveränität sind für uns Grundvoraussetzung. Wir müssen wissen, welche Systeme wir einsetzen, wo Daten liegen und welche Abhängigkeiten wir eingehen. Angesichts der gesamtwirtschaftlichen Lage: Wo kann denn guten Gewissens gespart werden – und wo würde
Die hybride Kriegsführung Putins und die Wankelmütigkeit Trumps haben zuletzt den öffentlichen Fokus stark auf die besondere Bedeutung der Resilienz und Sicherheit kritischer Infrastruktur gelenkt. Welche Maßnahmen treffen hier die Wiener Stadtwerke? Die letzten Jahre haben sehr deutlich gezeigt: Versorgungssicherheit ist nicht selbstverständlich. Kritische Infrastruktur muss gegen sehr unterschiedliche Risiken gewappnet sein, wie Cyberangriffe, physische Bedrohungen, extreme Wetterereignisse, Lieferkettenprobleme oder geopolitische Abhängigkeiten. Wir arbeiten deshalb auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Erstens stärken wir unsere physischen Anlagen und Betriebsprozesse: Kraftwerke, Netze, Leitstellen, Verkehrsinfrastruktur und Krisenorganisationen müssen auch unter Druck funktionieren. Zweitens erhöhen wir die Cyberresilienz, weil Energie-, Mobilitäts- und IT-Systeme heute eng miteinander verbunden sind. Drittens beschäftigen wir uns sehr intensiv mit digitaler Souveränität: Welche Technologien nutzen wir, von wem sind wir abhängig, welche Alternativen brauchen wir? Und viertens üben wir Krisenszenarien, damit im Ernstfall nicht erst Zuständigkeiten geklärt werden müssen. Absolute Sicherheit kann niemand versprechen. Aber man kann Systeme so bauen und betreiben, dass
B ILD WIE NE R NE TZE , WIE NER STADTWERKE/E HM
die Richtung, in die sich unser Konzern ausrichtet. Energie, Wärme, Mobilität und Netze sind die großen Hebel. Wenn wir hier richtig investieren, verändert sich die Klimabilanz der ganzen Stadt. Wichtig ist mir dabei: Klimaschutz muss verlässlich und leistbar bleiben. Es hilft niemandem, wenn die Transformation nur auf dem Papier schön aussieht, aber im Alltag nicht funktioniert. Deshalb investieren wir in Lösungen, die Versorgungssicherheit und Klimaschutz verbinden, wie etwa in Tiefengeothermie, Großwärmepumpen, Wind- und Sonnenstrom, leistungsfähige Netze und attraktive Öffis. Unser Ziel ist, Wien bis 2040 klimaneutral zu machen und gleichzeitig die hohe Lebensqualität dieser Stadt abzusichern.
ein Aufschub von Investitionen in absehbarer Zeit mehr kosten als kurzfristig bringen? Sparen kann und muss man dort, wo Prozesse zu kompliziert sind, wo Doppelgleisigkeiten bestehen oder wo Digitalisierung und gemeinsame Standards wirklich Effizienz bringen. Wir schauen uns gerade sehr genau an, wie wir innerhalb der Wiener Stadtwerke Gruppe Synergien besser nutzen können – etwa in Serviceprozessen, IT, Einkauf oder Administration. Da gibt es Potenzial, ohne die Qualität für die Menschen in Wien zu verschlechtern. Nicht sparen darf man bei der Substanz. Wer Netze, Öffis oder Energieanlagen zu lange nicht wartet, zahlt später immer mehr, finanziell, ökologisch und gesellschaftlich. Infrastruktur verzeiht keinen jahrelangen Investitionsstau. Ein verschobener Netzausbau kann die Energiewende bremsen. Eine aufgeschobene Modernisierung im öffentlichen Verkehr kann später mehr Baustellen mit sich ziehen und Kapazitätsprobleme verschärfen. Und eine verzögerte Dekarbonisierung der Wärme hält uns länger in fossilen Abhängigkeiten. Kurz gesagt: Effizienter werden ja, Zukunftsinvestitionen abdrehen nein.
Auch eine postfossile Stadt garantiert größtmögliche Unabhängigkeit. Wo stehen die Wiener Stadtwerke 2026 beim Ausbau der erneuerbaren Energie? Wir sind mitten in einer sehr intensiven Ausbauphase. Ein wichtiger Schritt war die Übernahme von ImWind. Damit haben wir unser Portfolio bei Windkraft und Photovoltaik deutlich gestärkt und sind in Österreich zu einem der großen Akteure im Bereich Windkraft geworden. Gemeinsam verfügen Wien Energie und ImWind über rund 900 Megawatt Erneuerbaren-Leistung und bis 2040 soll diese Leistung auf 2.800 Megawatt steigen. Aber es geht nicht nur um Strom. Für eine Stadt wie Wien ist auch die Wärme entscheidend. Deshalb ist Tiefengeothermie für uns so wichtig. Die erste Anlage in Aspern soll künftig klimaneutrale Fernwärme für bis zu 25.000 Haushalte liefern, langfristig liegt im Wiener Untergrund ein noch deutlich größeres Potenzial. Dazu kommen Großwärmepumpen, Abwärmenutzung, Speicherlösungen und grüner Wasserstoff dort, wo er technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist. Unabhängigkeit entsteht nicht durch eine einzige Technologie. Sie entsteht durch ein robustes und vielseitiges System. Wie wichtig ist der öffentliche Verkehr für das Erreichen der Klimaziele? Er ist unverzichtbar. Eine klimaneutrale Stadt wird es ohne starken öffentlichen Verkehr nicht geben. Wien hat hier eine sehr gute Ausgangsposition, weil die Öffis im Alltag vieler Menschen selbstverständlich sind. Aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Die Stadt wächst, Mobilitätsbedürfnisse verändern sich, und der öffentliche Verkehr muss Schritt hal-
ten. Mit dem Bau der U2xU5 schaffen wir Platz für bis zu 300 Millionen zusätzliche Fahrgäste pro Jahr. Das ist nicht nur ein Verkehrsprojekt, sondern eines der wichtigsten Klimaschutzprojekte Wiens. Dazu kommen neue Straßenbahnstrecken, moderne Fahrzeuge, WienMobil-Angebote und die Umstellung der Busflotte auf emissionsfreie Antriebe. Jeder Weg, der bequem mit Öffis, Rad oder zu Fuß statt mit dem Auto zurückgelegt wird, hilft dem Klima und macht die Stadt lebenswerter.
Worauf können die WienerInnen in den kommenden Jahren bauen? Auf Verlässlichkeit. Das klingt vielleicht unspektakulär, ist aber in Wahrheit sehr viel wert. Die Menschen in Wien sollen sich darauf verlassen können, dass Strom, Wärme, Öffis und zentrale Services funktionieren – auch in schwierigen Zeiten. Sie können darauf bauen, dass wir weiter investieren. Sie können auch darauf bauen, dass wir die Transformation nicht gegen die Menschen machen, sondern für sie. Unser Anspruch ist im Grunde einfach: Wien soll auch in Zukunft eine Stadt sein, in der man gut, sicher und leistbar leben kann. Dafür arbeiten rund 19.000 Menschen bei den Wiener StadtDie Sicherheit und Verlässlichkeit kritischer Infrastruktur ist in den Fokus gerückt, sagt Peter Weinelt. werken jeden Tag.
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sie widerstandsfähig sind, schnell reagieren und sich rasch erholen. Genau das ist unser Anspruch.
»Wer Netze, Öffis oder Energieanlagen zu lange nicht wartet, zahlt später immer mehr, finanziell, ökologisch und gesellschaftlich. Infrastruktur verzeiht keinen jahrelangen Investitionsstau.« — Peter Weinelt, Wiener Stadtwerke
Wiener Energiemix Der Strombedarf steigt, der Verkehr wird elektrischer und bis 2040 auch die Fernwärme klimaneutral. Die dafür nötigen Investitionen wirken über die Stadtgrenzen hinaus. Wer an Wien Energie denkt, denkt naturgemäß zuallererst an Strom, Fernwärme oder Ladestationen innerhalb der Stadtgrenzen. Eigentlich beginnt die Energieversorgung Wiens aber oft bereits viele Kilometer außerhalb: auf den weitläufigen Weizen- und Windfeldern in Niederösterreich, an steirischen Fließgewässern oder – damit kommen wir zurück aufs Stadtgebiet – versteckt auf den Dächern denkmalgeschützter Sehenswürdigkeiten. Auch in der Bundeshauptstadt ist die Energiewende längst kein ausschließlich urbanes Projekt mehr. Sie verbindet Regionen, Technologien und Infrastrukturen zu einem Gesamtsystem. Schließlich soll Wien bis 2040 klimaneutral werden. Und die Energiewende erfordert insgesamt einen gesamtgesellschaftlichen Kraftakt. Wien Energie als größtem regionalen Energiedienstleister kommt dabei eine besondere Verantwortung zu. Deshalb wird gleichzeitig in erneuerbare Stromerzeugung, klimafreundliche Wärme bzw. Fernwärme, Elektromobilität, Stabilität und Versorgungssicherheit investiert. Sehr oft passiert das forschungsnah – und in ganz großem Stil. Entscheidend ist
dabei nicht nur der Ausbau einzelner Technologien, sondern ihr konzertiertes Zusammenspiel und größtmögliche Resilienz.
MEHR STROM AUS SONNE, WIND UND WASSER 2025 war für Wien Energie ein Rekordjahr beim Ausbau erneuerbarer Energien. Rund 70 neue Photovoltaikanlagen gingen ans Netz, die Windkraft wurde deutlich erweitert und mit dem Kleinwasserkraftwerk Oppenberg in der Steiermark wurde abermals ein Projekt regionaler Wasserkraft gestartet. Parallel dazu übernahm Wien Energie sämtliche Anteile des niederösterreichischen Ökostrom-Pioniers ImWind. Damit zählt Wien Energie heute zu den größten Windkraftbetreibern des Landes. Kürzlich wurde die 1.000-Megawatt-Marke an erneuerbarer Erzeugungsleistung erreicht, bis 2030 sollen daraus insgesamt 1.800 Megawatt werden. Das würde rechnerisch ausreichen, um sämtliche Wiener Haushalte mit erneuerbarem Strom zu versorgen. Bis 2040 soll die Leistung weiter auf insgesamt 2.800 Megawatt steigen. Das ist genug
Energie, um zusätzlich den gesamten Wiener Verkehrssektor mit Ökostrom zu versorgen: von Straßenbahnen und U-Bahnen über Elektrobusse bis hin zu E-Autos.
ERNEUERBARE ENERGIE IM INDUSTRIELLEN MASSSTAB
B ILD WIE N E NE RGIE , PHOTOI NSTY LE, KLAUS ROC KE NBAU ER
»Unser Anspruch ist klar: Wir bauen erneuerbare Energien im industriellen Maßstab aus – effizient, nachhaltig und mit Blick auf die Versorgungssicherheit.« — Alma Kahler, Wien Energie
Die Ladeinfrastruktur für E-Mobilität wird massiv ausgebaut: Allein 2026 entstehen 1.000 neue Ladestellen.
gen der historischen Bauweise angepasst und zeigen, dass Klimaschutz und Denkmalschutz zusammengehen können. Die Energiewende braucht jede geeignete Fläche, auch dort, wo man sie auf den ersten Blick vielleicht nicht vermutet (und am besten auch nicht unmittelbar sieht).
rale Fernwärme-Quellen: die Nutzung von Abwärme und Großwärmepumpen, von Tiefengeothermie, von erneuerbaren Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sowie die energetische Nutzung von nicht verwertbaren Abfällen. Bestes und weithin sichtbares Beispiel dafür: die Müllverbrennungsanlage Spittelau. Diese deckt mit der Müllverbrennung den Wärmebedarf von 60.000 Wiener Haushalten. Eine neue Großwärmepumpe nutzt seit heuer bislang ungenutzte Energie aus der Rauchgasreinigung. Dadurch kann der Bedarf weiterer 16.000 Haushalte gedeckt werden. Am Stadtrand, in Aspern, errichtet Wien Energie gemeinsam mit der OMV Wiens erste Tiefengeothermie-Anlage. Nach erfolgreichen Bohrungen in rund 3.000 Metern Tiefe verliefen dort jüngste Fördertests sogar deutlich besser als erwartet. Bereits ab 2029 soll die Anlage ganzjährig rund 25.000 Haushalte mit erneuerbarer Wärme aus dem Erdinneren versorgen.
STROM IST NUR DIE HALBE ENERGIEWENDE
ELEKTROMOBILITÄT KOMMT IM ALLTAG AN
Genauso wichtig wie erneuerbarer Strom ist eine nachhalParallel dazu wächst auch die Ladeinfrastruktur. Denn der tige Wärmeversorgung. Heizen verursacht auch in StädUmstieg auf Elektromobilität gelingt nur, wenn das Laden ten mehr als ein Drittel der selbstverständlich und noch einCO2-Emissionen. Deshalb soll facher wird. Allein 2025 nahm Wien Energie vier neue Schnellder Anteil der Fernwärme am ladeparks sowie mehr als 900 gesamten Wärmebedarf Wiens zusätzliche Ladepunkte in Beauf künftig 56 Prozent steigen trieb. Das ist ein neuer Rekord. (derzeit: 40 Prozent). Gleichzei2026 ist die Installation von mintig erfolgt der schrittweise Umdestens 1.000 weiteren Ladestelbau zum Ersatz fossiler Enerlen geplant. Neue Ladepunkte gieträger. Bis 2030 investiert entstehen damit nicht nur entWien Energie etwa eine Milliarlang wichtiger Verkehrsachsen, de Euro in den Ausbau und die sondern auch im Wohnumfeld Dekarbonisierung der FernwärSeit Juni in Betrieb: Loidesthal II im Weinviertel, der leistungsstärkste Windpark der Wien Energie. und direkt bei Unternehmen. me. Vorgesehen sind vier zent-
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG VON WIEN ENERGIE
Wie unterschiedlich sich dieser Ausbau gestaltet, zeigen jüngste Projekte besonders gut. Mit Loidesthal II ging im niederösterreichischen Zistersdorf erst im Juni der leistungsstärkste Windpark des Unternehmens in Betrieb. »Unser Anspruch ist klar«, sagt Geschäftsführerin Alma Kahler, »wir bauen erneuerbare Energien im industriellen Maßstab aus – effizient, nachhaltig und mit Blick auf die Versorgungssicherheit.« Gleichzeitig entstehen Photovoltaikanlagen an Orten, an denen man sie kaum erwartet hätte. Nach der Wiener Staatsoper produziert nun auch das denkmalgeschützte Dach des Ronacher-Theaters Sonnenstrom. Die Solarmodule wurden eigens an die Anforderun-
Alles auf Schiene Mit der Stadt wächst auch das Straßenbahnnetz der Wiener Linien. Der verlängerte »18er« verbindet Wien West mit dem Osten – und bindet neue Stadtentwicklungsgebiete an. Vorsitzende der Geschäftsführung der Wiener Linien. So Ab Herbst verbindet die verlängerte Linie 18 den Westen entsteht eine starke Ost-West-Tangente, die den Westen Wiens direkt mit dem Prater. Rund sechs Millionen FahrWiens – über den Westbahnhof und vor allem den Hauptgäste werden die Linie 18 inklusive neuer Strecke jährbahnhof – direkt über die U2-Station Stadion mit dem Oslich nutzen. Der verlängerte »18er« fährt dann von der ten verbindet. Stadthalle (Station Burggasse Stadthalle) bis zur U2 Stadion. NEUE GLEISE UND Konkret bedeutet das 7 neue 200 NEUE BÄUME Haltestellen verteilt auf 3,1 zusätzliche Kilometer Strecke von Die Errichtung eines 70 Meter der U3-Station Schlachthauslangen Grüngleises im Bereich gasse bis zum Ernst Happel Ernst-Happel-Stadion und die Stadion und zur U2-Station StaBegrünung entlang der Neudion. »Ab Herbst 2026 schaffen baustrecke tragen außerdem zu wir eine neue Direktverbinding einer spürbaren Verbesserung zwischen dem zweiten und dem des Stadtklimas bei. Dazu komdritten Bezirk und eine attrakmen rund 200 neu gepflanzte Vernetzt Wiens öffentlichen Verkehr: Alexandra tive öffentliche Verkehrsachse Bäume, VerkehrsberuhigunReinagl, Vorsitzende der Geschäftsführung der vom Westen Wiens in den Osgen sowie neue Grünflächen Wiener Linien. ten«, sagt Alexandra Reinagl, entlang der Neubaustrecke des
DIE STRASSENBAHN FÜHRT DIREKT ZUM HAPPEL-STADION Weil nicht nur die Stadtbevölkerung wächst (zuletzt um 13.000 EinwohnerInnen binnen einen Jahres), investieren die Stadt und ihre Stadtwerke massiv in ihre Infrastruktur. Das ist notwendig, um sicherzustellen, dass Wien auch weiterhin eine der lebenswertesten Städte der Welt bleibt. Einen wesentlichen Anteil an der umfassenden Modernisierung der Metropole haben die Wiener Linien. Mit der Verlängerung der Linie 18 werden nicht nur bestehende Verbindungen verbessert, sondern auch neue Stadtentwicklungsgebiete optimal angebunden. Wohnprojekte wie beispielsweise das »Viertel Zwei«, »Village im Dritten« oder das Sonnwendviertel profitieren von der direkten Anbindung bis zum Stadion. Zudem verbindet der 18er in Zukunft das neue Fernbus-Terminal beim Stadion Center mit dem Hauptbahnhof und Westbahnhof – so entsteht eine praktische Verbindung quer durch mehrere Bezirke und wichtige Verkehrsknotenpunkte. Ab Herbst bietet die Linie 18 außerdem eine zusätzliche Alternativstrecke für die S-Bahn, um eine großräumige Umfahrung zu ermöglichen und die S-Bahn-Station St. Marx noch besser anzubinden. »Die Linie 18 fährt im 6-Minuten-Takt und ist eine zusätzliche leistungsfähige Öffi-Verbindung, die besonders während der S-Bahn-Stammstreckensperre der ÖBB wichtige Umsteigemöglichkeiten schafft«, sagt Alexandra Reinagl. Denn der 18er bietet auch eine alternative Route zwischen dem Hauptbahnhof, St. Marx, der U3 sowie der U2.
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DER AUSBAU SCHLIESST LÜCKEN IM ÖFFI-NETZ Bereits seit 2024 haben die Wiener Linien verstärkt in der Erneuerung und den Erhalt der Infrastruktur investiert. Die Modernisierungsoffensive »Netz erst recht!« umfasst sowohl die Erneuerung von Gleisen, Tunneln, Brücken und Stellwerken als auch von Stationen, Aufzügen und Rolltreppen. Das größte Neubauprojekt bleibt zwar U2xU5, die Verlängerung der U-Bahn-Linie U2 und die neue U-Bahn-Linie U5. Ab 2030 schafft es Platz und Verbindungen für zusätzliche 300 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Eine besondere Bedeutung beim Ausbau der Öffis kommt aber auch den Straßenbahnen zu. Bereits heute verfügt Wien über das sechstgrößte Straßenbahnnetz der Welt – und dieses Netz wird dort ausgebaut, wo neue Wohn- und Arbeitsgebiete entstehen und zusätzliche Kapazitäten gebraucht werden. So wurden bereits im Herbst 2025 mit den neuen Linien 12 und 27 insgesamt 4,6 Kilometer Neubaustrecke und 11 neue Haltestellen geschaffen. Auch sie verbessern die Anbindung wichtiger Stadtent-
»Ein leistungsfähiges ÖffiSystem braucht beides: Ausbau dort, wo Wien wächst, und konsequente Modernisierung dort, wo täglich Millionen Menschen unterwegs sind.« — Alexandra Reinagl, Wiener Linien
wicklungsgebiete, schließen Lücken im Netz und schaffen neue Umstiegsmöglichkeiten zu U-Bahnen und anderen Straßenbahnen. Während die Linie 12 seit Sommer 2025 vier Bezirke miteinander verbindet, stärkt die Linie 27 seit dem Vorjahr die Öffi-Anbindung im Nordosten Wiens. Die Wiener Linien investieren nicht nur in neue Linien, sondern auch in die Qualität bestehender Strecken. Denn Modernisierungen sind essenziell, um den öffentlichen Verkehr auch für kommende Generationen zu sichern und noch attraktiver zu machen. »Wir bauen nicht nur neue Öffi-Verbindungen, wir machen auch unser bestehendes Netz fit für die Zukunft. Denn ein leistungsfähiges Öffi-System braucht beides: Ausbau dort, wo Wien wächst, und konsequente Modernisierung dort, wo täglich Millionen Menschen unterwegs sind«, so Alexandra Reinagl. Damit kann die Stadt ihre Klimaziele erreichen, langfristig Versorgungssicherheit gewährleisten und die Lebensqualität nachhaltig sichern. Der Ausbau folgt dabei einem klaren Prinzip: Neue Öffi-Verbindungen entstehen dort, wo Wien wächst und nicht erst dann, wenn die BewohnerInnen neuer Stadtteile sich längst an Routinen gewöhnt haben, bei denen womöglich ein Auto im Spiel ist.
Die Verlängerung der »18er«-Bim von der Schlachthausgasse (U3) bis zum Stadion (U2) bindet den Westen Wiens auch an die Freizeiteinrichtungen im Prater an.
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18ers. Durch die Verlagerung vom PKW auf die Öffis werden in Summe jährlich bis zu 1.300 Tonnen CO2 eingespart. Außerdem entstehen bei den Ausbauarbeiten für die Linie 18 zusätzliche 2.150 Meter neue Radwege.
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BIO VON WEIT HER – DAS WEITER GEHT Biolandwirtschaft in der eigenen Region zu stärken, ist richtig und wichtig. Glücklicherweise hört Bio nicht an den (Bundes-)Ländergrenzen auf – unterschiedliche Weltgegenden haben auch unterschiedliche Spezialitäten zu bieten. Zwei Betriebe, die Bioprodukte oder Zutaten von weit her holen und dabei auch woanders einen Impact haben, der über den der Vorschriften zum Biolandbau hinausgeht.
THEMA – IN HEADLINEFARBE
GENUSS MIT MAXIMALEM IMPACT Klassische Kolonialware wie Kaffee, Tee und Gewürze mit höchsten – auch ethischen – Ansprüchen. Eine erfrischende, zuckerfreie Limo – die Ursprungsidee des heutigen Karma Kollektivs – wurde rasch verworfen. Seit 2018 verkauft das Team um Gründer Aron Murru (mittlerweile 35) hochwertigen Kaffee, Tee, aber auch Kräuter und Gewürze wie Zimt, Majoran, Kümmel und Curry. »Wir sind eine Genussmanufaktur von Leuten, die alle selbst gerne mit gutem Gewissen genießen möchten«, sagt Haley Wilhelm, die im Frühjahr als »Head of Operations and Administration« ins zehnköpfige Team kam. Vom Goerzwerk aus, einer ehemaligen Fabrik für optische Linsen im Südwesten Berlins, die zum Start-upCampus umgebaut wurde, hat das Karma Kollektiv die gesamte Wertschöpfungskette seiner Produkte im Blick. Alle sind in Bioqualität, werden direkt und transparent mit den ProduzentInnen fair gehandelt, geröstet wird vor Ort, verpackt in Mehrweggebinden. »Unser Teil in der Neugestaltung von globalem Handel ist zwar klein, aber er funktioniert«, sagt Wilhelm. »Und was im Kleinen funktioniert, verdient auch auf großer Ebene eine Chance.« Das Sortiment bleibe überschaubar, um langfristige Partnerschaften in den globalen Süden auch wirklich pflegen zu können. Aktuell wird es aber erweitert: um einen Matcha mit Fruchtpulver (Strawberry, Raspberry, Mango). Die Tees, Kaffees und Gewürze sind vor allem in Berlin und Brandenburg erhältlich – in Supermärkten genauso wie bei Dennree, Alnatura und der Bio Company. THOMAS WEBER karmakollektiv.berlin
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GENUSS ÜBER GRENZEN BRINGEN Biobalkan investiert in Klimawandelanpassungsmaßnahmen bei sozialen Partnerbetrieben in Südosteuropa. Bioprodukte direkt am Balkan geerntet und in Manufakturen vor Ort verarbeitet – das ist die Grundidee von Biobalkan. Ajvar, Pindur und weitere pikante Aufstriche bilden gemeinsam mit Fruchtaufstrichen aus Hagebutte, Himbeere oder Zwetschge den Kern der Produkte von Biobalkan. Es gibt aber auch Nüsse, Nussaufstriche und seit einiger Zeit immer mehr fertige Gerichte, Convenience also: Paradajz ist eine intensive, ausgiebige Tomatensauce, Prebranac ein Eintopf aus gebackenen Bohnen und Sataraš eine Version von Letscho. Biobalkan unterstützt damit nicht nur den Genuss in Österreich – und seit Kurzem auch in der Schweiz –, sondern vor allem auch die Biobäuerinnen und -bauern vor Ort und die Arbeit in den Sozialunternehmen, in denen die Produkte verarbeitet werden. Aktuell sind das zwei Manufakturen in Nordmazedonien und eine in Serbien. Mit einer Förderung der Austrian Development Agency arbeitet Biobalkan derzeit daran, die Arbeit vor Ort noch umweltfreundlicher zu gestalten: Themen sind unter anderem regenerative Landwirtschaft, neue Pflanzen oder auch die Abkehr von fossilen Brennstoffen und der Einsatz von Photovoltaik. Auch hier geht es darum, dem Klimawandel entgegenzuwirken, aber auch darum, sich dessen Auswirkungen anzupassen. MARTIN MÜHL
FLIEGEN DARF KEIN LUXUS WERDEN!*
* Einer Studie der Europäischen Kommission zufolge verzichten die öffentlichen Haushalte jährlich durch die Nichtbesteuerung von Kerosin (im Vergleich zu KfzKraftstoff) auf 30 Milliarden Euro und durch die Mehrwertsteuer-Befreiung von Flugtickets auf 40 Milliarden. Das könnte ein Beitrag von 70 Millarden pro Jahr zur Sanierung von Staatshaushalten sein. Oder für Investitionen in den Umbau zu einem klimaverträglichen Wirtschaftssystem. Oder in den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel. Oder ...
biobalkan.shop
BILD ISTOCK.CO M/KA DI RKABA, KARMA KO LLEKTIV, KRI STINA ZATURO VSKA
6 AUSGAB EN 25 EURO
Klimafakten in Perspektive gesetzt. MAGAZIN FÜR NACHHALTIGEN LEBENSSTIL biorama.eu/abo
issuu.com/biorama
»Vielfalt ist Teil unserer DNA, seit mehr als 30 Jahren.« Die meisten KonsumentInnen denken bei Vielfalt vermutlich zuerst an eine große Auswahl im Regal. Was bedeutet Vielfalt aus Sicht der Biolandwirtschaft und ganz besonders für eine ganzheitliche Biomarke wie Ja! Natürlich? Klaudia Atzmüller: Ich glaube, Vielfalt beginnt viel früher, als viele denken – nämlich nicht erst im Supermarktregal, sondern im Boden. In einem gesunden Bioboden leben Milliarden von Mikroorganismen. Genau diese Vielfalt macht Böden fruchtbar, stärkt die Pflanzen und hilft auch dabei, Landwirtschaft widerstandsfähiger zu machen. Diese Vielfalt setzt sich am Feld fort: durch abwechslungsreiche Fruchtfolgen, unterschiedliche Kulturen und den Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und
Dünger. Ein lebendiger Boden ist die Grundlage für nährstoffreiche Produkte. Und wenn diese Produkte Teil einer vielfältigen, abwechslungsreichen Ernährung sind, entsteht daraus eine sehr gute Basis für das, was uns Menschen täglich gut versorgt. Spannend ist ja, dass die Forschung heute zeigt: Auch unser Darm lebt von Vielfalt. Ein vielfältiges Mikrobiom kann unser Immunsystem, unseren Stoffwechsel und sogar unsere mentale Gesundheit positiv beeinflussen. Welche Rolle spielt Bio dabei? Biolebensmittel wachsen auf lebendigen Böden und werden ohne Pestizide oder Herbizide wie Glyphosat produziert. Studien zeigen, dass gerade Breitband-Pestizide wichtige Bakte-
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Bei Ja! Natürlich dreht sich alles um Vielfalt. Klaudia Atzmüller, Geschäftsführerin der Biomarke, über hohe Tierwohlstandards, den Trend zur Longevity und warum in Österreich die »Tofu-Krise« ausblieb.
riengemeinschaften im Darm beeinträchtigen können. Dagegen fördert Bio die Vielfalt – im Boden, im Essen und letztlich auch in unserem Darm. Für uns ist das ein Kreislauf: Vielfalt im Boden schafft Vielfalt am Feld. Vielfalt am Feld ermöglicht Vielfalt am Teller. Und Vielfalt am Teller fördert ein vielfältiges Darmmikrobiom – eine der wichtigsten Grundlagen für unsere Gesundheit. Aus diesem Grund ist Vielfalt für uns kein Trend, sondern seit mehr als 30 Jahren Teil unserer DNA. Warum rückt Ja! Natürlich kommunikativ das komplexe Thema Bodengesundheit immer stärker in den Mittelpunkt? Weil gesunde Böden die Grundlage für alles sind. Ohne gesunden Boden gibt es keine gesunden Pflanzen, keine stabile Landwirtschaft und letztlich auch keine Lebensmittel. In Europa sind schon über ein Drittel der Böden geschädigt (Anm.: laut United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization). Es wird bereits gewarnt, dass bis 2050 bis zu 90 % der Landoberfläche von Bodendegradation betroffen sein könnten. Böden sind ein oft übersehener, aber entscheidender Schlüssel für Ernährungssicherheit, Artenvielfalt und auch die eigene Gesundheit. In Zeiten von Hitzewellen, Trockenheit und Extremwetter: Welche Rolle spielen gesunde Böden und vielfältige Anbausysteme für die Resilienz der Landwirtschaft? Eine enorm wichtige! Ein gesunder Boden funktioniert wie ein Schwamm. Er kann deutlich mehr Wasser speichern, Trockenperioden besser überbrücken und Starkregen besser aufnehmen. Gleichzeitig speichert er Kohlenstoff und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Ebenso entscheidend auch in diesem Zusammenhang ist die Vielfalt. Unterschiedliche Kulturen und eine ausgewogene Fruchtfolge machen landwirtschaftliche Betriebe widerstandsfähiger gegenüber Wetterextremen oder Schädlingsdruck. Genau deshalb ist biologische Landwirtschaft aus
Schmackhafte, innovative Köstlichkeiten in bester Bioqualität und österreichischer Herkunft, ohne Kompromisse bei Nachhaltigkeit und Tierwohl.
Edamame, tiefgekühlt Längst ein Evergreen im Sortiment von Ja! Natürlich: das tiefgekühlte Edamame. Dabei handelt es sich um grün geerntete Sojaschoten, die sorgfältig ausgelöst, blanchiert und tiefgefroren werden. Das Biosoja für diese hochwertige pflanzliche Küchenessenz von Ja! Natürlich wächst im südlichen Weinviertel. Kulinarisch ist die protein- und ballaststoffreiche Hülsenfrucht vielfältig einsatzbar. Ob als Beilage, im Wok, Suppentopf, Auflauf oder leicht gesalzen als Partysnack. Wer Edamame probiert hat, wird immer wieder zugreifen. Erhältlich in der als Papier entsorgbaren Faltschachtel.
Kürbiskern Misopaste 2024 anlässlich 30 Jahre Ja! Natürlich als Neuheit im Jubiläumsprogramm präsentiert: die vom Genusskoarl hergestellte Misopaste aus Kürbiskernen. Ein 100 % pflanzliches Ferment aus österreichischen Biokürbiskernen, das viele Einsatzmöglichkeiten bietet. Es verfeinert Salatdressings, Suppen, Fleischmarinaden und Cremes, gibt aber auch Gemüse- und Wokgerichten eine feine Würze.
Hühnerfond im Glas Sollte in keinem Vorratsregal fehlen und eignet sich für Suppen, Soßen, Eintöpfe und zum Verfeinern von Risotto, Bratengerichten und Beilagen: der ungekühlt haltbare Hühnerfond im Glas von Ja! Natürlich. Verarbeitet werden die Wiesenhendl von Ja! Natürlich, was eine ganzheitliche Verwertung heimischer Biolebensmittel bedeutet. Ganz ohne Zusatz von Zucker, Konservierungsstoffe, Aromen und Geschmacksverstärker gibt es den Fond auch vom Fisch, vom Rind und – völlig pflanzlich – aus Gemüse.
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG VON JA! NATÜRLICH
»Drei Themen werden immer wichtiger werden: Bodengesundheit, Biodiversität und pflanzenbetonte Ernährung.« — Klaudia Atzmüller, Ja! Natürlich
BASICS & ESSENTIALS VON JA! NATÜRLICH
Roter Seewinkler Bio-Reis in 3 Sorten 2018 gelang es erstmals, den Seewinkler Bioreis in den drei Sorten zu ernten. Der rote Reis hat seinen Ursprung in Indien. Alle drei Sorten gedeihen in der pannonischen Klimazone der Nationalparkregion Neusiedler See-Seewinkel. Angebaut werden sie im klimaschonenden Trockenbau. Als Vollkornreis benötigen sie eine etwas längere Kochzeit. Er hat einen kräftigen Geschmack und eine feste, nie klebrige Konsistenz. Besonders gut passt er zu scharfen, kräftig gewürzten Speisen sowie kalt als Salat.
Grill-Hüftsteak vom Weidegenussrind
unserer Sicht kein nostalgischer Blick zurück, sondern die Antwort auf viele Herausforderungen der Zukunft. Bio und Regionalität gehen am besten zusammen. Aber ist es – Stichwort Ernteausfälle – nicht auch ein großes Risiko, dass Ja! Natürlich bei den allermeisten Produkten auf österreichische Bioqualität setzt? KonsumentInnen wollen wissen, woher ihr Essen kommt und wie es angebaut wurde. Mehr als 80 Prozent unserer Ja! Natürlich-Produkte kommen aus Österreich. Wenn eine Ernte in Österreich schlecht ausfällt, spüren wir das unmittelbar. Aber genau deshalb arbeiten wir seit Jahrzehnten mit langfristigen, verlässlichen Partnern und nicht von Saison zu Saison. Gerade in Zeiten des Klimawandels sind diese stabilen Beziehungen zu unseren Bäuerinnen und Bauern wichtiger denn je. Gemeinsam entwickeln wir neue Kulturen, begleiten Anbauversuche und investieren in widerstandsfähige Systeme.
Egal ob als Hüftsteak, Flanksteak (aus dem Bauchlappen), Rump, Rib-Eye oder Chucksteak, Flank Iron, T-Bone oder in saftige Streifen geschnitten oder als vormariniertes Minutensteak: Das Fleisch vom Weidegenussrind ermöglichst höchste Steakgenüsse ohne schlechtes Gewissen. Denn vor ihrer Schlachtung leben die Tiere artgemäß im Herdenverband, dürfen ganzjährig ins Freie und fressen vor allem Gras, Kräuter und Heu. Das macht ihr Fleisch besonders aromatisch.
Ernährungstrends kommen und gehen. Wie geht man als glaubwürdige Marke damit um, wenn plötzlich alle Welt die Longevity beschwört? Ich finde es gut, dass viele Menschen sich mit einem bewussten Lebensstil auseinandersetzen. Wenn es um Trends wie Longevity geht, geht’s oft recht schnell um Supplements, Infusionen oder generell den Lifestyle einzelner Superreicher. Wenn wir uns wissenschaftliche Erkenntnisse ansehen, beginnt Longevity aber auf dem Teller. Die Basis eines bewussten Lebensstils ist eine ausgewogene, nährstoffreiche, möglichst naturbelassene Ernährung, hochwertige Bioprodukte, viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn. Nahrungsergänzungsmittel können in bestimmten Lebenssituationen sicher sinnvoll sein, ersetzen aber nicht die Basis einer ausgewogenen Ernährung.
Tofu, geräuchert und in Salzlake
Über das Mikrobiom des Darms gibt es laufend neue Forschungserkenntnisse. Welche Bedeutung hat eine vielfältige biologische Ernährung aus Ihrer Sicht für unsere Gesundheit? Die Forschung bestätigt heute vieles, was die Biolandwirtschaft schon lange lebt. Unser Darm lebt von Vielfalt. Je abwechslungsreicher wir essen, desto vielfältiger entwickelt sich auch unser Mikrobiom. Besonders spannend ist, dass Studien zeigen, dass bereits rund 30 verschiedene pflanzliche Lebensmittel pro Woche die Vielfalt des Darmmikrobioms deutlich erhöhen können. Genau deshalb setzen wir auf eine große Auswahl an Gemüse, Hülsenfrüchten, Getreide, Obst und pflanzlichen Produkten. Es geht nicht um einzelne Superfoods, sondern um Vielfalt im Alltag. Bio schafft dafür eine besonders gute Grundlage, weil gesunde Böden und natürliche Produktionsweisen die Vielfalt bereits beim Mikrobiom im Lebensmittel beginnen lassen.
Das in Salzlake eingelegte Biotofu von Ja! Natürlich ist ein waschechter Wiener, denn die dafür verarbeiteten Sojabohnen stammen ausschließlich von Biobetrieben auf Wiener Stadtgebiet. Hochwertig und regional passiert auch das Räuchern mit Buchenholzspänen. Die Salzlake gibt dem Ferment eine intensive Würze, sodass es roh wie gebraten schmeckt. Besonderer Tipp: Mit rotem Zwiebel, Apfelessig, ein wenig Salz und Kernöl ist es ein leichtes, erfrischendes Sommergericht.
Wie entstehen bei Ja! Natürlich eigentlich Innovationen? Kommen da Biobetriebe mit neuartigen Ideen auf Sie zu oder animieren Sie Betriebe zu Feld- und Anbauversuchen? Immer im Austausch, es ist immer ein Miteinander. Manchmal kommen unsere Bäuerinnen und Bauern mit einer Idee auf uns zu, manchmal entsteht ein Projekt aus einer wissenschaftlichen Kooperation oder wir suchen gezielt nach Lösungen für aktuelle Herausforderungen. Wir probieren neue Kulturen aus, testen klimaresistente Sorten oder entwickeln gemeinsam mit landwirtschaftlichen Betrieben neue Produkte oder Produktionsweisen. Unser Bioreis aus dem Trockenanbau im Seewinkel oder unsere Edamame aus dem Weinviertel sind Beispiele dafür. Innovation bedeutet für uns nicht, einem Trend hinterherzulaufen, sondern gemeinsam Antworten auf Zukunftsfragen zu entwickeln.
»Innovation bedeutet für uns nicht, einem Trend hinterherzulaufen, sondern gemeinsam Antworten auf Zukunftsfragen zu entwickeln. Innovation ist immer ein Miteinander.« — Klaudia Atzmüller
unser Weiderindprojekt weiter ausgebaut. Viele Österreicherinnen und Österreicher wissen Bioqualität zu schätzen und möchten sich nicht mit weniger zufrieden geben. Laut unseren Befragungen kommen ein Drittel der KundInnen wegen Ja! Natürlich zu BILLA und BILLA PLUS. Und 80 Prozent der österreichischen KonsumentInnen geben an, regelmäßig Bioprodukte zu kaufen (laut Nielsen/GfK). Wenn Sie zehn Jahre nach vorne blicken: Welche Themen werden Bio und die Ernährung der Zukunft prägen? Und woran arbeitet Ja! Natürlich schon heute? Drei Themen werden immer wichtiger werden: Bodengesundheit, Biodiversität und pflanzenbetonte Ernährung. Der Klimawandel wird unsere Landwirtschaft weiter verändern. Deshalb investieren wir heute bereits in klimaresiliente Anbausysteme, vielfältige Fruchtfolgen und langfristige Partnerschaften mit unseren Biobetrieben.
BILDER REWE
Den typischen Biokunden bzw. die typische Biokundin gibt es kaum noch. Wie haben sich die Motive und das Einkaufsverhalten der Menschen zuletzt verändert? Vor 30 Jahren waren Biokäuferinnen und Biokäufer vor allem Überzeugungstäter. Heute ist Bio längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Motive sind vielfältiger geworden. Manche kaufen Bio wegen des Geschmacks, andere wegen ihrer Gesundheit, wieder andere wegen Tierwohl, Klimaschutz oder Biodiversität. Tierwohl genießt gesellschaftlich hohe Zustimmung, gleichzeitig entscheidet an der Kassa oft der Preis. Wie gelingt es, zwischen hohen Ansprüchen, Transparenz und tatsächlichem Kaufverhalten glaubwürdig zu bleiben? Bei BILLA ist Tierwohl keine Nische mehr. Der Bioanteil wächst weiter – wert- und mengenmäßig. Als Tierwohl-Pionier setzt Ja! Natürlich Standards, die deutlich über den gesetzlichen EU-Bio-Vorgaben liegen – wie striktes Anbindeverbot und ständiger Freilauf. Zudem haben wir unter anderem
Vielfalt im Boden schafft Vielfalt am Feld. Vielfalt am Feld ermöglicht Vielfalt am Teller. Und Vielfalt am Teller fördert ein vielfältiges Darmmikrobiom. Dafür steht Ja! Natürlich.
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Pflanzliche Proteine sind längst kein Nischenthema mehr. Deutschland steckt sogar in der »Tofu-Krise«, weil Tofu knapp wurde. Was hat Österreich hier besser gemacht? Österreich ist mittlerweile bereits der drittgrößte Sojaproduzent in der EU und hat einen Bioanteil von 36 Prozent. Wir haben bei Ja! Natürlich sehr früh begonnen, gemeinsam mit österreichischen Biobäuerinnen und Biobauern den Anbau von Soja und anderen Eiweißpflanzen aufzubauen. Unser Ja! Natürlich Biotofu aus Wien ist beispielsweise auf der Verpackung bis zum jeweiligen Bauern rückverfolgbar. Solche Projekte entstehen nicht innerhalb weniger Monate, sondern über viele Jahre. Gerade bei Bio braucht es Planungssicherheit.
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ERNÄHRUNG NEU DENKEN Carina Trafoier über ihre Arbeit zum Aufbau einer Food-Innovation-Community – mit dem Ziel eines, gesunden und nachhaltigen Ernährungssystems.
Carina Trafoier arbeitet bei der Wirtschaftsagentur Wien als Food-Expertin an Ernährungsinnovation und zukunftsfähigen Lebensmittelsystemen.
Gefördert Wiener Unternehmen wie Unverschwendet, Blün oder Revo Foods – alle nicht biozertifiziert – wurden von der Wirtschaftsagentur Wien gefördert und haben sich mittlerweile am Markt etabliert. Traditionsbetriebe wie Manner haben mit einer Förderung Innovationen wie ihre vertikale Produktion umgesetzt. wirtschaftsagentur.at
BIORAMA: Wie ist das Programm »Vienna Food Innovation« entstanden? CARINA TRAFOIER: Lebensmittel betreffen uns alle und sie wirken direkt auf unsere Umwelt, Gesellschaft und Gesundheit. Daher ist die Lebensmittelwirtschaft ein zentraler Hebel für eine nachhaltige und zukunftsfitte Stadt. Mit diesem Programm unterstützt die Wirtschaftsagentur Wien nun Unternehmen entlang der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette.
Wie wird Food Innovation hier definiert? Food Innovation verstehen wir als Teil einer Green Economy mit dem Ziel, im Alltag wie auch in der Wirtschaft anzukommen. Für Wien bedeutet das, innovative Vorhaben zu stärken, die zu einem resilienten, gesunden und nachhaltigen Ernährungssystem beitragen – ob aus Forschung, Industrie, Handel oder Gastronomie. Beispielhaft sind das etwa alternative Quellen für Proteine oder andere ressourcenintensive Rohstoffe, die Nutzung von Nebenströmen oder nachhaltige Verpackungs- und Distrubutionssystemen. Innovationen im Le-
bensmittelbereich leisten einen wichtigen Beitrag für Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung und Lebensqualität in der Stadt. Was fasziniert dich am Bereich Food? Mir liegt eine zukunftsfitte Ernährung extrem am Herzen, nicht nur, weil sie Spaß macht – immerhin essen wir alle gerne und gut –, sondern weil es da eben auch eine gesellschaftliche und umweltbezogene Verantwortung gibt. Ich bin seit 15 Jahren Vegetarierin und habe erlebt, wie sich nicht nur die gesellschaftliche Wahrnehmung von pflanzlicher Ernährung, sondern auch das Angebot dazu verändert hat. Die Auswahl im Supermarkt ist qualitativ enorm angestiegen und es gibt noch so viel Potenzial, wenn man schaut, was etwa durch Präzisionsfermentation hergestellt werden kann. Welche Rolle spielen dabei Nachhaltigkeit und auch Bio? Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sind für die Stadt Wien zentrale Themen. Gerade bei Produktinnovationen im Lebensmittelbe-
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INTERVIEW Martin Mühl
Poolbar Festival
Ein Schwerpunkt ist Vernetzung? Wir schaffen mit Community Events einen Rahmen für Austausch und Vernetzung für alle – von Startups über Wissenschaft bis zu etablierten Betrieben –, die Ernährung neu denken wollen. Dazu bieten wir individuelle Beratung sowie unser Format »Co-Creation Lab«, in dem passende PartnerInnen für konkrete Projekte zusammengebracht werden.
»Gerade im Lebensmittelbereich ist der Weg in den Markt oft herausfordernd – etwa bei Finanzierung, Marktreife oder KundInnenakzeptanz. Diese Entwicklungen brauchen Zeit, aber sie sind entscheidend.« — Carina Trafoier, Wirtschaftsagentur Wien Wird es auch monetäre Förderung geben? Die Wirtschaftsagentur Wien bietet bereits ein breites Förderangebot an, das auch Unternehmen aus dem Lebensmittelbereich offensteht. Wer Lebensmittel produziert, ist mit Förderungen wie »Produktion« oder »Innovatives Handwerk und Gewerbe« angesprochen. Projekte, die besonders Lösungen in der Lebensmitteltechnologie entwickeln, können sich über die Förderung »Innovation« informieren. Das Gründungsstipendium ist für alle, die die Gründung ihres innovativen Vorhabens gerade auf den Weg bringen.
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Apparat Babyshambles Cari Cari ClockClock Donots G Re e eN HVOB Jake Bugg José González Joss Stone Kevin Morby Kitty, Daisy & Lewis Mo o p M a m a Of Mice & Men Oliver Tree White Lies Xavier Rudd plus viele mehr
Altes Hallenbad + Reichenfeld, Feldkirch (AT)
reich ist der Weg in den Markt oft herausfordernd – etwa bei Finanzierung, Marktreife oder KundInnenakzeptanz. Diese Entwicklungen brauchen Zeit, aber sie sind entscheidend. Hier unterstützt die Wirtschaftsagentur mit Förderungen, Beratungen und Vernetzung, um nachhaltige Lösungen wirksam umzusetzen. Biologische Landwirtschaft ist aber aus meiner Sicht nur ein Baustein der notwendigen Transformation – nur das Zusammenspiel von Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette wird die nachhaltige Transformation des Ernährungssystems ermöglichen.
8. 7.–16. 8. 26
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Gefördert von Stadt Feldkirch, Land Vorarlberg und BMwkms.Kunst&Kultur. Stadt Hohenems (Poolbar Generator), AKM, SKE, Stiftung Guido Feger
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INNOVATIONSFEINDE MINDSET, REGULATION UND GELDMANGEL »Den ersten pflanzlichen Burger würde heute niemand mehr essen«, sagt Lia Carlucci, Geschäftsführerin des Food Campus Berlin.
Lia Carlucci hat Ernährungswissenschaften studiert und einen MBA mit Fokus auf Strategy, Innovation und Entrepreneurship. Sie hat unter anderem ein Startup für pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel gegründet und verkauft, bei der Marke Jägermeister Venture Capital verwaltet, bevor sie 2024 die Geschäftsführung des Food Campus Berlin übernommen hat. foodcampus.berlin
BIORAMA: Der Food Campus will die Transition zu einer nachhaltigeren Lebensmittelproduktion fördern. Woran fehlt es? LIA CARLUCCI: Seine Kernaufgabe ist, Innovation voranzubringen – und zwar positive, die zu einem umweltverträglicheren und gesünderen Lebensmittelsystem beitragen. Die Ernährungswende ist genauso relevant wie die Energiewende. Sie endet nicht an Stadt- oder Landesgrenzen. Wir haben mit dem »Unternehmertum« der Technischen Universität München und der Unternehmensberatung Institut für Innovation und Change Methodik (ebenfalls München), dem Swiss Food Valley (Lausanne) und dem Wiener AWS eine Ökosystemkarte veröffentlicht, in die wir kleine Unternehmen und Mittelständler einzeichnen, um jenen, die Kollaboration suchen, zu zeigen, wo es dazu Potenzial gibt. Wir sitzen in Berlin, aber wirken international.
Hat die Lebensmittelindustrie nicht ausreichend Interesse, innovative Ideen aufzugreifen und zur Marktreife zu bringen? Es existieren bereits viele Lösungen. Startups entwickeln Technologien, haben aber kaum
Kapital und Marktzugang. Konzerne und Mittelständler haben vielleicht die Möglichkeiten, aber mitunter die Ideen nicht. Die Verbindungen fehlen – der Campus soll ein physischer Ort sein, wo wir das zusammenbringen. Was fehlt konkret hierzu in Berlin und Deutschland? Es gibt Probleme auf drei Ebenen: Erstens das Mindset. In Gesprächen mit potenziellen Mietern für den Campus fragen mich deutsche Unternehmen oft ›Wer ist noch aus meiner Branche da?‹, weil sie Exklusivität haben wollen. Niederländische Unternehmen fragen das, weil sie zusammenarbeiten wollen. Zweitens leidet die Branche unter der Langsamkeit des regulatorischen Prozesses. Der ist undurchsichtig und kostenintensiv. Das dritte Problem betrifft die Finanzierung: Wir haben einen Growth Gap. Das bedeutet, Startups, die in Europa entwickeln, wachsen dann in den USA, weil sie dort das nötige Geld bekommen. Der Wert wird also hier generiert, die Wertschöpfung findet woanders statt. Zwischen 2020 und 2025 hat Deutschland 79 Millionen Euro in die Forschungsförderung von al-
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ternativen Proteinen investiert – das ist weniger als 1 Euro pro Kopf. Das reicht lange nicht. Also entweder die öffentliche Hand nimmt was in die Hand – oder man erleichtert die Investitionsmöglichkeiten. Positiv ist, dass die deutsche Bundesregierung alternative Proteinquellen in ihrer Hightech Agenda verankert hat und einen nationalen Innovationshub für biotechnologisch hergestellte Lebensmittel einrichten will. Mitunter stehen Innovationen Regulationen im Weg, mitunter Skepsis der KonsumentInnen. Ist beides berechtigt? Warum sind Cultivated Meat und Milch, die nicht aus Kuhställen kommt, nicht längst in unseren Supermärkten erhältlich? Die Novel-Food-Verordnung ist dazu da, dass wir sichere Lebensmittel haben – und tatsächlich haben wir in Europa die weltweit sichersten Lebensmittel. Doch der Zulassungsprozess ist für Unternehmen eine Herausforderung. Viele neue Zutaten und Produkte gibt es einfach nicht, weil die Unternehmen es sich nicht leisten können, sie auf den Markt zu bringen. Die großen Konzerne haben den langen Atem, aber als Startup ist es sehr schwierig, mit seinem Produkt jahrelange Prüfprozesse zu durchlaufen, bei denen man zu keinem Zeitpunkt weiß, wie lange es dauern wird und welche Anforderungen noch auf einen zukommen werden. Etwa weil man nach einem Jahr Warten erfährt, dass noch eine Studie nachzureichen ist. Sebastian Rackers, dem Gründer von Bluu Bioscience (Ein Unternehmen, das an zellkultiviertem Fisch arbeitet, Anm.), hat das einmal mit folgender Metapher zusammengefasst: »Wir bauen das Flugzeug, während wir es fliegen«. Das führt dazu, dass Innovation, die im DACH-Raum entwickelt wird, in Singapur oder in den USA auf den Markt kommt. Könnte man das besser organisieren? Die EFSA (Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit) ist hier zuständig. Es gibt Verbände (der Lebensmittelindustrie, Anm.), die sich engagieren, zum Beispiel die Verbände Cellular Agriculture Europe und Food Fermentation Europe – die könnte man in die Gestaltung der Prozesse einbinden und fragen, was es ihnen leichter machen würde. Wie kann man der Biobranche über die Schwelle helfen, Food Tech als Chance, nicht als Gefahr zu sehen? Die Biobranche war immer superinnovativ, das konnte und kann sie sein, weil dort nicht jeder alleine kämpft. Es gibt die Verbände (der Biolandwirtschaft, Anm.) – die müssen das Thema auf die Agenda bringen. Bio, vegan, proteinreich, fair gehandelt, regional, personalisiert oder clean – was macht Lebensmittel für
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Die Verordnung (EU) 2015/2283 regelt das Inverkehrbringen „neuartiger Lebensmittel“.
Wie neu ist neu? Die Novel-Food-Verordnung wurde zwar bereits mehrfach überarbeitet, als neu gilt allerdings bis heute, was nicht vor dem 15. Mai 1997 in »nennenswertem Umfang« in der EU für den menschlichen Verzehr verwendet wurde.
Wie geht das? Wenn ich die Ernährungsdaten einer Person sammle – was sie isst, welche Unverträglichkeiten sie hat, kann ich damit als Ernährungsexpertin viel machen, vorausgesetzt, die Informationen sind nicht zu lückenhaft – wir Menschen vergessen vieles von dem, was wir konsumieren. KI kommt überall da ins Spiel, wo es einerseits schon große Datenmengen gibt oder die künftig erfasst werden. Sie wird einerseits helfen, indem sie die Aufzeichnung einfacher macht, etwa wenn über Apps einfach fotografiert werden kann, was gegessen wird, statt alles einzeln händisch einzugeben. Andererseits, weil sie diese Informationen mit anderen kombinieren und auswerten kann – etwa denen eines Glucosetrackers am Arm oder eines Rings am Finger, der auch misst, wie gut man geschlafen hat. Wearable Tech ermöglicht vieles.
Von Startups aus welchen Bereichen werden wir demnächst viel hören? Erstens aus dem der KI entlang der ganzen Wertschöpfungskette. Die Lebensmittelbranche ist hier noch verhältnismäßig unbeackert. Eingesetzt werden kann sie von der Produktentwicklung bis zur Prognose von Konsumverhalten. Das Münchner Startup Delicious Data etwa berücksichtigt auch Wetter und Feiertage, um etwa der Gastronomie zu helfen, ihre Kapazitäten besser zu planen – das hilft letztlich auch, Lebensmittelabfall zu reduzieren. Zweitens Nebenstromveredelung: Das ungenutzte Potenzial von Rohstoffen wird mehr und mehr genutzt werden. Seien es Nusschalen oder Biertreber – alles, was derzeit als Abfall in der Lebensmittelproduktion anfällt, wird unter die Lupe genommen, wie es doch bestmöglich genutzt werden kann. Sie können vermutlich auch Vieles kosten – Was würden Sie Menschen mit traditionellem Speiseplan empfehlen, im Sinne der Planetary Health auszuprobieren? Verhaltensänderung funktioniert am besten, wenn sie nicht zu radikal ist. Ich möchte das Konzept »one meal a day« empfehlen: Sich eine Mahlzeit des Tages auszusuchen, bei der man versucht, etwas umzustellen – beim Frühstück oder beim Mittagessen für etwas Vertrautes zu schauen, was es an Alternativen gibt und sie auszuprobieren. Ich will eine Lanze für die Kategorie brechen. Für die von pflanzlichen Alternativen, oder, wie man früher sagte, Fleischersatzprodukten? Wir haben tierische Produkte über Jahrtausende perfektioniert. Viele Leute sagen, sie mögen Fleischalternativen nicht, haben aber kaum was probiert. Der erste pflanzliche Burger von Beyond Meat ist vor 17 Jahren auf den Markt gekommen. Den würde heute niemand mehr essen, weil enorme Innovation seit der ersten Generation von Fleischersatzprodukten stattgefunden hat. Nicht nur geschmacklich und ökologisch hat sich hier viel getan, sondern auch im Proteingehalt können diese mittlerweile mit tierischen Lebensmitteln mithalten.
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Novel Food
VerbraucherInnen der Zukunft wertvoll und als solche erkennbar? Wir haben hier mit regional oder clean ja auch sehr vage Begriffe dabei, das macht es schwierig für KonsumentInnen. Sie sind aufgeklärt und wollen nun wissen, wie ökologisch und sozial gerecht ihre Lebensmittel produziert werden. Die Technologien zur Rückverfolgbarkeit werden sich verbreiten, denn sie sind da. Und Vertrauen ist die Währung der Zukunft. Personalisierung ist auch kein kleiner Trend: Im Moment steht sie noch nur ein bis zwei Prozent der Bevölkerung zur Verfügung. Doch allein in Deutschland belaufen sich die gesundheitlichen Folgekosten schlechter Ernährung auf 16 Milliarden im Jahr. KI und Machine Learning ermöglichen es, personalisierte Ernährung zu demokratisieren.
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»Dass ich versuche zu helfen, wenn einer was braucht, ist nicht gut, sondern normal.« — Ute Bock, Vorbild
ALLERWELTSKÜCHE
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So wird an Wiens erster Adresse für Geflüchtete gekocht.
as im Ute-Bock-Haus in Wien-Favoriten auf die Tische kommt, hängt stark von der Weltpolitik ab. Denn das ehemalige »Gesellenheim Zohmanngasse« ist Zufluchtsort für AsylwerberInnen, nicht erst seit dessen frühere Leiterin, der Erzieherin Ute Bock, 2012 das Geld aufgestellt hatte, um das Gebäude zu diesem Vereinszweck zu erwerben. Außerdem ist es der Sitz des Vereins, der an unterschiedlichen Standorten im Ballungsraum Wien insgesamt über 300 AsylwerberInnen Wohnungen zur Verfügung stellt. 2018 ist Ute Bock verstorben, ihre unverzichtbare Arbeit wirkt weiter – und wird von anderen weitergeführt. Einblick in die gemeinsamen Mahlzeiten des Hauses als »Momentaufnahme des Sommers 2023« gibt es nun in dritter Auflage in 17 Rezepten von neun Bewohnerinnen und Bewohnern, in drei Schwierigkeitsgraden und von Salaten bis zu Getränken, inklusive kleinem Einmaleins der Küche – mit genau jenen Hinweisen, die AnfängerInnen wirklich brauchen können, die den meisten Einstiegskochbüchern
womöglich zu banal und daher keine Erwähnung wert sind. Wer jetzt nicht nur Bock auf Kochen hat, sondern auch darauf, mehr über die Geschichte zu erfahren, wie aus dem »Gesellenheim Zohmanngasse« ein Zufluchtsort für Menschen mit unterschiedlichsten Fluchtgeschichten wurde, findet mehr dazu – wie auch die Möglichkeit zur Unterstützung des Vereins – auf fraubock.at Maryna ist eine ukrainische Mutter von zwei Kindern. Sie hat sich das Kochen selbst mit Online-Videos beigebracht und kocht nun gerne für ihren Mann, ihre Mutter und ihre beiden Kinder. Ihre Tochter und sie lieben es, kleine Leckereien in ihre Lieblingsparks in Oberlaa oder in den Prater mitzubringen, um sie in der Sonne zu genießen. In Marynas Kindheit kochte ihre Mutter, die früher Köchin war, oft ihr absolutes Lieblingsgericht für sie: Okroschka. Dieses lecker erfrischende Rezept findest du auf Seite 24 des Buches »Bock auf Kochen«. Ihr folgendes Frühlings-Tschudu eignet sich besonders gut für den Park!
TEXT Irina Zelewitz
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REZEPT AUS:
MARYNAS FRÜHLINGS-TSCHUDU
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FLADENBROT GEFÜLLT MIT FRÜHLINGSZWIEBELN UND FRISCHKÄSE
ZUTATEN FÜR 2 PORTIONEN • 130 Gramm krümeliger Frischkäse • 2 Teelöffel Butter • 4 Frühlingszwiebeln
• 150 Gramm Mehl • 90 Milliliter Wasser • 2 Prisen Salz
UTENSILIEN • Messer und Schneidebrett • große Schüssel • kleiner Löffel • mittelgroße Pfanne • Nudelholz • Pfannenwender • kleine Schüssel
ZUBEREITUNG 1. Schmelze 2 TL Butter in der Pfanne bei mittlerer Hitze. 2. Hacke den grünen Teil der Frühlingszwiebeln in kleine Stücke. 3. Brate die Frühlingszwiebeln 3 Minuten lang in der Pfanne. 4. Mische die Frühlingszwiebeln und den Käse in einer kleinen Schüssel mit einem Löffel. 5. Gib 150 g Mehl, 2 Prisen Salz und 90 ml Wasser in eine große Schüssel und vermenge es mit den Händen. 6. Falls notwendig, füge langsam mehr Wasser hinzu, bis du einen Teigball formen kannst. Der Teig hat die richtige Konsistenz, wenn er nicht mehr an deinen Händen klebt, sich aber dennoch zu einem Ball formen lässt.
Dieses und ein weiteres Rezept aus »Bock auf Kochen« und Making-of-Material des Buches – wie auch die Links zum Shop des Vereins Ute Bock – Wohn- und Integrationsprojekt – gibt es unter
BIORAMA.EU/BOCK-AUF-KOCHEN
Wenn der Teig zu klebrig ist, füge etwas mehr Mehl hinzu. Es kann hilfreich sein, wenn dir jemand dabei zur Hand geht, damit der Teig nicht alles verklebt. 7. Teile den Teig in zwei gleich große Bälle. 8. Nimm den ersten Ball und drücke ihn mit deiner Hand flach. Verwende dann ein Nudelholz, um einen Kreis mit gleichmäßiger Dicke zu formen. Der Kreis muss nicht perfekt sein, aber es kann Spaß machen, es zu versuchen. 9. Verteile die Käsemischung auf der Hälfte des Kreises und lasse etwa 2 cm Platz am Rand. 10. Falte den Teig zu einem Halbkreis, bedecke die Käsemischung vollständig mit der leeren Teighälfte. 11. Verwende deine Finger, um die Ränder zu verschließen und das Tschudu flach zu drücken. Optional: Verwende einen Pizzaroller, um einen perfekten Rand zu erhalten. 12. Wiederhole die Schritte 8–11 mit dem zweiten Teigball. 13. Erhitze etwas Butter in der Pfanne bei mittlerer Hitze. Sobald die Butter geschmolzen ist, lege den Halbkreis aus Teig darauf. 14. Wenn der Teig goldbraun ist, nach 3–4 Minuten, verwende den Pfannenwender, um ihn umzudrehen. Wenn die zweite Seite goldbraun ist, nimm es vom Herd. Die Butter kann helfen, das Anhaften des Teigs an der Pfanne zu verhindern. Wenn deine Pfanne antihaftbeschichtet ist, brauchst du vielleicht gar keine Butter. Falls das Tschudu kleben bleibt, kannst du mehr Butter hinzufügen. 15. Während das Tschudu noch heiß ist, verteile ein wenig Butter darauf. 16. Wiederhole die Schritte 13–15 mit dem zweiten Teig. 17. Es schmeckt besonders gut, wenn der Käse noch heiß und geschmolzen ist – aber du kannst Tschudu auch gut zum Mitnehmen und Teilen einpacken! B ILD UTE BOCK FLÜ CHTLINGS PROJE KT
» BOCK AUF KOCHEN – DAS FAMILIENKOCHBUCH AUS DEM UTE BOCK HAUS« 3. Auflage, 2024, Ute Bock Flüchtlingsprojekt.
Tschudu, auf Ukrainisch, ist ein gefülltes Fladenbrot mit zahlreichen leckeren Variationen! Jede Familie hat ihre eigenen Lieblingsrezepte für den Teig. Auch die Füllung von Tschudu kann sich ändern, je nachdem, welches Gemüse gerade Saison hat – im Frühling sorgen frische Kräuter und Frühlingszwiebeln für eine schmackhafte Füllung.
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AUF KLEINEN FÜSSEN DIE STADT ERKUNDEN
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Tipps für kurze Stadterkundungen mit Kindern.
darauf hinweisen, dass die Gegenden, die pasast jede Stadt lässt sich am besten großteils siert werden, früher einmal Wälder und Wiesen zu Fuß erkunden. Entfernungen und Diwaren. Hinweise gibt es unter anderem auch zu mensionen werden erlebbar, Gerüche, GeThemen wie Tiere in der Stadt, Möglichkeiten, räusche und vieles andere werden so direkWasser und Flüsse in Wien zu entdecken, oder ter wahrgenommen. Gerade wer mit Kindern auch Müll und dessen Abtransport. unterwegs ist, stößt bei größeren GehdistanDie Spaziertouren in Berlin sind nicht ganz so zen mitunter schnell an Grenzen. Gesucht sind zentral gelegen … und bieten mehr Möglichkeialso Routen, die sinnvolle Ausschnitte der Stadt ten, auch das Grün der Stadt zu sehen. Es geht zeigen. Der Wiener Picus-Verlag hat mehrere hier in den Tiergarten, in den Zoologischen GarStädteführer im Programm, die, zugeschnitten ten oder auch zur Zitadelle und über die Pfauauf die junge Zielgruppe, etwas über die Städeninsel ins Strandbad Wannsee. Gelungen ist te und deren Geschichte erklären und kurze auch hier die Auswahl der wissenswerten ErTouren präsentieren, auf denen allerlei Wiszählungen und Details, die sich auf den Wegen sens- und Sehenswertes zu entdecken ist. Neerkunden lassen und deren historische Bedeuben Hamburg, Graz, München oder Salzburg tung. Die Illustrationen sind mit Geschmacksgibt es freilich auch Stadtführer für Wien und sache gut umschrieben. Neben weiteren Tipps Berlin, die regelmäßig in Neuauflagen überarabseits der vorgeschlagenen Touren bieten die beitet werden. Büchlein auch kleine Rätsel und Unterhaltung In Wien geht es auf sechs Touren durch die 4. Knut, Eiunterwegs. Die Formulierungen – für ein Pausen Innenstadt und damit in ersterKnautschke Linie durch ver- und etwa wenn es um das Holocaust-Denkmal in bautes Gebiet – auch wenn die Texte wiederholt Vom Bahnhof Zoo zum Breitscheidplatz Berlin geht – sind so gewählt, dass Eltern oder andere Begleitpersonen entscheiden können, wie viel Kontext sie den Kindern zumuten wollen. Die Anzahl der präsentierten Details und Hinweise ist größer, als es zu Beginn scheint. Und zu sehen und erleben gibt es in den Städten natürlich genug.
TEXT Martin Mühl
»BERLIN. STADTFÜHRER FÜR KINDER« Joscha Remus, 2025, Picus.
» WIEN. Stadtführer für Kinder« B. Höppler, S. Vogel, A. Potyka, 2023, Picus.
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Empfehlungen, Warnungen, warnende Empfehlungen. Von Neuentdeckungen und alten Perlen. Auf dass uns Weghören und -sehen vergeht.
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Nachgelesen für alle, die sich auf »eine andere Geschichte des 19. Jahrhunderts« auf 714 Seiten einlassen. Es ist es wert.
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Man stelle sich vor: Anstelle von Metternich (1815), der 1848er Revolution oder meinetwegen dem Attentat auf Franz Ferdinand (1914) würde man als Charakteristika des österreichischen 19. Jahrhunderts die Malerei Waldmüllers (1830er), die Cholera-Epidemie von 1873, die frühe Schwerindustrie entlang der Mur, die Donauregulierung bei Wien (1875) und die urbane Lebensreform-Bewegung des Fin de Siècle als Marker auswählen. Ungewöhnlich, aber argumentierbar, vorausgesetzt, man stellt nicht die »politische Geschichte«, sondern den Umgang mit Natur ins Schaufenster unseres Nachdenk-Kaufhauses. Genau diesen Weg geht Birgit Aschmann, ausgewiesene Expertin für das 19. Jahrhundert, mit ihrem lesenswerten Ziegel für Deutschland. Sechs Kapitel, sechs unterschiedliche Annäherungen an die Natur des 19. Jahrhunderts, von Casper D. Friedrich über die Rheinregulierung, vom Entstehen des Krupp-»Königreiches« bis zu »Fides«: Klug, unprätentiös und zugleich flüssig geschrieben, zeigt Aschmann deutlich auf, dass die Krise der Natur kein Kind des 20. Jahrhunderts ist. Was auch erstaunt, etwa bei der damaligen Angst vor der Cholera: wie sehr sich Protest und Widerstand, aber auch Befürwortungen in der Pandemie ab 2021 wiederholt haben. Große Empfehlung. HANS-CHRISTIAN HEINTSCHEL
Richtig angelegt oder umgestaltet, wird ein kleiner Schulgarten zum großen Möglichkeitsraum. Anregungen dafür liefert dieses Buch, das aktualisiert und erweitert neu aufgelegt wurde. Die HerausgeberInnen stammen aus dem Umfeld der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Dorothee Benkwitz lehrt am Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung. Hans-Joachim Lehnert und Karlheinz Köhler wirkten dort bis zum Ruhestand. Alle drei verstehen den Schulgarten als Reallabor, in dem sich Inhalte unterschiedlichster Schulfächer handfest durchnehmen lassen. Fast ein Viertel des Buchs ist einem gärtnerischen Grundkurs gewidmet. Danach geht es lösungsorientiert weiter. So gibt es Tipps, wie sich ohne eigenen Garten – oder etwa auf kontaminiertem Boden – gärtnern lässt, wie sich natürliche Kreisläufe erlebbar machen und Biotope anlegen lassen. Eine doppelseitige Tabelle macht praxisnahe Vorschläge, wie alle 17 Sustainable Development Goals im Schulgarten »mitgedacht« werden können. Beispielsweise gibt es ein Kapitel zum »Gärtnern zwischen den Ferien«. Projektbeispiele aus deutschen Schulen vermitteln, was möglich ist (oder wo man nachfragen könnte). Auch wird nachvollziehbar, warum Großbritanniens Royal Horticultural Society Schulgärten nur dann voll auszeichnet, wenn diese in ihre Gartenaktivitäten andere lokale Einrichtungen einbinden. Als Handbuch ist das Buch interessant für alle Orte gemeinsamen Lernens und Gärtnerns. THOMAS WEBER
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