Schmecke, rieche und staune, denn im SONNENTOR Erlebnis gibt es viel zu entdecken...
Erlebnis
Wo Kräuter zuhause sind!
BETRIEBSFÜHRUNGEN durch die du enden Kräuterhallen
GESCHÄFT mit krea ven Geschenkideen
BIO-GASTHAUS LEIBSPEIS'
WALD-REICH mit 19 Erlebnissen
Schon beim Eingang begrüßt dich ein unvergesslicher Kräuterduft. Bei einer Betriebsführung bekommst du spannende Einblicke in die Herstellung unserer bunten Produktkreationen und in die Geschichte des Unternehmens. In den vielfältigen Gärten entdeckst du, wo unsere Kräuter wachsen und wie nachhaltiges Leben im Einklang mit der Natur gelingt. Genieße österreichische Küche sowie vegetarische und vegane Gerichte im Bio-Gasthaus Leibspeis’. Für erholsame Nächte warten die Tiny-Häuser im Kräutergarten in Sprögnitz oder die Stadt-Lofts in Zwettl auf dich.
NATURGARTEN DER VIELFALT am Frei-Hof Bio-Bengelchen
SPIELGARTEN & WEG
ÜBERNACHTEN in den Land-Lo s & Stadt-Lo s
NEU AB SOMMER 2026: ALLES IM GRÜNEN – RUNDWEG Schri r Schri Natur erleben
WISSEN IST MÖGLICHKEIT
Respekt vor und Liebe zur Natur werden laufend durch neue Erkenntnisse über ihren direkten Nutzen für uns Menschen ergänzt. Unsere Wertschätzung von Naturräumen basiert auf Intuition, auf Erfahrung, auf Wertesystemen und auch auf Wissenschaft.
Wenn vielseitige Nutzung ohne Rücksicht auf Verluste –und womöglich ohne deren Kenntnis – passiert, ist der Schaden auf allen Seiten nur eine Frage der Zeit. Da ist es doch naheliegend, auch in den Überlegungen zu ihrer Nutzung nicht nur auf unsere eigenen Bedürfnisse und unser Gefühl für richtig und falsch, sondern auch auf bewährte soziale Werte und fundierte Daten zurückzugreifen. In vielen Fällen liegt das Wissen bereit, ohne genützt zu werden – mitunter muss es erst generiert, für einen bestimmten Anwendungsfall ergänzt oder durch Gespräche mit anderen ausgetauscht, nachgeschärft, verbreitet werden.
Das Bestechende daran: Noch gibt es erstaunlich große Spielräume dazu, mit kleinen Verhaltensänderungen oder mitunter auch einmal durch Verzicht beachtlichen langfristigen Mehrwert für alle rauszuholen.
Im Grünen lassen sich auch die Sinne schärfen – man kann hier ganz hervorragend zuhören und neugierig und offen für neue Wege bleiben.
HERAUSGEBER Thomas Weber CHEFREDAKTEURIN Irina Zelewitz AUTOREN Florian Jauk, Martin Mühl, Matthias Schickhofer, Thomas Weber GESTALTUNG Stefan Staller ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Thomas Weber DRUCK Walstead-Leykamdruck, Bickfordstraße 21, 7201 Neudörfl PRODUKTION & MEDIENINHABERIN Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Martin Mühl KONTAKT Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien; www.biorama.eu, redaktion@biorama.eu BANKVERBINDUNG Biorama GmbH, Bank Austria, IBAN AT44 12000 10005177968, BIC BKAUATWW ABONNEMENT biorama.eu/abo ERSCHEINUNGSWEISE BIORAMA NIEDERÖSTERREICH 2 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGSORT Wien.
BLATTLINIE BIORAMA ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für den Menschen und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. BIORAMA erscheint sechs Mal im Jahr. Zusätzlich erscheinen wechselnde BIORAMA-Line-Extentions.
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INHALT
03 Editorial
06 Street Talk
07 Hub an der Zaya
Der Austrian World Summit Solutions Hub wurde umgebaut.
11 Am Pfandautomaten … … Was passiert, wenn du dich für »spenden« entscheidest. Ein Beispiel aus dem Rewe-System.
NATIONALPARK KAMPWALD
Er ist politisch gewollt, für viele NaturschützerInnen aber zu klein gedacht. Wo das Projekt steht.
12 NACHGESEHEN
Vor knapp zehn Jahren hat das Stift Altenburg in seinen Wald geladen, um zu zeigen, wie er nachhaltig bewirtschaftet wird. Wie steht es um den klösterlichen Wald heute?
12 »Kampwald«
Making-of eines Nationalparks. Wo das Projekt steht – und woran es scheitern könnte.
16 Zurück im Vorzeigewald
Wie steht es um den klösterlichen Wald heute?
20 Bin dafür, aber … Helga Krismer im Gespräch zum verhaltenen grünen Einsatz für den dritten niederösterreichischen Nationalpark.
22 Nutzungskonflikte im Naherholungsgebiet
Braucht es Exektutivgewalt, damit wir uns in der Natur benehmen?
24 Vogelschutz
NaturschützerInnen und LandwirtInnen arbeiten zusammen am Schutz von Bodenbrütern.
26 Wo der Fuchsbandwurm zu Hause ist Ist besondere Vorsicht geboten?
MARKTPLATZ
28 Marktplatz Drinks
KOLUMNEN
31 Aus dem Verlag
34 Hintaus
VOGELSCHUTZ – VERGLEICHSWEISE EINFACH
Mit der Initiative »Gemeinsam für den Kiebitz« erproben NaturschützerInnen und LandwirtInnen koordinierte Schutzmaßnahmen.
FUCHSBANDWURM
In manchen Gegenden Niederösterreichs trägt ihn jeder zweite Fuchs.
BUBBLES OHNE
7 x sprudelt die regionale Experimentierfreude im Marktplatz Drinks.
Ein Ort,so einzigartig wie kostbar.
Klösterliche Zeitreise vom Mittelalter zum Barock
Erfahren Sie alles über Kulturangebote sowie exklusive Erlebnisse für Gruppen und Individualgäste wie auch zu Seminaren, Nächtigungen und Vermietungen unter: stift-altenburg.at
»WAS MACHST DU
PEN-
THOMAS
37, Tontechniker
INTERVIEW UND BILD
HANNAH FUCHS, FRANZISKA STOCKHAMMER UND THOMAS WEBER
ADI
59, Musikschullehrer
Eigentlich mache ich immer dasselbe: Ich bereite Dinge für meine Arbeit vor, weil es im Zug immer recht angenehm ist und man sich sonst um nichts kümmern muss. Mit dem Auto würde ich niemals fahren, ich bin durch und durch Pendler.
Ich mache im Zug eigentlich immer dasselbe: Ich höre Musik, Rockmusik!, und lese Nachrichten.
BEATRIX
45, Musikerin
Ich bin gerade auf dem Weg zur Bandprobe und höre dabei – wie immer – ganz bewusst Musik, um mich einzustimmen; meistens Jazz oder Blues.
CLEMENS
29, Meteorologe
Als Meteorologe am Flughafen Wien-Schwechat habe ich unregelmäßige Arbeitszeiten. Ich komme gerade aus dem Nachtdienst und bin unterwegs nach Hause Richtung St. Pölten. Fast immer höre ich unterwegs Musik, meistens Radio Wien oder irgendwas, das mir gefällt. Ich genieße die Zeit, manchmal döse ich, manchmal schau ich aus dem Fenster und denke mir, wie wenig der Zugverkehr eigentlich vom Wetter betroffen ist – im Gegensatz zu Flugzeugen.
HUB AN DER ZAYA
Monika Langthalers Hof in Aspern a. d. Zaya wird umgebaut und soll künftig auch Platz für Unternehmen bieten.
In Aspern an der Zaya, einer kleinen Gemeinde in Niederösterreich mit 1936 EinwohnerInnen, mag man nicht unbedingt einen Hotspot für Klimaschutz-Networking vermuten. Seit 2023 befindet sich hier allerdings der Austrian World Summit (AWS) Solutions Hub. Er ist Teil des Austrian World Summit, einer seit 2017 in Wien stattfindenden Klimaschutzkonferenz, die von der Schwarzenegger Climate Initiative organisiert wird. Hinter Idee und Umsetzung des World Summit steht die ehemalige Grünpolitikerin Monika Langthaler mit ihrem Beratungsunternehmen Brainbows. Das Ziel der Veranstaltung, Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zusammenzubringen, sollte nun auch im ländlichen Raum einen fixen Ort bekommen. Das Areal des Solutions Hubs – ein ehemaliger Gutshof, auf dessen Dach sich heute 297 Photovoltaikpaneele befinden – wurde zuvor für Kulturprojekte genutzt und hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Derzeit wird er wieder umgebaut, um Büro- und Arbeitsplätze für Unternehmen, Start-ups und Organisationen, die sich mit zukunftsorientierten Themen beschäftigen, zu ermöglichen. Er soll Raum der Vernetzung im Klima- und Umweltbereich mit niederschwelliger Atmosphäre sein. Eigentlich sind aber alle willkommen, heißt es vonseiten des Solutions Hubs. Der dortige Kommunikationsverantwortliche Daniel Böhm erklärt: »Entscheidend ist für uns weniger das konkrete Tätigkeitsfeld als viel-
mehr die Offenheit, sich in ein Netzwerk einzubringen, Wissen zu teilen und gemeinsam neue Ansätze zu entwickeln.«
Geplant sind nun zwei Büroeinheiten sowie ein neuer Veranstaltungssaal im ehemaligen Getreidespeicher für Events mit bis zu 100 Personen. Eine Büroeinheit bietet Platz für vier, die zweite für fünf bis acht Arbeitsplätze. Geboten werden moderne Arbeitsinfrastruktur, Veranstaltungsflächen, Austauschformate sowie laut Böhm »Zugang zu einem aktiven Klimaschutz-Netzwerk«. Den Fokus legt man also nicht auf klassisches Coworking, sondern auf ein »Arbeitsumfeld mit klarer inhaltlicher Ausrichtung auf Klima und Nachhaltigkeit«, gleichzeitig richtet sich das Angebot aber auch an alle Unternehmen und AkteurInnen, die »Teil eines inspirierenden und zukunftsorientierten Umfelds sein möchten.«
Besonders der ländliche Raum profitiere von Treffpunkten, um Menschen zusammenzubringen und Impulse zu setzen, ist man sich beim Solutions Hub sicher: »Darauf aufbauend braucht es aktive Vernetzung zwischen lokalen AkteurInnen sowie starke Ankerinstitutionen, die Kontinuität schaffen. Sichtbare Pilotprojekte machen Klima- und Umweltschutz greifbar und zeigen konkrete Lösungen auf. Entscheidend ist, die Menschen vor Ort einzubinden und spürbare Mehrwerte für die Region zu schaffen.«
TEXT
Barbara Fohringer
Klimaschutz mit Arnie
Arnold Schwarzenegger eröffnete den Austrian World Summit Solutions Hub am 17. Mai 2023.
AUSTRIAN WORLD SUMMIT
Am 16. Juni 2026 findet der Austrian World Summit zum zehnten Mal in der Hofburg statt.
austrianworldsummit.com
Faszinierende Edelstein- und Tierwelten
Die aktuelle Staffel des »Kultur4Kids«-Podcasts lädt kindgerecht dazu ein, das Schmidatal zu entdecken. Ab Juni widmen sich fünf Folgen der Niederösterreichischen Landesausstellung im Landesklinikum Mauer.
Was verbirgt sich im Krahuletzmuseum Eggenburg? Und für welche Funde ist Johann Krahuletz berühmt? Die erste Staffel des Jahres beginnt mit besonderen tierischen Fossilien, die Sophie Berger, die Moderatorin des Podcasts, entdecken darf. Dabei geht sie der Frage nach, wie es eigentlich sein kann, dass hier in Niederösterreich Fossilien von einem Krokodil und einer Seekuh gefunden werden konnten. Von weiteren Besonderheiten erzählt Susanne Stökl, die Direktorin des Museums, im Interview auf der folgenden Seite. Neben diesen spannenden Fundstücken lernt Sophie auch faszinierende – lebendige – Tiere kennen: In der dritten Folge des »Kultur4Kids«-Podcasts – »Hoch zu Ross« – begegnen wir weißen Pferden, den Lipizzan-
Eine Folge des »Kultur4Kids«-Podcasts führt zum Edelsteinsuchen in die Amethystwelt nach Maissau.
erhengsten am Heldenberg. Lipizzaner sind jene weltberühmten weißen Pferde, die einst dem Kaiserhaus gehörten und mit ihrer Eleganz, Anmut und Dressur auch heute noch aus aller Welt nach Wien gekommene Besucherinnen und Besucher der Spanischen Hofreitschule begeistern. Hier am Heldenberg, dem Trainingszentrum der Spanischen Hofreitschule, werden die jungen Pferde ausgebildet und zwischendurch zur Erholung hergebracht. Tierisch wird es auch in der vierten Folge dieser Staffel: Sophie geht dem Geheimnis der Kellerkatzen nach, beim Kellerkatzenweg in Hollabrunn. Hier erfährt sie nicht nur, was es mit den Kellerkatzen auf sich hat, sondern auch spannende Geschichten rund um den Weinbau in dieser Region.
Die aktuelle Staffel des beliebten »Kultur4Kids«-Podcasts widmet sich dem umfangreichen Kulturangebot »Im Schmidatal«, einer kleinen Region im westlichen Weinviertel, direkt an der Grenze zum Waldviertel. Ab 5. Juni folgen wöchentlich die fünf Folgen der zweiten Staffel des Jahres, die sich mit der Niederösterreichischen Landesausstellung 2026 im Landesklinikum Mauer und den Umfeldprojekten beschäftigen. Bereits seit 2021 bringt die Kunst- und Kulturabteilung des Landes Niederösterreich mit dem Podcast Kindern die kulturellen Schätze des Bundeslandes näher: spielerisch, abenteuerlich, kindgerecht erzählt von Sophie Berger und Robert Steiner. Der Podcast (alle Folgen sind dauerhaft hörbar) zeigt auf, was Familien beim Besuch der jeweiligen Einrichtungen erleben können. In einer der Stationen und Folgen der Frühjahrsstaffel begibt sich die Moderatorin »Auf Edelsteinsuche« in die Amethystwelt in Maissau. Dort wurde über einer der weltweit größten Amethyst-Adern ein begehbarer unterirdischer Schaustollen, eine Erlebniswelt rund um den mystischen violetten Quarz-Edelstein und viele neue Attraktionen geschaffen. Speziell in den Sommermonaten ist in der Amethystwelt beim Goldwaschen, Edelsteinsuchen oder Plantschen, Aufstauen und Pumpen am Wasserspielplatz viel los. »Wäh-
Im Sommer ist es im begehbaren Schaustollen der Amethystwelt auch angenehm kühl.
rend der Sommermonate ist die Amethystwelt ein beliebter Ort für Großeltern mit ihren Enkelkindern, die die Kinderbetreuung übernehmen dürfen«, sagt Irene Tutschek, Marketingleiterin der Erlebniswelt. Auch wechselnde Ausstellungen laden zum Immer-wieder-Besuchen ein: bis Ende 2027 eine Schau der mysteriösen »Kristallschädel«, in der weltweit erstmals 30 solcher Kunstwerke aus aller Welt zu sehen sind. Vorfreude aufs Goldschürfen und Stöbern nach Steinen weckt die »Kultur4Kids«-Folge »Auf Edelsteinsuche«.
KULTUR4KIDS IM SOMMER 2026
Zum 20-Jahr-Jubiläum bringt der Märchensommer Niederösterreich »Aschenputtel – neu getanzt« auf die Bühne von Schloss Poysbrunn.
2161 Poysbrunn; von 9. Juli bis 30. August maerchensommer.at
In »Ritter Rüdiger – die Zeitreise 1«, einem Musical aus der Feder von Toni Knittel (Bluatschink), verschlägt es den Schüler Alexander bei einer Burgführung auf eine Zeitreise ins Jahr 1376. Bedrohlich sind nicht nur Drachen und finstere Zauberer, sondern auch der sich leerende Akku von Alexanders Handy, ohne das er nicht mehr zurück ins Jahr 2026 kam. Und Steckdosen gab es nicht vor 650 Jahren auf Burg Reinsberg.
3264 Reinsberg; von 31. Juli bis 9. August kulturdorf.reinsberg.at
Mit »Mutkugel und Rasselball« (18. Juli) und »Malen mit Erdfarben« (26. August) gibt es im Kunstmuseum Waldviertel zwei neue Kinder-Kreativ-Kurse des Kunstmuseums Waldviertel. Am 29. August außerdem: »Familien Malen im Skulpturenpark«.
3943 Schrems daskunstmuseum.at
Als Kinderbuch längst ein Klassiker, kommt das »NEINhorn« von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn nun als interaktive Ausstellung für die ganze Familie ins Karikaturmuseum Krems. Neben Illustrationen, Skizzen und Entwürfen gibt es Mitmach-Stationen wie das »Schleiterspiel« oder den »Turm der KönigsDOCHter«. 3500 Krems; ab 18. Juli (bis 30. Juni 2027) kunstmeile.at
Mit der Studiobühne Theo gastieren »Meister Eder und sein Pumuckl« in Perchtoldsdorf. Unter der Regie von Julia Faßhuber und Holger Schober wird der freche Kobold ganz im Geiste seiner Schöpferin Ellis Kaut in die Gegenwart geholt.
2380 Perchtoldsdorf; 7. August bis 4. Oktober, jeweils Freitag, Samstag und Sonntag um 16:30 Uhr theaterort.at
Weitere Tipps: kultur4kids.at/kulturkompass
Fossilien, Märchen, Abenteuer
Mit der Ausstellung »Märchen, Mythen und Legenden« widmet sich das Krahuletzmuseum uralten Motiven, die auch in modernen Anime weiterleben.
Was funktioniert am besten, um Kinder wirklich zu erreichen und für Geologie, Paläontologie und regionale Landschaftsgeschichte zu begeistern – eher das Anfassen, das Erzählen oder das eigene Entdecken?
Susanne Stökl: Das Anfassen und eigene Entdecken hat einen besonderen Reiz. Bei uns kann man Objekte wie Mammutstoßzähne angreifen. Wir haben im Jahr zwischen 600 und 800 Kinder im Museum, für sie sind auch die Probierstationen und das Untersuchen von Mineralien unterm Mikroskop immer besonders spannend. Am beliebtesten ist das Fossiliensuchen, das Festigen und Waschen.
Die Sonderausstellung »Märchen, Mythen und Legenden« bringt Bilder und Bronzen von Drachen, Einhörnern und Amazonen aus dem Jugendstil nach Eggenburg. Was erzählen diese Kunstwerke heutigen Kindern? Für sich alleine erzählen die Jugendstil-Bronzen vielleicht am wenigsten, aber die Geschichten, die hinter ihnen stecken, sind universelle Menschheitsmotive, die aus der Antike bis in die heutige Zeit Bedeutung haben. Ich sehe das an meiner 15-jährigen Tochter, die ein großer Fan japanischer Anime ist. In diesen Geschichten kämpfen Licht gegen Dunkelheit, Menschen gegen Monster und Zwischenwesen. Offensichtlich stecken diese Motive in uns Menschen.
Kann Kleinheit für ein Museum auch eine Stärke sein?
Sie hat einige Vorteile. Wir sind ein kleines Team, unsere Strukturen sind sehr egalitär. So lassen sich schnell Projekte umsetzen. Auch ist die Hemmschwelle, Neues auszuprobieren, recht niedrig. Manches kann binnen weniger Wochen umgesetzt werden. Mit Begeisterung lässt sich viel Finanzielles ausgleichen!
2025 feierte das Krahuletzmuseum sein 125-Jahr-Jubiläum. Wie ist denn der Museumsgründer Johann Krahuletz (1848–1928) heute noch im Haus präsent?
Ein guter Teil der Sammlung – vielleicht 50 Prozent – stammt ja von ihm, auch einige der Highlights wie das fossile Krokodil. Zuletzt taucht Krahuletz auch in einem unserer Computerspiele auf, da durchwandert er als Avatar Welten.
Viele Ihrer frühen erdkundlichen Exponate wurden entdeckt, weil sie beim Ackern und beim Bau der Franz-Josefs-Bahn ans Licht kamen. Passiert das heute auch noch?
Susanne
Stökl, Direktorin des Krahuletzmuseums in Eggenburg.
Beim Ackern inzwischen seltener, weil seit den 1950er-Jahren durch das Tiefenackern viele potenzielle Exponate zerstört oder kleinteilig zerscherbt wurden. Bei großen Bahn- und Bauprojekten gibt es aber immer eine archäologische Begleitung. Da kommen zum Teil wirklich tolle Funde zutage und die Stücke dann teilweise auch zu uns in die Sammlung.
krahuletzmuseum.at
LIEBER SPENDEN?
Was passiert mit dem Geld, wenn du am Pfandautomaten für die Natur spendest? Ein Beispiel.
Die Wasserbüffel für das Projekt »Wilde Weiden Weinviertel« stammen aus dem Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel. Im Bild Nationaparkdirektor Johannes Ehrenfeldner, Robert Nagele (Vorstand Billa AG und Blühendes Österreich), Alexander Ernst (Regionalentwicklungsverein Leiser Berge), Eric Scharnitz (Vertriebsdirektor Billa AG).
Seit Jänner 2025 gibt es in Österreich ein Pfandsystem für alle geschlossenen Getränkeverpackungen aus Kunststoff oder Metall mit einer Füllmenge von 0,1 bis drei Litern: Für sie muss Pfand in der Höhe von 25 Cent bezahlt werden. Seit April 2025 setzt man in rund 900 Billa- und Billa-Plus-Märkten auf die Initiative »Dein Pfand fürs Land«. Die KundInnen können ihren Pfand spenden. Seither wurden so 392.000 Euro gesammelt. Das Geld kommt zur Gänze Projekten der seit 2015 bestehenden Billa-Privatstiftung »Blühendes Österreich« zugute, die sich für Naturschutz und Biodiversität in Österreich starkmacht. Infos zur Spendemöglichkeit erhalten die KundInnen auf dem Display der Pfandautomaten; zusätzlich sind dort »Wobbler« angebracht, die über die Spende informieren.
WILDE WEIDEN
Mit »Dein Pfand fürs Land« werden verschiedene Projekte unterstützt – etwa »Wilde Weiden Weinviertel«: Ohne die Pfandspenden wäre dieses Projekt wie viele andere zumindest in ihrer heutigen Größenordnung nicht realisierbar, betont Maria Duda, Kommunikationsverantwortliche bei Blühendes Österreich. Generell gelte: »Diese Art der Unterstützung gibt Projekten den nötigen Rückenwind, motiviert die Beteiligten und bringt Vorhaben überhaupt erst ins Rollen.« Zudem fungierten
die Pfandspenden oft als »Startbudget«, das es den Teams ermögliche, weitere Fördermittel zu akquirieren und Projekte zu skalieren. Die Pfandspenden ermöglichen den Aufbau eines landwirtschaftlichen Betriebs im Weinviertel, inklusive Beweidungsinfrastruktur und Personal.
Das Projekt läuft seit 2025 und noch bis 2028 und unterstützt den Regionalentwicklungsverein Leiser Berge. Dieser möchte die artenreichen Lebensräume des Weinviertels »durch Beweidung neu erblühen lassen und die Rückkehr ungezähmter Natur ermöglichen«. An der Umsetzung dieser lyrischen Ziele wird konkret durch Wiederherstellung von Trocken- und Feuchtlebensräumen, offene Steppenlandschaften sowie lichte Wälder als Weideflächen gearbeitet. Dabei helfen Schafe, Rinder, Konikpferde, Esel und Wasserbüffel als »natürliche Landschaftsgestalter«, wie es Blühendes Österreich formuliert. Die Wasserbüffel für das Projekt stammen übrigens aus dem Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel.
Derzeit beweiden die Tiere rund 110 Hektar, langfristig ist eine schrittweise Erweiterung auf bis zu 250 Hektar vorgesehen. Naturnahe Weidelandschaften dienen dem Klimaschutz, denn dank dieser kann Kohlenstoff im Boden gespeichert und Wasser in der Landschaft gehalten werden. Das stärkt die Ökosysteme auch bei Extremwettereignissen.
TEXT
Barbara Fohringer
Projekt ›Wilde Weiden Weinviertel‹
Das Gesamtvolumen des Projekts beläuft sich auf knapp 2 Millionen Euro. Blühendes Österreich steuert davon rund 400.000 bei. bluehendesoesterreich.at
TEXT
Thomas Weber
»KAMPWALD«
Making-of eines Nationalparks. Wo das Projekt steht –und woran es scheitern könnte.
»Ich spüre einen großen Willen in der Region«, sagt Ludwig Schleritzko. Bis vergangenen September war der Waldviertler in Niederösterreich als Landesrat unter anderem für Finanzen verantwortlich. Davor hatte er sich als Direktor des Nationalparks Thayatal und Regionalentwickler im nördlichen Weinviertel verdient gemacht. Seit Herbst ist er Manager eines zum Raiffeisenkonzern gehörenden Versicherungsunternehmens, werkt wochentags in Wien. Seine letzte große regionalpolitische Idee – die Errichtung eines neuen Nationalparks im Kampwald auf dem Gebiet der Böhmischen Masse – bleibt er auch in neuer Funktion und als Wochenpendler verschrieben. Auch wenn von offizieller Landes-Seite nun Stephan Pernkopf das Nationalparkprojekt vertritt. Als Stellvertreter der Landeshauptfrau und langjähriger Umweltlandesrat war er von Anfang an in der Sache engagiert. »Damit sollen positive Impulse für die Region gesetzt werden«, sagt Pernkopf. Es sollen alle profitieren: »die Natur und die Menschen, die Wirtschaft und der Tourismus, immer unter Einbindung der Gemeinden und Grundeigentümer«.
Der »Kampwald« – so der Arbeitstitel – wäre der dritte Nationalpark in Niederösterreich. Jener in den Donau-Auen wurde im Jahr 1996 ge-
gründet – nach der historischen Aubesetzung zur Verhinderung des Kraftwerkbaus in Hainburg, blutigen Ausschreitungen und einem von Konrad Lorenz sowie der damals mächtigen Kronen Zeitung unterstützten Volksbegehren. Er reicht vom Wiener Stadtgebiet (Lobau) bis kurz vor die slowakische Staatsgrenze bei Bratislava. Jener im Thayatal, der als grenzüberschreitendes Schutzgebiet direkt an den Naturraum des tschechischen Narodní park Podyjí grenzt, entstand im Jahr 2000.
KONSTRUKTIVE KRITIK FINDET GEHÖR.
Ursprünglich sollte der neue Nationalpark nur auf den an den Kamptalstauseen gelegenen Flächen der Windhag-Stiftung (Gut Ottenstein) und den angrenzenden, bereits deutlich naturnäheren Wäldern des Guts Jaidhof errichtet werden. Die militärische Nutzung des nördlich angrenzenden Truppenübungsplatzes Allentsteig werden seitens der InitiatorInnen zwar nicht infrage gestellt, als wertvolles naturnahes Biotop und Vogelschutzgebiet wird er aber naturräumlich in die Planungsarbeiten miteinbezogen. Aus Mitteln ihres Biodiversitätsfonds stellte die Republik bereits 7 Millionen Euro zur Verfügung. »Damit werden derzeit konkrete Kartierungen und Managementpläne ausgearbeitet und vor allem das Herzstück des künftigen Natio -
nalparks, das Dobratal, geschützt und die Außernutzungstellung von Flächen auf Basis von aktuellen Verkehrswert-Gutachten entschädigt«, sagt Stephan Pernkopf. Eine entsprechende Verordnung für das Schutzgebiet Dobratal wird gerade vorbereitet. Naturschutzorganisationen standen der Nationalparkidee von Anfang an positiv gegenüber, kritisierten allerdings, dass vor allem Flächen der Windhag-Stiftung zum Schutzgebiet und entschädigt werden sollen. Als Finanzlandesrat wusste Schleritzko naturgemäß um die finanziell angespannte Situation der Stiftung. Zudem, so die Kritik, seien die angedachten Flächen von rund 4000 Hektar zu klein, um von der Weltnaturschutzbehörde (IUCN) auch offiziell als Nationalpark anerkannt zu werden. »Wir begrüßen natürlich jede neue Naturschutzfläche«, sagt Thomas Wrbka, Präsident des Naturschutzbunds. »Bei Nationalparks positionieren wir uns aber vehement gegen jede Verwässerung der Nationalpark-Kriterien. Niederösterreich hat ja ein Nationalparkgesetz, das die Anerkennung der IUCN-Standards für Nationalparks festlegt«, so der pensionierte Botaniker und Biodiversitätsforscher. Die Windhag’schen Flächen zu renaturieren, berge großes Potenzial für Naturschutz und auch für Beweidung, so Wrbka. »Gleichzeitig wäre es absurd, in einem Nationalpark nicht die nahegelegenen naturschutzfachlich hochwertigen Wälder im Kamptal zu berücksichtigen.«
DIE IDEE: »KAMPTAL« STATT »KAMPWALD«
Waren Schleritzko, Pernkopf und das mit der Projektentwicklung betraute private Büro Knoll Consulting anfangs nicht von der Idee begeistert, weitere Flächen mit in die Projektplanung einzubeziehen, schwenkte die Politik zuletzt um. Die Vorschläge der »Plattform Nationalpark Kamptal« finden Gehör. Die lose Vereinigung einiger Naturschutz-NGOs sieht
»Alle
österreichischen Bundesländer haben sich immer dazu
bekannt, dass in Österreich nur zum
Nationalpark wird, was inhaltlich und fachlich auch den
IUCN-Kategorien entspricht.«
vor, auch besonders artenreiche Steilhangflächen, deren Bewirtschaftung ohnehin unrentabel ist, in den Nationalpark einzubetten. Einige der von der Plattform vorgeschlagenen Waldflächen stufen ExpertInnen als urwaldähnlich ein. Sogar einige Urwaldreste sollen im Kamptal überdauert haben – und als Teil eines Nationalparks dauerhaft geschützt werden. Sie befinden sich im Eigentum unterschiedlicher privater GrundbesitzerInnen.
Die neue Strategie ist es offensichtlich, diese konstruktiven KritikerInnen zu umarmen. Vor allem Tom Hansmann, Jurist und Leiter der Niederösterreichischen Umweltanwaltschaft, bemüht sich aktiv darum. »Ich sehe meine Aufgabe darin, die NGOs in dieses Projekt einzubinden, weil da alle an einem Strang ziehen und das Projekt mit der IUCN entwickeln müssen«, sagt er. Deshalb spreche er mit allen großen NGOs, etwa dem WWF, dem Naturschutzbund, Lanius, den Dachverbänden, Global 2000, Birdlife, den Dachverbänden und auch der Umweltund Energieagentur des Landes (Enu). »Strategie ist es, weit aufzumachen. Wer einbezogen sein möchte, kann dazustoßen«, sagt Hansmann.
KNOWHOW UND HERZBLUT FÜRS WALDVIERTEL
Ausschlaggebend für diesen Schwenk ist wohl auch die Einschätzung eines vormals mächtigen Bundesbeamten: Günter Liebel. Der ehemalige Generalsekretär des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft betreute im Laufe seiner vier Jahrzehnte währenden Beamtenkarriere alle sechs erfolgreichen österreichischen Nationalparks als Verhandlungsführer seitens der Republik. Mit seinem Knowhow und seinen auch internationalen Kontakten hatte der
— Günter Liebel, pensionierter Spitzenbeamter ProponentInnenkomitee für den Nationalpark »Kampwald« Angeführt vom pensionierten Beamten Günter Liebel; umfasst Bezirkshauptleute, BürgermeisterInnen und lokale MeinungsbildnerInnen wie den TÜPL-Informationsoffizier Julius Schlapschy oder die Gesundheitsmanagerin Elisabeth Klang.
»Die Windhag’schen Flächen zu renaturieren, birgt großes Potenzial für Naturschutz. Gleichzeitig wäre es absurd, in einem
Nationalpark
nicht die nahegelegenen naturschutzfachlich hochwertigen Wälder im Kamptal zu berücksichtigen.«
— Thomas Wrbka, Präsident des Naturschutzbunds
IUCN
Die International Union for Conservation of Nature (deutsch: Internationale Union zur Bewahrung der Natur) definiert internationale Standards und Kategorien für Schutzgebiete.
damalige Landesrat Schleritzko den nach seiner Pensionierung in seine Waldviertler Heimatstadt Zwettl zurückgekehrten Spitzenbeamten gebeten, ein Personenkomitee für das Nationalparkprojekt »Kampwald« anzuführen. Es umfasst vor allem VertreterInnen der Region. Günter Liebel dürfte den federführend Beteiligten klargemacht haben, dass für den ersten Waldviertler Nationalpark ohne weitläufigere Schutzgebiete mit keiner offiziellen Anerkennung durch die Weltnaturschutzbehörde zu rechnen sei. Zwar gibt es seitens der IUCN keine fixen Kennzahlen, um die ökologische Integrität der geschützten Ökosysteme individuell bewerten zu können. Viele europäische Nationalparks sind aber größer als 10.000 Hektar. Liebel selbst sagt dazu nur: »Alle österreichischen
Renaturierung eines Forsts: Teile der Waldflächen der Windhag-Stiftung wurden bislang konventionell forstwirtschaftlich genutzt.
Bundesländer haben sich immer dazu bekannt, dass in Österreich nur zum Nationalpark wird, was inhaltlich und fachlich auch den IUCN-Kategorien entspricht.« Die weiteren vorgeschlagenen, aus Sicht des Naturschutz hochwertigen Flächen müsse man sich »ernsthaft anschauen«, sagt er. Und: »Ich habe dazu noch von niemandem eine ablehnende Haltung gehört.« Bis Ende 2027 sollen alle Fakten bewertet und »abgearbeitet« sein. »Wenn dann alles naturschutzfachlich geeignet ist: Wunderbar! Wenn es Potenzial für die Regionalentwicklung gibt: Wunderbar!«, sagt er. Und räumt ein, dass ein Nationalparkprojekt einen langen Atem brauche; auch, um Forschungseinrichtungen, Tourismusvereine und Leader-Regionen einbinden zu können. Gerade in Gegenden mit wenig Infrastruktur müssen private Initiativen unterstützt werden. Denn, sagt Liebel: »So ein Nationalpark betreibt ja weder ein Hotel noch ein Restaurant.« Von Vorteil sei jedenfalls, dass es »momentan keine Konflikte« gibt, die einen Diskussionsprozess von außen aufschaukeln würden.
DIE GRÖSSTE HÜRDE: DAS GELD
Woran der Nationalpark trotzdem scheitern könnte, ist die Finanzierung. »Die große Hürde ist das Geld«, weiß auch Thomas Wrbka (Naturschutzbund). Zwischen 70 und 100 Millionen Euro wären über einen längeren Zeitraum notwendig, kursiert als Zahl. Offiziell will sich dazu niemand äußern. Die Wirtschaftslage ist angespannt. Das bisherige Geld – die sieben Millionen Euro aus dem Biodiversitätsfonds –kam ausschließlich vom Bund. »In Jahren, in denen der Kuchen wieder größer werden könnte, hat man finanziell natürlich mehr Gestaltungsspielraum«, sagt der ehemalige Finanzlandesrat Schleritzko. Noch vor seinem Ausscheiden aus der Politik hat er gemeinsam mit Stephan Pernkopf den Finanzminister Markus Marterbauer durch die Kampwälder geführt. Beim Festakt anlässlich der 30-Jahr-Feier des Nationalparks Donau-Auen Ende April berichtete der Stellvertreter der Landeshauptfrau von »schwierigsten Budgetverhandlungen«. Ob der Wille reicht, wird sich in Hektar messen lassen.
Offenlegung: Der Autor ist Teil des ProponentInnenkomitees für den Nationalpark »Kampwald«.
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Wildpark Ernstbrunn
Im Herzen des Weinviertels, eingebettet in die schattigen Eichenwälder des Naturparks Leiser Berge, bietet der Wildpark Ernstbrunn anregende Erholung für die ganze Familie.
Verschiedene Hirscharten und Mufflons kreuzen die Besucherwege in begehbaren Gehegen, Gämsen und Steinböcke klettern durch steile Felswände, Wildschweine suhlen sich im Schlamm und wühlen nach Eicheln. Hier kann man nicht nur Wölfe heulen hören, sondern auch den Forschen des Wolf Science Centers bei Ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Wenn der Wissensdurst der Wildparkbesucher gestillt ist, können sich die Kinder auf einem der tollen Spielplätze austoben oder auch kleine Schafe und Ziegen füttern, während sich die Eltern am Ziegelofenteich in der „Hexenhütte“ eine Stärkung genehmigen.
www.wildpark-ernstbrunn.at
REBEKKA BAKKEN NORD
Rebekka Bakken eröffnet mit NORD ein neues Kapitel: tief verwurzelt in den Volksliedern ihrer norwegischen Kindheit, neu belebt durch rohe Rhythmen, weite Klanglandschaften und eine Stimme voller Seele.
Gemeinsam mit einer erlesenen Gruppe von Musiker:innen erschafft sie Musik, die zugleich archaisch und modern klingt –erdverbunden, grenzenlos und zutiefst bewegend.
NORD ist kein Blick zurück, sondern ein lebendiges Ritual: Tradition wird Puls, Vergangenheit wird Gegenwart.
ZURÜCK IM VORZEIGEWALD
Unter den schützenden Brombeeren entwickelt sich im Stiftswald durch natürliche Verjüngung ein widerstandsfähiger Wald aus Tannen, Eiche und Buchen.
Vor knapp zehn Jahren hat Stift Altenburg in seinen Wald geladen, um zu zeigen, wie er bewirtschaftet wird – und dafür seither viele Preise eingeheimst. Wie geht es dem klösterlichen Wald heute?
TEXT
Matthias Schickhofer
Teile Niederösterreichs sind von großen Wäldern bedeckt. Besonders waldreich ist das Waldviertel. Von den Buchenwäldern im Süden bis zu den großen Fichtenforsten weiter »oben«: Holz ist ein zentraler Pfeiler der regionalen Wirtschaft. Doch die steigenden Temperaturen und die Trockenheit setzen den Wäldern zu – vor allem den dominierenden Fichtenforsten. Diese leiden nämlich zusehends unter Dürre, Hitze und Borkenkäfer-Attacken. Wenn die Fichten dürrebedingt geschwächt sind, haben die Borkenkäfer ein leichtes Spiel und befallen sie in großen Massen. Sind die Fichten abgestorben, dann leben keine Borkenkäfer mehr auf ihnen. Die »Dürrlinge« könnten also auch auf der Kalamitätsfläche belassen werden – zur Förderung der Wiederbewaldung. Doch meist werden die abgestorbenen Fichten flächig geräumt, um das Holz noch verkaufen
zu können. Übrig bleiben wachsende Kahlflächen, die sich mangels Beschattung an Sonnentagen aufheizen und austrocknen. Das steigert den Hitzestress auch für die umliegenden Waldbestände.
BRENNENDE FRAGEN ZUM WALD IN DER KLIMAKRISE
Sollen wir die Wälder weiterhin intensiv bewirtschaften und die Fichte durch vermeintlich klimaresistentere Baumarten aus anderen Weltgegenden aufforsten (etwa Douglasie oder Roteiche)? Oder wäre es besser, mehr auf die »Waldgesundheit« zu achten und die Naturnähe der Wälder zu steigern. Also: auf Naturverjüngung und heimische Baumarten zu vertrauen, die an die lokalen ökologischen Bedingungen besser angepasst sind und tiefere Wurzeln bilden (wie etwa Tanne, Buche und Eiche)?
Um Holz aus einem Wald gewinnbringend nutzen zu können, muss der Bestand zunächst einmal »gesund« sein. Regionale Klimamodelle bzw. behördliche Informationen zur wahrscheinlichen Klimaentwicklung für die Region Waldviertel machen deutlich, dass naturferne Fichtenkulturen hier in Hinkunft weder wirtschaftlich noch ökologisch besonders zukunftsfähig sind.
In anderen Worten: Wer im Waldviertel, vor allem im Osten, heute noch auf Fichten beharrt, sollte mit Schäden rechnen.
Der Wald liefert nicht nur Holz, sondern stellt auch andere essenzielle Ökosystemfunktionen wie Wasserspeicherung, Landschaftskühlung, Kohlenstoffeinlagerung, Lebensraum für viele (bedrohte) Arten, Erholung bereit. Diese werden den Waldbesitzenden nicht abgegolten bezahlt. Das geschlägerte und verkaufte Holz schon. Wenn die Bäume schnell und gerade wachsen und rationell (maschinell) geerntet werden, ist der Gewinn am höchsten.
Der Waldbetrieb des Stiftes Altenburg hat sich vor Jahrzehnten entschieden, nicht auf Kahlhiebe und Aufforstungen mit schnell wachsenden Baumarten in Monokulturen zu bauen, sondern auf naturnahe Bewirtschaftung – so gewissermaßen »die Weisheit der Schöpfung« verstärkt zu berücksichtigen.
Das Konzept des Stiftes Altenburg hat bisher konsequent mit natürlicher Verjüngung gearbeitet, um ökologisch optimal angepasste Mischwaldbestände zu entwickeln und Kosten zu sparen; es müssen keine Setzlinge gekauft und gepflanzt werden. Kahlhiebe werden vermieden, um keine Heißflächen zu fördern. Ein Teil des Totholzes bleibt im Wald. Die ökologisch sehr wertvollen Kamptal-Hangwälder werden als »Referenzflächen« nicht genutzt. Das Jagdmanagement orientiert sich an den Bedürfnissen des Waldes, um den Verbiss gering zu halten. Pestizide und Düngemittel kommen nicht infrage. Das Stift nutzte bislang auch kostenlose natürliche »Helfer« wie Vögel und Brombeeren. Erstere verbreiten die Samen der erwünschten Laubbaumarten von speziellen Futtertischen
und Brombeeren beschatten und schützen die kleinen Tannen, Buchen und Eichen vor Wildverbiss. Pater Michael, Prior des Stifts Altenburg, sagte 2017, als das Stift zu einer Exkursion in den Wald lud, augenzwinkernd: »Wir beschäftigen Schwarzarbeiter gegen Kost und Logie im Wald.« Er und sein Forstdirektor, Herbert Schmid, erklärten, mit diesem Ansatz wolle das Stift die »Bio«-Idee im Wald umsetzen. In
Die Grundgedanken von Forstdirektor Herbert Schmid und Prior Pater Michael zur Bewirtschaftung des Kirchenwaldes finden sich im Bericht aus dem Winter 2016/2017 BIORAMA.EU/FORSTWIRTSCHAFT-IM-STIFTSWALD
Österreich gab es damals keine Biozertifizierung für die Waldwirtschaft. Das gibt es auch 2026 noch nicht. Anders in Deutschland, wo der Biolandwirtschaftsverband Naturland ein solches Gütesiegel verleiht. Derzeit sind 63.000 Hektar Wald im Besitz von 22 kommunalen und privaten Waldbetrieben als Biowald zertifiziert.
Die Naturland-Zertifizierung basiert auf dem FSC-Standard (Forest Stewardship Council), ist aber ökologisch konsequenter. In Deutschland und auch in Österreich dominiert allerdings das von der Forstwirtschaft geschaffene PEFC-System (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes), das 84 Prozent der Wälder bzw. ganze Regionen zertifiziert. Die Latte liegt nicht sehr hoch: Wenn ein Betrieb in Österreich durch PEFC zertifiziert ist, heißt das im Grunde genommen nicht mehr, als dass das österreichische Forstgesetz eingehalten wird, meint der WWF, der allerdings wiederum selbst Gründungsmitglied des FSC ist. Naturschutzverbände und Investigativ-Journalisten (ICIJ) kritisieren zu laxe Standards und Kontrollen bei PEFC und FSC.
RECHNET SICH DAS?
Wie hat das Altenburger Modell konkret funktioniert? Forstdirektor Herbert Schmid scheidet nun ruhestandsbedingt aus seinem Amt. Sein waldbaulicher Zugang sprach sich medial und in Forstkreisen herum, er führte Busse voller Forstleute durch den klösterlichen Vorzeigewald.
»Wir spüren die Auswirkungen des Klimawandels deutlich. Die Fichte verschwindet sukzessive, die Trockenheit setzt auch den
Die Fichte dominiert seit mehr als 200 Jahren als schnell wachsender »Brotbaum« die heimische Forstwirtschaft. Als Baum des Gebirges und Nordens ist sie aber an Dürre und Hitze nicht gut angepasst. Im Hügelland wird es klimabedingt trockener und heißer, die Fichtenpflanzungen kollabieren zusehends.
Interdisziplinärer Waldmanagementplan
Das Unternehmen »Coop Natura – Büro für Ökologie und Naturschutz« hat im Auftrag des Stifts Altenburg in den Saisonen 2022 bis 2024 in den Stiftswäldern rund um Altenburg auf einer Fläche von 740 ha Lebensraumtypen gemäß Flora-FaunaHabitat-Richtlinie erhoben, abgegrenzt und charakterisiert. 2025 wurden die Ergebnisse veröffentlicht.
Laubmischwäldern zu, vor allem in sonnenexponierten Lagen. Vor ein paar Jahren haben die Linden im Kamptal schon im Dezember ausgetrieben. Das ist sehr beunruhigend. Wo wir Laubmischwälder haben, entwickelt sich der Wald aber trotzdem gut, auch weil wir den Wildverbiss gering halten. So entsteht ein stabiler, klimafitter Zukunftswald,« berichtet Schmid.
Dank Brombeeren und Samenverbreitung durch Vögel funktioniere die natürliche Waldverjüngung. »Es ist alles da: Buche, Tanne, Eiche, Ahorn und Pionierbäume. Mit der Naturverjüngung können wir stabile Mischbestände aufbauen, die tiefer wurzeln als Baumschulsetzlinge und die den Klimastress in Zukunft besser aushalten. Die Fichtenkulturen, die ich von den Vorgängern übernommen habe, sind natürlich eine große Herausforderung,« erzählt der Förster. »Wir sehen aber, dass es nicht zu spät ist, eine stabilere, natürliche Bestandsentwicklung zu begründen. Die Waldbewirtschaftung als Dauerwald, bei der keine Kahlflächen entstehen, bewährt sich ausgesprochen gut.«
Aber der naturnahe Ansatz hat auch GegnerInnen. Schmid erzählt: »Ich wurde zuletzt öfters mit Behauptungen konfrontiert, dass der Forstbetrieb mit der Naturverjüngung nicht funktioniert und keine schwarzen Zahlen schreibt. Ich weiß nicht, wie es zu diesen unwahren Geschichten kommt. Daher will ich klar festhalten: Der Forstbetrieb schreibt seit jeher schwarze Zahlen. Seit wir auf Naturverjüngung setzen, sind die Zahlen sogar noch besser, weil wir die Kosten senken und den Gewinn so steigern konnten. Wir können die Samen aus dem eigenen Betrieb holen, der Betrieb ist durchgehend digitalisiert und wir können punktgenau Wertholz und Zielbäume entnehmen. Der Forst ist die wichtigste wirtschaftliche Stütze des Stiftes, der auch die anderen Wirtschaftsbetriebe mitträgt, die weniger gut laufen. Dass wir das geschafft haben, darauf bin ich besonders stolz.«
Herbert Schmid hat darauf geachtet, dass »die Jagd stimmt«, also nicht zu viel Wild im Wald ist. »Dann wächst der Wald auch ohne Schutz. Bei uns gibt es seit vielen Jahren keine Einzäunungen und keine dieser furchtbaren Plastikhüllen für die Jungbäume, die nicht verwittern und die Wälder vermüllen.«
WALDVIERTLER ZUKUNFTSFORST
Im östlichen Waldviertel sterben die Fichtenkulturen aber nun flächig ab. Neue Monokulturen mit anderen Baumarten zu begründen, sei aber auch keine gute Idee, weil auch die anfälliger seien für Störungen wie Windwürfe oder Schädlingsbefall, weiß Schmid. Er betont: »Es gibt also keine Alternative zu artenreichen Mischwäldern, also einer naturnahen Bewirtschaftung, wenn wir in Zukunft noch Wälder haben wollen.«
Als Förster wünsche er sich, »dass es dem Wald gut geht und dass nicht zu viel Holz herausgeholt wird«. Der brauche nun »Schatten und Schutz vor der Sonne«. Abschließend hält Schmid fest: »Ich wünsche für den Wald, dass wirtschaftliche Herausforderungen in Zukunft nicht auf seine Kosten erfüllt werden. Außerdem ist gute Zusammenarbeit zwischen Jagd und Forst eine wesentliche Herausforderung, um auch in Zukunft vielfältige Mischwälder zu haben. Der Jagdbetrieb muss den Vorgaben des Forstbetriebes folgen.«
BEGEHRT ALS NATIONALPARKFLÄCHEN
Dass die Wälder des Stifts eine österreichweit herausragende Naturnähe aufweisen, belegt auch eine aktuelle, vom Unternehmen Coop Natura durchgeführte Erhebung. Die Natur-
Der Forstdirektor des Stiftes Altenburg, Herbert Schmid, tritt seinen Ruhestand an. Er hat die Stiftswälder zu einem Vorzeigebetrieb für naturnahe Waldbewirtschaftung gemacht und wurde dafür vielfach ausgezeichnet.
wälder im Kamptal beherbergen eine einzigartige Dichte seltener und streng geschützter Arten, die als »Urwaldanzeiger« gelten. Im Stiftswald finden sich unter anderem Eremit/Juchtenkäfer, Scharlachkäfer, Alpenbock, viele Spechtarten sowie »Urwaldfledermäuse« (darunter Mopsfledermaus, Nymphenfledermaus oder Bechsteinfledermaus). Diese fast ausgestorbenen Geschöpfe brauchen großflächig ungestörte naturnahe Wälder mit alten Bäumen und (stehendem) Totholz. In den urigen Hangwäldern im Mittleren Kamptal gibt es das alles noch. Dies legt nahe, dass diese Naturwälder auch in die aktuellen Nationalparkpläne der Landesregierung Niederösterreichs miteinbezogen werden sollten. Das Land Niederösterreich will im Bereich der Stauseen Ottenstein und Dobra vorwiegend auf (teils intensiv genutzten) Flächen der vom Land verwalteten Windhag-Stiftung einen Nationalpark »Kampwald« schaffen und großteils unter Prozessschutz ohne Eingriffe stellen. Naturschutzverbände und Wissenschaft begrüßen das und fordern, auch die wertvollen Naturwälder im Mittleren Kamptal zu inkludieren (auf freiwilliger Basis und gegen Entschädigung für die Grundbesitzenden).
Herbert Schmid konnte der Nationalparkidee stets viel abgewinnen – und hat bereits vorgearbeitet: Die alten Hangwälder im Kamptal werden als »ökologische Referenzflächen« äußerst schonend bewirtschaftet. Und im Rahmen einer Kooperation mit dem Magazin »Tele« (»Urwaldinitiative«) haben etliche Menschen Schutzpacht-Partnerschaften mit dem Stift abgeschlossen. Sie tragen so zur Finanzierung von Biodiversitätsflächen ohne Nutzung im Kamptal bei.
Das Thema Naturschutz im Wald versus intensivierte Nutzung wird in Forstkreisen kontrovers diskutiert. Herbert Schmid steht mit seinem naturnahen Ansatz zwischen den Fronten von »nützen« und »schützen«. Und er zeigt, wie die Interessen unter einen Hut gebracht werden können.
Schmid tritt nun seinen Ruhestand an. In welche Richtung seine NachfolgerInnen den
Forstbetrieb zukünftig ausrichten werden, ist noch nicht klar. Dieser bildet seit Jahren »die wirtschaftliche Basis des Stiftes«, erklärt die klösterliche Website. Wird nun der Druck ansteigen, den bislang fürsorglich bewirtschafteten Wald stärker zu nutzen?
NaturschützerInnen und Fachwelt hoffen auf ökologische Kontinuität und bringen in Briefen an die Stiftsleitung ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass »das Stift Altenburg diesen erfolgreichen und für ganz Österreich als Vorbild dienenden Waldmanagement-Zugang auch nach dem Ausscheiden von Forstdirektor Schmid mit gleicher Intensität weiter verfolgt«, gezeichnet unter anderem von führenden WissenschafterInnen wie Helga Kromp-Kolb, Franz Essl, Thomas Wrbka; beziehungsweise »dass die Leitung des Stifts Altenburg weiterhin einen balancierten Zugang zu Waldbewirtschaftung und -schutz verfolgt, um somit die Vorreiterrolle in Zeiten der Klima- und Biodiversitätskrise zu stärken«, schreiben etwa Mario Pesendorfer, Georg Gratzer und Helmut Schume von der Universität für Bodenkultur (Boku). Ob ihr Wort in Gottes Ohr erhört wird, wird sich weisen.
Offenlegung: Der Autor arbeitet regelmäßig als Regionalentwickler und Berater für Naturschutzgebiete und NGOs und verantwortet die »Plattform Nationalpark Kamptal«.
Höchste Ehrungen für Förster Herbert Schmid: »Staatspreis für beispielhafte Waldbewirtschaftung« (Republik Österreich, 2018) und der Schöffel-Naturschutzpreis des Landes Niederösterreich (2017).
Viele naturferne Fichtenaufforstungen im Waldviertel sterben wegen Dürre und Käferattacken ab. Werden die Flächen geräumt, entstehen schattenlose, sich aufheizende und austrockende Areale.
»BIN DAFÜR, ABER IN INTERNATIONALER QUALITÄT«
Klubobfrau Helga Krismer erklärt, warum der grüne Einsatz für den dritten niederösterreichischen Nationalpark zurückhaltend bleibt.
INTERVIEW
Irina Zelewitz
Helga Krismer
Die Veterinärmedizinerin und Gemeinderätin der Stadt Baden ist seit 2014 Klubobfrau der niederösterreichischen Grünen.
BIORAMA: In einer Aussendung Ende letzten Jahres fordern Sie, die »Revitalisierung von kaputten Fichtenwäldern darf kein Ökoetikettenschwindel sein«. Meint das, die Windhag’schen Flächen sollen nicht Teil eines Nationalparks werden?
HELGA KRISMER: Die Windhagsche Stipendienstiftung des Landes Niederösterreich war der Ausgangspunkt für die Idee eines Nationalparks. Dort wurden forstwirtschaftlich in der Vergangenheit schlechte Entscheidungen getroffen, der Forst massiv vom Borkenkäfer geschädigt. Bauernschlau holt sich die ÖVP Millionen aus dem Biodiversitätsfonds der Bundesregierung, und will schauen, wie sie den Wald in die Zukunft führen und noch das Prädikat »Nationalpark« draufgeben kann.
Gehört das Projekt größer gedacht, sprich über die Flächen der Stiftung Windhaag hinaus – oder ohne einen Teil dieser im Nationalpark?
Sowohl als auch. Man muss größer denken! Man sieht jetzt schon auf der Landkarte, wo es Schützenswertes gibt. Aber es gehören daher weitere Flächen, eben auch die im Unterlauf des Kamps, miteinbezogen.
Von welcher Karte sprechen Sie?
Man könnte vom heutigen Natura-2000Gebiet ausgehen – und fragen: Wo macht man
Brücken und bessere Korridore zwischen Gebieten, welche Flächen passen zusammen? Ich hoffe, dass jetzt die Gespräche, die beim Umweltanwalt zusammenlaufen, in diese Richtung gehen.
Sie meinen: Welche Flächen passen für eine Kategorie von Naturschutzgebiet zusammen?
Man kann ja sagen, ein Teil wird Nationalpark, der Rest wird Biosphärenpark. Vielleicht sind dann auch die privaten GrundeigentümerInnen einfacher für die Sache zu gewinnen, wenn sie von der Idee eines Nationalparks abgeschreckt sind.
In Hinblick auf die Entstehung der Natura2000-Flächen sprechen Sie vom »Natura 2000-Schlamassel« und deuteten an, dass im Zuge der Umwidmungen Erwartungen bei den GrundeignerInnen aufgebaut, aber nicht erfüllt wurden. Droht ohne sie nun das Nationalparkprojekt zu scheitern?
In Niederösterreich gibt es einen sehr saloppen Umgang mit Natura-2000-Gebieten, das haben auch die betroffenen GrundeignerInnen gespürt: Die haben sich das anders vorgestellt. Es wären dieselben Eigentümerfamilien betroffen (wollte man die Flächen u. a. im unteren Kamptal inkludieren, Anm.). Es gibt nun große Abwehr, wenn das Land wieder mit etwas
NATURA-2000-GEBIET
Das Netzwerk Natura 2000 umfasst in Österreich 353 Gebiete (Stand 2025), 36 davon in Niederösterreich. Hier gilt das Verschlechterungsverbot: Wesentliche Beeinträchtigungen der Lebensräume und erhebliche Störungen der geschützten Arten sind grundsätzlich verboten. Vorhaben oder Projekte, die das Gebiet erheblich beeinträchtigen könnten, müssen auf ihre Verträglichkeit mit der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU geprüft werden.
BIOSPHÄRENPARK
Dient dem Schutz und der Verbesserung von Lebensräumen mit wertvollen Voraussetzungen für Natur und Mensch durch nachhaltige Bewirtschaftung. Mindestens 5 % im Kern des Biosphärenparks sind streng geschützte Naturlandschaften.
NATIONALPARK
Besteht – gemäß Kategorie II der IUCN-Richtlinien – ausschließlich aus streng geschützten Schutzgebieten, weitgehend ohne Eingriff durch den Menschen. Ein Nationalpark ist ein großflächiges, streng geschütztes Naturgebiet, in dem der Schutz von Ökosystemen, Biodiversität und natürlichen Prozessen (»Prozessschutz«) absolute Priorität hat.
kommt, bei dem sie das Gefühl haben, sie werden massiv in Nutzung und damit Wirtschaftlichkeit eingeschränkt.
Wollte man der Idee Nationalpark ernsthaft nähertreten, bräuchte es vielleicht auch Menschen bei der ÖVP, die ernsthaft am Vertrauensaufbau arbeiten. Aber jetzt ist die Lok weg und das Projekt – scheint es – niemandem im Land ein besonderes Anliegen.
Die Lok in Person von Ludwig Schleritzko? Jetzt werden die sieben Millionen aus dem Biodiversitätsfonds des Bundes für Wiederherstellungsmaßnahmen verwendet und unter Umständen geht es dann gar nicht weiter?
Das ist meine Vermutung. Mein Eindruck ist, dass man, seit Schleritzko aus der Landespolitik ausgeschieden ist, nicht mehr weiß, wie in der Landesregierung ein Nationalpark finanziert werden soll. Und: Wenn die, denen Grund und Boden gehört, nicht von Anbeginn mitgenommen werden, halte ich eine Realisierung für am Start gescheitert. Das Vorhaben muss wirtschaftlichen und ökologischen Mehrwert für die Betroffenen und für die Region haben.
Sehen die Grünen nicht ein Momentum für prestigereichen Umweltschutz, wenn die Errichtung eines Nationalparks diskutiert wird?
Wir wollen schützenswerte Natur erhalten. Ich bin schon dabei, einen Nationalpark zu machen. Der muss internationale Kriterien erfüllen und eine Größe über die Landesstiftung hinaus haben, ansonsten ist es zu wenig. Vielleicht ist ein Biosphärenpark in Kombination zielführender für alle.
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REIZVOLLE LANDSCHAFT
Im Ybbstal sammelt man Daten darüber, wie sich die Nutzung eines Naturraums auswirkt – und passt dann an, was erlaubt ist.
Grundstückseigner und Wegehalter in ganz Niederösterreich sind also automatisch mit einer Pauschalversicherungssumme von fünf Millionen Euro für Personen-, Sach- und daraus abgeleitete Vermögensschäden mitversichert.
Mehr Informationen zu Rechten und Pflichten im Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten in der Natur finden sich im »Leitfaden Wandern Niederösterreich« noe.gv.at
enn eine attraktive Naturlandschaft vielseitig genutzt wird, kommen sich Mensch und Natur und auch die Menschen untereinander mitunter folgenreich in die Quere. So auch im über 1000 Hektar umfassenden Gebiet Atschreith in den Ybbstaler Alpen, südöstlich der Stadt Waidhofen an der Ybbs. »Wir haben hier Forst-, Jagd- und Almwirtschaft und dann noch Erholungssuchende. Das ist eine riesige Alm, dazu gehört auch noch ein Reiterhof«, fasst Georg Brenn, bei der Stadt Waidhofen für Forst und Naturpark (Ybbstal) zuständig, die Gemengelage vor Ort zusammen. In den vergangenen Jahren haben unterschiedlichste Faktoren dazu geführt, dass die Freizeitaktivitäten in der Region zunahmen – nicht zuletzt der Ausbau des Ybbstalradweges und Förderungen für Wanderund Radtourismus in der Region. Parallel dazu wurden auch Konflikte zwischen unterschiedlichen Nutzungsinteressen häufiger. Bis hin zu einem folgenschweren Unfall, bei dem der betroffene Mountainbiker seither querschnittsgelähmt ist und in einem jahrelangen Rechtsstreit mit einem Landwirt, der auf den von ihm bewirtschafteten Flächen eine zur Einzäunung gespannte Schnur nicht ausreichend kennzeichnete, für Schmerzensgeld kämpfte. Das Urteil hat zu Verunsicherung und Opposition bei lokalen Bäuerinnen und Bauern geführt – sie haben nun einmal direkt wenig davon, wenn ihre Flächen bei SportlerInnen beliebter werden – außer zusätzlicher Verantwortung und Arbeit. Die Wogen haben sich über die Jahre geglättet, weiß Brenn. Nicht zuletzt, nachdem 2019 »befugte Bewirtschafter« (dazu gehören etwa Land- und ForstwirtInnen) in die subsidiär geltende Wegehalterhaftpflichtversicherung des Amts der NÖ Landesregierung aufgenommen wurden.
Im Ybbstal jedenfalls haben sich die Stadt Waidhofen und die Bundesforste zusammengetan, um auf dem Hochplateau Atschreith unterschiedlichste Nutzungsbedürfnisse unter einen Hut zu bringen.
Für die Stadt ist das auf 600 Metern gelegene Areal wichtiges Naherholungsgebiet ihrer BürgerInnen und Teil des Tourismusangebots, die Bundesforste sind zu 96 Prozent Grundeigentümer des Gebiets. Diese ehemaligen Rothschild-Ländereien sind größtenteils bewaldet, umfassen aber auch mehrere hundert Hektar Weideflächen. Gesucht war also ein Naturschutzkonzept, das Mountainbiken, Wandern und Reiten, Land-, Jagd- und Forstwirtschaft ermöglicht. »Wir haben mit einem Wildbiologen gesprochen, ob ihm was einfällt. Der hat die Idee mit den anonymisierten Wildkameras entwickelt, die nur den PassantInnentyp erkennen«, erinnert sich Brenn. Erfasst wird samt Uhrzeit etwa, ob es sich um einen Traktor oder Muffelwild handelt – und ob die sich gegenseitig beeinträchtigen. Für den Wildbiologen mit der Idee, Dominik Dachs, ist es das erste Projekt, das auch Freizeitnutzung eines Gebiets miteinbezieht. Meistens ist er mit forstwirtschaftlicher Beeinträchtigung von Wildbeständen befasst. Er weiß aus Erfahrung: »Es spießt sich immer beim Wild. Hätten wir kein Wild, hätten wir viele Probleme nicht«, aber »es kann ja nicht unser Zugang sein, bestimmten Tierarten quasi das Existenzrecht zu nehmen«.
Am Anfang des von der EU kofinanzierten und von Dachs geleiteten Projekts »Natur. Mensch. Umwelt« stand daher das Monitoring von Wildtieren und BesucherInnen. Denn JägerInnen und RadfahrerInnen beispielsweise schieben sich die Verantwortung für Stress und Fluchtreaktion des Wildes gern gegenseitig zu. Damit Maßnahmen zugunsten der Wildbestände erfolgreich sind,
braucht es Daten dazu, welche Aktivitäten es beeinträchtigen. Das ermöglichen Dachs’ Fotofallen. Dank dieser weiß man übrigens auch, dass entlang der zehn durch das Gebiet führenden Wege und Straßen im Jahr 2024 insgesamt 4623 FahrradfahrerInnen passiert haben. Im Jahr darauf waren es 8172, eine Steigerung von 77 Prozent. Dachs sage »den JägerInnen immer ›RadfahrerInnen haben noch kein Wild getötet‹«, aber den MountainbikerInnen: »Der Impact des Menschen ist die Kombination: Dem Reh ist es wurscht, ob wir ein Radltrikot oder einen Jagdhut aufhaben.« Wichtig sei, evidenzbasiertes Wissen zu generieren, damit klar wird, warum eine Jagdzeit verkürzt werden und warum ein Radweg gesperrt wird.
ANSPRECHPARTNERiNNEN FINDEN
Kommunikation ist ganz grundsätzlich die Antwort auf diesen Typ von Problem, weiß Brenn. Eine zusätzliche Herausforderung hat im konkreten Fall darin bestanden, dass es nicht für alle Nutzungsgruppen AnsprechpartnerInnen gab und gibt: »Sogar WandererInnen haben irgendwie eine Vertretung – da ruft man halt bei den Bergsportvereinsobleuten der Region an –, aber die Radombudsstelle mussten wir erst einrichten«, erklärt Brenn. Inzwischen gebe es auch ins Projekt einbezogene Radsportvereine, die die Pflege der Trails übernehmen. Parallel zum Monitoring fanden Workshops statt, um die unterschiedlichen Interessen zu erfassen: »Es haben alle viel Nerven bewiesen, viel miteinander gesprochen. Und nun freuen sich die Leute da oben, dass sie besser miteinander auskommen. Die sehen sich ja dauernd«, beschreibt Brenn den Alltag in Atschreith. Als Zwischenergebnis wurden drei Ruhezonen eingerichtet. Sie werden nicht mehr zur Jagd verpachtet und die dortigen Wege sind nicht mehr befahrbar. Gleichzeitig wurden bereits weitere Strecken für die Freizeitnutzung freigegeben und die JägerInnenschaft veröffentlicht ihre Abschusspläne nun.
RUF NACH WALDPOLIZEI
Durch den Mix an Maßnahmen, darunter auch die Freigabe beliebter ehemals gesperrter Strecken, konnte die Zahl illegaler Durchfahrten von 902 im Jahr 2024 auf 685 im Jahr 2025 reduziert werden – trotz der stark gestiegdenen Zahl an RadfahrerInnen. »Das mag nach wenig klingen, es sind aber im Durchschnitt fast zwei Störungsereignisse pro Tag«, betont Dachs. Bisher geblieben sind die von zwei Gruppen verursachten Probleme: jener, die sich in der Routenplanung verschätzt hat
und zu spät noch unterwegs ist, »vielleicht sogar ohne zu wissen, dass die Nutzung vieler Wege in der Dämmerung nicht mehr erlaubt ist«, weiß Dachs. Daneben gibt es ihm zufolge noch die »bewusst ignoranten« Ortskundigen (weithergereiste TouristInnen seien kaum auf ihnen unbekanntem Terrain irgendwo unterwegs). Sie würden vorwiegend Wege durch Wildruhezonen oder über Rinderweiden nehmen und somit größeren ökologischen Impact verursachen. »Und das trifft jene, die Zugeständnisse machten, wie ein Schlag ins Gesicht«, beklagt Dachs. Dass sich neben den persönlich haftenden Personen aus Landwirtschaft, Jagd und Forstbetrieb mit zwei lokalen Radvereinen auch die Gruppe der Radfahrenden beteiligt habe, sei eine der Besonderheiten des Projekts in Waidhofen. Wie Einzelne die Möglichkeit ausnützen, in der anonymen Masse unterzugehen, mache nun eine Einbindung der Exekutive naheliegend. Derzeit wird nach ressourcenschonenden Optionen dazu gesucht. »Die LandnutzerInnen haben in den Workshops deutlich kommuniziert: Sie wollen einen freundlichen Umgang mit den FreizeitnutzerInnen. Auf die Einhaltung von Regeln pochen zu müssen, macht ihnen gar keinen Spaß«, erklärt Dachs den möglicherweise demnächst auf allzu Beratungsresistente am Ende des Trails wartenden
»Dem Reh ist es wurscht, ob wir ein Radltrikot oder einen Jagdhut aufhaben.«
— Dominik Dachs, Wildbiologe
Strafzettel. Der Bürgermeister Waidhofens, Werner Krammer, mahnt: »Die Streckenerweiterung ist das Ergebnis schwieriger und ausdauernder Gespräche, bei denen es darum ging, im Miteinander Verständnis zu erzeugen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Das ist gelungen. Ich ersuche, die Fairplay-Regeln, besonders die Benützungszeiten und die Fahrverbote, einzuhalten. Ich habe absolut kein Verständnis für das Fehlverhalten Einzelner, die durch ihren Egoismus das Gesamtprojekt gefährden.« Ziel des Projekts ist es schließlich, das Mountainbiken im Einklang mit Natur, Landwirtschaft, Wildtierlebensräumen und Mitmenschen attraktiver zu gestalten –viele Beteiligte haben eigene Bedürfnisse diesem Ziel hintangestellt.
Dominik Dachs und Kirsten Weingarth-Dachs leiten gemeinsam das Unternehmen Meles². Es erstellt Konzepte für Wildtiermanagement und Monitoring und führt diese auch durch. meles.eu
VOGELSCHUTZ –VERGLEICHSWEISE EINFACH
NaturschützerInnen und LandwirtInnen erproben gemeinsam Maßnahmen zum Schutz von Bodenbrütern.
TEXT
Martin Mühl
Gemeinsam für
den Kiebitz
2025 starteten Birdlife Österreich und der Verein »thema: natur« die österreichweite Initiative für den Schutz des Kiebitzes und weiterer gefährdeter Bodenbrüter in der Agrarlandschaft.
Der Kiebitz ist eine Schirmart. »Er ist schwarz-weiß, auffällig und »ist eine Flaggschiffart für weitere Vogelarten in der Agrarlandschaft«, erklärt Christina Nagl, in Niederösterreich verantwortlich für das Kooperationsprojekt »Gemeinsam für den Kiebitz« der Vogelschutzorganisation Birdlife und des Vereins »Thema Natur«. Sie meint damit, dass Maßnahmen, die zum Schutz des auffälligen Kiebitz getroffen werden, auch anderen Vogelarten helfen. Wobei auch der Kiebitz auf der »roten Liste« steht und ohne Maßnahmen schon bald in Österreich nicht mehr beheimatet sein könnte. Niederösterreich ist eines der wichtigeren Brutgebiete für den Kiebitz.
VERDRÄNGT
Vogel des Jahres
Heuer ist der Kiebitz Vogel des Jahres in Österreich. 2024 war er »Vogel des Jahres« in Deutschland. In den letzten 25 Jahren halbierte sich die Anzahl der Kiebitze in Österreich.
Mitunter verantwortlich für die schlechte Situation des Kiebitz ist der Mensch. Der Vogel aus der Familie der Regenpfeifer war ursprünglich in Feuchtgebieten zu Hause, von denen viele trockengelegt wurden. Durch Straßenbau, Bodenversiegelung, vor allem aber auch durch die Intensivierung der Landwirtschaft wurden ihm sowohl die sicheren Plätze zum Brü-
ten als auch jene mit genügend Nahrung für die Nachkommen genommen. Seine Nester baut der Kiebitz an Orten mit guter Sicht, damit er Fressfeinde von Weitem sieht und die Brutplätze gemeinsam in der Kolonie verteidigen kann. Der Verlust der Feuchtwiesen zwingt ihn zum Ausweichen auf Felder – wo seine gut getarnten Nester aber von Traktoren unbemerkt bei der Feldarbeit zerstört werden. Haben es die Jungen bis zum Schlüpfen geschafft, verlassen sie kurz darauf und damit vergleichsweise früh das Nest und suchen im Familienverband Nahrung. Dann brauchen sie schützende Vegetation und Feuchtflächen mit vielfältigen – biodiversen –Pflanzen, denn dort leben auch genügend kleine Tiere, Insekten und Würmer, von denen sich der Kiebitz in erster Linie ernährt.
Um den Kiebitz und seine Nachkommen zu schützen, gibt es recht einfache und wirksame Methoden. LaiInnen und Vogelschutzbeauftragte – letztere auch, aber nicht nur mit modernem Gerät wie Drohnen und Wärmesichtgeräten – können Kiebitznester ausfindig machen und markieren und Bäuerinnen und Bauern so die Möglichkeit geben, die Nester während der Wochen der Brut zu umfah-
BILD
MICHAEL
DVORAK
»Wie oft braucht es einen Zusammenschluss von Landwirtschaft und Naturschutz, um Ziele zu erreichen. Essenziell für einen Erfolg ist ein laufender Austausch – dafür braucht es mitunter ›Geduld und Verständnis‹ auf beiden Seiten.«
— Christina Nagl, Birdlife Österreich
ren und Kiebitzschutzinseln zu bilden. An den Rändern von Äckern belassene, nicht bearbeitete Streifen und Sutten –Feuchtflächen in Mulden – bieten den Jungtieren Nahrung. Daniel Leopoldsberger, Birdlife Österreich-Projektleiter von »Gemeinsam für den Kiebitz« und im Rahmen dessen im Burgenland tätig, weiß: »LandwirtInnen sind sehr oft bereit und helfen gerne mit. Viele bitten um die Unterstützung in Form der Markierung von Nestern, damit sie diese umfahren können.« Die Koordinierung von wirtschaftlicher Nutzung und Schutzmaßnahmen ist nicht immer einfach, aber die Praxis zeigt, dass gemeinsam einiges erreicht werden kann. »Nicht nur die Landwirtschaft an sich, auch Zersiedelung, Straßenbau oder das kleinflächige, oft nicht legale Verändern der landwirtschaftlichen Fläche – etwa durch das Füllen von Feuchtstellen – beeinträchtigt ihren Lebensraum«, erklärt Daniel Leopoldsberger: »Jede Art bräuchte leicht andere Bedingungen, wobei von Kiebitzflächen schon viele Arten profitieren«.
GEMEINSAM
Birdlife verhandelt auch auf politischer Ebene, etwa, wenn es um die Ausformung der nächsten Öpul-Richtlinien (Österreichisches Programm für umweltgerechte Landwirtschaft) geht, die auch festlegen, für welche Maßnahmen LandwirtInnen etwa Förderungen und Ausgleichszahlungen bekommen. Diese können auch bezogen werden, um sich am Vogelschutz zu beteiligen. LandwirtInnen nehmen auf den Kiebitz nicht nur Rücksicht, indem sie während seiner rund 28-tägigen Brutzeit die Nester umfahren, sondern etwa zeitweise auch auf Düngung verzichten. Christina Nagl ist überzeugt: »Wie oft braucht es einen Zusammenschluss von Landwirtschaft und Naturschutz, um entsprechende Ziele zu erreichen. Das betrifft auch moderne, technische Entwicklungen traktorbasierter Lösungen, die in Zukunft zum Einsatz kommen können. Essenziell für einen Erfolg ist ein laufender Austausch – dafür braucht es mitunter ›Geduld und Verständnis‹ auf beiden Seiten.«
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WO DER FUCHSBANDWURM ZU HAUSE IST
In kaum einer Gegend sind so viele Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert wie in Niederösterreich. Ist besondere Vorsicht geboten?
TEXT
Florian Jauk
RAnja Joachim
leitet das Institut für Parasitologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien und forscht unter anderem zur Verbreitung des Fuchsbandwurms in Österreich.
und 30 Prozent der in Niederösterreich untersuchten Rotfüchse wurden in einer 2022 veröffentlichten Studie positiv auf den Fuchsbandwurm getestet, in einzelnen Regionen – vor allem im Waldviertel – lag der Anteil sogar bei über 50 Prozent. Warum gerade dort höhere Werte gemessen wurden, ist unklar. »Das könnte mit dem Nahrungsverhalten einzelner Fuchsgruppen zusammenhängen«, sagt Anja Joachim, Leiterin des Instituts für Parasitologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmed) und Teil der Studiengruppe. Manche Füchse ernähren sich überwiegend von Fröschen statt von Mäusen und hätten damit ein geringeres Infektionsrisiko. Entscheidend ist der Expertin zufolge zudem, wie stark eine lokale Mäusepopulation infiziert ist. Die Zahlen der infizierten Füchse jedenfalls seien seither relativ stabil geblieben. In Österreich habe sich die Situation offenbar »eingependelt«. In Teilen Nordeuropas, etwa im Baltikum, steige die Rate infizierter Füchse dagegen weiterhin deutlich an.
VIELE FÜCHSE – WENIGE ERKRANKUNGEN
Eine Durchseuchung von über 50 Prozent klingt dramatisch, die Gefahr für den Men -
schen ist allerdings überschaubar. Füchse setzen ihren Kot bevorzugt auf erhöhten Stellen wie Baumstümpfen oder Steinen ab, nicht etwa direkt auf Beerensträuchern. »Da hat man weniger Kontakt, als man glaubt«, so Joachim. Dennoch können Eier durch Regen in Bodennähe gelangen. Beim Sammeln gelten daher einfache Grundregeln: möglichst oberhalb der Kniehöhe pflücken, nichts vom Boden auflesen und Wildpflanzen nicht direkt im Wald verzehren. Zudem ist der Mensch kein idealer Wirt. Selbst wenn Bandwurmeier aufgenommen werden, entwickle sich nicht zwangsläufig eine Erkrankung, weiß die Veterinärmedizinerin. Mögliche Gründe hierfür seien, dass die aufgenommene Dosis eine Rolle spielt oder dass sich der Erreger im menschlichen Körper häufig nicht dauerhaft etablieren kann. Wie hoch die Infektionsrate ist, lasse sich daher nicht sagen, erklärt Joachim. Der Rotfuchs bleibt Hauptwirt des Parasiten, leidet selbst aber in der Regel nicht unter dem Befall. Er infiziert sich über befallene Nagetiere. Die ausgewachsenen, wenige Millimeter langen Würmer leben im Dünndarm. Ihre Eier werden über Wochen mit der sogenannten Losung ausgeschieden. Der Kot zerfällt, Regen verteilt
die mikroskopisch kleinen Eier im Boden oder auf Pflanzen. Sichtbar ist diese Kontamination nicht.
RISIKO BEIM SAMMELN – UND IM GARTEN
Prinzipiell besteht beim Verzehr von Beeren, Kräutern oder Pilzen aus der freien Natur ein gewisses Risiko – auf allem, was in Bodennähe wächst, können sich Eier des Fuchsbandwurms befinden. Sicherheitshalber sollten Beeren, Pilze oder Kräuter aus der freien Natur auf über 80 Grad erhitzt werden – etwa beim Kochen von Marmelade oder beim Braten von Pilzen. Dann werden die Eier zuverlässig abgetötet. Einfrieren reicht hingegen nicht aus. Gründliches Händewaschen nach dem Sammeln bleibt eine zentrale Schutzmaßnahme. Da Füchse nicht ausschließlich im Wald leben, sondern in Siedlungen, Gärten und besonders häufig in Weingärten vorkommen, wo sie Nager finden und auch Trauben fressen, könne man auch dort mit Fuchslosung in Kontakt kommen, sagt Anja Joachim. In letzteren werde auch ein höheres Übertragungsrisiko angenommen, in Gärten allerdings schätzt die Expertin das Risiko als gering ein. Füchse kämen vor allem dann, wenn sie Nahrung wie etwa Fallobst oder offen stehendes Haustierfutter fänden. Keinesfalls sollte man Füchse füttern. Wer solche Anreize vermeidet, reduziere das Risiko deutlich. Wem das nicht reicht, die oder der kann, was er roh verzehren möchte, auch in einem Hochbeet anpflanzen – auch wenn Füchse durchaus springen können. »Wer setzt sich schon gerne ins Hochbeet, wo einen jeder sieht?«, erinnert Joachim an den eher scheuen Charakter des Wildtiers.
HUNDE, KATZEN UND RISIKOGRUPPEN
Auch die dem Menschen viel näheren Hunde können als Wirte für erwachsene Würmer dienen und Eier ausscheiden. Ein Risiko bestehe jedoch nur, wenn Hunde infizierte Nager fressen. Katzen gelten zwar als exponierte Mäusejäger, sind aber schlechte Wirte und scheiden kaum oder keine Eier aus. Hunde, die regelmäßig in direktem Kontakt mit Wildtieren oder deren Ausscheidungen kommen – wie etwa jagdlich geführte Hunde – gelten grundsätzlich als stärker gefährdet. Ein erhöhtes Ri-
»Wer setzt sich schon gerne ins Hochbeet, wo einen jeder sieht?«
— Anja Joachim, Veterinärmedizinerin
siko besteht auch bei Tieren, die frei im Gelände unterwegs sind und potenziell infizierte Nager fressen. Für solche Hunde wird eine monatliche Entwurmung empfohlen, damit sich im Darm gar nicht erst geschlechtsreife Würmer entwickeln können, die Eier ausscheiden. Ob diese Empfehlung in der Praxis konsequent umgesetzt wird, sei allerdings fraglich, sagt die Veterinärmedizinerin. Bluttests können eine Infektion beim Menschen bereits in frühen Stadien anzeigen. »Gefährdet sind eher WaldarbeiterInnen, ForstarbeiterInnen und JägerInnen«, also Personen mit regelmäßigem Kontakt zu Füchsen oder Fuchslosung, erklärt Anja Joachim. Dass regional viele Füchse infiziert sind, bedeutet somit nicht automatisch ein hohes Erkrankungsrisiko für Menschen. Entscheidend bleibt, wie wir mit der Nähe von Wildtieren wie dem Fuchs umgehen.
Fuchskot – auch Losung genannt – ist meist dunkel, wurstförmig und spitz zulaufend. Mit bloßem Auge sind mögliche Bandwurmeier jedoch nicht erkennbar.
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BUBBLES OHNE
ProduzentInnen aus Niederösterreich bieten eine große Vielfalt alkoholfreien »Schaumweins«. Dahinter stehen sehr unterschiedliche Zugänge und jede Menge Experimentierfreude.
PETER
& PAUL, HERBAL HARMONY
Familie Hoch, die mit »Kalkspitz«, Hopfengrund oder auch Pure Joy Botanicals in den letzten Jahren permanent Neues entwickelt hat, hat wieder einmal etwas Neues: »Herbal Harmony«. Diesmal war die Elterngeneration Harald und seine Frau Andrea die treibenden Kräfte. Es wurde ein Jahr experimentiert, um aus den verschiedenen Produkten des Hofs einen runden alkoholfreien Drink zu kreieren: Basis ist das alkoholfreie Bier von Hopfengrund (Christoph und Julie Hoch), dazu kommen Kräuter – Holunderblüten, Lavendel, Rosenblüten und Zitronenverbene – aus dem Bio-Kräutergarten von Daniela Hoch (Biokosmetik »Floriena«) und dazu Traubensaft und Verjus. Das Ergebnis ist rund, vollmundig und intensiv. Es gibt eine kräftige Süße, florale Tiefe, elegante Kräuter, aber auch Säure und Bitterkeit vom Verjus und Cremigkeit von der Bierbasis. »Herbal Harmony« macht gerade sehr schnell die Runde in der Gastronomie – verständlich! Erhältlich auch in der 0,33-Liter-Flasche.
winzerhof-hoch.at
2
KONANNA, PÉTILLANT NATURAL BERGAMOT
Konanna, die kleine bei Mistelbach angesiedelte Manufaktur, ist angetreten, um mittels selbst entwickelter Scoby-Tees zu fermentieren und damit alkoholarme, in dem Bereich leider seltene, komplexe Alternativen zu Pet Nats zu entwickeln. Weil die Nachfrage nach Produkten komplett ohne Alkohol so hoch ist, gibt es seit einiger Zeit eine eigene Produktreihe in diesem Bereich: Elder und Bergamot – und diese nicht nur in der Flasche, sondern auch in der Dose. Kräuter lassen viele schnell bei der Assoziation Almdudler landen, aber das hier ist feiner, vielschichtiger und weniger süß. Die Bergamotte kann ihre Stärke als Zitrusfrucht ausspielen, unterstützt durch Zitronenverbene, Zitronenmelisse und Zitronenthymian, die alle ihren eigenen süß-herben Charakter einbringen. Gelungen. konanna.at
3
GUT
HARDEGG, EMBRIZZO & BIOSPARKLING-TEA
Grüner Veltliner, Merlot und Zweigelt werden für diesen Traubenkombucha zu Wein vergoren, um den Zucker zu reduzieren, entalkoholisiert und dann mit frischem Traubensaft zu Kombucha fermentiert. Kräuter wie Hibiskus, Hagebutte und weitere sowie Mühlviertler Hopfen runden das Geschmackserlebnis ab. Am Ende wird nicht pasteurisiert, um die Komplexität der Aromen zu sichern, sondern per Pilz haltbar gemacht (deswegen ist das Produkt auch nicht biozertifiziert) und trüb abgefüllt. Erhältlich auch in Weiß mit einer Betonung von Zitronenmelisse und Holunder, und von Embrizzo gibt es auch Varianten in kleinen Flaschen, als Durstlöscher für unterwegs – diese sind pasteurisiert und biozertifiziert. Wie die Sorte »Weißer Tee & Ingwer«, bei der der Hopfen stärker durchkommt und damit auch Radler-FreundInnen abholen sollte. Benannt sind alle nach »Emberiza citrinella«, der auf dem Gut häufigen Vogelart Goldammer. guthardegg.at
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HUM HOFER, PERLENSPIEL ROSÉ
Der geradlinigste Drink in dieser Vorstellung vom Bioweingut Hofer aus Auersthal erinnert nicht zufällig in der gesamten Anmutung an Kindersekt – eine Bezeichnung, die bei der weißen Variante des Perlenspiels auch so draufsteht. Traubensecco, in der weißen Variante aus Blütenmuskateller, hergestellt aus Traubensaft, Wasser und Kohlensäure. Wenig überraschend gibt es hier eine eher hohe Fruchtsüße von den Trauben, die auch im Traubensecco dominant bleibt. Preislich einsteigerfreundlich und damit tatsächlich sowohl als alkoholfreie Alternative zu Schaumwein mit Süße als auch als Kindersekt aus biodynamischem Anbau geeignet. Und wie alle alkoholfreien Schaumweine als Basis für Cocktail-Kreationen. weinguthofer.com
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BRÜNDLMAYER, FIZZ ROSÉ
Das Traditionsweingut aus Langenlois hat beim Schaumwein einen Ruf zu verlieren, denn der Bründlmayer Brut ist ein beliebter Klassiker unter den traditionellen Schaumweinen. Er diente in der Entwicklung des Fizz Rosé als Orientierung. Die Trauben kommen hier als Saft und Verjus in die Flasche, das bringt eine Reduktion von Süße und willkommene Säure. Außerdem sorgen Hagebutte, Quitte und Aronia für mehr Komplexität. Vor allem die Quitte scheint uns hier entscheidend. Die zugeführte, feinperlige Kohlensäure wird aus der Fermentation der Weine im eigenen Betrieb gewonnen. In der gesamten Anmutung eine runde und festliche Sache. bruendlmayer.at
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NEUSTIFTER, FRIZZERO
Monika Neustifter führt seit vielen Jahren den Poysdorfer Biobetrieb. Gemeinsam mit ihrer Schwester Laura hat sie unter anderem den Frizzero entwickelt, der seit 2026 die alkoholfreie Linie des Betriebs ergänzt und durchaus als feminines Statement verstanden werden soll. Mit diesem und anderen neuen Produkten und Events will Neustifter auf sich verändernde Zielgruppen reagieren. Neben Traubensaft findet hier Holundersirup in die Flasche – im Ergebnis ist der Frizzero deswegen auch weniger trocken, sondern vor allem fruchtig und versteht sich als leicht zu trinkender, unkomplizierter Genuss. weingut-neustifter.com
UND
SONST SO, IM BIORAMAUNIVERSUM ...
KÜCHE
GET YOURS!
BIORAMA BIOKÜCHE 2026
Das BIORAMA-Bookazine für alle ÖsterreicherInnen, die Wert auf biologische Küche legen, ist Anfang des Jahres zum sechsten Mal erschienen. Die 2026er-Ausgabe widmet sich dem Schwerpunkt Fibre – denn Ballaststoffe sind fast überall in unserer Nahrung, und trotzdem bekommen wir oft nicht genug davon. Richtig viele, richtig gute Produktempfehlungen, ernährungsphysiologisches Wissen, Küchentipps und Rezepte gibt’s wie immer obendrauf! Alle Ausgaben der BIORAMA BIOKÜCHE sind auch online. biorama.eu/ausgaben
BIORAMA ZU DIR NACH HAUSE
Jährlich sechs Ausgaben direkt in deinen Briefkasten!
Auch wenn biorama ein Gratismagazin ist, kannst du es abonnieren und bekommst jede Ausgabe nach Hause geschickt – bei einem Wohnsitz in Österreich auch unsere Line-Extension biorama Niederösterreich. Für 25 EUR im Jahr bist du dabei und unterstützt unsere unabhängige redaktionelle Arbeit. biorama.eu/abo
BIORAMA FÄHRT IN DEN LANDGARTEN
Am 4. Juli lädt BIORAMA zu einer exklusiven LeserInnensafari zu Landgarten nach Bruck an der Leitha –aufs Sojafeld und in die Genusswerkstatt.
Landgarten ist bekannt für seine Biosnacks, nicht nur, aber vor allem auch auf Sojabasis. Gleich zu Beginn der BIORAMA-LeserInnensafari – Kinder ab ca. sechs Jahren können aktiv teilnehmen – geht es gemeinsam hinaus aufs Feld. Dort zeigt uns Franz Berger, seit 30 Jahren bei Landgarten für den Sojaanbau zuständig, die Vorzüge der Pflanze. Er erläutert die nachhaltige Nutzung der Böden und welch wertvolle Rolle die Leguminose für eine ausgewogene Ernährung spielt. Nach ca. einer Stunde geht es zurück in die Landgartenzentrale an der Alten Wiener Straße. Dort schnippeln, rollen, rühren und verkosten wir (Kinder unter Aufsicht ihrer Begleitpersonen) in der Genusswerkstatt von Landgarten aus Saaten und Nüssen bunte, nährstoffreiche Snacks. Einblicke hinter die Kulissen bietet nicht nur ein kurzer Film, sondern auch ein Besuch der hauseigenen Rösterei.
Anmeldung bis 15. Juni per Mail an: bioramasafari@landgarten.at
Mehr Infos auf biorama.eu/leserinnensafaris
LESERINNENSAFARI
NATURAL –VOM EVENT
ZUM NETZWERK
2026 lässt sich Low-Intervention-Wein aus Niederösterreich mit Natural vielfältig erleben.
17 WinzerInnen präsentieren ihren Naturwein, es wird verkostet, auch untereinander fachgesimpelt, vor allem aber gibt es Austausch mit dem Publikum in entspannter Atmosphäre. So ist die Ausgabe der »Natural Kamptal« in Strass im Strassertale im Spätherbst 2025 gestartet, samt Rahmenprogramm aus Warm-up-Events in Gastronomie und Weinhandlungen, WinzerInnen-Dinner und Talk-Formaten. 2026 gibt es von all dem mehr – und Natural beschränkt sich in mancherlei Hinsicht nicht mehr auf das Kamptal. Es gibt mehr Events schon im Vorfeld für und mit einem Netzwerk aus WinzerInnen aus ganz Niederösterreich. Das Fest im November geht mit einem Gastspiel am Nikolaihof in Mautern und einem Fachtag am Montag für die Gastronomie über die Bühne. Naturwein wird in seiner Breite erlebbar sein – mit wenigen Ausnahmen in Bioqualität.
PRE-EVENTS
Mit der Unterstützung engagierter Partner fördert der Verein Natural bei ausgewählten Veranstaltungen authentische Low-Intervention-Weine und stärkt deren Präsenz in der Gastronomie. Interessierte und bereits Überzeugte finden einen leichten Zugang zu (unfiltrierten) Naturweinen aus Niederösterreich.
6. Juni
Gut Oberstockstall, Kirchberg am Wagram
19. Juni
Gasthof Haag × Natural Kegelturnier, Grafenegg
27. Juni
Vinifero, Wien
»Die Kamptaler Naturweintage stehen für authentischen Weinbau, handwerkliche Sorgfalt und einen respektvollen Umgang mit der Natur. Sie zeigen, wie lebendig, charakterstark und vielfältig Naturwein sein kann. Für uns als Restaurant ist die Teilnahme mehr als nur ein Bekenntnis zu gutem Wein. Es ist Ausdruck unserer Haltung: Wir möchten Produkte mit Geschichte, Persönlichkeit und Transparenz auf den Tisch bringen.«
— Barbara Huber, Esslokal
11. September Mast, Wien
12. September
Vinzenz Pauli, St. Pölten
12. Oktober
Rundbar × Kamptalmasterclass, Wien
16. Oktober
Kino im Kesselhaus × Donauregion, Krems
WALDVIERTLER
TISCHKULTUR X NATURAL
An Natur-Plätzen kreieren jeweils zwei Top-Köche ein Carte-BlancheMenü, wobei ein Teil der Weinbegleitung aus Weinen im Low-Intervention-Natural-Stil besteht.
30. Juni: Sonnentor Biogasthaus Leibspeis’ mit Christoph Authried und Mario Hölzl
7. August: Diamond Club Ottenstein mit Herbert Hettegger und René Zimmermann
10. September: Schlosspark Grafenegg mit Toni Mörwald und Philip Hagenauer
NATURAL KAMPTAL –DAS
NATURWEINFEST
6. 11. – DINING DAY: KAMPTAL MEETS DONAU
Start im »Kaiser’s Hof«. Unter dem Titel »Kamptal meets Donau« werden vier Gänge auf Sterneniveau serviert, begleitet von acht präzise ausgewählten Low-Intervention-Weinen entlang des Donaustroms. Das Esslokal zieht als Gast bei Philipp Wimmer-Joannidis in Mo’s im »Kaiser’s Hof« ein. Gemeinsam mit Roland Huber kreiert er den perfekten Rahmen für die Weine von Jörg Bretz, 18a (René Antrag und Thomas Reither), Martin Muthenthaler und Lukas Strobl. Wer das volle Erlebnis genießen will, bucht sich am besten gleich für das gesamte Wochenende ein. Es sind wieder All-inclusive-Sorglos-Pakete sowie Einzel- und Wochenendkarten verfügbar.
7. 11. – DAS GROSSE TASTING:
LOW-INTERVENTION-WINE IM FOKUS
Der Haupttag gehört ganz dem Genuss im Glas und der persönlichen Begegnung. 35 WinzerInnen präsentieren ihre Weine, verteilt auf zwei Locations, die nur fünf Gehminuten voneinander entfernt sind: die Weinkontraste und der Kaiser’s Hof.
Logistik & Anreise: Bahnfahren lohnt sich! Ein Shuttleservice verbindet Straß mit dem Knotenpunkt Hadersdorf am Kamp.
Masterclass & Showkochen: Im Kaiser’s Hof bitten wir die Wachauer Größen Thomas Dorfer (Landhaus Bacher) und Philipp Essl (Landgasthof Essl) zu kochen im Kaiser’s Hof. High-End-Genuss. Die beiden Spitzenköche stehen zudem für Fragen rund um die Sternegastronomie bereit.
Panels & Talks: Es geht um die »Gastronomie im Wandel« und die »Zukunft der Heurigenkultur«. Die Führung im Fassbindereimuseum – ein absoluter Publikumsfavorit 2025 – ist Pflicht für alle, die das Handwerk hinter dem Wein verstehen wollen.
Kulinarik: Regionale Köstlichkeiten, die traditionelles Handwerk mit einem funky Twist interpretieren, ohne ihren bodenständigen Charakter zu verlieren.
Vibe & Sound: Ein Live-Jazz-Trio sorgt während des Tastings für die richtige Frequenz. Den perfekten Ausklang des Tages feiern wir mit den Jazzachterl-DJs, die den Vibe in den Abend tragen.
»Die Naturweintage im Kamptal sind für uns wie ein kleines Klassentreffen –geprägt von spannenden Gesprächen mit WeinliebhaberInnen und KollegInnen aus ganz Niederösterreich. Ein schönes Miteinander, in dem über Traditionen im Weinbau ebenso gesprochen wird, wie über die Zukunft, die wir gemeinsam gestalten wollen. Eine Hommage an die Vielfalt des Geschmacks.«
— Alwin Jurtschitsch, Winzer
8. 11. – DAS GASTSPIEL: »DA MORGIGE« IM NIKOLAIHOF
Der Donau NÖ Tourismus lädt als Veranstalter in den Nikolaihof in Mautern (biozertifiziert): Heuriger 2.0 –»da Morgige«. Natural Kamptal ist als Kooperationspartner mit an Bord mit drei Kamptaler WinzerInnen und den Wachauer KollegInnen vom Vortag. Hier trifft Trinkfluss auf Eleganz.
9. 11. – GASTRO DAY: FOKUS KAMPTAL & WALDVIERTEL
Der Montag gehört exklusiv dem Fachpublikum und BrancheninsiderInnen. Gemeinsam mit Waldviertel Tourismus und der Weinstraße Kamptal zeigt Natural: Das Waldviertel steht für weit mehr als Entschleunigung. Hier trifft die authentische Waldviertler Kulinarik auf die präzisen Naturweine des Kamptals.
BIORAMA ist auch 2026 Medienpartner der Natural Kamptal. Was beim Naturwein fast selbstverständlich ist, ist in der Gastronomie leider nach wie vor selten: die Biozertifzierung. Ein Großteil der teilnehmenden WinzerInnen ist biozertifiziert. Die meisten der teilnehmenden Restaurants und Bars sind keine Biobetriebe.
Thomas Weber, Herausgeber weber@biorama.eu
DER »RUF DER WILDNIS« ALS STIMME DER VERNUNFT?
Alle gewählten SenatorInnen des frisch gegründeten »Parlaments der Wildnis« entstammen jüngeren Generationen. Über wichtige Symbolik.
Man wolle sich nicht selbst Sand in die Augen streuen und »so tun, als hätten wir die Macht«, sagte Jakob Brossmann. »Was wir am Ende beschließen, ist kein geltendes Recht«, relativierte der gedankliche Gründer des »Parlaments der Wildnis«. »Noch nicht«, bestärkte Irmgard Griss das Publikum. Die ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofs führte Ende April den Vorsitz, als sich im Rahmen des Festivals »Stimmen der Wildnis« in der alten St. Pöltner Glanzstofffabrik das Gremium gründete: als Versuch – und offene Frage –, wie sich Demokratie verändert, wenn wir die Natur als juristische Person mitdenken – »als utopischer Raum« (so der künstlerische Leiter des Festivals), »als Kunstprojekt« (so die pensionierte Höchstrichterin). Damit kam die internationale Bewegung der Rechte der Natur – die bereits einzelne Flüsse in Südamerika und Neuseeland oder eine spanische Lagune als Rechtssubjekte etabliert hat – zeitgleich in Niederösterreich wie in der Bundeshauptstadt an, wo im Rahmen der Klimabiennale des Kunst Haus Wien ähnliche Themen verhandelt wurden. Wobei man in St. Pölten grundsätzlicher an die Sache heranging: mit acht Artikeln als parlamentarischem Fundament. Den ersten Artikel brachte der Wiener Anwalt Thomas Wallentin ein, der Österreich als Mitinitiator der Europäischen Bürgerinitiative »Rights For Nature« vertritt. Artikel 1 lautet: »Ökosysteme werden als Rechtssubjekt anerkannt. Daraus abgeleitet sind das Recht auf Existenz, Erhalt und Regenerierung ihrer Lebenszyklen, Struktur und Funktionen.« Im symbolischen Parlament selbst sind ausschließlich demokratisch gewählte junge BürgerInnen, vor allem SchulsprecherInnen, als SenatorInnen entscheidungsberech-
tigt. Sie hören Anträge, werden von ExpertInnen begleitet und entscheiden mit einfachen Mehrheiten. Wallentins Einwand, doch auch ältere SenatorInnen zuzulassen, blieb ungehört. Der Tenor: Junge repräsentieren jene Generation, die die Folgen heutiger Entscheidungen am stärksten tragen wird. Die Vorsitzende Griss wies darauf hin, dass überall sonst PensionistInnen über Gebühr repräsentiert würden. Eine weiterführende Diskussion wäre notwendig gewesen. Allein: Dafür fehlte die Zeit.
Die verhandelten Anträge aus der Zivilgesellschaft waren unterschiedlicher Qualität. Höchst konkret etwa der Antrag einer Bauernbündlerin, die Bodenversiegelung zu stoppen und den Bau der S 34 – »eine Idee, die nicht mehr in unsere Zeit passt« – endgültig abzusagen. Gut gemeint, aber undifferenziert esoterisch geschwurbelt wiederum der Antrag eines generellen Pestizidverbots bei gleichzeitiger Einführung eines Grundeinkommens für alle LandwirtInnen. Angenommen wurden alle elf Anträge, teils nach präzisierenden Abänderungsanträgen. Was bleibt? Neben einer Dokumentation des demokratischen Experiments (die PolitikerInnen »ans Herz gelegt werden« soll) jedenfalls acht grundsätzliche Artikel, die in der deutschsprachigen Rechte-der-Natur-Bewegung Anklang finden werden. Nicht zuletzt: begeisterte junge SenatorInnen, die in einem Initiativantrag auch die Bedeutung von Jugendkultur betonten. Für 2027 forderten sie als Begleitveranstaltung zum »Parlament der Wildnis« auch eine Party ein: ein »Rave der Wildnis« als Teil der politischen Praxis. Mögen die Forderungen Widerhall finden.
KOLUMNE
Thomas Weber
WAS DU HEUTE KAUFST, SICHERT MORGEN UNSERE VERSORGUNG.
Regionale Lebensmittel sind mehr als nur ein Produkt im Regal. Sie stehen für eine funktionierende Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über die Verarbeitung bis hin zu den Konsument:innen.
Jede Kaufentscheidung stärkt bäuerliche Familienbetriebe, sichert Arbeitsplätze in der Verarbeitung und hält Wissen, Qualität und Versorgung in unserer Region. Versorgungssicherheit entsteht dort, wo Lebensmittel produziert, verarbeitet und konsumiert werden – nahe bei den Menschen.
NIEDERÖSTERREICHS BÄUERINNEN UND BAUERN. EINE KAMMER.
Wer regional einkauft, sorgt dafür, dass auch morgen ausreichend, hochwertige Lebensmittel verfügbar sind. Unser Alltag entscheidet, wie sicher unsere Versorgung in Zukunft ist.