P.B.B. — 11Z038861 M — 1060 WIEN
KOSTENLOS — ABER ABONNIERBAR
AUSGABE 103 — JUNI / JULI 2026 WWW.BIORAMA.EU
.103
GROSSER WIRBEL
Um Versuche, den Ozean und seine Bewegungen festzuhalten. Riskant: Wenn Meeres- und Wildvögel im Freilandhühnerbetrieb vorbeischauen. Gemein: Tropische Stechmücken fühlen sich in Mitteleuropa inzwischen oft zu Hause. Gemeiner: Es gibt nun Weinflaschen, die nach Entleerung voll wieder zu dir zurückkommen.
— — —
15 33 40
WENN BIO, DANN ADAMAH Woher kommen Karotte, Salat und Brot in deinem Einkaufskorb?
Gute Gründe für ein BioKistl vom ADAMAH BioHof
Wir wissen, wo’s herkommt! Wir setzen auf unsere eigene Landwirtschaft und arbeiten Hand in Hand mit Bio-Produzent:innen in der Region und aller Welt.
Das ADAMAH BioKistl ist seit über 25 Jahren eine echte Alternative zum Supermarkt. Erntefrisch vom Feld, direkt zu dir nach Hause.
Bio bedeutet für uns nicht nur auf Chemie zu verzichten und Lebensmittel zu erzeugen, die nach mehr schmecken, sondern auch Verantwortung für eine enkeltaugliche Zukunft zu übernehmen, gesunde Böden zu erhalten und Artenvielfalt zu schützen.
Bestpreis-Kistl Mehr drin, weniger zahlen. Bio zum Fixpreis.
Basis Wocheneinkauf Alle Basics für die Küche mit nur einem Klick.
€ 20,70
€ 36,-
Jetzt ausprobieren und sparen. Wir schenken dir ein BioKistl gratis! Infos auf www.adamah.at/biorama CODE: BIORAMA26
Echt Lebensmittel mit bestem Geschmack
“
Ehrlich Einfach 100% Bio, online bestellen, weltweit streng bequem liefern kontrolliert lassen
Bio muss echt, ehrlich und vor allem einfach sein. Im ADAMAH BioKistl liefern wir dir die besten Bio-Lebensmittel am kürzesten Weg zu dir nach Hause.
Elisabeth Zoubek Geschäftsführerin ADAMAH BioHof
B IO R A M A 10 3
E D I T O RIA L , IM P R ESSU M
3
MIT BLICK AUFS MEER
COVER NASA‘S S CIE NTI FI C VISUA LIZATIO N STU DI O, S CREE NSHOT VO N SVS. GS FC. NA SA .GO V/5425 , BIL D BIORAMA
W
as wollen wir da sehen? Es kommt euch nämlich nicht nur so vor, es hagelt richtig schlechte Nachrichten – nicht nur übers Meer, auch über das Klima und die Weltgesellschaft, die das hinbekommen soll. Dagegen hilft auch Leugnen kaum mehr (außer denen, die es beruflich machen). Vielleicht lieber öfter in die Ferne schweifen, Distanz reinbringen. Nicht nur auf lange Sicht werden die meisten Probleme kleiner, mithilfe von ExpertInnen und Menschen, die was tun, können sie systematisch erforscht, ihre Pixel erfasst, zu einer Perspektive zusammengesetzt und angegangen werden. Schönen Sommer und gute Lektüre!
Irina Zelewitz, Chefredakteurin zelewitz@biorama.eu
IMPRESSUM HERAUSGEBER Thomas Weber CHEFREDAKTEURIN Irina Zelewitz AUTORiNNEN Barbara Fohringer, Hans-Christian Heintschel, Silke Jäger, Martin Mühl, Ursel Nendzig, Steve Przybilla, Thomas Weber GESTALTUNG Stefan Staller ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Thomas Weber DRUCK Walstead-Leykamdruck, Bickfordstraße 21, 7201 Neudörfl PRODUKTION & MEDIENINHABERIN Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Martin Mühl KONTAKT Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien; www.biorama.eu, redaktion@biorama.eu BANKVERBINDUNG Biorama GmbH, Bank Austria, IBAN AT44 12000 10005177968, BIC BKAUATWW ABONNEMENT biorama.eu/abo ERSCHEINUNGSWEISE BIORAMA 6 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGSORT Wien. BLATTLINIE BIORAMA ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für den Menschen und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. BIORAMA erscheint sechs Mal im Jahr. Zusätzlich erscheinen wechselnde BIORAMA-Line-Extentions.
Thomas Weber, Herausgeber weber@biorama.eu @thomasiiiweber.bsky.social
EU Ecolabel : AT/053/005 Bitte sammeln Sie Altpapier für das Recycling.
B IO R A M A 10 3
103 INHALT Editorial LeserInnen und Erratum 07 Global Village 08 Street Talk 10 The Bigger Picture 03
06
Der Ozeanograf Arne Biastoch erklärt, warum und wie wir uns vom Meer ein besseres Bild machen müssen. 15
Draußen vor der Stalltür Die Vogelgrippe in küstennahen Kolonien von Wildvögeln macht Biound Freilandhaltung von Geflügel zum Risikogeschäft.
21
Weg von der Kunststoffflasche? Ausgerechnet Säuglinge sind oft hohen Mikroplastikmengen ausgesetzt. Lässt sich das vermeiden?
25
Zehn gängige Mythen über die Menopause Was frau von den Wechseljahren erwarten kann – und was nicht.
30
Fünf Gründe, jetzt ein E-Auto zu kaufen Hohe Benzinpreise sind nicht das einzige Argument, das für einen Umstieg spricht.
33
Gemeine Mücken Tropenmücken sind nach Zentraleuropa gekommen, um zu bleiben. Bringen sie neue Krankheiten?
10 THE BIGGER PICTURE Wir können uns vom Golfstromsystem, wie wir ihn kennen, bald verabschieden. Was stattdessen kommt, ist schwer zu überblicken. Wenn er vollständig »kippt«, ist es eine Katastrophe, wenn nicht, aber auch. Ist es egal?
40 Return to Sender Lange wurde getüftelt: Nun ist die Mehrwegweinflasche in Österreich erhältlich. 46
Rezensionen Warnungen, Empfehlungen
MARKTPLATZ 36 42
Markplatz Kosmetik Markplatz Drinks
KOLUMNEN 49 50
Aus dem Verlag Elternalltag
BILD ISTOCK.CO M/PHI LIP THURSTON, FRANK NIEHAU S, NADJA HUDO VERNIK, BIO RAMA
4
AU F TAKT
15
am Freitag
DRAUSSEN VOR DER STALLTÜR
BUSINESS DAY
-
Viren der Vogelgrippe haben sich dauerhaft in küstennahen Kolonien von Wildvögeln eingenistet.
40 NEUE RUNDE, BITTE!
Die Mehrwegweinflasche ist in Österreich jetzt erhältlich.
42 ITALIENISCHER WEIN
4 x Rot, der auch nördlich der Alpen zu bekommen ist.
ni 26 26. - 28. Ju ruhe
ls Messe Kar new-housing.de
B IO R A M A 10 3
WIR MÜSSEN REDEN … LeserInnen an und über uns – Mails, Tweets und hoffentlich Liebesbriefe an die Redaktion – und unsere Antworten bzw. unser Erratum.
BETRIFFT:
STREET TALK in biorama #102 (April/Mai 2026) »Hier ein Beweis, dass ich Ihre Zeitschrift aufmerksam lese: Seite 8, da haben Franzi und Gabi exakt dieselbe Antwort gegeben. :-) Dafür habe ich so etwas wie Angst, wenn ich alleineauf einer Radoder Wandertour ›freilaufenden Männern‹ begegne. Liebe Grüße« – EVA ZEITLBERGER, per Email
Liebe Eva! Danke für den wichtigen Hinweis! Wir haben den Fehler platziert, um abzuklopfen, wie gründlich unser Magazin genossen wird. Daher besonders herzlichen Dank für den Hinweis, den Sie hoffentlich stellvertretend für alle aufmerksamen LeserInnen entgegennehmen. Zu den »freilaufenden Männern« gibt es in etwas allgemeinerem Zugang bald mehr dazu bei uns! Liebe Franzi! Wir möchten vielmals um Entschuldigung dafür bitten, dir versehentlich eine fremde Antwort auf die Frage »Wovor früchtest du dich in der Natur?« unergejubelt zu haben, und danken noch einmal, dass du deine Meinung mit uns teilst!
FRANZI
27, Universitätsbedienstete Ich fürchte mich eigentlich vor nichts, habe aber Respekt vor Wasser. Weil es eine solche Urgewalt ist, bin ich in der Nähe von Wasser immer sehr vorsichtig. Sei es jetzt bei starkem Regen oder einfach an einem Gewässer mit starker Strömung.
POST LOOP-FRISCHEPAKET Frische einfach versenden. post.at/frischepaket
Gekühlte und frische Lebensmittel verschicken Sie einfach in unserer handlichen Isolierbox. Ihre Waren kommen schon am nächsten Tag sicher an. Empfänger*innen retournieren die Box im passenden Überkarton direkt nach der Zustellung und Sie können sofort die nächste Bestellung auf den Weg schicken. Egal, ob Sie an Privatkund*innen versenden oder an die Gastronomie: Mit unserem Post Loop-Frischepaket bleiben gekühlte Köstlichkeiten immer fresh.
BILD BIORAMA
6
L E SE R IN N EN M E IN U N G & ER R ATU M
BIO R A M A 1 0 3
G L O BAL VIL L AG E
7
KIEL
GÖTEBORG
Seit bald 25 Jahren produziert Oceanbasis Bioalgen aus Aquakultur, und daraus auch Kosmetik.
Forschung am Genpool der Braunalge soll sie widerstandsfähiger gegen gefräßige Seeigel machen.
Das Kieler Unternehmen Oceanbasis betreibt neben Linien für Bionahrungsmittel (Meeresgarten) und Nahrungsergänzungsmittel auch die Naturkosmetikmarke Oceanwell. Zu den Besonderheiten dieser Linie gehört, dass sie ausschließlich auf Wirkstoffe aus biozertifizierter Algenproduktion setzt – von Meeresalgenextrakten bis »ozeanischem Kollagen« – und zwar aus Laminaria-Algen. Die Laminaria ist nicht irgendeine Braunalge, sondern wurde 2007 zur ersten Alge des Jahres der Deutschen Botanischen Gesellschaft gekürt und umfasst eigentlich auch gleich mehrere Algenarten. Oceanwell setzt konkret auf die /Laminaria saccharina/, Zuckertang, der auch zur Gewinnung von Alginat in Europa von wirtschaftlicher Relevanz ist und den es aus der eigenen Bioalgenfarm in der Ostsee (der ersten dieser Art in Deutschland) und aus norwegischer Bioaquakultur gibt. Die nach dem Naturkosmetik-Standard von Natrue zertifizierte Kosmetik macht sich dabei zur Hautpflege die Feuchtigkeitsbinder im Algenextrakt zunutze, die auch die Pflanzen vor Austrocknung bei Ebbe und UV-Strahlung schützen. Das aus einer von MeeresbiologInnen gegründete Organisation hervorgegangene Pionierunternehmen hat im Jahr 2021 nach den Kriterien der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) bilanziert. Zu haben ist die Kosmetik im Onlinestore oder über die Handelspartner, die im Store-Locator der Website zu finden sind. IIRINA ZELEWITZ oceanwell.de
Da über die Hälfte der weltweiten Tangwälder in den vergangenen 50 Jahren verschwunden ist, machen sich schwedische ForscherInnen Sorgen, ob ihre Tangwälder in so unverändertem Zustand sind, wie die bisherigen Daten glauben lassen. An der norwegischen Westküste hätten sie einen Kollaps von Palmentangwäldern, an dessen Südküste einen starken Rückgang großer Makroalgenbestände quasi vor der eigenen Nase beobachten können, erklärt eine Pressenachricht der Uni Göteborg das dringende Interesse an einer besseren Informationslage zum Zustand der schwedischen Tangwälder. Nun startet ein Team aus ForscherInnen rund um die Meeresökologin Gunilla Toth mit einer Bestandsaufnahme zur genetischen Vielfalt der schwedischen Seetangarten – um herauszufinden, ob verschiedene Arten unterschiedlich gut mit wärmeren Meerestemperaturen oder mit Seeigeln zurechtkommen. Letztere konnten sich weltweit rasant ausbreiten, da ihre Fressfeinde unter Überfischung und wärmeren Meerestemperaturen leiden. Nun sollen Gebiete mit hoher genetischer Algenvielfalt gefunden werden, damit für Projekte zur Wiederherstellung von Algenbeständen erstens auf genetische Diversität und zweitens auf jene Arten gesetzt werden kann, die günstige Voraussetzungen aufweisen. Konkret untersucht werden Zuckertang-, Palmentang- und Fingertangarten. Das Projekt läuft bis 2030. IRINA ZELEWITZ gu.se/en/news
BILD OC EANBASI S G MBH
NUR ALGE, NUR BIO
IN VIELFALT GEGEN DIE IGEL
B IO R A M A 10 3
8
ST R E E T TA L K
STREET TALK WIR FRAGEN, SIEBEN TIEFGEHENDE ANTWORTEN.
»NATURKOSMETIK, WAS IST DAS – UND WORIN BESTEHT DER UNTERSCHIED ZU HERKÖMMLICHER KOSMETIK?« INTERVIEW IRINA ZELEWITZ BILD STEFAN STALLER
MARLENE THERESA
26, Make-up-Artist und Socke, sieben Monate Ich denke, es ist nur Marketing. In den Produkten der großen Naturkosmetikmarken ist häufig auch noch viel Alkohol als Konservierungsmittel drin – aus Perspektive der Hautgesundheit würde ich solche Produkte nur bedingt empfehlen.
30, Social-Media-Marketing Für mich bedeutet es: keine chemischen Inhaltsstoffe, sondern pflanzliche und andere aus der Natur, tierversuchsfrei, wobei das vielleicht nicht immer? Und manchmal auch vegan. Für mich ist das beim Einkaufen wichtig, ich orientiere mich dazu an Marken, die ich kenne, und an Gütesiegeln.
THORSTEN
60, Yogalehrer Ich stelle mir vor, dass die Inhaltsstoffe aus der Natur kommen – dass zum Beispiel Erdölderivate nicht enthalten sind. Und dass sie – so weit es sich um Kosmetik handelt – tierversuchsfrei ist. Denn Tierversuche finde ich traurig, vor allem, wenn sie nur dazu da sind, Menschen zu verschönern. Bei Arzneimitteln und Medikamenten kann man drüber reden. Mein Problem mit Naturkosmetik ist, dass sie oft nicht nur teurer ist – das ist für mich nachvollziehbar –, sondern oft so überteuert, dass es sich keiner mehr leisten kann.
JOHANNA EVA
60, Rentnerin Ich habe eine Vorstellung, denn ich kaufe nur solche Kosmetik. Ich mag sie lieber als chemisch-synthetische. Ich lebe in Ungarn, dort gibt es bei den Drogerieketten wie dm oder Rossmann eigene Abteilungen für Naturkosmetik und dort kaufe ich ein.
38, in Karenz Ich stelle mir darunter vor, dass für Naturkosmetik nur natürliche Stoffe verwendet werden dürfen, auch wenn es nicht gesetzlich geregelt ist. Ich kaufe sie selbst teilweise, bin mir aber bei manchen meiner Produkte auch nicht sicher, ob sie unter Naturkosmetik fallen oder nicht.
ERIC
49, Consultant Ich würde sagen, Naturkosmetik enthält weniger chemisch-synthetische Inhaltsstoffe, mehr solche auf pflanzlicher Basis. Ob das Vorteile hat, weiß ich nicht, ich hoffe, sie sind umweltfreundlicher. Ich wüsste aber nicht, woran ich sie beim Einkaufen eindeutig erkennen könnte – vor lockeren Slogans würde ich mich hüten, sondern nach Gütesiegeln Ausschau halten und mir die Inhaltsstoffe ansehen. Es gibt auch einige Apps, wo man den Barcode scannt und dann erfährt, welche allenfalls problematischen Stoffe enthalten sind. Man muss sich halt informieren.
GUTE FRAGE Puhhh gar nicht so leicht, diese Frage in aller Kürze zu beantworten. Aber ich versuch‘s mal: Im Gemeinwohl-Bericht findest du alle Infos zu unserem NACHHALTIGEN UND SOZIALEN Engagement: Wir setzen auf Sinn- statt Gewinnmaximierung, fördern KOOPERATION statt Konkurrenz, entwickeln BIO weiter, sichern sinnvolle ARBEITSPLÄTZE … O.k., das wird jetzt doch zu lang. Am besten machst du dir selbst ein Bild. Hol dir unseren Bericht im SONNENTOR Geschäft oder blättere gleich online:
ROSHA
25, Friseurin Ich würde sagen: Naturkosmetik ist aus natürlichen Inhaltsstoffen, das heißt: keine »chemischen«. Ich bin ein Gewohnheitsmensch, beim Einkaufen achte ich drauf, aber es ist leider nicht einfach zu erkennen: Wenn ich mir eine Inci-Liste anschaue, verstehe ich nur die Hälfte. Einfacher macht es mir da, dass es Marken gibt, die nur Naturkosmetik machen.
Wir zeigen: Nachhaltigkeit ist messbar
GUTE ANTWORT VON JOHANNES GUTMANN SONNENTOR GRÜNDER
B IO R A M A 10 3
ME E R
10
THE BIGGER PICTURE Der Ozeanograf Arne Biastoch erklärt im Gespräch, warum und wie wir uns vom Meer ein besseres Bild machen müssen. INTERVIEW Irina Zelewitz
Z
eigen neue Daten, dass die klimawandelbedingte Abschwächung jener Meereströmung, die unter anderem für Europas gemäßigtes Wetter verantwortlich ist, schon begonnen hat – oder steht das erst bevor? Unklar ist nicht mehr, ob sich die Strömung in den kommenden Jahren abschwächt, sondern nur mehr, wie stark – und ob und wann wir den Punkt erreichen, an dem sie nicht nur erheblich schwächer, sondern ihr Zusammenbruch unaufhaltbar geworden sein wird. Während viele versuchen, zu begreifen, wie wahrscheinlich das eintritt, und was das bedeuten würde, arbeiten manche KlimaforscherInnen daran, dass jene Szenarien, die mit viel höherer Wahrscheinlichkeit oder Sicherheit eintreten, mehr Aufmerksamkeit bekommen. In der Hoffnung, dass wir nur deshalb nicht schneller und entschlossener Klimaschutzmaßnahmen umsetzen, weil wir noch daran zweifeln, was sonst passieren wird. Einer von ihnen ist der Ozeanograf Arne Biastoch am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Im Gespräch erklärt er, warum er das Horrorszenario eines versiegenden Golfstroms für ein Stellvertreterthema hält, warum wir stattdessen über die notwendige Reduktion von Treibhausgasen
sprechen sollten – und warum wir uns ein neues Bild von den Ozeanen machen sollten. BIORAMA: Sie erinnern sich im Vorstellungsinterview des Helmholtz-Zentrums, dass als Doktorand vor Jahren den Auftrag bekommen haben, fehlende Puzzlesteine in der AMOC zu berechnen und sich dazu »Programme und einen Hochleistungsrechner geschnappt und das gemacht« haben. Wenn das so einfach geht, warum können wir bis heute nicht sagen, was passiert und passieren wird? ARNE BIASTOCH: Die Bewegungsprozesse in Atmosphäre und Ozean, also Ozeanströmung, Temperatur, Salzgehalt, Schichtung und in der Atmosphäre Wind und Temperatur, folgen bekannten physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Das Problem ist nur, man muss diese Gleichung mit Zeitschritten von wenigen Minuten immer weiterrechnen. Und das braucht eben entsprechende Hochleistungsrechner, denn wir wollen ja besser werden. Man kann sich das so ein bisschen wie bei der Wettervorhersage vorstellen. Die sind ja in den letzten Jahrzehnten auch immer besser geworden. Und auch da braucht man eine gewisse Auf-
11 lösung, um die Hochs und Tiefs in der Atmosphäre zu repräsentieren. Wir legen einerseits ein horizontales Raster über den gesamten Weltozean, im Moment mit einer »Auflösung« von 5 bis 10 Kilometern – (auch wenn wir gerne mehr hätten, nämlich eine von einem Kilometer). Da der Ozean ja auch in die Tiefe geht, müssen wir auch die tiefen Schichten entsprechend auflösen. Dieses dreidimensionale Gitter besteht aus Hunderten Millionen sogenannter Gitterpunkte.
BILD ISTOCK.CO M/RIKE _, GEO MA R
Das heißt, die Daten sind vorhanden und mit zunehmender Rechenkapazität können Sie auch den Ozean besser abbilden? Nicht ganz. Die Daten von der Meeresoberfläche können wir mit Satelliten ganz gut kartieren. Elektromagnetische Wellen dringen aber nur einige Zentimeter in den Ozean ein (Licht einige 10 Meter), weiter kommen wir so nicht. Für die Tiefe des Ozeans haben wir keine vergleichbaren Daten. Dort tut sich aber enorm was durch den Einsatz autonomer Instrumente. Wir haben aus der Tiefe punktuelle Messungen – den Rest müssen die Rechenmodelle erledigen. Die US-amerikanische Regierung hat angekündigt, ihre Messtätigkeiten im Projekt Ocean Observatories Initiative einzustellen. Betrifft das Ihre Arbeit direkt? Es betrifft uns unmittelbar, weil Ozeanbeobachtungen seit Jahrzehnten international koordiniert werden. Kein Land kann es alleine schaffen, den gesamten Ozean zu beobachten. Man stimmt sich international dazu ab, wo Messgeräte ausgesetzt werden, teilt sich die Umsetzung. Insofern ist der Rückzug der USA aus diesem System schmerzhaft für die weltweite Forschung. Wir können nur versuchen, einen kleinen Teil dessen, was die USA beigetragen haben, durch den Ausbau eigener Aktivitäten aufzufangen. Jenseits dieser Ocean Observatories Initiative haben wir zweitens aber auch Sorge, dass bestehenden System wie Satelliten abgeschaltet und bereits erfasste Daten nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Kommen die Satellitendaten dafür nur von der NASA? Von der NASA und von der ESA – auch Europa betreibt Forschungssatelliten, aber es gibt Abstimmung, damit nicht zwei Nationen das-
selbe messen. Es ist komplementär angelegt. Ohne die NASA-Daten gibt es keine weltweite Ozeanbeobachtung. Drittens haben die Amerikaner auch die Hälfte eines Systems aus Bojen gestemmt: Tausende sogenannter Argo-Bojen treiben frei im Ozean und geben uns Informationen über die Wassersäule. Sie haben nur eine Lebensdauer von einigen Jahren, ihre kontinuierliche Erneuerung wird auch nicht mehr passieren. Also: Ja. Der angekündigte Rückzug der Amerikaner aus dieser Forschung würde enorme Lücken in der Ozeanbeobachtung reißen. Geschieht das wie von den USA angegeben aus Einsparungsmotiven? Hinter den jetzt angekündigten Maßnahmen stehen keine Einsparungsmotive. Das System etwa, das im Wasser misst, ist bereits dort. Systeme müssen schon immer wieder erneuert werden, alle zwei bis drei Jahre müssen Batterien getauscht werden. Aber jetzt sieht es ja so aus, als würde das System aktiv aus dem Ozean geholt, das bringt keine Einsparung. Es wird versucht, systematische Erdbeobachtung, im konkreten Fall Ozeanbeobachtung, zu verhindern. Nach dem Motto: Wenn wir den Klimawandel nicht sehen, dann kann er auch nicht sein.
Arne Biastoch erforscht am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, welche Rolle das Strömungssystem des Ozeans für unseren Planeten spielt – und wie es sich im Klimawandel verändert.
Apropos »Kann nicht sein«: Lange schien unklar, ob es ein relevantes Risiko gibt, dass der Golfstrom versiegt oder ob das
Oberflächenströmungen in einem hochauflösenden Ozeanmodell des Geomar-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung.
B IO R A M A 10 3
ME E R
12
DIE AMOC
Eine viel beachtete Studie aus dem Frühjahr 2026 sieht bereits als wahrscheinlichstes Szenario, dass bei weiterhin hohen CO2-Emissionen erstens bis Ende des Jahrhunderts eine Abschwächung von 30 bis 50 Prozent der AMOC eintreten wird und zweitens bereits Mitte dieses Jahrhunderts der Punkt erreicht wird, dessen Auswirkungen dann unumkehrbar zu einem sich bis Mitte des nächsten Jahrhunderts ziehenden Kollaps führen. Auch wenn unsicher ist, ob und wann solche Kipppunkte erreicht werden, unumkehrbare Entwicklungen in Gang gesetzt sein werden: Noch gibt es Möglichkeiten, gegenzusteuern.
eher ein unrealistisches Horrorszenario ist. Und »plötzlich« ist beobachtbar, dass wir höchstwahrscheinlich schon mittendrin sind, dass er sich schon abschwächt und die Kipppunkte womöglich in naher Zukunft liegen. Die Atlantische Meridionale Umwälzbewegung (AMOC) ist ein System von Strömungen, sie umfasst nicht nur den Golfstrom, sondern den gesamten Atlantik. Ein Abreißen der AMOC und damit auch der Golfstromzirkulation ist ein Ereignis mit insgesamt sehr niedriger Wahrscheinlichkeit, aber riesigen Auswirkungen. Wir reden dann von Eiszeiten, allerdings in langen Zeiträumen. Gleichzeitig wis-
Die Atlantische Meridionale Umwälzbewegung (AMOC) besteht aus warmen Oberflächenströmungen (rote Pfeile) und kalten Tiefenströmungen (blaue Pfeile). Der Golfstrom ist eine Komponente dieses Systems.
sen wir aber aus allen Klimamodellen sehr wohl, dass eine Abschwächung – falls sie nicht schon da ist – kommen wird. Die Frage ist nur, wie stark. Und ob sich ein Teil davon noch reparieren lässt. Anders gesagt: Wird sich das System wieder erholen, wenn wir in der Zukunft die Emission von Treibhausgasen stoppen? Im Moment ist das unheimlich schwer zu sagen und es streitet sich auch die Wissenschaft, ob wir schon eine Abschwächung der AMOC sehen. Ich bin Teil einer Gruppe von WissenschaftlerInnen, die nach dem statistischen Beweis sucht, um zu sagen: Was wir sehen, ist sicher nicht mehr Teil der natürlichen Variabilität. Ziel ist, nach einer Abschlusskonferenz Ende des Jahres einen Report zu veröffentlichen, den alle beteiligten WissenschaftlerInnen unterschreiben können, der auch einen klaren Auftrag an die Politik enthält. An wen wird sich dieser richten? Die ForscherInnen stammen aus den EU-Mitgliedstaaten und Kanada, daher werden die Handlungsempfehlungen an die EntscheidungsträgerInnen in den europäischen Staaten und Kanada adressiert. Es gibt ja auch Geoengineering-Ideen in Ihrem Feld. Was halten Sie von Modellierungen wie der zu einem Dammbau in der Beringstraße, der den Golfstrom retten könnte, von der Universität Utrecht? Ist das kontraproduktiv oder spannend? Wir Wissenschaftler sind immer neugierig genug, um gerne zu sehen: Was wäre, wenn? Aber hierdurch entstehen auch falsche Vorstellungen. Zunächst einmal ist es technisch gar nicht möglich, in den riesigen Wassertiefen, um die es hier geht, einen Damm zu bauen. Ganz abgesehen von der Frage, wie das jemals finanziert würde, wenn es technisch möglich wäre. Außerdem ist das Klimasystem so komplex, dass ein solcher Eingriff auch ganz schnell mal in die andere Richtung gehen kann. Wir können mit recht geringem Aufwand an der Vergrößerung von Seegraswiesen und der Wiedervernässung von Mooren arbeiten – hier sind positive Effekte sicher und negative so gut wie ausgeschlossen. Aber wenn es darum geht, künstlich durch irgendwelche Silberpartikel
BILD ISTOCK.C OM/RIKE _, GEO MA R-NOEQ , GE OMAR
Der Golfstrom steht umgangssprachlich für ein größeres System, dessen Teil er ist: die Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation (AMOC). In ihren oberen Schichten fließt warmes, salzhaltiges Wasser vom Süd- in den Nordatlantik. Dort kühlt und sinkt es ab und kommt als Tiefenstrom zurück in den Süden. Der Antrieb für die »Umwälzpumpe« sind Temperatur- und Salzkonzentrationsunterschiede im Ozean – beides verändert sich periodisch und künftig verstärkt durch den Klimawandel.
Wie kann man absurde von machbaren Geoengineering-Ideen unterscheiden? Die Verantwortung liegt bei der Wissenschaft. Sie muss Gedankenexperimente klar als solche kommunizieren. Sie sind sinnvoll, wir verstehen durch sie das Erdsystem besser. Es gilt für Simulationen, wo das Golfstrom-System zusammenbricht, für Carbon Dioxide Removal oder Klimamanipulationsexperimente. Aber man soll nicht alles, was man durchspielt, zugespitzt zum Aufhänger einer Pressemitteilung machen, bei der man den Eindruck bekommt, es handelt sich um eine Prognose oder eine gangbare Lösung. Sie kritisieren weniger die Medien als die Wissenschaftskommunikation der Forschung? Ich glaube, den Medien kann man keinen Vorwurf machen. Die werden auf die extremen Szenarien aufspringen. Es ist eher unsere Verantwortung, wissenschaftliche Ergebnisse einzuordnen und wahrscheinliche Szenarien von hypothetischen zu trennen – und was sein könnte von dem, was sinnvoll ist. Verlieren wir uns in den Szenarien, die kalkulieren, was etwa bei 1,5 Grad Erwärmung passieren könnte und was bei zwei oder mehr und erwarten, dass es schon nicht so schlimm wird? Wie viel Konfrontation mit Wahrscheinlichkeiten ist der Öffentlichkeit zumutbar? Leider sind die lautesten Stimmen jene, die die spektakulärsten Szenarien schildern, das ist nicht immer hilfreich. Ich bin lieber vorsichtiger. Es wird eine Abschwächung geben, das sagen alle Klimamodelle. Eine Frage ist dann aber, wird es wirklich eine um 50 Prozent oder »nur« um 20 Prozent sein. Denn das entscheidet ja auch mit darüber, ob man an Lösungsperspektiven glaubt und ob man die Risiken durch die hoffentlich kommenden Reduktionen der Treibhausgase minimieren kann. In meinen Augen ist der mögliche Kollaps der AMOCund des Golfstroms ein Stellvertreterthema. Derzeit kann man Menschen, die einwenden, dass das Risiko relativ gering ist, noch wenig entgegensetzen. Und damit wischen die aber erfolgreich das ganze Thema Ozeanerhitzung vom Tisch. Als Ergebnis finden andere Aspekte weniger Eingang in die Presse.
Sommer auf Griechisch Die Olivenöl-Helden von MANI Bläuel bringen griechischen Genuss an jedem Sommertag. Lange Abende, leichte Gerichte und gemeinsames Genießen im Freien: So schmeckt der Sommer. Die griechische Küche zeigt, wie einfach guter Geschmack sein kann. Die Basis: ein gutes Olivenöl, das jedes Gericht abrundet. Die Olivenöl-Helden »Der Familienheld« und »Der Küchenheld« von MANI Bläuel bringen griechische Leichtigkeit direkt auf den Teller und passen zu allem, was die Sommeküche ausmacht: von frischen Salaten bis hin zu leckeren Grillbeilagen für gesellige Abende. »Der Familienheld« ist mild-fruchtig, vielseitig und bringt die ganze Familie an einen Tisch. »Der Küchenheld« ist ideal zum Kochen, Braten, Backen und Grillen. Sommerlicher Genusstipp: Tomaten auf Kräutercreme mit geröstetem Brot und gegrillte Zucchini mit Feta und Pinienkernen – perfekt für jeden Grillabend. Diese und weitere Rezepte gibt es auf mani.bio/rezepte MANI Bläuel verlost 25 Genusspakete mit den Olivenöl-Helden. Mehr dazu auf mani.bio/gewinnspiel
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG VON MANI BLÄUEL
in der Atmosphäre Sonnenlicht zu dimmen, ist das Risiko für verheerende Nebeneffekte groß. Mit dem Klimasystem experimentiert man nicht herum – was wir diesbezüglich durch die Emission von Treibhausgasen tun, ist gefährlich genug.
ME E R
B IO R A M A 10 3
14
Carbon Dioxide Removal Methoden zur Entnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre. CO₂ (auch Carbon Capture) kann künstlich im Untergrund gespeichert werden, die Speicherung (Storage) in solchen technischen Senken ist aufgrund von Kosten, Energieverbrauch und Risiken für Mensch und Umwelt umstritten. Daneben gibt es natürliche Verfahren, wie zum Beispiel die Schaffung von mehr Seegraswiesen, die dann vermehrt CO₂ aufnehmen und binden können.
Welche zum Beispiel? Sehr wahrscheinlich sind häufige und extreme marine Hitzewellen und der Anstieg des Meeresspiegels, auch an europäischen Küsten. Im Moment haben wir eine marine Hitzewelle im Nordatlantik und im Mittelmeer. Marine Hitzewellen führen zu Extremwetter – wahrscheinlich auch dieses Jahr wieder in Europa: Wärmere Luft nimmt mehr Wasserdampf auf, transportiert ihn bei entsprechenden Windverhältnissen Richtung Land und regnet ihn dort ab – Starkregen und Überschwemmungen sind eine Konsequenz. Ich weiß, dass eine Eiszeit als Schreckensszenario eines zusammengebrochenen Golfstromsystems plakativer ist als ein Meeresspiegelanstieg von einigen Millimetern pro Jahr, den man erst mal nicht sieht. Wenn wir jetzt das Emittieren von Treibhausgasen stoppen, wird der Meeresspiegel noch über Jahrhunderte ansteigen, das ist sicher – und bedeutet gravierende Konsequenzen. Die gilt es zu veranschaulichen. Aber wir können jetzt noch etwas tun, um diese künftigen Entwicklungen zu begrenzen. Alles, was wir zur Reduktion von Treibhausgasemissionen unternehmen, hilft uns außerdem bei allen genannten Problemen: Meeresspiegelanstieg, marine Extreme und AMOC. Gibt es Menschen, die von Ihnen wissen möchten, wo in Europa es sich in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts am besten leben lässt? Wir quantifizieren, wie sich das Klima in seinen regionalen Ausprägungen ändern wird. Die großen Rückversicherungen können dazu wohl
die besseren Risikoabschätzungen für einzelne Regionen wie die deutschen Küsten geben. Dass viele Menschen weltweit jetzt schon an der Schwelle stehen, ihre Heimat verlassen zu müssen, ist aber, glaube ich, klar. Wir nutzen unsere Erkenntnisse, um über die großen Veränderungen zu informieren. Was ist die eine Information, die Sie dazu verbreiten möchten? Der Ozean hat eine enorm wichtige Rolle im Klimasystem, weil er 90 Prozent der anthropogenen Wärme und 30 Prozent des anthropogenen CO2 aufgenommen hat. Wenn wir den Ozean nicht als Wärmepuffer hätten, hätten wir jetzt wahrscheinlich schon 2 °C mehr atmosphärische Erwärmung. Das veranschaulicht auch, dass CO2-Aufnahmekapazitäten mehr in den Fokus rücken sollten, auch künstliche werden wichtiger werden. Die Meere spielen eine enorme Pufferrolle – ob das so bleibt, ist sehr unsicher. Insofern ist es entscheidend, den Ozean zu schützen, auch vor Vermüllung, auch seine Artenvielfalt. Das heißt aber, Carbon Removal und Carbon Storage sind ein Teil der Lösung? Ich fürchte: Ja. Vor fünf Jahren haben wir eher gesagt: Nee, wollen wir nicht, weil das von der nötigen Anstrengung, Treibhausgasemissionen zu stoppen und regenerative Energie auszubauen, ablenkt. Bestimmte Bereiche lassen sich allerdings nicht CO2-neutral betreiben, und deshalb wird künstliche CO2-Entnahme ein kleiner, aber wichtiger Baustein sein. Ablenken kann es ja immer noch, auch wenn es nicht ohne geht? Das stimmt. Ich denke, man sollte klar dazu sagen: Wir können gar nicht so viel CO2 künstlich aus der Atmosphäre nehmen und irgendwo speichern, dass es den Druck aus der Notwendigkeit zur Reduktion der Emissionen nimmt. Und Technologien zur Vermeidung von Treibhausgasen sind deutlich günstiger als die kostspieligen Ideen zur künstlichen Entnahme. Wir wissen ja jetzt von den erneuerbaren Energien oder Elektromobilität: Es gibt viele Möglichkeiten zur Reduktion von CO2-Emissionen, die auch wirtschaftlich attraktiv sind.
BILD ISTOCK.CO M/RIKE _
»Es wird versucht, systematische Erdbeobachtung, im konkreten Fall Ozeanbeobachtung, zu verhindern. Nach dem Motto: Wenn wir den Klimawandel nicht sehen, dann kann er auch nicht sein.« — Arne Biastoch, Ozeanograf
BIO R A M A 1 0 3
GE F L Ü GE L
15
DRAUSSEN VOR DER STALLTÜR Viren der Vogelgrippe haben sich dauerhaft in küstennahen Kolonien von Wildvögeln eingenistet. Die Bio- und Freilandhaltung von Geflügel wird zum Risikogeschäft.
BILD ISTOC K. COM/F. GORG UN
Z
wei tot aufgefundene Singschwäne auf Rügen waren 2006 die ersten Vorboten der Geflügelpest in Deutschland. Bald waren nach weiteren Wildvögeln landwirtschaftliche Geflügelbestände und vereinzelt auch Säugetiere betroffen. Im Februar erinnerte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) des Bundes an »20 Jahre Vogelgrippe ›H5N1‹ in Deutschland – und einen Steinmarder und zwei Freigängerkatzen als erste offizielle deutsche Säugetiere unter den Opfern«. Aktuell schätzt das FLI das Risiko für alle Wildvögelund Nutzgeflügelbestände als »hoch« ein: »Im Wildvogelbereich bestehen kaum Möglichkeiten, die Ausbreitung und das dortige Tierleid zu vermindern.« Bis vor Kurzem galt die »Vogelgrippe« – eine aggressive Virusinfektion, die Mitte der 1990er-Jahre in China entstand und sich über den Vogelzug auch bis nach Europa ausbreitete – vor allem als Problem der Massentierhaltung. Wo sich in der globalisierten Geflügelwirtschaft Mast- oder Legehühner, Puten oder Gän-
se zu Tausenden dicht an dicht drängen, verbreiten sich Krankheiten wie das hochpathogene aviäre Influenzavirus besonders schnell und mutieren in Windeseile zu neuen, mitunter noch aggressiveren Varianten, von denen auch für Wildvögel, andere Tiere und nicht zuletzt den Menschen eine Gefahr ausgeht. Aufnahmen von Menschen in Seuchenschutzanzügen, die verendete Wildvögel einsammeln, und Meldungen wie »175.000 Legehennen im Landkreis Vechta gekeult« zeichneten ein eindeutiges Bild.
DIE MÖWE ALS VIRENSCHLEUDER Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen allerdings, dass sich die Lage grundlegend geändert hat. Am britischen Pirbright Institute, das auf Zoonosen und Tierseuchen spezialisiert ist, hat sich der Virologe Ian H. Brown das einschlägige europäische Infektionsgeschehen der vergangenen Jahre angesehen. Seine jüngst im Canadian Journal of Microbiology veröffentlichte Studie belegt,
TEXT Thomas Weber
H5N1 Die Vogelgrippe ist eine hochgradig ansteckende Viruserkrankung, die v. a. Geflügel und Wildgeflügel betrifft, die nicht automatisch zum Tod der Tiere führt, sich aber schnell in Herden ausbreiten kann. 2023 verbreitete sich der H5N1-Subtyp weltweit und dehnte sein Wirtsspektrum auf bislang mehr als 50 Säugetierarten aus. Über kontaminierte Umgebung und durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren kann sie auf den Menschen übertragen werden.
B IO R A M A 10 3
GE F L Ü GEL
16
Im Frühjahr 2026 im Canadian Journal of Microbiology erschienene Studie von Ian H. Brown und Chris Neil.
schen Ländern Tausende Graukraniche. Wobei immer öfter auch fleischfressende Säugetiere wie Füchse, Waschbären, Marderhunde, Robben oder Nerze betroffen sind. Das verstärkt die Sorge um eine Anpassung des Virus und das Auftreten neuer, auch für Mensch oder Nutztier bedrohlicher Subtypen. Die in den Niederlanden bei einer Milchkuh bestätigten Antikörper gegen H5N1 werden allerdings als »serologischer Einzelnachweis« eingestuft. Über Zugvögel wird das Virus aus Küstenregionen bis weit ins Landesinnere verbreitet. Über die für die Biodiversität und den Vogelzug wichtigen Rastplätze und Feuchtgebiete kann die Geflügelpest überall auftreten. Bisher bewährte Maßnahmen der Seuchenbekämpfung – regionale Stallpflicht oder die Keulung ganzer Tierbestände – bleiben zwar weiterhin sinnvoll, reichen aber nicht mehr aus. Wildvögel lassen sich nicht kontrollieren. Die Geflügelhaltung wird so zum Risikogeschäft. Man beobachte »die saisonale Geflügelpestlage sehr genau«, heißt es aus dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Die konkrete Tierseuchenbekämpfung ist allerdings Aufgabe der Bundes-
Je weniger dicht Geflügel gehalten wird, desto geringer ist auch im Freiland das Infektionsrisiko. Auch Büsche und Bäume im Auslauf dürften es reduzieren. Die Forschung steht erst am Anfang.
BILD ISTOC K. COM/DE E PBLU E4YOU
»Epidemiology and impact of high pathogenicity avian influenza in Europe 2020–2025«
dass sich das Virus inzwischen dauerhaft in europäischen Seevogelkolonien etabliert hat. Es hat sich genetisch an Wildvögel angepasst und wird vor allem von Arten, die in großer Zahl eng an eng an Küsten brüten – beispielsweise Möwen, Basstölpel oder Seeschwalben – verbreitet. Als opportunistische Aasfresser gelten besonders Möwen als potenzielle Virenschleudern. Auch dass sich durch den Klimawandel die Routen mancher Zugvögel ändern und sich dürrebedingt Vögel unterschiedlicher Arten an weniger Gewässern tummeln, könnte eine Ursache sein. Anders als früher ist die Geflügelpest damit keine saisonale Erscheinung mehr (die mit Zugvögeln kommt und geht), sondern als ökologisches Netzwerkphänomen dauerhaft in Reichweite landwirtschaftlicher Betriebe. Es gibt anhaltende Infektionsketten zwischen wild und in Gefangenschaft lebenden Vögeln. Ein besonderes Risiko stellen große Brutkolonien von Seevögeln dar. Dort verbreitet sich das Virus nicht nur schnell, sondern mutiert auch. Mancherorts kam es zuletzt zu massenhaftem Sterben. So verendeten im vergangenen Winter in Deutschland und anderen europäi-
17
länder. Allfällige Maßnahmen – beispielsweise das Verhängen einer Stallpflicht (»Aufstallung«) für im Freiland gehaltenes Geflügel – werden von den lokalen Veterinärbehörden verordnet. Um rechtzeitig reagieren zu können, gibt es in vielen Bundesländern ein intensives Monitoring. In Niedersachsen beispielsweise werden neben Geflügel aus Nutztierhaltung auch Wildvögel und »terrestrische Prädatoren« – das heißt: Füchse, Marderhunde, Marder und Waschbären – auf das Influenzavirus untersucht. Das passive Monitoring findet ganzjährig statt. Dafür werden vorrangig erkrankte und verendete Wildvögel untersucht, insbesondere an Gewässern in der Nähe von Betrieben mit Geflügelhaltung. In das aktive Monitoring wird die JägerInnenschaft eingebunden. Von September bis Januar werden von niedersächsischen JägerInnen mindestens 750 Proben als kombinierte Rachen- und Kloakentupfer entnommen. »Ausschließlich bei Wildvogelarten, für die Jagdzeiten festgesetzt sind«, erklärt Christiane Schulz-Geffken vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Auch Fuchs, Waschbär & Co. werden untersucht, sofern verendet oder offensichtlich erkrankt. Allein für den Zeitraum Oktober 2025 bis Ende Januar 2026 seien in Niedersachsen Proben von 1400 Wildvögeln und 30 Raubtieren untersucht worden, so Schulz-Geffken.
FREILAUFENDE KATZEN ALS RISIKO Fest steht jedenfalls: Gerade die Bio- und Freilandhaltung von Geflügel, die aus Gründen des Tierwohls und der artgerechten Haltung gesellschaftlich besonders erwünscht sind, ist epidemiologisch verletzlicher geworden. Noch so gewissenhafte Hygiene- und Präventionsmaßnahmen gewähren keine vollständige Sicherheit. »Eine Seuche kann jeden Betrieb treffen«, sagt Leon Mohr, Sprecher des deutschen Biolandwirtschaftsverbands Bioland. Er fordert: »Wenn eine Region akut betroffen ist, müssen Biobetriebe ihre Bestände aufstallen (einsperren, Anm.) dürfen, ohne damit die Biovermarktung zu riskieren.« Bei einer angeordneten Stallpflicht sei das in der
Als opportunistische Aasfresser gelten besonders Möwen als potenzielle Virenschleudern.
Regel gegeben, wobei die Entscheidung beim zuständigen Veterinäramt liege. Nichtsdestotrotz gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die sich bislang als weitgehend wirksam erwiesen haben. Beispielsweise überdachte oder durch Netze und Dächer geschützte Freilandbereiche, die den Kontakt zu Wildvögeln vermeiden helfen. Weil Wasserflächen und Feuchtgebiete als besondere Risikogebiete gelten, sollte Geflügel zudem keinen Kontakt zu offenen Gewässern haben, das auch von Wildvögeln genutzt wird. GeflügelhalterInnen wird zudem empfohlen, ihre Tierbestände genau im Blick zu behalten – etwa auf ein ungewöhnliches Nachlassen der Legeleistung bei Hühnern oder eine ungewöhnliche Häufung von Todesfällen. Auch wer kein Geflügel hält, kann laut Friedrich-Loeffler-Institut in Gegenden mit verordneter Stallpflicht für Geflügel die Verbreitung von H5N1 bremsen bzw. die Zoonosengefahr reduzieren: »In diesen Regionen sollten Hunde angeleint und der Freilauf von Katzen eingeschränkt werden.«
TEMPORÄRE STALLHALTUNG Noch ist schwer absehbar, welche Veränderungen das allgegenwärtige Virus langfristig für die Bio- und Freilandhaltung von Geflügel bringt und ob es in absehbarer Zeit vielleicht sogar Auswirkungen auf die Bioverordnung der EU hat. Während sich die Biohaltung von Rindern langsam, aber sicher von lange akzeptierten Ausnahmen verabschiedet hat und Rinder in Österreich seit 2022 und in Deutschland seit 2025 verpflichtend auf die Weide müssen (Stichwort: Weideverordnung), werden wir uns beim Biogeflügel womöglich an größere Flexibilität – und Phasen temporärer Stallhaltung – gewöhnen müssen.
Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) gibt es keine Hinweise darauf, dass Vogelgrippe durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel übertragen wird. Küchenhygiene, gründliches Durchgaren von Fleisch und vorsichtige Handhabung mit rohem Fleisch sind allerdings empfohlen.
Eine Landschaft lässt sich nie besser erleben, als wenn wir sie uns erwandern, und Niederösterreich mit seinen zahllosen verschiedenen Landschaften ist da ein besonders reiches Wunderland. Beim Gehen haben wir genau jenes Tempo drauf, das uns erlaubt, die Welt umfassend wahrzunehmen – Schritt für Schritt, mit Blick für das, was sonst leicht vorbeizieht.
WAS SICH ZEIGT
wandert, erkennt, wie Wespen ganz buchstäblich besoffen sind vom Glück der überreifen Auswahl. Wer durch einen der vielen Flüsse des Waldviertels watet, merkt, dass Libellen als Larven erst Tiefsee-Ungeheuer sind, bevor sie sich zu tanzenden Engeln verwandeln dürfen. Und wer durch den Wienerwald wandert, sieht, wie viel Leben gerade in totem Holz ist.
Die Farben des vergehenden Sommers im Höllental, der durchdringend frische Duft des Bärlauchs im Wienerwald, oder der Geruch von warmen Steinen nach einem Sommerregen im Waldviertel, die Warnrufe des Bibers (klingt verblüffend wie ein weinendes Baby!) in den Donauauen und das Knirschen des Schnees unter den Stiefeln im winterlichen Weingarten: Am köstlichsten lässt sich diese Art von Schönheit zu Fuß auskosten. Wer im Spätsommer über die Niederösterreich hat viele attraktive WeinwanderStreuobstwiesen im Mostviertel wege, so auch in Enzersfeld im Weinviertel.
WAS VERBORGEN LIEGT Und dann ist da noch die besondere Freude, einen Ort zu erreichen, der nur zu Fuß erobert werden kann. Eine Kuppe mit unerwarteter Aussicht, ein tiefer, grüner Teich im Wald, eine windschiefe Hütte aus versunkener Zeit, mitten in den Weinbergen: Überlaufen sind so versteckte Schätze wie diese niemals, und wenn Sie Glück haben, haben Sie nicht einmal Handyempfang!
B ILD LINKS OBEN: PATRICK WASS HUBER, LI NKS U NTEN: WE INVIE RTE L TOU RIS MUS / SOPHI E MEN EGA LDO , RECHTS: ROBIN UTHE
Wo aus Schritten Eindrücke werden
Gehen ist zwar Anstrengung – aber eine, die die längste Zeit belebt und nicht ermüdet. Das gilt auch für die forderndste Art des Wanderns, das Bergsteigen. Die niederösterreichischen Alpen halten da ziemliche Überraschungen auf Lager, auch für erfahrene Berggeher:innen. Wer etwa den Rauhen Kamm am Ötscher nicht kennt, der hat als Alpinist:in noch lange nicht alles erlebt. Oder, durchaus beschaulicher, beim Hüttenhüpfen auf der Rax, wo man wie die sprichwörtlichen Gemsen über Almwiesen hüpft und die nächste Hütte nicht allzu weit weg ist.
Aber das Schöne ist nicht immer extrem. Im Sommer ist nichts erfrischender, als durch schattige Täler entlang eines Flusses oder glucksenden Baches zu gehen, wo man sich die Füße (oder mehr!) ganz wunderbar abkühlen kann. Die Ysperklamm mit ihren steinernen Becken und Wasserfällen zwischen steilen Felswänden ist wohl eines der spektakulärsten, aber bei weitem nicht das einzige Beispiel.
WAS SCHMECKT Und der aufrechte Gang zum Genuss? Den lassen sich auch jene, die das Gehen sonst gerne kurzhalten, nicht entgehen. Nie schmeckt der Wein nämlich besser, als wenn man vorher genau dort spazieren war, wo er gewachsen ist, im Weingarten. Oder dort, wo er wird, in den uralten Kellergassen des Weinviertels. Achterl zählen müssen jene, die zu Fuß nach Hause gehen, sowieso nicht. An den steilen, ja felsigen Hängen der Wachau, etwa auf dem Welterbesteig, lassen sich sogar Genuss und Höhenrausch verbinden.
WAS WEITER FÜHRT Am allerbesten lässt sich das alles mit etwas Zeit erleben. Wer nicht nur ein paar Stunden, sondern ein paar Tage wandert, kann aus einem Wochenende eine Weltreise machen, und aus einer Woche einen Urlaub, der sich wie ein Jahr Auszeit anfühlt. Ganz abgesehen davon, dass dem übernachtenden Wandergast die schönsten Zeiten des Tages geschenkt werden: die Morgenröte und der Sonnenuntergang. In Niederösterreich lässt sich so eine längere Tour besonders bequem gestalten: Auf den schönsten Routen kann man sich das Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft bringen lassen und völlig unbeschwert ausschreiten. Oder fast. Die Jause (Speck! Bauernbrot! Käse!) müssen Sie selbst tragen, zumindest bis zur ersten Rast.
WAS GUT TUT So ein Wanderurlaub ist übrigens nicht bloß schön, sondern auch gesund – und klüger wird man noch dazu. Wandernde freuen sich über weniger Schlaganfälle und Herzinfarkte, Depressionen, Diabetes und Gewicht, dafür über mehr Zufriedenheit und gute Ideen. Also, worauf warten Sie noch? Los geht’s!
Erfrischung bietet in Niederösterreich nicht nur der Wanderweg im Höllental.
ALLES, WAS SIE DAFÜR BRAUCHEN, FINDEN SIE AUF NIEDEROESTERREICH.AT/WANDERN. ODER NOCH SCHNELLER: QR-CODE SCANNEN UND DEN ERSTEN SCHRITT SETZEN: Planen Sie Ihren Urlaub in Niederösterreich? Wir helfen gerne weiter: Tel +43 (0)2742/9000-9000 info@noe.co.at, www.niederoesterreich.at visitniederoesterreich visitniederoesterreich
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG VON NIEDERÖSTERREICH WERBUNG
WAS ERFRISCHT
ausdauernd, ökologisch & vielfältig
Krems und Umgebung
GENIEßE DEN FRÜHLING MIT DER BERGKRÄUTER
TEE-VIE LFALT EINE VERANSTALTUNG DER NÖ FESTIVAL UND KINO GMBH IN KOOPERATION MIT ÖSTERREICH 1
www.bergkraeuter.at
Salvia nemorosa 'Eos'
Kontrollstelle DE-ÖKO-006
www.gaissmayer.de
Gestalten Sie Ihr eigenes Stauden- & Kräuter-Paradies
BIO R A M A 1 0 3
BABY NAHR U N G
21
TEXT Irina Zelewitz
WEG VON DER KUNSTSTOFFFLASCHE?
BILD ISTOCK.CO M/ARTO CANON
W
Ausgerechnet Säuglinge sind oft hohen Mikroplastikmengen ausgesetzt. Eine erhebliche Rolle spielt vermutlich das »Flascherl«.
enn der moderne Mensch das Licht der Welt erblickt, ist er mit Plastik längst vertraut. Wie man seit dem Jahr 2020 weiß, als in Italien erstmals Plazenten auf Mikroplastik untersucht wurden – und es in allen nachgewiesen werden konnte. Die Veröffentlichung im Fachmagazin »Environment International« reihte sich neben den Nachweis von Mikroplastik im Marianengraben (2019), am Mount Everest (2020) und in Muttermilch (2022). Und seit 2024 ist bekannt, dass Mikroplastik auch die Blut-Hirn-Schranke durchdringt. Wir wissen: Wo Mikroplastik ist, ist erst recht Nanoplastik zu finden; auch wenn es – es kann sehr klein sein – teilweise sogar mit Hilfsmitteln nicht sichtbar ist. Dass Partikelgröße und ZUsammensetzung eine Rolle dabei spielen, wie er sich verbreitet, wieder abbaut und wie gesundheitsschädlich er ist; und dass oft nicht der Kunststoff selbst, sondern Stoffe, die bei-
gemengt werden oder sich gern an ihn binden, die größere Gefahr darstellen.
GEFAHREN Umso wichtiger ist es, jenes Plastik, das noch nicht am Grund des Marianengrabens liegt, davor zu bewahren, dorthin zu gelangen – keinen Beitrag dazu, sondern einen dagegen zu leisten. Und man kann freilich auch nach wie vor viele Aufnahmewege von Mikroplastik vermeiden oder verringern. Besonders groß ist diese, wie Studien nahelegen, ausgerechnet bei Säuglingen. »Das ist vor allem insofern ein Problem, als sowohl die Barriere des Darmes als auch das Immunsystem und das endokrine System sich gerade erst entwickeln«, erklärt die Nanotoxikologin Eleonore Fröhlich, die an der Medizinischen Universität Graz unter anderem zu möglichen Gesundheitsfolgen der Aufnahme von Mikro- und Nanoplastik in den Körper forscht. Wobei das endokrine System die ganze
Platinvernetztes Silikon Platin-Silikonkautschuk wird derzeit in der Produktentwicklung für Medizinprodukte, Babyartikel und Produkte mit Lebensmittelkontakt getestet.
B IO R A M A 10 3
BABY NA H R U N G
22
Forschung zu Schadstoffen aus Babyflaschen 2020 erschien im Journal Nature Food die Studie »Microplastic release from the degradation of polypropylene feeding bottles during infant formula preparation«, die auch explizit das Sterilisieren miteinbezog und zeigte, dass die Zubereitung von Formelmilch gemäß WHO-Leitlinien zu erheblicher Mikroplastikexposition führt.
Die Studie »Thermal degradation and microplastic emission in polypropylene infant bottles: A laser direct infrared imaging study for exposure risk assessment« (Food Control) wies 2025 nach, dass auch Flaschen aus PPSU und Silikon messbar Polymerpartikel abgeben.
Eleonore Fröhlich Die Medizinerin und Biochemikerin und vielzitierte Toxikologin forscht am Zentrum für Medizinische Forschung (ZMF) der Medizinischen Universität Graz.
Kindheit zur Reifung braucht, die Dichtheit der erwachsenen Darmbarriere in den ersten zwölf Monaten entsteht und das Immunsystem des Darmes bis zum zweiten oder dritten Lebensjahr. Anders gesagt: Einerseits gelangt über den Mund aufgenommenes Mikroplastik bei Säuglingen viel einfacher in Bereiche des Körpers, wo es nicht wieder ausgeschieden wird, sondern sich dauerhaft ablagert. Andererseits kann es dort bei Säuglingen und Kleinkindern größeren Schaden anrichten als bei älteren Kindern und Erwachsenen. Darüber, welche Schäden das im Lauf eines Lebens sein können, ist noch wenig eindeutig belegt: Wer heute alt ist, war in seiner Kindheit und insgesamt im Leben seltener Mikroplastik ausgesetzt als heute geborene Kohorten. Und da sich die Ablagerungen im Laufe des Lebens ansammeln, sorge eine frühe Exposition schlicht auch dafür, dass sich mit den Lebensjahren mehr Plastik im Körper befindet, bemerkt Fröhlich. Unter den vielen bekannten und plausiblen Risiken bereiten der Nanotoxikologin die Partikeleigenschaften des Kunststoffs die größten Sorgen: Man wisse aus Tierversuchen und auch aus Untersuchungen von menschlichen Zellen, dass die Partikel von Fresszellen aufgenommen werden und deren Funktion negativ beeinflussen. Das heißt: »Fresszellen betrachten diese Partikel als Feind. Und das Ergebnis ist chronische Entzündung und eine ständige Aktivierung des Immunsystems. Das lässt sich inzwischen eindeutig nachweisen«, betont Fröhlich. Auch wenn noch keine klare Kausalität zwischen dem Vorhandensein von Kunststoffpartikeln im Körper und dem Entstehen bestimmter Krankheiten nachgewiesen werden konnte, weil der methodisch saubere Ausschluss anderer möglicher Gründe schwer ist: Der Grundmechanismus einer schädlichen Wirkung ist jedoch vielfach belegt. Fröhlich zufolge rechnet man zuerst und vor allem dort mit Auswirkungen, wo die Exposition stattfindet – »etwa in der Lunge, im Darm, … und die Organe im Körper wollen nicht ständig in Alarmbereitschaft sein«.
DER WEG IN DEN KÖRPER Die größte Menge an Kunststoffpartikeln nehmen Menschen oral auf – über Wasser und Nahrung. Die zweitgrößte über die Luft. Diese zwei Quellen sind bei Säuglingen womöglich noch relevanter, erstens befinden sie sich
die meiste Zeit in Bodennähe, wo die Luft stärker mit Kunststoffpartikeln belastet ist. Zweitens trinken und nuckeln viele mehrere Stunden am Tag aus und an Kunststoffprodukten. 2020 wurde nachgewiesen, dass Babyflaschen aus dem für diese üblichen Material Polypropylen (PP) bei sachgemäßer und von Herstellern empfohlener Verwendung Unmengen von Mikroplastik freisetzen. Nicht nur, aber besonders beim Verzehr von Formelmilch. Der Großteil des Plastiks wird dabei bei der Reinigung und Zubereitung freigesetzt: Mindestens vor dem Erstgebrauch in kochend heißem Wasser sterilisieren, mit heißem Wasser anmischen, schütteln – das Rezept zur Lösung von Partikeln aus der Flasche steht in der Bedienungsanleitung. Dass auch der Saugeraufsatz und die Dichtungsringe nachweislich ihren Schadstoffbeitrag leisten – legt die Vermutung nahe, dass Ähnliches auch für Schnuller gilt, für die dieselbe Materialauswahl auf dem Markt besteht: Silikon, Kunststoff oder Kautschuk. Doch auch Silikon und Kautschuk geben Partikel ab und sind nicht chemikalienfrei.
WO ANFANGEN? Die gute Nachricht: Jene Stoffe in Bestandteilen von Babyflaschen, denen bisher die gravierendste negative Wirkung nachgewiesen werden konnte, lassen sich vermeiden: die Weichmacher. Das sehr häufig eingesetzte Bisphenol A ist in der EU seit Mai 2011 in Babyflaschen verboten. Aber auch die Ersatzstoffe (etwa BPS und BPF), von denen womöglich eine ähnliche Wirkung ausgeht, sind offensichtlich gar nicht notwendig, um die gewünschten Materialeigenschaften bei Dichtungen und Saugern zu erreichen. Wichtig ist, sich beim Einkauf nicht vom Ausweis »Bisphenol-A-frei« täuschen zu lassen, sondern insgesamt nach »weichmacherfreien« Produkten Ausschau zu halten, empfiehlt die Expertin Fröhlich. Die schlechte Nachricht: Auch die Alternativen zu Kunststoffsaugern geben Materialpartikel und Zusatzstoffe frei – manche davon schätzt Fröhlich als problematischer ein als die von weichmacherfreiem Kunststoff: »Kautschuk ist vergleichsweise porös und wäre nicht meine erste Wahl, er kann allergieauslösend wirken und enthält wie auch Silikon ebenfalls Schadstoffe. Im Vergleich zu beiden hat Plastik in hygienischer Hinsicht ein bisschen die Nase vorn«,
»Fresszellen betrachten diese Partikel als Feind. Und das Ergebnis ist chronische Entzündung.« —E leonore Fröhlich, Biochemikerin sagt Fröhlich und rät daher: »Ich würde auf weichmacherfreies Plastik setzen. Bald werden neue medizinische Silikone auf den Markt kommen, auch ein Hybrid aus Silikon und Kautschuk, das wird vorteilhaft.«
MATERIALERMÜDUNG Auch durch vorsichtigeren Umgang mit dem »Flascherl« lässt sich die Freisetzung von Mikroplastik deutlich reduzieren: Einerseits sollten alle Teile regelmäßig auf Verschleißspuren geprüft werden. »Wenn der Sauger schon Risse bekommt oder sich verfärbt, dann muss er weg«, sagt Fröhlich, denn »je häufiger ein Produkt verwendet wird, desto mehr Schadstoffe setzt es frei.« Auch auf Recyclingmaterial möchte man für Säuglingsnahrung vielleicht eher nicht zurückgreifen, da es in der Regel mehr Schwermetalle und Rückstände von Schadstoffen aus der Produktion enthält. Eine Abwägungsfrage zwischen Keim- und Schadstoffbelastung ist, ob die Fläschchen nur vor dem Erstgebrauch ausgekocht werden oder vor jedem Gebrauch. Vor allem bei Frühgeborenen, untergewichtigen oder immungeschwächten Säuglingen, und während der ersten Lebensmonate tendieren die Empfehlungen der Behörden dazu, der Sicherstellung von Hygiene den Vorzug zu geben. Gerade in den ersten Monaten, solange die Babys nicht selbständig an der Flasche trinken können, kann mit geringem Sicherheitsrisiko eine Glasflasche eingesetzt werden. Für die späteren Monate empfiehlt sich die Zubereitung der Nahrung in einem Gefäß etwa aus Glas oder Edelstahl – und diese erst nach Abkühlung auf Trinktemperatur in Kunststoffflascherl umzufüllen.
BILD PRIVAT
GESCHLECHTERROLLENERMÜDUNG Ratschlägen wie »Die mütterliche Brust ist immer noch die sicherste Variante« entgegnet Fröhlich: »Das ist schlicht nicht immer praktikabel. Vor allem, wenn die Gesellschaft auch Männer aktivieren beziehungsweise ihnen die Möglichkeit geben will, sich einzubringen. Die Leihimmunität, die Muttermilch bietet, ist wertvoll als Allergieprophylaxe, aber auch abgepumpte Muttermilch landet in einem Fläschchen.«
Biozutaten aus eigener Landwirtschaft, Sonnenstrom vom Parkplatzdach und frisch gekochtes Essen: Die Griffen-Rast Mochoritsch denkt das klassische Autobahnrestaurant neu. »Mochoritsch ist ein großes, zeitgemäßes Wirtshaus«, sagt schest mögliche Art zu kochen«, sagt Architekt Eichinger. Gregor Eichinger, »und steht genau dafür, worin Österreich »Es gibt im Lokal auch keine schlechten Plätze.« besonders gut ist – eine warme Gastlichkeit –, aber im groDas gilt sogar für die Parkplätze, über denen Sonnenstrom ßen Maßstab und liebevoll von einer Familie geführt«. Vor produziert wird. »Mit 360.000 Kilowatt decken wir bereits bald 15 Jahren hat der Architekt das Lokal umgestaltet und mehr als die Hälfte unseres Energiebedarfs ab«, sagt Handen bestehenden Bau um viel Holz, warme Farben, eine pränes Jernej, eines der drei Geschwister, die gemeinsam das gende Barwand und einen eigenen Mocho-Markt erweitert. Lokal führen. Wer ein Schnitzel oder Kärntner Kasnudeln Heute ist das Mochoritsch ein gelungenes Beispiel dafür, bestellt, kann auf der Karte mittels QR-Code live sehen, ob was an Herzlichkeit und Wirtshauskultur, an Qualität und der Sonnenstrom gerade wirklich ausreicht um die GroßküNachhaltigkeit möglich ist für ein an der Autobahn gelegeche zu versorgen. nes Gasthaus: beeindruckend viel. Es beschäftigt freundGriffen-Rast Mochoritsch liche MitarbeiterInnen und Gewerbestraße 11 bietet – das Wichtigste – rich9112 Griffen, Österreich tig gutes Essen, frisch aus reTäglich von 7.30–21.30 Uhr. gionalen Zutaten gekocht. Bemochoritsch.at reits mehr als die Hälfte davon mittlerweile in Bioqualität, wobei ein Teil sogar aus der eigenen Landwirtschaft der Familie stammt. »Eine bäuerliche Kultur, Zutaten von den eigenen Biofeldern und quaEchtzeit-Infos in der Kärntner Sonnenkraft: Die Griffen-Rast Mochoritsch litative Küche, das ist die friMocho-Energy-App. liegt direkt an der A2-Autobahnausfahrt Griffen.
B ILD MOCHORIT SCH
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG VON MOCHORITSCH
Slow Food an der Autobahn
BIO R A M A 1 0 3
W E C H SE L
25
ZEHN GÄNGIGE MYTHEN ÜBER DIE MENOPAUSE Was frau von den Wechseljahren erwarten kann – und was nicht.
H
BILD ISTOCK.CO M/GEO RG E PE TERS
artnäckig halten sich einige Glaubenssätze über eine normale Phase im Leben von Frauen: Unausweichliche Hitzewallungen, kein erfülltes Sexleben mehr und sowieso ist es mit der Lebensfreude erst einmal für einige Jahre vorbei, sobald die hormonelle Umstellung beginnt. Was ist von den »Weisheiten« zu halten, die über Hitzewallungen und Hormontherapie erzählt werden? Wie die Wechseljahre verlaufen, lässt sich schwer vorhersagen, und sowieso erlebt sie jede Frau sehr individuell. Circa 30 Prozent der Frauen spürt kaum etwas vom physiologischen Ende der fruchtbaren Phase, circa ein Drittel leidet stark unter Beschwerden und das übrige Drittel hat Symptome, die ihren Alltag zwar beeinträchtigen, aber nicht unbedingt behandlungsbedürftig sind. Was ist also dran an diesen gängigen Erwartungen über die Menopause?
MYTHOS 1: HITZEWALLUNGEN – UND SONST NICHTS? Ohne Zweifel sind Hitzewallungen ein Symptom, das eng verbunden ist mit den Wechseljahren. Die Heat Flushes beruhen auf einer Täuschung des Gehirns. Vereinfacht gesagt
nimmt das Gehirn irrtümlich an, dem Körper TEXT Silke Jäger sei heiß, obwohl es gar nicht so ist. Dazu etwas Hintergrundwissen: Die Kontrolle der Körpertemperatur findet im Hypothalamus statt, einem Areal im Zwischenhirn. Für die Temperaturkontrolle arbeiten verschiedene Hormone mit neuronalen Botenstoffen zusammen und halten so die Körpertemperatur in einem bestimmten Bereich. Wenn der Östrogenspiegel in der Menopause stark schwankt, wirkt sich das auf das Zusammenspiel der Botenstoffe aus. Welche Konstellationen genau die Hitzewallungen auslösen, ist bis heute unklar. Man nimmt an, dass nicht der absolute Wert des Östrogens einen Flush auslöst, sondern ein Rückgang der Hormonkonzentration. Das Gehirn muss sich von der vorher üblichen Östrogendosis »entwöhnen«. Je stärker und plötzlicher der Östrogenwert abfällt, desto eher entstehen Hitzewallungen. Ohne die gewohnte Östrogenkonzentration kann das Gehirn sehr empfindlich auf kleinste Temperaturveränderungen reagieren und »befiehlt« dann ein Weitstellen der Blutgefäße. Das verursacht sowohl körperlichen als auch psychischen Stress: Viele Frauen schwitzen stark,
B IO R A M A 10 3
W E C H S EL
26
MYTHOS 2: ALLE BESCHWERDEN DIESER LEBENSPHASE KOMMEN DURCH DEN WECHSEL Jedes Symptom, das in den Wechseljahren auftritt und als belastend empfunden wird, verdient Beachtung. Dennoch kann es problematisch sein, alle Beschwerden in dieser Lebensphase auf die Hormonumstellung im Wechsel zurückzuführen. Eine solche Vereinfachung kann gesundheitliche Folgen haben, weil der hinter den Symptomen liegende Grund nicht erkannt wird und die womöglich eigentlich nötige Behandlung nicht oder nur verzögert erfolgt. So können zum Beispiel Gelenkschmerzen in der Prä- oder Perimenopause ein Zeichen für Arthritis sein. Und länger andauernde Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue) treten auch bei Schilddrüsenerkrankungen oder Blutarmut auf – oder etwa nach einer viralen Infektion.
Die Autorin, Wissenschaftsjournalistin Silke Jäger, hat den Ratgeber »FIT UND GESUND – für Frauen ab 50« verfasst. (Verbraucherzentrale, 2025).
frieren nach der Hitzewallung und beginnen zu zittern – das macht Angst und lässt sich kaum vor anderen Menschen verbergen. Das ist für die Frauen sehr unangenehm und erzeugt ein Gefühl der Ohnmacht. Weil solche damit verbundenen Gefühle sehr heftig sein können, sind Hitzewallungen das Erste, woran viele beim Stichwort Wechseljahre denken – und oft auch das Einzige. Das ist einerseits nachvollziehbar, denn laut der aktuellen Leitlinie zur Peri- und Postmenopause der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe fehlen bei anderen Symptomen, die mit Wechseljahren in Verbindung gebracht werden, Belege für einen ursächlichen Zusammenhang – dazu gehören Symptome wie Gelenkschmerzen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen. Andererseits wird eine Reduktion auf das Symptom Hitzewallungen den vielfältigen Umstellungen in den Wechseljahren nicht gerecht.
Oft setzen Menstruationsveränderungen schleichend ein und zeigen sich darin, dass sich die Abstände der Blutungen ebenso verändern wie ihre Intensität und Beschaffenheit. Allerdings sind diese Veränderungen nur eines der Kriterien der Wechseljahre – und klar definierte Grenzen fehlen. Die Wechseljahre lassen sich in mehrere Phasen unterteilen: Die letzte Blutung markiert das Ende der fruchtbaren Phase einer Frau. Sie wird in der Fachsprache Menopause genannt. Welche Blutung das ist, wird erst klar, wenn die Periode danach ein Jahr ausbleibt. Fachleute nennen das
BILD ISTOCK.CO M/GEO RG E PE TERS , VERBRAUCHERZ ENTRALE
MYTHOS 3: MIT MENSTRUATIONSVERÄNDERUNGEN BEGINNT DER WECHSEL.
Poolbar Festival
MYTHOS 4: DIE SYMPTOME DAUERN EIN PAAR MONATE Auch wenn das sehr wünschenswert wäre, die Realität sieht anders aus. Im Mittel dauert der Übergang siebeneinhalb Jahre, das fanden US-amerikanische Forschende im Rahmen einer Langzeitstudie der Universität von Pittsburgh heraus, die seit 1994 läuft und die physischen, psychischen und sozialen Veränderungen während der Wechseljahre untersucht. Dabei wurde die Dauer von leichten bis moderaten Hitzewallungen und nächtlichem Schwitzen erfasst. Das bedeutet, dass die Hälfte der Teilnehmerinnen kürzer als siebeneinhalb Jahre damit zu tun hatte und die Hälfte länger als siebeneinhalb Jahre. Frauen, die bereits in der Prämenopause unter Hitzewallungen litten, hatten oft sogar noch länger damit Probleme: fast zwölf Jahre. Die Heat Flushes blieben oft auch noch längere Zeit nach der letzten Blutung bestehen. Die Dauer der Hitzewallungen kann zudem bei verschiedenen Ethnien variieren – wie auch das individuelle Empfinden der Beschwerden, selbst wenn sich die Sym-
Tickets sichern
Apparat Babyshambles Cari Cari ClockClock Donots G Re e eN HVOB Jake Bugg José González Joss Stone Kevin Morby Kitty, Daisy & Lewis Mo o p M a m a Of Mice & Men Oliver Tree White Lies Xavier Rudd plus viele mehr
Altes Hallenbad + Reichenfeld, Feldkirch (AT)
Jahr nach der letzten Blutung Perimenopause. Danach befindet sich die Frau in der Postmenopause. Die ersten menopausalen Veränderungen können schon deutlich vor dieser letzten Blutung einsetzen. Diese Phase nennt sich Prämenopause und beginnt oft schleichend. Vielleicht bemerken Frauen ungewöhnliche Brustspannungen oder dass sie empfindlicher auf bestimmte Speisen reagieren, die sie sonst gut vertragen haben. Vielleicht setzen Schlafstörungen ein oder eine gedrückte Stimmung. Solche Symptome können mit abnehmenden Progesteron- und Östrogenspiegeln zu tun haben, denn Rezeptoren für diese Hormone finden sich in fast allen Geweben, zum Beispiel im Gehirn, im Verdauungstrakt und in den Brüsten. Manche Frauen gleiten bereits ab dem 35. Geburtstag in die Prämenopause, ohne es zu merken, andere wiederum spüren frühzeitig Symptome des Wechsels und wieder andere bemerken noch nach ihrem 50. Geburtstag keine Veränderungen. Bei vielen Frauen verkürzt sich im Laufe der Prämenopause der Zyklus, die Menstruation kommt früher als sonst. Später verlängern sich die Zyklen meist, bis schließlich Monate dazwischenliegen können. Auch die Blutungen selbst verändern sich. Sturzbachartige, wässrige Blutungen können sich mit kaum spürbaren abwechseln. Die Menstruation wird unvorhersehbar. Ob und welche Symptome neben den Menstruationsveränderungen wann auftreten, ist jedoch individuell.
8. 7.–16. 8. 26
poolbar.at
Gefördert von Stadt Feldkirch, Land Vorarlberg und BMwkms.Kunst&Kultur. Stadt Hohenems (Poolbar Generator), AKM, SKE, Stiftung Guido Feger
B IO R A M A 10 3
W E C H S EL
28
In einer Studie über kontrolliertes Atmen gegen menopausale Symptome zeigten sich keine signifikanten Effekte zwischen den Vergleichsgruppen. In einer türkischen Studie, die während der Corona-Pandemie lief, zeigte sich, dass Atemübungen einen positiven Effekt auf Hitzewallungen hatten.
Die deutsche Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen betreibt mit dem Ziel, »evidenzbasierte Entscheidungen in Gesundheitsfragen zu unterstützen«, das Institut (IQWiG) und das Portal gesundheitsinformation.de
MYTHOS 5: BEI HITZEWALLUNGEN KÖNNEN ANDERE NICHT HELFEN Wer bei seiner Partnerin, einer Freundin oder einer Kollegin eine Hitzewallung miterlebt, kann einige Dinge tun, um sie zu unterstützen. Der Schlüssel dafür ist eine gute Kommunikation. Frauen können beispielsweise ihrem Umfeld helfen, indem sie offen über ihre Gefühle und Beschwerden reden. Denn Menschen, die noch nie eine Hitzewallung erlebt haben, wissen nicht, wie sich das anfühlt. Klarheit über das, was sich eine Frau wünscht, ist deshalb sehr hilfreich. Soll die Heizung heruntergedreht werden? Ein Fenster geöffnet? Oder braucht es eine dünnere Decke im Bett? Ist es wichtig, immer genügend Eiswürfel griffbereit zu haben? Oder soll frische Wechselwäsche bereitliegen? Über solche Fragen spricht man am besten vor der nächsten Hitzewallung.
MYTHOS 6: ATEMTECHNIKEN STOPPEN HITZEWALLUNGEN Kurze Zeit sah es so aus, als könne kontrolliertes, tiefes Atmen vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und starkes Schwitzen verbessern. Eine Studie der Universität von Indianapolis in den USA lieferte 2013 entsprechende Hinweise. Doch neuere Forschung wi-
derspricht, wie etwa eine Studie der Universität in Ankara aus dem Jahr 2024. Atemtechniken können jedoch helfen, die mit vasomotorischen Symptomen verbundenen Gefühle zu regulieren. Tiefes und bewusstes Einatmen (vier bis sechs Mal pro Minute) kann nachweislich Stress und Ängste reduzieren und zur Entspannung beitragen.
MYTHOS 7: HORMONTHERAPIE IST ÜBERHOLT Über die Hormontherapie gegen Wechseljahrsbeschwerden wird kontrovers diskutiert. Nach einigen Jahren herber Kritik wird sie inzwischen wieder stark angepriesen. Viele Frauen sind durch diese widersprüchlichen Botschaften verunsichert und fragen sich, wie sicher es ist, Hormone gegen Wechseljahrsbeschwerden zu nehmen. Auf diese Frage gibt es keine einfachen Antworten. Frauen haben aber ein Recht darauf, umfassend über Vor- und Nachteile einer menopausalen Hormontherapie aufgeklärt zu werden, sodass sie eine informierte Entscheidung treffen können. Wie die Nutzen-Risiko-Bilanz einer Hormontherapie aussieht, hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel vom Menopausenstatus, dem Alter und der Einnahmedauer von Hormonpräparaten. Gut dokumentiert ist, dass die Einnahme von Hormonen Wechseljahrsbeschwerden lindern kann, zum Beispiel Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Allerdings steigen die Risiken der Hormontherapie, je länger sie dauert. Auch das ist gut dokumentiert. So steigt beispielsweise das Risiko für Thromboembolien nach acht Jahren (von 15 pro 1000 auf 25 pro 1000), das Risiko für Schlaganfälle (von 14 pro 1000 auf 19 pro 1000) und das Risiko für Brustkrebs (von 26 pro 1000 auf 33 pro 1000). Für die Hormontherapie zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden gilt heute deshalb: Ob eine Hormontherapie infrage kommt, richtet sich nach den Beschwerden. Generell sollte die Therapie nicht länger als nötig erfolgen – und definitiv enden, wenn die letzte Blutung länger als zehn Jahre her ist. Frauen, die an Brustkrebs erkrankt waren, sollen keine Hormontherapie bekommen.
BILD ISTOCK.CO M/GEO RG E PE TERS , HA NS ER BE RLI N
Vegetative Symptome werden durch Reaktionen des vegetativen Nervensystems ausgelöst. Es reagiert auf Stress oder Schwankungen im Hormonhaushalt.
ptome zwischen den Ethnien nicht unterscheiden. So empfanden afroamerikanische Frauen und Native Americans Hitzewallungen als besonders stark. Chinesische und japanische Frauen klagten am wenigsten. Forschende sehen in diesem Unterschied eine kulturelle Komponente. So berichten asiatische Frauen von weniger Belastungen durch vegetative Symptome, wie etwa Hitzewallungen, obwohl keine signifikanten Unterschiede bei der Schwere der Beschwerden festgestellt wurden. In asiatischen Ländern wird die Menopause eher als positive Veränderung angesehen: als gutes Zeichen, wenn Frauen so alt werden, dass sie diese Veränderung erleben, aus der sie gestärkt hervorgehen und anschließend ihre Weisheit der Gesellschaft zur Verfügung stellen. Die Frauen haben ähnliche Symptome wie in anderen Regionen, sie bewerten diese aber anders.
29
MYTHOS 8: AUSSER HORMONEN HILFT NICHTS Vielen pflanzlichen Mitteln wird nachgesagt, Wechseljahrsbeschwerden zu lindern. Dazu gehören sogenannte Phytoöstrogene, etwa aus Soja, aber auch Rotklee und Traubensilberkerze. Die wissenschaftlichen Belege für deren Wirksamkeit sind jedoch recht dünn. Außerdem gilt: Auch pflanzliche Mittel können Nebenwirkungen haben. Deshalb sollte man sich vor dem Einnehmen gut informieren, zum Beispiel auf dem Informationsportal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und Rat von ApothekerInnen und ÄrztInnen einholen. Gegen Hitzewallungen gibt es ein nicht-hormonelles Präparat, Fezolinetant, bei dem allerdings in Studien bisher nur bescheidener Nutzen nachgewiesen werden konnte, der zudem aber das Risiko für Leberschäden erhöht.
BILD ISTOCK.CO M/GEO RG E PE TERS
MYTHOS 9: MIT DEM WECHSEL ENDET DAS SEXUALLEBEN Die Hormonschwankungen führen bei vielen Frauen nicht nur dazu, dass sie weniger spontane Lust auf Sex haben, sie sorgen auch für körperliche Symptome, die den Sex erschweren. So kann sich zum Beispiel das Gewebe von Vulva und Vagina so verändern, dass Sex Schmerzen verursacht. Es kann zu Scheidentrockenheit kommen und zu einem Rückgang der Schamlippen. Das Mikrobiom der Scheide kann sich so verändern, dass Bakterien leichteres Spiel haben, Entzündungen im Harntrakt hervorzurufen. Wenn die spontane Lust auf Sex fehlt, wird das häufig als ein Problem der betroffenen Frau dargestellt – dabei betreffen Libidoprobleme immer beide PartnerInnen. Spontane Lust gilt als normaler Weg zum Sex, doch das ist ein Missverständnis über sexuelles Verlangen: Es ist sehr viel komplexer. Verlangen entsteht oft auch erst, nachdem jemand körperlich erregt ist. Und Lust kann durch Situationen geweckt werden, die gar nicht sexuell aufgeladen sind, sondern in denen man sich geliebt fühlt. Fachleute empfehlen bei sexuellen Störungen, sich Zeit zu nehmen, um mögliche Ursachen herauszufinden. Zu viel Stress und psy-
chische Belastungen? Medikamente? Schmerzen? Probleme in der Partnerschaft oder mit dem Selbstwert? Sich unter Druck zu setzen ist oft ein Garant dafür, dass die Probleme bleiben oder gar wachsen. Eher hilft es, neugierig auf die eigene Sexualität und die des Partners oder der Partnerin zu sein. Oder man probiert etwas Neues, wenn die gewohnte Art, sexuell aktiv zu sein, keine Freude mehr macht. So gesehen bieten die Veränderungen in den Wechseljahren auch eine Chance, einen frischen Blick auf Sex und Lust zu entwickeln.
MYTHOS 10: WECHSELJAHRE SIND IMMER ANSTRENGEND Ab jetzt geht’s nur noch bergab! So denken viele, wenn es um die Wechseljahre geht. Natürlich: Älter zu werden ist keine Kutschfahrt bei Sonnenschein. Aber Veränderungen können auch befreiend wirken. So fühlen sich viele Frauen jetzt selbstbewusster und tun sich leichter damit, für ihre Wünsche und Bedürfnisse einzustehen. Die Autorin, Schriftstellerin und Schauspielerin Stefanie de Velasco beschreibt in ihrem Buch Heiß. Eine Liebeserklärung an die Wechseljahre diese Lebensphase als »eine Veredelung der weiblichen Existenz«. Ihre Ansicht wird auch durch die Großmütter-Hypothese unterstützt, wonach ältere Frauen einen immensen Wert für das Wohlergehen einer Gemeinschaft haben. Frauen sind zeit ihres Lebens mit unterschiedlichen Hormonlagen konfrontiert: in der Pubertät, während einer Schwangerschaft und nach einer Geburt zum Beispiel. Aber auch der monatliche Menstruationszyklus verlangt ihnen ab, sich auf hormonelle Veränderungen einzustellen. Die Wechseljahre stellen Frauen so gesehen nur einmal mehr vor die Herausforderung, sich anzupassen. Frauen können darauf vertrauen, dass ihnen diese Anpassung gelingt – auch, wenn ihnen dieser Übergang einiges abverlangt.
»HEIß. Eine Liebeserklärung an die Wechseljahre« (Hanser, 2025) ist eine subjektive Abrechnung mit einem Tabu und ein Plädoyer für eine lebendige Neuorientierung.
B IO R A M A 10 3
AU T O MO B IL
30
FÜNF GRÜNDE, JETZT EIN E-AUTO ZU KAUFEN. Hohe Benzinpreise sind nicht das einzige Argument, das für einen Umstieg spricht.
TEXT Steve Przybilla
D
er Frust über steigende Ölpreise macht sich auf dem Automarkt bemerkbar: Im März 2026 stiegen die Verkäufe von Elektroautos in Deutschland rasant an, wie das Kraftfahrt-Bundesamt mitteilt. Insgesamt wurden 70.663 E-Autos verkauft – ein Plus von 66 Prozent im Vergleich zum März 2025. Auch in Österreich waren 25 Prozent aller Neuzulassungen rein elektrisch – ein neuer Rekordwert. Bisher hat der Tankstellen-Frust nicht dazu geführt, dass Autofans ihre Karosserien massenhaft gegen Busfahrkarten eintauschen würden – obwohl genau das aus finanzieller, aber auch ökologischer Sicht die sinnvollste Lösung wäre. Wer auf seine vier Räder trotzdem nicht verzichten möchte, hat mit einem Stromer zumindest die umweltfreundlichere Lösung parat. Dies sind die wichtigsten Argumente, die für einen Umstieg sprechen:
1. STROM FÜR E-AUTOS KOSTET WENIGER ALS BENZIN
Seit Beginn des Iran-Krieges haben sich Benzin und Diesel deutlich verteuert. Literpreise jenseits von zwei Euro gehören zur neuen Normalität. Umgekehrt schlagen sich die hohen Energiepreise bislang nicht auf den Ladestrom durch. Im Interview mit dem Onlinemagazin Riffreporter erklärten die großen Ladestromanbieter EnBW, Shell und Aral, aktuell keine Preiserhöhungen zu planen. Das Unternehmen Vattenfall senkte im März sogar seine Tarife, sodass an den dortigen Ladestationen nun 44 bis 49 Cent pro Kilowattstunde fällig sind. Am günstigsten wird es für alle, die zu Hause laden können. Mit dem deutschen Stromtarif liegen die Verbrauchskosten um bis zu zwei Drittel niedriger als bei Verbrennern, wie aus einer Analyse des Vergleichsportals Verivox hervorgeht. Demnach kostete der deutsche Haushaltsstrom im März 2026 durchschnittlich 31,2 Cent pro Kilowattstunde. Ein E-Auto mit einem Verbrauch von 16,9 Kilowattstunden kom-
me bei tausend Kilometer Fahrleistung auf Stromkosten von etwa 53 Euro. Bei einem vergleichbaren Verbrenner wären es 160 Euro (Super E10) bzw. 113 Euro (Diesel) gewesen.
2. DIE PREISE FÜR ELEKTROAUTOS SINKEN Es stimmt: E-Autos sind in den meisten Fällen noch immer teurer als vergleichbare Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor. Dies liegt vor allem an den hohen Kosten der Hochvoltbatterie. Doch der Preisunterschied schmilzt schnell ab. Betrug er im September 2024 noch durchschnittlich 7.500 Euro, waren es ein Jahr später nur noch 1.600 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt der Wirtschaftswissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer in einer Studie, bei der er die Durchschnittspreise der 20 in Deutschland meistverkauften Verbrenner- und Elektromodelle verglichen hat. Verstärkt wurde dieser Trend durch die neue Elektroauto-Förderung der deutschen Bundesregierung. Während in Österreich das staatliche Förderprogramm dieses Jahr ausgelaufen ist, gibt es in Deutschland neuerdings einen Zuschuss von bis zu 6.000 Euro. Die Kaufprämie gilt rückwirkend für E-Autos, die nach dem 1. Januar 2026 gekauft wurden. Im Mai wurde das entsprechende Antragsportal freigeschaltet. Im laufenden Betrieb sind Elektroautos ohnehin günstiger als Verbrenner. Zum einen wegen der geringeren Energiekosten. Zum anderen, weil sie seltener in die Werkstatt müssen (kein Ölwechsel) als Benziner. Außerdem nehmen sie über die Treibhausminderungsquote (THG) am Emissionshandel teil: In Deutschland sind Elektroautos darüber hinaus bis 2035 von der Kraftfahrzeugsteuer befreit – in Österreich wurde eine entsprechende Regelung im vergangenen Jahr gestrichen. Seither gibt es für Stromer keine Befreiung bei der motorbezogenen Versicherungssteuer mehr.
BILD ISTOCK.CO M/A-DIG IT
3. REICHWEITEN-ANGST WAR GESTERN Ein Elektroauto-Mythos, der sich am hartnäckigsten hält, ist die sogenannte Reichweiten-Angst – also die Sorge, mit leerem Akku liegen zu bleiben. In der Anfangszeit der Elektromobilität waren solche Bedenken durchaus berechtigt, da es weder ausreichend Ladestationen noch alltagstaugliche Akkus gab. Heute stellt sich die Lage komplett anders dar. Spitzenmodelle wie der Mercedes EQS kommen selbst im Winter auf reale Reichweiten von über 600 Kilometer, wie der ADAC bei einer simulierten Autobahnfahrt herausfand. Doch auch kleinere Modelle schaffen problemlos zwischen 200 und 300 Kilometer am Stück. Dass unterwegs der Strom ausgeht, muss ebenfalls niemand mehr befürchten. Das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur verzeichnet knapp 148.000 Normalladepunkte sowie rund 50.500 Schnellladepunkte in Deutschland (Stand: März 2026). Das sind 18 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Österreich verfügt mit über rund 37.000 öffentlich zu-
»Mobilität in Deutschland« Die Studie wurde von der deutschen Regierung in Auftrag gegeben und 2025 vorgestellt. Zwischen Mai 2023 und Juni 2024 wurden dafür über 218.000 Haushalte und rund 421.000 Personen zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt.
AU T O MO B IL
32
In »Batterien für Elektroautos – Faktencheck und Handlungsbedarf – ein Update« (2025) hat das Fraunhofer-Institut für Systemund Innovationsforschung den Forschungsstand zusammengefasst und diverse Studien ausgewertet.
Green NCAP Der Test gehört zum renommierten Euro-NCAP-Crashtest (European New Car Assessment Programme, zu Deutsch: Europäisches Neuwagen-Bewertungs-Programm). Dabei handelt es sich um eine Gesellschaft, in der sich europäischer Verkehrsministerien, Automobilclubs und Versicherungsverbände zusammengeschlossen haben.
gänglichen Ladepunkten im Verhältnis zur Bevölkerungszahl über mehr Ladepunkte. Zwar gibt es in beiden Ländern auch heute noch Regionen mit einer gewissen Unterversorgung. Die Anzahl der Ladestationen wächst jedoch stark. Besonders in Autobahn-Nähe schießen große Ladeparks aus dem Boden, in denen gleichzeitig zehn, 20 oder 30 E-Autos laden können. Auch an deutschen Raststätten geht es voran: Nachdem der Ausbau wegen eines Rechtsstreits jahrelang ruhte, herrscht seit einem Urteil im März 2026 nun Klarheit. Der Weg für neue Ladesäulen ist also frei. Überhaupt gestalten sich längere Urlaubsreisen im Elektroauto mittlerweile deutlich entspannter als noch vor einigen Jahren. Viele Raststätten verfügen über Ladestationen, zumal sich auch die Bezahlmöglichkeiten verbessern. So müssen EU-weit alle Schnellladestationen über Kreditkartenterminals verfügen. Wer keine Lust auf unterschiedliche Anbieter und Tarifstrukturen hat, kann sich auch auf einen Anbieter beschränken. So bietet das Unternehmen Lonity Ladestationen in ganz Europa an. Sie sind maximal 150 Kilometer voneinander entfernt – also so, dass aktuelle Fahrzeuge locker die Abschnitte meistern können. Der Autor dieses Textes ist mit einem E-Mittelklassewagen bereits mehrfach von Deutschland nach Portugal und Großbritannien gereist – und kam heil wieder.
4. ELEKTRISCHE KLEINWAGEN EROBERN DEN MARKT Ob Tesla, Mercedes oder VW: Um möglichst viel Gewinn zu machen, brachten die Hersteller jahrelang vor allem schwere, teure Elektro-SUVs und -Limousinen auf den Markt. Viele Menschen konnten sich ein E-Auto daher schlicht nicht leisten. Mit zunehmender Konkurrenz aus China setzt jedoch zunehmend ein Umdenken ein. Viersitzer wie der BYD Dolphin Surf oder der Dacia Spring sind inzwischen für unter 20.000 Euro erhältlich. Auch Hyundai, Citroën, Peugeot und Fiat bieten Modelle, die weniger als 25.000 Euro kosten. Zieht man die staatliche Förderung davon ab, sind Preise von unter 15.000 Euro für einen Neuwagen möglich.
Natürlich eignen sich die Mini-Stromer vom Komfort und bezüglich des Akkus nur bedingt für lange Urlaubsfahrten. Als Zweit- oder Stadtfahrzeug kommen sie aber sehr wohl infrage. Zumal ohnehin nur ein Prozent aller Autofahrten in Deutschland weiter als 100 Kilometer ausfallen, wie die Studie »Mobilität in Deutschland« belegt.
5. DIE ÖKOBILANZ VON E-AUTOS WIRD IMMER BESSER Wer ein E-Auto fährt, muss sich von Halbwissenden nicht selten den Vorwurf der Scheinheiligkeit gefallen lassen. Zwar stoßen die Stromer keine Abgase aus.Aber:»Je nach Energiequelle, Energieeffizienz der Produktion und der Batteriegröße fallen [bei ihrer Herstellung] zwischen 60 und 130 Prozent höhere Treibhausgasemissionen an als bei der Herstellung von Benzin- oder Dieselfahrzeugen«, heißt es in einem aktuellen Faktencheck, den das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) herausgegeben hat. Die hohen Emissionen fallen vor allem bei der Herstellung der Batterien an. Diese Kritik ist berechtigt, verkennt jedoch das große Ganze: Zum einen hat sich die Ökobilanz in den vergangenen Jahren stetig verbessert. Zum anderen kehrt sich die Situation recht schnell um. Im Laufe ihres gesamten »Autolebens« inklusive Herstellung stoßen E-Autos zwischen 40 und 50 Prozent weniger Treibhausgase aus als ein vergleichbarer Mittelklasseverbrenner – eben weil sie keine Abgase produzieren. Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien nimmt dieser Vorteil weiter zu. Dass es viele Hersteller mit der Nachhaltigkeit durchaus ernst meinen, zeigt der aktuelle »Green NCAP«-Autotest. Er betrachtet den kompletten Lebenszyklus eines Fahrzeugs, von der Energieeffizienz über den Schadstoffausstoß bis hin zu Treibhausgasen. Das Ergebnis: Sechs Modelle – allesamt E-Autos – erreichen zwischen 91 und 97 von 100 möglichen Prozentpunkten. Der Dacia Spring kommt sogar auf den Bestwert von 100 Prozent. Zum Vergleich: Der beste Benziner im Test, der Hyundai i20 1.0 T-GDI, schafft 60 Prozent. Perfekt sind Elektroautos also noch lange nicht – im direkten Öko-Vergleich mit Verbrennern schneiden sie trotzdem deutlich besser ab.
BILD ISTOCK.CO M/A-DIG IT
B IO R A M A 10 3
BIO R A M A 1 0 3
ST E C H MÜ CKE N
33
GEMEINE MÜCKEN Tropische Mücken sind nach Mitteleuropa gekommen, um zu bleiben. Bringen sie uns neue Krankheiten?
BILD ISTOCK.CO M/EE RI K
U
ngefähr 50 Arten von Stechmücken gibt es im deutschsprachigen Raum. Ganz genau weiß das niemand, denn die Verbreitungsgebiete verändern sich laufend – ermöglicht vor allem durch den internationalen Waren- und Personenverkehr und den Klimawandel. Mitteleuropa ist Heimat der Gemeinen Stechmücke (Culex pipiens), inzwischen aber auch weiterer Arten, die ursprünglich aus tropischen Gebieten stammen, wie zum Beispiel die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Sie wurde erstmals 1991 in Italien nachgewiesen und breitet sich seither stetig in Mitteleuropa aus. Da Stechmücken nicht nur lästig sind, sondern mitunter gefährliche Krankheiten übertragen können, haben nicht nur WissenschafterInnen, sondern auch Gesundheitsbehörden Interesse, zu überblicken, welche neuen Arten sich in Europa etablieren. »Die Gemeine Stechmücke und die Asiatische Tigermücke sind in Europa am relevantesten hinsichtlich der Verbreitung von Krankheiten«, erklärt Karin Bakran-Lebl. Sie ist bei der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) tätig und Ex-
pertin für Stechmücken. »In Österreich wurde die Asiatische Tigermücke mittlerweile in allen Bundesländern gefunden, wobei sich vor allem in den Städten Wien, Graz und Linz Populationen gebildet haben, hier schaffen es die Tiere also zu überwintern. Auch in Deutschland findet man die Asiatische Tigermücke in mehreren größeren Städten«, sagt die Expertin. Die Japanische Buschmücke (Aedes japonicus) ist bereits in Mitteleuropa weit verbreitet, die Koreanische Buschmücke (Aedes koreicus) wurde erst seltener nachgewiesen. Um zu erfassen, welche Krankheiten die Stechmücken nicht nur übertragen können, sondern auch wirklich häufig übertragen, werden unterschiedliche Ansätze des Monitorings angewendet – idealerweise in Kombination.
WICHTIGE PRÄVENTION Karin Bakran-Lebl sagt über die Monitoring-Programme zur Überwachung von Populationen wie Krankheitserregern: »Wir als Ages stehen damit noch am Anfang und müssen uns Schritt für Schritt vorantasten. Wir arbeiten mit anderen Ländern wie Ungarn, Tschechien und
TEXT Barbara Fohringer
Brutstätten verhindern Wir alle können einen Beitrag leisten, damit sich Stechmücken, vor allem die Asiatische Tigermücke, nicht vermehren. Brutstätten sollen gar nicht erst entstehen. Im Garten oder auf dem Balkon sollten daher alle Wasserstellen wöchentlich geleert oder mit einem Gitter bedeckt werden, damit die Tiere ihre Eier dort nicht ablegen können.
B IO R A M A 10 3
ST E C H MÜ CKE N
34 der Slowakei zusammen, um einen besseren Überblick über die Ausbreitung der Stechmücken zu haben, denn diesen sind Ländergrenzen natürlich egal. Wir wollten einfache sowie günstige Methoden finden, damit alle Länder teilhaben können, und wir mussten einheitliche Methoden finden, um vergleichbare Daten zu erhalten.« Durch Monitoring-Programme können eventuelle Krankheitsausbrüche viel schneller erkannt werden. Karin Bakran-Lebl sagt: »In Norditalien wird ein ähnliches Monitoring durchgeführt. Dabei zeigte sich ein Ausbruch des West-Nil-Virus bereits zwei Wochen zuvor in der dortigen Stechmückenpopulation. Genau deshalb braucht es solche Monitorings – damit das Gesundheitssystem und Behörden möglichst schnell vor eventuellen Krankheitsausbrüchen gewarnt sind.«
»Die Gemeine Stechmücke ist in Österreich und Deutschland hinsichtlich der Übertragung des West-Nil-Virus relevant.« — Karin Bakran-Lebl, Ages MONITORING
Karin Bakran-Lebl ist Stechmücken-Expertin am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene Wien der Ages.
Nicht jeder in Europa entdeckte Fall einer von Tropenmücken übertragenen Krankheit hat allerdings das Potenzial, zur Infektion vieler weiterer Menschen zu führen. Für die Ausbreitung von tropischen Krankheiten in Mitteleuropa braucht es drei Bedingungen: die Anwesenheit der tropischen Stechmücken, hohe Temperaturen und die Anwesenheit der Viren. Letzteres ist in Mitteleuropa noch äußerst selten der Fall. Theoretisch kann die Asiatische Tigermücke zwar etwa Dengue-Fieber übertragen, aber dazu müsste sie vorab eine Person gestochen haben, die mit dem Dengue-Virus bereits infiziert ist, etwa eineN ReiserückkehrerIn. »Obwohl das Risiko für diese Krankheiten noch sehr gering ist, sollten Behörden und medizinische Einrichtungen aufmerksam und für den Ernstfall gewappnet sein«, betont Karin Bakran-Lebl. Um eine Übersicht über die Verbreitung von Stechmücken zu bekommen, initiiert die Ages Programme wie das »Ovitrap-Moni-
toring gebietsfremder Gelsenarten in Österreich«. Dazu werden zwischen Mai und Oktober alle zwei Wochen 60 Ovitraps aufgestellt. Das sind kleine, mit Wasser gefüllte Kübel, die regelmäßig auf die Menge abgelegter Stechmücken überprüft werden. Ergänzt wird dieses Monitoring seit 2020 durch die Einmeldungen von BürgerInnen. Diese sind aufgerufen, über die App »Mosquito-Alert« Mückenfunde zu melden – und erhalten dann auch eine Rückmeldung dazu, ob es sich beim Fund um eine tropische Stechmücke handelt. Zudem betreibt die Ages mit dem »SURVector«-Projekt ein Stechmücken- und Zecken-Monitoring mit dem Ziel, neu in diesen Tieren auffindbare Krankheitserreger zu überwachen. Auch hier werden die Tiere in aufgestellten Fallen gefangen und anschließend im Labor analysiert. 2024 fand man so beispielsweise 7927 Stechmücken in 1364 Pools – in drei davon wurde das West-Nil-Virus nachgewiesen.
HEIMISCHE MÜCKE – TROPISCHE KRANKHEIT? Das Krankheitsgeschehen wird mit Fokus auf jenen Arten verfolgt, die sich stabil etabliert haben – es können auch ganz gewöhnliche Stechmücken bisher ungewöhnliche Krankheiten übertragen. »Die Gemeine Stechmücke ist in Österreich und Deutschland vor allem hinsichtlich der Übertragung des West-Nil-Virus relevant, und die Asiatische Tigermücke kann bis zu 20 Krankheiten übertragen. Derzeit ist in Österreich und Deutschland die Gemeine Stechmücke als Überträger von Krankheitserregern relevanter, da sie weiter verbreitet ist und bereits solche Übertragungen stattfinden.« In Europa werden jedes Jahr Einzelfälle des genannten West-Nil-Virus gemeldet, aus Süd-, Ost- und Westeuropa auch saisonale Ausbrüche. Überträger ist hier hauptsächlich die Gemeine Stechmücke. Während es 2025 zwar keinen Fall des West-Nil-Virus in Österreich gab, waren es im Jahr zuvor 34 Fälle – und bei allen 34 fand die Ansteckung in Österreich statt. Die Dunkelziffer der Infizierten könne durchaus wesentlich höher sein, denn 80 Prozent der Infektionen verlaufen asymptomatisch, bei den restlichen 20 Prozent kommt es zu grippeähnlichen Symptomen. Besonders gefährlich kann das West-NilVirus werden, wenn es zu einer Gehirnhautent-
35
1
2
3
Die Asiatische Tigermücke (1) unterscheidet sich von den heimischen Stechmückenarten: Sie ist kleiner und hat einen weißen Längsstreifen am schwarzen Rückenschild und schwarz-weiß gestreifte Beine mit 5 weißen Ringen und weißen Spitzen an den Hinterbeinen. Die Gemeine Stechmücke (2) erreicht eine Körperlänge von 5–7 Millimetern und ist gelblich-braun bis dunkelbraun gefärbt. Die Japanische Buschmücke (3) ist etwa so groß wie die Hausmücke und ebenfalls größtenteils schwarz-weiß, hat aber Hinterbeine mit schwarzen Spitzen und nur 3 weiße Ringen. Im Gegensatz zur Tigermücke hat sie gelbliche Streifen auf dem Rückenschild. Die Koreanische Buschmücke (4) sieht der Japanische Buschmücke sehr ähnlich, sie unterscheidet sich durch 1–2 weiße Ringe mehr auf den Beinen.
zündung führt – das ist bei 0,7 Prozent aller Fälle so. In Österreich werden Blutspenden übrigens routinemäßig auf das West-Nil-Virus getestet, in Deutschland passiert das nur in den deutschen Risikogebieten und während der »Mückensaison« etwa von Juni bis November. Das stellt ein Frühwarnsystem für Ausbrüche dar. »Von der Asiatischen Tigermücke geht im Vergleich dazu derzeit eine geringere Gefahr aus. aber in die Zukunft gerichtet eine potenziell größere, da sie sich immer weiter ausbreitet und viele Erreger übertragen kann«, sagt Bakran-Lebl. Hinzu kommt: Die Asiatische Tigermücke sticht mit Vorliebe Säugetiere. Da sie tagsüber aktiv ist, hat diese Art mehr Kontakt zum Menschen.
BILD CDC / JAME S D. GATHA NY, FRANK COLLI NS, ANDRE A MATTE VI
TIPPS FÜR REISENDE Über die Stechmücken-Situation in Südeuropa in der klassischen Urlaubssaison sagt Karin Bakran-Lebl: »Es gibt jährlich starke Schwankungen hinsichtlich des Auftretens tropischer Krankheiten, Prognosen sind daher schwierig. Ein Schutz vor Stechmücken – durch passende Kleidung und Insektenabwehrmittel – ist aber stets angebracht.« Tropische Krankheiten, die durch die Asiatische Tigermücke übertragen werden können, sind zum Beispiel die Virusinfektionen Dengueund Chikungunya-Fieber sowie das Zika-Virus. Bakran-Lebl empfiehlt, Insektenabwehrmittel
nach der Rückkehr aus Ländern, in denen diese Erreger vorkommen, noch ein paar Tage weiterzuverwenden. So könne verhindert werden, dass eine etwaige im Ausland erworbene Infektion durch Stechmücken im Heimatland weiterübertragen wird. Das sei besonders wichtig, wenn man in einer Region wohnt, wo es bereits Asiatische Tigermücken gibt.
WIRKSAMER SCHUTZ Die wirksamsten Repellents gegen Stechmücken wie etwa DEET sind auch für Mensch und Umwelt nicht harmlos. Lange helle Kleidung, Insektengitter und Produkte aus der Apotheke schützen vor Stechmücken. In der Apotheke gibt es zum Beispiel Diethyltoluamid (DEET) zu kaufen: »Das ist ein chemisches Insektenabwehrmittel und hat ein breites Wirkungsspektrum auf verschiedene Insekten. Es kann jedoch Augen und Schleimhäute reizen und Allergien hervorrufen und sollte von schwangeren Frauen, in der Stillzeit und bei Kindern unter zwei Jahren nicht angewendet werden. Zudem kann es für diverse Oberflächen schädlich sein« Icaridin kann ebenso Augen und Haut reizen, aber es gilt als besser verträglich und ist unbedenklich hinsichtlich Kunststoffoberflächen, jedoch hat es eine kürzere Wirksamkeit. Laut Expertin gibt es allerdings mit dem Öl des Zitroneneukalyptus – und seinem Wirkstoff Para-Menthan-3,8diol (PMD) – nur ein Repellent natürlichen Ursprungs mit guter Wirksamkeit.
4
B IO R A M A 10 3
E R L EKND MAR T P L ATZ O R E MKOIPSM SUETIK M
36
SCHAU AUF DEINE AUGEN,
TEXT Irina Zelewitz
KLEINER!
BILD Stefan Staller
Augencreme ist längst Weiberkram wie Männersache, denn auch wenn sich glaubwürdig bestreiten lässt, dass sie notwendig ist: wohltuend, erfrischend und ein bisschen augenöffnend wirkt sie fast immer. Sieben Pflegeoptionen aus der Naturkosmetik.
Lavera Eye Patches & Undereye Corrector Die 40 Einmal-Patches depuff & hydration von Lavera fühlen sich ein bisschen wie eine medizinische Behandlung an, vor allem, wenn man zur Entnahme der Patches (Augen mögen keine Keime) eine gereinigte Pinzette verwendet. Eine kühlende, die wirkt. Wer außerdem noch Schatten unter den Augen oder in deren Winkeln kaschieren will, hilft sparsam mit dem Brightening & hydrating Undereye Corrector nach. Natrue-zertifiziert. lavera.de
Primavera Eye Roll- On Instantly Cooling
I+m Eye Gel & Recovery Eye Cream Abhängig von den Hautbedürfnissen kommt abends (und um die Zusammenwirkung mit Sonnenlicht zu minimieren, nur abends) entweder Hydra Lift Gel oder die reichhaltige Recovery Night Cream zum Einsatz – beide strotzen vor mächtigen Wirkstoffen, daher ist auch Vorsicht geboten: Vor der Anwendung von Produkten, die Retinal enthalten, sollte man sich (wie auch beim anderen Vitamin-A-Derivat Retinol) über Risiken informieren. Cosmos-organic-zertifiziert. iplusm.berlin
Ein wacher und frischer Blick, nur durch Rollen vom einen zum anderen Augenwinkel, wer möchte das nicht? Atlaszeder und Johannisbeere als Leitpflanzen geben die Richtung vor, Hyaluron hilft nach, der Duft ist spritzig-herb, die Edelstahlkugel kühlend. Ideal für unterwegs – schnell verbrauchen. Natrue-zertifiziert. primaveralife.com
Ringana eye patches reusable Ringana liefert wiederverwendbare Patches aus medizinischem Silikon, unabhängig von Creme oder Serum, das mit ihnen einwirken könnte (wenngleich es solches freilich im Sortiment hat). Das ist hygienisch, nachhaltig und angesichts kürzerer Haltbarkeit von Naturkosmetikprodukten vernünftig – weil dann nicht parallel Creme und in der Regel nur ab und zu angewendete, in Pflege getränkte Patches geöffnet sind. ringana.com
We l e d a Straffende Augenpflege G ra n a t a p f e l & M a c a - Pe p t i d e Inzwischen schon ein Weleda-Klassiker ist die überarbeitete Granatapfel-Linie, mit Bio-Granatapfelsamenöl und Peptiden aus Bio-Maca-Wurzel für die Haut ab 40 (oder so). Heißt vor allem: Da darf’s oft ein bisserl mehr der pflegenden Öle und der zellerneuernden, aufpolsternden Inhaltsstoffe sein. Nehmen wir! Natrue-zertifizierte Naturkosmetik. weleda.com
Wir setzen Umweltschutz durch. Helfen auch Sie mit, als Fördermitglied.
Für uns alle! www.duh.de/foerdermitglied
Pirmin (30) und Rudi (57) Gmeiner von der Sellthürner Käseküche veredeln die Milch von 11 Ostallgäuer Kuhmilch- und 4 Ziegenmilchbauern.
Max Sontheim (31) von der Allgäuer Käsemanufaktur ist auf Schnittkäse spezialisiert.
Drei Käse hoch: 40 Jahre ÖMA Die Ökologischen Molkereien Allgäu (ÖMA) wurden 1986 gegründet. Doch was bedeutet es, ein traditionelles Handwerk in die nächste Generation zu tragen? Drei ÖMA-Käser über ihre Leidenschaft.
Warum entscheidet man sich heute dafür, eine Käserei zu führen? Max: Ich komme aus einer Käserfamilie, bin aber angestellter Betriebsleiter. Mich treibt die Leidenschaft. Ich hab’ im Kopf, wie mein Käse schmecken soll, welche Konsistenz er hat. Mir sind kurze Entscheidungswege und flache Hierarchien wichtig. Mir war nach der Schule klar: Ich möchte praktisch arbeiten. Ich hab das noch nie bereut. Pirmin: Das Reizvolle ist die Vielseitigkeit des Berufs – vom sehr Handwerklichen bis zur Führungsposition. Wir haben
drei eigene Läden, Marktfahrer und eine sehr gute Zusammenarbeit mit der ÖMA. Was bedeutet es, ein traditionelles Handwerk in die nächste Generation zu tragen? Pirmin: Von der jahrzehntelangen Erfahrung und dem Wissen meines Vaters versuche ich möglichst viel mitzunehmen. Es ist ja nicht alles niedergeschrieben, viel ist im Kopf. Aufbauend sammle ich eigene Erfahrung und möchte die Käserei weiterentwickeln. Es heißt sich selbst gerecht zu bleiben, aber immer im Blick auf VerbraucherInnen und Nachhaltigkeit. Es heißt, den Betrieb richtig aufzustellen, um mit einem hochwertigen Produkt auch in Zukunft preislich mithalten zu können. Warum gilt gerade die Erzeugung von Bergkäse als besonders anspruchsvoll? Rudi: Es handelt sich um einen Hartkäse. Darin liegt viel Käsekunst. Je länger er reift, umso ausgeprägter und würziger wird Bergkäse im Geschmack. Es muss einfach alles
B ILD FENEBERG L EBENSMITT EL GMBH, FABIAN BRANDES
Wie hat sich das Handwerk des Käsers in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten verändert? Pirmin Gmeiner: Glücklicherweise hat die Technik Einzug gehalten. Rudi Gmeiner: Es ist ein wahnsinnig handwerklicher Beruf geblieben. Heutzutage geht es darum, mit handwerklichem Geschick und Hygiene ein super Produkt herzustellen. Max Sontheim: Der Käsungsprozess an sich hat sich nicht verändert. Zugenommen hat natürlich die Bürokratie.
Was sagt die Reifezeit über die Qualität eines Käses aus? Rudi: Ob er wirklich gut gereift ist, muss ich kosten. Max: Jeder Käse hat sein optimales Alter. Es bringt nichts, einen -Schnittkäse– was unsere Spezialität ist – drei Monate zu lagern … Woran erkennt man beim Einkaufen einen guten Käse? Max: Den besten Käse erkennt man daran, dass er ausverkauft ist. Ich rate, sich an der Käsetheke einfach durchzuprobieren – und einfach bei dem zu bleiben, der am besten schmeckt. Pirmin: Über die Optik erkennst du keinen richtig guten Käse. Du musst probieren. Hat er eine schöne Aromatik? Ein gutes Mundgefühl, schmeckt er angenehm und … Max: … harmonisch! Rudi: Aber Geschmack bleibt subjektiv. Max: Käse soll jedenfalls nicht scharf sein. Welchen Unterschied macht Bio? Rudi: Der Verbraucher und die Verbraucherin sollte wissen, dass dahinter Weidehaltung steckt und bessere Tierhaltung. Dass kein chemisch-synthetischer Pflanzenschutz eingesetzt wurde, kein künstlicher Stickstoff. Pirmin: In Biokäse steckt naturnahe, nachhaltige Landwirtschaft. Bio ist für uns die konsequente Antwort auf zentrale Fragen der Landwirtschaft. Zurück zum Käse: Wie individualisiert sich eine Käserei mit Kulturen und den verwendeten Bakterienstämmen? Pirmin: Da ist jeder Käser ein bisschen ein Tüftler. Mit Erfahrung hat jedeR KäserIn seineihre eigene Rezeptur. Dadurch wird der Käse individuell und kann nicht gleich nachgeahmt werden. Max: Da steckt viel Spielerisches drin. Jede Firma hat ihre eigene Hausflora, im Salzbad, im Reifekeller, die den Geschmack der Käserei individuell prägt. Schmeckt ihr als Profis aus welcher Käserei ein Käse stammt? Pirmin: Meist im positiven Sinne, ja. Max: Einige Allgäuer Käsereien kenne ich überall heraus. Welche Käse waren früher charakteristisch fürs Allgäu, was hat sich geändert? Rudi: Ganz früher war der Emmentaler prägend, aber mit
den Jahren kam der Bergkäse, der früher auf den Alpen produziert wurde, auch in die Talsennereien. Auch Weichkäse hat es immer schon gegeben. Einzug gehalten hat Schnittkäse, da ist außen und innen viel Innovation mit Kräutern möglich. Ist Käser in eurem persönlichen Umfeld ein angesehener Beruf oder muss man sich und sein Tun manchmal erklären oder gar rechtfertigen? Max: Zu Beginn meiner Ausbildung haben mich meine FreundInnen ziemlich damit aufgezogen. Auch das Frühaufstehen und die Arbeit am Wochenende stößt oft auf Unverständnis. Aber mittlerweile erfahre ich viel Wertschätzung und Anerkennung. Pirmin: In unserer sehr landwirtschaftlich geprägten Gegend ist Käser ein sehr angesehener Beruf. Bei uns wird ja an jedem Eck hochwertige Milch produziert und wer diesen Rohstoff veredeln kann, wird geschätzt.
ÖMA JUBI BERGKÄSE, BIOLAND
Laib ca. 25 kg und Thekenstück ca. 3 kg
Zum Jubiläum steht der ÖMA Jubi Bergkäse für echtes Käsehandwerk, beste Rohstoffe und gelebte Werte. Aus Allgäuer Bioland-Heumilch handwerklich gekäst, reift er beeindruckende 40 Wochen. Käsermeister Rudi Gmeiner und sein Sohn Pirmin begleiten jeden Laib mit Erfahrung und Hingabe. Das Ergebnis ist ein kräftig-harmonischer Bergkäse mit feiner, kristalliner Struktur und ausgewogenem Geschmack. Danke fürs Mitreifen!
ÖMA JUBI ALPENTORTE, BIOLAND Laib ca. 2,5 kg
Lasst uns Käse feiern! Exklusiv für 40 Jahre ÖMA von Käsermeister Max Sontheim in der Käsemanufaktur Allgäu aus bester Bioland-Milch kreiert, verbindet die ÖMA Jubi Alpentorte traditionelles Käsehandwerk mit festlichem Auftritt. Cremig-weich mit fein ausbalancierter Rotkulturwürze, begeistert der halbfeste Schnittkäse in Tortenform und mit schmuckem Vlies. Eine »Käsetorte« der besonderen Art.
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG DER ÖMA – ÖKOLOGISCHE MOLKEREIEN ALLGÄU
perfekt sein, damit Geschmack und Aussehen nach einem Jahr passen. Pirmin: Milch ist ein Naturprodukt. Bei jedem Arbeitsschritt sind Menschen involviert. Die Milch selbst ist über den Jahresverlauf immer wieder anders, z. B. was ihren Fettgehalt angeht. Wir arbeiten sehr handwerklich und die Erzeugung von Rohmilchkäse ist viel aufwendiger. Wir lassen auch einiges 18 bis 20 Monate reifen.
ME H R WE G -WEIN F L A SCH E
B IO R A M A 10 3
40
NOCH EINE RUNDE! Lange wurde getüftelt: Nun ist die Mehrwegweinflasche in Österreich erhältlich.
TEXT Martin Mühl
Emissionen Eine Studie der HBLA und Bundesamt Klosterneuburg zeigt: Der Energie- und Materialeinsatz in einem Weinbaubetrieb in Österreich führt zu Treibhausgas-Emission von rund 1,04 kg pro Liter abgefülltem Wein. Rund 48 % davon stammen von der Produktion der Weinflasche.
E
in Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist gewiss nicht zwangsweise, doch immer wieder ein Schritt zurück, ein Rückgriff auf bereits Bekanntes: »Bis vor zwanzig Jahren hatten wir eine Waschanlage am Hof und für meinen Vater war es ganz normal, dass quasi alle verkauften Weinflaschen ihren Weg auch wieder zurück zu uns finden«, sagt Stephan Mehofer vom Weingut Mehofer vom niederösterreichischen Wagram. In weiterer Folge wurden die Vertriebswege zentralisiert und es wurde irgendwann auch billiger, eine neue Weinflasche zu kaufen, statt eine alte zu waschen. Außerdem hat die Bedeutung von Export für österreichische Weingüter zugenommen und es wäre sehr kompliziert, eine ins Ausland, vielleicht nach Übersee, verkaufte Weinflasche zurückzubekommen. Das Weingut Mehofer ist nun eines der ersten Weingüter in Österreich, die mit der neuen 0,75-Liter-Mehrweg-Weinflasche experimentieren und diese nutzen. Darin abgefüllt wird der Grü-
ne Veltliner Gebietswein, der in der Region an EndkundInnen und die Gastronomie verkauft wird. Abnehmer größerer Mengen sollen bedient werden, wenn im Sommer die 6er-Kiste für die Weinflaschen erhältlich ist und so auch Paletten gut befüllt werden können. Viele der Weingüter, die nun dabei sind, sind biozertifiziert oder tragen das im Bezug auf die ökologische Arbeit im Weingarten wenig aussagekräftige »Nachhaltig Austria«-Logo. Dazu gehört auch der Demeter-Winzer Matthias Hager aus dem Kamptal. Er hat sich vom Kreislauf-Gedanken inspirieren lassen und ist dabei bei einem Bild seiner Jugend gelandet, die er gerne im Tagada im Wiener Prater verbracht hat. Und so bringt er nun drei Weine in der Mehrwegflasche auf den Markt, die in Namen und Design Tagada aufnehmen: »Als biodynamischer Winzer mit einem tiefen Verständnis für die Natur ist es mir wichtig, einen kleinen Fußabdruck zu hinterlassen. Was man gibt, kommt auch wieder zurück. Ein Kreis, der sich dreht, der
41 uns dreht – ein Tagada des Lebens.« Klar ist: Da fast die Hälfte des CO2-Ausstoßes für eine Flasche Wein auf die Verpackung fällt, liegt hier die relevante Schraube für Einsparungen in der Klimabilanz des Produkts. Gut 90 Prozent des CO2-Ausstoßes für die Flaschen sollen durch die Mehrwegflasche eingespart werden – sie ist mindestens zwölfmal wasch- und wieder nutzbar.
B ILD NADJA HUDOVERNIK, JANSE NBE RG ER, WEI N ME HR WE G
GREEN EVENTS ALS VORBILDER In Deutschland wurde in den letzten Jahren bereits eine Mehrwegweinflasche eingeführt – diese ist derzeit unter anderem in über 200 Kaufland-Filialen, bei Edeka-Südwest, in Bioläden oder auch einem Teil des Getränke-Hoffmann-Netzwerks erhältlich. Seit 2026 beginnt auch der Lebensmittelhandel in Norddeutschland Weine in der Mehrwegflasche zu listen. Die regionalen Schwerpunkte liegen oft in der Nähe der Weingüter, die sich an dem Projekt beteiligen. Der Wein-Mehrweg eG gehören aktuell 14 Mitgliedsbetriebe an – diese erstrecken sich über die Anbaugebiete Württemberg, Baden und Pfalz. In Deutschland wurde eine Flasche mit auffälligem Design entworfen, die recht unverwechselbar ist. Die dazugehörige 6er-Kiste ist aus Recyclingmaterial. In den letzten Monaten hat sich in Österreich beim Thema Mehrwegweinflasche viel bewegt. So wurden – finanziert von der Abfallvermeidungsförderung der Sammel- und Verwertungssysteme für Verpackungen – Logistik und Pool-Management entwickelt und eine Arbeitsgemeinschaft, die Arge Österreichischer Mehrweg-Weinflaschen-Pool, gegründet. 366.000 Flaschen wurden von Vetropack produziert und an die ersten WinzerInnen ausgeliefert. Noch werden diese in erster Linie im Direktvertrieb und für die Gastronomie genutzt. Auch einzelne WeinhändlerInnen machen mit und Bioläden, deren Kundschaft es gewöhnt ist, leere Verpackungen zurückzubringen. Um ein System wie die Mehrwegweinflasche zu unterstützen, helfen Umfelder, die diese quasi zur Pflicht erklären – so wie zertifizierte Green Events. Für die neuen Richtlinien für »Green Meetings & Events« des Österreichischen Umweltzeichens kommt das System knapp zu spät, hier werden Mehrweggebinde beim Wein nur empfohlen. Mit größerer Verfügbarkeit könnte hier aber nachge-
schärft werden. Regionale Regelwerke in den einzelnen Bundesländern, die eigene Regeln für Green Events haben, sind hier weiter und machen Mehrweg auch beim Wein – sofern verfügbar – auch jetzt schon zur Pflicht. Etwa in Wien, Oberösterreich oder Salzburg.
NACHFRAGE Einmal mehr ist der österreichische Lebensmitteleinzelhandel (LEH) in der Frühphase einer Mehrweginitiative noch nicht dabei – er nimmt die Flaschen auch nicht zurück. Philipp Haderer, Koordinator von »Mehrweg Weinflasche«, hofft hier auf die Macht der Nachfrage der KonsumentInnen: »Hofer hat wegen der hohen Nachfrage die Glasmilchflasche wieder ins Sortiment gebracht, bevor die Rückgabe-Infrastruktur entwickelt war. Ich bin zuversichtlich, dass der LEH auch bei der Mehrweg-Weinflasche einsteigt, wenn er sieht, dass die KonsumentInnen danach fragen.« In den folgenden Monaten soll das System ausgebaut werden, die Kombi-Kiste macht die Belieferung des Großhandels einfacher, das System wird um neue Flaschenformen erweitert und in der Organisation der Arge wird an einer stabilen Struktur gearbeitet. Als KonsumentIn kann man die Augen nach der neuen Flasche offen halten, diese Beide Flaschen wurden gestaltet, um den verschiedenen kaufen – und auch Logistikanforderungen zu entsprechen und Wiedererwieder zurückbrinkennbarkeit zu garantieren: links die österreichische gen! Mehrweg-Weinflasche, rechts die deutsche.
MAR K T P L ATZ DR IN KS
B IO R A M A 10 3
42 TEXT Martin Mühl
BILD Biorama
ROTWEIN AUS ITALIENS NORDEN
Italien steht für Rotwein, auch der kühlere Norden mit seinen teilweise harten Böden. Vier regionstypische, auch nördlich der Alpen gut verfügbare Vertreter großer Biobetriebe – teilweise aus autochthonen Rebsorten.
4 2 1
3
1
FATTORIA LA VIALLA, CASAL DURO 2021
2
CECILIA ZUCCA, BARBERA PIEMONTE DOC
Barbera ist eine autochthone und mit gut 50 Prozent die im Piemont am meisten angebaute Rebsorte. Sie steht für eine Kombination aus intensiver Frucht und kräftiger Säure. Cremig-fruchtig mit etwas Fizz kombiniert Cecilia Zucca auf dem Gut Poggio Redente mit diesem Barbera dunkle Frucht – mehr Zwetschge als Beeren – mit lebendiger Frische. Erhältlich unter anderem beim Schweizer Bioweinversandhaus Delinat. poggioridente.it
3
LA SELVA, MORELLINO DI SCANSANO DOCG
4
BARON LONGO, FRIEDBERG
Aus der Toskana kommt dieser Cuvée aus Sangiovese – aufgrund der Farbe wie auch eine Pferderasse auch Morellino genannt – und hier Merlot. Aus dem Jahr 2024 ist er noch recht jung und auf alle Fälle der zugänglichste Wein in dieser Verkostung, harmonisch mit ausgeprägter Frucht, ein wenig Restsüße und Würze. Der Abgang vergleichsweise kurz. Das nahe Meer mildert die hohen Tagestemperaturen im Sommer in den Weinbergen dieses Teils der Toskana. laselva.wine
Lagrein ist eine alte, in Südtirol heimische Sorte. Der Wein ist Teil der Terroir-Linie von Baron Longo, die Herkunft und Boden betont. 400 Jahre Weinbautradition in den Dolomiten führen zu diesem edlen Rotwein: Spontane Gärung im offenen Holzfass und dann 11 Monate in französischer Eiche. Dunkle Waldfrüchte treffen auf Grapefruitfrische – was bleibt, ist der cremige Abgang. Vollmundig und komplex. Baron Longo ist Teil der Südtiroler Tourismus- und Genussvereinigung Roter Hahn. baronlongo.com
Dem Wesentlichen ganz nah Sinn entsteht oft dort, wo wir wieder spüren, was wirklich zählt: die Verbundenheit mit der Natur, das ehrliche Miteinander und das Bewusstsein für die Herkunft unserer Lebensmittel. Urlaub am Bauernhof macht genau das erlebbar. Hier öffnen Gastgeberinnen und Gastgeber ihre Höfe und geben Einblicke in eine Lebensweise, die von Nachhaltigkeit, Verantwortung und Wertschätzung geprägt ist. So wie am Biohof Mösenlehen in Salzburg. Zwischen Wiesen, Tieren und gelebter Landwirtschaft erfahren Gäste, wie eng Mensch und Natur miteinander verbunden sind. Am schönsten ist es, wenn Kinder den Hof mit leuchtenden Augen verlassen und etwas von diesem Verständnis für Natur mit nach Hause nehmen. Wer hier Urlaub macht, nimmt nicht nur schöne Erinnerungen mit, sondern auch ein Stück Verständnis für das, was täglich im Einklang mit der Natur entsteht. urlaubambiobauernhof.info/de/hofgschichtn
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG VON URLAUB AM BAUERNHOF UND BIO AUSTRIA
16 Vol.-%, kräftiges Rot und auch sonst eher wuchtig: Cabernet Sauvignon und Merlot bleiben hier 24 Monate im Barrique. Die roten Früchte sind beinahe überraschend frisch am Gaumen, leicht unreif, kräftige Tannine und Säure leiten einen vollmundigen, langen Abgang ein. Ein in jeder Hinsicht kräftiger Rotwein, der seine Eleganz aber nicht untergehen lässt. lavialla.it
Fred Maulowitz, der Reporter aus dem Boden
blitzt. Die Kamera schwenkt auf Asseln und andere KleinstDas Schweinderl von Ja! Natürlich ist legendär. Ganze Genelebewesen. Maulowitz weiß: »Jetzt zeigt sich, was die Borationen sind mittlerweile damit aufgewachsen. Wenn es in denbewohner mit ihrer Arbeit für die Struktur des gesunden Österreich ein Biomaskottchen gibt, dann ist es das vorlaute Biobodens leisten. Oh Maulo!« Eine Infografik zeigt, wie ReFerkel, das dem Bauern im karierten Hemd Fragen stellt. Im gentropfen im lockeren Boden versickern. »Er nimmt den Dialog lassen sich so auch komplexe Themen erörtern und Regen auf wie ein Schwamm. Wertvolle Feuchtigkeit für den die multiplen Mehrwerte der Biolandwirtschaft vermitteln. Sommer.« Zum Schluss ein persönliches Stoßgebet: »HeiliAuch wenn sich der eine oder andere Bauer am – »unreager Humus! Auf den Schreck ein Schneck! Mjam!« listisch« – sprechenden Schweinderl stößt: Als SympathieIn wenigen Sekunden steckt träger bleibt es unumstritten. Als verdichtet eine unglaubliche Fülle erfolgreiche Werbefigur wurde es vielfach ausgezeichnet. Trotzdem »Alles, was die Marke Ja! Natürlich an Information: Neben dem Wert und der Funktion des lebendigen hat das Schweinchen als Welt- und macht, unterstützt den Boden. Bioerklärer seit einiger Zeit VerEin Maulwurf ist der ideale Bot- Bodens als Wasserspeicher, dem fruchtbaren Humus als Basis unsestärkung bekommen: den Maulschafter aus dem Untergrund, um rer Lebensmittelversorgung letztwurf Fred Maulowitz. komplexe Zusammenhänge leicht lich der ganze Kreislauf des LeVor allem online berichtet Bodenbens – und nicht zuletzt der Maulreporter Fred Maulowitz in kurverdaulich rüberzubringen.« wurf als Nützling, der Schnecken zen Reels und Videos aus dem Un— Klaudia Atzmüller, und anderes Getier frisst und im tergrund; in liebevoll und detailJa! Natürlich Gleichgewicht hält. Wie auch die reich animierten Spots wie einer Biofreilandschweine von Ja! NaSonderschaltung zum Starkregen: türlich im Boden wühlen und ihFred Maulowitz – eine animierte rer Natur gemäß als Allesfresser nach Käfern, Larven und Filzfigur, im beschriebenen Video mit Regenhut, Mikro in Engerlingen suchen dürfen. der Hand und unter dem Blatt einer Kürbispflanze im TroOnline ist es um das Schweinderl als Aushängeschild allerckenen – ist live am Ort des Geschehens. Es donnert und
B ILD JA NATU ERLI CH/C HRISTI AN DU SEK, S KOPFILM
Wie sich die komplexen Zusammenhänge von Bio und Bodenleben kurzweilig in Videos vermitteln lassen. Porträt eines Welterklärers aus dem Untergrund.
dings ruhig geworden. »Wir haben mit dem Schweinderl online zuletzt nicht so gute Erfahrungen gemacht«, sagt Rosa Merlicek. Sie ist Werbeprofi, Schöpferin des Ja! Natürlich-Schweinderls und auch als Stimme (»Spitzt’s eure Schweinsohren!«) untrennbar mit ihrer Kreation verbunden. »Auf Social Media wurden immer gleich Fotos von Spanferkeln drunter gepostet. Da haben wir uns gefragt, wie wir damit umgehen.«
DIE ANTWORT AUF DIE KURZE AUFMERKSAMKEITSSPANNE Klaudia Atzmüller und Rosa Merlicek haben dem bekannten Ja! Natürlich-Schweinderl einen Maulwurf zur Seite gestellt.
auch Handarbeit und das unmittelbar Handfeste sehr wichtig.« Also nahm Rosa Merlicek zu Hause Filz in die Hand und bastelte in vielen Stunden einen ersten Prototypen. »Der sah zwar noch lang nicht so gut aus wie der Fred von unserem Puppenmacher, war aber auch schon entzückend«, sagt Merlicek. Auch in den Videos stecken viele Stunden Denkarbeit, Herzblut und Hirnschmalz. »Wir haben die Puppenhäuser unserer Kinder geplündert, gebastelt und Accessoires auf Flohmärkten zusammengetragen«, erinnert sich Merlicek. Bei der Umsetzung entschied man sich gemeinsam mit dem Go Filmstudio, einer digital versierten Bastelbude aus Wien, für die Technik der »limitierten Animation«. Diese garantiert Dynamik, ohne dass jedes Bild einzeln fotografiert werden muss. »Man glaubt ohnehin nicht, wie viel Aufwand hinter ein paar Sekunden steht«, so Atzmüller. All der Aufwand hat sich allerdings ausgezahlt. Umfragen zeigen, dass Fred Maulowitz als kleiner Freund empfunden wird, den man sich freut, wiederzusehen. Das Publikum beginnt an seinem Leben als Reporter Anteil zu nehmen, interessiert sich dafür, mehr aus dem Biouniversum zu erfahren. »Für uns als WerberInnen ist das eine große Verantwortung«, sagt Rosa Merlicek. »So ein Charakter muss sensibel und mit Sorgfalt geführt werden, damit er nicht als Sprachrohr empfunden wird, über das einem nur was verkauft werden soll.« Fortsetzung folgt.
CRAFT TIER STATT AI-ANIMATIONEN Ein Maskottchen bewegt zum Leben zu erwecken war noch nie so einfach und günstig wie jetzt. Dem digitalen Alltag wird mit Fred Maulowitz dennoch absichtlich Analoges entgegengesetzt. »Wir nutzen alle AI und finden das sehr lustig«, sagt Klaudia Atzmüller, »und Bio ist natürlich auch technisch am Puls der Zeit, aber in der Biolandwirtschaft ist
Details und Handarbeit, Herzblut und Hirnschmalz: Fred Maulowitz ist ein durch und durch analoges Wesen.
ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG VON JA! NATÜRLICH
Gesucht war also ein allumfassender Sympathieträger. Und so wurde Fred Maulowitz ersonnen. Der hieß anfangs noch Fritz Maulbert und sollte als Lehrer jungen Maulwürfen ihre Umwelt näherbringen. »Wir haben in den Spots aber nur 15 Sekunden. Das war zu wenig, um komplexe Geschichten zu erzählen und verschiedene Charaktere zu etablieren. So ist dann aus dem Herrn Lehrer der Reporter geworden«, sagt Merlicek. Reales Vorbild für Fred Maulowitz war der unermüdliche ORF-Reporter Christian Wehrschütz, der den ÖsterreicherInnen das Weltgeschehen näherbringt und dem es gelingt, komplizierte Sachverhalte in einfache Worte zu fassen. »Über das komplexe Bodenthema hat sich kommunikativ lange niemand drüber getraut, zumindest nicht als Hauptbotschaft. Das ist für Bio aber unglaublich wichtig und grundlegend, deshalb haben wir das als Ja! Natürlich gewagt«, sagt Geschäftsführerin Klaudia Atzmüller. »Fred Maulowitz ist der ideale Vermittler. Auf ihn sind wir sehr stolz und er hat schon richtige Fans, auch bei uns im Team.« Rosa Merlicek sieht im rasenden Untergrundreporter »sehr viel Potenzial« und kann sich sogar längere Filmformate vorstellen. Vordergründiges Ziel war es allerdings, mit Fred Maulowitz ein junges, digitales Publikum mit niedriger Aufmerksamkeitsspanne und allgegenwärtiger Ablenkung zu adressieren. »Bei Kindern kommt er zwar sehr gut an«, weiß die Werberin, »aber Fred Maulowitz ist für TikTok und Instagram gemacht, nicht für Kinder. Es ist ein permanentes Wettrennen um Aufmerksamkeit. Da hast du einen kurzen Moment, wenn du den nicht nutzen kannst, swipet man dich weg.« Ja! Natürlich erklärt seit langem Zusammenhänge. In den Videos mit Fred Maulowitz wird wenig Wissen vorausgesetzt. »Vielen von uns fehlt heutzutage der direkte Bezug zur Landwirtschaft und damit auch das Verständnis für die Zusammenhänge in der Natur«, sagt Klaudia Atzmüller, »Fred Maulowitz erklärt diese wunderbar einfach.«
B IO R A M A 10 3
NEU ODER NOCH GUT
Empfehlungen, Warnungen, warnende Empfehlungen. Von Neuentdeckungen und alten Perlen. Auf dass uns Weghören und -sehen vergeht.
RINAH LANG / »PERI MENO« / Carlsen, 2026.
für eine weitere Beschäftigung. Viel mehr von einem Buch, schwer zu wünschen. MARTIN MÜHL
LAURA TRETHEWEY / »BIS ZUM GRUND DER WELT« / Mare, 2025.
Vorgelesen für alle, die sich als Betroffene oder Umfeld mit Aspekten der Menopause in Form eines autobiografischen Comics nähern wollen. Rinah Lang lebt als Illustratorin in Berlin. »Peri Meno« ist ihr erster großer Comicband, sie beschäftigt sich darin autobiografisch mit der Menopause und beschreibt die Veränderungen und Unsicherheiten, ihre Suche nach Informationen bei FreundInnen, in Podcasts und Büchern und bei ÄrztInnen. Diese Suche und deren Ergebnisse zeigen, dass es zwar endlich zunehmend Forschung und Informationen gibt – aber auch, dass die Weise, wie die Menopause eintritt und welche Auswirkungen sie hat, höchst individuell sind. Abseits von Klischees, die hier als mögliche Auswirkungen beschrieben werden, bietet der Comic nicht nur einen Einblick in diesen Abschnitt des Lebens von Rinah Lang, sondern bietet Anknüpfungspunkte und plädiert für mehr Beschäftigung mit dem Thema. Es geht nicht zuletzt um die Möglichkeit, dass Frauen auf Basis von mehr Information selbstbestimmtere Entscheidungen treffen können, aber auch um ein besseres Verständnis im Umfeld und für bessere gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Die Menopause ist keine Krankheit, deren Auswirkungen zu unterdrücken sind. Vieles, das in »Peri Meno« vorkommt, mag interessierten LeserInnen bereits auf die eine oder andere Weise begegnet sein, das Buch bietet aber einen kompakten Einblick und Anknüpfungspunkte
Nachgelesen für alle, die Urlaubslektüre suchen, um vom Strand, Ufer oder Beckenrand aus das Rennen um die Kartierung des Meeresbodens bis 2030 zu beobachten. OzeanografInnen können den Kalauer, dass das Weltall deutlich besser erforscht sei als die Ozeane, nicht mehr hören. Warum? Weil das Depressionen befördert. Laura Trethewey, kanadische Umweltjournalistin, zeigt, dass es auch anders geht: In elf Reportagen taucht sie mit uns in über 10.000 Meter Tiefe. Dabei lernt man etwas über Vermessung und Fächerlot, die Geheimniskrämerei so ziemlich aller Staaten mit Küstenzugang und den heroischen Versuch, bis 2030 trotzdem den gesamten Meeresboden aller Ozeane kartiert zu haben. Dass das alles nicht nur harte Arbeit für eine zusammengepferchte Crew bedeutet, sondern auch einen Hürdenlauf mit Militär oder Tiefsee-Bergbauunternehmen darstellt: Trethewey versprüht trotzdem Zuversicht und schafft in ihrem fundiert recherchierten Text kleine, feine Porträts von OzeanografInnen, Investoren und GeologInnen. HANS-CHRISTIAN HEINTSCHEL
B ILD CARLSE N, MA RE, ROW OHLT, KNEIPP
46
R E ZE NSIO N E N
47
SHEILA DE LIZ / »WOMAN ON FIRE« / Rowohlt, 2020.
wird von Schauspielerin Drew Barrymore gespielt, Progesteron von Cameron Diaz und Lucy Liu gibt das Testosteron. In dieser Konstellation bewegen wir uns durch das Koordinatensystem des Hollywood-Blockbusters »Charlie’s Angels« (aus dem Jahr 2000). Das schafft als Referenzuniversum Nähe und ist wohl auch einer der Gründe für den Erfolg dieses Ratgebers. Fazit? Vielleicht braucht es genau solch ein Buch auch für die männliche »League of Extraordinary Gentlemen«. THOMAS WEBER
NINA GRYGORIEW / »AUSFLIPPEN« / Kneipp, 2026. Nachgelesen für Männer, die mitsprechen können wollen, wenn von Prämenopause und Perimenopause die Rede ist und ihre weibliche Umwelt besser verstehen wollen. Laut dem Vorwort zur 25. Auflage dieses Bestsellers gibt es »ein Leben vor und ein Leben nach dem Lesen von ›Woman on Fire‹«. Die Anrede richtet sich ausschließlich an die »liebe Leserin«. Ich bin als Mann allenfalls mitgemeint. Das ändert nichts an meiner Neugierde – und daran, dass ich nach der Lektüre dieses leicht zu lesenden Buchs hilfreich mehr über mich und meine weibliche Umwelt weiß als davor. Über den Unterschied von Prämenopause und Perimenopause beispielsweise hatte ich mir davor ehrlicherweise noch keine Gedanken gemacht. Über sehr viel anderes auch nicht. Doch was auch mir als Mann klar war: Die Geschichte der Menopause ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Und gleichzeitig mit einer Enttabuisierung der Menstruation war und ist auch die Enttabuisierung der Menopause fällig. Genau das leistet dieses Buch der in Wiesbaden praktizierenden Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe Sheila de Liz. Ihr gelingt es, die Fortschritte in der Menopausen-Medizin zu beschreiben, die Veränderungen während der Wechseljahre im Körper, im Kopf und in der Seele zu entmystifizieren – und als völlig natürlich zu kontextualisieren. Der Autorin geht es darum, Frauen über 40 ein Vokabular zu geben für »die crazy Dinge, die du erlebst«, um bei der Gestaltung der Wechseljahre eine mündige und aktive Rolle spielen zu können und »um eine geile zweite Lebenshälfte zu haben«. Die Verheißung: »Wenn du alles richtig machst, wird dein sechzigjähriges Selbst sich bei deinem jetzigen Ich bedanken.« Gut möglich, dass de Liz das mit diesem Buch wirklich gelingt. Manches bleibt zwar stilistisch gewöhnungsbedürftig und etwas gar »populär«. So bekommen wir es etwa mit »Hormonstars« zu tun: Östrogen
Vorgelesen für alle, die mit der Lektüre von Wechseljahrratgebern warten wollten, bis sie spüren, dass sie einen brauchen. Nina Grygoriew schreibt aus Erfahrung über die Wechseljahre – so weit, so üblich, mutmaßlich aber auch für ein Publikum, das schon über ähnliche Erfahrungen verfügt. Und hier sind wir schon bei einem Problem, das dieses Buch lösen helfen könnte: Denn entgegen des Untertitels handelt es sich hier keineswegs nur um eine »Anleitung für einen Ausnahmezustand«, sondern um einen Ratgeber für fast jedes Lebensalter und teilweise auch recht alltägliche Herausforderungen, der harte Fakten rund um aktuelle medizinische Diskurse verständlich abbildet, ein paar biologische Basics, aber auch Self-Care-Mantras, (teilweise freilich altbekannte) Bewältigungstechniken und Lifehacks enthält. In dynamisch (selbst)ironischen sieben Kapiteln eilt Grygoriew von A wie Akzeptanz bis Z wie Zukunftsorientierung – affirmativ und öfter bemüht witzig, als unbedingt notwendig, aber in guter Balance zwischen locker und fundiert, eigenen Erlebnissen der Autorin und Phänomenen, die nachweislich viele betreffen. Es ist nie zu früh oder zu spät, sich mit Hormonen oder
B IO R A M A 10 3
R E ZE NSIO N E N
48 Strategien für den Übergang von einer Lebensphase in eine andere zu beschäftigen – sei es, um sich selbst besser zu verstehen oder als sozialer Akt gegen die andauernde Verdrängung von Frauen- und Altersthemen ins Eck der aktuell Betroffenen. Ein Buch für viele. IRINA ZELEWITZ
ALDO SOHM / »EINFACH WEIN – GENIESSEN & PERFEKT KOMBINIEREN« / Prestel, 2026.
ALISON BECHDEL / »KAPUTT« / Reprodukt, 2026.
Comicautorin Alison Bechdel lebt mit ihrer Frau Holly auf einem Gnadenhof für Ziegen. Zumindest das Umfeld in ihrem neuen Comic »Kaputt« erfüllt einige Klischeebilder von woken Linken, inklusive offen gelebter und gleichgeschlechtlicher Polyamorie verschiedener Altersstufen, erfolgreicher Social-Media-Vermarktung des Landlebens und politischer Störaktionen der Nachkommen. Bechdel, Erfinderin des »Bechdel-Tests« und Autorin beliebter queerer autobiografischer Graphic Novels (»Fun Home«), lässt in »Kaputt« die Wahrheit leicht wackeln. Autofiktional greift sie offensichtlich die Themen auf, die sie beschäftigen: wie die Frage danach, wie man finanziellen Erfolg und linke Ideale verbinden kann, ohne an Schärfe und Enthusiasmus zu verlieren, verändert aber Tatsachen und erfindet dazu. Beeindruckend selbstkritisch geht sie dabei mit den Launen um, die ihr fiktionales Ich ihrem Umfeld zumutet. Ihr gelingt damit ein humorvoller und letztlich Mut machender Comicroman, in dem sich wohl jene, die mit Bechdels Themen und Fragen grundsätzlich irgendetwas anfangen können, auch wiederfinden. »Kaputt« ist dabei nicht ihre fokussierteste Arbeit, aber eine humorvolle Anekdote zu so mancher Debatte. Bechdel gibt inhaltlich keine Linien vor oder rät zu bestimmten Entscheidungen, sondern plädiert dafür, nicht aufzugeben und es sich nicht zu einfach zu machen. MARTIN MÜHL
Über Wein und dessen komplexen Genuss zu schreiben, bedeutet, Vorlieben zu übergehen und persönliche Eindrücke zu kanonisieren. Aldo Sohm gelingt das auch in seinem neuen Buch sehr gut. Der gebürtige Tiroler, der seit 20 Jahren in New York als Sommelier arbeitet und eine nach ihm benannte Weinbar betreibt, mehrmals zum besten Sommelier Österreichs gekürt wurde, bevor ihm das Gleiche für die USA und dann weltweit gelang, schafft mit seinen illustrierten Büchern einen gelungenen Überund Einblick. Das neue Buch, geschrieben mit der ehemaligen Food-Redakteurin des New York Times Magazine und heutigen Beraterin Christine Muhlke, widmet sich nach einem allgemeinen Einstieg zum Thema Weinverkostung der Kombination von Wein und Essen, dem Pairing. Sohm ballt hier auf 280 eher locker beschriebenen Seiten viel Weinwissen, bleibt bei einem eher klassischen Zugang, zeigt aber auch Respekt vor Naturwein oder persönlichen Vorlieben, die er nicht teilt. Er lädt ein, sich mit der Basis auseinanderzusetzen, um dann zu experimentieren. Selbst wer andere Vorlieben hat, muss anerkennen, dass dieses Buch auf sehr hohem Niveau die Balance aus viel Information und Konsumierbarkeit hält. Man kann davon ausgehen, dass selbst viele, die sich mit Wein beschäftigen, hier noch etwas lernen können – und als intensiver Einstieg eignet es sich sowieso. Ein Buch, um es immer wieder zur Hand zu nehmen, Einzelnes nachzuschlagen oder von Neuem zu lesen. MARTIN MÜHL
B ILD REPRODU KT, PRE STEL
Vorgelesen für alle, die den Humor nicht verlieren, wenn linke Ideale und der Alltag erfolgreicher Kreativer kollidieren.
Vorgelesen für alle, die einen kompakten, aber informationsreichen Einstieg ins Thema Wein und Pairing suchen.
AU S D E M VER L AG
BIO R A M A 1 0 3
49
UND SONST SO, IM BIORAMAUNIVERSUM ...
MAGAZIN
OUT NOW
Die siebzehnte BIORAMANiederösterreich-Regionalausgabe
CORPORATE PUBLISHING
LUISA FÄHRT WIEDER BADEN. Zweite Auflage für erfolgreiches Kinderbuch für die Wiener Lokalbahnen. Jeden Donnerstag wird Luisa von ihrem Papa und ihrem kleinen Bruder vom Kindergarten abgeholt – heute fahren die drei mit der Badner Bahn an den Teich baden. Beim Aussteigen vergisst Papa die Badesachen. So beginnt ein kleines Abenteuer, das nun in die zweite Auflage geht. Denn zuletzt war das beliebte Bilderbuch vergriffen. 2023 wurde »Luisa fährt baden« von Biorama für die Wiener Lokalbahnen konzipiert und umgesetzt. Die Geschichte hat Thomas Weber geschrieben, die Illustrationen stammen von Christina Mühlhöfer. Nun ist das beliebte Bilderbuch wieder über die Wiener Lokalbahnen erhältlich. wlb.at
RAMA.EU WWW.BIO
M A .E U 7,90 MRAA.E U • € • W W W.B R AI O • W W W.B I O A U S G A B E 2023 A U S G A B E 2021
GET YOURS! – BIORAMA BIOKÜCHEBI2026 O PREMIUM SSER BIO EINFACH BE
E
lspeis h e M
1 2023 H •• 202 CH REEIIC RR ÖSS TTEER Ö
3 21 E I C H • 202 E • ÖSTERR • BIO KÜCH
MAGAZIN
! Heiß
Kohlehydrate
in ihrer unwider
.
stehlichsten Form
Das sechste BIORAMA-Bookazine für alle ÖsterreicherInnen, die Wert auf biologische Küche legen, ist da! Wie immer dreht sich alles um (Bio-)Lebensmittel, ihre Produzentinnen, Verarbeitungsbetriebe bis zur Gastronomie und der Küche zu Hause. Schwerpunktmäßig haben wir uns dieses Jahr angeschaut, was am Ballaststofftrend dran ist – und wo sie drin sind – ob wir wirklich zu wenige davon bekommen – und die beruhigende Antwort bekommen: Zu erkennen, was gut für den Körper ist, ist gar nicht so kompliziert und außerdem dann auch noch gut für den Planeten! Die BIOKÜCHE gibt’s auch einzeln im Aboshop zu bestellen unter biorama.eu/abo/biokueche Produkte stehen Bio Premium achtungsvollen SalzburgMilch Geschmack und mit Tier und für natürlichen Bauernfamilien htliUmgang unserer n nicht nur die Bio-Ric tiUmwelt. Sie befolge im Rahmen der einzigar achten dass ihre nien sondern sinitiative darauf, Wohlerfür ihr gen Tiergesundheit Bedingungen . Und zwar Milchkühe ideale erhalten Gesundheit hinaus! Wie gehen und ihre che Vorgaben weit über gesetzli höfe der SalzburgMilch -Bauern alle Familien
Nachhaltigkeit 0 × 250.indd 1
B_Biorama_19
220919_SMP_B
B ILD BIORAMA, MATTHIA S KARAS EK
BIO KÜCH
In unserer Frühjahr/Sommer-Ausgabe für die Region Niederösterreich haben wir uns gefragt, wo Natur beginnt, ob wir sie nutzen können. Sprich, uns umgehört, wie Natur als schützenswerter Lebens-, aber auch Wirtschafts- und Erholungsraum bestehen kann. Online zu lesen und gedruckt als Wunschausgabe im Aboshop. biorama.eu/biorama-noe17 biorama.eu/abo
leben. Tierge
anten diese Biomilch-Liefer teilen auch unsere und kümmern sich liebe-h Vision Biomilc gemeinsame Diese geben beste Bio voll um ihre Tiere.für unsere SalzburgMilch dege – die Grundla tlinie mit über 40 verschie im Premium Produk kten, die österreichweit im nen Bio-MilchproduBio-Fachhandel sowie und ndel , den meisGroßha g bei M-Preis Premium (Bio Bundesland Salzbur und bei Spar usern Lagerhä ten h sind. Teebutter) erhältlic
sundheit schm
ecken.
milch.com
23.09.2022 12:23:26
APFERL CH T EAFBSFA L L S TAT REGION DER Strategien zum ck
Kultur- und wird der des Geschma SoErhalt iert. kompontwiese. ts Streuobs eines Ortes Naturgu
TE VERSTECK UETI E R IG K Ä FM E
CH N I SEier aus U Rfinden ZNoch ist auch, Weg auf Exotisch tung ihren Käfighal hat. mehr wer Teller. kaumhische was österreic
SLOW NE WEIIN
TEAM
NEW IN Michael Ich denke … … grundsätzlich optimistisch und gerne über den Tellerrand hinaus. Und dass gute Werbung als Informationsquelle unverzichtbar ist.
T O P F eln Langsam versamm üche alle um Suppenk Wagram sich am Jahr. . ganze Veltliner fürs Roten den
Ich bin … … für innovative Ideen und Umsetzungen. Das gilt für mich sowohl in der Werbung als auch im privaten Bereich. Ich möchte nicht nur warten, dass irgendwann etwas Positives geschieht, sondern aktiv dazu beitragen. – Michael Mazelle, Mediaberater
B IO R A M A 10 3
E LT E R NA L LTAG
50
HORMONIE Pubertät meets Klimakterium: Willkommen in einer Lebensphase der unerwarteten Balance.
Autorin Ursel Nendzig, Mutter zweier Söhne, berichtet live aus der Achterbahn.
I
ch bin mit 30 zum ersten Mal Mutter geworden. Die fixen MathematikerInnen unter euch treuen Lesenden haben jetzt mit Sicherheit schon blitzschnell die Glückseligkeit überkommt, ganz geschlossen, dass ich, nachdem die Söhne schon ohne Grund und wir diesem Gefühl drinpubertieren, etwa Mitte vierzig sein muss. Das ist gend Ausdruck verleihen müssen. Wir sakorrekt! Und damit herzlich Willkommen zur horgen uns die nettesten Dinge: »Ich bin so monell spannendsten Phase unseres Lebens. Wenn stolz auf dich«, »Ich find dich eigentlich ich sage »unseres«, dann meine ich damit mich ur cool« oder »Ja, stimmt, das ist ein guter und meine beiden Söhne. Pubertät und KlimakTipp« sind für uns jetzt völlig normale Sätterium in einem Haushalt – das bedeutet in unze. Wir schicken dann Memes, Sticker oder serem Fall drei tickende Hormonbomben, die jeNachrichten in den Familienchat und reagiederzeit und mehrmals am Tag explodieren könren auf Nachrichten mit möglichst unpassennen. Und ich muss sagen: es ist großartig. Denn den Emojis. Ist das nicht süß? vermutlich werden die Söhne und ich nie wieNicht nur Stimmungsschwankungen vereider in unseren Leben so viele Gemeinsamkeinen uns derzeit, sondern auch unser Lifestyle: ten haben wie derzeit. Proteinreiche Ernährung und Muskelaufbau Das fängt beim Aufstehen an. Wir drei teiinteressiert uns. Gemeinsam lassen wir nicht len eine so massive Morgenmuffeligkeit, dass nur unseren Modemut wachsen, sondern auch sich hormonell ausgeglichene Personen autoHärchen am Kinn. Wir teilen Adidas-Trackmatisch ausgeschlossen fühlen müssen. Das Schlimmste ist, wenn uns in dieser ersten und schwierigs» Vermutlich werden die Söhne ten Zeit des Tages mit unangebrachter Fröhlichkeit begegund ich nie wieder so viele net wird. Jedes Wort ist zu viel. Gemeinsamkeiten haben wie Jeder Witz tut weh. Ratschläge zur optimalen Nutzung öfderzeit.« fentlicher Verkehrsmittel oder der dem Wetter angemessenen pants und Einwegrasierer. Wir stehen nebeneinander Wahl der Jacke sorgen dafür, dass wir, vor dem Spiegel, ganz nah dran, und drücken die Pidie Tür hinter uns zuknallend, aus ckel aus, die da plötzlich sprießen, bei mir zum zweidem Haus rauschen. Je besser der Ratten, bei den Söhnen zum ersten Mal. Und manchmal, schlag, desto fixer wird er ignoriert. wenn wirklich alles stimmt, darf ich ihnen die AugenEs lohnt sich nicht, sich über diebrauen zupfen. Und abends bleiben wir viel zu lange se morgendliche Stimmungslage wach, surfen sinnlos im Internet und schälen uns am aufzuregen, denn kurze Zeit spänächsten Tag mit Mühe aus den Betten, wie gerädert. ter weicht sie bester Laune. Ist das Das muss so sein, sonst liefen wir Gefahr, dass einer von nicht schön? Es wird niemals languns dreien morgens diese ekelhafte gute Laune hat. Die weilig in Hormonland, wo binnen würde alles zerstören. Sekunden alles anders ist. Wo uns
ILLUSTRAT ION NANA MANDL
TEXT Ursel Nendzig
Liebe Leserinnen und Leser,
51
ein nachhaltiges, krisenfestes und zukunftsfähiges Ernährungssystem in Österreich braucht einen konsequenten Ausbau der biologischen Landwirtschaft – gerade auch vor dem Hintergrund aktueller geopolitischer und klimapolitischer Herausforderungen. Im April haben wir, die ARGE BIO, dazu folgenden offenen Brief an Politiker:innen und weitere zentrale Akteur:innen im Agrarbereich geschickt. Im Sinne einer demokratischen Weiterentwicklung unseres Ernährungssystems ist eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung notwendig. Daher teilen wir diesen offenen Brief auch mit Ihnen – als Beitrag zu einer informierten und offenen Debatte.
Betreff: Ausbau der biologischen Landwirtschaft als Schlüsselfaktor für ein widerstandsfähiges Ernährungssystem in Österreich Sehr geehrter Herr Bundesminister, sehr geehrte Kammerpräsidenten, sehr geehrte Agrarlandesrät:innen, der Krieg im Iran und die dadurch ausgelöste Knappheit bei synthetischen Düngemitteln machen deutlich, in welchem drastischen Ausmaß die Lebensmittelversorgung auch in Österreich von globalen Abhängigkeiten geprägt ist. Umso dringlicher ist es, diese zu reduzieren und die Resilienz unserer Versorgung zu stärken. Ein zentraler Hebel hierfür liegt im konsequenten Ausbau der biologischen Landwirtschaft. Denn die biologische Landwirtschaft kommt ohne chemisch-synthetische Düngemittel aus, die überwiegend unter hohem Energieaufwand in Drittländern hergestellt werden. Somit ist sie erheblich widerstandsfähiger gegen globale Versorgungsschwierigkeiten mit Öl und Gas. Durch eine biologische Wirtschaftsweise, die geprägt ist durch vielfältige Fruchtfolgen, weitgehend geschlossene Nährstoffkreisläufe, humusaufbauende Bodenbewirtschaftung, artgerechte Tierhaltung und viele weitere Mehrwerte für Mensch und Umwelt wird – im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft – der notwendige Stickstoff ohne chemisch-synthetisch erzeugten Dünger in das System eingebracht. Wie auf der Website des Bundesministeriums richtig kommuniziert wird, sind gesunde Böden die Basis für unsere Ernährungssicherheit. Zitat: Die biologische Wirtschaftsweise trägt maßgeblich zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, zum Humusaufbau und zur Erosionsminderung in den österreichischen Ackerböden bei1. Lassen Sie uns diese wichtigen Botschaften gemeinsam stärker kommunizieren. Unser Ernährungssystem ist die Grundlage jeder Wirtschaftstätigkeit. Gerade in Ausnahmesituationen zeigt sich, auf welchem Fundament die österreichische Landwirtschaft steht und ob dieses Fundament langfristig tragfähig ist. Es muss in der Lage sein, Lebensmittel unabhängig von Störungen in den globalen Lieferketten zu produzieren. Zur Erhöhung der Krisenfestigkeit unserer Lebensmittelversorgung ist der Ausbau der biologischen Landwirtschaft das Gebot der Stunde. Dies kann unter anderem durch eine konsequente Bio-Quote in der öffentlichen Beschaffung, die Abbildung der wahren Kosten der verschiedenen Wirtschaftsweisen, die gezielte Förderung von kleinstrukturierten Betrieben, Anreize für den Um- und Einstieg in die biologische Landwirtschaft aber auch durch eine klare Kommunikation in den Medien erfolgen. Wir appellieren daher an Sie, die Rahmenbedingungen für die biologische Landwirtschaft (z. B. bei der Umsetzung der nächsten GAP, insbesondere im ÖPUL) zu verbessern und ihren konsequenten Ausbau aktiv voranzutreiben.
ARGE BIO Wolfgangstein 23 A-4550 Kremsmünster Tel: +43(0)758320654-35 E-Mail: office@argebio.at
Ludwig Rumetshofer (Obmann der ARGE BIO, am 20. April 2026) Quelle: Ein gesunder Boden ist die Grundlage unseres Lebens - Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (aufgerufen am 13. April 2026) https://www.bmluk.gv.at/themen/landwirtschaft/landwirtschaft-in-oesterreich/bodenschutz.html
1
Entgeltliche Einschaltung ARGE BIO Design: LebensmittelFairPackung.at
Mit freundlichen Grüßen
www.purro.at