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Abendmusik Basilika Wilten 2026

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ABENDMUSIK Basilika Wilten 2026

3. August bis 14. September

Danke für die Unterstützung.

Programm

Erste Abendmusik Basilika Wilten - Montag, 3. August, 19:00 Uhr

An der Reinisch-Orgel von 1894

Laura Schlappa, München TRADITION UND TRANSZENDENZ

Johann Sebastian Bach Praeludium und Fuge e-moll BWV 548 1685 - 1750

Robert Schumann

Studien in kanonischer Form op. 56 1810 – 1856

I. Nicht zu schnell

II. Mit innigem Ausdruck

IV. Innig

V. Nicht zu schnell

VI. Adagio

August Gottfried Ritter

Sonate Nr. 3 a-moll, op. 23 1811 - 1885

Programmeinführung

„Tradition und Transzendenz“ – kaum ein Werk verdeutlicht dieses Spannungsfeld so eindrücklich wie das Präludium und die Fuge e-Moll BWV 548 von Johann Sebastian Bach. In der äußeren Form steht das Werk ganz in der Tradition: Präludium und Fuge bilden ein klassisches Paar, die Fuge selbst gilt als Inbegriff kontrapunktischer Ordnung. Bach greift diese Form auf – doch er übersteigt sie zugleich. Bach verdichtet in diesem Werk vor allem die motivisch-thematischen Beziehungen.

Motivisch äußert sich gleich zu Beginn des Präludiums eine lastende Atmosphäre durch wiederkehrende Vorhaltsbildungen sowie zunächst auf dem Grundton verharrende Oktavsprünge im Pedal. Die gewählte Tonart e-Moll, welche von Johann Mattheson als „empfindsam und tiefgründig“ beschrieben wird, intensiviert den Eindruck der seelischen Erschütterung. Traditionell gedacht – und doch existenziell zugespitzt. Der innere Druck wird durch einen Seitensatz gelöst, sodass sich die Stimmung kurzzeitig ins Liebliche und Auflockernde wendet.

Geradezu experimentelle Züge nimmt die e-moll Fuge an, in der Bach zwischen strengem Sich-Einordnen und souveränem Sich-Entfalten, schwerblütiger Expressivität und heiterer, locker perlender Virtuosität wechselt. Die drängende Ausdrucksintensität kommt bereits im ersten Thema zum Vorschein: die gegenläufige Linienführung hat ihr den Beinamen ‚The Wedge‘ eingebracht. Der Mittelteil ist von freien, virtuosen Figurationspassagen geprägt.

In wenigen Werken hat Bach die Gestaltungselemente so intensiv miteinander verflochten wie hier. Die Beziehungen der einzelnen musikalischen Gedankengänge zueinander scheinen organischer Notwendigkeit zu entspringen.

Mit den Studien in kanonischer Form op. 56 schuf Robert Schumann im Jahr 1845 ein Werk, das kompositorische Strenge und romantischen Ausdruck verbindet. Ursprünglich für den Pedalflügel komponiert, gewinnt das Werk gerade auf der Orgel eine besondere Dimension hinzu: die Möglichkeit, Klangfarben gezielt einzusetzen und kanonische Verflechtungen plastisch hervorzuheben.

Der Kanon – die streng geführte Nachahmung einer Stimme durch eine andere – bildet das Fundament aller sechs Studien. Wenn ein Romantiker wie

Schumann sich in polyphonen Gefilden bewegt, geht es um mehr als die bloße Erfüllung der Regel: Nicht der Kanon, sondern seine Poetisierung ist das eigentliche Ziel dieser Stücke. Es entstehen Charakterbilder großer Innigkeit, Energie und klanglicher Differenziertheit.

Jede der sechs Studien entfaltet einen eigenen musikalischen Kosmos: vom präludierenden Trio über nachdenkliche Sanglichkeit und tänzerische Bewegtheit bis hin zu kraftvoller Steigerung. Die Transparenz der polyphonen Struktur schwindet über die sechs Stücke hinweg, bis sie im sechsten Kanon nur noch im fugierten Mittelteil erkennbar ist.

Gerade in der kanonischen Bindung zeigt sich ein Moment des Transzendierens: Aus der Begrenzung entsteht Weite, aus Regelhaftigkeit Freiheit.

Mit der Sonate Nr. 3 a-Moll op. 23 gehört August Gottfried Ritter zu jener Generation deutscher Organisten und Komponisten des 19. Jahrhunderts, die das Erbe Johann Sebastian Bachs mit den Ausdrucksmitteln der Romantik verbanden. Ritter wirkte als Domorganist in Magdeburg und war ein angesehener Musikwissenschaftler mit besonderen Kenntnissen der älteren Musikgeschichte. Er verstand sich bewusst als Bewahrer und Erneuerer der deutschen Orgeltradition.

Gerade in seinen vier Orgelsonaten hat sich Ritter vom engen Festhalten an klassischen Formprinzipien freigemacht. Die dritte Sonate ist keine „Sonate“ im herkömmlichen Sinne. Das Werk beginnt mit einer Toccata, die Franz Liszt gewidmet ist. Das folgende Rezitativ wiederum versteht sich als deutliche Verbeugung vor Bachs Chromatischer Fantasie BWV 903. Freie, improvisatorisch wirkende Passagen, kühne harmonische Fortschreitungen und rhetorisch zugespitzte Gesten knüpfen unmittelbar an dieses Vorbild an. Besonders im Durchführungsabschnitt zeigt sich die Anlehnung an die herkömmliche Sonatenform, indem die zu Beginn vorgestellten Themen verarbeitet, gesteigert und in neue Zusammenhänge geführt werden. So verbindet die Sonate kontrapunktische Arbeit und klare thematische Entwicklung mit romantisch gefärbter Harmonik und expressiven Melodiebögen des 19. Jahrhunderts.

Laura Schlappa

ist eine bereits mehrfach für ihr Spiel ausgezeichnete junge Organistin. So erspielte sie sich 2023 den 1. Preis beim Wettbewerb um den Kulturkreis Gasteig Musikpreis in München sowie einen 3. Preis und Sonderpreis beim IX. Internationalen „M.K. Čiurlionis“ Wettbewerb in Vilnius, Litauen. 2022 erhielt sie den 1. Preis beim 21. Internationalen Orgelwettbewerb „Petr Eben“ in Opava, Tschechien sowie einen 3. Preis beim Internationalen Orgelwettbewerb in Korschenbroich. 2021 wurde sie mit dem 1.Preis sowie dem Publikumspreis beim „8.Concours International d’Orgue Dudelange“ in Luxemburg ausgezeichnet. Zuvor war sie 1. Preisträgerin im Rahmen der „Nothern Ireland International Organ Competition“, der „London Organ Competition“ sowie von Jugend musiziert auf Bundesebene.

Laura Schlappa wurde mit dem Förderpreis der Hans und Eugenia JüttingStiftung ausgezeichnet und ist Stipendiatin der bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk.

Ihre Orgelkonzerte führten sie bereits in bedeutende Kirchen und Säle in Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Luxemburg, Irland, Belgien, Polen, Österreich und der Schweiz. Hierzu zählen unter anderem Westminster Abbey und St. Paul’s Cathedral in London, die St. Anne’s Cathedral in Belfast, die St.Martinskirche in Dudelange, der Dom zu Salzburg, die St.Bavo-Kathedrale in Gent, die Stiftskirche in Stuttgart sowie die Philharmonie in Essen, das ORF Radiokulturhaus in Wien, die Historische Stadthalle in Wuppertal und das Konzerthaus des Nationalen Symphonieorchesters des Polnischen Rundfunks (NOSPR) in Kattowitz. Sie spielte im Rahmen des Davos Festivals sowie bei den live übertragenen Konzerten der Reihe „Hörprobe“ von Deutschlandradio Kultur und „Jeunesse“ vom ORF Radio Kulturhaus.

Laura Schlappa studiert derzeit bei Prof. Martin Sander und erhielt während ihrer musikalischen Ausbildung wertvolle Impulse durch u.a. Christophe Mantoux, Olivier Latry, Thierry Escaich, Ben van Oosten, Hans-Ola Ericsson, Bine Bryndorf und Wolfgang Zerer.

Programm

Zweite Abendmusik Basilika Wilten - Montag, 10. August, 19:00 Uhr

An der Reinisch-Orgel von 1894

Peter Peinstingl, Salzburg ÖSTERREICHISCHE IMPRESSIONEN

Joseph Messner

Improvisation über ein Thema von 1893-1969 A. Bruckner op. 19 (1925)

Wolfgang Amadé Mozart Fantasie f-Moll KV 594 1756-1791

Adagio-Allegro-Adagio

Johann Nepomuk David Fantasia super „L’homme armé“ (1929) 1895-1977

Peter Peinstingl

Improvisation über den gregorianischen *1988

Choral

„Confessio e pulchritudo in conspectu ejus“

Franz Schmidt O wie selig seid ihr doch, ihr Frommen 1874-1939 aus „4 Choralvorspiele“

Variationen und Fuge über ein Originalthema D-Dur „Königsfanfaren aus der Oper Fredigundis“

Programmeinführung

Das Programm „…österreichische Impressionen…“ vereint Werke und Improvisationen österreichischer Komponisten aus verschiedenen Epochen und stellt unterschiedliche Zugänge der heimischen Orgelmusik vor – von der Wiener Klassik über die Spätromantik bis in das 20. Jahrhundert und die Gegenwart.

Den Beginn bildet eine Improvisation über ein Thema von Anton Bruckner von Joseph Messner. Messner war über viele Jahre Domorganist und Domkapellmeister in Salzburg und prägte als Lehrer und Kirchenmusiker das österreichische (Kirchen)musikleben des 20. Jahrhunderts wesentlich mit. Er war zu Beginn seiner kompositorischen Karriere der Avantgarde der heimischen Komponistenszene zuzurechnen und ein großer Verfechter der Dodekaphonie. Sehr bald wandte sich der Opportunist Messner davon ab und ging – möglicherweise von Richard Strauss beeinflusst – wieder romantisierende Wege. Davon versprach er sich eine schnellere und steilere Karriere. Seine hier erklingende Komposition orientiert sich stark an der spätromantischen Tradition, insbesondere an der Tonsprache Bruckners, dessen Musik durch klare thematische Arbeit, weiträumige Steigerungen und ausgeprägte Harmonik gekennzeichnet ist. Messner verbindet diese Merkmale in freier formaler Gestaltung.

Die Fantasie f-Moll KV 594 von Wolfgang Amadé Mozart entstand ursprünglich für ein mechanisches Orgelwerk („Flötenuhr“) und gehört zu den bekanntesten Orgelwerken des Komponisten. Trotz dieses technischen Ursprungs besitzt das Werk hohe musikalische Substanz und Aussagekraft. Die dreiteilige Anlage (Adagio – Allegro – Adagio) zeigt Mozarts Fähigkeit, selbst innerhalb kleiner Formen kontrastreiche Stimmungen und klare motivische Strukturen zu entwickeln.

Johann Nepomuk David zählt zu den bedeutenden österreichischen Komponisten des 20. Jahrhunderts im Bereich der Kirchen- und Orgelmusik. Seine Fantasie super „L’homme armé“ greift die Melodie des Liedes vom „bewaffneten Mann“ auf, welche seit dem Mittelalter immer wieder als Grundlage für Kompositionen dient. David verbindet in seinem Werk strenge kontrapunktische Techniken mit moderner, archaischer Harmonik. Dadurch entsteht eine Musik, die sich an traditionellen Formen orientiert und zugleich zeitgenössische Wege

(20. Jahrhundert) zu gehen versucht.

Mit der Improvisation über den gregorianischen Choral „Confessio et pulchritudo in conspectu eius“ setzt Peter Peinstingl eine lange Tradition der Orgelimprovisation fort. Der gregorianische Choral – passend zum Laurenzitag – bildet dabei die melodische Grundlage, aus der verschiedene formale und klangliche Abschnitte entwickelt werden. Die Improvisation erlaubt eine unmittelbare Reaktion auf Raum, Instrument und liturgische Tradition und stellt einen wichtigen Bestandteil der kirchlichen Orgelkultur dar.

Franz Schmidt war eine zentrale Persönlichkeit des Wiener Musiklebens nach 1900. Als Komponist, Dirigent und Pädagoge verband er spätromantische Klangsprache mit klassischer Formauffassung. Sein Choralvorspiel „O wie selig seid ihr doch, ihr Frommen“ aus den Vier Choralvorspielen zeichnet sich durch klare Melodieführung, ausgewogene Harmonik und sorgfältige Klangausgewogenheit aus. Das Werk ist typisch für Schmidts eher zurückhaltenden, klar strukturierten Stil.

Den Abschluss bilden die Variationen und Fuge über ein Originalthema in DDur mit dem bekannten Motiv der „Königsfanfaren“ aus der Oper Fredigundis. Dieses Werk zeigt Schmidts Interesse an groß angelegten Formen und kontrapunktischer Arbeit. Die Variationen führen das Thema in unterschiedlicher Weise vor, während die abschließende Fuge die kompositorische Verarbeitung der vorangegangenen Variationen in größter Meisterschaft zusammenfasst.

Insgesamt bietet das Programm dieses Konzertes einen Überblick über unterschiedliche Erscheinungsformen österreichischer Orgelmusik ab der Wiener Klassik. Österreich ist, vielleicht erst auf den zweiten Blick, ein Land der großen Orgelmusik. Das soll hier verdeutlicht werden.

Peter Peinstingl

wurde in Innsbruck geboren und wuchs in Osttirol auf.

Er studierte Dirigieren, Orgel und Kirchenmusik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, an der Universität Mozarteum Salzburg, sowie an der Anton-Bruckner-Privatuniversität Linz.

Auslandsstudien führten ihn unter anderem zu Paul Nadler nach New York, der zu einem seiner wichtigsten Lehrer werden sollte.

Die Begegnung und Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt beeinflussten ihn maßgeblich in seinem Verständnis von Musik.

Seit 2016 ist er Stiftskapellmeister der Erzabtei St. Peter in Salzburg. Peinstingl ist Mitglied des Musikbeirates im DomQuartier Salzburg und künstlerischer Leiter der Johann-Michael-Haydn-Gesellschaft Salzburg.

Als Gewinner namhafter Wettbewerbe pflegt er seit Jahren eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland, sowohl als Dirigent, Solist und Ensemblepartner. Zahlreiche Tonaufnahmen, sowie Rundfunk- bzw. Fernsehproduktionen auf nationaler und internationaler Ebene runden sein künstlerisches Schaffen ab.

Im Jahr 2022 gründete er mit Gleichgesinnten in Salzburg das Ensemble Péridot Salzburg.

Programm

Dritte Abendmusik Basilika Wilten - Montag, 17. August, 19:00 Uhr

An der Reinisch-Orgel von 1894

Guido Mayer, Wien

AUSSERGEWÖHNLICHE

BEARBEITUNGEN

Frank Martin Passacaille für Orgel 1890-1974

Wolfgang Amadeus Mozart

Adagio für Glasharmonika KV 356 1756-1791

Pietro Mascagni

Intermezzo aus der Oper Cavalleria 1863-1945

Rusticana

Wolfgang Amadeus Mozart

Fantasie f-Moll, KV 594 („Adagio und Allegro für ein Orgelwerk in einer Uhr“)

Marcia (Marsch der Priester aus der Oper

Die Zauberflöte)

Pjotr Iljitsch Tschaikowsky

Suite aus dem Ballett Dornröschen 1840-1893

Tempo di Menuetto [Nr. 12b]

Tempo di Gavotte [Nr. 12c]

Andante misterioso [Entr‘acte symphonique Nr. 19a]

Entr‘acte [Nr. 10]

Allegro vivo [Nr. 11]

Apothéose [Nr. 29]

Programmeinführung

Die Orgel der Basilika Wilten ein schönes Beispiel für den Orgelbau des 19. Jahrhunderts. Dieser weist ein Klangbild auf, das sich nicht mehr an der „klassischen“ Barockorgel orientiert – ein Orgeltyp, den der Spieler heute meist vorfindet – sondern vielmehr am romantischen Sinfonieorchester. Das bedeutet: ein grundtöniger, sonorer Klang, der aufgrund der Bauart (Registerkanzelle) unter anderem folgende Eigenschaften mitbringt: Akkorde und Klänge verschmelzen besser, die Oberstimme wird auf natürliche Art hervorgehoben.

Das heutige Programm ist darauf ausgelegt, sich diese Eigenschaften in besonderer Weise zunutze zu machen.

Der Kompositionsstil des Schweizer Komponisten Frank Martin (1890-1974) ist ein ganz spezifischer, der sich nicht einer bestimmten Richtung („Schule“) zuordnen lässt, und der als ein ausgeprägter Individualstil für sich steht. [Ähnliches gilt ja auch für andere bedeutende Komponisten des 20. Jahrhunderts, etwa Bartok, Janacek oder Shostakovich, deren Stil von den Strömungen der Moderne – in erster Linie der Zwölftontechnik Schönbergs – beeinflusst ist, ohne sich ihnen zu unterwerfen.]

In der 1944 entstandenen Passacaille für Orgel lassen sich verschiedene Kompositionstechniken ausmachen:

1. Elemente des Barock, nämlich eine kontrapunktisch lineare Stimmführung, sowie den in der barocken Tastenmusik gern verwendeten Typ der Passacaglia –eine Variationenform, bei der das Hauptthema ostinato-artig im Bass wiederholt wird.

2. Elemente der Zwölftontechnik: Hier ist vor allem die stark durchkonstruierte formale Anlage des Werkes zu nennen; zudem treten im Hauptthema alle 12 Töne der chromatischen Skala auf, womit eines der Grundgesetze der Zwölftontechnik erfüllt ist.

3. Eine ausdrucksstarke, fast eindringlich wirkende Melodik.

4. Eine Harmonik, welche die spätromantische Klangwelt hinter sich gelassen hat, jedoch nicht auf eine Anbindung an die Dur-Moll-Tonalität verzichtet.

Martin hat das Werk später in zwei weiteren Versionen veröffentlicht, nämlich sowohl für Streichorchester als für Großes Orchester. Berichten zufolge war der Komponist mit der Wirkung seiner Passacaille auf der Orgel nur teilweise zufrieden

und forderte die Interpreten auf, sich die Klangfarben der Fassung für Großes Orchester zum Vorbild zu nehmen. ** *

Die Glasharmonika wurde 1761 von Benjamin Franklin erfunden und war im Grunde eine technisierte Form des Spielens auf Weingläsern mit angefeuchteten Fingern. Mit ihrem gefühlvoll klagenden, quasi esoterischen Klang entsprach die Glasharmonika perfekt dem frühromantischen Ideal der Empfindsamkeit und war eine Zeitlang ganz groß in Mode, bis sie im 19. Jahrhundert langsam wieder von der Bildfläche verschwand. Es gab sogar reisende Glasharmonika-Virtuosen.

Für eine von ihnen, die blinde Marianne Kirchgeßner, schrieb Mozart sein Adagio für Glasharmonika

Das Zwischenspiel (Intermezzo sinfonico) aus Mascagnis einaktiger Oper Cavalleria rusticana hat es zu enormer Popularität gebracht. Das ist zweifellos auf seine melodischen Qualitäten zurückzuführen, sowie auf seine charakteristische Atmosphäre: beschaulich und friedvoll, jedoch gleichzeitig von einer melancholischen Grundstimmung getragen.

Szenisch untermalt die Musik, dass „alle aus der Kirche kommen“, weswegen die Orgel als Harmonieinstrument auch im Orchester mitspielt; dies wiederum gibt dem Organisten von heute einen Anknüpfungspunkt, um das Stück als reines Orgelstück zu Gehör zu bringen.

Mozarts Adagio und Allegro für ein Orgelwerk in einer Uhr hat eine einigermaßen kuriose Entstehungsgeschichte. Das Auftragswerk ist für die „Müller‘sche Kunstgalerie“ des Grafen Deym in Wien geschrieben. Bestandteil der Ausstellung war ein „Mausoleum“ des damals kürzlich verstorbenen österreichischen Generalfeldmarschalls Laudon. Eine Wachsfigur des Generals wurde in einem gläsernen Sarg ausgestellt, zur vollen Stunde ertönte jeweils ein Musikstück von einer Spieluhr. Mozart ließ sich dazu etwas Besonderes einfallen: Elegische Trauermusik im Anfangsund Schlussteil, Militärmusik mit Trompeten, Fanfaren und Schlachtengetümmel im Mittelteil.

Das hochrangige Werk aus Mozarts später Zeit (1790) stellt eines der ganz wenigen Beispiele von solistischer Orgelmusik der Wiener Klassik dar. Mozart äußerte

sich in einem Brief unzufrieden mit dem Klang der kleinen Flötenuhr und wünschte sich stattdessen die Klangfülle einer vollwertigen Orgel. Diesen Wunsch zumindest können wir heute erfüllen.

Wenn man sich die Aufgabe stellen würde, aus der Unzahl an musikalischen Meisterwerken der Klassik ein Beispiel auszuwählen, das melodische Schönheit und harmonische Ausgewogenheit in größtmöglicher Vollkommenheit in sich vereinigt – dann müsste der Marsch der Priester aus Mozarts Zauberflöte jedenfalls einer der Spitzenreiter sein.

Die gleichmäßigen Halbe-Noten-Werte des Beginns lösen sich im Verlauf des Stückes mehr und mehr in punktierte Achtel auf, was – in Anlehnung an das rhythmische Muster der Französischen Ouvertüre – die Funktion dieses Marcia als Eröffnung des 2. Aktes der Oper unterstreicht.

Tschaikowskis Musik zum Ballett Dornröschen ist unzweifelhaft einer der Gipfelpunkte des klassischen Balletts überhaupt. Der Komponist selbst hielt es für eines seiner besten Werke.

Einen direkten Zusammenhang mit dem Instrument Orgel gibt es hier nicht. Dennoch mag das Unterfangen, diese Musik auf der Orgel wiederzugeben, nicht ganz so abwegig sein, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Die heute gespielte Auswahl konzentriert sich auf Nummern, die

• aufgrund ihres Bezuges zu barocken Formen (Menuett, Gavotte),

• aufgrund ihrer Beschaffenheit als „absolute Musik“ (die beiden Entr‘actes),

• aufgrund ihrer instrumentalen Virtuosität (Nr. 11), oder

• aufgrund der fanfarenartig-hymnischen Beschaffenheit (Apothéose) für eine Übertragung auf die Orgel besonders geeignet erschienen.

Guido Mayer

Der in Wien geborene Organist, Dirigent und Pianist Guido Mayer studierte an der Musikhochschule Wien (jetzt Musikuniversität) Klavier, Orgel und Dirigieren und absolvierte seine Konzertdiplome mit höchsten Auszeichnungen.

Er ist Preisträger mehrerer internationaler Orgelwettbewerbe und Gewinner des Bösendorfer-Klavierwettbewerbs Wien.

Der vielseitige Musiker war neben seiner Konzerttätigkeit viele Jahre an einer Wiener Pfarre Organist und Chorleiter, sowie auch einige Jahre Dozent und Leiter einer Orgelklasse an der Musikuniversität Wien.

Er trat als Solist an Orgel, Klavier und Hammerklavier in vielen europäischen Ländern und in Kanada auf. Sein Lehrer Michael Radulescu schrieb für ihn „Epiphaniai“, Musik für Orgel solo und Ensemble, die er auch im Wiener Konzerthaus zur Uraufführung brachte.

Nach und nach erweiterte er seine Interessen auf das Dirigieren und das Opernrepertoire. Er wechselte in die Theaterwelt, arbeitete bei verschiedenen Festivals und Opernproduktionen mit und verbrachte einige Jahre in Deutschland, wo er als Pianist und Dirigent an den Theatern von Darmstadt und Mannheim wirkte.

Besondere Schwerpunkte seines Repertoires bilden das deutsche Musikdrama (Wagner, Strauss), die russische Oper, sowie die großen Werke des klassischen Balletts.

Er trat mehrfach mit eigenen Bearbeitungen auf; so etwa orchestrierte er Wagners Wesendonck-Lieder für kleines Orchester und spielte ein eigenes Arrangement des „Tristan“ Vorspiel für Orgel. Eines seiner Orchesterprojekte (Metamorphosen von R. Strauss, Waldgespräch von Zemlinsky, und Kammersymphonie von F. Schreker) ist auch auf CD erschienen.

Programm

Vierte Abendmusik Basilika Wilten - Montag, 31. August, 19:00 Uhr

An der Reinisch-Orgel von 1894

Simon Brandlechner, Innsbruck

FEUER UND STILLE

Ludwig Thuille

Sonate in a-Moll, Op. 2 1861-1907

Moderato

Andante

Fuge

Felix Mendelssohn-Bartholdy Praeludium und Fuge in G-Dur, Op. 37 Nr. 2 1809-1847

Josef Gabriel Rheinberger aus 12 Charakterstücke, Op. 156 1839-1901

Nr. 2 Romanze

Nr. 6 Duett

Nr. 10 Abendfriede

Josef Pembaur

Sonate für Orgel, Op. 51 1848-1923

Andante con moto

Moderato arioso

Allegro

Programmeinführung

Unter dem Motto „Feuer und Stille“ spannt dieses Orgelkonzert einen weiten Bogen: von leidenschaftlicher Klangentfaltung und virtuoser Bewegung bis hin zu Momenten innerer Einkehr und Ruhe. „Feuer“ meint dabei nicht nur Tempo und Kraft, sondern auch die Glut des Ausdrucks – das Drängen, Leuchten, Aufwallen. „Stille“ ist nicht einfach Abwesenheit von Klang, sondern ein Raum, den Musik öffnet.

Das Konzert eröffnet Ludwig Thuilles Sonate in a-Moll, Op. 2, ein Werk der spätromantischen Münchner Schule, das sinfonisch denkt und doch ganz aus der Orgel heraus komponiert ist. Im Moderato wächst die Musik aus einem ernsten Grundgestus zu kraftvollen Steigerungen; hier lodert das „Feuer“ als dramatische Entwicklung und farbige Registrierung. Das Andante führt in eine andere Sphäre: sanglich, weit gespannt, mit jener warmen, menschlichen Tonrede, die den großen romantischen Orgelton so berührend macht. In der abschließenden Fuge bündelt sich Energie zu klarer Form – ein intelligentes, nach vorn treibendes Strömen, das die Virtuosität der Orgel ebenso zeigt wie ihre Fähigkeit, architektonische Räume aus Klang zu bauen.

Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Präludium und Fuge in G-Dur op. 37 Nr. 2 rückt der Blick auf eine Musik, die gleichermaßen von klassischer Klarheit und innerem Glanz getragen ist. Mendelssohn verbindet barocke Tradition mit romantischem Atem: Das Präludium wirkt wie ein wohltuendes und warmes Aufleuchten, eine geordnete, strahlende Bewegung; die Fuge entfaltet daraus Konsequenz und Spannung, bis sich die Linien zu einem festen, leuchtenden Ganzen fügen. In dieser Musik brennt das „Feuer“ kontrolliert – wie eine Flamme, die ruhig steht und dennoch Wärme ausstrahlt.

Einen Kontrapunkt aus Intimität und feiner Charakterzeichnung setzen anschließend drei Stücke aus Josef Gabriel Rheinbergers „12 Charakterstücken“ op. 156. Die Romanze (Nr. 2) spricht in einer schlichten, innigen Kantabilität –Stille als Zuwendung, als leises Erzählen. Das Duett (Nr. 6) spielt mit der Idee des Zwiegesprächs: zwei Stimmen, die einander begegnen, sich umkreisen, sich tragen. Und Abendfriede (Nr. 10) führt schließlich in jene besondere Ruhe, die

nicht sentimental ist, sondern gesammelt und klar: Musik, die den Raum nicht füllt, sondern ihn hörbar macht – inklusive des Nachklangs, der zur Komposition dazugehört.

Den Abschluss bildet Josef Pembaurs Sonate für Orgel op. 51, die das Motto noch einmal in Bewegung bringt. Das Andante con moto verbindet Schritt und Atem: ein Fließen, das nie ganz zur Ruhe kommt und doch nie hetzt. Im Moderato arioso wird die Orgel zur singenden Stimme – „arioso“ meint genau diesen Zwischenzustand: nicht bloß melodisch, sondern sprechend, beseelt.

Das finale Allegro schließlich setzt die Kräfte frei: rhythmischer Impuls, brillante Textur, ein packender Schluss, in dem das „Feuer“ als Spielfreude, Energie und klangliche Pracht auflodert.

So entsteht ein Programm, das nicht nur Gegensätze ausstellt, sondern ihre Verwandtschaft hörbar macht: Feuer braucht Stille, um zu leuchten – und Stille gewinnt Tiefe durch das, was in ihr nachklingt. Die Orgel ist dafür ein ideales Instrument: Sie kann aufrauschen wie ein ganzes Orchester und im nächsten Moment zum kaum fassbaren Flüstern werden. In diesem Wechsel liegt der Reiz des Abends – und vielleicht auch seine Einladung: dem Klang zu folgen, bis er in die Stille zurückführt.

Simon Brandlechner

(*2000) aus Enneberg Pfarre in Südtirol studierte zunächst ab 2009 Klavier an der Musikschule St. Vigil in Enneberg bei Renzo Huber und ab 2013 bei Johanna Feichter Orgel an der Musikschule Bruneck. 2019 wechselte er seinen Studienstandpunkt nach Innsbruck, wo er 2024 am Tiroler Landeskonservatorium sein Orgelstudium bei Michael Schöch und an der Universität Mozarteum sein Klavierstudium bei Sebastian Euler abschloss. Er studiert zurzeit an der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg Orgelimprovisation bei Prof. Franz Josef Stoiber und am Tiroler Landeskonservatorium Cembalo bei Peter Waldner. Er nahm zahlreiche Male am Jugendwettbewerb „Prima la musica“ teil, wo er sowohl in den Kategorien Klavier und Orgel als auch in Ensembles ausgezeichnete Erfolge erzielte. Zusätzlich besuchte er Meisterkurse bei Jürgen Essl, Bernhard Haas, Thiemo Janssen, Hans-Jürgen Kaiser, Philippe Lefebvre, Wolfgang Seifen, Martin Sturm, Harald Vogel und Takashi Watanabe. Seit 2022 ist er einer der Organisten am Bozner Dom und seit Oktober 2024 ist er Organist am Dom zu St. Jakob in Innsbruck.

Programm

Fünfte Abendmusik Basilika Wilten - Montag, 7. September, 19:00 Uhr

An der Reinisch-Orgel von 1894

Riccardo Ricci, München

ECHO DER SEELE: VON BACH BIS REGER

Johann Sebastian Bach aus den Leipziger Chorälen

1685-1750

O Lamm Gottes, unschuldig BWV 656

Ludwig van Beethoven für eine Flötenuhr 1770-1827

Adagio F-Dur WoO 33 Nr. 1

Felix Mendelssohn Bartholdy Sonate Nr. 2 c-Moll op. 65 Nr. 2

1809-1847

I. Grave - Adagio

II. Allegro maestoso e vivace

III. Fuge Allegro moderato

Johann Sebastian Bach aus den Leipziger Chorälen

Schmücke dich, o liebe Seele BWV 654

Robert Schumann Vier Skizzen für den Pedalflügel op. 58 1810-1856

1. Nicht schnell und sehr markiert c-Moll

2. Nicht zu rasch C-Dur

3. Lebhaft f-Moll

4. Allegretto Des-Dur

Max Reger aus Zwölf Stücke für die Orgel 1873-1916

Toccata d-Moll und Fuge D-Dur op. 59 Nr. 5 & 6

Programmeinführung

Das Konzertprogramm „Echo der Seele: von Bach bis Reger“ präsentiert Werke vom musikalischen Barock bis zur Spätromantik. Zwei der großen Leipziger Choräle von Johann Sebastian Bach (O Lamm Gottes, unschuldig und Schmücke dich, o liebe Seele) bilden das polyphone Fundament und strukturieren den Ablauf des Programms. Darauf folgt mit Ludwig van Beethovens Adagio F-Dur ein Werk der Wiener Klassik, das ursprünglich für die Mechanik einer Flötenuhr konzipiert und für die Aufführung an der Orgel adaptiert wurde.

Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Sonate Nr. 2 und Robert Schumanns Vier Skizzen (im Original für den Pedalflügel geschrieben) tritt das Programm in die Epoche der Romantik ein. Beide Komponisten verbinden hier das intensive Studium des Bach´schen Kontrapunkts mit der Harmonik ihrer Zeit – klangliche Eigenschaften, die auf der historischen Reinisch-Orgel authentisch zur Geltung kommen. Den Abschluss bildet Max Regers Toccata und Fuge (op. 59), ein Werk, das die klassische Form in die erweiterte und dynamisch komplexe Klangsprache der Spätromantik überführt.

Riccardo Ricci

(geboren 1999 in Fermo) ist Organist, Chorleiter und Komponist. Derzeit ist er als Organist und Kirchenmusiker an der Theatinerkirche in München tätig.

Er absolvierte sein Studium an der Hochschule für Musik und Theater München bei Bernhard Haas und schloss seinen Master im Fach Orgel mit der Bestnote ab. Er geht einer regelmäßigen und intensiven internationalen Konzerttätigkeit mit Auftritten in Deutschland, Italien, Österreich, Estland und der Slowakei nach. Sein Profil als Solist wurde durch den Gewinn des Gasteig-Musikpreises München sowie durch die Aufnahme als Stipendiat in die Studienstiftung des deutschen Volkes gewürdigt. Parallel zu seinem Orgelrepertoire studiert er Komposition am Konservatorium von Fermo in der Klasse von Marco Momi. Seine umfassende musikalische Ausbildung vollendete er im Jahr 2026 mit dem Abschluss seines Masterstudiums in Kirchenmusik an der HMTM sowie eines Masters in Chorleitung an der Hochschule für Musik Nürnberg in der Klasse von Peter Dijkstra.

Neben seinen Verpflichtungen als Organist ist er kontinuierlich im Chorbereich aktiv: Er leitet die Vokalkapelle (das professionelle Vokalensemble der Theatinerkirche) und arbeitet mit erstklassigen Ensembles wie dem Chor des Bayerischen Rundfunks (BR-Chor) zusammen, wobei er die Produktionen international renommierter Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Peter Dijkstra, Krista Audere und Denis Comtet unterstützt.

Programm

Sechste Abendmusik Basilika Wilten - Montag, 14. September, 19:00 Uhr

An der Reinisch-Orgel von 1894

Lucia Gasser, Regensburg

SEQUERE DEUM

Josef Gabriel Rheinberger Sonate Nr. 4 in a-Moll op. 98 1839-1901

Johann Sebastian Bach Meine Seele erhebt den Herren BWV 648 1685-1750

Wer nur den lieben Gott lässt walten

BWV 642

Josef Gabriel Rheinberger aus Orgelsonate Nr. 11 in d-Moll op. 148 Cantilène

Felix Mendelssohn Bartholdy aus Sonate IV op. 65,4 1809-1847

Andante religioso Allegretto

Johannes Brahms O Welt ich muss dich lassen op. 122 Nr. 11 1833-1897 Herzlich tut mich verlangen op. 122 Nr. 10

Johann Sebastian Bach Präludium und Fuge in A-Dur BWV 536

Programmeinführung

Das Konzert des heutigen Abends trägt den Titel „Sequere Deum“.

Dieser lateinische Imperativ - „Folge Gott“ oder „Folge der Gottheit“ - kann als Lebensprinzip verstanden werden, ja sogar als Wegweiser durch Kunst, Zeit und Ewigkeit.

Der Mensch, als Krone der Schöpfung gedacht, ist auf Gott hin geschaffen. Sein Leben lang sucht er im Irdischen die Spuren des göttlichen Wirkens. Doch in Zeiten globaler Krisen und Kriege, ebenso wie in persönlichen Nöten und Schicksalsschlägen, verliert dieser Leitspruch seine scheinbare Selbstverständlichkeit. Warum greift Gott nicht ein? Warum lässt er Leid und Elend zu?

Eine Antwort darauf gibt Jesus selbst. Im Matthäusevangelium (16,24) heißt es: „Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Es ist Jesu Aufruf zur radikalen Nachfolge – zur Selbstverleugnung, zu Leidensbereitschaft und Verzicht um des Glaubens willen.

Jesus hat sein Leben hingegeben und den Kreuzestod auf sich genommen, um die Menschheit zu erlösen. Auch wenn der Weg der Nachfolge ein Weg des Kreuzes ist, dürfen wir hoffnungsvoll in die Zukunft blicken: Verheißen ist uns das ewige Leben. Aus österlicher Perspektive betrachtet sind wir daher Pilger der Hoffnung – unterwegs auf ein Ziel hin, das über Zeit und Vergänglichkeit hinausweist. Im Programm des heutigen Abends wechseln sich choralgebundene und freie Kompositionen ab.

Am Beginn des Konzerts hören wir die a-Moll Sonate von Josef Gabriel Rheinberger. Im Anschluss daran erklingen zwei Choralbearbeitungen von Johann Sebastian Bach, die eine theozentrische Weltsicht widerspiegeln und den Blick hoffnungsvoll in die Zukunft richten. Darauf folgen freie Kompositionen: die Cantilène aus Rheinbergers 11. Sonate sowie das Andante religioso und das Allegretto aus Felix Mendelssohns vierter Sonate. Es schließen sich zwei Choralbearbeitungen von Johannes Brahms an, die Schmerz, Vergänglichkeit und Abschied thematisieren. „O Welt ich muss dich lassen“ op. 122 Nr. 11 ist angeblich das letzte Werk, das Johannes Brahms kurz vor seinem Ableben komponiert hat. Den krönenden Abschluss des Konzerts bilden Präludium und Fuge in A-Dur von Johann Sebastian Bach. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Zuhören.

Lucia Gasser

(St. Lorenzen, Südtirol) wuchs in einem musikalisch geprägten Elternhaus auf und erhielt im Alter von fünf Jahren ihren ersten Musikunterricht. Zunächst wurde sie im Fach Klavier unterrichtet, bevor sie ab ihrem 13. Lebensjahr Orgelunterricht bei Johanna Feichter nahm. Frühzeitig erhielt sie zudem Einzelstimmbildung bei Annelies Oberschmied und Clara Sattler. Prägende Chorerfahrung sammelte sie im Landesjugendchor Südtirol und im Jugendchor Österreich.

Seit 2022 studiert Lucia Gasser an der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik in Regensburg Kirchenmusik und Orgel bei Prof. Heidi Emmert sowie bei Prof. Dr. Martin Gregorius. Parallel dazu absolviert sie ebendort das Studium der Gesangspädagogik bei Katja Stuber. Meisterkurse bei Hans-Ola Ericsson und Angelika Kirchschlager ergänzten und vertieften ihre künstlerische Ausbildung.

In den vergangenen zwei Jahren übernahm Lucia Gasser die Urlaubsvertretung des Stiftskapellmeisters in Altötting.

Im Januar 2025 wurde sie als Stipendiatin in die Bischöfliche Studienförderung Cusanuswerk aufgenommen. Im Oktober 2025 erhielt sie zudem den Musikpreis der Stadt Regensburg.

Disposition der Reinisch-Orgel in

der Basilika Wilten

Gehäuse von 1758, Orgelwerk von Franz Reinisch, 1894

Restaurierung durch Johann Pirchner, 2003

I. Manual C – f 3 /54 Töne

Bordun 16´

Principal 8´

Principal piano 8´

Gedeckt 8´

Gamba 8´

Salicional 8´

Oktav 4´

Spitzflöte 4´

Cornet 5-fach 2 2/3´

Mixtur 5-fach 2´

Trompete 8´

II. Manual C – f 3 / 54 Töne

Geigenprincipal 8´

Gedeckt 8´

Dolce 8´

Flauto 8´

Aeoline 8´

Rohrflöte 4´

Fugara 4´

Pedal C – d1 / 27 Töne

Subbaß 16´

Flötenbaß 16´

Violon 16´

Oktavbaß 8´

Cello 8´

Posaune 16´

Kegelwindladentechnik

Barkerhebel in der Spieltraktur des I. Manuals

Pedal und II. Manual mechanische Spieltraktur

Koppeln:

II. Manual zu I. Manual

I. Manual zu Pedal

II. Manual zu Pedal

Feste Kombinationen:

ff, f, mf, Auslöser

leicht ungleichschwebende Temperatur

Stimmtonhöhe: a1 = 442 Hz bei 18° C

Winddruck: 90 mm WS

Der Klang dieses Instruments entspricht der romantischen Auffassung der Erbauungszeit. Die Intonation muss in diesem Sinne als vorzüglich bezeichnet werden. Das gute Pfeifenmaterial mit der für die Kegelladen richtigen Pfeifenbauweise mit Expressions-Stimmschlitzen, stempelt diese Orgel als ein typisches Denkmal ihrer Zeit, das eine heute fast nicht mehr bekannte Klangwelt erschließen kann.

www.stift-wilten.at - www.sr-wiwiwe.at

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