Biber Berti
www.biberberti.com Leben mit Naturgewalten
Die Alpen Als die Menschen kamen
1
Inhalt Einleitung
2
Aufbau der Erde
4
Plattentektonik
6
Der Riesenkontinent
8
Geburt der Alpen
10
Mittelalter
48
Gliederung der Alpen
12
Neuzeit
50
Geologie der Alpen
14
Moderne Welt
52
Eiszeiten
24
Verkehr in den Alpen
54
Gletscher heute
26
Eisenbahn Alpen
58
Die großen Gletscher der Alpen
28
Tourismus
62
Wind in den Alpen
30
Wirtschaftlicher Aufstieg
70
Klima in den Alpen
32
Massentourismus 21. Jhdt.
72
Naturraum
34
Tourismus im Winter
74
Flora
36
Tourismus im Sommer
76
Tiere im Hochgebirge
38
Sanfter Tourismus
78
Wasser
42
Naturereignisse werden zur
Seen und Flüsse der Alpen
44
Katastrophe
80
Menschen in den Alpen
46
Menschen und Naturgefahren
82
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Geburt der Alpen
Aus einer Meeresbucht entstanden die Alpen
Die Alpen erheben sich aus dem Wasser
Afrika schob sich immer weiter nach Norden. Vor etwa 55 Mio. Jahren pressten sich die Platten so fest zusammen, dass die Erdkruste zu zerbrechen begann. Uralte, tiefliegende Gesteinsmassen wurden unter gewaltigem Druck umgewandelt und neue Gesteinsarten gebildet. Als sich Afrika immer weiter nach Norden schob, wurden diese Gesteine aus mehreren Kilometern Tiefe empor gepresst. All diese Vorgänge spielten sich unter der Wasseroberfläche des Tethysmeeres ab.
Die eigentliche Hebung der Alpen aus dem Meer begann aber erst vor 30 Millionen Jahren, im Tertiär. Bei der Auffaltung der Alpen wurde der einstige Thetys-Meeresboden von etwa 1000 km Breite auf kaum 200 km zusammengedrückt. Durch den Druck wurden die viele hundert Meter dicken Sedimente und Korallen des Meeresbodens zu Sedimentgestein gepresst.
Metamorphose bedeutet Gesteinsumwandlung. Stelle dir das so vor wie beim Kuchenbacken. Du mischt Mehl, Eier, Zucker, Milch, Germ und noch einige Zutaten zusammen. Dann schiebst du den Teig ins heiße Backrohr und es entsteht ein Kuchen. Die einzelnen Bestandteile kannst du nicht mehr erkennen. Genauso geschieht es bei einer Gesteinsbildung.
Die Alpen wachsen noch immer Am Aufbau der Alpen nahmen Gesteine aller Art und sehr verschiedenen Alters teil. Sie wurden aus ursprünglich weit getrennten Teilen der Erde bei ihrer Entstehung zusammengeschoben, aufgefaltet oder übereinadergestapelt. Seit 30 Mio. Jahren wachsen die Alpen etwa 1 Millimeter pro Jahr. Bis heute sind die Alpen noch nicht zur
Ruhe gekommen, denn der Druck durch den afrikanischen Kontinent hält an. Dadurch werden die Alpen noch immer etwa 1 mm im Jahr angehoben.
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Geologie der Alpen Geologisch lassen sich die Alpen grob in drei Regionen untergliedern: Westalpen, Ostalpen und Südalpen. Die Geologie ist die Wissenschaft vom Aufbau, von der Zusammensetzung und von der Entstehung der Erdkruste.
West- und Ostalpen sind hierbei aus ausgedehnten Deckensystemen aufgebaut, die mehr oder weniger weit über den europäischen Kontinentalrand nach Norden geschoben wurden:
Quer zur Gebirgskette unterteilt man die Alpen in tektonische Einheiten: Helvetikum, Penninikum, Ostalpin und Südalpin. Tektonik ist in der Geologie die Lehre vom Aufbau der Erdkruste, aber vor allem von ihren Bewegungen, insbesondere von der Verschiebung der Kontinentalplatten und ihren Auswirkungen (Plattentektonik).
Verteilung der einzelnen Großeinheiten Helvetikum: Diese Zone ist die unterste Gesteinsschicht. Sie besteht aus Teilen des europäischen Kontinentalrandes und ist die nördlichste Zone der Alpen.
Penninikum: Das Penninikum ist die nächsthöhere Zone und liegt über dem Helvetikum. Es stellt die gewaltigste Gesteinsschicht der Alpen dar. Dieses Deckensystem tritt hauptsächlich in den Westalpen zu Tage.
Ostalpin: Diese Gesteinsschicht überlagert in den Ostalpen die beiden anderen Gesteinsdecken. Sie macht nahezu den gesamten Teil der Oberfläche der Ostalpen aus. Nur am äußeren Rand im Norden treten noch Penninikum und Helvetikum hervor. In den Westalpen kommen ostalpine Einheiten überhaupt nicht vor.
Südalpin: So bezeichnen die Geologen den südlichen Teil der Ostalpen. Die Grenze zieht die sogenannte Periadriatische Naht.
Die Periadriatische Naht ist eine geologische Bruchlinie, welche die Südalpen von den nördlichen Ostalpen (Zentralalpen) trennt. Die Geologen haben festgestellt, dass nördlich dieser Linie ganz andere Gesteine die Alpen bilden als südlich dieser Linie.
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Geologischer Aufbau Generell gesehen liegt das Penninikum auf dem Helvetikum und das Ostalpin auf dem Penninikum. Das Südalpin ist von den anderen Decken abgetrennt und grenzt südlich an das Ostalpin.
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Gletscher heute Der Name stammt vom lateinischen Wort für Eis „glacies“. Im Französischen heißen sie Glacier, in den italienischen Alpen nennen die Menschen sie: „Ghiacciaio“. „Ledenik“, ist das Wort für Gletscher in Slowenien. Im deutschsprachigen Alpenraum gibt es für Gletscher auch die Bezeichnungen Ferner oder Kees.
Was ist ein Gletscher? Ein Gletscher ist eine gewaltige große Eismasse. In den Alpen kann sie bis zu 900 Meter dick und mehrere Kilometer lang sein. Über die Jahrhunderte wächst und verkleinert er sich und verformt sich. Durch die Bewegung des Eises im Gletscher und über den felsigen Untergrund werden mineralische Materialien wie Steine und Sand, aber auch Luftblasen, eingeschlossen.
Wie Gletscher entstehen? Gletscher bestehen aus Eis. Damit es sich bilden kann, muss sehr viel Schnee fallen und es lange sehr kalt sein. Auch im Sommer soll die Sonneneinstrahlung nicht ausreichen, um den Schnee völlig wegzuschmelzen. Frisch gefallene Schneekristalle sind wunderbare, sechseckige Gebilde. Wenn sie übereinander lagern, brechen Spitzen und Zacke ab. Die zuvor verzweigten Kristalle erhalten dadurch allmählich eine Kornform und die lockere Schneedecke verdichtet sich nach und nach. Aus Neuschnee wird auf diese Weise Altschnee. Wenn Altschnee über den Sommer immer wieder schmilzt und gefriert, dann nennt man ihn Firn. Die einzelnen Firnkörner wachsen durch erneute Schmelzvorgänge immer dichter zusammen und es bildet sich weißes Firneis. Im darauffolgenden Winter lagert sich weiterer Schnee über das Firneis. Nach vielen Jahren entstand ein mächtiger Eispanzer. Durch das
Gewicht entsteht aus weißem Firneis durchsichtiges, bläulich bis grünlich schimmerndes Gletschereis.
Größtes Gletscherwachstum Zwischen Anfang des 15. und Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Winter kalt und lang, die Sommer
kühl und niederschlagsreich. Diese sogenannte „Kleine Eiszeit“ führte zu einem massiven Wachstum der Alpengletscher. Mitte des 19. Jahrhunderts wiesen die Alpengletscher die größte Eisausdehnung seit Ende der Eiszeit vor rund 11.000 Jahren auf. Doch mit der Industrialisierung ab 1850 zogen sich die Gletscher in den Alpen stark zurück.
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Menschen in den Alpen Erste Menschen im Alpenvorland Vor gut 300.000 Jahren lebten in Europa erste Ureinwohner. Funde belegen, dass sie sich auch in den Alpen niedergelassen haben. Es waren die Neandertaler.
Altsteinzeit
Kupferzeit
Die fruchtbare Poebene und das angrenzende Alpenvorland wurden als erste Siedlungsräume genutzt. Die Regionen südlich der Alpen boten den Menschen ein angenehmes Klima und gute Jagdgründe. Deshalb stieg die Bevölkerungszahl rasch an. Bald wurden der Platz und die Jagdreviere zu klein. Nach Ende der Eiszeit, vor etwa 10.000 Jahren, wagten sich einige Menschen in die Berge.
Gegen Ende der Jungsteinzeit entdeckten die Menschen das erste Metall, aus dem sie Werkzeuge herstellen konnten: Kupfer. Sie fanden aber auch Gold und Silber, woraus sie Schmuckstücke erzeugten. Jetzt entwickelte sich auch der Beruf des Händlers. Sie brachten Waren über die Alpen.
(bis 8000 v. Chr.)
(im Alpenraum: 3.500 – 2000 v. Chr.)
Jungsteinzeit
(im Alpenraum: 8000 - 3.500 v. Chr.)
Von Afrika über die arabische Halbinsel nach Europa kommend, bewohnte der moderne Mensch bereits vor 43.500 Jahren die Gebiete rund um die Alpen. In das Gebirge wagte er sich nicht, denn da herrschte die Eiszeit. Dabei hatte der moderne Mensch Kontakt mit den Neandertalern. 10.000 Jahren lang teilten sich die beiden Gruppen diesen Lebensraum. Dann starben aber die Neandertaler aus bisher unbekannten Gründen aus.
In dieser Zeit wurden die Menschen sesshaft. Die Alpenhänge waren damals dicht bewaldet. Deshalb begannen die Leute in den Tälern und auf Lichtungen ihre Siedlungen zu gründen. Hier konnten sie Haustiere halten und Getreide und Gemüse anbauen. Den Wald zu roden war ihnen nur mit Feuer möglich, denn sie hatten noch keine geeigneten Werkzeuge um Bäume zu fällen. Die wenigen Flächen brauchten die Menschen für den Ackerbau. Deshalb zogen sie schon damals mit ihren Tieren über die Waldgrenze hinaus, wo es im Sommer gute Weidemöglichkeiten gab. Diese Almwirtschaft wir auch noch heute von vielen Bauern betrieben.
Ötzi lebte vor etwa 5000 Jahren. Der Fundort war auf 3.210 m Seehöhe. Somit ist belegt, dass Menschen etwa 3000 v. Chr. über die Alpen wanderten.
Bronzezeit
(im Alpenraum: 2000 - 800 v. Chr.)
Bronze ist eine Legierung aus Kupfer und Zinn und ist ein viel härteres Metall als Kupfer. Somit ist es besser für Waffen und Werkzeuge geeignet. Die Menschen drangen immer weiter in die Alpen vor und es entstanden neue Berufe: Bergleute, Metallerzeuger, Schmiede, Künstler und Händler.
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Eisenzeit
Römerzeit
Völkerwanderung
Während der sogenannte Hallstattkultur gelang es den dort lebenden Kelten Eisen aus dem Stein zu schmelzen. Mit dem harten Metall wurden Werkzeuge zum Bäume fällen hergestellt. Jetzt konnten die Alpen erobert werden. Obwohl der breite Talboden mit seinen klaren Bergflüssen sehr einladend wirkte, war er kein geeigneter Siedlungsplatz. Denn es gab immer wieder Überflutungen.
Die Römer wollten aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen immer weiter expandieren. Im Norden stellten jedoch die Alpen ein gewaltiges Hindernis dar, das überwunden werden musste. Kaiser Augustus eroberte den Alpenraum. Sein römisches Heer begann 15. v.Chr. mit der Überquerung der Alpen. Bei ihren Feldzügen über die Alpen unterwarfen die Römer die einheimische Bevölkerung und zwangen ihr ihre Kultur auf. Als Gegenleistung gab es für die Bewohner Sicherheit und Stabilität.
Schon im 2. Jahrhundert n. Chr. drangen germanische Stämme und Reitervölker aus Asien immer wieder in den nördlichen Alpenraum (Österreich) ein. Das war damals römisches Gebiet. Das bedeutete für die dort lebende Bevölkerung Plünderung, Raub ihres Viehs, und die Zerstörung ihrer Höfe und Häuser.
(Im Alpenraum: 800 - 100 v. Chr.)
Die wenigen sicheren Plätze waren schnell besetzt und die Siedler mussten sich in höher gelegenen Regionen niederlassen. Wer Eisen besaß, hatte die besseren Waffen und konnte sich besser verteidigen oder Land erobern. Der Schmied war jetzt einer der angesehensten Berufe.
Bergbau
(753 v. Chr. – 476 n. Chr.)
Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reichs entstand ein Machtvakuum.
Alle herbeiströmenden GermanenDie Römer legten sehr gut befestigte stämme, sowie Hunnen und andere Straßen an und es entstanden HanVölker aus Asien, fielen über Mitteldelsposten, Militärlager und Hospize. und Südeuropa her. Sie alle versuchNun konnten auch Händler entlegene ten die Herrschaft über das Gebiet Gebiete auf sicheren Straßen erreides ehemaligen Roms zu erlangen. chen. Die Legionen der Römer wurden Bei ihren Kriegszügen richteten sie mit Produkten der Bauern versorgt. verheerende Zerstörungen an. Auch So entstanden neue Märkte für traf es viele große Siedlungen in den Lebensmittel, wie Käse und Fleisch. Alpen. Sie wurden verlassen und die Aber auch Handwerker konnten ihre Menschen flüchteten in die kleinen Erzeugnisse verkaufen. Seitentäler.
Parallel zur Landwirtschaft entstand der Bergbau. Die Bergarbeiter schürften nach verschiedenen Erzen, besonders nach Eisen, aber auch nach Salz. Die vielen Arbeiter benötigten große Mengen an Lebensmitteln, die von Bauern erzeugt wurden.
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Wirtschaftlicher Aufstieg 1950er Erst in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre erhielt die Wirtschaft aufgrund fortschreitender Mechanisierung in den Fabriken und in der Landwirtschaft einen Aufschwung. Allmählich stieg auch der Wohlstand für alle. Etwas verzögert erholte sich der Tourismus. In Frankreich, Österreich, Deutschland und auch in der Schweiz wurden Feriensiedlungen für Arbeiter und Angestellte erbaut. Der Urlaub für die ganze Familie sollte jetzt für alle leistbar sein.
Ischgl damals
1960er Jetzt vollzog sich in den westeuropäischen Ländern ein sozialer Wandel. Die Arbeitszeiten verkürzten sich und die Urlaubszeiten wurden länger. Die Leute hatten sich einen gewissen Wohlstand geschaffen. Viele Menschen konnten sich ein eigenes Auto leisten. Mit hohem Tempo wurden jetzt immer mehr Straßen und Autobahnen gebaut. Dies war eine Voraussetzung für den beginnenden Tourismusboom.
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1970er In den einstigen Bergdörfern entstanden Supermärkte und Einkaufszentren, Souvenirshops und Sportanlagen. Investoren steckten riesige Geldsummen in den aufstrebenden Tourismus. Es wurden nach und nach immer mehr und größere Hotelkomplexe bebaut. Man drang immer tiefer in die Alpenregion vor. In den französischen Alpen entstanden sogenannte Retorten-Skiorte (Planorte). Das sind neu geplante und extra für den Skisport errichtete Orte mit vielen Hotels. Sie liegen inmitten der höchsten Bergen der französischen Alpen. Immer mehr Skilifte und präparierte Pisten, Skihütten und Hotels standen zur Verfügung. Die bisher bestehenden Skigebiete expandierten immer aggressiver. Die Touristiker ließen viele Bergwälder roden, um neue Skigebiete zu erschließen. Diese Vorgangsweise wurde von den Menschen kritiklos positiv aufgenommen.
heute
1990er 1980er Einstige Alpendörfer, Ischgl, Lech, Zürs, Sölden, St. Moritz, Zermatt, Morzine und viele mehr, wurden nun vollends zu Touristenorten. In Frankreich entstanden immer mehr Plandörfer (Avoriaz, Val Thorens, Les Arcs oder La Plagne). In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre hatte sich der Massentourismus in den Alpen fest integriert. Doch die Flugreisen wurden immer billiger und der Sommertourismus in den Alpen verringerte sich deutlich. Konkurrenz war jetzt die ganze Welt, denn es setzte sich ein Trend durch: „Immer billiger und immer weiter fort“. Das ist eine Urlaubsphilosophie, die großteils bis heute anhält.
Am Beginn dieses Jahrzehnts verlagerte sich der Sommertourismus auch wieder in die Alpenregionen. Gründe dafür waren die starke Verschmutzung vor Italiens Küste und der Krieg im ehemaligen Jugoslawien. Die folgenden Jahre waren durch einen Aufschwung gekennzeichnet. Die Urlauberzahlen erreichten in den Alpen eine Rekordhöhe. Jetzt kam eine Gruppe von Urlaubern in die Alpen die sowohl im Sommer, als auch im Winter, einen aktiven Urlaub erleben wollte. Neben dem Skifahren entwickelte sich das Snowboarden, und das Fahren abseits der Pisten wurde immer beliebter. Im Sommer flogen die Sportler jetzt mit ihren Hängegleitern oder Paragleitern über die Berge. Die Flüsse wurden ab diesem Zeitpunkt zum Rafting und Kajak fahren genutzt. Andere Trendsportarten wie Mountainbiking oder Klettersportarten wurden immer populärer.