Skip to main content

BFH frequenz dezember 2016

Page 1

frequenz Das Magazin des Fachbereichs Gesundheit

Dezember 2016

Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Die Ausbildung der Praxis anpassen

In der Praxis muss eine Lösung auf die ganz spezifische Patientensituation hin erarbeitet werden, die die Blickwinkel verschiedenster Berufsgruppen berücksichtigt. Der Ruf nach mehr Interprofessionalität auch in der Aus­ bildung ist die logische Konsequenz – der Fachbereich Gesundheit folgt diesem mit dem «Curriculum 2020». ‣ 5

Interprofessionelle Zusammenarbeit als Balanceakt

Eindeutige Rollendefinitionen sind genauso wichtig wie das Verständnis für die Denkweise anderer – dies zeigt das Beispiel interprofessioneller Ernährungsteams. ‣ 16


2 Inhalt

Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

05 Der laute Ruf nach Interprofessionalität in der Ausbildung 10 Interprofessionelle Lernerfahrung in einer innovativen Hausarztpraxis 12 «Dosierte» Interprofessionalität während der Schwangerenvorsorge 14 Der Anfang der Routine 16 Mangelernährung als interprofessioneller Balanceakt. Vom Nebeneinander zum Miteinander: Chancen und Herausforderungen interprofessioneller Ernährungsteams 19 Mehr als ein Ansatz, nämlich eine Arbeits­ einstellung 21 Mit spitzer Feder

Jubiläum 2016 22

10 Jahre Fachbereich Gesundheit

Hebamme

26 Einen beruflichen Neustart als Hebamme wagen?!

Pflege

28 Good Clinical Practice – Neu auch integriert in die Lehre

Ernährung und Diätetik

30 Studiengang Ernährung und Diätetik reagiert auf Bedürfnisse des Marktes 32 «Der Ernährungstherapeutische Prozess» – Lehrbuch für Studium, Lehre und Praxis

Physiotherapie

34 Praktikumsplätze: Bald auch in privaten Praxen?

Forschung

36 EDCNS – the place to be für Doktorierende der Gesundheits- und Pflegewissenschaften

Weiterbildung

38 Kopfschmerzen in der Physiotherapie

Dienstleistung

40 Kommunikationsschulungen mit Forumtheater

Interdisziplinäres

42 Qualitätssicherung und -entwicklung in der studienbegleitenden Praxisarbeit 44 Inter- und Multidisziplinarität in Forschungs­ netzwerken – what else? 47 Weniger Raum für Aggression

Internationales

50 Addis Abeba – Bern: gegenseitige Einblicke

Abschlussfeier

52 Abschlussfeier der Master- und Bachelor­ studiengänge

Im Dialog mit …

56 Charlotte Weidmann

Weiterbildungsangebot

58 Aus- und Weiterbildungen an der ­Fachhochschule

22

12 40 52


3 Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Prof. Eugen Mischler Leiter Fachbereich Gesundheit a. i.

Komplexität, Individualität, Multidimensionalität – das sind typische Schlag­ wörter der Gegenwart. Sie wiegen schwer, umfassen vieles und widerspre­ chen dem, was wir uns bisweilen wünschen: eindeutige Erklärungen, Pau­ schalrezepte, ein Lösungsweg pro Fragestellung. Dahingehend beeinflussen sie auch die Gesundheitsberufe: Einem Krankheitsbild kann heute selten aus nur einer Perspektive begegnet werden. Vielmehr müssen Expertinnen und Experten verschiedenster Fachrichtungen des Gesundheitswesens sowohl untereinander als auch mit der Patientin, dem Patienten, deren Angehörigen und Fachpersonen ausserhalb des Gesundheitswesens zusammenarbeiten, um die Versorgungsqualität zu gewährleisten. Unsere Studierenden werden also in einem interprofessionellen Umfeld tätig sein. Folglich ist es Zeit, Interprofessionalität in den Fokus des Kundenmaga­ zins «frequenz» zu stellen. Dabei zeigt sich: Die Stadien ihrer Umsetzung sind divers – sowohl in der Praxis als auch in der Ausbildung. In der Rehaklinik Bellikon (S. 19) ist die interprofessionelle Zusammenarbeit verschiedenster Expertinnen und Experten an der Tagesordnung. Interpro­ fessionelle Ernährungsteams gewinnen an Bedeutung (S. 16). Dagegen stellt ein Beitrag aus der Perspektive der Geburtshilfe fest, dass im Kontext von Gesundheit und Armut die Zusammenarbeit aller Beteiligten während der Schwangerenvorsorge noch Entwicklungspotenzial hat (S. 12). Die Berner Fachhochschule will die angehenden Gesundheitsfachper­sonen während ihres Studiums auf die zunehmend interprofessionell funktionieren­ de Praxis vorbereiten. Zurzeit läuft deshalb am Fachbereich Gesundheit das Grossprojekt «Curriculum 2020», mit dem Interprofessionalität systematisch in der Ausbildung verankert wird. Welche interprofessionellen Kompetenzen werden die Absolventinnen und Absolventen des «Curriculum 2020» mitbrin­ gen? Was bedeutet das «Curriculum 2020» für die professionsspezifischen Selbstverständnisse? Zu diesen Fragen nehmen Theresa Scherer, interne Projekt­koordinatorin, und Ursula Schwager, externe Projektleiterin, Stellung (S. 5). In ihrer Vielfalt vermitteln die Beiträge einen Eindruck davon, was gelebte Interprofessionalität heisst: Miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen. Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre.

Impressum Herausgeberin: Berner Fachhochschule BFH, Fachbereich Gesundheit Erscheinungsweise: 2-mal jährlich Auflage: 10 000 Ex. Redaktion: Bettina Nägeli Fotos: Alexander Jaquemet, Daniel Haid, Rehaklinik Bellikon, Fotolia und weitere

Layout: AST & FISCHER AG, Wabern, Bettina Häfliger Druck: AST & FISCHER AG, Wabern Copyright: Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Redaktion Abonnement: gesundheit.bfh.ch/frequenz


4 News & Events

News Leitungswechsel im Studiengang Bachelor of Science in Physiotherapie am Standort Basel Am 1. November 2016 hat Thomas Rosenheck die Stelle als Leiter des Studiengangs am Standort Basel angetreten. Er ersetzt die in Pension gehende Monika Holzer Gadola. An dieser Stelle bedanken wir uns bei Monika Holzer Gadola für ihr grosses Engagement für die Physiotherapie und den Bachelorstudiengang. Wir wünschen beiden für die Zukunft und ihre neuen Herausforderungen das ­Beste. Fachhochschulen erarbeiten gemeinsam Massnahmen gegen Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen Der Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen stellt eine der wichtigsten Herausforderungen für eine gute Qualität der Gesund­ heitsversorgung der Schweizer Bevölkerung dar. Eine Kooperation der Hochschulen Gesundheit in der Schweiz begegnet unter Lei­ tung der Berner Fachhochschule diesem Anliegen auf Hochschul­ ebene. Verschiedene Teilprojekte erarbeiten Grundlagenwissen und Massnahmen. Daraus wird ein Kompetenzzentrum für den Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen aufgebaut. Am Pro­ jekt beteiligt sind neben der BFH die FHS St. Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften (FHS), die HES-SO Fachhochschu­ le Westschweiz, die Fachhochschule der italienischen Schweiz (SUPSI) sowie die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissen­ schaften (ZHAW). Weitere Informationen sind dem Projektantrag «Strategie gegen den Fachkräftemangel in den Gesundheitsberu­ fen» auf der Website von swissuniversities zu entnehmen. Bei Fragen zum Projekt können Sie sich gerne an die Projektleite­ rin Prof. Dr. Sabine Hahn wenden: sabine.hahn@bfh.ch Summerschool «Nutritional Aspects in Rehabilitation Exercise» erfolgreich durchgeführt Der Fachbereich Gesundheit der Berner Fachhochschule BFH führ­ te zusammen mit der Vrije Universiteit Brussel VUB vom 22. bis 26. August 2016 eine Summerschool zum Thema «Nutritional As­ pects in Rehabilitation Exercise» durch. Renommierte Referentin­ nen und Referenten stellten den aktuellen Forschungsstand zum Zusammenhang von Ernährung und Rehabilitation dar. Die Teilneh­ menden – Fachpersonen aus den Bereichen Ernährung und Diäte­ tik sowie Physiotherapie – reisten aus den verschiedensten Län­ dern an. In Workshops erweiterten sie ihre fachlichen Kompetenzen und im Zuge eines abwechslungsreichen Rahmenprogramms ihr persönliches Netzwerk. Senevita Studienpreis an Studierende aus dem Fachbereich Gesundheit Der Senevita Studienpreis 2016 wurde erstmals an eine Studieren­ de aus dem FBG verliehen. Sandra Maria Meier, Studierende im Bachelorstudiengang Physiotherapie, hat die Jury mit ihrer Bache­ lor-Thesis «Evaluation des Begleitprogramms für Angehörige von CVI-Betroffenen am Bürgerspital Solothurn. Eine qualitative Ar­ beit» überzeugt. Aus ihrer Bachelor-Thesis resultiert laut Jury ein grosser Nutzen für die Praxis. Der Senevita Studienpreis ist mit CHF 3000.– dotiert.

Zusammenarbeit des Studiengangs Ernährung und Diätetik mit der PH Bern Ab Frühlingssemester 2017 können Masterstudierende der Sekun­ darstufe I der PH Bern im Studiengang Ernährung und Diätetik Ver­ tiefungsmodule zur Ernährung besuchen. Die Studierenden des Fachbereichs Wirtschaft, Arbeit, Haushalt der PH belegen dabei zwei Module im Umfang von mindestens 9 ECTS.

Events Colloque Santé Am Dienstag, 21. Februar 2017 findet von 17.30 bis 18.30 Uhr im Domicil Schwabgut das Colloque Santé zum Thema «‹Aber bitte mit Sahne› – Genussvolles Essen als Therapie» statt. Anschlies­ send gibt es einen Apéro. Informationen zum Anlass finden Sie hier: gesundheit.bfh.ch/colloque-sante SPSIM-Kongress Vom 16. bis 18. März 2017 findet der SPSIM-Kongress zum ­Thema «Curricular integration of simulation in healthcare – from concept to reality» statt. Das Programm und Informationen zur ­Anmeldung fin­ den Sie unter with-­simulation.ch/next-spsim/ Florence Network Vom 18. bis 22. April 2017 ist die Berner Fachhochschule BFH Gastgeberin des Florence Network. Das internationale Netzwerk­ treffen für Hebammen und Pflegefachpersonen wird zum Thema «Mental Health – Global Challenge – Local Actions» durchgeführt. Informationen finden Sie hier: gesundheit.bfh.ch/florence-network Infoveranstaltungen Bachelor of Science Ernährung und Diätetik, Hebamme, Pflege, Physiotherapie Die Infoveranstaltungen der einzelnen Studiengänge finden an der Schwarztorstrasse 48, 3007 Bern statt. Die Durchführungszeiten und Anmeldeformulare finden Sie unter gesundheit.bfh.ch – Dienstag, 16. Mai 2017 – Mittwoch, 13. September 2017 – Mittwoch, 1. November 2017 – Mittwoch, 6. Dezember 2017 Infoveranstaltungen Master of Science in Pflege – Donnerstag, 19. Januar 2017 – Donnerstag, 16. Februar 2017 – Donnerstag, 16. März 2017 – Donnerstag, 20. April 2017 Infoveranstaltung Master of Science in Physiotherapie – Mittwoch, 1. Februar 2017 Infoveranstaltungen Master of Science in Life Science – Food, Nutrition and Health – Dienstag, 14. März 2017 (HWZ) – Donnerstag, 16. März 2017 (BFH, Fachbereich Gesundheit) – Dienstag, 11. April 2017 (BFH, HAFL) Weitere Infoveranstaltungen finden Sie unter gesundheit.bfh.ch

BFH frequenz Dezember 2016


5 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Der laute Ruf

nach Interprofessionalität in der Ausbildung Die Gegenwart und mehr noch der Blick in die Zukunft verweisen auf ihre Notwendigkeit: Interprofessionalität. Zunehmend komplexen Situationen in der Praxis der Gesundheitsberufe kann nur in Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen begegnet werden. Mit dem «Curriculum 2020» rüstet sich der Fachbereich Gesundheit der Berner Fachhochschule für die Zukunft und richtet seine Bachelorstudiengänge – Pflege, Hebamme, Physiotherapie sowie Ernährung und Diätetik – verstärkt interprofessionell aus. Theresa Scherer, interne Projektkoordinatorin und Leiterin des Bachelorstudiengangs Pflege, und Ursula Schwager, externe Projektleiterin, berichten über Chancen und Herausforderungen des Grossprojekts.

Interview Bettina Nägeli Kommunikation bettina.naegeli@bfh.ch

Der Gedanke, innerhalb der Ausbildung inter­ professionell zu arbeiten, ist nicht neu. Was hat den Ausschlag gegeben, 2014 das Projekt «Curriculum 2020» anzupacken? Theresa Scherer (TS): Das Thema Interprofessionali­ tät begleitet uns tatsächlich schon länger. Die Studie­ renden unserer Studiengänge absolvieren bereits ge­ meinsame Module, die zeitlich nach den vier Curricula entstanden und nach besten Möglichkeiten – aber nicht optimal – auf diese abgestimmt sind. Auch mit der me­ dizinischen Fakultät der Universität Bern haben wir ein­ zelne interprofessionelle Lehrangebote. 2006 wurde die Ausbildung der Gesundheitsberufe auf Hochschul­ stufe überführt, der Fachbereich Gesundheit entstand. Die vier Curricula mussten damals unter enormem Zeit­ druck neu entwickelt werden. Die Teams wählten unter­ schiedliche Prioritäten in der stressbelasteten Zeit des Aufbaus und konzentrierten sich auf ihre berufsspezifi­ schen Programme. Unterdessen sind diese konsolidiert, eine gemeinsame Überarbeitung ist heute sinnvoll und machbar. Zu betonen bleibt, dass wir nach wie vor unse­ re Studierenden zu Fachpersonen in den vier Berufen ausbilden.

Woran genau machen Sie die Notwendigkeit von mehr Interprofessionalität in der Ausbildung fest? TS: Die Ansprüche an die Gesundheitsfachpersonen sind grösser geworden. Die Menschen werden älter, eine Zunahme von chronischen Krankheiten ist zu verzeich­ nen, Polymorbidität ist heute ein oft anzutreffendes Phänomen. Mit dem wissenschaftlichen Fortschritt er­ öffnen sich neue Möglichkeiten und es findet eine zu­ nehmende Spezialisierung statt. Die Alltagspraxis ist hektischer, intensiver geworden und es mehren sich die Schnittstellen verschiedenster Berufsfelder. Ausserdem stellen wir, verbunden mit der Individualisierung der Gesellschaft, eine grössere Patientenautonomie fest. Ursula Schwager (US): Hier kann ich gleich anschlies­ sen: In einem System, in dem die Differenzierung in Spe­ zialbereiche immer stärker wird, sind die involvierten Spezialistinnen und Spezialisten gefordert, mit­einander und mit der Patientin, dem Patienten die Zusammen­ arbeit bewusst zu pflegen. Sonst bleibt im schlimmsten Fall diese wichtige koordinierende und qualitätssichern­ de Funktion an der Patientin, am Patienten hängen.

BFH frequenz Dezember 2016


6 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Theresa Scherer BFH frequenz Dezember 2016


7 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

TS: Die genannten Faktoren führen zu komplexen ­ atientensituationen. Es muss jeweils eine Lösung auf P den ganz spezifischen Fall hin erarbeitet werden, die die Blickwinkel verschiedenster Berufsgruppen berück­ sichtigt. Der Ruf nach mehr Interprofessionalität bereits in der Ausbildung ist die logische Konsequenz. Können Sie anhand eines Beispiels aufzeigen, worin der Mehrwert besteht, wenn sich ein interprofessionelles Team mit der Patientin, dem Patienten befasst? US: Ein gutes Beispiel liefert der ambulante Bereich, der in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Situationsgegeben trennt dieser Bereich: Hier ist die Physiotherapie, dort die Ernährungsberatung, da die Ärztin, der Arzt – und irgendwo dazwischen die Patien­ tin, der Patient. Interprofessionelle Zusammenarbeit ist in diesem Setting mit zahlreichen Hürden konfrontiert, mehr noch als im institutionellen Kontext. Sie suchen also beispielsweise einen Ernährungsberater auf. Im Verlauf der Beratungsarbeit zeigt sich, dass sich Ihr Pro­ blem nicht nur in der Ernährung ansiedelt. Nun kann der

«Die eigene Identität wird im Abgleich mit dem Gegenüber geschärft.» Ernährungsberater sich ausschliesslich auf seinen Auf­ trag im engeren Sinne konzentrieren – im Sinne von: «Dafür bin ich nicht zuständig.» Oder aber er übernimmt mit ganzheitlichem Blick Mitverantwortung für ein The­ ma, das zwar nicht seinen professionellen Kern, sehr wohl jedoch Sie als Klientin betrifft. Der Ernährungsbe­ rater kann Ihnen seine Beobachtungen und Überlegun­ gen erläutern, Ihnen einen nächsten Schritt empfehlen oder nach Absprache mit Ihnen mit anderen Fachperso­ nen Rücksprache nehmen. Er kann aktiv dazu beitragen, dass eine parallele Behandlung bezüglich Zielen und Inhalten mit seiner eigenen gut abgestimmt ist. Das ist für Sie als Betroffene ein wesentlicher Mehrwert, da es die Wirksamkeit der Behandlung, deren Dauer und Nachhaltigkeit unter Umständen zentral beeinflusst. Inwiefern wird sich die Ausbildung der Gesundheitsberufe am Fachbereich Gesundheit mit dem «Curriculum 2020» verändern? US: Auf der inhaltlichen Ebene werden neue Themen, die vor dem Hintergrund der Interprofessionalität von Bedeutung sind, in die Curricula integriert. Dafür orien­ tiert sich das Projekt am aktuellen und künftigen Bedarf in der Praxis – mit Fokus Interprofessionalität. Wir ­gehen von den Fragen aus: In welchen Situationen ist interprofessionelle Kompetenz im realen Berufsalltag gefordert? Welche Herausforderungen sind da über be­ rufliche Schranken hinweg gemeinsam zu bewältigen?

Welche Fähigkeiten brauchen Gesundheitsfachperso­ nen, um in diesen Situationen als Teil eines interprofes­ sionellen Teams handeln zu können? Deshalb bilden konkrete Praxissituationen unsere Ausgangspunkte. Diese analysieren wir bezüglich der erwähnten Frage­ stellungen. Aus den so identifizierten interprofessionel­ len Herausforderungen bzw. Aufgabenstellungen leiten wir dafür notwendige interprofessionelle Kompetenzen ab und bewerten diese im Hinblick auf deren Relevanz für die Bachelorstudiengänge. Selbstverständlich wer­ den bestehende Themen oder Module auch in Zukunft von Bedeutung sein. Damit jedoch wichtige neue The­ men oder auch neue, interprofessionelle Lehr-Lernge­ fässe in den Curricula Platz finden, braucht es nebst der inhaltlichen Erneuerung auch eine gewisse Harmonisie­ rung der Zeitstruktur der vier Bachelorstudiengänge. Und last but not least werden wir zur Stärkung der inter­ professionellen Perspektive in den Studiengängen ge­ zielt auch digitale Möglichkeiten vermehrt nutzen. Was werden die Absolventinnen und Absolventen ab 2020 mitbringen, was bisherige nicht hatten? US: Wir gehen davon aus, dass sich die Absolventin­ nen und Absolventen unterschiedlicher Studiengänge durch das gemeinsame Lernen und Arbeiten besser ken­ nen, dass sie mit den anderen Berufen vertrauter sind. Sie werden hoffentlich ein gemeinsames Verständnis grundlegender Themen, Konzepte und Vorgehensweisen haben. Und sie werden verstehen, welche Bedeutung die Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen hat. Ausserdem werden sie für heikle, anspruchsvolle Situa­ tionen sensibilisiert sein. Bislang bestanden innerhalb der Studiengänge und Berufe klare Abgrenzungen bezüglich Kompetenzen und Rollen. Inwiefern beeinflusst das «Curriculum 2020» die beruflichen Selbstverständnisse? TS: Darüber wurde und wird innerhalb der Studien­ gänge und unter den Berufsgruppen intensiv diskutiert. Die Akademisierung der Gesundheitsberufe hat in ver­ schiedenen Versorgungsbereichen zu einer Erweiterung von Kompetenzprofilen geführt. Umso wichtiger ist, dass die Zuständigkeiten und Rollen geklärt werden und die Berufsgruppen voneinander wissen, was sie tun. Was das berufliche Selbstverständnis anbelangt, kann auf Literatur abgestützt gesagt werden: Die eigene Iden­ tität wird im Abgleich mit dem Gegenüber geschärft. US: Die Auseinandersetzung mit anderen Berufsgrup­ pen wird die Absolventinnen und Absolventen dabei un­ terstützen, ihre berufliche Identität zu schärfen. Für sie wird es selbstverständlich sein, diese im interprofessio­ nellen Kontext zu reflektieren: Wo stehe ich? Wo stehen die anderen? Was unterscheidet meine Profession von anderen und was verbindet sie? Was ist unser besonde­ rer Beitrag im ganzen Behandlungssetting usw.?

BFH frequenz Dezember 2016


8 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Welche Herausforderungen sind aus Ihrer Sicht mit der Entwicklung des «Curriculum 2020» verbunden? TS: Es wird eine Knochenarbeit, aus den identifizier­ ten Themen sinnvolle und in sich kohärente Module zu erarbeiten und diese auf die berufsspezifischen Module abzustimmen. Dieser Herausforderung begegnen wir aber mit einem grossen Erfahrungsschatz in Bezug auf die methodische, inhaltliche und strukturelle Herange­ hensweise. Unsere Dozierenden verfügen in ihren jewei­ ligen Fachgebieten über einen Hochschulabschluss und haben eine solide Berufserfahrung. Vor allem aber sind es bestens ausgebildete und versierte Lehrpersonen. Sie haben den Schritt zur Akademisierung mitgemacht. Dieser war zwar anderer Natur, aber ebenso einschnei­ dend. US: Von strukturell-organisatorischer Seite her lässt sich sagen: Es ist ein komplexes Vorhaben. Wir machen einen «Umbau in einem bewohnten Haus» und keinen «Neubau auf der grünen Wiese». Es ist als erster Erfolg zu werten, dass wir «Bauarbeitende» rekrutieren und den Umbau beginnen konnten, obwohl auch der Betrieb des Hauses mit den gleichen Personen weiterläuft. Die «Bauarbeitenden», das sind nicht nur die Mit-­ arbeitenden am Fachbereich Gesundheit, sondern auch die Vertreterinnen und Vertreter der Praxis. Sie sind alle ein wichtiger Teil des ­Vorhabens und müssen dieses mittragen. Wie begegnen Sie dem? US: Wir legen Wert darauf, dass der Prozess Gefässe beinhaltet, in denen die verschiedensten Leute mitar­ beiten, mitdiskutieren können. So ist jeder Bachelorstu­ diengang in den Gefässen vertreten, wobei die Vertrete­ rinnen und Vertreter immer auch als Botschafterinnen und Botschafter fungieren. Ausserdem finden zweimal jährlich Sounding-Boards für alle Mitarbeitenden statt. Mit Newslettern wird regelmässig über den aktuellen Stand informiert. TS: Auch die Praxispartner der vier Gesundheitsberu­ fe sind über jeden Projektschritt informiert und können Stellung beziehen. Es gab auch bereits einen Workshop mit Vertreterinnen und Vertretern aus verschiedenen Be­ rufsgruppen, darunter auch Sozialarbeitende und Ärztin­ nen, Ärzte. Weiter gibt es einen Projekt-Beirat, in den Praxisvertreterinnen und -vertreter integriert sind. US: Wir haben uns von Anfang an für eine offene Kommunikation entschieden. Die Arbeitsgruppen-Mit­ glieder dürfen bzw. sollen in ihren Studiengängen er­ zählen, woran sie arbeiten, und spezifische Fragen in ihren Kontexten auch vorbereitend diskutieren. So ent­ steht auch auf einer informellen Ebene eine Diskussion zum Projekt. Wir wollen nicht im stillen Kämmerchen etwas entwickeln und dann kommt plötzlich der grosse Wurf. Wir wollen in enger Verzahnung mit den Betroffe­ nen Schritt für Schritt entwickeln.

Neue Strukturen werden auf dem Arbeitsmarkt häufig mit Stellenabbau und Sparmassnahmen verbunden. In diesem Projekt auch? US: Im Zusammenhang mit diesem Projekt habe ich keinen Sparauftrag erhalten. TS: Es geht im «Curriculum 2020» um eine sinnvolle Synergiennutzung. Wir haben nicht die Idee, mehr Grossveranstaltungen durchzuführen, sondern beab­ sichtigen, dass die Studierenden in berufsgemischten Gruppen vermehrt in bereits bekannten und bewährten Lernformen unterwegs sein werden. Problem-based Learning beispielsweise eignet sich hervorragend für interprofessionelle Lehre, genauso wie Seminare oder das Skills-Training. Hierfür benötigt es nicht weniger Mitarbeitende. Die erste Projektphase endete im November. Mit welchem Gefühl blicken Sie zurück und voraus? US: Es ist ein Erfolg, dass es gelungen ist, am Fach­ bereich Gesundheit ein Projekt dieser Grössenordnung zu installieren. Kommt hinzu, dass Tempo und Prozess des Normalbetriebs und Tempo und Prozess des Pro­ jekts nicht gleichgeschaltet sind. Das ist für die Mitar­ beitenden eine Herausforderung. Ich bin beeindruckt,

«Unsere Dozierenden verfügen in ihren jeweiligen Fachgebieten über einen Hochschulabschluss und haben eine solide Berufserfahrung. Vor allem aber sind es bestens ausgebildete und versierte Lehrpersonen.» wie sie damit umgehen. Die Atmosphäre ist sehr interes­ siert und engagiert. Persönlich macht mir dieses Projekt zudem sowohl inhaltlich als auch menschlich Freude. TS: Der Zeitraum von fünf Jahren, den wir uns für das Unterfangen vorgenommen haben, erlaubt Sorgfalt und reduziert die Gefahr von Schnellschüssen. Wir können Fachliteratur lesen, Kongresse besuchen, uns intensiv mit Expertinnen und Experten austauschen und be­ gleitende Evaluationsprojekte initiieren. Das motiviert ungemein.

BFH frequenz Dezember 2016


9 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Ursula Schwager BFH frequenz Dezember 2016


10 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Interprofessionelle Lernerfahrung

in einer innovativen Hausarztpraxis Studierende des Master of Science in Pflege der Berner Fachhochschule und Masterstudierende der Medizin der Universität Bern treffen sich im MediZentrum Schüpfen1 zu einem interprofessionellen Workshop: Hier vertiefen und üben sie unter fachkundiger pflegerischer und ärztlicher Begleitung das klinische Assessment von Patientinnen und Patienten interprofessionell und reflektieren gemeinsam ihre Berufskompetenzen.

Prof. Dr. Katarina Planer Dozentin Master of Science in Pflege katarina.planer@bfh.ch

Prof. Dr. Anne Kersten Studiengangsleiterin Master of Science in Pflege anne.kersten@bfh.ch

Der interprofessionelle Workshop im MediZentrum Schüpfen fordert die Studierenden des Master of Science in Pflege der Berner Fachhochschule BFH und die Mas­ terstudierenden der Medizin der Universität Bern: Ge­ meinsam untersuchen sie Patientinnen und Patienten, erklären sich gegenseitig das jeweilige Vorgehen und diskutieren Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihrer Berufskompetenzen. Im Untersuchungsteil erhalten die Studierenden die Gelegenheit, eine technische Un­ tersuchung, wie beispielsweise das Abhören von Herz und Lunge, durchzuführen. Daraufhin erfahren sie, welche Aufgaben eine sogenannte Pflegeexpertin oder Advanced Practice Nurse (APN) in einem neuen Versorgungs­ modell mit erweiterten Handlungskom­ petenzen übernimmt. Der Workshop beginnt ganz konkret: Eine chronisch erkrankte Patientin und ein Patient, die in der Haus­ arztpraxis des MediZentrums Schüpfen betreut wer­

Dr. med. Hansulrich Blunier Facharzt FMH Innere Medizin, Hausarzt im MediZentrum Schüpfen hansulrich.blunier@hin.ch

den, stellen sich freiwillig für die Lernerfahrung der Studierenden zur Verfügung. Bereitwillig erzählen sie ihre Krankheitsgeschichte, berichten über Symptome, zählen die Medikamente auf, die sie einnehmen, und beantworten geduldig alle Fragen der Studierenden. Den gemischten Teams, bestehend aus Medizin- und Pflegestudierenden, gelingt es schnell, Vertrauen auf­ zubauen. Unter den fachkundigen Blicken von Dr. med. Hansulrich Blunier und der Pflegeexpertin Christine Wyss, beide tätig im MediZentrum Schüpfen, führen die Studierenden anschliessend körperliche Untersu­ chungen durch: Sie untersuchen akribisch die Bewe­ gungseinschränkung der Rheumapatientin. Ebenso gründlich lauschen sie den Herztönen des an einer Ge­ fässerkrankung leidenden Patienten, beschreiben die­ se exakt und bewerten sie. Auf dieser Grundlage versu­ chen die Studierenden dann, eine möglichst korrekte, in medizinischer Fachsprache formulierte Diagnose zu stellen, die sowohl körperliche als auch psychische

BFH frequenz Dezember 2016


11 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Langzeitversorgung, zu schaffen und mögliche Syner­ gien zu nutzen. International weisen Expertinnen und Experten schon länger darauf hin, dass Pflegenden umfassendere Aufgaben in Diagnostik und Therapie, wie beispielsweise das Schmerz- oder Wundmanage­ ment chronisch Kranker, übertragen werden sollten, um Medizinerinnen und Medizinern grössere Freiräu­ me für die immer differenzierteren und komplexeren akuten Behandlungen älter werdender Patientinnen und Patienten zu verschaffen.

und soziale Aspekte umfasst. Im Anschluss an diese nicht einfache Aufgabe erwartet das interprofessio­ nelle Studierenden-Team mit Spannung die Erläuterun­ gen und Ergänzungen von Hansulrich Blunier und Christine Wyss. Die beiden kennen die Patientin und den Patienten gut, betreuen sie bereits seit Jahren. Kei­ ne Fragen seitens der Studierenden bleiben unbeant­ wortet, jeg­ liche diagnostische oder therapeutische Möglichkeit wird ausdiskutiert. Die anschliessenden Diskussionen decken ein brei­ tes Spektrum ab: Sie reichen von der Aufgabenvertei­ lung innerhalb eines interprofessionellen Teams über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der jeweiligen Ausbildungen bis hin zur Begründung der unterschied­ lichen Perspektiven auf die Patientinnen und Patien­ ten. Auch die Abrechenbarkeit von Leistungen einer APN sowie die Kommunikation und Organisation in­ nerhalb eines solchen Versorgungsmodells und ver­ schiedene gesundheitspolitische Fragen werden the­ matisiert. Es wird deutlich, dass die Kooperation zwi­ schen Medizin und Pflege noch ein hohes Mass an Entwicklungspotenzial aufweist. In Anbetracht des sich entwickelnden Fachkräftemangels in Medizin und Pflege stehen beide Disziplinen vor der Herausforde­ rung, Kapazitäten noch zielgerichteter einzusetzen, Ressourcen für neue Aufgaben, insbesondere in der

Die Studierenden der Pflege und der Medizin sahen den Workshop als gute Gelegenheit, mehr über die an­ dere Berufsgruppe, deren Selbstverständnis und Mög­ lichkeiten der Kooperation im Sinne einer bestmög­ lichen Versorgung gemeinsamer Patientinnen und Patienten zu erfahren. Sie sind sich darüber einig, dass Kooperationen weiter entwickelt und konkretisiert werden sollen, was nicht zuletzt auch politische Ent­ scheidungen notwendig macht, um die Finanzierung von APN-Leistungen in Kooperation mit Hausärztin­ nen und Hausärzten sicherzustellen. Neben diesen neuen und bislang ungewöhnlichen Lernerfahrungen zur Erweiterung der diagnostischen Kompetenzen freuten sich die Studierenden beider Pro­ fessionen über den lebensnahen Einblick in eine Haus­ arztpraxis der Zukunft und die ersten Erfahrungen mit konkreter interprofessioneller Zusammenarbeit. Die Studierenden sind überzeugt, dass dies ein Modell der Zukunft ist, und sie lernten attraktive Arbeitsplätze so­ wohl für Pflegende als auch für engagierte Medizi­ nerinnen und Mediziner kennen. 1

Der Workshop wird vom MediZentrum Schüpfen in Kooperation mit dem Studiengang Master of Science in Pflege der BFH und dem Berner Institut für Hausarztmedizin (BIHAM) der Universität Bern seit dem Frühjahrssemester 2016 durchgeführt. Im MediZentrum Schüpfen bietet ein interprofessionelles Team von Ärztinnen und Ärzten und weiteren Gesundheitsberufen ein umfassendes Angebot medizinischer Leistungen unter einem Dach an.

BFH frequenz Dezember 2016


12 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

«Dosierte» Interprofessionalität

während der Schwangerenvorsorge

Bettina Nägeli Kommunikation bettina.naegeli@bfh.ch

Armut wirkt sich bisweilen folgenschwer auf den gesundheitlichen Verlauf einer Schwangerschaft aus. Die Relevanz interprofessioneller Zusammenarbeit von Gesundheits- und Sozialfachpersonen während der geburtshilflichen Vorsorge und wie darin die Rolle einer Hebamme aussehen könnte, war Thema der Tagung Gesundheit und Armut vom 24. Juni 2016.

Familiengründung und Kinder schränken bei Frauen das Erwerbsverhalten merklich ein. «Kinder im Haus­ halt kombiniert mit niedrigem Einkommen, Teilzeit­ arbeit, Erwerbsunterbruch oder gar Arbeitslosigkeit ­fördern das Armutsrisiko», erläutert Paola Origlia, Do­ zentin am Fachbereich Gesundheit der Berner Fach­ hochschule BFH. Der Blick auf die Statistik bestätigt: Rund 8 % der Schweizer Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Neben Migrantinnen sind alleiner­ ziehende Frauen in der besagten Gruppe überproporti­ onal vertreten. Aus Sicht der Geburtshilfe beschäftigt sich Paola Origlia insbesondere mit Erfahrungen von armutsbetroffenen Schwangeren. Sie weiss: «Eine pre­ käre ökonomische Situation kann sich negativ auf den gesundheitlichen Zustand von Mutter und Kind in der Schwangerschaft und nach der Geburt auswirken.»

Nationale Tagung Gesundheit und Armut

Gesundheit ist offensichtlich eng mit Armut und Wohlstand verbunden: Sie bezeichnet, folgt man der Definition der Weltgesundheitsorganisation, nicht nur einen physischen Zustand und in diesem Sinne die Ab­ wesenheit von Krankheit, sondern einen Zustand des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens. Armut, so lässt sich ableiten, verringert die Chance auf ein gesundes Leben – sowohl hinsichtlich des Gesund­ heitszustands als auch des Zugangs zu Gesundheits­ leistungen. Unter diesem Fokus initiierte das BFH-Zen­ trum Soziale Sicherheit zusammen mit 16 regionalen und nationalen Partnern am 24. Juni 2016 die zweite nationale Tagung Gesundheit und Armut. Fachleute

unterschiedlicher Berufsgruppen trafen sich im inter­ professionellen Setting, folgten Referaten aus Wissen­ schaft und Politik und diskutierten in Workshops.

Erfahrungen armutsbetroffener, schwangerer Frauen in industrialisierten Ländern

Epidemiologische Daten zu Schwangerschaft und Einkommen in der Schweiz fehlen, lässt Paola Origlia, die die Tagung mitorganisierte, im Workshop «Schwan­ ger und von Armut betroffen» verlauten. Aus Studien aus Deutschland, Grossbritannien, Belgien oder auch den USA ist jedoch bekannt, dass eine ökonomisch pre­ käre Lebenssituation nicht nur Frühgeburten fördert, sondern auch mit Verhaltensweisen (Nichtwahrneh­ men von Vorsorgeuntersuchungen, Fehlernährung, Suchtmittelkonsum) einhergehen kann, die letztlich der Gesundheit von Mutter und Kind schaden. Im Zuge einer systematischen Literaturreview hat Paola Origlia die Erfahrungen armutsbetroffener, schwangerer Frauen in industrialisierten Ländern her­ ausgearbeitet. Die Ergebnisse brachten kommunikative und strukturelle Problemfelder sowie Diskriminie­ rungserfahrungen zutage: So sei das Thema Schwanger­ schaft verbunden mit Armut nach wie vor ein Tabu, er­ läutert die Dozentin. Ausserdem bestimme die Art und Weise der Kommunikation seitens der Fachperson, ob sich eine Schwangere unterstützt oder aber überfordert ­fühle. Letzteres könne dazu führen, dass eine werdende Mutter die Schwangerenvorsorge gar abbreche. Darüber hinaus wirken Faktoren wie junges Alter, ­Ethnizität oder Monoparentalität stigmatisierungsfördernd.

BFH frequenz Dezember 2016


13 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Stand interprofessioneller Zusammenarbeit im Kontext von Schwangerschaft und Armut

für das Thema Schwangerschaft und Armut sensibili­ sieren? Wie lassen sich die Kompetenzen von Gesund­ heits- und Sozialfachpersonen verknüpfen und sinn­ voll in die Schwangerenvorsorge einbinden?

Schwangerschaft als «window of opportunity»

anhand der seit 2012 in Deutschland auf der Grundlage des Bundeskinderschutzgesetzes geförderten Familien­ hebammen auf, wie ein interprofessionelles Modell aussehen könnte: Familienhebammen begleiten Müt­ ter und Familien in belasteten Situationen während der Schwangerschaft bis zur Vollendung des ersten Le­ bensjahres des Kindes. Die Begleitungstätigkeit äussert sich neben dem klassischen Angebot einer freischaf­ fenden Hebamme in einer Vermittlungs- und Lotsen­ funktion: Familienhebammen sind in ein Netz von ­Ge­sundheitsfachpersonen und sozialen Akteuren – gy­ näkologische und pädiatrische Medizinalpersonen, ­Jugendbehörden und Sozialarbeitende – eingespannt, die bezüglich der Mutter, ihres Kindes und der Familie systematisch zusammenarbeiten und im kommunika­ tiven Austausch stehen. Als Vertrauens- und Kontakt­ person fungiert die Familienhebamme. Damit wird Interprofessionalität «dosiert», wie Origlia abschlies­ send sagt. Denn: Zu viele Fachpersonen und Perspekti­ ven können werdende Mütter schnell überfordern.

Die offensichtliche Komplexität macht die Betreu­ ung Schwangerer, die von Armut betroffen sind, zu ei­ ner interprofessionellen Aufgabe. Demgegenüber gibt es aus der Praxis Hinweise auf unterschiedliche Re­ Inspiration aus Deutschland: Familienhebamme levanzzuschreibungen: Einerseits treffen Sozialarbei­ Friederike zu Sayn-Wittgenstein und Marion Schu­ tende in ihrem Arbeitsalltag auf Schwangere, die sich mann, Hebammenwissenschaftlerinnen der Hoch­ in ökonomisch prekären Lebenslagen befinden. «Ande­ schule Osnabrück, zeigen in ihrem Workshop-Beitrag rerseits», ergänzt Paola Origlia, «steht das Thema Armut bei Ärztinnen und Ärzten sowie Gesundheitsfachperso­ nen – gerade auch bei Hebammen – nicht an vorderster Front.» Den Fall, dass eine Patientin den Weg von der Geburtshilfe zum So­zialdienst findet, betitelt sie als ­«Zufall». Armut sehe man Frauen in der Schweiz nicht zwingend an. Dies erfordere ein wach­ sames Auge der Fachpersonen, wel­ ches jedoch zuerst geschult werden muss. Die interprofessionelle Zusam­ menarbeit zwischen Sozialdiensten in Spitälern und Gesundheitsfachperso­ nen, so das Fazit Origlias, funk­tioniert wenig systematisch und hat grosses Verbesserungspotenzial. Einzelne An­gebote seien häufig entweder im sozi­ alen Bereich oder in der Gesundheits­ versorgung angesiedelt – verblieben jedoch bezüglich Inhalt und Zielgrup­ pe in ihren Fachgebieten – oder aber setzten als Förderungs- und Integra­ tionsprogramme erst nach der Ge­- Vonseiten der Fachpersonen ist viel Sensibilität gefragt im Umgang mit dem Thema Schwangerschaft und Armut, das nach wie vor ein Tabu darstellt. burt an. Paola Origlia fordert alsdann, Frauen bereits wäh­ rend der Schwangerschaft und damit im Zuge der Schwangerenvorsorge mit interprofessionellen Ange­ boten abzuholen. Zum einen werden in der Phase des Heranwachsens des Fötus im Mutterleib die Weichen für die gesundheitliche Disposition des Kindes gestellt. Zum anderen sind werdende Mütter in diesem Zeit­ raum besonders empfänglich für Gesundheitsinforma­ tionen – «sie sind motiviert, das Beste für ihr Kind zu

Interprofessionalität wird «dosiert». Denn: Zu viele Fachpersonen und Perspektiven können werdende Mütter überfordern. tun». Als «window of opportunity» bezeichnet die ­Dozierende deshalb die Zeit der Schwangerschaft; als Gelegenheitsfenster für interprofessionelle Zusam­ menarbeit. Letztere gilt es in diesem Themenfeld erst noch zu definieren. Entsprechend diskutiert die Diszip­ lin Geburtshilfe am Fachbereich Gesundheit folgende Fragen rege: Wie lassen sich Hebammen zunehmend

BFH frequenz Dezember 2016


14 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Der Anfang der Routine

Noemi Schaffner Wissenschaftliche Mitarbeiterin Bachelorstudiengang Pflege noemi.schaffner@bfh.ch

Tapfer blickt er auf seinen ausgestreckten Arm. Liegend und die Lippen kaum erkennbar angespannt wartet er auf das Unvermeidliche. Sein blaubehandschuhter Kollege gegenüber, hoch konzentriert und um Ruhe bemüht, setzt die Nadel an, atmet ein und sticht dann beherzt zu. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Die erste Venenpunktion seiner Karriere ist vollbracht, eine Handlung, die ihm bald in Fleisch und Blut übergehen wird – der Anfang der Routine.

20 weitere Medizinstudentinnen und -studenten aus der ganzen Schweiz üben gemeinsam, teilweise zum ersten Mal, die Venenpunktion für das Anlegen eines peripheren Verweilkatheters (pVk). Dass sie an diesem regnerischen und grauen 1.-Mai-Sonntag im Skills-­Center des Fachbereichs Gesundheit der Berner Fachhochschule BFH stehen, verdanken sie dem natio­ nalen Kongress der Schweizer Medizinstudierenden (Swiss Medical Student Convention SMSC). Zweimal jährlich organisiert ihn der Verband der Schweizer ­Medizinstudierenden mit dem Ziel, Medizinstudieren­ de schweizweit miteinander zu verbinden und neben Theorie auch das praktische Üben zu vertiefen. «Emer­ gency – expect the unexpected» lautet das Thema der Frühjahrsdurchführung 2016 in Bern.

Erfreuliche Post

Die Anfrage, ob der Bachelorstudiengang Pflege der BFH einen Workshop zu «Infusionen legen» im Rah­ men dieses Kongresses anbieten würde, flatterte an ei­ nem Februarmorgen überraschend in unser Postfach – und gab Anlass zur Freude. Unter anderem schrieb der Organisator: «Da im (Medizin-)Studium in Bern die Blutentnahme immer mit Vertreterinnen und Vertre­ tern der BFH geübt wird und dies von allen Teilneh­ menden als sehr positiv empfunden wird, dachten wir, dass man ebendies auch beim SMSC machen könnte.» Nach zwei Jahren intensiver Zusammenarbeit zwi­ schen dem Fachbereich Gesundheit, dem Institut für medizinische Lehre sowie dem Bildungszentrum Pfle­ ge zur Förderung eines interprofessionellen Lehrange­ bots im Rahmen des BIZEPS (siehe Infokasten), ist dies ein deut­liches Zeichen der Wertschätzung seitens der Studierenden. Dass die Technik der Blutentnahme und des Anlegens eines pVk von Pflegefachpersonen ver­ mittelt wird, ist nicht unüblich, führen sie diese Hand­

griffe doch auch im Praxisalltag häufiger aus und ver­ fügen damit über mehr Übung. Ein idealer Kontext also, interprofessionell zu lehren und lernen.

Ein spannender Sonntag

So kommt es, dass am besagten Sonntagmorgen 20 leicht verregnete und aufgeregte Medizinstudieren­ de an der Murtenstrasse 10 – dem Standort des Fachbe­ reichs Gesundheit – von Yvonne Walker und Kaspar Küng, beide Dozierende im Bachelorstudiengang Pfle­ ge, in Empfang genommen werden. Gespannt hören die Studierenden nach der Begrüssung dem offensichtlich fachkundigen Kaspar Küng zu. Seine Begeisterung für die Sache steckt an und macht auch einen Theorie­input zu einer spannenden Sache. Da muss dann aber verstanden werden, was Phlebitis1 ist, eine wichtige

BFH frequenz Dezember 2016


15 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

der mutig halten diese ihren Arm bereitwillig den an­ gehenden Ärztinnen und Ärzten hin. Schliesslich sind sie selbst dann auch froh, ein echtes Gegenüber als Übungsobjekt zu haben. «Ja, das war mein erstes Mal », kommentiert eine Studentin enthusiastisch, nachdem sie den pVk erfolgreich angelegt hat, «nach zwei Jahren Theoriebüffeln habe ich nun endlich auch was echt Me­ dizinaltechnisches gemacht.» So schnell der Workshop gestartet ist, so schnell ist er wieder vorbei. Der Raum, vor Kurzem noch mit zu­ versichtlichem Lachen, angeregtem Fachsimpeln und lernbegierigen Gesichtern gefüllt, ist bald verlassen. Zurück bleiben zwischen den Tupfern, Gazen und Pflastern einzig die gelben Abfallkübel und Modell­ arme als Farbkleckse im Raum. Die Luft im Zimmer ist so, wie sie nur Wissbegierige und Lernende hinterlas­ sen können. 1

Kontraindikation des pVk, oder wozu die diversen Ins­ trumente und Hilfsmittel dienen. Das Material will sorgfältig vorbereitet und geprüft, Hygiene- und Sicher­ heitsmassnahmen wollen berücksichtigt sein. Zu guter Letzt lohnt sich neben der Technik auch ein Perspekti­ venwechsel zu den Patientinnen und Patienten: Ist es bei Ängstlichkeit besser, sie im Sitzen oder Liegen zu punktieren? Braucht es eine lokale Anästhesie? Sollen Haare auf dem Arm entfernt werden? Schliesslich ziept das dann bei der Pflasterentfernung doch ordentlich …

Aller Anfang ist schwer

Auf los geht’s los! Nach dem Theorieteil folgt das Praktische, alle sollen sich in der Venenpunktion üben. Jeder geht anders an diese Herausforderung heran. Ei­ nige inspizieren zunächst das Material: Stauschlauch, Handschuhe, Braunüle und Niko-Fix zur Fixierung der peripheren Kanüle sind unter anderem ausgelegt. An­ dere lassen ihren Mitstudierenden erleichtert den Vor­ tritt und beobachten genau, wie diese die Situation meistern. Der Umgang mit der Braunüle will gelernt sein, da verhaspeln sich schon mal die Finger in den Handschuhen. Haben die Studierenden dann die kor­ rekte Position gefunden, um die Braunüle zu halten, wirkt es noch etwas linkisch. Die Finger sind nicht sel­ ten verkrampft, die Körperhaltung angespannt. Auch das Anbringen des Niko-Fix erweist sich als eine fein­ motorische Herausforderung: Da soll gleichzeitig die Kanüle fixiert und das Pflaster ordentlich darüberge­ klebt werden, wobei dieses an jedem Hindernis unter­ wegs haften bleibt. Anstrengung, Nervosität und Eifer lassen die Wangen erröten. Stets ist dann Yvonne Wal­ ker zur Stelle. Mit ihrer geduldigen und ruhigen Art manövriert sie selbst die zittrigsten Hände durch die Handlungsschritte, ermutigt auch Unentschlossene zur Punktion «mit dosiertem Schwung». Die Studieren­ den danken es ihr mit einem stolzen Lächeln. Während einige noch an den verschiedenen Model­ len das Punktieren üben, wagen sich andere bereits mutig an die Generalprobe, also an das Anlegen eines pVk bei einer Kollegin oder einem Kollegen. Nicht min­

Phlebitis = Entzündung eines venösen Gefässes

Berner interprofessionelles Zentrum für Peerschulungen (BIZEPS) «BIZEPS-Kurs: Venenpunktion» heisst Lernen im in­ terprofessionellen Kontext unter Anleitung von älte­ ren Studierenden (Peers). Entwickelt wurde diese Lehr- und Lernform von Vertreterinnen und Vertre­ tern des Fachbereichs Gesundheit der Berner Fach­ hochschule BFH, des Instituts für medizinische ­Lehre der Universität Bern (IML) und des Bildungs­ zentrums Pflege (BZ Pflege). Während der Kurs in der Pilotphase noch auf freiwilliger Basis stattfand, wurde er ab Semesterstart 2016 als obligatorisches Skills-Training in die Curricula der Studiengänge Medizin, Pflege FH, Geburtshilfe und Pflege HF inte­ griert. Der Kurs gliedert sich in zwei Kursblöcke, in denen die Studierenden unter Anleitung von spe­ ziell geschulten Peertutoren die Venenpunktion bei der Blut­entnahme und beim Anlegen eines periphe­ ren Verweilkatheters erlernen. Nach der Bearbei­ tung der Theorie im Selbststudium wird im ersten Block in interprofessionellen Kleingruppen à sechs Personen die Venenpunktion an verschiedenen Mo­ dellen geübt, im zweiten Block dann auch «in vivo», also aneinander. Während der Kurse werden die Studierenden, aber vor allem auch die Peertutoren von fachkundigen Dozentinnen und Dozenten der drei beteiligten Institutionen eng begleitet und su­ pervidiert. Weitere Informationen sind zu finden in: Brem, B. G., Schaffner, N., Schlegel, C. A., Fritschi, V. & Schna­ bel, K. P. (2016). The Conversion of a Peer Teaching Course in the Puncture of Peripheral Veins for Medi­ cal Students into an Interprofessional Course. GMS Journal for Medical Education, 33 (2).

BFH frequenz Dezember 2016


16 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Mangelernährung als interprofessioneller Balanceakt

Vom Nebeneinander zum Miteinander: Chancen und Herausforderungen interprofessioneller Ernährungsteams

Rea Kühl Wissenschaftliche Assistentin Bachelorstudiengang Ernährung und Diätetik rea.kuehl@bfh.ch

Die Zusammenarbeit in interprofessionellen Ernährungsteams gewinnt im Zuge komplexer Behandlungen zunehmend an Bedeutung. So wird das spezifische Fachwissen einzelner Professionen vernetzt, was den Behandlungserfolg verbessern kann. Ein Augenschein zur aktuellen Situation solcher Ernährungsteams als Beispiel für gelebte Interprofessionalität in den Bereichen der Früherkennung und Therapie von Mangelernährung.

In der Schweiz sind rund 20–25 % der ins Spital ein­ tretenden Patientinnen und Patienten mangelernährt oder weisen ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernäh­ rung auf. Während des Spitalaufenthalts verschlech­ tert sich der Ernährungszustand häufig zusätzlich. ­Unbehandelt geht die Mangelernährung mit einer er­ höhten Sterblichkeit, einem erhöhten Risiko für Be­ handlungskomplikationen und einer schlechteren Le­ bensqualität für die Betroffenen einher. Dies führt zu verlängerten Spitalaufenthalten und dadurch zu deut­ lich erhöhten Kosten. Um diese Folgen einer Mangel­ ernährung abwenden zu können, sind eine frühe Er­ kennung der Mangelernährung sowie eine adäquate Therapie unabdingbar.

Vorteile eines interprofessionellen Ernährungsteams

Die praktische Durchführung der klinischen Ernäh­ rungstherapie entspricht derzeit nicht immer dem Stand der aktuellen Wissenschaft. Gründe sind etwa mangelndes Wissen zum Nutzen von Ernährungsteams und Hürden in der Organisation. Insbesondere für die Früherkennung wie auch für die Behandlung der Man­ gelernährung können mit dem Einsatz von fachlich spezialisierten, interprofessionell zusammengesetzten

Ernährungsteams die Behandlungsqualität für die ­Patientin, den Patienten verbessert und Kosten ein­ gespart werden. Gerade die Behandlung der Mangel­ ernährung ist komplex und zieht oft invasive Massnah­ men wie die Verabreichung enteraler oder parenteraler Ernährungsprodukte nach sich. Diese Therapiemass­ nahmen sind mit erhöhten Risiken verbunden und be­ dürfen einer hohen Fachkenntnis der beteiligten Fach­ kräfte. Die Behandlung durch ein interprofessionelles Ernährungsteam mit viel Erfahrung im Management der Mangelernährung kann zu geringeren Komplika­ tionsraten und höherer Überlebenswahrscheinlichkeit für die Patientinnen und Patienten führen. Ernäh­ rungsteams sind im Allgemeinen als interprofessionel­ le Teams mit Fachkompetenz im Ernährungsbereich definiert.

Interprofessionelle Ernährungsteams in der Schweiz

Die Zusammensetzung interprofessioneller Ernäh­ rungsteams ist länderspezifisch verschieden, da sich sowohl die Berufsausbildungen im Ernährungsbereich wie auch die Gesundheitssysteme unterscheiden. In der Schweiz bestehen solche interprofessionellen Er­ nährungsteams für die Früherkennung und Therapie

BFH frequenz Dezember 2016


17 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Fünf Fragen an Silvia Kurmann Dozentin Bachelorstudiengang Ernährung und Diätetik und ehemalige Therapieexpertin Klinische Ernährung/Ernäh­ rungsberatung im Inselspital Universitätsspital Bern silvia.kurmann@bfh.ch

der Mangelernährung in der Regel aus Ärztin, Arzt, Apothekerin, Apotheker, Pflegepersonal sowie Ernäh­ rungsberaterin und -berater. Die Tätigkeit der Ernäh­ rungsberatung kann hierbei die Rolle von Therapieex­ pertinnen und -experten wie auch von klinisch tätigen Ernährungsberaterinnen und -beratern beinhalten. Das Miteinbeziehen von in der Forschung tätigen Ärz­ tinnen und Ärzten, Ernährungsberaterinnen und -be­ ratern oder Pflegefachkräften beinhaltet grosses Poten­ zial, da dies eine optimale Basis für klinische Forschung bietet. Gerade bei der interprofessionellen Behandlung von Mangelernährten kann ein Miteinbezug von Fach­ personen der Physiotherapie, der Ergo- sowie Schluck­ therapie, der Psychologie oder Sozialarbeit die Zusam­ mensetzung des Ernährungsteams bereichern. Neben der Ausführung der Ernährungstherapie übernehmen solche Ernährungsteams auch Aufgaben wie Koordina­ tion des Austrittsmanagements mit künstlicher Ernäh­ rung, Konsiliardienst, Aus- und Weiterbildung von in­ terdisziplinären Partnern im spezifischen Fachbereich, Qualitätssicherung sowie Forschung. Die eindeutige Definition von Aufgaben und Verant­ wortungsbereichen ist bei solchen Teams elementar: Eine klare Rollendefinition der einzelnen Professionen ist dafür Voraussetzung. Es bedingt, dass die einzelnen Professionsangehörigen verstehen, wie die anderen Professionen arbeiten. Für die Früherkennung und Be­ handlung der Mangelernährung ist es zentral, dass alle Professionen im Ernährungsteam sich auf dieselbe Er­ fassungsmethode stützen und von denselben Diagnose­ kriterien ausgehen. Erhobene Daten wie Gewichtsver­ lauf, Laborwerte oder zugeführte Essmengen der Patientinnen und Patienten sollen gemeinsam genutzt werden können. Regelmässige fachliche Weiterbildungen sind für ein gutes Gelingen der Therapie im interprofessio­ nellen Ernährungsteam ebenso zentral wie eine gute Kommunikationsstruktur zur Gewährleistung des Infor­mationsflusses an diversen Schnittstellen. Hierzu kann ein gemeinsam genutztes Dokumentations­ system nützlich sein.

Welche Mitglieder waren im interprofessionellen Ernährungsteam vertreten und wie haben Sie die Zusammenarbeit erlebt? Das Klinische Ernährungsteam (KET) am Inselspital ist breit ­aufgestellt. Neben Ernährungsberaterinnen und -beratern sind auch Ernährungsärztinnen und -ärzte, Pflegefachpersonen und eine Apothekerin vertreten. Menschen mit komplexen Ernäh­ rungsproblemen werden interprofessionell und individuell in Ernährungstherapien, Visiten, Konsilien und Sprechstunden stationär wie auch ambulant betreut. Das breite Aufgabenge­ biet und die fachlichen Ressourcen des KET machen die Arbeit vielseitig und lehrreich, und die Interprofessionalität erweitert die Perspektive auf das Patientengeschehen. Die Arbeit im KET war eine fachliche wie auch eine persönliche Bereicherung. Welche Eigenschaften sollten die Mitglieder eines interprofessionellen Teams mitbringen? Es klingt banal, aber folgende Fähigkeiten sind im interprofessi­ onellen Spitalsetting immer gefragt: eine ausgeprägte Kommu­ nikations- und Teamfähigkeit. Innerhalb des Ernährungsteams überschneiden sich jedoch die Kompetenzen und Verantwort­ lichkeiten stärker, sodass reibungslose Absprachen und Abläufe für optimales und effizientes Arbeiten umso wichtiger sind. Ein breites Fachwissen und ständige Weiterentwicklung gehören ebenfalls zum Kompetenzprofil. Wo sehen Sie den grössten Nutzen interprofessioneller Ernährungsteams aus Patientensicht? Das Mangelernährungsscreening und die frühe Betreuung von Patientinnen und Patienten mit einer Mangelernährung können die Spitalaufenthaltsdauer und die Rehabilitationszeit verkür­ zen. Durch den optimierten Ernährungszustand wird die Lebens­ qualität der Betroffenen gesteigert und die Selbstständigkeit bleibt länger erhalten. Bei gut geklärter Indikation überwiegt aus Sicht der Patientinnen und Patienten der Profit die Unan­ nehmlichkeiten. Hier nehmen interprofessionelle Ernäh­ rungsteams mit ihrem fundierten Fachwissen eine Schlüssel­ funktion in der Indikationsklärung, Patientenedukation und -führung ein. Wo sehen Sie die grössten Stolpersteine? Die steilen Hierarchien im Spital können die Arbeit im Ernäh­ rungsteam erschweren, da Ernährungsteams im stationären Bereich konsiliarisch tätig sind. Ein potenzieller Stolperstein steht auch im Zusammenhang mit der Spitalfinanzierung nach Swiss-DRG. Konsiliare Dienste werden der Kostenstelle der

BFH frequenz Dezember 2016


18 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Herausforderungen interprofessionellen Arbeitens

Hierarchiedenken und fehlendes Verständnis für die Denkweise anderer Professionen können die inter­ professionelle Zusammenarbeit herausfordern. Die Zu­ sammenarbeit der Berufsgruppen untereinander wird nicht nur durch die persönlichen Werte, sondern vor allem auch durch die Werte der eigenen Profession ­geprägt. Ebenfalls können Ungleichheiten bei Kompe­ tenzen – etwa Weisungsbefugnisse einer Profession gegenüber der anderen – die Zusammenarbeit auf ­Augenhöhe erschweren. Überwindet das Team die Dif­ ferenzen, wird meist ein grösserer Therapieerfolg ­erreicht als mittels Therapie durch eine einzelne Pro­ fession. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2005 zeigte die Seltenheit interprofessioneller Ernährungsteams in Schweizer Akutspitälern auf. Damals verfügten nur 2,4 % der Schweizer Spitäler über ein solches Ernäh­ rungsteam – vorwiegend Universitäts- und grössere Zentrumsspitäler. Es bestehen grosse Unterschiede bezüglich Struktur, Aufgabenbereichen und Finan­ ­ zierbarkeit der Teams. So wurde häufig auf eine noch ungenügende Standardisierung sowohl bei den ge­ meinsamen Arbeitsabläufen wie auch bei der Patien­ tendokumentation hingewiesen. Die klinische Ernäh­ rungstherapie als vergleichsweise junge Disziplin ist diesbezüglich noch stark im Aufbau. Aktuelle Zahlen zu den Ernährungsteams in Schweizer Spitälern liegen keine vor. Tendenziell nimmt der Fokus auf die inter­ professionelle Arbeit zu, was dafür spricht, dass sich die Anzahl interprofessioneller Ernährungsteams er­ höht. Die strategischen Massnahmen des Bundes zur Gesundheit 2020 zielen auf eine integrierte Versorgung in diversen Handlungsfeldern ab, weshalb auch für den Gesetzgeber die interprofessionelle Zusammenarbeit immer wichtiger wird. Interprofessionell gültige Leitlinien wären sowohl grundsätzlich für die Förderung interprofessioneller Zusammenarbeit als auch spezifisch bei inter­ professionellen Ernährungsteams in Bezug auf die Mangelernährung sinnvoll, um die Effizienz solcher Teams zu steigern und die Fehleranfälligkeit zu redu­ zieren.

Richtiges Zusammenarbeiten will gelernt sein

Die Entstehung neuartiger Arbeitsformen erfordert von allen Beteiligten die Fähigkeit zur Kommunikation und Klärung der nötigen Schnittstellen. Voneinander lernen, nicht gegeneinander arbeiten, heisst hier die Devise. Damit die zukünftigen Fachleute diese Kompe­ tenzen von Beginn weg erwerben, ist es wichtig, dies in den Ausbildungslehrgängen zu verankern. Dies kann einerseits durch eine Sensibilisierung ­aller Berufsgruppen für die Aufgabengebiete, das Fach­ wissen und die Rollen der anderen Berufsgruppen ­erreicht werden. Andererseits kann die interprofessio­ nelle Zusammenarbeit auch in der Organisation des Studiums selbst geübt werden, beispielsweise durch gemeinsame Lehrveranstaltungen und gemeinsame Skills-Trainings, wie dies im aktuellen Modul «Gesund­ heitsberufe im Dialog» schon angewandt wird.

auftraggebenden Klinik belastet und fallen in die Fallpauscha­ le des stationären Aufenthalts. Das kann dazu führen, dass Ernährungsfachpersonen weniger häufig beigezogen werden. Es werden dabei wichtige Tatsachen übersehen; nämlich dass durch die Verkürzung der Spitalaufenthaltsdauer und den Mehrerlös, der durch die Behandlung, die Kodierung und The­ rapie der Mangelernährung erwirtschaftet werden kann, rele­ vante Einnahmen für das Spital verloren gehen. Diese verlore­ nen Einnahmen übersteigen die Kosten eines Ernährungsteams bei Weitem. Es ist darum von zentraler Wichtigkeit, dass die Spital- und Klinikleitungen die Chancen, welche ein Ernäh­ rungsteam für die Patientenbetreuung und das Budget dar­ stellt, erkennen. Wie übertragen Sie Ihre Erfahrungen bezüglich interprofes­ sioneller Zusammenarbeit aus der Klinik in die Lehre? Die interprofessionelle Zusammenarbeit im KET hat mein Ver­ ständnis für die Arbeit der verschiedenen Professionen und für die Komplexität der Betreuung schwer kranker Menschen ver­ ändert. Deshalb sollen gerade auch Aspekte des Qualitätsund Schnittstellenmanagements sowie der interprofessionellen Kommunikation in die Lehre einfliessen. Angesichts der Kom­ plexität des Klinikalltags ist es zunehmend wichtig, das Ver­ ständnis für die Aufgaben, Sichtweisen und Herangehens­weisen der anderen Professionen zu schärfen. Nur wenn alle Professionen am gleichen Strang ziehen und dabei der Mensch im Mittelpunkt steht, können wir eine optimale Betreuungs­ qualität sicherstellen. (Interview: Rea Kühl, wissenschaftliche Assistentin, Bachelor­ studiengang Ernährung und Diätetik)

Literatur: BAG (2013). Bericht der Themengruppe Interprofessionalität. Eidgenössisches Departement des Inneren. Retrieved September 13, 2016 from http://www.bag. admin.ch/themen/berufe/11724/14204/?lang=de BAG (2013). Strategie «Gesundheit 2020». Retrieved September 13, 2016 from http://www.bag.admin.ch/gesundheit2020/index.html?lang=de Bischoff, S. C., Arends, J., Dörje, F. et al. (2013). S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Zusammenarbeit mit der GESKES und der AKE: Künstliche Ernährung im ambulanten Bereich. Aktuelle Ernährungs­ medizin, 38(5), 101–154. Council of Europe – Committee of Ministers (2013). Resolution ResAP (2003)3 on food and nutritional care in hospitals. Retrieved from https://wcd.coe.int/ ViewDoc.jsp?id=85747&Lang=en Fäh, D. & Matzke, A. (2012). Ernährung und Gesundheit. In U. Keller, Richi E. Battaglia, M. Beer, R. Darioli, K. Meyer, A. Renggli, C. Römer-Lüthi & N. StoffelKurt (Ed.), Sechster Schweizerischer Ernährungsbericht (127–86). Bern: Bundesamt für Gesundheit. Kennedy, J. F. & Nightingale, J. (2005). Cost savings of an adult hospital nutrition support team. Nutrition, 21, 1127–1133. Schroeder, G. (2010). Interprofessionalität in der Umsetzung. Pflegewissenschaft, (1), 18–23. Shang, E., Hasenberg, T., Schlegel, B., Sterchi A. B., Schindler, K., Druml, W., Koletzko, B. et al. (2005). An European survey of structure and organization of nutrition support teams in Germany, Austria and Switzerland. Clinical Nutrition, 24, 1005–1013. Suchner, U., Dormann, A., Hund-Wissner, E., Shang, E. & Senkal, M. (2002). Anforderungen an Struktur und Funktion eines Ernährungsteams. Anaesthesist, 49, 675–684. Valentini, L. (2000). Ernährungsteams – eine interprofessionelle Herausforde­ rung. Journal für Ernährungsmedizin, 2, (Ausgabe für Österreich), 20–21.

BFH frequenz Dezember 2016


19 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Mehr als ein Ansatz,

nämlich eine Arbeitseinstellung

Bettina Nägeli Kommunikation bettina.naegeli@bfh.ch

Christoph Lüdi, Physiotherapeut FH und Absolvent der Berner Fachhochschule, gibt einen Einblick in die Zusammenarbeit diverser Fachpersonen in der Neurologischen Rehabilitation einer Rehaklinik – ein Einsatzgebiet, das aufgrund der komplexen Verletzungsbilder der Patientinnen und Patienten für Interprofessionalität geradezu prädestiniert ist.

Hirnverletzungen, Gelenksverletzungen, Knochen­ brüche und Prellungen – mit ebendieser Kombination von Verletzungen ist Christoph Lüdi häufig konfrontiert. Sein Einsatzgebiet ist die Neurologische Rehabilitation in der Rehaklinik Bellikon, die Menschen mit Hirnver­ letzungen behandelt. Mit seiner Unterstützung üben die Patientinnen und Patienten nach einem Unfall grund­ legende Körperfunktionen und grobmotorische Alltags­ aktivitäten wie das Sitzen, Aufstehen, Gehen oder auch das Fortbewegen im Rollstuhl. «Unsere Patientinnen und Patienten weisen häufig ein komplexes Verletzungs­ bild auf», erläutert der Physiotherapeut und verweist auf den Ansatz, mit dem das Team der Neurologischen Rehabilitation der Komplexität begegnet: Interprofes­ ­ sionalität.

Gemischtes Büro

Die Rehaklinik Bellikon nach dem Um- und Neubau 2017 (vgl. Kasten)

Im Büro, das Christoph Lüdi allmorgendlich kurz nach sieben Uhr betritt, reiht sich Arbeitsplatz an Ar­ beitsplatz. Wer nun vermutet, dass zehn Physiothera­ peutinnen und -therapeuten in dem Büro arbeiten, irrt. «Das Büro teilen wir uns mit Fachpersonen aus der Ergo­ therapie», informiert er. Die räumliche Nähe und die da­ mit verbundenen kurzen Wege unterstützen die inter­ professionelle Zusammenarbeit zwischen den diversen

Die räumliche Nähe und die damit ver­ bundenen kurzen Wege unterstützen die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen den diversen Fachpersonen im Klinikalltag.

Fachpersonen im Klinikalltag. Ein kurzes Update über eine Patientin oder einen Patienten erfolge ohne die Überwindung elektronischer Wege oder gar Stockwerke ganz selbstverständlich. Anhand der eingangs benannten Verletzungskom­ bination beschreibt Christoph Lüdi exemplarisch, wie Interprofessionalität im Klinikalltag gelebt wird: Am ­A nfang steht die individuelle Zusammenstellung der Therapiemassnahmen; basierend auf der medizini­ schen Situation und der Zielsetzung der oder des Be­ troffenen. Neuropsychologinnen und -psychologen be­ fassen sich mit Funktionsstörungen wie zum Beispiel Störungen der Gedächtnisleistung, während er als Phy­ siotherapeut sich den Folgen der Hirnverletzung, so etwa Lähmungen, Koordinationsstörungen und Be­ schwerden am B ­ ewegungsapparat der Patientin oder

BFH frequenz Dezember 2016


20 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Interprofessionelle Visite im Klinikalltag

des Patienten, widmet. Die Ergotherapeutinnen und -therapeuten dagegen fokussieren feinmotorische Handlungen, die Körperpflege oder das Zähneputzen und wiederum eine andere Fachperson, eine Logopä­ din beispielsweise, arbeitet mit der Patientin oder dem Patienten an den durch den Unfall beeinträchtigten Sprech- und Sprachfunktionen. Was sich hier nach strikter Rollentrennung anhört, funktioniert allerdings nur, indem die Fachge­biete fliessend ineinander über­ gehen: «Ich kann als Physiotherapeut mitnichten nur

Je tiefer er Einblick in die interprofessio­nelle Zusammenarbeit erhielt, desto grösser wurde die Faszination dafür. das Gehen und das Knie im Blick haben», erklärt Lüdi und präzisiert: «Den Blick über den physiotherapeuti­ schen Tellerrand zu werfen, gehört dazu.» So müsse er etwa Kenntnis über die neuropsychologische Gesamt­ entwicklung oder ergotherapeutische Fortschritte der Betroffenen haben, um sie in die geeignete Thera­ piegruppe einzuteilen. Zeitweilig führe er auch Doppel­ therapien zusammen mit der Ergotherapie oder der Logopädie durch.

Erarbeitung einer gemeinsamen, fallspezifischen Wissensbasis

Zentrales Element der Teamarbeit bildet alsdann der intensive gegenseitige Austausch – dieser zieht sich als roter Faden durch Christoph Lüdis Arbeitsalltag. Neben informellen Gesprächen im gemischten Büro er­ folgt ein formeller Austausch in der regelmässig für das ganze ­Behandlungsteam stattfindenden Visite. Ärztin­ nen und Ärzte, Vertreterinnen und Vertreter der Pflege sowie diverse Therapeutinnen und Therapeuten neh­ men daran teil, informieren sich über Fortschritte oder auch Rückschläge der Patientin, des Patienten und er­ halten Einschätzungen aus den jeweils anderen Pers­ pektiven. Kurz: Das Behandlungsteam erarbeitet sich eine gemeinsame, fallspezifische Wissensbasis. «Diese ist notwendig, um eine ganzheitliche Herangehenswei­ se an den Einzelfall zu gewährleisten», führt der Phy­ siotherapeut aus und benennt einen weiteren Gewinn aus Patientensicht: Die Patientinnen und Patienten werden dahingehend entlastet, dass sie nicht jeder Fachperson erläutern müssen, wer sich wie mit ihnen befasst. Im Rahmen von internen Fortbildungen bieten sich Christoph Lüdi indes weitere Gelegenheiten, die anderen Berufsgruppen und ihre spezifischen Metho­ den kennenzulernen.

BFH frequenz Dezember 2016


21 Interprofessionalität – miteinander arbeiten, voneinander lernen, aneinander wachsen

Faszinosum Interprofessionalität

Als kompletter Novize bezüglich interprofessioneller Zusammenarbeit mag sich Christoph Lüdi, zurückbli­ ckend auf seine Anfangszeit in der Rehaklinik Bellikon, nicht bezeichnen. Punktuell kam er nämlich bereits während des Bachelorstudiums in Physiotherapie, das er 2015 an der Berner Fachhochschule BFH abschloss, mit Interprofessionalität in Berührung. «Interprofessio­ nalität als übergreifenden Ansatz, quasi als Arbeitsein­ stellung, lernte ich jedoch erst in Bellikon kennen», er­ zählt er. «Ich wurde eng begleitet und wuchs nach und

Mit spitzer Feder Ach, Interprofessionalität

«Den Blick über den physiotherapeutischen Tellerrand zu werfen, gehört dazu.» nach hinein.» Je tiefer er Einblick in die interprofessio­ nelle Zusammenarbeit erhielt – anfänglich in einem Praktikum –, desto grösser wurde die Faszination dafür. Die Neurologische Rehabilitation, als komplexes Ein­ satzgebiet für Interprofessionalität prädestiniert, ist ein Strang, den Christoph Lüdi weiterverfolgen will: «Ich begleite vielseitig versehrte Menschen auf dem Weg zu­ rück ins Leben – das hat etwas Dankbares an sich.»

Rehaklinik Bellikon Mit ihrem einmaligen Leistungsangebot – Präven­ tion, Versicherung und Rehabilitation – bietet die Suva ihren Versicherten einen umfassenden Ge­ sundheitsschutz. Eines ihrer Hauptanliegen ist die Rehabilitation verunfallter Menschen in ihren eige­ nen Kliniken, so auch in der Rehaklinik Bellikon. Sie ist die führende Spezialklinik für Traumatologische Akutrehabilitation, Sportmedizin, Berufliche Integ­ ration und Medizinische Expertisen und geniesst über die Landesgrenze hinaus hohe Anerkennung. Die Klinik verfügt über 205 Betten und behandelt jährlich 1600 Patienten stationär und 2300 Patien­ ten ambulant. Sie erzielt mit ihren 480 Mitarbeiten­ den einen jährlichen Betriebsertrag von 76,8 Mio. Franken. Die Rehaklinik Bellikon verfügt über hoch spezialisiertes Wissen und jahrzehntelange Erfah­ rung in der Unfallrehabilitation. Dies spiegelt sich in erstklassigen Behandlungsergebnissen und in der hohen Zufriedenheit ihrer Patientinnen und Patien­ ten und Zuweiser. Um ihre führende Rolle in der Un­ fallrehabilitation aufrechtzuerhalten, unternimmt die Rehaklinik Bellikon zurzeit bauliche Verän­ derungen: Bis voraussichtlich Ende 2017 wird die Klinik baulich erneuert. Während der gesamten ­Bauzeit bleibt der Vollbetrieb in Bellikon aufrecht­ erhalten.

Dr. rer. soc. oec. Christof Schmitz, Betriebswirt und Soziologe, Berater- und Trainertätigkeit in Organisatio­ nen des Gesundheitswesens und anderen Branchen, Geschäftsführer College-M christof.schmitz@college-m.ch

Niemand, aber auch gar niemand bestreitet, dass Interpro­ fessionalität von Vorteil ist. Oder müsste man sagen «wäre»? Der Konjunktiv empfiehlt sich, weil Interprofessionalität ein ­Thema ist, das immer wieder angemahnt, eingefordert, be­ hauptet wird, dessen moralischer und appellativer Aufwand aber in keinem Verhältnis zum konkreten Gegenüber steht. Diese Kluft zwischen Aufruf und Praxis macht neugierig. Beschäftigt man sich mit dem Begriff, zeigt sich, wie er, trotz (wegen?) seiner Karriere in den letzten zehn Jahren, unbe­ stimmt geblieben ist – und diese Unbestimmtheit gar Methode zu h ­ aben scheint. Zum Beispiel indem unterschiedliche Beset­ zungen des Begriffs möglich werden. Da können wir dann gleichzeitig und durcheinander(!) rationale Effizienzgewinne beschwören und emanzipatorische Anliegen vorbringen, etwa dass die Dominanz der einen Profession zugunsten der einer anderen zu brechen wäre. In seiner Unbestimmtheit kann der Begriff als wissenschaftli­ cher, aber auch als politischer, ja als Kampfbegriff in Anschlag gebracht werden. Dann fungiert er als Instrument, politische Interessen zu artikulieren. Seine Unbestimmtheit bedeutet dann nicht ein Problem, sondern eine Lösung: als kommuni­ katives Vehikel zu dienen, um die hochgradig differenten ­Ansprüche und Logiken, die es in professionellen Feldern zu synchronisieren gilt, aufeinander beziehen zu können. Diese Funktion kann der Begriff nur dann erfüllen, wenn er so in­ haltsleer wie mit Bedeutung überfrachtet ist. Die Folge ist: viel Appell, wenig Praxis. Aber das muss nicht so bleiben.

BFH frequenz Dezember 2016


22 Jubiläum 2016

10 Jahre Fachbereich Gesundheit Der Fachbereich Gesundheit der Berner Fachhochschule feiert 2016 sein 10-jähriges Bestehen. Bereits 1996 wurde der Prozess zur Ansiedelung der Studiengänge in einzelnen paramedizinischen Tätigkeitsfeldern des Gesundheitswesens auf Hochschulstufe eingeleitet. 2006 begannen die ersten Studierenden in Pflege und Physiotherapie ihr Bachelorstudium am Fachbereich Gesundheit. In den folgenden Jahren konnte sich der Fachbereich Gesundheit weiterentwickeln und sein Angebot mit den Bachelorstudiengängen Hebamme sowie Ernährung und Diätetik, den Masterstudiengängen Physiotherapie und Pflege, der Weiterbildung und der Forschung in allen vier Disziplinen erweitern. Für alle Mitarbeitenden sowie Partner des Fachbereichs Gesundheit gab es 2016 viel Grund zum Feiern! Ein abwechslungsreiches Programm an Veranstaltungen und Aktivitäten prägte das Jubiläumsjahr. Kulturtag auf dem Gurten Mitte Mai führten die Mitarbeitenden des Fachbereichs Gesundheit auf dem Gurten erstmals FBG-Games durch: ein fröhlicher, begegnungsreicher Tag mit Zeit für Spass und Spiel.

BFH frequenz Dezember 2016


23 Jubiläum 2016

Pflege-Performance mitten in der Stadt An einem Frühlingsabend boten die Studierenden des Bachelor­ studiengangs ­P flege in der Stadt Bern eine «Pflege-Performance». Die Passanten staunten über die Darbietung, die ihnen mitten auf der Strasse geboten wurde.

Tag der offenen Tür Am 4. Juni 2016 öffnete der Fachbereich Gesundheit seine Türen. Die Gäste konnten sich von Bachelorstudierenden der Ernährung und Diätetik zu ihrer Kalziumaufnahme beraten lassen, erlebten im ­Bachelorstudiengang Pflege, wie Problem-based Learning gestal­tet wird, und erfuhren, welche pflegerischen und therapeutischen Handgriffe die Studierenden bereits vor ihrem ersten Praxismodul ausführen können. Besucherinnen und Besucher konnten in der Phy­ siotherapie diverse Tests machen und liessen sich in der Geburts­ hilfe zeigen, wie die Hebammenstudierenden heute auf das Beglei­ ten von Geburten vorbereitet werden. Mitarbeitende und Studierende boten den Gästen Einblicke ins Kom­ munikationstraining mit professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern, in diverse Forschungsprojekte des Fachbereichs Ge­ sundheit sowie in die Aktivitäten der Bibliothek. Besucherinnen und Besucher erlebten, wie praxisorientiert das Studium am Fachbe­ reich Gesundheit ist, und staunten über das Forschungslabor der Ernährung und Diätetik und das Bewegungslabor der Physiothe­ rapie. Studierende und Mitarbeitende wurden für ihren grossen ­Einsatz mit viel Interesse seitens der Gäste und positiven Rückmel­ dungen belohnt.

Physiowelten Am 26. April 2016 fand der Anlass «Physiowelten» statt, in dem drei Referentinnen und Referenten die Physiotherapie aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchte­ ten. Die Gäste bekamen einen Einblick in die Spezifität der Physiotherapie in der Pädiatrie, diskutierten die Frage, ob der «demografische Wandel» nur eine Floskel sei, und folgten den Ausführungen zu «Gangstörungen als häufige Kompen­ sationsmuster». Erfahrungen aus der Praxis und Erkenntnisse aus der Forschung wurden in den Vorträgen verknüpft. Eine Schlussfolgerung an diesem Abend war, dass gerade in der Physiotherapie «lebenslanges Lernen» ein wichtiges Thema ist. Dies gilt nicht nur für Patientinnen und Patienten, sondern auch für alle Berufsfachpersonen.

Symposium «Ethik und Spiritualität im Gesundheitswesen» Anlässlich des Symposiums vom 14. September 2016 wurden neues­ te Erkenntnisse zum achtsamen Management vermittelt. Die Teilneh­ menden erfuhren, was Zuhören bedeutet, um spirituelle Krisen beim Gegenüber wahrzunehmen. In den Workshops ging es darum, die Bedeutung der Spiritualität und Religion beim einzelnen Individuum herauszuarbeiten. So wurde das Konzept «Hoffnung» oder das The­ ma «Schuld und Sühne in der forensischen Psychiatrie» diskutiert. Die Referentinnen und Referenten zeigten die Wichtigkeit von «pa­ tientenzentrierten Bewusstseinsräumen» und des «Einbezugs von Betroffenen» als Ressource auf. Die Teilnehmenden bekamen zudem die Gelegenheit, Fallbesprechungen zu ethischen Dilemmata in der Pflege zu führen und erfuhren, was es heisst, achtsame Momente wertzuschätzen.

BFH frequenz Dezember 2016


24 Jubiläum 2016

Jubiläumsveranstaltung Colloque Santé An der Jubiläumsveranstaltung Colloque Santé vom 25. Oktober 2016 erläuterten Theresa Scherer (Leiterin BSc Pflege) und Stefan Wäffler (Leiter Lern-Center Fach­ bereich Gesundheit) Veränderungen der Ausbildungen in den Gesundheitsberufen auf Hochschulstufe. Sie stellten dem Publikum neue Entwicklungen der Lehrveran­ staltungen und Aspekte der Digitalisierung in der Hochschule vor. In der anschlies­ senden Podiumsdiskussion wurden die Ansprüche aus der Praxis an die Ausbildung sowie interprofessionelle Bereiche der Studiengänge in den Gesundheitsberufen diskutiert. Auch bei weiteren Veranstaltungen des Fachbereichs Gesundheit wurde das Jubi­ läumsjahr gefeiert: Reihe der Colloques Santé zur Berufsentwicklung, Massagetag in der Physiotherapie, Diätetik à la carte und Posterpräsentationen.

10 Jahre Pflegeforschung an der BFH 10 Jahre Pflegeforschung für und mit der Praxis an der Berner Fach­ hochschule BFH – das feierte die Abteilung angewandte Forschung und Entwicklung Pflege der BFH am 28. September 2016 mit Mitar­ beiterinnen und Mitarbeitern der BFH, Weggefährtinnen und Wegge­ fährten aus der Forschung sowie Vertreterinnen und Vertretern aus der Praxis. Das Forschungsteam um Sabine Hahn schaute auf eine ­zehnjährige Erfolgsgeschichte zurück und thematisierte Fragen, die es beschäftigen – gestern, heute und in Zukunft. Dass die Pflege­ forschung mit ihren Projekten am Puls der Praxis forscht, verdeut­ lichten Gäste der Lindenhofgruppe, des Domicil Bern und der Integ­ rierten Psychiatrie Winterthur-Zürich Unterland. Sie überbrachten nicht nur ihre Glückwünsche, sondern betonten, dass die Arbeit der Pflegeforschung «in der Praxis ankommt und bewegt».

BFH frequenz Dezember 2016


25 Jubiläum 2016

Besuchstag und Alumnianlass der Disziplin Geburtshilfe Der Besuchstag und der Alumnianlass der Disziplin Geburtshilfe vom 18. November 2016 boten einen Einblick in das Bachelorstudium Hebamme und in die Forschungstätigkeiten. Den rund 200 Besuche­ rinnen und Besuchern wurden Skills-Trainings des Bachelorstudi­ ums aus den Bereichen Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett präsentiert. An einzelnen Stationen erlebten Interessierte die ­Aufgaben der Hebamme hautnah mit, indem sie etwa Vitalzeichen des Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt beurteilten. Die ­Forschungsabteilung stellte in einem ersten Referat ihre Aktivitäten als praxisnahen Überblick vor. Zwei weitere Referate beleuchteten den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis und in die Lehre: ein Forschungsprojekt mit allophonen Migrantinnen und ih­ rem Bedarf an gesundheitlicher Versorgung sowie eine Bachelor­ arbeit, welche die Erfahrungen von Eltern, wenn ihr zu früh gebore­ nes Kind nach Hause kommt, thematisiert.

FollowUs Die Jubiläumsausgabe des FollowUs, der Event für Ehemalige, Studierende und ­Praxispartner des Master of Science in Pflege, fand am 16. November 2016 statt. Über 40 Anwesende erlebten einen spannenden Abend, der dieses Jahr im Zeichen der Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen stand. Expertinnen und Experten aus der pflegerischen und hausärztlichen Praxis, der Lehre und der Ökonomie warfen Schlaglichter auf das aktuelle und kontrovers diskutierte Thema. Sie referierten, stellten Fragen und verleiteten zu Diskussionen. Am anschliessenden Marktplatz hatten die Anwesenden die Gelegenheit, sich wei­ ter zum Thema auszutauschen. Zum Abschluss servierte das Organisationsteam des MSc in Pflege einen jubiläumswürdigen Apéro.

Gegenseitiges Kennenlernen – mit dem Sticker-Sammelalbum Zum Jubiläum bekamen alle Mitarbeitenden ein Album, für das wöchentlich neue Bilder zum Sammeln und Einkleben verteilt wurden. Wer bis Ende Jahr sein StickerSammelalbum gefüllt hat, nimmt an einer Verlosung teil.

Text: Stefanie Diviani-Preiswerk, Kommunikation BFH frequenz Dezember 2016


26 Hebamme

Einen beruflichen

Neustart als Hebamme wagen?! Das verkürzte Bachelorstudium Hebamme an der Berner Fachhochschule bietet diplomierten Pflegefachpersonen eine attraktive Möglichkeit, einen neuen Beruf mit akademischem Abschluss zu erlernen und der eigenen beruflichen Laufbahn eine neue Ausrichtung zu geben. Auch in der Praxis sind Hebammen mit vorgängiger Pflegeausbildung gefragt. Dennoch unterschreiten die Anmeldezahlen für das verkürzte Studium die gesetzten Zielvorgaben. Eine Umfrage bei Absolventinnen, Studentinnen und Interessentinnen geht den Gründen nach.

Tina Barmettler Dozentin Bachelorstudiengang Hebamme tina.barmettler@bfh.ch

Dorothée Eichenberger zur Bonsen Leiterin Disziplin Geburtshilfe und Bachelorstudiengang Hebamme dorothee.eichenberger@bfh.ch

Das verkürzte Bachelorstudium Hebamme richtet sich an diplomierte Pflegefachpersonen mit tertiärem Abschluss und ist kompetenzorientiert aufgebaut. Als einzige Bildungsstätte in der Deutschschweiz bietet die Berner Fachhochschule BFH seit 2009 dieses Programm an – 2015 wurde es von einem Vollzeit- auf ein Teilzeit­ angebot umgestellt, unter anderem, um den Bedürf­ nissen nach einer Teilzeitberufstätigkeit neben dem Studium besser gerecht zu werden. Diplomierte Pflege­ fachpersonen können sich im Teilzeitstudium inner­ halb von fünf Semestern (2 ½ Jahren) zur Hebamme ausbilden lassen. Bisher unterschreiten die Anmelde­ zahlen die vom Studiengang gesetzten Zielvorgaben allerdings noch. In einer Online-Umfrage durch den Bachelor­ ­ studiengang Hebamme wurden Interessentinnen, Stu­ dentinnen und Absolventinnen befragt: Was wird am Hebammenberuf geschätzt? Welche Gründe hindern potenzielle Kandidatinnen an einer Anmeldung? Wie zufrieden sind die Absolventinnen mit dem Studium?

Die Umfrage wurde an 183 Mailadressen verschickt. Komplett ausgefüllt haben den Fragebogen 68 Perso­ nen (alle weiblich, Altersdurchschnitt knapp unter 30 Jahren).

Wieso einen Zweitberuf erlernen?

Der Entscheid, als erfahrene Berufs- und Pflege­ fachperson ein Studium zu beginnen und erneut zur Berufsanfängerin, zum Berufsanfänger zu werden, ist einschneidend. Dazu braucht es Neugierde, Mut und die Bereitschaft, sich neues Wissen, neue Kompeten­ zen und eine neue Berufsidentität anzueignen. In der Umfrage wurden die Gründe für den beruflichen Neu­ start erfragt. Die meisten Befragten interessierten sich schon immer für den Hebammenberuf (72 %) und woll­ ten sich beruflich weiterentwickeln (33 %). Viele be­ tonen, dass sie sich durch den Berufswechsel mehr ­Eigenständigkeit und Verantwortung in der Ausübung des Berufes erhoffen und interessiert sind an einer frei­ beruflichen Tätigkeit. Als Erweiterung zur bisherigen

BFH frequenz Dezember 2016


27 Hebamme

Pflegetätigkeit freuen sie sich darauf, den Fokus auf ­einen physiologischen, gesunden Vorgang im Leben zu richten. Auch in der Praxis sind Hebammen mit ­vorgängiger Pflegeausbildung gefragt – beispielsweise aufgrund zunehmender Zahlen von Schwangeren mit chronischen gesundheitlichen Problemen, die in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett so gesund­ heitsfördernd als möglich betreut sein möchten. Für diese Aufgaben eignen sich Hebammen mit vorgängi­ ger Pflegeausbildung besonders.

Welche Stolpersteine stellen sich dem Studium in den Weg?

Die Befragten haben acht Faktoren danach beurteilt, ob diese das Studium für sie erschweren oder gar ­verunmöglichen (vgl. Abbildung). Die finanziellen As­ pekte und die mit dem Studium verbundene Lebens­ umstellung stellen sich als die stärksten Hin­de­r ungs­ gründe heraus.

Welche Faktoren können oder könnten für Sie die Aufnahme des Studiums erschweren oder verunmöglichen? 82

18

53

47

47

68

Verlust der aktuellen Arbeitsstelle

29

71

familiäre Situation

28

72

Studienprogramm / -bedingungen sagen nicht zu

25 0%

zu starke empirische / wissenschaftliche Orientierung des Studiums

61

32

zu grosse Lebensumstellung / Verlassen der persönlichen Komfortzone räumliche Entfernung zwischen Wohnort und Studienort

53

39

finanzielle Aspekte

75 20%

40%

trifft für mich zu

60%

zu viel Aufwand 80%

100%

trifft für mich nicht zu

Die erfragten Hinderungsfaktoren sind nach Wichtigkeit in absteigender Reihenfolge sortiert. Die Prozentangaben beziehen sich auf die Kategorien «trifft für mich zu» und «trifft für mich nicht zu».

Dass der finanzielle Aufwand für den Lebensunter­ halt während des Studiums herausfordernd sein kann, ist nachvollziehbar. Das Studium bringt Kosten (Stu­ diengebühren, Bücher, Fahrkosten, evtl. Betreuungs­ kosten etc.) mit sich und reduziert wegen der teilweise fehlenden Erwerbstätigkeit während der Studienzeit das Einkommen. Da es sich um eine Zweitausbildung handelt, können keine Stipendien beantragt werden. Überhaupt widmeten sich in der Umfrage mehrere Fragen dem Bereich Finanzierung. Rund die Hälfte der Befragten (52 %) finanziert sich das Studium selbst (durch Erspartes / Nebenverdienst). Weitere 36 % wäh­ len eine Mischform der Finanzierung (z. T. selbst finan­ ziert, z. T. Unterstützung). Hauptsächlich durch Un­ terstützung finanzieren sich 10 % der Befragten das Studium. Alle Befragten, die sich zunächst für das Studium interessiert, dann aber doch auf eine Anmeldung zur

Eignungsabklärung verzichtet haben, geben finan­ zielle und familiäre Gründe an (z. B. kleine Kinder). Un­ ter den Absolventinnen gibt es aber auch immer wieder Frauen, die Studium, Beruf und Familie erfolgreich ver­ einbaren und sich auf den neuen Beruf freuen.

Wie zufrieden sind die Studentinnen und Absolventinnen mit dem Studium?

Über 80 % der befragten Absolventinnen würden das Studium wieder absolvieren. 14 % sind sich dessen nicht sicher und begründen dies mit der finanziellen Belastung und der wissenschaftlichen Ausrichtung des Studiums. Das wissenschaftliche Arbeiten kann für Pflegefachpersonen ohne bisherigen Kontakt zur Wissenschaft ungewohnt sein. Deshalb schätzen die ­Befragten insbesondere den Praxisbezug von Dozie­ renden als bereichernd für den Transfer von wissen­ schaftlichen Erkenntnissen in den Praxisalltag ein.

Fazit und getroffene Massnahmen

Aus einer Berufstätigkeit heraus einen Neustart zu wagen, braucht Engagement und Motivation. Das Stu­ dienangebot ist attraktiv und die Studentinnen sind mehrheitlich zufrieden damit. Die Finanzierungsfrage und die Probleme bei Vereinbarkeit von Studium, Beruf und in einigen Fällen zusätzlich Familie sind nicht auf dieses Studienangebot beschränkt. Auch andere sich an Erwachsene richtende Anbieter von Aus- und Wei­ terbildungen sind damit konfrontiert. Die erwähnte Umstellung des Bachelorstudiengangs von Voll- auf Teilzeit ist indes nur eine Massnahme, die die Studien­ gangsleitung vorgenommen hat, um die Zielvorgaben bei den Anmeldezahlen zu erreichen. Weitere Mass­ nahmen betreffen die Informationsvermittlung an In­ teressentinnen und Interessenten. Neu ist an der Infor­ mationsveranstaltung eine Studentin anwesend, die aus eigener Erfahrung Auskunft zur Organisation von Studium und Beruf gibt. Zudem können Interessierte auf eine individuelle Studienberatung zurückgreifen und mit einer Dozentin konkrete Anliegen und Fragen zu Inhalten, Organisierbarkeit etc. besprechen. Auch in den Betrieben der Praxismodule erfahren die Stu­ dentinnen des Bachelorstudiengangs Hebamme mit vorgängiger Pflegeausbildung immer mehr Wertschät­ zung. So wird ihr Kompetenzprofil von immer mehr Ausbildungsbetrieben anerkannt und gefördert. Wir sind zuversichtlich, dass durch das attraktive Studien­ angebot und die guten beruflichen Chancen der Ab­ solventinnen die Studienplätze in Zukunft gut besetzt werden können und die Anmeldezahlen die Zielvor­ gaben erreichen werden. Dieser Artikel basiert auf einem umfassenderen Bericht zur Umfrage Typ II (unveröffentlicht). Literatur: Barmettler, T. (2016, unveröffentlicht). Bericht zur Umfrage Typ II. Bern: Berner Fachhochschule. Weiterführende Links: gesundheit.bhf.ch/hebamme

BFH frequenz Dezember 2016


28 Pflege

Good Clinical Practice –

Neu auch integriert in die Lehre

Prof. Dr. Petra Metzenthin Dozentin Master of Science in Pflege und Angewandte Forschung und Entwicklung Pflege petra.metzenthin@bfh.ch

Good Clinical Practice (GCP) oder auf Deutsch gute klinische Praxis hat nichts mit der praktischen Arbeit als Gesundheitsfach­ person zu tun, sondern bezeichnet international standardisierte Regeln für die wissenschaftlich anerkannte Durchführung von klinischen Studien. Es geht um ehtische Grundsätze in der Forschung. Ein bedeutsames Thema, das im Master of Science in Pflege und in Physiotherapie neu in die Lehre integriert wurde.

Forschung ist in Bachelor- und Masterstudiengän­ gen ein wichtiges Thema. In den Bachelorstudiengän­ gen steht insbesondere das Verstehen von Forschung im Vordergrund. Hier werden Grundlagen der Statistik, der Forschungsmethoden und damit des evidenzba­ sierten Arbeitens gelegt. Ziel ist es vor allem, wissen­ schaftliche Studien und deren Ergebnisse richtig zu verstehen. Dabei geht es auch um die Beurteilung der Studienqualität. In den Masterstudiengängen werden diese Themen vertieft. Hier lernen die Studierenden, wie man Studien von A bis Z plant und durchführt. Dazu gehört neben der theoriegeleiteten Entwicklung der Forschungsfrage und dem Anfertigen eines Projekt­ antrags auch die Umsetzung von Forschungsprojekten. Im Master of Science in Pflege an der Berner Fachhoch­ schule BFH erfolgt die erste praktische Übung dazu im Modul Forschungsmethoden II, wobei die Studierenden exemplarisch zwei kleine Studien erarbeiten. Im ersten Teil führen sie ein Projekt durch, in welchem sie quali­ tative Forschungsmethoden anwenden und Interviews zu einem bestimmten Thema führen. Diese werden dann verschriftlicht und analysiert. Im zweiten Teil stehen die quantitativen Forschungsmethoden im Vor­ dergrund. Die Studierenden entwickeln zu einem vor­ gegebenen Thema eine Fragestellung und setzen zur ­Beantwortung ihrer Forschungsfrage einen standardi­ sierten Fragebogen ein. Die Daten werden dann quanti­ tativ ausgewertet und dabei verschiedene statistische Verfahren vertieft. Der Leistungsnachweis ist ein «fer­ tiges» Paper, wie es üblicherweise nach Forschungs­ projekten in wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert

wird. Dies dient der Vorbereitung auf die Master-Thesis, in welcher die Studierenden eine empirische Studie durchführen. Wer forschen will, benötigt aber nicht nur Wissen über die Anwendung der richtigen Forschungsmetho­ dik, sondern auch fundiertes Wissen zum Thema Ethik in der Forschung. Schliesslich geht es in der ­Medizin und auch in den Pflege- oder Physiotherapiewissen­ schaften sowie anderen Gesundheits- und Sozial­ wissenschaften fast immer um die Forschung mit ­Menschen. Zwar testen unsere Studierenden keine Me­ dikamente, aber Untersuchungen zu Interventionen in der Physiotherapie oder Befragungen an Patientinnen und Patienten, beispielsweise zum Thema «Erleben ei­ ner Wachkraniotomie», sind unter Umständen risiko­ behaftet und die Teilnehmenden müssen besonders geschützt werden. Das heisst, auch wenn es sich um Qualifikationsarbeiten wie Masterthesen handelt, kann nicht «wild» an Personen geforscht werden, son­ dern es müssen zahlreiche Richtlinien eingehalten werden. Eine dieser Richtlinien ist das Humanforschungs­ gesetz (HFG), welches seit Januar 2014 in Kraft ist. Das Bundesgesetz regelt die Forschung am Menschen mit dem Ziel, die Würde, Persönlichkeit und Gesundheit des Menschen in der Forschung zu schützen. Das heisst auch, dass alle Forschenden genügend qualifiziert sein müssen, um Forschung am Menschen durchzuführen. Zu den Anforderungen gehört, dass die anerkannten

BFH frequenz Dezember 2016


29 Pflege

Regelungen über die wissenschaftliche Integrität ein­ gehalten, die wissenschaftliche Qualität gewährleistet und die anerkannten internationalen Regeln der «gu­ ten klinischen Praxis» über die Forschung eingehalten werden müssen. Zudem müssen die verantwortlichen Personen fachlich hinreichend qualifiziert sein (vgl. HFG, Artikel 10, Absatz 1). Jedoch unterscheiden sich viele Studiengänge be­ züglich der wissenschaftlichen Qualifikationen, und je nach Abschluss sind die potenziell Forschenden mehr oder weniger gut qualifiziert. Auch Studierende kurz vor dem Abschluss sind diesbezüglich in der Regel noch Novizinnen und Novizen. Daher wird im Rahmen des HFG von den Forschenden eine adäquate Weiterbil­ dung bezüglich der Forschung am Menschen verlangt. Um die Qualität der Weiterbildung gewährleisten zu können, wurden zertifizierte Kurse in «Good Clinical Practice» (GCP) eingeführt. Hier erwerben die For­ schenden das notwendige juristische und ethische Wissen zur Forschung an Menschen. Die Zertifikate der GCP-Kurse werden von den kantonalen Ethikkommis­ sionen bei der Einreichung von Forschungsprojekten verlangt und überprüft. Zwar erwerben die Studierenden des MSc in Pflege und des MSc in Physiotherapie innerhalb des Moduls «Klinische Ethik» respektive «Forschung und Ethik» Grundwissen zu Forschungsethik und gesetzlichen Grundlagen. Auch die Funktion und Zusammenset­ zung der nationalen und kantonalen Ethik­ kom­ mis­ sion(en) ist hier ein Thema. Im Modul «Forschungsplan und Evaluation» haben die Pflegestudierenden dann ­einen ganzen Tag zu ethischen Aspekten der eigenen Forschung. Hier fomulieren sie ihre ethischen Überle­ gungen, die im Zusammenhang mit ihrem gewählten Masterthema stehen. Daneben lernen sie das Manage­ ment von Ethikanträgen und das Erstellen von Studien­ informationen und Einverständniserklärungen. Um aber als Forschende eigene Projekte initiieren zu kön­

nen und entsprechende Anträge an die Ethikkommis­ sionen stellen zu dürfen, benötigen sie einen Nachweis in GCP. In Zusammenarbeit mit der Clinical Trial Unit (CTU) Bern, dem klinischen Studienzentrum der Universität Bern, konnte nun ein GCP-Kurs organisiert werden, der im Rahmen des Studiums stattfindet. Innerhalb des eintägigen Kurses werden die wesentlichen Inhalte vermittelt, die die Studierenden benötigen, um das ­nötige Zertifikat zu erwerben. Das Besondere dabei ist, dass das bereits innerhalb der Forschungsmodule vermittelte Wissen berücksichtigt und so ein massge­ schneiderter Kurs für die Studierenden des MSc in ­P flege und des MSc in Physiotherapie zusammenge­ stellt wurde. Diese Zusammenarbeit wurde 2014 vom MSc in Physiotherapie organisiert und konnte 2016 auch auf die Pflegestudierenden ausgeweitet werden. Ende September fand nun der erste GCP-Kurs für die Studierenden des MSc in Pflege statt. Die Studierenden erlebten den Kurs als gute Ergänzung zum bisherigen Wissen. Zudem ist es ein tolles Angebot, bereits inner­ halb des Studiums ein solches Zertifikat zu erwerben. Im Juni 2017 wird die Veranstaltung von der CTU erstmals gemeinsam für die Studierenden des MSc in Pflege und des MSc in Physiotherapie angeboten wer­ den. Das Angebot stärkt nicht nur die interprofessionel­ le Lehre, sondern nutzt auch Synergien zu anderen Ins­ titutionen, wie in diesem Fall der Universität Bern. Es ist sehr verdankenswert, dass die CTU sich hier so of­ fen zeigte, die Inhalte der Studiengänge anzuerkennen und uns ein massgeschneidertes Angebot zur Verfü­ gung zu stellen, und dass swissethics dieses Gesamtpa­ ket als Zertifikatskurs anerkannt hat. Vielleicht sind zukünftig noch in anderen Bereichen solche Angebote denkbar. Literatur: Bundesgesetz über die Forschung am Menschen (Humanforschungsgesetz, HFG). Inkrafttreten 01.01.2014

BFH frequenz Dezember 2016


30 Ernährung und Diätetik

reagiert auf Bedürfnisse des Marktes

Studiengang Ernährung und Diätetik

Die Nachfrage nach Ernährungsberaterinnen und -beratern in der Praxis ist gross. Im Bachelorstudiengang Ernährung und Diätetik der Berner Fachhochschule wurde deshalb der Numerus clausus auf 60 Studierende erhöht. Mit dem Projekt «Curriculum 2016» werden zudem die berufsspezifischen Kompetenzen in der Lehre gestärkt.

Prof. Peter Jacobs Dozent Bachelorstudiengang Ernährung und Diätetik peter.jacobs@bfh.ch

Prof. Adrian Rufener Dozent Bachelorstudiengang Ernährung und Diätetik adrian.rufener@bfh.ch

Ernährungsberaterinnen und -berater sind auf dem Arbeitsmarkt gefragte Fachleute. Selbst zentral gelege­ ne, grosse Kliniken berichten von Schwierigkeiten bei der Rekrutierung ausgebildeter Ernährungsberaterin­ nen und -berater. Zum selben Schluss kommt Andrea Mahlstein, Leiterin des Bachelorstudiengangs Ernäh­ rung und Diätetik der Berner Fachhochschule BFH, in einer kürzlich durchgeführten Erhebung. Daraus geht hervor, dass über 70 % der Studienabgängerinnen und -abgänger zum Zeitpunkt der Diplomierung eine An­ stellung haben. Ein halbes Jahr nach der Diplomierung sind bereits über 90 % als Ernährungsberaterin oder -berater angestellt. Auch der nationale Versorgungsbe­ richt für die Gesundheitsberufe 2016 unterstützt die­ sen Eindruck. Demnach deckte die Ausbildungstätig­ keit im Bereich Ernährung und Diätetik im Jahr 2014 nur circa 90 % des jährlichen Nachwuchs­bedarfs. Die­ se Hinweise von verschiedenen Seiten verdeutlichen, dass in der Schweiz mehr Ernährungsbe­ raterinnen und -berater ausgebildet werden müssen.

Erfreuliche Entwicklung bedeutet auch Herausforderungen

Die erhöhte Nachfrage ist sowohl für die Berufs­ gruppe der Ernährungsberaterinnen und -berater wie auch für den Bachelorstudiengang Ernährung und Diä­ tetik erfreulich. Sie macht deutlich, dass die Rolle und

der Stellenwert des Berufes im Gesundheitswesen an­ erkannt sind und die notwendigen Stellen geschaffen werden. Damit diese künftig auch besetzt werden kön­ nen, hat der Regierungsrat reagiert: Er erhöhte die Stu­ dierendenzahl per Studienjahr 2016/2017 von 55 auf 60. Für den Studiengang bedeutet diese Erhöhung (bei gleichbleibendem Ressourceneinsatz) einerseits eine Senkung der Kosten pro Studienplatz. Andererseits stellt sie den Studiengang in unterschiedlichen Berei­ chen vor Herausforderungen.

Mehr Studierende erfordern mehr Praxisausbildungsplätze …

Herausfordernd ist diese Entwicklung besonders für die Organisation der Praxisausbildung, erfordern doch mehr Studierende auch mehr Praxisausbildungsplätze. Obwohl die Anzahl verfügbarer Praxisplätze in den letzten Jahren erhöht werden konnte, ist immer wieder Motivationsarbeit bei den Betrieben nötig, um allen Studierenden in jedem Semester einen Praxisausbil­ dungsplatz zu garantieren. Die Erhöhung des Numerus clausus veranlasste das Ressort Praxisausbildung des­ halb zu Massnahmen, um mehr Praxisausbildungs­ plätze sicherzustellen: Zum einen starteten die Ressort­ verantwortlichen eine Akquise, mit der zusätzliche Praxisausbildungsbetriebe in neuen Berufsfeldern wie Pflege- und Altersheimen sowie Beratungsstellen in

BFH frequenz Dezember 2016


31 Ernährung und Diätetik

der Industrie gewonnen wurden. Zum anderen wurde im Rahmen des Projekts «Curriculum 2016» (siehe un­ ten) das zweiwöchige Praxismodul im ersten Semester gestrichen, was zu einer Entlastung der Situation führ­ te. Mittelfristig könnte die Situation weiter entschärft werden, wenn der Studiengang die Anzahl der Praktika sowie den Gesamtumfang von ­aktuell 38 Wochen wei­ ter reduzieren würde. Zur Verdeutlichung: 5 Praktika mit je 60 Studierenden ergeben einen jährlichen Be­ darf von 300 Plätzen über drei Studienjahre. Bei drei Praktika wären es nur noch 180 Plätze. Im internatio­ nalen Vergleich ist der Anteil der praktischen Ausbil­ dung im Bachelorstudiengang Ernährung und Diätetik der BFH mit Abstand am grössten. Eine Reduktion des Anteils der Praxisausbildung am Grundstudium wäre demnach vertretbar.

… sowie organisatorische, personelle und räumliche Ressourcen

Die beschriebene Entwicklung ist auch für die Durchführung der Kontaktlehre und der Kompetenz­ nachweise herausfordernd – denn mehr Studierende bedeuten mehr Aufwand. In jenen Modulen beispiels­ weise, in denen Skills geübt werden, bedarf es auf­ grund der Erhöhung des Numerus clausus organisato­ rischer Anpassungen. Einerseits müssen für praktische Übungen in Kleingruppen grössere Zeitfenster im be­ reits heute dichten Stundenplan eingesetzt werden. Andererseits benötigt es mehr Dozierende und Schau­ spielende und nicht zuletzt genügend Räumlichkeiten.

Weiterentwicklung des Curriculums

Seit dem Start der Ausbildung auf Fachhochschul­ niveau im Jahr 2007 wurden im Bachelorstudiengang Ernährung und Diätetik fortwährend kleinere Optimie­ rungen zur besseren Vernetzung und Abstimmung zwi­ schen einzelnen Modulen umgesetzt. Angesichts des steigenden Bedarfs an Ernährungsberaterinnen und -beratern in der Praxis forcierte der Bachelorstu­ diengang die Diskussion über Anpassungen des Curri­ culums. Hinzu kamen Rückmeldungen vonseiten der Praxisbetriebe und Studierenden, die eine Weiterent­ wicklung des Curriculums zusätzlich bekräftigten. ­Lücken wurden insbesondere im Bereich von Kern­ kompetenzen, wie dem Wissen über Lebensmittel oder ernährungstherapeutischem Wissen, welches in die Praxis übertragen werden kann, identifiziert.

Stärkere Gewichtung ernährungstherapeutischer Inhalte

Den Diskussionen und Rückmeldungen wird mit dem Projekt «Curriculum 2016» Rechnung getragen. Zuvorderst steht der Anspruch, die berufsspezifischen Kompetenzen in der Lehre weiter zu stärken. Unter­ stützt von der Fachstelle Hochschuldidaktik der BFH, Dr. Corinne Tiaden als Moderatorin und unter Mitwir­ kung von Vertreterinnen und Vertretern aus der Praxis erarbeitete das Team des Bachelorstudiengangs Ernäh­ rung und Diätetik ein angepasstes Curriculum. Nach bislang zwei Jahren harter Arbeit war es nun so weit: Das Stu­ dienjahr 2016/2017 startete mit neuen und

überarbeiteten Inhalten. Einzelne Module wurden gänzlich gestrichen oder aber in andere integriert. Dies schafft Zeit und Raum für ernährungstherapeutische Inhalte, die fortan nicht nur stärker gewichtet, sondern auch besser im Studium verteilt sind. Kamen die Stu­ dierenden zuvor erst im zweiten Studienjahr mit der Betreuung von Kranken in Berührung, durchziehen forthin solche Inhalte das gesamte Studium als roter Faden. Aufgrund dieser Veränderungen sollen die Stu­ dierenden des Bachelorstudiengangs Ernährung und Diätetik besser auf die Anforderungen der Praxis vor­ be­reitet werden. Aktuellen berufsspezifischen, wissen­ schaftlichen und gesundheitspolitischen Entwicklun­ gen wurde dabei entsprochen. Ziel der Stärkung der berufsspezifischen Kompetenzen ist somit eine Schär­ fung des Profils der Ernährungsberaterin, des Ernäh­ rungsberaters. Damit offenbart das «Curriculum 2016» eine zusätzliche Stärke, die gerade angesichts des par­ allel auf Ebene des Fachbereichs Gesundheit laufenden Projekts «Curriculum 2020» bedeutsam wird: Durch die intensive Auseinandersetzung mit berufsspezifi­ schen Aspekten des Studiums schafft es einen frucht­ baren Nährboden für die Auseinandersetzung mit dar­ über hinausgehenden, interprofessionellen Aspekten.

Veranstaltungsreihe «Bewusst aufgetischt» Das BFH-Zentrum Nahrungsmittelsysteme, ein ForschungsNetzwerk der BFH, nimmt Fragen rund um die Verantwortung in unserem Nahrungssystem unter die Lupe. 17.1.2017 Food Waste: Die Konsument/innen in der Pflicht Lebensmittelverschwendung in der Schweiz Mit Dominique Kohli, Vizedirektor Bundesamt für Landwirtschaft, und Thomas Brunner, Dozent für Konsumentenverhalten BFH-HAFL 21.2.2017 Zu viel Zucker zugeführt? Zwischen Gesundheit und Geschmack Mit Esther Infanger, Bundesamt für Lebensmittel­ sicherheit und Veterinärwesen, und Marie-Noëlle Falquet, Dozentin für Lebensmitteltechnologie BFH-HAFL 21.3.2017 Ernährung im Alter Akteure und deren Handlungsfelder Mit Karin Haas, Mitglied der eidg. Ernährungskom­ mission und Dozentin Ernährung und Diätetik, BFH-Gesundheit, Liliane Bruggmann, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, sowie Adrian Rufener, Dozent Ernährung und Diätetik, BFH-Gesundheit Die Veranstaltungen sind öffentlich und finden jeweils von 18 bis 20 Uhr an der BFH-HAFL in Zollikofen statt, mit Diskussion und Apéro. Eintritt frei. Anmeldung unter bfh.ch/foodsystems/veranstaltungen

BFH frequenz Dezember 2016


32 Ernährung und Diätetik

«Der Ernährungstherapeutische Prozess» –

Lehrbuch für Studium, Lehre und Praxis

Prozessmodelle wurden in den letzten Jahren und Jahrzehnten in verschiedenen Professionen eingeführt. Dabei stehen sowohl der Qualitätsgedanke wie auch die Professionsentwicklung im Vordergrund. Doch welchen Nutzen haben Prozessmodelle aus didaktischer Sicht? Dieser Frage hat sich eine Arbeitsgruppe des Studiengangs Ernährung und Diätetik gewidmet. Antworten liefert das entstandene Lehrbuch – seit Frühling 2016 im Handel erhältlich – entlang des ernährungstherapeutischen Prozesses.

Prof. Adrian Rufener Dozent Bachelorstudiengang Ernährung und Diätetik adrian.rufener@bfh.ch

Prof. Sandra Jent Dozentin Bachelorstudiengang Ernährung und Diätetik sandra.jent@bfh.ch

Ausgerichtet auf die Bedürfnisse von Berufseinstei­ gerinnen und Berufseinsteigern ist das Ziel des Lehr­ buchs, mögliche Handlungsanleitungen für die ersten Schritte im Berufsfeld zu beschreiben. Das Autoren­ team geht von der Grundhaltung aus, dass ein idealty­ pisches Prozessmodell und die damit verbundene prä­ zise Beschreibung von Denk- und Arbeitsprozessen den Transfer von theoretischem Wissen in praktisch an­ wendbares Handlungswissen unterstützen kann. Dies soll die Qualität der Ausbildung von Ernährungsberate­ rinnen und Ernährungsberatern steigern. Bisherige Forschungsresultate, insbesondere aus der Pflege, las­ sen den Schluss zu, dass die an einem Prozessmodell orientierte Arbeit die Versorgungsqualität fördern kann. Dies bedingt, dass die Prozessmodelle verstan­ den und angewendet werden können. Genau diesen Ansatz verfolgen die Autorinnen und Autoren mit dem Lehrbuch «Der Ernährungstherapeutische Prozess».

Das Lehrbuch ist in zwei Teile unterteilt. Im ersten Teil werden die Grundlagen des Handlungsfelds, des Expertinnen- und Expertenwissens und der Expertise­ entwicklung besprochen sowie fachdidaktische As­ pekte und Reflexionskompetenzen erläutert. Auch der Nutzen von Prozessmodellen und die Stärken einer standardisierten Sprache werden diskutiert. Gerade die Grundlagenkapitel richten sich nicht nur an Ernäh­

Gerade die Grundlagenkapitel richten sich nicht nur an Ernährungsberaterinnen und -berater, sondern eignen sich auch für Fachpersonen aus der Pflege, Physiotherapie oder Geburtshilfe.

BFH frequenz Dezember 2016


33 Ernährung und Diätetik

ernährungstherapeutisches Assessment

Auftrag Ernährungstherapie

ernährungstherapeutische Diagnose Dokumentation interdisziplinäre Zusammenarbeit

ernährungstherapeutische Planung fach- und fallbezogene Vorbereitung ernährungstherapeutische Interventionen Reflexion ernährungstherapeutisches Monitoring und Evaluation

Abschluss Ernährungstherapie

beteiligte Personen und Berufsgruppen

Klientin/Klient

ernährungstherapeutische Fachperson

Der ernährungstherapeutische Prozess (ETP) (eigene Darstellung)

rungsberaterinnen und -berater, sondern eignen sich auch für Fachpersonen aus der Pflege, Physiotherapie oder Geburtshilfe. Im zweiten Teil beleuchten die Auto­ rinnen und Autoren die einzelnen Schritte des ernäh­ rungstherapeutischen Prozesses und erörtern dessen Nutzen als didaktisches Hilfsmittel für den Erwerb von Handlungskompetenzen. Da für viele der beschriebe­ nen Aspekte wenig professionsspezifische Literatur vorhanden ist, wird im Buch auch auf Modelle und Er­ kenntnisse aus angrenzenden Disziplinen – wie etwa der Pflege, der Physiotherapie und der sozialen Arbeit – zurückgegriffen.

Profitieren Sie vom exklusiven Sonderangebot: Senden Sie eine E-Mail mit dem Betreff «Sonderangebot: Rufener_85501» an vertrieb@hogrefe.ch und Sie erhalten bis zum 1. Juni 2017 20 % Rabatt. Mit diesem QR-Code können Sie dem Hogrefe Verlag direkt eine Nachricht mit Ihrer Bestellung senden.

Das Buch leistet einen Beitrag zur Auseinanderset­ zung mit den Handlungen und der Rolle von Ernäh­ rungsberaterinnen und -beratern. Damit unterstützt es nicht nur die Diskussion des Professionsverständnis­ ses, sondern steigert die Qualität der Betreuung von Menschen mit bestehenden Ernährungsproblemen. Literatur: Rufener, A. & Jent, S. (2016). Der Ernährungstherapeutische Prozess – Lehrbuch für Studium, Lehre und Praxis. Bern: Hogrefe Verlag.

BFH frequenz Dezember 2016


34 Physiotherapie

Praktikumsplätze:

Bald auch in privaten Praxen?

Stefanie Zurbuchen Wissenschaftliche Mitarbeiterin stefanie.zurbuchen@bfh.ch

Angehende Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten der Berner Fachhochschule absolvieren ihre Praxisausbildung ausschliesslich im klinischen Bereich. Dadurch lernen sie zentrale Einsatzgebiete der Physiotherapie möglicherweise erst nach der Ausbildung kennen. Die Motion «Praktikumsplätze in privaten Praxen und ausserklinischen Bereichen» soll dies ändern. Sie ist ein Schritt in Richtung ganzheitliche praktische Ausbildung der Studierenden der Gesundheitsberufe.

An der Berner Fachhochschule BFH wird der Praxis­ bezug während der Ausbildung grossgeschrieben. So auch am Fachbereich Gesundheit. Ein Drittel ihres ­dreijährigen Bachelorstudiums absolvieren die Studie­ renden im praktischen Umfeld. Im Anschluss an das Hauptstudium begeben sich die Studierenden aber­ mals in obligatorische Praxismodule im Umfang von zehn Monaten. Die praktische Ausbildung findet heute ausschliesslich im klinischen Bereich in Spitälern, Spezialkliniken, Alters- und Pflegeheimen sowie an­ deren spitalähnlichen Institutionen statt. In privaten ­Praxen und weiteren ausserklinischen Settings wer­den keine praktischen Ausbildungsplätze angeboten. Rechtliche Bestimmungen verunmöglichen dies.

Kluft zwischen Ausbildung und Praxis

Das gegenwärtige Spektrum an Einsatzgebieten, wie es die Praxisausbildung am Fachbereich Gesundheit abdeckt, entspricht nicht der beruflichen Realität. Zur­ zeit verschieben sich die Einsatzgebiete in den Gesund­ heitsberufen vermehrt vom klinischen Bereich hin zu privaten Praxen und weiteren ausserklinischen ­Settings. Anhand der Physiotherapie lässt sich dies ­exemplarisch aufzeigen: Rund die Hälfte der Physio­ therapeutinnen und Physiotherapeuten sind nicht im klinischen Bereich tätig, sondern vielmehr in Ein­ satzgebieten, die die privaten Physiotherapie- oder Gruppenpraxen abdecken – so etwa Rehabilitation, Langzeitbehandlungen, Domizilbehandlungen, Ge­ sundheitserhaltung und Prävention.

Aufgrund von rechtlichen Bestimmungen bieten private Praxen und andere ausserklinische Leistungs­ erbringer keine Praktikumsplätze an. Die im ausserkli­ nischen Bereich erbrachten Leistungen dürfen näm­ lich gemäss Verordnung über die Krankenversicherung nur durch diplomierte Physiotherapeutinnen und Phy­ siotherapeuten erbracht und abgerechnet werden (vgl. KVV Art. 47). Zwischen Ausbildung und Praxis besteht folglich eine Kluft: Wichtige Bildungsinhalte und Kompetenzen aus dem ausserklinischen Bereich werden den Studie­ renden lediglich theoretisch oder in Übungssequenzen im Rahmen der Lehrveranstaltungen an der BFH ver­ mittelt. Bisweilen lernen die Studierenden typische Einsatzgebiete der Physiotherapie gar erst nach dem Studium kennen. Was hier im Speziellen für die Physio­ therapie aufgezeigt wird, gilt auch für die Studiengänge Hebamme, Ernährung und Diätetik sowie Ergothera­ pie1: Es droht ein Qualitäts- und Kompetenzverlust.

Motion «Praktikumsplätze in privaten Praxen und ausserklinischen Bereichen»

An dieser Stelle knüpft die Motion «Praktikumsplät­ ze in privaten Praxen und ausserklinischen Bereichen» an, die die Kommission für soziale Sicherheit und Ge­ sundheit SGK des Nationalrats im April 2016 einge­ reicht hat. Der Bundesrat wird mit der Motion beauf­ tragt, folgende Anpassung des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung vorzunehmen: Die Ausbildungs­

BFH frequenz Dezember 2016


35 Physiotherapie

tätigkeit für nichtuniversitäre Gesundheitsberufe in privaten Praxen und weiteren ausserklinischen Berei­ chen soll analog zur Ausbildung im klinischen Bereich ermöglicht werden. Der Zugang für die Studierenden zu Lernfeldern in allen praxisrelevanten Bereichen wird gesichert und damit einhergehend der Ausbildungs­ erfolg der Fachhochschulstudiengänge in der Gesund­ heit. Die aktuelle Zahl an Praktikumsplätzen ist be­ schränkt und die Fachhochschulen stossen bei der Auf­ nahme von weiteren Studierenden an ihre Kapazitäts­ grenzen. Praxiseinsätze in privaten Praxen und im ausserklinischen Bereich könnten dieser Einschrän­ kung entgegenwirken: Eine grössere Anzahl Prakti­ kumsplätze ermöglicht den Fachhochschulen eine

Die Annahme der Motion im Nationalrat ist ein kleiner Meilenstein auf einem langen, steinigen Weg. grössere Flexibilität in der Bewirtschaftung der Praxis­ module. Eine Erhöhung der Ausbildungszahlen ist im Weiteren nur möglich, wenn insgesamt mehr Prakti­ kumsplätze zur Verfügung stehen. Erst dann können mit einem entsprechenden Regierungsratsbeschluss

zum Numerus clausus mehr Personen in den Gesund­ heitsberufen ausgebildet werden. Die Anpassung im Bundesgesetz soll ausserdem eine Gleichberechtigung von klinischem und ausser­ klinischem Bereich in Bezug auf die Ausbildungsfinan­ zierung schaffen. Heute können im klinischen Bereich die Ausbildungskosten über die Fallpauschalen ab­ gegolten werden – in privaten Praxen und anderen ­ausserklinischen Bereichen besteht diese Möglichkeit nicht. Am 7. Juni 2016 wurde die Motion im Nationalrat an­ genommen, im August in der SGK des Ständerats be­ handelt; sie befindet sich aktuell auf dem Weg in den Ständerat. Die Annahme der Motion im Nationalrat ist ein kleiner Meilenstein auf einem langen, steinigen Weg. So gilt es zu bedenken, dass zumindest in der Phy­ siotherapie die Diskussion um geeignete Bereiche für die Praxisausbildung bereits vor Jahren entbrannte, noch bevor die Ausbildung 2006 auf FH-Stufe gehoben wurde. Dennoch ist der Weg zu einer Gesetzesände­ rung, zur Umsetzung in die Praxis und damit zur ganz­ heitlichen praktischen Ausbildung der Studierenden der Gesundheitsberufe noch weit. 1

Ergotherapie gehört nicht zum Studienangebot der Berner Fachhochschule BFH.

BFH frequenz Dezember 2016


36 Forschung

place to be

EDCNS – the für Doktorierende der Gesundheits- und Pflegewissenschaften «This conference was exemplary.» Diese Worte bilden das Fazit der 16. European Doctoral Conference in Nursing Science (EDCNS). Nationale und internationale Referentinnen und Referenten – prominente Forschende wie auch Nachwuchs­forscherinnen und -forscher – präsentierten an der Berner Fachhochschule ihre Forschungsprojekte. Über 100 Personen aus dem Feld der Gesundheits- und Pflegewissenschaften nahmen teil. Ein Blick zurück auf zwei Tage, die sich dem Thema «Nursing Science: shaping tomorrow’s healthcare» widmeten.

Friederike J. S. Thilo Wissenschaftliche Mitarbeiterin Angewandte Forschung und Entwicklung Pflege friederike.thilo@bfh.ch

Prof. Dr. Sabine Hahn Leiterin Angewandte Forschung und Entwicklung Pflege Leiterin Disziplin Pflege sabine.hahn@bfh.ch

Die Akademisierung und die Möglichkeit, eine wis­ senschaftliche Karriere einzuschlagen, sind inzwi­ schen fester Bestandteil der Profession Pflege. Dies gelingt nur mit Strukturen, die Nachwuchswissen­ ­ schaftlerinnen und -wissenschaftler fördern, fordern und auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten. Dabei spielt die nationale und internationale Vernet­ zung eine entscheidende Rolle. Am 16. und 17. Septem­ ber 2016 fand an der Berner Fachhochschule BFH die 16. European Doctoral Conference in Nursing Science (EDCNS) statt. Diese bot 80 Doktorierenden eine geeig­ nete Plattform, ihre Kompetenzen weiterzuentwickeln. Primäre Zielgruppe der unter dem Thema «Nursing Science: Shaping tomorrow’s healthcare» laufenden Konferenz waren denn auch Doktorierende der Ge­ sundheits- und Pflegewissenschaften, die nicht nur aus allen Ecken der Schweiz, sondern aus ganz Europa, den USA und China anreisten. Aus ihren Reihen setzte

sich auch das Organisationsteam zusammen. Friederi­ ke J. S. Thilo (Wissenschaftliche Leiterin), Birgit Hecke­ mann, Karin A. Peter und Monica Fliedner, vier Dokto­ randinnen des «Doctoral Programme Nursing Science» der Universität Maastricht, der Medizinischen Univer­ sität Graz und der BFH, organisierten die Konferenz. Reto Nause, Gemeinderat der Stadt Bern, eröffnete am Freitag die EDCNS feierlich. Während der folgen­den zwei Konferenztage präsentierten Doktorierende Forschungsergebnisse in Parallelveranstaltungen und Posterpräsentationen, diskutierten diese kritisch und vernetzten sich. Das beste Poster und die beste mündli­ che Präsentation wurden prämiert. Sechs international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft­ ler inspirierten zudem mit Plenarreferaten und Work­ shops und regten zur wissenschaftlichen Diskussion an.

BFH frequenz Dezember 2016


37 Forschung

Den Auftakt der Plenarreferate machten Prof. Maria Katapodi von der Universität Basel und Prof. AnneSylvie Ramelet von der Universität Lausanne. Sie be­ leuchteten die Entwicklung der akademischen Ausbil­ dung von Pflegenden im nationalen sowie inter­ na­tionalen Kontext und veranschaulichten den dadurch für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft ge­ wonnenen Mehrwert. Im Anschluss überzeugte Prof. Inger Ekman, Universität Göteborg, Schweden, mit ih­ rem Vortrag zum Thema Personenzentrierte Pflege. Ihre Studien zeigen eindrücklich die grossen Auswir­ kungen dieses Ansatzes auf Qualitätsverbesserung und Effizienz der Gesundheitsversorgung auf. Am ­Freitagnachmittag diskutierten die Teilnehmenden im Rahmen eines Workshops den Implementierungspro­ zess von Personenzentrierter Pflege im klinischen Set­ ting. Im parallel dazu veranstalteten Workshop bear­ beiteten die Doktorandinnen und Doktoranden unter fachkundiger Leitung der Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. Gabriele Meyer, Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Deutschland, die Anforderungen ­ und Fallstricke in der Planung und Durchführung von Interventionsstudien in der Pflegeforschung. Am Samstag begeisterte Prof. Glenn Robert, King’s College London, England, mit dem Plenarreferat «Pa­ tients and staff as co-designers of healthcare services». Er legte dar, wie der Ansatz des Co-designs das heutige und zukünftige Gesundheitssystem im Sinne der Quali­ tätsoptimierung nachhaltig verändert. Im nachmittäg­ lichen Workshop vertiefte er die Umsetzung des Co-de­ signs im klinischen Alltag und in Forschungsprojekten.

Das abschliessende Plenarreferat der EDCNS hielt Dr. John Dinsmore, Trinity College Dublin, Irland. Er griff mit «Linking research to industry: what is the future for EU health research?» ein für die Pflege zunehmend re­ levantes Thema auf. Im darauf folgenden Workshop legte er dar, wie solche Kooperationen zu einer Winwin-Situation für alle Beteiligten führen. Ein weiteres Highlight war das Rahmenprogramm. Es ermöglichte den Teilnehmenden, mehr über Bern, die Schweiz und das Schweizer Gesundheitssystem zu erfahren. Unter anderem führte die Lindenhofgruppe eine ideal auf die Zielgruppe ausgerichtete Führung im Lindenhofspital durch. Eine erfolgreiche Organisation sowie inspirierende und nachhaltige wissenschaftliche Diskurse prägten die EDCNS, was sie zu einer entscheidenden Plattform für Doktorierende macht. Wir danken den Sponsoren für die grosszügige Unter­ stützung der EDCNS: Stiftung Lindenhof, Swiss National Foundation (SNF), Stiftung Pflegewissenschaft Schweiz, Inselgruppe, Universitäre Psychiatrische Dienste Bern, Schweizerischer Verein für Pflegewissenschaft (6 AfGs), SBK Sektion Bern, Druckerei Bubenberg, Huber Verlag, Pflegenetz und BFH. Sie trugen entscheidend zur erfolg­ reichen Durchführung der EDCNS bei. Link: gesundheit.bfh.ch Geben Sie im Suchfeld «EDCNS» ein, so gelangen Sie zum Programm, den Sponsoren und weiteren Informationen.

BFH frequenz Dezember 2016


38 Weiterbildung

Kopfschmerzen

in der Physiotherapie

Stefanie Diviani-Preiswerk Kommunikation stefanie.diviani@bfh.ch

Ab Frühjahr 2017 bietet die Weiterbildung Physiotherapie der Berner Fachhochschule den Fachkurs Craniocervicale Dysfunktionen an. In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft «CCS Konzept Lehre und Therapie craniocervicaler Syndrome Schulze, Kubat, Feurer GBR» ist dieses Angebot in der Schweiz einzigartig.

Salomé R. kennt Kopfschmerzen seit vielen Jahren. Mehrere Therapien hat sie ausprobiert, unzählige Spe­ zialistinnen und Spezialisten konsultiert und im Inter­ net immer wieder nach neuen Behandlungsformen ge­ sucht. Doch die pochenden Schmerzen kombiniert mit Spannungen im Nacken lassen sie nicht in Ruhe. Manchmal hält Salomé es kaum aus. Ihr privates Um­ feld hat viel Verständnis und unterstützt sie. Doch das intensive Schmerzerleben beeinträchtigt die Lebens­ qualität von Salomé R. stark. In diesem oder einem ähnlichen Wortlaut könnten zahlreiche Physiotherapeutinnen und Physiotherapeu­ ten eine ihrer Schmerzpatientinnen beschreiben. Das Behandeln und Begleiten von Patientinnen und Pa­ tienten, die unter starken und teilweise chronischen Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich leiden, gehört zu den Herausforderungen, mit denen viele klinisch tätige Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten konfrontiert sind.

Patientinnen und Patienten im Zentrum

Am Fachbereich Gesundheit der Berner Fachhoch­ schule BFH wird 2017 erstmals der Fachkurs Cranio­ cervicale Dysfunktionen angeboten. Zu den cranio­ cervicalen Dysfunktionen zählen Kopfschmerzen, Schwindel, Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule und des Nackens sowie im Bereich des Kiefergelenks. Der Aufbau dieser Weiterbildung stellt Patientinnen und Patienten ins Zentrum. Die teilnehmenden Physio­ therapeutinnen und -therapeuten lernen neue Befundund Behandlungstechniken, die im Therapiealltag ­unmittelbar den Patientinnen und Patienten zugute­ kommen.

Mit den Gründerinnen des CCS Konzept Lehre und Therapie craniocervicaler Syndrome, Heike Kubat, Elke Schulze und Ima Feurer, konnten drei sehr erfah­ rene Physiotherapeutinnen gewonnen werden, die im Fachkurs ihr Wissen weitergeben. Im Gespräch mit Heike Kubat wird schnell deutlich, dass die Physio­ therapie viele ganz verschiedene Behandlungsmög­ lichkeiten bei craniocervicalen Dysfunktionen kennt. In der Regel können nicht alle Behandlungskonzepte bereits während des Bachelorstudiums vermittelt wer­ den. Entsprechende Weiterbildungsangebote sind deshalb unumgänglich. Dazu gehört, dass die Teil­ ­ nehmenden Behandlungsmassnahmen nicht losgelöst lernen, sondern deren differenzierten Einsatz und die entsprechenden Krankheitsbilder kennenlernen.

Warnsignale in der Physiotherapie

Wie bei jedem klinischen Denkprozess der Physio­ therapie stehen am Anfang Anamnese und Befund. Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten stellen spezifische Fragen, mit denen sie die Symptome der ­Patientin oder des Patienten möglichst genau erfassen. Werden Symptome genannt, die auf eine craniocervica­ le Dysfunktion hinweisen, hat die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut die Verantwortung, soge­

Fachkurs Craniocervicale Dysfunktionen Nächste Durchführung: Mai–September 2017 Weitere Informationen: gesundheit.bfh.ch Web-Code: K-PHY-20

BFH frequenz Dezember 2016


39 Weiterbildung

gibt, die eine Linderung der Sympto­ me in Aussicht stellen. Immer wieder betont die Expertin, dass die Rolle der Physiotherapeutin oder des Physio­ therapeuten auch darin besteht, Pa­ tientinnen und Patienten im Umgang mit dem Krankheitsbild zu stärken.

Evidenzbasiert und auf die Praxis fokussiert

nannte «Red Flags» zu erkennen. Red Flags sind Symp­ tome, die als Warnhinweise erkannt werden sollten. In den allermeisten Fällen sind Kopfschmerzen gutartige, wiederkehrende Schmerzereignisse. Das Beachten von Warnzeichen und die Differenzierung von Symptomen und Befunden, die auf bestimmte Pathologien hinwei­ sen, sind jedoch absolut notwendig. Sowohl Patien­ tinnen und Patienten wie auch behandelnde Physio­ therapeutinnen und -therapeuten kennen Ängste in Verbindung mit craniocervicalen Beschwerden. Fach­ wissen und spezialisierte Kenntnisse können Ängste abbauen und in der Behandlung Sicherheit geben. Pa­ tientinnen und Patienten mit Schmerzen oder cranio­ cervicalen Dysfunktionen haben oft eine lange Lei­ densgeschichte. Das Schmerzerleben prägt den Alltag und häufig ist ein Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben eine der Folgen. Aus ihrer langjährigen Erfah­ rung kann Heike Kubat mit Überzeugung sagen, dass es durchaus therapeutische Behandlungskonzepte

Innerhalb des Fachkurses lernen Physiotherapeutinnen und Physio­ therapeuten eine präzise und diffe­ renzierte Untersuchung und Analyse von craniocervicalen Symptomen. Die Weiterbildung ist sehr praxisnah ausgerichtet. Untersuchungs- und Behandlungstech­ niken werden de­ monstriert und geübt. Die prakti­ schen Anteile sind verknüpft mit neu­ esten Forschungserkenntnissen. Die Teilnehmenden erwerben im Fach­ kurs aber nicht nur Wissen und neue Fertigkeiten, sondern erkennen auch Grenzen der eigenen Behandlung. Craniocervicale Dysfunktionen stellen ein komplexes Krankheitsbild dar. Sehr oft sind in der Behandlung weitere Spezialistinnen und Spezia­ listen gefragt. Dazu gehören die zuweisenden Ärztinnen und Ärzte, ­ Psychologinnen und Psychologen, Expertinnen und Experten der Atem­ therapie oder weiterer spezialisierter Therapien etc. Die Inhalte des Fachkurses sind auf die Praxis ausgerichtet. Komplexe Krankheitsbilder werden in Zukunft eher zunehmen. Umso wichtiger ist es, dass Pa­tientinnen und Patienten in der Physiotherapie gut ausgebilde­ te Spezialistinnen und Spezialisten finden, die sie gezielt behandeln können und ihnen da­ mit eine neue Perspektive geben.

Neue Studienleiterin in der Weiterbildung Physiotherapie BFH Dajana Schneider arbeitet seit August 2016 als Stu­ dienleiterin in der Weiterbildung. Nach dem Stu­ dium Bachelor of Science in Physiotherapie an der BFH hat Dajana Schneider mehrere Jahre als Physio­ therapeutin im Bürgerspital Solothurn gearbeitet. Aktuell studiert sie an der BFH im Master of Science in Physiotherapie. Gemeinsam mit dem Studien­ leiter Stefan Zuber ist sie für das praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Weiterbildungsangebot der Physiotherapie an der BFH verantwortlich. Kontakt: dajana.schneider@bfh.ch

BFH frequenz Dezember 2016


40 Dienstleistung

Kommunikationsschulungen mit Forumtheater

Stefanie Diviani-Preiswerk Kommunikation stefanie.diviani@bfh.ch

Der Fachbereich Gesundheit der Berner Fachhochschule bietet für externe Gruppen und Teams Seminartage mit individuellen Kommunikationstrainings und Schulungen mit Forumtheater an. Im Forumtheater werden für externe Kundinnen und Kunden herausfordernde Situationen erarbeitet, die Stolpersteine in der Kommunikation beinhalten und ein grosses Übungsfeld bieten.

Kommunikationstrainings mit professionellen Schau­spielerinnen und Schauspielern sind am Fachbe­ reich Gesundheit der Berner Fachhochschule BFH seit zehn Jahren im Studium und in der Weiterbildung ver­ ankert. Vermehrt werden massgeschneiderte Kommu­ nikationstrainings als Dienstleistung auch für Kundin­ nen und Kunden erstellt, die ihren Mitarbeitenden Schulungen in Kommunikation anbieten. Mit der interaktiven Methode Forumtheater hat der Fachbereich Gesundheit sein Dienstleistungsangebot ergänzt. Die Teilnehmenden geben sich aktiv in das Ge­

schehen einer dargestellten Szene ein. Sie erfahren, dass Kommunikation unser Handeln prägt und dass eine Veränderung der Kommunikation sich direkt auf die gegebene Situation auswirkt.

Ursprung des Forumtheaters

Der brasilianische Theatermacher Augusto Boal hat das Forumtheater in den 1960er-Jahren als politisches Theater entwickelt. Mit dieser neuen Theaterform machte Boal Unterdrückung auf unterschiedliche Art sichtbar. Er ging davon aus, dass Realitäten nicht als gegeben hingenommen werden müs­ sen. Die Betroffenen sollen immer an die Möglichkeit der Veränderung glau­ ben und darauf hinarbeiten.1 Die Zu­ schauerinnen und Zuschauer bleiben im Forumtheater nicht passiv, sondern gestalten aktiv mit. Sie sind ins Ge­ schehen involviert und verändern mit ihren Inputs die vorgegebenen Szenen. Als Boal ins Exil ging, brachte er das Forumtheater als interaktive Theater­ form nach Deutschland mit. Seither hat sich die Methode in über 70 Länder ver­ breitet und weiterentwickelt.

Massgeschneiderte Dienstleistung

Die Moderatorin (rechts im Bild) leitet die Inputs aus dem Publikum weiter an den Schauspieler, der unter Druck kommt. BFH frequenz Dezember 2016

Viele der professionellen Schau­ spielerinnen und Schauspieler, die am Fachbereich Gesundheit als externe Lehrbeauftragte in Studium und Dienst­ leistung mitarbeiten, bringen als Mit­ glied eines Ensembles oder als Regis­


41 Dienstleistung

Eine Teilnehmerin bekommt von der Moderatorin eine Regieanweisung.

seurin und Regisseur Erfahrungen im Forumtheater mit. Dieses Know-how ist notwendig, um für Kun­ dinnen und Kunden Forumtheater massgeschneidert anzubieten. Für die Gestaltung von Schulungen mit Kommunikation nennen die Kundinnen und Kunden konkrete Themen und Situationen, die in Bezug auf Kommunikation herausfordernd sind. Dies kann bei­ spielsweise das Überbringen einer schwierigen Nach­ richt oder das Klären von unterschiedlichen Erwartun­ gen der Gesprächspartner sein. Abgestimmt auf die Kundenbedürfnisse wird eine szenische Vorlage er­ stellt; auf dieser Basis spielen die Schauspielerinnen und Schauspieler ihre Figuren. Der Ursprungsidee des Forumtheaters folgend kommt mindestens eine der Figuren in den Szenen unter Druck. Das bedeutet, ­ dass die Szenen so konstruiert sind, dass sie in Rich­ tung Eskalation eines Konflikts zielen.

guren und den weiteren Verlauf der Szene. Für die Teil­ nehmenden wird offensichtlich, dass jede Form von Kommunikation eine Wirkung hat – die verbale genau­ so wie die nonverbale. Das Forumtheater löst Emo­ tionen aus und fördert kreatives, lösungsorientiertes Denken. Die Teilnehmenden sind aufgefordert, ihre Emotionen nicht nur zu benennen, sondern Lösungen vorzuschlagen, um die Situation in eine neue Richtung zu lenken. Die sofortige Umsetzung der Lösungsvor­ schläge durch die Schauspielerinnen und Schauspieler animiert die Teilnehmenden und zeigt auf, dass es möglich ist, aus vermeintlich festgefahrenen Situatio­ nen auszubrechen. Der Fachbereich Gesundheit hat bereits für ver­ schiedene Kundinnen und Kunden Forumtheater zu Konflikt-, Kunden- und Mitarbeitendengesprächen an­ geboten. Immer wieder zeigt sich, dass diese Methode zu Diskussionen in der Gruppe anregt und nachhaltig ist. Die Schulungen werden nicht motivationslos absol­ viert, sondern geben in den nachfolgenden Tagen Stoff

Im Forumtheater geht es darum, nicht über Situationen zu diskutieren, sondern diese im Erleben mit allen Sinnen zu gestalten. für Gespräche in der Kaffeepause. Die Begeisterung der Teilnehmenden zeigt, dass diese Methode eine vielver­ sprechende Ergänzung des Dienstleistungsangebots des Fachbereichs Gesundheit ist. Kommunikation prägt unser Handeln. Deshalb sollten Kommunika­ tionsschulungen – zum Beispiel mit Forumtheater – in der Praxis nicht zu kurz kommen. 1

www.forumtheater.com (2012). Letzter Aufruf 19. Oktober 2016

Wie funktioniert Forumtheater?

In einem ersten Durchlauf wird den Teilnehmenden die Szene in ihrer Originalform vorgespielt. Eine Mode­ ratorin oder ein Moderator führt durch das Forumtheater und lässt in einer zweiten Phase die Teilnehmenden zu Wort kom­ men. Diese sind nun nicht mehr nur Zuschauerinnen und Zu­ schauer, sondern können die Szenen anhalten und eingrei­ fen. Die Teilnehmenden benen­ nen die Momente, in denen sich Konflikte in der Szene zeigen oder in denen ein Dialog eska­ liert. Sie haben die Möglichkeit, entweder den Schauspielerin­ nen und Schauspielern für ihre Figuren neuen, veränderten Text und alternative Handlun­ gen vorzulegen oder selber die Rolle einer Figur zu überneh­ men. Jede Veränderung hat eine Auswirkung auf die anderen Fi­ Eine Teilnehmerin übernimmt die Rolle einer Figur. Eine neue Szene entsteht. BFH frequenz Dezember 2016


42 Interdisziplinäres

Qualitätssicherung und -entwicklung

in der studienbegleitenden Praxisarbeit

Sabine Welti Zwyssig Koordinatorin Praxis sabine.welti@bfh.ch

Rund ein Drittel ihres dreijährigen Bachelorstudiums verbringen die Studierenden des Fachbereichs Gesundheit der Berner Fachhochschule in Praxismodulen. Hier rüsten sie sich für das Berufsleben: Sie erwerben Praxiskenntnisse, die sie in einem anschliessenden zehnmonatigen Zusatzmodul abermals vertiefen. Die Verantwortlichen für die Praxisausbildung am Fachbereich Gesundheit und die Praxisausbildnerinnen und -ausbildner der Lernorte Praxis treffen sich regelmässig zum Qualitätsgespräch. Die Qualität der studienbegleitenden Praxis­ arbeit soll so laufend gesichert und weiterentwickelt werden.

Bereits im Zuge der Lehrveranstaltungen bereiten sich die Studierenden der Bachelorstudiengänge Phy­ siotherapie, Pflege, Hebamme sowie Ernährung und Diätetik im Skills-Training1 auf ihre Praxistätigkeit vor. In den Praxismodulen, die die Studierenden anschlies­ send in Praxisbetrieben absolvieren, setzen sie das Er­ lernte um. So erweitern sie laufend ihre berufsspezifi­ schen Kompetenzen und lernen, sich im Arbeitsumfeld professionell zu bewegen. Seit der Gründung des Fach­ bereichs Gesundheit im Jahr 2006 bestehen Rahmen­ verträge und weitere juristische Grundlagen, in wel­ chen die studienbegleitende Praxisarbeit definiert ist und auf deren Basis die Qualität der praktischen Aus­ bildung stets überprüft und weiterentwickelt wird. Die Studierenden am Fachbereich Gesundheit absol­ vieren die Praxismodule in über 150 Institutionen, mit denen Verträge bestehen. Das Angebot von und die Nachfrage nach Praktikumsplätzen unterscheiden sich je nach Bachelorstudiengang. So gibt es im Bachelor­ studiengang Pflege zurzeit mehr Ausbildungsplätze als Studierende. Für die Studierenden in Physiotherapie, Ernährung und Diätetik sowie Hebamme dagegen sind die Ausbildungsplätze seit mehreren Jahren knapp. Seit der Kanton Bern im Jahr 2012 die betriebliche Aus­

Das Team der studienbegleitenden Praxisausbildung am Fachbereich Gesundheit (von links): Katharina Tritten (Ressortverantwortliche Hebamme), Evelyne Baeriswyl (Ressortverantwortliche Physiotherapie), Sabine Welti Zwyssig (Koordinatorin Praxis), Lucie Schmid (Ressortverantwortliche Pflege), Charlotte Weidmann (Ressortverantwortliche Ernährung und Diätetik). Auf dem Bild fehlt Dorothée Eichenberger zur Bonsen (Verantwortliche Praxisausbildung Fachbereich Gesundheit).

BFH frequenz Dezember 2016


43 Interdisziplinäres

bildungsverpflichtung für Gesundheitsberufe einge­ führt hat, hat sich die Situation für einzelne Bachelor­ studiengänge (z. B. Physiotherapie) etwas entspannt.

Persönlicher Austausch, gegenseitiges Feedback

Damit die Studierenden in einer optimalen Lernum­ gebung ihre Praxismodule absolvieren können, treffen sich die Praxisverantwortlichen der Bachelorstudien­ gänge regelmässig mit den Praxisausbildnerinnen und -ausbildnern der Lernorte Praxis zu einem Qualitätsge­ spräch. Dieses ist entlang eines standardisierten Frage­ bogens2 strukturiert, lässt aber auch offenen Fragen Raum. Im Zentrum stehen der persönliche Austausch und das gegenseitige Feedback. Folgende Themen ste­ hen im Mittelpunkt: • Aufgaben und Pflichten des Fachbereichs Gesund­ heit, z. B.: Weist die BFH dem Lernort Praxis die vertraglich festgelegte Anzahl von Studierenden zu? • Aufgaben und Pflichten des Lernorts Praxis, z. B.: Überträgt der Lernort Praxis den Studierenden Aufgaben, welche ihrem Ausbildungsstand und ­ihren Kompetenzen entsprechen? • A nforderungen an die beteiligten Personen, z. B.: Verfügt der Lernort Praxis über qualifizierte Perso­ nen für die Begleitung und Ausbildung der Studie­ renden? • Vertragliche Zusammenarbeit, z. B.: Sind die Kom­ munikationswege zwischen dem jeweiligen Ba­ chelorstudiengang und dem Lernort Praxis klar geregelt und werden diese eingehalten? Auch die Sicht der Studierenden, die die Praxismo­ dule evaluieren, fliesst in die Qualitätsgespräche ein. Ferner bieten die Gespräche den Praxisverantwortli­ chen der Studiengänge die Möglichkeit, den Puls der Praxis zu fühlen und Veränderungen der Berufsfelder aufzunehmen. Falls nötig werden am Ende des Ge­ sprächs gemeinsam Optimierungsmassnahmen defi­ niert und zum vereinbarten Zeitpunkt überprüft. Diese Form der partizipativen Zusammenarbeit wird von bei­ den Seiten geschätzt. Das prozessorientierte, partnerschaftliche Vorgehen entspricht den Zielsetzungen des aktuell laufenden kantonalen Projekts «Betriebliche Ausbildungsqualität in den Gesundheitsberufen» der Gesundheits- und Für­ sorgedirektion des Kantons Bern.3

Die Lernorte Praxis und der Fachbereich Gesundheit gewährleisten – das lässt sich als Quintessenz der über­ greifenden Auswertung 2014/2015 festhalten – ge­ meinsam in hohem Masse die Rahmenbedingungen, welche den Studierenden das Erreichen der Abschluss­ kompetenz ermöglichen (vgl. Diagramm).

Die BFH und der Lernort Praxis gewährleisten die Rahmenbedingungen, damit den Studierenden das Erreichen der Abschlusskompetenzen ermöglicht wird. 6 5.5 5 4.5 4 3.5 3 2.5 2 1.5 1

2014

Ein Zusammenzug der Qualitätsgespräche der Jahre 2014 und 2015 der vier Studiengänge verweist auf Er­ freuliches: Seitens beider Gesprächsparteien ist eine hohe Zufriedenheit in der studienbegleitenden Praxis­ arbeit festzustellen. Die Praxisausbildnerinnen und -ausbildner loben die Studierenden zum Beispiel für ihre Selbstständigkeit und ihre Fähigkeit zur Selbst­ref­lexion. Auch Herausforderungen, wie die Vermitt­ lung von evidenzbasiertem Wissen4 und dessen Um­ setzung im klinischen Alltag, treten zutage.

2014

2015

Hebamme

2014

2015

2014

Pflege

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Evelyne Baeriswyl, Lucie Schmid, Katharina Tritten, Charlotte Weidmann und Dorothée Eichenberger zur Bonsen.   https://www.gesundheit.bfh.ch/de/bachelor/skills_center.html   Pro Frage stehen sechs Antwortmöglichkeiten zur Auswahl: von «in hohem Masse erfüllt», was dem Wert 6 entspricht, bis hin zu «keinesfalls erfüllt», was mit dem Wert 1 korrespondiert. 3   Projekt betriebliche Ausbildungsqualität. Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern, April 2016 unter https://www.oda-gesundheit-bern.ch/fileadmin/dateien/ ueber_uns/OdAktuell/2016/Dokumente/GEF_Faltblatt_definitivmail-internet.pdf 4   Evidence wird verstanden als Integration der derzeit besten wissenschaftlichen Belege in die tägliche Berufsarbeit, unter Einbezug des theoretischen Wissens und der Erfahrungen der Gesundheitsfachpersonen, der Wünsche des Patienten oder der Patientin und der vorhandenen Ressourcen (Behrens & Langer, 2006). 1

BFH frequenz Dezember 2016

2015

Physiotherapie

An dieser Stelle sei abermals betont: Den Qualitäts­ gesprächen wird am Fachbereich Gesundheit eine hohe Relevanz zugeschrieben. Einerseits wird die Zusam­ menarbeit mit den Lernorten Praxis verfeinert und op­ timiert. Andererseits profitieren die Studierenden in der Lernbegleitung davon. Die Verantwortlichen der Praxisausbildung sind auch in Zukunft motiviert, die partnerschaftliche Zusammenarbeit und den offenen Austausch über die Qualität der Ausbildung an der BFH und in der Praxis zu pflegen. Dies kommt nicht zuletzt den Patientinnen und Patienten zugute.

2

Qualitätsgespräche 2014/2015: Einblick in einzelne Resultate

2015

Ernährung und Diätetik


44 Interdisziplinäres

Inter- und Multidisziplinarität in Forschungsnetzwerken –

what else?

Inter- und Multidisziplinarität sind unabdingbare Voraussetzungen für eine effiziente Projektabwicklung im Bereich der angewandten Forschung und Entwicklung. Je komplexer die benötigten Methoden, desto wichtiger sind Expertise und Exzellenz der Projektmitarbeitenden und der Praxispartner.

Prof. Dr. pharm. Helena Jenzer Spitalapothekerin FPH, Leiterin und Dozentin Angewandte Forschung und Entwicklung Ernährung und Diätetik helena.jenzer@bfh.ch

Prof. Dr. Leila Sadeghi PhD in Nutrition & Public Health, stv. Leiterin und Dozentin Angewandte Forschung und Entwicklung Ernährung und Diätetik leila.sadeghi@bfh.ch

Forschungs- und Entwicklungszusammenarbeit kann so erfolgen, dass Stakeholder temporär – etwa während der Laufzeit eines Projekts – gemeinsam eine Fragestellung bearbeiten. Solche Konstellationen las­ sen sich als multidisziplinär bezeichnen. Entsteht hin­ gegen eine permanente integrierte Zusammen­arbeit, ist der Begriff Interdisziplinarität angebracht (Tabak 2004). Innovation, Kreativität und Antizipation setzen sich aus den hoch spezialisierten Beiträgen der einzelnen Teammitglieder zusammen. Sollen Resultate durch ausgewogene Teamarbeit generiert werden, bedingt dies zwingend ein gemeinsames Sprachverständnis. Ohne (Sprach-)Verständnis ergeben sich Missverständ­ nisse und die praktischen Arbeiten gehen langsamer vonstatten. Der Begriff der Interaktion beispielsweise wird je nach Kontext ganz anders verstanden. So ist das Verständnis von Interaktion als Wechselwirkung zwi­

Marina Beyeler BSc Ernährung  und Diätetik, Studierende im Zusatzmodul B Angewandte Forschung und Entwicklung Ernährung und Diätetik marina.beyeler@bfh.ch

schen gleichzeitig verabreichten Medikamenten und/ oder Nahrungsmitteln vor allem unter Medizinalperso­ nen geläufig. In einem anderen Zusammenhang wird unter Interaktion ein Gespräch verstanden. Werden Vertreterinnen und Vertreter, denen der nötige Fachjar­ gon abgeht, in interdisziplinäre Teams delegiert, er­ schwert dies eine konstruktive Zusammenarbeit.

Synergie und Mehrwert interdisziplinärer Zusammenarbeit in Verbänden und bei wissenschaftlicher Teamarbeit

Keine Berufsgattung ist dermassen universal talen­ tiert, dass sie alle Probleme alleine und ohne fremden Support auszuführen vermag. Vielmehr ist die heutige Berufswelt spezialisiert und im Sinne von Kosten-­ Nutzen-Betrachtungen auf den Zukauf von nicht in den eigenen Reihen vorhandener Expertise angewiesen. Auf diese Art werden mit Zusammenarbeit Synergien effizient erreicht.

BFH frequenz Dezember 2016


45 Interdisziplinäres

Verkettete Prozesse der Heilmittel- und Nahrungsmittelversorgung verlangen ein gemeinsames Problem- und Sprachverständnis, um Synergien und Mehrwerte für Patientinnen und Patienten zu schaffen.

Pharma-Rohstoff-Produktion industrielle Herstellung von Heilmitteln Feinchemikalien-Produktion Versorgung mit Heilmitteln Pharma-Rohstoff-Produktion ad-hoc-Zubereitung von Heilmitteln Feinchemikalien-Produktion

Patient / Therapie Pflanzliche Agro-FoodProduktion Tierische Agro-FoodProduktion Pflanzliche Agro-FoodProduktion Tierische Agro-FoodProduktion

Patient / Outcome

industrielle Herstellung von Nahrungsmitteln Versorgung mit Nahrungsmitteln ad-hoc-Zubereitung von Nahrungsmitteln

Fokussiert man aus der Perspektive der Transak­ tionsanalyse (Berne 1964) (berufs-)politische Verbän­ de, begegnet einem eine ausgeprägte Gruppendynamik (Schindler 1973) – mit einer Anführerin, einem An­ führer (Alpha), grauen Eminenzen (Beta) und einer schweigenden Mehrheit (Gamma). Ebenfalls in derarti­ gen Konstellationen vertreten sind Aussenseiterinnen, Aussenseiter (Omega). Sind nun Interessen aus ver­ schiedenen (berufs-)politischen Standpunkten zu inte­ grieren, so dominiert eine Kultur der Konkurrenz, was eine gemeinsame Problemlösung erschwert.

In einem Transplantationsteam beispielsweise sind in chronologischer Reihenfolge verschiedene Spezia­ listinnen und Spezialisten zu definierter Zeit gefragt. Das Resultat der interdisziplinären Zusammenarbeit ist eine stabile Funktionalität des transplantierten Or­ gans, wozu alle in definierter Weise beitragen – jede und jeder mit höchster Exzellenz. Obschon nach aus­ sen bisweilen Einzelpersonen auf das Podest gestellt werden, muss das ganze Team wie ein Uhrwerk, also präzise und gut aufeinander abgestimmt funktionieren.

Ein Team, welches einen wissenschaftlichen Output generieren muss, muss ganz anders funktionieren, nämlich als eine Allianz von grauen Eminenzen (Beta), die eine Problemlösung unter Einbringung der indi­ viduellen Stärken angeht. Die emotionale politische ­Ebene darf nicht überhandnehmen gegenüber der Wer­ teebene und der wissenschaftlichen Sachebene. Zwar braucht auch eine solche Gruppe eine anführende Per­ son (Alpha). Diese ist jedoch meist die/der Hauptan­ tragsteller/in, die/der schon wesentliche Vorarbeiten erledigt hat. Die einzelnen Teammitglieder haben eine definierte Rolle in einem sequenziellen oder parallelen Prozessablauf.

Während sich die Curricula in der Lehre und viele Forschungsprojekte am Fachbereich Gesundheit noch disziplinär orientieren, müssen die Konferenzen Lehre und Forschung als interdisziplinäre Teams agieren. In diesen haben disziplinäre Reduits keinen Platz, sofern allgemein gültige und anwendbare Ergebnisse sowie eine wissenschaftliche Entwicklung erreicht werden sollen.

Interdisziplinäre Arbeit ist oft aufwendig und zeit­ raubend. Es resultiert nicht zwingend ein Mehrwert, wenn das ganze interdisziplinäre Team von Anfang an und permanent partizipiert und gar Entscheide mitfäl­ len darf. Vielmehr wird ein stabiler Kern durch wenige Pionierinnen und Pioniere gebaut, welcher danach in weiteren spezifischen Prozessschritten durch ergän­ zendes Fachwissen Erweiterungen und Fortschritte re­ alisiert.

Beispiele gelebter Interdisziplinarität

In der Forschung haben sich in den letzten Jahren die Calls sowohl intern (Ebene der Berner Fachhoch­ schule BFH) als auch auf nationaler (Schweizerischer Nationalfonds SNF, Kommission für Technologie und Innovation KTI) und internationaler Ebene (Horizon 2020, European Cooperation in Science and Technolo­ gy COST) dahingehend geändert, dass Anträge aus in­ terdisziplinären Teams ausdrücklich gefordert werden. Die angewandte Forschung und Entwicklung Ernäh­ rung und Diätetik am Fachbereich Gesundheit hat in­ ternational als Hauptantragstellerin die COST Action «Medicines Shortages», die Lieferengpässe bei Heilmit­ teln untersucht und deren Verfügbarkeit verbessern

BFH frequenz Dezember 2016


46 Interdisziplinäres

will, vorgeschlagen und den Vorsitz erhalten (Infor­ mationen zu COST und COST Action siehe Kasten). Zur­ zeit betätigen sich rund 55 Forscherinnen und Forscher aus 28 Nationen im Forschungsverbund (bei erst be­ gonnener Rekrutierung). Bereits das Verfassen des An­ trags wäre ohne interdisziplinäre Zusammenarbeit nicht zu stemmen gewesen. Noch weniger wird es in der Umsetzung ohne Netzwerk und ohne Synergien ein erfolgreiches Resultat geben. Lieferengpässe bei Heilmitteln sind indes für jegli­ che Berufe des Fachbereichs Gesundheit relevant: Für Ernährungsberaterinnen und -berater bei nicht erhält­ lichen injizierbaren Präparaten zur parenteralen Er­ nährung, für Physiotherapeutinnen und -therapeuten bei therapeutischen Medizinprodukten (Instrumente, Apparate, Geräte) sowie für Hebammen und Pflege­ fachpersonen bei der Verabreichung der indizierten Medikamente. Darüber hinaus sind wirtschaftliche Praxisfelder betroffen, etwa bei der Entscheidungsfin­ dung über Sortimente auf allen Ebenen der Versor­ gungskette, und Praxisfelder der Sozialen Arbeit in Bezug auf die sozialen und ethischen Fragen bei der Verfügbarkeit von Medizinalgütern. Die Versorgung der gesunden und der kranken Be­ völkerung mit Heilmitteln ist wie die Versorgung mit Nahrung eine mehrstufige Wertschöpfungskette (vgl. Abbildung). Diese beginnt im Falle der Heilmittel bei Wirkstoffen oder elektronischen Bausteinen und bei Nahrungsmitteln bei der Agrarproduktion. Die Einzel­ teile werden in der Pharma- oder Foodindustrie in Pro­ dukte verarbeitet, welche daraufhin auf den Markt ge­ langen. Via Grossisten und Kleinhändler erreichen sie die Verbraucher, das sind entweder Leistungserbringer in Institutionen der Akut- und Langzeitpflege oder in ambulanten Bereichen, und letztlich die Patientinnen und Patienten. Die Pfade vereinen sich, je näher sie bei der Patientin, beim Patienten liegen. Im Netzwerk der COST Action sind alle Fachkräfte entlang der Versorgungs- und Wertschöpfungskette vertreten: von (Bio-)Chemikern und Produzenten über Logistiker, Kliniker und Administratoren bis hin zu Ethikern, Regierungs- und WHO-Vertretern. Prozess­ unterbrüche gibt es an mehreren Stellen. Aufgrund dessen sind Versorgungsengpässe ein typisch multi­ disziplinäres und globales Problem, welches sich trotz Bemühungen einzelner Disziplinen in den letzten Jah­ ren derart verschärft hat, dass Regierungen gezwun­ gen waren, einzuschreiten und die Anbieter an ihre Verantwortung für die Patienten zu erinnern. Erfolg­ versprechende Lösungsansätze zur Sicherstellung der Heilmittelversorgung, hinter welchen alle Stakeholder stehen können, werden nur im inter- und multidiszi­ plinären Verbund gefunden. Individuelle Interessen müssen abgeglichen werden, idealerweise mit einem Bottom-up-Approach anstatt einer top-down verord­ neten Regulierung.

Auf dem Gebiet der Ernährung und Diätetik bzw. der Medizinischen Ernährung besteht seit Jahren ein wei­ terer Problembereich, welcher nach inter- und multi­ disziplinärer Zusammenarbeit verlangt: Die Mangel­ ernährung siedelt sich als sowohl medizinisches wie auch gesellschaftliches Problem auf der Ebene von ­P ublic Health an. Auch 15 Jahre nach intensiver For­ schungs- und Entwicklungstätigkeit (Kondrup 2002) ist das Thema Mangelernährung noch ungelöst. Auch hier wäre COST eine geeignete Plattform für einen er­ folgversprechenden Bottom-up-Ansatz eines Netzwerks. Weiterführende Literatur: Berne, E. (1964). Games, People, Play. The Basic Hand Book of Transactional Analysis. New York: Ballantine Books. Berne, E. (1967). Spiele der Erwachsenen. Rowohlt: Hamburg. COST Association (2015). COST Action CA 15105 – European Medicines Shortages Research Network – addressing supply problems to patients («Medicines Shortages»). Retrieved August 1, 2016 from http://www.cost.eu/COST_Actions/ca/CA15105 Jenzer, H., Sadeghi, L. (2016). Weiterentwicklung der Curricula in Ernährung und Diätetik – Pharmakologie füllt Lücken, schafft Klarheit und bringt Mehrwerte. Aktuelle Ernährungsmedizin, 41(1), 103–112. http://dx.doi.org/10.1055/s-0042-102153. Jenzer, H. (2015). The dietitian’s interest to gain insight into the nutrition black box. Journal of Clinical Nutrition & Dietetics, 1(1), 1–2. Jenzer, H., Fontana, G. (2013). Bringt Grundlagenwissen in Pharmakologie und Toxikologie einen spürbaren Mehrwert für die Ernährungsberatung? Aktuelle Ernährungsmedizin, 05:38. Kondrup, J., Johansen, N., Plum, L. M. et al. (2002). Incidence of nutritional risk and causes of inadequate nutritional care in hospitals. Clinical Nutrition, 21(6), 461–468. SBFI. COST, Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und technischen Forschung. Retrieved August 12, 2016 from https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/themen/ internationale-forschungs--und-innovationszusammenarbeit/ zusammenarbeitsprogramme/cost.html Schindler, R. (1973). Das Verhältnis von Soziometrie und Rangordnungsdynamik. In: Heigl-Evers, A. (Hrsg.), Gruppendynamik (S. 30–36). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Tabak L. (2004). Presentation at Convocation on Facilitating Interdisciplinary Research. Committee on Facilitating inter­ disciplinary Research on Science, Engineering, and Public Policy. National Academies. National Academy Press. Washington, p. 2.

European Cooperation in Science and Technology COST Die European Cooperation in Science and Tech­ nology COST bietet Wissenschaftlerinnen und Wis­ senschaftlern die Möglichkeit, sich europaweit zu vernetzen. Die Vereinigung wurde 1971 durch For­ schungsministerinnen und -minister europäischer Staaten errichtet, darunter die Schweiz. Als Vollmit­ glied unterliegt die Schweiz hier keinerlei Restrik­ tionen. Als «Action» wird ein von COST koordinier­ tes Forschungsprogramm bezeichnet, das sich um einen bestimmten Forschungsbereich dreht und aus national finanzierten Forschungsprojekten zusam­ mengesetzt ist.

BFH frequenz Dezember 2016


47 Interdisziplinäres

Weniger Raum für Aggression Welche Ansprüche stellen Patientinnen und Patienten an Spitalräumlichkeiten? Inwiefern beeinflussen Architektur und Gestaltung von Spitälern das Verhalten der Patientinnen und Patienten? Solche und ähnliche Fragen stellt sich die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Health Care Communication Design HCCD der Berner Fachhochschule. An der Schnittstelle zwischen Design und Gesundheit erforschen Expertinnen und Experten aus diversen Fachrichtungen das Kom­ munikationsumfeld, die Architektur, die Gestaltung und die kommunikativen Praktiken im Gesundheitswesen. Mit der Studie «Aggressionsmanagement im Akutspital» konnten dank der interdisziplinären Arbeitsweise neue Erkennt­ nisse im Bereich der Aggressionsprävention gewonnen werden.

Dipl. Des. Minou Afzali Forschungsdozentin Forschungsschwerpunkt Kommunikationsdesign Hochschule der Künste Bern HKB, BFH minou.afzali@hkb.bfh.ch

Prof. Dr. Arne Scheuermann Leiter Forschungsschwerpunkt Kommunikationsdesign Hochschule der Künste Bern HKB, BFH arne.scheuermann@hkb.bfh.ch

Ein Patient kann nicht nachvollziehen, weshalb eine weitere Behandlung ansteht, und äussert sich vor dem Stationszimmer lauthals und verbal ausfallend. Eine Patientin verliert im Wartebereich die Geduld und tritt verärgert gegen einen Blumenkübel. Patienten­ aggression gehört leider auf vielen Akutstationen zum Alltag. Doch haben eigentlich auch die Räumlichkeiten im Spital einen Einfluss auf das Verhalten von Patien­ tinnen und Patienten? Und wenn ja, welchen? Diese Fragen standen für die Designforscherinnen und -for­ scher der Arbeitsgruppe HCCD im Vordergrund, als sie 2008/2009 gemeinsam mit Pflegewissenschaftle­ rinnen und -wissenschaftlern die Studie «Aggressions­

Prof. Dr. Sabine Hahn Leiterin Angewandte Forschung und Entwicklung Pflege Leiterin Disziplin Pflege sabine.hahn@bfh.ch

management im Akutspital» durchführten. Erstmals wurden hierbei Vorfälle von Patientenaggression in Akutspitälern für die gesamte Deutschschweiz erfasst. Dabei galt es, die verschiedenen ausschlaggebenden Faktoren im Aggressionsgeschehen und ihr komplexes Zusammenspiel zu untersuchen – mit dem Ziel, prä­ ventive Massnahmen zu entwickeln und den Umgang mit Patientenaggression im Akutspital zu verbessern. Acht öffentliche Spitäler beteiligten sich an der Studie mit insgesamt 31 Risikostationen mit unterschiedli­ chen Versorgungsaufträgen in verschiedenen Versor­ gungsgebieten.

BFH frequenz Dezember 2016


48 Interdisziplinäres

Visuelle Analyse eines Patientenzimmers: Die unattraktive Deckengestaltung, die veraltete Auswahl der Materialien und fehlende Unterbringungsmöglichkeiten für persönliche Gegenstände lassen die Patientenperspektive ausser Acht.

Forschungsmethoden aus verschiedenen Disziplinen

Das Forschungsteam der BFH untersuchte die Ag­ gressionsereignisse aus einer interdisziplinären Pers­ pektive und wandte dabei sowohl quantitative als auch qualitative Forschungsmethoden an. So befragten die Pflegewissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Rahmen von Interviews das teilnehmende Pflegeperso­ nal zu den Ursachen von Aggressionsereignissen und zur Interaktion zwischen den betroffenen Personen. Mithilfe eines Fragebogens wurde das Pflegepersonal zu vergangenen Vorfällen verbaler oder physischer Ag­ gression befragt. Nebst Angaben zu den beteiligten Per­ sonen, dem Auslöser für das aggressive Verhalten und der folgenden Intervention durch das Pflegepersonal konnten auch Angaben zum räumlichen Umfeld ge­ macht werden. So wurden die Teilnehmenden unter anderem gebeten, in einem hierfür vorgesehenen Feld eine einfache Skizze des Raumes anzufertigen, in dem sich der Vorfall ereignet hatte. Dies ermöglichte dem Forschungsteam Aufschluss über die räumliche Situa­ tion vor Ort und gab einen Einblick in das Aggressions­ geschehen. Um mehr über die räumlichen Begeben­ heiten in den Spitälern zu erfahren, führten die Designforscherinnen und -forscher zudem Raumbege­ hungen auf den Stationen durch. Dabei wurden sie von Pflegefachpersonen in diejenigen Räume geführt, in denen es in der Vergangenheit vermehrt zu Patienten­ aggression kam. Die Spitalmitarbeitenden gaben Aus­ kunft über ihre Arbeitsabläufe und ihre Bedürfnisse, die sie in Bezug auf das räumliche Umfeld haben. Die

Räume wurden fotografisch festgehalten, um später nach gestalterischen Kriterien analysiert zu werden.

Das Patientenzimmer – der Ort des Geschehens

Die Auswertung der Studienergebnisse liess unter anderem erkennen, dass von den teilnehmenden Sta­

Health Care Communication Design HCCD Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe HCCD der Ber­ ner Fachhochschule BFH besteht aus Forschenden der Bereiche Kommunikationsdesign, Pflege, Archi­ tektur und Wirtschaft. Sie hat seit 2007 in mehr als 40 Dienstleistungsaufträgen, Forschungsprojekten und Weiterbildungsangeboten eine grosse Band­ breite aktueller Gesundheitsthemen bearbeitet. Vom Layout von Schmerzfragebögen bis zur Beur­ teilung von Räumlichkeiten bei Patientenaggres­ sion, von der Planung neuer Spitäler bis zur Umge­ staltung von Wartezonen, von der Signaletik für Demenzerkrankte bis zur Beforschung mediterraner Wohngruppen in Alterseinrichtungen: Gestalteri­ sche Lösungen tragen im Gesundheitswesen dazu bei, Medizin, Pflege und Management gezielt zu ent­ lasten und damit die Versorgung zu verbessern. Weitere Informationen finden Sie unter hkb.bfh.ch/forschung

BFH frequenz Dezember 2016


49 Interdisziplinäres

tionen die geriatrischen Stationen durchschnittlich am häufigsten von Aggression betroffen sind, gefolgt von Rehabilitationsstationen und medizinischen Statio­ nen. Als Auslöser der Aggressionsereignisse nannten die befragten Pflegefachpersonen am häufigsten Inter­ aktionssituationen mit Pflegenden und anderen Perso­ nen. Andere Patientinnen, Patienten und Angehörige lösten hingegen seltener aggressives Verhalten aus. Als Ort des Geschehens wurde von den Teilnehmenden am häufigsten das Patientenzimmer angegeben. Bei den Begehungen vor Ort bot sich den Forschenden ein auf­ schlussreiches Bild: Bei vielen der besichtigten Spitä­ ler, in denen es zu Aggressionsereignissen kam, han­ delt es sich um Gebäude, die vor mehreren Jahrzehnten gebaut wurden. Obwohl die meisten dieser Häuser zwi­ schenzeitlich saniert wurden, entsprechen sie nicht den Anforderungen, die Spitäler und Stationen heute erfüllen sollten. Oft wurden neue Stationen in die be­ stehenden Gebäudestrukturen integriert, die einst für andere Zwecke geplant worden waren. Die Bedürfnisse haben sich im Laufe der Zeit offensichtlich stark verän­ dert – die baulichen Massnahmen hinken dieser Ent­ wicklung hinterher. Für die Patientinnen und Patien­ ten bedeutet dies, dass sie ihren Spitalaufenthalt oftmals in Räumlichkeiten verbringen, die ihrem Be­ dürfnis nach Privatsphäre und Geborgenheit nur unzu­ reichend gerecht werden. Solche baulichen Mängel ­erfordern eine grosse Improvisationsbereitschaft der

Mitarbeitenden, die sich in diesen Räumlichkeiten zu­ rechtfinden und ihren täglichen Arbeitsablauf bewerk­ stelligen müssen. Es zeigte sich klar, dass für Mit­ arbeitende, für Patientinnen, Patienten und deren Angehörige das räumliche Umfeld wesentlich dazu beiträgt, Arbeitsabläufe zu optimieren, die Interaktion mit den Patientinnen, Patienten und ihren Angehöri­ gen zu verbessern und das Wohlbefinden während ei­ nes Aufenthalts im Spital zu fördern. Umgekehrt kann das räumliche Umfeld, wenn es mangelhaft gestaltet ist – nebst personen- und situationsabhängigen Fakto­ ren – ein Auslöser für aggressives Verhalten sein.

Interdisziplinarität ermöglicht neuen Blickwinkel

Die Studie «Aggressionsmanagement im Akutspi­ tal» ist nur eines von vielen Projekten der Arbeitsgrup­ pe Health Care Communication Design HCCD, in denen die Zusammenarbeit von Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen einen neuen Blickwinkel auf komplexe Fragestellungen ermöglicht. Solche inter­ disziplinäre Zusammenarbeit führt zu Erkenntnissen, die nicht selten in forschungsbasierte Aus- und Weiter­ bildungsprogramme münden. In diesem Fall konnte beispielsweise ein Schulungsangebot für Pflegefach­ personen entwickelt und umgesetzt werden, das neben kommunikativen auch räumliche Aspekte im Aggres­ sionsgeschehen berücksichtigt und die Teilnehmenden diesbezüglich sensibilisiert.

Detail aus dem Fragebogen: Skizze eines Raumes, in dem es in der Vergangenheit zu einem aggressiven Vorfall kam (angefertigt durch Pflegefachperson). BFH frequenz Dezember 2016


50 Internationales

Addis Abeba – Bern:

gegenseitige Einblicke

Bettina Nägeli Kommunikation bettina.naegeli@bfh.ch

Ausserordentlicher Besuch an der Berner Fachhochschule: Eine dreiköpfige Delegation des College of Health Sciences der Addis Ababa University in Äthiopien war vom 3. bis 16. Oktober 2016 am Fachbereich Gesundheit zu Gast. Gegenseitige Einblicke in Lehrveranstaltungen und -methoden der Disziplinen Pflege und Geburtshilfe inspirierten, beeindruckten und erstaunten.

Lebhafte Bilder tanzen einem durch den Kopf, wäh­ rend Tigistu Gebreyohannis von überfüllten Kranken­ häusern in Addis Abeba erzählt. Von Patientinnen, Pa­ tienten und ihren Familien, die die Gänge in den Spitälern belagern. Ab und zu bahne sich eine Pflege­ fachperson den Weg durch die Menge. Dies gleiche ei­ nem Hindernislauf. «Bei euch sieht man kaum Patien­ tinnen im Spital», lacht er. Vor wenigen Stunden war er auf einer Führung durch die Frauenklinik des Insel­ spitals. «Dafür umso mehr Ärzte und Pflegepersonal.»

Projekt fördert Dozierendenmobilität

Seit über zehn Jahren besteht eine Zusammenarbeit zwischen der Berner Fachhochschule BFH und der ­Addis Ababa University bzw. dem Black Lion Hospital. Diese ermöglichte Studierenden, Praktika im Rahmen ihres Bachelorstudiums zu absolvieren. Mit dem IN­ CASE Projekt (Inter-Professional and Inter-Cultural Academic Staff Exchange) wurde die Mobilität auf die Lehre und Forschung in den Bereichen Pflege und Ge­ burtshilfe ausgerichtet. Das Ziel besteht im fachlichen und kulturellen Austausch. Paola Origlia, Dozentin im Bachelorstudiengang Hebamme, und Sibylle Frey, Do­ zentin im Bachelorstudiengang Pflege, empfingen am 3. Oktober 2016 eine Delegation des College of Health Sciences der Addis Ababa University: Daniel Mengistu, Assistenzprofessor Pflege (Doktorand zum Thema «Wissen, Risikowahrnehmung und risikovermindern­ des Verhalten von Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen»), Yeshi Assefa, Dozentin Hebamme ­ (Master-Thesis «Klientinnenzufriedenheit bei der Fa­ milienplanung»), und Tigistu Gebreyohannis, Dozent Pflege (Master-Thesis «Auswirkungen der Intensiv­ stationsumgebung auf den Patientenschlaf»). Während zwei Wochen erhielten sie Einblicke in Lehrveranstal­

tungen und Lehrmethoden am Fachbereich Gesund­ heit und vermittelten ihrerseits Einsichten in die Aus­ bildung von Pflegefachpersonen und Hebammen in Äthiopien.

Pflegefachpersonen und Hebammen schliessen eine Lücke

Die eingangs geschilderte Szenerie verweist auf die Umstände des Gesundheitssystems im Land südlich der Sahara: Trotz Investitionen der äthiopischen Regie­ rung in die Gesundheitsversorgung, ist diese weiterhin prekär. Der Zugang zu Gesundheitseinrichtungen ist abseits der städtischen Zentren erschwert und die Grundversorgung für viele zu teuer. Weiter mangelt es an technischen Möglichkeiten, Medikamenten sowie Ärztinnen und Ärzten. «Gerade mal 2500 Ärztinnen und Ärzte gibt es in Äthiopien – einem Land mit 90 Mil­ lionen Einwohnenden», verdeutlicht Tigistu Gebreyo­ hannis. Von den Berner Studierenden, die seinen Aus­ führungen lauschen, erntet er betretenes Schweigen.

BFH frequenz Dezember 2016


51 Internationales

School of Nursing and Midwifery

Dept. of Nursing Under­ graduate

Continuing Nursing Education/Extension Nursing Programs

Medical Surgical Nursing

Pediatric Nursing

Obstetrics/ Gynecology Nursing

PhD Nursing Programs (in cooperation with Emory University, Georgia)

Dept. of Midwifery Under­ graduate

Psychiatric Nursing

Community health Nursing

Fondations of Nursing

Midwifery

Medical-Surgical/Adult Health of Foundations of Nursing

Pediatric Nursing

Maternity and Reproductive Health Nursing

Entsprechend hoch sind das Ansehen der Pflege­ fachpersonen und Hebammen sowie gleichsam die Last, die auf ihren Schultern liegt. «Sie schliessen die Lücke, gerade in ruralen Gebieten, wo der Ärztemangel besonders ausgeprägt ist», erläutert der Dozent. Ihr Aufgabenspektrum sei breit und gehe weit über das Pflegen und Versorgen hinaus – «sie führen eigenstän­ dig Behandlungen durch und verschreiben Medika­ mente.»

Stark in der theoretischen Ausbildung, Verbesserungspotenzial in der Praxisausbildung

Die Hervorbringung qualifizierter Pflegefachperso­ nen und Hebammen ist für Äthiopien elementar. Das primäre Ziel besteht darin, neben den Bachelorstudien­ gängen vermehrt Master- und Promotionsstudien­gänge zu etablieren, um die akademische Qualität zu gewährleisten. Wie am Fachbereich Gesundheit be­ steht auch in den Bachelorstudiengängen an der School of Nursing and Midwifery der Anspruch der systemati­ schen Verknüpfung von Theorie und Praxis. Im Ver­ hältnis zwischen diesen Ankerpunkten verorten die Gäste denn auch die aktuell grösste Herausforderung: «Auf der theoretischen Ebene können wir im interna­ tionalen Vergleich mithalten. Die Praxisausbildung ­dagegen hat Verbesserungspotenzial.» Der Mangel an vollständiger Ausstattung sowohl in den schuleigenen Skills-Räumen als auch in den Spitälern genauso wie die grosse Anzahl Studierender erschweren effiziente Übungssituationen. Im sogenannten Community Based Training werden die Kompetenzen der angehenden Pflegefachpersonen und Hebammen auf die Probe gestellt. Die Studieren­ den begeben sich auf Einsätze in fernab der städtischen Zentren gelegene, ländliche Gebiete, wo sie im Team mit anderen Fachkräften – Labortechnikerinnen, Lab­ ortechniker oder Apothekerinnen, Apotheker – die Be­ wohnenden medizinisch betreuen; unter einfachsten Bedingungen, mittels rudimentärer Ausstattung. «Wir arbeiten mit dem Material, das gerade verfügbar ist», erklärt Yeshi Assefa die Notwendigkeit von Einfalls­ reichtum und Flexibilität. «Ab und zu ersetzt ein ein­

MSc Programs

Oncology Nursing

Critical and Intensive Care Nursing (planned)

facher Plastiksack die nicht vorhandene Beatmungs­ maske.»

Problem-based Learning als Inspirationsquelle

Ihren Besuch in Bern Revue passieren lassend he­ ben Yeshi Assefa, Daniel Mengistu und Tigistu Gebre­ yohannis unisono den Einblick in die Lehre «in einem auf höchstem Level ausgestatteten Umfeld» als be­ eindruckend hervor. Mit Blick auf den Ansatz des Prob­ lembased Learning (PBL), innerhalb dessen sich die ­Studierenden am Fachbereich Gesundheit Wissen ei­ geninitiativ aneignen, reflektieren sie didaktische Un­ terschiede: Während sich die Dozierenden im Zuge des PBL bisweilen zurücknehmen, erfordert das ressour­ cenarme Setting in Äthiopien, dass die Dozierenden die Studierenden eng begleiten. Vor diesem Hintergrund, erklärt Daniel Mengistu, mache das Kopieren des PBLAnsatzes wenig Sinn. «Als fruchtbare Inspirationsquel­ le dient der Einblick jedoch allemal – sowohl für die Kompetenzeinübung der angehenden Berufsleute als auch für die methodisch-didaktische Entwicklung der Ausbildung.» Nicht nur die Gäste, sondern auch die Gastgebenden am Fachbereich Gesundheit profitierten vom zwei­ wöchigen Austausch. «Man ertappt sich dabei, sich für die luxuriös wirkende Einrichtung von Spitälern oder Schulräumen etwas zu schämen oder bei Fachdiskus­ sionen weit auszuholen», sagt Paola Origlia. Dann stel­ le sich jedoch heraus, dass die Gäste Fachleute sind, «die uns gerade theoretisch mindestens ebenbürtig sind». Auch anderweitig hätten sie einem den Spiegel vorgesetzt: So entlarvten sie in Kürze schweizerische Eigenheiten, über deren Daseinsberechtigung sich durchaus diskutieren lässt. «Die freie Wahl der Ge­ sundheitseinrichtung etwa. Oder dass in jeder Ecke geraucht wird, während Sauberkeit und Ordnung an­ sonsten grossgeschrieben werden.» Der Besuch aus Äthiopien hat beide Gruppen der ­Dozierenden gleichsam inspiriert, beeindruckt und er­ staunt. Für 2017 ist eine Wiederholung vorgesehen – dieses Mal in umgekehrter Richtung, von Bern nach «Addis».

BFH frequenz Dezember 2016

Clinical Midwifery (planned)


52 Abschlussfeier

Abschlussfeier der Master und Bachelorstudiengänge

Berner Fachhochschule, Fachbereich Gesundheit, 28. Oktober 2016, Kultur-Casino Bern Master of Science in Pflege

Die Diplomierten: Arter Mirjam Margret, Zürich; Bächtold Rebecca, Zürich; Bernet Niklaus Stefan, Bern; Camenzind Elena Evelyn, Bern; Durrer Michael, Sursee; Eggimann-Camponovo Martha Ag­ nes, Zürich; Friedli Manuela, Oftringen; Gasser Maria Magdalena, Schüpfheim; Koch Daniel Yves, Erlinsbach; Kropf-Staub Susanne, Münchenbuchsee; Kunz Sandra Verena, Bern; Lauk Lotti, Luzern; Moser Anna Katharina, Köniz; Rahm Nadine, Ettingen; Tönz Bar­ bara Sandra, Zürich

Master of Science in Physiotherapie

Die Diplomierten: Baaklini Edeny, Mülligen; Bender Jonas, Frei­ burg im Breisgau; Bösch Leonore Joanna, Bern; Clasemann Frank, Thalwil; Ferraro Matteo Giuseppe, Solothurn; Flury-Progin Noémie, Villars-sur-Glâne; Gass Stephanie Nicole, Basel; Iff Franziska, Tof­ fen; Jaspers Theo Herman Cornelis, Ostermundigen; Ostermann Mira, Zürich; Pohl Johannes, Basel; Röthlisberger Katrin, Olten; Schmidlin Simon Philipp, Basel; Zürcher Kathrin, Herrenschwanden

Bachelorstudiengang Pflege (Vollzeit)

Die Diplomierten: Aschwanden Jasmin, Herzogenbuchsee; Banga de Almeida Augusta Elvenidia, Füllinsdorf; Blum Andrea Regina, Oberburg; Brunner Mirja Sabina, Bern; Burri Natascha, Köniz; Buser Larissa, Grenchen; Flückiger Sophie Cynthia, Gümligen; ­ Freudiger Katinka, Bremgarten b. Bern; Gasser Nadia, Nunningen; Günthardt Andrea Dorothée, Zofingen; Haslebacher Laura Kalina Luzia, Belp; Hirsbrunner Anja, Lausen; Kalbermatten Sabrina Rita, Naters; Köchlin Anne Pascale, Spiegel bei Bern; Kummer Suleika, Spiez; Lauener Sarah, Hinterkappelen; Lehner Roger, Aarau; Liechti Cathrine, Niederscherli; Martig Tatjana, Glis; Meisser Laura, Arosa; Mizza Delia Mirjam, Ins; Müller Jessica Leandris, Ichertswil; Müller Sina Lea, Burgdorf; Reber Janine, Thun; Schaub Sara, Arisdorf; Scheibler Chantal, Ried-Brig; Schick Robin Nicola, Lurtigen; Schneeberger Sarah Sophie, Biel/Bienne; Schönenberger Nadine Anne, Uster; Taylor Marie, Lyss; Tobler Jasmin, Untersteckholz; Tschiemer Sandra, Derendingen; Wagner Manuela, Oschwand; Zimmermann Jessica, Baar

BFH frequenz Dezember 2016


53 Abschlussfeier

Bachelorstudiengang Pflege (Vollzeit)

Die Absolvierenden: Baldussi Laura Katariina, Bern; Bänziger Sandra, Herisau; Bertschi Till, Zofingen; Biedermann Stefanie, Ol­ ten; Florin Marie-Laure Christine, Feldbrunnen; Flück Lea Barbara, Bern; Gasser Vanessa, Zollikofen; Gerber Carina Claudine, Ober­ ried bei Niederscherli; Graber Katja, Weier im Emmental; Graf Ana, Gränichen; Grob Angeline Desiree, Kerzers; Haas Sophia, Malters; Karrer Michael Simon Adrian, Zweisimmen; Lehmann Christina ­Rebeka, Neuenkirch; Linder Sara, Wünnewil; Maag Kirstin Rebecca, Bern; Meichtry Romaine, Riederalp; Messmer Aline Juliette, Bern; Müller Michael Andreas, Buttisholz; Reichenbach Salome Tabea, Rohrbach; Ruf Maurus Christof, Sursee; Rufibach Jessica, Meirin­ gen; Straumann Livia Amaya, Basel; Thormann Carlotta, Bern; Thottan Vidhya, Ostermundigen; Urfer Simona Daniela, Fahrni b. Thun; Wechsler Denise, Winikon; Zahnd Ada Sophie, Bern Die Absolvierenden müssen noch das zehnmonatige berufsspezifische Zusatzmodul in der Praxis absolvieren, bevor sie das Bachelordiplom entgegennehmen können.

Bachelorstudiengang Pflege, berufsbegleitend (für diplomierte Pflegefachpersonen)

Die Diplomierten: Bühler Mirjam, Münsingen; DʼAmico Flavia, Geuensee; Hafner Michael, Meierskappel; Haldemann Noemi ­Joëlle, Büsserach; Häni Karin, Seewil; Heer Adrian Michael, Rüt­ schelen; Hodler Barbara, Latterbach; Horat Isabelle Claudia, Horw; Kneubühl Corina, Bern; Margot Nicole, Bern; Marty Sonja, Flüelen; Meier Angela Heidi, Sursee; Pignat Sylvie Monique, Uster; Pina La­ rissa, Stans; Pooe Eliane Isabel, Bern; Ribaut Janette, Oensingen; Rohner Nadja Sabrina, Horgen; Sahli Fabienne, Wünnewil; Schlup Nanja Tabea, Rüti b. Büren; Schyja Margret, Steinen; Stalder Ju­ dith, Magden; Stricker Marion, Bern; Tran Quan Vo Uyen, Düben­ dorf; Villiger Simone Lara, Perlen; Wolf Myriam, Rheinfelden; Wyss-Schär Verena, Ruppoldsried; Zihlmann Markus, Malters

Bachelorstudiengang Physiotherapie, Standort Bern

Die Diplomierten: Gasser Mathias, Naters; Minder Nathalie, Lyss; Suter Lara Céline, Meyriez; Vogel Alina Eva, Möriken AG

Bachelorstudiengang Physiotherapie, Standort Bern

Die Absolvierenden: Allemann Nicole Isabelle, Nidau; Bohnen­ blust Marion, Wichtrach; Buess Barbara, Bern; Burgener Sabrina, Schwanden-Brienz; Dikenmann Christina Andrea, Burgdorf; Duss Anthea, Hasle LU; Gasser Mirja Aline, Lungern; Glauser Martina, Wichtrach; Graber Alexandra Michaela, Luzern; Hari Annique, Bern; Jeggli Sibylle, Balsthal; Jost Karin, Thörishaus; Kaufmann Eveline, Ringgenberg; Keller Danielle Jeanine, Bern; Kellerhals ­Livia Annina, Wabern; König Sara Martina, Courtepin; Krähenbühl Myrtha Maria, Langnau i. E.; Laubscher Nadine, Zollikofen; Leh­ mann Linda, Seengen; Liechti Melanie Nadia, Köniz; Marti Katya Delphine, Cortaillod; Martig Franziska, Steg VS; Mc Evoy Julien Christopher, Hindelbank; Messner Jasmin, Lyss; Muff Désirée Mar­ grith, Ebikon; Porchet Claude-Alain, Romont FR; Rey Fabienne, Schwadernau; Roth Anja Marina, Samstagern; Scherer Aline, ­Kriens; Schiegg, Sarah, Selzach; Schmid Fabian, Spiez; Schmidlin Céline Nadja, Wynigen; Steiner Melanie, Thun; Stuker Nadine, Reisiswil; Taraschewski Katharina, Biel/Bienne; Toth Tina, Em­ menbrücke; von Allmen Reto, Scharnachtal; Wanner Dario, Stans; Woodtli Sira Irina, Zug; Zimmerli Tabea, Oftringen; Zuckschwerdt Camille Lea, Bern; Zürcher John, Uetendorf Die Absolvierenden müssen noch das zehnmonatige berufsspezifische Zusatzmodul in der Praxis absolvieren, bevor sie das Bachelordiplom entgegennehmen können.

BFH frequenz Dezember 2016


54 Abschlussfeier

Bachelorstudiengang Physiotherapie, Standort Basel

Die Diplomierten: Barbezat Melanie, Sutz; Kaiser Céline, Maisprach; Scarlino Ilenia, Aesch BL

Bachelorstudiengang Physiotherapie, Standort Basel

Die Absolvierenden: Caderas Nadja, Bottmingen; Ernst Sabrina Bianca, Liestal; Flückiger Melanie, Ursenbach; Gautschi Janine ­Helene, Mumpf; Gmür Julia, Fribourg; Grob Nadine Sarah, Gretzen­ bach; Gröflin Michelle, Liestal; Hostettler Lars Tobias, Bern; Inglin Anna, Cham; Jakob Sabrina Anja, Niederscherli; Keller Lei Ulrico, Basel; Kessi Anna Madeleine, Detligen; Knöll Luzius Andres, Basel; Lagler Sarah, Hägendorf; Lötscher Melanie, Schwarzsee; Manzetti Rebecca, Rünenberg; Meier Hannah Ruth, Buchs AG; Moser Chris­ ta, Bern; Oulouda Samira, Schönenwerd; Peterhans Ursina Sarah, Basel; Pfister Nadja Lisa, Spiegel bei Bern; Rimanova Lenka, St. Pantaleon; Scheidegger Leonie Magdalena, Basel; Schliek Mela­ nie Ruth, Hirschthal; Seibert Michelle, Liestal; Senft Debora, Ober­ mumpf; Stadler Manuel, Oberwil BL; Stalder Manuela, Basel; Suter Sarina Barbara, Aarau Rohr; Tschäppeler Nadine, Basel; Van Hoef Miriam Joanne, Basel; Wälti Sabrina Lisa, Basel; Weber Jasmin Ni­ cole, Flamatt; Wirth Xenia Chantal, Reinach BL; Wyss Monika Eva, Magden; Wyss Natascha Doris, Alterswil FR; Zürn Zélie, Langenthal Die Absolvierenden müssen noch das zehnmonatige berufsspezifische Zusatzmodul in der Praxis absolvieren, bevor sie das Bachelordiplom entgegennehmen können.

Bachelorstudiengang Ernährung und Diätetik

Die Diplomierten: Bodenmann Beatrice Karina, Winterthur; Hieb Bettina, Zürich; Lachaux Céline, Zürich; Martina Ilona Amanda, ­Basel; Maurer Noëmi Dajanah, Oftringen; Pini Sabrina Maya, Ober­ weningen; Schudel Philippe, Muri AG

Bachelorstudiengang Ernährung und Diätetik

Die Absolvierenden: Annaheim Nadine, Aarburg; Arnold Géraldine Jeannine, Tuggen; Arnold Jolanda Agnes, Reiden; Beyeler Marina, Moosseedorf; Bösiger Daniela, Wängi; Dumas Julie, Marly; Emmen­ egger Lea Irena, Luzern; Fistik Fidan-Ezgi, Liestal; Helbling Ra­ mon, Wolfertswil; Hellinga Anouk, Eschenbach LU; Hercher Sabine Cécile, Basel; Hirsig Rachelle Anais, Olten; Hofer Priska, Bern; Jun­ ker Rebecca Sarah, Schüpfen; Keller Susan Joy, Ricketwil; Kunz Sarah Rahel, Hombrechtikon; Lack Lara Nicole, Kerzers; Lex Salome, Uzwil; Martin Lina Michèle Julia, Riehen; Marty Irene Rita Rosa, Egg SZ; Matter Céline Jeannine, Münchenstein; Messerli Angelika, Bösingen; Müller Nadine, Spiez; Nemecek Rebecca Tamara, Dälli­ kon; Niederer-Fraefel Marianne Elisabeth, Brüttisellen; Nobs ­Jacqueline, Kefikon TG; Ott Andrea Claudia, Rikon im Tösstal; Peter Corinne Elisabeth, Wiesendangen; Plüss Sabrina Stephanie, ­Würenlos; Ribeli Jacqueline, Suhr; Scheidegger-Balmer Franziska, Sugiez; Schoch Patrizia Anna, Pfäffikon ZH; Schrackmann Nicole Christina, Kriens; Schregenberger Nicole, Degersheim; Schweizer Ursula, Ittigen; Sonego Nadia Maria, Winterthur; Staub Daniela ­Andrea, Bannwil; Stetter Jessica, Herrliberg; Strässle Nina Maria, Rupperswil; Uhlmann Katja, Hochfelden; Wilhelmi Silvia, Riggis­ berg; Witschi Deborah, Bern; Zürcher Aline, Lussy FR Die Absolvierenden müssen noch das zehnmonatige berufsspezifische Zusatzmodul in der Praxis absolvieren, bevor sie das Bachelordiplom entgegennehmen können.

BFH frequenz Dezember 2016


55 Abschlussfeier

Bachelorstudiengang Hebamme Vollzeit

Die Diplomierten: Cordeiro Maia Ana Isabel, Aarburg; Felder Rahel Elisabeth, Inwil; Freiburghaus Chantal, Winistorf; Marinello Chiara Nora, Bern; Özbek Esma, Olten; Pavlovic Nina, Münchenstein; Rachdi Yasmine, Düdingen

Bachelorstudiengang Hebamme Vollzeit

Die Absolventinnen: Aebischer Ramona, Uetendorf; Brändle Tabea, Muttenz; Carl Anna-Magdalena, Meilen; Christen Manuela, Lyss; Dalla Bona Laura Maria, Ipsach; Egger Olivia, Triengen; Ehrler ­Rebecca Alena, Seewen SZ; Etter Martina, Schüpfen; Feitknecht Lucy Agatha, Twann; Freitag Sabine, Burgdorf; Hagi Lea Christina, Wünnewil; Heiniger Selina Susanna, Spiez; Illi Fabienne Eveline, Vitznau; Imstepf Estella Ramona, Glis; Jean-Petit-Matile Anna-­ Luzia, Männedorf; Kunz Tamara Nicole, Schachen LU; Künzler ­Kristina, Allschwil; Lüthi Tabea, Oftringen; Meier Fabienne, Basel; Moreira de Oliveira Janika, Heimenschwand; Nufer Lea, Boll; Pul­ ver Salome, Burgdorf; Recher-Conzett Marisa Kathrina, Zollikofen; Reust Melanie Ramona, Fahrni b. Thun; Rhunke Stefanie Isabelle, Burgdorf; Rittiner Anna Christine, Simplon Dorf; Rossi Chiara ­Luzia, Thun; Rüetschi Judith Silvia, Bern; Schefer Philia, Bern; Scherwey Rahel, Wünnewil; Schmid Alice Andrea, Bern; Schneider Alice, Schötz; Schöni Sabina Lea, Bern; Schranz Regina, Malters; Siegwart Vera Palesa, Schwyz; Spörri Ursina Lotti, Bibern SO; Tröhler Jasmin, Oberwangen bei Bern; Vargas Gonzales Nives, Möhlin; Walther Lisa Ursina, Bern; Wechsler Sarah, Nebikon; ­Weitnauer Rebecca Olivia, Näfels; Wismer Eliane Monika, Ricken­ bach LU

Bachelorstudiengang Hebamme (verkürzter Studiengang für diplomierte Pflegefachpersonen)

Die Diplomierten: Ankli Andrea Kathrin, Basel; Früh Peter Béatrice, Männedorf; Gassmann Tabea, Glattpark (Opfikon); Heiniger Andrea Katharina, Unterkulm; Herrmann Wiebke Sabine, Bern; KurmannBernet Priska Anita, Mosen; Mirer Miriam, Obersaxen; Pauli Nadine, Spreitenbach; Sailer Golda Maresa, Solothurn; Serraino Simona, Flurlingen; Wöhrle Bensbih Mariam, Castione; Zäch Deborah Maria, Thun; Zeiter Natalie, Fiesch

Master of Advanced Studies in Mental Health

Die Diplomierten: Ambrosio Dorothea, Münchenbuchsee; Bar­ mettler Andre, Schwyz; Bayo Simone, Urtenen-Schönbühl; Bieri Patrick, Ostermundigen; Bönicke Natascha, Möhlin; Probst Patrick, Worb; Wilsch Florian, Wikon

Master of Advanced Studies in Rehabilitation

Die Diplomierten: Marth Béatrice, Muri b. Bern; Thommen-Wittlin Flavia, Basel

Die Absolventinnen müssen noch das zehnmonatige berufsspezifische Zusatzmodul in der Praxis absolvieren, bevor sie das Bachelordiplom entgegennehmen können.

BFH frequenz Dezember 2016


56 Im Dialog mit …

Auf dem Segelschiff wird ihr ein schlechter Orientierungssinn attestiert – beruflich gilt das Gegenteil:

Charlotte Weidmann,

Ressortverantwortliche für die studienbegleitende Praxisarbeit im Bachelorstudiengang Ernährung und Diätetik, manövriert flink zwischen Lehre und Praxis.

BFH frequenz Dezember 2016


57 Im Dialog mit …

Die Art und Weise, wie jemand spricht – seine Rhe­ torik also –, verrät einiges über ihn. Diese Aussage trifft unweigerlich auf Charlotte Weidmann zu, die lebhaft spricht und dennoch überlegt die Worte wählt; sich energisch und gleichzeitig besonnen ausdrückt. Auch ihre berufliche Laufbahn ist von Beständigkeit einer­ seits und Richtungswechseln andererseits durchzo­ gen. So bleibt sie dem medizinischen Umfeld zwar seit der Erstausbildung treu, wagt sich jedoch innerhalb desselben wiederholt in neue Gefilde vor. Bereits als 25-Jährige weiss Charlotte Weidmann, was sie will: vorwärtskommen, etwas bewegen. Ein «eigenständiges Aufgabengebiet mit Freiheiten in der Ausgestaltung» definiert sie dafür als Voraussetzung. Ihre erste Ausbildung als medizinische Praxisassisten­ tin bezeichnet sie denn auch retrospektiv als «Sackgas­ se, was die Weiterentwicklungsmöglichkeiten betrifft». Der Stellenwert der Ernährung als wesentliches Puzz­ leteil der gesundheitlichen Abdeckung der Patientin und des Patienten ist es schliesslich, der sie nach Bern an die Schule für Ernährungsberatung des Inselspitals lockt. Aus Bequemlichkeit das Naheliegende zu wäh­ len, entspricht so gar nicht der Ambitionierten. Der Einstieg ins Berufsleben als dipl. Ernährungsberaterin erfolgt dann auch nicht im Spitalbetrieb, der ihr aus unzäh­ligen Praktikumsstunden bestens vertraut ist. Nein, fortan begibt sie sich von Schulhaus zu Schul­ haus und berät Lehrkörper, Kinder und Jugendliche in Ernährungsfragen für den schulärztlichen Dienst der Stadt Bern.

Die «Welt der Zahlen und schönen Verpackungen» Überhaupt hat es die Bundeshauptstadt der gebürti­ gen Fricktalerin angetan. Inzwischen kennt sie das hie­ sige Gesundheitswesen genauso wie die Berner Stras­ sen, auf denen sie sich beinahe täglich mit dem Fahrrad fortbewegt. In Bewegung bleiben. Nur kein Stillstand. Davon und von Wissensdurst zeugt auch die Wahl der nächsten beruflichen Station. «Ernährungswissen­ schaftliche und lebensmittelrechtliche Unterstützung von Marketing und Verkauf», wiederholt Charlotte Weidmann den exakten Wortlaut der Stellenausschrei­ bung der Wander AG – es ist wohlgemerkt 16 Jahre her, seit sie diese in den Händen hielt. Während sie im be­ kannten Unternehmen zunächst frisch gebackene El­ tern in Sachen Säuglingsernährung unterstützt, dringt sie bald tiefer in den Bereich des Produktmarketings – in «die Welt der Zahlen und schönen Verpackungen» – vor.

der Berufsentwicklung zu spüren, sei ihr wichtig,­ betont Charlotte Weidmann. Zum 10-Jahr-Jubiläum im Lebensmittelindustrie-Unternehmen gönnt sie sich dann nicht etwa Ferien oder lässt sich Geld auszahlen, sondern «quälte mich durch wissenschaftliche Module, namentlich etwa Statistik». So erwirbt sie nachträglich den Fachhochschultitel. Der Blick zurück auf den Ab­ schnitt in der Privatindustrie und die gleichzeitige, in­ tensive Beschäftigung mit der Zukunft ihres ursprüng­ lichen Berufsstandes verdichtet sich im «Bewusstsein, dass mein Herz doch eher für Menschen als für nackte Zahlen schlägt». Enthusiasmus und Motivation sprechen auch aus ihr, wenn sich ihre Rede der neusten Freizeitbeschäfti­ gung widmet: Mit dem 30-jährigen Segelschiff, einem auffälligen Kahn mit zitronengelbem Bauch, gleitet Charlotte Weidmann jeweils über den Bielersee, trotzt Sturm und Flaute. Ihre Segellaufbahn ist indes noch jung. «Mein Mann und ich sind quasi noch im Prakti­ kum», schmunzelt sie und mehr noch, wenn sie sich an die verzweifelten Ausrufe ihres Segellehrers erinnert. «Nein, Charlotte, wo segelst du denn hin!», imitiert sie diesen und gibt zu, dass es mit ihrem Orientierungs­ sinn auf See nicht zum Besten stehe.

«Nur wer sät, wird auch ernten.» Beruflich dagegen ist Charlotte Weidmann allemal auf Kurs: Verantwortliche des Ressorts Praxisausbil­ dung heisst die Funktion, die sie im Studiengang Er­ nährung und Diätetik bekleidet – am 1. September 2016 feierte sie das 5-Jahr-Jubiläum. In dieser stellt sie sicher, dass die Bachelorstudierenden Praxismodule in verschiedenen Betrieben, sei dies in Spitälern, Ernäh­ rungsberatungspraxen oder in der Lebensmittelindus­ trie, absolvieren können. Die Marketingvergangenheit kommt ihr dabei zugute – Vokabular und Vorgehen deuten gleichermassen darauf hin: Mit «Key Account Management» übersetzt sie ihre administrativ-orga­ nisatorische Scharnierfunktion. Charlotte Weidmann pendelt stets zwischen den Fragen: Was müssen Stu­ dierende mitbringen, um sich im Berufsalltag zu be­ währen? Und umgekehrt: Wie kann die Berufspraxis von den Kenntnissen der Studierenden profitieren? Die aktuellen Entwicklungen und Diskurse sowohl des Stu­ diengangs als auch der Berufswelt zu kennen, am Puls der Zeit zu sein, formuliert sie als zentralen Anspruch ihrer Tätigkeit. Denn, wie Charlotte Weidmann sprich­ wörtlich resümiert: «Nur wer sät, wird auch ernten.» Text: Bettina Nägeli, Kommunikation

Den Kontakt zur Ausbildungsstätte hält sie wäh­ renddessen aufrecht: Sie engagiert sich in einer Ar­ beitsgruppe, die die Ausbildung zur Ernährungsberate­ rin/zum Ernährungsberater von der Ebene der Höheren Fachschule auf jene der Fachhochschule hebt. Den Puls BFH frequenz Dezember 2016


58 Weiterbildungsangebot

Aus- und Weiterbildungen an der Fachhochschule

Maturität Gymnasium, Berufsmatur, Fachmatur

Angebot

30

CAS 10–15 ECTS-Credits Certificate of Advanced Studies (Hochschul-Zertifikat)

ca. ½ bis 6 Jahre

Bachelor of Science (BSc) 180 ECTS-Credits – BSc Pflege – BSc Pflege für dipl. Pflegefach­personen (berufsbegleitend) – BSc Physiotherapie – BSc Ernährung und Diätetik – BSc Hebamme – BSc Hebamme für dipl. Pflegefachpersonen (Teilzeit)

DAS 30 ECTS-Credits Diploma of Advanced Studies (Hochschul-Diplom)

15

Master of Science (MSc) 90 ECTS-Credits – MSc Pflege – MSc Physiotherapie – MSc Life Sciences – Food, Nutrition and Health

60 ECTS

MAS 60 ECTS-Credits Master of Advanced Studies (Hochschul-Titel)

Berufstätigkeit

1½ bis 2 Jahre

2 bis 5 Jahre

Weiterbildungsangebot Schwerpunkt Praxisbezug

10

Die Studienleitungen der jeweiligen Dis­ ziplin beraten Sie gerne in der Planung Ihrer persönlichen Weiterbildung. weiterbildung.gesundheit@bfh.ch Telefon + 41 31 848 44 44

Doktorat/PhD an einer Universität Schwerpunkt Forschung

3 Jahre

Die Weiterbildungsstudiengänge des Fachbereichs Gesundheit beruhen auf wissenschaftlicher Grundlage. Sie sind praxisorientiert konzipiert und modu­ lar aufgebaut. Verschiedene Fachkurse und CAS-Studiengänge können zu einem DAS- und/oder einem MAS-Abschluss kombiniert werden. Jeder MAS-Studien­ gang wird mit einem Master-Titel (Master of Advanced Studies) der Berner Fach­ hochschule abgeschlossen.

Hochschulabschluss oder Aufnahme sur dossier

Datum

Web-Code

September 2017 September 2017 Juli 2017 November 2017 Start Januar, März und August 2017 3 Termine 2017 September 2017

C-PSY-5 D-PFL-4 M-0-6 K-0-30 K-0-31 K-INT-13 K-0-70

Das MAS-Studium ist modular aufgebaut und setzt sich aus verschiedenen Fachkursen, CAS-Studiengängen und einem Abschluss­modul zusammen. Das DAS-Studium ist modular aufgebaut und setzt sich aus verschiedenen Fachkursen, CAS-Studiengängen und einem Abschluss­modul zusammen. September 2017 September 2018 September 2017 Der Einstieg ist mit jedem anrechenbaren Fachkurs oder dem CAS Modul möglich. September 2017 Durchführung siehe Website Februar 2017 Oktober 2017 Oktober 2018 November 2017 Januar 2017, erneute Durchführung Januar 2018 Mai 2018 Oktober 2017 Februar 2017, erneute Durchführung Februar 2018 Januar 2017, erneute Durchführung Januar 2018

M-0-2

Interdisziplinäre Weiterbildungen CAS Modul DAS Abschlussmodul MAS Abschlussmodul Fachkurs Praxisausbildung Gesundheit Fachkurs Wissenschaftliches Arbeiten – Reflektierte Praxis Prüfungsmodul Wissenschaftliches Arbeiten Fachkurs Statistisches Denken: Anwendungsorientiert und praxisbezogen Psychische Gesundheit und Krankheit MAS Mental Health

DAS Psychische Gesundheit

CAS Ambulante psychiatrische Pflege CAS Forensisch psychiatrische Pflege und Betreuung CAS Psychiatrische Pflege CAS Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen CAS Verbesserung der Gesundheit Passerelle Psychiatrische Pflege Fachkurs Adherencetherapie Fachkurs Ambulante psychiatrische Pflege Fachkurs Forensisch psychiatrische Pflege und Betreuung Fachkurs Gesundheitsförderung Fachkurs Kognitive Verhaltenstherapie Fachkurs Krisen- und Kurzzeitinterventionen Fachkurs Leben mit der Sucht Fachkurs Motivational Interviewing Fachkurs Pflegeprozess bei Menschen mit psychischen Störungen

BFH frequenz Dezember 2016

D-0-2

C-SPE-15 C-PSY-4 C-0-14 C-PSY-8 C-SPE-3 C-PSY-7 K-0-102 K-PSY-22 K-PSY-21 K-PSY-10 K-PSY-4 K-PSY-7 K-PSY-24 K-PSY-5 K-PSY-13


59 Weiterbildungsangebot

Angebot

Datum

Web-Code

Fachkurs Psychiatrie Fachkurs Psychoedukation Fachkurs Public Health Fachkurs Suizidprävention Spezialisierte Pflege MAS Spezialisierte Pflege

Oktober 2017 April 2017 Januar 2017, erneute Durchführung Januar 2018 Mai 2017

K-PSY-2 K-PSY-11 K-PSY-3 K-PSY-19

Das MAS-Studium ist modular aufgebaut und setzt sich aus verschiedenen Fachkursen, CAS-Studiengängen und einem Abschluss­modul zusammen. Das DAS-Studium ist modular aufgebaut und setzt sich aus verschiedenen Fachkursen, CAS-Studiengängen und einem Abschluss­modul zusammen. Das DAS-Studium Passerelle besteht aus dem Fachkurs «Wissenschaftliches Arbeiten – Reflektierte Praxis» und dem DAS Abschlussmodul. September 2017 Januar 2017, erneute Durchführung Winter 2018 September 2018 Ab Januar 2017 für ca. 2 Jahre, der Einstieg ist jederzeit möglich. August 2017 Oktober 2017 Januar 2018 Januar 2017, erneute Durchführung Winter 2018 Mai 2017 Oktober 2017 Januar 2018 Oktober 2017

M-PFL-4

DAS Spezialisierte Pflege

DAS Passerelle Spezialisierte Pflege

CAS Akutmedizin / Akutpflege CAS Clinical Assessment und Decision Making CAS Clinical Research Coordinator CAS Interprofessionelle spezialisierte Palliative Care CAS Organspende CAS Patientensicherheit Fachkurs Achtsamkeit und Persönlichkeitsentwicklung im Gesundheitsberuf Fachkurs Clinical Assessment Fachkurs Clinical Decision Making Fachkurs Forensic Reasoning / Forensic Nursing Fachkurs Notfall- und Rettungsmedizin Fachkurs Pädiatrie Physiotherapie CAS Manuelle Therapie SAMT Advanced CAS Manuelle Therapie SAMT Basic CAS Sensomotorik MAS Physiotherapeutische Rehabilitation

Fachkurs Craniocervicale Dysfunktionen Fachkurs Pulmonale Rehabilitation Fachkurs Physiotherapie auf der Intensivstation Basic Fachkurs Respiratorische Physiotherapie Basic Fachkurs Stürze, Gleichgewichtsprobleme und Schwindel im Alter Fachkurs Vertiefung Neurorehabilitation Ernährung und Diätetik CAS Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelintoleranzen Fachkurs Biochemie für Ernährungsberater/innen Fachkurs Mangelernährung Kurzkurs Nahrungsmittelallergien – eine spannende Herausforderung im Beratungsalltag Kurzkurs Nahrungsmittelunverträglichkeiten: häufig und häufig übersehen Kurzkurs Zöliakie Hebamme CAS Still- und Laktationsberatung

D-PFL-1

D-PFL-3

C-PFL-8 C-0-34 C-PFL-4 C-PFL-5 C-PFL-6 C-PFL-7 K-PFL-8 K-PHY-14 K-PHY-13 K-PFL-5 K-PFL-9 K-PFL-6

Januar 2017, erneute Durchführung Januar 2018 Januar 2017, erneute Durchführung Januar 2018 September 2017 Das MAS-Studium ist modular aufgebaut und setzt sich aus verschiedenen Fachkursen und CAS-Studiengängen zusammen. Mai 2017 Durchführung noch offen Oktober 2017 Nächste Durchführung voraussichtlich Frühjahr 2018 Oktober 2017 April 2017

K-PHY-20 K-PHY-19 K-PHY-18 K-PHY-3 K-PHY-21 K-PHY-16

März 2017 Januar 2017 Oktober 2017 Sommer 2017

C-ERB-2 K-ERB-29 K-PFL-2 K-ERB-33

17. November 2017 Oktober 2017

K-0-110 K-ERB-32

September 2017

C-HEB-2

In der Regel werden die Studiengänge und Fachkurse jährlich angeboten. Aktuelle Angaben finden Sie auf der Website: gesundheit.bfh.ch/weiterbildung Alle Weiterbildungsangebote des Instituts Alter finden Sie auf der Website: alter.bfh.ch BFH frequenz Dezember 2016

C-PHY-4 C-PHY-2 C-PHY-14 M-0-3

gesundheit.bfh.ch


Berner Fachhochschule Fachbereich Gesundheit Murtenstrasse 10 3008 Bern

Telefon +41 31 848 35 00 Fax +41 31 848 35 01 gesundheit@bfh.ch gesundheit.bfh.ch

Studium

– Bachelor of Science in Pflege – Bachelor of Science in Physiotherapie – Bachelor of Science in Ernährung und Diätetik – Bachelor of Science Hebamme – Master of Science in Pflege – Master of Science in Physiotherapie – Master of Science in Life Sciences – Food, Nutrition and Health

Weiterbildung

– Fachkurse / Kurse – Master of Advanced Studies, Diploma of Advanced Studies, Certificate of Advanced Studies – Betriebsinterne Weiterbildungen

Dienstleistungen

– Fachberatung – Organisationsentwicklung für Gesundheitsinstitutionen – Qualitätsmanagement – Kommunikationstraining

Angewandte Forschung und Entwicklung – Forschungsprojekte mit Praxispartnern – Evaluationen – Forschungsunterstützung

BFH frequenz Dezember 2016


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
BFH frequenz dezember 2016 by Daniel Haid - Issuu