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WIR 05 vom 05/05/2026

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Beflügelnd

Oft erinnern uns Ereignisse oder Begegnungen daran, für die einfachen Dinge des Lebens zufrieden sein zu dürfen. Solche Begegnungen durfte ich für diese Ausgabe machen. Ich habe Christine Greiff kennengelernt, die mir von ihrem Leben als blinde Frau erzählt hat und wie sie ihr Weg ins Blindenzentrum St. Raphael Bozen führte. Hier arbeitet Linda Lubian, die Menschen wie Christine dabei begleitet, sich in ihrem Alltag zurechtzufinden. Zwei beeindruckende Frauen – eine tolle Titelgeschichte.  Beeindruckend und beflügelnd war auch das Gespräch mit Eva Kainz, Geschäftsführerin im Eppaner Jugend- und Kulturtreff JUMP sowie Mentaltrainerin. Wie sie ihre auf den ersten Blick unterschiedlichen Tätigkeiten vereint, erfahren Sie im Porträt. Und mein Kollege Philipp Kieser hat sich vom Neumarkter Kulturreferenten Peter Daldos inspirieren lassen, der die Unterlandler Gemeinde zu einem kulturell profilierenden Ort machen möchte.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine ebenso inspirierende Lektüre!

Herzlichst, Sarah Meraner

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Eigentümer und Herausgeber: Bezirksmedien GmbH; Ermächtigung des Landesgerichtes Nr. 19/93; Eintragung im ROC Nr. 3226/1994 Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes: Josef Laner Bezirkskoordination: Alexander Del Rosso, adr@bezirksmedien.com

Redaktionsleitung: Sarah Meraner

Redaktion: Sarah Meraner, Walter J. Werth, Flora Brugger, Remo Demanega, Phillipp Kieser, Karl Psenner, Robert Adami

Werbung: Alexander Del Rosso, adr@bezirksmedien.it, 329 653 22 48

Grafik: Bezirksmedien, grafik.plus@bezirksmedien.it

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Christine Greif ist seit ihrer Geburt blind – und führt dennoch ein aktives, erfülltes Leben. Im Blindenzentrum St. Raphael hat sie nicht nur ein Zuhause gefunden, sondern auch: Zufriedenheit

Jeden Tag verbringt Christine Greif mehrere Stunden in der Werkstatt des Blindenzentrums St. Raphael. Aus geschnittenen Klorollen und aus in Wachs getauchten Holzstäbchen stellt sie gemeinsam mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses kleine „Feuerteufelchen“ her. „Sie können zum Feuermachen im Holzherd oder zum Grillen verwendet werden“, erklärt Christine, die ausgebildete Telefonistin ist und als solche in Bozen 14 Jahre lang gearbeitet hat. Deshalb leistet sie auch hier in der Werkstatt häufig Telefondienst. Und auch ansonsten geht die 61-Jährige zahl-

reichen Aktivitäten nach: Yoga, Turnen, Töpfern, um nur ein paar der Aktivitäten zu nennen, die hier angeboten werden. Christine strahlt eine Ruhe und Zufriedenheit aus, wie man sie nur selten bei Menschen erlebt. Und das ist sie auch, sagt sie: „Ich bin zufrieden, wie es ist.“ Trotzdem … Manchmal fragt sie sich, wie es wohl wäre, wenn sie Farben sehen könnte. Christine kennt keine Farben, sie ist seit ihrer Geburt blind. Den Gedanken, doch etwas erkennen zu können, lächelt die gebürtige Boznerin schnell wieder weg. „Es gibt viel Schlimmeres.“ Seit ihrem 16. Lebensjahr

lebt Christine Greif schon im Blindenzentrum, erzählt sie. Hier hat sie nach einer bewegten Kindheit ein Zuhause gefunden. Christine kommt am 1. September 1964 zwei Monate zu früh auf die Welt – als Frühchen kommt sie in den Brutkasten. Was ihr als Starthilfe im Leben dienen soll, wird für sie zum Grund, warum sie ohne Sehvermögen aufwächst: Die Sauerstoffzufuhr im Brutkasten ist zu hoch, ihre Netzhaut wird dadurch verbrannt und somit nachhaltig geschädigt, Christine erblindet. Später wächst sie in einer Pflegefamilie auf, zu der sie eine enge Beziehung

entwickelt. Als siebenjähriges Mädchen kommt sie auf eine Blindenschule nach Innsbruck, wo sie die Blindenschrift und weitere wichtige Fertigkeiten lernt. „Ich hatte in den ersten Jahren fest Heimweh“, sagt sie rückblickend, „aber dann habe ich mich doch wohl gefühlt.“ Aufgrund familiärer Probleme kann Christine nicht in ihre Pflegefamilie zurück, aber sie besucht sie regelmäßig. Dann, mit 16, führt sie ihr Weg ins Blindenzentrum St. Raphael – somit ist Christine fast seit Beginn an Teil der Gemeinschaft. Damals wird sie herzlich empfangen, nicht nur von Mariedl Fischnaller, der Gründerin des Hauses, sondern auch von einem ehemaligen Schulkollegen aus Innsbruck, der ebenfalls hier wohnt. Er zeigt ihr das Haus und den Garten, schnell fühlt sie sich wohl. Und heute? „Hier bin ich daheim“, sagt sie überzeugt.

Den Alltag neu lernen Menschen, die blind sind oder eine Sehbehinderung haben, haben durchaus die Chance, all die Dinge zu tun, die andere Menschen auch tun können, ist Linda Lubian überzeugt. Die gelernte Erziehungswissenschaftlerin arbeitet seit 2022 im Blindenzentrum und leistet für die Einrichtung den mobilen Beratungsdienst für Erwachsene. Konkret heißt das, dass sie quer durch Südtirol fährt, um Menschen, die sehbehindert oder blind sind

oder die in absehbarer Zeit ihr Augenlicht verlieren werden, zu besuchen und Hilfsmittelberatung zu leisten. „Bei der Hilfsmittelberatung geht es darum zu schauen, welche Bedürfnisse und Schwierigkeiten die Personen im Alltag haben und mit welchen Hilfsmitteln man ihnen am besten helfen kann.“ Die Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen umfassen ein Riesenrepertoire an verschiedensten Utensilien – von der Schneidehilfe in der Küche bis hin zum elektronischen Tischlesegerät. Die vielen Neuerungen und die Geräte überfordern betroffene Menschen

oft zunächst. Aus diesem Grund berät Linda Lubian die Menschen, begleitet sie beim Kauf notwendiger Geräte und hilft ihnen dabei, sie richtig zu verwenden. Eine sensible Angelegenheit, immerhin steht den betroffenen Menschen eine völlig neue Realität bevor. Deshalb gibt es weitere Mitarbeiterinnen des Blindenzentrums, die die Menschen bei einer Neudiagnose oder bei Krankheiten beraten, und es gibt auch eine psychologische Begleitung. Jede Person ist anders, hat andere Bedürfnisse und geht anders mit ihrer Situation um. Das merkt auch Linda Lubian bei ihrer

© lindenzentrum St. Raphael

Arbeit jeden Tag aufs Neue. Die neue Situation anzunehmen, sei aber die Grundlage dafür, um alles weitere zu meistern – besonders das Lesen ist für viele eine große Herausforderung. Die Brailleschrift zu beherrschen ist sicherlich ein Plus, aber heutzutage aufgrund der vielen technischen Möglichkeiten nicht mehr unbedingt notwendig, sagt Lubian. „Die Leute unterschätzen sich sehr oft. Aber man kann alles neu lernen, wenn man will, auch wenn man schon älter ist“, lächelt sie. „Ich arbeite zum Beispiel mit einer 103-jährigen Frau und sie ist mit dem Handy sehr fit.“ Das Handy und spezielle Apps sind für sehbehinderte und blinde Menschen zu einem wichtigen Tool geworden: Sie erleichtern den Alltag und ersetzen oft mehrere Geräte. Auch für Christine Greif ist das Smartphone aktuell ein praktisches Hilfsmittel, allerdings eines mit Tasten – damit komme sie besser zurecht. Zudem nutzt sie die Sprachsteuerung Alexa. „In den letzten zehn bis 15 Jahren gab es enorme Entwicklungen, gerade was die Kameraund Bildqualität betrifft, und es gibt sehr fortschrittliche Vorlesegeräte“, so Lubian. Außerdem gibt es inzwischen eine größere Auswahl an elektronischen Geräten für individuelle Bedürfnisse sowie unterschiedliche Anbieter in verschiedenen Preissegmenten. Das sei wichtig, weil die Personen

häufig selbst für die Geräte aufkommen müssen. Die Anschaffung von Hilfsmitteln ist teilweise mit sehr hohen Kosten verbunden, die Anerkennung einer Invalidität, die für eine finanzielle Entlastung notwendig wäre, ist oft schwierig zu erlangen. Das Blindenzentrum bietet deshalb Hilfsmittel zum Verleih. Lubians Motto: „Ich versuche Lösungen mit dem zu finden, was die Leute schon haben.“ Zukünftig werden Hilfsmittel noch weiter optimiert werden, ist die Beraterin überzeugt – gerade durch die Künstliche Intelligenz.

Selbstbestimmt durch die Welt Neben der Hilfsmittelberatung leitet Linda Lubian auch sogenannte Mobilitäts- und Orientierungstrainings, durch die die Personen lernen, von A nach B zu kommen, sowie LPF-Trainings (Anm. d. Red.: LPF = Lebenspraktische Fertigkeiten). Bei der dafür notwendigen dreijährigen Ausbildung, musste Lubian selbst bestimmte Tätigkeiten mit einer Augenbinde durchführen, um zumindest ansatzweise zu verstehen, wie sich diese ohne Sehvermögen anfühlen. „Wirklich hineinversetzen kann man sich natürlich nicht – in dem Moment, in dem ich die Augenbinde wieder abnehme, sehe ich ja wieder“, sagt sie. „Aber man nimmt bestimmte Gefühle und Frustrationen wahr – und die bleiben einem in Er-

innerung.“ Beim Mobilitäts- und Orientierungstraining schaut die Leifererin darauf, dass vor allem jene Wege geübt werden, die die Person täglich oder regelmäßig nutzt –etwa die Strecke von daheim zum Supermarkt oder der Weg zum Zugbahnhof und dem richtigen Gleis. Dabei lernen die Menschen verschiedene Orientierungstechniken, etwa sich unveränderliche Merkmale aus der Umgebung wie Betonpfosten oder Ampeln zu merken. Was die Barrierefreiheit für blinde Menschen betrifft, gibt es viel, das im öffentlichen Raum gut funktioniert, sagt Lubian, verweist aber darauf, dass es trotzdem wichtig ist, dass sich die Personen selbst zu helfen wissen. Das wichtigste und wohl auch das Schwierigste: fremde Menschen um Hilfe zu bitten. „Die Leute helfen in der Regel gerne und darüber ist man auch froh, aber man muss eben auch auf die richtige Art mit blinden Menschen interagieren.“ Sie spricht aus Erfahrung. Bei ihrer praktischen Prüfung in Florenz musste Lubian mit Augenbinde zu einem bestimmten Ziel hin finden. Die einzige Regel: Sie durfte nicht begleitet werden. „Und das war die einzige Art von Hilfe, die ich bekommen habe – obwohl ich nicht darum gebeten habe. Man hat mein Nein nicht akzeptiert und hat mich trotzdem ,mitgerissen‘ und einfach irgendwohin gebracht und ,abgestellt‘“, erzählt Lubian. „Das löste eine große Frustration in mir aus, die blinde Menschen oft erleben.“ Durchschnittlich führt Linda Lubian etwa 200 bis 230 Beratungen für Erwachsene in ganz Südtirol. Sie liebt ihren Job – und das merkt man. „Die Abwechslung ist schön. Jeder Tag ist anders, ich komme viel in Südtirol herum und bin in Kontakt mit vielen unterschiedlichen Menschen. Es gilt immer, neue Lösungen zu finden“, sagt sie. Die Personen auf ihrem neuen Weg zu begleiten und ihnen dabei zu helfen, ihren Alltag zu meistern und zu erleichtern, motiviert die Beraterin. „Es gibt immer wieder Erfolgserlebnisse, vor allem dann, wenn ich den Menschen die Liebe zum Lesen wieder schenken kann.“

Eine Gemeinschaft seit Jahrzehnten 1956 gründet Mariedl Fischnaller das Blindenapostolat, eine der ersten Selbsthilfeorganisationen Südtirols. Ziel war es, die damals oft isolierten und kaum unterstützten blinden Menschen zu vernetzen und ihnen bessere Lebensbedingungen zu ermöglichen. In den frühen 1960er-Jahren

entstand daraus die Idee, ein eigenes Zentrum für blinde und sehbehinderte Menschen aufzubauen. 1968 wurde ein Grundstück in Bozen-Gries für dieses Vorhaben zur Verfügung gestellt. Mit Unterstützung von Caritas, verschiedenen Vereinen und der Bevölkerung sowie durch zahlreiche Spenden konnte das Projekt Blindenzentrum umgesetzt werden. 1976 wurde der Grundstein gelegt, 1979 zogen die ersten Bewohner:innen ein, und 1980 wurde das Blindenzentrum offiziell eröffnet. Auch heute noch ist das Blindenzentrum, das mitten in einer ruhigen Wohngegend in Bozen/Gries liegt, eine private Einrichtung. Das Gebäude besteht aus einem Seniorenwohnheim im ersten Stock sowie Zimmern für das autonome Wohnen und Zimmern für Gäste im zweiten und dritten Stock. Es gibt ein Schwimmbad, einen Saunabereich, eine Kegelbahn, einen Sport- und Fitnessraum, verschiedene Aufenthalts- und Seminarräume sowie eine Kapelle. Die Architektur des Blindenzentrums ist komplett blindengerecht konzipiert: Handläufe, Bodenmarkierungen, taktile Orientierungspunkte und Braillebeschriftung ermöglichen es den Bewohnenden sich frei und autonom zu bewegen – drinnen wie draußen. Der weitläufige Garten ist ein wichtiger Teil des Blindenzentrums. Auch Christine Greif geht hier gerne spazieren. „Ich mache aber auch gerne Ausflüge in ganz Südtirol. Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, dann immer mit Blindenstock und auch immer in Begleitung.“ Begleitet werden die Bewohnenden dabei von Freiwilligen. Singen, Vorlesen, Turnen, Bastelnachmittage, Konzerte: Auch bei

Veranstaltungen, verschiedenen Angeboten sowie bei alltäglichen Abläufen sind neben den Mitarbeitenden auch Freiwillige unterstützend vor Ort. Bewohnerin Christine schätzt das Blindenzentrum sehr: die Pflege, die Zusammenarbeit, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aller hier mitwirkenden Menschen. Christine Greif schaut aber auch gut auf sich selbst: Sie macht Sportübungen, radelt auf ihrem Standrad im Zimmer, meditiert und hält auch ihren Kopf fit, indem sie Wortspiele und Gedächtnisübungen macht. Außerdem spielt die Boznerin leidenschaftlich gerne Ziehharmonika – das Musizieren hat sie sich selbst beigebracht, wie sie stolz erzählt. Christine liest gerne und viel, am liebsten Romane und religi-

öse Literatur. Der Glaube ist ein wichtiger Teil in ihrem Leben, so sagt sie. Er hilft ihr auch bei einer Tätigkeit, die sie seit etwas länger als einem Jahr ausübt, nämlich der Sterbebegleitung im Altersheim. „Ich bin einfach da, halte den Leuten die Hand, damit sie nicht alleine sind und bete für sie.“ Anderen immer einen guten Gedanken mit auf den Weg geben – das ist das, was Christine tun möchte und mit Sicherheit noch oft tun wird. Obwohl Christine es in ihrem Leben selbst nicht immer leicht hatte, ist sie genügsam, freundlich – und stets für andere da. „Ich gebe allen Menschen immer einen guten Gedanken mit.“ Und das stimmt.

„Wir Menschen können es besser“

Eva Kainz ist Geschäftsführerin im Eppaner Jugend- und Kulturtreff JUMP – und Mentaltrainerin. Eine Frau, die Impulse setzt für mehr Offenheit im Umgang mit Gefühlen.

Im Garten der Begegnung in Eppan blüht es schon, es herrscht reges Treiben. Ein buntes Treiben und Blühen passiert auch im Kopf von Eva Kainz – und doch strahlt sie eine Ruhe aus, die fast schon ansteckend ist. Eva ist seit fünf Jahren Geschäftsführerin des Jugend- und Kulturtreffs JUMP –nach vielen Jahren als Direktionsassistentin in einer Sprachschule ist sie in die Jugendarbeit quer eingestiegen.„Die Arbeit für Jugendliche macht für mich einfach am meisten Sinn“, sagt Eva, selbst Mutter von vier inzwischen erwachsenen Kindern. „Unsere Generation hat die Pflicht, ein Umfeld zu schaffen, in dem junge Menschen wachsen und sich entfalten können.“ Im JUMP fühlt sie sich wohl, hier arbeitet sie für ihr Team und stellt ihm bestmöglich zur Verfügung, was es für das Arbeiten mit den Jugendlichen und für kulturelle Angebote benötigt. Angekommen ist sie auch in ihrer zweiten Arbeit als Mentaltrainerin. „Ich habe mich immer schon dafür interessiert,

was mich im Leben trägt, was mich ausmacht – und einen sinnvollen Weg zu finden, der mich in meinem Alltag unterstützt.“ Die 47-Jährige hat das Bedürfnis, etwas zurückzugeben. „Ich bin mit einer sehr esoterischen Mutter

und einer erzkatholischen Oma aufgewachsen – für mich selbst habe ich nach einer bodenständigeren Spiritualität gesucht.“ Dabei stößt sie auf das Leben von Naturvölkern – das war für Eva stimmig. „Ich habe gelernt, dass ich Teil eines großen Ganzen bin. Das gibt mir meinen Platz, aber eben auch Verantwortung, darüber, wie ich lebe und welchen Einfluss ich auf mein Umfeld nehme.“

„Wir sind fühlende Wesen“ Eva Kainz spürt, dass es vielen Menschen heutzutage nicht gut geht. Die Kultur, wie wir unsere Gefühle (nicht) ausdrücken, empfindet sie als ungesund. Von den Grundemotionen, Freude, Traurigkeit, Angst und Wut wird gesellschaftlich eigentlich nur Freude toleriert. Dabei gehören sie alle zu unserem System. Besonders

die Wut ist verpönt. „Meine Oma hat als Kind immer zu mir gesagt, als ich wütend war: Schau, wia schiach du bisch. Das will man als Mädchen natürlich nicht sein.“

Dabei sagt uns die Wut, dass eine Grenze überschritten wird. Die Kraft der Wut liegt darin, diese Grenze zu ziehen. „Die Wut hat also sehr wohl Sinn. Stattdessen legt sich – vor allem bei Frauen –dann oft Traurigkeit darüber, die eher toleriert wird. Traurigkeit zeigt aber etwas anderes: Sie zeigt dir das, was du liebst. Du bist nie über etwas traurig, das dir egal ist.“ Als ihre Mutter an einem Tumor in der Leber erkrankt, dem Organ, das eng mit der Unterdrückung von Wut verknüpft ist, verändert sich in Eva etwas: Ihr wird bewusst, dass sie – wie auch ihre Mutter – ihre Wut nie gelebt hat. „Meine Mama hat sich damals ge-

© David Klotz

Immobilien - Begünstigte Zuweisung an Gesellschafter wieder möglich

Mit dem Haushaltsgesetz 2026 wurde eine Neuauflage der begünstigten Zuweisung von nicht betrieblich genutzten Immobilien, sowie in öffentlichen Registern eingetragene nicht betrieblich genutzten Güter wie z.B. Fahrzeuge, bei Gesellschaften vorgesehen. Anwendung findet die Bestimmung bei Gesellschaften jeglicher Rechtsform, Personen- und Kapitalgesellschaften wie z.B. OHG, KG, GmbH und AG. Normalerweise folgt die Zuweisung von Gütern der Gesellschaft an einen Gesellschafter den Regeln des Eigenverbrauchs, d.h. für die Ermittlung des Veräußerungsgewinns wird der Marktwert des Gutes herangezogen und auf die Differenz zwischen Marktwert und Buchwert wird der ordentliche Steuersatz angewandt (potentiell 43% Einkommenssteuer oder 24% Körperschaftssteuer und 3,9% Wertschöpfungssteuer). Bei der begünstigten Zuweisung wird ein vorteilhafter Steuersatz von 8% auf die Differenz von Marktwert und Buchwert angewandt. Sollte es sich bei der Gesellschaft um eine „Scheingesellschaft“ (ital. società di comodo) handeln,

dann steigt der Steuersatz auf 10,5%. Diese Ersatzsteuer ersetzt die Einkommenssteuer und Wertschöpfungssteuer. Bei den Immobilien gibt es noch einen zusätzlichen Vorteil, denn anstelle des Marktwertes kann der Katasterwert für die Berechnung des Mehrwertes herangezogen werden, und dieser ist in Südtirol bekanntlich um einiges niedriger ist als der Marktwert. Des Weiteren sind die Registergebühren um die Hälfte reduziert. Für die Hypothekar- und Katastersteuern kommt nur der Fixbetrag zur Anwendung. Keine Begünstigung gibt es im Bereich der Mehrwertsteuer, da diese eine auf EU-Ebene harmonisierte Steuer ist und Italien autonom keine Begünstigungen festlegen kann. Die Zuweisung stellt bilanztechnisch eine Ausschüttung von Kapital oder Gewinnrücklagen dar. Werden im Zuge der Zuweisung Rücklagen unter Steueraussetzung verwendet, dann ist eine zusätzliche Ersatzsteuer in Höhe von 13% abzuführen. Zugewiesen werden können Immobilien, die nicht ausschließlich für die eigene Tätigkeit verwendet werden. Dazu gehören Gewerbeimmobilien,

die vermietet werden; Immobilien, welche als Vermögenswerte gehalten werden und gesondert nach den Regeln der Gebäudeeinkünfte besteuert werden, sowie Immobilien, welche als Handelsware von einer Immobilienfirma gehalten werden. Die Zuweisung muss innerhalb 30. September 2026 mittels notarieller Urkunde erfolgen. Die Zahlung der Ersatzsteuer erfolgt in 2 Raten: 60 % am 30. September 2026 und 40% am 30. November 2026. Die begünstigte Zuweisung ist für die Gesellschaften ein gutes Instrument die Vermögenssituation zu bereinigen, insbesondere wenn die Tätigkeit in den nächsten Jahren aufgelassen werden soll oder eine Erbregelung ansteht.

Martin Eder Bozen - Lana - Naturns martin.eder@gspeo.com

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Eine Reise durch die Welt der Gärten

Die Sonderausstellung „Gestaltete Paradiese – Von Menschen und Gärten“ in den Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran ist bis 8. November zu erleben.

Wer durch die Gärten von Schloss Trauttmansdorff spaziert, begegnet nicht nur Pflanzen aus aller Welt, sondern auch Geschichten, die erzählen, wie Menschen Natur sehen, formen und nutzen. Hier setzt die Ausstellung „Gestaltete Paradiese – Von Menschen und Gärten“ an.

Sie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen den Gärten von Schloss Trauttmansdorff, dem Südtiroler Landesmuseum für Tourismus –Touriseum und den Kuratoren der Österreichischen Nationalbibliothek. Gemeinsam greifen sie eine Idee auf, die bereits 2023 in Wien präsentiert wurde, und führen sie in Meran weiter – ergänzt um die lokale Gartenkultur und ihre enge Verbindung zur Geschichte des Tourismus. „Gestaltete Paradiese” zeigt, wie sich Gartengestaltung über die Jahrhunderte verändert hat: von den streng angelegten Gärten der Renaissance über prachtvolle Barockgärten bis hin zum englischen Landschaftsgarten. Im 20. und 21. Jahrhundert wiederum werden Gärten und Parks zu öffentlichen Räumen und wichtigen Elementen moderner Stadtplanung. Ein besonderer Blick richtet sich auf Meran. Die Stadt ist ohne ihre Promenaden, Parks und Gärten kaum denkbar. Schon im 19. Jahrhundert begann man hier, Grünräume gezielt zu gestalten – zunächst für Kurgäste, später für eine

immer breitere Öffentlichkeit. Der Tourismus wurde zur treibenden Kraft hinter dieser Entwicklung und prägte das grüne Erscheinung bild der Stadt nachhaltig. Diese Entwicklung findet

ihren Höhepunkt in der Eröffnung der Gärten von Schloss Trauttmansdorff im Jahr 2001, die heuer ihr 25-jähriges Bestehen feiern. Die Ausstellung läuft bis zum 8. November.

„Das Tal erhalten, in dem ich aufgewachsen bin“

Südtiroler Milch kann mehr: Sie steht nicht nur für Qualität, sondern für gepflegte Wiesen und Almen, für gelebte Traditionen und für die Sicherung regionaler Strukturen.

Dahinter stehen Menschen wie Armin Fischnaller vom Tschanduihof im Villnösstal, die mit viel Einsatz ihre Bergbauernhöfe bewirtschaften und damit das Landschaftsbild prägen und erhalten. Bergbauer Armin Fischnaller ist eines der Gesichter der Sensibilisierungskampagne „Südtiroler Milch kann mehr“, die in diesem Jahr die Beweggründe der Südtiroler Milchbäuerinnen und Milchbauern in den Mittelpunkt stellt.

Sein Bergbauernhof, der Tschanduihof im Villnösstal, liegt auf rund 1.500 Metern Höhe und umfasst etwa 17

Hektar Grünland. Die Bewirtschaftung des Milchviehbetriebs erfordert täglich viel Einsatz - besonders bei der Pflege der Flächen. „Wenn wir nicht mähen würden, würde sich die Natur vieles

zurückholen“, erklärt Fischnaller. Seine Wiesen werden zwei Mal im Jahr gemäht, manche sogar drei Mal. Auch im Wald gibt es ständig etwas zu tun, damit Nutz- und Schutzfunktion erhalten bleibt. „Ich möchte das Tal erhalten, in dem ich aufgewachsen bin“, so der Bergbauer. Wie viele Bergbauernhöfe in Südtirol wird auch der Tschanduihof im Nebenerwerb geführt. Armin Fischnaller ist nach dem morgendlichen Melken seiner Kühe als Milchammelwagenfahrer im Tal unterwegs und bringt die Milch in den Milchhof Brimi. „Für

mich ist es entscheidend, dass die Milch lokal verarbeitet wird. Ich weiß, dass sie in guten Händen ist und ein qualitativ hochwertiges Produkt daraus entsteht“, betont Fischnaller. Armin Fischnaller steht damit stellvertretend für rund 4.000 kleinstrukturierte Milchviehbetriebe in Südtirol, die täglich die genossenschaftlich organisierten Milchhöfe des Landes mit hochwertiger Rohmilch beliefern. Wer zu Südtiroler Milchprodukten greift, unterstützt diese Betriebe – und trägt dazu bei, dass unsere Kulturlandschaft auch in Zukunft erhalten bleibt.

Landschaftspflege bedeutet für mich, das Tal zu erhalten, in dem ich aufgewachsen bin. Mit unserer Arbeit liefern wir nicht nur hochwertige Milch - wir bewahren auch das einzigartige Landschaftsbild.

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Kulturkosmos Neumarkt an der Etsch

Peter Daldos ist Kulturreferent der Marktgemeinde Neumarkt. Ein Gespräch über Stärken, Leerstellen, neue Projekte und die Frage, wie sich Kultur im Ort künftig besser verbinden lässt.

Wenn Peter Daldos über Neumarkt spricht, beginnt er nicht bei einzelnen Veranstaltungen, sondern beim Grundgefühl des Ortes. „Wenn ich das kulturelle Profil von Neumarkt beschreiben müsste, würde ich sagen: Neumarkt ist ein Ort mit ungewöhnlich hoher kultureller Dichte auf engem Raum.“ Gemeint sind damit nicht nur Einrichtungen oder Termine, sondern ein Gefüge aus historischem Ortsbild, Vereinskultur, kirchlicher und bürgerlicher Tradition, Sprache, Geschichte und alltäglicher Begegnung. „Kultur ist hier nicht nur Veranstaltung, sondern auch Ortsbild, Brauchtum, Identität und gelebter Alltag.“

Was macht ein Kulturreferent in diesem Zusammenhang eigentlich konkret?

Daldos antwortet nüchtern: „Die Aufgabe beginnt dort, wo man kulturelle Entwicklungen ermöglicht, vernetzt und strategisch mitdenkt.“ Es gehe um Räume, Sichtbarkeit, Kooperationen, auch um Förderlogik und Impulse. „Ein Kulturreferat kann Impulse geben, koordinieren und Sichtbarkeit schaffen, aber auch Initiativen stärker miteinander in Beziehung zu bringen.“ Kultur, sagt er, sei nie reine Verwaltung, sondern immer Gemeinschaftsarbeit. Getragen werde das kulturelle Leben von vielen Akteur:innen zugleich: Vereine, kirchliche Initiativen, Bildungseinrichtungen, Veranstalter, engagierte Einzelpersonen, öffentliche

Einrichtungen. Daldos sieht darin eine Stärke, spricht aber auch offen an, dass noch nicht alles ineinandergreift. „Es gibt noch zu oft ein Nebeneinander statt eines echten kulturellen Zusammenspiels, beispielsweise auch zwischen den verschiedenen Fraktionen und dem Hauptort.“ Genau dort ortet er eine der zentralen Aufgaben der nächsten Jahre: mehr Abstimmung, mehr gemeinsame Sichtbarkeit, mehr Bewusstsein für ein kulturelles Gesamtprofil.

Zu den bestehenden Pfeilern zählt Daldos auch Räume das Kunstforum Unterland ebenso wie das Museum für Alltags-

kultur. Gleichzeitig verweist er auf neue Schwerpunkte, die sich angekündigt haben: das Kulturgüterdepot des Landes und das Würth-Museum. Gerade in dieser Verbindung aus gewachsenem Erbe und neuen Vorhaben sieht er eine besondere Chance für den Ort als Kultursammelpunkt für das Umland. Ein gemeinsamer Kalender wäre für ihn ein erster konkreter Schritt. Alle kulturellen Akteur:innen könnten dort eintragen, was sie planen. Dahinter eine einfache Idee: Wer besser sieht, was da ist, kann auch besser zusammenarbeiten, sich gegenseitig kennen und schätzen lernen. Einen

fertigen kulturellen Masterplan gebe es derzeit nicht. „Wohl aber die Notwendigkeit dafür“, sagt Daldos. Vieles sei historisch gewachsen, anderes aus Engagement oder Gelegenheit entstanden. Jetzt stelle sich die Frage, wie daraus eine gemeinsame Linie werden kann. „Was wollen wir sein? Wofür wollen wir stehen? Wie verbinden wir Denkmalpflege, Ortsgeschichte, zeitgenössische Kultur, Jugend, Bildung und öffentliche Räume?“ Gerade im Bereich Jugendkultur sei bereits einiges in Bewegung, betont er. Es brauche aber weiterhin Formate, die jüngere Menschen zwischen 25 und 40 Jahren ansprechen und ernst nehmen. Ebenso wichtig seien niederschwellige und experimentelle Räume: Zwischennutzungen, künstlerische Beiträge im öffentlichen Raum, kleinere Formate außerhalb klassischer Strukturen. In diesem Zusammenhang bringt Daldos auch die Lauben ins Spiel. Sie könnten kulturell stärker genutzt werden, etwa durch Ausstellungen, Lesungen oder Formate im Leerstand. Ein wichtiger Baustein für die Zukunft ist für ihn das geplante Kulturgüterdepot. „Dieses Projekt kann für Neumarkt weit über seine praktische Funktion hinaus Bedeutung bekommen.“ Forschung, Restaurierung, Sammlung, Ausstellung und öffentliche Nutzung könnten den Ort auch kulturell sichtbar machen. Ähnlich sieht er das angekündigte Würth-Museum im Bereich Meister-KonradDurchgang. „In beiden Fällen

wird es unser Bestreben sein, die bereits vorhandene Kulturarbeit nicht an den Rand zu drängen, sondern Synergien zu schaffen.“ Für das Klösterle wünscht sich Daldos eine „kulturell kluge und ortsbezogene Nutzung“. Er denkt an Vermittlung, Begegnung, kleinere Ausstellungen, Lesungen und thematische Formate. Auch die Ruine Kaldiff nennt er als Ort,

der künftig stärker aufgewertet werden sollte.

Wo könnte Neumarkt mutiger werden?

„Vor allem dort, wo Gegenwartskultur auf historischen Raum trifft“, sagt Daldos. Zeitgenössische Kunst, spartenübergreifende Projekte, Formate für jüngeres Publikum oder kulturelle Zwischennutzungen seien für ihn

keine Bedrohung, sondern eine Weiterentwicklung. Zugleich hält er fest, was bewahrt werden müsse: das historische Ortsbild, die Glaubwürdigkeit lokaler Traditionen, die Vereinskultur und die Verankerung von Kultur im Alltag. „Die Gefahr besteht immer dann, wenn Tradition nur noch Kulisse wird.“

Am Ende geht es für ihn um ein Zusammenspiel der verschiede-

nen Strömungen. Traditionskultur, Vereinskultur, historisches Erbe und zeitgenössische Ansätze müssten stärker in Beziehung treten. „Ich möchte, dass man Neumarkt nicht nur als schönen Ort wahrnimmt, sondern als kulturell profilierten Ort – mit Selbstbewusstsein und mit dem Mut, das Eigene weiterzudenken.“

Philipp Kiese

Das schnellste Sabrieren der Welt!

Kann man mehr als 68 Flaschen in nur 60 Sekunden sabrieren? Dieser gewaltigen Herausforderung stellt sich der Schweizer Sommelier Mirko Rainer. Wir laden dich ein, live Zeuge zu werden, wenn Handwerkskunst auf absolute Höchstleistung trifft. Beim offiziellen Guinness Weltrekordversuch geht es um mehr als nur Show – es geht um den Eintrag in die Geschichts-

bücher. Sei live vor Ort, spüre die Anspannung und feiere mit uns, wenn die Rekordmarke hoffentlich fällt. Komm vorbei und fiebere mit!

Infos

Eintritt frei! Keine Anmeldung erforderlich.

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Freitag, 22. Mai, 19 Uhr

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Dein Job: Arbeit mit Stauden, Gehölzen & Co.

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Einsatz in allen Arealen der Außenanlage

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Ein motiviertes Team, das gemeinsam anpackt

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