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BAZ Nr. 6 vom 22/03/2022

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Nr. 06 ∙ 22. März 2022 ∙ 14-täglich ∙ Jahrgang 28

Vereint im Gebet

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Im Beten vereint

THEMA 04 | Vereint im Gebet

Kommentar von Walter J. Werth

Krieg trennt Völker. Krieg kann aber auch Menschen verschiedener Völker vereinen. In der christlich-orthodoxen Kirche des „Borodina Vereins“ in Meran kommen gläubige Russen und Ukrainer zum Gebet zusammen. Die christlich-orthodoxe Kirchengemeinde vereint sich hier für den Frieden. Ukrainer, Russen, Weißrussen und Moldawier beten hier gemeinsam. „Das Jüngste Gericht erwartet jeden Menschen. Keine irdische Macht wird vor diesem Gericht bewahren“, heißt es in einem von mittlerweile über 250 Priestern und Mönchen der russisch-orthodoxen Kirche unterzeichneten Brief. Die Verfasser fordern, dass das Volk der Ukraine seinen Weg ohne Druck von außen selbst bestimmen müsse, und wehren sich gegen die Verfolgung von Friedens-Demonstrationen in Russland. „Stoppt den Krieg“, appellieren sie. Doch an der Spitze ihrer Kirche stoßen sie bislang weitgehend auf taube Ohren. Der russische Patriarch Kyrill I. wäre mehr als eine Marionette Putins, er hätte durchaus Einfluss, wenn er sich klar positionieren würde. Auch die meisten anderen orthodoxen Kirchenoberhäupter in der Welt hätten sich bislang nur sehr zurückhaltend zu der Invasion geäußert. „Ich glaube, dass da ein Riss durch die Orthodoxie geht“, sagt Fridtjof Amling, der als evangelischer Pfarrer lange die deutsche Botschaftsgemeinde in Moskau betreute. Der russische Patriarch Kyrill bleibt zurückhaltend. Er gilt nämlich als Verbündeter Wladimir Putins. So bezeichnete dieser die Regentschaft Putins im Zuge der Präsidentschaftswahl in Russland 2012 als „Wunder Gottes“. Kyril sieht „Russland als Verteidigerin der christlichen Werte gegen einen angeblich feindlichen Westen“. In einer Sonntagspredigt am 6. März 2022 rechtfertigte er den Überfall mit der vermeintlichen Begründung, Präsident Putin wolle die Ukraine vor „Gay-Pride-Paraden“ schützen und bezeichnete die Gegner Russlands als „Kräfte des Bösen“. Mögen die Gebete in Meran Gehör finden …

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STRASSENGESCHICHTEN 10 I Klavierstimmer und Kernspalter

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STANDORT 12 I Puntarelle und Safran aus Sirmian

SCHAUFENSTER 18 I Unsere Gärten 24 I Die Tracht

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WANDERN 26 I Über den Kaiserberg

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26 Impressum – Burggräfler Zeitschrift . 39011 Lana . Industriestr. 1/5 Tel. 0473 23 30 24 . Fax 0473 23 57 09 . www.diebaz.com . baz@bezirksmedien.it Redaktionsanschrift: Bezirksmedien GmbH . Telefon 0473 23 30 24 . Fax 0473 23 57 09 . E-Mail: redaktion@diebaz.com Ermächtigung des Landesgerichts Nr. 19/93 . Eintragung im ROC Nr. 3226/1994 Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes: Josef Laner Koordination: Claudia Kaufmann, claudia@diebaz.com Redaktionsleitung: Josef Prantl, Tel. 340 2306888, josef.prantl@fastwebnet.it Mitarbeiter: Josef Prantl, Claudia Kaufmann, Christl Fink, Philipp Genetti, Wilfried Mayr, Michael Andres, Martin Geier, Jasmin Maringgele, Walter Werth, Christian Zelger Werbeverkauf: Claudia Kaufmann, Tel. 347 974 42 70 . claudia@diebaz.com Sonja Trogmann, Tel. 335 839 94 00 . sonja@diebaz.com Irene Niederl, Tel. 347 895 84 69 . irene.niederl@gmail.com Grafik und digitale Druckvorstufe: Fotolitho Lana Service, info@fll.it Druck: Athesia Druck GmbH . Weinbergweg 7 . 39100 Bozen

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THEMA

Der Kirchenraum der orthodoxen Kirche zum Hl. Nikolaus in der Schafferstraße

Vereint im Gebet Gemeinsam beten Weißrussen, Ukrainer, Moldawier und Russen jeden Sonntag in der russisch-orthodoxen Kirche in der Villa Borodina in der Meraner Schafferstraße: für den Frieden, für die Menschen, die in einem schrecklichen Krieg täglich sterben. Der Krieg spaltet bis tief in die Familien hinein. von Josef Prantl

Die orthodoxe Kirche in der Meraner Schafferstraße ist ein Schmuckstück. 1897 eröffnet wurde sie dem Heiligen Nikolaus geweiht. Das Ensemble mit den drei herrschaftlichen Häusern geht auf die Hinterlassenschaft der Moskauerin Nadežda Iwanowna Borodina zurück und wurde vom Meraner Architekten Tobias Brenner geplant.

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Der Zwiebelturm mit seinem achtarmigen Kreuz auf der Spitze fällt sofort ins Auge. Hier im 2. Stock befindet sich auch der über 100 Jahre alte Kirchenraum mit seinen wertvollen Ikonen und Kultobjekten. Das „Russkij Dom“ beherbergt auch eine Bibliothek mit über 1300 Büchern der russischen Literatur.

Russen in Meran

Meran hat von allen Gemeinden Südtirols die größte historische Verbindung mit Russland. Ende des 19. Jahrhunderts war die Gästezahl in der Kurstadt sprunghaft angestiegen, unter anderem auch die der russischen Gäste. Im Jahr 1884/85 wurden sie mit 1023 Gästen nach


Der Ukrainekrieg macht große Angst

3413 Deutschen und 2600 Österreichern an dritter Stelle in den Beherbergungslisten geführt. Bis 1914 gab es eine direkte Verbindung der österreichisch-ungarischen Eisenbahn zwischen Meran und St. Petersburg. Es entstanden das Palace Hotel und der Meranerhof, die von russischen Adeligen sehr geschätzt wurden. Die Kurverwaltung gab monatlich eine Fremdenliste heraus, in der sich viele russische Namen von Adeligen, Unternehmern, Industriellen und Kaufleuten finden. Schon seit 1875 gab es eine private Vereinigung wohlhabender russischer Bürger, die in Meran lebten. Sie gründeten ein Heim, um bedürftigen, tuberkulosekranken Russen den Kuraufenthalt in der Stadt zu ermöglichen. Dieses „Russenkomitee“ lebte von der Großzügigkeit ihrer Mitglieder, hauptsächlich der Ärzte, die hier praktizierten. Nadežda Ivanovna Borodina, die Tochter eines leitenden Hofbeamten des Zaren Nikolaus, war mit ihrer Mutter nach Meran gekommen, um ihre Tuberkulose behandeln zu lassen. Da die Kur in Meran nicht reichte, reiste sich nach Nizza weiter, doch auch dieser Aufenthalt rettete sie nicht und sie verstarb am 16. April 1889 im Alter von siebenunddreißig Jahren. Nadežda vermachte dem Russenkomitee eine beachtliche Summe. Sie hinterließ 100.000 Rubel für den Bau eines Heimes mit preiswerten Unterkünften für bedürftige, kranke Russen und für den Bau einer orthodoxen Kirche, die „St. Nikolaus dem Wundertäter“ geweiht werden sollte, dem Beschützer der Kranken. Der Krieg darf nicht spalten

Sergey Akimow zelebriert hier in der Villa Borodina den sonntäglichen Gottesdienst

Lukas Pichler (l) und Archimandrit Sergey Akimow

nach dem altslawischen Ritus. Aus dem ganzen Land kommen die Gläubigen der verschiedenen slawischen Ethnien, die in Südtirol leben, nach Meran, um zu beten, zu feiern, Freud und Leid zu teilen. „Im Gebet sind wir vereint“, sagt Sergey Akimow, der aus Minsk in Weißrussland stammt. Seit vergangenem November ist er für die orthodoxe Gemeinde in Südtirol zuständig. Viele Jahre leitete er die Abteilung für Bibelstudien und Theologie an der Minsker Theologischen Akademie. Sergey trägt den Ehrentitel des Archimandriten und kennt das Seelenleid der Gläubigen. „Gemeinsam beten wir für den Frieden“, sagt er. Auf politische Fragen, auf den Krieg, die Frage nach den Schuldigen will und kann er nicht eingehen: „Wir glauben an einen Gott des Friedens und nicht des Krieges, der Friede ist der einzig wahre Weg menschlichen Fortschritts“, sagt er. Das Leid ist den Gläubigen beim vormittäglichen Sonntagsgottesdienst anzusehen. Es sind vor allem Frauen aus der Ukraine, aus Moldau, Weißrussland und Serbien, aber auch aus Russland, die zum Beten kommen. Sie zünden Kerzen an, küssen die heiligen Ikonen, knien vor dem Altar. Es ist das gemeinsame Gebet, das beruhigt, Frieden stiftet, der zwischen den slawischen Brudernationalitäten durch den russischen Angriff auf die Ukraine erschüttert wurde.

Gemeinschaft in Südtirol und die Beziehungen des Landes zu Russland unterstützen und fördern. Im April sollte die Konferenz „Restart“ noch einen Anschub für den Tourismus nach Covid leisten, im November fand gerade ein runder Tisch zur Zusammenarbeit in der Industrie und zur Vorbereitung zukünftiger Delegationsreisen zwischen Russland und Südtirol statt. Weitere Projekte sahen Kooperationen im kulturellen, künstlerischen, wissenschaftlichen und sportlichen Bereich vor, vom Konzert bis zur Buchvorstellung. Lukas Pichler ist die Enttäuschung, die Fassungslosigkeit anzusehen. War er nicht gerade noch dabei zusammen mit Spezialisten des Krankenhauses Meran, einen Kongress von Augenärzten aus beiden Regionen zu planen? Über 300 Südtiroler Schüler, insbesondere die der Technologischen Fachoberschule Meran, waren vor kurzem noch der Live-Übertragung zu den Forschern des „Kosmonautik-Museum Moskau“ gefolgt. An den von hiesigen Schachvereinen gemeinsam mit der „Borodina“ organisierten Schachturnieren nahmen im vergangenen Jahr zahlreiche russische Großmeister statt. „Die Entwicklungen der letzten Wochen waren aber für die russische Gemeinschaft bei uns einschneidend, es kann nur Verlierer geben“, bedauert Pichler. Moskau schweigt

Beziehung zu Russland – ein Scherbenhaufen

Sprachlos ist Lukas Pichler. Er leitet das „Zentrum zur Förderung der Beziehungen zwischen der Autonomen Provinz Bozen und Russland Nadežda Ivanovna Borodina Meran“. 2009 gegründet, wollte der Verein die russische

Eigentlicht sollte das wertvolle Ensemble in der Schafferstraße mit der Villa Borodina, der Villa Moskau und dem Schusterhaus für 30 Jahre der Stadt Moskau überlassen werden. Im Gegenzug wäre Russland für die Restaurierungskosten aufgekommen. Im November noch hatten sich Landeshauptmann Arno BAZ 6/22

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THEMA

Frauen aus Moldavien nach dem Gottesdienst

Der traditionelle Zwiebelturm der Kirche

Kompatscher und Landesrat Massimo Bessone mit Sergey Cheremin, Minister und Leiter der Abteilung für internationale Beziehungen in der Moskauer Stadtregierung, getroffen, um die Übertragung von „Zarenbrunn“, wie das Ensemble im Volksmund heißt, vorzubereiten. Dass daraus nichts mehr wird, versteht sich von selbst. Aber auch das Russische Zentrum Borodina steht vor einem Scherbenhaufen. „Das Land Südtirol hat die Zusammenarbeit mit den russischen Partnern im Verein Borodina eingestellt und geplante Tätigkeiten des Vereines ausgesetzt“, sagt Pichler. Der Verein bestehe zwar noch, allerdings sehe er sich momentan nur mehr als Sachverwalter, bedauert Pichler. Was mit den renovierungsbedürftigen Gebäuden nun geschieht, liegt in Landeshänden. „In dieser schwierigen Zeit braucht die orthodoxe Gemeinde aber einen Bezugspunkt, der friedenstiftend, vermittelnd zwischen den Menschen der slawischen Nationen in Südtirol wirkt“, betont Pichler. Archimandrit Sergey Akimow kann und möchte dazu beitragen, allerdings reist er wöchentlich aus Rom an. 6

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Norbert und seine ukrainische Frau Mira mit Daniel machen sich große Sorgen

Würde es gelingen, ihm in Meran eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen, wäre das sehr hilfreich, sagt Pichler, „denn wir müssen alles unternehmen, damit wir den Konflikt nicht zu uns holen.“

du hast – es kann sein, dass das jemand in den falschen Hals bekommt und du mit Konsequenzen rechnen musst.“

Einander vergeben, nicht Hass schüren

Es werden Flüchtlinge zu uns kommen, vor allem auch Kinder, die traumatisiert sind. „Wir müssen uns bewusst sein, dass da unterschiedliche Weltanschauungen dann aufeinanderprallen. Vereinendes wie etwa die Heilige Messe am Sonntag müssen wir daher unbedingt erhalten, um das Zusammenleben aller Volksgruppen in Meran zu fördern“, warnt Lukas Pichler. Der Krieg dürfe sich nicht auf den Alltag hier niederschlagen. Denn die Meinungen sind nicht so eindeutig. „Wir schauen zwei Nachrichten, italienische und russische Nachrichten. Wir sind zweiseitig informiert, wir hören auch mehrere Meinungen, nicht nur eine Seite. Wir haben Putin immer vertraut, wir haben nie gedacht, dass Krieg entsteht. Wir haben immer gehofft, dass sie das diplomatisch schaffen. Aber nach Jahren der Diplomatie blieb ihm nichts mehr übrig“, beteuert eine Russin. „Aber wir sind alle gegen diesen Krieg.“ Sorge bereite ihr, dass die Nationalitäten aussortiert werden, wie: „Du bist Russe, dann bist du schlecht.“

In Südtirol leben über 1500 Ukrainer, aber auch Hunderte Russen. Zwischen den Nationalitäten darf es nicht zum Riss kommen. Der Konflikt spaltet die Familien, bringt Freunde auseinander, hier bei uns, in Russland, in der Ukraine, in Moldavien und in Belaruss. Konkret erlebt das der Algunder Norbert. Seine Partnerin Mira ist Ukrainerin. Die Eltern leben rund 200 Kilometer westlich von Kiew. Täglich telefoniert sie mit ihnen, aber auch mit ihrer Schwester, die in Moskau lebt und mit einem Russen verheiratet ist. Die meisten Familien haben Verwandte, Freunde, Bekannte hier und dort. Viele Russen sind innerlich zerrissen

Wie so vieles, was heute in den ehemaligen Föderationsrepubliken der Sowjetunion aufbricht, hängt mit der Geschichte zusammen. Nach dem Untergang der UdSSR lösten sich die Staaten von Moskau, nahmen das Erbe kommunistischer Politik allerdings mit. Und so leben Menschen unterschiedlicher Ethnien in den Nachfolgestaaten, so auch viele Russen in der Ukraine. Die Vermischung der Völker war ein erklärtes Ziel der damaligen Politik. „Früher waren wir alle gemeinsam, wir sind in der Sowjetunion gemeinsam aufgewachsen – Russland, Ukraine, alle Länder waren zusammen. Jetzt auf einmal herrscht Krieg. Ich glaube, es sind beide Seiten beteiligt, es haben beide Seiten Schuld“, sagt eine Frau aus Moldawien. Ihren Namen will sie nicht öffentlich lesen. Genauso wie ihre Kollegin: „Egal zu welchem Land du stehst oder welche Meinung

Misstrauen spürbar

Recht, Gerechtigkeit und Gleichheit

„Der Friede ist der einzig wahre Weg menschlichen Fortschritts“, sagte Papst Franziskus, „nicht die Spannungen ehrgeiziger Nationalismen, nicht die gewaltsamen Eroberungen, nicht die Unterdrückungen.“ Die Logik der Gewalt zu durchbrechen, müsste für jeden (religiösen) Menschen Auftrag und Aufgabe sein. Internationale Streitigkeiten auf dem Weg der Abschreckung und der tödlichen Gewalt zu lösen, wird sich wie immer in der Geschichte als Irrweg erweisen.


Die Logik der Gewalt durchbrechen Aus der Botschaft des Heiligen Vaters Papst Franziskus zur Feier des Weltfriedenstages 2017

Jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind wünsche ich Frieden und bete, dass das Abbild und die Ähnlichkeit Gottes in jedem Menschen uns gestatten, einander als heilige Gaben zu erkennen, die mit einer unermesslichen Würde ausgestattet sind. Respektieren wir vor allem in Konfliktsituationen diese „tiefgründigste Würde“ und machen wir die aktive Gewaltfreiheit zu unserem Lebensstil. Dies ist die Botschaft zum fünfzigsten Weltfriedenstag. In der ersten dieser Botschaften wendete sich der selige Papst Paul VI. an alle Völker – nicht nur an die Katholiken – mit unmissverständlichen Worten: „Es hat sich endlich ganz klar herausgestellt, dass der Friede der einzig wahre Weg menschlichen Fortschritts ist (nicht die Spannungen ehrgeiziger Nationalismen, nicht die gewaltsamen Eroberungen,

nicht die Unterdrückungen, die eine falsche zivile Ordnung herbeiführen)“. Er warnte vor der „Gefahr zu glauben, dass die internationalen Streitigkeiten nicht auf dem Weg der Vernunft, das heißt der auf Recht, Gerechtigkeit und Gleichheit gegründeten Verhandlungen zu lösen seien, sondern nur auf dem der Abschreckung und der tödlichen Gewalt“. Das vergangene Jahrhundert ist von zwei mörderischen Weltkriegen verwüstet worden und hat die Bedrohung eines Atomkriegs sowie eine große Anzahl weiterer Konflikte erlebt, während wir heute leider mit einem schrecklichen „stückweisen“ Weltkrieg zu tun haben. Es ist nicht leicht zu erkennen, ob die Welt heute mehr oder weniger gewaltsam ist als gestern und ob die modernen Kommunikationsmittel und die unsere Zeit kennzeichnen-

Sonntag 27.03.2022

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de Mobilität uns die Gewalt bewusster machen oder ob sie uns mehr an sie gewöhnen. In jedem Fall verursacht diese Gewalt, die „stückweise“ auf unterschiedliche Arten und verschiedenen Ebenen ausgeübt wird, unermessliche Leiden, um die wir sehr wohl wissen: Kriege in verschiedenen Ländern und Kontinenten; Terrorismus, Kriminalität und unvorhersehbare bewaffnete Übergriffe; Formen von Missbrauch, denen die Migranten und die Opfer des Menschenhandels ausgesetzt sind; Zerstörung der Umwelt. Und wozu das alles? Erlaubt die Gewalt, Ziele von dauerhaftem Wert zu erreichen? Löst nicht alles, was sie erlangt, letztlich nur Vergeltungsmaßnahmen undSpiralen tödlicher Konflikte aus, die allein für einige wenige „Herren des Krieges“ von Vorteil sind? Die Gewalt ist nicht die heilende

Starke Symbolik: Franziskus begab sich in die russische Botschaft, um zu vermitteln

Behandlung für unsere zerbröckelte Welt. Auf Gewalt mit Gewalt zu reagieren führt bestenfalls zu Zwangsmigrationen und ungeheuren Leiden, denn große Mengen an Ressourcen werden für militärische Zwecke bestimmt und den täglichen Bedürfnissen der Jugendlichen, der Familien in Not, der alten Menschen, der Kranken, der großen Mehrheit der Erdenbewohner entzogen. Schlimmstenfalls kann sie zum physischen und psychischen Tod vieler, wenn nicht sogar aller führen.

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Gesehen im Pfossental Idee, Photo und Auswahl des Gedichtes: Martin Geier • Editorisches Konzept: Georg Dekas

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Der Geier Hoch in der Luft da fliegt ein Geier und von unten sieht man seine... Flügel. Gängiger Spruch

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STRASSENGESCHICHTEN

Klavierstimmer und Kernspalter „Der ist ein echter Südtiroler!“

Was wurde nicht alles nach dem Physiker Enrico Fermi benannt: ein Element, ein Mondkrater, ein Paradoxon, eine Flüssigkeit, ein Asteroid, ein Forschungspreis, ein Teleskop, ein Kernkraftwerk, eine Längeneinheit … und eine Straße in Sinich.

Wie viele Klavierstimmer gibt es in Chicago? Eine auf den ersten Blick seltsame Frage. Doch der Mann, der sie vor Jahrzehnten seinen Studenten stellte, hat sich sehr wohl etwas dabei gedacht. Er wollte die jungen Menschen dazu anregen, darüber nachzudenken, wie man eine solche Frage überhaupt beantworten könnte. Dabei geht es nicht darum, zu sagen, ob es 30 oder 32 Klavierstimmer sind, sondern darum, Größenordnungen abzuschätzen. Braucht Chicago 10, 100 oder vielleicht sogar 1000 Klavierstimmer? Damit man die Frage beantworten kann, muss man zunächst feststellen, wie viele Einwohner die Stadt hat, wie viele Haushalte es gibt, wie viele davon ein Klavier besitzen, wie oft man dieses stimmen muss, wie viel Zeit dies in Anspruch nimmt, wie lange ein Klavierstimmer arbeitet und, letzten Endes, wie viele Menschen mit all diesen Überlegungen im Hinterkopf, davon leben können, hauptberuflich Klavierstimmer zu sein. Der Weg zur Lösung des Problems erfordert Allgemeinwissen und vor allem einen gesunden Hausverstand. Aufgaben dieser Art heißen nach ihrem Erfinder Fermi-Fragen.

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Sein Leben in Laboren

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Es ist

Enrico Fermi wurde 1901 in Rom geboren. Schon im Alter von 17 Jahren begann er in Pisa Physik zu studieren. Nach seinem Abschluss erhielt er ein Stipendium und konnte mehrere Monate lang in Göttingen beim späteren Nobelpreisträger Max Born forschen. Als er Professor in Florenz wurde, war er erst 23 Jahre alt, ein Jahr später kam er an die berühmte Universität La Sapienza in Rom. 1928 heiratete er Laura Capon,

eine Studentin der allgemeinen Naturwissenschaften, und bekam mit ihr die beiden Kinder Nella und Giulio. Fermis wissenschaftliche Arbeiten waren so inspirierend, dass sich in Rom eine Gruppe sehr produktiver Physiker um ihn scharte. Die Zeit war für Wissenschaftler eine immens spannende, denn in den 1930er Jahren wurden zahlreiche bahnbrechende Entdeckungen gemacht und Fermi war immer mittendrin. 1938 war dann ein einschneidendes Jahr für ihn und seine Familie. Einerseits erhielt er mit dem Nobelpreis für Physik die größte Ehrung seines Lebens, andererseits musste er mit seiner jüdischen Frau, den beiden Kindern und einigen Mitarbeitern das Land verlassen und in die USA emigrieren. Grund waren die vom faschistischen Italien erlassenen antisemitischen Gesetze. In den Vereinigten Staaten betrieb er weiter seine Forschungen und zog im Sommer 1944 mit seiner Familie nach Los Alamos in New Mexico. Dort befand sich das geheime Atomforschungslabor der USA, in dem er zusammen mit Robert Oppenheimer und anderen Wissenschaftlern die erste Atombombe entwickelte. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges vertauschte er Theorie und Praxis und widmete sich wieder der Grundlagenforschung. Als man 1954 bei ihm Magenkrebs diagnostiziert hatte, ließ er sich operieren, starb aber wenige Wochen danach im Alter von 53 Jahren. Er gilt als einer der bedeutendsten Kernphysiker des 20. Jahrhunderts. Sein Leben in Büchern

In seinem Todesjahr erschien eine Biographie mit dem Titel „Mein Mann und das Atom“. Geschrieben

Enrico Fermi beim Lehren

Der Physiker mit seiner Frau

hatte sie seine Frau Laura. Als ein Freund der Familie ihr den Vorschlag unterbreitet hatte, sie solle doch das bewegte Leben ihres Mannes in Italien und den USA niederschreiben, meinte sie zunächst in ihrem für sie typischen Humor: „Unmöglich! Ich koche für ihn und bügle seine Hemden. So wichtig kann ich ihn nicht nehmen.“ Schließlich hat sie sich doch anders entschieden und der Welt ein ebenso unterhaltsames wie informatives Buch geschenkt. Vor wenigen Jahren wurde eine neue Biographie mit dem Titel „Der letzte Mann, der alles wusste“ veröffentlicht. Er wusste sogar, wie viele Klavierstimmer es in Chicago braucht: Es sind ungefähr 100. Christian Zelger


BERICHT AUS ROM

Die Regierung versucht Teuerungen abzufedern Abgeordnetenkammer – Finanzkommission – Katasterreform: Abstimmungsergebnis 23 zu 22. Vielleicht hat gerade unsere Stimme letzthin die Regierung bei der Reform des Katasters in der Finanzkommission vor einer Krise bewahrt. Das Rechtslager stemmt sich gegen diese auch von Europa geforderte Reform. Bei diesem Thema spürt man die herannahenden Wahlen und viel Populismus. Laut Ministerpräsident Draghi werde es durch die Katasterreform keine höhere Steuerbelastung geben, gerade für regulär eingetragene Gebäude. Die Reform brauchte es, weil die Katastermappen aus dem Jahr 1939 stammen und Unregelmäßigkeiten ausgemerzt werden sollen. Bisher habe man alle ICI- bzw. IMU-Regelungen auf der Basis von 33 Jahre alten Werten berechnet. Nun brauche es Strategien, um nicht ins Kata-

ster eingetragene Gebäude zu finden und die effektive Nutzungsart zu besteuern. Mittlerweile ist im ganzen Land der Benzin- und Dieselpreis über zwei Euro auf ein historisches Hoch stiegen. Umso zäher wird daher das Regierungsdekret zur Senkung der Stromkosten diskutiert. 6 bis 10 Milliarden Euro wollte die Regierung in die Hand nehmen, um durch Steuersenkungen und einen höheren Strombonus für Kleinverdiener sowie direkte Hilfen für energieintensive Betriebe und Gemeinden die Preisentwicklung einzubremsen. Dazukommen sollen auch die höheren Mehrwertsteuereinnahmen durch den erhöhten Treibstoffpreis, auch wenn man damit den Benzinpreis um nicht mehr als 10 Cent pro Liter senken wird können.

Der Umstieg von Gas und den fossilen Energieträgern muss viel schneller vor sich gehen, dazu braucht es aber vereinfachte Verfahren und die Ausweisung der Zonen und Flächen, wo Photovoltaik zum Einsatz kommen soll, der Wind genutzt oder nach Erdwärme gebohrt werden kann. Da hapert es gewaltig, aber jetzt braucht es eben neuen Schwung bei den Investitionen. Das neue Zauberwort heißt „Energiegemeinschaften“ in allen Gemeinden zur gemeinsamen Eigenproduktion und zum gemeinsamen Eigenverbrauch ohne übertriebenen Bürokratismus. Im Kommen ist auch das neue Berggesetz mit interessanten steuerrechtlichen Aspekten wie eine „Flat-Tax“ von 15 % für Kleinbetriebe mit Erlösen bis zu 80.000 Euro für die ersten 3 Jahre,

Albrecht Plangger Kammerabgeordneter

wenn auch Jungunternehmer unter 35 Jahren mit dabei sind, sowie Steuererleichterungen beim Kauf der Erstwohnung und Stärkung der peripheren Infrastrukturen in der Gesundheitsversorgung, bei der Kinderbetreuung, beim Breitbandanschluss usw.

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Beim Frühlingsfest Naturns stehen die Themen Blumen, Floristik, Garten- und Gartendekoration im Mittelpunkt. Verschiedene Aussteller aus der Umgebung werden zum Thema Garten und Gartenschmuck ihre Neuheiten 2022 präsentieren.

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Beginn des Frühlingsmarktes in Naturns und Wochenmarkt Frühschoppen der Bäuerinnen und mit dem Ziehorgelspieler Norbert 10.00 Uhr Kinderprogramm: - Frühlingsbasteln für Kinder mit VKE, ELKI und Minis - Spielideen aus Holz für Alt und Jung zum ausprobieren 13.00 Uhr Musikunterhaltung mit der Gruppe hondmade 15.00 Uhr Tanz-Show-Einlage des Sporttanz Naturns %HUHLWV DP )UHLWDJ YHUWHLOHQ GLH .DXȵ HXWH YRQ 1DWXUQV DQ DOOH 3DVVDQWHQ )U¾K jahrsblumen im Dorf. Für Speis und Trank sorgen die Bäuerinnen von Naturns (Weißwurst, Knödel, Gulasch, Frankfurter, Nudelsuppe, Muas, Kuchen) Teilnehmende Organisationen: BAZ 6/22 HXte NaWXUQV $NWLY %¦XHULQQHQ 1DWXUQV (/.Ζ 9.( 0LQLV 6SRUWWDQ] XQG .DXȵ 11


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Auf Sirmian gedeiht sogar Safran

Die ersten Anläufe, abseits der bekannten Anbauflächen die Landwirtschaft in Südtirol gezielter zu fördern, gehen auf das Bemühen der sogenannten europäischen LEADER-Projekte zurück. „LEADER“ ist die Abkürzung für den französische Projekttitel „Liason entre Actions de Developement de l‘Economie Rurale“, was auf Deutsch so viel wie „Verbindung von Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“ bedeutet. Es ist eine Gemeinschaftsinitiative der Europäischen Union, die es bereits seit 1991 gibt und für die sich verschiedene Regionen aus ganz Europa bislang immer für einen Zeitraum von jeweils 6 Jahren mit einer lokalen Entwicklungsstrategie bewerben können.Vorausgesetzt wird eine genaue Analyse der Region, aus der Ziele und Maßnahmen für den untersuchten Raum definiert werden. Das Kernthema der „LEADER“-Projekte ist dabei im Wesentlichen die Förderung ländlicher Regionen hin zu einer eigenständigeren Entwicklung: einerseits durch die Begünstigung von Kooperationen innerhalb der Region, andererseits auch durch konkrete Maßnahmen zur Stärkung und Entwicklung des ländlichen Lebensraums, der Wirtschaft und der Lebensqualität. Die sogenannten lokalen Aktionsgruppen, kurz LAG, die die ansäs-

sige Bevölkerung vertreten sollen, erarbeiten im Rahmen der unterschiedlichen LEADER-Entwicklungsprogramme für die jeweiligen LEADER-Gebiete gezielte Aktionspläne und definieren davon ausgehend dann einzelne Vorhaben für den ländlichen Raum. Zwar gehörte das Gemeindegebiet um Nals bislang noch nicht zu den ausgewählten LEADER-Gebieten. Allerdings zeigte das europäische Entwicklungsprogramm auch hier bereits seine Wirkung. Nischenlandwirtschaft am Unterhauserhof

Der Unterhauserhof (980 Meter ü. d.M.) im Weiler Obersirmian ist einer jener Landwirtschaftsbetriebe, die sich einstweilen von einem solchen Förderprojekt inspirieren ließ und dadurch seine heutige Ausrichtung gefunden hat. Nachdem sich die generationsübergreifende Bauernfamilie über die Jahrhunderte hinweg vor allem mit Vieh- und Weidewirtschaft über Wasser gehalten hatte, wurde dies mit der Zeit immer schwieriger, sodass die Familie vom Unterhauserhof Anfang der 2000 er Jahre nach einer neuen Einnahmequelle Ausschau hielt. „Nachdem wir über unterschiedliche Wege von den LEADER-Projekten in Südtirol erfahren haben und die verschiedenen Initiativen zum An-

bau von Erdbeeren verfolgt hatten, haben wir den Entschluss gefasst, selbst den Versuch auf unserem Hof zu wagen“, erinnert sich der Unterhauser-Bauer Stefan Faller. Begleitet wurde das Pilotprojekt von der Obstversteigerung EGMA in Vilpian und dem tatkräftigen Mitwirken von Joachim Schmuhl.

Dem jungen Landwirt Stefan Faller gefiel die neue Geschäftsidee auf Anhieb und so trug er nach Abschluss der Landwirtschaftsschule in Salern alsbald mit dazu bei, seine Familie beim Aufbau ihres landwirtschaftlichen Betriebs zu unterstützen. Über 10 Jahre lang wurden auf dem Hof ausschließlich

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Foto: © Fam. Brugger Walter Bruggers Neffe Felix bei der Safranernte

Erdbeeren angebaut. Bis Junior Faller daraufhin einen nächsten Schritt in Richtung Diversität wagte. Ausschlaggebend dafür war der Start der Initiative des Hotelierund Gastwirteverbandes „Südtiroler Gasthaus“, berichtet Faller im Gespräch. Um in den „Südtiroler Gasthäusern“ nicht nur regionale Küche auf der Speisekarte, sondern auch in der Region angebau-

Foto: © Südtiroler Gasthaus Stefan Faller vom Unterhauserhof bei der Artischockenernte

te Produkte anbieten zu können, suchten die Initiatoren gezielt Landwirte, die bereit waren, bestimmte Nischenprodukte regional anzubauen und zu liefern. Faller erkannte darin seine Chance. Seitdem hat sich der innovative Unterhauserbauer in Südtirol längst einen Namen gemacht und sich gleichzeitig mehr und mehr auf den Gemüseanbau speziali-

siert. Neben rund 30 verschiedenen Tomatensorten kultiviert er heute verschiedenste Nischenprodukte, die von traditionellen Blattsalaten, Krautsorten, Artischocken bis hin zu seinem jüngsten Projekt, dem Anbau von „Puntarelle“, gehen und setzt damit im von Weinund Apfelanbau geprägten Nalser Gemeindegebiet eine beachtenswerte Alternative.

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Auf dem naheliegenden Hauserhof findet man in Obersirmian ein weiteres innovatives Projekt. Es ist ein Experiment, das der Hauserhof-Bauer Walter Brugger seit nun bereits 5 Jahren auf knapp 1000 Meter über dem Meeresspiegel mit seinem Neffen Felix Brugger verfolgt, in dem sie qualitativ hoch-

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Foto: © Südtiroler Gasthaus Neue Wege in der Berglandwirtschaft: Gemüseanbau auf Sirmian

wertigen Safran anbauen. Die Initialzündung für das gemeinsame Projekt war im Wesentlichen die Neugierde der Beiden, nämlich auszuprobieren, ob das Naturprodukt in dieser Höhe überhaupt überlebensfähig wäre. Nachdem Walter mit seiner Frau auf Rai Südtirol dann einen

Beitrag über den Safrananbau in Capriana bei Trient (Val di Fiemme) gesehen hatte und Felix kurze Zeit später unabhängig davon mit dem Vorschlag kam, gemeinsam ein Pilotprojekt zu wagen, war die Bauernfamilie sofort einer Meinung. Fasziniert vom gemeinsamen Vorhaben, hat sich Walters

Neffe daraufhin intensiver mit dem Safrananbau auseinandergesetzt, sich mit dem Safran-Zunftmeister des Pionierdorfes Mund in der Schweiz getroffen und schlussendlich einen Spezialisierungskurs zur Kultivierung von Safran in den Alpen an der Berguniversität Unimont in Edolo, einem Ableger der „Università degli studi di Milano“, besucht. Zurück auf dem Hof des Onkels in Obersirmian verlief die erste Safransaison, bei dem die Bruggers Knollen aus Portugal und Spanien gepflanzt hatten, leider enttäuschend. Dennoch ließen sich Walter und sein Neffe davon nicht abbringen und versuchten es 2018 erneut. Diesmal mit Knollen aus der Toskana. Eine richtige Entscheidung! Jene Knollen zeigten sich in dieser Umgebung nämlich als viel geeigneter und lieferten endlich die gewünschte Qualität.

„Das Besondere an Safran ist seine starke Widerstandsfähigkeit, bis zu -15 Grad. Außerdem braucht die Pflanze wenig Wasser und entwickelt sich am besten auf lockeren und leicht sandigen Böden“, erklärt Felix. Arbeitsintensiv ist hingegen vor allem die Safranernte Mitte September bzw. Anfang Oktober, für die es tüchtige Handarbeit erfordert. Mittlerweile wurde ihr Safran bereits zum vierten Mal in Folge von der Unimont-Universität in Edolo mit der höchsten Qualitätsstufe ausgezeichnet. Ein Grund mehr, der die experimentierfreudige Familie am Hauserhof dazu ermutigt, ihr Pilotprojekt weiterzuverfolgen. Zur Freude all jener Wanderer, die zur Blütezeit im Frühherbst immer wieder auch am Hof in Obersirmian vorbeispazieren und das einzigartige Farbenspiel des Safranackers bestaunen können.

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Steuerbegünstigung für Rückkehrer Die Rechtsprechung zur Steuerbegünstigung für Rückkehr von Akademikern aus dem Ausland (sog. „rientro cervelli“) festigt sich immer mehr zu Gunsten der Steuerzahler, wie mehrere erst kürzlich ergangene Urteile des Steuergerichtes Bozen bestätigen.

und die Beibehaltung des formellen Wohnsitzes in Italien bzw. die Nichteintragung in das AIRE-Register nicht hinderlich sind, um die Steuervorteile anzuwenden. Zudem hat das Steuergericht in mehreren Urteilen bestätigt, dass kurze Arbeitstätigkeiten in Form von Sommerjobs oder Praktikas während der Semesterferien kein Hindernisgrund für die Inanspruchnahme der Steuervorteile darstellen, sofern es sich hierbei um Jobs handelt, die in der vorlesefreien Zeit des Studienjahres ausgeübt werden.

Im letzten Halbjahr hat das Steuergericht Bozen ungefähr 10 Urteile gefällt, die eine klare Tendenz zugunsten der Steuerzahler erkennen lassen. Die Richter bestätigten dabei, dass das Vorhandensein eines Nebenwohnsitzes, so wie es in Österreich oft üblich ist,

Auch der Erhalt eines Stipendiums von der Autonomen Provinz Bozen steht laut Auffassung des Steuergerichts nicht im Widerspruch mit dem Fördergesetz, wie auch der Bezug von geringen Einkommen aus Italien während des Auslandstudiums.

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Mit dem Gesetz Nr. 238/2010 wurde eine Steuerbegünstigung für Akademiker eingeführt, um die Rückkehr nach Italien von im

Ausland tätigen Beschäftigten und Studenten steuerlich zu fördern und so dem Abfluss von jungen und qualifizierten Arbeitskräften, den „brain drain“, aus Italien entgegenzuwirken. Die Steuerbegünstigung bestand in einer deutlichen Reduzierung des besteuerbaren Einkommens. Trotz der klaren Ausgangslage hat das Finanzamt Bozen die gesetzliche Bestimmung äußerst einschränkend ausgelegt und in vielen Fällen die Begünstigung aberkannt, was zu einer Vielzahl von Gerichtsverfahren führte.

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Was für die Inanspruchnahme der Steuervorteile schlussendlich zählt, ist einzig und allein das erwiesene Studium im Ausland mit einem hinreichenden Nachweis. Das sind gute Nachrichten für alle Rückkehrer!

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Vorsorge - So schützen Sie Ihr Herz Die meisten Menschen widmen dem Motor ihres Autos mehr Aufmerksamkeit als dem Motor ihres Lebens: ihrem Herzen. Dabei helfen Prävention und Früherkennung, mögliche Herz-Kreislauf-Krankheiten rechtzeitig zu erkennen, abzuschwächen oder im besten Fall ganz zu vermeiden. Die Gesundheit von Herz und Gefäßen hat zum Großteil jeder selbst in der Hand. Neben einer ausgeglichenen Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Entspannung, sollten wir gut auf unseren Körper hören und auftretende Beschwerden ernst nehmen. Besonderen Stellenwert hat die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung bei Patientinnen und Patienten, die eine Grunderkrankung wie einen erhöhten Blutdruck oder eine Zuckerkrankheit haben, auch erhöhte Cholesterinwerte, Rauchen, Bewegungsmangel, Stress, Nierenerkrankung, Rheuma und nicht zuletzt eine genetische Veranlagung für frühzeitigen Herzinfarkt stellen Risikofaktoren dar. Eine rechtzeitige Therapie kann das Risiko einer Herzerkrankung deutlich reduzieren.

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Zu den Vorsorgeuntersuchungen zählen bei uns in der Martinsbrunn ParkClinic:

• Eine ausführliche Anamnese • Körperliche Untersuchung inklusive Messung des Blutdruckes, des Bauchumfanges und der Sauerstoffsättigung im Blut • EKG • Ultraschalluntersuchung des Herzens • Analyse der Blutwerte Je nach Bedarf ergänzt durch: • Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern, der Schilddrüse, des Bauchraumes • Belastungs-EKG • Langzeit-EKG sowie 24-Stunden-Blutdruck Diagnostik • Schlafapnoescreening Demnächst wird unsere Diagnostik noch mit der Bestimmung des „ABI” (Knöchel-Arm-Index) ergänzt. Die ABI-Messung ermittelt den Blutdruck an Armen und Beinen und gibt Hinweise auf das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Gerne „schnüren“ wir für Sie ein individuelles Vorsorgepaket, um die notwendigen Untersuchungen möglichst gebündelt und zeitnahe durchführen zu können.

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Für weitere Informationen und Auskünfte vereinbaren Sie einen Facharzttermin bei unseren Fachärzten für Kardiologie und Innere Medizin: Dr. Karin Steckholzer, Dr. Irene Ober, Dr. Martina Hainz, Dr. Christoph Mulser. Online Terminvereinbarung: www.parkclinic.it Für weitere Informationen: Tel. 0473 205 600 Martinsbrunn ParkClinic Laurinstr. 70 – 39012 Meran info@parkclinic.it

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SCHAUFENSTER

Unsere Gärten Lasst uns die Gartensaison beginnen. Wir lieben unsere Gärten: Sie sind Orte für den Rückzug, Orte der Erholung, Orte, an denen man sich wohl fühlt und wo man feiern kann. In Gärten werden aber auch Obst und Gemüse angebaut. von Michael Andres

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Egal, welche Zweckbestimmung Gärten haben, ein schöner Garten ist das Um und Auf. Glücklich dürfen sich jene schätzen, die Platz für einen Garten vor der eigenen Haustür haben. Aber: Es gibt auch reichlich zu tun, keine Frage. Derzeit fallen die ersten wichtigen Gartenarbeiten an. Wer sich in den nächsten Monaten über einen schönen Garten freuen will, muss im Frühjahr die richtigen Vorkehrungen treffen. Grundlage ist dabei die Erde. Stimmen in der Erde die Bedingungen nicht, wächst auch nichts grün und saftig. Im vorherigen Sommer haben die Pflanzen nämlich sämtliche Nährstoffe aus dem Boden gezogen. Es gilt, den Boden auf die anstehende Saison gut vorzubereiten. Wann man mit der Gartenarbeit beginnt, hängt vom Wetter ab. Als

Faustregel gilt, dass der Boden so weit abgetrocknet sein sollte, dass er nicht mehr an den Geräten hängen bleibt.

das richtige Werkzeug seit jeher das Um und Auf. Das richtige Werkzeug zur Gartenarbeit

Auf den Boden kommt es an

Die Gartenarbeiten kann man auch von Profis machen lassen. Das ist sinnvoll. Eine professionelle Gartenbaufirma bzw. ein erfahrener Gärtner können sämtliche Arbeiten im Garten übernehmen. Sie wissen was zu tun ist, damit man sich auch langfristig über einen tollen Garten freuen darf. Ein großer Vorteil besteht außerdem darin, dass solche spezialisierten Unternehmen die entsprechenden Geräte, Fahrzeuge und Werkzeuge haben, um die Arbeiten auch deutlich effizienter und besser zu erledigen. Will man selbst ebenfalls Hand anlegen, ist

Das Angebot an Gartengeräten ist reichhaltig. Sich hier einen Überblick zu verschaffen, ist daher manchmal schwierig. Beim

Fachhändler kann man sich Tipps einholen und erhält eine professionelle Beratung. Bei den Gartengeräten kann man zwischen Gartenwerkzeug und elektrischen Gartengeräten unterscheiden. Für einen kleinen Garten benötigt man andere Geräte als für einen großen Garten. Für die Pflege von Stauden, Hecken,

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SCHAUFENSTER nerell zu den häufigsten verwendeten Geräten in Sachen Gartenarbeit. Sinnvoll für jene, die viel mit Gartenarbeit beschäftigt sind, sind natürlich auch Kissen und Polster, um die Knie nicht zu sehr zu strapazieren.

zen (mit Schlerngebiet, Überetsch und Südtiroler Unterland) und Bezirk Brixen (mit Eisack- und Pustertal) tätig. Ein kurzes Gespräch mit dem Landesobmann der Gärtnervereinigung, Valtl Raffeiner.

Das sagt der Gärtner-Obmann Valtl Raffeiner

Ein Garten lädt zum Entspannen ein

Rosen und Sträuchern ist zum Beispiel eine Universalschere empfehlenswert. Für die Pflege von Blumen- und Gemüsebeeten braucht man verschiedene Handwerkszeuge, wie Dreizinkgrubber, Furchenzieher, Gartenkelle, Ha-

cken, Spaten und ein Gartenmesser zum Schneiden von Pflanzen. Spaten, Schaufel, Harke oder Grabegabel, Rechen, Unkrautstecher, Scheren, Axt/Beil oder Axtschere, Gießkanne, Rasenmäher, Leiter, Schubkarre und Co gehören ge-

Am 18. November 1965 ist die Südtiroler Gärtnervereinigung gegründet worden. Sie prägt den Südtiroler Gartenbau in all seinen Facetten und besteht momentan aus insgesamt 65 Mitgliedsbetrieben. Die Vereinigung ist sowohl auf Landesebene, als auch in den Bezirken Meran (mit Vinschgau und Burggrafenamt), Bezirk Bo-

Landesgärtner-Obmann Valtl Raffeiner

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Weg vom perfekten Rasen und hin zum Tummelplatz für Bienen und Insekten: auch im Garten spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle

Das Frühjahr beginnt und damit die Gartensaison. Was ist jetzt Mitte bis Ende März und April zu tun?

Valtl Raffeiner: Die Temperaturen steigen und die Lust auf Gartenarbeit gleich mit. Jetzt wird es Zeit den Garten aufzuräumen und die Beete vorzubereiten. Auch der Rasen muss gedüngt werden. Dür-

re Äste und vertrocknete Stauden müssen kräftig zurückgeschnitten werden. Wenn das Wetter frostfrei und trocken ist, kann man anfangen, Beete für Neupflanzungen vorzubereiten. Dazu den Boden gründlich und tief lockern und Unkraut sorgfältig entfernen. Sobald der Boden vorbereitet ist, kann man im Garten zum Beispiel

einjährige Blumen aussäen wie Gänseblümchen, Klatschmohn oder Kornblumen. Im Gemüsegarten können Salate gepflanzt und die ersten Tomaten vorgezogen werden. Welche Gemüsesorten jetzt ideal sind, darüber kann der Gärtner vor Ort informieren. Ein Tipp: Falls im März noch einmal Frost droht, müssen die Beete

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SCHAUFENSTER Welchen Stellenwert haben Gärten in Südtirol?

Der eigene Garten hat vor allem in Pandemiezeiten noch mehr an Bedeutung gewonnen. Jeder wünscht sich einen ruhigen Ort, an dem Körper und Seele Erholung finden und der Kraft und Energie spendet. Der eigene Garten ist so ein Ort. Welche Aufgaben erfüllt die Südtiroler Gärtnervereinigung?

nachts mit einer Folie oder mit Vlies abgedeckt werden. Was empfehlen Sie, um einen schön gestalteten Garten zu haben?

Das Wichtigste ist es, einen Fach-

mann hinzuzuziehen, damit man das ganze Jahr über blühende Pflanzen im Garten hat und auch der Rasen im satten Grün erstrahlt. Welche Trends gibt es derzeit?

Das Thema „nachhaltig Gärt-

nern“ gewinnt immer mehr an Bedeutung. Es gilt deshalb auch im Garten auf Bienen- und Schmetterlingsfreundliche Pflanzen zu achten. Damit sich Mensch und Tier gleichermaßen am Garten erfreuen.

Die Südtiroler Gärtnervereinigung ist ein Berufs- und Wirtschaftsverband zugleich. Wir vertreten den Südtiroler Gartenbau in allen berufspolitischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen. Mit gemeinschaftlichen Werbeaktionen und landesweiten Veranstaltungen unterstützen wir Südtirols Gartenbaubetriebe.

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Gartentipp der Südtiroler Gärtnervereinigung

Beete vorbereiten

Die Gemüsebeete im Garten können Sie jetzt auch schon vorbereiten: Falls über den Winter eine Gründüngung eingesät worden ist, kann diese jetzt eingearbeitet werden. Für die Aussaat sollte besser noch bis April abgewartet werden: In schweren Böden liegen ansonsten die Samen zu lange in der Erde ohne auszutreiben, weil es noch zu kalt ist. Bei leichten Böden allerdings, besonders wenn sie klimatisch begünstigt liegen, kann im Fall auch jetzt schon angesät werden.

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Gießen

Egal, ob kalter oder warmer Kasten, Sie sollten nur in den Vormittagsstunden und möglichst mit etwas vorgewärmtem Wasser gießen. Bis zum Abend hin haben die Kulturen dann die Möglichkeit, wieder abzutrocknen und sind damit widerstandsfähiger gegen Pilzkrankheiten. Erste Kulturen im Frühbeet

Sobald sich das Frühbeet etwas erwärmt hat, können bereits Kopfsalat oder Kohlrabi, sowie Rettiche oder Radieschen und Kresse gepflanzt bzw. gesät werden. Aussaat der Sommerblumen

Die meisten Sommerblumen-Arten werden nun im Frühbeet oder im Kleingewächshaus angetrieben. Ebenso eignet sich aber ein Platz hinter einem warmen Zimmerfenster. Erst gegen Ende März können die ausgetriebenen Pflänzchen in einen kalten Kasten pikiert werden.

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Die Tracht Ein zeitloses Kleidungsstück. von Michael Andres

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Die Trachten gehören zu Südtirols Kulturkreis wie wohl kaum ein anderes Kleidungsstück. Bei Festanlässen, Aufmärschen und auch sonst werden Trachten gerne getragen. Dabei gibt es in Südtirol zahlreiche verschiedene Trachten. Insbesondere in Sachen Farben und Schmückungen unterscheiden sich dabei die Trachten in den diversen Tälern bzw. Bezirken. Zudem unterscheiden wir zwischen den traditionellen Trachten, die vorrangig von Volkstanzgruppen, Musikkapellen, Schützen und Marketenderinnen, aber auch von Chören und Brauchtumsgruppen getragen werden, und der Tracht als Mode. Diese wird gerne auf Wiesenfesten, wie dem Oktoberfest, aber auch bei anderen Feierlichkeiten getragen. Große Tradition in unserem Bezirk haben etwa die Burggräfler Tracht sowie die Passeirer Tracht. Die auffälligen roten Aufschläge auf dem „Wollehemat“ sind ein Markenzeichen der Burggräfler Männertracht. Die Joppe hat sich seit mehr als 200 Jahren kaum geändert und ist somit das einzige Trachtenteil in ganz Tirol, das derart beständig getragen wird. Sowohl Männer als auch Frauen im Burggrafenamt unterscheiden zwischen zwei Trachten-Formen: das „Bäurische Gwand“ und die „Burggräfler Miedertracht“ der Frauen, und das

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Kurz- und „Langbäurische Gwand“ bei den Männern. Die „Burggräfler Miedertracht“, im Volksmund auch „Meraner Dirndl“ genannt, wird vor allem von Musikantinnen getragen, aber auch von Volkstanzgruppen und in Schützenkompanien. Wie auf www.burggrafenamt-online.eu, einem Nachrichtenportal des Schützenbezirks Burggrafenamt Passeier, dargelegt wird, handelt es sich bei der „Burggräfler Miedertracht“ um „die erneuerte Form der bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts getragenen Schnürmiedertracht“. Obwohl sich das Burggrafenamt im „bäurischen Gwand“ eine gewachsene und lebendige Tüchltracht erhalten konnte, erneuerte Gertrud Pesendorfer die alte Schnürmiedertracht und bezeichnete sie im 1945 erschienenen Büchlein „Unsere Tracht“ im Kapitel Meran als „Festtracht für Mädchen und Frauen“, heißt es in einem ausführlichen und lesenswerten Artikel von Andreas Leiter Reber auf der erwähnten Website. „Vom Volksmund „Meraner Dirndl“ genannt, hielt diese erneuerte Tracht in den 1970er und -80er Jahren rasch Einzug in die Burggräfler Musikkappellen, Volkstanzgruppen und Schützenkompanien“, schreibt der Autor auf www. burggrafenamt-online.eu.

Foto: © Elmar Teutsch

Eigene Täler, eigene Trachten

Auch im Passeiertal findet man eine eigene Tracht. Sie wird besonders an Festtagen oder zu bestimmten Anlässen getragen. Die richtige bzw. ursprüngliche Passeirer Frauentracht wird hingegen kaum mehr getragen. Ende des 19. Jahrhunderts hat sich im Tale die Burggräfler Frauentracht, das „Übertüchl“ eingebürgert. Auch im Ultental gibt es sie, die besondere Tracht. Die Ultner Tracht ist wie viele andere Trachten stark an Traditionen gebunden. Das weiße Hemd hat einen einfachen Schnitt und einen kleinen Kragen. Es wird unter einer Weste getragen, die bis zum Kragen zugeknöpft wird. Darüber trägt Mann Hosenträger die durch ein Band auf Brusthöhe verbunden sind. Die Trachten sind etwa bei vielen Vereinen im Ulten-

tal zu bewundern, wie der Musikkapelle. Das Wort „Tracht” kommt von „tragen”. Wenn wir heute von Tracht sprechen, so meinen wir eine Kleidung, die bereits unsere bäuerlichen oder bürgerlichen Vorfahren getragen haben, erklärt die Südtiroler Arbeitsgruppe „Unsere Tracht“. Da es sich um die Kleidung der unteren Schichten und damit der Masse des Volkes gehandelt hat, spricht man auch von Volkstrachten, heißt es vonseiten der Trachten-Forscher. Im Unterschied zur sich rasch ändernden Mode veränderten sich die Volkstrachten im Laufe der Zeit nur sehr wenig. Die Tiroler Trachten waren immer an bestimmte Landschaften gebunden. Die Arbeitsgruppe „Unsere Tracht“ hat sich auf das vielfältige Thema der Trachten qualifiziert.

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Auf www.unsere-tracht.info sind viele Informationen zu Trachten aufgelistet. Die Mitglieder des Vereins ohne Gewinnabsichten setzen sich zusammen aus Forschern, Handwerksmeistern und Vertretern trachtentragender Vereine. „Es ist uns wichtig: Das Tragen der Tracht ist eine historisch gewachsene Tradition, die trotz laufender Veränderungen bis heute fortlebt“, erklärt die Arbeitsgruppe.

nen und zeugen von alten Zusammenhängen wie etwa Gerichtbezirken und Handelswege oder Alters- und Berufsgruppen.

tigen unserer Tiroler Volkstrachten zwischen Kufstein und Ala.

Wann gab es in Südtirol die ersten Trachten und welche waren es?

Wir haben mit dem Vorsitzenden von „Unsere Tracht“, Helmut Rizzolli, gesprochen.

Welche Trachten gibt es heute in Südtirol?

Wir beschäftigen uns mit der Erforschung und Wiederbelebung von historischen Volkstrachten im alttirolischen Raum und bieten kostenlose Beratung von Einzelpersonen, Gruppen und Vereinen hinsichtlich der Neuanschaffung von Trachten oder deren Abänderung. Es werden fundierte Gutachten zur Erlangung eines Landesbeitrages ausgestellt, sowie Publikationen herausgegeben und Vorträge organisiert. Trachtentragen muss gelernt werden. Es soll niemals zu einer reinen Äußerlichkeit werden, sondern den Willen zur Bewahrung unserer lokalen Besonderheiten zum Ausdruck bringen.

Trachten erfreuen sich auch heute größter Beliebtheit und sind immer aktuell. Warum übt dieses Kleidungsstück eine solche Faszination aus?

Helmut Rizzolli: Unsere Bauernund Bürgertrachten sind ein ganz besonders schöner Ausdruck unserer Volkskultur. Sie lassen ehemals abgrenzbare Räume erken-

Die bildlich am frühesten dokumentierbaren Elemente sind die Burggräfler Joppe („Hemat“ genannt) um das Jahr 1700 und die Pusterer Männer- und Frauentracht einige Jahrzehnte später.

Gewachsene Trachten, erneuerte Trachten – von Gertrud Pesendorfer in der Optionszeit – und wiederbelebte Trachten, die abgekommen waren. Vor über zehn Jahren haben Sie mit der „Trachtenfibel“ einen Leitfadem zum Thema Trachten herausgebracht. Warum?

Es ist ein allgemein verständlicher Leitfaden zum Tragen und Anfer-

Was macht der Verein „Arbeitsgruppe Unsere Tracht“?

Welches sind ihre persönlichen Lieblingstrachten?

Helmut Rizzolli

abgekommener Trachten, wobei sich die Erneuerung auf die heutigen Erfordernisse der Tragbarkeit beschränken soll, und gediegenes handwerkliches Können zum Einsatz kommen soll. In einigen Fällen ist es gelungen, dass nicht nur trachtentragende Vereine sondern auch Einzelpersonen diese völlig in Vergessenheit geratenen Trachten nun als Bekenntnis ihrer Heimatverbundenheit wieder tragen.

Mich freut die Wiederbelebung

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WANDERN

Über den Kaiserberg Auf Schritt und Tritt dem Frühling entgegen! Die Umrundung von Schloss Sigmundskron, wärmeliebender Mäusedorn, Leberblümchen und Mandelbäume in Blüte, der Panoramablick auf die Montiggler Seen – ein Genuss! von Christl Fink

Wir starten am Bahnhof von Sigmundskron, gehen in wenigen Schritten zur Hauptstraße und sofort nach rechts über die Etschbrücke. Auf der linken Straßenseite müssen wir nun weiter bis zum Schild: „Mountain Museum Firmian“. Rund um Schloss Sigmundskron

Etwas versteckt entdecken wir den Wegweiser mit der Markierung 1, dieser folgen wir. Sofort geht es nach links, dann durch die Unterführung und gleich rechts aufwärts. Wir umrunden nun Schloss Sigmundskron von hinten. Wer mag, kann dann kurz über die Steintreppen hoch zum Schloss, doch wir bleiben auf der Markierung, gehen die asphaltierte Zufahrtsstraße an der Schranke vorbei nach rechts, bis wir den markierten Steig entdecken. Jetzt liegt Frangart direkt vor uns. Durch Laubwald voll von geschütztem Mäusedorn, 26

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wandern wir weiter und erreichen den imposanten Marklhof. Girlan, das Weindorf

Vor uns liegt das zur Großgemeinde Eppan gehörende Dorf Girlan inmitten von Weinbergen und geschützt durch die steilen Wände des Mendelkamms. Nun müssen wir bis zu den letzten Häusern von Schreckbichl über Asphalt tippeln. Erst geht es auf der kleinen Straße weiter, am Girlaner Hof vorbei zur Hauptstraße, dann nach links auf die Anhöhe des Bichls mit der kleinen Kirche zum hl. Kreuz. Wir folgen der von Häusern gesäumten, schmalen Straße geradeaus weiter bis zum Beginn der Forststraße. Markierung 1 ist ein breiter Forstweg, dann kommt eine Abzweigung nach links. Der Weg wird zusehends schmaler und ansteigend sogar zum Hohlweg.

Zum Hirschplatz

Der aufmerksame Wanderer entdeckt nicht nur die ersten Frühlingsboten, auch abgestorbene Bäume voller Spechtlöcher und immer wieder kleine Steinmännchen. Die Abzweigung zum „Wilder-Mann-Bühel“ lassen wir unbeachtet und gehen geradeaus weiter in Richtung Montiggler See. Bei den nächsten Abzweigungen gehen wir nur mehr kurz den breiten Weg Nr. 1. Jetzt aufgepasst: denn nun zweigt links ein nicht markierter Forstweg ab, dem wir erst abwärts, dann in einem weiten Linksbogen gemächlich ansteigend, folgen. Sobald der Sattel erreicht ist, wenden wir uns nach rechts und binnen kurzem erreichen wir eine weite, ebene Waldfläche mit einer Forsthütte: die Hirschplätze. Dahinter, am Abhang stehen zwei Rastbänke; von hier aus bietet sich ein einzigartiger Blick über beide Montiggler Seen, gerade recht für unsere Mittagsrast.


Schloss Sigmundskron

Durch den Mäusedornwald

Der kleine Montiggler See

Im Westen die Texelgruppe

Die Montiggler Seenrunde

Ausgeruht und gestärkt wenden wir uns zurück und sofort am Abhang nach rechts. Dort entdecken wir gleich einen nicht markierten, aber guten Steig, den wir nehmen. In leichtem Auf und Ab wandern wir, die Höhe haltend, an zahlreichen Tannen vorbei immer in dieselbe Richtung. Wir kommen zu einer Umzäunung, dieser entlang und dort, wo sich ein breiter Weg nach links wendet, macht unser Steig einen Rechtsknick, über den Hang abwärts, etwas steil bis zum Ufer des Großen Montiggler Sees. Nun müssen wir wiederum nach rechts und wandern dem Ufer des Großen und Kleinen Sees entlang. Endlich erreichen wir den Forstweg und die Hinweisschilder. In Richtung Girlan

Kurz geht es aufwärts bis zu der uns schon bekannten Kreuzung, hier links auf Markierung 2 über Stufen abwärts, an einem Wegkreuz mit Tisch und Bank vorbei und geradeaus weiter. Wir kommen am Biotop Gra-

Der Weiler Schreckbichl

venon vorbei zu den großen Parkplätzen, überqueren die Straße und auf dem Forstweg: „Herzweiher“ müssen wir weiter, fast bis zur Absperrung. Kurz zuvor geht rechts ein nichtmarkierter, schöner Steig ab, den wir nehmen. Immer in dieselbe Richtung wandern wir bis zur Straße und diese wenige Schritte aufwärts. Oberhalb der herrschaftlichen Villa zweigt links ein Feldweg ab, den wir nehmen. Erst geradeaus, dann links abwärts zur Straße, gegenüber ist das Hotel Weinegg, und wir wenden uns nach rechts in die Dorfmitte von Girlan. Die Pfarrkirche ist den Heiligen Martin und Wolfgang geweiht. Über Frangart nach Sigmundskron

Wir gehen hinter der Kirche die Weinstraße abwärts bis vor der Abzweigung zum Feltonhof, von wo die Mark. 2 links nach Frangart führt. Erst Weinberge entlang, dann nach links kommen wir in ein uriges, schmales Tal, nur am Beginn etwas holprig. Nun geht es einem Bächlein entlang abwärts bis zur asphaltierten Straße. Wir folgen dem Graben weiterhin bis

zur St.-Josefs-Kirche. Zur Straße hinunter, nach links und gleich über Stufen rechts hinunter, geht es auf dem Gehsteig nach rechts der Hauptstraße entlang. Wir wechseln auf die linke Straßenseite, da dort ein parallel verlaufender Steig ist und erreichen über die Brücke binnen kurzem den Bahnhof.

info

Ausgangspunkt: Bahnhof Sigmundskron Ziel: Hirschplätze und Montiggler Seen Anfahrt: Mit dem Zug. Gehzeiten: insgesamt rund 5 Std. Bahnhof Sigmundskron > Schreckbichl: 1,25 Std. > Hirschplatz 1,20 > Montiggler See: 35 Min. > Abzweigung Girlan: 30 Min. > Girlan: 50 Min.> Bahnnhof: Beste Zeit: Frühling, Winter, Herbst BAZ 6/22

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PRINFO Das Trailrunning-Event in Südtirol

Der Alpenplus Ötzi Trailrun Mit dem Frühling beginnt auch die Trailrun-Saison und der Alpenplus Ötzi Trailrun eröffnet diese zum zweiten Mal am Naturnser Sonnenberg. Athleten sowie Hobbyläufer nahmen am 5. September 2021 an der ersten Veranstaltung teil und konnten die eigenen Kräfte testen. Dass „Trailrunning“ sich immer mehr zur neuen Trendsportart entwickelt, konnte man bereits in den letzten Jahren beobachten. Die Strecken wurden vom Profi Daniel Jung ausgewählt. Der in Naturns lebende Sportler konnte mittlerweile sein Hobby zum Beruf machen. Seit einigen Jahren läuft er bei internationalen Rennen und kämpft um die Podestplätze mit. So ist er auch als Ideen- und Taktgeber bei der

Organisation des Trailrunning-Events in Naturns mit dabei. Zwei unterschiedliche Laufstrecken stehen den Teilnehmer zur Auswahl, sie können sich entscheiden zwischen dem Sunny-Mountain-Trail und dem Naturns-Skyrace. Der Sunny-Mountain-Trail ist mit seinen 30 Kilometern und 2100 Höhenmetern der herausfordernde der Beiden. Beim Naturns-Skyrace ist ca. die Hälfte der Strecke, also 15 Kilometer und 1200 Höhenmeter, zu bewältigen. Start und Ziel der beiden Rennen ist die Dorfmitte von Naturns. Heuer gibt es zu der Siegerehrung und den Preisen noch ein anderes „Goodie“ für die Läufer: Punkte für die ITRA und UTMB Läufe! Das Organisationsteam freut sich über

zahlreiche Teilnehmer sowie Zuschauer und eine gute Stimmung. Neben dem Wochenmarkt auf dem Rathausplatz gibt es auch passend dazu ein paar Ständchen im Start/ Ziel-Bereich und somit ist für die Verpflegung gesorgt! Anmeldungen und Infos finden Sie unter www.oetzi-trailrun.com. Für Einblicke in das Event und die Vorbereitungen folgt uns gerne auf Facebook Alpenplus Ötzi Trailrun und Instagram alpenplus_oetzi_trailrun.

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BAZ Nr. 6 vom 22/03/2022 by Bezirksmedien GmbH - Issuu